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  • Wer sind wir?
    Erwachet! 1998 | 22. Juni
    • Wer sind wir?

      ALLEM Anschein nach hat der Mensch ein Identitätsproblem. Der Evolutionist Richard Leakey sagt: „Seit Jahrhunderten beschäftigen sich die Philosophen mit allen Aspekten des Menschseins und der Menschlichkeit. Dennoch — und das mag überraschend erscheinen — gibt es keine allgemein anerkannte Definition dessen, was das Menschsein ausmacht.“

      Der Kopenhagener Zoo gab indessen mutig seinen Standpunkt ab durch eine Ausstellung im Primatenhaus. In dem Werk 1997 Britannica Book of the Year ist zu lesen: „Ein dänisches Paar, das vorübergehend im Zoo Quartier bezog, wollte damit den Besuchern ihre enge Verwandtschaft mit den Affen vor Augen führen.“

      Nachschlagewerke lassen diese angebliche enge Verwandtschaft bestimmter Tiere mit dem Menschen glaubwürdig erscheinen. In der World Book Encyclopedia beispielsweise heißt es: „Menschen fallen zusammen mit Menschenaffen, Lemuren, Affen und Koboldmakis unter die Säugetierordnung der Primaten.“

      Tatsache ist jedoch, daß die Menschen viele einzigartige Merkmale aufweisen, die nicht in das Tierschema passen. Dazu gehören Liebe, das Gewissen, ethisches Empfinden, Spiritualität, der Gerechtigkeitssinn, Mitgefühl, Humor, Kreativität, Zeitbewußtsein, das Bewußtsein seiner selbst, der Schönheitssinn, Interesse an der Zukunft, die Fähigkeit, Wissen über Generationen anzusammeln, und die Hoffnung, daß der Tod nicht das absolute Ende unseres Daseins ist.

      In dem Versuch, diese Merkmale mit dem Tierschema in Einklang zu bringen, verweisen manche auf die evolutionäre Psychologie, eine Verschmelzung von Evolutionslehre, Psychologie und Sozialwissenschaft. Hat die evolutionäre Psychologie Licht auf das Rätsel der menschlichen Natur geworfen?

      Worin besteht unser Daseinszweck?

      „Die evolutionäre Psychologie geht von einer simplen Voraussetzung aus“, sagt der Evolutionist Robert Wright. „Das menschliche Gehirn wurde wie jedes andere Organ für den Zweck konstruiert, Gene an die nächste Generation weiterzugeben; die von ihm erzeugten Gefühle und Gedanken sind vor diesem Hintergrund am besten zu verstehen.“ Mit anderen Worten, unser ganzer Daseinszweck, wie er von unseren Genen diktiert wird und sich in unseren Denkvorgängen widerspiegelt, besteht in der Fortpflanzung.

      „Vieles, was die menschliche Natur ausmacht“, so die evolutionäre Psychologie, „läuft auf rücksichtslosen genetischen Eigennutz hinaus.“ Das Buch Diesseits von Gut und Böse sagt dazu: „Zum Beispiel ‚will‘ die natürliche Selektion, daß ein Mann mit endlos vielen Frauen kopuliert.“ Nach dieser evolutionären Auffassung gilt Unmoral unter gewissen Umständen auch bei Frauen als natürlich. Selbst die Elternliebe wird als Taktik der Gene angesehen, die das Überleben der Nachkommen sichern soll. Eine Denkrichtung betont somit, wie wichtig die genetische Hinterlassenschaft ist, damit der Fortbestand der Menschheitsfamilie sichergestellt wird.

