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  • Ein Mittel gegen Aids dringend gesucht!
    Erwachet! 2004 | 22. November
    • Ein Mittel gegen Aids dringend gesucht!

      Auf dem Zentralmarkt von Lilongwe (Malawi) verkauft eine junge Frau edle Schuhe. Grace wirkt gesund und zufrieden. Doch ihr freundliches Lächeln verbirgt eine Tragödie, die man ihr nicht ansieht.

      Grace und ihr Mann waren überglücklich, als 1993 ihre Tochter Tiyajane zur Welt kam. Anfangs schien Tiyajane bei guter Gesundheit zu sein. Aber schon bald nahm sie nicht mehr zu und bekam eine Infektion nach der anderen. Mit drei Jahren starb Tiyajane an Aids (erworbenes Immundefizienzsyndrom).

      Nur wenige Jahre später wurde auch der Ehemann von Grace immer öfter krank. Eines Tages kollabierte er und kam ins Krankenhaus. Doch die Ärzte konnten ihn nicht retten. Nach acht Jahren Ehe verlor Grace ihren Mann durch aidsbedingte Komplikationen.

      Heute lebt Grace allein in einem einfachen 1-Zimmer-Haus in einem Vorort von Lilongwe. Man könnte denken, mit 30 Jahren würde sie versuchen, ihr Leben neu aufzubauen. Grace erklärt allerdings: „Ich bin HIV-infiziert. Also werde ich weder heiraten noch jemals wieder Kinder haben.“a

      FÄLLE wie dieser sind in Malawi leider alles andere als selten — schätzungsweise 15 Prozent der Bevölkerung sind HIV-infiziert. Wie die Zeitung The Globe and Mail über die Situation in einem ländlichen Krankenhaus schrieb, „sind dort die Betten zu 150 Prozent ausgelastet und 50 Prozent des medizinischen Personals sind ausgefallen“. Der Grund: Aids. In anderen afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist Aids sogar noch weiter verbreitet. Das gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) berichtete im Jahr 2002: „Im subsaharischen Afrika beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung gegenwärtig 47 Jahre. Ohne Aids läge sie bei 62 Jahren.“

      Dabei ist die Seuche Aids keinesfalls auf den afrikanischen Kontinent beschränkt. Nach einem UNAIDS-Bericht sind auch in Indien rund 4 Millionen Menschen HIV-infiziert. „Ausgehend von der heutigen Infektionsrate wird HIV in diesem Jahrzehnt die Haupttodesursache bei Erwachsenen werden“, so der Bericht weiter. Am schnellsten breitet sich die Epidemie in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten aus, zu der die meisten ehemaligen Sowjetrepubliken gehören. Beispielsweise wurden in Usbekistan laut einer Meldung „allein 2002 mehr neue Fälle von HIV gemeldet als im ganzen Jahrzehnt davor“. Und in den Vereinigten Staaten ist HIV bei Menschen zwischen 25 und 44 nach wie vor eine der führenden Todesursachen.

      Erwachet! veröffentlichte 1986 zum ersten Mal eine Artikelserie über Aids. In jenem Jahr wies der damalige Direktor der Weltgesundheitsorganisation, Dr. H. Mahler, darauf hin, dass bereits ungefähr 10 Millionen Menschen mit HIV infiziert sein könnten. Fast 20 Jahre später ist die Zahl der HIV-Infizierten weltweit auf schätzungsweise 42 Millionen angestiegen — und damit 10-mal schneller gewachsen als die Bevölkerung. Nach Ansicht der Experten sieht die Zukunft nicht weniger düster aus. „In den 45 am stärksten betroffenen Ländern werden von 2000 bis 2020 wahrscheinlich 68 Millionen Menschen vorzeitig an Aids sterben“, berichtet UNAIDS.

