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  • Wie schlimm ist Aids in Afrika?
    Erwachet! 1992 | 8. August
    • Wie schlimm ist Aids in Afrika?

      Von unserem Korrespondenten in Afrika

      DIE Voraussagen sind allgemein bekannt. Sie haben einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Auf dem afrikanischen Kontinent würden Millionen Menschen Aids bekommen. Ihr Immunsystem würde zusammenbrechen, so daß die natürlichen Verteidiger des Körpers gegen die Invasion schrecklicher Krankheiten wehrlos würden. So wie bei der Pest, die im 14. Jahrhundert Europa heimsuchte, würden Tod und Verheerung in noch nie dagewesenem Ausmaß folgen.

      Dann glätteten sich die Wogen wieder. Die Medien waren gesättigt, und die Öffentlichkeit wurde der reißerischen Untergangsprophezeiungen überdrüssig. Würde es wirklich so schlimm werden? Welches Ausmaß hat die Aidsepidemie in Afrika nun tatsächlich angenommen?

      „Niemand weiß, wie sich die Zahlen entwickeln werden“, meint der Aidsforscher Dr. Andre Spier. Aber er ist nicht optimistisch. „Die Zahl der Fälle wird bedeutend und für die ganze Gesellschaft außerordentlich zerstörerisch sein.“ In die gleiche Richtung ging die Vorhersage, die Dr. Lars Kallings anläßlich einer internationalen Aidskonferenz in Stockholm 1988 äußerte und gemäß der es „in nur ein paar Jahren eine beängstigende Zahl an Toten geben“ werde.

      Seither sind „ein paar Jahre“ vergangen. Viele der Voraussagen steuern jetzt unheildrohend auf ihre Erfüllung zu. Aus Zahlen werden Leichen. Und das Schlimmste steht uns erst noch bevor.

      Die Toten und die Sterbenden

      Tod und Verheerung haben eine Schneise durch viele Gebiete südlich der Sahara geschlagen. „In gewissen städtischen Zentren ist Aids“, wie einem Report in dem Wissenschaftsmagazin Nature zu entnehmen ist, „jetzt die häufigste Todesursache bei Erwachsenen und einer der wichtigsten Faktoren bei der Kindersterblichkeit.“ In einer afrikanischen Stadt kommen die Pfarrer kaum mit den Beerdigungen nach, die auf das Konto von Aids gehen.

      Als sich im Oktober 1991 die Staats- und Regierungschefs der Commonwealth-Länder in Harare (Simbabwe) trafen, wurde ihnen ein Memorandum über Aids in Afrika überreicht, das ein sehr düsteres Bild zeichnete. In einigen Ländern Afrikas seien, so das Memorandum, gegenwärtig 50 bis 80 Prozent aller Krankenhausbetten mit Aidspatienten belegt. Zu dem schwer betroffenen Uganda erklärte der Aidsspezialist Dr. Stan Houston, durch Aids seien dort bereits mehr Menschen umgekommen als in den letzten 15 Jahren Bürgerkrieg in diesem Land.

      Genauso beunruhigend sind die Erkenntnisse der Ärzte und Wissenschaftler in Abidjan (Côte d’Ivoire). Über einen Zeitraum von mehreren Monaten wurden in den zwei größten Leichenhallen der Stadt alle Leichen untersucht. Das Ergebnis? In der Zeitschrift Science, in der die Meldung darüber erschien, war zu lesen, daß gemäß den Untersuchungen in Abidjan Aids die „führende Todesursache“ unter erwachsenen Männern sei. Wie die Zeitschrift hinzufügte, wird in dem Zahlenmaterial „wahrscheinlich die wirkliche Mortalität infolge von Infektionen mit HIV [humanen Immunschwächeviren] unterbewertet“.

      Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die die weltweite Ausbreitung der Krankheit beobachtet, räumt ein, daß dies nur die Spitze des Eisberges ist. Der Zeitschrift New Scientist zufolge ist die WHO „davon überzeugt, daß viele Länder Ost- und Zentralafrikas nur ein Zehntel der Aidsfälle gemeldet haben ... Die Berichte sind unvollständig und ungenau, weil die Überwachung primitiv ist.“

      Latente Infektion

      Eines der schrecklichen Merkmale von Aids ist die lange Inkubationszeit, die den körperlichen Symptomen des Aidsvollbildes vorausgeht. Bis zu zehn Jahre kann der Infizierte das tödliche HIV in sich tragen. Er sieht vielleicht gesund aus und fühlt sich auch so. Solange der Betreffende sich nicht auf HIV testen läßt, so lange weiß er nichts von seiner tödlichen Krankheit — bis die Symptome auftreten. Es ist dieses scheinbar gesunde, aber infizierte Segment der Bevölkerung, durch das Aids unwissentlich verbreitet wird.

      Untersuchungen über die HIV-Infektionsraten offenbaren, in welchem Ausmaß sich die tödliche Plage über Afrika ausbreitet. Wie die Zeitschrift African Affairs beispielsweise berichtete, „wird aus dem dichtbesiedelten Landstrich am Victoriasee ... eine starke [HIV]Durchseuchung gemeldet ..., die irgendwo zwischen 10 und 18 Prozent bei Erwachsenen liegt, die als wenig oder durchschnittlich gefährdet eingestuft wurden, und die bis zu 67 Prozent bei denen mit einer großen Anzahl von Sexualpartnern beträgt“. Desgleichen wird in der Zeitschrift Nature geschätzt, daß „sich unter der erwachsenen Allgemeinbevölkerung die Infektion seit 1984 stetig ausgebreitet und in den am schlimmsten betroffenen urbanen Zentren 20—30 % erreicht hat“. Man stelle sich das vor — fast ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung erwartet innerhalb der nächsten zehn Jahre den Tod!

      Regierungen und führende Persönlichkeiten, die bisher zögerten, die Ausmaße der Epidemie bekanntzumachen, werden sich jetzt der vollen Tragweite bewußt. Ein ehemaliger afrikanischer Präsident gab seine Zustimmung zur Aidsbekämpfung — nachdem sein eigener Sohn an Aids gestorben war! Ein anderer politischer Führer erklärte, in seinem Land gebe es 500 000 HIV-Infizierte. Die meisten von ihnen wüßten nichts von ihrer tödlichen Krankheit und würden die Plage durch ihr promiskuitives Verhalten verbreiten.

      „Erzählt ihnen, was hier geschehen ist“

      Mit dem Anwachsen des HIV-infizierten Bevölkerungsteils steigt im Laufe der Zeit auch die Zahl der Schwerkranken und Sterbenden drastisch an. Dies wird unsägliche Trauer und unermeßliches Leid mit sich bringen. In dem schwer von Aids gezeichneten Grenzgebiet zwischen Uganda und Tansania hat es beispielsweise den 59jährigen Khamlua getroffen. Seit 1987 hat er 11 seiner Kinder und Enkel begraben — alles Aidsopfer. „Bringt meine Klagen hinaus in die Welt“, schluchzt er, von seinem Schicksal gebeutelt. „Erzählt ihnen, was hier geschehen ist.“

      Angesichts der Verbreitungswege von Aids droht das, was Khamlua in Afrika widerfahren ist, sich in vielen anderen Teilen der Welt zu wiederholen. „Aber“, so mag sich der eine oder andere fragen, „warum trägt Afrika die Hauptlast an so großem menschlichen Leid und Elend?“

      [Herausgestellter Text auf Seite 3]

      In einigen Entwicklungsländern „wird sich Aids bis zum Jahr 1993 zur häufigsten Todesursache entwickelt haben“ (The World Today, England)

  • Warum hat es Afrika so schwer getroffen?
    Erwachet! 1992 | 8. August
    • Warum hat es Afrika so schwer getroffen?

      JACOB, 42 Jahre alt, ist ein kranker Mann. Er hat Aids. Er hat auch seine Frau mit Aids angesteckt. „Meine Frau weiß, daß sie es von mir bekommen hat“, gesteht Jacob ein.