      Einige Selbsthilfebücher schwimmen bereits auf der neuen Welle der evolutionären Psychologie mit. Eines dieser Bücher sagt über die menschliche Natur, sie würde „sich nicht wesentlich von der des Schimpansen, des Gorillas oder des Pavians unterscheiden“. Weiter heißt es: „Bei der Evolution ... ist die Fortpflanzung das, worauf es ankommt.“

      Andererseits lehrt die Bibel, daß Gott die Menschen zu einem Zweck erschuf, der über die bloße Fortpflanzung hinausgeht. Wir wurden im „Bilde“ Gottes erschaffen und sind deshalb in der Lage, göttliche Eigenschaften widerzuspiegeln, insbesondere Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit und Macht. Nimmt man die zuvor erwähnten einzigartigen Merkmale des Menschen hinzu, wird klar ersichtlich, warum in der Bibel die Menschen über die Tiere gesetzt werden. Die Bibel offenbart außerdem, daß Gott den Menschen nicht nur den Wunsch eingepflanzt hat, ewig zu leben, sondern daß er ihnen auch die Erfüllung dieses Wunsches in einer von ihm geschaffenen gerechten neuen Welt ermöglichen wird (1. Mose 1:27, 28; Psalm 37:9-11, 29; Prediger 3:11; Johannes 3:16; Offenbarung 21:3, 4).

      Es ist nicht gleichgültig, was wir glauben

      Die korrekte Sichtweise zu ermitteln ist bei weitem keine rein theoretische Aufgabe, denn unsere Ansicht darüber, woher wir kommen, kann sich auf unsere Lebensweise auswirken. Der Historiker H. G. Wells schrieb über die Schlußfolgerungen, zu denen viele gelangten, nachdem 1859 das Buch Die Entstehung der Arten von Charles Darwin erschienen war:

      „Es erfolgte eine wirkliche Demoralisierung. ... Nach 1859 entstand ein wirklicher Verfall des Glaubens. ... Hervorragende Persönlichkeiten zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren der Meinung, daß sie ihre Machtstellung kraft des Kampfes um die Existenz errungen hätten, in dem die Starken und Listigen den Sieg davontragen über die Schwachen und Vertrauensseligen“. Wie er weiter erklärte, meinte man, daß „der Mensch ein geselliges Tier sei, wie z. B. der indische Jagdhund“, und daß „die großen Hunde der Menschenhorde die kleineren unterdrücken und mißhandeln“ müßten.

      Ganz offensichtlich ist es wichtig, daß wir zu der korrekten Ansicht über unsere Identität gelangen, denn ein Evolutionist warf die Frage auf: „Wenn schon der schlichte Darwinismus alten Stils der moralischen Kraft der westlichen Zivilisation den Saft entzog, was wird dann erst geschehen, wenn sich die neue Version [die evolutionäre Psychologie] voll durchsetzt?“

      Da sich unsere Ansicht darüber, woher wir kommen, in unserer Grundhaltung zum Leben und in unserer Auffassung von Recht und Unrecht niederschlägt, ist es unabdingbar, sich mit diesem Fragenkomplex eingehend zu befassen.

  • Im Bilde Gottes oder des Tieres?
    Erwachet! 1998 | 22. Juni
    • Im Bilde Gottes oder des Tieres?

      ADAM, der erste Mensch, wurde als ‘Sohn Gottes’ bezeichnet (Lukas 3:38). Kein Tier hat jemals diese Auszeichnung erhalten. Allerdings zeigt die Bibel, daß die Menschen einiges mit den Tieren gemeinsam haben. Beispielsweise sind sowohl Menschen als auch Tiere Seelen. Als Gott Adam bildete, „wurde [der Mensch] eine lebende Seele“, heißt es in 1. Mose 2:7. In 1. Korinther 15:45 wird dies mit den Worten bestätigt: „So steht auch geschrieben: ‚Der erste Mensch, Adam, wurde eine lebende Seele.‘“ Da die Menschen Seelen sind, ist die Seele kein schattenhaftes Etwas, das den Tod des Körpers überlebt.

      Über die Tiere sagt 1. Mose 1:24: „Die Erde bringe lebende Seelen nach ihren Arten hervor, Haustiere und sich regende Tiere und wildlebende Tiere der Erde nach ihrer Art.“ Die Bibel offenbart zwar, daß wir Menschen im Bilde Gottes erschaffen wurden, und mißt uns dadurch einen besonderen Stellenwert bei, doch gleichzeitig erinnert sie uns auch an unseren niedrigen Status als irdische Seelen, den wir mit den Tieren teilen. Aber es gibt noch etwas, was Mensch und Tier gemeinsam haben.

