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Der neuzeitliche Unglaube — Sollte die Suche weitergehen?Die Suche der Menschheit nach Gott
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„Gott ist für die Menschen nicht mehr das, was er für sie früher war. Sie denken immer weniger an ihn, sei es im täglichen Leben oder wenn es um Entscheidungen geht. ... Gott ist durch andere Werte ersetzt worden: Einkommen und Produktivität. Früher mag er als derjenige gegolten haben, der allem menschlichen Tun einen Sinn verlieh, doch heute hat man ihn in die geheimen Verliese der Geschichte verbannt. ... Gott ist aus dem Bewußtsein der Menschen verschwunden“ (Aux Sources de L’Atheisme Contemporain [An den Quellen des heutigen Atheismus]).
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Die Auswirkungen der Reformation
3. Wozu hat die Reformation unter anderem geführt?
3 Wie in Kapitel 13 gezeigt wurde, bewirkte die Reformation des 16. Jahrhunderts einen deutlichen Wandel in der Einstellung der Menschen gegenüber der kirchlichen und der weltlichen Obrigkeit. Selbstbestimmung und freie Meinungsäußerung traten an die Stelle von Konformismus und Unterwürfigkeit. Die meisten hielten zwar im großen und ganzen an der traditionellen Religion fest, wogegen andere radikalen Richtungen folgten und die Dogmen und Grundlehren der etablierten Kirchen in Frage stellten. Wieder andere, die erkannt hatten, welche Rolle die Religion in den Kriegen gespielt und wieviel Leid und Unrecht sie im Laufe der Geschichte verursacht hatte, wollten von Religion überhaupt nichts mehr wissen.
4. (a) Was wurde in zeitgenössischen Berichten über das Ausmaß des Atheismus in England und Frankreich im 16. und 17. Jahrhundert gesagt? (b) Was trat aufgrund der reformatorischen Bemühungen, das päpstliche Joch abzuschütteln, in Erscheinung?
4 Schon im Jahre 1572 erschien unter dem Titel Discourse on the Present State of England (Abhandlung über den gegenwärtigen Zustand Englands) ein Bericht, in dem es hieß: „Das Reich ist in drei Parteien gespalten: Papisten, Atheisten und Protestanten. Alle drei werden in gleichem Maße unterstützt: die erste und die zweite, weil sie so zahlreich sind, daß es keiner von uns wagt, ihnen zu mißfallen.“ In Paris gab es nach einer Schätzung im Jahre 1623 etwa 50 000 Atheisten; man gebrauchte dieses Wort damals allerdings ziemlich freizügig. Jedenfalls traten aufgrund der reformatorischen Bemühungen, die Herrschaft der päpstlichen Autorität abzuschütteln, auch diejenigen hervor, die die Stellung der etablierten Religionen anzweifelten. Will und Ariel Durant äußern sich darüber wie folgt: „Die Denker Europas — die Vorhut des europäischen Geistes — diskutierten nicht mehr über die Autorität des Papstes; sie debattierten über die Existenz Gottes“ (Kulturgeschichte der Menschheit, Band 11, zweites Buch, „Gehversuche der Vernunft“, Seite 416).
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Der Angriff der Wissenschaft und der Philosophie
5. Welche Kräfte förderten den Unglauben?
5 Abgesehen von der Zersplitterung innerhalb der Christenheit selbst, trugen noch andere Kräfte zur Schwächung ihrer Stellung bei. Wissenschaft, Philosophie, Säkularisierung und Materialismus förderten den Skeptizismus und erweckten Zweifel an Gott und der Religion.
6. (a) Wie wirkten sich die zunehmenden wissenschaftlichen Kenntnisse auf viele Lehren der Kirche aus? (b) Was taten einige, die modern sein wollten?
6 Zunehmende wissenschaftliche Kenntnisse stellten viele Lehren der Kirche, die auf einer falschen Auslegung gewisser Bibeltexte beruhten, in Frage. Astronomische Entdeckungen wie die von Kopernikus und Galilei waren eine eindeutige Herausforderung an die geozentrische Lehre der Kirche, nach der die Erde der Mittelpunkt des Universums sein sollte. Aufgrund des Verständnisses der Naturgesetze, denen die Vorgänge in der sichtbaren Welt unterworfen sind, brauchte man auch nicht mehr die bisher geheimnisvollen Phänomene wie Blitz und Donner oder das Erscheinen bestimmter Sterne und Kometen dem Wirken der Hand Gottes oder der Vorsehung zuzuschreiben. „Wunder“ und das „Eingreifen Gottes“ in die Angelegenheiten der Menschen begann man ebenfalls anzuzweifeln. Gott und die Religion kamen vielen plötzlich veraltet vor, und einige, die modern sein wollten, kehrten Gott sogleich den Rücken und strömten der Anbetung der heiligen Kuh zu, das heißt der Wissenschaft.