      Angesichts der alarmierenden Infektionsrate wird ein Heilmittel gegen Aids heute dringender benötigt als je zuvor. Deshalb sucht die medizinische Forschung händeringend nach einer Waffe gegen das HI-Virus. Macht der Kampf gegen diese tödliche Plage irgendwelche Fortschritte? Besteht Hoffnung, dass Aids eines Tages besiegt sein wird?

      [Fußnote]

      a Das humane Immunschwächevirus (HIV) gilt als der Verursacher von Aids.

      [Herausgestellter Text auf Seite 4]

      Weltweit haben schätzungsweise 42 Millionen Menschen HIV/Aids; davon sind 2,5 Millionen Kinder

      [Bild auf Seite 4]

      INDIEN: Freiwillige medizinische Helferinnen werden über Aids informiert

      [Bildnachweis]

      © Peter Barker/Panos Pictures

      [Bild auf Seite 4]

      BRASILIEN: Eine Sozialarbeiterin tröstet eine aidskranke Frau

      [Bildnachweis]

      © Sean Sprague/Panos Pictures

      [Bild auf Seite 4]

      THAILAND: Ein freiwilliger Aidshelfer kümmert sich um ein von Geburt an HIV-infiziertes Kind

      [Bildnachweis]

      © Ian Teh/Panos Pictures

  • Fortschritte im Kampf gegen Aids
    Erwachet! 2004 | 22. November
    • Fortschritte im Kampf gegen Aids

      „Noch nie zuvor haben wir in so kurzer Zeit so viel über eine derart komplexe Krankheit herausgefunden“, schreibt Dr. Gerald J. Stine in seinem Buch AIDS Update 2003. Nach seinen Worten „ist die Geschichte der HIV/Aids-Forschung die Geschichte einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung“. Was ist erreicht worden?

      MODERNE medizinische Erkenntnisse und Erfahrung haben die Entwicklung von Medikamentenkombinationen ermöglicht, die HIV-Infizierten neue Hoffnung geben. Außerdem zeigen Kampagnen, die über Aids aufklären, in verschiedenen Ländern Wirkung. Signalisieren derartige Erfolge den Anfang vom Ende dieser tödlichen Epidemie? Lässt sich Aids durch Aufklärung und durch wissenschaftliche Bemühungen aufhalten? Dazu einige Informationen.

      Medikamentöse Behandlung

      „Ein Hoffnungsstrahl im Kampf gegen Aids“. So war ein Artikel der Zeitschrift Time vom 29. September 1986 überschrieben. Dieser „Hoffnungsstrahl“ war Azidothymidin (AZT), ein antiretrovirales Medikament gegen HIV, das damals aus der klinischen Erprobung kam. Patienten, die AZT nahmen, lebten bemerkenswerterweise länger. Seit damals haben antiretrovirale Medikamente (ARVs) das Leben von Hunderttausenden Menschen verlängert. (Siehe den Kasten auf Seite 7 „Was sind antiretrovirale Medikamente?“.) Wie erfolgreich waren diese Medikamente bei der Behandlung von HIV-Infektionen?

      Trotz der anfänglichen Begeisterung über die Freigabe von AZT erwähnte die Time auch Aidsforscher, „die AZT keinesfalls für eine Wunderwaffe gegen Aids halten“. Diese Forscher sollten Recht behalten. Da manche Patienten AZT nicht vertrugen, wurden andere antiretrovirale Medikamente entwickelt. Später erlaubte die amerikanische Nahrungs- und Arzneimittelbehörde, HIV-Patienten im fortgeschrittenen Stadium mit einer Kombination antiretroviraler Medikamente zu behandeln. Die so genannte Kombinationstherapie, bei der drei oder mehr ARVs gleichzeitig verabreicht werden, wurde von Aidshelfern enthusiastisch begrüßt. Auf einer internationalen Aidskonferenz im Jahr 1996 erklärte ein Arzt sogar, die Medikamente könnten Aids völlig aus dem Körper verbannen.

