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Die SalomoninselnJahrbuch der Zeugen Jehovas 1992
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Im Jahre 1989 schauten die Menschen in Auki auf Malaita den 60 Verkündigern einer Versammlung verwundert zu, wie sie einen Kongreßsaal fertigstellten, der über 1 000 Personen Platz bieten sollte. Und im Juni 1991 trauten die Leute in Honiara ihren Augen kaum, als ein Kongreßsaal mit 1 200 Sitzplätzen binnen zwei Wochen auf seinem Fundament emporschoß. Es war der erste Saal im pazifischen Raum, der in dieser Größe in Schnellbauweise errichtet wurde. Auf unserer Rundfahrt, auf der wir Baustellen besichtigen werden, machen wir zuerst auf der Insel Malaita halt.
„Der Saal, den Jehova gebaut hat“
Man nehme zwei Hämmer und zwei Meißel als Werkzeug. Hinzu kommen eine Menge williger Arbeiter sowie alle Bäume, die in einem morastigen Wald in der Nähe gefällt werden können. Das ist alles, was man auf den Salomoninseln für einen Kongreßsaal mit 1 500 Sitzplätzen benötigt. Wegen dieses Bauwunders wurde auf Malaita der Name Jehovas deutlich vernehmbar gepriesen. Beim Bau des 930 m2 großen Kongreßsaals mußten zahllose scheinbar unlösbare Probleme überwunden werden, so daß er als „der Saal, den Jehova gebaut hat“, bekannt wurde.
Bei einer Zusammenkunft, die die Missionare auf Malaita im Juni 1982 in der Provinzialhauptstadt Auki abhielten, machten sie folgende Feststellung: Die 65 Verkündiger starke Ortsversammlung benötigte dringend einen neuen Königreichssaal. Roger Allan und zwei Missionare von den Philippinen, Pepito Pagal und Arturo Villasin, waren bei der Zusammenkunft zugegen.
Der alte Königreichssaal war von Termiten befallen. Er war so baufällig, daß man beim geringsten Windstoß seinen Einsturz befürchten mußte. Eigentlich war er dafür gedacht gewesen, die 400 Anwesenden eines Kongresses, der 15 Jahre zuvor in Auki stattgefunden hatte, provisorisch vor Sonne und Regen zu schützen. Inzwischen war er natürlich in einem schlechten baulichen Zustand.
Von den mit der Versammlung in Auki verbundenen Brüdern hatten nur zwei eine Ganztagsbeschäftigung, und jeder der beiden verdiente monatlich 50 Dollar (100 SI$). Deshalb beschlossen alle Angehörigen der Versammlung gemeinsam, sich zuerst darauf zu konzentrieren, Geld zusammenzubringen, um mit dem Bauen anfangen zu können. Bruder Pagal und Bruder Villasin wurden beauftragt, eine Versammlungs„vereinigung“ zu organisieren, d. h. eine Gruppe von Freiwilligen aus der Versammlung, die durch ihre Arbeit das nötige Geld beschaffen würde.
Die Versammlung baute Süßkartoffeln und Kohl an. Der Ertrag wurde in Körben aus Kokospalmwedeln verpackt und mit dem Schiff nach Honiara gesandt. Dort verkaufte Cleopass Laubina, eine ältere Pionierin, die Feldfrüchte zu dem bestmöglichen Preis und schickte den Erlös an die Versammlung in Auki. Außerdem arbeiteten montags jeweils 40 bis 50 Brüder und Schwestern hart, um Geld zu verdienen. Sie zogen Gräben, befreiten Kokosnußplantagen vom Gestrüpp und mischten von Hand Beton. Bis 1985 — nach dreieinhalb Jahren fleißiger Arbeit — hatte die Versammlung eine Summe von 2 000 Dollar (4 000 SI$) zusammengespart, die sie für den Bau verwenden konnte.
Vergrößerung des Projekts
In der Zwischenzeit war der Beschluß gefaßt worden, das Bauprojekt zum Nutzen aller 23 Versammlungen auf Malaita bedeutend zu vergrößern. „Wir können doch anstelle eines Königreichssaals für 70 Verkündiger auch einen Kongreßsaal für 1 500 Personen bauen“, überlegten die einheimischen Zeugen Jehovas. Es wurde also ein großer Bau geplant, der 1 500 Personen Platz bieten würde und der nicht nur vor der heißen Sonne am Äquator schützen sollte, sondern auch vor den häufigen starken Regenfällen, die für die Salomoninseln typisch sind.
