-
Warum sollte man die Bibel lesen?Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 1
Warum sollte man die Bibel lesen?
In unserer Welt gibt es viel zu viele anscheinend unlösbare Probleme. Zigmillionen hungern. Die Zahl der Drogenabhängigen steigt. Immer mehr Familien brechen auseinander. Von Inzest und Gewalt in der Familie liest man fast täglich in den Schlagzeilen. Die Luft, die wir atmen, und das Wasser, das wir trinken, werden allmählich vergiftet. Währenddessen werden immer mehr Menschen Opfer von Verbrechen. Ob diese Probleme wohl einmal gelöst werden können?
1 (und Einleitung). Welche gegenwärtigen Probleme zeigen, daß die Menschheit Hilfe benötigt?
AUSSERDEM leben wir in einem Zeitalter gegensätzlicher Ansichten. Viele sprechen sich beispielsweise mit allem Nachdruck gegen Abtreibungen aus und bezeichnen sie als Mord am Ungeborenen. Andere vertreten ebensofest die Ansicht, daß Frauen über ihren Körper bestimmen könnten und die Angelegenheit selbst entscheiden müßten. Nicht wenige betrachten Homosexualität, Ehebruch sowie Sex vor der Ehe als unmoralisch. Andere meinen, solche Handlungen seien eine rein persönliche Sache. Wer kann sagen, wessen Ansicht richtig ist?
2, 3. Wie betrachten heute viele die Bibel?
2 Die Bibel enthält moralische Anleitung, und sie beschreibt die Lösung von Problemen wie Verbrechen, Hunger und Umweltverschmutzung. Die Schwierigkeit ist jedoch, daß die meisten Menschen die Bibel in dieser Hinsicht nicht mehr als Autorität betrachten. Früher schenkte man ihr — zumindest in den westlichen Ländern — respektvoll Gehör. Obwohl Menschen die Bibel geschrieben haben, ist sie in der Vergangenheit von der Mehrheit der Christen als das Wort Gottes betrachtet worden, und man war überzeugt, daß Gott selbst ihren Inhalt inspiriert hatte.
3 Heute ist es jedoch üblich, alles in Frage zu stellen: Bräuche, Ideen, sittliches Verhalten, ja selbst die Existenz Gottes. Vor allem aber wird der Wert der Bibel angezweifelt. Die Allgemeinheit hält sie offenbar für überholt und bedeutungslos. Unter den Intellektuellen gibt es heute nur noch wenige, die sie als das Wort Gottes ansehen. Ein Großteil der Menschen wird sich wahrscheinlich der Meinung des Gelehrten James Barr anschließen, der schrieb: „Meine Darstellung zeigt, daß die biblische Überlieferung ein von Menschen geschaffenes Werk ist. Es sind menschliche Glaubensaussagen.“1
4, 5. Warum ist es so wichtig zu wissen, ob die Bibel von Gott inspiriert ist? Welchem Zweck dient das vorliegende Buch?
4 Was ist zu dieser Ansicht zu sagen? Ist die Bibel Gottes Wort oder Menschenwort? Ganz gleich, wie man diese Frage beantwortet, sollte man folgendes bedenken: Wenn die Bibel lediglich Menschenwort ist, dann gibt es logischerweise keine überzeugende Lösung für die Probleme der Menschheit. Die Menschen müßten dann versuchen, so gut wie möglich zurechtzukommen, und darauf hoffen, daß es ihnen erspart bleibt, sich selbst zu vergiften oder in einem Atomkrieg vernichtet zu werden. Ist die Bibel jedoch das Wort Gottes, dann ist sie genau das, was wir brauchen, um mit den gegenwärtigen schwierigen Zeiten fertig zu werden.
5 In dem vorliegenden Buch sollen Beweise dafür dargelegt werden, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist. Die Herausgeber hoffen, daß eine Betrachtung der Beweise erkennen läßt, daß die Bibel die einzig wahre Lösung für die Probleme der Menschheit hat. Zunächst soll jedoch auf einige Tatsachen aufmerksam gemacht werden, die zeigen, daß es die Bibel wirklich verdient, daß man sich mit ihr beschäftigt.
Der absolute Bestseller
6, 7. Welche bemerkenswerten Tatsachen, die Bibel betreffend, verdienen unsere Aufmerksamkeit?
6 Zum einen ist die Bibel ein Bestseller, das am weitesten verbreitete Buch aller Zeiten. Gemäß dem Guinness Buch der Rekorde (1988) wurden zwischen 1815 und 1975 schätzungsweise 2 500 000 000 Exemplare gedruckt. Das ist eine unglaubliche Zahl. Kein anderes Buch in der Geschichte hat auch nur annähernd eine solche Auflage erreicht wie die Bibel.
7 Zum anderen ist kein Buch in so viele Sprachen übersetzt worden wie die Bibel. Sie steht heute ganz oder teilweise in über 1 800 Sprachen zur Verfügung. Wie die Amerikanische Bibelgesellschaft verlauten ließ, ist die Bibel inzwischen 98 Prozent der Erdbevölkerung zugänglich gemacht worden. Man stelle sich nur einmal vor, welche ungeheuren Anstrengungen damit verbunden sind, so viele Übersetzungen herzustellen! Welchem anderen Buch hat man eine solche Aufmerksamkeit geschenkt?
Ein Buch mit Einfluß
8, 9. Was haben einige über den Einfluß der Bibel gesagt?
8 In der New Encyclopædia Britannica wird von der Bibel gesagt, sie sei „wahrscheinlich die einflußreichste Büchersammlung aller Zeiten“.2 Der deutsche Dichter Heinrich Heine, der im 19. Jahrhundert lebte, bekannte: „Ich verdanke meine Erleuchtung ganz einfach der Lektüre eines Buches ...[, der] Bibel. Mit Fug und Recht nennt man diese auch die hl. Schrift: wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buch wieder finden.“3 Ebenfalls im 19. Jahrhundert verkündete William H. Seward, der gegen die Sklaverei kämpfte: „Die gesamte Hoffnung auf menschlichen Fortschritt stützt sich auf den immer größeren Einfluß der Bibel.“4
9 Abraham Lincoln, der 16. Präsident der Vereinigten Staaten, nannte die Bibel „das beste Geschenk, das Gott dem Menschen je gemacht hat ... Ohne sie könnten wir Recht nicht von Unrecht unterscheiden.“5 Der britische Rechtsgelehrte Sir William Blackstone hob den Einfluß der Bibel mit folgenden Worten hervor: „Auf diesen beiden Fundamenten, dem Naturgesetz und dem Gesetz der Offenbarung [der Bibel], beruhen alle menschlichen Gesetze, weshalb gesagt werden muß, daß keine menschlichen Gesetze den ersteren widersprechen sollten.“6
Gehaßt und geliebt
10. Wie hat sich der Widerstand gegen die Bibel geäußert?
10 Es muß aber auch festgestellt werden, daß kein anderes Buch in der Geschichte das Ziel so heftiger Angriffe gewesen und so gehaßt worden ist. Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert hinein sind Bibeln öffentlich verbrannt worden. Und das Lesen und Verbreiten der Bibel ist sogar noch in der Neuzeit mit Geld- und Gefängnisstrafen belegt worden. In früheren Jahrhunderten drohten für solche „Verbrechen“ oft Folter und Tod.
11, 12. Wie bewies Tyndale seine Liebe zur Bibel?
11 Die Bibel veranlaßte Menschen jedoch auch zu einer bemerkenswerten Opferbereitschaft. Viele haben sich trotz harter Verfolgung nicht davon abhalten lassen, sie zu lesen. Nehmen wir den Engländer William Tyndale, der im 16. Jahrhundert lebte. Er studierte an der Universität von Oxford und war ein geachteter Gelehrter an der Universität von Cambridge.
12 Tyndale liebte die Bibel. Doch in seinen Tagen bestand die kirchliche Führung darauf, daß Bibeln nur in Latein, einer toten Sprache, herausgegeben werden durften. Da Tyndale seinen Landsleuten die Bibel zugänglich machen wollte, beschloß er, sie ins Englische zu übersetzen. Weil sein Tun ungesetzlich war, mußte er seine bequeme akademische Laufbahn aufgeben und auf den Kontinent fliehen. Er führte das beschwerliche Leben eines Flüchtlings lange genug, um die Griechischen Schriften („Neues Testament“) und Teile der Hebräischen Schriften („Altes Testament“) in seine Muttersprache zu übersetzen. Doch schließlich wurde er verhaftet, der Ketzerei angeklagt und erdrosselt; sein Leichnam wurde verbrannt.
13. Was macht die Bibel unter anderem einzigartig?
13 Tyndale ist nur einer aus jener großen Schar von Menschen, die alles hergegeben haben, um die Bibel zu lesen oder anderen zugänglich zu machen. Kein anderes Buch hat so viele gewöhnliche Männer und Frauen veranlaßt, einen wahrhaft unglaublichen Mut zu offenbaren. In dieser Hinsicht ist die Bibel wirklich ohnegleichen.
Der Anspruch, Gottes Wort zu sein
14, 15. Was behaupten die Bibelschreiber wiederholt?
14 Die Bibel ist auch einzigartig wegen des Anspruchs, den viele ihrer Schreiber erheben. Etwa 40 Personen, zu denen Könige, Hirten, Fischer, Beamte, Priester, ein Heerführer und ein Arzt gehörten, hatten einen Anteil an der Niederschrift der verschiedenen Teile der Bibel. Immer wieder äußerten sich die Schreiber dahin gehend, daß sie nicht ihre eigenen Gedanken aufzeichneten, sondern die Gedanken Gottes.
15 Daher lesen wir in der Bibel oft Sätze wie: „Der Geist Jehovas war es, der durch mich redete, und sein Wort war auf meiner Zunge“ oder: „Dies hat der Souveräne Herr, Jehova der Heerscharen, gesprochen“ (2. Samuel 23:2; Jesaja 22:15). In einem Brief an einen Mitprediger schrieb der Apostel Paulus: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk“ (2. Timotheus 3:16, 17).
16. Welche Fragen werden in der Bibel erörtert?
16 In Übereinstimmung mit dem Anspruch der Bibel, Gottes Wort zu sein, beantwortet sie Fragen, über die nur Gott Aufschluß geben kann. Sie erklärt beispielsweise, warum menschliche Regierungen nicht in der Lage sind, dauerhaften Frieden zu schaffen, oder wie Menschen die größte Zufriedenheit im Leben erlangen können und was die Zukunft für die Erde und die Menschheit bringt. Jeder denkende Mensch hat sich dieses und ähnliches bestimmt schon oft gefragt. Warum sollte man nicht wenigstens einmal die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß die Bibel Gottes Wort ist und somit in einzigartiger Weise in der Lage ist, maßgebliche Antworten zu geben?
17, 18. (a) Welche Punkte, die Anlaß zur Kritik an der Bibel gewesen sind, sollen unter anderem besprochen werden? (b) Welche weiteren Themen werden behandelt?
17 Wir ermuntern dazu, die hier dargelegten Beweise sorgfältig zu untersuchen. In einigen Kapiteln werden Punkte erörtert, die immer wieder Anlaß zur Kritik an der Bibel gewesen sind. Ist die Bibel unwissenschaftlich? Widerspricht sie sich? Enthält sie wahre Geschichte oder lediglich Mythen? Sind die in der Bibel aufgezeichneten Wunder tatsächlich geschehen? Logische Beweise werden angeführt, um diese Fragen zu beantworten. Im Anschluß daran werden klare Beweise für die göttliche Inspiration der Bibel besprochen: ihre Prophezeiungen, ihre tiefe Weisheit und der bemerkenswerte Einfluß, den sie auf das Leben von Menschen ausübt. Zum Schluß werden wir sehen, welche Auswirkungen die Bibel auf das Leben jedes einzelnen haben kann.
18 Zunächst möchten wir jedoch besprechen, wie wir die Bibel erhalten haben. Schon die Geschichte dieses erstaunlichen Buches erbringt den Beweis, daß es keineswegs einfach menschlichen Ursprungs ist.
-
-
Der Überlebenskampf der BibelDie Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 2
Der Überlebenskampf der Bibel
Es gibt viele Beweise dafür, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist. Jeder Beweis für sich ist schon überzeugend, aber alle zusammengenommen sind überwältigend. In diesem Kapitel und in dem folgenden werden wir uns mit einer Reihe von Fakten beschäftigen, die die Entstehungsgeschichte der Bibel betreffen. Es grenzt tatsächlich an ein Wunder, daß dieses bemerkenswerte Buch bis heute überlebt hat. Machen wir uns einmal mit den Fakten vertraut.
1. Nenne einige Einzelheiten in bezug auf die Bibel.
DIE Bibel ist weit mehr als nur ein Buch. Sie ist eine kostbare Bibliothek von 66 Büchern, von denen einige nur kurz sind, andere dagegen recht lang; sie enthalten Gesetze, Prophezeiungen, Geschichte, Poesie, Rat und vieles mehr. Jahrhunderte vor der Geburt Christi wurden die ersten 39 dieser Bücher — zumeist in der hebräischen Sprache — von treuen Juden oder Israeliten aufgezeichnet. Dieser Teil wird oft das Alte Testament genannt. Die letzten 27 Bücher wurden von Christen in Griechisch geschrieben und sind allgemein als das Neue Testament bekannt. Wie aus den inneren Beweisen und den ältesten Überlieferungen hervorgeht, sind diese 66 Bücher im Verlauf von über 1 600 Jahren aufgezeichnet worden; man begann damit, als Ägypten die dominierende Macht war, und sie wurden vollendet, als Rom die Welt beherrschte.
Nur die Bibel überdauerte die Zeit
2. (a) In welcher Lage befand sich Israel, als man die Bibel zu schreiben begann? (b) Welche anderen Schriften stammen aus dieser Epoche?
2 Vor über 3 000 Jahren, als man mit dem Schreiben der Bibel begann, war Israel eine kleine Nation unter vielen im Nahen Osten. Sie hatte nur e i n e n Gott, Jehova, wogegen die Nachbarnationen eine verwirrende Vielzahl von Göttern und Göttinnen verehrten. In jener Zeit waren die Israeliten nicht die einzigen, die religiöse Literatur verfaßten. Auch andere Nationen besaßen ein Schriftgut, das ihre Religion und ihre nationalen Werte widerspiegelte. So waren beispielsweise das akkadische Gilgamesch-Epos aus Mesopotamien und die Ras-Schamra-Epen in Ugaritisch (einer Sprache, die früher in einem Gebiet gesprochen wurde, das heute in Nordsyrien liegt) zweifellos sehr populär. Zu der umfangreichen Literatur jener Zeit gehörten auch Werke wie die Mahnworte eines Propheten und Die Weissagung des Nefer-rehu in Ägyptisch sowie Hymnen an verschiedene Gottheiten in Sumerisch und prophetische Werke in Akkadisch.1
3. Wodurch zeichnet sich die Bibel im Vergleich zu anderer religiöser Literatur aus, die gleichzeitig im Nahen Osten entstand?
3 Alle diese Werke aus dem Nahen Osten hatten dasselbe Schicksal. Sie gerieten in Vergessenheit, und sogar die Sprachen, in denen sie geschrieben wurden, werden nicht mehr gesprochen. Erst in den letzten Jahren haben Archäologen und Philologen von ihrer Existenz erfahren und sie entziffert. Dagegen sind die ersten geschriebenen Bücher der hebräischen Bibel bis in unsere Zeit erhalten geblieben und werden immer noch viel gelesen. Manchmal wird von Gelehrten behauptet, die hebräischen Bücher der Bibel würden auf gewissen literarischen Werken des Altertums basieren. Die Tatsache jedoch, daß diese Literatur größtenteils in Vergessenheit geraten ist, während die hebräische Bibel die Zeit überdauert hat, zeigt, daß die Bibel völlig andersartig ist.
Die Hüter des Wortes
4. Welche großen Probleme der Israeliten hätten sich nachteilig auf den Fortbestand der Bibel auswirken können?
4 Um Mißverständnissen vorzubeugen: Vom menschlichen Standpunkt betrachtet, war der Fortbestand der Bibel durchaus keine Selbstverständlichkeit. Die Gruppen, die an ihrer Entstehung beteiligt waren, hatten mit so großen Schwierigkeiten und so erbittertem Widerstand zu kämpfen, daß das Überleben dieses Buches bis in unsere Tage wirklich bemerkenswert ist. In den Jahren vor Christus waren die Juden, die die Hebräischen Schriften (das „Alte Testament“) aufzeichneten, Angehörige einer relativ kleinen Nation. Sie führte eine unsichere Existenz zwischen mächtigen Staaten, die sich gegenseitig die Vorherrschaft streitig machten. Israel mußte gegen eine ganze Reihe von Völkern um sein Überleben kämpfen, so zum Beispiel gegen die Philister, die Moabiter, die Ammoniter und die Edomiter. In einer Zeit, als die Hebräer in zwei Königreiche aufgeteilt waren, fegte zunächst das grausame assyrische Weltreich das nördliche Königreich gleichsam hinweg, und die Babylonier zerstörten schließlich das südliche Königreich und führten die Menschen ins Exil, aus dem 70 Jahre später nur ein Überrest in die Heimat zurückkehrte.
5, 6. Welche Versuche wurden unternommen, die die Existenz der Hebräer als Volk bedrohten?
5 Es gibt sogar Berichte über Versuche, das gesamte Volk der Israeliten auszurotten. In den Tagen des Moses befahl ein Pharao die Ermordung aller neugeborenen Knaben. Wäre dieser Befehl befolgt worden, hätte das hebräische Volk irgendwann zu bestehen aufgehört (2. Mose 1:15-22). Viel später, als die Juden unter persischer Herrschaft standen, verschworen sich ihre Feinde, um ein Gesetz verabschieden zu lassen, das ihre Vernichtung zum Ziel hatte (Esther 3:1-15). Das Scheitern dieses Plans wird noch heute mit dem jüdischen Purimfest gefeiert.
6 Als die Juden dann von Syrien abhängig waren, versuchte König Antiochus IV. mit aller Macht, die Nation zu hellenisieren, indem er sie zwingen wollte, griechische Bräuche anzunehmen und griechische Götter anzubeten. Auch er hatte kein Gelingen. Statt ausgelöscht oder assimiliert zu werden, überlebten die Juden, wogegen die meisten der sie umgebenden Volksgruppen eine nach der anderen von der Weltbühne verschwanden. Und die Hebräischen Schriften der Bibel überlebten mit den Juden.
7, 8. Inwiefern war der Fortbestand der Bibel durch die Christenverfolgung in Frage gestellt?
7 Die Christen, die den zweiten Teil der Bibel (das „Neue Testament“) aufzeichneten, waren ebenfalls eine bedrängte Gruppe. Ihr Führer, Jesus, wurde wie ein gemeiner Verbrecher hingerichtet. In der ersten Zeit nach seinem Tod versuchten die jüdischen Führer in Palästina, sie zu unterdrücken. Als die Christen ihren Glauben in andere Länder trugen, stellten ihnen die Juden nach, um sie an ihrem missionarischen Werk zu hindern (Apostelgeschichte 5:27, 28; 7:58-60; 11:19-21; 13:45; 14:19; 18:5, 6).
8 In den Tagen Neros änderte sich auch die anfänglich tolerante Einstellung der römischen Obrigkeit. Tacitus brüstete sich, daß der verderbte Kaiser die „ausgesuchtesten Martern“ für die Christen bereithielt. Von jener Zeit an war es ein Kapitalverbrechen, ein Christ zu sein.2 Im Jahre 303 u. Z.a holte Kaiser Diokletian zu einem direkten Schlag gegen die Bibel aus. In dem Bemühen, das Christentum auszurotten, befahl er, alle Bibeln der Christen zu verbrennen.3
9. Was wäre geschehen, wenn die Ausrottungsbemühungen gegen die Juden und die Christen erfolgreich gewesen wären?
9 Diese Unterdrückungs- und Ausrottungsbemühungen waren eine echte Bedrohung für den Fortbestand der Bibel. Wenn es den Juden so ergangen wäre wie den Philistern und den Moabitern oder wenn die Bemühungen der jüdischen und der römischen Obrigkeit, das Christentum auszumerzen, erfolgreich gewesen wären, wer hätte dann die Bibel abgeschrieben und bewahrt? Glücklicherweise sind die Hüter der Bibel — zuerst die Juden und dann die Christen — nicht ausgelöscht worden, und die Bibel überlebte. Es gab jedoch eine weitere ernsthafte Bedrohung, zwar nicht für den Fortbestand der Bibel, aber zumindest für ihre genaue Überlieferung.
Fehler durch das Abschreiben
10. Wie wurde die Bibel ursprünglich bewahrt?
10 Viele der bereits erwähnten Werke des Altertums, die nach und nach in Vergessenheit gerieten, waren in Stein eingeritzt oder auf dauerhaften Tontafeln festgehalten worden. Nicht so die Bibel. Sie wurde ursprünglich auf Papyrus oder Pergament geschrieben — wesentlich vergänglichere Materialien. Daher gingen die Handschriften, die von den Schreibern ursprünglich abgefaßt wurden, schon vor langer Zeit verloren. Aber wie blieb die Bibel bewahrt? Unzählige Kopien wurden mühsam mit der Hand geschrieben. Das war vor der Erfindung der Buchdruckerkunst das übliche Verfahren, Bücher anzufertigen.
11. Was ist unvermeidlich, wenn Manuskripte von Hand abgeschrieben werden?
11 Das Abschreiben von Hand birgt jedoch eine Gefahr. Sir Frederic Kenyon, der berühmte Archäologe und Direktor des Britischen Museums, schrieb: „Die menschliche Hand und das menschliche Gehirn wurden noch nicht gebildet, die in der Lage wären, ein langes Werk absolut fehlerfrei abzuschreiben. ... Es mußten sich zwangsläufig Fehler einschleichen.“4 Enthielt eine Handschrift Fehler, wurden diese übernommen, wenn jene Handschrift wiederum als Vorlage für spätere Kopien diente. Da über einen langen Zeitraum viele Abschriften gemacht wurden, schlich sich so mancher Fehler ein.
12, 13. Wem oblag die Verantwortung, den Text der Hebräischen Schriften zu bewahren?
12 Wie können wir angesichts dessen, daß die Bibel Tausende von Malen abgeschrieben wurde, wissen, daß sie dadurch nicht völlig verändert wurde? Nun, nehmen wir einmal die hebräische Bibel, das „Alte Testament“. Als die Juden in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts v. u. Z. aus dem Babylonischen Exil zurückkehrten, wurde eine Gruppe hebräischer Gelehrter, die sogenannten Sopherim — „Schriftgelehrten“ —, Hüter des hebräischen Bibeltextes, und es lag in ihrer Verantwortung, diese Schriften für den Gebrauch bei der öffentlichen und privaten Anbetung zu kopieren. Sie hatten die besten Motive, und sie waren Fachleute; ihre Arbeit war daher von höchster Qualität.
13 Das Erbe der Sopherim übernahmen die Massoreten, die vom siebten bis zum zehnten Jahrhundert u. Z. tätig waren. Ihr Name ist von einem hebräischen Wort abgeleitet, das „Überlieferung“ bedeutet, und im wesentlichen fiel auch diesen Abschreibern die Aufgabe zu, den überlieferten hebräischen Text zu bewahren. Die Massoreten gingen mit äußerster Gründlichkeit zu Werke. Ein Abschreiber mußte ein wirklich authentisches Exemplar als Vorlage verwenden und durfte nichts aus dem Gedächtnis niederschreiben. Er mußte sich jeden Buchstaben ansehen, bevor er ihn übertrug.5 Professor Norman K. Gottwald bemerkt dazu: „Etwas von der Sorgfalt, mit der sie ihren Aufgaben nachkamen, kommt in der rabbinischen Forderung zum Ausdruck, daß man alle neuen Handschriften überprüfen und fehlerhafte Exemplare sofort vernichten mußte.“6
14. Welche Entdeckung ermöglichte es, die genaue Übertragung des Bibeltextes durch die Sopherim und die Massoreten zu bestätigen?
14 Wie genau war die Übertragung des Textes durch die Sopherim und die Massoreten? Bis zum Jahr 1947 war es kaum möglich, diese Frage zu beantworten, da die ältesten vollständigen hebräischen Handschriften, die zur Verfügung standen, aus dem zehnten Jahrhundert u. Z. stammten. 1947 wurden jedoch in Höhlen in der Nähe des Toten Meeres Fragmente sehr alter Handschriften gefunden. Unter ihnen befanden sich Teile von Büchern der hebräischen Bibel. Einige sollen gemäß den Datierungen aus der Zeit vor Christus stammen. Gelehrte verglichen sie mit den vorhandenen hebräischen Handschriften, um die Genauigkeit der Überlieferung des Textes zu prüfen. Was ergab dieser Vergleich?
15. (a) Was ergab der Vergleich der Jesaja-Schriftrollen vom Toten Meer mit dem massoretischen Text? (b) Welche Schlußfolgerung sollte man daraus ziehen, daß einige Handschriften, die am Toten Meer gefunden wurden, gewisse Textvarianten aufweisen? (Siehe Fußnote.)
15 Zu den ältesten entdeckten Werken gehörte das gesamte Bibelbuch Jesaja, und die Übereinstimmung dieses Textes mit dem massoretischen Bibeltext, der uns heute zur Verfügung steht, ist erstaunlich. Professor Millar Burrows schreibt: „Viele Unterschiede zwischen der [damals entdeckten] Jesaja-Rolle von St. Markus und dem masoretischen Text lassen sich als Abschreibefehler erklären. Von diesen abgesehen stimmt sie im ganzen in bemerkenswerter Weise mit dem Text der mittelalterlichen Handschriften überein. Diese Übereinstimmung einer so viel älteren Handschrift gibt ein beruhigendes Zeugnis dafür, daß der überlieferte Text im großen und ganzen genau ist.“7 Professor Burrows fügt noch hinzu: „Es ist zum Verwundern, daß der Text durch ein Jahrtausend so wenig Veränderungen erfahren hat.“b
16, 17. (a) Warum können wir sicher sein, daß der Text der Christlichen Griechischen Schriften unversehrt geblieben ist? (b) Was bezeugte Sir Frederic Kenyon in bezug auf den Text der Griechischen Schriften?
16 Die Abschreiber des Teils der Bibel, der von Christen in Griechisch geschrieben wurde (das sogenannte Neue Testament), waren im Vergleich zu den gut geschulten, professionellen Sopherim eher begabte Amateure. Sie verrichteten ihre Arbeit trotz Androhung von Bestrafung durch den Staat und nahmen sie sehr ernst. Und aus zwei Gründen können wir sicher sein, heute einen Text zu haben, der weitestgehend dem entspricht, den die Schreiber ursprünglich aufzeichneten. Zum einen verfügen wir über Handschriften, die wesentlich eher nach der Niederschrift entstanden sind, als das beim hebräischen Teil der Bibel der Fall ist. Dazu gehört beispielsweise ein Fragment des Johannesevangeliums, das aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts stammt; es entstand also, wahrscheinlich weniger als 50 Jahre nachdem Johannes sein Evangelium schrieb. Zum anderen liefert allein schon die Zahl von Handschriften, die die Zeit überdauert haben, einen bemerkenswerten Beweis für die Unverfälschtheit des Textes.
17 Diesen Punkt bestätigt auch Sir Frederic Kenyon: „Es kann nicht nachdrücklich genug versichert werden, daß der Text der Bibel im wesentlichen gesichert ist. Das trifft insbesondere auf das Neue Testament zu. Die Anzahl der Handschriften vom Neuen Testament, von frühen Übersetzungen desselben und von Zitaten daraus bei den ältesten Kirchenschriftstellern ist so groß, daß praktisch sicher ist, daß die echte Lesart jeder zweifelhaften Passage in der einen oder anderen dieser antiken Quellen erhalten geblieben ist. Das kann von keinem anderen alten Buch der Welt gesagt werden.“10
Die Völker und ihre Sprachen
18, 19. Wieso wurde die Bibel schließlich auch in andere Sprachen übersetzt?
18 Die Sprachen, in denen die Bibel ursprünglich geschrieben wurde, waren, auf lange Sicht gesehen, ebenfalls für ihren Fortbestand nicht förderlich. Die ersten 39 Bücher wurden überwiegend in Hebräisch, der Sprache der Israeliten, geschrieben. Hebräisch war jedoch nie weit verbreitet. Wäre die Bibel nur in dieser Sprache vorhanden gewesen, hätte sie lediglich auf die jüdische Nation und die wenigen Ausländer, die Hebräisch lesen konnten, Einfluß ausüben können. Im dritten Jahrhundert v. u. Z. begann man jedoch, für die Hebräer, die in Alexandria (Ägypten) lebten, den hebräischen Teil der Bibel ins Griechische zu übersetzen. Griechisch war damals die international gebräuchliche Sprache. Auf diese Weise wurde die hebräische Bibel für Nichtjuden leicht zugänglich.
19 Zur Zeit der Entstehung des zweiten Teils der Bibel war die griechische Sprache immer noch sehr weit verbreitet, so daß die letzten 27 Bücher der Bibel in dieser Sprache aufgezeichnet wurden. Doch nicht jeder konnte Griechisch verstehen. Daher wurde schon bald sowohl der hebräische als auch der griechische Teil der Bibel in die Alltagssprachen der damaligen Zeit wie zum Beispiel Syrisch, Koptisch, Armenisch, Georgisch, Gotisch und Äthiopisch übersetzt. Die offizielle Sprache des Römischen Reiches war Latein, und es entstand eine solche Vielzahl von lateinischen Übersetzungen, daß eine autorisierte Übersetzung in Auftrag gegeben werden mußte. Diese wurde um das Jahr 405 u. Z. fertiggestellt und als Vulgata bekannt (was „verbreitet“ oder „gewöhnlich“ bedeutet).
20, 21. Welche Hindernisse gab es für das Überleben der Bibel, und wieso konnten sie überwunden werden?
20 Auf diese Weise wurde die Bibel trotz vieler Widerstände bis in die ersten Jahrhunderte u. Z. bewahrt. Diejenigen, die sie verfertigten, waren verachtete und verfolgte Minderheiten, die in einer feindlichen Welt ein hartes Leben führten. Die Bibel hätte durch das Abschreiben stark verändert werden können, aber das war nicht der Fall. Auch wurde die drohende Gefahr abgewendet, daß die Bibel nur für Menschen zugänglich war, die bestimmte Sprachen beherrschten.
21 Warum wurde der Bibel das Überleben so schwer gemacht? In der Bibel heißt es: „Die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“ (1. Johannes 5:19). Angesichts dessen war mit einer feindlichen Einstellung der Welt gegenüber der Veröffentlichung der Wahrheit zu rechnen, und so war es auch. Aber wieso konnte die Bibel die Zeit überdauern, wenn doch so viel andere Literatur, deren Existenz nicht in dieser Weise bedroht war, in Vergessenheit geriet? Die Bibel gibt auch darauf die Antwort: „Das von Jehova Gesagte bleibt für immer“ (1. Petrus 1:25). Wenn die Bibel wirklich Gottes Wort ist, kann keine menschliche Macht sie vernichten. Und genau das hat sich bis in unser 20. Jahrhundert bewahrheitet.
22. Zu welchen Veränderungen kam es Anfang des vierten Jahrhunderts u. Z.?
22 Im vierten Jahrhundert u. Z. geschah jedoch etwas, was neue Angriffe gegen die Bibel heraufbeschworen und den Lauf der Geschichte Europas nachhaltig beeinflußt hat. Nur zehn Jahre nach Diokletians Versuch, alle Exemplare der Bibel zu vernichten, änderte sich die kaiserliche Politik, und das „Christentum“ wurde offiziell anerkannt. Zwölf Jahre später, 325 u. Z., hatte ein römischer Kaiser den Vorsitz bei dem „christlichen“ Konzil von Nizäa. Warum sollte sich eine scheinbar günstige Entwicklung als gefährlich für die Bibel erweisen? Die Antwort wird im nächsten Kapitel gegeben.
[Fußnoten]
a In diesem Buch werden an Stelle von „v. Chr.“ und „n. Chr.“ die genaueren Bezeichnungen „v. u. Z.“ (vor unserer Zeitrechnung) und „u. Z.“ (unserer Zeitrechnung) verwendet.
b Nicht alle Handschriften, die am Toten Meer gefunden wurden, stimmten so genau mit dem überlieferten Bibeltext überein. Einige wiesen relativ viele Textvarianten auf. Diese Abweichungen bedeuten jedoch nicht, daß die wesentliche Aussage des Textes entstellt wurde. Gemäß Patrick W. Skehan von der Catholic University of America handelt es sich bei den meisten um eine „Überarbeitung [des biblischen Textes] auf der Grundlage seiner eigenen inneren Logik, so daß er zwar in der Form umfangreicher wird, aber vom Inhalt her der gleiche bleibt ... Die Grundhaltung ist eine hohe Achtung vor einem Text, der als heilig betrachtet wird, der Standpunkt, die Bibel durch die Bibel zu erklären, und zwar durch eine einfache Übertragung ihres Textes (wie wir es bezeichnen würden).“8
Ein anderer Kommentator fügt hinzu: „Trotz aller Unsicherheiten bleibt als wesentliches Faktum bestehen, daß der Text, der uns heute zur Verfügung steht, im wesentlichen den genauen Wortlaut der Autoren wiedergibt, von denen einige vor fast dreitausend Jahren gelebt haben, und wir brauchen wegen irgendwelcher Veränderungen des Textes keine ernsthaften Zweifel an der Gültigkeit zu hegen, die die Botschaft des Alten Testaments für uns hat.“9
[Kasten auf Seite 19]
Der gut belegte Text der Bibel
Um zu erkennen, wie gut der Text der Bibel belegt ist, muß man ihn nur einmal mit anderer Literatur vergleichen, die uns aus dem Altertum überliefert ist, zum Beispiel mit den klassischen Schriften der Griechen und Römer. Tatsächlich wurde der größte Teil dieser Literatur nach den Hebräischen Schriften vollendet. Es gibt keine Berichte, daß man versucht hätte, die Griechen oder die Römer auszurotten, und ihre Literatur mußte nicht durch Verfolgung hindurch bewahrt werden. Doch hören wir uns an, was Professor F. F. Bruce dazu sagt:
„Von Caesars Gallischem Krieg (verfaßt zwischen 58 und 50 v. Chr.) gibt es mehrere noch vorhandene Manuskripte, aber nur neun oder zehn sind gut, und das älteste wurde 900 Jahre nach Caesars Lebzeiten geschrieben!
Von den 142 Büchern der Römischen Geschichte des Livius (55 v. Chr. bis 17 n. Chr.) blieben nur 35 Bücher erhalten; diese sind uns aus nicht mehr als 20 Manuskripten bekannt, die von einiger Bedeutung sind, von denen aber nur eins (welches Fragmente der Bücher III—VI enthält), aus dem 4. Jahrhundert stammt.
Von den 14 Büchern der Geschichte des Tacitus (ungefähr um das Jahr 100) sind nur vier vollständige und eins zur Hälfte übrig geblieben; von den 16 Büchern seiner Annalen blieben zehn völlig und zwei teilweise erhalten. Der Text der heute noch vorhandenen Teile seiner zwei großen Geschichtswerke stützt sich auf nur zwei Manuskripte, von denen das eine aus dem 9., das andere aus dem 11. Jahrhundert stammt. ...
Die Geschichte des Thucydides (etwa 460—400 v. Chr.) ist uns aus acht Manuskripten und einigen Papyrusfragmenten bekannt. Das früheste Manuskript gehört in das 9. Jahrhundert n. Chr., und die Papyri entstammen dem urchristlichen Zeitalter.
Dasselbe gilt für die Geschichte des Herodot (etwa 480—425 v. Chr.). Es würde jedoch kein Altphilologe auf den Gedanken kommen, die Echtheit des Herodot oder Thucydides anzuzweifeln, weil die frühesten brauchbaren Handschriften ihrer Werke mehr als 1 300 Jahre jünger sind als die Originale“ (Sind die neutestamentlichen Dokumente zuverlässig?, Seite 16, 17).
Im Vergleich dazu stehen Tausende von Handschriften verschiedener Teile der Bibel zur Verfügung. Und es gibt Handschriften der Christlichen Griechischen Schriften, die weniger als hundert Jahre nach der ursprünglichen Niederschrift entstanden sind.
[Bild auf Seite 13]
Die Hebräer waren nur ein kleines Volk, das ständig von größeren Nationen bedroht wurde. Dieses antike Relief zeigt, wie einige Hebräer von den Assyrern in die Gefangenschaft geführt werden.
[Bild auf Seite 14]
Vor der Erfindung der Buchdruckerkunst wurde die Bibel mit der Hand abgeschrieben
[Bild auf Seite 16]
Nero erklärte es für ein Kapital- verbrechen, ein Christ zu sein
[Bild auf Seite 21]
Ein Studium der Jesaja-Rollen vom Toten Meer ergab, daß das Buch Jesaja über einen Zeitraum von 1 000 Jahren praktisch unverändert weitergegeben worden war
[Bild auf Seite 23]
Kaiser Diokletians Bemühungen, die Bibel auszurotten, scheiterten
-
-
Ein falscher Freund der BibelDie Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 3
Ein falscher Freund der Bibel
In diesem Kapitel kommen die wesentlichen Gründe zur Sprache, weshalb viele Menschen in nichtchristlichen Ländern die Bibel als Wort Gottes ablehnen. Wie aus der Geschichte hervorgeht, behauptet die Christenheit, an die Bibel zu glauben und sie bewahrt zu haben. Die religiösen Organisationen der Christenheit werden jedoch mit einigen der entsetzlichsten Grausamkeiten der Geschichte in Verbindung gebracht, angefangen von den Kreuzzügen und Pogromen des Mittelalters bis hin zum Holocaust der Neuzeit. Ist aber das Verhalten der Christenheit ein stichhaltiger Grund, die Bibel abzulehnen? In Wirklichkeit hat sich die Christenheit als ein falscher Freund der Bibel erwiesen. Mit ihrem Auftreten im vierten Jahrhundert u. Z. war der Überlebenskampf der Bibel keineswegs vorbei.
1, 2 (und Einleitung). (a) Warum lehnen viele die Bibel als Gottes Wort ab? (b) Was wurde im ersten und zweiten Jahrhundert Gutes geleistet, doch welche gefährliche Entwicklung war im Gange?
ENDE des ersten Jahrhunderts war die Niederschrift aller Bibelbücher abgeschlossen. Von da an stellten die Christen unermüdlich Abschriften der gesamten Bibel her und verbreiteten sie. Gleichzeitig bemühten sie sich, Übersetzungen in den damals gebräuchlichsten Sprachen anzufertigen. Während die Christenversammlung mit diesem bewundernswerten Werk beschäftigt war, zeichnete sich allerdings eine Entwicklung ab, die sich für das Überleben der Bibel als sehr bedrohlich erweisen sollte.
2 In der Bibel selbst war diese Entwicklung vorhergesagt worden. Eines der Gleichnisse Jesu handelt von einem Menschen, der sein Feld mit gutem Weizensamen besäte. Doch „während die Menschen schliefen“, säte ein Feind Unkraut. Beide Samenarten sproßten, aber eine Zeitlang wurde der Weizen vom Unkraut überwuchert. Wie Jesus mit diesem Gleichnis zeigte, sollten zwar als Frucht seiner Arbeit wahre Christen hervorkommen, doch nach seinem Tod würden falsche Christen in die Versammlung eindringen. Schließlich wäre es schwierig, die echten von den falschen zu unterscheiden (Matthäus 13:24-30, 36-43).
3. Wie würden gemäß den Worten des Apostels Petrus die mit Unkraut vergleichbaren „Christen“ den Glauben an die Bibel beeinflussen?
3 Der Apostel Petrus sprach warnend und unverblümt davon, daß die mit Unkraut vergleichbaren „Christen“ Einfluß darauf hätten, wie man zum Christentum und zur Bibel eingestellt sei. Er sagte: „Es [wird] ... unter euch falsche Lehrer geben ... Ebendiese werden unauffällig verderbliche Sekten einführen und werden sogar den Besitzer verleugnen, der sie erkauft hat, wodurch sie schnelle Vernichtung über sich bringen. Ferner werden viele ihren Zügellosigkeiten folgen, und ihretwegen wird vom Weg der Wahrheit lästerlich geredet werden“ (2. Petrus 2:1, 2).
4. Wie erfüllten sich die prophetischen Worte Jesu und die des Petrus schon im ersten Jahrhundert?
4 Die prophetischen Worte Jesu und die des Petrus erfüllten sich bereits im ersten Jahrhundert. Ehrgeizige Männer drangen in die Christenversammlung ein und säten Uneinigkeit (2. Timotheus 2:16-18; 2. Petrus 2:21, 22; 3. Johannes 9, 10). In den folgenden zwei Jahrhunderten wurde die reine biblische Wahrheit durch Ansichten griechischer Philosophen verfälscht, und viele machten schließlich den Fehler, heidnische Lehren als biblische Wahrheit anzunehmen.
5. Welche Wende führte Konstantin Anfang des vierten Jahrhunderts herbei?
5 Im vierten Jahrhundert übernahm der römische Kaiser Konstantin das „Christentum“ als offizielle Staatsreligion. Aber das „Christentum“, das er kannte, war etwas ganz anderes als die Religion, die Jesus gepredigt hatte. Inzwischen gedieh das von Jesus vorhergesagte „Unkraut“. Dennoch dürfen wir mit Sicherheit davon ausgehen, daß es immer einige gab, die das wahre Christentum vertraten und sich bemühten, nach der Bibel als dem inspirierten Wort Gottes zu handeln (Matthäus 28:19, 20).
Widerstand gegen das Übersetzen der Bibel
6. Wann entstand die Christenheit, und worin unter anderem unterschied sich ihre Religion vom Christentum der Bibel?
6 Die Christenheit, wie wir sie heute kennen, entstand zur Zeit Konstantins. Das entartete Christentum, das damals Wurzel schlug, bildete jedoch keine rein religiöse Organisation mehr, sondern einen Teil des Staates, und seine Führer spielten eine wichtige Rolle in der Politik. Schließlich gebrauchte die abtrünnige Kirche ihre politische Macht auf eine Weise, die in völligem Widerspruch zum biblischen Christentum stand. Auch beschwor sie für die Bibel eine weitere äußerst bedrohliche Situation herauf. Wodurch?
7, 8. Wann äußerte sich der Papst gegen das Übersetzen der Bibel, und warum?
7 Mit dem Aussterben des Lateinischen als Volkssprache benötigte man neue Bibelübersetzungen. Aber damit war die katholische Kirche nicht einverstanden. Wratislaw, der später König von Böhmen wurde, bat 1079 Papst Gregor VII. um die Erlaubnis für die Übersetzung der Bibel in die Sprache seiner Untertanen. Doch die Antwort des Papstes war ein Nein. Er erklärte: „Dem, der häufig darüber nachdenkt, ist klar, daß es Gott, dem Allmächtigen, nicht ohne Grund gefallen hat, die Heilige Schrift mancherorts geheimzuhalten — damit sie nicht, wenn sie allen Menschen leicht zugänglich wäre, geringgeachtet und sogar zu einem Gegenstand der Verachtung würde oder damit sie nicht von mittelmäßig Gebildeten falsch verstanden werden und dem Irrtum Vorschub leisten könnte.“1
8 Dem Papst lag daran, die Bibel in der nun toten lateinischen Sprache zu belassen. Ihr Inhalt sollte „geheim“ bleiben und nicht in die Sprachen des gewöhnlichen Volkes übersetzt werden.a Die Vulgata, eine lateinische Übersetzung, die Hieronymus im 5. Jahrhundert erstellt hatte, um die Heilige Schrift allen zugänglich zu machen, diente nun der Geheimhaltung.
9, 10. (a) Wie zeigte sich weiterer Widerstand der katholischen Kirche gegen das Übersetzen der Bibel? (b) Welche Absicht verfolgte die Kirche mit ihrem Widerstand?