      Wie leider schon nach einem Jahr deutlich wurde, konnte jedoch sogar eine sorgfältig durchgeführte Kombinationstherapie mit drei Medikamenten HIV nicht vollständig beseitigen. Dennoch betont ein UNAIDS-Bericht: „Dank der ARV-Kombinationstherapie können HIV-positive Menschen ein längeres, gesünderes und produktiveres Leben führen.“ So konnte die Zahl der Aidstoten in den Vereinigten Staaten und in Europa mithilfe von ARVs um mehr als 70 Prozent gesenkt werden. Zudem belegen mehrere Studien, dass ausgewählte ARV-Behandlungen das Risiko für ungeborene Kinder erheblich reduzieren können, durch ihre Mütter mit HIV infiziert zu werden.

      Allerdings gibt es auch Millionen HIV-infizierte Menschen, denen der Zugang zu ARVs verwehrt bleibt. Warum?

      „Eine Krankheit der Armut“

      In Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen ist die ARV-Behandlung heute Standard. In manchen Entwicklungsländern dagegen erhalten nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur 5 Prozent derjenigen, die eine ARV-Behandlung benötigen, diese Medikamente. Beauftragte der Vereinten Nationen bezeichnen dieses Ungleichgewicht sogar als „gravierende Ungerechtigkeit“ und als „groteske Obszönität der modernen Gesellschaft“.

      Auch innerhalb eines Landes haben nicht unbedingt alle Bürger Zugang zu einer solchen Behandlung. Die Globe and Mail berichtet beispielsweise, dass jeder dritte Kanadier, der an Aids stirbt, niemals mit ARVs behandelt wurde. Obwohl die Medikamente in Kanada sogar kostenfrei zur Verfügung stehen, hat man bestimmte Gruppen übersehen. „Gerade diejenigen, die nicht richtig behandelt wurden“, so die Zeitung, „sind oft in einer besonders verzweifelten Lage: Ureinwohner, Frauen und Arme.“ Der Guardian zitierte eine afrikanische Mutter, die sagte: „Ich verstehe das einfach nicht. Warum dürfen diese weißen Männer, die Sex mit Männern haben, leben und ich muss sterben?“ Die Antwort hat mit der wirtschaftlichen Seite der Herstellung und Verteilung von Medikamenten zu tun.

      In den Vereinigten Staaten und in Europa kostet eine Kombinationstherapie pro Jahr 8 000 bis 12 000 Euro. Obwohl in manchen Entwicklungsländern mittlerweile Generika (Nachahmerpräparate) dieser Medikamentenkombinationen angeboten werden, die jährlich etwa 240 Euro oder weniger kosten, können sich viele HIV-Infizierte absolut keine Behandlung leisten — und das gerade in den Regionen, wo die Menschen besonders auf ARVs angewiesen sind. Dr. Stine fasst die Lage mit den Worten zusammen: „Aids ist eine Krankheit der Armut.“

      Medikamente — die wirtschaftliche Seite

      Von patentierten Medikamenten Generika herzustellen und sie billiger zu verkaufen ist nicht ganz unkompliziert. In vielen Ländern ist es gesetzlich streng verboten, geschützte Medikamente ohne Erlaubnis zu kopieren. „Das ist ein Wirtschaftskrieg“, erklärte der Direktor eines großen Pharmaunternehmens. Wie er sagte, sei es „gegenüber denjenigen, die diese Medikamente entwickelt haben, nicht fair“, Nachahmerpräparate herzustellen und sie mit Gewinn an Entwicklungsländer zu verkaufen. Die Hersteller von Markenpräparaten argumentieren außerdem, schrumpfende Profite würden letzten Endes zu Lasten medizinischer Forschungs- und Entwicklungsprogramme gehen. Andere befürchten, billige antiretrovirale Medikamente, die für Entwicklungsländer bestimmt sind, könnten schließlich doch in den Industrienationen auf dem Schwarzmarkt landen.

