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  • „Die verheerendste Pandemie aller Zeiten“
    Erwachet! 2002 | 8. November
    • „Die verheerendste Pandemie aller Zeiten“

      VON EINEM ERWACHET!-MITARBEITER IN SÜDAFRIKA

      „Kein Krieg auf der Erde ist so verheerend wie die Aidspandemie“ (US-AUSSENMINISTER COLIN POWELL).

      DER erste offizielle Aidsreport erschien im Juni 1981. „Damals hätte sich keiner von uns ausmalen können, welches Ausmaß diese Epidemie annehmen würde“, sagte Peter Piot, Leiter des gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS). Innerhalb von 20 Jahren hat sich Aids zur größten Pandemie aller Zeiten entwickelt, und wie es scheint, wird es noch viel schlimmer werden.

      Gemäß Schätzungen sind mindestens 36 Millionen Menschen mit HIV (menschliches Immunschwächevirus) infiziert, 22 Millionen andere sind bereits an den Folgen von Aids gestorben.a Im Jahr 2000 forderte Aids weltweit 3 Millionen Todesopfer — mehr als in irgendeinem anderen Jahr seit Auftreten der Epidemie —, und das trotz der Behandlungsmöglichkeit mit antiretroviralen Medikamenten, über die vor allem wohlhabendere Nationen verfügen.

      Aids verbreitet sich in Afrika

      Mit schätzungsweise 25,3 Millionen Infizierten sind die Länder Afrikas südlich der Sahara zum Epizentrum der Aidspandemie geworden. Im Jahr 2000 starben allein in dieser Region etwa 2,4 Millionen Menschen an Aids — das sind 80 Prozent aller Aidstoten weltweit. Im subsaharischen Afrika ist Aids die Todesursache Nummer 1.b

      Mit schätzungsweise 4,7 Millionen Betroffenen ist Südafrika das Land mit den meisten Aidsinfizierten. Monat für Monat werden dort über 5 000 HIV-positive Kinder geboren. In seiner Rede anlässlich der 13. Weltaidskonferenz, die im Juli 2000 in Durban stattfand, sagte der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela: „Mit Entsetzen erfuhren wir, dass in Südafrika jeder zweite Jugendliche, das heißt die Hälfte unserer jungen Leute, an Aids sterben wird. Was uns am meisten erschreckt, ist, dass alle diese Infektionen, von denen die Statistiken uns berichten, und all das menschliche Elend vermeidbar gewesen wären und auch künftig vermieden werden könnten.“

      Die Aidsexplosion in anderen Ländern

      Auch in Osteuropa, in Asien und in der Karibik schnellen die Infektionsraten nach oben. Ende 1999 gab es in Osteuropa 420 000 Aidsinfizierte. Nach vorsichtigen Schätzungen war diese Zahl bis Ende 2000 auf 700 000 angestiegen.

      Bei einer Studie in sechs amerikanischen Großstädten stellte sich heraus, dass 12,3 Prozent der jungen männlichen Homosexuellen mit HIV infiziert waren. Allerdings wussten nur 29 Prozent der Betroffenen von ihrer Infektion. Die Epidemiologin, die die Untersuchung geleitet hatte, kommentierte dies mit den Worten: „Als wir herausfanden, dass so wenige HIV-positive Männer von ihrer Infektion wussten, waren wir schrecklich frustriert. Das heißt ja, dass Neuinfizierte das Virus verbreiten, ohne es zu ahnen.“

      Bei einem Treffen von Aidsexperten, das im Mai 2001 in der Schweiz stattfand, wurde diese Krankheit als „die verheerendste Pandemie aller Zeiten“ bezeichnet. Wie bereits erwähnt, ist die Aidspandemie in den Ländern südlich der Sahara besonders katastrophal. Der folgende Artikel befasst sich mit den Gründen.

      [Fußnoten]

      a Die Zahlen sind von UNAIDS veröffentlichte Schätzwerte.

      b Siehe Erwachet!, 22. Februar 2001, Seite 14, 15.

