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  • „Die verheerendste Pandemie aller Zeiten“
    Erwachet! 2002 | 8. November
    • Aids verbreitet sich in Afrika

      Mit schätzungsweise 25,3 Millionen Infizierten sind die Länder Afrikas südlich der Sahara zum Epizentrum der Aidspandemie geworden. Im Jahr 2000 starben allein in dieser Region etwa 2,4 Millionen Menschen an Aids — das sind 80 Prozent aller Aidstoten weltweit. Im subsaharischen Afrika ist Aids die Todesursache Nummer 1.b

      Mit schätzungsweise 4,7 Millionen Betroffenen ist Südafrika das Land mit den meisten Aidsinfizierten. Monat für Monat werden dort über 5 000 HIV-positive Kinder geboren. In seiner Rede anlässlich der 13. Weltaidskonferenz, die im Juli 2000 in Durban stattfand, sagte der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela: „Mit Entsetzen erfuhren wir, dass in Südafrika jeder zweite Jugendliche, das heißt die Hälfte unserer jungen Leute, an Aids sterben wird. Was uns am meisten erschreckt, ist, dass alle diese Infektionen, von denen die Statistiken uns berichten, und all das menschliche Elend vermeidbar gewesen wären und auch künftig vermieden werden könnten.“

  • Die Verbreitung von Aids in Afrika
    Erwachet! 2002 | 8. November
    • Die Verbreitung von Aids in Afrika

      „Wir haben es mit einer Art moderner Apokalypse zu tun.“

      DIESE Worte des UN-Sonderbeauftragten für HIV/Aids in Afrika, Stephen Lewis, machen deutlich, wie besorgt viele angesichts der Situation im subsaharischen Afrika sind.

      Bei der Ausbreitung von HIV spielen verschiedene Faktoren eine Rolle und einige Probleme haben sich durch Aids noch verschärft. Die in manchen aidsgeplagten Ländern Afrikas und anderer Erdteile vorherrschenden Verhältnisse werden häufig mit den nachfolgend genannten Faktoren in Verbindung gebracht.

      Moralvorstellungen. Da HIV in erster Linie durch Sexualkontakte übertragen wird, fördert das Fehlen klarer sittlicher Werte offenbar die Ausbreitung der Krankheit. Dennoch halten es viele für nutzlos, Unverheiratete zu sexueller Abstinenz zu bewegen. „Es bringt nichts, Jugendliche einfach zur Enthaltsamkeit aufzufordern“, schrieb François Dufour in der Johannesburger Zeitung The Star. „Sie werden ständig mit erotischen Darstellungen bombardiert, an denen sie ihr Aussehen und ihr Verhalten orientieren.“

      Die Handlungsweise der jungen Leute scheint diese Einschätzung zu bestätigen. Wie eine Umfrage in einem Land ergab, hatte dort beispielsweise ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen bereits Geschlechtsverkehr.

      Angesichts zahlloser Vergewaltigungen in Südafrika spricht man dort von einer nationalen Tragödie. Einer Meldung der Johannesburger Zeitung The Citizen zufolge sind Vergewaltigungen so häufig, dass „sie jedes andere Gesundheitsrisiko für [südafrikanische] Frauen und Kinder übersteigen“. In dem gleichen Artikel hieß es weiter: „In letzter Zeit werden doppelt so viele Kinder vergewaltigt ... Diese Taten hängen offenbar mit dem verbreiteten Mythos zusammen, ein HIV-Infizierter werde dadurch geheilt, dass er eine Jungfrau vergewaltige.“

      Sexuell übertragbare Krankheiten. Derartige Krankheiten sind im subsaharischen Afrika weit verbreitet. Wie das South African Medical Journal schrieb, „erhöht eine sexuell übertragbare Krankheit das Risiko einer Infektion mit HIV-1 auf das 2- bis 5fache“.

      Armut. Die Armut, mit der viele afrikanische Nationen kämpfen, schafft Verhältnisse, die die Ausbreitung von Aids begünstigen. In den meisten Entwicklungsländern fehlt es an vielem, was in den Industrienationen selbstverständlich ist. Es gibt große Ortschaften ohne Strom- und Trinkwasserversorgung. Auf dem Land sind die Straßen kaum befahrbar, wenn es überhaupt welche gibt. Viele Menschen sind unterernährt und es fehlt an medizinischen Einrichtungen.

      Auch die Wirtschaft spürt die Folgen von Aids. In Bergwerksunternehmen geht die Produktion zurück, weil immer mehr Arbeitnehmer infiziert sind. Einige Firmen erwägen, den Verlust von Arbeitskräften durch Automatisierung und Mechanisierung bestimmter Arbeitsabläufe zu kompensieren. Die geschätzte Zahl der aidskranken Arbeiter einer Platinmine hat sich im Jahr 2000 beinahe verdoppelt; dort war über ein Viertel der Belegschaft infiziert.