      Die Befürworter preiswerter ARVs kontern mit der Behauptung, neue Medikamente ließen sich für 5 bis 10 Prozent der von der Pharmaindustrie angegebenen Kosten herstellen. Außerdem sagen sie, private Pharmaunternehmen hätten Krankheiten ärmerer Länder häufig aus der Forschung und Entwicklung ausgeklammert. In diesem Sinne erklärte Daniel Berman, Koordinator des Projekts „Besserer Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten“: „Für neue Medikamente benötigen wir ein internationales System, das für Entwicklungsländer Preisreduzierungen auf ein erschwingliches Niveau durchsetzt.“

      Als Reaktion auf den globalen Bedarf an ARV-Behandlungen hat die WHO die „3-bis-5-Kampagne“ ins Leben gerufen. Ziel dieses Projekts ist es, 3 Millionen HIV/Aids-Kranke bis Ende 2005 mit antiretroviralen Medikamenten zu versorgen. „Das 3-bis-5-Projekt darf nicht ein weiteres verfehltes Ziel der Vereinten Nationen werden“, mahnte Nathan Ford von „Ärzte ohne Grenzen“. „Das ist nur die Hälfte aller Menschen, die heute schon eine ARV-Behandlung benötigen, und die Zahl wird [bis 2005] zweifellos noch erheblich größer werden.“

      Weitere Hindernisse

      Selbst wenn den Entwicklungsländern genügend ARVs zur Verfügung gestellt würden, wären damit noch nicht alle Hindernisse überwunden. Einige Medikamente müssen zum Essen und mit sauberem Wasser eingenommen werden, doch in manchen Ländern haben Hunderttausende von Menschen nur jeden zweiten Tag etwas zu essen. ARVs (oftmals 20 oder mehr Tabletten pro Tag) müssen täglich zu bestimmten Zeiten eingenommen werden, aber viele Patienten besitzen keine Uhr. Die Medikamentenkombination muss auf den Zustand des Patienten abgestimmt werden. Allerdings herrscht in vielen Ländern ein starker Ärztemangel. ARV-Behandlungen in Entwicklungsländern durchzuführen ist eindeutig alles andere als einfach.

      Sogar in den Industrienationen tun sich Patienten schwer, die Kombinationstherapie richtig durchzuführen. Wie entsprechende Forschungen belegen, werden die Medikamente erschreckend häufig unvollständig und zur falschen Zeit eingenommen. Das wiederum kann eine Medikamentenresistenz nach sich ziehen. Dabei entstehen resistente HIV-Varianten, die auf andere Menschen übertragen werden können.

      Dr. Stine weist auf ein zusätzliches Problem hin, vor dem HIV-Patienten stehen. „Das Paradoxe an einer HIV-Behandlung ist, dass die Therapie einem manchmal schlimmer zusetzt als die Krankheit selbst, besonders wenn man mit der Behandlung beginnt, bevor sich Symptome zeigen.“ HIV-Patienten, die mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden, leiden oft unter Nebenwirkungen wie Diabetes, Fettumverteilung, erhöhten Cholesterinwerten und nachlassender Knochendichte. Manche Nebenwirkungen sind sogar lebensbedrohlich.

      Vorsorge und Aufklärung

      Wie erfolgreich waren die Bemühungen, die Ausbreitung von Aids durch Aufklärung zu bremsen und riskante Verhaltensweisen zu verändern? In Uganda ist es in den 1990er Jahren durch groß angelegte Aufklärungskampagnen gelungen, die HIV-Rate von schätzungsweise 14 Prozent auf rund 8 Prozent im Jahr 2000 zu senken. Die Bemühungen Senegals, seine Bürger über die Gefahren einer HIV-Infektion aufzuklären, waren ähnlich erfolgreich. In diesem Land konnte die HIV-Rate Erwachsener unter 1 Prozent gehalten werden. Ergebnisse wie diese machen Mut.

