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  • „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“

      1. Wie kennzeichnet die Bibel ihren Autor, und welche Art Erkenntnis hält die Heilige Schrift bereit?

      „DIE ganze Schrift ist von Gott inspiriert.“ Diese Worte aus 2. Timotheus 3:16 kennzeichnen Gott, dessen Name Jehova ist, als den Autor und Inspirator der Heiligen Schrift. Welche Freude und Befriedigung die inspirierten Schriften doch vermitteln! Welch einen erstaunlichen Vorrat an wahrer Erkenntnis sie bereithalten! Sie bilden wirklich „die wahre Erkenntnis Gottes“, die von gerechtigkeitsliebenden Menschen zu allen Zeiten gesucht und hochgeschätzt worden ist (Spr. 2:5).

      2. Wie drückten Moses, David und Salomo den Wert göttlicher Weisheit aus?

      2 Zu diesen Menschen, die nach Erkenntnis suchten, gehörte Moses, der sichtbare Führer und Organisator Israels, der Nation Gottes; er sagte, die göttliche Unterweisung sei so erfrischend „wie Tau ..., wie sanfter Regen auf das Gras und wie ausgiebige Regenschauer auf die Pflanzenwelt“. Zu diesen Menschen gehörte auch David, ein tapferer Kämpfer und Verteidiger des Namens Jehovas; er betete: „Unterweise mich, o Jehova, in deinem Weg. Ich werde wandeln in deiner Wahrheit.“ Zu ihnen gehörte auch der friedfertige Salomo, der Erbauer des Hauses Jehovas in Jerusalem, eines der prachtvollsten Bauwerke, die es je auf der Erde gegeben hat. Er drückte den Wert der göttlichen Weisheit in folgenden Worten aus: „Denn sie als Gewinn zu haben ist besser, als Gewinn an Silber zu haben, und sie als Ertrag zu haben besser als selbst Gold. Sie ist kostbarer als Korallen, und alle anderen Dinge, an denen du Lust hast, können ihr nicht gleichkommen“ (5. Mo. 32:2; Ps. 86:11; Spr. 3:14, 15).

      3. Welchen Wert messen Jesus und Gott selbst dem göttlichen Wort bei?

      3 Jesus, der Sohn Gottes, maß dem Worte Gottes den höchsten Wert bei, indem er erklärte: „Dein Wort ist Wahrheit.“ Zu seinen Nachfolgern sagte er: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh. 17:17; 8:31, 32). Dieses Wort, das Jesus von seinem Vater empfing, ist wirklich machtvoll. Es ist Gottes Wort. Nach Jesu Tod, seiner Auferstehung und seiner Auffahrt zur Rechten Jehovas in den Himmeln gab er eine weitere Offenbarung des Wortes seines Vaters, wozu eine herrliche Schilderung der Segnungen Gottes für die Menschheit auf der paradiesischen Erde gehörte. Danach wies Gott den Apostel Johannes an: „Schreibe, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.“ Alle Worte der von Gott inspirierten Schriften sind „zuverlässig und wahr“ und bringen denen, die sie beachten, unermeßlichen Nutzen (Offb. 21:5).

      4. Wozu sind die inspirierten Schriften nützlich?

      4 Wieso sind sie nützlich? Die vollständige Äußerung des Apostels Paulus gemäß 2. Timotheus 3:16, 17 gibt die Antwort: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk.“ Die inspirierten Schriften sind also nützlich, um uns die wahre Lehre zu vermitteln und einen rechten Wandel zu lehren, in unserem Denken und Handeln Dinge richtigzustellen und uns zurechtzuweisen und in Zucht zu nehmen, damit wir demütig in Wahrheit und Gerechtigkeit wandeln können. Wenn wir uns der Lehre des Wortes Gottes unterwerfen, können wir „Gottes Mitarbeiter“ werden (1. Kor. 3:9). Es gibt heute auf der Erde kein größeres Vorrecht, als im Werke Gottes als „der Mensch Gottes“ beschäftigt zu sein, „völlig tauglich ... und vollständig ausgerüstet“.

      EINE FESTE GRUNDLAGE FÜR DEN GLAUBEN

      5. Was ist Glaube, und wie nur kann er erlangt werden?

      5 Ein Mitarbeiter Gottes zu sein erfordert Glauben. Glaube darf nicht mit der verwässerten Leichtgläubigkeit verwechselt werden, die heute vorherrscht. Viele Menschen meinen, es genüge, irgend etwas zu glauben — ob man einer Konfession angehört, an die Evolution glaubt oder eine Philosophie vertritt. Jedoch muß sich der Mensch Gottes „weiterhin an das Muster gesunder Worte“ halten, „mit Glauben und Liebe, die mit Christus Jesus verbunden sind“ (2. Tim. 1:13). Der Mensch muß wirklichen, lebendigen Glauben haben; denn „der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht“. Der Glaube muß auf ein festes Vertrauen zu Gott gegründet sein und darauf, daß er alle, die ihm gefallen, belohnt (Heb. 11:1, 6). Dieser Glaube kann nur durch fleißiges Studium des Wortes Gottes, der Bibel, erlangt werden. Er beruht auf einer tiefen Liebe zur Bibel und zu Jehova, dem Gott der Bibel, sowie zu dessen Sohn Jesus Christus. Es gibt nur e i n e n solchen lebendigen Glauben, ebenso wie es auch nur e i n e n Herrn Jesus Christus und e i n e n Gott und Vater aller gibt, Jehova (Eph. 4:5, 6).

      6. Wie ist wahrer Glaube beschaffen?

      6 Wir müssen wissen, was Gottes Wort ist, seinen Ursprung kennen, seine Autorität, seinen Zweck und seine zur Gerechtigkeit führende Kraft. Wenn wir Wertschätzung für seine herrliche Botschaft erlangen, werden wir auch Glauben haben. Überdies werden wir die Bibel und ihren Autor schließlich so inbrünstig lieben, daß dieser Glaube und diese Liebe durch nichts erstickt werden können. Die Heilige Schrift, zu der auch die Aussprüche Jesu Christi gehören, ist es, die eine feste Grundlage für den Glauben bildet. Der wahre Glaube ist ein Glaube, der unter Versuchungen sowie harten Prüfungen, Verfolgungen und angesichts materiellen Fortschritts und materialistischer Philosophien einer gottlosen Gesellschaft standhält. Er wird glorreich triumphieren bis in Gottes neue Welt der Gerechtigkeit. „Das ist die Siegesmacht, die die Welt besiegt hat: unser Glaube“ (1. Joh. 5:4).

      7. Welche Belohnung bringt es mit sich, biblische Weisheit zu erwerben?

      7 Um Glauben zu erlangen und daran festzuhalten, müssen wir Gottes Wort, die inspirierten Schriften, lieben- und schätzenlernen. Die Heilige Schrift ist Gottes unvergleichliche Gabe für die Menschheit, ein Vorratshaus geistiger Schätze, deren Tiefe der Weisheit unergründlich ist und deren erleuchtende und zur Gerechtigkeit antreibende Kraft über die aller anderen Bücher hinausgeht, die jemals geschrieben worden sind. Wenn wir uns gründlich damit beschäftigen, eine Erkenntnis aus Gottes Wort zu erlangen, werden wir veranlaßt, mit dem Apostel Paulus auszurufen: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ Die inspirierten Schriften und ihren Autor kennenzulernen bedeutet, auf den Pfad ewiger Freude und Lieblichkeit zu gelangen (Röm. 11:33; Ps. 16:11).

      JEHOVA — EIN MITTEILSAMER GOTT

      8. (a) Warum sollten wir dankbar sein, daß Jehova ein mitteilsamer Gott ist? (b) Auf welche Weise unterscheidet er sich von den Dämonengöttern?

      8 David sprach von der Herrlichkeit des Namens Jehovas und rief aus: „Denn du bist groß und tust Wunderdinge; du bist Gott, du allein“ (Ps. 86:10). Jehova hat für die Menschheit auf der Erde viele „Wunderdinge“ getan, und dazu gehört, daß er ihr sein Wort übermittelt hat. Ja, Jehova ist ein mitteilsamer Gott, ein Gott, der sich zum Nutzen seiner Geschöpfe liebevoll zu erkennen gibt. Wie dankbar sollten wir doch sein, daß unser Schöpfer kein reservierter Machthaber ist, der sich in Geheimnisse hüllt und für die Bedürfnisse gerechtigkeitsliebender Menschen auf der Erde unempfänglich ist! Wie er es in der kommenden neuen Welt tun wird, so weilt Jehova auch heute schon bei denen, die ihm gegenüber Glauben und Liebe üben, gleich einem gütigen Vater, der seinen fragenden Kindern gute Dinge mitteilt (Offb. 21:3). Unser himmlischer Vater gleicht nicht den Dämonengöttern, die durch furchteinflößende, stumme Götzenbilder dargestellt werden müssen. Götter aus Metall und Stein haben kein väterliches Verhältnis zu ihren in geistiges Dunkel gehüllten Anbetern. Diese Götter können ihnen nichts Nützliches mitteilen. Ja wirklich, „die sie machen, werden ihnen gleich werden“ (Ps. 135:15-19; 1. Kor. 8:4-6).

      9. Welche Mitteilungen sind von Gott aus den oberen Bereichen ergangen?

      9 Jehova ist der „Gott“, der als „barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit“ beschrieben wird (2. Mo. 34:6). Aus der Fülle seiner liebenden Güte hat er der Menschheit eine Fülle von Wahrheit vermittelt. Dabei handelt es sich stets um guten, vernünftigen Rat, der dazu dient, die Menschen zu leiten, und dazu gehört auch die Prophetie, die unsere Pfade im Hinblick auf künftige Segnungen erleuchtet. „Denn alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Röm. 15:4). Aus den oberen Bereichen, aus dem Himmel selbst, sind diese zuverlässigen Mitteilungen gekommen, um die Menschheit in den unteren Bereichen zu unterweisen (Joh. 8:23).

      10. In welchen Sprachen hat Gott Mitteilungen gemacht, und warum?

      10 Jehova hat nie etwas in einer unbekannten Sprache mitgeteilt, sondern immer in der Sprache der Menschen, in der lebenden Sprache seiner treuen Zeugen (Apg. 2:5-11). Zu Adam, Noah, Abraham, Moses und den hebräischen Propheten sprach Jehova in der ersten Sprache der Menschheit, die heute als Hebräisch bekannt ist. Hebräisch wurde so lange weiter gebraucht, wie es verstanden werden konnte, sogar noch zur Zeit des Saulus von Tarsus, zu dem der auferstandene Jesus in dieser Sprache redete (Apg. 26:14). Als sich die aramäische Sprache der Chaldäer unter den Israeliten, die im Exil waren, ausbreitete, machte Gott einige Mitteilungen in Aramäisch, denn diese Sprache verstand das Volk (Esra 4:8 bis 6:18; 7:12-26; Dan. 2:4b bis 7:28). Als später Griechisch die internationale Sprache und unter Jehovas Zeugen die führende Sprache war, ergingen die Mitteilungen Jehovas in dieser Sprache und blieben in ihr erhalten. Die in der Bibel erhalten gebliebenen Aussprüche sind Jehovas Mitteilungen, die stets in einer lebenden Sprache zum Nutzen demütiger, wahrheitsliebender Menschen auf der Erde ergingen.

      11. Wieso kann gesagt werden, daß Gott der Schöpfer der Sprache überhaupt ist?

      11 Jehova ist der Schöpfer des Sinnes und der Sprechwerkzeuge, wie z. B. Zunge, Mund und Kehle, die all die komplizierten Sprachlaute für jedes der vielen Sprachgefüge erzeugen. Somit kann gesagt werden, daß Jehova der Schöpfer der Sprache überhaupt ist. Seine Gewalt über die Sprache der Menschheit wurde durch das Wunder bewiesen, das er beim Turm von Babel wirkte (2. Mo. 4:11; 1. Mo. 11:6-9; 10:5; 1. Kor. 13:1). Keine Sprache ist Jehova fremd. Er gab dem Menschen nicht nur die ursprüngliche hebräische Sprache, sondern dadurch, daß er den Sinn und die Sprechwerkzeuge schuf, legte er auch die Grundlage für Aramäisch und Griechisch sowie für all die etwa 3 000 Sprachen, die jetzt von der Menschheit gesprochen werden.

      DIE SPRACHE DER WAHRHEIT

      12, 13. (a) Wie hat Jehova seine Mitteilungen leicht verständlich gemacht? (b) Nenne Beispiele.

      12 Ungeachtet welche menschliche Sprache Jehova gebrauchte, hat er doch jedesmal seine Mitteilungen in der Sprache der Wahrheit gemacht und nicht in religiösem Mystizismus. Es ist eine einfache und leichtverständliche Sprache (Zeph. 3:9). Der Mensch kann leicht Dreidimensionales erfassen, das heißt Gegenstände, die Höhe, Breite und Länge aufweisen und in den Strom der Zeit eingeordnet sind. Deshalb hat Jehova Unsichtbares durch sinnbildliche Darstellungen beschrieben, die der Mensch erfassen kann. Ein Beispiel ist die von Gott entworfene und von Moses in der Wildnis errichtete Stiftshütte. Unter Inspiration wandte Paulus ihre dreidimensionalen Sinnbilder an, um herrliche Wirklichkeiten zu erklären, die zum Himmel selbst gehören (Heb. 8:5; 9:9).

      13 Ein weiteres Beispiel: Jehova, der Geist ist, sitzt in den Himmeln nicht buchstäblich auf einem Thronsessel. Aber uns gegenüber, die wir nur Menschen und an sichtbare Wirklichkeiten gebunden sind, gebraucht Gott in seiner Ausdrucksweise solch ein sichtbares Sinnbild, um Verständnis zu vermitteln. Wenn er eine Verhandlung am himmlischen Hof einleitet, ist es so, als setzte sich ein irdischer König auf einen Thron, um eine bestimmte Verhandlung einzuleiten (Dan. 7:9-14).

      LEICHT ZU ÜBERSETZEN

      14, 15. Wieso kann die Bibel im Gegensatz zu menschlichen philosophischen Schriften leicht in andere Sprachen übersetzt werden? Veranschauliche es.

      14 Da die Bibel in so sachlichen, leichtverständlichen Worten geschrieben wurde, ist es möglich, die Sinnbilder und Handlungen, die sie beschreibt, klar und genau in die meisten Gegenwartssprachen zu übertragen. Die ursprüngliche Macht und Kraft der Wahrheit bleibt in allen Übersetzungen erhalten. Einfache, alltägliche Wörter, wie „Pferd“, „Krieg“, „Krone“, „Thron“, „Ehemann“, „Ehefrau“ und „Kinder“, vermitteln in jeder Sprache deutlich den genauen Gedanken. Das steht im Gegensatz zu menschlichen philosophischen Schriften, die nicht genau zu übersetzen sind und deren schwerverständliche Ausdrücke und verworrene Fachsprache sich oft nicht genau in eine fremde Sprache übertragen lassen.

      15 Die Bibel ist an Ausdruckskraft weit überlegen. Selbst als Gott Gerichtsbotschaften an Ungläubige ergehen ließ, gebrauchte er keine philosophische Sprache, sondern Sinnbilder aus dem täglichen Leben. Das wird in Daniel 4:10-12 gezeigt. Hier wurde das Königtum des selbstherrlichen heidnischen Königs näher beschrieben, wozu ein Baum als Sinnbild diente, und dann wurden durch das, was mit diesem Baum getan wurde, künftige Geschehnisse genau vorhergesagt. All das wird bei Übersetzungen in andere Sprachen deutlich wiedergegeben. So hat Jehova in liebevoller Weise Mitteilungen ergehen lassen, damit die „wahre Erkenntnis ... überströmend“ wird. Wie wunderbar uns doch dadurch in dieser „Zeit des Endes“ geholfen worden ist, die Prophetie zu verstehen! (Dan. 12:4).

      DER MITTEILUNGSWEG

      16. Wie kann Jehovas Mitteilungskanal beschrieben werden?

      16 Jemand fragt vielleicht: „Auf welche Weise haben uns die Mitteilungen erreicht?“ Das läßt sich gut durch ein neuzeitliches Beispiel veranschaulichen. Zur Nachrichtenübertragung werden folgende Mittel benötigt: 1. Verbreiter oder Urheber der Botschaft, 2. Übermittler, 3. das Mittel, durch das die Botschaft weitergeleitet wird, 4. Empfänger und 5. Hörer. Bei Ferngesprächen gibt es 1. den Fernsprechteilnehmer, von dem die Mitteilung ausgeht, 2. das Mikrofon, in dem die Botschaft in elektrische Stromstöße umgewandelt wird, 3. die Fernsprechleitungen, durch die die elektrischen Stromstöße an ihren Bestimmungsort gelangen, 4. den Telefonhörer, in dem die Stromstöße wieder in Töne umgewandelt werden, und 5. den Teilnehmer, der die Mitteilung hört. So ist es auch im Himmel: 1. bringt Jehova seine Aussprüche hervor; 2. vermittelt sein offizielles Wort oder der offizielle Wortführer, jetzt als Jesus Christus bekannt, oft die Botschaft; 3. bringt Gottes heiliger Geist, die wirksame Kraft, die als Kommunikationsmittel benutzt wird, die Nachricht zur Erde; 4. empfängt Gottes Prophet auf der Erde die Botschaft; 5. macht er sie dann zum Nutzen des Volkes Gottes öffentlich bekannt. Ebenso, wie heute gelegentlich ein Kurier geschickt wird, um eine wichtige Botschaft zu überbringen, beschloß auch Jehova manchmal, Geisterboten oder Engel zu gebrauchen, um seinen Dienern auf der Erde gewisse Nachrichten aus den Himmeln zu übermitteln (Gal. 3:19; Heb. 2:2).