Es wurde eine Skizze gemacht, die erkennen ließ, daß der Saal 30 m lang und 32 m breit werden sollte und daß ein schräges Dach vorgesehen war, das aufsteigende Warmluft entweichen lassen würde. In der Mitte waren keine Stützpfeiler geplant, damit die Zuhörer freie Sicht hätten. Der Saal sollte auf dem 2 ha großen Grundstück der Versammlung errichtet werden.
Im Jahre 1985 konnte die Versammlung ein zinsgünstiges Darlehen aufnehmen. Kurze Zeit später spendeten Zeugen Jehovas aus Schweden eine beträchtliche Summe, wodurch sich der Geldbetrag, der für den Baubeginn zur Verfügung stand, auf 13 500 Dollar (27 000 SI$) erhöhte.
Außerdem versprach der Leiter einer Holzmühle in Honiara, 300 bereits bearbeitete Baumstämme zu liefern, die als Hauptstützpfeiler und als Pfosten für den Vorbau sowie für die Dachbinder, Pfetten und Dachsparren benötigt wurden. Die Binder sollten in Honiara konstruiert und wieder zerlegt werden. Dann sollten sie mit einem Flußboot nach Auki gebracht werden, wo sie wieder zusammengebaut werden sollten. Die Konstruktion würde dann auf die Hauptstützpfeiler gesetzt werden.
Die Bautruppe brannte darauf, mit der Arbeit zu beginnen. Aber alles, was ihr an Werkzeug zur Verfügung stand, waren zwei Klauenhämmer und zwei Meißel. Natürlich gab es viele freiwillige Helfer, aber keiner der Zeugen Jehovas auf Malaita hatte irgendwelche Erfahrung im Bauhandwerk. „Die Brüder und Schwestern erwarteten von mir, daß ich das Bauen beaufsichtigte, doch ich hatte noch nicht einmal einen Hühnerstall gebaut“, sagte Bruder Allan.
Wie sollten die Zeugen die Dachbinder — jeder bestand aus acht großen verbolzten Holzbalken und wog zwischen zwei und fünf Tonnen — vom Boden auf die 6 m hohen Stützpfeiler hieven? Ja, und wie könnten sie den Dachfirst ohne schweren Kran rund 12 m hochheben?
„Ich weiß es auch nicht“, gestand damals Bruder Allan. „Wir müssen eben auf Jehovas Unterstützung vertrauen.“
Willkommene Hilfe
Im Oktober 1986 kam von weit her, aus Übersee, fachgerechte Hilfe. Jon und Margaret Clarke — sie hatten schon bei der Errichtung des Zweigbüros in Neuseeland geholfen — erfuhren von der Notlage, in der sich die Versammlung von Auki befand. Sie erhielten ein drei Monate gültiges Visum und konnten so nach Malaita reisen.
Der Versammlung wurde eine Betonmischmaschine geschenkt, wodurch sie die Arbeiten für die große Bühne und die dahinter befindliche Betonwand mit Seitenflügeln fortsetzen konnte. Mit bloßen Händen, die als Schaufeln dienten, gruben die Brüder tiefe Löcher in die Erde, stellten die 18 Hauptstützpfeiler für die Wand, das Dach und den Vorbau hinein und gossen die Löcher mit Beton aus.
Da die einheimischen Brüder von Bruder Clarke geschult worden waren, bauten sie die Dachbinder des Hauptsaals und die drei Dachbinder für den Vorbau selbst zusammen. Aber es bestand noch immer das Problem, diese schweren Binder dorthin zu bekommen, wohin sie gehörten. Dazu war außerordentliche Geschicklichkeit erforderlich, denn die Binder bestanden aus acht Balken, die so verbolzt waren, daß ein riesiges Dreieck entstanden war. Es ist unglaublich, was für eine Entschlossenheit und Findigkeit die Brüder entwickelten.
Ein Ballett der Balken
Das einzige Gerät, das den Brüdern für das Hochheben der schweren Binder zur Verfügung stand, war ein Flaschenzug an einem behelfsmäßigen Kran. Der Kran selbst bestand aus acht Balken. Der erste Dachbinder — zwei Tonnen schwer — mußte über die neuerrichtete Betonwand gehoben und auf zwei Stützpfeilern, die dahinter waren, befestigt werden. Als der Binder von dem Kran aufgerichtet wurde, stellten die Brüder mit Entsetzen fest, daß der Binder nicht hoch genug gezogen werden konnte, um ihn über die Mauer zu bekommen. Es fehlte ein Meter. Zwei Tage hing der Binder am Kran — von Balken gestützt —, während sich die Brüder stöhnend den Kopf zerbrachen, wie sie das Problem lösen könnten.