      Die Bibel erklärt: „Es gibt eine Zufälligkeit hinsichtlich der Menschensöhne und eine Zufälligkeit hinsichtlich des Tieres, und dieselbe Zufälligkeit trifft sie. Wie der eine stirbt, so stirbt der andere ..., so daß es keine Überlegenheit des Menschen gegenüber dem Tier gibt ... Alle gehen an e i n e n Ort. Sie alle sind aus dem Staub geworden, und sie alle kehren zum Staub zurück.“ Ja, auch im Tod gleichen sich Mensch und Tier. Beide kehren dahin zurück, woher sie gekommen sind — „zum Erdboden“, „zum Staub“ (Prediger 3:19, 20; 1. Mose 3:19).

      Doch warum macht der Tod die Menschen so tieftraurig? Weshalb träumen wir davon, für immer zu leben? Und warum haben wir das Bedürfnis nach einem Sinn im Leben? Mit Sicherheit unterscheiden wir uns stark von den Tieren.

      Worin wir uns von den Tieren unterscheiden

      Wären wir glücklich, wenn wir keinen anderen Daseinszweck als Essen, Schlafen und Fortpflanzen hätten? Diese Vorstellung widerstrebt sogar überzeugten Evolutionisten. „Der moderne Mensch, dieser aufgeklärte Skeptiker und Agnostiker“, schrieb der Evolutionist T. Dobzhansky, „kann nicht anders, als sich zumindest heimlich über die alten Fragen Gedanken zu machen: Hat mein Leben irgendeinen Sinn und Zweck, außer daß ich mich am Leben erhalte und die Kette des Lebens fortbestehen lasse? Ist das Universum, in dem ich lebe, von irgendeiner Bedeutung?“

      Mit dem Leugnen der Existenz eines Schöpfers hört die Suche des Menschen nach einem Sinn im Leben nicht auf. Richard Leakey zitiert den Historiker Arnold Toynbee wie folgt: „Diese geistige Ausstattung verdammt ihn [den Menschen] zu einem lebenslangen Kampf, um sich mit dem Universum zu versöhnen, in das er hineingeboren wurde.“

      Die grundlegenden Fragen über die menschliche Natur, unsere Herkunft und unsere Spiritualität stehen noch im Raum. Zwischen Mensch und Tier existiert offenkundig eine gewaltige Kluft. Welche Dimensionen hat sie?

      Eine unüberbrückbare Kluft?

      Ein wesentliches Problem der Evolutionstheorie ist die riesige Kluft, die Mensch und Tier voneinander trennt. Wie groß ist sie wirklich? Sehen wir uns dazu einige Aussagen von Evolutionisten an.

      Thomas H. Huxley, ein berühmter Verfechter der Evolutionstheorie aus dem 19. Jahrhundert, schrieb: „Niemand ist mehr als ich überzeugt von der tiefen Kluft zwischen ... dem Menschen und den Bestien[,] ... denn er allein besitzt die wunderbare Begabung einer verständlichen und vernünftigen Sprache [und] ... steht hoch erhoben über ihr wie ein Berggipfel, weit über der Ebene seiner ärmlichen Mitgeschöpfe“.

      Der Evolutionist Michael C. Corballis spricht von einer „auffälligen Diskrepanz zwischen dem Menschen und den anderen Primaten ... ‚Unser Gehirn ist dreimal so groß, als man es bei einem Primaten unseres Körperbaus erwarten würde.‘“ Und der Neurologe Richard M. Restak erklärt: „Im uns bekannten Universum ist das [menschliche] Gehirn das einzige Organ, das versucht, sich selbst zu verstehen.“

      Leakey räumt ein: „Das Bewußtsein stellt die Wissenschaftler vor ein Dilemma, das manche für unlösbar halten. Das Empfinden der Selbstwahrnehmung, das jeder in sich verspürt, überstrahlt alles, was wir denken und tun“. Weiter führt er aus: „Die gesprochene Sprache unterscheidet den Homo sapiens [den Menschen] eindeutig von allen anderen Lebewesen.“