      [Herausgestellter Text auf Seite 3]

      „Was uns am meisten erschreckt, ist, dass alle diese Infektionen ... und all das menschliche Elend vermeidbar gewesen wären und auch künftig vermieden werden könnten“ (NELSON MANDELA)

      [Bild auf Seite 2, 3]

      Viele, die mit HIV infiziert sind, wissen nichts davon

      [Bildnachweis auf Seite 3]

      UN/DPI Photo 198594C/Greg Kinch

  • Die Verbreitung von Aids in Afrika
    Erwachet! 2002 | 8. November
    • Die Verbreitung von Aids in Afrika

      „Wir haben es mit einer Art moderner Apokalypse zu tun.“

      DIESE Worte des UN-Sonderbeauftragten für HIV/Aids in Afrika, Stephen Lewis, machen deutlich, wie besorgt viele angesichts der Situation im subsaharischen Afrika sind.

      Bei der Ausbreitung von HIV spielen verschiedene Faktoren eine Rolle und einige Probleme haben sich durch Aids noch verschärft. Die in manchen aidsgeplagten Ländern Afrikas und anderer Erdteile vorherrschenden Verhältnisse werden häufig mit den nachfolgend genannten Faktoren in Verbindung gebracht.

      Moralvorstellungen. Da HIV in erster Linie durch Sexualkontakte übertragen wird, fördert das Fehlen klarer sittlicher Werte offenbar die Ausbreitung der Krankheit. Dennoch halten es viele für nutzlos, Unverheiratete zu sexueller Abstinenz zu bewegen. „Es bringt nichts, Jugendliche einfach zur Enthaltsamkeit aufzufordern“, schrieb François Dufour in der Johannesburger Zeitung The Star. „Sie werden ständig mit erotischen Darstellungen bombardiert, an denen sie ihr Aussehen und ihr Verhalten orientieren.“

      Die Handlungsweise der jungen Leute scheint diese Einschätzung zu bestätigen. Wie eine Umfrage in einem Land ergab, hatte dort beispielsweise ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen bereits Geschlechtsverkehr.

      Angesichts zahlloser Vergewaltigungen in Südafrika spricht man dort von einer nationalen Tragödie. Einer Meldung der Johannesburger Zeitung The Citizen zufolge sind Vergewaltigungen so häufig, dass „sie jedes andere Gesundheitsrisiko für [südafrikanische] Frauen und Kinder übersteigen“. In dem gleichen Artikel hieß es weiter: „In letzter Zeit werden doppelt so viele Kinder vergewaltigt ... Diese Taten hängen offenbar mit dem verbreiteten Mythos zusammen, ein HIV-Infizierter werde dadurch geheilt, dass er eine Jungfrau vergewaltige.“

      Sexuell übertragbare Krankheiten. Derartige Krankheiten sind im subsaharischen Afrika weit verbreitet. Wie das South African Medical Journal schrieb, „erhöht eine sexuell übertragbare Krankheit das Risiko einer Infektion mit HIV-1 auf das 2- bis 5fache“.

      Armut. Die Armut, mit der viele afrikanische Nationen kämpfen, schafft Verhältnisse, die die Ausbreitung von Aids begünstigen. In den meisten Entwicklungsländern fehlt es an vielem, was in den Industrienationen selbstverständlich ist. Es gibt große Ortschaften ohne Strom- und Trinkwasserversorgung. Auf dem Land sind die Straßen kaum befahrbar, wenn es überhaupt welche gibt. Viele Menschen sind unterernährt und es fehlt an medizinischen Einrichtungen.

      Auch die Wirtschaft spürt die Folgen von Aids. In Bergwerksunternehmen geht die Produktion zurück, weil immer mehr Arbeitnehmer infiziert sind. Einige Firmen erwägen, den Verlust von Arbeitskräften durch Automatisierung und Mechanisierung bestimmter Arbeitsabläufe zu kompensieren. Die geschätzte Zahl der aidskranken Arbeiter einer Platinmine hat sich im Jahr 2000 beinahe verdoppelt; dort war über ein Viertel der Belegschaft infiziert.

