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  • Gottes Königreich ist geboren!
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • Ein großer, feuerfarbener Drache

      7. Welches andere Zeichen sieht Johannes im Himmel?

      7 Was beobachtet Johannes als nächstes? „Und ein anderes Zeichen wurde im Himmel gesehen, und siehe, ein großer, feuerfarbener Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und auf seinen Köpfen sieben Diademe; und sein Schwanz zieht ein Drittel der Sterne des Himmels fort, und er schleuderte sie zur Erde hinab. Und der Drache blieb vor der Frau stehen, die im Begriff war zu gebären, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge“ (Offenbarung 12:3, 4).

      8. (a) Wer ist der große, feuerfarbene Drache? (b) Was wird dadurch angedeutet, daß der Drache sieben Köpfe, zehn Hörner und auf jedem Kopf ein Diadem hat?

      8 Bei diesem Drachen handelt es sich um Satan, „die Urschlange“ (Offenbarung 12:9; 1. Mose 3:15). Er ist ein grausamer Zerstörer — ein siebenköpfiger, unersättlicher Drache, der seine Beute vollständig verschlingen kann. Wie eigenartig er aussieht! Die sieben Köpfe und zehn Hörner weisen darauf hin, daß er das politische wilde Tier schuf, das kurz danach in Offenbarung, Kapitel 13 beschrieben wird. Auch dieses Tier besitzt sieben Köpfe und zehn Hörner. Da Satan auf jedem seiner Köpfe ein Diadem trägt — sieben insgesamt —, können wir sicher sein, daß die durch dieses wilde Tier dargestellten Weltmächte von ihm regiert werden (Johannes 16:11). Die zehn Hörner sind ein passendes Symbol für die Vollständigkeit der Macht, die er über diese Welt ausübt.

      9. Was wird dadurch angedeutet, daß der Schwanz des Drachen ‘ein Drittel der Sterne des Himmels fortzieht’ und zur Erde hinabschleudert?

      9 Der Drache hat auch Einfluß auf den geistigen Bereich. Sein Schwanz „zieht ein Drittel der Sterne des Himmels fort“. Sterne können Engel darstellen (Hiob 38:7). Daß von einem „Drittel“ die Rede ist, läßt erkennen, daß eine beträchtliche Anzahl von Engeln von Satan verführt worden ist. Sobald sie sich in seiner Gewalt befanden, gab es für sie kein Entrinnen mehr. Sie konnten nicht zu Gottes heiliger Organisation zurückkehren. Sie wurden Dämonen, die von Satan, ihrem König oder Herrscher, sozusagen fortgezogen worden waren (Matthäus 12:24). Satan schleuderte sie außerdem zur Erde hinab. Dies bezieht sich zweifellos auf die Tage Noahs vor der Flut, als Satan die ungehorsamen Söhne Gottes verleitete, auf die Erde zu kommen und mit den Töchtern der Menschen intime Beziehungen zu pflegen. Zur Strafe hat Gott diese „Engel, die gesündigt hatten“, in den Tartarus — einen gefängnisähnlichen Zustand — geworfen (1. Mose 6:4; 2. Petrus 2:4; Judas 6).

      10. Welche rivalisierenden Organisationen werden erkennbar, und weshalb versucht der Drache, das Kind zu verschlingen, sobald die Frau es geboren hat?

      10 Auf diese Weise sind zwei rivalisierende Organisationen deutlich erkennbar geworden: Jehovas himmlische Organisation, versinnbildlicht durch die Frau, sowie Satans dämonische Organisation, die Gottes Souveränität herausfordert. Die große Streitfrage der Souveränität muß geklärt werden. Doch wie? Satan, der die Dämonen immer noch mit sich fortzieht, gleicht einem wilden Raubtier, das nach möglichen Opfern Ausschau hält. Er wartet darauf, daß die Frau gebärt. Er möchte das Kind, das sie erwartet, verschlingen, weil er weiß, daß es für seinen Fortbestand und den der Welt, die er beherrscht, eine echte Bedrohung darstellt (Johannes 14:30).

      Ein Sohn, ein Männlicher

      11. Wie beschreibt Johannes die Geburt des Kindes der Frau, und warum wird das Kind als ‘ein Sohn, ein Männlicher’ bezeichnet?

      11 Die bestimmte Zeit für die Nationen, mit der Zulassung Gottes ununterbrochen zu herrschen, endete im Jahre 1914 (Lukas 21:24). Dann, genau zum richtigen Zeitpunkt, gebärt die Frau ihr Kind: „Und sie gebar einen Sohn, einen Männlichen, der alle Nationen mit eisernem Stab hüten soll. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Und die Frau floh in die Wildnis, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, damit man sie dort tausendzweihundertsechzig Tage ernähre“ (Offenbarung 12:5, 6). Das Kind ist ‘ein Sohn, ein Männlicher’. Weshalb verwendet Johannes diesen zweifachen Ausdruck? Um zu zeigen, daß sich das Kind dazu eignet und auch fähig ist, die Nationen mit der nötigen Macht zu regieren. Des weiteren hebt der Ausdruck hervor, welch ein bedeutsames und zugleich freudiges Ereignis diese Geburt ist. Sie spielt bei der Vollendung des heiligen Geheimnisses Gottes eine Schlüsselrolle. Ja, dieses männliche Kind wird sogar „alle Nationen mit eisernem Stab hüten“.

      12. (a) Was hatte Jehova Jesus in den Psalmen prophetisch verheißen? (b) Was wird dadurch versinnbildlicht, daß die Frau einen Sohn gebärt, „der alle Nationen mit eisernem Stab hüten soll“?

      12 Klingt diese Wendung nicht vertraut? Ja, denn Jehova verhieß in einer Prophezeiung über Jesus: „Du wirst sie mit eisernem Zepter zerbrechen, wie ein Töpfergefäß wirst du sie zerschmettern“ (Psalm 2:9). In einer anderen Prophezeiung wurde über ihn gesagt: „Den Stab deiner Macht wird Jehova aus Zion senden, indem er spricht: ,Schreite zur Unterwerfung inmitten deiner Feinde‘ “ (Psalm 110:2). Aus diesem Grund steht die Geburt, die Johannes sieht, in engem Zusammenhang mit Jesus Christus. Nein, es ist nicht die Geburt Jesu durch eine Jungfrau vor dem ersten Jahrhundert u. Z. gemeint; genausowenig konnte sich die in der Offenbarung beschriebene Geburt darauf beziehen, daß Jesus im Jahre 33 u. Z. wieder zu geistigem Leben auferweckt wurde. Auch handelt es sich nicht um eine Reinkarnation. Es handelt sich vielmehr um die Geburt des Königreiches Gottes als Realität im Jahre 1914, bei der Jesus — der sich nun schon fast 2 000 Jahre im Himmel befindet — als König inthronisiert wird (Offenbarung 12:10).