      Über ein weiteres Wunder des menschlichen Gehirns schrieb Peter Russell: „Das Gedächtnis ist zweifellos eine der wichtigsten menschlichen Fähigkeiten. Ohne Gedächtnis gäbe es kein Lernen ..., kein intellektuelles Funktionieren, keine sprachliche Entwicklung, noch eine jener Qualitäten, die mit dem Menschsein in Verbindung gebracht werden.“

      Außerdem betet kein Tier Gott an. Dazu sagt Edward O. Wilson: „Die Veranlagung zu religiösem Glauben ist die komplexeste und machtvollste Kraft des menschlichen Geistes und aller Wahrscheinlichkeit nach ein unauslöschlicher Teil des menschlichen Wesens.“

      „Das menschliche Verhalten gibt dem Darwinisten noch viele andere Rätsel auf“, erklärt der Evolutionist Robert Wright. „Welche Funktion haben Lachen und Weinen? Warum beichten Menschen auf dem Totenbett bisher verheimlichte Übeltaten? ... Was genau ist die Funktion der Trauer? ... welchem genetischen Interesse dient die emotionale Investition über den Tod hinaus, die in der Trauer zum Ausdruck kommt?“

      Die Evolutionistin Elaine Morgan gibt zu: „Vier der hervorstechendsten Rätsel die Menschen betreffend sind: 1. Warum stehen sie auf zwei Beinen? 2. Warum haben sie ihr Fell verloren? 3. Warum haben sie ein so großes Gehirn entwickelt? 4. Warum haben sie Sprechen gelernt?“

      Wie beantworten Evolutionisten diese Fragen? Elaine Morgan führt aus: „Die konventionellen Antworten auf diese Fragen lauten: 1. ‚Wir wissen es noch nicht.‘ 2. ‚Wir wissen es noch nicht.‘ 3. ‚Wir wissen es noch nicht.‘ 4. ‚Wir wissen es noch nicht.‘“

      Eine Theorie auf wackligen Füßen

      Der Verfasser des Buches The Lopsided Ape schrieb, daß sein Ziel „darin bestand, die menschliche Entwicklung im Verlauf der Zeit grob darzustellen. Viele der Folgerungen sind spekulativer Art, da sie sich im wesentlichen auf ein paar alte Zähne, Knochen und Steine stützen.“ Ja, selbst Darwins ursprüngliche Theorie wird von vielen nicht akzeptiert. Richard Leakey sagt dazu: „Darwins Auffassung von der Art und Weise unserer Evolution hat die Wissenschaft der Anthropologie bis vor wenigen Jahren dominiert, und dennoch stellte sie sich als falsch heraus.“

      Viele Evolutionisten, so Elaine Morgan, „haben das Vertrauen in die Antworten verloren, die sie vor dreißig Jahren zu kennen glaubten“. Es überrascht somit nicht, daß sich eine Reihe der von Evolutionisten verfochtenen Theorien als haltlos herausgestellt haben.

      Beklagenswerte Folgen

      Studien haben ergeben, daß die Zahl der Weibchen, mit denen sich ein männliches Tier paart, mit dem Unterschied in der Körpergröße der Geschlechter zusammenhängt. Daraus schließen einige, das menschliche Sexualverhalten müsse dem der Schimpansen ähneln, da die Schimpansenmännchen ebenso wie ihre menschlichen Geschlechtsgenossen nur ein wenig größer seien als die Weibchen. Folglich sei es nur recht und billig, wenn die Menschen wie die Schimpansen mehr als nur einen Sexualpartner hätten. Tatsächlich handeln viele nach dieser Devise.

      Was allerdings bei den Schimpansen gut zu funktionieren scheint, hat bei den Menschen im allgemeinen katastrophale Folgen. Die Promiskuität ist, wie die Tatsachen zeigen, eine Straße ins Unglück, gepflastert mit zerrütteten Familien, Abtreibungen, Krankheiten, psychischen Traumen, Eifersucht, häuslicher Gewalt und vernachlässigten Kindern, die in der Gesellschaft nicht zurechtkommen und so den leidvollen Kreislauf fortsetzen. Wie ließe sich dieses Leid erklären, wenn das Tierschema zuträfe?