      Doch wie hat sich Jacob das tödliche Virus geholt? Er erklärt: „Ich lebte allein in Harare und fuhr von Sambia durch Simbabwe die ganze Strecke bis Botswana und Swasiland. Meine Frau lebte mit unsern Kindern in Manicaland [Simbabwe]. Und wir Fahrer taten einiges, womit wir hätten vorsichtiger sein sollen.“

      Promiskuität und die Seuche

      Promiskuitives Verhalten ist heutzutage in Afrika der Hauptverbreitungsweg von Aids. Einfach ausgedrückt: „Sexuelle Normen sind auf breiter Front zusammengebrochen“ (Dawn Mokhobo, Aidsforscher). In der Zeitschrift African Affairs stand zu lesen: „Das subsaharische Afrika legt großen Wert auf Kinder, aber geringen Wert auf die Ehe. Die Mißbilligung der außerehelichen Sexualität, selbst ... wenn sie zur Schwangerschaft führt, ist nicht sehr groß.“ Gemäß Nature beginnt der Infektionsweg typischerweise bei den Prostituierten. In dem Bericht heißt es: „Prostituierte geben die Seuche an die monogamsten Frauen weiter, und zwar durch den Kontakt mit promiskuitiven Ehemännern.“

      Nicht gerade viele sind bereit, ihr Verhalten zu ändern. Das Panos Document über Aids in Afrika gibt die folgende Erfahrung eines Mediziners in Zaire wieder: „Eines Abends gingen einige zairische Kollegen, mit denen ich zuvor in einer ländlichen Gegend Bluttests durchgeführt hatte, mit Mädchen vom Ort aus. Sie schliefen mit ihnen, und nur einer benutzte ein Kondom.“ Als er sie auf das Risiko hin ansprach, „lachten sie und sagten, man könnte nicht das Leben aufgeben, nur weil man vielleicht eine Krankheit bekäme“. Ja, „Zufallsbekanntschaften“ werden von vielen als „Leben“ angesehen — als Spaß, als Unterhaltung.

      Wie in vielen anderen Teilen der Welt sind auch hier die Jugendlichen für Promiskuität besonders anfällig. Als unlängst 377 Jugendliche in Südafrika befragt wurden, gaben über 75 Prozent an, bereits Geschlechtsbeziehungen gehabt zu haben. Ein Missionar im südlichen Zentralafrika beobachtete, daß es „wenige 15jährige Mädchen gibt, die nicht schon schwanger sind“. Weiter sagte er: „Man sieht ein unverheiratetes junges Mädchen und denkt bei sich: ‚Nächstes Jahr um diese Zeit wird sie schwanger sein.‘“

      In Afrika haben allerdings auch noch andere Faktoren die Ausbreitung von Aids beschleunigt.

      Auseinandergerissene Familien

      „Solange zahlreiche Männer in den Zwanzigern und Dreißigern gezwungen sind, getrennt von ihren Frauen und Familien zu arbeiten — ob nun in den Fabriken der Städte, in Bergwerken, auf Plantagen oder auf den Fernstraßen —, so lange wird sich Aids unvermindert ausbreiten“, schreibt die Zeitschrift Africa South. Afrikanische Migranten führen ein hartes Leben. Getrennt von ihren Frauen und Familien, kämpfen viele in den Städten um Unterkunft und Arbeit. Der Zeitschrift African Affairs zufolge führt die Belastung, für sich selbst und die Familie zu Hause sorgen zu müssen, bei dem Migranten zu „Gefühlen der Enttäuschung und der Unzulänglichkeit“. Das verleite ihn häufig dazu, „seine Verantwortlichkeiten völlig zu vernachlässigen“.

      Besonders die Fernstraßen haben sich als tödliche Kanäle erwiesen, durch die sich Aids ausbreitet. Ein Fernfahrer sagte: „Ich muß sicherstellen, daß ich überall, wohin ich komme, eine Freundin habe, die sich um mich kümmert.“ Eine typische Brutstätte von Aids ist ein Wohnviertel in einem ostafrikanischen Slum, wo 600 Prostituierte ihrer Beschäftigung nachgehen. Viele ihrer Kunden sind Fernfahrer, die auf eine, wie sie es nennen, „Teepause“ zu ihnen kommen. Bei den Prostituierten wurde eine HIV-Infektionsrate von über 80 Prozent festgestellt. Und die infizierten Fernfahrer fahren weiter zu ihrer nächsten „Teepause“ und schließlich zurück nach Hause — während sie die tödliche Krankheit immer weiter verbreiten.