      13. Was wird dadurch angedeutet, daß das männliche Kind ‘zu Gott und zu seinem Thron entrückt wird’?

      13 Niemals würde Jehova zulassen, daß seine Frau oder sein neugeborener Sohn von Satan verschlungen wird. Kurz nach der Geburt wird das männliche Kind ‘zu Gott und zu seinem Thron entrückt’. Somit befindet es sich nun völlig unter dem Schutz Jehovas, der dieses neugeborene Königreich — sein Mittel zur Heiligung seines heiligen Namens — in seine Obhut nimmt. Gleichzeitig flieht die Frau an einen Ort in der Wildnis, den Gott für sie bereitet hat. Weitere Einzelheiten darüber erfahren wir später. Die Voraussetzungen sind geschaffen für ein bedeutsames Ereignis, das es Satan ganz unmöglich machen wird, das himmlische Königreich jemals wieder zu bedrohen. Um was für ein Ereignis handelt es sich?

      Krieg im Himmel!

      14. (a) Welches Ereignis macht es Satan gemäß dem Bericht des Johannes unmöglich, das Königreich jemals wieder zu bedrohen? (b) Worauf wird der Wirkungsbereich Satans und der Dämonen beschränkt?

      14 Johannes berichtet weiter: „Und Krieg brach aus im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel kämpften, doch gewann er nicht die Oberhand, auch wurde für sie keine Stätte mehr im Himmel gefunden. Und hinabgeschleudert wurde der große Drache — die Urschlange —, der Teufel und Satan genannt wird, der die ganze bewohnte Erde irreführt; er wurde zur Erde hinabgeschleudert, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeschleudert“ (Offenbarung 12:7-9). Eine dramatische Entwicklung bei der Vollendung des heiligen Geheimnisses Gottes ist also, daß Satan aus dem Himmel geworfen und zusammen mit seinen Dämonen zur Erde geschleudert wird. Derjenige, der die ganze bewohnte Erde irregeführt hat und dem es sogar gelungen ist, ihr Gott zu werden, darf sich schließlich nur noch im Bereich dieses Planeten aufhalten, wo er einst seine Rebellion anzettelte (2. Korinther 4:3, 4).

      15, 16. (a) Wer ist Michael, und wieso wissen wir das? (b) Weshalb ist es passend, daß Michael derjenige ist, der Satan aus dem Himmel wirft?

      15 Wer erringt diesen großartigen Sieg in Jehovas Namen? Die Bibel erklärt, daß es Michael und seine Engel sind. Aber wer ist Michael? Der Name „Michael“ bedeutet „Wer ist wie Gott?“ Folglich muß Michael an der Rechtfertigung der Souveränität Jehovas interessiert sein, indem er den Beweis erbringt, daß kein anderer mit Jehova zu vergleichen ist. In Judas, im Vers 9 wird er als „der Erzengel Michael“ bezeichnet. Interessanterweise wird der Titel „Erzengel“ in der Bibel nur auf eine Person angewendet: Jesus Christus.b Paulus sagt über ihn: „Der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes“ (1. Thessalonicher 4:16). Der Titel „Erzengel“ bedeutet „Anführer der Engel“. Es überrascht daher nicht, wenn die Offenbarung von ‘Michael und seinen Engeln’ spricht. Auch andere Stellen in der Bibel, in denen von Engeln die Rede ist, die einem gerechten Diener Gottes unterstehen, beziehen sich auf Jesus. Deshalb erwähnt Paulus die „Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit seinen mächtigen Engeln“ (2. Thessalonicher 1:7, Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen; siehe auch Matthäus 24:30, 31; 25:31).

      16 Diese und andere Schrifttexte führen unweigerlich zu der Schlußfolgerung, daß Michael niemand anders ist als der Herr Jesus Christus in seiner himmlischen Stellung. Nun, am Tag des Herrn, sagt er zu Satan nicht mehr nur: „Jehova schelte dich.“ Dies ist eine Gerichtszeit, weshalb Jesus in seiner Stellung als Michael den bösen Satan und seine Dämonenengel aus dem Himmel wirft (Judas 9; Offenbarung 1:10). Es ist äußerst passend, daß Jesus dies tut, weil er der neu eingesetzte König ist. Er ist außerdem der einst in Eden verheißene Same, der letztendlich der Schlange den Kopf zertreten und sie so für alle Zeiten aus dem Dasein auslöschen wird (1. Mose 3:15). Durch diesen Hinauswurf Satans aus dem Himmel ist Jesus dem endgültigen Zertreten Satans näher gekommen.

      „Seid fröhlich, ihr Himmel!“

      17, 18. (a) Welche Reaktion löst der Hinauswurf Satans gemäß dem Bericht des Johannes im Himmel aus? (b) Wer läßt wahrscheinlich die laute Stimme erschallen, die Johannes hört?

      17 Johannes schildert die freudige Reaktion im Himmel auf diesen beeindruckenden Hinauswurf: „Und ich hörte eine laute Stimme im Himmel sagen: ,Jetzt ist die Rettung und die Macht und das Königreich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus herbeigekommen, denn der Ankläger unserer Brüder ist hinabgeschleudert worden, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagt! Und sie haben ihn wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses besiegt, und sie haben ihre Seele selbst angesichts des Todes nicht geliebt. Darum seid fröhlich, ihr Himmel und ihr, die ihr darin weilt!‘ “ (Offenbarung 12:10-12a).

      18 Wessen laute Stimme hört Johannes? Die Bibel sagt nichts darüber. In Offenbarung 11:17 wird allerdings von einer ähnlichen lauten Äußerung der 24 auferweckten Ältesten in ihrer himmlischen Stellung berichtet, in der sie nun die 144 000 Heiligen darstellen können (Offenbarung 11:18). Und da die verfolgten gesalbten Diener Gottes, die sich noch auf der Erde befinden, hier als „unsere Brüder“ bezeichnet werden, ist es sehr wohl möglich, daß diese Äußerung aus derselben Quelle stammt. Zweifellos können diese Treuen vereint ihre Stimme erschallen lassen, da ihre Auferstehung kurz nach dem Hinauswurf Satans und seiner Dämonenhorden erfolgen würde.