      Evolutionäres Denken läßt außerdem Zweifel an der Heiligkeit menschlichen Lebens aufkommen. Auf welcher Grundlage sollte menschliches Leben heilig sein, wenn wir sagen, daß es keinen Gott gibt, und uns lediglich als höherentwickelte Tiere ansehen? Auf der Grundlage unseres Intellekts vielleicht? Wenn ja, dann wäre die Frage angebracht, die in dem Buch The Human Difference aufgeworfen wird: „Ist es fair, uns für wertvoller als Hunde und Katzen zu halten, nur weil wir Glückspilze [der Evolution] sind?“

      In dem Maß, wie sich die neuere Version evolutionären Denkens durchsetzt, wird sie „unweigerlich das moralische Denken zutiefst beeinflussen“, heißt es in dem Buch Diesseits von Gut und Böse. Doch es ist eine grausame Ethik, die von der Voraussetzung ausgeht, wir seien durch „natürliche Auslese“ entstanden, einen Vorgang, bei dem, wie H. G. Wells es ausdrückt, „die Starken und Listigen den Sieg davontragen über die Schwachen und Vertrauensseligen“.

      Bezeichnenderweise sind viele Theorien von Evolutionisten, die im Lauf der Jahre die Moral ausgehöhlt haben, durch die nächste Welle von Denkmodellen fortgespült worden. Tragisch ist jedoch, daß der durch solche Theorien angerichtete Schaden bleibt.

      Die Schöpfung oder den Schöpfer anbeten?

      Bei der Suche nach Antworten lenkt die Evolution den Blick nach unten, zur Schöpfung, nicht nach oben, zum Schöpfer. Was moralische Werte und den Sinn des Lebens betrifft, lenkt die Bibel dagegen unseren Blick nach oben zu dem wahren Gott. Sie erläutert auch, warum es uns schwerfällt, nichts Unrechtes zu tun, und warum der Tod nur den Menschen so sehr beunruhigt. Davon abgesehen leuchtet die biblische Erklärung, warum wir zum Schlechten tendieren, dem menschlichen Verstand und Empfinden ein. Diese befriedigende Erklärung wird dem Leser im nächsten Artikel nähergebracht.

  • Die Antworten „oben“ und nicht „unten“ suchen
    Erwachet! 1998 | 22. Juni
    • Die Antworten „oben“ und nicht „unten“ suchen

      NACH der Evolutionslehre sind wir durch eine Reihe von Veränderungen allmählich auf eine höhere tierische Entwicklungsstufe gelangt. Demgegenüber sagt die Bibel, daß wir einen vollkommenen Anfang hatten — geschaffen „im Bilde Gottes“ —, daß aber kurz darauf mit dem Aufkommen der Unvollkommenheit eine lange Talfahrt begann.

      Mit unseren Ureltern, Adam und Eva, ging es bergab, als sie nach sittlicher Autonomie strebten und durch willentlichen Ungehorsam gegenüber Gott ihrem Gewissen Gewalt antaten. Absichtlich durchbrachen sie sozusagen die schützende Leitplanke des göttlichen Gesetzes und stürzten dorthin, wo wir uns heute befinden — ein Sturz, der Krankheit, Alter und Tod nach sich zog, ganz zu schweigen von Rassenvorurteilen, religiös motiviertem Haß und schrecklichen Kriegen (1. Mose 2:17; 3:6, 7).

      Tiergene oder defekte Gene?

      Die Bibel erklärt natürlich nicht in wissenschaftlicher Sprache, was mit Adams und Evas vollkommenem Körper geschah, als sie sündigten. Sie ist ebensowenig ein wissenschaftliches Lehrbuch, wie die Betriebsanleitung für ein Auto ein Lehrbuch für Kraftfahrzeugtechnik ist. Aber ähnlich wie die Betriebsanleitung ist die Bibel genau; sie enthält keine Mythen.

      Als Adam und Eva die schützende Barriere des göttlichen Gesetzes durchbrachen, nahm ihr Organismus Schaden. Danach setzte ein langsamer Verfall ein, der zum Tod führte. Auf Grund der Vererbungsgesetze gaben sie die Unvollkommenheit an ihre Kinder und dadurch an die ganze Menschheitsfamilie weiter. Deshalb sterben wir alle (Hiob 14:4; Psalm 51:5; Römer 5:12).