      Dann sind da noch die Bürgerkriege und politischen Auseinandersetzungen — mit Millionen von Flüchtlingen als Folge. „Wo es politische Kämpfe und Bürgerkriege gibt“, so der Aidsexperte Alan Whiteside, „bricht das normale Sozialverhalten zusammen. ... Flüchtlinge, die von einem Ort zum anderen ziehen, können ein echtes Infektionsreservoir darstellen, und außerdem haben sie wahrscheinlich mehr Sexualpartner.“

      Medizinische Katastrophe

      Das unter chronischem Geldmangel leidende Afrika ist nicht in der Lage, mit seinen medizinischen Problemen fertig zu werden. „In vielen afrikanischen Ländern übersteigen die Kosten für einen einzigen Aidstest den jährlichen Betrag, der im Etat dieser Länder für die Gesundheitspflege eines Einwohners vorgesehen ist“, heißt es in der Broschüre Understanding & Preventing AIDS. Keith Edelston, Autor des Buches AIDS—Countdown to Doomsday, erklärt in Übereinstimmung damit: „Selbst Seife zur Sterilisation der Ausrüstung oder gewöhnliche Haushaltsdesinfektionsmittel zum Aufwischen von Verschüttetem sind oft einfach nicht erhältlich.“

      Die Praxis in vielen afrikanischen Ländern, Spritzen mehrfach zu verwenden, veranlaßte Edelston zu der Warnung: „Seien Sie vorsichtig, wenn Sie in Afrika eine Injektion brauchen ... Verlangen Sie eine neue Spritze und eine neue Nadel, die unter Ihren Augen aus sterilen Verpackungen genommen werden.“

      Das Risiko, sich durch ein Mißgeschick zu infizieren, hat zu einer ernst zu nehmenden Ausdünnung des medizinischen Personals geführt. Zwei Ärzte an einem Krankenhaus in Südafrika stachen sich bei der Behandlung von Aidspatienten mit Injektionsnadeln. Sie infizierten sich und starben. Als Folge davon verließen sechs ausländische Ärzte das Krankenhaus.

      Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, wenn viele die Transfusion eines der virulentesten Aidsüberträger — des Blutes — nun mit anderen Augen sehen. „Verseuchtes Blut bleibt ein wichtiger Übertragungsweg“, hieß es im South African Medical Journal. Und: „Es gibt immer noch praktisch keine Tests in Zentralafrika, und mindestens 60 % des Spenderblutes ist infiziert.“

      So hat wieder einmal das schon von so vielen Katastrophen heimgesuchte Afrika zu leiden. Und das Tragischste an der Aidsseuche in Afrika ist das, was mit Frauen und Kindern geschieht.

      Die unschuldigen Opfer

      Lucy ist ein unschuldiges Aidsopfer. Sie wurde von ihrem untreuen Ehemann angesteckt. Jetzt, als 23jährige Witwe, kämpft sie mit ihren Gefühlen. „Ich versuche immer noch, mir darüber klarzuwerden, ob ich ihm ein liebevolles Gedächtnis bewahren möchte oder ob ich ihn hassen soll, weil er mich angesteckt hat.“ Lucys Empfindungen sind typisch für den großen Schmerz und das Leid der unschuldigen Opfer von Aids.

      „Obwohl sich in den Entwicklungsländern so ziemlich gleich viele Männer wie Frauen mit HIV infizieren, sind die Auswirkungen“, so die Zeitschrift The World Today, „auf die Frauen wahrscheinlich unverhältnismäßig schlimmer.“ Das trifft insbesondere auf Afrika zu, wo die Frauen — durch Analphabetentum, Armut und die auswärtige Arbeit der Ehemänner besonders benachteiligt — in Stille leiden.