      Eine besonders traurige Folge von Aids ist, dass viele Kinder zu Waisen werden, weil ihre Eltern an der Krankheit sterben. Diese Kinder verlieren nicht nur die Eltern und materielle Sicherheit, sie werden zusätzlich als solche gebrandmarkt, die mit Aids zu tun haben. Entferntere Verwandte oder die Behörden haben oft weder Geld noch Interesse, den Kindern zu helfen. Viele Waisen verlassen vorzeitig die Schule. Einige wenden sich der Prostitution zu, was die Verbreitung von Aids weiter verschlimmert. In manchen Ländern sind öffentliche oder private Hilfsprogramme ins Leben gerufen worden, um den Waisen zu helfen.

      Unwissenheit. Etliche sind mit HIV infiziert, ohne davon zu wissen. Angesichts der Stigmatisierung von Aidskranken ziehen es viele vor, sich nicht testen zu lassen. „Wer, wenn auch nur vermeintlich, mit HIV infiziert ist, erhält womöglich keine medizinische Behandlung, er findet weder Wohnung noch Arbeit; Freunde und Kollegen schneiden ihn, er kann keine Versicherung abschließen und andere Länder lassen ihn nicht einreisen“, heißt es in einer Pressemitteilung des gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS). Manch einer wurde bereits ermordet, nachdem bekannt geworden war, dass er HIV-positiv ist.

      Kultur. In vielen afrikanischen Kulturen haben Frauen oft weder das Recht, etwas über außereheliche Beziehungen ihres Mannes zu erfahren, noch dürfen sie geschlechtlichen Kontakt verweigern oder weniger riskante Sexualpraktiken vorschlagen. Traditionelle Vorstellungen spiegeln häufig Unwissenheit und Verleugnung des Themas Aids wider. So kann es vorkommen, dass der Kranke als verhext betrachtet wird und man sich an einen Medizinmann wendet.

      Unzureichende medizinische Infrastruktur. Aufgrund von Aids sind die ohnehin bescheidenen medizinischen Einrichtungen überlastet. Nach Angaben von zwei großen Krankenhäusern sind mehr als die Hälfte der dort behandelten Patienten HIV-positiv. Wie der Direktor eines Krankenhauses in KwaZulu-Natal berichtete, sind seine Stationen zu 140 Prozent ausgelastet. Manchmal müssen sich zwei Patienten ein Bett teilen, und eine dritte Person findet unter dem Bett Platz (South African Medical Journal).

      So schlimm die Situation in Afrika schon ist — wie es aussieht, wird es noch schlimmer kommen. „Wir befinden uns immer noch im Anfangsstadium der Epidemie“, stellte Peter Piot von UNAIDS fest.

      Zweifellos bemühen sich manche Länder, gegen die Krankheit vorzugehen. Im Juni 2001 hielt die Generalversammlung der Vereinten Nationen erstmals eine Sondersitzung zum Thema HIV/Aids ab. Werden die Bemühungen der Menschen zum Erfolg führen? Wann wird der todbringende Vormarsch von Aids endlich gestoppt werden?

      [Kasten/Bild auf Seite 5]

      VIRAMUN UND DAS SÜDAFRIKANISCHE DILEMMA

      Was ist Viramun? Die Journalistin Nicole Itano beschreibt es als „ein antiretrovirales Medikament, das gemäß Tests die Wahrscheinlichkeit einer Aidsübertragung von der Mutter auf das Kind um die Hälfte verringern kann“. Ein deutsches Pharmaunternehmen hatte der südafrikanischen Regierung angeboten, das Medikament 5 Jahre lang kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Doch bis August 2001 war das Angebot noch nicht angenommen worden. Worin bestand das Problem?

