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Der große Abfall beginntJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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Heidnische Lehren dringen ein
Christi reine Lehren sind verbürgt — sie sind in der Heiligen Schrift festgehalten. Zum Beispiel lehrte Jesus klar und deutlich, daß Jehova „der allein wahre Gott“ ist und daß die menschliche Seele sterblich ist (Joh. 17:3; Mat. 10:28). Doch als die Apostel nicht mehr lebten und das organisatorische Gefüge geschwächt war, wurden diese klaren Lehren in dem Maße verdorben, wie heidnische Lehren in das Christentum eindrangen. Wie konnte das geschehen?
Ein Schlüsselfaktor war der heimtückische Einfluß der griechischen Philosophie. In der New Encyclopœdia Britannica wird erläutert: „Von der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. an empfanden Christen, die in griechischer Philosophie etwas bewandert waren, das Bedürfnis, ihrem Glauben in entsprechenden Begriffen Ausdruck zu verleihen, und zwar zur Befriedigung ihres eigenen Intellekts und um gebildete Heiden zu bekehren.“ Als philosophisch orientierte Personen Christen wurden, verschmolzen griechische Philosophie und „Christentum“ bald miteinander.
Infolgedessen sickerten heidnische Lehren wie die von der Dreieinigkeit und von der Unsterblichkeit der Seele in das befleckte Christentum ein. Diese Lehren sind jedoch viel älter als die griechischen Philosophen. Die Griechen übernahmen sie von früheren Kulturen, denn sie sind in den alten ägyptischen und babylonischen Religionen belegt.
Mit dem fortgesetzten Eindringen heidnischer Lehren in das Christentum wurden auch andere biblische Lehren verdreht oder aufgegeben.
Die Hoffnung auf das Königreich verblaßt
Jesu Jünger waren sich bewußt, daß sie in der Erwartung seiner verheißenen „Gegenwart“ und seines Königreiches wachsam bleiben mußten. Mit der Zeit wurde deutlich, daß dieses Königreich für tausend Jahre über die Erde herrschen und sie zu einem Paradies umgestalten wird (Mat. 24:3; 2. Tim. 4:18; Offb. 20:4, 6). Die christlichen Bibelschreiber ermahnten die Zeugen des ersten Jahrhunderts, geistig wach zu bleiben und sich von der Welt getrennt zu halten (Jak. 1:27; 4:4; 5:7, 8; 1. Pet. 4:7). Doch mit dem Tod der Apostel verblaßte die christliche Erwartung der Gegenwart Christi und seines Königreiches. Warum?
Ein Faktor war die Verunreinigung des Glaubens durch die griechische Lehre von der Unsterblichkeit der Seele. Während sie unter den Christen Fuß faßte, wurde die Millenniumshoffnung allmählich aufgegeben. Wieso? Das Theologische Begriffslexikon zum Neuen Testament erklärt, daß „an die Stelle der nt. [neutestamentlichen] Eschatologie [Lehre von den Letzten Dingen] mit ihrer Hoffnung auf die Auferstehung der Toten und die neue Schöpfung (Offb 21f) die spätantike Lehre von der Unsterblichkeit der Seele getreten ist: Die Seele empfängt nach dem Tod das Gericht und gelangt in das — jetzt jenseitig gedachte! — Paradies.“ Mit anderen Worten: Abtrünnige Christen dachten, daß die Seele beim Tod den Körper überlebt und daß sich die Segnungen der Millenniumsherrschaft Christi deshalb auf den geistigen Bereich beziehen müssen. Sie verlegten das Paradies also von der Erde in den Himmel, in den die gerettete Seele ihrer Meinung nach beim Tod gelangt. Es war somit nicht notwendig, nach der Gegenwart Christi und dem Kommen seines Königreiches Ausschau zu halten, da alle hofften, beim Tod mit Christus im Himmel vereinigt zu werden.g
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Der große Abfall beginntJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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[Kasten/Bild auf Seite 36]
Platon und das „Christentum“
Der griechische Philosoph Platon (geboren um 428 v. u. Z.) konnte nicht ahnen, daß seine Lehren eines Tages in das abtrünnige Christentum Eingang finden würden. Platon steuerte zum „Christentum“ hauptsächlich die Lehre von der Dreieinigkeit und von der Unsterblichkeit der Seele bei.
Platons Vorstellungen von Gott und der Natur beeinflußten die Dreieinigkeitslehre der Christenheit. In dem Werk „Nouveau Dictionnaire Universel“ wird erklärt: „Die Platonische Dreiheit — an sich nur eine Neuordnung älterer Dreiheiten, die auf frühe Völker zurückgehen — scheint die rationale philosophische Dreiheit von Eigenschaften zu sein, die die von den christlichen Kirchen gelehrten drei Hypostasen oder göttlichen Personen hervorbrachte. ... Diese Vorstellung des griechischen Philosophen von der göttlichen Dreiheit ... kann man in allen alten [heidnischen] Religionen finden“ (Bd. 2, S. 1467).
Über die Lehre von der unsterblichen Seele schreibt die „New Catholic Encyclopedia“: „Die christliche Vorstellung einer geistigen Seele, die von Gott erschaffen und bei der Empfängnis in den Körper eingeflößt wird, um aus dem Menschen eine lebende Gesamtheit zu machen, ist das Ergebnis einer langen Entwicklung in der christlichen Philosophie. Erst mit Origenes [er starb um das Jahr 254 u. Z.] im Osten und St. Augustinus [er starb 430 u. Z.] im Westen wurde aus der Seele ein geistiges Wesen und aus ihrer Beschaffenheit ein philosophisches Konzept. ... Seine [Augustinus’] Lehre verdankte vieles (einschließlich einiger Mängel) dem Neuplatonismus“ (Bd. XIII, S. 452, 454).
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