      VORGANG DER INSPIRATION

      17. Welches griechische Wort wird mit „von Gott inspiriert“ übersetzt, und wie hilft uns seine Bedeutung, den Vorgang der Inspiration zu verstehen?

      17 Der Ausdruck „von Gott inspiriert“ ist eine Übersetzung des griechischen Wortes theópneustos, das „gottgehaucht“ bedeutet. (Siehe 2. Timotheus 3:16, erste Fußnote.) Seinen eigenen Geist, seine wirksame Kraft, hat Gott auf treue Männer ‘gehaucht’, um sie zu veranlassen, die heiligen Schriften zusammenzustellen und zu schreiben. Dieser Vorgang wird als Inspiration bezeichnet. Die Propheten und andere treue Diener Jehovas, die unter Inspiration zu stehen kamen, ließen ihren Sinn durch diese wirksame Kraft forttragen. Das bedeutet, daß sie von Gott Botschaften erhielten, wozu Bilder seines Vorsatzes gehörten, die sich in ihrem Sinn fest verankerten. „Denn Prophetie wurde niemals durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern Menschen redeten von Gott aus, wie sie von heiligem Geist getrieben wurden“ (2. Pet. 1:21; Joh. 20:21, 22).

      18. Wie tief wurden die inspirierten Botschaften ihren menschlichen Empfängern eingeprägt?

      18 Wenn diese Männer Gottes wach und bei vollem Bewußtsein waren oder schliefen und einen Traum hatten, prägte ihnen Gottes Geist die Botschaft, die von dem göttlichen Ursprung des Mitteilungsweges ausging, fest ein. Erhielt der Prophet die Botschaft, war es seine Pflicht, sie anderen in Form von Worten weiterzugeben. Wenn Moses und andere treue Propheten auferstehen, werden sie ohne Zweifel die Genauigkeit der erhalten gebliebenen Aufzeichnungen ihrer Schriften bestätigen können, da sich ihr wiedererschaffener Sinn wahrscheinlich noch deutlich an die ursprünglichen Mitteilungen erinnern kann. In gleicher Weise war der Apostel Petrus so tief von der Vision der Umgestaltung beeindruckt, daß er über deren Herrlichkeit mehr als 30 Jahre später noch lebhaft schreiben konnte (Mat. 17:1-9; 2. Pet. 1:16-21).

      DER AUTOR UND SEIN FINGER

      19. Was ist Gottes „Finger“, und mit welchen Bibeltexten kann das bewiesen werden?

      19 Menschliche Autoren haben zum Schreiben ihre Finger benutzt, in alter Zeit gebrauchten sie dazu eine Feder oder einen Stilus, und in neuerer Zeit bedienen sie sich der Schreibfeder, der Schreibmaschine oder eines Computers. Was durch solche Finger hervorgebracht wird, gilt als geistiges Produkt dessen, dem diese Finger gehören. Wußtest du, daß Gott einen Finger hat? Das ist der Fall, denn Jesus sprach von Gottes Geist als von Gottes „Finger“. Als Jesus einen von Dämonen besessenen Mann heilte, so daß dieser wieder sprechen und sehen konnte, lästerten religiöse Feinde über das Mittel, durch das Jesus den Mann geheilt hatte. Gemäß Matthäus sagte Jesus zu ihnen: „Wenn ich ... durch Gottes Geist die Dämonen austreibe, so hat euch das Königreich Gottes wirklich eingeholt“ (Mat. 12:22, 28). Lukas erweitert unser Verständnis, indem er die Worte, die Jesus bei einer ähnlichen Gelegenheit äußerte, zitiert: „Wenn ich ... durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so hat das Königreich Gottes euch wirklich eingeholt“ (Luk. 11:20). Bei einer früheren Gelegenheit wurden die Magie treibenden Priester Ägyptens gezwungen, zuzugeben, daß die Plagen, die über Ägypten gekommen waren, eine Entfaltung der erhabenen Macht Jehovas waren, die sie anerkannten, indem sie sagten: „Es ist der Finger Gottes!“ (2. Mo. 8:18, 19).

      20. Wie hat Gottes „Finger“ gewirkt, und mit welchem Ergebnis?

      20 In Übereinstimmung mit diesen Anwendungen des Wortes „Finger“ kann man erkennen, daß „der Finger Gottes“ große Macht hat und daß sich diese Bezeichnung gut auf Gottes Geist anwenden läßt, wie er ihn zum Schreiben der Bibel gebrauchte. So erfahren wir aus der Heiligen Schrift, daß durch den „Finger Gottes“ die Zehn Gebote auf zwei Steintafeln geschrieben wurden (2. Mo. 31:18; 5. Mo. 9:10). Auch als Gott Menschen gebrauchte, um die verschiedenen Bücher der Heiligen Schrift zu schreiben, war sein symbolischer Finger oder sein Geist die lenkende Kraft hinter der Feder jener Männer. Gottes heiliger Geist ist unsichtbar, aber er ist auf wunderbare Weise wirksam gewesen, so daß die Menschheit als sichtbares, greifbares Ergebnis eine hochgeschätzte Gabe erhalten hat, nämlich Gottes Wort der Wahrheit, seine Bibel. Es steht außer Frage, daß der Autor der Bibel Jehova ist, der mitteilsame Gott des Himmels.

      BEGINN DER INSPIRIERTEN SAMMLUNG

      21. (a) Wie wurde damit begonnen, die Heilige Schrift zu schreiben? (b) Auf welche Weise hat Jehova für ihre Bewahrung gesorgt?

      21 Wie wir gesehen haben, gab Jehova „Moses dann zwei Tafeln des ZEUGNISSES, Steintafeln, beschrieben von Gottes Finger“ (2. Mo. 31:18). Diese Schrift umfaßte die Zehn Gebote, und es ist von Interesse, daß dieses Dokument den göttlichen Namen, Jehova, achtmal offiziell wiedergibt. Im gleichen Jahr, nämlich 1513 v. u. Z., gebot Jehova Moses, damit anzufangen, dauerhafte Aufzeichnungen zu machen. Auf diese Weise wurde damit begonnen, die Heilige Schrift zu schreiben (2. Mo. 17:14; 34:27). Gott gebot Moses auch, die „Lade des Zeugnisses“ oder „die Lade des Bundes“ zu bauen, einen kunstvoll gearbeiteten Kasten, in dem die Israeliten diese besonders geschätzte Mitteilung aufbewahren sollten (2. Mo. 25:10-22; 1. Kö. 8:6, 9). Den Entwurf der Lade und der Stiftshütte, in der sie untergebracht wurde, beschaffte Jehova; und Bezalel, der Oberste der Kunsthandwerker und der Bauleute, wurde „mit dem Geist Gottes erfüllt, in Weisheit, in Verstand und in Kenntnis und in jeder Art von Kunstfertigkeit“, um seine Arbeit nach dem göttlichen Muster zu vollenden (2. Mo. 35:30-35).

      22. (a) Wer ist der Autor der inspirierten Schriften, und wie lange dauerte die Niederschrift? (b) Wer war am Schreiben der Bibel beteiligt, und was ist über die Schreiber bekannt?

      22 Lange Zeit hindurch machte Gott seine Vorsätze bekannt, indem er „bei vielen Gelegenheiten und auf vielerlei Weise“ redete (Heb. 1:1). Die Männer, die sein Wort niederschrieben, taten das vom Jahre 1513 v. u. Z. bis etwa 98 u. Z., also während etwa 1 610 Jahren. Der alleinige Autor, Jehova Gott, gebrauchte ungefähr 40 dieser Schreiber oder menschlichen Sekretäre. Alle diese am Schreiben Beteiligten waren Hebräer und somit Angehörige der Nation, der „die heiligen Aussprüche Gottes anvertraut wurden“ (Röm. 3:2). Acht von ihnen waren Judenchristen, die Jesus entweder persönlich oder über seine Apostel kannten. Die vor ihrer Zeit geschriebenen inspirierten Schriften hatten hinsichtlich des Kommens des Messias oder Christus Zeugnis abgelegt (1. Pet. 1:10, 11). Obwohl sie aus vielen Gesellschaftsschichten berufen worden waren, hatten diese irdischen Bibelschreiber, von Moses bis zum Apostel Johannes, daran teil, die Souveränität Jehovas Gottes zu verteidigen und seine Vorsätze auf der Erde bekanntzumachen. Sie schrieben im Namen Jehovas und durch die Macht seines Geistes (Jer. 2:2, 4; Hes. 6:3; 2. Sam. 23:2; Apg. 1:16; Offb. 1:10).

      23. Welche früheren Aufzeichnungen benutzten manche Bibelschreiber, und wie wurden diese Aufzeichnungen ein Teil der inspirierten Schriften?

      23 Mehrere dieser Schreiber nahmen in ihre Aufzeichnungen Zusammenstellungen von Urkunden früherer Schreiber auf, die Augenzeugen waren, aber nicht alle unter Inspiration standen. Moses zum Beispiel hat möglicherweise das meiste des ersten Buches Mose aus solchen Augenzeugenberichten zusammengestellt, wie Samuel es beim Schreiben des Buches Richter getan haben kann. Jeremia stellte das erste und das zweite Buch der Könige auf diese Weise zusammen, und Esra schrieb ebenso das erste und das zweite Buch der Chronika. Der heilige Geist leitete diese Männer, damit sie entscheiden konnten, welche Teile älterer menschlicher Urkunden in die Zusammenstellung aufgenommen werden sollten, um sie dadurch als zuverlässig zu beglaubigen. Von der Zeit ihrer Zusammenstellung an wurden diese Auszüge aus älteren Urkunden ein Teil der inspirierten Schriften (1. Mo. 2:4; 5:1; 2. Kö. 1:18; 2. Chr. 16:11).

      24, 25. (a) Welcher Zeitraum der Geschichte wird in der Bibel behandelt? (b) Führe einige interessante Tatsachen an, die in der Tabelle auf Seite 12 zu finden sind.

      24 In welcher Reihenfolge haben wir die 66 Bibelbücher erhalten? Welchen Teil des endlosen Stromes der Zeit behandeln sie? Nach der Beschreibung der Erschaffung der Himmel und der Erde und der Zubereitung der Erde als des Menschen Heimat nimmt der Bericht des ersten Buches Mose die Anfänge der Geschichte des Menschen von seiner Erschaffung im Jahre 4026 v. u. Z. an auf. Dann berichten die heiligen Schriften über wichtige Ereignisse, die sich bis kurz nach 443 v. u. Z. zutrugen. Nach einer Unterbrechung von mehr als 400 Jahren wird dann der Bericht 3 v. u. Z. wiederaufgenommen und bis ungefähr 98 u. Z. fortgeführt. Vom geschichtlichen Standpunkt aus kann daher gesagt werden, daß die Heilige Schrift einen Zeitraum von 4 123 Jahren umfaßt.

      25 Die Tabelle auf Seite 12 wird dazu beitragen, Anhaltspunkte über die Bibelschreiber und die Reihenfolge kennenzulernen, in der wir die Schriften der Bibel erhielten.

      DAS VOLLSTÄNDIGE „BUCH“ GÖTTLICHER WAHRHEIT

      26. In welcher Hinsicht sind die heiligen Schriften ein vollständiges Buch?

      26 Die heiligen Schriften bilden als Sammlung der Schriften vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung ein vollständiges Buch, eine vollständige Bibliothek, und sind alle von dem einen höchsten Autor inspiriert. Sie sollten nicht in zwei Teile aufgeteilt werden, so daß einem Teil geringerer Wert beigemessen würde. Die Hebräischen Schriften und die Christlichen Griechischen Schriften sind füreinander unerläßlich. Die letzteren ergänzen die ersteren, so daß sie gemeinsam das vollständige Buch göttlicher Wahrheit bilden. Alle 66 Bibelbücher zusammen bilden die eine Bibliothek der Heiligen Schrift (Röm. 15:4).

      27. Warum sind die Bezeichnungen „Altes Testament“ und „Neues Testament“ unzutreffend?

      27 Es ist ein auf Tradition beruhender Fehler, Gottes geschriebenes Wort in zwei Abschnitte aufzuteilen und den ersten Abschnitt, vom ersten Buch Mose bis Maleachi, als das „Alte Testament“ und den zweiten Abschnitt, von Matthäus bis zur Offenbarung, als das „Neue Testament“ zu bezeichnen. In 2. Korinther 3:14 spricht die bekannte Lutherbibel vom „alten Testament“, das gelesen würde, aber hier bezieht sich der Apostel nicht auf die alten Hebräischen Schriften in ihrer Gesamtheit. Auch meint er nicht, daß die inspirierten christlichen Schriften ein „neues Testament [einen (neuen) Bund]“ bilden. Der Apostel spricht vom Gesetzesbund, den Moses im Pentateuch aufzeichnete und der nur einen Teil der vorchristlichen Schriften ausmacht. Aus diesem Grund sagt er im nächsten Vers: „... wenn Mose gelesen wird.“ Das griechische Wort, das einige Male in der Lutherbibel mit „Testament“ übersetzt wird, ist in vielen neuzeitlichen Übersetzungen einheitlich mit „Bund“ wiedergegeben worden (Mat. 26:28; 2. Kor. 3:6, 14; Einheitsübersetzung; Elberfelder Bibel; Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift).

      28. Welche Zusicherung wird bezüglich biblischer Prophezeiungen gegeben?

      28 Was als die Heilige Schrift aufgezeichnet und bewahrt worden ist, darf nicht gefälscht werden (5. Mo. 4:1, 2; Offb. 22:18, 19). Über diesen Punkt schreibt der Apostel Paulus: „Aber selbst wenn wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als gute Botschaft verkündigen sollte außer dem, was wir euch als gute Botschaft verkündigt haben, er sei verflucht“ (Gal. 1:8; siehe auch Joh. 10:35). Zu seiner Zeit muß sich das ganze prophetische Wort Jehovas erfüllen. „So wird sich mein Wort erweisen, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht ergebnislos zu mir zurückkehren, sondern es wird gewiß das tun, woran ich Gefallen gehabt habe, und es wird bestimmt Erfolg haben in dem, wozu ich es gesandt habe“ (Jes. 55:11).

      DIE SCHRIFTEN ERFORSCHEN

      29. Welcher Aufschluß wird in diesem Buch jeweils als Einführung zu der Betrachtung jedes Bibelbuches gegeben?

      29 Auf den folgenden Seiten werden die 66 Bücher der Heiligen Schrift der Reihe nach genau betrachtet. Es wird der Hintergrund jedes Buches beschrieben, und es wird Aufschluß über den Schreiber, den Zeitpunkt der Niederschrift und in einigen Fällen über den behandelten Zeitraum gegeben. Auch wird der Beweis erbracht, daß das Buch glaubwürdig ist und rechtmäßig zu den inspirierten Schriften gehört. Einen solchen Beweis liefern manchmal die Worte Jesu Christi oder die inspirierten Schriften anderer Diener Gottes. Sehr oft zeigt sich die Glaubwürdigkeit des Buches in unleugbaren Erfüllungen biblischer Prophetie oder durch den inneren Beweis aus dem Buch selbst, wie zum Beispiel durch seine Harmonie, Ehrlichkeit und Offenheit. Der Beweis wird auch mitunter durch archäologische Funde oder durch zuverlässige weltliche Geschichte erhärtet.

      30. Auf welche Weise wird der Inhalt jedes Bibelbuches dargelegt?

      30 Die Inhaltsangabe eines jeden Buches dient dazu, die machtvolle Botschaft des Bibelschreibers so hervorzuheben, daß dem Leser eine tiefe Liebe zu den inspirierten Schriften und zu deren Autor, Jehova Gott, eingeflößt wird und sich so die Wertschätzung für die lebendige Botschaft des Wortes Gottes in all ihrer praktischen Anwendbarkeit, Harmonie und Schönheit steigert. Der Inhalt des Buches wird durch Untertitel aufgegliedert. Dadurch soll das Studium erleichtert werden; es handelt sich dabei nicht um eine willkürliche Unterteilung der Bücher der Bibel. Jedes Buch bildet in sich eine Einheit und leistet einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der göttlichen Vorsätze.

      31. (a) Welche Erklärungen werden gegeben, um zu zeigen, wieso jedes Buch nützlich ist? (b) Welches großartige Thema bleibt in all den Besprechungen der Bibelbücher im Vordergrund?