      19. (a) Die siegreiche Vollendung des heiligen Geheimnisses Gottes ebnet Jesus den Weg wofür? (b) Was wird dadurch angedeutet, daß Satan „der Ankläger unserer Brüder“ genannt wird?

      19 Für die siegreiche Vollendung des heiligen Geheimnisses Gottes ist es erforderlich, daß Jesus in Jehovas Königreich die Macht übernimmt. Auf diese Weise wird für Gott der Weg geebnet, seinen großartigen Vorsatz auszuführen, die treue Menschheit zu befreien. Jesus bringt nicht nur seinen gottesfürchtigen Jüngern, die jetzt auf der Erde leben, Rettung, sondern auch vielen Millionen von Toten, die Gott im Gedächtnis behalten hat (Lukas 21:27, 28). Satan wird „der Ankläger unserer Brüder“ genannt, was zeigt, daß er weiterhin die Lauterkeit der irdischen Diener Gottes auf die Probe gestellt hat, obwohl bereits bewiesen war, daß seine Anschuldigungen gegen Hiob nicht stimmten. Offensichtlich wiederholte er bei vielen Gelegenheiten seine Behauptung, ein Mensch werde alles, was er habe, im Austausch für seine Seele geben. Wie schmählich Satan doch versagt hat! (Hiob 1:9-11; 2:4, 5).

      20. Wie haben treue Christen Satan besiegt?

      20 Trotz Verfolgung fahren gesalbte Christen, die „wegen des Blutes des Lammes“ gerechtgesprochen sind, fort, über Gott und über Jesus Christus Zeugnis abzulegen. Seit über 120 Jahren weist diese Johannes-Klasse auf die großen Streitfragen in Verbindung mit dem Ende der Zeiten der Heiden im Jahre 1914 hin (Lukas 21:24, Einheitsübersetzung). Die große Volksmenge dient heute loyal an ihrer Seite. Keiner von ihnen ist „furchtsam vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“, wie dies aus Lebensberichten von Zeugen Jehovas unserer Zeit immer wieder hervorgeht. Durch das gesprochene Wort und durch einen anständigen christlichen Lebenswandel haben sie Satan besiegt, so daß sie ihn ständig zum Lügner stempeln (Matthäus 10:28; Sprüche 27:11; Offenbarung 7:9). Wie glücklich müssen doch gesalbte Christen nach ihrer Auferweckung im Himmel sein, da Satan ihre Brüder dort oben nicht länger anklagen kann! Es ist wirklich passend, daß alle Engelheere freudig auf den Ruf reagieren: „Seid fröhlich, ihr Himmel und ihr, die ihr darin weilt!“

      Ein Wehe des Gegners

      21. Wie hat Satan ein Wehe über die Erde und das Meer gebracht?

      21 Wütend über das dritte Wehe, beabsichtigt Satan nun, die Menschheit mit seiner eigenen besonderen Art Wehe zu quälen. „Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat“ (Offenbarung 12:12b). Satans Vertreibung aus dem Himmel bedeutet tatsächlich ein Wehe für die buchstäbliche Erde, die unter seinem Einfluß von selbstsüchtigen Menschen ruiniert wird (5. Mose 32:5). Darüber hinaus bringt Satans Politik „herrschen oder vernichten“ ein Wehe über die symbolische Erde, das Gefüge der menschlichen Gesellschaft, sowie über das symbolische Meer, die ruhelosen Menschenmassen. In den beiden Weltkriegen spiegelte sich Satans Zorn im Zorn der Nationen wider, die ihm unterstehen, und ähnliche dämonische Wutausbrüche gibt es bis auf den heutigen Tag — wenngleich auch nicht mehr lange (Markus 13:7, 8). Aber so schrecklich Satans Anschläge auch sein mögen, so erreichen sie doch nie die verheerende Wirkung, die das dritte Wehe — das Vorgehen des Königreiches Gottes — auf Satans sichtbare Organisation haben wird.

      22, 23. (a) Was geschieht gemäß dem Bericht des Johannes, nachdem der Drache zur Erde hinabgeschleudert worden ist? (b) Wie ist es dem Drachen möglich, „die Frau, die das männliche Kind geboren“ hat, zu verfolgen?

      22 Seit Satans verhängnisvoller Vertreibung aus dem Himmel haben Christi Brüder, die sich noch auf der Erde befinden, die volle Wucht seines Zornes zu spüren bekommen. Johannes berichtet: „Als nun der Drache sah, daß er zur Erde hinabgeschleudert worden war, verfolgte er die Frau, die das männliche Kind geboren hatte. Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wildnis an ihre Stätte fliege; dort wird sie für eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit fern von dem Angesicht der Schlange ernährt“ (Offenbarung 12:13, 14).

      23 An dieser Stelle wird in der Vision der Gedanke aufgegriffen, der bereits in Vers 6 angeschnitten wurde, wo es heißt, daß die Frau nach der Geburt ihres Kindes vor dem Drachen in die Wildnis flieht. Man mag sich fragen, wie es dem Drachen möglich ist, die Frau zu verfolgen, da sie sich doch im Himmel befindet und der Drache zur Erde hinabgeschleudert worden ist. Wie schon erwähnt, hat die Frau hier auf der Erde Kinder, die ihr Same sind. Etwas später erfahren wir in dieser Vision, daß Satan seine Wut gegen die Frau richtet, indem er ihren Samen verfolgt (Offenbarung 12:17). Was dem Samen der Frau hier auf der Erde widerfährt, widerfährt sozusagen der Frau selbst. (Vergleiche Matthäus 25:40.) Die wachsende Zahl der Gefährten des Samens hier auf der Erde würde ebenfalls verfolgt werden.