      In Südafrika gibt es 4,7 Millionen HIV-Infizierte — mehr als in jedem anderen Land. Wie der Londoner Economist im Februar 2002 schrieb, bezweifelt der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki, „die allgemein verbreitete Ansicht, dass HIV wirklich Aids verursacht“, und „lässt sich weder vom Preis noch von der Unbedenklichkeit und Wirksamkeit der Aidsmedikamente überzeugen. Er hat diese Medikamente zwar nicht verboten, doch wird südafrikanischen Ärzten davon abgeraten, sie zu verordnen.“ Warum ist das so alarmierend? Weil in Südafrika 25 Prozent der Schwangeren das Virus in sich tragen und jedes Jahr Tausende von Babys mit HIV zur Welt kommen.

      Diese gegensätzlichen Ansichten führten zu einem Gerichtsverfahren mit dem Ziel, die Regierung zur Ausgabe von Viramun zu zwingen. Im April 2002 machte das südafrikanische Verfassungsgericht seinen Standpunkt deutlich. Wie Ravi Nessman in der Washington Post schrieb, entschied das Gericht, dass „die Regierung das Medikament allen Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung stellen muss, die es verabreichen können“. Die Regierung hatte das Medikament zwar bereits probeweise an 18 verschiedenen Krankenhäusern eingesetzt, doch nach diesem Urteil schöpfen werdende Mütter, die HIV-positiv sind, im ganzen Land wieder neue Hoffnung.

      [Kasten/Bild auf Seite 6]

      EIN RAFFINIERTES VIRUS TRICKST DIE ZELLE AUS

      Werfen wir einmal einen kurzen Blick in die mikroskopisch kleine Welt des menschlichen Immunschwächevirus (HIV). Eine Wissenschaftlerin erläuterte: „Ich beobachte Viren schon seit vielen, vielen Jahren durch das Elektronenmikroskop, doch die Präzision sowie der raffinierte Aufbau von etwas so extrem Winzigem faszinieren und begeistern mich nach wie vor.“

      Ein Virus ist kleiner als eine Bakterie, die wiederum viel kleiner ist als eine durchschnittliche menschliche Zelle. Nach Auskunft von Fachleuten ist das HI-Virus so winzig, dass „230 Millionen [Viruspartikel] auf dem Schlusspunkt eines Satzes Platz hätten“. Ein Virus kann sich nur vermehren, wenn es in eine Wirtszelle eindringt und sozusagen das Kommando über die Zelle übernimmt.

      Befällt HIV den menschlichen Körper, muss es die starken Verteidigungskräfte überwinden, über die das Immunsystem verfügt.a Ein Verteidigungssystem besteht aus weißen Blutkörperchen, die im Knochenmark hergestellt werden. Zu den weißen Blutkörperchen zählen unter anderem zwei Hauptgruppen von Lymphozyten, die so genannten T- und B-Zellen. Bestimmte andere weiße Blutkörperchen werden als Phagozyten oder Fresszellen bezeichnet.

      Die T-Zellen gliedern sich in verschiedene Kategorien mit unterschiedlichen Funktionen. T-Helferzellen beispielsweise kommt in der Verteidigungsstrategie eine Schlüsselrolle zu. Sie helfen, Eindringlinge zu identifizieren, und erteilen Instruktionen für die Produktion von Zellen, die den Gegner attackieren und zerstören. Eben diese T-Helferzellen greift HIV mit Vorliebe an. Zum Verteidigungssystem zählen auch so genannte T-Killerzellen, die aktiviert werden, um befallene Körperzellen zu zerstören, sowie B-Zellen, die Antikörper für den Kampf gegen Infektionen herstellen.

      Eine raffinierte Strategie

      Das HI-Virus zählt zu den so genannten Retroviren. Der genetische Bauplan von HIV ist in Form von RNS angelegt und nicht in Form von DNS. Außerdem gehört HIV zu einer Untergruppe von Retroviren, die Lentiviren genannt werden, weil sie beträchtliche Zeit latent bleiben können, bevor ernstliche Symptome auftreten.

