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AlbanienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2010
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NACH GUTEM BEGINN EIN RÜCKSCHLAG
Das Landeskomitee strengte sich an, den wahren Glauben zu fördern. Doch Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Wie Melpo ihrem Bruder John Marks 1963 schrieb, waren zwei der drei Brüder aus dem Landeskomitee, nämlich Leonidha Pope und Luçi Xheka, „nicht mehr bei ihren Familien“ und es fanden keine Zusammenkünfte statt. Später wurde mitgeteilt, Spiro Vruho sei im Krankenhaus und auch von Leonidha Pope und Luçi Xheka hieß es, sie seien krank, wobei auf Apostelgeschichte 8:1, 3 Bezug genommen wurde. Dort wird erwähnt, dass Paulus von Tarsus Christen ins Gefängnis einlieferte. Was war geschehen?
Leonidha Pope, Luçi Xheka und Sotir Ceqi arbeiteten in einer Fabrik, in der Mitglieder der Kommunistischen Partei vor allen Arbeitern Vorträge hielten, in denen sie die kommunistischen Ideale herausstellten. Bei einem Vortrag über die Evolution standen Leonidha und Luçi spontan auf und sagten: „Es stimmt nicht, dass der Mensch vom Affen abstammt!“ Am nächsten Tag holte man sie von zu Hause ab und verbannte sie an entfernte Orte — eine Strafe, die die Albaner als internim (Internierung) bezeichneten. Luçi brachte man in das Bergland von Gramsh. Da Leonidha als „Rädelsführer“ galt, kam er in das unwirtliche Bergland von Burrel. Bis zu seiner Rückkehr nach Tirana sollten sieben Jahre vergehen.
Ab August 1964 gab es praktisch keine Zusammenkünfte mehr. Wie aus den wenigen Informationen hervorging, die aus Albanien durchsickerten, wurden die Brüder von der Sigurimi streng überwacht. Eine Botschaft unter einer Briefmarke lautete: „Betet für uns. Literatur von Haus zu Haus beschlagnahmt. Man lässt uns nicht studieren. Drei im internim.“ Zunächst dachte man, Bruder Pope und Bruder Xheka seien freigelassen worden, weil sie die einzigen waren, die von den Botschaften unter den Briefmarken wussten. Später stellte sich jedoch heraus, dass Frosina, Luçis Frau, die Mitteilung geschrieben hatte.
Die leitenden Brüder waren also weit weg. Die Sigurimi unterband durch ihre strenge Überwachung jegliche Kommunikation zwischen den Zeugen. Doch die Brüder im internim gaben allen, mit denen sie zu tun hatten, ein eindrucksvolles Zeugnis. In Gramsh sagten die Leute oft: „Die ungjillorë [Evangeliumsverkündiger] sind hier. Sie gehen nicht zum Militär, sondern bauen unsere Brücken und reparieren unsere Generatoren.“ Diese treuen Brüder erwarben sich einen hervorragenden Ruf, der selbst nach Jahrzehnten nicht vergessen war.
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AlbanienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2010
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Als das Verbot 1992 aufgehoben wurde, gehörte Frosina zu den neun getauften Zeugen, die in Albanien übrig geblieben waren.
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