      Eine neue Nation

      24. Welches Erlebnis, das der Befreiung der Israeliten aus Ägypten ähnelte, hatten die Bibelforscher?

      24 Als der Erste Weltkrieg tobte, predigten Jesu Brüder, so gut es ihnen möglich war, treu weiter, und dies trotz des verstärkten Widerstandes Satans und seiner bösartigen Helfershelfer. Schließlich wurde das öffentliche Zeugniswerk der Bibelforscher praktisch zum Stillstand gebracht (Offenbarung 11:7-10). Sie befanden sich damals in einer ähnlichen Situation wie die Israeliten in Ägypten, die man ebenfalls schwer unterdrückte. Doch Jehova brachte sie schnell, wie auf Adlersflügeln, in der Wüste Sinai in Sicherheit (2. Mose 19:1-4). Desgleichen befreite Jehova seine Zeugen, die seine Frau vertraten, nach der heftigen Verfolgung von 1918 bis 1919 und versetzte sie in einen geistigen Zustand, in dem sie ebenso geschützt waren wie die Israeliten in der Wildnis. Jehova hatte die Gebete seiner Zeugen erhört. (Vergleiche Psalm 55:6-9.)

      25. (a) Was brachte Jehova 1919 hervor, ebenso wie er die Israeliten als Nation in der Wildnis hervorgebracht hatte? (b) Aus wem besteht diese Nation, und wohin ist sie gebracht worden?

      25 In der Wildnis brachte Jehova die Israeliten als Nation hervor, indem er in geistiger und in physischer Hinsicht für sie sorgte. In ähnlicher Weise brachte Jehova mit Beginn des Jahres 1919 den Samen der Frau als eine geistige Nation hervor. Dies ist nicht mit dem messianischen Königreich zu verwechseln, das seit 1914 vom Himmel aus regiert. Vielmehr besteht diese neue Nation aus dem Überrest gesalbter Zeugen auf der Erde, die 1919 in ein herrliches geistiges „Land“ gebracht wurden. Ausgerüstet mit ihrem „Maß an Speisevorrat zur rechten Zeit“, waren sie nun für das Werk gestärkt, das noch vor ihnen lag (Lukas 12:42; Jesaja 66:8).

      26. (a) Wie lang ist die in Offenbarung 12:6, 14 erwähnte Zeitperiode? (b) Welchem Zweck diente die Periode von dreieinhalb Zeiten, wann begann sie, und wann endete sie?

      26 Wie lange dauerte diese Atempause für den Samen der Frau Gottes? Offenbarung 12:6 spricht von 1 260 Tagen. In Offenbarung 12:14 wird diese Zeitperiode als eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit beschrieben, d. h. dreieinhalb Zeiten. Beide Ausdrücke bezeichnen dreieinhalb Jahre, die in der nördlichen Hemisphäre vom Frühjahr 1919 bis zum Herbst 1922 dauerten. Während dieser Zeit konnte sich die wiederhergestellte Johannes-Klasse erholen und reorganisieren.

      27. (a) Was tat der Drache entsprechend dem Bericht des Johannes nach 1922? (b) Was beabsichtigte Satan, als er eine Flut von Verfolgung hinter den Zeugen herspie?

      27 Der Drache gab nicht auf. „Und die Schlange spie aus ihrem Maul Wasser gleich einem Strom hinter der Frau her, um sie durch den Strom zu ertränken“ (Offenbarung 12:15). Was ist mit dem „Wasser gleich einem Strom“ oder der „Wasserflut“ (Hoffnung für alle) gemeint? König David aus alter Zeit verglich die Bösen, die ihm Widerstand leisteten, mit „Sturzfluten von nichtsnutzigen Menschen“ oder den „Strömen der Wertlosen“ (Young) (Psalm 18:4, 5, 16, 17). Satan entfesselte ebenfalls eine Verfolgung durch wertlose oder „nichtsnutzige Menschen“. Nach 1922 spie er eine Flut von Verfolgung hinter den Zeugen her (Matthäus 24:9-13). Dazu gehörte, daß man sie körperlich mißhandelte, ‘durch Verordnungen Unheil gegen sie schmiedete’, sie einsperrte und sogar durch Erhängen, Erschießen oder Enthaupten hinrichtete (Psalm 94:20). Voller Wut ging Satan, dem der direkte Zugang zu Gottes himmlischer Frau verwehrt worden war, in seiner Erniedrigung daran, die Übriggebliebenen ihres Samens auf der Erde anzugreifen und zu vernichten, entweder direkt oder indem er zu bewirken suchte, daß sie ihre Lauterkeit aufgaben und so Gottes Gunst verloren. Aber sie waren ebenso entschlossen wie Hiob, der sagte: „Bis ich verscheide, werde ich meine unversehrte Lauterkeit nicht von mir weichen lassen!“ (Hiob 27:5).

      28. Wie erreichte die Flut von Verfolgung während des Zweiten Weltkrieges ihren Höhepunkt?

      28 Diese schreckliche Verfolgungswelle erreichte im Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt. In Europa sperrte man rund 12 000 Zeugen in Konzentrationslager und Gefängnisse der Nationalsozialisten ein, und fast 2 000 starben. Unter den Kriegsherren, die Italien, Japan, Korea und Taiwan regierten, erduldeten treue Zeugen eine ähnliche grausame Behandlung. Selbst in sogenannten demokratischen Ländern wurden die Zeugen von Gruppen der Katholischen Aktion angegriffen, geteert und gefedert sowie aus den Städten verjagt. Christliche Kongresse wurden gesprengt, und Kinder von Zeugen wies man von der Schule.

      29. (a) Wie beschreibt Johannes die Hilfe, die von unerwarteter Seite kam? (b) Inwiefern ‘kam die Erde der Frau zu Hilfe’? (c) Was hat der Drache nicht aufgehört zu tun?

      29 Von unerwarteter Seite kam Erleichterung: „Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe, und die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Maul gespien hatte. Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, um Krieg zu führen mit den Übriggebliebenen ihres Samens, die die Gebote Gottes halten und das Werk des Zeugnisgebens für Jesus innehaben“ (Offenbarung 12:16, 17). „Die Erde“ — Elemente innerhalb Satans eigenem System der Dinge — begann, „den Strom“ oder die „Flut“ zu verschlingen. In den 40er Jahren fällte das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten eine Reihe von Entscheidungen zugunsten der Zeugen, was auch in anderen Ländern einige Regierungen taten, die die Religionsfreiheit aufrechterhielten. Schließlich gelang es den Alliierten, den heftigen Angriff der nationalsozialistischen und der faschistischen Länder abzuwehren, was den Zeugen, die unter grausamen Diktaturen zu leiden gehabt hatten, Erleichterung brachte. Die Verfolgung hörte nicht völlig auf, denn die Wut des Drachen dauert bis heute an, und er führt weiterhin Krieg gegen diejenigen, die „das Werk des Zeugnisgebens für Jesus innehaben“. In vielen Ländern befinden sich immer noch loyale Zeugen im Gefängnis, und noch heute werden manche getötet, weil sie ihre Lauterkeit bewahren. Doch in einigen dieser Länder erleichtern die Behörden hin und wieder die Lage der Zeugen, so daß diese sich größerer Freiheit erfreuen können.c Auf diese Weise verschlingt die Erde in Erfüllung der Prophezeiung weiterhin den Strom der Verfolgung.