9 Im Mittelalter verhärtete sich die Kirche immer mehr in ihrer ablehnenden Haltung zu Bibeln in der Landessprache. 1199 schrieb Papst Innozenz III. einen derart strengen Brief an den Erzbischof von Metz, daß dieser alle deutschen Bibeln, deren er habhaft werden konnte, verbrennen ließ.3 Gemäß einem Entscheid der Synode von Toulouse (1229) durften „Laien“ keine Bibelbücher in der Volkssprache besitzen.4 1233 entschied die Provinzialsynode von Tarragona (Spanien), daß alle Bücher „des Alten oder Neuen Testaments“ zum Verbrennen abzugeben waren.5 Im Jahre 1407 verbot eine von Erzbischof Thomas Arundel nach Oxford (England) einberufene Synode ausdrücklich die Übersetzung der Bibel ins Englische oder in irgendeine andere neuzeitliche Sprache.6 Ebenfalls in England verbot Bischof Stafford von Wells 1431 sowohl die Übersetzung der Bibel ins Englische als auch den Besitz solcher Übersetzungen.7
10 Ziel dieser kirchlichen Würdenträger war es nicht, die Bibel zu vernichten, sondern sie sollte fossilieren, d. h. in einer Sprache bleiben, die nur wenige lesen konnten. Sie hofften, so dem entgegenzuwirken, was sie als Häresie bezeichneten, was aber in Wirklichkeit auf eine Anfechtung ihrer Autorität hinauslief. Wenn sie Erfolg gehabt hätten, wäre die Bibel lediglich zum Gegenstand intellektueller Neugier geworden und hätte wenig oder gar keinen Einfluß auf das Leben des gewöhnlichen Volkes gehabt.
Die Verteidiger der Bibel
11. Wozu führte es, daß Julián Hernández spanische Bibeln nach Spanien schmuggelte?
11 Glücklicherweise weigerten sich viele aufrichtige Menschen, sich an diese Edikte zu halten. Doch eine solche Weigerung war äußerst gefährlich. Einzelne hatten wegen des „Verbrechens“, eine Bibel zu besitzen, schrecklich zu leiden. Als Beispiel diene der Fall eines Spaniers namens Julián Hernández. Wie es in dem Werk History of Christian Martyrdom von John Foxe heißt, unternahm es Julián (oder Juliano), „eine größere Anzahl Bibeln, in Fässern verborgen und wie Rheinwein geladen, von Deutschland in sein Land zu schaffen“. Er wurde verraten und von der katholischen Inquisition festgenommen. Diejenigen, für die die Bibeln bestimmt waren, „wurden alle unterschiedslos gefoltert und die meisten von ihnen zu verschiedenen Strafen verurteilt. Juliano wurde verbrannt, zwanzig andere wurden am Spieß geröstet, einige kamen in lebenslängliche Haft, andere wurden öffentlich ausgepeitscht, viele auf die Galeeren geschickt.“8
12. Wieso wissen wir, daß die religiösen Würdenträger des Mittelalters nicht das biblische Christentum vertraten?
12 Welch ein entsetzlicher Machtmißbrauch! Es kann nicht der geringste Zweifel darüber bestehen, daß die verantwortlichen religiösen Würdenträger nicht das biblische Christentum vertraten. Die Bibel selbst offenbart, wem sie angehörten, wenn sie sagt: „Hieran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennbar: Jeder, der nicht Gerechtigkeit übt, stammt nicht von Gott noch der, der seinen Bruder nicht liebt. Denn das ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt, daß wir einander lieben sollten, nicht wie Kain, der aus dem stammte, der böse ist, und seinen Bruder hinschlachtete“ (1. Johannes 3:10-12).
13, 14. (a) Welches erstaunliche Geschehen im Mittelalter läßt den göttlichen Ursprung der Bibel erkennen? (b) Welcher Wandel trat in bezug auf die Bibel in Europa ein?
13 Wie erstaunlich, daß Männer und Frauen bereitwillig das Risiko einer solch schrecklichen Behandlung eingingen, nur um eine Bibel zu besitzen! Und diese Fälle haben sich bis in unsere Zeit unzählige Male wiederholt. Die tiefe Gottergebenheit, die die Bibel den Menschen eingeflößt hat, dazu die Bereitwilligkeit, geduldig zu leiden und klaglos auf schreckliche Weise zu sterben, ohne sich gegen die Peiniger zu erheben, ist ein untrüglicher Beweis dafür, daß sie das Wort Gottes ist (1. Petrus 2:21).
14 Nach der Auflehnung des Protestantismus gegen die Macht der römisch-katholischen Kirche im 16. Jahrhundert war diese schließlich gezwungen, selbst Bibelübersetzungen in den geläufigen europäischen Sprachen herauszugeben. Allerdings wurde die Bibel bereits damals mehr mit dem Protestantismus in Verbindung gebracht als mit dem Katholizismus. Der katholische Priester Edward J. Ciuba schrieb: „Man wird sich ehrlich einzugestehen haben, daß eine der tragischeren Folgen der protestantischen Reformation unter treuen Katholiken in der Vernachlässigung der Bibel bestand. Zwar geriet die Bibel nie völlig in Vergessenheit, doch war sie für die meisten Katholiken ein verschlossenes Buch.“9
Die höhere Kritik
15, 16. Warum ist der Protestantismus nicht schuldlos, was den Widerstand gegen die Bibel betrifft?
15 Aber die protestantischen Kirchen sind nicht etwa schuldlos, was den Widerstand gegen die Bibel betrifft. Im Laufe der Zeit inszenierten gewisse protestantische Gelehrte einen andersartigen Angriff auf dieses Buch — einen intellektuellen. Im 18. und 19. Jahrhundert entstand unter Bibelwissenschaftlern eine Studienrichtung, die man als höhere Kritik oder historisch-literarische Kritik bezeichnete. Ihre Anhänger lehrten, ein Großteil der Bibel bestehe aus Legenden und Mythen. Einige behaupteten sogar, Jesus habe nie gelebt. Nach Auffassung dieser protestantischen Gelehrten ist die Bibel nicht als Wort Gottes zu bezeichnen, sondern als das Wort von Menschen und noch dazu als ein sehr wirres.
16 Die extremeren dieser Vorstellungen werden zwar nicht mehr vertreten, doch auf Seminaren lehrt man immer noch die höhere Kritik, und es ist durchaus nichts Ungewöhnliches, einen protestantischen Geistlichen zu hören, der in aller Öffentlichkeit große Teile der Bibel ablehnt. Wie eine australische Zeitung berichtete, behauptete ein anglikanischer Geistlicher zum Beispiel, daß vieles in der Bibel „einfach falsch ist. Geschichtlich stimmt einiges nicht. Offensichtlich hat man einige Einzelheiten durcheinandergebracht.“ Diese Auffassung ist der höheren Kritik zuzuschreiben.
„Lästerlich geredet“
17, 18. Inwiefern hat das Verhalten der Christenheit Schmach auf die Bibel gebracht?
17 Aber das größte Hindernis, wenn es darum geht, die Bibel als Gottes Wort anzunehmen, bildet wahrscheinlich das Verhalten der Christenheit. Die Christenheit nimmt für sich in Anspruch, nach der Bibel zu handeln. Durch ihr Verhalten hat sie jedoch große Schmach auf die Bibel und auch auf die Bezeichnung Christ gebracht. Wie der Apostel Petrus voraussagte, wird vom Weg der Wahrheit „lästerlich geredet“ (2. Petrus 2:2).
18 Während die Kirche die Übersetzung der Bibel verbot, unterstützte der Papst beispielsweise massive militärische Anstrengungen gegen die Muslime im Nahen Osten. Man bezeichnete diese Unternehmungen zwar als „heilige“ Kreuzzüge, doch hatten sie absolut nichts Heiliges an sich. Der erste — der sogenannte „Volkskreuzzug“ — war tonangebend für das, was folgen sollte. Ein von Volkspredigern aufgehetztes, ungestümes Heer machte sich, bevor es Europa verließ, über die Juden her und metzelte sie in einer Stadt nach der anderen nieder. Warum? Der Historiker Hans Eberhard Mayer schreibt: „Das Argument, die Juden seien als Feinde Christi strafwürdig, war ... ein schlechter Vorwand, der die wirklichen Motive der Habgier nur unzureichend verhüllte.“10
19—21. Inwiefern ist durch den Dreißigjährigen Krieg, durch die europäischen Missionsbestrebungen und durch den Kolonialismus Schmach auf die Bibel gehäuft worden?
19 Durch die protestantische Rebellion im 16. Jahrhundert wurde dem Katholizismus in vielen europäischen Ländern die Macht entrissen. Eine Folge davon war der Dreißigjährige Krieg (1618—1648), „einer der schrecklichsten Kriege der europäischen Geschichte“, wie ihn ein englisches Geschichtswerk nennt. Was war die eigentliche Ursache dieses Krieges? „Die Katholiken haßten die Protestanten und die Protestanten die Katholiken.“11
20 Damals hatte die Christenheit begonnen, sich über Europa hinaus auszubreiten, indem sie die „christliche“ Kultur in andere Erdteile trug. Diese militärisch unterstützte Expansion stand im Zeichen von Grausamkeit und Habgier. Spanische Konquistadoren vernichteten in kürzester Zeit die Eingeborenenkulturen auf dem amerikanischen Kontinent. In einem Geschichtsbuch heißt es dazu: „Gewöhnlich vernichteten die spanischen Machthaber die Eingeborenenkultur, ohne die europäische Kultur einzuführen. Was sie in die Neue Welt zog, war in erster Linie das gierige Verlangen nach Gold.“12
21 Auch protestantische Missionare aus Europa machten sich auf den Weg in andere Kontinente. Ihre Tätigkeit trug unter anderem wesentlich zur Förderung des Kolonialismus bei. Was man heute in weiten Kreisen von protestantischer Missionierung hält, zeigt folgende Feststellung: „In vielen Fällen diente die Mission als Rechtfertigung und Deckmantel für die Beherrschung des Volkes. Die Wechselbeziehung zwischen Mission, Technologie und Imperialismus ist hinlänglich bekannt.“13
22. Wodurch hat die Christenheit im 20. Jahrhundert das Christentum in Verruf gebracht?
22 Immer noch bestehen zwischen den Kirchen der Christenheit und dem Staat enge Bindungen. An beiden Weltkriegen waren in erster Linie „christliche“ Nationen beteiligt. Auf beiden Seiten ermutigten die Geistlichen die jungen Männer, zu kämpfen und den Feind zu töten — der oftmals der gleichen Religion angehörte wie sie. Treffend wird in einem Werk gesagt: „Es gereicht ... [den Kirchen] sicherlich nicht zur Ehre, daß das heutige Kriegssystem in Staaten, die sich der Sache des Christentums verschrieben haben, herangereift ist und die größten Verheerungen angerichtet hat.“14
Das Wort Gottes bleibt bestehen
23. Inwiefern läßt die Geschichte der Christenheit erkennen, daß die Bibel Gottes Wort ist?
23 Bei diesem Rückblick auf die lange, traurige Geschichte der Christenheit gilt es, zwei Tatsachen herauszustellen. Erstens: Solche Ereignisse sind eine Erfüllung biblischer Prophezeiungen; es war vorhergesagt worden, daß viele angebliche Christen Schmach auf die Bibel und das Christentum bringen würden, und daß dies geschehen ist, bestätigt die Wahrhaftigkeit der Bibel. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß das Verhalten der Christenheit nichts mit dem Christentum der Bibel zu tun hat.
24. Was zeichnet wahre Christen aus und verurteilt gleichzeitig die Christenheit als unchristlich?
24 Jesus selbst erklärte, woran man echte Christen erkennen kann, als er sagte: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Johannes 13:35). Ferner sagte Jesus: „Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Johannes 17:16). In beiden Punkten verrät die Christenheit, daß sie nicht das Christentum der Bibel vertritt. Sie gibt zwar vor, ein Freund der Bibel zu sein, doch hat sie sich als ein falscher Freund erwiesen.
25. Warum hat die Bibel alle Angriffe bis heute überlebt?
25 Zweitens: Bedenkt man, wie sehr die gesamte Christenheit den Interessen der Bibel entgegengewirkt hat, so ist es in der Tat bemerkenswert, daß dieses Buch bis heute überlebt hat und immer noch einen guten Einfluß auf das Leben vieler Menschen ausübt. Die Bibel hat nicht nur die heftige Gegnerschaft überlebt, auf die ihre Übersetzer stießen, sondern auch die Anschläge modernistischer Gelehrter und das unchristliche Verhalten ihres falschen Freundes, der Christenheit. Wieso? Weil die Bibel mit keinem anderen Werk zu vergleichen ist. Sie ist unvergänglich. Die Bibel ist das Wort Gottes, und sie selbst sagt: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit“ (Jesaja 40:8, Einheitsübersetzung).
[Fußnote]
a Es entstanden zwar einige wenige Übersetzungen in Landessprachen. Doch handelte es sich dabei meist um mühsam hergestellte, reich verzierte Handschriften, die eindeutig nicht für den allgemeinen Gebrauch bestimmt waren.2
[Herausgestellter Text auf Seite 34]
Die großen protestantischen Kirchen haben sich an einem bedeutenden intellektuellen Angriff auf die Bibel beteiligt
[Bild auf Seite 26]
Die Geschichte der Christenheit begann eigentlich, als Konstantin das „Christentum“ seiner Tage legalisierte
[Bilder auf Seite 29]
Die Päpste Gregor VII. und Innozenz III. waren führend im Kampf der katholischen Kirche, die Übersetzung der Bibel in die Volkssprache zu verhindern
[Bild auf Seite 33]
Das schockierende Verhalten der Christenheit ließ viele daran zweifeln, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist
[Bild auf Seite 35]
Im Ersten Weltkrieg: Diese russischen Soldaten knien vor einer Ikone nieder, bevor sie hinausziehen, um ihre „christlichen“ Glaubensbrüder zu töten
-
-
Wie glaubwürdig ist das „Alte Testament“?Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 4
Wie glaubwürdig ist das „Alte Testament“?
In diesem und den anschließenden Kapiteln wird einiges von dem erörtert, was moderne Kritiker der Bibel entgegenhalten. Manche behaupten, die Bibel widerspreche sich und sei „unwissenschaftlich“. Diese Behauptungen werden später noch aufgegriffen. Doch zunächst soll der häufige Vorwurf untersucht werden, die Bibel sei nichts anderes als eine Sammlung von Mythen und Legenden. Verfügen ihre Gegner über stichhaltige Gründe für eine solche Kritik? Zu Beginn sind die Hebräischen Schriften, das sogenannte Alte Testament, Gegenstand der Betrachtung.
1, 2. Wie verlief die Belagerung Jerichos, und welche Fragen tauchen in Verbindung damit auf?
EINE Stadt des Altertums wird belagert. Die Angreifer haben in Scharen den Jordan überschritten und lagern jetzt vor der hohen Stadtmauer. Welch eigenartige Kampftaktik sie jedoch verfolgen! Das eingedrungene Heer ist an sechs Tagen je einmal schweigend um die Stadt marschiert. Lediglich eine Gruppe von Priestern, die das Heer begleitet, hat Hörner geblasen. Jetzt, am siebten Tag, umzieht das Heer siebenmal schweigend die Stadt. Plötzlich blasen die Priester mit aller Kraft ihre Hörner. Mit einem mächtigen Schlachtruf bricht das Heer sein Schweigen, und in einer gewaltigen Staubwolke stürzt die hohe Stadtmauer ein. Die Stadt liegt schutzlos da (Josua 6:1-21).
2 So wird im Buch Josua, dem sechsten Buch der Hebräischen Schriften, der Sturz Jerichos vor fast 3 500 Jahren geschildert. Hat er sich aber wirklich so zugetragen? Viele Vertreter der höheren Kritik würden darauf voller Überzeugung mit Nein antworten.a Sie behaupten, das Buch Josua bestehe wie die vorausgehenden fünf Bücher der Bibel aus Legenden, die viele Jahrhunderte nach den angeblichen Ereignissen schriftlich niedergelegt worden seien. Die Antwort mehrerer Archäologen wäre ebenfalls ein Nein. Nach ihrer Auffassung hat es Jericho zu der Zeit, als die Israeliten das Land Kanaan betraten, möglicherweise gar nicht gegeben.
3. Warum ist es wichtig, zu klären, ob die Bibel wahre Geschichte enthält?
3 Das sind schwerwiegende Anschuldigungen. Dem Leser der Bibel fällt auf, daß ihre Lehren untrennbar mit der Geschichte verknüpft sind. Gott handelte mit wirklichen Männern, Frauen, Familien und Nationen, und seine Gebote wurden einem historischen Volk gegeben. Moderne Gelehrte, die die geschichtliche Zuverlässigkeit der Bibel anzweifeln, rufen daher auch Zweifel an der Wichtigkeit und Zuverlässigkeit ihrer Botschaft hervor. Wenn die Bibel wirklich Gottes Wort ist, dann muß sie geschichtlich zuverlässig sein und darf keine Legenden und Mythen enthalten. Haben die Kritiker Gründe für ihre Zweifel an der geschichtlichen Genauigkeit der Bibel?
Die höhere Kritik — Wie zuverlässig?
4—6. Welche zur höheren Kritik zählenden Theorien stellte Wellhausen auf?
4 Ernsthaft wurde die höhere Kritik seit dem 18./19. Jahrhundert betrieben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte der deutsche Bibelkritiker Julius Wellhausen die Theorie populär, die ersten sechs Bücher der Bibel bis einschließlich Josua seien im 5. Jahrhundert v. u. Z. geschrieben worden — also etwa tausend Jahre nach den geschilderten Ereignissen. Allerdings behauptete er, diesen Büchern lägen früher geschriebene Quellen zugrunde.1 Diese Theorie wurde 1911 in der 11. Ausgabe der Encyclopædia Britannica vertreten, wo es hieß: „Bei der Genesis handelt es sich um ein nachexilisches Werk, das aus einer nachexilischen priesterlichen Quelle (P) und aus nichtpriesterlichen früheren Quellen zusammengestellt worden ist, die sich in Sprache, Stil und religiösem Standpunkt deutlich von P unterscheiden.“
5 Wellhausen und seine Anhänger betrachteten den gesamten geschichtlichen Aufschluß im ersten Teil der Hebräischen Schriften „nicht als wahrheitsgetreue Geschichte, sondern als populäre Überlieferungen aus der Vergangenheit“.2 Die frühen Berichte hielten sie lediglich für eine Reflexion oder ein Spiegelbild der späteren Geschichte Israels. Zum Beispiel behauptete man, die Feindschaft zwischen Jakob und Esau habe in Wirklichkeit nie bestanden, sondern die Geschichte darüber spiegle lediglich die in späteren Jahren herrschende Feindschaft zwischen den Nationen Israel und Edom wider.
6 Demgemäß vertraten diese Kritiker die Auffassung, Moses habe nie das Gebot empfangen, die Bundeslade anzufertigen, und die Stiftshütte, das Zentrum israelitischer Anbetung in der Wildnis, habe nie existiert. Auch glaubten sie, das aaronische Priestertum habe, erst wenige Jahre bevor die Babylonier Jerusalem zerstörten, feste Gestalt angenommen, wobei diese Zerstörung nach ihrer Meinung Anfang des 6. Jahrhunderts v. u. Z. erfolgte.3
7, 8. Welche „Beweise“ hatte Wellhausen für seine Theorien, und waren sie stichhaltig?
7 Welche „Beweise“ hatten die Kritiker für ihre Auffassung? Die höhere Kritik behauptet, der Text der frühen Bücher der Bibel könne in verschiedene Quellen geschieden werden. Allgemein gesprochen, gehen sie grundsätzlich von der Annahme aus, jeder Vers, in dem das hebräische Wort für Gott (’elohím) allein gebraucht werde, stamme von einem bestimmten Schreiber und jeder Vers, in dem Gott mit seinem Namen, Jehova, bezeichnet werde, von einem anderen Schreiber — als ob nicht ein und derselbe Schreiber beide Ausdrücke hätte verwenden können.4
8 Auch wenn in einem Buch mehrfach über ein Ereignis berichtet wird, wertet man dies stets als Beweis dafür, daß nicht nur ein Schreiber am Werk gewesen sei, obwohl in alten semitischen Schriften ähnliche Wiederholungen anzutreffen sind. Außerdem nimmt man an, jede Änderung im Schreibstil deute auf einen anderen Schreiber hin. Aber selbst neuzeitliche Schriftsteller schreiben in bestimmten Phasen ihrer Laufbahn oder bei der Behandlung unterschiedlicher Themen häufig einen unterschiedlichen Stil.b
9—11. Welche bemerkenswerten Schwächen weist die moderne höhere Kritik auf?
9 Gibt es für die genannten Theorien irgendeinen greifbaren Beweis? Absolut nicht. Ein Kommentator bemerkte: „Die Kritik ist bestenfalls Spekulation oder ein Versuch — etwas, was leicht abgeändert werden oder sich als falsch erweisen kann und ersetzt werden muß. Sie ist eine intellektuelle Übung und all den Zweifeln und Annahmen unterworfen, wie sie derartigen Übungen anhaften.“5 Ganz besonders die an der Bibel geübte höhere Kritik ist nichts anderes als „Spekulation oder ein Versuch“.
10 Gleason L. Archer jr. zeigt eine weitere Schwäche in der Argumentation der höheren Kritik auf. Dabei handelt es sich, wie er sagt, um folgenden Umstand: „Die Wellhausen-Schule ging von der reinen Annahme aus (die sie selten zu belegen suchte), Israels Religion sei, wie jede andere, menschlichen Ursprungs und infolgedessen als Evolutionsprodukt zu werten.“6 Mit anderen Worten: Wellhausen und seine Anhänger gingen von der Annahme aus, die Bibel sei bloß Menschenwort, und auf diese Ansicht gründeten sie ihre Argumentation.
11 Bereits 1909 wurde in dem Werk The Jewish Encyclopedia auf zwei weitere Schwächen der Theorie Wellhausens hingewiesen: „Die Argumente, für die Wellhausen beinahe die Gesamtheit der zeitgenössischen Bibelkritiker eingenommen hat, beruhen auf zwei Annahmen: erstens, daß sich während der Entwicklung einer Religion der Kult immer mehr vervollkommnet; zweitens, daß ältere Quellen notwendigerweise von den früheren Entwicklungsphasen des Kults handeln. Die erste Annahme steht im Widerspruch zu dem Vorhandensein primitiver Kulturen, und die letztere findet in der Existenz von Ritualkodexen wie denen Indiens keine Stütze.“
12. Wie steht die moderne höhere Kritik im Licht der Archäologie da?
12 Gibt es eine Möglichkeit, die Theorien der höheren Kritik zu überprüfen? In The Jewish Encyclopedia heißt es weiter: „Wellhausens Ansichten beruhen fast ausschließlich auf nüchterner Analyse und bedürfen noch der Untersuchung vom Standpunkt der institutionellen Archäologie.“ Hat die Archäologie im Laufe der Jahre Wellhausens Theorien bestätigt? Das Werk The New Encyclopædia Britannica antwortet: „Die archäologische Kritik tendiert dazu, die Zuverlässigkeit der typischen historischen Einzelheiten selbst der ältesten Perioden [biblischer Geschichte] zu erhärten und die Theorie, daß die Pentateuchberichte [die Geschichtsberichte in den ersten Bibelbüchern] lediglich eine Reflexion einer viel späteren Periode seien, mit Vorbehalt aufzunehmen.“
13, 14. Warum wird die höhere Kritik Wellhausens in weiten Kreisen immer noch vertreten, obwohl sie auf schwachen Beinen steht?
13 Warum ist die höhere Kritik trotz ihrer Schwächen unter Intellektuellen heutzutage so beliebt? Weil sie von ihr hören, was sie hören wollen. Ein Gelehrter des 19. Jahrhunderts erklärte: „Ich persönlich begrüße dieses Buch Wellhausens fast mehr als alle anderen; denn das dringliche Problem der Geschichte des Alten Testaments scheint mir endlich auf eine Weise gelöst, die mit dem Prinzip der menschlichen Evolution vereinbar ist, das ich zwangsläufig auf die Geschichte aller Religion anwenden muß.“7 Offensichtlich entsprach die höhere Kritik den vorgefaßten Meinungen, die er als Evolutionist hegte. Und in Wirklichkeit dienen beide Theorien einem ähnlichen Zweck. So, wie sich durch die Evolution der Glaube an einen Schöpfer erübrigt, erübrigt sich durch Wellhausens höhere Kritik der Glaube an die göttliche Inspiration der Bibel.
14 Für Intellektuelle unseres rationalistischen 20. Jahrhunderts klingt die Behauptung, die Bibel sei nicht Gottes Wort, sondern Menschenwort, plausibel.c Zu glauben, die Prophezeiungen seien nach ihrer Erfüllung aufgezeichnet worden, fällt ihnen wesentlich leichter, als sie für echt anzunehmen. Lieber stellen sie die in der Bibel berichteten Wunder als Mythen, Legenden oder Volkssagen hin, als daß sie die Möglichkeit eines wirklichen Geschehens in Betracht ziehen. Aber ein solcher Standpunkt zeugt von Voreingenommenheit und liefert keinen stichhaltigen Grund, die Bibel nicht als wahr zu akzeptieren. Die höhere Kritik weist schwerwiegende Mängel auf, und ihr Angriff auf die Bibel hat keineswegs bewiesen, daß diese nicht das Wort Gottes ist.
Stützt die Archäologie die Bibel?
15, 16. Die Existenz welches in der Bibel erwähnten Herrschers des Altertums wurde durch die Archäologie bestätigt?
15 Als Forschungsgebiet hat die Archäologie eine weit zuverlässigere Grundlage aufzuweisen als die höhere Kritik. Archäologen haben durch ihre Grabungen in den Überresten vergangener Kulturen auf vielerlei Weise zu einem besseren Verständnis der Verhältnisse in alter Zeit beigetragen. Es überrascht somit nicht, daß die Ergebnisse der Archäologen immer wieder mit den Aussagen der Bibel übereinstimmen. Den Kritikern zum Trotz wurde die Bibel von der Archäologie sogar oftmals bestätigt.
16 Gemäß dem Buch Daniel war zum Beispiel Belsazar der letzte Herrscher in Babylon, bevor dieses Reich an die Perser fiel (Daniel 5:1-30). Da Belsazar außer in der Bibel anscheinend nirgends erwähnt wurde, behauptete man, die biblische Aussage sei falsch und der Mann habe nie gelebt. Aber im 19. Jahrhundert wurden im Südirak mehrere kleine Keilschriftzylinder entdeckt. Darauf stand unter anderem ein Gebet um Gesundheit für den ältesten Sohn Nabonids, des Königs von Babylon. Wie lautete sein Name? Belsazar.
17. Wie läßt sich erklären, daß Belsazar in der Bibel als König bezeichnet wird, in den meisten Inschriften aber als Prinz?
17 Es gab also einen Belsazar! War er aber König, als Babylon fiel? In den meisten Urkunden, die man später gefunden hat, wird er als Sohn des Königs und als Kronprinz bezeichnet. Ein Keilschrifttext, das „Strophengedicht von den Freveltaten Nabonids“, wirft Licht auf Belsazars tatsächliche Stellung. In dieser Urkunde heißt es: „Er [Nabonid] [übergab] das Feldlager dem Erbsohne, seinem Erstgeborenen, die Truppen der Länder unterstellte er dessen Befehl. Er machte seine Hände frei, übergab ihm das Königtum.“8 Belsazar empfing also das Königtum. Damit war er praktisch König.d Aus dieser Stellung Belsazars und seines Vaters, Nabonid, erklärt sich, warum Belsazar bei dem letzten Festmahl in Babylon Daniel anbot, der Dritte im Königreich zu werden (Daniel 5:16). Da Nabonid die Stellung des ersten Herrschers einnahm, war Belsazar nur der zweite Herrscher Babylons.
Weitere Bestätigungen
18. Welchen Aufschluß liefert die Archäologie als Bestätigung für den Frieden und die Wohlfahrt, die auf die Regierung Davids folgten?
18 Die historische Genauigkeit der Bibel wird tatsächlich durch viele archäologische Funde bestätigt. Zum Beispiel berichtet die Bibel davon, daß sich Israel großer Wohlfahrt erfreute, nachdem König Salomo das Königtum von seinem Vater, David, übernommen hatte. Es heißt: „Juda und Israel waren so viele wie die Sandkörner, die am Meer sind, an Menge; sie aßen und tranken und waren voll Freude“ (1. Könige 4:20). Diese Aussage wird durch folgende Feststellung gestützt: „Das archäologische Zeugnis läßt erkennen, daß es im 10. Jahrhundert v. u. Z. und danach in Juda zu einer Bevölkerungsexplosion kam, als der von David herbeigeführte Frieden und Wohlstand den Bau vieler neuer Städte ermöglichte.“10
19. Welchen zusätzlichen Aufschluß liefert die Archäologie bezüglich des Krieges zwischen Israel und Moab?
19 Israel und Juda waren später zwei Staaten. Israel nahm das Nachbarland Moab ein. Unter König Mesa erhob sich Moab gegen Israel, das sich zum Kampf gegen Moab mit Juda und dem Nachbarreich Edom verbündete (2. Könige 3:4-27). Bemerkenswerterweise entdeckte man 1868 in Jordanien eine Stele (eine gemeißelte Steinplatte), deren Inschrift in moabitischer Sprache Mesas eigenen Bericht über diese Auseinandersetzung enthält.
20. Was sagt die Archäologie über den durch die Assyrer herbeigeführten Untergang Israels?
20 Im Jahre 740 v. u. Z. ließ Gott zu, daß das rebellische Nordreich Israel von den Assyrern besiegt wurde (2. Könige 17:6-18). In bezug auf den Bibelbericht über dieses Ereignis schreibt die Archäologin Kathleen Kenyon: „Man könnte argwöhnen, daß es sich hier um eine übertriebene Schilderung handle.“ Ist dem aber so? Sie bemerkt weiter: „Das archäologische Zeugnis über den Untergang des Königreichs Israel ist fast noch eindrucksvoller als die biblische Erzählung. ... Die vollkommene Auslöschung der israelitischen Städte Samaria und Hasor und die folgende Zerstörung Megiddos sind der faktische Beweis der Archäologie, daß der Schreiber nicht übertrieben hat.“11
21. Über welche Einzelheiten der Unterwerfung Judas durch die Babylonier gibt die Archäologie Auskunft?
21 Wie die Bibel berichtet, wurde in noch späterer Zeit Jerusalem unter der Herrschaft König Jojachins von den Babyloniern belagert und eingenommen. Dieses Ereignis ist in der babylonischen Chronik festgehalten, d. h. auf einer Keilschrifttafel, die von Archäologen ausgegraben wurde. Darauf ist zu lesen: „Der König von Akkad [Babylon] ... [griff] die Stadt von Juda (Ia-a-hu-du) ... an. Am 2. Adar eroberte er die Stadt.“12 Jojachin wurde nach Babylon gebracht und dort ins Gefängnis geworfen. Doch später ließ man ihn gemäß der Bibel frei, und er erhielt eine Lebensmittelzuwendung (2. Könige 24:8-15; 25:27-30). Selbst das wird durch Aufzeichnungen bestätigt, die in Babylon gefunden wurden, in denen die für „Ia-’u-kīn, König von Ia-a-hu-du“, bestimmten Rationen aufgeführt werden.13
22, 23. Welches Verhältnis besteht im allgemeinen zwischen der Archäologie und den Geschichtsberichten der Bibel?
22 Über das Verhältnis der Archäologie zu den Geschichtsberichten der Bibel schrieb Professor David Noel Freedman: „Im allgemeinen stützt die Archäologie jedoch immer mehr die historische Gültigkeit der biblischen Erzählungen. Der weitgespannte chronologische Grundriß von den Patriarchen bis zur Zeit des N[euen] T[estaments] entspricht den archäologischen Daten. ... Künftige Entdeckungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach die gegenwärtige gemäßigte Haltung stützen, daß die biblische Tradition in der Geschichte wurzelt und getreu übermittelt worden ist, wenn es sich auch nicht um Geschichte im kritischen oder wissenschaftlichen Sinne handelt.“
23 Zu den Bemühungen der höheren Kritik, die Bibel in Mißkredit zu bringen, sagte er: „Die Versuche der Rekonstruktion biblischer Geschichte durch moderne Gelehrte — z. B. Wellhausens Ansicht, das patriarchalische Zeitalter sei ein Widerschein der geteilten Monarchie gewesen; oder die Ablehnung der Historizität Mose und des Exodus und die daraus resultierende Restrukturierung der Geschichte Israels durch Noth und seine Anhänger — haben die archäologischen Daten nicht so unbeschadet überstanden, wie dies bei den biblischen Erzählungen der Fall ist.“14
Der Sturz Jerichos
24. Welchen Aufschluß liefert uns die Bibel über den Fall Jerichos?
24 Heißt das, daß die Archäologie in jedem Fall mit der Bibel übereinstimmt? Nein, es gibt eine Anzahl von Abweichungen. Eine betrifft die zu Beginn dieses Kapitels beschriebene dramatische Einnahme Jerichos. Gemäß der Bibel war Jericho die erste Stadt, die Josua eroberte, als er die Israeliten in das Land Kanaan führte. Wie die biblische Chronologie erkennen läßt, fiel die Stadt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts v. u. Z. Nach ihrer Einnahme wurde sie vollständig niedergebrannt und blieb dann Hunderte von Jahren unbewohnt (Josua 6:1-26; 1. Könige 16:34).
25, 26. Zu welchen zwei unterschiedlichen Schlußfolgerungen sind Archäologen durch Ausgrabungen in Jericho gelangt?
25 Vor dem Zweiten Weltkrieg führte Professor John Garstang an der Stelle, wo man das frühere Jericho vermutete, Ausgrabungen durch. Nach seinen Erkenntnissen war es eine sehr alte Stadt, die mehrmals zerstört und wieder aufgebaut worden war. Garstang stellte fest, daß die Mauern bei einer der Zerstörungen wie durch ein Erdbeben eingestürzt waren, und die Stadt war vollständig niedergebrannt worden. Er vertrat die Auffassung, dies habe sich um 1400 v. u. Z. ereignet — ein Datum, das nicht allzu fern von dem Zeitpunkt liegt, den die Bibel für die durch Josua herbeigeführte Zerstörung Jerichos andeutet.15
26 Nach dem Krieg führte die Archäologin Kathleen Kenyon in Jericho weitere Ausgrabungen durch. Sie kam zu dem Schluß, die eingestürzten Mauern, die Garstang entdeckt hatte, seien Hunderte von Jahren früher zu datieren, als er gedacht habe. Sie stellte fest, daß es im 16. Jahrhundert v. u. Z. eine größere Zerstörung Jerichos gab, sagte aber, im 15. Jahrhundert — als Josua gemäß der Bibel das Land einnahm — habe es am Standort Jerichos keine Stadt gegeben. Zudem berichtete sie von möglichen Anzeichen für eine andere Zerstörung, die 1325 v. u. Z. an dieser Stelle stattgefunden haben könne, und meinte: „Wenn die Zerstörung Jerichos mit einer Invasion unter Josua in Verbindung zu bringen ist, legt die Archäologie dieses [spätere] Datum nahe.“16
27. Warum sollte man wegen Widersprüchen zwischen Archäologie und Bibel nicht allzusehr beunruhigt sein?
27 Bedeutet das, daß die Bibel etwas Falsches sagt? Nicht im geringsten. Wir dürfen nicht vergessen, daß das Fenster, durch das uns die Archäologie in die Vergangenheit schauen läßt, nicht immer sauber ist. Mitunter ist es viel zu trübe. Ein Kommentator bemerkte: „Das archäologische Zeugnis ist bedauerlicherweise fragmentarisch und daher begrenzt.“17 Das trifft besonders auf die frühen Abschnitte der israelitischen Geschichte zu, aus denen kein deutliches archäologisches Beweismaterial vorliegt. Und was Jericho angeht, ist dieses Beweismaterial zufolge der ungeheuren Erosion in diesem Gebiet noch undeutlicher.
Die Grenzen der Archäologie
28, 29. Welche Grenzen der Archäologie gestehen Gelehrte ein?
28 Archäologen gestehen selbst ein, daß ihrer Wissenschaft Grenzen gesetzt sind. Yohanan Aharoni erklärte zum Beispiel: „Wenn es zu historischen oder historisch-geographischen Interpretationen kommt, verläßt der Archäologe den Bereich exakter Wissenschaften und muß sich auf Erwägungen und Hypothesen stützen, um ein umfassendes historisches Bild zu gewinnen.“18 Zur Datierung verschiedener Funde fügte er hinzu: „Wir müssen uns daher stets vor Augen halten, daß nicht alle Datierungen absolut und daß sie in unterschiedlichem Ausmaß suspekt sind.“ Doch können seiner Ansicht nach heutige Archäologen in bezug auf ihre Datierungen zuversichtlicher sein als ihre Kollegen in der Vergangenheit.19
29 In dem Werk The World of the Old Testament wird die Frage aufgeworfen: „Wie objektiv und wirklich wissenschaftlich ist die archäologische Methode?“ Die Antwort lautet: „Archäologen sind beim Ausgraben der Fakten objektiver als bei deren Interpretation. Aber ihre menschliche Befangenheit beeinflußt auch ihre Grabungsmethoden. Es läßt sich nicht vermeiden, daß sie beim Hineingraben in die Erdschichten ihre Beweise zerstören, so daß sie ihr ‚Experiment‘ nie mehr durch eine Wiederholung überprüfen können. Das macht die Archäologie zu etwas Einmaligem unter den Wissenschaften. Aber auch die Zusammenstellung eines archäologischen Berichts wird dadurch zu einer äußerst anspruchsvollen Aufgabe voller Fallgruben.“20
30. Wie sind Erforscher der Bibel zur Archäologie eingestellt?
30 Die Archäologie kann somit sehr hilfreich sein, doch sie ist wie jedes menschliche Unterfangen nicht unfehlbar. So interessant archäologische Theorien auch sein mögen, man sollte sie doch nie als unanfechtbare Wahrheit betrachten. Wenn Archäologen ihre Funde im Widerspruch zur Bibel interpretieren, darf man nicht automatisch annehmen, die Bibel sei im Unrecht und die Archäologen seien im Recht. Ihre Interpretationen können sich bekanntlich ändern.
31. Welche Ansicht ist vor kurzem über den Sturz Jerichos geäußert worden?
31 Professor John J. Bimson befaßte sich 1981 interessanterweise erneut mit der Zerstörung Jerichos. Er stellte eingehende Untersuchungen an über die Vernichtung der Stadt durch Feuer, die — nach Kathleen Kenyon — Mitte des 16. Jahrhunderts v. u. Z. erfolgt sein soll. Wie er sagt, entspricht diese Zerstörung dem Bibelbericht über die Zerstörung der Stadt durch Josua. Aber auch das archäologische Bild als Ganzes entspreche vollkommen der biblischen Beschreibung Kanaans zur Zeit der Landnahme durch die Israeliten. Daher bezeichnet er die bisherige archäologische Datierung als falsch und sagt, daß die Zerstörung tatsächlich Mitte des 15. Jahrhunderts v. u. Z., d. h. zu Lebzeiten Josuas, erfolgte.21
Die Bibel ist geschichtlich genau
32. Welche Tendenz beobachtet man bei manchen Gelehrten?
32 Wie dieses Beispiel zeigt, widersprechen Archäologen einander häufig. Es überrascht deshalb auch nicht, daß einige von ihnen der Bibel widersprechen, während andere mit ihr übereinstimmen. Immerhin gehen manche Gelehrte dazu über, der geschichtlichen Genauigkeit der Bibel im allgemeinen — wenn nicht sogar im Detail — Achtung zu zollen. William Foxwell Albright schrieb als Vertreter einer Richtung: „Generell würdigt man wieder die Genauigkeit der Religionsgeschichte Israels, sowohl insgesamt gesehen als auch im sachlichen Detail. ... Zusammenfassend ist zu sagen, daß die Bibel von Anfang bis Ende wieder als ein authentisches Dokument der Religionsgeschichte behandelt werden darf.“22
33, 34. Inwiefern tragen die Hebräischen Schriften den Stempel geschichtlicher Genauigkeit?
33 Ja, die Bibel trägt in sich selbst den Stempel, geschichtlich genau zu sein. Die Ereignisse werden im Unterschied zu denen der meisten Mythen und Legenden aus alter Zeit mit bestimmten Zeiten und Daten in Verbindung gebracht. Viele in der Bibel berichtete Ereignisse werden durch Inschriften aus jenen Zeiten bestätigt. Wenn Angaben der Bibel von denen alter Inschriften abweichen, ist dies häufig darauf zurückzuführen, daß Herrscher des Altertums eine Abneigung hatten, über eigene Niederlagen zu berichten, und bestrebt waren, eigene Erfolge zu übertreiben.
34 Tatsächlich handelt es sich bei vielen dieser alten Inschriften eher um amtliche Propaganda als um Geschichte. Die Bibelschreiber verraten dagegen außergewöhnliche Offenheit. Berühmte Männer der alten Zeit wie Moses und Aaron werden mit all ihren Schwächen und Stärken beschrieben. Selbst die Verfehlungen des großen Königs David bleiben nicht unerwähnt. Wiederholt werden die Fehler der ganzen Nation angeprangert. Diese Offenheit empfiehlt die Hebräischen Schriften als wahr und zuverlässig und verleiht den Worten Jesu Gewicht, der im Gebet zu Gott sagte: „Dein Wort ist Wahrheit“ (Johannes 17:17).
35. Was haben rationalistische Denker nicht bewiesen, und worin sehen Erforscher der Bibel Beweise für die Inspiration der Heiligen Schrift?
35 W. F. Albright führte des weiteren aus: „Jedenfalls überragt die Bibel im Gehalt alle frühere religiöse Literatur; und in der Einfachheit und Direktheit ihrer Botschaft und der Universalität ihrer Wirkung auf Menschen aller Länder und Zeiten überragt sie ebenso eindrucksvoll alle nachfolgende Literatur.“23 Nicht das Zeugnis von Gelehrten, sondern diese überragende Botschaft beweist die Inspiration der Bibel, wie spätere Kapitel noch zeigen werden. Doch sei an dieser Stelle festgehalten: Neuzeitliche rationalistische Denker haben keineswegs bewiesen, daß die Hebräischen Schriften geschichtlich unwahr sind; vielmehr liefern diese Schriften selbst den eindeutigen Beweis ihrer Richtigkeit. Kann das auch von den Christlichen Griechischen Schriften, dem „Neuen Testament“, gesagt werden? Damit befaßt sich das folgende Kapitel.
[Fußnoten]
a Als höhere Kritik (oder ihre „historisch-kritische Methode“) bezeichnet man das Studium der Bibel, bei dem es um Einzelheiten geht wie zum Beispiel Autorschaft, verwendetes Quellenmaterial und Zeit der Zusammenstellung jedes Buches.
b Der englische Dichter John Milton schrieb zum Beispiel sein erhabenes episches Gedicht „Das verlorene Paradies“ in einem ganz anderen Stil als sein Gedicht „L’Allegro“. Und seine politischen Traktate weisen wieder einen anderen Stil auf.
c Die meisten Intellektuellen tendieren heute zum Rationalismus. Es handelt sich dabei um eine „erkenntnistheoretische Richtung, die allein das rationale Denken als Erkenntnisquelle zuläßt“, auch was religiöse Wahrheiten betrifft. Rationalisten suchen alles menschlich zu erklären, statt die Möglichkeit eines göttlichen Eingriffs in Betracht zu ziehen.
d Interessanterweise zeigt eine Statue, die in den 1970er Jahren in Nordsyrien gefunden wurde, daß es durchaus nicht unüblich war, einen Herrscher König zu nennen, der strenggenommen einen niedrigeren Titel trug. Es handelt sich um die Statue eines Herrschers aus Gosan, auf der sich eine Inschrift in Assyrisch und Aramäisch befindet. In der assyrischen Inschrift wird der Mann als Statthalter von Gosan bezeichnet, aber die Parallelinschrift in Aramäisch nennt ihn König.9 Es war daher nichts Einmaliges, wenn Belsazar in der offiziellen babylonischen Chronik als Kronprinz bezeichnet wurde, in den aramäischen Schriften Daniels aber als König.