      Eine besonders traurige Folge von Aids ist, dass viele Kinder zu Waisen werden, weil ihre Eltern an der Krankheit sterben. Diese Kinder verlieren nicht nur die Eltern und materielle Sicherheit, sie werden zusätzlich als solche gebrandmarkt, die mit Aids zu tun haben. Entferntere Verwandte oder die Behörden haben oft weder Geld noch Interesse, den Kindern zu helfen. Viele Waisen verlassen vorzeitig die Schule. Einige wenden sich der Prostitution zu, was die Verbreitung von Aids weiter verschlimmert. In manchen Ländern sind öffentliche oder private Hilfsprogramme ins Leben gerufen worden, um den Waisen zu helfen.

      Unwissenheit. Etliche sind mit HIV infiziert, ohne davon zu wissen. Angesichts der Stigmatisierung von Aidskranken ziehen es viele vor, sich nicht testen zu lassen. „Wer, wenn auch nur vermeintlich, mit HIV infiziert ist, erhält womöglich keine medizinische Behandlung, er findet weder Wohnung noch Arbeit; Freunde und Kollegen schneiden ihn, er kann keine Versicherung abschließen und andere Länder lassen ihn nicht einreisen“, heißt es in einer Pressemitteilung des gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS). Manch einer wurde bereits ermordet, nachdem bekannt geworden war, dass er HIV-positiv ist.

      Kultur. In vielen afrikanischen Kulturen haben Frauen oft weder das Recht, etwas über außereheliche Beziehungen ihres Mannes zu erfahren, noch dürfen sie geschlechtlichen Kontakt verweigern oder weniger riskante Sexualpraktiken vorschlagen. Traditionelle Vorstellungen spiegeln häufig Unwissenheit und Verleugnung des Themas Aids wider. So kann es vorkommen, dass der Kranke als verhext betrachtet wird und man sich an einen Medizinmann wendet.

      Unzureichende medizinische Infrastruktur. Aufgrund von Aids sind die ohnehin bescheidenen medizinischen Einrichtungen überlastet. Nach Angaben von zwei großen Krankenhäusern sind mehr als die Hälfte der dort behandelten Patienten HIV-positiv. Wie der Direktor eines Krankenhauses in KwaZulu-Natal berichtete, sind seine Stationen zu 140 Prozent ausgelastet. Manchmal müssen sich zwei Patienten ein Bett teilen, und eine dritte Person findet unter dem Bett Platz (South African Medical Journal).

      So schlimm die Situation in Afrika schon ist — wie es aussieht, wird es noch schlimmer kommen. „Wir befinden uns immer noch im Anfangsstadium der Epidemie“, stellte Peter Piot von UNAIDS fest.

      Zweifellos bemühen sich manche Länder, gegen die Krankheit vorzugehen. Im Juni 2001 hielt die Generalversammlung der Vereinten Nationen erstmals eine Sondersitzung zum Thema HIV/Aids ab. Werden die Bemühungen der Menschen zum Erfolg führen? Wann wird der todbringende Vormarsch von Aids endlich gestoppt werden?

      [Kasten/Bild auf Seite 5]

      VIRAMUN UND DAS SÜDAFRIKANISCHE DILEMMA

      Was ist Viramun? Die Journalistin Nicole Itano beschreibt es als „ein antiretrovirales Medikament, das gemäß Tests die Wahrscheinlichkeit einer Aidsübertragung von der Mutter auf das Kind um die Hälfte verringern kann“. Ein deutsches Pharmaunternehmen hatte der südafrikanischen Regierung angeboten, das Medikament 5 Jahre lang kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Doch bis August 2001 war das Angebot noch nicht angenommen worden. Worin bestand das Problem?

      In Südafrika gibt es 4,7 Millionen HIV-Infizierte — mehr als in jedem anderen Land. Wie der Londoner Economist im Februar 2002 schrieb, bezweifelt der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki, „die allgemein verbreitete Ansicht, dass HIV wirklich Aids verursacht“, und „lässt sich weder vom Preis noch von der Unbedenklichkeit und Wirksamkeit der Aidsmedikamente überzeugen. Er hat diese Medikamente zwar nicht verboten, doch wird südafrikanischen Ärzten davon abgeraten, sie zu verordnen.“ Warum ist das so alarmierend? Weil in Südafrika 25 Prozent der Schwangeren das Virus in sich tragen und jedes Jahr Tausende von Babys mit HIV zur Welt kommen.

      Diese gegensätzlichen Ansichten führten zu einem Gerichtsverfahren mit dem Ziel, die Regierung zur Ausgabe von Viramun zu zwingen. Im April 2002 machte das südafrikanische Verfassungsgericht seinen Standpunkt deutlich. Wie Ravi Nessman in der Washington Post schrieb, entschied das Gericht, dass „die Regierung das Medikament allen Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung stellen muss, die es verabreichen können“. Die Regierung hatte das Medikament zwar bereits probeweise an 18 verschiedenen Krankenhäusern eingesetzt, doch nach diesem Urteil schöpfen werdende Mütter, die HIV-positiv sind, im ganzen Land wieder neue Hoffnung.

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