      30. (a) Die Erde sorgte für genügend Erleichterung, so daß was geschehen konnte? (b) Was bewirkt die Lauterkeit des Volkes Gottes?

      30 Somit hat die Erde für genügend Erleichterung gesorgt, so daß sich Gottes Werk auf 235 Länder ausdehnen und über sechs Millionen treue Prediger der guten Botschaft hervorbringen konnte. Zusammen mit den Übriggebliebenen des Samens der Frau hält eine große internationale Volksmenge, bestehend aus neuen Gläubigen, die Gebote Gottes, indem sie sich von der Welt getrennt bewahrt, ein sittenreines Leben führt, Bruderliebe offenbart und über das messianische Königreich Zeugnis ablegt. Ihre Lauterkeit ist eine Antwort auf Satans vorwurfsvolle Herausforderung und ein deutlicher Hinweis auf das bevorstehende Ende Satans und seines Systems der Dinge (Sprüche 27:11).

  • Mit zwei wilden Tieren kämpfen
    Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!
    • 1, 2. (a) Was sagt Johannes über den Drachen? (b) Wie beschreibt er in symbolischer Sprache eine sichtbare Organisation, die der Drache benutzt?

      DER große Drache ist auf die Erde hinabgeworfen worden. Aus unserem Studium der Offenbarung ist deutlich zu ersehen, daß weder ihm — der Schlange — noch seinen Dämonen jemals gestattet wird, in den Himmel zurückzukehren. Wir sind aber noch nicht völlig von ihm, „der Teufel und Satan genannt wird, der die ganze bewohnte Erde irreführt“, befreit. Aus der Fortsetzung des Berichts erfahren wir nähere Einzelheiten über die Mittel, die Satan benutzt, um gegen ‘die Frau und ihren Samen’ zu kämpfen (Offenbarung 12:9, 17). Johannes sagt über die Schlange, den Drachen: „Und er stand still auf dem Sand des Meeres“ (Offenbarung 13:1a). Halten wir nun einen Augenblick inne, um zu untersuchen, welche Mittel der Drache bei seinem Vorgehen benutzt.

      2 Die heiligen Himmel sind von der lästigen Anwesenheit Satans und seiner Dämonen befreit. Diese bösen Geister wurden aus dem Himmel hinausgeworfen und sind jetzt gezwungen, sich in der unmittelbaren Nähe der Erde aufzuhalten. Das erklärt zweifellos die ungeheure Ausbreitung des Spiritismus in unserer Zeit. Die listige „Schlange“ unterhält immer noch eine Organisation korrupter Geister. Benutzt sie aber auch eine sichtbare Organisation, um die Menschheit irrezuführen? Johannes berichtet: „Und ich sah aus dem Meer ein wildes Tier mit zehn Hörnern und sieben Köpfen aufsteigen und auf seinen Hörnern zehn Diademe, aber auf seinen Köpfen lästerliche Namen. Das wilde Tier nun, das ich sah, war gleich einem Leoparden, aber seine Füße waren wie die eines Bären, und sein Maul war wie das Maul eines Löwen. Und der Drache gab dem Tier seine Macht und seinen Thron und große Gewalt“ (Offenbarung 13:1b, 2).

      3. (a) Welche wilden Tiere sah der Prophet Daniel in Visionen? (b) Was stellten die riesigen Tiere aus Daniel 7 dar?

      3 Was ist unter diesem monströsen Tier zu verstehen? Die Bibel gibt die Antwort selbst. Vor dem Sturz Babylons (539 v. u. Z.) sah der jüdische Prophet Daniel Visionen, in denen wilde Tiere vorkamen. In Daniel 7:2-8 finden wir seine Beschreibung von vier Tieren, die aus dem Meer heraufkamen, das erste glich einem Löwen, das zweite einem Bären, das dritte einem Leoparden, „und siehe da, ein viertes Tier, furchteinflößend und schrecklich und ungewöhnlich stark. ... und es hatte zehn Hörner“. Diese Tiere haben auffallend ähnliche Merkmale wie das wilde Tier, das Johannes um das Jahr 96 u. Z. sah, denn dieses Tier wies die Merkmale eines Löwen, eines Bären und eines Leoparden auf und hatte zehn Hörner. Worum handelt es sich bei den riesigen Tieren, die Daniel sah? Er sagt darüber: „Diese riesigen Tiere ... sind vier Könige, die von der Erde aufstehen werden“ (Daniel 7:17). Ja, diese Tiere stellen „Könige“ oder politische Mächte der Erde dar.

      4. (a) Was veranschaulichen der Widder und der Ziegenbock aus Daniel 8? (b) Was wurde dadurch gezeigt, daß das große Horn des Ziegenbocks zerbrochen wurde und danach vier Hörner emporkamen?

      4 In einer anderen Vision sieht Daniel einen zweihörnigen Widder, der von einem Ziegenbock, der ein großes Horn hat, niedergeschlagen wird. Der Engel Gabriel erklärt Daniel, was das bedeutet: „Der Widder ... steht für die Könige von Medien und Persien. Und der haarige Ziegenbock steht für den König von Griechenland.“ Gabriel sagt dann voraus, daß das große Horn des Ziegenbocks zerbrochen werde und danach vier Hörner emporkämen. Das geschah tatsächlich mehr als 200 Jahre später, als Alexander der Große starb und sein Königreich in vier Königreiche aufgeteilt wurde, über die dann vier seiner Generäle herrschten (Daniel 8:3-8, 20-25).a

      5. (a) Welche zusätzlichen Bedeutungen hat das mit Tier wiedergegebene griechische Wort? (b) Was versinnbildlicht das wilde Tier aus Offenbarung 13:1, 2 samt seinen sieben Köpfen?