[Herausgestellter Text auf Seite 53]
Im Gegensatz zu weltlichen Geschichtsberichten wird in der Bibel offen über die Verfehlungen geachteter Personen wie Moses und David berichtet
[Kasten auf Seite 44]
Der Wert der Archäologie
„Die Archäologie liefert Muster von alten Werkzeugen und Geräten, Mauern und Gebäuden, Waffen und Schmuckgegenständen. Das meiste davon kann chronologisch eingeordnet und mit passenden in der Bibel enthaltenen Bezeichnungen und Zusammenhängen sicher identifiziert werden. In diesem Sinn bewahrt die Bibel in schriftlicher Form genau das alte kulturelle Milieu. Die Einzelheiten biblischer Erzählungen entspringen nicht dem Einfallsreichtum eines Autors, sondern sind der authentische Widerschein der Welt, in der sich die berichteten Ereignisse — vom sachlich-nüchternen bis zum Wunder — zutrugen“ (The Archaeological Encyclopedia of the Holy Land).
[Kasten auf Seite 50]
Was die Archäologie kann und was nicht
„Die Bibel in schlüssiger Form zu bestätigen oder zu widerlegen, ist nicht Sache der Archäologie; sie hat andere, bedeutendere Aufgaben. Sie versucht, in gewissem Umfang die materielle Welt wiederzuerwecken, die von der Bibel vorausgesetzt wird. Zu wissen, aus welchem Material ein Haus gebaut war, oder wie eine ‚Hohe Stätte‘ aussah, fördert unser Verständnis des Textes erheblich. Zweitens trägt sie die historischen Fakten nach. So erzählt beispielsweise der Moabiter-Stein [Mesa-Stein] die andere Seite der in II Könige 3;4ff. geschilderten Geschichte. ... Drittens enthüllt sie uns die Lebens- und Denkweise der Nachbarn des alten Israel, was sowohl an sich von Interesse ist wie aber auch die Vorstellungswelt erhellt, in der sich das Gedankengut des alten Israel entwickelte“ (Ebla — Neu entdeckte Zivilisation im alten Orient).
[Bild auf Seite 41]
Milton schrieb in unterschiedlichen Stilarten, nicht nur in einer. Ist die höhere Kritik der Ansicht, sein Werk sei das Produkt verschiedener Schriftsteller?
[Bild auf Seite 45]
Im „Strophengedicht von den Freveltaten Nabonids“ wird davon berichtet, daß Nabonid das Königtum seinem Erstgeborenen anvertraute
[Bild auf Seite 46]
Der Mesa-Stein enthält König Mesas Schilderung des Konflikts zwischen Moab und Israel
[Bild auf Seite 47]
Amtliche Aufzeichnungen der Babylonier stützen den Bibelbericht über den Sturz Jerusalems
-
-
Das „Neue Testament“ — Geschichte oder Mythos?Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 5
Das „Neue Testament“ — Geschichte oder Mythos?
„Das Neue Testament [kann] heute als das mit Abstand bestuntersuchte Buch der Weltliteratur ... bezeichnet werden.“ Das schreibt Hans Küng in seinem Buch „Christ sein“. Und er hat recht. In den letzten 300 Jahren sind die Christlichen Griechischen Schriften mehr als untersucht worden. Sie sind gründlicher zerlegt und peinlicher analysiert worden als jedes andere literarische Werk.
1, 2 (und Einleitung). (a) Was hat man mit den Christlichen Griechischen Schriften in den vergangenen 300 Jahren getan? (b) Zu welchen seltsamen Schlußfolgerungen sind einige Forscher gelangt?
EINIGE Gelehrte sind zu seltsamen Schlußfolgerungen gelangt. Im 19. Jahrhundert erklärte Ludwig Noack, das Johannesevangelium sei im Jahre 60 u. Z. vom Lieblingsjünger Jesu geschrieben worden, bei dem es sich nach Auffassung Noacks um Judas gehandelt habe. Der Franzose Joseph Ernest Renan vertrat die Meinung, die Auferstehung des Lazarus sei wahrscheinlich ein von ihm selbst inszenierter Schwindel gewesen, durch den er Jesu Behauptung, Wunder zu wirken, stützen wollte, und der deutsche Theologe Gustav Volkmar bestand darauf, daß der historische Jesus unmöglich mit messianischen Ansprüchen aufgetreten sein konnte.1
2 Bruno Bauer wiederum kam zu der Überzeugung, Jesus habe es überhaupt nicht gegeben. „Er behauptete, die wirklichen schöpferischen Kräfte im frühen Christentum seien Philon, Seneca und die Gnostiker gewesen. Letztendlich erklärte er, einen historischen Jesus habe es nie gegeben ..., die christliche Religion sei Ende des zweiten Jahrhunderts entstanden, und zwar aus einem Judaismus, der vom Stoizismus beherrscht wurde.“2
3. Welche Ansicht über die Bibel vertreten immer noch viele?
3 Heute werden derart extreme Auffassungen nur noch von wenigen vertreten. Liest man aber die Werke moderner Gelehrter, so stößt man bei vielen immer noch auf die Ansicht, die Christlichen Griechischen Schriften enthielten Legenden, Mythen und Übertreibungen. Trifft das zu?
Wann wurden sie geschrieben?
4. (a) Warum ist die Frage von Bedeutung, wann die Bücher der Christlichen Griechischen Schriften geschrieben wurden? (b) Welche Meinungen werden bezüglich der Zeit ihrer Niederschrift vertreten?
4 Für die Entstehung von Mythen und Legenden ist Zeit erforderlich. Daher ist die Frage von Bedeutung, wann diese Bibelbücher geschrieben wurden. Michael Grant, ein Historiker, schreibt, man habe die Geschichtsberichte der Christlichen Griechischen Schriften „35 bis 70 Jahre nach dem Tode Jesu“ aufgezeichnet.4 Der Archäologe William Foxwell Albright zitiert C. C. Torrey, der folgert, „daß alle Evangelien vor 70 n. Chr. geschrieben wurden, und daß sie nichts enthalten, was nicht innerhalb der zwanzig Jahre nach Jesu Tod geschrieben sein könnte“. Albright selbst ist der Meinung, ihre Niederschrift sei „nicht später als ca. 80 n. Chr.“ vollendet gewesen. Die Schätzungen anderer unterscheiden sich davon geringfügig, doch geht man größtenteils darin einig, daß die Niederschrift des „Neuen Testaments“ Ende des ersten Jahrhunderts abgeschlossen war.
5, 6. Welche Schlußfolgerung liegt aufgrund dessen nahe, daß die Christlichen Griechischen Schriften nicht allzu lange nach den berichteten Ereignissen geschrieben wurden?
5 Was bedeutet das? Albright schlußfolgert: „Wir können höchstens sagen, daß in einem Zeitraum von 20—50 Jahren schwerlich eine ins Gewicht fallende Verderbnis des wesentlichen Inhalts und nicht einmal des spezifischen Wortlauts von Jesu Aussprüchen stattgefunden haben kann.“5 Professor Gary Habermas sagt diesbezüglich: „Die Evangelien kommen der Zeitperiode, über die sie berichten, ganz nahe, während alte Historiker häufig Ereignisse beschreiben, die Jahrhunderte früher stattfanden. Dennoch können moderne Historiker selbst aus diesen alten Zeitperioden die Ereignisse erfolgreich herleiten.“6
6 Mit anderen Worten: Die geschichtlichen Teile der Christlichen Griechischen Schriften sind zumindest ebenso glaubwürdig wie weltliche Geschichtsberichte. In den wenigen Jahrzehnten zwischen den Ereignissen des frühen Christentums und ihrer schriftlichen Fixierung verblieb zweifellos keine Zeit für die Entstehung und die allgemeine Verbreitung von Mythen und Legenden.
Das Zeugnis von Augenzeugen
7, 8. (a) Wer war noch am Leben, als die Christlichen Griechischen Schriften geschrieben wurden und in Umlauf waren? (b) Was müssen wir, dem Kommentar von Professor F. F. Bruce entsprechend, schlußfolgern?
7 Das ist ganz besonders deshalb der Fall, weil in vielen Berichten von der Bestätigung durch Augenzeugen die Rede ist. Der Schreiber des Johannesevangeliums erklärte: „Das ist der Jünger [der Jünger, den Jesus liebte], der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und der diese Dinge geschrieben hat“ (Johannes 21:24). Der Schreiber des Lukasevangeliums sagte: „... wie sie uns die überlieferten, die von Anfang an Augenzeugen und Diener der Botschaft wurden“ (Lukas 1:2). Der Apostel Paulus sagte von denen, die die Auferstehung Jesu bezeugen konnten: „[Es sind] die meisten bis jetzt am Leben geblieben ..., einige aber sind im Tod entschlafen“ (1. Korinther 15:6).
8 In diesem Zusammenhang stellt Professor F. F. Bruce scharfsinnig fest: „Es kann keineswegs so leicht gewesen sein, wie manche Schriftsteller zu denken scheinen, in jenen Jahren Worte und Taten Jesu einfach zu erfinden, da so viele seiner Jünger noch lebten, die sehr wohl wußten, was geschehen war und was nicht. ... Die Jünger konnten sich Ungenauigkeiten einfach nicht leisten, (ganz zu schweigen von bewußten Verdrehungen der Tatsachen,) weil sie sofort berichtigt worden wären von denen, die nur zu sehr auf eine solche Gelegenheit warteten. Im Gegenteil: einer der Hauptpunkte der frühen apostolischen Predigt ist das zuversichtliche Appellieren an das Wissen der Zuhörer; die Apostel sagten nicht nur: ‚Wir sind Zeugen von diesen Dingen‘, sondern ‚Wie ihr selbst auch wisset‘ (Apg. 2:22).“7
Ist der Text zuverlässig?
9, 10. Wovon können wir hinsichtlich der Christlichen Griechischen Schriften überzeugt sein?
9 Kann es sein, daß die Augenzeugenberichte genau waren, aber später verderbt wurden? Anders ausgedrückt: Wurden nach Fertigstellung der Originalschriften Mythen und Legenden hinzugefügt? Nun, wir haben bereits gesehen, daß der Text der Christlichen Griechischen Schriften besser erhalten ist als der irgendwelcher anderer alter Schriften. Kurt und Barbara Aland, Gelehrte, die sich mit dem griechischen Text der Bibel befassen, weisen darauf hin, daß etwa 5 000 Handschriften aus alter Zeit noch vorhanden sind, einige davon aus dem zweiten Jahrhundert u. Z.8 Das umfangreiche Beweismaterial insgesamt bezeugt, daß der Text im wesentlichen zuverlässig ist. Außerdem gibt es viele alte Übersetzungen (die älteste stammt ungefähr aus dem Jahr 180 u. Z.), durch die sich ebenfalls die Genauigkeit des Textes beweisen läßt.9
10 Wenn wir alles in Betracht ziehen, dürfen wir davon überzeugt sein, daß in die Christlichen Griechischen Schriften keine Legenden und Mythen einflossen, nachdem die ursprünglichen Schreiber ihre Arbeit vollendet hatten. Der Text, über den wir heute verfügen, ist im wesentlichen der gleiche, den die ursprünglichen Schreiber aufzeichneten, und seine Genauigkeit wird dadurch bestätigt, daß er damals von zeitgenössischen Christen anerkannt wurde. Läßt sich die geschichtliche Genauigkeit der Bibel aber auch durch einen Vergleich mit anderen geschichtlichen Aufzeichnungen aus alter Zeit überprüfen? Ja, bis zu einem gewissen Grad.
Der dokumentarische Beweis
11. Inwieweit werden die Geschichtsberichte der Christlichen Griechischen Schriften durch außerbiblische dokumentarische Beweise gestützt?
11 Die außerbiblischen dokumentarischen Beweise für Ereignisse im Leben Jesu und seiner Apostel sind in der Tat ziemlich begrenzt. Man darf auch nichts anderes erwarten, da es sich bei den Christen des ersten Jahrhunderts um eine verhältnismäßig kleine Gruppe handelte, die sich zudem nicht in die Politik einmischte. Was aber die weltliche Geschichte an Beweisen liefert, stimmt mit dem überein, was wir in der Bibel lesen.
12. Was erfahren wir durch Josephus über Johannes den Täufer?
12 Zum Beispiel schrieb der jüdische Historiker Josephus 93 u. Z. über eine empfindliche militärische Niederlage des Herodes Antipas: „Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Joannes’ des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den letzteren nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben.“10 Josephus bestätigt somit den Bibelbericht darüber, daß es sich bei Johannes dem Täufer um einen gerechten Mann handelte, der Reue predigte und von Herodes hingerichtet wurde (Matthäus 3:1-12; 14:11).
13. Inwiefern bestätigt Josephus, daß es sich bei Jakobus und Jesus um geschichtliche Persönlichkeiten handelte?
13 Josephus erwähnt auch Jakobus, den Halbbruder Jesu, der, wie die Bibel uns berichtet, nicht von Anfang an Jesus nachfolgte, später aber ein bekannter Ältester in Jerusalem war (Johannes 7:3-5; Galater 1:18, 19). Josephus dokumentiert die Festnahme des Jakobus mit folgenden Worten: „[Der Hohepriester Ananus] versammelte ... den hohen Rat [den Sanhedrin] zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere.“11 Mit diesen Worten bestätigt Josephus außerdem, daß es sich bei „Jesus, der Christus genannt wird“, um eine geschichtliche Persönlichkeit handelte.
14, 15. Welche Stütze des Bibelberichts liefert Tacitus?
14 Auch andere frühe Schriftsteller nehmen auf Ereignisse Bezug, die in den Griechischen Schriften erwähnt werden. In den Evangelien wird beispielsweise berichtet, daß Jesu Predigen in ganz Palästina auf großen Widerhall stieß. Als er von Pontius Pilatus zum Tod verurteilt wurde, waren seine Jünger verwirrt und mutlos. Aber schon bald danach erfüllten dieselben Jünger Jerusalem mit der Botschaft, daß ihr Herr auferweckt worden war. Innerhalb weniger Jahre verbreitete sich das Christentum im ganzen Römischen Reich (Matthäus 4:25; 26:31; 27:24-26; Apostelgeschichte 2:23, 24, 36; 5:28; 17:6).
15 Die Wahrhaftigkeit dieser Vorgänge wird von dem römischen Historiker Tacitus bezeugt, der alles andere als ein Freund des Christentums war. Kurz nach 100 u. Z. berichtet er über Neros grausame Christenverfolgung und schreibt: „Der Stifter dieser Sekte, Christus, ist unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden. Der unheilvolle Aberglaube wurde dadurch für den Augenblick unterdrückt, trat später aber wieder hervor und verbreitete sich nicht bloß in Judäa, wo er entstanden war, sondern auch in Rom.“12
16. Auf welches in der Bibel berichtete geschichtliche Ereignis bezieht sich auch Sueton?
16 In Apostelgeschichte 18:2 weist der Bibelschreiber darauf hin, daß „[der römische Kaiser] Claudius befohlen hatte, daß alle Juden aus Rom wegziehen sollten“. Sueton, ein römischer Historiker des zweiten Jahrhunderts, nimmt ebenfalls auf diese Vertreibung Bezug. In seinen Kaiserbiographien berichtet er von Claudius: „Die Juden, welche, aufgehetzt von Chrestus, fortwährend Unruhen machten, vertrieb er aus Rom.“13 Wenn mit Chrestus Jesus Christus gemeint ist und die Ereignisse in Rom ebenso abliefen wie in anderen Städten, dann kam es in Wirklichkeit nicht auf Anstiften Christi (d. h. der Nachfolger Christi) zu den Unruhen, sondern es handelte sich dabei um die gewalttätige Reaktion der Juden auf die treue Predigttätigkeit der Christen.
17. Welche Quellen, die Justinus dem Märtyrer im 2. Jahrhundert zur Verfügung standen, stützten den Bibelbericht über Jesu Wunder und seinen Tod?
17 Justinus der Märtyrer schrieb Mitte des zweiten Jahrhunderts bezüglich des Todes Jesu: „Daß das so geschehen ist, könnt ihr aus den unter Pontius Pilatus angefertigten Akten ersehen.“14 Außerdem wurden gemäß Justinus dem Märtyrer in denselben Aufzeichnungen auch Jesu Wunder erwähnt, hinsichtlich deren er sagte: „Daß er das wirklich getan hat, könnt ihr aus den unter Pontius Pilatus aufgenommenen Akten ersehen.“15 Zugegeben, diese „Akten“ oder amtlichen Aufzeichnungen existieren nicht mehr. Aber offensichtlich existierten sie im zweiten Jahrhundert, und Justinus der Märtyrer forderte seine Leser zuversichtlich auf, sie einzusehen und sich der Wahrhaftigkeit seiner Worte zu vergewissern.
Die archäologischen Beweise
18. Wie stützt die Archäologie die Tatsache, daß Pontius Pilatus gelebt hat?
18 Auch archäologische Funde klären oder bestätigen Aussagen der Griechischen Schriften. 1961 hat man beispielsweise in den Ruinen eines römischen Theaters in Cäsarea einen Stein gefunden, der als Inschrift den Namen Pontius Pilatus trug.16 Bis zu dieser Entdeckung gab es außer in der Bibel kaum irgendwelche Hinweise auf die Existenz dieses römischen Statthalters.
19, 20. Die Existenz welcher von Lukas (in Lukas und in der Apostelgeschichte) erwähnten biblischen Persönlichkeiten ist von der Archäologie bestätigt worden?
19 Im Lukasevangelium lesen wir, daß Johannes der Täufer seinen Dienst begann, „als ... Lysanias Bezirksherrscher von Abilene“ war (Lukas 3:1). Einige bezweifelten diese Aussage, weil Josephus einen Lysanias erwähnte, der in Abilene herrschte und 34 v. u. Z. starb — also lange vor der Geburt des Johannes. Archäologen legten jedoch in Abilene eine Inschrift frei, in der ein weiterer Lysanias erwähnt wird. Er war Tetrarch (Bezirksherrscher) während der Regierung des Tiberius, d. h. zu der Zeit, als dieser in Rom als Cäsar herrschte und Johannes seinen Dienst begann.17 Bei diesem Lysanias könnte es sich ohne weiteres um den von Lukas erwähnten gehandelt haben.
20 Wie wir in der Apostelgeschichte lesen, wurden Paulus und Barnabas ausgesandt, um auf Zypern Missionardienst zu verrichten. Dort fanden sie einen Prokonsul namens Sergius Paulus, einen „intelligenten Mann“ (Apostelgeschichte 13:7). Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf Zypern eine Inschrift ausgegraben, die aus dem Jahr 55 u. Z. stammt und diesen Mann erwähnt. Der Archäologe G. Ernest Wright sagt darüber: „Es ist die einzige außerbiblische Erwähnung dieses Prokonsuls und eine interessante Bestätigung dafür, daß Lukas uns seinen Namen und Titel korrekt überliefert hat.“18
21, 22. Welche in der Bibel erwähnten religiösen Praktiken sind durch archäologische Funde bestätigt worden?
21 Paulus sagte bei seinem Aufenthalt in Athen, er habe einen Altar mit der Inschrift „Einem unbekannten Gott“ gesehen (Apostelgeschichte 17:23). In mehreren Teilen des einstigen Römischen Reiches sind Altäre gefunden worden, die gemäß ihrer lateinischen Inschrift unbekannten Göttern geweiht waren. Ein in Pergamon gefundener Altar trug — wie möglicherweise auch der in Athen — eine griechische Inschrift.
22 Als Paulus später in Ephesus war, wurde ihm von Silberschmieden heftiger Widerstand geleistet, deren Einkommen aus der Herstellung von Schreinen und Bildern der Göttin Artemis stammte. Ephesus galt als die „Tempelhüterin der großen Artemis“ (Apostelgeschichte 19:35). In Übereinstimmung damit sind an der Stätte des einstigen Ephesus Terrakotta- und Marmorstatuetten der Artemis ausgegraben worden. Im vergangenen Jahrhundert wurden sogar die Überreste des riesigen Tempels freigelegt.
Der Klang der Wahrheit
23, 24. (a) Wo finden wir den stärksten Beweis für die Wahrhaftigkeit der Christlichen Griechischen Schriften? (b) Welche Eigenheit des Bibelberichts bezeugt seine Wahrhaftigkeit? Welches Beispiel könnte man anführen?
23 Geschichte und Archäologie klären somit die geschichtlichen Elemente der Griechischen Schriften und bestätigen sie in einem gewissen Ausmaß. Doch erneut sei gesagt, daß der stärkste Beweis für die Wahrhaftigkeit dieser Schriften in den Büchern selbst zu finden ist. Sie muten beim Lesen nicht wie Mythen an. Man vernimmt den Klang der Wahrheit.
24 Besonders auffallend ist ihre Offenheit. Man denke allein an das, was über Petrus berichtet wird. Sein peinliches Versagen, auf dem Wasser zu wandeln, wird in allen Einzelheiten geschildert. Dann sagte Jesus zu diesem hochgeachteten Apostel: „Tritt hinter mich, Satan!“ (Matthäus 14:28-31; 16:23). Und nachdem Petrus mit aller Entschiedenheit Jesus versichert hatte, er würde ihn niemals verlassen, selbst wenn alle anderen es täten, fiel er während seiner Nachtwache in tiefen Schlaf und verleugnete schließlich seinen Herrn dreimal (Matthäus 26:31-35, 37-45, 73-75).
25. Welche Schwächen der Apostel werden von den Bibelschreibern in aller Offenheit aufgedeckt?
25 Aber Petrus ist nicht der einzige, dessen Schwächen aufgedeckt werden. In dem freimütigen Bericht wird nicht vertuscht, daß sich die Apostel darüber stritten, wer unter ihnen der Größte sei (Matthäus 18:1; Markus 9:34; Lukas 22:24). Auch bleibt nicht unerwähnt, daß Jesus von der Mutter der Apostel Jakobus und Johannes gebeten wurde, ihren Söhnen die meistbegünstigte Stellung in seinem Königreich einzuräumen (Matthäus 20:20-23). Der „heftige Zornausbruch“, zu dem es zwischen Barnabas und Paulus kam, ist ebenfalls getreu festgehalten (Apostelgeschichte 15:36-39).
26. Welche Einzelheit in Verbindung mit der Auferstehung wäre nicht erwähnt worden, wenn sie nicht stimmte?
26 Bemerkenswerterweise wird im Lukasevangelium davon berichtet, daß „die Frauen ..., die mit ihm aus Galiläa gekommen waren“, als erste von der Auferstehung Jesu erfuhren. In der von Männern beherrschten Gesellschaft des ersten Jahrhunderts ist das ein äußerst ungewöhnlicher Hinweis. Wie es heißt, erschienen den Aposteln die Worte der Frauen tatsächlich „wie Unsinn“ (Lukas 23:55 bis 24:11). Wenn die Erzählungen in den Griechischen Schriften nicht wahr sind, müssen sie erfunden worden sein. Warum hätte jemand aber eine Geschichte erfinden sollen, in der hochgeachtete Personen in einem wenig schmeichelhaften Licht erscheinen? Diese Einzelheiten wären sicher nicht in den Bericht aufgenommen worden, wenn es sich nicht um Tatsachen gehandelt hätte.
Jesus — eine wirkliche Person
27. Welches Zeugnis stellt ein Historiker in bezug auf die Geschichtlichkeit Jesu aus?
27 Viele halten den in der Bibel beschriebenen Jesus für ein erfundenes Ideal. Aber der Historiker Michael Grant bemerkte: „Wenn wir ... an das Neue Testament, wie wir es tun sollten, die gleichen Maßstäbe anlegen wie an andere antike Schriften, die historisches Material enthalten, dann dürfen wir die Existenz Jesu nicht mehr bezweifeln als wir die Existenz einer großen Zahl heidnischer Persönlichkeiten bezweifeln können, deren Realität als historische Gestalten nie in Frage gestellt worden ist.“19
28, 29. Wieso ist es bemerkenswert, daß die vier Evangelisten ein einheitliches Bild von der Persönlichkeit Jesu zeichnen?
28 Aber nicht nur Jesu Existenz ist unbestreitbar. Auch die Schilderung seiner Persönlichkeit in der Bibel hat eindeutig den Klang der Wahrheit. Es wäre schon nicht leicht, eine ungewöhnliche Persönlichkeit zu erfinden und sie dann in einem ganzen Buch durchweg einheitlich darzustellen. Nahezu unmöglich wäre es aber für vier verschiedene Schreiber, über dieselbe Persönlichkeit zu berichten und übereinstimmend dasselbe Bild von ihr zu zeichnen, wenn diese Persönlichkeit überhaupt nicht existiert hätte. Daß es sich bei dem in allen vier Evangelien beschriebenen Jesus augenscheinlich um ein und dieselbe Person handelt, ist daher ein überzeugender Beweis für die Wahrhaftigkeit der Evangelien.
29 Michael Grant zitiert eine sehr passende Frage: „Wie ist es möglich, daß uns aus allen Evangelien das mit erstaunlicher Sicherheit gezeichnete Porträt eines attraktiven jungen Mannes entgegentritt, der sich ganz frei in der Gesellschaft aller möglichen Frauen — unter anderem auch entschieden schlecht beleumundeter — bewegt, ohne dabei eine Spur von Sentimentalität, Unnatürlichkeit oder Prüderie zu zeigen und dabei aber doch in jedem Augenblick die schlichte Integrität seines Charakters bewahrt?“20 Die Antwort darauf kann nur lauten: Ein solcher Mensch existierte und verhielt sich tatsächlich so, wie in der Bibel berichtet wird.
Warum sie nicht glauben
30, 31. Warum wird trotz aller Beweise die geschichtliche Genauigkeit der Christlichen Griechischen Schriften von vielen nicht anerkannt?
30 Da es zwingende Beweise dafür gibt, daß es sich bei den Griechischen Schriften um wahre Geschichte handelt, erhebt sich die Frage, warum einige das Gegenteil behaupten. Wie kommt es, daß manche zwar gewisse Teile als echt akzeptieren, aber nicht den gesamten Inhalt anerkennen? Der Grund besteht hauptsächlich darin, daß die Bibel über Dinge berichtet, die moderne Intellektuelle nicht glauben wollen. Die Bibel zeigt, daß Jesus sowohl Prophezeiungen erfüllte als auch Prophezeiungen äußerte. Sie berichtet auch, daß er Wunder wirkte und nach seinem Tod auferweckt wurde.
31 In unserem vom Skeptizismus geprägten 20. Jahrhundert erscheint so etwas unglaublich. In bezug auf Wunder bemerkte Professor Ezra P. Gould: „Zu e i n e m Vorbehalt fühlen sich einige Kritiker berechtigt, ... [nämlich] daß keine Wunder geschehen.“ 21 Manche räumen zwar ein, Jesus könne Heilungen bewirkt haben, doch lediglich auf psychosomatischem Wege, d. h. unter Nutzung des engen Zusammenhangs zwischen Psyche und Körper. Bei den anderen Wundern habe es sich, wie die meisten glauben, entweder um Erfindungen gehandelt oder um wirkliche Ereignisse, die jedoch entstellt geschildert worden seien.
32, 33. Wie haben einige Jesu Wunder von der Speisung der großen Menschenmenge zu erklären versucht, und warum ist diese Erklärung unlogisch?
32 Als Beispiel diene der Bericht darüber, daß Jesus mehr als 5 000 Menschen mit nur wenigen Broten und zwei Fischen speiste (Matthäus 14:14-22). Nach Auffassung von Heinrich Paulus, einem Gelehrten des 19. Jahrhunderts, war folgendes geschehen: Jesus und seine Apostel waren von einer großen Menge umgeben, die hungrig wurde. Er beschloß daher, den Reichen unter ihnen ein gutes Beispiel zu geben. Das wenige, was er und seine Apostel hatten, teilte man an diejenigen aus, die in nächster Nähe lagerten. Sogleich ahmten andere, die Proviant bei sich hatten, sein Beispiel nach und teilten auch ihren eigenen aus. Schließlich wurde die ganze Menge gespeist.22
33 Wenn sich wirklich alles so zugetragen hätte, wäre das Geschehen doch ohnehin schon ein beachtlicher Beweis für die Macht des guten Beispiels gewesen. Weshalb sollte man dann einen derart interessanten und bedeutungsvollen Bericht auch noch entstellt haben, damit er nach einem Wunder klingt? Durch die Versuche, die Wunder nicht als übernatürliche Vorgänge zu erklären, entstehen in Wirklichkeit mehr Probleme, als gelöst werden. Und bei all diesen Versuchen geht man von einer irrigen Voraussetzung aus, nämlich von der Annahme, daß keine Wunder geschehen können. Aber warum sollte das der Fall sein?
34. Wofür wäre es ein Beweis, wenn die Bibel wirklich genaue Prophezeiungen und Berichte über echte Wunder enthält?
34 An vernünftigen Maßstäben gemessen, sind sowohl die Hebräischen als auch die Griechischen Schriften geschichtlich zuverlässig, aber beide enthalten Prophezeiungen und Berichte über Wunder. (Vergleiche 2. Könige 4:42-44.) Was ist, wenn die Prophezeiungen stimmen? Und wie verhält es sich, wenn die Wunder tatsächlich geschehen sind? Dann hat Gott unleugbar hinter der Niederschrift der Bibel gestanden, und sie ist wirklich sein Wort, nicht Menschenwort. In einem späteren Kapitel wird die Frage der Prophetie erörtert, doch zunächst sind die Wunder an der Reihe. Ist es in unserem 20. Jahrhundert vernünftig, zu glauben, daß in früheren Jahrhunderten Wunder geschahen?
[Herausgestellter Text auf Seite 66]
Würde die Bibel wohl berichten, daß Frauen als erste von der Auferstehung Jesu erfuhren, wenn dies nicht wirklich geschah?
[Kasten auf Seite 56]
Die moderne Kritik zu leicht befunden
Als Beispiel dafür, wie unsicher die moderne Bibelkritik ist, mögen folgende Bemerkungen von Raymond E. Brown über das Johannesevangelium dienen: „Ende des letzten Jahrhunderts und in den frühen Jahren dieses Jahrhunderts herrschte für die Gelehrten eine Zeit extremen Skeptizismus in bezug auf dieses Evangelium. Man hat es sehr spät datiert, sogar in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts. Als ein Erzeugnis der hellenistischen Welt hielt man es für historisch völlig wertlos und dachte, es habe wenig Beziehung zum Palästina des Jesus von Nazareth ...
Kein einziger dieser Standpunkte blieb indes unberührt von einer Reihe unerwarteter archäologischer, dokumentarischer und textlicher Entdeckungen. Diese Entdeckungen haben es ermöglicht, die beinahe orthodoxen kritischen Ansichten anzufechten und zu erkennen, wie zerbrechlich die Grundlage war, auf der die äußerst skeptische Johannesanalyse ruhte. ...
Das Evangelium ist ans Ende des 1. Jahrhunderts oder sogar noch weiter zurückdatiert worden. ... Am merkwürdigsten ist vielleicht, daß einige Gelehrte sogar wieder die Vermutung wagen, Johannes, der Sohn des Zebedäus, könnte etwas mit dem Evangelium zu tun gehabt haben.“3
Warum sollte es aber merkwürdig erscheinen, zu glauben, Johannes sei der Schreiber des Buches, das ihm herkömmlicherweise zugeschrieben wird? Nur weil es nicht zu den vorgefaßten Ansichten der Kritiker paßt.
[Kasten auf Seite 70]
Nur einer von vielen Angriffen auf die Bibel
Timothy P. Weber schreibt: „Die Ergebnisse der höheren Kritik ließen viele Laien zwangsläufig an ihrer Fähigkeit zweifeln, überhaupt etwas [in der Bibel] zu verstehen. ... A. T. Pierson brachte die Frustration vieler Evangelikaler zum Ausdruck, wenn er sagte, daß ‚[die höhere Kritik] ... wie die römische Kirche dem gewöhnlichen Volk praktisch das Wort Gottes wegnimmt, indem sie behauptet, nur Gelehrte könnten es deuten; während Rom einen Priester zwischen den Menschen und das Wort stellt, setzt die Kritik einen gebildeten Ausleger zwischen den Gläubigen und seine Bibel‘.“23 Die moderne höhere Kritik hat sich somit als nichts anderes als einer von vielen Angriffen auf die Bibel entpuppt.
[Bild auf Seite 62]
Dieser Altar in Pergamon war offensichtlich „unbekannten Göttern“ geweiht
[Bild auf Seite 63]
Ruinen des einstigen herrlichen Tempels der Artemis, auf den die Epheser sehr stolz waren
[Bild auf Seite 64]
Die Bibel berichtet offen darüber, daß Petrus Jesus verleugnete
[Bild auf Seite 67]
Die Bibel berichtet offen über den „heftigen Zornausbruch“, zu dem es zwischen Paulus und Barnabas kam
[Bild auf Seite 68]
Das einheitliche Bild, das in den vier Evangelien von Jesus gezeichnet wird, ist ein zwingender Beweis für ihre Genauigkeit
[Bild auf Seite 69]
Die meisten neuzeitlichen Kritiker gehen von der Voraussetzung aus, daß keine Wunder geschehen
-
-
Sind die Wunder wirklich geschehen?Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 6
Sind die Wunder wirklich geschehen?
Man schrieb das Jahr 31 u. Z. Jesus war mit seinen Jüngern nach Nain, einer Stadt in Nordpalästina, unterwegs, als sie in der Nähe des Tores auf einen Leichenzug trafen. Bei dem Verstorbenen handelte es sich um einen jungen Mann, den einzigen Sohn seiner Mutter, die bereits Witwe und somit jetzt völlig allein war. Gemäß dem Bericht wurde Jesus „von Mitleid mit ihr bewegt, und er sprach zu ihr: ‚Hör auf zu weinen.‘ Darauf trat er hinzu und rührte die Bahre an, und die Träger standen still, und er sprach: ‚Junger Mann, ich sage dir: Steh auf!‘ Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden“ (Lukas 7:11-15).
1 (und Einleitung). (a) Welches Wunder wirkte Jesus in der Nähe von Nain? (b) Welchen Stellenwert haben Wunder in der Bibel? Glauben alle Menschen, daß sie wirklich geschehen sind?
BESTIMMT eine zu Herzen gehende Geschichte. Aber ist sie auch wahr? Vielen fällt es schwer, zu glauben, daß sich solche Dinge wirklich einmal ereignet haben. Doch Wunder sind ein wesentlicher Bestandteil des Bibelberichts. Der Bibel zu glauben bedeutet, davon überzeugt zu sein, daß Wunder geschehen sind. Tatsächlich beruht die Gesamtheit der biblischen Wahrheiten auf einem höchst bedeutsamen Wunder: der Auferstehung Jesu Christi.
Wieso einige nicht daran glauben
2, 3. Womit wollte der schottische Philosoph David Hume unter anderem beweisen, daß es keine Wunder gibt?
2 Kann man an Wunder glauben? Mancher schließt sich in unserem wissenschaftlich orientierten Zeitalter offenbar eher der Meinung an, es sei unlogisch, an Wunder zu glauben — das heißt an außergewöhnliche Ereignisse, die von übermenschlichem Eingreifen zeugen. Wenn jemand nicht an Wunder glaubt, steht er damit also keineswegs allein. Dem schottischen Philosophen David Hume ging es schon vor zweihundert Jahren so. Wahrscheinlich werden heute viele Menschen ähnliche Gründe angeben wie er, warum sie nicht daran glauben.
3 Humes Einwände gegen Wunder betrafen vor allem drei Punkte.1 Erstens erklärte er: „Ein Wunder ist eine Verletzung der Naturgesetze.“ Der Mensch verläßt sich seit undenklichen Zeiten auf diese Gesetze. Er weiß, daß ein Gegenstand, den man losläßt, zur Erde fällt, daß die Sonne morgens aufgeht und abends untergeht usw. Ihm ist bewußt, daß solche Vorgänge stets nach einem vertrauten Muster ablaufen. Es geschieht nichts, was im Widerspruch zu den Naturgesetzen steht. Hume sprach daher von einem „unmittelbaren vollen Beweis aus der Natur der Sache“ gegen die Möglichkeit von Wundern.
4, 5. Welche beiden anderen Gründe führte David Hume ins Feld, um die Möglichkeit von Wundern zu widerlegen?
4 Als weiteres Argument führte er ins Feld, daß sich Menschen leicht täuschen lassen. Einige möchten an Wunder glauben, besonders in Verbindung mit der Religion, aber viele angebliche Wunder haben sich schon als Betrug erwiesen. Sein drittes Argument war, daß Berichte über Wunder zumeist aus Zeiten der Unwissenheit stammen. Je gebildeter die Menschen seien, desto weniger werde über Wunder berichtet. Hume schrieb, daß „solche widernatürlichen Ereignisse sich in unseren Tagen niemals zutragen“. Damit war seiner Meinung nach bewiesen, daß niemals Wunder geschehen seien.
5 Bis auf den heutigen Tag stützen sich die meisten Argumente gegen Wunder auf diese allgemeinen Grundsätze. Daher möchten wir Humes Einwände einmal nacheinander prüfen.
Im Widerspruch zu den Naturgesetzen?
6. Warum ist es unlogisch, zu erklären, es gebe keine Wunder, weil sie im Widerspruch zu den Naturgesetzen stünden?
6 Was ist zu dem Einwand zu sagen, es könne keine Wunder geben, weil sie im Widerspruch zu den Naturgesetzen stünden? Oberflächlich betrachtet mag dieses Argument überzeugend klingen. Untersuchen wir jedoch, was das wirklich heißt. Im allgemeinen kann man ein Wunder als ein Geschehen definieren, das sich nicht im Rahmen der normalen Naturgesetze abspielt.a Es handelt sich um ein derart unerwartetes Ereignis, daß die Beobachter überzeugt sind, Zeuge übermenschlichen Eingreifens geworden zu sein. Humes Einwand besagt somit in Wirklichkeit: Wunder sind unmöglich, weil sie Wunder sind. Sollte man sich nicht zuerst alle Beweise ansehen, ehe man voreilig solch eine Schlußfolgerung zieht?
7, 8. (a) Wieso vertreten Wissenschaftler heute in bezug auf die uns bekannten Naturgesetze weniger dogmatische Ansichten darüber, was möglich oder unmöglich ist? (b) Was sollte jemand, der an Gott glaubt, hinsichtlich seiner Fähigkeit glauben, ungewöhnliche Dinge zu tun?
7 Tatsache ist, daß Fachleute heute im Gegensatz zu David Hume nicht unbedingt davon ausgehen, daß die vertrauten Naturgesetze überall und jederzeit gelten. Von Wissenschaftlern werden Überlegungen angestellt, ob es im Universum neben den drei bekannten Dimensionen Länge, Breite und Höhe nicht noch viele weitere gibt.2 Sie theoretisieren über die Existenz von schwarzen Löchern, kollabierten Riesensternen, deren Dichte praktisch unendlich groß ist. In ihrer Nachbarschaft soll die Struktur des Weltraums so verändert sein, daß selbst die Zeit stillsteht.3 Wissenschaftler haben sogar die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Zeit unter bestimmten Voraussetzungen rückwärts statt vorwärts laufen könnte!4
8 Stephen W. Hawking, Professor für Mathematik an der Universität Cambridge, sagte in Verbindung mit seinen Überlegungen, wie das Universum seinen Anfang nahm: „Gemäß der klassischen allgemeinen Relativitätstheorie ... muß der Anfang des Universums eine Singularität unendlicher Dichte und Raum-Zeit-Krümmung gewesen sein. Unter solchen Bedingungen würden alle bekannten Gesetze der Physik versagen.“5 Demnach würden sich moderne Wissenschaftler nicht darauf versteifen, daß etwas unmöglich ist, nur weil es im Gegensatz zu den normalen Naturgesetzen steht. Unter ungewöhnlichen Bedingungen können ungewöhnliche Dinge geschehen. Wer an einen allmächtigen Gott glaubt, wird diesem sicher die Macht zugestehen, ungewöhnliche Ereignisse — oder Wunder — geschehen zu lassen, wenn es im Interesse seiner Vorsätze liegt (2. Mose 15:6-10; Jesaja 40:13, 15).
Ist Betrug im Spiel?
9. Stimmt es, daß einige Wunder nur vorgetäuscht sind? Welche Beispiele gibt es dafür?
9 Kein vernünftiger Mensch wird leugnen, daß manche Wunder nur vorgetäuscht werden. Gewisse Personen behaupten beispielsweise, Wunderheilungen vollbringen zu können. Der Arzt William A. Nolan hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Fälle zu untersuchen. Er befaßte sich mit zahlreichen angeblichen Heilungen evangelikaler Wunderheiler in den Vereinigten Staaten und sogenannter Psychochirurgen in Asien. Das Ergebnis? Überall stieß er nur auf Enttäuschung und Betrug.6
10. Sollte man schlußfolgern, daß alle Wunder nur Betrug sind, weil einige als Betrug entlarvt wurden?
10 Beweisen solche Betrügereien, daß noch nie echte Wunder geschehen sind? Nicht unbedingt. Manchmal hört man, daß gefälschte Banknoten in Umlauf gebracht wurden, aber das bedeutet nicht, daß alles Geld gefälscht ist. Einige kranke Menschen setzen großen Glauben in Kurpfuscher und betrügerische Ärzte, durch die sie viel Geld verlieren. Daraus läßt sich jedoch nicht ableiten, daß alle Ärzte betrügerisch sind. Einige Künstler haben mit großem Geschick Gemälde von „alten Meistern“ gefälscht. Das heißt jedoch nicht, daß alle Gemälde Fälschungen sind. Ebensowenig läßt die Tatsache, daß einige angebliche Wunder eindeutig Betrug sind, darauf schließen, daß es niemals wahre Wunder geben kann.
Keine Wunder heute?
11. Wie lautete David Humes dritter Einwand gegen die Vorstellung, daß es Wunder gibt?
11 Der dritte Einwand war in den Worten zusammengefaßt, daß „solche widernatürlichen Ereignisse sich in unseren Tagen niemals zutragen“. Hume hatte kein Wunder beobachtet und wollte daher nicht glauben, daß sie jemals geschehen können. Diese Art der Schlußfolgerung ist jedoch inkonsequent. Jeder denkende Mensch muß zugeben, daß vor der Zeit des schottischen Philosophen erstaunliche Ereignisse eingetreten sind, die sich zu seinen Lebzeiten nicht wiederholt haben. Was waren das für Ereignisse?
12. Welche erstaunlichen Ereignisse, die sich in der Vergangenheit abgespielt haben, können mit den heute geltenden Naturgesetzen nicht erklärt werden?
12 Beispielsweise begann irgendwann das Leben auf der Erde. Dann traten bestimmte Formen bewußten Lebens auf. Schließlich erschien der Mensch, versehen mit Weisheit, Vorstellungsvermögen, der Fähigkeit zu lieben und der Gabe des Gewissens. Kein Wissenschaftler kann auf der Grundlage der heute geltenden Naturgesetze den Ablauf dieser erstaunlichen Ereignisse erklären. Doch die Beweise, daß es geschehen ist, sind vorhanden.
13, 14. Welche Dinge, die David Hume als etwas Widernatürliches betrachtet hätte, sind heute selbstverständlich?