Vorbeigehende spotteten: „Kann Jehova den Dachbinder für euch nicht hochheben?“
„So!“ riefen dann die Brüder. „Jetzt wird uns Jehova ganz bestimmt helfen!“
Plötzlich hatten die Arbeiter einen Einfall. Sie schoben den Wagenheber eines kleinen Lieferwagens unter das eine Ende des Dachbinders und hoben es einige Zentimeter an, worauf sie es durch Stützen auf dieser Höhe hielten. Dann schoben sie den Wagenheber unter das andere Ende des Binders, um es anzuheben, und sie stützten es ebenfalls ab. Dieser Vorgang wurde mehrmals wiederholt, und nach viertägigem Jonglieren konnte der erste Dachbinder über die Betonwand gehoben und auf die vorgesehenen Stützpfeiler aufgesetzt werden. Als diese außerordentliche Leistung vollbracht war, tanzten die Brüder, vor Freude singend und klatschend, in einem großen Kreis um die Baustelle herum.
Erst als sie damit fertig waren, die drei Dachbinder — von denen einer fünf Tonnen wog — mit Hilfe des Wagenhebers über die Wand zu hieven, erkannten sie die undeutliche Aufschrift an einer Seite des Wagenhebers richtig. Sie besagte nicht, daß die Hebekapazität, wie sie annahmen, „15 Tonnen“ betrage, sondern nur „1,5 Tonnen“.
„Im nachhinein betrachtet, verstieß das, was die Brüder und Schwestern taten, gegen jede Logik“, sagt Bruder Allan. „Wenn man die riesigen Binder in der Luft beobachtete, kam es einem vor, als ob man einem Ballett der Balken zusah.“
„Kann denn Jehova keinen Saal bauen?“
Im Januar 1987 kamen zwei einheimische Brüder von Honiara nach Auki. Nach einer Inspektion der Dachbinder sagten sie, die Holzmühle habe versehentlich Balken aus Obstbaumholz geliefert. Balken aus diesem Holz seien ungeeignet, denn sie würden von innen heraus faulen, ohne daß man es von außen sehe. Nach Meinung der Brüder hatte der Verrottungsprozeß im Innern der Balken schon begonnen, und alle Balken müßten ausgetauscht werden. Vier Monate später wurde das vernichtende Urteil bestätigt: Die meisten Balken faulten, und der größte Teil der schweren Bauarbeiten mußte wiederholt werden.
Im Juli trafen Bruder und Schwester Clarke erneut in Auki ein. Mit ihnen kamen Steven und Allan Brown aus Auckland. Sie brachten als Spende Ausrüstungsgegenstände mit, die beim Bau des inzwischen fertiggestellten Zweigbüros von Neuseeland benutzt worden waren. Die Neuseeländer hatten eigentlich vorgehabt, bei ihrem jetzigen Aufenthalt die Dachkonstruktion des Saals zu vollenden, aber statt dessen bestand ihre Hauptarbeit darin, einen großen Teil der im Jahr zuvor errichteten Konstruktion wieder niederzureißen.
Was den Brüdern jedoch am meisten zu schaffen machte, waren die ständigen Spottrufe von Leuten, die in offenen Lastwagen an der Baustelle vorbeirasten, und die demütigenden Bemerkungen der Menschen auf dem Marktplatz oder auf den Straßen von Auki.
„Kann denn Jehova keinen Saal bauen?“ fragten sie unter höhnischem Gelächter. „Das beweist, daß eure Religion falsch ist“, spotteten sie. „Nur Verrückte bauen einen Saal und reißen ihn dann wieder ab.“ Wenn Angehörige anderer Religionsgemeinschaften an der Baustelle vorbeikamen, tanzten und sangen sie schadenfroh vor den Augen der mutlosen Brüder. Die einheimischen Brüder waren so niedergeschlagen, daß sie zu den vier Missionaren sagten: „Wenn nicht der Name Jehovas auf dem Saal ruhen würde, würde uns nichts mehr auf der Baustelle halten.“
Spott nur von kurzer Dauer
Manchmal verstummten die Spötter. Eine Gruppe Chorsänger zum Beispiel, die mit einem Lastwagen zu einem Kirchenfest unterwegs war, das 16 km von der Baustelle entfernt stattfinden sollte, fuhr vorbei und rief den Bauarbeitern unter Gelächter Beleidigungen zu. Nach etwa anderthalb Kilometern Fahrt hatten die Sänger dann eine Panne mit dem Lkw, weswegen sie nicht an ihrem Ziel ankamen.