      5 Demnach betrachtet der Autor der inspirierten Heiligen Schrift die politischen Mächte der Erde offensichtlich als Tiere. Als was für Tiere? Ein Kommentator nennt das wilde Tier aus Offenbarung 13:1, 2 ein „Untier“ und fügt hinzu: „Man ist sich allgemein darin einig, daß θηρίον [thēríon, das griechische Wort für „Tier“] zusätzliche Bedeutungen hat, wie grausam, zerstörend, schrecklich, raubgierig usw., Ungeheuer.“b Welch gute Beschreibung des blutbefleckten politischen Systems, durch das Satan über die Menschheit herrscht! Die sieben Köpfe dieses wilden Tieres stehen für sechs bedeutende Weltmächte, die in der biblischen Geschichte bis zur Zeit des Johannes eine wichtige Rolle spielten: Ägypten, Assyrien, Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom, sowie für eine siebte, die später kommen sollte. (Vergleiche Offenbarung 17:9, 10.)

      6. (a) Worin gingen die sieben Köpfe des wilden Tieres führend voran? (b) Wie gebrauchte Jehova Rom, um sein Urteil an dem jüdischen System der Dinge zu vollstrecken, und wie erging es den Christen in Jerusalem?

      6 Es stimmt zwar, daß es in der Geschichte außer den sieben noch andere Weltmächte gegeben hat, aber das wilde Tier, das Johannes sah, hatte ebenfalls nicht nur sieben Köpfe und zehn Hörner, sondern auch einen Körper. Die sieben Köpfe stellen jedoch die sieben bedeutendsten Mächte dar, die in der Unterdrückung des Volkes Gottes der Reihe nach führend vorangingen. Im Jahre 33 u. Z., als Rom im Aufsteigen begriffen war, benutzte Satan diesen Kopf des wilden Tieres, um den Sohn Gottes zu töten. Zu jener Zeit wandte sich Gott von dem treulosen jüdischen System der Dinge ab, und im Jahre 70 u. Z. ließ er zu, daß Rom an der jüdischen Nation sein Urteil vollstreckte. Glücklicherweise war das wahre Israel Gottes, die Versammlung der gesalbten Christen, gewarnt worden, und so waren diejenigen, die sich in Jerusalem und Judäa befanden, über den Jordan geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen (Matthäus 24:15, 16; Galater 6:16).

      7. (a) Was sollte am Abschluß des Systems der Dinge und zu Beginn des Tages des Herrn geschehen? (b) Was erwies sich als der siebte Kopf des wilden Tieres aus Offenbarung 13:1, 2?

      7 Um das Ende des ersten Jahrhunderts u. Z. waren jedoch viele Glieder dieser frühen Versammlung von der Wahrheit abgefallen, und der echte christliche Weizen, „die Söhne des Königreiches“, war von dem Unkraut, den ‘Söhnen dessen, der böse ist’, schon stark überwuchert. Doch zu Beginn des Abschlusses des Systems der Dinge trat wieder eine organisierte Gruppe gesalbter Christen auf den Plan. Am Tag des Herrn sollten die Gerechten „so hell leuchten wie die Sonne“. Die Christenversammlung wurde deshalb zur Tätigkeit organisiert (Matthäus 13:24-30, 36-43). Das Römische Reich existierte zu dieser Zeit nicht mehr. Das große Britische Reich und die einflußreichen Vereinigten Staaten von Amerika beherrschten den Mittelpunkt der Weltbühne. Diese Doppelweltmacht erwies sich als der siebte Kopf des wilden Tieres.

      8. Warum sollte man darüber nicht empört sein, daß die anglo-amerikanische Doppelweltmacht mit einem Tier verglichen wird?

      8 Ist es nicht empörend, die herrschenden politischen Mächte mit einem wilden Tier zu identifizieren? Das behaupteten einige Gegner im Zweiten Weltkrieg, als die Rechtsstellung sowohl der Organisation der Zeugen Jehovas als auch der einzelnen Zeugen in Gerichten auf der ganzen Welt in Frage gestellt wurde. Überlegen wir aber einmal! Haben die Nationen nicht selbst wilde oder gefährliche Tiere als Hoheitszeichen angenommen? Denken wir zum Beispiel an den britischen Löwen, den amerikanischen Adler oder den chinesischen Drachen. Warum sollte also jemand Einspruch erheben, wenn Gott, der Autor der Heiligen Schrift, ebenfalls Tiere benutzt, um Weltmächte sinnbildlich darzustellen?

      9. (a) Warum sollte niemand etwas dagegen einzuwenden haben, daß die Bibel sagt, Satan gebe dem wilden Tier große Gewalt? (b) Wie wird Satan in der Bibel beschrieben, und inwiefern beeinflußt er Regierungen?

      9 Warum sollte ferner jemand etwas dagegen einwenden, daß die Bibel sagt, Satan gebe dem wilden Tier große Gewalt? Gott ist der Urheber dieser Erklärung, und vor ihm sind ‘die Nationen wie ein Tropfen von einem Eimer und wie ein Staubbelag’. Diese Nationen täten besser daran, sich zu bemühen, Gottes Gunst zu erlangen, als Anstoß daran zu nehmen, wie sie in seinem prophetischen Wort beschrieben werden (Jesaja 40:15, 17; Psalm 2:10-12). Satan ist keine legendäre Person, die dazu bestimmt ist, die Seelen von Verstorbenen in den Flammen der Hölle zu quälen. Einen solchen Ort gibt es nicht. Satan wird in der Bibel vielmehr als „Engel des Lichts“ beschrieben, als Meister der Täuschung, der einen gewaltigen Einfluß auf das allgemeine politische Geschehen ausübt (2. Korinther 11:3, 14, 15; Epheser 6:11-18).

      10. (a) Was bedeutet es, daß auf jedem der zehn Hörner ein Diadem war? (b) Was versinnbildlichen die zehn Hörner und die zehn Diademe?

      10 Das wilde Tier hat zehn Hörner auf seinen sieben Köpfen. Vielleicht hatten vier Köpfe je ein Horn und drei Köpfe je zwei Hörner. Außerdem hatte es zehn Diademe auf seinen Hörnern. Im Buch Daniel werden furchterregende Tiere beschrieben, und die Zahl ihrer Hörner ist buchstäblich zu verstehen. Die zwei Hörner eines Widders stellten zum Beispiel ein Weltreich dar, das aus zwei Mächten — Medien und Persien — bestand, während die vier Hörner eines Ziegenbocks die vier gleichzeitig bestehenden Reiche darstellten, die aus dem Griechischen Reich Alexanders des Großen hervorgingen (Daniel 8:3, 8, 20-22). Bei den Hörnern des Tieres, das Johannes sah, scheint die Zahl Zehn jedoch symbolisch zu sein. (Vergleiche Daniel 7:24; Offenbarung 17:12.) Die zehn Hörner stellen die Gesamtheit der souveränen Staaten dar, aus denen die ganze politische Organisation Satans besteht. Diese Hörner sind zwar alle grausam und aggressiv, aber wie durch die sieben Köpfe angedeutet wird, hat jeweils immer nur eine Weltmacht die Führung inne. Auch die zehn Diademe deuten darauf hin, daß alle souveränen Staaten gleichzeitig mit dem dominierenden Staat oder der betreffenden Weltmacht herrschen.