      Leider ist in unserem Erbgut die Neigung zur Sünde enthalten, die in Form von Egoismus und Unmoral zutage tritt. Die Sexualität hat selbstverständlich ihren berechtigten Platz. Gott gebot dem ersten Menschenpaar: „Seid fruchtbar, und werdet viele, und füllt die Erde“ (1. Mose 1:28). Und als liebevoller Schöpfer machte er es für Mann und Frau zu einem Vergnügen, diesem Gebot nachzukommen (Sprüche 5:18). Die menschliche Unvollkommenheit hat allerdings zu einem Mißbrauch der Sexualität geführt. Tatsächlich erstreckt sich die Unvollkommenheit auf alle Bereiche unseres Lebens, einschließlich der Funktionen unseres Gehirns und unseres Körpers, wie uns allen nur zu gut bewußt ist.

      Doch die Unvollkommenheit hat unser moralisches Empfinden nicht ausgelöscht. Wenn wir es wirklich wollen, können wir das „Steuer“ fest in die Hand nehmen und den Fallen des Lebens ausweichen, indem wir die Neigung bekämpfen, in die Sünde abzudriften. Freilich ist kein unvollkommener Mensch in der Lage, die Sünde ganz und gar zu besiegen, und Gott berücksichtigt dies barmherzigerweise (Psalm 103:14; Römer 7:21-23).

      Warum wir nicht sterben möchten

      Die Bibel wirft auch noch auf ein anderes Rätsel Licht, das die Evolutionslehre nicht zufriedenstellend erklären kann: die normale menschliche Abwehr dagegen, den Tod zu akzeptieren, obschon er eigentlich als etwas Natürliches und Unausweichliches erscheinen müßte.

      Wie die Bibel zeigt, wurde der Tod durch die Sünde, den Ungehorsam gegenüber Gott, verursacht. Wären unsere Ureltern gehorsam geblieben, hätten sie und ihre Kinder für immer leben können. Gott hat das menschliche Gehirn so programmiert, daß die Menschen ewig leben möchten. „Er hat ihnen auch die Ewigkeit ins Herz gegeben“, heißt es in Prediger 3:11 nach der Übersetzung von Bruns. Die Verurteilung zum Tod hat daher einen inneren Konflikt im Menschen ausgelöst, eine beständige Disharmonie.

      Um diesen inneren Konflikt zu lösen und das natürliche Sehnen nach einer Fortdauer des Lebens zu befriedigen, hat der Mensch alle möglichen Glaubensansichten erdacht — vom Glauben an eine Reinkarnation bis hin zur Lehre von der Unsterblichkeit der Seele. Wissenschaftler befassen sich mit dem Geheimnis des Alterns, weil sie den Tod abwenden oder zumindest das Leben verlängern wollen. Atheistische Evolutionisten tun den Wunsch nach ewigem Leben als evolutionären Trick oder Betrug ab, weil er im Widerspruch zu ihrer Ansicht steht, die Menschen seien lediglich höherentwickelte Tiere. Andererseits läßt sich die biblische Aussage, daß der Tod ein Feind ist, mit unserem natürlichen Lebenshunger in Einklang bringen (1. Korinther 15:26).

      Finden wir in unserem Körper denn irgendwelche Hinweise, daß wir dazu bestimmt waren, für immer zu leben? Die Antwort lautet: „Ja!“ Allein das menschliche Gehirn verblüfft uns mit Beweisen dafür, daß wir für ein wesentlich längeres Leben geschaffen wurden, als wir es heute haben.

      Für ewiges Leben geschaffen

      Das Gehirn wiegt etwa 1 400 Gramm und enthält 10 bis 100 Milliarden Neuronen, von denen, wie es heißt, kein einziges dem anderen genau gleicht. Jedes Neuron kann mit bis zu 200 000 anderen Neuronen kommunizieren, so daß die Zahl der verschiedenen Kontakt- oder Verbindungsstellen im Gehirn ins Astronomische geht. Und damit nicht genug. „Jedes Neuron ist ein komplizierter Computer“, heißt es in dem Wissenschaftsmagazin Scientific American.