      Doch das tragischste Schicksal trifft die Kinder. Nach Berechnungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) werden in diesem Jahrzehnt in Afrika 2,9 Millionen Frauen an Aids sterben und bis zu 5,5 Millionen Kinder als Waisen hinterlassen. Ein Beamter eines Landes mit mindestens 40 000 Aidswaisen berichtete, es gäbe bereits „Dörfer, nur von Kindern bewohnt“.

      Kennzeichnend für das Dilemma sind infizierte Mütter mit ihren infizierten Kindern. Das South African Medical Journal erklärt: „Eine Frage, die häufig von Müttern mit seropositiven Kindern gestellt wird, lautet: ‚Wer wird zuerst sterben?‘“

      Kein Wunder, daß sich zahlreiche Frauen Aids schutzlos ausgeliefert fühlen. Der sambische Arzt M. Phiri sagt: „Wir haben hier Frauen, die fragen, ob es etwas gebe, was sie vorbeugend gegen diese Krankheit einnehmen könnten ... Da ist die Angst, daß, obwohl sie zwar vielleicht auf sich selbst aufpassen, ihr Partner, ihr Ehemann, möglicherweise nicht so treu ist. Das versetzt sie in Unruhe.“

      Was kann daher jemand tun, wenn sich herausstellt, daß der Partner oder die Partnerin mit anderen Geschlechtsbeziehungen gehabt hat? Wenn der Weg der Vergebung und der Versöhnung innerhalb der Ehe eingeschlagen wurde, sollte der schuldige Partner in einen Aidstest einwilligen. (Vergleiche Matthäus 19:9; 1. Korinther 7:1-5.) Ehepartner, die sich in einer solchen Situation befinden, mögen sich entschließen, keine Geschlechtsbeziehungen zu haben oder zumindest Schutzmaßnahmen gegen eine Infektion zu treffen, bis die Ergebnisse vorliegen.

      In Anbetracht der langen Inkubationszeit von Aids sollten junge Leute, die ans Heiraten denken, ebenfalls vorsichtig sein, bevor sie jemandem mit einer moralisch zweifelhaften Vergangenheit die Ehe versprechen, selbst wenn der Betreffende gegenwärtig nach christlichen Maßstäben lebt. Bezüglich dieser Risikogruppe empfahl Dr. S. M. Tibangayuka, ein tansanischer Aidsspezialist, junge Leute sollten sich als Vorsichtsmaßnahme „vor der Heirat auf Aids testen lassen“.

      Solange es jedoch in Afrika, ja irgendwo auf der Welt Aids gibt, so lange werden unschuldige Opfer, darunter Ehepartner und Kinder, leiden.

      [Bild auf Seite 7]

      Es gibt viele Gründe für den furchterregenden Tribut, den Aids in Afrika fordert

      [Bildnachweis]

      WHO/E. Hooper

  • Aids in Afrika — Eine Warnung an die Welt
    Erwachet! 1992 | 8. August
    • Aids in Afrika — Eine Warnung an die Welt

      „WENN Sie 6 Jahre lang jedes Jahr eine Geliebte oder einen Geliebten haben und das gleiche auf alle Ihre Geliebten zutrifft, so haben Sie praktisch mit 45 000 Menschen sexuellen Kontakt.“ Diese einfache Rechnung von Dr. K. E. Sapire, die in der südafrikanischen Zeitschrift Continuing Medical Education wiedergegeben wurde, illustriert das enorme Risiko einer Aidsinfektion für Personen mit promiskuitivem Lebenswandel.

      Warum sich dann also auf Afrika konzentrieren?

      Weil das, was dort geschieht, eine Warnung an die Welt ist. Nicht nur in Afrika ist eine promiskuitive Lebensweise weit verbreitet. Es ist eine globale Erscheinung. „Gefährdet ist letzten Endes“, so der Aidsspezialist Dr. Dennis Sifris, „jeder sexuell aktive Mensch auf der Welt, der mehr als einen Partner hat.“ Und gemäß dem Magazin U.S.News & World Report ist nach den heutigen Maßstäben selbst „die Ehe kein Garant für Heterosexualität — oder Treue — und somit kein vollkommener Schutz gegen Aids“.