13 Und wie steht es mit den erstaunlichen Dingen, die seit den Tagen David Humes geschehen sind? Nehmen wir einmal an, wir könnten die Zeit zurückdrehen und ihm von der heutigen Welt erzählen. Wie wollten wir ihm beispielsweise erklären, daß ein Geschäftsmann in Hamburg mit jemandem in Tokio, Tausende von Kilometern entfernt, sprechen kann, ohne seine Stimme anstrengen zu müssen; daß ein Fußballspiel, das in Spanien stattfindet, live in der ganzen Welt gesehen werden kann; daß Konstruktionen, die wesentlich größer sind als die Seeschiffe in Humes Tagen, von der Oberfläche der Erde abheben und fast 500 Passagiere in wenigen Stunden Tausende von Kilometern durch die Luft tragen? Können wir uns seine Antwort vorstellen? „Unmöglich! Solche widernatürlichen Ereignisse tragen sich in unseren Tagen niemals zu.“
14 Doch solche erstaunlichen Dinge geschehen in unseren Tagen. Sie sind möglich, weil der Mensch gelernt hat, durch die Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze, von denen Hume keine Vorstellung hatte, Telefone, Fernsehgeräte und Flugzeuge zu konstruieren. Ist es so schwer zu glauben, daß Gott in der Vergangenheit bei bestimmten Gelegenheiten etwas auf eine Art und Weise ablaufen ließ, die wir noch nicht verstehen und daher als Wunder bezeichnen?
Wie können wir es wissen?
15, 16. Wie nur können wir von den Wundern wissen, wenn sie wirklich geschehen sind? Wie könnte man das veranschaulichen?
15 Nur zu sagen, daß sich Wunder ereignet haben können, bedeutet natürlich noch nicht, daß sie auch geschehen sind. Wie können wir heute, im 20. Jahrhundert, wissen, ob Gott in biblischer Zeit durch seine Diener auf der Erde wirkliche Wunder gewirkt hat? Welche Art des Beweises würden wir akzeptieren? Stellen wir uns einmal einen auf primitiver Stufe lebenden Urwaldbewohner vor, den man in eine Großstadt mitgenommen hat. Wie wird er seinem Volk bei seiner Rückkehr die Errungenschaften der Zivilisation beschreiben? Er vermag nicht zu erklären, wie ein Auto funktioniert oder warum Musik aus einem Kofferradio tönt. Auch kann er keinen Computer bauen, um zu beweisen, daß es so etwas gibt. Der Betreffende kann nur das erzählen, was er gesehen hat.
16 Wir sind in derselben Lage wie die Stammesgenossen dieses Mannes. Wenn Gott wirklich Wunder gewirkt hat, können wir nur durch Augenzeugen davon erfahren. Die Augenzeugen vermögen weder zu erklären, wie die Wunder geschehen sind, noch sie zu wiederholen. Sie können uns nur berichten, was sie gesehen haben. Augenzeugen können natürlich getäuscht worden sein. Sie könnten auch ohne weiteres übertreiben oder etwas Falsches berichten. Damit ihr Zeugnis für uns glaubhaft ist, müssen wir wissen, ob diese Augenzeugen wahrheitsliebend und vertrauenswürdig sind und ob sie ihre guten Beweggründe unter Beweis gestellt haben.
Das am besten bezeugte Wunder
17. (a) Welches ist das am besten bezeugte Wunder in der Bibel? (b) Welche Umstände führten zu Jesu Tod?
17 Das am besten bezeugte Wunder in der Bibel ist die Auferstehung Jesu Christi; es kann sozusagen als Testfall herangezogen werden. Betrachten wir zunächst die überlieferten Fakten: Jesus wurde am Abend des 14. Nisan — nach unserer heutigen Wocheneinteilung am Donnerstag abend — festgenommen.b Man brachte ihn vor die Führer der Juden, die ihn der Gotteslästerung anklagten und zum Tode verurteilten. Diese Juden übergaben Jesus dann dem römischen Statthalter Pontius Pilatus, der ihrem Druck nachgab und Jesus zur Hinrichtung auslieferte. Wahrscheinlich spät am Freitag vormittag — gemäß dem jüdischen Kalender immer noch der 14. Nisan — wurde er an einen Marterpfahl geschlagen, und wenige Stunden später war er tot (Markus 14:43-65; 15:1-39).
18. Wie begann sich gemäß der Bibel der Bericht über Jesu Auferstehung zu verbreiten?
18 Nachdem ein römischer Soldat Jesus mit einem Speer in die Seite gestochen hatte, um sich zu vergewissern, daß er wirklich tot war, wurde Jesu Leichnam in eine neue Gedächtnisgruft gelegt. Der nächste Tag, der 15. Nisan (Freitag/Samstag), war ein Sabbat. Aber in der Frühe des 16. Nisan — also am Sonntag morgen — gingen einige Jünger zum Grab und fanden es leer. Bald verbreitete sich die Nachricht, daß Jesus lebend gesehen worden sei. Die anfängliche Reaktion auf diese Berichte war dieselbe, wie man sie heute auch erleben würde: Unglaube. Selbst die Apostel wollten es nicht für wahr halten. Doch als sie den lebendigen Jesus mit eigenen Augen sahen, mußten sie schließlich einsehen, daß er tatsächlich von den Toten auferstanden war (Johannes 19:31 bis 20:29; Lukas 24:11).
Das leere Grab
19—21. (a) Wie wirkten die Juden gemäß Justinus dem Märtyrer den Christen entgegen, die Jesu Auferstehung verkündigten? (b) Können wir sicher sein, daß sich Jesus am 16. Nisan nicht mehr in der Gedächtnisgruft befand?
19 Ist Jesus wirklich auferstanden, oder beruht das Ganze auf einer Lüge? Die Menschen haben sich damals wahrscheinlich gefragt, ob sich Jesu Leichnam wohl noch im Grab befand. Jesu Nachfolger hätten sicher einen schweren Stand gehabt, wenn ihre Widersacher darauf hätten hinweisen können, daß sein Leichnam immer noch in der Gedächtnisgruft lag. Die Gegner hätten damit beweisen können, daß er offensichtlich nicht auferstanden war. Es gibt jedoch keinen Bericht, daß sie das taten. Gemäß der Bibel gaben sie statt dessen den Soldaten, die das Grab bewachen sollten, Geld und forderten sie auf: „Sagt: ‚Seine Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen‘ “ (Matthäus 28:11-13). Daneben sind auch außerbiblische Beweise für dieses Vorgehen der jüdischen Führer vorhanden.
20 Etwa ein Jahrhundert nach Jesu Tod schrieb Justinus der Märtyrer ein Werk, betitelt Dialog mit dem Juden Tryphon. Darin sagt er: „[Die Juden haben] erlesene Männer ausgewählt und sie in alle Welt ausgeschickt, welche verkündeten: eine gottlose und schlimme Sekte ist durch einen gewissen Galiläer Jesus, einen Verführer, ins Leben gerufen worden; wir haben ihn gekreuzigt, aber seine Jünger haben ihn aus der Gruft, in welche er ... gelegt worden war, bei Nacht gestohlen.“7
21 Dieser Dialog mit dem Juden Tryphon wurde geschrieben, um das Christentum gegen den Judaismus zu verteidigen. Es ist somit unwahrscheinlich, daß Justinus der Märtyrer eine solche Behauptung aufgestellt hätte — nämlich, daß die Juden die Christen beschuldigten, Jesu Leichnam aus dem Grab gestohlen zu haben —, wenn eine solche Anklage nicht erhoben worden wäre. Sonst hätte man ihn ja leicht einer nachweislichen Lüge überführen können. Justinus der Märtyrer konnte dies nur sagen, wenn die Juden tatsächlich solche Boten ausgesandt hatten. Und das haben sie nur dann getan, wenn das Grab am 16. Nisan 33 u. Z. wirklich leer war und sie Jesu Leichnam darin nicht vorzeigen konnten, um zu beweisen, daß er nicht auferstanden war. Doch was war geschehen, da die Gedächtnisgruft leer war? Hatten die Jünger den Leichnam gestohlen? Oder war er auf übernatürliche Weise beseitigt worden, um zu beweisen, daß Jesus auferstanden war?
Die Schlußfolgerung des Arztes Lukas
22, 23. Welcher gebildete Mann des ersten Jahrhunderts beschäftigte sich mit der Auferstehung Jesu, und welche Informationsquellen standen ihm zur Verfügung?
22 Ein gebildeter Mann des ersten Jahrhunderts, der Arzt Lukas, stellte eine sorgfältige Untersuchung der Beweise an (Kolosser 4:14). Lukas schrieb zwei Bücher, die heute Teil der Bibel sind: Das eine ist ein Evangelium, d. h. ein Bericht über den Dienst Jesu, und das andere, das als Apostelgeschichte bezeichnet wird, erzählt die Geschichte der Ausbreitung des Christentums in den Jahren nach Jesu Tod.
23 In der Einleitung zu seinem Evangelium führt Lukas eine Reihe von Belegen an, die ihm zur Verfügung standen, auf die wir heute jedoch nicht mehr zurückgreifen können. Er erwähnt schriftliche Dokumente über Jesu Leben, die er zu Rate zog. Wie er berichtet, sprach er auch mit Personen, die Augenzeugen davon waren, wie Jesus lebte und starb, sowie davon, daß er auferstanden war. Dann sagt er: „Ich [bin] allen Dingen von Anbeginn genau nachgegangen“ (Lukas 1:1-3). Lukas stellte offensichtlich gründliche Nachforschungen an. War er ein guter Historiker?
24, 25. Was wird Lukas von vielen in bezug auf seine Qualifikation als Historiker bescheinigt?
24 Viele haben ihm das bescheinigt. Sir William Ramsay hielt im Jahre 1913 einen Vortrag über die Geschichtlichkeit der von Lukas verfaßten Werke. Zu welchem Schluß kam er? „Lukas war ein Historiker ersten Ranges; nicht nur seine Darlegungen der Tatsachen sind vertrauenswürdig; er besaß auch echtes geschichtliches Gespür.“8 In neuerer Zeit sind Fachleute zu demselben Ergebnis gekommen. In dem Werk The Living Word Commentary heißt es in der Einführung zu den Bänden über Lukas: „Lukas war sowohl Historiker (und dazu ein genauer) als auch Theologe.“
25 Wie Dr. David Gooding, ehemals Professor für alttestamentliches Griechisch in Nordirland, erklärt, war Lukas „ein Historiker des Altertums in der Tradition der Geschichtsschreiber des Alten Testaments und des Thukydides [einer der höchstgeachteten Historiker des Altertums]. Wie sie wird er sich große Mühe gegeben haben, Quellen zu untersuchen, den Stoff auszuwählen und ihn anzuordnen. ... Thukydides vereinigte diese Methode mit einer Leidenschaft für historische Genauigkeit; es besteht kein Grund zu der Annahme, daß Lukas ihm darin nachstand.“9
26. (a) Wie betrachtete Lukas die Auferstehung Jesu? (b) Was mag ihn in dieser Schlußfolgerung bestärkt haben?
26 Welche Schlußfolgerung zog dieser wirklich befähigte Mann daraus, daß das Grab Jesu am 16. Nisan leer war? Sowohl in seinem Evangelium als auch in der Apostelgeschichte berichtete er es als Tatsache, daß Jesus von den Toten auferstanden war (Lukas 24:1-52; Apostelgeschichte 1:3). Er hatte überhaupt keinen Zweifel daran. Möglicherweise wurde sein Glaube an das Wunder der Auferstehung durch seine eigenen Erfahrungen bestärkt. Wie es scheint, war er zwar kein Augenzeuge der Auferstehung, aber er berichtet aus eigener Erfahrung von Wundern, die der Apostel Paulus wirkte (Apostelgeschichte 20:7-12; 28:8, 9).
Sie sahen den auferstandenen Jesus
27. Wer behauptete unter anderem, den auferstandenen Jesus gesehen zu haben?
27 Zwei der Evangelien werden gemäß der Tradition Männern zugeschrieben, die Jesus kannten, ihn sterben sahen und bezeugten, ihn nach seiner Auferstehung gesehen zu haben. Es handelt sich um den Apostel Matthäus, einen ehemaligen Steuereinnehmer, und Johannes, den geliebten Apostel Jesu. Ein anderer Bibelschreiber, der Apostel Paulus, berichtet ebenfalls, den auferstandenen Christus gesehen zu haben. Paulus erwähnt auch noch weitere Personen mit Namen, die Jesus nach seinem Tod wieder lebendig sahen, und sagt, daß Jesus bei einer Gelegenheit „mehr als fünfhundert Brüdern“ erschienen ist (1. Korinther 15:3-8).
28. Welche Wirkung hatte die Auferstehung Jesu auf Petrus?
28 Zu den Augenzeugen, die Paulus nennt, gehört Jakobus, ein Halbbruder Jesu, der Jesus von klein auf gekannt haben muß. Ein anderer ist der Apostel Petrus, von dem der Historiker Lukas berichtet, daß er nur wenige Wochen nach Jesu Tod furchtlos Zeugnis von der Auferstehung Jesu gab (Apostelgeschichte 2:23, 24). Im ersten der beiden Briefe in der Bibel, die Petrus zugeschrieben werden, zeigt dieser, daß sein Glaube an die Auferstehung Jesu selbst viele Jahre nach diesem Ereignis für ihn immer noch eine große Kraftquelle war. Er sagt: „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, denn nach seiner großen Barmherzigkeit hat er uns eine neue Geburt zu einer lebendigen Hoffnung gegeben durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ (1. Petrus 1:3).
29. Über welche eindrucksvollen Beweise verfügen wir, auch wenn wir nicht mit den Augenzeugen sprechen können?
29 So, wie Lukas mit Menschen sprechen konnte, die gemäß eigenem Bekunden Jesus nach seinem Tod gesehen und mit ihm gesprochen hatten, können wir die Worte lesen, die einige von ihnen niederschrieben. Und wir können uns selbst ein Urteil bilden, ob diese Menschen getäuscht wurden, ob sie uns zu täuschen versuchen oder ob sie wirklich den auferstandenen Christus gesehen haben. Doch offen gesagt können sie unmöglich irregeführt worden sein; denn zu ihnen gehörten die engsten Freunde Jesu, die bis zu seinem Tod mit ihm zusammen waren. Einige waren Augenzeugen seines Todeskampfes am Marterpfahl. Sie sahen, daß Blut und Wasser aus der Speerwunde floß, die ihm der Soldat beibrachte. Wie der Soldat wußten sie genau, daß Jesus unbestreitbar tot war. Später, so sagen sie, sahen sie Jesus wieder lebendig und sprachen sogar mit ihm. Nein, sie konnten nicht getäuscht worden sein. Wollten sie mit ihrer Behauptung, daß Jesus auferstanden war, vielleicht andere täuschen? (Johannes 19:32-35; 21:4, 15-24).
30. Warum können die Augenzeugen der Auferstehung Jesu unmöglich gelogen haben?
30 Um darauf eine Antwort zu finden, brauchen wir uns nur einmal folgende Frage zu stellen: Glaubten sie selbst, was sie sagten? Das taten sie ganz gewiß. Für die Christen — diejenigen eingeschlossen, die als Augenzeugen auftraten — war die Auferstehung Jesu alles in allem die Grundlage ihres Glaubens. Der Apostel Paulus sagte: „Ist ... Christus nicht auferweckt worden, so ist unser Predigen bestimmt vergeblich, und unser Glaube ist vergeblich. ... Ist ... Christus nicht auferweckt worden, so ist euer Glaube nutzlos“ (1. Korinther 15:14, 17). Klingen so die Worte eines Mannes, der nur vorgab, den auferstandenen Christus gesehen zu haben?
31, 32. Welche Opfer brachten die ersten Christen, und wieso ist dies ein untrüglicher Beweis dafür, daß sie die Wahrheit sagten, wenn sie verkündigten, daß Jesus auferstanden war?
31 Man bedenke auch, was es in jenen Tagen bedeutete, ein Christ zu sein. Es brachte einem weder Ansehen noch Macht oder Reichtum ein. Ganz im Gegenteil. Viele der ersten Christen nahmen um ihres Glaubens willen ‘den Raub ihrer Habe mit Freuden hin’ (Hebräer 10:34). Christ zu sein bedeutete, ein Leben zu führen, das Opfer und Verfolgung mit sich brachte und nicht selten mit einem schändlichen und qualvollen Märtyrertod endete.
32 Einige Christen stammten aus wohlhabenden Familien, so zum Beispiel der Apostel Johannes, dessen Vater in Galiläa einen offensichtlich florierenden Fischereibetrieb besaß. Viele hatten gute Zukunftsaussichten, wenn man nur einmal an Paulus denkt, der ein Schüler des berühmten Rabbis Gamaliel gewesen war und sich zu der Zeit, als er das Christentum annahm, gerade in den Augen der jüdischen Führer auszuzeichnen begann (Apostelgeschichte 9:1, 2; 22:3; Galater 1:14). Doch alle kehrten dem, was die Welt bot, den Rücken, um eine Botschaft zu verbreiten, die sich auf die Tatsache stützte, daß Jesus von den Toten auferstanden war (Kolosser 1:23, 28). Hätten sie wohl solche Opfer gebracht und solche Leiden auf sich genommen, wenn sie gewußt hätten, daß es sich um eine Lüge handelte? Ganz gewiß nicht. Sie waren jedoch bereit, für eine Sache zu leiden und zu sterben, von der sie wußten, daß sie auf Wahrheit beruhte.
Es gibt wirklich Wunder
33, 34. Was kann angesichts dessen, daß die Auferstehung wirklich erfolgt ist, von den anderen Wundern in der Bibel gesagt werden?
33 Die vorliegenden Zeugenbeweise sind völlig überzeugend. Jesus ist tatsächlich am 16. Nisan 33 u. Z. von den Toten auferstanden. Und da diese Auferstehung geschehen ist, sind auch alle anderen Wunder, von denen die Bibel berichtet, möglich gewesen — Wunder, für die wir ebenfalls zuverlässige Augenzeugenberichte haben. Dieselbe Macht, die Jesus von den Toten auferweckte, befähigte Jesus, den Sohn der Witwe von Nain aufzuerwecken. Sie ermöglichte es Jesus auch, die nicht ganz so spektakulären — aber dennoch höchst erstaunlichen — Wunderheilungen zu vollbringen. Auch stand sie hinter den durch ein Wunder bewirkten Speisungen der Volksmengen und befähigte Jesus, auf dem Wasser zu wandeln (Lukas 7:11-15; Matthäus 11:4-6; 14:14-21, 23-31).
34 Daß die Bibel von Wundern berichtet, ist somit kein Grund, ihre Glaubwürdigkeit anzuzweifeln. Vielmehr ist die Tatsache, daß in biblischer Zeit Wunder geschehen sind, ein eindrucksvoller Beweis dafür, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist. Doch es gibt noch etwas anderes, was man der Bibel vorwirft. Viele behaupten, sie widerspreche sich und könne daher nicht Gottes Wort sein. Stimmt das?
[Fußnoten]
a Wir sagen „im allgemeinen“, weil einige Wunder in der Bibel möglicherweise Naturerscheinungen wie Erdbeben oder Erdrutsche eingeschlossen haben. Sie werden dennoch als Wunder betrachtet, weil sie sich genau zur richtigen Zeit und somit durch Gottes Fügung ereigneten (Josua 3:15, 16; 6:20).
b Für die Juden begann der Tag etwa um sechs Uhr abends und dauerte bis zum folgenden Abend.
[Herausgestellter Text auf Seite 81]
Die Gegner des Christentums behaupteten, die Jünger hätten Jesu Leichnam gestohlen. Wären die Christen, wenn das der Fall gewesen wäre, bereit gewesen, für einen Glauben zu sterben, der auf einer solchen Grundlage beruhte?
[Kasten auf Seite 85]
Warum geschehen heute keine Wunder mehr?
Manchmal taucht die Frage auf: „Warum geschehen heute keine solchen Wunder mehr, wie sie in der Bibel berichtet werden?“ Das ist deshalb der Fall, weil diese Wunder damals einem bestimmten Zweck dienten; heute erwartet Gott dagegen von uns, durch Glauben zu leben (Habakuk 2:2-4; Hebräer 10:37-39).
Beispielsweise dienten die Wunder, die in Moses’ Tagen geschahen, als Beglaubigungsmerkmale. Sie zeigten zum einen, daß Jehova ihn gebrauchte, und zum anderen, daß der Gesetzesbund göttlichen Ursprungs war und daß die Israeliten fortan Gottes auserwähltes Volk sein sollten (2. Mose 4:1-9, 30, 31; 5. Mose 4:33, 34).
Im ersten Jahrhundert trugen Wunder dazu bei, die Vertrauenswürdigkeit Jesu und nach ihm der jungen Christenversammlung zu bestätigen. Sie ließen erkennen, daß Jesus der verheißene Messias war, daß nach seinem Tod das fleischliche Israel als Gottes besonderes Volk durch die Christenversammlung ersetzt worden und das mosaische Gesetz somit nicht mehr bindend war (Apostelgeschichte 19:11-20; Hebräer 2:3, 4).
Nach den Tagen der Apostel war die Zeit der Wunder vorüber. Der Apostel Paulus erklärte: „Seien es ... Gaben des Prophezeiens, sie werden weggetan werden; seien es Zungen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen teilweise, und wir prophezeien teilweise; wenn aber das Vollständige gekommen ist, wird das Teilweise weggetan werden“ (1. Korinther 13:8-10).
Heute besitzen wir die vollständige Bibel, die alle Offenbarungen und den gesamten Rat Gottes enthält. Wir sehen die Erfüllung von Prophezeiungen, und wir haben ein fortschreitendes Verständnis der Vorsätze Gottes. Somit besteht keine Notwendigkeit mehr für Wunder. Doch der Geist Gottes, der die Wunder ermöglicht hat, existiert weiterhin und läßt Dinge geschehen, die einen ebenso untrüglichen Beweis für die göttliche Macht liefern. Davon wird in einem der nächsten Kapitel die Rede sein.
[Bild auf Seite 75]
Viele betrachten die Verläßlichkeit der Naturgesetze — zum Beispiel, daß die Sonne jeden Morgen aufgeht — als Beweis dafür, daß keine Wunder geschehen können
[Bild auf Seite 77]
Die Erschaffung der Erde als Heimat für lebende Geschöpfe war ein einmaliges, außergewöhnliches Ereignis
[Bilder auf Seite 78]
Wie wollte man jemandem, der vor 200 Jahren gelebt hat, die Errungenschaften der modernen Wissenschaft erklären?
-
-
Widerspricht sich die Bibel?Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 7
Widerspricht sich die Bibel?
Immer wieder wird der Vorwurf erhoben, die Bibel widerspreche sich. Im allgemeinen haben jedoch diejenigen, die das behaupten, die Bibel selbst gar nicht gelesen; sie wiederholen lediglich das, was sie von anderen gehört haben. Einige sind jedoch beunruhigt über Passagen, die echte Widersprüche zu enthalten scheinen.
1, 2 (und Einleitung). (a) Was wird der Bibel oft vorgeworfen? (b) Was sollte man beim Vergleich verschiedener Bibelstellen berücksichtigen? (c) Was könnte der Grund dafür sein, daß die Berichte zweier Bibelschreiber über dasselbe Ereignis manchmal voneinander abweichen?
WENN die Bibel wirklich das Wort Gottes ist, muß sie ein einheitliches Werk ohne Widersprüche sein. Wie ist es dann aber zu erklären, daß gewisse Passagen anderen zu widersprechen scheinen? In Verbindung mit der Beantwortung dieser Frage muß berücksichtigt werden, daß die Bibel, obwohl sie Gottes Wort ist, über einen Zeitraum von Hunderten von Jahren von einer ganzen Reihe von Menschen geschrieben wurde. Diese Schreiber waren verschiedener Herkunft, hatten jeder einen anderen Schreibstil und verfügten über ungleiche Gaben; sämtliche Unterschiede spiegeln sich auch in den Schriften wider.
2 Wenn außerdem zwei oder mehr Schreiber über dieselbe Begebenheit berichten, mag der eine Einzelheiten festhalten, die der andere unerwähnt läßt. Hinzu kommt, daß jeder Schreiber den Stoff auf andere Weise darlegt. Dieser schreibt alles in chronologischer Reihenfolge auf, während jener es nach ganz anderen Gesichtspunkten anordnet. Im vorliegenden Kapitel werden einige angebliche Widersprüche der Bibel herausgegriffen, um zu zeigen, wie sie unter Berücksichtigung der obengenannten Punkte miteinander in Einklang gebracht werden können.
Unabhängige Zeugen
3, 4. Welcher auffallende Unterschied besteht zwischen den Berichten von Matthäus und Lukas in bezug auf den Offizier, dessen Sklave krank war, und wie können sie miteinander in Einklang gebracht werden?
3 Manchmal tauchen „Widersprüche“ auf, wenn zwei oder mehr Berichte über dasselbe Ereignis vorliegen. So lesen wir beispielsweise in Matthäus 8:5, daß, als Jesus nach Kapernaum kam, „ein Offizier an ihn heran[trat]“ und ihn bat, seinen Sklaven zu heilen. Gemäß Lukas 7:3 sandte dieser Offizier dagegen „ältere Männer der Juden zu ihm, um ihn zu bitten, daß er komme und seinen Sklaven sicher durchbringe“. Sprach der Offizier nun selbst mit Jesus, oder ließ er die älteren Männer an seiner Stelle gehen?
4 Die Antwort lautet natürlich, daß er die älteren Männer der Juden schickte. Warum schrieb aber Matthäus, daß sich der Offizier selbst an Jesus gewandt habe? Weil diese Bitte eigentlich von ihm kam und er sie lediglich durch die jüdischen Ältesten an Jesus richtete. Die Ältesten dienten dabei nur als Mittelsmänner.
5. Warum wird in der Bibel gesagt, Salomo habe den Tempel gebaut, obwohl die eigentliche Arbeit eindeutig von anderen verrichtet wurde?
5 Als Veranschaulichung dafür diene das, was wir in 2. Chronika 3:1 lesen: „Schließlich fing Salomo an, das Haus Jehovas in Jerusalem ... zu bauen.“ Später heißt es: „So beendete Salomo das Haus Jehovas“ (2. Chronika 7:11). Führte Salomo die Errichtung des Tempels von Anfang bis Ende tatsächlich selbst aus? Natürlich nicht. Die eigentlichen Bauarbeiten wurden von einer großen Zahl von Handwerkern und Arbeitern verrichtet. Salomo war allerdings der Organisator des Werkes, er war dafür verantwortlich. Daher sagt die Bibel, daß er das Haus gebaut habe. In gleicher Weise erfahren wir aus dem Evangelium des Matthäus lediglich, daß der Offizier an Jesus herantrat. Lukas geht auf weitere Einzelheiten ein und zeigt, daß er sich durch die jüdischen Ältesten an ihn wandte.
6, 7. Wie lassen sich die beiden unterschiedlichen Evangelienberichte über die Bitte der Söhne des Zebedäus miteinander in Einklang bringen?
6 Ein ähnliches Beispiel finden wir in Matthäus 20:20, 21, wo es heißt: „Dann näherte sich ihm [Jesus] die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen, huldigte ihm und erbat sich etwas von ihm.“ Sie bat um die begünstigtesten Stellungen für ihre Söhne, wenn Jesus in sein Königreich käme. In dem Bericht, den Markus von dieser Begebenheit gibt, lesen wir: „Jakobus und Johannes, die beiden Söhne des Zebedäus, traten an ihn [Jesus] heran und sagten zu ihm: ‚Lehrer, wir möchten, daß du für uns tust, was immer wir von dir erbitten.‘ “ (Markus 10:35-37). Wer trug Jesus diese Bitte vor — die beiden Söhne des Zebedäus oder deren Mutter?
7 Es waren, wie Markus erklärt, eindeutig die beiden Söhne des Zebedäus, die sich dies erbaten. Aber sie taten es durch ihre Mutter. Sie ließen sie für sich sprechen. Das wird auch durch den Bericht des Matthäus gestützt, wo es heißt, daß die anderen Apostel, als sie hörten, was die Mutter der Söhne des Zebedäus getan hatte, nicht über die Mutter, sondern „über die beiden Brüder“ unwillig wurden (Matthäus 20:24).
8. Wieso können zwei unterschiedliche Berichte über dasselbe Ereignis voneinander abweichen und dennoch beide wahr sein?
8 Wer hat nicht schon einmal zwei Menschen zugehört, die beide dieselbe Begebenheit beschrieben? Dabei konnte man feststellen, daß jeder die Details hervorhob, die ihn beeindruckt hatten. Der eine ließ womöglich Dinge aus, die der andere erzählte. Beide sagten jedoch die Wahrheit. Genauso verhält es sich mit den vier Evangelienberichten über Jesu Wirken sowie mit anderen geschichtlichen Ereignissen, die von mehreren Bibelschreibern aufgezeichnet wurden. Jeder dieser Schreiber hielt genaue Informationen fest, auch wenn der eine Einzelheiten beschrieb, die der andere überging. Durch die Betrachtung aller Berichte kann man sich ein vollständigeres Bild davon machen, was geschah. Solche Varianten beweisen außerdem, daß die biblischen Berichte unabhängig voneinander entstanden sind. Und ihre wesentliche Übereinstimmung zeigt, daß sie wahr sind.
Den Kontext in Betracht ziehen
9, 10. Wie läßt der Zusammenhang erkennen, woher Kain seine Frau nahm?
9 Oft können scheinbare Widersprüche allein schon dadurch gelöst werden, daß man den Kontext in Betracht zieht. Nehmen wir beispielsweise die oft gestellte Frage nach Kains Frau. In 1. Mose 4:1, 2 lesen wir: „Im Laufe der Zeit gebar sie [Eva] Kain und sagte: ‚Ich habe mit der Hilfe Jehovas einen Mann hervorgebracht.‘ Später gebar sie wieder, nämlich seinen Bruder Abel.“ Bekanntlich wurde Abel von Kain getötet; anschließend ist jedoch davon die Rede, daß Kain eine Frau und Kinder hatte (1. Mose 4:17). Doch woher nahm Kain seine Frau, wenn Adam und Eva nur zwei Söhne hatten?
10 Die Lösung ist, daß es noch mehr Kinder Adams und Evas gab. Wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, hatten sie eine große Familie. In 1. Mose 5:3 heißt es, daß Adam Vater eines weiteren Sohnes namens Seth wurde, und aus dem folgenden Vers erfahren wir über Adam: „Er [wurde] der Vater von Söhnen und Töchtern“ (1. Mose 5:4). Somit wird Kain eine seiner Schwestern oder eine Nichte geheiratet haben. In der Frühzeit der Menschheitsgeschichte, als man der Vollkommenheit noch näher war, bargen solche Heiraten offensichtlich nicht die Risiken für die Nachkommen, die heute eine solche Verbindung hat.
11. Auf welchen angeblichen Widerspruch zwischen Jakobus und dem Apostel Paulus weisen einige hin?
11 Eine Betrachtung des Zusammenhangs kann uns auch helfen, einen angeblichen Widerspruch zwischen dem Apostel Paulus und Jakobus aufzuklären. In Epheser 2:8, 9 weist Paulus darauf hin, daß Christen durch Glauben, nicht durch Werke gerettet werden. Er sagt: „Durch Glauben [seid ihr] gerettet worden; ... es ist nicht Werken zu verdanken.“ Jakobus besteht dagegen auf der Wichtigkeit von Werken. Wir lesen: „Wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot“ (Jakobus 2:26). Wie können die beiden Aussagen miteinander in Einklang gebracht werden?
12, 13. Inwiefern sind die Worte des Jakobus eine Ergänzung des von Paulus Gesagten, statt ihm zu widersprechen?
12 Betrachtet man den Kontext des von Paulus Gesagten, erkennt man, daß beide Aussagen sich in Wirklichkeit ergänzen. Der Apostel Paulus bezog sich nämlich auf die Bemühungen der Juden, das mosaische Gesetz zu halten. Sie glaubten, gerecht zu sein, wenn sie das Gesetz in allen Einzelheiten befolgten. Paulus wies jedoch darauf hin, daß dies unmöglich war. Wir können durch unsere Werke niemals Gerechtigkeit erlangen — und dadurch die Rettung verdienen —, da wir die Sündhaftigkeit ererbt haben. Nur der Glaube an das Loskaufsopfer Jesu kann uns retten (Römer 5:18).
13 Jakobus fügt seinerseits noch den wichtigen Grundsatz hinzu, daß der Glaube allein wertlos ist, wenn er nicht von Werken unterstützt wird. Jemand, der behauptet, Glauben an Jesus zu haben, muß dies auch durch sein Tun beweisen. Ein untätiger Glaube ist ein toter Glaube, der nicht zur Rettung führt.
14. Durch welche Äußerungen zeigte Paulus seine volle Übereinstimmung mit dem Grundsatz, daß sich ein lebendiger Glaube durch Werke offenbart?
14 Der Apostel Paulus stimmte völlig damit überein, denn er erwähnte oft, welche Werke Christen hervorbringen müßten, um ihren Glauben zu zeigen. So schrieb er beispielsweise an die Römer: „Mit dem Herzen übt man Glauben zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber legt man eine öffentliche Erklärung ab zur Rettung.“ Eine „öffentliche Erklärung“ abzulegen — d. h., mit anderen über seinen Glauben zu sprechen — ist für die Rettung unerläßlich (Römer 10:10; siehe auch 1. Korinther 15:58; Epheser 5:15, 21-33; 6:15; 1. Timotheus 4:16; 2. Timotheus 4:5; Hebräer 10:23-25). Doch kein Christ kann sich durch Werke — und schon gar nicht durch das Bemühen, das mosaische Gesetz zu halten — das Recht auf ewiges Leben verdienen. Das ewige Leben ist eine „Gabe ..., die Gott [denen] gibt“, die Glauben ausüben (Römer 6:23; Johannes 3:16).
Unterschiedliche Standpunkte
15, 16. Wieso haben sowohl Moses als auch Josua recht, obwohl der eine das Gebiet östlich des Jordan als „diesseits“, der andere dagegen als „jenseits“ des Flusses bezeichnet?
15 Manchmal berichteten Bibelschreiber aus unterschiedlichen Blickwinkeln über dasselbe Ereignis, oder sie wählten verschiedene Darlegungsformen für ihren Bericht. Wenn man diese Unterschiede in Betracht zieht, lassen sich weitere scheinbare Widersprüche leicht klären. Ein Beispiel dafür ist 4. Mose 35:14, wo Moses das Gebiet östlich des Jordan als „diesseits des Jordan“ bezeichnet. Bei Josua liegt dieses Land dagegen „jenseits des Jordan“ (Josua 22:4). Welche Angabe stimmt?
16 Tatsächlich sind beide korrekt. Gemäß dem Bericht in 4. Mose hatten die Israeliten den Jordan noch nicht überschritten und standen noch vor dem Einzug in das Land der Verheißung, so daß das Gebiet östlich des Jordan für sie „diesseits“ war. Josua hatte im Gegensatz dazu den Jordan bereits überquert. Er befand sich nun natürlich westlich des Flusses im Land Kanaan. Für ihn lag das besagte Gebiet „jenseits“ des Flusses.
17. (a) Auf welchen angeblichen Widerspruch in den beiden ersten Kapiteln von 1. Mose machen einige aufmerksam? (b) Was ist der eigentliche Grund für den vermeintlichen Widerspruch?
17 Auch die Art und Weise, wie eine Darlegung aufgebaut ist, kann zu einem vermeintlichen Widerspruch führen. In 1. Mose 1:24-26 zeigt die Bibel, daß die Tiere vor dem Menschen erschaffen wurden. Aber aus 1. Mose 2:7, 19, 20 scheint hervorzugehen, daß der Mensch vor den Tieren erschaffen wurde. Warum diese Abweichung? Weil in den beiden Berichten die Schöpfung von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet wird. Im ersten wird die Erschaffung der Himmel und der Erde mit allem, was sich darauf befindet, beschrieben (1. Mose 1:1 bis 2:4). Der zweite konzentriert sich auf die Erschaffung des Menschen und den Sündenfall (1. Mose 2:5 bis 4:26).
18. Wie lassen sich die anscheinenden Widersprüche zwischen den beiden Schöpfungsberichten in den ersten Kapiteln von 1. Mose klären?
18 Außerdem ist der erste Bericht chronologisch angeordnet, aufgeteilt in sechs aufeinanderfolgende „Tage“; der zweite ist dagegen in der Reihenfolge der thematischen Wichtigkeit aufgezeichnet. Aus diesem Grund wird nach einer kurzen Einleitung direkt zur Erschaffung Adams übergegangen, da dieser und seine Angehörigen die Hauptpersonen des nun Folgenden sind (1. Mose 2:7). Weitere Informationen werden bei Bedarf hinzugefügt. Wir erfahren, daß Adam nach seiner Erschaffung in einem Garten in Eden leben sollte. Daher wird jetzt das Bepflanzen des Gartens Eden erwähnt (1. Mose 2:8, 9, 15). Jehova beauftragt Adam, ‘jedem wildlebenden Tier des Feldes und jedem fliegenden Geschöpf der Himmel’ einen Namen zu geben. Deshalb ist es nun an der Zeit, zu erwähnen, daß „Jehova Gott ... aus dem Erdboden“ all diese Geschöpfe bildete, obwohl sie schon lange vor Adam erschaffen wurden (1. Mose 2:19; 1:20, 24, 26).
Den Bericht genau lesen
19. Welche scheinbare Unklarheit enthält der Bibelbericht über die Einnahme Jerusalems?
19 Manchmal genügt es auch schon, den Bericht genau zu lesen und die dargebotenen Informationen logisch zu durchdenken, um scheinbare Widersprüche aufzulösen. Das ist beispielsweise bei den Aufzeichnungen über die Einnahme Jerusalems durch die Israeliten der Fall. Jerusalem wird zwar als Teil des Erbes Benjamins aufgeführt, doch wie zu lesen ist, war dieser Stamm nicht in der Lage, die Stadt zu besiegen (Josua 18:28; Richter 1:21). Dann wird auch gesagt, daß Juda Jerusalem nicht einnehmen konnte — als hätte die Stadt zum Erbteil dieses Stammes gehört. Schließlich eroberte Juda Jerusalem und verbrannte es mit Feuer (Josua 15:63; Richter 1:8). Hunderte von Jahren später wird von einer Einnahme der Stadt durch David berichtet (2. Samuel 5:5-9).
20, 21. Welche geschichtlichen Tatsachen offenbart eine sorgfältige Untersuchung aller sachdienlichen Einzelheiten der Einnahme Jerusalems durch die Hebräer?
20 Auf den ersten Blick mag das alles sehr verwirrend klingen, aber in Wirklichkeit liegen hier keinerlei Widersprüche vor. Die Grenze zwischen den Erbteilen Benjamins und Judas verlief nämlich im Hinnomtal, also mitten durch die alte Stadt Jerusalem hindurch. Was später die Stadt Davids genannt wurde, lag eigentlich im Gebiet Benjamins, wie aus Josua 18:28 hervorgeht. Aber wahrscheinlich erstreckte sich die Jebusiterstadt Jerusalem über das Hinnomtal hinaus und ragte in das Gebiet von Juda hinein, so daß auch Juda Krieg gegen die kanaanitischen Bewohner führen mußte.
21 Benjamin konnte die Stadt nicht bezwingen. Doch bei einer Gelegenheit erstürmte Juda die Stadt und verbrannte sie (Richter 1:8, 9). Aber offenbar zogen die Streitkräfte Judas weiter, und einige der ursprünglichen Bewohner nahmen die Stadt wieder in Besitz. Später entstand dort ein Widerstandsnest, das weder von Juda noch von Benjamin zerschlagen werden konnte. So blieben die Jebusiter in Jerusalem, bis David die Stadt Hunderte von Jahren später eroberte.
22, 23. Wer trug Jesu Marterpfahl zur Hinrichtungsstätte?
22 Wenden wir uns einem zweiten Beispiel aus den Evangelien zu. In Verbindung damit, daß Jesus zu seiner Hinrichtung abgeführt wurde, berichtet Johannes: „Selbst den Marterpfahl tragend, ging er hinaus“ (Johannes 19:17). Lukas sagt dagegen: „Als sie ihn nun abführten, ergriffen sie Simon, einen von Kyrene Gebürtigen, der vom Lande kam, und sie legten den Marterpfahl auf ihn, damit er ihn hinter Jesus hertrage“ (Lukas 23:26). Trug Jesus das Hinrichtungswerkzeug nun selbst, oder tat Simon es für ihn?
23 Anfangs schleppte Jesus offensichtlich seinen eigenen Marterpfahl, wie es Johannes beschreibt. Unterwegs wurde jedoch, wie Matthäus, Markus und Lukas berichten, Simon von Kyrene gezwungen, Jesus den Pfahl für den Rest des Weges bis zur Hinrichtungsstätte abzunehmen.
Beweis für die Unabhängigkeit
24. Warum sollte man nicht überrascht sein, in der Bibel einige scheinbare Widersprüche zu finden, aber was sollte man nicht daraus schließen?
24 Es stimmt, daß die Bibel einige augenscheinliche Abweichungen enthält, die nur schwer zu klären sind. Aber man sollte nicht davon ausgehen, daß es sich dabei um eindeutige Widersprüche handelt. Oft sind sie lediglich auf fehlende Informationen zurückzuführen. Die Bibel gibt ausreichenden Aufschluß, um unsere geistigen Bedürfnisse zu befriedigen. Aber wenn sie uns sämtliche Einzelheiten zu jedem erwähnten Ereignis liefern sollte, wäre sie eine umfangreiche und unhandliche Sammlung von Büchern statt des handlichen Buchs, das wir heute jederzeit bei uns haben können.
25. Was sagt Johannes in bezug auf den Bericht über Jesu Wirken, und inwiefern hilft uns das, zu verstehen, warum die Bibel nicht jede Einzelheit eines Geschehens erwähnt?
25 Der Apostel Johannes schrieb in bezug auf Jesu Dienst, wobei er in durchaus zu rechtfertigender Weise übertrieb: „Es gibt tatsächlich noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wenn diese jemals bis in alle Einzelheiten aufgeschrieben würden, so könnte — denke ich — selbst die Welt die geschriebenen Buchrollen nicht fassen“ (Johannes 21:25). Es wäre erst recht unmöglich, alle Einzelheiten der langen Geschichte des Volkes Gottes von den Patriarchen bis zur Christenversammlung des ersten Jahrhunderts zu berichten.
26. Die Bibel enthält ausreichend Informationen, um uns in bezug auf welche wichtige Tatsache Gewißheit zu geben?
26 Die Bibel ist tatsächlich ein Wunder an Bündigkeit. Sie enthält genügend Informationen, um uns erkennen zu lassen, daß sie weit mehr ist als bloßes Menschenwerk. Die Varianten, die sie enthält, beweisen, daß die Schreiber wirklich unabhängige Zeugen waren. Andererseits zeigt die erstaunliche Einheitlichkeit der Bibel — mit der wir uns in einem anderen Kapitel noch näher beschäftigen werden —, daß sie zweifellos göttlichen Ursprungs ist. Sie ist Gottes Wort und nicht Menschenwort.
[Herausgestellter Text auf Seite 89]
Scheinbare Widersprüche in der Bibel beweisen, daß die Schreiber tatsächlich unabhängige Zeugen waren
[Herausgestellter Text auf Seite 91]
Eine Betrachtung des Zusammenhangs hilft oft, scheinbare Widersprüche zu klären
[Kasten auf Seite 93]
„Unstimmigkeiten“ müssen keine Widersprüche sein
Der Theologe Kenneth S. Kantzer schrieb: „Vor einiger Zeit starb die Mutter eines lieben Freundes. Zuerst erfuhren wir durch einen vertrauenswürdigen gemeinsamen Freund von ihrem Tod. Er berichtete, daß die Mutter unseres Freundes an einer Straßenecke stand und auf den Bus wartete, als sie von einem vorbeifahrenden Bus erfaßt wurde. Sie erlitt lebensgefährliche Verletzungen und starb wenige Minuten später.
Bald darauf hörten wir jedoch von einem Enkel der Toten, daß sie bei einem Zusammenstoß zweier Fahrzeuge aus dem Auto herausgeschleudert wurde und auf der Stelle tot war. Der Junge war sich dessen ganz sicher.