      Das Gehirn schwimmt in einer chemischen Suppe, die das Verhalten der Neuronen beeinflußt. Und das Gehirn ist weitaus komplizierter als der leistungsfähigste Computer. „In jedem Kopf“, so schreiben Tony Buzan und Terence Dixon, „steckt ein gewaltiges Kraftwerk in Form eines kompakten, effizienten Organs, dessen Leistungsfähigkeit sich um so mehr dem Unendlichen zu nähern scheint, je mehr wir darüber lernen.“ Darauf zitieren sie Professor Pjotr Anochin wie folgt: „Es existiert noch kein Mensch, der das gesamte Potential seines Gehirns ausschöpfen kann. Deshalb akzeptieren wir keinerlei pessimistische Berechnungen über die Grenzen des menschlichen Gehirns. Es hat keine Grenzen.“

      Diese überwältigenden Tatsachen stehen in krassem Widerspruch zum Evolutionsmodell. Warum sollte die Evolution für einfache Höhlenbewohner oder auch für die hochgebildeten Menschen von heute ein Organ „schaffen“ mit einem Potential, das eine Million oder gar eine Milliarde Lebensalter lang seinen Zweck erfüllen könnte? Die einzige Erklärung hierfür wäre, daß die Menschen für ewiges Leben geschaffen sind. Wie steht es aber mit unserem Körper?

      In dem Buch Repair and Renewal—Journey Through the Mind and Body wird erklärt: „Die Art und Weise, wie sich Knochen-, Gewebs- und Organschädigungen von selbst reparieren, läuft auf ein Wunder hinaus. Und wenn man sich die Zeit nähme, darüber nachzudenken, wäre man zutiefst erstaunt über die unmerkliche Regenerierung von Haut, Haaren und Nägeln sowie von anderen Teilen des Körpers: Sie funktioniert 24 Stunden am Tag, Woche für Woche, so daß wir, biochemisch gesehen, im Lauf unseres Lebens mehrmals buchstäblich neu geschaffen werden.“

      Für Gott wird es zu der von ihm bestimmten Zeit kein Problem sein, diesen wunderbaren Prozeß der Selbsterneuerung unbegrenzt in Gang zu halten. Dann endlich „wird der Tod zunichte gemacht“ (1. Korinther 15:26). Doch um wirklich glücklich sein zu können, brauchen wir noch mehr als ewiges Leben. Wir brauchen Frieden — Frieden mit Gott und mit unseren Mitmenschen. Dieser Frieden läßt sich nur realisieren, wenn sich die Menschen wirklich lieben.

      Eine auf Liebe gegründete neue Welt

      „Gott [ist] Liebe“, heißt es in 1. Johannes 4:8. Die Liebe — insbesondere die Liebe Jehovas — ist so stark, daß sie der fundamentale Grund ist, weshalb wir auf ewiges Leben hoffen können. „So sehr hat Gott die Welt geliebt“, lesen wir in Johannes 3:16, „daß er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe.“

      Ewiges Leben! Was für eine herrliche Aussicht! Da wir allerdings die Sünde geerbt haben, steht uns kein Recht auf Leben zu. „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod“, sagt die Bibel (Römer 6:23). Glücklicherweise ist jedoch Gottes Sohn, Jesus Christus, aus Liebe für uns gestorben. Der Apostel Johannes schrieb über Jesus: „Jener [hat] seine Seele für uns hingegeben“ (1. Johannes 3:16). Ja, er gab sein vollkommenes menschliches Leben als „ein Lösegeld im Austausch gegen viele“, damit die Sünden derer, die Glauben an ihn ausüben, ausgelöscht werden und sie ewig leben können (Matthäus 20:28). Die Bibel erklärt, daß „Gott seinen einziggezeugten Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn Leben erlangen könnten“ (1. Johannes 4:9).