      31 Die Besprechung jedes Buches schließt mit einer Erklärung darüber ab, wieso der betreffende Teil der inspirierten Schriften „nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ ist (2. Tim. 3:16). Soweit das inspirierte Zeugnis späterer Bibelschreiber auf Erfüllungen der Prophetie hinweist, werden diese betrachtet. In jedem Fall wird gezeigt, wie das Buch dazu beiträgt, das Hauptthema der Bibel zu entwickeln. Die Bibel ist nicht erdichtet. Sie enthält die einzige lebendige Botschaft für die Menschheit. Vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung, also von ihrem ersten bis zu ihrem letzten Buch, bezeugen die inspirierten Schriften, daß Jehova Gott, der Schöpfer des Universums, beabsichtigt, seinen Namen durch das Königreich zu heiligen, dessen Regent sein Same ist. Darin liegt die herrliche Hoffnung für alle gerechtigkeitsliebenden Menschen (Mat. 12:18, 21).

      32. Welcher weitere Aufschluß wird vermittelt, um die Wertschätzung für die Bibel zu vertiefen?

      32 Nach der eigentlichen Betrachtung der 66 Bibelbücher wird der Hintergrund der Bibel behandelt. Dazu gehören Lehrstücke über die Geographie des Landes der Verheißung, über die Bestimmung der Zeit der biblischen Ereignisse, über Bibelübersetzungen, über archäologische und andere Beweise, die die Glaubwürdigkeit der Bibel bestätigen, und über den Nachweis für den Bibelkatalog. In diesem Teil des Buches erscheinen auch noch weitere wertvolle Informationen und Verzeichnisse. All das soll die Wertschätzung für die Bibel als das praktischste und nützlichste Buch, das es heute auf der Erde gibt, vertiefen.

      33. Wie kann die Bibel beschrieben werden, und von welchem Nutzen ist es, sie zu studieren?

      33 Der göttliche Autor hat ausführlich zur Menschheit gesprochen. Er hat gezeigt, daß er eine tiefe Liebe hat und ein väterliches Interesse an dem bekundet, was er für seine Kinder auf der Erde getan hat. Welch einzigartige Sammlung inspirierter Urkunden er uns doch durch die Heilige Schrift gegeben hat! Die Heilige Schrift ist wirklich ein Schatz ohnegleichen, eine umfassende Bibliothek voll von „gottgehauchtem“ Aufschluß, der die Schriften rein menschlichen Ursprungs an Fülle und Reichweite bei weitem übertrifft. Sich dem Studium des Wortes Gottes zu widmen wird nicht „ermüdend für das Fleisch“ sein, sondern vielmehr denen ewigen Nutzen bringen, die „das von Jehova Gesagte“ kennenlernen, das „für immer“ bleibt (Pred. 12:12; 1. Pet. 1:24, 25).

  • Studie 1 — Ein Besuch im Land der Verheißung
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 1 — Ein Besuch im Land der Verheißung

      Die Regionen des Landes, seine geophysikalischen Besonderheiten, seine Berge und Täler, seine Flüsse und Seen, sein Klima, seine Bodenbeschaffenheit und seine vielfältige Flora

      1. (a) Warum ist die Bezeichnung „Land der Verheißung“ treffend? (b) An welche herrliche Aussicht mögen wir denken, wenn wir die Geographie des Landes erforschen?

      DIE Grenzen des einstigen Landes der Verheißung wurden von Jehova Gott festgelegt (2. Mo. 23:31; 4. Mo. 34:1-12; Jos. 1:4). Viele Jahrhunderte lang wurde dieses Gebiet auch das Land Palästina genannt, eine Bezeichnung, die von dem lateinischen Wort Palaestina und dem griechischen Wort Palaistínē abgeleitet ist. Letzteres geht auf das hebräische Peléscheth zurück. In den Hebräischen Schriften wird Peléscheth mit „Philistäa“ übersetzt und bezieht sich nur auf das Land der Philister, die Feinde des Volkes Gottes waren (2. Mo. 15:14). Da Jehova aber dieses Land dem treuen Abraham und seinen Nachkommen verhieß, ist die Bezeichnung „Verheißenes Land“ oder „Land der Verheißung“ treffend (1. Mo. 15:18; 5. Mo. 9:27, 28; Heb. 11:9). Das Land besticht durch seine geographische Vielfalt, denn auf diesem Fleckchen Erde begegnet man vielen verschiedenen Merkmalen und Extremen, die es auf der Erde gibt. Wenn Jehova seinen Zeugen in alter Zeit ein solch schönes, vielfältiges Land der Verheißung zum Erbe geben konnte, dann kann er seine ihm hingegebenen Anbeter in der neuen Welt ganz bestimmt mit einem herrlichen Paradies erfreuen, das sich über die ganze Erde erstreckt — mit Bergen, Tälern, Flüssen und Seen. Machen wir nun in Gedanken eine Rundreise und schenken der Geographie des Landes der Verheißung unsere Aufmerksamkeit.a

      GESAMTGRÖSSE

      2. Wie groß war der Teil des Landes der Verheißung, in dem sich die Juden ansiedelten, und in welchem Gebiet siedelten sie noch?

      2 Nach den von Gott gemäß 4. Mose 34:1-12 festgelegten Grenzen sollte das Land, das Israel verheißen war, ein schmaler Streifen sein. In Nordsüdrichtung sollte es im Mittel ungefähr 480 Kilometer lang und etwa 56 Kilometer breit sein. Militärisch besetzt war das gesamte verheißene Gebiet aber erst unter der Herrschaft der Könige David und Salomo, wobei viele abhängige Völker beherrscht wurden. Der Teil, den die Juden tatsächlich besiedelten, wurde allgemein als das Gebiet beschrieben, das sich von Dan im Norden bis Beerscheba im Süden erstreckte — eine Entfernung von ungefähr 240 Kilometern (1. Kö. 4:25). Die Entfernung quer durch das Land vom Karmel bis zum Galiläischen Meer betrug ungefähr 51 Kilometer, und im Süden, wo die Mittelmeerküste allmählich nach Südwesten abbiegt, waren es über 80 Kilometer von Gasa bis zum Toten Meer. Dieses besiedelte Gebiet westlich des Jordan umfaßte nur ungefähr 15 000 Quadratkilometer. Die Israeliten siedelten sich jedoch außerdem in Ländern östlich des Jordan an (Länder außerhalb der ursprünglich verheißenen Grenzen), so daß das gesamte besiedelte Gebiet etwas weniger als 26 000 Quadratkilometer groß war.

      NATÜRLICHE REGIONEN

      3. Nenne anhand der Karte „Natürliche Regionen des Landes der Verheißung“ und des Absatzes kurz die Gebiete, die zu folgenden natürlichen Teilen des Landes gehören: (a) die Ebenen westlich des Jordan, (b) die Berggegenden westlich des Jordan, (c) die Berge und Hochebenen östlich des Jordan.

      3 Unser Besuch im Land der Verheißung führt uns durch folgende natürliche Gegenden des Landes. Die untenstehende Übersicht liefert den Schlüssel zu der Landkarte auf der Seite 272, auf der die ungefähren Grenzen der besprochenen Gebiete eingezeichnet sind.

      Geographische Regionen

      A. Küste des Großen Meeres (Jos. 15:12)

      B. Ebenen westlich des Jordan

      1. Ebene Ascher (Ri. 5:17)

      2. Der Küstenstreifen von Dor (Jos. 12:23)

      3. Weidegründe Scharons (1. Chr. 5:16)

      4. Philistäische Ebene (1. Mo. 21:32; 2. Mo. 13:17)

      5. Mittleres Ost-West-Tal

      a) Ebene von Megiddo (Esdrelon) (2. Chr. 35:22)

      b) Tiefebene von Jesreel (Ri. 6:33)

      C. Berggegenden westlich des Jordan

      1. Hügel von Galiläa (Jos. 20:7; Jes. 9:1)

      2. Karmelgebirge (1. Kö. 18:19, 20, 42)

      3. Hügelland von Samaria (Jer. 31:5; Am. 3:9)

      4. Schephela (Jos. 11:2; Ri. 1:9)

      5. Das Hügelland von Juda (Jos. 11:21)

      6. Wildnis Juda (Jeschimon) (Ri. 1:16; 1. Sam. 23:19)

      7. Negeb (1. Mo. 12:9; 4. Mo. 21:1)

      8. Wildnis Paran (1. Mo. 21:21; 4. Mo. 13:1-3)

      D. Die Große Araba (der Jordangraben) (2. Sam. 2:29; Jer. 52:7)

      1. Hulebecken

      2. Gegend um das Galiläische Meer (Mat. 14:34; Joh. 6:1)

      3. Bezirk des Jordan (das Ghor) (1. Kö. 7:46; 2. Chr. 4:17; Luk. 3:3)

      4. Das Salzmeer, Totes Meer (Meer der Araba) (4. Mo. 34:3; 5. Mo. 4:49; Jos. 3:16)

      5. Araba (südlich des Salzmeeres) (5. Mo. 2:8)

      E. Berge und Hochebenen östlich des Jordan (Jos. 13:9, 16, 17, 21; 20:8)

      1. Land Baschan (1. Chr. 5:11; Ps. 68:15)

      2. Land Gilead (Jos. 22:9)

      3. Land Ammon und Land Moab (Jos. 13:25; 1. Chr. 19:2; 5. Mo. 1:5)

      4. Gebirgsplateau Edom (4. Mo. 21:4; Ri. 11:18)

      F. Libanongebirge (Jos. 13:5)

      A. KÜSTE DES GROSSEN MEERES

      4. Durch welche Landschaftsmerkmale und durch welches Klima zeichnet sich die Küste aus?

      4 Wir beginnen unseren Besuch im Westen und erblicken zuerst die Küste des schönen, blauen Mittelmeeres. Wegen der ausgedehnten Sanddünen liegt nur ein einziger guter natürlicher Hafen unterhalb des Karmels: Joppe; aber nördlich des Karmels gibt es mehrere gute natürliche Häfen. Die Phönizier, die hier entlang diesem Küstenabschnitt lebten, wurden ein berühmtes Seefahrervolk. Die mittlere Jahrestemperatur an der sonnigen Meeresküste ist mit 19 °C angenehm, im Sommer wird es jedoch tagsüber sehr heiß, in Gasa durchschnittlich 34 °C.

      B-1 EBENE ASCHER

      5, 6. Beschreibe kurz (a) die Ebene Ascher, (b) den Küstenstreifen von Dor.

      5 Diese Küstenebene erstreckt sich vom Berg Karmel etwa 40 Kilometer nach Norden. An der breitesten Stelle mißt sie ungefähr 13 Kilometer; sie gehört zu dem Land, das dem Stamm Ascher zugewiesen wurde (Jos. 19:24-30). Es war ein fruchtbarer, ertragreicher Flachlandstreifen, der Speise für Salomos königliche Tafel lieferte (1. Mo. 49:20; 1. Kö. 4:7, 16).

      B-2 DER KÜSTENSTREIFEN VON DOR

      6 Dieser Landstreifen grenzt über eine Länge von ungefähr 32 Kilometern an das Karmelmassiv. Er ist nur etwa vier Kilometer breit. Er bildet also einen zwischen dem Karmel und dem Mittelmeer gelegenen Küstenstreifen. In seinem südlichen Teil liegt die Hafenstadt Dor, und südlich davon beginnen die Sanddünen. Auf den Hügeln hinter Dor wuchs erlesene Speise für Salomos Festmähler. Eine der Töchter Salomos war mit einem Bevollmächtigten dieser Region verheiratet (1. Kö. 4:7, 11).

      B-3 WEIDEGRÜNDE SCHARONS

      7. (a) Wie wird in der Prophetie auf Scharon Bezug genommen, und warum? (b) Wie wurde diese Region in hebräischen Zeiten genutzt?

      7 In Anbetracht der sprichwörtlichen Blumenpracht ist es passend, daß Scharon in Jesajas prophetischer Vision vom wiederhergestellten Land Israel erwähnt wird (Jes. 35:2). Das Land ist fruchtbar und gut bewässert. Es ist eine Ebene von 16 bis 19 Kilometer Breite, die sich vom Küstenstreifen von Dor ungefähr 64 Kilometer nach Süden erstreckt. Zur Zeit der Hebräer wuchsen im nördlichen Teil Scharons Eichenwälder. Nach der Getreideernte weideten dort zahlreiche Herden — daher der Name „Weidegründe Scharons“. Zur Zeit König Davids wurden die königlichen Herden in Scharon gehalten (1. Chr. 27:29). Heute findet man in diesem Gebiet ausgedehnte Zitrushaine.

      B-4 PHILISTÄISCHE EBENE

      8. Wo liegt die philistäische Ebene, und wodurch zeichnet sie sich aus?

      8 Dieser Abschnitt des Landes liegt südlich der Weidegründe Scharons und dehnt sich etwa 80 Kilometer entlang der Küste und ungefähr 24 Kilometer landeinwärts aus (1. Kö. 4:21). Die Sanddünen entlang der Küste reichen manchmal 6 Kilometer in das Land hinein. Die Ebene ist ein hügeliges, steppenartiges Land, das von 30 Meter bis auf 200 Meter Höhe hinter Gasa im Süden ansteigt. Der Boden ist fett, aber es regnet wenig, und stets droht Dürre.

      B-5 MITTLERES OST-WEST-TAL

      9. (a) Aus welchen beiden Teilen besteht das mittlere Ost-West-Tal, und von welchem Nutzen war dieses Tal? (b) Beschreibe die allgemeine Topographie dieses Gebietes anhand der Abbildung „Charakteristische Querschnitte durch das Land der Verheißung“.

      9 Das mittlere Ost-West-Tal besteht eigentlich aus zwei Teilen: der Talebene von Megiddo oder Esdrelon im Westen und der Tiefebene von Jesreel im Osten (2. Chr. 35:22; Ri. 6:33). Das gesamte mittlere Tal ermöglichte eine bequeme Reise quer durch das Land vom Jordangraben zur Mittelmeerküste, und es wurde eine wichtige Handelsroute. Die Ebene Megiddo ist ein Auffangbecken für den Wildbach Kischon, der sich durch eine enge Schlucht zwischen dem Berg Karmel und den Hügeln von Galiläa windet, dann die Ebene Ascher durchfließt und schließlich ins Mittelmeer mündet. Dieser unbedeutende Wasserlauf trocknet in den Sommermonaten fast ganz aus, aber zu anderen Zeiten schwillt er zu einem Wildbach an (Ri. 5:21).

      10. (a) Beschreibe die Tiefebene von Jesreel. (b) Welche biblischen Ereignisse stehen mit diesem Gebiet in Zusammenhang?

      10 Das Wasser der Tiefebene von Jesreel fließt nach Südosten zum Jordan hin ab. Die Jesreelebene bildet einen etwa 3,2 Kilometer breiten Talkorridor und erstreckt sich über fast 19 Kilometer. Sie beginnt in einer Höhe von über 90 Metern und fällt dann stetig ab, bis auf ungefähr 120 Meter unter dem Meeresspiegel bei Beth-Schean. Das gesamte mittlere Tal ist äußerst fruchtbar, und der Abschnitt von Jesreel ist einer der ertragreichsten Teile des ganzen Landes. Jesreel bedeutet „Gott wird [Samen] säen“ (Hos. 2:22). Die Bibel spricht von der Lieblichkeit und Schönheit dieses Bezirks (1. Mo. 49:15). Sowohl Megiddo als auch Jesreel waren in den Schlachten Israels und umliegender Nationen strategisch bedeutsam; hier kämpften Barak, Gideon, König Saul und Jehu (Ri. 5:19-21; 7:12; 1. Sam. 29:1; 31:1, 7; 2. Kö. 9:27).

      C-1 HÜGEL VON GALILÄA

      11, 12. (a) In welchem Ausmaß spielte Galiläa eine Rolle im Dienst Jesu, und wer stammte aus diesem Bezirk? (b) Stelle Untergaliläa und Obergaliläa einander gegenüber.

      11 In dem südlichen Abschnitt der Hügel von Galiläa (und um das Galiläische Meer) führte Jesus den größten Teil seines Zeugniswerkes für den Namen Jehovas und das Königreich durch (Mat. 4:15-17; Mar. 3:7). Die meisten Nachfolger Jesu, darunter alle 11 treuen Apostel, stammten aus Galiläa (Apg. 2:7). In diesem Bezirk, der gelegentlich auch Untergaliläa genannt wird, ist das Land wirklich herrlich, die höchsten Erhebungen messen nur bis zu 600 Meter. Vom Herbst bis zum Frühling fehlt es in diesem lieblichen Land nicht an Regen, und daher ist es alles andere als eine Wüstengegend. Im Frühling sind die Hänge übersät mit Blumen, und in jeder Talsenke steht dichtes Getreide. Auf den kleinen Hochebenen ist der Boden gut für den Ackerbau, und die Hügel eignen sich für Olivenbäume und Wein. Biblisch berühmte Städte dieses Gebiets sind Nazareth, Kana und Nain (Mat. 2:22, 23; Joh. 2:1; Luk. 7:11). Die Gegend bot Jesus einen unerschöpflichen Hintergrund für den Gebrauch von Veranschaulichungen (Mat. 6:25-32; 9:37, 38).