      Aus gutem Grund hieß es daher in der Zeitschrift African Affairs: „Die Epidemie könnte sich woanders wiederholen.“ Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die afrikanische Krise schon dabei ist, sich in vielen anderen Teilen der Welt zu wiederholen.

      Wie das Nachrichtenmagazin Newsweek berichtete, holen sich beispielsweise in Brasilien „Heterosexuelle in rasant zunehmendem Maße Aids von ihren infizierten Geliebten“. Nach Schätzungen des brasilianischen Gesundheitsministeriums sind bereits eine halbe Million HIV-positiv. Dr. Carlos Alberto Morais de Sá, Leiter der Aidsforschung am Krankenhaus der Gaffrée-e-Guinle-Universität in Rio de Janeiro, erklärt: „Wenn nichts unternommen wird, werden wir uns mit einer Katastrophe für die Volksgesundheit konfrontiert sehen.“

      Auch die Vereinigten Staaten sind bedroht. „Die Zahl der heterosexuellen Fälle ist zwar relativ gering“, schrieb das Nachrichtenmagazin Time, „aber sie ist im letzten Jahr [1990] um 40 % angestiegen und damit schneller als in jeder anderen Gruppe.“ In der Woche nachdem bekanntgegeben worden war, daß der berühmte Sportler Magic Johnson sich bei heterosexuellen Kontakten mit Aids angesteckt hatte, wurden die Telefonleitungen medizinischer Dienste von panikerfüllten Anrufern blockiert, die verzweifelt um weitere Informationen über die Krankheit baten.

      Auch aus Asien kommen beunruhigende Signale einer drohenden Katastrophe. Dieser Teil der Erde hat von 1988 bis heute eine Zunahme an HIV-Positiven von so gut wie null bis auf eine Million erlebt. „Afrikanische Infektionsraten werden sich dagegen bescheiden ausnehmen“, lautete die Voraussage Dr. Jim McDermotts nach einer Untersuchungsmission in Asien. Weiter führte er aus: „Ich bin davon überzeugt, daß Asien der schlafende Riese einer weltweiten Aidsepidemie ist.“

      Alle Versuche, die Entstehung oder Ausbreitung von Aids einem einzelnen Kontinent oder einer einzelnen nationalen Gruppe anzulasten, sind sinn- und zwecklos. Dr. June Osborn, Dekanin des Instituts für Volksgesundheit an der Universität von Michigan (Vereinigte Staaten), erklärte unverblümt: „Es kommt nicht darauf an, wer man ist, sondern was man tut.“

      Wird Aids weiterhin überall Verheerungen anrichten? Gibt es eine Lösung des Problems, oder wird Aids letztendlich riesige Gebiete Afrikas und anderer Erdteile entvölkern?

      [Bildnachweis auf Seite 8]

      WHO-Foto: H. Anenden; Hintergrund: NASA photo

  • Aids — Wie wird es enden?
    Erwachet! 1992 | 8. August
    • Aids — Wie wird es enden?

      „ICH bin völlig überzeugt, daß wir noch in diesem Jahrzehnt einen Impfstoff haben werden“ (Jorg Eichberg, Leiter der Impfstofforschung am Forschungszentrum Wyeth-Ayerst [Philadelphia, Vereinigte Staaten]).

      Angenommen, man fände für Aids ein Heilmittel oder sogar einen vorbeugenden Impfstoff. Wäre das nicht wunderbar! Den 9 000 Aidsspezialisten, die sich letztes Jahr unter dem Motto „Die Wissenschaft fordert Aids heraus“ in Florenz (Italien) trafen, lag die Suche nach einem solchen Heilmittel zweifellos sehr am Herzen.

      Neun von zehn Neuinfektionen fallen auf die Entwicklungsländer, und die Zeit drängt, eine wirkungsvolle Lösung des Problems zu finden. Doch gemäß der Zeitschrift New Scientist schienen viele der Konferenzteilnehmer „den Sinn für die Dringlichkeit verloren zu haben“. „Vielleicht“, so vermutet die Zeitschrift, ist die Katastrophe so überwältigend, daß viele „einfach vor dem Problem kapituliert haben“.