      11. Was bedeutet es, daß das wilde Tier „auf seinen Köpfen lästerliche Namen“ hat?

      11 Das wilde Tier hat „auf seinen Köpfen lästerliche Namen“, was bedeutet, daß es von sich Dinge behauptet, die von großer Respektlosigkeit gegenüber Jehova Gott und Christus Jesus zeugen. Es hat den Namen Gottes und den Namen Christi zum Schein gebraucht, um seine politischen Ziele zu erreichen, ja es hat mit der falschen Religion gemeinsame Sache gemacht und sogar zugelassen, daß sich die Geistlichkeit am politischen Geschehen beteiligt. In England sind zum Beispiel Bischöfe Mitglied des Oberhauses. In Frankreich und Italien haben Kardinäle wichtige politische Rollen gespielt, und erst vor kurzem haben in Lateinamerika Priester politische Ämter übernommen. Gewisse Regierungen lassen auf ihre Banknoten religiöse Schlagwörter wie „AUF GOTT VERTRAUEN WIR“ drucken, und auf ihren Münzen schreiben sie ihren Regenten göttliche Anerkennung zu, zum Beispiel durch Worte wie „von Gottes Gnaden“. All das ist im Grunde genommen lästerlich, weil man dadurch versucht, den Namen Gottes in die schmutzige Nationalpolitik hineinzuziehen.

      12. (a) Was wird dadurch versinnbildlicht, daß das wilde Tier aus dem „Meer“ heraufkommt, und wann begann es, sich zu erheben? (b) Was wird dadurch angedeutet, daß der Drache dem sinnbildlichen Tier große Gewalt gibt?

      12 Das wilde Tier kommt aus dem „Meer“ herauf, das ein passendes Sinnbild der ungestümen Menschenmassen ist, aus denen die Regierungen hervorgehen (Jesaja 17:12, 13). Dieses wilde Tier begann sich schon in den Tagen Nimrods (ungefähr im 21. Jahrhundert v. u. Z.) aus dem Meer, den ungestümen Menschenmassen, zu erheben, als ein nachsintflutliches System der Dinge, das sich Jehova widersetzte, in Erscheinung trat (1. Mose 10:8-12; 11:1-9). Der letzte der sieben Köpfe ist jedoch erst am Tag des Herrn endgültig auf den Plan getreten. Beachtenswert ist auch, daß der Drache „dem Tier seine Macht und seinen Thron und große Gewalt“ gibt. (Vergleiche Lukas 4:6.) Das Tier ist Satans politische Schöpfung innerhalb der Menschheit, ja Satan ist tatsächlich „der Herrscher dieser Welt“ (Johannes 12:31).

      Die Todeswunde

      13. (a) Welches große Unglück trifft das wilde Tier zu Beginn des Tages des Herrn? (b) Inwiefern wurde das ganze wilde Tier in Mitleidenschaft gezogen, als dem einen Kopf eine Todeswunde zugefügt wurde?

      13 Zu Beginn des Tages des Herrn trifft ein großes Unglück das wilde Tier. Johannes berichtet: „Und ich sah einen von seinen Köpfen wie zum Tode geschlachtet, doch wurde seine Todeswunde geheilt, und die ganze Erde folgte dem wilden Tier mit Bewunderung“ (Offenbarung 13:3). In diesem Vers wird von e i n e m Kopf des wilden Tieres gesagt, er habe eine Todeswunde erhalten, während der Vers 12 so lautet, als sei das ganze Tier in Mitleidenschaft gezogen worden. Warum diese Abweichung? Die Köpfe des Tieres kommen nicht alle gleichzeitig zur Macht, sondern jeder hat der Reihe nach über die Menschheit, besonders über Gottes Volk, geherrscht (Offenbarung 17:10). Zu Beginn des Tages des Herrn herrscht somit nur ein Kopf, der siebte, als Weltmacht. Eine Todeswunde an diesem Kopf bringt das ganze wilde Tier in große Bedrängnis.

      14. Wann kam es zu der Todeswunde, und wie beschrieb ein Offizier ihre Auswirkungen auf Satans wildes Tier?

      14 Was ist unter dieser Todeswunde zu verstehen? Später wird sie als Schwertstreich bezeichnet, und das Schwert ist ein Sinnbild des Krieges. Dieser Schwertstreich, der zu Beginn des Tages des Herrn erfolgte, muß mit dem Ersten Weltkrieg zusammenhängen, der das politische wilde Tier Satans völlig entkräftete (Offenbarung 6:4, 8; 13:14). Der Schriftsteller Maurice Genevoix, der in diesem Krieg als Offizier diente, sagte darüber: „Jedermann wird zugeben, daß es in der Geschichte der Menschheit kaum ein wichtigeres Datum gibt als den 2. August 1914. Zuerst sah sich Europa und bald danach fast die ganze Menschheit im Mittelpunkt eines schrecklichen Geschehens. Abkommen, Vereinbarungen, Sittengesetze, ja sämtliche Grundlagen wurden erschüttert; von einem Tag auf den anderen wurde alles in Zweifel gezogen. Dieses Geschehen sollte sowohl instinktive Vorahnungen als auch vernünftige Erwartungen übertreffen. Es war so ungeheuerlich, so chaotisch und so fürchterlich, daß es uns immer noch nachgeht“ (Maurice Genevoix, Mitglied der Académie Française, zitiert in dem Buch Promise of Greatness, herausgegeben 1968).