      12 Im nördlichen Abschnitt, das heißt in Obergaliläa, erreichen die Berge über 1 100 Meter Höhe und bilden gleichsam das Vorgebirge des Libanon. Obergaliläa liegt ungeschützt und ist dem Wind ausgesetzt; es fällt viel Regen. In biblischen Zeiten waren die Westhänge dicht bewaldet. Diese Gegend wurde dem Stamm Naphtali zugeteilt (Jos. 20:7).

      C-2 KARMELGEBIRGE

      13. (a) Was ist der Karmel im eigentlichen Sinne? (b) In welchem Zusammenhang wird er in der Bibel erwähnt?

      13 Das Vorgebirge des Karmels ragt majestätisch ins Mittelmeer hinaus. Der Karmel ist eigentlich ein Massiv von ungefähr 48 Kilometer Länge, das sich 545 Meter über den Meeresspiegel erhebt. Es erstreckt sich vom Hügelland von Samaria bis zum Mittelmeer, und seine Landzunge, die den Hauptbergrücken im Nordwesten bildet, ist von unvergeßlich reizvoller Schönheit (Hoh. 7:5). Der Name Karmel bedeutet „Obstgarten“, was auf das fruchtbare Vorgebirge wirklich zutrifft, das mit seinen berühmten Weingärten und Obst- und Olivenbäumen geschmückt ist. In Jesaja 35:2 wird er als Sinnbild für die Fruchtbarkeit und Herrlichkeit des wiederhergestellten Landes Israel gebraucht: ‘Die Pracht des Karmels soll ihm gegeben werden.’ Hier forderte Elia die Baalspriester heraus, und hier „fiel das Feuer Jehovas herab“ als Beweis seiner Oberhoheit, und auf dem Gipfel des Karmels lenkte Elia die Aufmerksamkeit auf das Wölkchen, das schließlich zu einem starken Regenguß führte, der der Dürre in Israel — durch ein Wunder — ein Ende machte (1. Kö. 18:17-46).

      C-3 HÜGELLAND VON SAMARIA

      14. Welche Stämme siedelten sich in den Hügeln von Samaria an, und was kann in diesem Gebiet gut angebaut werden?

      14 Der südliche Teil dieser Region ist der gebirgigere und steigt im Osten auf über 900 Meter an (1. Sam. 1:1). In dieser Region sind die Niederschläge reichlicher und zuverlässiger als weiter südlich in Juda. Hier siedelten sich die Nachkommen Ephraims an, des jüngeren Sohnes Josephs. Der nördliche Teil dieser Region, der dem halben Stamm des älteren Sohnes Josephs, Manasse, zugewiesen wurde, besteht aus Talsenken und kleinen Ebenen inmitten von Hügeln. Das Hochland ist nicht so fruchtbar, obschon es dort Weingärten und Olivenhaine gibt, die durch Terrassenanlagen an den unteren Berghängen ermöglicht werden (Jer. 31:5). Die größeren Talsenken eignen sich jedoch vorzüglich für den Getreideanbau und die Landwirtschaft im allgemeinen. In biblischen Zeiten gab es in dieser Region viele Städte. Während der Zeit des Nordkönigreiches versorgte Manasse die drei aufeinanderfolgenden Hauptstädte — Sichem, Tirza und Samaria —, und schließlich wurde die gesamte Region nach Samaria, der Hauptstadt, genannt (1. Kö. 12:25; 15:33; 16:24).

      15. (a) Auf welche Weise bewahrheitete sich der Segen, den Moses über Joseph aussprach, an der Region Samaria? (b) Wie wurde das Land auch noch zur Zeit Jesu gesegnet?

      15 Moses’ Segen über Joseph erfüllte sich an diesem Land wirklich. „Über Joseph sagte er: ‚Möge sein Land unablässig von Jehova gesegnet sein mit den erlesenen Dingen des Himmels, mit Tau, ... und mit den erlesenen Dingen, den Erzeugnissen der Sonne, und mit den erlesenen Dingen, dem Ertrag der Mondmonate, und mit dem Erlesensten von den Bergen des Ostens und mit den erlesenen Dingen der auf unabsehbare Zeit währenden Hügel‘ “ (5. Mo. 33:13-15). Ja, es war ein wunderschönes Land. Seine Berge waren dicht bewaldet, seine Täler waren ertragreich, und es entstanden zahlreiche wohlhabende Städte mit vielen Einwohnern (1. Kö. 12:25; 2. Chr. 15:8). In späteren Zeiten predigten Jesus und auch seine Jünger in dem Land Samaria, und das Christentum gewann dort viele Anhänger (Joh. 4:4-10; Apg. 1:8; 8:1, 14).

      C-4 SCHEPHELA

      16. (a) Wodurch zeichnet sich die Schephela aus? (b) Von welcher Bedeutung war dieser Bezirk in biblischer Zeit?

      16 Die Bezeichnung Schephela bedeutet „Niederung“, aber das Gebiet ist eigentlich hügelig; im südlichen Teil erreicht sie eine Höhe von ungefähr 450 Metern und ist von vielen Tälern durchzogen, die von Osten nach Westen verlaufen (2. Chr. 26:10). Sie erhebt sich genau östlich der philistäischen Ebene und ist im Vergleich zu den höheren Bergen Judas weiter östlich eher eine Niederung (Jos. 12:8). Ihre Hügel, die mit Maulbeerfeigenbäumen bedeckt waren, tragen jetzt Weingärten und Olivenhaine (1. Kö. 10:27). In der Schephela gab es viele Städte. In der biblischen Geschichte diente sie als Pufferzone zwischen Israel und den Philistern oder irgendwelchen anderen Heeren, die versuchten, von der Küstenebene aus in Juda einzudringen (2. Kö. 12:17; Ob. 19).

      C-5 DAS HÜGELLAND VON JUDA

      17. (a) Wie ertragreich war das Hügelland Juda in biblischer Zeit, und wie verhält es sich heute? (b) Wofür galt Juda als ein geeigneter Ort?

      17 Dieses felsige Gebiet ist ungefähr 80 Kilometer lang und nicht ganz 32 Kilometer breit und erhebt sich zwischen 600 und 1 000 Meter über den Meeresspiegel. In biblischer Zeit wuchsen in dem Gebiet Nutzhölzer, und vor allem auf der Westseite waren die Berge und Täler voller Getreidefelder, Olivenbäume und Weingärten. Diese Gegend lieferte Israel viel gutes Getreide, Öl und Wein. Seit biblischer Zeit ist vor allem das Gebiet um Jerusalem stark abgeholzt worden, so daß es im Vergleich zu dem, was es einmal war, sehr öde aussieht. Im Winter fällt in den höheren Lagen in der Landesmitte, zum Beispiel in Bethlehem, Schnee. In alter Zeit galt Juda als eine gute Gegend für Städte und Festungen, und in schwierigen Zeiten konnte man in die Berge fliehen, um Schutz zu suchen (2. Chr. 27:4).

      18. (a) Wann wurde Jerusalem die Hauptstadt von Israel und Juda? (b) Nenne einige interessante Merkmale der Stadt.

      18 Hervorragend in der Geschichte von Juda und Israel ist Jerusalem, das nach dem Namen seiner Zitadelle auch Zion genannt wurde (Ps. 48:1, 2). Ursprünglich war es die kanaanitische Stadt Jebus, hoch über der Stelle, wo das Hinnomtal und das Kidrontal aufeinanderstoßen. Nachdem David sie eingenommen und zur Hauptstadt gemacht hatte, dehnte sie sich nach Nordwesten aus, und schließlich umfaßte sie auch das Tyropöontal. Mit der Zeit wurde das Hinnomtal Gehenna genannt. Weil die Juden dort Götzenopfer darbrachten, wurde es für unrein erklärt und in einen Ort verwandelt, an den man Abfall und Leichname gemeiner Verbrecher warf (2. Kö. 23:10; Jer. 7:31-33). Das Feuer, das dort brannte, wurde somit zu einem Sinnbild vollständiger Vernichtung (Mat. 10:28; Mar. 9:47, 48). Jerusalem bezog nur in begrenztem Maße Wasser aus dem Teich von Siloam, westlich des Kidrontals, und Hiskia schützte diesen Teich, indem er nach außen eine Mauer baute, so daß der Teich innerhalb der Stadt lag (Jes. 22:11; 2. Chr. 32:2-5).

      C-6 WILDNIS JUDA (JESCHIMON)

      19. (a) Inwiefern wird Jeschimon der Bedeutung seines Namens gerecht? (b) Welche biblischen Ereignisse haben sich in dieser Region zugetragen?

      19 Jeschimon ist die biblische Bezeichnung für die Wildnis Juda. Sie bedeutet „Wüste“ (1. Sam. 23:19, Fußnote). Dieser Name ist wirklich anschaulich und passend. Die Wildnis besteht aus den kahlen, zerklüfteten Osthängen der judäischen Kreideberge, die über eine Entfernung von 24 Kilometern bis zum Toten Meer, wo eine schroffe Felswand den Abschluß bildet, 900 Meter tief abfallen. In Jeschimon gibt es keine Städte und nur wenige Ansiedlungen. Das war die Wildnis, in die David vor König Saul floh, und zwischen dieser Wildnis und dem Jordan predigte Johannes der Täufer, und in diese Gegend zog sich Jesus zurück, als er 40 Tage fasteteb (1. Sam. 23:14; Mat. 3:1; Luk. 4:1).

      C-7 NEGEB

      20. Beschreibe den Negeb.

      20 Im Süden der Berge Judas liegt der Negeb, wo die Patriarchen Abraham und Isaak viele Jahre wohnten (1. Mo. 13:1-3; 24:62). In der Bibel wird der südliche Teil dieses Gebiets auch die „Wildnis Zin“ genannt (Jos. 15:1). Der im größten Teil des Jahres trockene Negeb erstreckt sich vom Bezirk Beerscheba im Norden bis nach Kadesch-Barnea im Süden (1. Mo. 21:31; 4. Mo. 13:1-3, 26; 32:8). Das Land senkt sich von den Bergen Judas über eine Reihe von Kämmen, die in Ostwestrichtung verlaufen, und zwar so, daß sie eine natürliche Barriere für den Verkehr oder den Einfall von Süden darstellen. Das Land fällt von den Bergen im östlichen Teil des Negeb zu einer Wüstenebene im Westen ab, entlang der Küste. Im Sommer ist das Land, außer in der Nähe einiger Wildbachtäler, unfruchtbar wie die Wüste. Wasser kann jedoch durch das Graben von Brunnen beschafft werden (1. Mo. 21:30, 31). Der heutige Staat Israel bewässert und erschließt jedoch Teile des Negeb. „Der Strom Ägyptens“ bildete die Südwestgrenze des Negeb sowie einen Teil der Südgrenze des Landes der Verheißung (1. Mo. 15:18).

      C-8 WILDNIS PARAN

      21. Wo liegt Paran, und welche Rolle spielte es in der biblischen Geschichte?

      21 Südlich des Negeb schließt sich an die Wildnis Zin die Wildnis Paran an. Als die Israeliten vom Sinai in das Land der Verheißung wegzogen, durchquerten sie diese Wildnis auf ihrem Weg, und von Paran sandte Moses 12 Kundschafter aus (4. Mo. 12:16 bis 13:3).

      D. DIE GROSSE ARABA (DER JORDANGRABEN)

      22. Beschreibe in Verbindung mit diesem Absatz kurz die Hauptmerkmale der Araba (des Jordangrabens) und deren Beziehung zum Umland anhand der Karte auf Seite 272 und der Diagramme auf Seite 273.

      22 Eine der ungewöhnlichsten Bodenformationen auf dieser Erde ist der Jordangraben. In der Bibel wird der Teil, der das Land der Verheißung von Norden nach Süden durchschneidet, „die Araba“ genannt (Jos. 18:18). In 2. Samuel 2:29 wird dieser Spalt in der Erdkruste als eine Schlucht beschrieben. Nördlich davon ist der Berg Hermon (Jos. 12:1). Vom Fuß des Hermon fällt der Jordangraben nach Süden schnell ab, und zwar bis auf ungefähr 800 Meter unter den Meeresspiegel am Grund des Toten Meeres. Vom südlichen Ende des Toten Meeres aus setzt sich die Araba fort, und etwa in der Mitte zwischen dem Toten Meer und dem Golf von Akaba erhebt sie sich 200 Meter über den Meeresspiegel. Danach fällt sie schnell in die lauen Wasser der Ostspitze des Roten Meeres ab. Auf den vorangehenden Querschnittskarten wird das Verhältnis des Jordangrabens zu dem ihn umgebenden Land dargestellt.

      D-1 HULEBECKEN

      23. Womit wird die Huleregion in biblischen Zeiten in Verbindung gebracht?

      23 Vom Fuß des Hermon an senkt sich der Jordangraben schnell mehr als 490 Meter in die Huleregion ab, die etwa auf Meereshöhe liegt. Diese Gegend ist gut bewässert und bleibt sogar die heißen Sommermonate über schön grün. Dort ließen sich die Daniter in ihrer Stadt Dan nieder, die von der Zeit der Richter an bis in die Zeit des Zehn-Stämme-Königreiches Israel Mittelpunkt des Götzendienstes war (Ri. 18:29-31; 2. Kö. 10:29). In Cäsarea Philippi, einer Stadt in der Nähe der Stelle, wo das alte Dan gelegen hat, bestätigte Jesus seinen Jüngern, daß er der Christus sei, und viele glauben, daß es auf dem nahe gelegenen Hermon war, wo sich sechs Tage später die Umgestaltung ereignete. Von Hule fällt der Jordangraben zum Meer von Galiläa hin ab, das etwa 210 Meter unter dem Meeresspiegel liegt (Mat. 16:13-20; 17:1-9).

      D-2 GEGEND UM DAS GALILÄISCHE MEER

      24. (a) Welche anderen Namen werden in der Bibel für das Galiläische Meer gebraucht? (b) Was ist über seine Umgebung in den Tagen Jesu zu sagen?

      24 Das Galiläische Meer und seine Umgebung sind ausgesprochen reizvoll.c Was die Gegend noch interessanter macht, sind die vielen Begebenheiten aus dem Dienst Jesu, die sich hier zugetragen haben (Mat. 4:23). Das Galiläische Meer wird auch See Genezareth oder Meer von Kinnereth und Meer von Tiberias genannt (Luk. 5:1; Jos. 13:27; Joh. 21:1). Der herzförmige See, der fast 21 Kilometer lang ist und an seiner breitesten Stelle ungefähr 11 Kilometer mißt, ist ein wichtiger Wasserspeicher für das ganze Land. Er ist fast ganz von Hügeln und Bergen umgeben. Die Oberfläche des Sees liegt ungefähr 210 Meter unter dem Meeresspiegel, so daß die Winter angenehm warm und die Sommer sehr lang und heiß sind. In den Tagen Jesu existierte um den See ein hochentwickeltes Fischereigewerbe, und die blühenden Städte Chorazin, Bethsaida, Kapernaum und Tiberias lagen entweder direkt am See oder in der Nähe. Die friedliche Ruhe des Sees kann schnell durch Stürme gestört werden (Luk. 8:23). Die kleine dreieckförmige Ebene Genezareth liegt nordwestlich des Sees. Der Boden ist fruchtbar und bringt fast alle Arten von Feldfrüchten hervor, die für das Land der Verheißung bekannt sind. Im Frühling strahlen die bunten Hänge mit einer Pracht, die nirgendwo anders im Land Israel übertroffen wird.d

      D-3 BEZIRK DES JORDAN (DAS GHOR)

      25. Was sind die Hauptmerkmale des Jordantals?

      25 Das gesamte schluchtartig abfallende Tal wird auch „die Araba“ genannt (5. Mo. 3:17). Die Araber bezeichnen es heute als das Ghor, was „Niederung“ bedeutet. Das Tal beginnt am Galiläischen Meer und ist im allgemeinen breit — stellenweise ungefähr 19 Kilometer. Der Jordan selbst liegt ungefähr 46 Meter tiefer als die Talebene und schlängelt sich auf seinem Lauf 320 Kilometer bis zur Mündung ins Tote Meer. Luftlinie sind es nur 105 Kilometer.e Auf dem Weg dorthin stürzt er 27 wasserfallartige Stromschnellen hinab und fällt ungefähr 180 Meter bis zum Toten Meer. Der Unterlauf des Jordan ist umsäumt von einem Dickicht aus Bäumen und Büschen, hauptsächlich Tamarisken, Oleander und Weiden, unter denen sich in biblischer Zeit Löwen mit ihren Jungen versteckt hielten. Das Gebiet ist heute als das Zor bekannt, und im Frühjahr ist es zum Teil überflutet (Jer. 49:19). Auf beiden Seiten dieses schmalen dschungelhaften Streifens erhebt sich die Qattara, ein unwirtliches, ödes Randgebiet, bestehend aus kleinen Hochebenen und zerschnittenen Hängen, die zu den Ebenen des eigentlichen Ghor führen. Die Ebenen im nördlichen Teil des Ghor oder der Araba werden landwirtschaftlich gut bebaut. Sogar im südlichen Teil, gegen das Tote Meer hin, sollen auf dem Plateau der Araba, wo es heute sehr trocken ist, früher zahlreiche Dattelarten und viele andere tropische Früchte geerntet worden sein. Jericho war und ist immer noch die berühmteste Stadt im Jordantal (Jos. 6:2, 20; Mar. 10:46).