      Ist es HIV gelungen, in eine Wirtszelle einzudringen, kann das Virus den Zellmechanismus für seine Zwecke nutzen. Es „reprogrammiert“ die DNS der Zelle, sodass sie HIV mehrfach kopiert. Doch bevor das HI-Virus die Zelle dazu bringt, muss es seine „Sprache“ ändern. Es muss seine eigene RNS in DNS umwandeln, damit sie vom Zellmechanismus der Wirtszelle gelesen und umgesetzt werden kann. Dazu verwendet HIV ein virales Enzym namens Reverse Transkriptase. Wenn die Zelle später abstirbt, hat sie Tausende neuer Virusteilchen produziert. Diese neu hergestellten Virusteilchen infizieren andere Zellen.

      Hat die Zahl der T-Helferzellen deutlich abgenommen, bietet der Körper anderen Angreifern kaum Widerstand. Er wird von allen möglichen Krankheiten und Infektionen befallen. Der Betroffene hat Aids im Vollbild. HIV ist es gelungen, das gesamte Immunsystem lahm zu legen.

      Diese Erklärung ist natürlich stark vereinfacht. Man sollte nicht übersehen, dass sowohl das Immunsystem als auch die Wirkungsweise von HIV noch längst nicht restlos erforscht sind.

      Seit gut zwei Jahrzehnten widmen führende medizinische Forscher aus aller Welt ihre ganze Energie der kostspieligen Erforschung dieses kleinen Virus. Dank ihrer Bemühungen weiß man heute viel über HIV. Bereits vor einigen Jahren schrieb der Chirurg Dr. Sherwin B. Nuland, dass „das Wissen über die Übertragungswege und die Entwicklung der Krankheit und der Fortschritt in der Bekämpfung des tückischen Virus alles in allem erstaunlich sind“.

      Dennoch breitet sich die tödliche Seuche Aids auch weiterhin mit alarmierendem Tempo aus.

      [Fußnote]

      a Siehe Erwachet!, 8. Februar 2001, Seite 13—15.

      [Bild]

      HIV dringt in die Lymphozyten des Immunsystems ein und reprogrammiert sie auf die Produktion von HIV

      [Bildnachweis]

      CDC, Atlanta, Ga.

      [Bild auf Seite 7]

      Tausende von jungen Leuten leben nach biblischen Maßstäben

  • Wird Aids je gestoppt werden? Wenn ja, wie?
    Erwachet! 2002 | 8. November
    • Wird Aids je gestoppt werden? Wenn ja, wie?

      IN EINIGEN afrikanischen Ländern wurde die Aidsepidemie geraume Zeit geleugnet. Für manche Menschen war dieses Thema einfach tabu. Doch in letzter Zeit wendet man sich vor allem an junge Leute, informiert sie und regt eine offene Diskussion an. Der Erfolg dieser Bemühungen hält sich bisher allerdings in Grenzen. Eingebürgerte Lebensweisen und eingefleischte Gewohnheiten lassen sich nur schwer ändern.

      Medizinischer Fortschritt

      Die Forscher an der medizinischen Front haben viel über Aids herausgefunden und Medikamente entwickelt, die etlichen Betroffenen ein längeres Leben ermöglicht haben. In der Praxis bewährt sich bereits die so genannte antiretrovirale Kombinationstherapie mit mindestens drei antiretroviralen Medikamenten.

      Die erwähnten Medikamente können Aids zwar nicht heilen, doch mit ihrer Hilfe konnte vor allem in den Industrienationen die Sterberate von HIV-Patienten gesenkt werden. Viele betonen, dass diese Medikamente unbedingt auch den Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden müssten. Allerdings übersteigen die Kosten für derartige Präparate die finanziellen Möglichkeiten der meisten Bewohner dieser Länder bei weitem.