Nachdem die Nachricht von der Panne die Baustelle erreicht hatte, wurde den Brüdern der Rat gegeben, ‘niemandem Böses mit Bösem zu vergelten’ (Röm. 12:17). Doch als einige Brüder kurze Zeit später mit dem Lkw von der Baustelle an den Sängern, die mit ihrem Lastwagen auf der Straße liegengeblieben waren, vorbeifuhren, tanzten sie vor Freude; sie konnten ihre Schadenfreude doch nicht ganz verbergen.
Hilfe aus Kona
Nur 38 der von der Holzmühle gelieferten Baumstämme waren frei von Fäulnis. Die übrigen der 300 benötigten Stämme mußten also anderswoher beschafft werden. Aber woher? Die Zeugen Jehovas aus Kona — einem Dorf, das 5 km von der Baustelle entfernt liegt — kamen zu den Bauleuten und sagten, daß sie bereit seien, ihnen Baumstämme aus einem besonderen Hartholz von ihrem eigenen Land zur Verfügung zu stellen. Die Hauptstützpfeiler, die Pfosten für den Vorbau und die Dachbinder des Hauptsaals könnten gegen dieses gespendete Holz ausgetauscht werden. Die Spende war für die Zeugen aus Kona ein großes Opfer, denn Malaita war zuvor von dem Wirbelsturm Namu verwüstet worden. Die Baumstämme waren eigentlich dafür gedacht gewesen, ihre zerstörten Häuser wieder aufzubauen.
Um das Holz herbeizuschaffen, schlugen die Schwestern der Versammlung in Auki eine 6 m breite und rund 800 m lange Schneise in den dichten Urwald, und zwar von der Stelle, wo die Bäume gefällt werden sollten, bis zur Straße. Unter Aufbietung aller Kräfte fällten sie Bäume, schlugen Brücken über Gräben und räumten die Schneise von Hindernissen. Dann konnten die Bäume für den Bau gefällt, von den Ästen befreit und mit einer Kettensäge zu Vierkanthölzern geschnitten werden.
„Wir sind wie Ameisen“
Die neuen Stämme waren zu Balken verarbeitet worden, die rund 6,5 m lang waren und einen Durchmesser von 36 cm hatten. Aber wie sollte man diese riesigen Hölzer zu der 800 m entfernten Straße befördern?
Die Glieder der Versammlung sagten: „Wir sind wie Ameisen. Wenn genügend Hände zupacken, können wir so gut wie alles fortbewegen.“ (Vergleiche Sprüche 6:6.) Wurden mehr Brüder und Schwestern benötigt, um die Balken fortzuschleppen, so erscholl der Ruf: „Ameisen, Ameisen, Ameisen!“ Dann strömten aus allen Richtungen Brüder und Schwestern herbei, um mitzuhelfen. Vierzig an der Zahl hoben mit den Händen einen Balken hoch, der eine halbe Tonne wog, und trugen ihn die Schneise hinunter zur Straße. Dort wurde er auf einen Karren geladen und zur Baustelle befördert.
Es war ein riskantes Unterfangen, die Pfeiler und Pfosten an Ort und Stelle zu bringen. Wieder wußten die einheimischen Brüder am besten, wie man so etwas macht. Wenn sie auf der Baustelle ankamen, legten sie jeden Pfeiler auf den Boden, und zwar etwa 3 m von dem tiefen Loch entfernt, in das der Pfeiler hineingestellt werden sollte und das danach mit Beton ausgegossen wurde.
Dreißig Brüder und Schwestern hoben das obere Ende des Pfeilers auf ein Gerüst, das aus sich kreuzenden Teilen bestand. Dann schoben sie den Pfeiler schnell über den Boden, wodurch er mit dem unteren Ende auf das entsprechende Loch zurutschte. Zwei der mutigsten Brüder standen mit dicken Brettern auf der gegenüberliegenden Seite des Lochs. Wenn der Pfeiler auf die Bretter prallte, richtete er sich aufgrund der Schubkraft auf, und das untere Ende sank ins Loch.
Ein Versehen erweist sich als ein Segen
Als nächstes war geplant, das Dach des Saals aufzusetzen. Doch inzwischen war der Baufonds völlig erschöpft, und die Versammlung konnte den Stahl für das Dach nicht bezahlen. Als die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas von der mißlichen Lage der Brüder erfuhr, wurde eine Spende von 10 000 Dollar (20 000 SI$) überwiesen. Das reichte nicht nur aus, um Material für das Dach zu kaufen, sondern auch, um den Hauptsaal zu vollenden.