      Wie sollten wir somit auf die Liebe, die Gott und sein Sohn uns gegenüber gezeigt haben, reagieren? Die Bibel fährt fort: „Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, dann sind wir selbst verpflichtet, einander zu lieben“ (1. Johannes 4:11). Wir müssen es lernen zu lieben, denn diese Eigenschaft wird der Eckstein in Gottes neuer Welt sein. Vielen ist die Bedeutung der Liebe bewußt geworden, die Jehova Gott in seinem Wort, der Bibel, betont.

      Ohne Liebe, so das Buch Love and Its Place in Nature, „sind Kinder eher gefährdet zu sterben“. Das Bedürfnis nach Liebe legt sich allerdings nicht mit dem Älterwerden. Ein führender Anthropologe sagte: Die Liebe „bildet den Mittelpunkt aller menschlichen Bedürfnisse, genauso wie unsere Sonne den Mittelpunkt unseres Sonnensystems bildet ... Das Kind, das nicht geliebt worden ist, unterscheidet sich biochemisch, physiologisch und psychologisch sehr von dem Kind, das geliebt worden ist. Es entwickelt sich auch anders.“

      Können wir uns vorstellen, wie das Leben sein wird, wenn alle Menschen auf der Erde einander wirklich lieben? Nie mehr wird jemand Vorurteile gegen andere hegen, weil sie eine andere Nationalität, Rasse oder Hautfarbe haben. Unter der Regierung des von Gott eingesetzten Königs, Jesus Christus, werden auf der Erde Frieden und Liebe herrschen, wodurch sich der inspirierte Psalm erfüllen wird:

      „O Gott, gib deine eigenen richterlichen Entscheidungen dem König ... Er richte die Niedergedrückten des Volkes, er rette die Söhne des Armen, und er zermalme den Übervorteiler. In seinen Tagen wird der Gerechte sprossen und Fülle von Frieden, bis der Mond nicht mehr ist. Und er wird Untertanen haben von Meer zu Meer und von dem STROM bis zu den Enden der Erde. Denn er wird den Armen befreien, der um Hilfe ruft, auch den Niedergedrückten und jeden, der keinen Helfer hat. Es wird ihm leid sein um den Geringen und den Armen, und die Seelen der Armen wird er retten“ (Psalm 72:1, 4, 7, 8, 12, 13).

      Böse Menschen werden in Gottes neuer Welt nicht geduldet, wie in einem anderen Psalm verheißen wird: „Die Übeltäter, sie werden weggetilgt, die aber auf Jehova hoffen, sind es, die die Erde besitzen werden. Und nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein; und du wirst dich sicherlich umsehen nach seiner Stätte, und er wird nicht dasein. Die Sanftmütigen aber werden die Erde besitzen, und sie werden wirklich ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Psalm 37:9-11).

      Dann werden alle gehorsamen Menschen, auch die vom Tod Auferstandenen, psychisch und körperlich geheilt sein. Schließlich werden alle Lebenden das Bild Gottes vollkommen widerspiegeln. Endlich wird es keine Kraftanstrengung mehr sein, richtig zu handeln. Auch die Diskrepanz zwischen unserem Lebenshunger und der gegenwärtigen harten Realität des Todes wird aufgehoben sein. Unser liebevoller Gott gibt uns die verläßliche Zusicherung: „Der Tod wird nicht mehr sein“ (Offenbarung 21:4; Apostelgeschichte 24:15).

      Geben wir deshalb niemals den Kampf auf, richtig zu handeln. Beachten wir die göttliche Ermahnung: „Kämpfe den vortrefflichen Kampf des Glaubens, ergreife fest das ewige Leben.“ Dieses Leben in Gottes neuer Welt wird in der Bibel als „das wirkliche Leben“ bezeichnet (1. Timotheus 6:12, 19).

      Lassen wir die wahre biblische Aussage in unser Bewußtsein dringen, daß „Jehova Gott ist. Er ist es, der uns gemacht hat, und nicht wir selbst.“ Diese Wahrheit zu erkennen ist ein unerläßlicher Schritt, wenn man für das Leben in Jehovas neuer Welt der Liebe und Gerechtigkeit in Frage kommen möchte (Psalm 100:3; 2. Petrus 3:13).

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