Später ... versuchten wir, die Sache zu klären. Man erzählte uns, daß die Großmutter, als sie auf den Bus wartete, von einem anderen Bus angefahren und schwer verletzt wurde. Ein Autofahrer nahm sie daraufhin mit, um sie so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu bringen, stieß jedoch in der Eile mit einem anderen Fahrzeug zusammen. Die Großmutter wurde aus dem Auto geschleudert und war auf der Stelle tot.“
Das zeigt, daß zwei oder mehr Berichte über dieselbe Begebenheit wahr sein können, auch wenn sie scheinbar nicht übereinstimmen. Gleiches trifft manchmal auch auf die Bibel zu. Verschiedene Zeugen mögen unterschiedliche Einzelheiten desselben Ereignisses beschreiben. Statt sich zu widersprechen, ergänzen sich ihre Aufzeichnungen, und wenn wir alle Berichte in Betracht ziehen, erhalten wir ein besseres Verständnis darüber, was tatsächlich geschehen ist.
-
-
Hat die Wissenschaft die Bibel widerlegt?Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 8
Hat die Wissenschaft die Bibel widerlegt?
Im Jahre 1613 veröffentlichte der italienische Gelehrte Galileo Galilei das Werk „Sternenbotschaft“. Darin führte er den Nachweis, daß sich die Erde um die Sonne dreht und nicht die Sonne um die Erde. Seine Ausführungen setzten eine Reihe von Ereignissen in Gang, die ihn bei der katholischen Inquisition in den „vehementen Verdacht der Häresie“ geraten ließen. Er wurde schließlich gezwungen zu „widerrufen“. Weshalb wurde die Vorstellung, daß die Erde die Sonne umkreist, als Häresie betrachtet? Weil die Ankläger Galileis behaupteten, dies widerspreche dem, was die Bibel sagt.
1 (und Einleitung). (a) Was löste Galilei mit seiner Ansicht aus, die Erde drehe sich um die Sonne? (b) Was stellt man fest, wenn man die Bibel mit der modernen Wissenschaft vergleicht, obwohl sie kein wissenschaftliches Lehrbuch ist?
HEUTE ist die Ansicht weit verbreitet, die Bibel sei unwissenschaftlich, und manche führen das, was Galilei erlebte, als Beweis dafür an. Doch ist das tatsächlich der Fall? In Verbindung mit der Beantwortung dieser Frage ist zu bedenken, daß die Bibel ein Buch ist, das Prophezeiungen, Geschichte, Gebete, Gesetze, Rat und Erkenntnis über Gott enthält. Sie nimmt keineswegs in Anspruch, ein wissenschaftliches Lehrbuch zu sein. Dennoch ist die Bibel, wenn sie wissenschaftliche Fragen berührt, absolut zuverlässig.
Unser Planet Erde
2. Was sagt die Bibel darüber, wie die Erde im Weltraum gehalten wird?
2 Sehen wir uns einmal an, was die Bibel über unseren Planeten, die Erde, sagt. Im Buch Hiob lesen wir: „[Gott] spannt den Norden aus über dem leeren Raum, hängt die Erde auf an nichts“ (Hiob 26:7). Jesaja äußerte folgendes: „Da ist EINER, der über dem Kreis der Erde wohnt“ (Jesaja 40:22). Das Bild von einer runden Erde, die „über dem leeren Raum“ ‘an nichts hängt’, erinnert sehr an die Fotografien, die die Astronauten von der im Weltraum schwebenden Erdkugel gemacht haben.
3, 4. Was ist der Wasserkreislauf der Erde, und was wird in der Bibel darüber gesagt?
3 Als nächstes wollen wir uns dem erstaunlichen Wasserkreislauf zuwenden. In Compton’s Encyclopedia wird dieser Vorgang wie folgt beschrieben: „Wasser ... verdunstet von der Oberfläche der Ozeane in die Atmosphäre ... Ständige Luftströmungen in der Erdatmosphäre tragen die feuchte Luft über Landgebiete. Wenn sich die Luft abkühlt, kondensiert der Dampf und bildet Wassertröpfchen. Diese werden gewöhnlich in Form von Wolken sichtbar. Häufig vereinigen sich diese Tröpfchen dann zu Regentropfen. Herrschen in der Atmosphäre entsprechend niedrige Temperaturen, bilden sich an Stelle der Regentropfen Schneeflocken. In jedem Fall fällt das Wasser, das vom Meer Hunderte oder sogar Tausende von Kilometern zurückgelegt hat, wieder auf die Erdoberfläche. Dort sammelt es sich in Flüssen oder versickert im Erdboden und tritt seine Reise zurück ins Meer an.“1
4 Dieser wunderbare Vorgang, der das Leben auf dem trockenen Land überhaupt erst ermöglicht, wurde in der Bibel bereits vor etwa 3 000 Jahren mit einfachen Worten beschrieben: „Alle Flüsse fließen ins Meer, das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, kehren sie zurück, um wieder zu entspringen“ (Prediger 1:7, Einheitsübersetzung).
5. Wieso sind die Äußerungen des Psalmisten über die Geschichte der Berge heute so bemerkenswert?
5 Vielleicht noch bemerkenswerter ist der Aufschluß, den die Bibel über die Geschichte der Berge gibt. Folgende Aussage findet sich in einem Fachbuch für Geologie: „Seit Urzeiten besteht der immer wiederkehrende Prozeß der Entstehung und Zerstörung von Bergen. ... Berge sind nicht nur auf dem Boden verschwundener Meere entstanden, sondern häufig sind sie auch lange nach ihrer Entstehung überschwemmt und dann wieder emporgehoben worden.“2 Man vergleiche dies mit folgenden poetischen Worten des Psalmisten: „Mit einer Wassertiefe gleich einem Gewand bedecktest du sie [die Erde]. Über den Bergen selbst standen die Wasser. Dann hoben sich Berge, Talebenen senkten sich — an den Ort, den du für sie gegründet hast“ (Psalm 104:6, 8).
„Im Anfang“
6. Welche Aussage der Bibel stimmt mit gegenwärtigen wissenschaftlichen Theorien über den Ursprung des Universums überein?
6 Der erste Vers der Bibel lautet: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mose 1:1). Aufgrund bestimmter Beobachtungen nehmen Wissenschaftler an, daß das materielle Universum tatsächlich einen Anfang hatte und nicht schon immer existiert hat. Der Astronom Robert Jastrow, ein Agnostiker, schrieb: „Die Details weichen voneinander ab, aber die wesentlichen Elemente in der Genesis der Astronomie und der Bibel sind dieselben: Die Kette von Ereignissen, die zum Menschen führte, begann plötzlich und unvermittelt an einem bestimmten Zeitpunkt — in einem Licht- und Energieblitz.“3
7, 8. Was müssen viele Wissenschaftler in bezug auf den Ursprung des Universums zugeben, obwohl sie dabei die Rolle Gottes nicht anerkennen?
7 Zwar stimmen viele Wissenschaftler — auch wenn sie dafür eintreten, daß das Universum einen Anfang hatte — zugegebenermaßen nicht mit der Erklärung überein, daß ‘Gott es erschuf’. Aber wie von einigen heute zugegeben wird, lassen sich die Beweise für eine Intelligenz hinter allem schwerlich ignorieren. Freeman Dyson, Professor für Physik, äußerte sich wie folgt: „Je länger ich mich mit dem Universum beschäftige und die Einzelheiten seines Aufbaus studiere, desto mehr Beweise finde ich dafür, daß das Universum irgendwie gewußt haben muß, daß wir kommen.“
8 Professor Dyson gibt des weiteren zu: „Als Wissenschaftler, der in der Denk- und Redeweise des 20. Jahrhunderts und nicht des 18. Jahrhunderts geschult wurde, behaupte ich nicht, daß der Aufbau des Universums die Existenz Gottes beweist. Ich behaupte lediglich, daß der Aufbau des Universums mit der Hypothese vereinbar ist, daß in Verbindung mit seinem Funktionieren Intelligenz eine wesentliche Rolle spielt.“4 Seine Äußerung verrät gewiß die skeptische Einstellung unserer Zeit. Aber wenn man davon einmal absieht, erkennt man, daß es bemerkenswerte Übereinstimmungen zwischen der modernen Wissenschaft und der biblischen Erklärung gibt, daß ‘Gott im Anfang die Himmel und die Erde erschuf’ (1. Mose 1:1).
Gesundheit und Hygiene
9. Inwiefern offenbart das biblische Gesetz über ansteckende Hautkrankheiten praktische Weisheit (Hiob 12:9, 16a)?
9 Betrachten wir einmal, wie die Bibel ein anderes Gebiet behandelt, nämlich die Gesundheit und die Hygiene. Hatte ein Israelit einen lepraverdächtigen Hautausschlag, wurde er unter Quarantäne gestellt. „Alle Tage, da die Plage an ihm ist, wird er unrein sein. Er ist unrein. Er sollte abgesondert wohnen. Außerhalb des Lagers ist sein Wohnort“ (3. Mose 13:46). Selbst infizierte Kleidungsstücke mußten verbrannt werden (3. Mose 13:52). Damals war das eine wirksame Methode, um die Ansteckungsgefahr zu bannen.
10. Welchen Nutzen hätte es in einigen Ländern für viele, wenn der biblische Rat über Hygiene angewendet würde?
10 Ein weiteres wichtiges Gesetz betraf die Beseitigung menschlicher Exkremente, die außerhalb des Lagers vergraben werden mußten (5. Mose 23:12, 13). Durch dieses Gesetz blieben die Israeliten zweifellos von vielen Krankheiten verschont. Noch heute sind in manchen Ländern schwere Gesundheitsprobleme auf die ungenügende Beseitigung menschlicher Ausscheidungen zurückzuführen. Würden die Menschen dort die Gesetze befolgen, die vor Tausenden von Jahren in der Bibel aufgezeichnet wurden, wären sie viel gesünder.
11. Welcher Rat der Bibel in bezug auf die geistige Gesundheit hat sich als richtig erwiesen?
11 Der hohe Gesundheitsmaßstab der Bibel schloß auch die geistige Gesundheit ein. Ein biblisches Sprichwort lautet: „Ein gelassenes Herz ist das Leben des fleischlichen Organismus, Eifersucht aber ist Fäulnis für das Gebein“ (Sprüche 14:30). In den letzten Jahren wurde durch medizinische Forschungen nachgewiesen, daß unsere körperliche Gesundheit tatsächlich von unserer Gesinnung beeinflußt wird. So hat zum Beispiel Dr. C. B. Thomas von der Johns-Hopkins-Universität mehr als tausend Absolventen über einen Zeitraum von 16 Jahren beobachtet und ihre psychische Verhaltensweise zu ihrer Anfälligkeit für Krankheiten in Beziehung gebracht. Dabei stellte sie eines fest: Die größte Anfälligkeit wiesen jene Absolventen auf, die unter Belastung ärgerlicher reagierten und unruhiger waren.5
Was sagt die Bibel?
12. Warum betrachtete die katholische Kirche Galileis Theorie in bezug auf die Erde als Häresie?
12 Wieso behauptete denn die katholische Kirche, daß Galileis Feststellung, daß sich die Erde um die Sonne dreht, mit der Bibel unvereinbar sei, wenn diese in wissenschaftlicher Hinsicht doch so genau ist? Der Grund war, daß kirchliche Autoritäten bestimmte Bibelverse so interpretierten.6 War diese Auslegung korrekt? Um das festzustellen, wollen wir uns mit zwei der Passagen beschäftigen, die angeführt wurden.
13, 14. Welche Bibeltexte wurden von der katholischen Kirche falsch interpretiert? Wie könnte man das näher erklären?
13 Einer dieser Texte lautet: „Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter, und ihrem Ort strebt sie zu und geht dort wieder auf“ (Prediger 1:5, Pattloch-Bibel). Die Kirche argumentierte, Ausdrücke wie „die Sonne geht auf“ und „die Sonne geht unter“ würden bedeuten, daß sich die Sonne — nicht die Erde — bewege. Aber wir sagen ja selbst heute noch, daß die Sonne aufgeht und untergeht, obwohl allgemein bekannt ist, daß die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt. Mit diesen Ausdrücken beschreiben wir lediglich die anscheinende Bewegung der Sonne, wie sie sich einem menschlichen Betrachter darbietet. Und der Bibelschreiber tat genau dasselbe.
14 In dem anderen Vers lesen wir: „Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken“ (Psalm 104:5, Neue Jerusalemer Bibel). Das wurde dahin gehend interpretiert, daß sich die Erde nach ihrer Erschaffung überhaupt nicht bewegen könne. In Wirklichkeit betont dieser Vers jedoch die Unvergänglichkeit der Erde, nicht ihre Unbeweglichkeit. Sie wird niemals in die Nichtexistenz „wanken“ oder zerstört werden, wie andere Bibeltexte bestätigen (Psalm 37:29; Prediger 1:4). Somit hat auch diese Schriftstelle nichts mit der Bewegung der Erde oder der Sonne zu tun. Es war die Kirche, die in den Tagen Galileis einer objektiven wissenschaftlichen Diskussion entgegenstand, nicht die Bibel.
Evolution und Schöpfung
15. Was besagt die Evolutionstheorie, und inwiefern widerspricht sie der Bibel?
15 Es gibt jedoch ein Gebiet, auf dem die moderne Wissenschaft und die Bibel nach Ansicht vieler unvereinbar sind. Die meisten Wissenschaftler verfechten die Evolutionstheorie, gemäß der sich alles Lebende aus einer einfachen Lebensform, die vor Millionen von Jahren ins Dasein kam, entwickelt haben soll. Die Bibel lehrt dagegen, daß jede Hauptgruppe der Lebewesen gesondert erschaffen wurde und sich nur ‘nach ihrer Art’ fortpflanzt. Der Mensch, so sagt sie, wurde „aus Staub vom Erdboden“ geschaffen (1. Mose 1:21; 2:7). Ist das ein eklatanter wissenschaftlicher Irrtum in der Bibel? Bevor man darüber ein Urteil fällt, sollte man erst einmal feststellen, über welche gesicherten Erkenntnisse die Wissenschaft eigentlich verfügt und worüber sie lediglich theoretisiert.
16—18. (a) Welche Beobachtung veranlaßte Charles Darwin unter anderem, an eine Evolution zu glauben? (b) Wie kann gezeigt werden, daß Darwins Beobachtungen auf den Galapagosinseln nicht im Widerspruch zur Bibel stehen?
16 Die Evolutionstheorie wurde im vorigen Jahrhundert von Charles Darwin populär gemacht. Auf den Galapagosinseln im Pazifik beeindruckten Darwin besonders die unterschiedlichen Finkenarten, die auf den verschiedenen Inseln vorkommen. Er folgerte, daß alle von nur einer Urart abstammten. Unter anderem aufgrund dieser Beobachtung setzte er sich für die Theorie ein, daß sich alles Leben aus einer ursprünglichen, einfachen Form entwickelt hat. Die treibende Kraft hinter der Evolution höherer Lebewesen aus niederen war seiner Auffassung nach die natürliche Zuchtwahl oder das Überleben des Tüchtigsten. Durch die Evolution haben sich, wie er behauptete, Landtiere aus Fischen, Vögel aus Reptilien usw. entwickelt.
17 Tatsächlich ist das, was Darwin auf jenen abgeschiedenen Inseln beobachtete, nicht im Widerspruch zur Bibel, da sie innerhalb einer größeren lebenden Art durchaus Variationen zuläßt. So stammen zum Beispiel die vielen Menschenrassen von nur einem Urelternpaar ab (1. Mose 2:7, 22-24). Daher wäre es nichts Außergewöhnliches, wenn die verschiedenen Finkenarten einen gemeinsamen Vorfahren hätten. Doch sie blieben immer Finken. Sie entwickelten sich nicht zu Falken oder Adlern.
18 Weder das Vorkommen der verschiedenen Finkenarten noch irgend etwas anderes, was Darwin sah, bewies, daß alle Lebewesen, seien es Haie oder Möwen, Elefanten oder Regenwürmer, einen gemeinsamen Vorfahren haben. Trotzdem versichern viele Wissenschaftler, die Evolution sei keine Theorie mehr, sondern eine Tatsache. Andere sind sich zwar der damit verbundenen Problematik bewußt, sagen aber dennoch, daß sie daran glauben. Sie möchten lieber mit der Masse gehen. Wir müssen jedoch wissen, ob die Evolution so klar bewiesen ist, daß die Bibel unrecht haben muß.
Ist sie bewiesen?
19. Stützt der Fossilbericht die Evolution oder die Schöpfung?
19 Wie kann man die Evolutionstheorie überprüfen? Das Nächstliegende wäre eine Untersuchung des Fossilberichts, um festzustellen, ob tatsächlich allmähliche Veränderungen von einer Art zu einer anderen vor sich gegangen sind. Kann dieser Nachweis erbracht werden? Nein, wie zahlreiche Wissenschaftler ehrlich zugeben. Einer von ihnen, Francis Hitching, schreibt: „Wenn man nach Bindegliedern zwischen den Hauptgruppen der Tiere sucht, so sucht man vergeblich.“7 Das Fehlen von Beweisen im Fossilbericht ist so offensichtlich, daß Wissenschaftler bereits mit Alternativen zu Darwins Theorie der allmählichen Veränderungen aufwarten. Die Wahrheit ist jedoch, daß das plötzliche Erscheinen von Tierarten im Fossilbericht viel mehr die Schöpfung stützt als die Evolution.
20. Warum schließt die Art und Weise, wie sich lebende Zellen reproduzieren, einen Evolutionsprozeß aus?
20 Hitching zeigt außerdem, daß Lebewesen darauf programmiert sind, sich exakt zu reproduzieren, statt sich zu etwas anderem zu entwickeln. Er sagt: „Lebende Zellen reproduzieren sich mit nahezu absoluter Genauigkeit. Die Fehlerquote ist so gering, wie sie keine von Menschen gebaute Maschine erreichen kann. Außerdem gibt es festgelegte Grenzen. Pflanzen erreichen eine bestimmte Größe und wachsen dann nicht weiter. Taufliegen bleiben unter noch so veränderten Bedingungen immer Taufliegen.“8 Wissenschaftler haben bei Taufliegen jahrzehntelang künstlich Mutationen herbeigeführt, aber auch dadurch konnten sie nicht dazu veranlaßt werden, sich zu etwas anderem zu entwickeln.
Der Ursprung des Lebens
21. Welche Tatsache, die Louis Pasteur bewies, bildet für Evolutionisten ein schwieriges Problem?
21 Eine andere heikle Frage, die die Wissenschaftler nicht beantworten können, lautet: Wie ist das Leben entstanden? Wie ist die erste einfache Lebensform — von der wir angeblich alle abstammen — ins Dasein gekommen? Vor einigen Jahrhunderten schien eine Erklärung kein Problem zu sein. Die meisten Menschen dachten damals, Fliegen würden sich aus verwesendem Fleisch entwickeln und ein Haufen alter Lappen könnte spontan Mäuse hervorbringen. Vor über 100 Jahren wurde von dem französischen Chemiker Louis Pasteur jedoch zweifelsfrei bewiesen, daß Leben nur aus vorhandenem Leben entstehen kann.
22, 23. Welche Theorien über den Ursprung des Lebens werden von Evolutionisten vertreten, aber was zeigen die Fakten?
22 Wie erklären Evolutionisten den Ursprung des Lebens? Gemäß der populärsten Theorie soll vor Millionen von Jahren eine zufällige Verbindung von chemischen Stoffen und Energie zu der spontanen Entstehung von Leben geführt haben. Widerspricht das nicht dem von Pasteur bewiesenen Grundsatz? In dem Werk The World Book Encyclopedia heißt es dazu: „Pasteur zeigte, daß unter den chemischen und physikalischen Bedingungen, die heute auf der Erde herrschen, Leben nicht spontan entstehen kann. Vor Milliarden von Jahren waren die chemischen und physikalischen Bedingungen auf der Erde jedoch völlig anders.“9
23 Doch selbst unter gänzlich andersartigen Bedingungen besteht zwischen unbelebter Materie und dem primitivsten Lebewesen immer noch eine gewaltige Kluft. Michael Denton sagt in seinem Buch Evolution: A Theorie in Crisis: „Zwischen einer lebenden Zelle und dem am höchsten organisierten nichtbiologischen System wie zum Beispiel einem Kristall oder einer Schneeflocke besteht eine unglaublich große, unüberbrückbare Kluft.“10 Es ist so unwahrscheinlich, daß unbelebte Materie aufgrund irgendeines willkürlichen Zufalls belebt werden könnte, daß man es tatsächlich als unmöglich bezeichnen kann. Die biblische Erklärung, daß Leben aus Leben entstand, nämlich von Gott erschaffen wurde, stimmt mit den Fakten wesentlich besser überein.
Die Alternative: Schöpfung
24. Warum halten die meisten Wissenschaftler trotz der Problematik der Evolutionstheorie daran fest?
24 Trotz der Problematik der Evolutionstheorie wird der Glaube an die Schöpfung heute als unwissenschaftlich, ja sogar als verschroben betrachtet. Aber warum? Wieso weist selbst eine Autorität wie Francis Hitching, der ehrlich die Schwächen der Evolutionstheorie aufzeigt, die Vorstellung einer Schöpfung zurück?11 Gemäß Michael Dentons Ansicht wird die Evolution mit all ihren Mängeln weiter gelehrt, weil Schöpfungstheorien „offen gestanden übernatürliche Ursachen heranziehen“.12 Mit anderen Worten: Die Tatsache, daß die Schöpfung einen Schöpfer erfordert, macht sie unannehmbar. Das ist gewiß eine genauso verdrehte Schlußfolgerung, wie sie uns schon in Verbindung mit den Wundern begegnet ist: Wunder sind angeblich unmöglich, weil sie übernatürlich sind!
25. Welche Schwäche der Evolution im wissenschaftlichen Sinne zeigt, daß sie in bezug auf die Erklärung des Ursprungs des Lebens keine begründete Alternative zur Schöpfung ist?
25 Nebenbei bemerkt, ist die Evolutionstheorie selbst vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sehr fragwürdig. Michael Denton sagt daher auch: „Da [Darwins Evolutionstheorie] im Grunde genommen eine Theorie der historischen Rekonstruktion ist, ist es unmöglich, sie, wie in der Wissenschaft üblich, durch Experimente oder direkte Beobachtungen zu bestätigen. ... Außerdem hat man es bei der Evolutionstheorie mit einer Reihe einmaliger Ereignisse zu tun — dem Ursprung des Lebens, dem Ursprung der Intelligenz usw. Einmalige Ereignisse sind unwiederholbar und entziehen sich daher jeder experimentellen Untersuchung.“13 Die Evolutionstheorie weist somit trotz ihrer Popularität tatsächlich so viele Lücken und ungelöste Fragen auf, daß sie keinen plausiblen Grund liefert, den Bibelbericht über den Ursprung des Lebens zu verwerfen. Das erste Buch Mose enthält einen völlig logischen Bericht darüber, wie diese „unwiederholbaren“ und „einmaligen Ereignisse“ während der Schöpfungs„tage“, die sich über Jahrtausende erstreckten, vor sich gingen.a
Wie verhält es sich mit der Flut?
26, 27. (a) Was sagt die Bibel über die Flut? (b) Woher müssen die Wasser der Flut teilweise gekommen sein?
26 Viele weisen allerdings auf einen anderen angeblichen Widerspruch zwischen der Bibel und der modernen Wissenschaft hin. Im Bibelbuch 1. Mose lesen wir, daß vor einigen tausend Jahren die Bosheit der Menschen so groß geworden war, daß Gott ihre Vernichtung beschloß. Er wies den gerechten Noah an, einen großen hölzernen Kasten, eine Arche, zu bauen. Dann brachte Gott eine Flut über die Menschheit. Nur Noah und seine Familie überlebten zusammen mit Vertretern aller Tierarten. Die Flut war so gewaltig, daß „alle hohen Berge bedeckt wurden, die unter den ganzen Himmeln waren“ (1. Mose 7:19).
27 Woher kamen aber die Wassermassen, die nötig waren, um die gesamte Erde zu bedecken? Die Bibel gibt selbst die Antwort darauf. Zu Beginn der Schöpfung, als die Ausdehnung der Atmosphäre entstand, gab es ‘Wasser unterhalb der Ausdehnung’ und ‘Wasser oberhalb der Ausdehnung’ (1. Mose 1:7; 2. Petrus 3:5). In Verbindung mit der Flut geschah gemäß der Bibel folgendes: „Die Schleusen der Himmel wurden geöffnet“ (1. Mose 7:11). Offensichtlich fiel das ‘Wasser oberhalb der Ausdehnung’ somit auf die Erde und lieferte einen großen Teil des Wassers für die Flut.
28. Wie betrachteten Diener Gottes der alten Zeit, Jesus eingeschlossen, die Flut?
28 In modernen Fachbüchern ist zumeist nichts von einer weltweiten Flut zu lesen. Daher ist die Frage berechtigt: „Ist die Flut lediglich ein Mythos, oder hat sie sich wirklich ereignet?“ Bevor man diese Frage beantwortet, sollte man bedenken, daß die Flut von Anbetern Jehovas, die in späterer Zeit lebten, als wahres geschichtliches Ereignis, nicht als Mythos betrachtet wurde. Sie wurde unter anderem von Jesaja, Jesus, Paulus und Petrus als wirkliches Geschehen angeführt (Jesaja 54:9; Matthäus 24:37-39; Hebräer 11:7; 1. Petrus 3:20, 21; 2. Petrus 2:5; 3:5-7). In Verbindung mit dieser weltweiten Flut entstehen jedoch Fragen, die beantwortet werden müssen.
Die Wasser der Flut
29, 30. Welche Tatsachen über die Wasservorräte der Erde zeigen, daß die Flut möglich war?
29 Beschäftigen wir uns zunächst mit folgender Frage: Ist die Vorstellung, daß die gesamte Erde überflutet wurde, zu weit hergeholt? Das kann man nicht sagen. Die Erde ist auch heute noch in gewissem Umfang überflutet. 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt, und nur 30 Prozent sind trockenes Land. Außerdem sind 75 Prozent der Süßwasservorräte der Erde in Gletschern und in den Eiskappen der Polargebiete gebunden. Würde alles Eis schmelzen, stiege der Meeresspiegel beträchtlich an. Städte wie New York und Tokio würden untergehen.
30 Außerdem heißt es in der New Encyclopædia Britannica: „Die durchschnittliche Tiefe aller Meere wird auf 3 790 Meter geschätzt; sie ist also beträchtlich größer als die durchschnittliche Erhebung des Landes über dem Meeresspiegel (840 Meter). Wenn man die Durchschnittstiefe der Meere mit deren Gesamtfläche multipliziert, ergibt sich, daß das Volumen der Weltmeere 11mal größer ist als das Volumen des über dem Meeresspiegel gelegenen Landes.“14 Würde man daher alles einebnen — die Berge abtragen und die Meeresbecken auffüllen —, würde ein mehrere tausend Meter tiefes Meer die gesamte Erde bedecken.
31. (a) Wie muß die Erde vor der Flut ausgesehen haben, damit sich eine solche Überschwemmung ereignen konnte? (b) Was zeigt, daß vor der Flut die Berge niedriger und die Meeresbecken flacher gewesen sein können?
31 Damit sich die Flut ereignen konnte, mußten die Meeresbecken vor der Flut flacher und die Berge niedriger als heute gewesen sein. Wäre das möglich? In einem Fachbuch heißt es dazu: „Wo sich heute die Berge der Welt zu schwindelerregender Höhe auftürmen, erstreckten sich vor Millionen von Jahren eintönig flache Ozeane und Ebenen. ... Durch die Bewegung der Kontinentalplatten wird die Erdkruste veranlaßt, sich entweder zu Bergen zu erheben, auf denen nur die widerstandsfähigsten Tiere und Pflanzen überleben können, oder unterzutauchen, um in verborgener Pracht tief unter der Oberfläche des Meeres zu liegen.“15 Da sich die Erdkruste hebt und senkt, ist anzunehmen, daß die Berge einmal nicht so hoch und die großen Meeresbecken nicht so tief waren wie heute.
32. Was muß mit den Flutwassern geschehen sein? Wie könnte man das erklären?
32 Was geschah mit dem Wasser nach der Flut? Es muß in die Meeresbecken abgeflossen sein. Wie wurde das bewirkt? Nach Ansicht der Wissenschaftler ruhen die Kontinente auf riesigen Platten. Durch ihre Bewegungen können sich Veränderungen im Niveau der Erdoberfläche ergeben. An den Plattenrändern gibt es heute Tiefseegräben, die stellenweise über zehntausend Meter tief sind.16 Wahrscheinlich haben sich die Platten — möglicherweise als Folge der Flut — verschoben, wobei sich der Meeresboden absenkte und sich die tiefen Gräben öffneten, in die das über dem Land stehende Wasser abfließen konnte.b
Spuren der Flut?
33, 34. (a) Welche Hinweise auf eine Flut besitzen Wissenschaftler bereits? (b) Könnte man mit Recht behaupten, daß die Wissenschaftler Beweise mißdeutet haben?
33 Doch selbst wenn eine so gewaltige Flut zugegebenermaßen möglich gewesen ist, bleibt die Frage offen, warum Wissenschaftler keine Spur davon entdeckt haben. Vielleicht wurden ja Zeugnisse dafür gefunden, diese jedoch ganz anders interpretiert. Die orthodoxe Wissenschaft lehrt beispielsweise, daß die Erdoberfläche in vielen Gebieten während einer Serie von Eiszeiten von mächtigen Gletschern geformt worden ist. Doch manches, was Gletscherbewegungen zugeschrieben wird, kann auch durch Wasser bewirkt worden sein. Sehr wahrscheinlich werden einige Beweise für die Flut als Beweise für eine Eiszeit mißdeutet.
34 Solche Fehlinterpretationen sind durchaus schon vorgekommen. Von den Wissenschaftlern, die die Theorie über die Eiszeiten entwickelten, wird gesagt: „Sie entdeckten in Übereinstimmung mit der Philosophie des Aktualismus Eiszeiten in jedem Abschnitt der Erdgeschichte. Durch sorgfältige Überprüfungen der Beweise sind in den letzten Jahren jedoch viele dieser Vereisungen wieder verworfen worden; Formationen, die einst als glaziale Moränen identifiziert wurden, werden jetzt als Schichten interpretiert, die durch Schlammfluten, unterseeische Erdrutsche und sedimentreiche Flüsse abgelagert wurden — Fluten sedimentreichen Wassers, die Schlick, Sand und Geröll über den Grund der Tiefsee verteilten.“18
35, 36. Welche Hinweise im Fossilbericht und in der Erdgeschichte könnten mit der Flut in Verbindung stehen?
35 Einen weiteren Beweis für die Flut könnte der Fossilbericht liefern. Wie die Funde zeigen, schlugen in Europa einmal große Säbelzahntiger ihre Beute, Pferde, größer als die heutigen, streiften durch Nordamerika, und Mammute fanden in Sibirien Nahrung. Doch dann starben weltweit ganze Säugetiergattungen aus. Gleichzeitig vollzog sich eine plötzliche Klimaveränderung. In Sibirien wurden Zehntausende von Mammuten getötet, und sie froren innerhalb kürzester Zeit ein.c Alfred Wallace, ein bekannter Zeitgenosse Darwins, schlußfolgerte, daß die Ursache für eine so radikale Ausrottung ein außergewöhnliches globales Ereignis gewesen sein muß.19 Viele treten dafür ein, daß es sich dabei um die Flut gehandelt hat.
36 In einem Leitartikel in der Zeitschrift Biblical Archaeologist hieß es: „Man darf auf keinen Fall außer acht lassen, daß die Geschichte einer großen Flut zu den am weitesten verbreiteten Traditionen der menschlichen Kultur gehört. ... Hintergrund der ältesten Überlieferungen, die in Quellen aus dem Nahen Osten entdeckt wurden, könnte tatsächlich eine Flut ungeheuren Ausmaßes gewesen sein, die sich in einer der regenreichen Perioden ... vor vielen tausend Jahren ereignet hat.“20 In diesen regenreichen Perioden war die Oberfläche der Erde viel feuchter, und die Süßwasserseen auf der ganzen Welt waren weit größer als heute. Eine Theorie nennt als Ursache für die Feuchtigkeit starke Regenfälle in Verbindung mit dem Ende der Eiszeiten. Einige sind jedoch der Ansicht, daß die extreme Durchfeuchtung der Erdoberfläche einmal eine Folge der Flut gewesen ist.
Die Menschheit hat es nicht vergessen
37, 38. Wie zeigt ein Wissenschaftler, daß die Hinweise für die Möglichkeit der Flut sprechen, und wie können wir wissen, daß sie sich tatsächlich ereignet hat?
37 John McCampbell, Professor der Geologie, schrieb einmal, daß „die grundlegenden Unterschiede zwischen biblischer Katastrophenlehre [d. h. der Flut] und evolutionistischem Uniformitarianismus [Aktualismus] nicht bei den faktischen Einzelheiten der Geologie, sondern bei der Interpretation derselben liegen. Die bevorzugte Interpretation wird zum großen Teil vom Hintergrund und den Voraussetzungen des Einzelnen abhängen.“21
38 Daß sich eine Flut ereignet haben muß, ist daraus zu ersehen, daß die Menschheit sie nicht vergessen hat. Auf der ganzen Welt, beispielsweise in so weit voneinander entfernten Gebieten wie Alaska und den Inseln der Südsee, besitzt man solche alten Überlieferungen. Von den primitiven präkolumbischen Zivilisationen Amerikas wie auch von den Aborigines in Australien kennt man Flutberichte. Diese unterscheiden sich zwar manchmal in den Einzelheiten, aber in fast allen Versionen wird als grundlegende Tatsache berichtet, daß die Erde überflutet wurde und nur wenige Personen in einem von Menschen gebauten Wasserfahrzeug überlebten. Eine so weit verbreitete Übereinstimmung kann man nur damit erklären, daß die Flut ein historisches Ereignis war.d
39. Welcher weitere Beweis dafür, daß die Bibel Gottes Wort und nicht Menschenwort ist, wurde somit erbracht?
39 Somit stimmt die Bibel in wesentlichen Punkten mit der modernen Wissenschaft überein. Wo Diskrepanzen zwischen beiden zutage treten, präsentieren die Wissenschaftler nur zweifelhafte Argumente. Wenn sie miteinander übereinstimmen, ist die Bibel oft so genau, daß diese Informationen nur aus einer übermenschlichen Quelle stammen können. Die Übereinstimmung der Bibel mit der bewiesenen Wissenschaft liefert somit weitere Beweise dafür, daß die Bibel Gottes Wort und kein Menschenwort ist.
[Fußnoten]
a Eine ins einzelne gehende Behandlung des Themas Evolution und Schöpfung ist in dem Buch Das Leben — Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder durch Schöpfung? zu finden, veröffentlicht 1985 von der Wachtturm-Gesellschaft.
b In dem Buch Der Planet Erde — Gletscher wird erwähnt, wie stark Wasser in Form von Eis auf die Erdoberfläche drückt. Es heißt darin beispielsweise: „Sollte das Grönlandeis eines Tages verschwinden, so würde sich die Insel um etwa 600 Meter heben.“ Eine plötzliche globale Flut müßte demnach tiefgreifende Auswirkungen auf Teile der Erdkruste gehabt haben.17
c Eine andere Schätzung spricht von fünf Millionen.
d Wegen weiterer Informationen über die Flut siehe Hilfe zum Verständnis der Bibel, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft, Seite 1363, 1364.
[Kasten auf Seite 105]
„Aus Staub“
In dem Werk „The World Book Encyclopedia“ heißt es: „Alle chemischen Elemente, aus denen die Lebewesen bestehen, kommen auch in der unbelebten Natur vor.“ Mit anderen Worten: Die chemischen Grundstoffe für lebende Organismen — der Mensch eingeschlossen — sind auch in der Erde vorhanden. Das stimmt mit folgender Aussage der Bibel überein: „Und Jehova Gott ging daran, den Menschen aus Staub vom Erdboden zu bilden“ (1. Mose 2:7).
[Kasten auf Seite 107]
„Im Bilde Gottes“
Einige weisen auf die Ähnlichkeiten im Körperbau hin, die zwischen dem Menschen und einigen Tieren bestehen, um deren Verwandtschaft zu beweisen. Sie müssen jedoch zugeben, daß der Mensch allen Tieren in geistiger Hinsicht bei weitem überlegen ist. Wieso besitzt der Mensch die Fähigkeit, zu planen und die ihn umgebende Welt zu organisieren, die Eigenschaft der Liebe, eine hohe Intelligenz, ein Gewissen und eine Vorstellung von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft? Die Evolution kann dies nicht erklären. Doch die Bibel kann es, da sie sagt: „Gott ging daran, den Menschen in seinem Bilde zu erschaffen, im Bilde Gottes erschuf er ihn“ (1. Mose 1:27). Was die geistigen und moralischen Merkmale und Fähigkeiten des Menschen betrifft, ist er ein Abbild seines himmlischen Vaters.
[Bild auf Seite 99]
Die biblische Beschreibung, daß die Erde im Weltraum ‘an nichts hängt’, stimmt mit dem überein, was die Astronauten gesehen haben
[Bild auf Seite 102]
Die Bibel sagt nicht, daß sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde dreht
[Bild auf Seite 112, 113]
Wenn die gesamte Erde völlig eben wäre, ohne Höhen und Senken, wäre sie kilometerhoch mit Wasser bedeckt
[Bild auf Seite 114]
Man hat Mammute gefunden, die nach ihrem Tod innerhalb kürzester Zeit eingefroren sind
[Bild auf Seite 115]
Louis Pasteur bewies, daß Leben nur aus bereits existierendem Leben entstehen kann
[Diagramm/Bild auf Seite 108, 109]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
Die Bibel liefert eine genaue Beschreibung des Wasserkreislaufs
-
-
Prophezeiungen, die sich erfüllt habenDie Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 9
Prophezeiungen, die sich erfüllt haben
Menschen können die Zukunft nicht mit Sicherheit vorhersagen. Ihre diesbezüglichen Versuche sind immer wieder kläglich gescheitert. Ein Buch mit Prophezeiungen, die sich erfüllt haben, lenkt daher unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich. Die Bibel ist ein solches Buch.
1 (und Einleitung). Was wird dadurch bewiesen, daß die Bibel Prophezeiungen enthält, die sich erfüllt haben?
VIELE Prophezeiungen der Bibel haben sich in ihren Einzelheiten derart genau erfüllt, daß Kritiker behaupten, sie seien erst nach ihrer Erfüllung aufgezeichnet worden. Doch solche Behauptungen sind falsch. Da Gott allmächtig ist, verfügt er über die uneingeschränkte Fähigkeit zu prophezeien (Jesaja 41:21-26; 42:8, 9; 46:8-10). Biblische Prophezeiungen, die sich erfüllt haben, zeugen nicht von einer späteren Autorschaft, sondern von göttlicher Inspiration. Einige herausragende dieser Prophezeiungen sollen nun besprochen werden. Sie sind ein weiterer Beweis dafür, daß es sich bei der Bibel um Gottes Wort handelt und nicht lediglich um Menschenwort.
Das Exil in Babylon
2, 3. Was führte dazu, daß König Hiskia den Gesandten aus Babylon alle Schätze seines Hauses und seines Herrschaftsgebiets zeigte?
2 Hiskia war etwa 30 Jahre König in Jerusalem. 740 v. u. Z. hatte er erlebt, daß die Assyrer das nördliche Nachbarreich Israel vernichtet hatten. 732 v. u. Z. war er Zeuge der rettenden Macht Gottes gewesen, als der assyrische Versuch, Jerusalem zu erobern, mit katastrophalen Folgen für die Invasoren fehlgeschlagen war (Jesaja 37:33-38).
3 Jetzt empfängt Hiskia eine Delegation Merodach-Baladans, des Königs von Babylon. Oberflächlich betrachtet, sind die Gesandten gekommen, um Hiskia zu seiner Genesung von einer schweren Krankheit zu beglückwünschen. Doch wahrscheinlich sieht Merodach-Baladan in Hiskia einen möglichen Verbündeten gegen die Weltmacht Assyrien. Aber Hiskia unternimmt nichts, um ein solches Ansinnen abzuwenden, denn er zeigt den Besuchern aus Babylon allen Reichtum seines Hauses und Herrschaftsgebiets. Vielleicht wünscht auch er sich Verbündete für den Fall, daß die Assyrer zurückkehren (Jesaja 39:1, 2).
4. Welche tragischen Folgen des Fehlers Hiskias sagte Jesaja voraus?
4 Jesaja, der damals herausragende Prophet, erkennt sofort, daß Hiskia unbedacht gehandelt hat. Er weiß, daß nicht Babylon, sondern Jehova der sicherste Schutz Hiskias ist, und erklärt dem König, der Umstand, daß er den Babyloniern seinen Reichtum gezeigt habe, werde katastrophale Folgen haben. „Tage kommen“, sagt Jesaja, „und alles, was in deinem eigenen Haus ist und was deine Vorväter aufgehäuft haben bis auf diesen Tag, wird tatsächlich nach Babylon weggeführt werden.“ Jehova hat entschieden: „Nichts wird übrigbleiben“ (Jesaja 39:5, 6).
5, 6. (a) Welche Äußerung Jeremias bestätigte Jesajas Prophezeiung? (b) Wie erfüllten sich die Prophezeiungen Jesajas und Jeremias?
5 Vielleicht hielt man im achten Jahrhundert v. u. Z. eine Erfüllung dieser Prophezeiung für unwahrscheinlich. Aber hundert Jahre später änderte sich die Situation. Babylon löste Assyrien als vorherrschende Weltmacht ab, während Juda in religiöser Hinsicht so sehr entartet war, daß Gott dieser Nation seinen Segen entzog. Ein anderer Prophet, Jeremia, wurde von Gott dazu inspiriert, Jesajas Ankündigung zu wiederholen. Jeremia erklärte, daß Jehova sagte: „Ich will [die Babylonier] ... gegen dieses Land und gegen seine Bewohner ... bringen ... Und dieses ganze Land soll ein verwüsteter Ort werden, ein Gegenstand des Entsetzens, und diese Nationen werden dem König von Babylon siebzig Jahre dienen müssen“ (Jeremia 25:9, 11).
6 Etwa vier Jahre nachdem Jeremia diese Prophezeiung geäußert hatte, wurde Juda dem Babylonischen Reich einverleibt. Drei Jahre danach brachten die Babylonier einige jüdische Gefangene zusammen mit etlichen Wertgegenständen aus dem Tempel in Jerusalem nach Babylon. Nach weiteren acht Jahren lehnte sich Juda auf, und erneut rückte der babylonische König, Nebukadnezar, gegen die Stadt vor. Dieses Mal wurde sie samt ihrem Tempel zerstört. Aller Reichtum der Stadt wurde zusammen mit den Juden nach Babylon gebracht. Es geschah genau das, was Jesaja und Jeremia vorausgesagt hatten (2. Chronika 36:6, 7, 12, 13, 17-21).
7. Inwiefern bestätigt die Archäologie die Erfüllung von Jesajas und Jeremias Prophezeiungen über Jerusalem?
7 Nach dem Ansturm der Babylonier war, wie es in dem Werk The Archaeological Encyclopedia of the Holy Land heißt, „die Stadt [Jerusalem] total zerstört“.1 Der Archäologe W. F. Albright sagt: „Ausgrabungen und Geländeuntersuchungen in Juda haben ergeben, daß die Städte Judas bei den beiden Einfällen der Chaldäer nicht nur vollständig zerstört wurden, sondern daß sie auch für Generationen nicht wieder bewohnt waren — in vielen Fällen nie wieder.“2 Die Archäologie bestätigt somit die schreckliche Erfüllung dieser Prophezeiung.
Das Schicksal von Tyrus
8, 9. Welche Prophezeiung äußerte Hesekiel über Tyrus?
8 Ein weiterer Schreiber, der in alter Zeit von Gott inspirierte Prophezeiungen aufzeichnete, war Hesekiel. Er prophezeite gegen Ende des siebten bis hinein in das sechste Jahrhundert v. u. Z., d. h. in den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems und anschließend in den ersten Jahrzehnten des Exils der Juden in Babylon. Selbst einige neuzeitliche Kritiker sagen, daß das Buch ungefähr um jene Zeit geschrieben wurde.