Sechstausend Dollar wurden für eine hellgrau gestrichene Dachhaut aus Stahlblech an eine Firma gezahlt, die Blech vertrieb. Die Farbe gefiel den Brüdern zwar nicht, und das Blech hatte auch nicht die vom Baukomitee gewünschte Dicke und Qualität, aber ein höherer Preis konnte nicht bezahlt werden. Zum Entsetzen der Bauarbeiter war dieses Blech jedoch schon an eine andere religiöse Gruppe in Honiara, die es für ihre neue Kirche benötigte, verkauft worden. Die Firma entschuldigte sich zwar für das Versehen, doch das gleiche Material war nicht mehr auf Lager.
Eine Woche später gab die Firma den Zeugen Bescheid, daß ein Vorrat an dickerem Dachblech von besserer Qualität eingetroffen sei. Da aber der Firma das Versehen unterlaufen war, wollte sie der Versammlung das Blech zu einem bedeutend niedrigeren Preis verkaufen. So war es für die Versammlung erschwinglich. Und was noch bemerkenswerter war, das neue Stahlblech hatte eine schönere Farbe — Dunkelgrün —, genau die Farbe, die sich die Brüder ursprünglich gewünscht hatten. Für Blech in dieser Farbe zum regulären Preis hätten sie aber das Geld nicht aufbringen können.
Im Dezember 1987 traf Henry Donaldson, ein Bruder, der einen Dachdeckerbetrieb hatte, aus Neuseeland ein. Das Dach wurde mit der 1 100 m2 großen schönen Dachhaut versehen. Wenn jetzt Lastwagen mit ihren früheren Peinigern an der Baustelle vorbeifuhren, konnten die Brüder und Schwestern endlich vor Freude tanzen und singen und begeistert auf das fast fertige Gebäude zeigen.
Man stelle sich die Freude vor, als einige Tage später der Saal zum ersten Mal benutzt wurde! Viv Mouritz aus dem australischen Zweigbüro diente als Zonenaufseher und sprach zu einer Zuhörerschaft von 593 Personen. Er lobte alle freiwilligen Helfer, die an dem gewaltigen Projekt sehr hart mitgearbeitet hatten, für ihre Opferbereitschaft und ihr Ausharren.
Sie wissen sich zu helfen
Der Kongreßsaal auf Malaita ist ein Beispiel, das zeigt, was ohne moderne Bauausrüstung und handelsübliche Materialien zustande gebracht werden kann. Er liefert den Beweis dafür, daß Jehova die Anstrengungen derer segnet, die ihr Vertrauen völlig auf ihn setzen. Oft fehlte für die Arbeit selbst das grundlegendste Werkzeug wie Spaten oder Schaufeln, Werkzeug, das in wohlhabenderen Ländern als absolute Notwendigkeit angesehen wird.
Wenn auf der Baustelle Korallensand benötigt wurde, hackten Schwestern mit spitzen Stöcken an Fundstellen Trümmer des Korallenkalkes los und schaufelten mit den bloßen Händen den zerklüfteten, scharfen Kies in Säcke, so daß er an die Baustelle transportiert werden konnte. An nur einem Tag hackten die Schwestern so viel Kies los, daß ein Lastwagen, der drei Tonnen faßte, dreizehnmal beladen werden konnte.
Hier noch ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie die Brüder sich mit dem Vorhandenen behalfen. Das Rad der einzigen Schubkarre auf der Baustelle wurde so sehr beschädigt, daß es nicht mehr repariert werden konnte. Nirgendwo auf den Salomoninseln war ein Ersatzrad aufzutreiben. Dadurch ließen sich die Zeugen aber auf keinen Fall aufhalten. Nachdem sie jeweils die Schubkarre mit Beton gefüllt hatten, hoben sie sie einfach auf und trugen sie dorthin, wo der Beton benötigt wurde. Das taten sie fünf Wochen lang, bis aus Neuseeland ein Ersatzrad eintraf.
Nach vielen weiteren Arbeiten konnte schließlich im Oktober 1988 der Bezirkskongreß „Göttliches Recht“ in dem Saal stattfinden.
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Die SalomoninselnJahrbuch der Zeugen Jehovas 1992
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Baustämme vom Sumpfland, die mit einer Kettensäge zu Vierkanthölzern geschnitten worden sind, werden auf einen Lkw geladen. Ein quadratischer Pfeiler (für die Wand des Kongreßsaals in Auki) wird in das für ihn bestimmte Loch gesetzt.
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Riesige, bis zu fünf Tonnen schwere Dachbinder, die aus acht verbolzten Balken bestehen. Die Binder werden ohne die normalerweise nötige Ausrüstung auf die 6 m hohen Stützpfeiler gesetzt.
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Der fertige Kongreßsaal in Auki (Malaita), der 1 500 Personen Platz bietet
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