      Die harte Realität ist, daß die Wissenschaftler mehr Fragen als Antworten finden. Im New Scientist heißt es: „Nach 10 Jahren mit der Epidemie stehen die Virologen und Immunologen vor Problemen, die fast genauso groß aussehen wie schon immer.“ Der britische Aidskliniker Ian Weller erklärte: „Der ‚Krieg der Sterne‘ der antiviralen Therapie ist nicht in Sicht.“

      Doch inwieweit wäre ein Aidsimpfstoff zugänglich, wenn es ihn wirklich einmal geben sollte? Dr. Dennis Sifris, ein praktischer Arzt, der die Realität des Arbeitens in Afrika aus eigener Erfahrung kennt, führte aus: „Wir haben einen hochwirksamen Impfstoff gegen Tbc [Tuberkulose], von daher müßte Tbc theoretisch ausgerottet sein ... [wie das auch zutrifft auf] Masern und Hepatitis B. Aber diese drei Krankheiten zählen ... heutzutage in Afrika zu den bedeutendsten Todesursachen. Selbst wenn ein Impfstoff entwickelt würde, bliebe somit die Zugänglichkeit ein größeres Problem.“

      Da die Aussichten auf ein Heilmittel so schlecht stehen, bleibt in Afrika nur noch die Möglichkeit, die Menschen zu einer Änderung ihres Geschlechtslebens zu bewegen. Doch die Frage ist: Wie?

      Die Standardmaßnahme

      Die Standardmaßnahme zur Aidsbekämpfung in Afrika besteht in der Verteilung von Kondomen, Kondomen und noch mehr Kondomen. Fernfahrer bekommen sie umsonst an Grenzkontrollstellen. Zeitungen verteilen sie in Umschlägen. Kliniken und Gesundheitsdienste halten sie zu Millionen auf Lager.

      Maßnahmen wie diese mögen zwar die Ausbreitung von Aids beeinflussen, sie sind jedoch nicht ganz unproblematisch — insbesondere in Afrika. Stefan van der Borght, Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ in Angola, erklärte: „Wenn man in der Provinz Huambo drei Millionen Kondome ausgibt, ... sieht das gut aus.“ Aber es bedeute, daß anderthalb Millionen Männer nur zweimal Liebe machen könnten, bevor der Vorrat aufgebraucht sei.

      Außerdem, selbst wenn man die Nachschubschwierigkeiten unberücksichtigt läßt, stellt sich die Frage: Welche Auswirkung hat die freizügige Verteilung von Kondomen auf die Promiskuität — die eigentliche Quelle von Aids in Afrika? Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß diese Maßnahme die geschlechtlichen Aktivitäten eher stimuliert als dämpft. Selbst Regierungsbehörden werden sich jetzt dieser Tatsache bewußt. In einem afrikanischen Land wurden die staatlichen Medien bereits angewiesen, die Kondomwerbungen einzustellen, weil sie promiskuitives Verhalten förderten. Der Publizist Keith Edelston geht in seinem Buch Aids—Countdown to Doomsday sogar noch einen Schritt weiter, wenn er schreibt: „In Anbetracht der Risiken, ... die mit der Verwendung von Kondomen verbunden sind, ist es ziemlich klar, daß strikte Monogamie die einzige Möglichkeit ist, völlig sicher zu sein.“

      Doch ist die Rückkehr zu einer monogamen Moral innerhalb der Ehestruktur eine realistische Alternative?