9 Hesekiel zeichnete eine eindrucksvolle Prophezeiung über die Zerstörung von Tyrus auf, einer Stadt, die unweit der Nordgrenze Israels lag und freundschaftliche Beziehungen zu Gottes Volk unterhielt, sich aber dann zu dessen Feind entwickelte (1. Könige 5:1-9; Psalm 83:2-8). Er schrieb: „Dies ist ..., was der Souveräne Herr Jehova gesprochen hat: ‚Siehe, ich bin gegen dich, o Tyrus, und ich will viele Nationen gegen dich heraufführen, so wie das Meer seine Wellen heraufführt. Und sie werden bestimmt die Mauern von Tyrus zerstören und seine Türme niederreißen, und ich will seinen Staub von ihm abkratzen und es zu einer glänzenden kahlen Oberfläche eines zerklüfteten Felsens machen. ... Und deine Steine und dein Holzwerk und deinen Staub werden sie direkt mitten ins Wasser legen‘ “ (Hesekiel 26:3, 4, 12).
10—12. Wann erfüllte sich schließlich Hesekiels Prophezeiung, und wie?
10 Ist das wirklich geschehen? Nun, einige Jahre nachdem Hesekiel diese Prophezeiung geäußert hatte, wurde Tyrus von Nebukadnezar, dem König von Babylon, belagert (Hesekiel 29:17, 18). Die Belagerung war jedoch keine einfache Sache. Tyrus lag zum Teil auf dem Festland (das sogenannte Alttyrus) und zum Teil auf einer 800 Meter von der Küste entfernten Insel. Nebukadnezar belagerte die Inselstadt 13 Jahre lang. Erst dann kapitulierte sie unter Bedingungen.
11 Aber 332 v. u. Z. erfüllte sich die Prophezeiung schließlich in allen Einzelheiten. Damals fiel Alexander der Große, der mazedonische Eroberer, in Asien ein. Aufgrund ihrer sicheren Lage behauptete sich die Inselstadt Tyrus gegen ihn. Alexander gefiel es aber nicht, einen potentiellen Feind im Rücken zu haben, doch wollte er auch nicht wie Nebukadnezar Tyrus jahrelang belagern.
12 Wie löste er dieses militärische Problem? Er baute eine Mole oder Landbrücke zur Insel, so daß seine Soldaten auf dem Landweg die Stadt angreifen konnten. Man beachte, welches Baumaterial er für die Mole verwandte! In dem Werk The Encyclopedia Americana wird berichtet: „Mit dem Schutt des Festlandteils der Stadt, den er zerstört hatte, baute er 332 eine riesige Mole, um die Insel mit dem Festland zu verbinden.“ Nach einer verhältnismäßig kurzen Belagerung wurde die Inselstadt zerstört. Damit hatte sich übrigens Hesekiels Prophezeiung in allen Einzelheiten erfüllt. Selbst ‘die Steine, das Holzwerk und der Staub’ von Alttyrus waren ‘mitten ins Wasser gelegt’ worden.
13. Wie beschrieb ein Reisender im 19. Jahrhundert das Gebiet des alten Tyrus?
13 Ein Reisender berichtete im 19. Jahrhundert, was zu seiner Zeit vom alten Tyrus übrig war: „Von dem ursprünglichen Tyrus, das Salomo und die Propheten Israels kannten, ist außer den in Felsen gehauenen Grabstätten in den Bergen und einigen Grundmauern keine Spur mehr verblieben ... Selbst die Insel, die Alexander der Große bei der Belagerung der Stadt zu einer Halbinsel machte, indem er vom Festland aus einen Damm zu ihr aufschüttete, enthält keine bestimmbaren Relikte aus einer früheren Periode als der Zeit der Kreuzzüge. Die neuzeitliche Stadt, die in ihrer Gesamtheit verhältnismäßig neu ist, nimmt die nördliche Hälfte der einstigen Insel ein, während nahezu das gesamte übrige Gebiet von unbestimmbaren Ruinen bedeckt ist.“3
Als Babylon an der Reihe war
14, 15. Welche Prophezeiungen über Babylon zeichneten Jesaja und Jeremia auf?
14 Im achten Jahrhundert v. u. Z. sagte Jesaja, der Prophet, der die Juden warnend auf ihre bevorstehende Unterwerfung durch Babylon hinwies, erstaunlicherweise auch noch etwas anderes voraus: die völlige Vernichtung Babylons. In anschaulichen Worten nannte er dabei folgende Einzelheiten: „Siehe, ich errege gegen sie die Meder ... Und Babylon, die Zierde der Königreiche, die Schönheit des Stolzes der Chaldäer, soll werden wie Sodom und Gomorra, als Gott sie umkehrte. Sie wird niemals bewohnt werden, noch wird sie Generation um Generation verweilen“ (Jesaja 13:17-20).
15 Auch der Prophet Jeremia sagte den Fall der Stadt Babylon voraus, der sich viele Jahre später ereignete. Und Jeremia erwähnte eine interessante Einzelheit: „Verheerung ist über ihren Wassern, und sie sollen ausgetrocknet werden. ... Die starken Männer Babylons haben aufgehört zu kämpfen. Sie sind an den festen Orten sitzen geblieben. Ihre Kraft ist ausgetrocknet“ (Jeremia 50:38; 51:30).
16. Wann wurde Babylon erobert, und von wem?
16 Im Jahre 539 v. u. Z. ging für Babylon die Zeit der Vorherrschaft als Weltmacht zu Ende, als der tatkräftige persische Herrscher Cyrus mit Unterstützung des Heeres der Meder gegen die Stadt vorrückte. Aber Cyrus stand vor einer eindrucksvollen Aufgabe. Babylon war von riesigen und schier unüberwindbaren Mauern umgeben. Auch floß der breite Euphrat durch die Stadt und bildete einen wichtigen Teil ihrer Verteidigungsanlagen.
17, 18. (a) Inwiefern war ‘Verheerung über den Wassern Babylons’? (b) Warum ‘hörten die starken Männer Babylons auf zu kämpfen’?
17 Der griechische Historiker Herodot beschreibt, wie Cyrus das Problem löste: „Den Hauptteil seines Heeres stellte er dort auf, wo der Fluß in die Stadt strömt, den andern hinter der Stadt dort, wo er aus der Stadt heraustritt. Dann gab er den Befehl, auf diesem Wege in die Stadt einzudringen, sobald sie sahen, daß man den Fluß durchschreiten könne. ... Er leitete den Fluß mit Hilfe eines Durchstiches in den See [der von einer früheren Königin Babylons künstlich angelegt worden war], der ja eigentlich ein Sumpf war. Dadurch erreichte er dann, daß das alte Flußbett zu durchwaten war; der Wasserspiegel im Fluß sank. Durch dieses Flußbett drangen nun die Perser in Babylon ein, die Kyros zu diesem Zwecke am Strom aufgestellt hatte; denn das Wasser des Euphrat reichte dem Mann höchstens bis zum halben Schenkel.“4
18 Auf diese Weise fiel die Stadt, wie Jeremia und Jesaja prophezeit hatten. Man beachte aber, wie genau sich diese Prophezeiungen selbst in Einzelheiten erfüllten. Es war buchstäblich ‘Verheerung über ihren Wassern, und sie wurden ausgetrocknet’. Durch das Senken des Wasserspiegels im Euphrat gelang es Cyrus, in die Stadt einzudringen. ‘Hörten die starken Männer Babylons auf zu kämpfen’, wie Jeremia vorausgesagt hatte? Die Bibel berichtet — ebenso wie die griechischen Historiker Herodot und Xenophon —, daß die Babylonier gerade ein Festmahl veranstalteten, als die Perser angriffen.5 In der Nabonid-Chronik, einem offiziellen Keilschriftdokument, heißt es, die Truppen des Cyrus seien „ohne Kampf“ in Babylon eingezogen, d. h. wahrscheinlich ohne eine regelrechte Schlacht.6 Die starken Männer Babylons taten offensichtlich nicht viel, um die Stadt zu schützen.
19. Erfüllte sich die Prophezeiung, daß Babylon „niemals [wieder] bewohnt werden“ würde? Welche Einzelheiten könnte man dazu anführen?
19 Wie verhält es sich mit der Vorhersage, Babylon werde „niemals [wieder] bewohnt werden“? Sie ging nicht sogleich im Jahre 539 v. u. Z. in Erfüllung. Aber auch diese Prophezeiung bewahrheitete sich unfehlbar. Die Stadt war nach ihrem Fall Ausgangspunkt etlicher Aufstände, bis sie schließlich 478 v. u. Z. von Xerxes verwüstet wurde. Ende des vierten Jahrhunderts nahm sich Alexander der Große vor, Babylon neu aufzubauen, doch er starb, bevor sein Werk allzuweit vorangeschritten war. Von da an verfiel die Stadt. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung war sie zwar immer noch bewohnt, doch heute ist vom alten Babylon nichts weiter übrig als ein Ruinenhügel im Irak. Selbst wenn die Ruinen teilweise restauriert werden sollten, würde Babylon nur ein Schaustück für Touristen sein, keine lebensprühende Stadt. Das verwüstete Gebiet bezeugt die endgültige Erfüllung der inspirierten Prophezeiung über Babylon.
Der Aufmarsch der Weltmächte
20, 21. Welche prophetische Vision hatte Daniel über den Aufmarsch der Weltmächte, und wie erfüllte sie sich?
20 Im sechsten Jahrhundert v. u. Z. wurde Daniel, ein weiterer Prophet, während des Exils der Juden in Babylon inspiriert, einige bemerkenswerte Visionen aufzuzeichnen, in denen der künftige Lauf der Weltereignisse vorhergesagt wurde. In einer Vision beschreibt Daniel mehrere sinnbildliche Tiere, die einander auf der Weltbühne ablösen. Ein Engel erklärt, daß die Tiere den Aufmarsch der Weltmächte von dieser Zeit an darstellen. In bezug auf zwei Tiere sagt er: „Der Widder, den du sahst, der die zwei Hörner hatte, steht für die Könige von Medien und Persien. Und der haarige Ziegenbock steht für den König von Griechenland; und was das große Horn betrifft, das zwischen seinen Augen war, es steht für den ersten König. Und daß eins zerbrochen worden war, so daß an seiner Stelle schließlich vier aufstanden: Da sind vier Königreiche aus seiner Nation, die aufstehen werden, aber nicht mit seiner Kraft“ (Daniel 8:20-22).
21 Diese prophetische Vorschau erfüllte sich ganz genau. Das Babylonische Reich wurde von Medo-Persien gestürzt, das 200 Jahre später der griechischen Weltmacht weichen mußte. Das Griechische Reich wurde von Alexander dem Großen (dem „großen Horn“) angeführt. Doch nach Alexanders Tod kämpften seine Generäle unter sich um die Macht, und das ausgedehnte Imperium zerfiel schließlich in vier kleinere Reiche, „vier Königreiche“.
22. Welche weitere Weltmacht wurde in einer ähnlichen Prophezeiung über den Aufmarsch der Weltmächte vorhergesagt?
22 In Daniel, Kapitel 7 wird eine ähnliche Vision beschrieben, in der ein Blick weit in die Zukunft geworfen wird. Die babylonische Weltmacht wird durch einen Löwen dargestellt, die persische durch einen Bären und die griechische durch einen Leoparden mit vier Köpfen und vier Flügeln auf seinem Rücken. Dann sieht Daniel ein anderes wildes Tier, „furchteinflößend und schrecklich und ungewöhnlich stark ..., und es hatte zehn Hörner“ (Daniel 7:2-7). Dieses vierte wilde Tier stellte das mächtige römische Imperium dar, dessen Entwicklung, etwa drei Jahrhunderte nachdem Daniel diese Prophezeiung aufgezeichnet hatte, begann.
23. In welcher Hinsicht war das vierte wilde Tier der Prophezeiung Daniels „von all den anderen Königreichen verschieden“?
23 Über Rom prophezeite der Engel: „Was das vierte Tier betrifft, es gibt ein viertes Königreich, das schließlich auf der Erde sein wird, das von all den anderen Königreichen verschieden sein wird; und es wird die ganze Erde verzehren und wird sie zertreten und sie zermalmen“ (Daniel 7:23). H. G. Wells schreibt in seinem Werk Die Geschichte unserer Welt: „Diese neue Macht, dieses Römische Reich, das sich im zweiten und ersten Jahrhundert v. Chr. zur Herrschaft über die westliche Welt emporschwang, war in mancher Hinsicht anders geartet als irgendeines der großen Reiche, die es bis dahin in der zivilisierten Welt gegeben hatte.“7 Es war anfänglich eine Republik und wurde dann eine Monarchie. Im Gegensatz zu früheren Reichen ging es nicht auf einen Eroberer zurück, sondern war im Laufe der Jahrhunderte unaufhörlich angewachsen. Es bestand wesentlich länger und herrschte über ein weit größeres Gebiet als irgendein früheres Reich.
24, 25. (a) Wie traten die zehn Hörner des wilden Tieres in Erscheinung? (b) Welchen Kampf zwischen den Hörnern des wilden Tieres sah Daniel voraus?
24 Was hatte es aber mit den zehn Hörnern des riesigen Tieres auf sich? Der Engel sagte: „Und was die zehn Hörner betrifft, aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen; und noch ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und er selbst wird von den ersten verschieden sein, und drei Könige wird er erniedrigen“ (Daniel 7:24). Wie erfüllte sich das?
25 Als im fünften Jahrhundert u. Z. der Verfall des Römischen Reiches begann, wurde es nicht sogleich von einer anderen Weltmacht abgelöst, sondern zerfiel in mehrere Königreiche — „zehn Könige“. Schließlich schaltete das Britische Reich die drei Rivalen Spanien, Frankreich und die Niederlande aus, wodurch es die vorherrschende Weltmacht wurde. So erniedrigte das zuletzt aufgestiegene ‘Horn’ tatsächlich „drei Könige“.
Daniels Prophezeiungen — nach den Ereignissen aufgezeichnet?
26. Wann soll das Buch Daniel gemäß der Behauptung von Kritikern geschrieben worden sein, und wieso?
26 Die Bibel läßt erkennen, daß das Buch Daniel im sechsten Jahrhundert v. u. Z. geschrieben wurde. Die darin enthaltenen Prophezeiungen haben sich jedoch so genau erfüllt, daß Kritiker behaupten, das Buch müsse um 165 v. u. Z. geschrieben worden sein, als sich mehrere der Prophezeiungen bereits erfüllt hatten.8 Dieses späte Datum für die Niederschrift des Buches Daniel wird in vielen Nachschlagewerken einzig und allein deshalb als eine erwiesene Tatsache hingestellt, weil sich Daniels Prophezeiungen erfüllt haben.
27, 28. Welche Tatsachen beweisen, daß das Buch Daniel nicht 165 v. u. Z. geschrieben wurde?
27 Einer solchen Theorie sind jedoch folgende Tatsachen entgegenzuhalten: Erstens wurde auf das Buch in jüdischen Werken Bezug genommen, die im zweiten Jahrhundert v. u. Z. entstanden, wie zum Beispiel im ersten Makkabäerbuch. Zweitens wurde es in die Septuaginta aufgenommen, eine griechische Übersetzung, mit der im dritten Jahrhundert v. u. Z. begonnen wurde.9 Drittens waren Bruchstücke von Abschriften des Buches Daniel unter den Schriftrollen vom Toten Meer mit am häufigsten vertreten. Und diese Bruchstücke sollen etwa in das Jahr 100 v. u. Z. zu datieren sein.10 Folglich war das Buch Daniel bald nach der vermeintlichen Zeit seiner Niederschrift bereits weithin bekannt und geachtet — ein untrüglicher Beweis dafür, daß es lange vor der von Kritikern genannten Zeit geschrieben wurde.
28 Das Buch Daniel enthält zudem Einzelheiten, die einem Schreiber des zweiten Jahrhunderts unbekannt gewesen wären. Ein herausragendes Beispiel ist die Erwähnung Belsazars, des Herrschers von Babylon, der 539 v. u. Z. bei der Einnahme der Stadt getötet wurde. Die bedeutendsten nichtbiblischen Quellen, aus denen wir etwas über den Sturz Babylons erfahren, sind Herodot (fünftes Jahrhundert), Xenophon (fünftes und viertes Jahrhundert) und Berossos (drittes Jahrhundert). Keiner von ihnen wußte etwas von Belsazar.11 Wie unwahrscheinlich, daß ein Schreiber im zweiten Jahrhundert über Aufschluß verfügt hätte, der diesen früheren Autoren nicht zugänglich gewesen wäre! Der Bericht über Belsazar in Daniel, Kapitel 5 ist folglich ein stichhaltiges Argument dafür, daß Daniel sein Buch eher schrieb als die anderen Schreiber die ihrigen.a
29. Warum kann das Buch Daniel unmöglich nach der Erfüllung der darin enthaltenen Prophezeiungen geschrieben worden sein?
29 Letztendlich enthält das Buch Daniel mehrere Prophezeiungen, die sich lange nach 165 v. u. Z. erfüllten. Eine davon ist die bereits erwähnte Prophezeiung über das Römische Reich. Bei einer weiteren handelt es sich um eine bemerkenswerte Prophezeiung über das Kommen Jesu, des Messias.
Das Kommen des Gesalbten
30, 31. (a) In welcher Prophezeiung Daniels wurde die Zeit für das Erscheinen des Messias vorausgesagt? (b) Wie läßt sich, gestützt auf Daniels Prophezeiung, das Jahr errechnen, in dem der Messias erscheinen sollte?
30 Diese Prophezeiung steht in Daniel, Kapitel 9 und lautet: „Siebzig Jahrwochen [d. h. vierhundertneunzig Jahre] sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt“ (Daniel 9:24, Henne). Was sollte in diesen 490 Jahren geschehen? Es heißt: „Von der Zeit, da das Wort ergeht, Jerusalem wieder aufzubauen, bis der Gesalbte, der Fürst, ersteht, vergehen sieben Jahrwochen und zweiundsechzig Jahrwochen“ (Daniel 9:25, Henne). Diese Prophezeiung handelt also von der Zeit, zu der der „Gesalbte“, der Messias, ersteht oder auftritt. Wie erfüllte sie sich?
31 Das Wort oder der Befehl, Jerusalem wieder aufzubauen, ‘erging’ „im zwanzigsten Jahr des Königs Artaxerxes“ von Persien, d. h. 455 v. u. Z. (Nehemia 2:1-9). Am Ende von 49 Jahren (7 Jahrwochen) war viel von Jerusalems Herrlichkeit wiederhergestellt. Die vollen 483 Jahre (7 plus 62 Jahrwochen) zählen von 455 v. u. Z. bis 29 u. Z. Bei diesem Jahr handelte es sich um das ‘fünfzehnte Jahr der Regierung des Tiberius Cäsar’, das Jahr, in dem Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde (Lukas 3:1). Jesus wurde damals öffentlich als Sohn Gottes identifiziert und nahm seinen Dienst auf, indem er der jüdischen Nation die gute Botschaft verkündigte (Matthäus 3:13-17; 4:23). Damit war er der „Gesalbte“ oder Messias.
32. Wie lang sollte gemäß der Prophezeiung Daniels der irdische Dienst Jesu dauern, und was würde am Ende davon geschehen?
32 In der Prophezeiung heißt es weiter: „Nach zweiundsechzig Jahrwochen wird der Gesalbte hingerichtet werden.“ Auch wird gesagt: „Mit vielen wird er während der einen [„für eine“, The Amplified Bible] Jahrwoche einen festen Bund schließen und in der Hälfte der Jahrwoche Schlacht- und Speisopfer abschaffen“ (Daniel 9:26, 27, Henne). Im Einklang damit wandte sich Jesus ausschließlich an die „vielen“, d. h. an die fleischlichen Juden. Gelegentlich predigte er auch den Samaritern, die an einige der heiligen Schriften glaubten, aber eine vom Judaismus getrennte Sekte bildeten. Dann, „in der Hälfte der Jahrwoche“ oder nach dreieinhalb Jahren des Predigens, gab er sein Leben als ein Schlachtopfer, wurde also „hingerichtet“. Das bedeutete das Ende des mosaischen Gesetzes mit seinen Schlachtopfern und Opfergaben (Galater 3:13, 24, 25). Somit schaffte Jesus durch seinen Tod „Schlacht- und Speisopfer“ ab.
33. Wie lange handelte Jehova ausschließlich mit den Juden, und welches Ereignis kennzeichnete das Ende dieser Zeit?
33 Aber Juden und später die mit ihnen verwandten Samariter waren weitere dreieinhalb Jahre die einzigen, denen die neu ins Leben gerufene Christenversammlung Zeugnis gab. Im Jahre 36 u. Z. jedoch, am Ende der 70 Jahrwochen, predigte der Apostel Petrus unter göttlicher Leitung einem Nichtjuden: Kornelius (Apostelgeschichte 10:1-48). Nun war der „Bund“ nicht mehr auf ‘die vielen’, die Juden, beschränkt. Auch den unbeschnittenen Nichtjuden wurde die Rettung gepredigt.
34. Was geschah im Einklang mit Daniels Prophezeiung mit dem fleischlichen Israel, weil es den Messias verworfen hatte?
34 Die jüdische Nation hatte Jesus verworfen und sich dazu verschworen, ihn hinrichten zu lassen. Daher wurde sie von Jehova nicht beschützt, als die Römer 70 u. Z. kamen und Jerusalem zerstörten. Daniels weitere Worte erfüllten sich: „Die Stadt samt dem Heiligtum wird von dem Kriegsvolk eines Fürsten zerstört, der heranrückt. Ihr Ende erfolgt durch eine Flut. Am Ende eines Krieges kommt die beschlossene Verwüstung“ (Daniel 9:26b, Henne). Dieser zweite „Fürst“ war Titus, der römische Feldherr, der Jerusalem im Jahre 70 u. Z. zerstörte.
Inspirierte Prophezeiungen
35. Welche weiteren Prophezeiungen über Jesus erfüllten sich?
35 Daniels Prophezeiung von den 70 Wochen ging auf diese Weise bemerkenswert genau in Erfüllung. Ja, viele Prophezeiungen in den Hebräischen Schriften erfüllten sich im ersten Jahrhundert, und mehrere davon betrafen Jesus. Sein Geburtsort, sein Eifer für das Haus Gottes, seine Predigttätigkeit und daß er für 30 Silberstücke verraten wurde sowie seine Todesart und daß man Lose über seine Kleider warf — all diese Einzelheiten waren in den Hebräischen Schriften prophezeit worden. Die Erfüllung bewies unleugbar, daß Jesus der Messias war, und bestätigte erneut, daß diese Prophezeiungen inspiriert waren (Micha 5:2; Lukas 2:1-7; Sacharja 11:12; 12:10; Matthäus 26:15; 27:35; Psalm 22:18; 34:20; Johannes 19:33-37).
36, 37. Was lehrt uns die Tatsache, daß sich biblische Prophezeiungen erfüllt haben, und welche Überzeugung verleiht uns diese Erkenntnis?
36 Tatsächlich sind die biblischen Prophezeiungen immer zu ihrer bestimmten Zeit eingetroffen. Die Ereignisse sind genauso abgelaufen, wie es gemäß der Bibel der Fall sein sollte. Das beweist eindeutig, daß die Bibel das Wort Gottes ist. Hinter den prophetischen Äußerungen mußte mehr als menschliche Weisheit stehen, damit sie sich so genau erfüllen konnten.
37 Die Bibel enthält jedoch noch weitere Voraussagen, die sich damals noch nicht erfüllten. Warum? Weil sie sich in unserer Zeit erfüllen sollten und sogar in noch ferner Zukunft. Die Zuverlässigkeit der bereits erfüllten Prophezeiungen aus alter Zeit verleiht uns die Überzeugung, daß sich auch die anderen Voraussagen unfehlbar bewahrheiten werden. Wie das folgende Kapitel zeigt, ist das auch tatsächlich der Fall.
[Fußnote]
a Siehe Kapitel 4, „Wie glaubwürdig ist das ‚Alte Testament‘?“, Absatz 16 und 17.
[Herausgestellter Text auf Seite 133]
Die Prophezeiungen sind immer zu ihrer bestimmten Zeit eingetroffen. Alles geschah genauso, wie in der Bibel vorausgesagt.
[Bild auf Seite 118]
Archäologen stellten fest, daß Jerusalem von Nebukadnezar völlig zerstört wurde
[Bild auf Seite 121]
Eine Aufnahme des heutigen Tyrus. Von dem Tyrus, das die Propheten Israels kannten, ist kaum eine Spur übriggeblieben.
[Bild auf Seite 123]
Touristen, die das Gebiet des alten Babylon besuchen, können die Erfüllung der Prophezeiungen über diese Stadt bezeugen
[Bilder auf Seite 126]
Daniels Prophezeiungen über den Aufmarsch der Weltmächte haben sich so genau erfüllt, daß neuzeitliche Kritiker meinen, sie wären erst nach der Erfüllung aufgezeichnet worden
BABYLON
PERSIEN
GRIECHENLAND
ROM
BRITANNIEN
[Bild auf Seite 130]
Daniel sagte genau voraus, wann der Messias in Israel erscheinen würde
-
-
Eine biblische Prophezeiung, die sich vor unseren Augen erfülltDie Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 10
Eine biblische Prophezeiung, die sich vor unseren Augen erfüllt
Warum ist heute vieles so anders als noch vor hundert Jahren? Zwar sind gewisse Verbesserungen zu verzeichnen; beispielsweise sind heute in vielen Ländern Krankheiten heilbar, die früher unweigerlich den Tod brachten, und der Durchschnittsbürger genießt einen Lebensstandard, den sich seine Vorfahren nicht hätten träumen lassen. Aber unser Jahrhundert hat auch die schlimmsten Kriege und einige der furchtbarsten Greueltaten der Menschheitsgeschichte erlebt. Außerdem ist die Wohlfahrt der Menschheit, ja selbst ihr Fortbestand bedroht — durch die Bevölkerungsexplosion, durch die Umweltverschmutzung und durch die ungeheuren Arsenale von atomaren, biologischen und chemischen Waffen, die weltweit vorhanden sind. Warum unterscheidet sich das 20. Jahrhundert so sehr von früheren Jahrhunderten?
1 (und Einleitung). (a) Inwiefern unterscheidet sich das 20. Jahrhundert von früheren Jahrhunderten? (b) Was hilft uns, zu verstehen, warum unsere Zeit so anders ist?
DIE Antwort auf diese Frage hängt mit einer bemerkenswerten biblischen Prophezeiung zusammen, die sich vor unseren Augen erfüllt. Diese Prophezeiung wurde von Jesus geäußert, und sie liefert zum einen den Beweis für die Inspiration der Bibel, aber sie zeigt zum anderen auch, daß sehr drastische Veränderungen in der Szene dieser Welt unmittelbar bevorstehen. Was ist das für eine Prophezeiung? Und wieso wissen wir, daß sie sich erfüllt?
Die große Prophezeiung Jesu
2, 3. Welche Fragen wurden Jesus von seinen Jüngern gestellt, und wo ist seine Antwort zu finden?
2 Wie die Bibel berichtet, sprachen die Jünger Jesu kurz vor dessen Tod mit ihm über die großartigen Tempelbauten in Jerusalem; sie zeigten sich beeindruckt von deren Größe und deren anscheinender Unvergänglichkeit. Jesus sagte jedoch: „Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird“ (Matthäus 24:1, 2).
3 Diese Worte müssen Jesu Jünger überrascht haben. Später kamen sie zu ihm und baten um weiteren Aufschluß: „Sag uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3). Jesu Antwort ist in den weiteren Versen von Matthäus, Kapitel 24 und 25 zu finden. Seine Darlegungen wurden auch in Markus, Kapitel 13 und Lukas, Kapitel 21 aufgezeichnet. Es handelt sich eindeutig um die wichtigste Prophezeiung, die Jesus während seines Erdenlebens äußerte.
4. Nach welchen zwei verschiedenen Dingen fragten Jesu Jünger?
4 Die Jünger fragten Jesus eigentlich nach mehreren Dingen. Zunächst stellten sie die Frage: „Wann werden diese Dinge geschehen?“ Mit anderen Worten: Wann werden Jerusalem und der Tempel zerstört werden? Außerdem wollten sie wissen, welches Zeichen den Beginn der Gegenwart Jesu als König des himmlischen Königreiches Gottes und das bevorstehende Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge anzeigen würde.
5. (a) Welche erste Erfüllung hatte Jesu Prophezeiung, aber wann sollten sich seine Worte vollständig erfüllen? (b) Wie begann Jesus seine Antwort auf die Frage der Jünger?
5 In seiner Antwort ging Jesus auf beide Punkte ein. Viele seiner Worte erfüllten sich bereits im ersten Jahrhundert, in der Zeit, die bis zu der furchtbaren Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. noch verblieb (Matthäus 24:4-22). Doch seine Prophezeiung sollte später, ja in unseren Tagen eine größere Erfüllung haben. Was führte Jesus alles an? Gemäß Vers 7 und 8 sprach er zunächst über folgendes: „Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheit und Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben. Alle diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen.“
6. An welche parallele Prophezeiung erinnern uns Jesu Worte aus Matthäus 24:7, 8?
6 Jesu Gegenwart als himmlischer König sollte offensichtlich durch großen Aufruhr auf der Erde gekennzeichnet sein. Das wird durch eine parallele Prophezeiung in der Offenbarung bestätigt: die Vision von den vier Apokalyptischen Reitern (Offenbarung 6:1-8). Der erste dieser Reiter stellt Jesus selbst als siegreichen König dar. Die Reiter auf den anderen Pferden veranschaulichen Geschehnisse auf der Erde, die den Beginn der Herrschaft Jesu kennzeichnen: Krieg, Hungersnot und frühzeitiger Tod aus den verschiedensten Gründen. Ist die Erfüllung der beiden Prophezeiungen heute zu sehen?
Krieg
7. Was wurde durch den Ritt des zweiten Apokalyptischen Reiters prophetisch dargestellt?
7 Schauen wir uns die Prophezeiungen einmal etwas genauer an. Als erstes sagte Jesus: „Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich.“ Damit wurde Krieg vorausgesagt. Der zweite der vier Apokalyptischen Reiter ist ebenfalls ein Sinnbild für Krieg. Wir lesen: „Ein anderes, ein feuerfarbenes Pferd kam hervor; und dem, der darauf saß, wurde gewährt, den Frieden von der Erde wegzunehmen, so daß sie einander hinschlachten würden, und ein großes Schwert wurde ihm gegeben“ (Offenbarung 6:4). Die Menschen führen seit Jahrtausenden Krieg gegeneinander. Wieso sollten diese Worte ausgerechnet für unsere Tage eine besondere Bedeutung haben?
8. Wieso würden Kriege erwartungsgemäß ein hervorstechendes Merkmal des Zeichens sein?
8 Es gilt zu beachten, daß Kriege allein nicht das Zeichen für Jesu Gegenwart sind. Das Zeichen setzt sich aus allen Einzelheiten der Prophezeiung Jesu zusammen, die in einem bestimmten Zeitraum zu sehen sind. Krieg ist allerdings das erste der erwähnten Kennzeichen, weshalb eine außergewöhnliche, aufsehenerregende Erfüllung zu erwarten wäre. Und jeder muß zugeben, daß die Kriege des 20. Jahrhunderts in der Geschichte ohnegleichen sind.
9, 10. Wie begannen sich die Prophezeiungen über Krieg zu erfüllen?
9 Beispielsweise erreichten keine früheren Kriege — so grausam und verheerend viele auch waren — auch nur entfernt das Ausmaß der Zerstörungen, die die beiden Weltkriege unseres Jahrhunderts anrichteten. Der Erste Weltkrieg forderte letztlich ungefähr 14 Millionen Todesopfer; viele Länder haben nicht einmal so viele Einwohner. Es war wirklich „gewährt [worden], den Frieden von der Erde wegzunehmen, so daß sie einander hinschlachten würden“.
10 Gemäß der Prophezeiung wurde dem kriegerischen zweiten Apokalyptischen Reiter „ein großes Schwert ... gegeben“. Worauf deutet das hin? Auf immer todbringendere Kriegswaffen. Ausgerüstet mit Panzern, Flugzeugen, tödlichem Giftgas, Unterseebooten und einer Artillerie, die Sprenggranaten über mehrere Kilometer verschoß, konnte man immer wirkungsvoller andere Menschen töten. Und seit dem Ersten Weltkrieg ist das „große Schwert“ durch Funkverkehr und Radar sowie durch den Einsatz von weiterentwickelten Schußwaffen, bakteriologischen und chemischen Waffen, Flammenwerfern, Napalm, neuartigen Bomben, Interkontinentalraketen, Atomunterseebooten, modernen Flugzeugen und riesigen Schlachtschiffen — um nur einiges zu nennen — noch zerstörerischer geworden.
„Ein Anfang der Bedrängniswehen“
11, 12. In welchem Sinn war der Erste Weltkrieg nur ein „Anfang der Bedrängniswehen“?
11 Die ersten Verse der Prophezeiung Jesu schließen mit den Worten ab: „Diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen.“ Das traf auf den Ersten Weltkrieg ganz bestimmt zu. Sein Ende im Jahre 1918 brachte keinen dauerhaften Frieden. Ihm folgten nach kurzer Zeit zwar begrenzte, aber mit großer Grausamkeit geführte Militäraktionen in Äthiopien, Libyen, Spanien, Rußland, Indien und anderen Staaten. Dann brach der furchtbare Zweite Weltkrieg aus, der etwa 50 Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben kostete.
12 Außerdem befindet sich die Menschheit trotz zeitweiliger Friedensabkommen und vorübergehender Kampfpausen immer noch im Kriegszustand. 1987 wurde berichtet, daß seit 1960 81 größere Kriege ausgefochten wurden, in denen 12 555 000 Männer, Frauen und Kinder umkamen. Im Jahre 1987 tobten mehr Kriege gleichzeitig als irgendwann zuvor in der Menschheitsgeschichte.1 Außerdem belaufen sich die jährlichen Militärausgaben inzwischen auf eine Billion Dollar, wodurch die Weltwirtschaft nicht unerheblich belastet wird.2 Jesu Prophezeiung, daß sich ‘Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich erheben wird’, hat sich auf jeden Fall erfüllt. Das rote Pferd, das Krieg symbolisiert, setzt seinen furchtbaren Galopp über die Erde fort. Doch was ist zu dem zweiten Merkmal des Zeichens zu sagen?
Lebensmittelknappheit
13. Welche tragischen Ereignisse sagte Jesus voraus, und inwiefern unterstützt die Vision von dem dritten Apokalyptischen Reiter diese Prophezeiung?
13 Jesus sagte voraus: „Es wird Lebensmittelknappheit ... an einem Ort nach dem anderen geben.“ Man beachte, welche Übereinstimmung in dieser Hinsicht mit dem Ritt des dritten Apokalyptischen Reiters besteht: „Ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd; und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme, als ob sie inmitten der vier lebenden Geschöpfe sagte: ‚Einen Liter Weizen für einen Denar und drei Liter Gerste für einen Denar, und das Olivenöl und den Wein beschädigt nicht‘ “ (Offenbarung 6:5, 6). Wirklich eine schwere Lebensmittelknappheit!
14. Welche größeren Hungersnöte sind in Erfüllung der Prophezeiung Jesu seit 1914 aufgetreten?
14 Kann sich diese Prophezeiung heute erfüllen, da doch einige Länder einen wirklich hohen Lebensstandard erreicht haben? Eine Betrachtung der globalen Situation gibt eine deutliche Antwort. Die Geschichte zeigt, daß Hungersnöte durch Kriege und Naturkatastrophen verursacht werden. Es überrascht daher nicht, daß unser Jahrhundert, in dem es mehr Katastrophen und Kriege gegeben hat als in früheren, wiederholt von Hungersnöten heimgesucht wurde. Viele Gebiete der Erde haben seit 1914 solche Katastrophen erlebt. In einer Aufstellung werden mehr als 60 größere Hungersnöte angeführt, zu denen es seit jenem Jahr in so weit auseinander liegenden Ländern wie Griechenland, den Niederlanden, der Sowjetunion, Nigeria, dem Tschad, Chile, Peru, Bangladesch, Bengalen, Kambodscha, Äthiopien und Japan gekommen ist.3 Einige dieser Hungersnöte dauerten mehrere Jahre an und brachten Millionen den Tod.
15, 16. Welche andere Form der Lebensmittelknappheit hat heute wahrhaft verheerende Ausmaße?
15 Über schwere Hungersnöte wird normalerweise weltweit in den Medien berichtet; wenn sie nach einiger Zeit überwunden sind, kehren die Überlebenden allmählich zu einem relativ normalen Leben zurück. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sich jedoch eine andere, noch bedrohlichere Art der Lebensmittelknappheit entwickelt. Sie ist weniger dramatisch und wird daher oft übersehen. Aber sie besteht Jahr für Jahr. Es handelt sich um die schwere Geißel der Mangelernährung, von der etwa ein Fünftel der Erdbevölkerung betroffen ist und an der jährlich zwischen 13 und 18 Millionen Menschen sterben.4
16 Mit anderen Worten: Diese Art der Lebensmittelknappheit fordert in etwa zwei Tagen so viele Opfer, wie in Hiroschima durch die Atombombe umkamen. In zwei Jahren sterben mehr Menschen an den Folgen des Hungers, als Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg insgesamt gefallen sind. Hat es also seit 1914 „Lebensmittelknappheit ... an einem Ort nach dem anderen“ gegeben? Ganz bestimmt!
Erdbeben
17. Welches zerstörerische Erdbeben ereignete sich bald nach 1914?
17 Am 13. Januar 1915, nur einige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, erschütterte ein Erdbeben die Abruzzen (Italien) und forderte 32 610 Todesopfer. Diese Katastrophe erinnerte daran, daß die Kriege und Lebensmittelknappheiten während der Gegenwart Jesu noch von etwas anderem begleitet sein sollten: „Es wird ... Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben.“ Das Erdbeben in den Abruzzen war aber wie der Krieg und die Hungersnot nur „ein Anfang der Bedrängniswehen“.a
18. Wie hat sich Jesu Prophezeiung über Erdbeben erfüllt?
18 Das 20. Jahrhundert ist ein Jahrhundert der Erdbeben, und durch die modernen Nachrichtenmedien hat die gesamte Menschheit Kenntnis von den Verwüstungen, die sie anrichten. Um nur einige wenige zu nennen: 1920 starben 200 000 Menschen bei einem Erdbeben in China; in Japan gab es 1923 etwa 99 300 Tote bei einem Beben; 1935 tötete ein weiteres Erdbeben 25 000 Menschen im heutigen Pakistan; 1939 kamen in der Türkei 32 700 Personen durch ein Beben zu Tode. Bei einem Erdbeben, das sich 1970 in Peru ereignete, gab es 66 800 Tote. Und 1976 starben in Tangschan (China) etwa 240 000 (oder gemäß anderen Quellen 800 000) Menschen. Unlängst, im Jahre 1988, gab es 25 000 Tote bei einem verheerenden Erdbeben in Armenien.b Ohne Frage „Erdbeben an einem Ort nach dem anderen“!6
‘Tödliche Plagen’
19. Welche weitere Einzelheit des Zeichens, die durch den vierten Apokalyptischen Reiter dargestellt wurde, sagte Jesus voraus?
19 Eine weitere Einzelheit der Prophezeiung Jesu hat mit Krankheiten zu tun. Der Evangelist Lukas berichtet, daß Jesus „an einem Ort nach dem anderen Seuchen“ voraussagte (Lukas 21:11). Auch das stimmt mit der prophetischen Vision von den vier Apokalyptischen Reitern überein. Der Name des vierten Reiters lautet Tod. Er veranschaulicht den vorzeitigen Tod aus den verschiedensten Gründen, verursacht unter anderem durch ‘tödliche Plagen und durch die wilden Tiere der Erde’ (Offenbarung 6:8).
20. Welche außergewöhnliche Epidemie war Teil der Erfüllung der Prophezeiung Jesu über Seuchen?
20 In den Jahren 1918 und 1919 erkrankten über 1 Milliarde Menschen an der spanischen Grippe, und sie forderte mehr als 20 Millionen Menschenleben, also noch mehr Opfer als der große Krieg.7 Und unsere Generation wird trotz vieler bemerkenswerter medizinischer Fortschritte weiterhin von ‘tödlichen Plagen’ oder „Seuchen“ heimgesucht. Wieso? Weil die ärmeren Länder nicht immer am Segen des wissenschaftlichen Fortschritts teilhaben. Arme Menschen leiden und sterben an Krankheiten, die geheilt werden könnten, wenn mehr Geld zur Verfügung stünde.
21, 22. Wie leiden die Menschen sowohl in reichen als auch in armen Ländern unter ‘tödlichen Plagen’?
21 So sind weltweit beispielsweise etwa 150 Millionen Menschen an Malaria erkrankt. Etwa 200 Millionen haben sich mit Bilharziose infiziert. Von der Chagas-Krankheit sind ungefähr 10 Millionen Menschen betroffen. Schätzungsweise 40 Millionen leiden an Onchozerkose („Flußblindheit“). An akuten Durchfallerkrankungen sterben jährlich Millionen von Kindern.8 Tuberkulose und Lepra sind immer noch eine ernste Bedrohung für die Gesundheit. Vor allem die Armen dieser Welt werden „an einem Ort nach dem anderen [von] Seuchen“ heimgesucht.
22 Den Reichen ergeht es jedoch nicht besser. An Grippe erkranken beispielsweise Arme und Reiche. Im Jahre 1957 forderte eine Grippeepidemie allein in den Vereinigten Staaten 70 000 Tote. Schätzungsweise jeder sechste erkrankt in der Bundesrepublik Deutschland an Krebs.9 Sexuell übertragbare Krankheiten treffen ebenfalls Arme und Reiche in gleicher Weise. In einigen Teilen Afrikas leiden bis zu 18,9 Prozent der Bevölkerung an Gonorrhöe, und in den Vereinigten Staaten ist sie die häufigste ansteckende Krankheit.10 Syphilis, Chlamydieninfektionen und Herpes genitalis sind einige weitere der weltweit auftretenden sexuell übertragbaren „Seuchen“.
23. Welche ‘tödliche Plage’ macht in letzter Zeit Schlagzeilen?
23 In den letzten Jahren ist die ‘tödliche Plage’ Aids zur Liste der „Seuchen“ hinzugekommen. Aids ist deshalb eine gefürchtete Krankheit, weil (bei Abfassung dieses Buches) kein Heilmittel in Sicht ist und die Zahl der Opfer ständig steigt. Dr. Jonathan Mann, Direktor des globalen Aidsprogramms der WHO (Weltgesundheitsorganisation), sagte: „Wir rechnen damit, daß heute weltweit schätzungsweise fünf bis zehn Millionen Menschen mit dem menschlichen Immunschwächevirus (HIV) infiziert sind.“11 Gemäß einer Schätzung findet das Aidsvirus jede Minute ein neues Opfer. Eine wahrhaft ‘tödliche Plage’! Doch wie verhält es sich mit der Prophezeiung über den Tod durch wilde Tiere?
„Die wilden Tiere der Erde“
24, 25. (a) Auf welche Art von „wilden Tieren“ bezog sich der Prophet Hesekiel? (b) Was sagte Jesus darüber, daß während seiner Gegenwart „wilde Tiere“ auf der Erde ihr Unwesen treiben würden?
24 Wenn gegenwärtig in der Zeitung von wilden Tieren die Rede ist, dann zumeist deshalb, weil bestimmte Arten gefährdet oder nahezu ausgerottet sind. „Die wilden Tiere der Erde“ sind weit mehr durch den Menschen bedroht als umgekehrt. In einigen Ländern fallen jedoch immer wieder Menschen wilden Tieren, in Indien beispielsweise Tigern, zum Opfer.