      D-4 DAS SALZMEER (TOTES MEER)

      26. (a) Nenne einige bemerkenswerte Tatsachen bezüglich des Toten Meeres. (b) Welchen eindrucksvollen Beweis liefert diese Region in bezug auf Jehovas Strafgerichte?

      26 Dies ist eines der bemerkenswertesten Gewässer der Erde. Es wird treffend als tot bezeichnet, denn in dem Meer lebt kein Fisch, und an der Küste wächst kaum etwas. In der Bibel wird es das Salzmeer oder das Meer der Araba genannt, da es im Senkungsgraben der Araba liegt (1. Mo. 14:3; Jos. 12:3). Das Meer mißt von Norden nach Süden 75 Kilometer und 15 Kilometer von Westen nach Osten. Sein Wasserspiegel liegt ungefähr 400 Meter unter dem des Mittelmeeres und bildet so die tiefste Stelle auf der Erde. Im nördlichen Teil ist es etwa 400 Meter tief. Beide Seiten des Meeres sind von steilen und kahlen Bergen umgeben. Der Jordan führt dem Meer zwar Süßwasser zu, aber es gibt keinen Abfluß, und die Verdunstung geht so schnell vor sich wie der Zustrom. Das verbleibende Wasser enthält ungefähr 25 Prozent gelöste Stoffe, vorwiegend Salz, und es ist giftig für die Fische und für das menschliche Auge schmerzhaft. Besucher des Gebietes um das Tote Meer sind oft betroffen von der Verwüstung und Zerstörung. Es ist ein Ort des Todes. Obwohl die gesamte Region einst „eine gut bewässerte Gegend war, ... wie der Garten Jehovas“, ist das Gebiet um das Tote Meer heute größtenteils „eine wüste Einöde“, und das seit nahezu 4 000 Jahren, was ein deutlicher Beweis für die Unveränderlichkeit des Urteils Jehovas ist, das über Sodom und Gomorra verhängt wurde (1. Mo. 13:10; 19:27-29; Zeph. 2:9).

      D-5 ARABA (SÜDLICH DES SALZMEERES)

      27. Aus was für einem Gebiet besteht die südliche Araba, und wer beherrschte es in alter Zeit?

      27 Dieser letzte Abschnitt des Jordangrabens verläuft über weitere 160 Kilometer nach Süden. Die Region besteht fast nur aus Wüste. Es regnet kaum, und die Sonne brennt gnadenlos. In der Bibel wird dieses Gebiet auch „die Araba“ genannt (5. Mo. 2:8). Etwa in der Mitte erreicht sie bei über 200 Metern über Meereshöhe den höchsten Punkt und fällt dann wieder südwärts zum Golf von Akaba ab, der Ostspitze des Roten Meeres. Hier liegt der Hafen von Ezjon-Geber, wo Salomo eine Flotte baute (1. Kö. 9:26). Während eines großen Teils der Regierungszeit der Könige von Juda wurde dieser Abschnitt der Araba vom Königreich Edom beherrscht.

      E. BERGE UND HOCHEBENEN ÖSTLICH DES JORDAN

      28. Von welchem landwirtschaftlichen Nutzen sind die Länder Baschan und Gilead, und welche Rolle spielten diese Gegenden in der biblischen Geschichte?

      28 Die „Seite des Jordan gegen Osten“ steigt rasch vom Jordangraben aus an und bildet eine Reihe von Hochebenen (Jos. 18:7; 13:9-12; 20:8). Im Norden ist das Land Baschan (E-1), das zusammen mit der Hälfte von Gilead dem Stamm Manasse gegeben wurde (Jos. 13:29-31). Es war Weideland, ein Land für Bauern, eine fruchtbare Ebene in durchschnittlich ungefähr 600 Meter Höhe über dem Meeresspiegel (Ps. 22:12; Hes. 39:18; Jes. 2:13; Sach. 11:2). In den Tagen Jesu wurde aus diesem Gebiet viel Getreide ausgeführt, und heute ist es landwirtschaftlich ertragreich. Weiter südlich liegt das Land Gilead (E-2), dessen südliche Hälfte dem Stamm Gad zugeteilt wurde (Jos. 13:24, 25). Es ist eine Berggegend mit Höhen bis zu 1 000 Metern, wo im Winter reichlich Regen fällt und im Sommer viel Tau das Land bewässert. Das Land eignete sich auch gut für die Viehzucht und war besonders wegen seines Balsams berühmt. Heute ist es für seine erlesenen Trauben bekannt (4. Mo. 32:1; 1. Mo. 37:25; Jer. 46:11). David war vor Absalom in das Land Gilead geflohen, und im westlichen Teil Gileads predigte Jesus in ‘dem Gebiet der Dekapolis’ (2. Sam. 17:26-29; Mar. 7:31).

      29. Welche Länder lagen im Süden des Ostjordanlandes, und wofür waren sie bekannt?

      29 ‘Das Land der Söhne Ammons’ (E-3) liegt unmittelbar südlich von Gilead, und die Hälfte davon wurde dem Stamm Gad gegeben (Jos. 13:24, 25; Ri. 11:12-28). Es ist ein hügeliges Tafelland, das sich vorzüglich für das Weiden von Schafen eignet (Hes. 25:5). Noch weiter südlich liegt das „Land Moab“ (5. Mo. 1:5). Die Moabiter waren bedeutende Schafzüchter, und bis heute ist die Schafzucht der Haupterwerbszweig in jenem Gebiet (2. Kö. 3:4). Südöstlich des Toten Meeres kommen wir dann zum Gebirgsplateau Edom (E-4). Die Ruinen seiner geschützt gelegenen Handelszentren, wie z. B. von Petra, stehen noch heute (1. Mo. 36:19-21; Ob. 1-4).

      30. Wovon werden die Hochebenen im Osten begrenzt?

      30 Östlich dieser Hügel und Hochebenen liegt die ausgedehnte felsige Wildnis, die den direkten Verkehr zwischen dem Land der Verheißung und Mesopotamien nicht zuläßt, so daß die Karawanenstraßen kilometerweite Umwege nach Norden machten. Im Süden trifft diese Wildnis auf die Sanddünen der großen Arabischen Wüste.

      F. LIBANONGEBIRGE

      31. (a) Woraus besteht das Libanongebirge? (b) Welche Merkmale des Libanon sind heute gegenüber der biblischen Zeit unverändert?

      31 Die Landschaft des Landes der Verheißung wird überragt vom Libanongebirge. Eigentlich handelt es sich um zwei parallele Bergketten. Die Ausläufer des Libanongebirges reichen bis nach Obergaliläa. An vielen Stellen reichen die Vorberge bis an die Küste. Der höchste Gipfel dieses Massivs liegt bei 3 000 Metern über Meereshöhe. Der höchste Gipfel des parallel verlaufenden Antilibanon ist der prächtige Hermon, der sich 2 814 Meter über Meereshöhe erhebt. Seine Schneemassen liefern einen großen Teil des Jordanwassers und den Tau während der Trockenzeit im Spätfrühling (Ps. 133:3). Der Libanon war besonders wegen seiner mächtigen Zedern berühmt, deren Holz auch beim Bau des salomonischen Tempels von Bedeutung war (1. Kö. 5:6-10). Heute gibt es zwar nur noch wenige Zedernhaine, aber an den unteren Hängen liegen wie in biblischer Zeit Weingärten, Olivenhaine und Obstgärten (Hos. 14:5-7).

      32. Wie beschrieb Moses richtigerweise das Land der Verheißung?

      32 Nun, da unser Besuch in Jehovas Land der Verheißung, das zwischen der unwirtlichen Wildnis im Osten und dem Großen Meer im Westen liegt, dem Ende entgegengeht, können wir uns die Herrlichkeit vorstellen, die das Land zur Zeit des alten Israel besaß. Es war wirklich „ein sehr, sehr gutes Land ..., das von Milch und Honig fließt“ (4. Mo. 14:7, 8; 13:23). Moses sprach darüber mit den Worten: „Jehova, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land, ein Land von Wildbachtälern mit Wasser, Quellen und Wassertiefen, die in der Talebene und in der Berggegend entspringen, ein Land von Weizen und Gerste und Weinstöcken und Feigen und Granatäpfeln, ein Land von ölreichen Oliven und Honig, ein Land, in dem du nicht in Kargheit Brot essen wirst, in dem es dir an nichts fehlen wird, ein Land, dessen Steine Eisen sind und aus dessen Bergen du Kupfer gewinnen wirst. Wenn du gegessen und dich gesättigt hast, dann sollst du Jehova, deinen Gott, für das gute Land, das er dir gegeben hat, segnen“ (5. Mo. 8:7-10). Mögen heute alle, die Jehova lieben, ihm ebenso dafür danken, daß er die ganze Erde zu einem herrlichen Paradies machen will nach dem Vorbild des einstigen Landes der Verheißung (Ps. 104:10-24).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 332, 333.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 335.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 336.

      d Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 737—740.

      e Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 334.

      [Karte auf Seite 272]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      NATÜRLICHE REGIONEN des LANDES DER VERHEISSUNG

      (und angrenzendes Gebiet)

      km 0 20 40 60 80

      (Querschnitte V—V, W—W, X—X, Y—Y und Z—Z siehe gegenüberliegende Seite)

      ZAHLENSCHLÜSSEL

      MITTELMEER

      A Küste des Großen Meeres

      Joppe

      B-1 Ebene Ascher

      B-2 Der Küstenstreifen von Dor

      Dor

      B-3 Weidegründe Scharons

      B-4 Philistäische Ebene

      Aschdod

      Askalon

      Ekron

      Gath

      Gasa

      B-5 Mittleres Ost-West-Tal (Ebene von Megiddo, Tiefebene von Jesreel)

      Beth-Schean

      C-1 Hügel von Galiläa

      Kana

      Nain

      Nazareth

      Tyrus

      C-2 Karmelgebirge

      C-3 Hügelland von Samaria

      Bethel

      Jericho

      Samaria

      Tirza

      Sichem

      C-4 Schephela

      Lachisch

      C-5 Das Hügelland von Juda

      Bethlehem

      Geba

      Hebron

      Jerusalem

      C-6 Wildnis Juda (Jeschimon)

      C-7 Negeb

      Beerscheba

      Kadesch-Barnea

      Strom Ägyptens

      C-8 Wildnis Paran

      D-1 Hulebecken

      Dan

      Cäsarea Philippi

      D-2 Gegend um das Galiläische Meer

      Bethsaida

      Kapernaum

      Chorazin

      Galiläisches Meer

      Tiberias

      D-3 Bezirk des Jordan (das Ghor)

      Jordan

      D-4 Das Salzmeer, Totes Meer (Meer der Araba)

      Salzmeer

      D-5 Araba (südlich des Salzmeeres)

      Ezjon-Geber

      Rotes Meer

      E-1 Land Baschan

      Damaskus

      Edrei

      E-2 Land Gilead

      Rabba

      Ramoth-Gilead

      Wildbachtal Jabbok

      E-3 Land Ammon und Land Moab

      Heschbon

      Kir-Hareseth

      Medeba

      Wildbachtal Arnon

      Wildbachtal Sered

      E-4 Gebirgsplateau Edom

      Petra

      F Libanongebirge

      Sidon

      Libanongebirge

      Hermon

      [Karten auf Seite 273]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      CHARAKTERISTISCHE QUERSCHNITTE DURCH DAS LAND DER VERHEISSUNG

      (Ortslagen: siehe Karte auf der gegenüberliegenden Seite)

      Der Höhenmaßstab beträgt etwa das Zehnfache des Längenmaßstabs

      West-Ost-Schnitt durch Ephraim (V—V)

      Mittelmeer

      B-3 Weidegründe Scharons

      C-3 Hügelland von Samaria

      D-3 Araba oder Jordantal (das Ghor)

      Qattara

      Zor

      E-2 Land Gilead

      km 0 8 16

      Meter Meter

      +900 +900

      +600 +600

      +300 +300

      0 (Meeresspiegel) 0

      −300 −300

      −600 −600

      West-Ost-Schnitt durch Juda (W—W)

      Mittelmeer

      B-4 Sanddünen

      Philistäische Ebene

      C-4 Schephela

      C-5 Das Hügelland von Juda

      Jerusalem

      C-6 Wildnis Juda

      D-4 Jordangraben

      E-3 Land Ammon und Land Moab

      km 0 8 16

      Meter Meter

      +900 +900

      +600 +600

      +300 +300

      0 (Meeresspiegel) 0

      −300 −300

      −600 −600

      West-Ost-Schnitt durch Juda (X—X)

      Mittelmeer

      B-4 Sanddünen

      Philistäische Ebene

      C-4 Schephela

      C-5 Das Hügelland von Juda

      C-6 Wildnis Juda

      D-4 Jordangraben

      Salzmeer

      E-3 Land Ammon und Land Moab

      km 0 8 16

      Meter Meter

      +900 +900

      +600 +600

      +300 +300

      0 (Meeresspiegel) 0

      −300 −300

      −600 −600

      −900 −900

      Süd-Nord-Schnitt entlang den Bergen westlich des Jordan (Y—Y)

      C-7 Negeb

      C-5 Das Hügelland von Juda

      C-3 Hügelland von Samaria

      B-5 Tiefebene von Jesreel

      C-1 Hügel von Galiläa

      F

      km 0 8 16 32

      Meter Meter

      +900 +900

      +600 +600

      +300 +300

      0 (Meeresspiegel) 0

      Süd-Nord-Schnitt längs der Araba oder des Jordangrabens (Z—Z)

      D-5

      D-4 Salzmeer

      D-3 Araba oder Jordantal (das Ghor)

      D-2 Galiläisches Meer

      D-1 Hulebecken

      F

      km 0 8 16 32

      Meter Meter

      +900 +900

      +600 +600

      +300 +300

      0 (Meeresspiegel) 0

      −300 −300

      −600 −600

      −900 −900

  • Studie 2 — Zeit und die Heilige Schrift
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 2 — Zeit und die Heilige Schrift

      Die Beschreibung der in der Bibel angewandten Zeiteinteilung, der gebräuchlichen Kalender, der in Verbindung mit der biblischen Zeitrechnung verwendeten Schlüsseldaten und interessanter Punkte hinsichtlich des „Stroms der Zeit“

      1, 2. Was schrieb Salomo im Hinblick auf die Zeit, und was sollten wir angesichts dessen, daß die Zeit so schnell verrinnt, tun?

      DER Mensch ist sich voll bewußt, daß die Zeit vergeht. Mit jedem Ticken der Uhr bewegt er sich einen Schritt weiter im Strom der Zeit. Er ist in der Tat weise, wenn er seine Zeit richtig verwendet. König Salomo schrieb: „Für alles gibt es eine bestimmte Zeit, ja eine Zeit für jede Angelegenheit unter den Himmeln: eine Zeit zur Geburt und eine Zeit zum Sterben; eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit, um Gepflanztes auszureißen; eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen; eine Zeit zum Abbrechen und eine Zeit zum Bauen; eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen“ (Pred. 3:1-4). Wie schnell doch die Zeit verrinnt! Die normale Lebensdauer des Menschen von 70 Jahren ist viel zu kurz, als daß er sich alle Kenntnisse aneignen und sich all des Guten erfreuen könnte, was Jehova ihm auf der Erde zur Verfügung gestellt hat. „Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Auch die unabsehbare Zeit hat er in ihr Herz gelegt, damit der Mensch das Werk nie herausfinde, das der wahre Gott gemacht hat vom Anfang bis zum Ende“ (Pred. 3:11; Ps. 90:10).

      2 Jehova selbst lebt für immer und ewig. Es hat ihm gefallen, seine Geschöpfe in den Strom der Zeit zu setzen. Den Engeln des Himmels, ja auch dem aufrührerischen Satan, ist völlig bewußt, daß die Zeit vergeht (Dan. 10:13; Offb. 12:12). Über die Menschen steht geschrieben: „Zeit und unvorhergesehenes Geschehen trifft sie alle“ (Pred. 9:11). Glücklich ist der Mensch, der in seinen Gedanken Gott niemals außer acht läßt und der die von Gott dargereichte „Speise zur rechten Zeit“ gern annimmt (Mat. 24:45).

      3. Was haben Zeit und Raum gemeinsam?

      3 Die Zeit bewegt sich nur in einer Richtung. Obgleich die Zeit universal ist, kann kein Mensch sie definieren. Sie ist so unergründlich wie der Raum. Niemand kann erklären, wo der Strom der Zeit beginnt oder wohin er fließt. All das gehört zu der grenzenlosen Kenntnis Jehovas, von dem gesagt wird, er sei Gott „von unabsehbarer Zeit bis auf unabsehbare Zeit“ (Ps. 90:2).