      In anderen Ländern war die Aidsaufklärung dagegen nicht so erfolgreich. Wie eine Umfrage unter 11 000 jungen Kanadiern im Jahr 2002 zeigte, hielt die Hälfte der rund 15-jährigen Schüler Aids für heilbar. Gemäß einer britischen Studie aus demselben Jahr hatten 42 Prozent aller 10- bis 11-jährigen Jungen noch nie etwas von Aids oder HIV gehört. Doch selbst die Jugendlichen, die um das Risiko und die Unheilbarkeit von Aids wissen, sind sorglos geworden. „Für viele junge Leute“, sagt ein Arzt, „ist HIV lediglich ein Problem unter vielen, wie beispielsweise, ob sie etwas Leckeres zu essen bekommen, mit wem sie zusammenleben werden oder ob sie zur Schule gehen sollen.“

      Angesichts dessen überrascht die Feststellung der WHO nicht, dass „man der Epidemie wahrscheinlich am wirkungsvollsten entgegentritt, wenn man sich auf junge Leute konzentriert, vor allem in besonders stark betroffenen Ländern“. Wie kann man Jugendlichen helfen, die Warnungen vor den Gefahren von Aids auch wirklich zu beachten? Ist es realistisch, auf einen Sieg über Aids zu hoffen?

      [Herausgestellter Text auf Seite 6]

      Im vergangenen Jahr erhielten nur 2 Prozent der behandlungsbedürftigen Afrikaner ARVs, verglichen mit 84 Prozent auf dem amerikanischen Kontinent

      [Kasten/Bilder auf Seite 7]

      Was sind antiretrovirale Medikamente?a

      Bei einem gesunden Menschen veranlassen T-Helferzellen das Immunsystem, Infektionen zu bekämpfen. Das HI-Virus greift vor allem diese T-Helferzellen an. Es benutzt die Zellen, um sich zu kopieren (Replikation), und fügt dem Immunsystem schweren Schaden zu, indem es T-Helferzellen schwächt und zerstört. ARVs unterbrechen diesen Replikationsvorgang.

      Gegenwärtig werden vier Arten antiretroviraler Medikamente eingesetzt. Zwei sind Nukleosidanaloge- und Nicht-nukleosidanaloge-reverse-Transkriptase-Hemmer. Diese hindern das HI-Virus daran, sich in menschliche DNS umzuschreiben. Proteasehemmer dagegen hindern ein bestimmtes Proteaseenzym in den befallenen Zellen daran, das Virus umzubauen und weitere HI-Viren zu produzieren. Fusionshemmer sollen das Eindringen des HI-Virus in die Zelle unterbinden. ARVs unterdrücken die HIV-Replikation und verzögern so das Entstehen von Aids, der schwersten klinischen Form einer HIV-Infektion.

      [Fußnote]

      a Nicht alle HIV-Infizierten bekommen antiretrovirale Medikamente (ARVs) verschrieben. Wer HIV-infiziert ist oder dies vermutet, sollte nicht auf eigene Faust eine Behandlung anfangen, sondern zum Arzt gehen. Erwachet! empfiehlt keinen bestimmten medizinischen Ansatz.

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      KENIA: Ein Arzt erklärt einem Aidspatienten die ARV-Behandlung

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      © Sven Torfinn/Panos Pictures

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      KENIA: In einem Krankenhaus erhält eine Aidspatientin ihre Medikamente

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      © Sven Torfinn/Panos Pictures

      [Kasten/Bilder auf Seite 8]

      Frauen und Aids

      50 Prozent aller Erwachsenen mit HIV/Aids sind heute Frauen

      Als 1982 bei Frauen Aids festgestellt wurde, dachte man zunächst, sie müssten sich durch intravenösen Drogenmissbrauch angesteckt haben. Doch wie sich bald herausstellte, können sich Frauen durch normalen Geschlechtsverkehr mit HIV infizieren und gelten sogar als besonders ansteckungsgefährdet. 50 Prozent aller Erwachsenen mit HIV/Aids sind heute Frauen. „Die Epidemie betrifft überdurchschnittlich viele Frauen und Mädchen, denn in der Regel nehmen sie die Last auf sich, Kranke und Sterbende zu versorgen, und gleichzeitig sind sie sozial, kulturell, körperlich und wirtschaftlich benachteiligt“, berichtet UNAIDS.