      Dadurch kam die Frage auf, was denn wichtiger ist: Profit oder Menschenleben? Der Direktor des brasilianischen Programms gegen HIV/Aids, Dr. Paulo Teixeira, kommentierte die Sachlage wie folgt: „Wir können nicht zulassen, dass Tausenden von Menschen lebenswichtige Medikamente einfach vorenthalten werden, und das auch noch zugunsten von weit überdurchschnittlichen Profiten. ... Wirtschaftliche Interessen sollten wirklich nicht vor ethischen und menschlichen Überlegungen rangieren.“

      Manche Länder haben beschlossen, bei bestimmten Medikamenten die Patente von Pharmakonzernen zu ignorieren und wesentlich billigere Generika zu importieren oder selbst herzustellen.a Gemäß einer Studie „lagen die Preise [der Nachahmerpräparate] bis zu 82 Prozent unter den regulären US-Preisen“, berichtete das South African Medical Journal.

      Hindernisse für eine Behandlung

      Mit der Zeit boten auch die großen Pharmaunternehmen ihre Aidsmedikamente den betroffenen Entwicklungsländern zu deutlich niedrigeren Preisen an. Dadurch, so hoffte man, könnten viel mehr Menschen von derartigen Medikamenten profitieren. Doch bevor sie dort allgemein zugänglich sein werden, sind noch erhebliche Hindernisse zu überwinden. Eines dieser Hindernisse sind die Kosten. Trotz der drastisch reduzierten Preise sind die Medikamente für die Mehrheit derjenigen, die sie benötigen, immer noch viel zu teuer.

      Ein anderes Problem besteht darin, dass die Medikation nicht einfach ist. Viele Tabletten müssen täglich zu ganz bestimmten Zeiten eingenommen werden. Geschieht das nicht oder wird der Behandlungsrhythmus unterbrochen, können sich medikamentenresistente Varianten des HI-Virus bilden. Die richtige Medikation sicherzustellen ist unter afrikanischen Verhältnissen keine leichte Aufgabe, weil es oft an Lebensmitteln, sauberem Trinkwasser und geeigneten medizinischen Einrichtungen fehlt.

      Ferner müssen die Patienten überwacht werden, damit man im Fall einer Resistenzentwicklung die Zusammenstellung der Medikamente ändern kann. Dies erfordert erfahrenes medizinisches Personal, und die entsprechenden Tests sind teuer. Außerdem haben die Medikamente Nebenwirkungen, und es bilden sich bereits medikamentenresistente Varianten des Virus.

      Um den Entwicklungsländern zu helfen, wurde auf der zum Thema Aids abgehaltenen Sondersitzung der UN-Generalversammlung vom Juni 2001 die Bildung eines globalen Gesundheitsfonds vorgeschlagen. Die benötigten Geldmittel wurden auf 8 bis 12 Milliarden Euro veranschlagt. Die bisher zugesagten Beiträge bleiben allerdings erheblich hinter der angestrebten Summe zurück.

      In der starken Hoffnung, einen Impfstoff zu finden, testen Wissenschaftler in verschiedenen Ländern mittlerweile unterschiedliche potenzielle Impfstoffe. Selbst wenn diese Anstrengungen zum Erfolg führen, wird es noch Jahre dauern, bis ein Impfstoff entwickelt und getestet sein wird und dann freigegeben werden kann.

      Einige Länder wie Brasilien, Thailand und Uganda konnten mit ihren Behandlungsprogrammen bemerkenswerte Erfolge erzielen. Mithilfe von Medikamenten, die im Land hergestellt wurden, konnte Brasilien die aidsbedingte Sterberate auf die Hälfte senken. Botsuana, ein kleines Land, das über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, versucht, allen Betroffenen antiretrovirale Medikamente zur Verfügung zu stellen und eine medizinische Grundversorgung zu organisieren.

      Der Sieg über Aids

      In einem wichtigen Punkt unterscheidet sich Aids von einigen anderen Epidemien: Aids ist vermeidbar. Wer bereit ist, an elementaren biblischen Grundsätzen festzuhalten, kann eine Ansteckung oft, wenn nicht gar immer, vermeiden.