      4. Was kann über das Fortschreiten der Zeit gesagt werden?

      4 Die Zeit weist jedoch bestimmte Merkmale auf, die sich erklären lassen. Die anscheinende Geschwindigkeit, mit der sie verfließt, kann gemessen werden. Außerdem bewegt sie sich nur in einer Richtung. Wie der Verkehr in einer Einbahnstraße fließt sie unerbittlich in dieser einen Richtung — weiter, immer weiter. Ganz gleich, wie schnell sich die Zeit vorwärts bewegt, sie kann nie veranlaßt werden, rückwärts zu laufen. In jedem Moment leben wir in der Gegenwart. Diese Gegenwart ist aber in Bewegung und fließt ständig in die Vergangenheit hinein. Wir können sie nicht anhalten.

      5. Wieso kann gesagt werden, vergangene Zeit sei verloren oder gewonnen?

      5 Die Vergangenheit. Die Vergangenheit ist vorbei, sie ist Geschichte, und sie kann niemals wiederholt werden. Jeder Versuch, die Vergangenheit zurückzurufen, ist so unmöglich, wie zu versuchen, einen Wasserfall bergauf stürzen oder einen Pfeil zu dem Bogen, von dem er abgeschossen wurde, zurückfliegen zu lassen. Unsere Fehler haben im Strom der Zeit ihre Spuren hinterlassen, Spuren, die nur Jehova auslöschen kann (Jes. 43:25). In gleicher Weise werden die guten Taten, durch die sich jemand in der Vergangenheit einen guten Namen gemacht hat, mit Jehovas Segen „zu ihm zurückkehren“ (Spr. 12:14; 13:22). Vergangene Zeit ist gewonnen oder verloren. Man hat keine Gewalt mehr über sie. Von den Gesetzlosen wird gesagt: „Denn wie Gras werden sie schnell verwelken, und wie grünes, frisches Gras werden sie dahinschwinden“ (Ps. 37:2).

      6. Inwiefern unterscheidet sich die Zukunft von der Vergangenheit, und weshalb sollten wir besonders an der Zukunft interessiert sein?

      6 Die Zukunft. Die Zukunft ist anders. Sie fließt stets auf uns zu. Mit Hilfe des Wortes Gottes können wir Hindernisse erkennen, die vor uns auftauchen, und uns vorbereiten, sie zu überwinden. Wir können uns „Schätze im Himmel“ aufhäufen (Mat. 6:20). Diese Schätze werden vom Strom der Zeit nicht hinweggespült werden. Sie werden nicht von uns zu trennen sein und bis in alle Ewigkeit Bestand haben. Wir sind daran interessiert, unsere Zeit weise zu gebrauchen, denn das hat einen Einfluß auf unsere Zukunft (Eph. 5:15, 16).

      7. Welche Zeitanzeiger hat Jehova für den Menschen geschaffen?

      7 Zeitanzeiger. Die heutigen Uhren sind Zeitanzeiger und Zeitmesser. Jehova, der Schöpfer, hat ebenfalls riesige Zeitanzeiger in Bewegung gesetzt — die Erde, die sich um ihre Achse dreht, den Mond, der um die Erde kreist, und die Sonne —, damit der Mensch von seinem Standort auf der Erde aus genau über die Zeit unterrichtet ist. „Und Gott sprach weiter: ‚Es sollen Lichter in der Ausdehnung der Himmel werden, um eine Scheidung zwischen dem Tag und der Nacht herbeizuführen; und sie sollen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeitabschnitten und Tagen und Jahren dienen‘ “ (1. Mo. 1:14). Somit bewegen sich diese vielen Himmelskörper auf genauen Umlaufbahnen im Verhältnis zueinander und teilen unaufhörlich und unverkennbar die in einer Richtung fließende Zeit ein.

      8. Welche unterschiedlichen Bedeutungen hat das Wort „Tag“ in der Bibel?

      8 Tag. Das Wort „Tag“ hat in der Bibel unterschiedliche Bedeutungen, so wie es auch in der heutigen Zeit auf verschiedene Weise angewandt werden kann. Dadurch, daß die Erde eine vollständige Umdrehung um ihre Achse macht, bestimmt sie die Grenzen eines Tages von 24 Stunden. Dieser „Tag“ besteht aus der Zeit des Tageslichts und der Nachtzeit, im ganzen 24 Stunden (Joh. 20:19). Aber auch die Zeit des Tageslichts selbst, die gewöhnlich im Durchschnitt zwölf Stunden dauert, wird Tag genannt. „Und Gott begann das Licht Tag zu nennen, die Finsternis aber nannte er Nacht“ (1. Mo. 1:5). So entstand das Wort „Nacht“, eine Zeit der Dunkelheit, die gewöhnlich zwölf Stunden dauert (2. Mo. 10:13). Eine weitere Bedeutung liegt vor, wo sich das Wort „Tag[e]“ auf einen Zeitabschnitt bezieht, der mit irgendeiner hervorragenden Person verbunden ist. Zum Beispiel sah Jesaja seine Vision „in den Tagen des Usija, Jotham, Ahas und Hiskia“ (Jes. 1:1), und die Tage Noahs und Lots werden in prophetischem Sinne erwähnt (Luk. 17:26-30). Ein anderes Beispiel, das zeigt, daß das Wort „Tag“ verschieden angewandt und in übertragenem Sinne gebraucht werden kann, sind die Worte des Petrus, „e i n Tag [sei] bei Jehova wie tausend Jahre“ (2. Pet. 3:8). Die im ersten Buch Mose genannten Schöpfungstage schließen eine noch längere Zeitspanne ein: Millennien (1. Mo. 2:2, 3; 2. Mo. 20:11). Der Kontext in der Bibel läßt erkennen, wie das Wort „Tag“ angewendet werden muß.

      9. (a) Worauf ist die Einteilung eines Tages in 24 Stunden von je 60 Minuten zurückzuführen? (b) Welche Zeitangaben werden in den Hebräischen Schriften erwähnt?

      9 Stunde. Die Einteilung des Tages in 24 Stunden kann bis nach Ägypten zurückverfolgt werden. Die heute übliche Unterteilung der Stunde in 60 Minuten wurde von babylonischen Mathematikern eingeführt. In den Hebräischen Schriften wird nichts von einer Einteilung in Stunden gesagt.a Statt dessen werden darin als Zeitangaben Ausdrücke verwendet wie „Morgen“, „Mittag“ und „Abendzeit“ (1. Mo. 24:11; 43:16; 5. Mo. 28:29; 1. Kö. 18:26). Die Nacht wurde in drei Abschnitte unterteilt, die man „Nachtwachen“ nannte (Ps. 63:6); zwei werden in der Bibel besonders erwähnt: ‘die mittlere Nachtwache’ (Ri. 7:19) und ‘die Morgenwache’ (2. Mo. 14:24; 1. Sam. 11:11).

      10. Wie wurden in den Tagen Jesu die Stunden gezählt, und wie hilft uns diese Erkenntnis, die Zeit des Todes Jesu festzustellen?

      10 In den Christlichen Griechischen Schriften wird die „Stunde“ aber häufig erwähnt (Joh. 12:23; Mat. 20:2-6). Die Stunden wurden von Sonnenaufgang oder etwa 6 Uhr an gezählt. In der Bibel ist von der ‘dritten Stunde’ die Rede, was etwa 9 Uhr wäre. Die „sechste Stunde“ wird in dem Bericht über Jesu Hinrichtung am Pfahl als die Zeit erwähnt, zu der Dunkelheit über Jerusalem hereinbrach, die Zeit, als Jesus an den Pfahl geschlagen wurde. Für uns wäre das mittags um zwölf. Es heißt, Jesus sei „um die neunte Stunde“ oder etwa gegen 15 Uhr am Marterpfahl gestorben (Mar. 15:25; Luk. 23:44; Mat. 27:45, 46).b

      11. Wie lange schon wird die „Woche“ als Zeitmaß gebraucht?

      11 Woche. Der Mensch begann früh in der Geschichte, seine Zeit in Zyklen von sieben Tagen einzuteilen. Er folgte damit dem Beispiel seines Schöpfers, der die sechs Schöpfungstage mit einer siebten Periode, auch Tag genannt, zum krönenden Abschluß brachte. Noah berechnete die Zeit in Sieben-Tage-Zyklen. Das hebräische Wort für „Woche“ bedeutet wörtlich „siebent“ und bezieht sich auf eine Einheit von sieben (1. Mo. 2:2, 3; 8:10, 12; 29:27).

      12. Was ist ein Mondmonat, und wie unterscheidet er sich von unseren heutigen Monaten?

      12 Mondmonate. Die Bibel spricht von ‘Mondmonaten’ (2. Mo. 2:2; 5. Mo. 21:13; 33:14; Esra 6:15). Unsere heutigen Monate sind keine Mondmonate, weil sie nicht durch den Mond bestimmt werden. Sie sind lediglich zwölf willkürlich festgelegte Abschnitte des Sonnenjahres. Ein Mondmonat wird durch den Neumond bestimmt. Ein vollständiger Ablauf der vier Mondphasen wird Lunation genannt; sie dauert durchschnittlich 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten. Man braucht nur die Form des Mondes zu betrachten, um ungefähr den Tag des Mondmonats anzugeben.

      13. Welche genauen Zeitangaben über die Sintflut wurden aufgezeichnet?

      13 Noah hat anscheinend Ereignisse nicht streng nach Mondmonaten aufgezeichnet, sondern eher nach Monaten von je 30 Tagen. Aus dem Logbuch, das er in der Arche führte, erfahren wir, daß die Wasser der Flut fünf Monate oder „hundertfünfzig Tage“ die Erde bedeckten. Nach zwölf Monaten und zehn Tagen war die Erde trocken, so daß die Insassen der Arche diese verlassen konnten. Hinsichtlich dieser epochemachenden Ereignisse wurden also genaue Zeitangaben gemacht (1. Mo. 7:11, 24; 8:3, 4, 14-19).

      14. (a) Wie sorgte Jehova dafür, daß es die Jahreszeiten gibt? (b) Wie lange wird es Jahreszeiten geben?

      14 Jahreszeiten. Als Jehova die Erde so herrichtete, daß sie bewohnbar war, sorgte er in seiner Weisheit und Liebe dafür, daß es die verschiedenen Jahreszeiten gibt (1. Mo. 1:14). Diese sind bedingt durch die Neigung der Erdachse mit einem Neigungswinkel von 23,5 Grad zur Bahnebene der Erde um die Sonne. Demzufolge ist zuerst die südliche Halbkugel der Sonne zugewandt und sechs Monate später die nördliche, so daß die Jahreszeiten in einer gewissen Reihenfolge kommen und gehen. Dieser Wechsel der Jahreszeiten sorgt für Vielfalt und Gegensätze und bestimmt die Zeiten für das Pflanzen und das Ernten. Gottes Wort versichert uns, daß der Wechsel der Jahreszeiten und die damit verbundenen Gegensätze für immer bestehenbleiben: „Alle Tage, da die Erde besteht, werden Saat und Ernte und Kälte und Hitze und Sommer und Winter und Tag und Nacht niemals aufhören“ (1. Mo. 8:22).

      15, 16. (a) Wie kann im Land der Verheißung die Regenzeit unterteilt werden? (b) Beschreibe die Regenzeit und ihre Beziehung zur landwirtschaftlichen Tätigkeit.

      15 Im allgemeinen kann im Land der Verheißung das Jahr in die Regen- und die Trockenzeit eingeteilt werden. Ungefähr von Mitte April bis Mitte Oktober fällt nur sehr wenig Regen. Die Regenzeit kann in den Früh- oder „Herbstregen“ (Oktober/November), die starken Winterregenfälle, begleitet von kaltem Wetter (Dezember bis Februar), und den Spät- oder „Frühlingsregen“ (März/April) unterteilt werden (5. Mo. 11:14; Joel 2:23). Hierbei handelt es sich nur um grobe Angaben, denn aufgrund von Klimaabweichungen in den verschiedenen Landesteilen überschneiden sich die Jahreszeiten. Der Frühregen weicht den trockenen Erdboden auf, so daß die Zeit des „Pflügens“ und der „Aussaat“ in den Oktober/November fällt (2. Mo. 34:21; 3. Mo. 26:5). Während der heftigen Winterregenfälle von Dezember bis Februar ist es nichts Ungewöhnliches, wenn es schneit, und im Januar und Februar kann die Temperatur in den höheren Lagen unter den Gefrierpunkt sinken. Die Bibel berichtet davon, daß Benaja, einer von Davids starken Männern, „an einem Tag des Schneefalls“ einen Löwen tötete (2. Sam. 23:20).

      16 In den Monaten März und April (sie entsprechen in etwa den hebräischen Monaten Nisan und Ijjar) fällt der „Frühlingsregen“ (Sach. 10:1). Das ist der Spätregen, der nötig ist, um das im Herbst gesäte Getreide aufquellen zu lassen und damit eine gute Ernte folgt (Hos. 6:3; Jak. 5:7). In dieser Jahreszeit wird auch die Frühernte eingebracht, und Gott gebot Israel, die Erstlinge der Ernte am 16. Nisan darzubringen (3. Mo. 23:10; Ruth 1:22). Es ist eine Zeit der Schönheit und der Wonne. „Blüten sind im Land erschienen, ja die Zeit zum Beschneiden der Reben ist gekommen, und die Stimme der Turteltaube, sie ist gehört worden in unserem Land. Was den Feigenbaum betrifft, er hat seine Frühfeigen eine reife Farbe gewinnen lassen; und die Weinstöcke stehen in Blüte, sie haben ihren Duft gespendet“ (Hoh. 2:12, 13).

      17. (a) Wodurch werden die Früchte während der Trockenzeit vor dem Vertrocknen bewahrt? (b) Betrachte die Tabelle „Das Jahr der Israeliten“, und teile das Jahr in Jahreszeiten ein, wie sie in den Absätzen 15 bis 17 besprochen werden. (c) Wann ist die Frühernte (siehe Absatz 16), wann die Getreideernte und die Zeit, in der die Früchte geerntet werden, und welche Feste fielen mit diesen Ereignissen zusammen?

      17 Gegen Mitte April beginnt die Trockenzeit, aber fast die ganze Zeit hindurch fällt besonders in den Küstengebieten und an den westlichen Berghängen eine große Menge Tau, der die Sommerfrüchte vor dem Vertrocknen bewahrt (5. Mo. 33:28). Im Mai wird Getreide geerntet, und am Ende des Monats wurde das Fest der Wochen (Pfingsten) gefeiert (3. Mo. 23:15-21). Wenn dann das Wetter wärmer und der Erdboden trockener wird, reifen die Trauben an den Weinstöcken und werden geerntet, gefolgt von den anderen Sommerfrüchten, wie zum Beispiel Oliven, Datteln und Feigen (2. Sam. 16:1). Mit dem Ende der Trockenzeit und dem Beginn des Frühregens ist der ganze Ertrag des Landes eingebracht, und zu dieser Zeit (etwa Anfang Oktober) wurde das Laubhüttenfest gefeiert (2. Mo. 23:16; 3. Mo. 23:29-43).

      18. (a) Wieso ist die Bedeutung des hebräischen Wortes für „Jahr“ passend? (b) Was ist, von der Erde aus gesehen, ein Sonnenjahr?

      18 Jahr. In unserer Betrachtung der Zeit in Verbindung mit der Bibel kommen wir nun zu dem Begriff „Jahr“. Seit Beginn der Geschichte des Menschen wird das Jahr erwähnt (1. Mo. 1:14). Das hebräische Wort für „Jahr“, schanáh, kommt von einer Wurzel, die „wiederholen“, „wieder tun“ bedeutet, und vermittelt den Gedanken von einem zeitlichen Kreislauf. Das ist passend, denn jedes Jahr wiederholen sich die Jahreszeiten. Ein Jahr ist die Dauer eines Umlaufs der Erde um die Sonne. Die Erde benötigt, von unserem Planeten aus gesehen, genau 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden oder ungefähr 365 1⁄4 Tage, um die Sonne vollständig zu umkreisen. Dieser Zeitabschnitt wird als Sonnenjahr bezeichnet.

      19. (a) Wie wurden früher die biblischen Jahre berechnet? (b) Welches „heilige Jahr“ verordnete Jehova später?

      19 Das biblische Jahr. In frühen biblischen Zeiten dauerte das Jahr von einem Herbst bis zum andern. Diese Art der Berechnung war besonders auf das Leben in der Landwirtschaft abgestimmt, denn das Jahr begann im ersten Teil des heutigen Oktobers mit dem Pflügen und Säen und endete mit dem Einbringen der Ernte. Für Noah nahm das Jahr im Herbst seinen Anfang. Er schrieb, daß die Sintflut „im zweiten Monat“ begann, was der letzten Oktoberhälfte und der ersten Novemberhälfte entspricht (1. Mo. 7:11, Fußnote). Noch heute fängt für viele Völker das Jahr im Herbst an. Zur Zeit des Auszugs aus Ägypten im Jahre 1513 v. u. Z. verordnete Jehova, daß der Abib (Nisan) für die Juden „der Anfang der Monate“ werden solle, so daß sie von da an ein heiliges Jahr hatten, das von Frühjahr bis Frühjahr dauerte (2. Mo. 12:2). Heute halten sich die Juden jedoch an ein landwirtschaftliches oder bürgerliches Jahr, das im Herbst mit dem Monat Tischri beginnt.