7. (a) Was versetzte der Religion zweifellos den schwersten Schlag? (b) Wie reagierten die Kirchen auf den Darwinismus?
7 Der schwerste Schlag für die Religion war zweifellos die Evolutionstheorie. Im Jahre 1859 veröffentlichte der englische Naturforscher Charles Darwin (1809—1882) sein Werk Die Entstehung der Arten — eine eindeutige Herausforderung an die biblische Lehre von der Schöpfung durch Gott. Wie reagierten die Kirchen? Anfänglich verurteilte der Klerus in England und anderswo die Theorie aufs schärfste. Doch der Widerstand ließ bald nach. Die Spekulationen Darwins schienen für viele Geistliche genau das richtige zu sein, um ihre Zweifel, die sie insgeheim schon lange gehegt hatten, zu rechtfertigen. In der Encyclopedia of Religion heißt es, daß sich die meisten Geistlichen, die sich mit dem Thema befaßten und dazu Stellung nahmen, noch zu Darwins Lebzeiten zu der Erkenntnis durchgerungen hatten, „daß die Evolution mit einem vorurteilslosen Verständnis der Heiligen Schrift zu vereinbaren sei“. Statt die Bibel zu verteidigen, gab die Christenheit dem Druck der wissenschaftlichen Lehrmeinung nach und drehte ihren Mantel nach dem Wind. Dadurch wurde der Glaube an Gott untergraben (2. Timotheus 4:3, 4).
8. (a) Was stellten Religionskritiker des 19. Jahrhunderts in Frage? (b) Welche Theorien brachten die Religionskritiker auf? (c) Weshalb akzeptierten viele bereitwillig die antireligiösen Ansichten?
8 Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschärften die Religionskritiker ihre Angriffe. Sie gaben sich nicht mehr damit zufrieden, auf das Versagen der Kirchen hinzuweisen, sondern zweifelten auch die eigentliche Grundlage der Religion an. Sie warfen Fragen auf wie: Was ist Gott? Warum soll es einen Gott geben? Wie hat der Glaube an Gott die menschliche Gesellschaft beeinflußt? Männer wie Ludwig Feuerbach, Karl Marx, Sigmund Freud und Friedrich Nietzsche brachten ihre Argumente vom philosophischen, psychologischen und soziologischen Standpunkt aus vor. Theorien wie „Gott ist lediglich eine Projektion der Einbildung des Menschen“, „Religion ist das Opium des Volkes“ und „Gott ist tot“ klangen alle so aufregend neu im Vergleich zu den uninteressanten und unverständlichen Dogmen und Traditionen der Kirchen. Es schien, als hätten viele Leute endlich eine Möglichkeit gefunden, die Zweifel und Bedenken, die in ihrem Innern schlummerten, in Worte zu fassen. Bereitwillig nahmen sie diese Ansichten als neues Evangelium an.
Der große Kompromiß
9. (a) Wie reagierten die Kirchen auf die Angriffe der Wissenschaft und der Philosophie? (b) Wie wirkte sich der Kompromiß der Kirchen aus?
9 Wie reagierten die Kirchen auf die Angriffe und die Kritik der Wissenschaft und der Philosophie? Anstatt für das einzutreten, was die Bibel lehrt, gaben sie dem Druck nach und machten sogar Zugeständnisse in bezug auf fundamentale Glaubensartikel wie die Schöpfung durch Gott und die Glaubwürdigkeit der Bibel. Was war die Folge? Die Kirchen der Christenheit wurden immer unglaubwürdiger, und viele Menschen verloren allmählich ihren Glauben. Das Versäumnis der Kirchen, sich zu verteidigen, öffnete den Massen Tür und Tor, sie zu verlassen. Für viele war die Religion nur noch ein gesellschaftliches Überbleibsel, das die Höhepunkte im Leben eines Menschen kennzeichnete: Geburt, Heirat und Tod. Viele gaben die Suche nach dem wahren Gott so gut wie völlig auf.
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Der neuzeitliche Unglaube — Sollte die Suche weitergehen?Die Suche der Menschheit nach Gott
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Sie sagen, die wissenschaftliche Erforschung unserer Umwelt habe den Beweis erbracht, daß das Leben nicht durch einen intelligenten Schöpfer, sondern durch blinden Zufall und den willkürlichen Evolutionsprozeß entstanden sei. Sie behaupten, es habe keinen Schöpfer gegeben und das Thema Gott erübrige sich somit. Außerdem halten viele von ihnen die Bibel für überholt, unlogisch und daher unglaubwürdig. Folglich gibt es für sie keine Grundlage mehr für den Glauben an die Existenz Gottes.
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