25 Die Bibel lenkt unsere Aufmerksamkeit allerdings auch auf eine andere Art von wilden Tieren, die in den letzten Jahren Angst und Schrecken verbreiten. Der Prophet Hesekiel verglich gewalttätige Menschen mit wilden Tieren, als er sagte: „Ihre Fürsten in ihrer Mitte sind wie Wölfe, die Raub zerreißen, indem sie Blut vergießen, indem sie Seelen vernichten, um ungerechten Gewinn zu machen“ (Hesekiel 22:27). Als Jesus ‘zunehmende Gesetzlosigkeit’ prophezeite, sagte er im Grunde, daß während seiner Gegenwart solche „wilden Tiere“ auf der Erde ihr Unwesen treiben würden (Matthäus 24:12). Der Bibelschreiber Paulus fügte hinzu, daß die Menschen während der „letzten Tage“ „geldliebend, ... ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten“ seien (2. Timotheus 3:1-3). Ist das seit 1914 der Fall?
26—28. Welche Berichte aus der ganzen Welt zeigen, daß kriminelle „wilde Tiere“ die Erde durchstreifen?
26 Ganz bestimmt! Fast jeder, der irgendwo auf der Erde in einer Großstadt lebt, kann das bestätigen. Sollte jemand daran zweifeln, braucht er sich nur einmal die folgenden Zeitungszitate anzuschauen. Kolumbien: „Im letzten Jahr registrierte die Polizei ... etwa 10 000 Morde und 25 000 bewaffnete Raubüberfälle.“ Victoria (Australien): „Starker Anstieg der Schwerverbrechen“. Vereinigte Staaten: „Morde in New York vor neuer Rekordmarke“. „Detroit überrundete im letzten Jahr Gary (Indiana) als Großstadt mit der höchsten Mordrate der Nation — 58 auf je 100 000 Einwohner.“
27 Simbabwe: „Kindermorde nehmen krisenhafte Ausmaße an.“ Brasilien: „Es werden so viele Verbrechen begangen, und so viele Leute tragen Waffen, daß Nachrichten über Gewalttätigkeiten keine große Aufregung mehr verursachen.“ Neuseeland: „Sexualverbrechen und Schwerkriminalität weiterhin Hauptsorge der Polizei“. „Die Gewalttätigkeit der Neuseeländer untereinander kann nur als barbarisch bezeichnet werden.“ Spanien: „Spanien kämpft gegen zunehmende Verbrechen.“ Italien: „Sizilianische Mafia meldet sich nach Rückschlag mit einer Mordserie zurück.“
28 Das ist nur eine kleine Sammlung von Zeitungsberichten, die kurz vor der Abfassung dieses Buches erschienen sind. Ohne Zweifel durchstreifen „wilde Tiere“ die Erde und lassen die Menschen um ihre Sicherheit fürchten.
Das Predigen der guten Botschaft
29, 30. Welche religiöse Situation herrscht in Erfüllung der Prophezeiung Jesu in der Christenheit?
29 Wie würde es in der schwierigen Zeit der Gegenwart Jesu um die Religion bestellt sein? Jesus sagte einerseits eine vermehrte religiöse Tätigkeit voraus: „Viele falsche Propheten werden aufstehen und viele irreführen“ (Matthäus 24:11). Andererseits zeigte er aber auch, daß das Interesse an Gott in der Christenheit im allgemeinen einen Tiefstand erreichen würde: „Die Liebe der meisten [wird] erkalten“ (Matthäus 24:12).
30 Das ist eine genaue Beschreibung dessen, was heute in der Christenheit geschieht. Überall geht es mit den großen Kirchen bergab, weil es ihnen an Unterstützung fehlt. In den einst streng protestantischen Ländern Nordeuropas und in England ist die Religion so gut wie tot. Die katholische Kirche leidet unter Priestermangel, und ihre Unterstützung schwindet. Religiöse Randgruppen erleben dagegen einen plötzlichen Aufschwung. Sekten östlicher Religionen breiten sich aus, und habgierige Fernsehprediger pressen den Menschen Millionen von Dollar ab.
31. Was sagte Jesus voraus, woran man heute wahre Christen erkennen kann?
31 Wie steht es jedoch mit dem wahren Christentum, jener Religion, die von Jesus eingeführt und von seinen Aposteln gepredigt wurde? Sie sollte während Jesu Gegenwart noch existieren. Aber woran könnte man sie erkennen? Für das wahre Christentum gibt es eine ganze Reihe von Erkennungsmerkmalen, und eines wird auch in der großen Prophezeiung Jesu erwähnt. Wahre Christen wären mit einem weltumspannenden Predigtwerk beschäftigt. Er sagte voraus: „Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).
32. Nur welche Gruppe hat Jesu Prophezeiung aus Matthäus 24:14 erfüllt?
32 Dieses Predigen erfolgt gegenwärtig weltweit. Heute führt die religiöse Gruppe, die sich Jehovas Zeugen nennt, das umfangreichste Predigtwerk in der Geschichte des Christentums durch (Jesaja 43:10, 12). Im Jahre 1919, als sich die politisch gesinnten großen Kirchen der Christenheit für den zum Scheitern verurteilten Völkerbund einsetzten, wurden Jehovas Zeugen auf diesen globalen Predigtfeldzug vorbereitet.
33, 34. In welchem Umfang wird die gute Botschaft vom Königreich auf der ganzen Erde gepredigt?
33 Damals gab es nur etwa 10 000 Zeugen, aber sie waren sich bewußt, welches Werk getan werden mußte. Mutig nahmen sie das Predigtwerk in Angriff. Sie erkannten, daß eine Trennung in Geistliche und Laien sowohl dem biblischen Gebot als auch dem apostolischen Vorbild widersprach. Daher lernten sie alle ohne Ausnahme, mit ihren Mitmenschen über Gottes Königreich zu sprechen. Sie bildeten eine Organisation von Predigern.
34 Im Laufe der Zeit erduldeten diese Prediger heftigen Widerstand. In Europa wurden sie von verschiedenen totalitären Regimen angegriffen. In den Vereinigten Staaten und in Kanada mußten sie Rechtskämpfe führen und waren Pöbelaktionen ausgesetzt. In anderen Ländern mußten sie mit fanatischen religiösen Vorurteilen und grausamer Verfolgung durch tyrannische Diktatoren fertig werden. Gegenwärtig müssen sie sich mit dem Geist des Skeptizismus und des Hedonismus auseinandersetzen, den viele Menschen entwickelt haben. Sie haben jedoch bis heute ausgeharrt, und ihre Zahl ist inzwischen auf über dreieinhalb Millionen in 212 Ländern und Inselgebieten gestiegen. Nie zuvor ist die gute Botschaft in einem solchen Umfang gepredigt worden — eine eindeutige Erfüllung dieses Teils des Zeichens!
Was hat das alles zu bedeuten?
35. (a) Inwiefern ist die Erfüllung von Prophezeiungen in der Gegenwart ein Beweis für die göttliche Inspiration der Bibel? (b) Was bedeutet die Erfüllung des Zeichens, das Jesus für unsere Tage gab?
35 Wir sind zweifellos Zeugen der Erfüllung des großen Zeichens, das Jesus gab. Diese Tatsache ist ein weiterer Beweis dafür, daß die Bibel tatsächlich das inspirierte Wort Gottes ist. Kein Mensch hätte so lange im voraus die Ereignisse beschreiben können, die sich in unserem 20. Jahrhundert zugetragen haben. Außerdem zeigt die Erfüllung des Zeichens, daß wir in der Zeit der Gegenwart Jesu und des Abschlusses des Systems der Dinge leben (Matthäus 24:3). Was bedeutet das? Was ist mit Jesu Gegenwart verbunden? Und was ist mit dem System der Dinge gemeint, das vor seinem Abschluß steht? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir uns einem weiteren klaren Beweis für die Inspiration der Bibel zuwenden: ihrer bemerkenswerten inneren Harmonie. Dieses Merkmal werden wir als nächstes betrachten und außerdem erörtern, wieso in Verbindung mit dem Hauptthema der Bibel gerade jetzt ein ehrfurchtgebietender Höhepunkt bevorsteht.
[Fußnoten]
a Zwischen 1914 und 1918 ereigneten sich wenigstens fünf Erdbeben, die auf der Richter-Skala die Stärke 8 und mehr erreichten, also stärker waren als das Beben in den Abruzzen. Diese erschütterten jedoch abgelegene Gebiete der Erde und erregten daher nicht soviel Aufmerksamkeit wie das Beben in Italien.5
b In Verbindung mit einigen dieser Katastrophen werden unterschiedliche Zahlen genannt, was die Opfer betrifft. Alle richteten jedoch große Zerstörungen an.
-
-
Die innere Harmonie der BibelDie Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 11
Die innere Harmonie der Bibel
Man stelle sich eine Bibliothek von 66 Büchern vor, die von ungefähr 40 verschiedenen Personen während einer Zeit von 1 600 Jahren geschrieben wurden. Drei Sprachen gebrauchten die Schreiber, die in verschiedenen Ländern lebten. Sie alle unterschieden sich in ihrer Persönlichkeit, ihren Fähigkeiten und ihrer Herkunft. Aber als ihre Bücher schließlich gesammelt wurden, stellte sich heraus, daß sie eigentlich ein einziges großes Buch bildeten, das von Anfang bis zum Ende e i n grundlegendes Thema verfolgte. Ist das nicht fast unvorstellbar? Doch die Bibel ist eine solche Bibliothek.
1 (und Einleitung). Welche bemerkenswerte Harmonie bezeugt, daß die Bibel von Gott inspiriert ist?
JEDER aufrichtige Leser ist davon beeindruckt, daß es sich bei der Bibel — obwohl sie eine Sammlung verschiedener Bücher darstellt — um ein einheitliches Werk handelt. Die Einheitlichkeit zeigt sich darin, daß vom Anfang bis zum Ende die Anbetung nur e i n e s Gottes befürwortet wird, dessen charakteristische Eigenschaften sich nie verändern, und daß in allen Büchern e i n Hauptthema behandelt wird. Diese innere Harmonie ist ein starker Beweis dafür, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist.
2, 3. Welche in Eden geäußerte Prophezeiung gab Grund zur Hoffnung, und welche Umstände gaben Anlaß, diese Prophezeiung zu äußern?
2 Das grundlegende Thema der Bibel wird bereits in den einleitenden Kapiteln ihres allerersten Buches, in 1. Mose, aufgegriffen. Dort lesen wir, daß unsere Ureltern, Adam und Eva, vollkommen erschaffen und in einen paradiesischen Garten, Eden, gesetzt wurden. Doch an Eva trat eine Schlange heran, die die Rechtmäßigkeit der Gesetze Gottes in Frage zog und Eva durch heimtückische Lügen zu einer sündigen Handlungsweise verleitete. Adam folgte ihrem Beispiel und wurde dadurch ebenfalls Gott ungehorsam. Was war die Folge? Beide wurden aus Eden vertrieben und zum Tod verurteilt. Wir haben heute unter den Auswirkungen dieser ersten Rebellion zu leiden. Von unseren Ureltern haben wir alle die Sünde und den Tod ererbt (1. Mose 3:1-7, 19, 24; Römer 5:12).
3 Aber Gott äußerte zu jener verhängnisvollen Zeit eine Prophezeiung, die Grund zur Hoffnung gab. Die Prophezeiung richtete sich an die Schlange, wurde aber in Hörweite Adams und Evas geäußert, damit sie ihren Kindern davon erzählen konnten. Gott sagte folgendes: „Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen“ (1. Mose 3:15; Römer 8:20, 21).
4. Wer wird in Jehovas Edenprophezeiung erwähnt, und wie würden sich die Erwähnten im Laufe der Jahrhunderte verhalten?
4 Man beachte die vier in diesem Themavers Erwähnten: die Schlange und ihr Same sowie die Frau und ihr Same. Sie sollten in Ereignissen kommender Jahrtausende die Schlüsselfiguren sein. Zwischen der Frau und ihrem Samen auf der einen Seite und der Schlange und ihrem Samen auf der anderen Seite sollte fortgesetzt Feindschaft herrschen. Diese Feindschaft schloß den ständigen Konflikt zwischen wahrer und falscher Anbetung ein sowie zwischen rechtem Verhalten und Bosheit. In einer bestimmten Phase würde die Schlange durch das Zermalmen der Ferse des Samens der Frau einen scheinbaren Vorteil erringen. Letzten Endes sollte der Same der Frau jedoch den Kopf der Schlange zermalmen, und Gott selbst würde gerechtfertigt sein, wenn alle Spuren jener Urrebellion beseitigt wären.
5. Wieso wissen wir, daß es sich bei der in der Prophezeiung erwähnten Frau nicht um Eva handelte?
5 Um wen handelt es sich bei der Frau, und um wen bei der Schlange? Wer sind die Samen der beiden? Als Eva ihren ersten Sohn, Kain, bekam, rief sie aus: „Ich habe mit der Hilfe Jehovas einen Mann hervorgebracht“ (1. Mose 4:1). Vielleicht dachte sie, sie sei die in der Prophezeiung erwähnte Frau und dieser Sohn würde sich als der Same erweisen. Aber Kain hatte einen schlechten Geist, der dem der Schlange glich. Er wurde zum Mörder, indem er seinen jüngeren Bruder, Abel, tötete (1. Mose 4:8). Die Prophezeiung hatte eindeutig eine tiefere, sinnbildliche Bedeutung, die nur Gott erklären konnte. Und das tat er auch nach und nach. Alle 66 Bücher der Bibel tragen auf die eine oder andere Weise dazu bei, die Bedeutung dieser ersten Prophezeiung der Bibel zu offenbaren.
Wer ist die Schlange?
6—8. Welche Worte Jesu sind eine Hilfe, die Macht, die hinter der Schlange stand, zu identifizieren? Wieso kann das gesagt werden?
6 Zunächst zu der Frage, wer die in 1. Mose 3:15 erwähnte Schlange ist. Wie der Bericht sagt, trat in Eden eine buchstäbliche Schlange an Eva heran. Aber buchstäbliche Schlangen können nicht sprechen. Eine hinter ihr stehende Macht mußte sie dazu veranlaßt haben. Wer war diese Macht? Erst im ersten Jahrhundert u. Z., zur Zeit des irdischen Dienstes Jesu, wurde die Identität dieser Macht eindeutig enthüllt.
7 Jesus unterhielt sich einmal mit selbstgerechten religiösen Führern der Juden, die sich rühmten, Söhne Abrahams zu sein. Doch sie hatten der Wahrheit, die Jesus predigte, unerbittlich widerstanden. Daher sagte er zu ihnen: „Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und nach den Begierden eures Vaters wünscht ihr zu tun. Jener war ein Totschläger, als er begann, und er stand in der Wahrheit nicht fest, weil die Wahrheit nicht in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er gemäß seiner eigenen Neigung, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge“ (Johannes 8:44).
8 Das waren harte und unmißverständliche Worte. Jesus bezeichnete den Teufel als einen „Totschläger“ und als den „Vater der Lüge“. Die allerersten Lügen, von denen berichtet wird, sind die von der „Schlange“ in Eden geäußerten. Wer immer diese Lügen redete, war in der Tat der „Vater der Lüge“. Zudem führten sie zum Tod Adams und Evas, wodurch jener alte Lügner zu einem Mörder wurde. Bei der hinter der Schlange in Eden stehenden Macht handelte es sich offensichtlich um Satan, den Teufel, und Jehova sprach in jener Prophezeiung in alter Zeit eigentlich zu ihm.
9. Wie kam Satan ins Dasein?
9 Manch einer fragt sich: Warum hat Gott, wenn er doch gut ist, ein Geschöpf wie den Teufel erschaffen? Diese Frage läßt sich anhand von Jesu Worten klären. Jesus sagte von Satan: „[Er] war ein Totschläger, als er begann.“ Als Satan Eva belog, begann er somit, „Satan“ zu sein. Dieser Ausdruck wird von einem hebräischen Wort abgeleitet, das „Widerstandleistender“ bedeutet. Gott erschuf keinen Satan. Ein ehemals treuer Engel ließ zu, daß sich in seinem Herzen ein falsches Verlangen, eine Begierde, entwickelte, so daß er zum Satan wurde (5. Mose 32:4; vergleiche Hiob 1:6-12; 2:1-10; Jakobus 1:13-15).
Der Same der Schlange
10, 11. Wie helfen Jesus und der Apostel Johannes den Samen der Schlange identifizieren?
10 Wie verhält es sich aber mit dem ‘Samen [oder der Nachkommenschaft] der Schlange’? Jesu Worte helfen uns, auch diesen Teil des Rätsels zu lösen. Er sagte zu den religiösen Führern der Juden: „Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und nach den Begierden eures Vaters wünscht ihr zu tun.“ Diese Juden rühmten sich, Nachkommen Abrahams zu sein. Doch ihr böses Verhalten machte sie zu geistigen Kindern Satans, des Urhebers der Sünde.
11 Ende des ersten Jahrhunderts erklärte der Apostel Johannes in einem Brief deutlich, wer zum Samen der Schlange, d. h. des Teufels, gehört. Er schrieb: „Wer fortgesetzt Sünde begeht, stammt vom Teufel, denn der Teufel hat von Anfang an gesündigt. ... Hieran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennbar: Jeder, der nicht Gerechtigkeit übt, stammt nicht von Gott noch der, der seinen Bruder nicht liebt“ (1. Johannes 3:8, 10). Offensichtlich hat der Same der Schlange in der ganzen Menschheitsgeschichte eine rege Tätigkeit entfaltet.
Wer ist der Same der Frau?
12, 13. (a) Wie offenbarte Jehova dem Abraham, daß der Same der Frau einer seiner Nachkommen sein sollte? (b) Wer erbte die Verheißung bezüglich des Samens?
12 Wer ist dann der ‘Same [oder Nachkomme] der Frau’? Das ist eine der wichtigsten Fragen, die je aufgetaucht sind, denn der Same der Frau wird letztendlich den Kopf Satans zermalmen und die schlechten Auswirkungen der ursprünglichen Rebellion beseitigen. Im 20. Jahrhundert v. u. Z. offenbarte Gott dem treuen Abraham einen bedeutsamen Anhaltspunkt, was die Identität dieses Samens betrifft. Gott gab Abraham aufgrund seines großen Glaubens mehrere Verheißungen bezüglich des Nachkommen, der ihm geboren werden würde. Und eine dieser Verheißungen ließ erkennen, daß einer der Nachkommen Abrahams der ‘Same der Frau’ sein sollte, der den ‘Kopf der Schlange zermalmen’ wird. Gott sagte zu Abraham: „Dein Same wird das Tor seiner Feinde in Besitz nehmen. Und durch deinen Samen werden sich bestimmt alle Nationen der Erde zufolge der Tatsache segnen, daß du auf meine Stimme gehört hast“ (1. Mose 22:17, 18).
13 Im Laufe der Jahre wurde die an Abraham ergangene Verheißung gegenüber seinem Sohn Isaak und gegenüber seinem Enkel Jakob wiederholt (1. Mose 26:3-5; 28:10-15). Aus Jakobs Nachkommen wurden schließlich 12 Stämme. Einer davon, nämlich Juda, empfing eine besondere Verheißung: „Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis Schilo kommt; und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören“ (1. Mose 49:10). Der Same sollte offensichtlich aus dem Stamm Juda hervorgehen.
14. Welche Nation wurde organisiert, um auf das Kommen des Samens vorbereitet zu sein?
14 Gegen Ende des 16. Jahrhunderts v. u. Z. wurden die 12 Stämme Israels als Gottes besonderes Volk zu einer Nation organisiert. Zu diesem Zweck schloß Gott einen feierlichen Bund mit ihnen und gab ihnen eine Gesetzessammlung. Das geschah hauptsächlich, um ein Volk auf das Kommen des „Samens“ vorzubereiten (2. Mose 19:5, 6; Galater 3:24). Von da an zeigte sich die Feindschaft Satans gegenüber dem Samen der Frau in der feindseligen Haltung der Nationen gegenüber dem auserwählten Volk Gottes.
15. Welches war der letzte Anhaltspunkt, aus welcher Familie der Nachkommen Abrahams der Same hervorgehen würde?
15 Der letzte Anhaltspunkt, aus welcher Familie der Same hervorgehen sollte, wurde im 11. Jahrhundert v. u. Z. gegeben. Damals sprach Gott zu David, dem zweiten König Israels, und verhieß ihm, daß der Same aus seiner Geschlechtslinie kommen und daß dessen Thron „bis auf unabsehbare Zeit gefestigt“ werden würde (2. Samuel 7:11-16). Von da an konnte von dem Samen zu Recht als von dem Sohn Davids gesprochen werden (Matthäus 22:42-45).
16, 17. Wie beschrieb Jesaja die Segnungen, die der Same bringen würde?
16 In späteren Jahren erweckte Gott Propheten, um weiteren inspirierten Aufschluß über den kommenden Samen zu geben. Im achten Jahrhundert v. u. Z. schrieb zum Beispiel Jesaja: „Ein Kind ist uns geboren worden, ein Sohn ist uns gegeben worden; und die fürstliche Herrschaft wird auf seiner Schulter sein. Und sein Name wird genannt werden: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewigvater, Fürst des Friedens. Für die Fülle der fürstlichen Herrschaft und den Frieden wird es kein Ende geben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich“ (Jesaja 9:6, 7).
17 Außerdem prophezeite Jesaja über diesen Samen: „Mit Gerechtigkeit wird er die Geringen richten, und mit Geradheit wird er Zurechtweisung erteilen müssen zugunsten der Sanftmütigen der Erde. ... Und der Wolf wird tatsächlich bei dem männlichen Lamm weilen, und der Leopard wird bei dem Böckchen lagern, und das Kalb und der mähnige junge Löwe und das wohlgenährte Tier, alle beieinander ... Sie werden keinen Schaden stiften noch irgendwie Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg; denn die Erde wird bestimmt erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken“ (Jesaja 11:4-9). Welch reiche Segnungen dieser Same doch bringen sollte!
18. Welchen weiteren Aufschluß über den Samen zeichnete Daniel auf?
18 Im sechsten Jahrhundert v. u. Z. zeichnete Daniel eine weitere Prophezeiung über den Samen auf. Er sagte voraus, daß einer wie ein Menschensohn im Himmel erscheinen würde. „Und ihm“, so Daniel, „wurde Herrschaft und Würde und Königtum gegeben, damit die Völker, Völkerschaften und Sprachen alle ihm dienen sollten“ (Daniel 7:13, 14). Der kommende Same sollte also ein himmlisches Königreich erben, und seine königliche Gewalt würde sich über die ganze Erde erstrecken.
Das Rätsel gelöst
19. Welche Rolle sollte Maria gemäß der Erklärung des Engels beim Kommen des Samens spielen?
19 Um wen es sich bei dem Samen handelte, wurde schließlich kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung enthüllt. Im Jahre 2 v. u. Z. erschien ein Engel einer jungen Jüdin namens Maria, die von David abstammte. Er sagte ihr, sie werde ein ganz besonderes Kind gebären, und erklärte: „Dieser wird groß sein und wird Sohn des Höchsten genannt werden; und Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben, und er wird für immer als König über das Haus Jakob regieren, und sein Königreich wird kein Ende haben“ (Lukas 1:32, 33). Das lange Warten auf den „Samen“ sollte also schließlich enden.
20. Wer ist der verheißene Same, und welche Botschaft predigte er in Israel?
20 Im Jahr 29 u. Z. (ein Zeitpunkt, auf den Daniel lange im voraus hingewiesen hatte) wurde Jesus getauft. Damals kam heiliger Geist auf ihn herab, und Gott erkannte ihn als seinen Sohn an (Daniel 9:24-27; Matthäus 3:16, 17). Anschließend gab Jesus während dreieinhalb Jahren den Juden Zeugnis, indem er verkündete: „Das Königreich der Himmel hat sich genaht“ (Matthäus 4:17). In dieser Zeit erfüllte er so viele Prophezeiungen aus den Hebräischen Schriften, daß kein Zweifel daran bestand: Er war tatsächlich der verheißene Same.
21. Welches Verständnis hatten die ersten Christen über die Identität des Samens?
21 Für die ersten Christen gab es diesbezüglich keine Frage. Paulus schrieb an die Christen in Galatien: „Nun wurden die Verheißungen Abraham und seinem Samen zugesagt. Es heißt nicht: ‚Und den Samen‘ wie im Fall vieler solcher, sondern wie im Fall eines einzigen: ‚Und deinem Samen‘, welcher Christus ist“ (Galater 3:16). Jesus sollte der von Jesaja vorhergesagte „Fürst des Friedens“ sein. Wenn er schließlich in sein Königreich kommen würde, sollte weltweit Recht und Gerechtigkeit Einzug halten.
Wer ist die Frau?
22. Wer ist die in Jehovas Edenprophezeiung erwähnte Frau?
22 Wenn Jesus der Same ist, wer ist dann die Frau, von der damals in Eden die Rede war? Da es sich bei der Macht hinter der Schlange um ein Geistgeschöpf handelte, sollten wir nicht überrascht sein, wenn die Frau ebenfalls nicht im menschlichen Bereich, sondern im geistigen zu suchen ist. Der Apostel Paulus sprach von einer himmlischen Frau, als er sagte: „Das Jerusalem droben dagegen ist frei, und es ist unsere Mutter“ (Galater 4:26). Andere Schriftstellen lassen erkennen, daß dieses „Jerusalem droben“ bereits seit Jahrtausenden besteht. Es handelt sich um Jehovas himmlische Organisation von Geistgeschöpfen, aus der Jesus hervorging, um hier auf der Erde die Rolle des ‘Samens der Frau’ zu übernehmen. Nur eine solche geistige „Frau“ konnte die Feindschaft der „Urschlange“ jahrtausendelang erdulden (Offenbarung 12:9; Jesaja 54:1, 13; 62:2-6).
23. Warum ist die fortschreitende Offenbarung dessen, was Jehovas Edenprophezeiung bedeutet, so bemerkenswert?
23 Dieser kurze Überblick darüber, wie die Bedeutung jener alten Prophezeiung aus 1. Mose 3:15 geoffenbart wurde, bezeugt auf eindrucksvolle Weise die wunderbare Harmonie der Bibel. Es ist wirklich bemerkenswert, daß die Prophezeiung nur zu verstehen ist, wenn man die Ereignisse und Aussagen aus dem 20., 11., 8. und 6. Jahrhundert v. u. Z. mit den Aussagen und Ereignissen aus dem ersten Jahrhundert u. Z. in Verbindung bringt. Das kann nicht dem Zufall zuzuschreiben sein. Es muß eine lenkende Hand im Spiel gewesen sein (Jesaja 46:9, 10).
Was es für uns bedeutet
24. Was hat die Identifizierung des Samens für uns zu bedeuten?
24 Was bedeutet dies alles für uns? Nun, Jesus ist der primäre ‘Same der Frau’. In der Prophezeiung aus 1. Mose 3:15 wurde vorhergesagt, daß die Schlange die Ferse des Samens „zermalmen“ würde, und das geschah, als Jesus am Marterpfahl starb. Eine Fersenwunde ist nicht von Dauer. Der scheinbare Erfolg der Schlange verwandelte sich daher schnell in eine Niederlage, als Jesus auferweckt wurde. (Wie in Kapitel 6 gezeigt wird, gibt es überwältigende Beweise dafür, daß dies wirklich geschah.) Jesu Tod bot die Grundlage für die Rettung aufrichtiger Menschen. Der Same begann somit, ein Segen zu sein, wie es Abraham von Gott verheißen worden war. Was ist aber zu den Prophezeiungen zu sagen, die davon sprechen, daß Jesus seinen gesamten irdischen Herrschaftsbereich von einem himmlischen Königreich aus regieren würde?
25, 26. Welche Streitfrage spielt bei der in der Offenbarung erwähnten Feindschaft zwischen dem Samen der Frau und der Schlange eine Rolle?
25 In einer anschaulichen prophetischen Vision, die in Offenbarung, Kapitel 12 zu finden ist, wird die Aufrichtung dieses Königreiches als Geburt eines männlichen Kindes im Himmel dargestellt. Unter dem Titel Michael (was bedeutet: „Wer ist wie Gott?“) tritt der verheißene Same in diesem Königreich die Macht an. Dadurch, daß er die „Urschlange“ für alle Zeit aus dem Himmel wirft, zeigt er, daß niemand zu Recht die Souveränität Jehovas anfechten kann. Es heißt: „Hinabgeschleudert wurde der große Drache — die Urschlange —, der Teufel und Satan genannt wird, der die ganze bewohnte Erde irreführt; er wurde zur Erde hinabgeschleudert“ (Offenbarung 12:7-9).
26 Die Folge ist Erleichterung für die Himmel, aber Bedrängnis auf der Erde. „Jetzt ist die Rettung und die Macht und das Königreich unseres Gottes und die Gewalt seines Christus herbeigekommen“, erschallt es triumphierend. Und weiter heißt es: „Darum seid fröhlich, ihr Himmel und ihr, die ihr darin weilt! Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat“ (Offenbarung 12:10, 12).
27. Wann erfüllte sich die Prophezeiung, die davon spricht, daß Satan aus dem Himmel geworfen würde? Wieso wissen wir das?
27 Kann gesagt werden, wann sich diese Prophezeiung erfüllen sollte? Darum ging es eigentlich den Jüngern, als sie Jesus nach dem ‘Zeichen seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge’ fragten — was in Kapitel 10 erörtert worden ist (Matthäus 24:3). Wie gezeigt, gibt es eindeutige Beweise dafür, daß Jesu Gegenwart in himmlischer Königreichsmacht 1914 begann. Seither haben sich die Worte „Wehe der Erde“ tatsächlich bewahrheitet.
28, 29. Welche wunderbaren Veränderungen auf dem irdischen Schauplatz stehen noch bevor, und wieso wissen wir, daß sie in Kürze eintreten werden?
28 Man übersehe jedoch nicht, daß es in dem himmlischen Ausruf auch hieß, Satan habe nur „eine kurze Frist“. Die Erfüllung der ursprünglichen Prophezeiung aus 1. Mose 3:15 strebt also unfehlbar ihrem Höhepunkt entgegen. Die Schlange, ihr Same, die Frau und ihr Same — sie alle sind identifiziert worden. Dem Samen der Frau wurde ‘die Ferse zermalmt’, doch er erholte sich. Binnen kurzem wird unter Gottes herrschendem König, Christus Jesus, das Zermalmen Satans (und seines Samens) beginnen.
29 Damit sind gewaltige Veränderungen auf dem irdischen Schauplatz verbunden. Zusammen mit Satan werden alle beseitigt, die sich als sein Same erweisen. Der Psalmist prophezeite: „Nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein; und du wirst dich sicherlich umsehen nach seiner Stätte, und er wird nicht dasein“ (Psalm 37:10). Welch ein radikaler Wandel! Dann werden sich die weiteren Worte des Psalmisten erfüllen: „Die Sanftmütigen aber werden die Erde besitzen, und sie werden wirklich ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Psalm 37:11).
30. Warum sind die Skeptiker unrealistisch, die die Inspiration der Bibel und sogar die Existenz Gottes bezweifeln?
30 Auf diese Weise wird der „Fürst des Friedens“ der Menschheit schließlich Frieden bringen. Das ist die biblische Verheißung, die, wie erwähnt, in Jesaja 9:6, 7 zu finden ist. Viele in unserem Zeitalter des Skeptizismus halten eine solche Verheißung für unrealistisch. Doch welche Alternative hat der Mensch zu bieten? Keine. Andererseits kommt diese Verheißung deutlich in der Bibel zum Ausdruck, und die Bibel ist das unfehlbare Wort Gottes. In Wirklichkeit sind die Skeptiker unrealistisch (Jesaja 55:8, 11). Denn sie lassen Gott außer acht, der die Bibel inspirierte und die größte aller Realitäten ist.
[Bild auf Seite 151]
Die erste Prophezeiung in der Bibel gab der gefallenen Menschheit Grund zur Hoffnung
[Bild auf Seite 154]
Im 20. Jahrhundert v. u. Z. sagte Jehova zu Abraham, daß der verheißene Same einer seiner Nachkommen sein sollte
[Bild auf Seite 155]
Im 11. Jahrhundert v. u. Z. erfuhr König David, daß der Same aus seiner königlichen Linie kommen würde
[Bild auf Seite 156]
Im 8. Jahrhundert v. u. Z. sagte Jesaja die Segnungen voraus, die der Same bringen würde
[Bild auf Seite 157]
Im 6. Jahrhundert v. u. Z. sagte Daniel voraus, daß der Same in einem himmlischen Königreich herrschen werde
[Bild auf Seite 159]
Kurz vor Beginn des ersten Jahrhunderts u. Z. erfuhr Maria, daß Jesus, das Kind, das sie gebären sollte, der Same werden würde
-
-
Eine Quelle höherer WeisheitDie Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 12
Eine Quelle höherer Weisheit
„Wie viele sind deiner Werke, o Jehova! Sie alle hast du in Weisheit gemacht. Die Erde ist voll deiner Erzeugnisse“ (Psalm 104:24). Ja, von der Großartigkeit des unermeßlichen Universums bis hin zur zarten Schönheit einer Blume zeugt die Schöpfung von der unvergleichlichen Weisheit ihres Schöpfers. Neben Gottes Werken verblaßt selbst die Technologie unseres 20. Jahrhunderts zur Bedeutungslosigkeit. Wenn die Bibel Gottes Wort ist, sollte man daher erwarten können, daß sie eine Weisheit offenbart, die der Weisheit des Menschen überlegen ist. Ist das der Fall?
1 (und Einleitung). (a) Wo sehen wir Beweise für Gottes unvergleichliche Weisheit? (b) Welchen Rat gibt die Bibel in bezug auf Weisheit?
DIE Bibel legt großen Nachdruck auf Weisheit. Es heißt in der Bibel unter anderem: „Weisheit ist das Erste“ und: „Erwirb Weisheit; und mit allem, was du erwirbst, erwirb Verständnis“ (Sprüche 4:7). Allerdings wird auch eingeräumt, daß es den Menschen oft an Weisheit fehlt, weshalb folgende Aufforderung ergeht: „Wenn es ... einem von euch an Weisheit fehlt, so bitte er Gott unablässig, denn er gibt allen großmütig“ (Jakobus 1:5).
2. Wie kann jemand mehr Weisheit erlangen?
2 Auf welche Weise gibt Gott ‘großmütig Weisheit’? Unter anderem indem er uns ermuntert, die Bibel zu lesen und daraus zu lernen. Im Bibelbuch Sprüche heißt es: „Mein Sohn, wenn du meine Reden annehmen und meine eigenen Gebote bei dir verwahren wirst, indem du der Weisheit dein Ohr leihst, ... dann wirst du die Furcht Jehovas verstehen, und du wirst die wahre Erkenntnis Gottes finden. Denn Jehova selbst gibt Weisheit“ (Sprüche 2:1, 2, 5, 6). Wenn wir den Rat der Bibel anwenden und dabei feststellen, wie wirkungsvoll er ist, können wir erkennen, daß es sich wirklich um göttliche Weisheit handelt.
Weise Aussprüche
3, 4. (a) Was sagt die Bibel über die Sinnlosigkeit der Geldliebe? (b) Inwiefern offenbart die Bibel in Verbindung mit ihrem Rat über den Wert des Geldes Ausgewogenheit?
3 Zum besseren Verständnis wollen wir uns mit einigen Bibeltexten näher befassen. In einem Vers heißt es beispielsweise: „Die entschlossen sind, reich zu werden, fallen in Versuchung und in eine Schlinge und in viele unsinnige und schädliche Begierden ... Denn die Geldliebe ist eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten“ (1. Timotheus 6:9, 10). Man vergleiche dies mit der heute vorherrschenden Einstellung der Menschen, die — zumindest in der westlichen Gesellschaft — darin besteht, in erster Linie nach dem Erwerb von Reichtum zu streben. Doch viele, die den erstrebten Wohlstand erlangen, verspüren trotzdem ein Gefühl der Leere und keine Befriedigung. Ein Krankenhauspsychologe sagte einmal: „Ganz oben zu stehen und reich zu sein gibt einem weder das Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit noch das Gefühl, wirklich respektiert oder geliebt zu werden.“1
4 Ein realistischer Mensch weiß natürlich, daß man auf Geld nicht völlig verzichten kann. Die Bibel offenbart in dieser Hinsicht eine wirklich ausgewogene Weisheit, denn es heißt darin: „Weisheit dient zum Schutz, ebenso wie Geld zum Schutz dient; aber der Vorteil der Erkenntnis ist, daß die Weisheit ihre Besitzer am Leben erhält“ (Prediger 7:12). Die Bibel läßt uns somit erkennen, daß Geld zwar wichtig, aber nicht das Wichtigste ist. Es ist lediglich ein Mittel zum Zweck, und es ist nur von begrenztem Wert, wenn es einem an Weisheit fehlt, richtig damit umzugehen.
5, 6. (a) Weshalb ist der Rat der Bibel, sich vor schlechter Gesellschaft zu hüten, weise? (b) Inwiefern ist es für uns von Nutzen, ‘mit Weisen zu wandeln’?
5 Folgende biblische Aussage ist ebenfalls wahr: „Wer mit Weisen wandelt, wird weise werden, wer sich aber mit den Unvernünftigen einläßt, dem wird es schlecht ergehen“ (Sprüche 13:20). Haben wir schon einmal bemerkt, welchen nachhaltigen Einfluß Menschen auf uns ausüben, mit denen wir Umgang haben? Der Gruppenzwang hat junge Leute in die Arme des Alkohols, des Drogenmißbrauchs und der Unmoral getrieben. Wenn wir uns mit Personen einlassen, die eine schmutzige Sprache sprechen, werden wir über kurz oder lang bestimmt genauso reden. Mit unehrlichen Menschen Gemeinschaft zu pflegen kann uns veranlassen, ebenfalls unehrlich zu werden. Treffend wird an anderer Stelle in der Bibel gesagt: „Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten“ (1. Korinther 15:33).
6 Gute Gemeinschaft kann sich dagegen positiv auf uns auswirken. Wer „mit Weisen wandelt“, wird selbst weise werden. Gute Gewohnheiten färben nämlich genauso ab wie schlechte. Auch hierin offenbart die Bibel Weisheit, da sie uns ermuntert, sorgfältig auf den Umgang zu achten.
7. Wieso ist die Bibel als Ratgeber einzigartig?
7 Die Bibel enthält viele solcher Regeln, die uns auf unserem Lebensweg eine Hilfe sein sollen. Sie ist eine einzigartige Quelle des Rats. Ihr Rat ist immer von Nutzen. Er ist niemals lediglich graue Theorie, und er wirkt sich auf keinen Fall zu unserem Schaden aus. Der weite Bereich, den der biblische Rat umfaßt, ist ohnegleichen. Diejenigen, die ihn in ihrem Leben anwenden und erkennen, daß er sich stets zu ihrem Guten auswirkt, schätzen die Bibel als einzigartige Quelle der Weisheit.
Weise Grundsätze
8. Wie kann uns die Bibel selbst bei Situationen helfen, die sie nicht direkt erwähnt?
8 Wie verhält es sich jedoch bei Situationen, die in der Bibel nicht ausdrücklich erwähnt werden? Oft finden wir eine ganze Reihe allgemeiner Grundsätze, die uns entsprechende Hinweise liefern. Viele werden in ihrem Leben beispielsweise irgendwann mit der Entscheidung konfrontiert, ob das Rauchen etwas für sie ist. Da Tabak in Jesu Tagen im Nahen Osten unbekannt war, sagt die Bibel nichts darüber. Es gibt jedoch passende biblische Grundsätze, die einem helfen, in dieser Hinsicht eine weise Entscheidung zu treffen.
9—11. Wie helfen uns biblische Grundsätze, in bezug auf den Tabakgenuß eine weise Entscheidung zu treffen, und welchen Nutzen bringt es, diese Grundsätze zu beherzigen?
9 Man sagt zwar, daß das Rauchen etwas Angenehmes ist. Doch bekanntlich gelangen dabei unweigerlich konzentrierte Giftstoffe in die Lunge. Ein Raucher verunreinigt seinen Körper, seine Kleidung und die ihn umgebende Luft. Außerdem ist das Rauchen eine Sucht. Und wenn jemand damit aufhören möchte, fällt es dem Betreffenden oft sehr schwer. Mit diesen Tatsachen im Sinn können wir nun in der Bibel nach Hinweisen suchen, um eine weise Entscheidung in bezug auf das Rauchen zu treffen.
10 Betrachten wir zunächst das Problem der Sucht. Der Apostel Paulus sagte mit Bezug auf bestimmte Nahrungsmittel: „Ich will mich nicht in die Gewalt von irgend etwas bringen lassen“ (1. Korinther 6:12). Paulus stand es zwar frei, jede Art von Speisen zu genießen, aber er wußte, daß damals gewisse Leute ein empfindliches Gewissen hatten. Deshalb sagte er, daß er von gewissen Speisen nicht so „abhängig“ war, daß er nicht nötigenfalls darauf verzichten konnte, um andere nicht zum Straucheln zu bringen. Wenn jemand nicht aufhören kann, Tabak zu rauchen oder zu kauen, ist er eindeutig ‘in der Gewalt’ des Tabaks. Daher ist die Erklärung, die Paulus in bezug auf Nahrungsmittel gab, eine gute Richtschnur in Verbindung mit dem Tabakgenuß. Niemand sollte sich von einer Gewohnheit versklaven lassen.
11 Nun zu dem Problem der Verunreinigung. In der Bibel heißt es: „Laßt uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und Geistes“ (2. Korinther 7:1). Das Rauchen ist zweifellos eine Befleckung oder Verunreinigung des Fleisches. Wie schwerwiegend sie ist, ist daraus zu ersehen, daß gemäß der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr über eine Million Menschen an den Folgen dieser Verunreinigung sterben. Wenn man den biblischen Grundsatz befolgt, sein Fleisch nicht zu verunreinigen, wird einen das vor der ernsten Gefährdung der Gesundheit durch das Rauchen bewahren sowie vor Drogen und anderen Verunreinigungen.
Nützliche Worte
12. Warum dient der Rat der Bibel stets zu unserem physischen und psychischen Wohl?
12 Es sollte uns nicht überraschen, daß es auch in physischer Hinsicht von Nutzen ist, den biblischen Rat zu befolgen. Dieser Rat stammt von Gott, unserem Schöpfer, der ganz genau weiß, wie wir beschaffen sind und was wir benötigen (Psalm 139:14-16). Sein Rat dient stets unserem physischen und psychischen Wohl.
13, 14. Warum ist es ein Zeichen von Weisheit, den biblischen Rat, nicht zu lügen, zu befolgen?
13 Ein Beispiel dafür ist der Rat, nicht zu lügen. Lügen wird zu den sieben Dingen gezählt, die Jehova haßt, und gemäß der Offenbarung haben Lügner in Gottes neuer Welt keinen Platz (Sprüche 6:19; Offenbarung 21:8). Trotzdem ist das Lügen weit verbreitet. In einem Wirtschaftsmagazin hieß es: „Die USA erleben gegenwärtig die ungeheuerlichste Zunahme von Betrug, Täuschung und ähnlichen Vergehen in ihrer Geschichte.“2
14 Auch wenn das Lügen üblich ist, wirkt es sich trotzdem nachteilig auf die Gesellschaft und auf den einzelnen aus. Der Kolumnist Clifford Longley stellte ganz richtig fest: „Lügen verletzt den Lügner und den Belogenen im tiefsten Innern, da es die wichtige Verbindung zwischen dem Sinn und der Realität zerreißt.“3 In der Zeitschrift The American Journal of Psychiatry hieß es: „Wenn Personen die Folgen einer Lüge tragen müssen, kann das verheerende psychische Auswirkungen auf sie haben. Lebenswichtige Entscheidungen wurden möglicherweise auf Falschinformationen gestützt, auf die man sich verlassen hat. Lügen können sich auch auf den Lügner negativ auswirken.“4 Wieviel besser ist es doch, den vernünftigen Rat der Bibel zu befolgen und die Wahrheit zu sagen!
15, 16. In welcher Hinsicht ist es uns von Nutzen, den biblischen Rat, andere zu lieben, anzuwenden?