      Warum ist die Zunahme der Krankheit unter Frauen für Aidshelfer so besorgniserregend? Vor allem in Entwicklungsländern werden HIV-infizierte Frauen oft noch stärker diskriminiert als Männer. Ist die Frau schwanger, steht auch die Gesundheit ihres Kindes auf dem Spiel; hat sie bereits Kinder, wird es vor allem für allein stehende Mütter schwer, sich um sie zu kümmern. Zudem ist über die spezielle Situation HIV-infizierter Frauen und ihre klinische Versorgung relativ wenig bekannt.

      Bestimmte kulturelle Faktoren machen die Lage für Frauen besonders gefährlich. In vielen Ländern haben Frauen beim Thema Sexualität nichts mitzureden und riskieren misshandelt zu werden, wenn sie Geschlechtsverkehr ablehnen. Die Männer haben oft viele Sexualpartnerinnen und stecken sie unwissentlich mit HIV an. Einige afrikanische Männer schlafen mit jüngeren Frauen, weil sie sich nicht mit HIV anstecken wollen oder weil sie irrigerweise glauben, Geschlechtsverkehr mit Jungfrauen könne Aids heilen. Kein Wunder, dass die WHO empfiehlt: „Um die Frauen zu schützen, müssen sich die Maßnahmen an Männer (und an Frauen) richten.“

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      PERU: Eine HIV-positive Mutter mit ihrer HIV-negativen Tochter

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      © Annie Bungeroth/Panos Pictures

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      THAILAND: Während ihrer Ausbildung besuchen Studentinnen eine Aidskranke

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      © Ian Teh/Panos Pictures

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      KENIA: Ein Treffen mit Mitgliedern der Organisation „Women Living With AIDS“

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      © Sven Torfinn/Panos Pictures

      [Kasten/Bild auf Seite 9]

      Aids — falsche Vorstellungen

      ◼ HIV-Infizierte sehen krank aus. „Im Durchschnitt dauert es nach einer HIV-Infektion 10 bis 12 Jahre, bis jemand Aids bekommt“, erklärt Dr. Gerald J. Stine. „Obwohl in dieser Zeit bei HIV-Infizierten kaum oder überhaupt keine erkennbaren Symptome auftreten, können sie andere Menschen anstecken.“

      ◼ Aids ist eine Krankheit Homosexueller. Anfang der 1980er Jahre wurde Aids zunächst für eine Krankheit Homosexueller gehalten. Doch heute wird HIV in weiten Teilen der Welt vor allem durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen.

      ◼ Oraler Sex ist „sicherer Sex“. Nach Angaben der US-Zentren für Gesundheitsüberwachung „haben zahlreiche Studien gezeigt, dass oraler Verkehr zur Ansteckung mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten führen kann“. Das Risiko, sich durch Oralverkehr mit HIV zu infizieren, ist geringer als bei anderen Sexualpraktiken. Allerdings ist diese Praxis mittlerweile so häufig, dass manche Ärzte darin einen künftigen Hauptübertragungsweg von HIV sehen.

      ◼ Aids ist heilbar. Die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten kann bei manchen Patienten zwar den Übergang von einer HIV-Infektion zu Aids verzögern, aber bisher gibt es weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel.