      Das Ende von Aids

      „Wenn die Leute morgen aufhören würden herumzuschlafen, würde das Virus aussterben“, sagte Professor Reuben Sher, ein Experte für Aids in Afrika. „Die Leute, die es haben, würden sterben, und damit hätte es sich.“ Und in einem Leitartikel der in Johannesburg (Südafrika) erscheinenden Zeitung The Star hieß es: „Das [HIV-]Virus ist ein Erreger, mit dem man sich gar nicht so leicht anstecken kann, wenn man nicht herumschläft, nicht mit anderen Nadeln gemeinsam benutzt und kein Blut transfundiert bekommt.“

      Über 450 000 Zeugen Jehovas in Afrika meiden heute genau diese Dinge. Sie sind fest davon überzeugt, daß sich eine Moral, die sich auf die Bibel stützt, lohnt. Ihre Begründung? Da der Schöpfer, Jehova Gott, die Menschen gemacht hat, ist es sein Verhaltenskodex für den Menschen logischerweise wert, beachtet zu werden. Ein gutes Beispiel ist der in Hebräer 13:4 aufgezeichnete Grundsatz: „Die Ehe sei ehrbar unter allen, und das Ehebett sei unbefleckt.“ Statt das Gefühl zu haben, etwas zu versäumen, haben sich diejenigen, die solche Bibeltexte beachten, großen körperlichen und seelischen Schaden erspart. (Vergleiche Apostelgeschichte 15:29; 2. Korinther 7:1; Epheser 5:3-5.)

      Interessanterweise haben sich die Medien schon des öfteren positiv über die Moral der Zeugen Jehovas in Afrika geäußert: „[Sie] haben sich ... als anständige, ordentliche Bürger erwiesen, die sich an einen hohen Sittenmaßstab halten“, stand im Londoner Daily Telegraph zu lesen. Weiter wurde ausgeführt: „Die für die afrikanische Gesellschaft charakteristische Promiskuität und Polygamie sind unter Jehovas Zeugen unvorstellbar.“ In dem Buch Contemporary Transformations of Religion bemerkte Bryan Wilson: „In der afrikanischen Gesellschaft ... werden die Zeugen zu einzigartigen Menschen“; außerdem schrieb er: „Die Auswirkung [ihrer] ... Sittennormen ist bei ihnen offensichtlich.“

      Damit soll natürlich nicht gesagt werden, daß Jehovas Zeugen von Aids völlig unbehelligt bleiben. Einige sind von ihrem Ehepartner angesteckt worden, der sich nicht an die gleichen christlichen Grundsätze hält wie sie, und andere haben sich die Krankheit zugezogen, bevor sie Zeugen Jehovas wurden. Einige wenige haben wieder die losen Moralvorstellungen der heutigen Welt angenommen, und von ihnen hat sich eine kleine Anzahl als ein Teil der Früchte ihrer Handlungsweise mit Aids angesteckt (Galater 6:7). Personen, die willentlich ein unmoralisches Leben führen, haben allerdings auch das Vorrecht verloren, in der Christenversammlung zu bleiben (1. Korinther 5:13; 6:9, 10). Doch die überwältigende Mehrheit der weltweit über vier Millionen Zeugen Jehovas genießt in körperlicher, emotioneller und geistiger Hinsicht den Nutzen, der sich aus dem Beachten der Grundsätze ergibt, die der Schöpfer auf moralischem Gebiet aufgestellt hat.

      Glücklicherweise läßt die Bibel erkennen, daß ein dauerhafter Sieg über die Geißeln der Menschheit wie Aids in Sicht ist (Offenbarung 21:1-4). Jehova Gott hat eine neue Welt verheißen, wo alle auf Unmoral zurückzuführenden Ursachen von Krankheiten wie Aids vollständig verschwunden sein werden. Es wird auch keine unschuldig Leidenden mehr geben, weil jeder ein rechtschaffenes, gesundes Leben führen wird, das zu wahrem Glück beiträgt (Jesaja 11:9; 2. Petrus 3:13).

      [Herausgestellter Text auf Seite 9]

      „Wir brauchen nicht Milliarden für die Forschung und Entwicklung ... Wir brauchen eine Rückkehr zur Moral“ Dr. Mark Hendricks, südafrikanischer Immunologe

      [Bild auf Seite 9]

      Um der Aidsseuche zu entgehen, ist es wichtig, strikt monogam zu leben

      [Bild auf Seite 10]

      Gott hat eine neue Welt verheißen, die von Krankheiten wie Aids völlig frei sein wird

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