      15. Wie erhielt der siebte Kopf des wilden Tieres eine Todeswunde?

      15 Für den dominierenden siebten Kopf des wilden Tieres war jener Krieg eine furchtbare Katastrophe. Die Verluste an jungen Männern waren für Großbritannien wie auch für andere europäische Nationen erschütternd hoch. Im Jahre 1916 fielen allein in der Schlacht an der Somme 420 000 Briten, rund 194 000 Franzosen und 440 000 Deutsche — über eine Million Tote! Auch wirtschaftlich war Großbritannien — wie das übrige Europa — ruiniert. Das große Britische Reich erlitt einen Schlag, von dem es sich nie mehr richtig erholt hat. Durch diesen Krieg, an dem 28 führende Nationen beteiligt waren, geriet die ganze Welt ins Wanken, wie wenn sie eine Todeswunde erhalten hätte. Am 4. August 1979, also 65 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, erschien im Londoner Economist folgender Kommentar: „1914 ging der Welt ein Zusammenhalt verloren, den sie seither nicht wiedererlangt hat.“

      16. Wie bewiesen die Vereinigten Staaten im Ersten Weltkrieg, daß sie Teil einer Doppelweltmacht waren?

      16 Gleichzeitig gingen die Vereinigten Staaten aus dem Großen Krieg, wie der Weltkrieg damals genannt wurde, eindeutig als Teil der anglo-amerikanischen Weltmacht hervor. In den ersten Kriegsjahren war die öffentliche Meinung gegen eine Einmischung der Vereinigten Staaten in das Kriegsgeschehen. Aber wie der Historiker Esmé Wingfield-Stratford schrieb, „ging es in dieser größten Krise ausschließlich um die Frage, ob Großbritannien und die Vereinigten Staaten ihre Streitigkeiten um ihrer Einheit und ihrer gemeinsamen Interessen willen begraben würden“. Wie es sich zeigte, taten sie das auch. Von 1917 an unterstützten die Vereinigten Staaten die Kriegsanstrengungen der geschwächten Alliierten mit Menschen und Material. Das hatte zur Folge, daß der siebte Kopf, der Großbritannien und die Vereinigten Staaten auf sich vereinigte, auf der Siegerseite war.

      17. Was widerfuhr Satans irdischem System nach dem Krieg?

      17 Die Nachkriegswelt sah ganz anders aus. Die Todeswunde hatte sich auf Satans irdisches System zwar verheerend ausgewirkt, aber es erholte sich wieder, wurde stärker denn je, und die Menschen bewunderten es wegen seiner Selbstheilungskraft.

      18. Wieso kann gesagt werden, die Menschen seien im allgemeinen „dem wilden Tier mit Bewunderung“ gefolgt?

      18 Der Historiker Charles L. Mee jr. schreibt: „Gleichzeitig war der Zusammenbruch der alten Ordnung [verursacht durch den Ersten Weltkrieg] eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung unabhängiger und neuer Staaten und Gesellschaftsklassen, neuer Freiheit und Unabhängigkeit.“ Führend in der Entwicklung dieser Nachkriegsära war der siebte Kopf des wilden Tieres, das jetzt wieder geheilt war, und die Vereinigten Staaten von Amerika übernahmen dabei die dominierende Rolle. Diese Doppelweltmacht ging im Befürworten sowohl des Völkerbundes als auch der Vereinten Nationen führend voran. Bis zum Jahr 2005 war es den USA durch ihre politische Macht gelungen, den privilegierteren Nationen einen höheren Lebensstandard zu ermöglichen, gewisse Krankheiten erfolgreich zu bekämpfen und Fortschritte auf dem Gebiet der Technik zu erzielen. Es gelang ihnen sogar, zwölf Männer auf den Mond zu bringen. Kein Wunder, daß die Menschheit im allgemeinen „dem wilden Tier mit Bewunderung“ gefolgt ist.

      19. (a) Inwiefern ist die Menschheit im Bewundern des wilden Tieres noch weitergegangen? (b) Wer hat unbestreitbar die Gewalt über sämtliche Königreiche der Erde, und wieso wissen wir dies? (c) Wie überträgt Satan seine Gewalt dem wilden Tier, und wie wirkt sich das auf die meisten Menschen aus?

      19 Wie Johannes als nächstes zeigt, ist die Menschheit im Bewundern des wilden Tieres noch weitergegangen: „Und sie beteten den Drachen an, weil er dem wilden Tier die Gewalt gab, und sie beteten das wilde Tier an mit den Worten: ‚Wer ist dem wilden Tier gleich, und wer kann mit ihm kämpfen?‘ “ (Offenbarung 13:4). Als Jesus auf der Erde war, behauptete Satan, die Gewalt über alle Königreiche der Erde zu haben. Jesus bestritt dies nicht, ja er selbst bezeichnete Satan sogar als Herrscher der Welt, und er lehnte es ab, sich in die damalige Politik einzumischen. Johannes schrieb später von wahren Christen: „Wir wissen, daß wir von Gott stammen, aber die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“ (1. Johannes 5:19; Lukas 4:5-8; Johannes 6:15; 14:30). Satan überträgt dem wilden Tier Gewalt, und zwar auf einer nationalistischen Grundlage. Deshalb ist die Menschheit heute nicht durch das Band göttlicher Liebe vereint, sondern durch übertriebenes Stammesbewußtsein und durch Rassen- und Nationalstolz geteilt. Die meisten Menschen beten im Grunde den Teil des wilden Tieres an, der in dem Land, in dem sie zufällig leben, an der Macht ist. Auf diese Weise wird das ganze Tier bewundert und angebetet.

      20. (a) In welchem Sinne beten die Menschen das wilde Tier an? (b) Warum beteiligen sich Christen, die Jehova Gott anbeten, nicht an dieser Anbetung des wilden Tieres, und wessen Beispiel ahmen sie nach?

      20 In welchem Sinne angebetet? In dem Sinne, daß man die Liebe zur Heimat der Liebe zu Gott voranstellt. Die Mehrheit der Menschen liebt ihr Geburtsland. Als gute Bürger respektieren auch wahre Christen die Regierung und die Hoheitszeichen des Landes, in dem sie wohnen; sie gehorchen den Gesetzen und tragen zum Allgemeinwohl sowie zum Wohl ihrer Mitmenschen bei (Römer 13:1-7; 1. Petrus 2:13-17). Sie können aber ihre Liebe nicht wahllos nur dem einen Land schenken und sie allen anderen vorenthalten. Der Ausspruch „Recht oder Unrecht — mein Vaterland!“ ist keine christliche Lehre. Christen, die Jehova Gott anbeten, können sich daher nicht an der von Hochmut und Patriotismus geprägten Anbetung irgendeines Teils des wilden Tieres beteiligen, da eine solche Anbetung der Anbetung des Drachen, des Quells der Gewalt des Tieres, gleichkäme.

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