      20. Wie wurde das Mondjahr ausgeglichen, damit es mit dem Sonnenjahr übereinstimmte, und was sind Lunisolarjahre?

      20 Lunisolarjahr. Bis zur Zeit Christi zählten die meisten Völker die Zeit in Mondjahren; man hat auf verschiedene Weise versucht, das Mondjahr auszugleichen, damit es mit dem Sonnenjahr mehr oder weniger übereinstimmte. Das gewöhnliche Mondjahr mit zwölf Mondmonaten hat 354 Tage, wobei die Monate 29 bzw. 30 Tage zählen, je nachdem, wann der Neumond erscheint. Das Mondjahr ist also 11 1⁄4 Tage kürzer als das Sonnenjahr, das 365 1⁄4 Tage hat. Bei den Hebräern war das Mondjahr in Geltung. Auf welche Weise sie einen Ausgleich schafften, damit es mit dem Sonnenjahr und den Jahreszeiten übereinstimmte, wird in der Bibel nicht erklärt, aber sie müssen, wenn nötig, zusätzliche Monate oder Schaltmonate eingefügt haben. Später, im 5. Jahrhundert v. u. Z., wurden Monate nach einem gewissen System — heute als der Metonische Zyklus bekannt — eingeschaltet. Gemäß diesem System wurde in je 19 Jahren siebenmal ein Monat eingeschaltet; im jüdischen Kalender geschah dies nach dem zwölften Monat, Adar, und der Schaltmonat wurde Veadar oder „zweiter Adar“ genannt. Da der Mondkalender also nach der Sonne ausgerichtet wurde, nennt man die Jahre von 12 bzw. 13 Monaten Lunisolarjahre.

      21. (a) Was ist der Julianische Kalender? (b) Wieso ist der Gregorianische Kalender genauer?

      21 Julianischer und Gregorianischer Kalender. Ein Kalender ist ein System, durch das der Anfang und die Länge des Jahres festgelegt sowie seine Einteilung in der zeitlichen Folge geregelt wird. Der Julianische Kalender wurde im Jahre 46 v. u. Z. von Julius Cäsar eingeführt, denn er wollte, daß sich das römische Volk nicht mehr nach dem Mondjahr, sondern nach dem Sonnenjahr richtete. Das Julianische Kalenderjahr besteht aus 365 Tagen; allerdings wird jedem vierten Jahr (Schaltjahr) ein Tag hinzugefügt, so daß es 366 Tage hat. Im Laufe der Zeit stellte man jedoch fest, daß das Julianische Kalenderjahr eigentlich um etwas mehr als elf Minuten länger war als ein Sonnenjahr. Infolgedessen ergab sich bis zum 16. Jahrhundert eine Fehlerquote von zehn vollen Tagen. Daher nahm Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 eine geringfügige Korrektur vor, wodurch er den Kalender einführte, der heute als der Gregorianische Kalender bekannt ist. Nach einem päpstlichen Erlaß sollten im Jahre 1582 zehn Tage ausgelassen werden, so daß auf den 4. Oktober unmittelbar der 15. Oktober folgte. Gemäß dem Gregorianischen Kalender werden von den Jahren mit vollen Hunderterzahlen nur diejenigen als Schaltjahre gerechnet, deren Zahl durch 400 teilbar ist. Zum Beispiel war im Gegensatz zum Jahr 2000 das Jahr 1900 kein Schaltjahr, denn die Zahl 1 900 ist nicht durch 400 teilbar. Der Gregorianische Kalender ist heute in den meisten Teilen der Welt allgemein in Gebrauch.

      22, 23. Wie lange dauert ein prophetisches Jahr?

      22 Das prophetische „Jahr“. In der biblischen Prophetie wird das Wort „Jahr“ oft in einem besonderen Sinne als Entsprechung von zwölf Monaten verwendet, wobei jeder Monat dreißig Tage hat, was insgesamt 360 Tage ergibt. Man beachte, was eine Autorität in einem Kommentar zu Hesekiel 4:5, 6 sagt: „Wir müssen davon ausgehen, daß für Hesekiel ein Jahr 360 Tage zählte. Das ist weder ein Sonnenjahr, noch ist es ein Mondjahr. Es ist ein ‚Durchschnitts‘-Jahr, in dem jeder Monat 30 Tage hat.“c

      23 Ein prophetisches Jahr wird auch als „Zeit“ bezeichnet. Eine nähere Betrachtung von Offenbarung 11:2, 3 und 12:6, 14 zeigt, wieso eine „Zeit“ mit 360 Tagen gleichgesetzt wird. In Prophezeiungen wird manchmal ein Jahr symbolisch als ein „Tag“ dargestellt (Hes. 4:5, 6).

      24. Womit fingen viele Völker der alten Zeit an zu zählen?

      24 Kein Jahr null. Völker der alten Zeit, wie zum Beispiel die gelehrten Griechen, die Römer und die Juden, hatten keine Vorstellung von einer Null. Sie zählten alles von eins an. Hast du, als du in der Schule die römischen Zahlen lerntest (I, II, III, IV, V, X usw.), eine Ziffer für null kennengelernt? Nein, denn die Römer hatten keine. Da die Römer also keine Null gebrauchten, begann unsere Zeitrechnung nicht mit dem Jahr null, sondern mit dem Jahr 1 u. Z. Das führte zur Verwendung von Ordnungszahlen wie erster (1.), zweiter (2.), dritter (3.), zehnter (10.) und hundertster (100.). In der neuzeitlichen Mathematik stellt man sich vor, daß alles von nichts oder von null anfängt. Die Null wurde wahrscheinlich von den Hindus ersonnen.

      25. Wie unterscheiden sich Ordnungszahlen von Grundzahlen?

      25 Man muß also bei Ordnungszahlen jeweils eins abziehen, um die volle Zahl zu erhalten. Angenommen, es ist die Rede von einem Datum im 20. Jahrhundert. Bedeutet das, daß es volle 20 Jahrhunderte gegeben hat? Nein, sondern nur 19 volle Jahrhunderte zuzüglich einiger Jahre. Um vollständige Zahlen auszudrücken, werden in der Bibel und in der neuzeitlichen Mathematik Grundzahlen wie 1, 2, 3, 10 und 100 verwendet. Diese werden auch „ganze Zahlen“ genannt.

      26. Wie kann man ausrechnen, (a) wie viele Jahre vom 1. Oktober 607 v. u. Z. bis zum 1. Oktober 1914 u. Z. verstrichen sind, (b) zu welchem Datum man käme, wenn man 2 520 Jahre vom 1. Oktober 607 v. u. Z. an zählen würde?

      26 Da unsere Zeitrechnung nicht mit dem Jahr null, sondern mit dem Jahr 1 u. Z. begann und die Jahre vor unserer Zeitrechnung nicht von dem Jahr null, sondern von dem Jahr 1 v. u. Z. an gezählt werden, ist die Jahreszahl irgendeines Datums in Wirklichkeit eine Ordnungszahl. Das bedeutet, daß im Jahre 1990 u. Z. tatsächlich 1 989 volle Jahre seit dem Anfang unserer Zeitrechnung vergangen sind, und am 1. Juli 1990 sind 1 989 Jahre zuzüglich eines halben Jahres vergangen. Derselbe Grundsatz hat auf Daten vor unserer Zeitrechnung Anwendung. Um auszurechnen, wie viele Jahre vom 1. Oktober 607 v. u. Z. bis zum 1. Oktober 1914 u. Z. verstrichen sind, muß man 606 Jahre (zuzüglich der letzten drei Monate des vorherigen Jahres) zu 1 913 Jahren (zuzüglich der ersten neun Monate des nächsten Jahres) hinzuzählen; das Ergebnis ist: 2 519 Jahre (plus zwölf Monate). Fügt man die zwölf Monate den 2 519 Jahren hinzu, so erhält man 2 520 Jahre. Oder wenn man herausfinden will, zu welchem Datum man käme, wenn man 2 520 Jahre vom 1. Oktober 607 v. u. Z. an zählen würde, muß man beachten, daß 607 eine Ordnungszahl ist; sie stellt in Wirklichkeit nur 606 volle Jahre dar. Da das Ausgangsdatum aber nicht der 31. Dezember 607 v. u. Z. ist, sondern der 1. Oktober 607 v. u. Z., müssen die letzten drei Monate des Jahres 607 v. u. Z. zum Jahr 606 hinzugezählt werden. Dann zieht man 606 1⁄4 Jahre von 2 520 Jahren ab. Es bleiben 1 913 3⁄4 Jahre. Rechnet man also vom 1. Oktober 607 v. u. Z. an 2 520 Jahre weiter, wird man 1 913 3⁄4 Jahre in unsere Zeitrechnung hineingeführt. Da es sich um 1 913 volle Jahre handelt, kommt man zum Anfang des Jahres 1914 u. Z.; rechnet man ein 3⁄4 Jahr hinzu, kommt man zum 1. Oktober 1914 u. Z.d

      27. Was sind Schlüsseldaten, und wieso sind sie von großem Wert?

      27 Schlüsseldaten. Die zuverlässige biblische Zeitrechnung beruht auf bestimmten Schlüsseldaten. Ein Schlüsseldatum ist ein Datum in der Geschichte, das weithin als gesichert gilt und einem herausragenden Ereignis entspricht, das in der Bibel aufgezeichnet ist. Von diesem Datum ausgehend, kann man eine Reihe biblischer Ereignisse mit Sicherheit zeitlich einordnen. Steht das Schlüsseldatum einmal fest, so kann man von diesem Zeitpunkt aus anhand genauer Aufzeichnungen in der Bibel — beispielsweise anhand von Angaben über die Lebenszeit von Personen oder über die Regierungszeit von Königen — entweder rückwärts oder vorwärts rechnen. Man kann also, wenn man von einem festgelegten Punkt ausgeht, mit Hilfe der in der Bibel selbst enthaltenen zuverlässigen Chronologie viele biblische Ereignisse zeitlich bestimmen.

      28. Welches Schlüsseldatum gibt es für die Hebräischen Schriften?

      28 Schlüsseldatum für die Hebräischen Schriften. Ein herausragendes Ereignis, das sowohl in der Bibel als auch in weltlichen Geschichtsberichten vorkommt, ist der Sturz der Stadt Babylon durch die Meder und Perser unter der Leitung des Cyrus. Die Bibel berichtet von diesem Ereignis in Daniel 5:30. Verschiedene Geschichtsquellen (u. a. Diodor, Africanus, Eusebius und Ptolemäus sowie babylonische Tafeln) bestätigen das Jahr 539 v. u. Z. als das Jahr, in dem Cyrus Babylon stürzte. In der Nabonid-Chronik erscheinen der Monat und der Tag, an dem die Stadt gestürzt wurde (das Jahr fehlt). Weltliche Chronologen haben demnach den 11. Oktober 539 v. u. Z., gemäß dem Julianischen Kalender, oder den 5. Oktober, gemäß dem Gregorianischen Kalender, für den Sturz Babylons festgelegt.e

      29. Wann wurde die Verordnung des Cyrus herausgegeben, und wofür räumte sie Gelegenheit ein?

      29 Cyrus gab nach dem Sturz Babylons und während seines ersten Jahres als Herrscher über die besiegte Stadt die bekannte Verordnung heraus, in der er den Juden erlaubte, nach Jerusalem zurückzukehren. Zieht man den Bibelbericht in Betracht, so wurde diese Verordnung wahrscheinlich gegen Ende des Jahres 538 v. u. Z. oder im Frühling 537 v. u. Z. erlassen. Das hätte den Juden genügend Gelegenheit gegeben, sich wieder in ihrer Heimat niederzulassen und nach Jerusalem hinaufzugehen, um die Anbetung Jehovas im ‘siebten Monat’, Tischri, oder um den 1. Oktober 537 v. u. Z. wiederherzustellen (Esra 1:1-4; 3:1-6).f

      30. Wie kann man mit Hilfe eines Schlüsseldatums und erfüllter Prophetie die Zeit der Taufe Jesu und die Zeit seiner Geburt bestimmen?

      30 Schlüsseldatum für die Christlichen Griechischen Schriften. Ein Schlüsseldatum für die Christlichen Griechischen Schriften wird durch den Zeitpunkt bestimmt, zu dem Tiberius Cäsar der Nachfolger von Kaiser Augustus wurde. Augustus starb am 17. August 14 u. Z. (Gregorianischer Kalender); Tiberius wurde am 15. September 14 u. Z. vom römischen Senat als Kaiser bestätigt. In Lukas 3:1, 3 wird erklärt, daß Johannes der Täufer seinen Dienst im 15. Jahr der Regierung des Tiberius begann. Wenn man vom Tod des Augustus an gezählt hat, dauerte das 15. Jahr von August 28 u. Z. bis August 29 u. Z. Hat man aber von dem Zeitpunkt an gezählt, wo Tiberius vom Senat als Kaiser bestätigt wurde, so dauerte das betreffende Jahr von September 28 u. Z. bis September 29 u. Z. Bald darauf kam Jesus, der „ungefähr dreißig Jahre alt“ und etwa sechs Monate jünger war als Johannes der Täufer, um getauft zu werden (Luk. 3:2, 21-23; 1:34-38). Das stimmt mit der Prophezeiung aus Daniel 9:25 überein, die besagt, daß „vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem [und seine Mauer] wiederherzustellen“, bis zum Erscheinen des Messias 69 „Wochen“ (prophetische „Wochen“ von je sieben Jahren, also insgesamt 483 Jahre) vergehen sollten (Dan. 9:24, Fußnote). Im Jahre 455 v. u. Z. ließ Artaxerxes (Longimanus) dieses ‘Wort’ ergehen, und Nehemia führte es im letzten Teil jenes Jahres aus. Und als sich Jesus 483 Jahre später, in der zweiten Hälfte des Jahres 29 u. Z., von Johannes taufen ließ, wurde er von Gott mit heiligem Geist gesalbt, so daß er der Messias oder Gesalbte wurde. Daß Jesus im letzten Teil des Jahres getauft wurde und seinen Dienst aufnahm, stimmt ebenfalls mit der Prophezeiung überein, in der es heißt, daß er „zur Hälfte der Woche“ von Jahren (oder nach dreieinhalb Jahren) abgeschnitten werden sollte (Dan. 9:27). Da er im Frühjahr starb, muß sein Dienst von dreieinhalb Jahren gegen Herbst des Jahres 29 u. Z. begonnen haben.g Übrigens bestätigen diese beiden Beweisführungen auch, daß Jesus im Herbst des Jahres 2 v. u. Z. geboren wurde, denn aus Lukas 3:23 geht hervor, daß Jesus etwa 30 Jahre alt war, als er mit seinem Werk begann.h

      31. (a) Warum scheint die Zeit verschieden schnell zu vergehen? (b) Welchen Vorteil haben deshalb junge Leute?

      31 Wie die Zeit schneller vergeht. Eine alte Redewendung heißt: „Beim Warten wird die Zeit lang.“ Es stimmt, daß die Zeit scheinbar viel langsamer vergeht, wenn wir auf sie achten, wenn wir uns ihrer bewußt sind und wenn wir darauf warten, daß etwas geschieht. Sind wir jedoch beschäftigt und an unserer Arbeit, die wir gerade verrichten, interessiert und gehen darin auf, dann scheint die Zeit nur so dahinzufliegen. Es hat auch den Anschein, daß die Zeit für alte Leute viel schneller vergeht als für kleine Kinder. Wie kommt das? Ein dem Leben eines Einjährigen hinzugefügtes Jahr bedeutet eine 100prozentige Mehrung der Lebenserfahrung. Ein dem Leben eines Fünfzigjährigen hinzugefügtes Jahr bedeutet nur zwei Prozent mehr. Dem Kind erscheint ein Jahr als eine sehr lange Zeit. Der ältere Mensch findet — wenn er beschäftigt und bei guter Gesundheit ist —, daß die Jahre immer schneller zu verrinnen scheinen. Er kann die Worte Salomos besser verstehen, der sagte: „Es [gibt] nichts Neues unter der Sonne.“ Andererseits stehen jungen Leuten noch die scheinbar langsamer vergehenden Jahre zur Verfügung, in denen sie sich noch entwickeln. Statt mit einer materialistischen Welt ‘nach Wind zu haschen’, können sie diese Jahre nutzen und auf gottgefällige Weise viele Erfahrungen sammeln. Die folgenden Worte Salomos sind zeitgemäß: „Gedenke nun deines großen Schöpfers in den Tagen deines Jünglingsalters, bevor die unglücklichen Tage herankommen oder die Jahre sich eingestellt haben, da du sagen wirst: ‚Ich habe kein Gefallen daran‘ “ (Pred. 1:9, 14; 12:1).