      Die sittlichen Normen der Bibel sind eindeutig. Unverheiratete sollen auf Geschlechtsverkehr verzichten (1. Korinther 6:18). Verheiratete sollen ihrem Ehepartner treu bleiben; Ehebruch ist tabu (Hebräer 13:4). Wer die biblische Ermahnung beachtet, sich des Blutes zu enthalten, schützt sich ebenfalls (Apostelgeschichte 15:28, 29).

      Jemand, der bereits infiziert ist, kann Trost finden und echte Freude verspüren, wenn er erfährt, dass sich die göttliche Verheißung einer Welt ohne Krankheiten bald erfüllen wird, und wenn er schon jetzt gemäß Gottes Anforderungen lebt.

      Die Bibel versichert uns, dass zur gegebenen Zeit alle Leiden der Menschen, einschließlich Krankheiten, enden werden. Diese Verheißung ist im Bibelbuch Offenbarung zu finden: „Dann hörte ich eine laute Stimme vom Thron her sagen: ‚Siehe! Das Zelt Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen weilen, und sie werden seine Völker sein. Und Gott selbst wird bei ihnen sein. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer noch Geschrei noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen‘ “ (Offenbarung 21:3, 4).

      Diese Zusicherung richtet sich nicht nur an Personen, die sich kostspielige Medikamente leisten können. Die prophetische Verheißung aus Offenbarung, Kapitel 21 wird in Jesaja 33:24 bestätigt, wo es heißt: „Kein Bewohner wird sprechen: ‚Ich bin krank.‘ “ Dann werden sich alle Erdbewohner an Gottes Gesetze halten und sich vollkommener Gesundheit erfreuen. Der tödliche Vormarsch von Aids — und allen anderen Krankheiten — wird für immer gestoppt worden sein.

      [Fußnote]

      a Generika (Nachahmerpräparate) sind Kopien von Medikamenten, auf die andere pharmazeutische Unternehmen Patente haben. Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation dürfen sich in besonderen Notsituationen über Patente auf Medikamente hinwegsetzen.

      [Kasten/Bilder auf Seite 9, 10]

      ICH SUCHTE UND FAND WIRKLICHE HEILUNG

      Ich bin 23 und lebe im südlichen Afrika. Der Tag, an dem ich erfuhr, dass ich HIV-positiv bin, ist mir noch gut in Erinnerung.

      Meine Mutter war mit mir im Sprechzimmer, als der Arzt mir die traurigste Nachricht meines Lebens mitteilte. Ich war verwirrt und konnte es einfach nicht glauben. Zuerst dachte ich an einen Laborfehler. Ich wusste weder, was ich sagen, noch, was ich tun sollte. Mir war zum Heulen, aber ich konnte nicht einmal das. Der Arzt fing an, mit meiner Mutter über antiretrovirale Medikamente und andere Dinge zu sprechen, aber ich war so geschockt, dass ich von alldem nichts verstand.

      Mir wurde klar, dass ich mich möglicherweise bei einem Mitstudenten an der Uni angesteckt hatte. Wie gerne hätte ich mit irgendjemandem gesprochen, der meine Lage verstehen würde, aber mir fiel niemand ein. Das Gefühl, versagt zu haben und wertlos zu sein, überwältigte mich völlig. Meine Familie stand mir zwar bei, doch ich war ohne Hoffnung und voller Angst. Wie jeder andere junge Mensch auch, hatte ich so viele Träume gehabt. Bis zu meinem Universitätsabschluss in Naturwissenschaften hätten mir nur noch zwei Jahre gefehlt, doch jetzt war alles dahin.