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      TSCHECHISCHE REPUBLIK: Blutabnahme für einen Aidstest; Aids ist heute behandelbar, aber nicht heilbar

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      © Liba Taylor/Panos Pictures

      [Bild auf Seite 6]

      SAMBIA: Zwei HIV-positive Mädchen warten auf ihre Medikamente

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      © Pep Bonet/Panos Pictures

  • Wann wird Aids besiegt sein?
    Erwachet! 2004 | 22. November
    • Wann wird Aids besiegt sein?

      Kinder und Jugendliche werden schon sehr früh mit sexuellen Inhalten bombardiert, die promiskuitives Verhalten propagieren. Intravenös gespritzte Drogen sind weit verbreitet und beschleunigen den Vormarsch von HIV ebenfalls gewaltig. Angesichts des unverantwortlichen Verhaltens, das heute an der Tagesordnung ist, kann man sich durchaus fragen, ob Aids überhaupt jemals besiegt werden wird.

      FACHLEUTE betonen zu Recht, wie wichtig es im Kampf gegen Aids ist, das Verhalten der Menschen zu ändern. Beispielsweise fordern die US-Zentren für Gesundheitsüberwachung: „Jede neue Generation junger Leute — wirklich jede — muss ständig und umfassend über Gesundheitsfragen aufgeklärt werden. Man muss ihnen helfen, ein Leben lang Verhaltensweisen zu meiden, die zu einer HIV-Infektion führen können. Derartig umfassende Programme verlangen die Mitarbeit von Lehrern und Eltern.“

      Zweifellos müssen Eltern ihre Kinder über diese Gefahren aufklären, und zwar bevor sie von Altersgenossen oder anderen falsch informiert werden. Wenn es auch nicht immer leicht ist, darüber zu reden — für das Kind kann es lebenswichtig sein! Kinder über Sexualität und Drogen aufzuklären, muss ihrer kindlichen Unschuld nicht schaden, im Gegenteil: Es kann sie davor bewahren, ihrer Unschuld eines Tages beraubt zu werden.

      Eltern und Erziehung

      In Gottes Volk der alten Zeit wurde von Eltern erwartet, ihre Kinder über Sexualität aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie sie ihre Gesundheit schützen können. Interessanterweise enthielten die Gesetze im alten Israel unmissverständliche sittliche Richtlinien sowie praktische Hinweise, die sie vor Infektionen bewahren konnten (3. Mose 18:22, 23; 19:29; 5. Mose 23:12, 13). Wie wurde das Volk in diesen Gesetzen unterwiesen? Jehova hatte den Israeliten geboten: „Es soll sich erweisen, dass diese Worte, die ich dir heute gebiete, auf deinem Herzen sind.“ Die Eltern mussten selbst verstehen, warum es einem nützt, die Gesetze zu halten, und was die Folgen wären, sie zu ignorieren. Dann wurden sie angewiesen: „Du sollst sie deinem Sohn einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“ (5. Mose 6:6, 7).

      Ein Wörterbuch definiert „einschärfen“ als „lehren und einprägen durch eindringliches, häufiges Wiederholen“. Das erfordert zweifellos Zeit. Doch Kinder, deren Eltern sich die Zeit nehmen, ihnen zu erklären, was an Drogenmissbrauch und Unsittlichkeit so gefährlich ist, werden eher in der Lage sein, Verhaltensweisen zu vermeiden, durch die sie sich HIV oder andere Krankheiten zuziehen können.a

      Trost für Menschen mit HIV/Aids

      Für die vielen Millionen, die sich bereits mit HIV/Aids infiziert haben, sind Vorbeugemaßnahmen wahrscheinlich ein schwacher Trost. Diese Menschen müssen oft nicht nur die körperlichen Folgen der Krankheit ertragen, sondern werden aufgrund ihres Zustands auch stigmatisiert und ausgegrenzt. Warum? Eine weit verbreitete, allerdings falsche Vorstellung ist, HIV könne bereits durch flüchtigen Kontakt übertragen werden. Da HIV/Aids sowohl ansteckend als auch lebensgefährlich ist, ist es verständlich, dass man sich vor einer Ansteckung fürchtet. Bei manchen ist die Angst vor der Krankheit allerdings zu einer irrationalen Angst vor den Kranken geworden. Betroffenen wurde medizinische Hilfe verweigert, sie wurden von ihrer Kirche verstoßen und sogar tätlich angegriffen.