15 Wenden wir uns nun einem positiveren Thema zu, nämlich der Aufforderung der Bibel, sich um andere zu kümmern, ihnen gegenüber Liebe zu bekunden und ihnen zu helfen. Folgende Worte Jesu sind gut bekannt: „Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun“ (Matthäus 7:12).
16 Wieviel besser sähe es in der Welt aus, wenn sich jeder an diese Regel halten würde! Wie eine psychologische Studie ergab, die in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde, würden sich die Menschen außerdem besser fühlen. Die 1 700 Befragten, die regelmäßig anderen halfen, berichteten, daß ihnen diese Betätigung ein Gefühl der Ruhe vermittelte und einen Rückgang von streßbedingten Störungen wie Kopfschmerz und Stimmverlust bewirkte. Man kommt daher zu folgendem Schluß: „Seinen Mitmenschen zu helfen und sich um ihr Wohl zu kümmern, ist ebenso Teil der menschlichen Natur wie die Sorge um das eigene Wohl.“5 Das erinnert uns an folgendes biblische Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22:39; vergleiche Johannes 13:34, 35). Es ist natürlich, sich selbst zu lieben. Die Bibel zeigt jedoch, daß wir diese Eigenliebe mit der Liebe zu anderen im Gleichgewicht halten müssen, um psychisch gesund zu bleiben.
Ehe und Moral
17. Warum scheint der biblische Rat manchmal altmodisch zu sein?
17 Der Rat der Bibel offenbart wirklich tiefgründige Weisheit; allerdings besagt er nicht immer das, was die Menschen gern hören möchten. Oft bezichtigt man die Bibel deshalb, altmodisch zu sein. Wieso? Weil sich der Rat der Bibel auf lange Sicht zwar zum Guten für uns auswirkt, ihn anzuwenden jedoch oft Zucht und Selbstverleugnung erfordert; so etwas ist heute allerdings unpopulär.
18, 19. Welche strengen Maßstäbe werden in der Bibel in bezug auf die Ehe und die Moral vertreten?
18 Nehmen wir nur einmal das Gebiet der Ehe und der Moral. Die biblischen Maßstäbe sind hier sehr streng. Sie schreiben die Monogamie vor — e i n Mann für e i n e Frau. Die Bibel nennt zwar gewisse Extremfälle, in denen eine Scheidung oder Trennung möglich ist, weist sonst jedoch darauf hin, daß die Ehe ein Bund fürs Leben ist. „Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher sie schuf, sie von Anfang an männlich und weiblich gemacht hat und sprach: ‚Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird fest zu seiner Frau halten, und die zwei werden e i n Fleisch sein‘, so daß sie nicht mehr zwei, sondern e i n Fleisch sind? Was also Gott zusammengejocht hat, bringe kein Mensch auseinander“ (Matthäus 19:4-6; 1. Korinther 7:12-15).
19 Außerdem zeigt die Bibel, daß Intimbeziehungen nur in der Ehe zulässig sind. Außereheliche Beziehungen werden ausnahmslos untersagt. In der Bibel heißt es: „Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Männer, die für unnatürliche Zwecke gehalten werden, noch Männer, die bei männlichen Personen liegen, ... werden Gottes Königreich erben“ (1. Korinther 6:9, 10).
20. Inwieweit werden die biblischen Sittenmaßstäbe heute außer acht gelassen?
20 Diese Maßstäbe werden heute weitgehend außer acht gelassen. David Mace, Professor für Soziologie, erklärte: „In diesem Jahrhundert hat unsere Kultur tiefgreifende Veränderungen durchgemacht, und viele uralte Sitten und Institutionen sind bis in ihre Grundfesten erschüttert worden. Die Ehe ist davon nicht ausgenommen.“6 Eine lockere Geschlechtsmoral ist weit verbreitet. Intime Beziehungen zwischen befreundeten Jugendlichen werden oft als normal betrachtet. Häufig lebt man schon vor der Ehe zusammen — „um sich genau kennenzulernen“. Und selbst wenn ein Paar heiratet, sind außereheliche Beziehungen nichts Ungewöhnliches.
21. Wozu hat es geführt, daß die biblischen Maßstäbe in bezug auf die Ehe und die Moral vielfach mißachtet werden?
21 Hat dieses freizügige Sexualverhalten das Glück gebracht? Nein, es hat einzig und allein Probleme verursacht — sogar teure Probleme — und ist für Unglück und zerbrochene Familien verantwortlich. Auch daß sexuell übertragbare Krankheiten in der ganzen Welt grassieren, ist unmittelbar auf die gelockerte Moral zurückzuführen. Die Ausbreitung der Gonorrhöe, Syphilis und Chlamydieninfektionen — um nur einige zu nennen — ist außer Kontrolle geraten. In den letzten Jahren haben Prostitution und homosexuelle Praktiken die Verbreitung von Aids beschleunigt. Unglaublich viele unverheiratete junge Mädchen bekommen Kinder, obwohl sie selbst fast noch Kinder sind. In der Zeitschrift Ladies’ Home Journal hieß es: „Die Betonung des Sex — ein Kennzeichen der sechziger und siebziger Jahre — hat den Menschen kein grenzenloses Glück beschert, sondern ernste Probleme.“7
22. Was bringt in bezug auf die Moral das größte Glück?
22 Daher werden heute Äußerungen laut wie die folgende, die von Carlfred B. Broderick, Professor für Soziologie, stammt: „Vielleicht sind wir reif genug, um zu erwägen, ob es für uns alle nicht besser wäre, die voreheliche Enthaltsamkeit zu fördern, da diese Verhaltensweise den Bedürfnissen unserer Bürger und ihrem Recht auf Freiheit am ehesten entgegenkommt: frei zu sein von Krankheiten und frei von unerwünschten Schwangerschaften.“8 Der Maßstab der Bibel in bezug auf die Moral bringt auf lange Sicht erwiesenermaßen das größte Glück.
Grundsätze, die sich wirklich zum Guten auswirken
23. (a) Ist bei einer unglücklichen Ehe die Scheidung die einzige Lösung? (b) Welches sind zwei der Schlüssel für eine glückliche, stabile Ehe?
23 Da die Ehe das ganze Leben dauern soll, müssen wir wissen, wie wir sie zu einem Erfolg machen können. Einige halten es für das beste, eine schlechte Ehe zu beenden, statt sie bestehenzulassen und unglücklich zu sein. Die Alternative wäre jedoch, sich zu bemühen, die Probleme zu lösen, die für den unglücklichen Zustand verantwortlich sind. Das ist ein weiteres Gebiet, auf dem die Bibel hilft. Wir haben bereits gesehen, daß geraten wird, dem Ehepartner treu zu bleiben; das ist ein Schlüssel zu einer glücklichen, stabilen Ehe. Anzuerkennen, daß in der Ehe nur einer das Haupt sein kann — die Bibel bestimmt den Mann für diese Stellung —, ist ein weiterer Schlüssel. Der Frau wird geraten, ihren Mann zu unterstützen und nicht an seiner Stellung zu rütteln. An den Mann ergeht allerdings auch die Aufforderung, seine Stellung zum Guten seiner Frau zu gebrauchen und nicht selbstsüchtig zu sein (1. Korinther 11:3; 1. Timotheus 2:11-14).
24, 25. Wie ermuntert die Bibel Eheleute, die ihnen zugedachte Rolle in der Ehe zu übernehmen?
24 Dem Mann wird in der Bibel gesagt: „Männer [sind] verpflichtet, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst, denn kein Mensch hat je sein eigenes Fleisch gehaßt“ (Epheser 5:28, 29). Ein liebevoller Mann übt seine Autorität auf rücksichtsvolle Weise aus. Er denkt daran, daß er zwar das Haupt ist, seine Frau jedoch berücksichtigt und zu Rate gezogen werden sollte. Die Ehe ist eine Partnerschaft und keine Diktatur.
25 Der biblische Rat für die Frau besagt auch folgendes: „Die Frau [sollte] tiefen Respekt vor ihrem Mann haben“ (Epheser 5:33). Sie respektiert ihren Mann aufgrund seiner Stellung, und sie wird ihren Respekt dadurch zeigen, daß sie ihn unterstützt; ihr Mann wird seine Liebe zu ihr wiederum zeigen, indem er sich um sie kümmert. Viele fortschrittlich denkende Personen halten einen solchen Rat für unannehmbar. Aber Partnerschaften, deren Verhältnis auf Liebe und Respekt gegründet ist — wie es die Bibel rät —, sind stets glücklich.
26. Wirken sich die biblischen Maßstäbe für die Ehe wirklich zum Guten aus? Wie läßt sich das veranschaulichen?
26 Daß sich der Rat der Bibel auf diesem Gebiet wirklich zum Guten auswirkt, zeigt ein Bericht aus der Südsee. Ein Ehepaar hielt nach zehn gemeinsamen Jahren seine Ehe für gescheitert und dachte an eine Trennung. Dann sprach die Frau mit einer Zeugin Jehovas. Sie betrachteten gemeinsam den Rat der Bibel für Eheleute. Der Mann berichtete: „Sobald meine Frau die biblischen Grundsätze kennenlernte, bemühte sie sich, diese im täglichen Leben anzuwenden. Nach ein paar Wochen fielen mir gewisse Änderungen auf.“ Aus Neugier erklärte er sich bereit, an dem Bibelstudium seiner Frau teilzunehmen, und lernte auf diese Weise den Rat der Bibel für Ehemänner kennen. Wozu führte dies? Er sagte: „Jetzt haben wir die Grundlage für ein wirklich glückliches Familienleben gefunden.“
27. Die Anwendung welcher biblischen Grundsätze kann armen Christen helfen?
27 Auch in bezug auf die Frage, wie man mit Armut fertig werden kann, hat sich der Nutzen des Rates der Bibel gezeigt. Beispielsweise würde jemand, der raucht und sich betrinkt — was beides biblischen Grundsätzen widerspricht —, das wenige Geld, das er hat, verschwenden (Sprüche 23:19-21). Die Bibel empfiehlt, fleißig zu sein, da es jemandem, der hart arbeitet, eher möglich ist, seine Familie zu ernähren, als einem Faulen oder jemandem, der sich der Verzweiflung hingibt (Sprüche 6:6-11; 10:26). Den Rat zu beachten, ‘nicht die zu beneiden, die Ungerechtigkeit tun’, bewahrt einen davor, Verbrechen oder Glücksspiel als Ausweg aus der Armut zu betrachten (Psalm 37:1). Sie mögen scheinbar eine schnelle Lösung finanzieller Probleme bieten, aber langfristig wirken sie sich sehr bitter aus.
28—30. (a) Wie hat die Anwendung biblischer Grundsätze einer Christin geholfen, mit Armut fertig zu werden? (b) Was bezeugen die Erfahrungen von Tausenden von Christen, die materiell arm sind?
28 Hilft dieser Rat wirklich armen Menschen, oder ist er nur eine idealistische Theorie? Wie viele Erfahrungen aus der ganzen Welt belegen, ist es ein Rat, der wirklich etwas nützt. Ein Beispiel aus Asien: Als der Mann einer Christin starb, war sie ohne Einkommen; sie mußte jedoch irgendwie für sich und ihren minderjährigen Sohn sorgen. Wie half ihr der Rat der Bibel dabei?
29 Sie war fleißig, wie die Bibel rät, und fing an, Kleidung herzustellen, die sie dann verkaufte. Da sie ehrlich und vertrauenswürdig war, wie es die Bibel ebenfalls empfiehlt, hatte sie bald einige Stammkunden (Kolosser 3:23). In einem kleinen Zimmer ihres Hauses richtete sie eine Imbißstube ein, um sich etwas Geld hinzuzuverdienen; jeden Morgen stand sie um vier Uhr auf und bereitete die zum Verkauf bestimmten Speisen vor. „Trotzdem müssen wir ein einfaches Leben führen“, sagte sie. Allerdings dachte sie an folgenden Rat der Bibel: „Wenn wir also Lebensunterhalt und Bedeckung haben, werden wir mit diesen Dingen zufrieden sein“ (1. Timotheus 6:8).
30 Außerdem gab sie zu verstehen: „Obwohl ich nahe an der Armutsgrenze lebe, bin ich nicht unzufrieden oder verbittert, denn die biblische Wahrheit erfüllt mich mit Zuversicht.“ Des weiteren konnte sie feststellen, daß sich ein bemerkenswertes Versprechen Jesu in ihrem Fall tatsächlich bewahrheitete. Er sagte: „Fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge [materielle Bedürfnisse] werden euch hinzugefügt werden“ (Matthäus 6:33). Sie verspürte am eigenen Leib, daß ihre materiellen Bedürfnisse stets auf die eine oder andere Weise befriedigt wurden, wenn sie den Dienst für Gott in ihrem Leben an die erste Stelle setzte. Die Erfahrungen dieser Christin sowie ungezählter weiterer materiell armer Christen legen ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß sich der Rat der Bibel wirklich zum Guten auswirkt.
31. Was geschieht, wenn man den Rat der Bibel befolgt, und was wird durch diese Tatsache bezeugt?
31 In diesem Kapitel haben wir die Fülle des Rates, den die Bibel enthält, lediglich gestreift, und wir haben nur einige wenige Fälle betrachtet, in denen sich dieser Rat zum Guten ausgewirkt hat. Es könnten noch Tausende ähnlicher Erfahrungen angeführt werden. Wenn sich Menschen an die Bibel halten, ziehen sie stets Nutzen daraus. Lassen sie sie außer acht, geht es ihnen schlecht. Keine andere Sammlung von Ratschlägen, ob aus alter Zeit oder aus der Neuzeit, ist in dieser Weise durchweg von Nutzen und für Menschen aller Rassen anwendbar. Ein solcher weiser Rat kann unmöglich nur auf Volksweisheit beruhen. Die Tatsache, daß die Bibel eine reiche Quelle solcher Weisheit ist, ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, daß sie Gottes Wort ist.
[Herausgestellter Text auf Seite 168]
Hilfsbereitschaft ist für beide Seiten von Nutzen
[Bild auf Seite 163]
Mit Weisen zu wandeln macht uns weise, aber mit Unvernünftigen Umgang zu pflegen wird sich nachteilig auf uns auswirken
[Bild auf Seite 165]
Man sollte nicht rauchen, da es biblischen Grundsätzen widerspricht
[Bild auf Seite 171]
Diejenigen, die sich in der Ehe an den biblischen Rat halten, haben eine solide Grundlage für das Glück
[Bild auf Seite 173]
Biblische Grundsätze anzuwenden hilft den Menschen, mit den schweren Problemen der Armut fertig zu werden
-
-
„Das Wort Gottes ist lebendig“Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 13
„Das Wort Gottes ist lebendig“
Wie im vorherigen Kapitel gezeigt wurde, kann biblischer Rat jemandem helfen, Probleme zu lösen und Fehler zu vermeiden. Die zeitlose Weisheit dieses Rates ist ein starker Beweis für die Inspiration der Bibel. Sie selbst sagt: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2. Timotheus 3:16). In der Bibel wird aber nicht nur weiser Rat erteilt, sondern sie bewirkt auch, daß sich Menschen tatsächlich ändern; denn sie ist Gottes Wort.
1—3. (a) Inwiefern betont die Bibel, daß Änderungen der Persönlichkeit notwendig sind? (b) Welche Erfahrung zeigt die Macht der Bibel, jemandes Persönlichkeit zu ändern?
KANN die Bibel wirklich Menschen ändern? Ja, sie kann sogar einen Wandel der Persönlichkeit herbeiführen. Man beachte folgende in der Bibel niedergelegte Aufforderung: „Ihr [sollt] die alte Persönlichkeit ablegen ..., die eurem früheren Wandel entspricht und die gemäß ihren trügerischen Begierden verdorben wird; ... aber [ihr sollt] erneuert werden ... in der Kraft, die euren Sinn antreibt, und [sollt] die neue Persönlichkeit anziehen ..., die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit und Loyalität geschaffen worden ist“ (Epheser 4:22-24).
2 Ist es denn möglich, eine neue Persönlichkeit anzuziehen? Ja. Ein Christ zu werden mag mitunter drastische Änderungen der Persönlichkeit erfordern (1. Korinther 6:9-11). Ein Junge aus Südamerika wurde zum Beispiel mit neun Jahren Vollwaise. Da er ohne elterliche Leitung aufwuchs, stellten sich bei ihm schwerwiegende Persönlichkeitsprobleme ein. Er berichtet: „Mit 18 Jahren war ich bereits völlig drogenabhängig und hatte schon einige Zeit im Gefängnis verbracht, weil ich gestohlen hatte, um meine Sucht zu finanzieren.“ Seine Tante war eine Zeugin Jehovas und konnte ihm schließlich helfen.
3 Er sagt: „Meine Tante fing mit mir ein Bibelstudium an, und nach sieben Monaten konnte ich mit der Drogensucht brechen.“ Auch mit seinen früheren Freunden brach er und fand neue unter Jehovas Zeugen. Weiter sagt er: „Diese neuen Gefährten und mein regelmäßiges Bibelstudium halfen mir, Fortschritte zu machen, so daß ich mich schließlich Gott hingeben konnte, um ihm zu dienen.“ Ja, aus dem früheren drogensüchtigen Dieb ist ein aktiver Christ geworden, und dieser radikale Wandel kam durch die Macht der Bibel zustande. Was der Apostel Paulus sagte, stimmt tatsächlich: „Das Wort Gottes ist lebendig“ (Hebräer 4:12).
Änderung durch Erkenntnis
4, 5. Was ist gemäß Kolosser 3:8-10 erforderlich, um eine neue Persönlichkeit zu entwickeln?
4 Inwiefern bewirkt die Bibel eine Änderung bei den Menschen? Die Antwort ist in folgender Bibelstelle zu finden: „Legt sie wirklich alle von euch ab: Zorn, Wut, Schlechtigkeit, Lästerworte und unzüchtige Rede aus eurem Mund. Belügt einander nicht. Streift die alte Persönlichkeit mit ihren Handlungen ab, und kleidet euch mit der neuen Persönlichkeit, die durch genaue Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde dessen, der sie geschaffen hat“ (Kolosser 3:8-10).
5 Man beachte, welch wichtige Rolle eine genaue biblische Erkenntnis spielt. Die Bibel erklärt, welche Wesenszüge man ablegen und welche man entwickeln muß. Diese Erkenntnis an sich kann bereits einen starken Einfluß ausüben, wie ein junger Mann aus Westeuropa feststellte. Sein ungestümes Temperament war für ihn ein echtes Problem. Während er heranwuchs, war er immer wieder in Schlägereien verwickelt. Um seiner Aggressivität Luft zu machen, wurde er Boxer. Aber es gelang ihm immer noch nicht, sein Temperament zu zügeln. Beim Militär geriet er in Schwierigkeiten, weil er einen Kameraden verprügelte. Nach seiner Entlassung aus der Armee heiratete er, verprügelte aber dann seine Frau. In einem Streit streckte er sogar seinen Vater mit einem Schlag zu Boden. Wahrlich ein zorniger, gewalttätiger junger Mann.
6, 7. Wie hat eine genaue Erkenntnis der Bibel einem jungen Mann aus Westeuropa geholfen, seine Persönlichkeit zu ändern?
6 Schließlich studierte er mit einem Zeugen Jehovas die Bibel und lernte den folgenden Rat kennen: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. ... Wenn möglich, haltet, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt dem Zorn Raum“ (Römer 12:17-19). Dadurch erkannte er, welch schlimme Schwäche sein ungestümes Temperament darstellte. Er gab das Boxen auf, das nach seiner Erkenntnis mit der friedsamen christlichen Persönlichkeit nicht zu vereinbaren war. Aber mit seinem ungestümen Temperament hatte er immer noch zu kämpfen.
7 Seine zunehmende Erkenntnis biblischer Grundsätze war ihm jedoch eine Hilfe. Sie machte sein Gewissen empfindlicher, was wiederum seinem aufbrausenden Temperament entgegenwirkte. Er hatte in seinem Studium der Bibel bereits große Fortschritte gemacht, als er eines Tages von einem Fremden zornig angeschrien und beleidigt wurde. Er spürte schon den bekannten Zorn in sich aufwallen. Aber dann nahm er eine andere Kraft wahr: Ein Schamgefühl überkam ihn, das ihn daran hinderte, seinem Zorn nachzugeben. Statt ‘Böses mit Bösem zu vergelten’, beherrschte er seinen Geist. Heute ist er dank einer genauen biblischen Erkenntnis ein anderer Mensch mit einer neuen Persönlichkeit.
Gott kennenlernen
8. (a) In wessen Bild ist die neue Persönlichkeit gemacht? (b) Erkenntnis über wen muß in der genauen Erkenntnis eingeschlossen sein, die die neue Persönlichkeit formt?
8 Zugegeben, viele Menschen wissen, wie man richtigerweise handeln sollte, geben aber ihren Schwächen nach. Es liegt somit auf der Hand, daß eine genaue Erkenntnis dessen, was richtig und falsch ist, allein nicht genügt. Die beiden erwähnten Personen benötigten noch eine weitere Hilfe, damit sie sich ändern konnten. Welche? In der zitierten Bibelstelle hieß es unter anderem: „Kleidet euch mit der neuen Persönlichkeit, die durch genaue Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde dessen, der sie geschaffen hat“ (Kolosser 3:10). Man beachte, daß die neue Persönlichkeit ebenso im Bilde Gottes gemacht ist, wie Adam ursprünglich in Gottes Bild erschaffen worden war (1. Mose 1:26). Daher mußte die genaue Erkenntnis, die den beiden jungen Männern eine Hilfe war, eine Erkenntnis über Gott einschließen. Das erinnert an Jesu Worte: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus“ (Johannes 17:3).
9. Wie hilft einem die Erkenntnis über Gott bei der Änderung der Persönlichkeit?
9 Inwiefern ist die Erkenntnis über Gott eine Hilfe, die eigene Persönlichkeit zu ändern? Sie liefert ein Motiv dazu. Wer durch ein Studium der Bibel Erkenntnis über Gott erlangt, lernt Gottes Eigenschaften kennen und erfährt, welche Liebe er den Menschen erwiesen hat. Das veranlaßt ihn, Gott ebenfalls zu lieben (1. Johannes 4:19). Dann kann er dem nachkommen, was Jesus als das erste und größte Gebot bezeichnete: „Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Sinn“ (Matthäus 22:37). Durch die Liebe zu Gott wird der Wunsch geweckt, die ihm wohlgefällige neue Persönlichkeit anzuziehen. Diese Liebe läßt den Wunsch entstehen, ihm ähnlicher zu sein, ganz gleich, wie schwer man dabei zu kämpfen hat.
Tief verwurzelte Schwächen
10, 11. Wie half genaue Erkenntnis einer jungen Nordamerikanerin, mit der Änderung ihrer Persönlichkeit zu beginnen?
10 In einigen Fällen bedeutet es wirklich einen Kampf. Eine junge Frau aus Nordamerika mußte unerbittlich kämpfen, um sich zu ändern. In ihrer Kindheit war sie sexuell mißbraucht worden, sie wuchs in einer gewalttätigen Familie auf und nahm schließlich Drogen. Damit sie der kostspieligen Sucht frönen konnte, arbeitete sie als Prostituierte. Auch belästigte sie Touristen und beraubte sie. Schließlich verbrachte sie mehr Zeit in Gefängnissen und in Spielhöllen als zu Hause.
11 Als Jehovas Zeugen sie antrafen, war sie — nach mehreren Abtreibungen — Mutter eines unehelichen Kindes geworden. Was die Bibel sagte, gefiel ihr, und sie begann ein Bibelstudium. Bald entwickelte sie ein Verhältnis zu Gott und nahm Änderungen in ihrem Leben vor.
12, 13. Inwiefern kann genaue Erkenntnis, wenn sie einmal eingepflanzt worden ist, eine Änderung bewirken?
12 Aber ein harter Kampf lag noch vor ihr, denn die alte Persönlichkeit haftete ihr fest an. Als man ihr einmal einen gutgemeinten Rat gab, war sie beleidigt und gab nicht nur das Bibelstudium auf, sondern kehrte auch wieder zu ihrer unreinen Lebensweise zurück. Aber sie konnte die biblische Wahrheit, die ihr eingepflanzt worden war, nicht vergessen. Sie gibt zu: „Immer wieder hatte ich Schuldgefühle, und fortwährend gingen mir die Worte aus 2. Petrus 2:22 durch den Sinn: ‚Der Hund ist zum eigenen Gespei zurückgekehrt und die gebadete Sau zum Wälzen im Schlamm.‘ “
13 Diese Erkenntnis bewog sie schließlich, sich ganz entschieden anzustrengen. Sie sagt: „Ich öffnete mich Jehova und betete häufig zu ihm um Hilfe.“ Diesmal zog sie die neue Persönlichkeit fester an, wenn sie auch immer noch hart zu kämpfen hatte. Zwar wurde sie einmal rückfällig, indem sie sich betrank und unsittlich handelte. Aber ihre Reaktion ließ bereits eine Änderung erkennen. Sie empfand Abscheu vor sich selbst. Im nachhinein sagt sie: „Ich betete und studierte viel.“ Nun übt Gottes Wort in ihrem Leben so große Macht aus, daß sie als eine aktive Christin ein reines, ehrbares Leben führt. Seit einigen Jahren ist sie ein völlig anderer Mensch, wenn man bedenkt, daß sie einst sexuell mißbraucht wurde, drogensüchtig war und ein freizügiges Leben führte.
Als Gruppe durch Gottes Wort geändert
14, 15. (a) Welche Kraft Gottes wirkt durch die Bibel? (b) Wodurch zeichnen sich wahre Christen heute unter anderem aus?
14 Die Macht, die die Bibel im Leben demütiger Menschen entfaltet, beweist, daß sie nicht lediglich Menschenwerk ist. Als inspiriertes Wort Gottes stellt sie einen Kanal dar, durch den Gottes Geist wirksam ist. Der gleiche Geist, der die von Jesus gewirkten Wunder ermöglichte, ist heute Menschen behilflich, schlechte Eigenschaften auszumerzen und eine christliche Persönlichkeit zu entwickeln. Tatsächlich werden die grundlegenden Eigenschaften, die Christen entwickeln müssen — Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Glauben, Milde und Selbstbeherrschung —, in der Bibel als „Frucht des Geistes“ bezeichnet (Galater 5:22, 23).
15 Heute wirkt dieser Geist nicht nur auf wenige Einzelpersonen ein, sondern auf Millionen, die „von Jehova Belehrte“ sind und sich seines ‘überströmenden Friedens’ erfreuen (Jesaja 54:13). Wer sind diese? Jesus nannte eine Möglichkeit, sie zu erkennen, indem er sagte: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Johannes 13:35). Christliche Liebe ist eine Frucht des Geistes und ein wesentlicher Bestandteil der christlichen neuen Persönlichkeit. Gibt es eine Gruppe, die die von Jesus angeführte Liebe bekundet?
16, 17. Welche Zeitungskommentare lassen erkennen, wer die ‘von Jehova Belehrten’ sind, die sich ‘überströmenden Friedens’ erfreuen?
16 Man beachte den Auszug eines Briefes an die nordamerikanische Zeitung New Haven Register: „Auch wenn man wie ich über ihre Proselytenmacherei verärgert oder erbost ist, muß man doch ihre Hingabe, ihre gesunde Einstellung, ihr außergewöhnliches Beispiel für menschliches Verhalten und eine gesunde Lebensweise bewundern.“ Im Münchner Merkur hieß es von derselben Gruppe: „Sie gelten als die ehrlichsten und pünktlichsten Steuerzahler der Bundesrepublik, ihre Gesetzestreue fällt im Straßenverkehr und in der Verbrechensstatistik auf.“
17 Von wem sprachen die beiden Zeitungen? Von derselben Gruppe, über die der in Buenos Aires (Argentinien) erscheinende Herald schrieb. In dieser Zeitung war zu lesen: „Jehovas Zeugen ... haben im Laufe der Jahre bewiesen, daß sie fleißige, vernünftige, sparsame und gottesfürchtige Bürger sind, Bürger also, die unser Land offensichtlich benötigt.“ In einer soziologischen Studie aus Sambia, die in der Zeitschrift American Ethnologist veröffentlicht wurde, wird auf dieselbe Gruppe Bezug genommen und gesagt: „Jehovas Zeugen gelingt es besser als Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften, stabile Ehegemeinschaften aufrechtzuerhalten.“
18, 19. Wie sind Jehovas Zeugen in Italien und in Südafrika beschrieben worden?
18 Die italienische Zeitung La Stampa schrieb ebenfalls über Jehovas Zeugen und führte aus: „Sie sind die loyalsten Bürger, die man sich nur wünschen kann: Sie hinterziehen keine Steuern und versuchen nicht, um des eigenen Vorteils willen unbequeme Gesetze zu umgehen. Die moralischen Ideale der Nächstenliebe, des Machtverzichts, der Gewaltlosigkeit und der persönlichen Ehrlichkeit (für die meisten Christen ‚Sonntagsregeln‘, die sich nur für die Predigt auf der Kanzel eignen) gehen in ihre ‚tägliche‘ Lebensführung ein.“
19 Ein südafrikanischer Universitätsprofessor, der aufgrund der Rassengesetze des Landes diskriminiert wurde, bezeichnete Jehovas Zeugen als „ein Volk, das durch die erhabenen Maßstäbe der Bibel dazu erzogen worden ist, wirklich ‚farbenblind‘ zu sein“. Erklärend fügte er hinzu: „Es sind Menschen, die nicht nur die Hautfarbe anderer sehen, sondern das, was in ihnen steckt. Jehovas Zeugen stellen heute die einzige echte Bruderschaft der Menschheit dar.“
20. Worin unterscheiden sich Jehovas Zeugen von anderen?
20 Diese Kommentare zeigen, daß es eine Gruppe von Menschen gibt, die ihr Herz für die Bibel geöffnet haben und über denen Gottes Geist wirksam ist. Bei diesen Menschen handelt es sich bemerkenswerterweise um dieselbe Gruppe, die sich bereits als diejenige herausgestellt hat, die Jesu Gebot erfüllt, die gute Botschaft vom Königreich auf der ganzen Erde zu predigen (Matthäus 24:14). Warum stechen Jehovas Zeugen auf diesen Gebieten besonders hervor? In vieler Hinsicht unterscheiden sie sich nicht von anderen Menschen. Sie weisen dieselben fleischlichen Schwächen auf, haben dieselben wirtschaftlichen Probleme und dieselben grundlegenden Bedürfnisse. Doch als Gesamtheit lieben sie Gott, sie nehmen die Bibel ernst und lassen sie in ihrem Leben Macht ausüben.
21. Was wird dadurch bewiesen, daß eine Gruppe wie Jehovas Zeugen in der heutigen haßerfüllten Welt existieren kann?
21 Jehovas Zeugen gehen in die Millionen und sind in über 200 Ländern anzutreffen. Zu ihnen gehören Menschen jeder Rasse, Sprache und Gesellschaftsschicht. Doch sie sind eine geeinte, friedliche, internationale Bruderschaft. Sie gelten in jedem Land, in dem sie leben, als gute Bürger, doch sind sie zuallererst Untertanen des Königreiches Gottes, und sie alle sind emsig damit beschäftigt, die gute Botschaft von diesem Königreich zu verkündigen. Es ist wahrhaft bemerkenswert, daß in der heutigen gespaltenen, von Haß erfüllten Welt eine Gruppe wie Jehovas Zeugen überhaupt existieren kann. Daß es sie gibt, ist ein überwältigender Beweis dafür, daß Gottes Geist immer noch unter den Menschen wirkt. Und es ist auch ein Beweis dafür, daß die Bibel in der Tat ‘lebendig ist und Macht ausübt’.
[Herausgestellter Text auf Seite 177]
Die Bibel kann Menschen tatsächlich ändern
[Herausgestellter Text auf Seite 181]
Erkenntnis über Gott weckt den Wunsch, wie er zu sein
-
-
Die Bibel und duDie Bibel — Gottes oder Menschenwort?
-
-
Kapitel 14
Die Bibel und du
Moderne Kritiker sagen, die Bibel sei unwissenschaftlich, sie widerspreche sich und sei lediglich eine Sammlung von Mythen. Jesus erklärte aber: „Dein [Gottes] Wort ist Wahrheit“ (Johannes 17:17). Die Beweise sprechen für Jesus, nicht für die Kritiker. Wie die Tatsachen zeigen, ist die Bibel geschichtlich zuverlässig. Durch ihre bemerkenswerte innere Harmonie, ihre wahren Prophezeiungen, ihre große Weisheit und durch ihren machtvollen guten Einfluß auf das Leben von Menschen weist sie sich überdies als das geschriebene Wort Gottes aus. Es verhält sich so, wie der Apostel Paulus erklärte: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“ (2. Timotheus 3:16).
1 (und Einleitung). (a) Was zeigen die Tatsachen hinsichtlich der Bibel? (b) Von welcher Bedeutung ist es, daß die Bibel das inspirierte Wort Gottes ist?
DIE Tatsache, daß es sich bei der Bibel nicht um Menschenwort, sondern um das Wort Gottes handelt, ist von großer Tragweite. Es bedeutet, daß Gott tatsächlich mit Menschen in Verbindung getreten ist. Er hat viele unserer Fragen beantwortet und die Lösung unserer zahlreichen Probleme aufgezeigt. Auch bedeutet es, daß die in der Bibel beschriebenen Zukunftsaussichten keine Phantasie sind. Gottes Königreich herrscht tatsächlich und wird zur bestimmten Zeit dafür sorgen, daß Ungerechtigkeit, Bedrückung und Leid von der Erde verschwinden.
2. Wozu sollte uns die Erkenntnis, daß die Bibel Gottes Wort ist, veranlassen?
2 Die Frage lautet jetzt: Was werden wir mit diesem Aufschluß anfangen? Die Erkenntnis, daß es sich bei der Bibel um Gottes Wort handelt, sollte zumindest eine Ermunterung sein hineinzusehen. Allen, die das tun, versicherte der Psalmist, daß sie glücklich werden, indem er schrieb: „Glücklich ist der Mann, der nicht im Rat der Bösen gewandelt ... ist ..., sondern seine Lust hat an dem Gesetz Jehovas und mit gedämpfter Stimme in seinem Gesetz liest Tag und Nacht“ (Psalm 1:1, 2).
Hilfe annehmen
3, 4. (a) Was sollten wir gemäß der Bibel tun, wenn wir darin auf etwas stoßen, was wir nicht verstehen? (b) Wer ist immer bereit, Menschen zu einem Verständnis der Bibel zu verhelfen?
3 Wahrscheinlich stößt der Leser der Bibel auf einiges, was er nicht versteht (2. Petrus 3:16). Ein in der Apostelgeschichte berichtetes Geschehen läßt erkennen, daß er damit rechnen sollte. Kurze Zeit nach dem Tod Jesu las ein Äthiopier in den Prophezeiungen des Bibelbuches Jesaja. Der christliche Evangelist Philippus traf den Mann und fragte ihn: „Verstehst du wirklich, was du liest?“ Das war nicht der Fall. Der Äthiopier bat daher Philippus, ihm zu einem Verständnis des Gelesenen zu verhelfen (Apostelgeschichte 8:30, 31).
4 Eine Dame aus den Vereinigten Staaten befand sich in einer ähnlichen Lage. Sie las regelmäßig in der Bibel, doch sie hatte viele wichtige Lehren der Bibel von sich aus nicht verstanden. Erst als sie mehrere Unterhaltungen mit Jehovas Zeugen hatte, lernte sie grundlegende biblische Wahrheiten kennen, so zum Beispiel die Bedeutung des Königreiches Gottes und die vielen Segnungen, die es für die Menschheit mit sich bringen wird. Jehovas Zeugen sind jedem, der sie hereinbittet, gern behilflich, den Inhalt der Bibel besser zu verstehen.
Den Rat der Bibel persönlich anwenden
5. Welche Handlungsweise trägt gemäß der Bibel dazu bei, daß man glücklich ist?
5 Wir werden ermuntert, nicht nur in der Bibel zu lesen, sondern auch nach dem Gelesenen zu handeln (Psalm 119:2). Zudem fordert uns die Bibel auf: „Schmeckt und seht, daß Jehova gut ist; glücklich ist der kräftige Mann, der zu ihm Zuflucht nimmt“ (Psalm 34:8). Sie lädt uns praktisch ein, Gott auf die Probe zu stellen. Man sollte versuchen, nach Gottes Grundsätzen zu leben, indem man darauf vertraut, daß er weiß, was für einen am besten ist. Erst dann wird man erkennen, daß es sich dabei tatsächlich um den richtigen Weg handelt. Wer so auf Gott vertraut, ist wirklich glücklich.
6. Ist es heute möglich, nach biblischen Maßstäben zu leben? Was wäre dazu zu sagen?
6 Einige behaupten zwar, man könne in der heutigen unehrlichen, unmoralischen und gewalttätigen Welt nicht nach biblischen Grundsätzen leben. Tatsache ist jedoch, daß es viele tun. Wer? Ein Mann in Afrika fand eine solche Gruppe. Er schrieb: „Ich habe im Verlauf der letzten Jahre beobachtet, daß die Zeugen Jehovas hier in Simbabwe wirklich bemüht sind, dem Beispiel Christi zu folgen. ... Ihr seid bis jetzt die einzige Gruppe, der es gelungen ist, mich von Gottes Liebe und der Macht seines Evangeliums zu überzeugen, und zwar durch Eure Lebensweise, nicht nur durch das, was Ihr redet und schreibt. Ihr predigt das Evangelium und lebt auch entsprechend, während sehr viele es nur predigen, aber nicht danach leben.“
Ihre Autorität anerkennen
7. Welche heute üblichen Handlungen widersprechen dem, was die Bibel sagt?
7 Wie der Apostel Paulus sagte, ist die Bibel „nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge“ (2. Timotheus 3:16). Mitunter ist jedoch das, was die Bibel sagt, nicht beliebt. Sie verurteilt beispielsweise homosexuelle Handlungen, aber die Homosexualität gilt in weiten Kreisen als anerkannte Lebensweise (Römer 1:24-27; 1. Korinther 6:9-11; 1. Timotheus 1:9-11). Auch sagt die Bibel, daß das Leben eines Ungeborenen von Bedeutung ist und nicht absichtlich ausgelöscht werden darf. Dennoch werden jedes Jahr weltweit etwa 50 Millionen Abtreibungen vorgenommen (2. Mose 21:22, 23; Psalm 36:9; 139:14-16; Jeremia 1:5). Was aber, wenn es einem persönlich schwerfällt, das zu akzeptieren, was die Bibel zu solchen Themen sagt?
8, 9. Woran sollten wir denken, wenn es uns zunächst schwerfällt, einen biblischen Rat anzunehmen, und wessen Maßstäbe sollten wir stets akzeptieren?
8 Nun, Christen haben gelernt, daß es stets weise ist, dem Wort Gottes zu folgen. Warum? Weil es, auf lange Sicht gesehen, für jeden das beste ist (Sprüche 2:1-11). Fest steht jedenfalls, daß Menschen, was Weisheit anbelangt, ihre Grenzen haben. Sie können selten die letzte Konsequenz ihrer Handlungen voraussehen. Der Prophet Jeremia erklärte: „Ich weiß wohl, o Jehova, daß nicht beim Erdenmenschen sein Weg steht. Es steht nicht bei dem Mann, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten“ (Jeremia 10:23).
9 Wir brauchen uns nur umzusehen und werden feststellen, daß dem so ist. Die meisten Probleme in der Welt sind darauf zurückzuführen, daß die Menschen nicht den Rat des Wortes Gottes befolgen. Die lange Leidensgeschichte der Menschheit beweist, daß es den Menschen nicht gelungen ist, in Fragen der Moral richtige Entscheidungen zu treffen. Gott ist unendlich weiser als wir. Warum sollten wir nicht das akzeptieren, was er zu sagen hat, statt uns auf unsere eigene Weisheit zu verlassen? (Sprüche 28:26; Jeremia 17:9).
Kein Mensch ist vollkommen
10, 11. (a) Wieso wirken unsere Beschaffenheit und die Welt, in der wir leben, erschwerend auf unser Bemühen, nach biblischen Grundsätzen zu leben? (b) Welchen Umgang zu suchen, ermuntert uns die Bibel, und wo können wir eine solche Gemeinschaft finden?
10 Die Bibel macht uns darauf aufmerksam, daß wir noch auf einem weiteren Gebiet Hilfe benötigen. Wir alle haben eine ererbte Neigung zum Sündigen. „Die Neigung des Menschenherzens [ist] böse ... von seiner Jugend an“ (1. Mose 8:21; Römer 7:21). Erschwerend wirkt dabei der Umstand, daß wir in einer Welt leben, die sich nicht an biblische Grundsätze hält. Folglich benötigen wir nicht nur Hilfe, um die Bibel zu verstehen, sondern auch Beistand, um das Gelernte in die Tat umsetzen zu können. Deshalb ermuntert uns die Bibel, mit Menschen Umgang zu haben, die nach göttlichen Normen leben möchten. Der Psalmist schrieb: „Ich habe die Versammlung der Übeltäter gehaßt, und bei den Bösen sitze ich nicht. ... Inmitten der versammelten Scharen werde ich Jehova segnen.“ Und in einem anderen Psalm heißt es: „Wie gut und wie lieblich es ist, wenn Brüder in Einheit beisammenwohnen!“ (Psalm 26:5, 12; 133:1).
11 Für Jehovas Zeugen ist das Zusammenkommen ein wesentlicher Bestandteil der Anbetung. Sie haben jede Woche verschiedene Zusammenkünfte und von Zeit zu Zeit Kongresse, wo sie gemeinsam die Bibel studieren und wo sie besprechen, wie biblische Grundsätze im Leben anzuwenden sind. Sie bilden eine weltweite „Bruderschaft“, in der jeder einzelne ermuntert wird, die hohen biblischen Maßstäbe zu wahren, und ihm auch diesbezüglich geholfen wird (1. Petrus 2:17). Warum nicht eine Zusammenkunft besuchen, um zu sehen, von welchem Nutzen einem persönlich diese Gemeinschaft sein kann? (Hebräer 10:24, 25).
Nach Gottes Wort leben
12. Welche Segnungen ergeben sich aus der Erkenntnis, daß die Bibel Gottes Wort ist?
12 Zu wissen, daß die Bibel Gottes Wort ist, bringt also Segnungen und Verpflichtungen mit sich. Gesegnet werden wir dadurch, daß wir Anleitung für unser tägliches Leben erhalten, die uns nirgendwo sonst geboten wird. Des weiteren lernen wir Gottes Liebe kennen, die sich darin zeigte, daß er seinen Sohn als Lösegeld für uns gab, damit wir die Hoffnung auf ewiges Leben haben können (Johannes 3:16). Wir erkennen, daß Jesus jetzt als König regiert und bald das Böse von der Erde hinwegfegen wird. Und wir erwarten zuversichtlich die ‘neuen Himmel und eine neue Erde’, die Gott selbst verheißen hat (2. Petrus 3:13).
13. Welche Verpflichtungen haben wir, wenn wir die Bibel als Gottes Wort akzeptieren?
13 Denken wir aber auch daran, daß wir die Verpflichtung haben, die Bibel zu studieren und ihre Worte zu beherzigen. Gott selbst fordert uns auf: „Mein Sohn, mein Gesetz vergiß nicht, und meine Gebote möge dein Herz beobachten“ (Sprüche 3:1). Selbst wenn die meisten die Bibel nur als Menschenwort betrachten, sollten wir mutig den Standpunkt vertreten: „Gott werde als wahrhaftig befunden, wenn auch jeder Mensch als Lügner erfunden werde“ (Römer 3:4). Jeder von uns sollte sich in seinem Leben von der Weisheit Gottes leiten lassen. „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen ... Beachte ihn auf all deinen Wegen“ (Sprüche 3:5, 6). Wenn wir weise sind und Gottes Wort befolgen, wird unser Leben zum Guten beeinflußt — sowohl jetzt als auch bis in alle Ewigkeit.
-