      Obwohl ich begann, die antiretroviralen Medikamente zu nehmen, die man mir verordnet hatte, und zur Beratung für Aidskranke ging, war ich immer noch sehr niedergeschlagen. Ich betete zu Gott, er möge mir das wahre Christentum zeigen, bevor ich sterben würde. Ich war Mitglied einer Pfingstgemeinde, aber von meiner Kirche kam mich nie jemand besuchen. Ich wollte die Wahrheit darüber wissen, wohin ich nach meinem Tod kommen würde.

      Eines Vormittags Anfang August 1999 klopften zwei Zeuginnen Jehovas an meine Tür. An diesem Tag ging es mir zwar sehr schlecht, ich konnte aber im Wohnzimmer sitzen. Die beiden Damen stellten sich vor und sagten, sie würden ihren Mitmenschen helfen, die Bibel kennen zu lernen. Wie erleichtert war ich, dass meine Gebete doch noch erhört worden waren! Aber damals war ich so geschwächt, dass ich nicht lange lesen und mich auch nicht lange konzentrieren konnte.

      Dennoch erklärte ich ihnen, dass ich gern die Bibel studieren wolle, und wir verabredeten einen Termin. Leider wurde ich vorher zur Behandlung meiner Depressionen in eine psychiatrische Klinik gebracht. Als ich nach drei Wochen entlassen wurde, hatten die beiden Zeuginnen mich zu meiner Erleichterung nicht vergessen. Ich weiß noch, wie sich eine der beiden immer wieder bei mir meldete, um zu sehen, wie es mir ging. Meine körperliche Verfassung besserte sich etwas, und gegen Jahresende begann ich mit dem Bibelstudium. In meinem labilen Zustand fiel mir das alles andere als leicht, doch die Zeugin, die mit mir studierte, war verständnisvoll und geduldig.

      Ich war sehr beeindruckt von dem, was ich durch das Studium der Bibel über Jehova und seine Eigenschaften erfuhr sowie darüber, was es heißt, ihn wirklich zu kennen und sich auf ewiges Leben zu freuen. Zum ersten Mal verstand ich auch den Grund für die Leiden der Menschheit. Ich freute mich sehr, als ich lernte, was Gottes Königreich ist und dass es bald alle menschlichen Regierungen ablösen wird. All das bewog mich, meinen Lebensstil von Grund auf zu ändern.

      Ich hatte wirkliche Heilung gesucht und jetzt endlich habe ich sie gefunden. Zu wissen, dass Jehova mich immer noch liebt und sich um mich sorgt, tröstet mich wirklich! Früher dachte ich, Gott würde mich hassen und ich hätte mir deshalb diese Krankheit zugezogen. Doch jetzt weiß ich, dass Jehova auf der Grundlage von Jesu Loskaufsopfer liebevoll für die Vergebung der Sünden gesorgt hat. Mir ist klar geworden, dass Gott sich wirklich um uns sorgt, wie es auch in 1. Petrus 5:7 heißt: ‘Werft all eure Sorge auf ihn, denn er sorgt für euch.’

      Heute besuche ich die Zusammenkünfte im Königreichssaal, lese täglich in der Bibel und bemühe mich nach Kräften, Jehova so nahe zu sein wie irgend möglich. Obwohl es mir nicht immer leicht fällt, spreche ich im Gebet mit ihm über meine Ängste und bitte ihn um Kraft und Trost. Die Versammlung ist ebenfalls für mich da, sodass ich mich wirklich glücklich schätzen kann.

      Mit den Brüdern und Schwestern aus meiner Versammlung nehme ich auch regelmäßig am Verkündigungswerk teil. Ich will anderen in geistiger Hinsicht beistehen, besonders solchen, die in einer ähnlichen Lage sind wie ich selbst. Im Dezember 2001 habe ich mich taufen lassen.

      [Bild]

      Ich freute mich sehr, als ich lernte, was Gottes Königreich ist

      [Bild auf Seite 8]

      Ein Aidsberatungsteam in Botsuana

      [Bild auf Seite 10]

      Im Paradies auf der Erde werden sich alle vollkommener Gesundheit erfreuen

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