      Manche haben behauptet, Aids sei ein Fluch, den Gott über schlechte Menschen bringe. Sicherlich hätten sich viele Betroffene nicht infiziert, wenn sie die biblischen Grundsätze über Sexualmoral, Drogengebrauch und Blut befolgt hätten (Apostelgeschichte 15:28, 29; 2. Korinther 7:1). Andererseits stellt die Bibel Krankheiten keinesfalls als Strafe Gottes für gewisse Sünden dar. Im Gegenteil, sie sagt: „Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst irgend jemand“ (Jakobus 1:13; Johannes 9:1-3). Wer an HIV oder Aids erkrankt ist, weil er biblische Maßstäbe missachtet hat, dann aber sein Verhalten ändert, wird von Gott garantiert nicht im Stich gelassen.

      Wie sehr Gott chronisch Kranke liebt und mit ihnen fühlt, wurde deutlich, als sein Sohn Jesus auf der Erde war. Als Jesus einem Aussätzigen begegnete, war er „von Mitleid bewegt, streckte . . . seine Hand aus und rührte ihn an“. Jesus machte von seiner übernatürlichen Macht Gebrauch und heilte den Aussätzigen (Markus 1:40-42). Jesus behandelte Kranke nicht geringschätzig. Er erwies ihnen genau die Liebe, die auch sein himmlischer Vater für sie empfindet (Lukas 10:22).

      Das Ende von Aids — bald!

      Jesu wunderbare Heilungen sind mehr als nur ein Beweis dafür, wie sehr Gott die Menschen liebt. Gemäß der Bibel regiert Jesus heute bereits als König im Himmel (Offenbarung 11:15). Jesu Dienst auf der Erde hat deutlich gezeigt, dass er sowohl die Macht als auch den Wunsch hat, sämtliche Krankheiten zu heilen, die die Menschheit plagen. Und genau das wird er tun.

      Biblische Prophezeiungen geben uns die Zuversicht, dass schon bald niemand mehr sagen wird: „Ich bin krank“ (Jesaja 33:24). Obwohl die Menschen es nicht geschafft haben, die Ausbreitung von Aids aufzuhalten beziehungsweise alle Betroffenen wirksam zu behandeln, können wir zuversichtlich sein, dass Aids beseitigt werden wird. „Segne Jehova, o meine Seele“, sagte König David, „und vergiss nicht alle seine Taten, ihn, der all deine Vergehung vergibt, der all deine Krankheiten heilt“ (Psalm 103:2, 3).

      Wann wird das geschehen? Was erwartet Gott von denjenigen, die hoffen, diese Segnungen mitzuerleben? Wir möchten Sie einladen, sich an Jehovas Zeugen zu wenden, um mehr über die wunderbare Verheißung der Bibel zu erfahren.

      [Fußnote]

      a Viele Eltern schätzen das Buch Lerne von dem großen Lehrer (herausgegeben von Jehovas Zeugen) als wertvolle Hilfe, kleine Kinder schrittweise über Sexualität und elementare sittliche Grundsätze zu belehren.

      [Herausgestellter Text auf Seite 11]

      Biblische Prophezeiungen geben uns die Zuversicht, dass schon bald niemand mehr sagen wird: „Ich bin krank“

      [Bild auf Seite 10]

      Kinder über Sexualität und Drogen aufzuklären, dient ihrem Schutz

      [Bild auf Seite 10]

      Dass Jesus seine Macht bereitwillig verwendete, um Kranke zu heilen, zeigt, was er in Zukunft tun wird

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