      32. Wie werden die Menschen Jehovas Ansicht über die Zeit noch besser erfassen können?

      32 Die Zeit, in der die Menschen ewig leben werden. Es steht jedoch eine schöne Zeit bevor, in der jegliches Unglück und Elend der Vergangenheit angehören werden. Gerechtigkeitsliebende Menschen, deren ‘Zeiten in Jehovas Hand sind’, können sich darauf freuen, im Herrschaftsgebiet des Königreiches Gottes ewig leben zu dürfen (Ps. 31:14-16; Mat. 25:34, 46). Unter dem Königreich wird es keinen Tod mehr geben (Offb. 21:4). Müßiggang, Krankheit, Langeweile und Nichtigkeit werden vergangen sein. Es wird interessante Arbeit zu tun geben, die Freude macht, bei der der Mensch seine vollkommenen Fähigkeiten einsetzen kann und die ihm tiefe Befriedigung bringen wird. Die Jahre werden scheinbar immer schneller dahinfliegen, und ständig wird er sich über neue glückliche Ereignisse freuen können, die sich in sein Gedächtnis eingraben werden. Während die Jahrtausende vergehen, werden die Bewohner der Erde Jehovas Ansicht über die Zeit zweifellos noch besser erfassen können: ‘Denn tausend Jahre sind in Jehovas Augen nur wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist’ (Ps. 90:4).

      33. Was hat Jehova in Verbindung mit der Zeit geboten?

      33 Wenn wir den Strom der Zeit von unserem gegenwärtigen menschlichen Standpunkt aus betrachten und Gottes Verheißung einer neuen Welt der Gerechtigkeit berücksichtigen, freuen wir uns bestimmt auf den Tag, an dem die bevorstehenden Segnungen verwirklicht werden: „Denn daß dort der Segen sei, hat Jehova geboten, ja Leben bis auf unabsehbare Zeit“ (Ps. 133:3).

      [Fußnoten]

      a Das Wort „Stunde“ erscheint in der Parallel-Bibel in Daniel 3:6, 15; 4:16, 30 (19, 33); 5:5 (aus dem Aramäischen übersetzt); in dem Werk Lexicon in Veteris Testamenti Libros von L. Koehler und W. Baumgartner (2. Auflage, 1958, Seite 1133, 1134) wird die Bedeutung des Wortes jedoch mit „Augenblick, eine kurze Zeit“ wiedergegeben. In der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift wird es mit „Augenblick“ übersetzt.

      b Siehe die Fußnoten in den angegebenen Schriftstellen.

      c J. Van Goudoever, Biblical Calendars, 1961, Seite 75.

      d Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 489.

      e Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 483, 484, 489; Band 2, NABONID.

      f Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 503, 504.

      g Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, SIEBZIG WOCHEN.

      h Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1341 bis 1343.

      [Übersicht auf Seite 281]

      DAS JAHR DER ISRAELITEN

      Name des Monats Nisan (Abib)

      Entsprechung März/April

      Religiöses Jahr 1. Monat

      Bürgerliches Jahr 7. Monat

      Zitate 2. Mo. 13:4; Neh. 2:1

      Feste und 14. Nisan Passah

      Feiern 15.—21. Nisan Fest der ungesäuerten Brote

      16.Nisan Darbringen der Erstlingsfrucht

      Name des Monats Iijar (Siw)

      Entsprechung April/Mai

      Religiöses Jahr 2. Monat

      Bürgerliches Jahr 8. Monat

      Zitate 1. Kö. 6:1

      Name des Monats Siwan

      Entsprechung Mai/Juni

      Religiöses Jahr 3. Monat

      Bürgerliches Jahr 9. Monat

      Zitate Esth. 8:9

      Feste und 6. Siwan Fest der Wochen (Pfingsten)

      Feiern

      Name des Monats Tammus

      Entsprechung Juni/Juli

      Religiöses Jahr 4. Monat

      Bürgerliches Jahr 10. Monat

      Zitate Jer. 52:6

      Name des Monats Ab

      Entsprechung Juli/August

      Religiöses Jahr 5. Monat

      Bürgerliches Jahr 11. Monat

      Zitate Esra 7:8

      Name des Monats Elul

      Entsprechung August/September

      Religiöses Jahr 6. Monat

      Bürgerliches Jahr 12. Monat

      Zitate Neh. 6:15

      Name des Monats Tischri (Ethanim)

      Entsprechung September/Oktober

      Religiöses Jahr 7. Monat

      Bürgerliches Jahr 1. Monat

      Zitate 1. Kö. 8:2

      Feste und 1. Tischri Tag des Trompetenschalls

      Feiern 10. Tischri Sühnetag

      15.—21. Tischri Laubhüttenfest

      22. Tischri Feierliche Versammlung

      Name des Monats Chäschwan (Bul)

      Entsprechung Oktober/November

      Religiöses Jahr 8. Monat

      Bürgerliches Jahr 2. Monat

      Zitate 1. Kö. 6:38

      Name des Monats Kislew

      Entsprechung November/Dezember

      Religiöses Jahr 9. Monat

      Bürgerliches Jahr 3. Monat

      Zitate Neh. 1:1

      Name des Monats Tebeth

      Entsprechung Dezember/Januar

      Religiöses Jahr 10. Monat

      Bürgerliches Jahr 4. Monat

      Zitate Esth. 2:16

      Name des Monats Schebat

      Entsprechung Januar/Februar

      Religiöses Jahr 11. Monat

      Bürgerliches Jahr 5. Monat

      Zitate Sach. 1:7

      Name des Monats Adar

      Entsprechung Februar/März

      Religiöses Jahr 12. Monat

      Bürgerliches Jahr 6. Monat

      Zitate Esth. 3:7

      Name des Monats Vedar

      Entsprechung (Schaltmonat)

      Religiöses Jahr 13. Monat

  • Studie 3 — Ereignisse in den Strom der Zeit einordnen
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 3 — Ereignisse in den Strom der Zeit einordnen

      Die Zeitmessung in biblischen Tagen und eine Abhandlung über die Chronologie hervorragender Ereignisse, von denen die Hebräischen und die Griechischen Schriften berichten

      1. (a) Was zeigt, daß Jehova seine Zeit genau einhält? (b) Welche Fortschritte, was das Verständnis der biblischen Chronologie betrifft, sind gemacht worden?

      ALS der Engel Jehovas Daniel die Vision vom „König des Nordens“ und vom „König des Südens“ übermittelte, gebrauchte er mehrmals den Ausdruck „die bestimmte Zeit“ (Dan. 11:6, 27, 29, 35). Noch viele weitere Bibeltexte zeigen, daß Jehova seine Zeit genau einhält und seine Vorsätze genau zur rechten Zeit durchführt (Luk. 21:24; 1. Thes. 5:1, 2). Sein Wort, die Bibel, enthält etliche „Wegweiser“, die uns helfen, wichtige Ereignisse in den Strom der Zeit einzuordnen. Was das Verständnis der biblischen Chronologie betrifft, sind große Fortschritte gemacht worden. Archäologen und andere Gelehrte haben durch ihre Forschungen in verschiedene Probleme Licht gebracht, so daß man nun feststellen kann, wann sich gewisse wichtige Ereignisse, über die in der Bibel berichtet wird, abspielten (Spr. 4:18).

      2. Führe ein Beispiel an, das zeigt, wie man mit Ordnungszahlen rechnet.

      2 Ordnungs- und Grundzahlen. Aus der vorangegangenen Studie (Absatz 24 und 25) erfuhren wir, daß zwischen Grundzahlen und Ordnungszahlen ein Unterschied besteht. Daran sollte man denken, wenn man biblische Zeitabschnitte nach heutigen Datierungsmethoden berechnet. Wenn zum Beispiel vom „siebenunddreißigsten Jahr des Exils Jojachins, des Königs von Juda“, die Rede ist, so bezeichnet das Wort „siebenunddreißigstes“ eine Ordnungszahl. Damit sind 36 volle Jahre plus einige Tage, Wochen oder Monate gemeint (je nachdem, wieviel Zeit nach dem Ende des 36. Jahres vergangen war) (Jer. 52:31).

      3. (a) Welche Staatsurkunden tragen zur Ermittlung biblischer Daten bei? (b) Was ist unter einem Regierungsjahr und was unter einem Thronbesteigungsjahr zu verstehen?

      3 Regierungs- und Thronbesteigungsjahre. Die Bibel verweist auf Staatsurkunden der Regierungen von Juda und Israel sowie auf Staatsangelegenheiten von Babylon und Persien. In diesen vier Königreichen berechnete man die Zeit genau nach den Regierungsjahren der Könige, und das gleiche Datierungssystem weist auch die Bibel auf. Sehr oft wird in der Bibel der Name der zitierten Urkunde angegeben, zum Beispiel das „Buch der Angelegenheiten Salomos“ (1. Kö. 11:41). Die Regierungszeit eines Königs umfaßte einen Teil eines Thronbesteigungsjahres und dann die vollständige Zahl seiner Regierungsjahre. Die Jahre, in denen ein König offiziell herrschte, dauerten gewöhnlich von Nisan bis Nisan oder von Frühjahr bis Frühjahr. Wenn ein König auf den Thron kam, bezeichnete man die Monate, die zwischen seiner Thronbesteigung und dem nächsten Frühjahr oder Nisan vergingen, als sein Thronbesteigungsjahr, in dessen Verlauf er die Regierungszeit seines Vorgängers vollendete. Doch als Beginn seiner offiziellen Regierungszeit rechnete man erst den nächsten 1. Nisan.

      4. Zeige, wie eine Berechnung der biblischen Chronologie anhand von Regierungsjahren möglich ist.

      4 Salomo zum Beispiel begann anscheinend einige Zeit vor dem Nisan des Jahres 1037 v. u. Z. — noch zu Lebzeiten Davids — zu regieren. Kurz danach starb David (1. Kö. 1:39, 40; 2:10). Davids letztes Regierungsjahr dauerte jedoch bis zum Frühjahr 1037 v. u. Z. und wurde noch zu seiner 40jährigen Herrschaft gerechnet. Das angebrochene Jahr, vom Beginn der Regierung Salomos bis zum Frühjahr 1037 v. u. Z., wird als Salomos Thronbesteigungsjahr bezeichnet und darf nicht zu seinen Regierungsjahren gezählt werden, weil er noch die Herrschaft seines Vaters vollendete. Salomos erstes volles Regierungsjahr begann also nicht vor dem Monat Nisan 1037 v. u. Z. (1. Kö. 2:12). Schließlich wurden König Salomo 40 volle Regierungsjahre zugeschrieben (1. Kö. 11:42). Wenn man die Regierungsjahre und die Thronbesteigungsjahre auf diese Weise auseinanderhält, ist eine genaue Berechnung der biblischen Chronologie möglich.a

      BIS ZU ADAMS ERSCHAFFUNG ZURÜCKRECHNEN

      5. Wie wird der Zeitpunkt ermittelt für die Wiederherstellung der Anbetung Jehovas in Jerusalem?

      5 Vom Schlüsseldatum ausgehen. Das Schlüsseldatum, von dem aus man bis zur Erschaffung Adams zurückrechnen kann, ist das Jahr 539 v. u. Z., das Jahr, in dem Cyrus das babylonische Herrschergeschlecht stürzte.b Cyrus gab seine Verordnung zur Freilassung der Juden in seinem ersten Jahr, vor dem Frühjahr 537 v. u. Z., heraus. Nach dem Bericht in Esra 3:1 waren die Söhne Israels bis zum siebten Monat (Tischri, heute: September/Oktober) wieder in Jerusalem. Daher rechnet man den Herbst des Jahres 537 v. u. Z. als Zeitpunkt der Wiederherstellung der Anbetung Jehovas in Jerusalem.

      6. (a) Welcher vorhergesagte Zeitabschnitt endete im Herbst des Jahres 537 v. u. Z.? (b) Wann muß dieser Zeitabschnitt begonnen haben, und inwiefern bestätigen dies die Tatsachen?

      6 Die Wiederherstellung der Anbetung Jehovas im Herbst 537 v. u. Z. kennzeichnete das Ende eines prophetischen Zeitabschnitts. Das Ende welchen Zeitabschnitts? Der „siebzig Jahre“, in denen das Land der Verheißung „ein verwüsteter Ort“ sein sollte und über die Jehova auch gesagt hatte: „In Übereinstimmung mit der Erfüllung von siebzig Jahren in Babylon werde ich euch meine Aufmerksamkeit zuwenden, und ich will euch gegenüber mein gutes Wort bestätigen, indem ich euch an diesen Ort zurückbringe“ (Jer. 25:11, 12; 29:10). Daniel, der diese Prophezeiung gut kannte, handelte entsprechend, als sich die „siebzig Jahre“ ihrem Ende näherten (Dan. 9:1-3). Die „siebzig Jahre“, die im Herbst 537 v. u. Z. endeten, müssen somit im Herbst 607 v. u. Z. begonnen haben. Das bestätigen auch die Tatsachen. In Jeremia, Kapitel 52 werden die folgenschweren Ereignisse der Belagerung Jerusalems beschrieben sowie der babylonische Durchbruch und die Gefangennahme König Zedekias im Jahr 607 v. u. Z. Gemäß Vers 12 kamen dann „im fünften Monat, am zehnten Tag des Monats“, das heißt am zehnten Tag des Monats Ab (der in unseren Juli und August fällt), die Babylonier und verbrannten den Tempel und die Stadt. Doch das war noch nicht der Ausgangspunkt der „siebzig Jahre“, denn da der König von Babylon Gedalja zum Statthalter der übriggebliebenen jüdischen Siedlungen ernannte, blieb den Juden eine gewisse Eigenstaatlichkeit erhalten. „Im siebten Monat“ wurden Gedalja und einige andere ermordet, woraufhin die übriggebliebenen Juden aus Furcht nach Ägypten flohen. Erst dann, etwa vom 1. Oktober 607 v. u. Z. an, lag das Land im wahrsten Sinne des Wortes „verödet“ da, „um siebzig Jahre zu erfüllen“ (2. Kö. 25:22-26; 2. Chr. 36:20, 21).

      7. (a) Wie läßt sich die Zahl der Jahre zurück bis zur Teilung des Königreiches nach dem Tod Salomos errechnen? (b) Wie bestätigt dies die Prophezeiung Hesekiels?

      7 Von 607 v. u. Z. bis 997 v. u. Z. Die Berechnung des Zeitabschnitts zwischen dem Sturz Jerusalems bis zurück zur Teilung des Königreiches nach dem Tod Salomos bereitet viele Schwierigkeiten. Ein Vergleich der im ersten und zweiten Buch der Könige angegebenen Regierungszeiten der Könige von Israel und Juda zeigt jedoch, daß dieser Zeitabschnitt 390 Jahre umfaßte. Die Richtigkeit dieser Zahl wird durch die Prophezeiung aus Hesekiel 4:1-13 überzeugend bestätigt. Diese Prophezeiung weist offensichtlich auf die Zeit hin, zu der Jerusalem belagert und seine Bewohner von den Nationen gefangengenommen werden sollten, was im Jahr 607 v. u. Z. geschah. Die 40 Jahre, von denen im Falle Judas die Rede war, endeten mit der Verwüstung Jerusalems. Die 390 Jahre, die sich auf Israel bezogen, endeten nicht mit der Zerstörung Samarias, denn Samaria war schon längst zerstört, als Hesekiel seine Prophezeiung äußerte, aus der deutlich hervorging, daß sie auf die Belagerung und die Zerstörung Jerusalems hinwies. Somit endete auch „die Vergehung des Hauses Israel“ im Jahre 607 v. u. Z. Wenn man von diesem Zeitpunkt an zurückrechnet, stellt man fest, daß die Periode der 390 Jahre im Jahr 997 v. u. Z. begann. In diesem Jahr brach Jerobeam nach dem Tod Salomos mit dem Haus Davids und „ging daran, Israel davon abzubringen, Jehova zu folgen, und er veranlaßte sie, mit einer großen Sünde zu sündigen“ (2. Kö. 17:21).

      8. (a) Wie wird die Zahl der Jahre bis zum Auszug zurück errechnet? (b) Welcher Wechsel, der damals vorgenommen wurde, beeinflußt die biblische Chronologie?

      8 Von 997 v. u. Z. bis 1513 v. u. Z. Da das letzte der 40 vollen Regierungsjahre Salomos im Frühjahr 997 v. u. Z. endete, muß sein erstes Regierungsjahr im Frühling 1037 v. u. Z. begonnen haben (1. Kö. 11:42). Wie die Bibel gemäß 1. Könige 6:1 berichtet, fing Salomo im zweiten Monat des vierten Jahres seiner Regierung mit dem Bau des Hauses Jehovas in Jerusalem an. Das bedeutet, daß drei volle Jahre und ein ganzer Monat seiner Regierung vergangen waren und mit dem Bau des Tempels somit im April/Mai des Jahres 1034 v. u. Z. begonnen wurde. Im gleichen Bibeltext wird jedoch auch gesagt, daß dies im „vierhundertachtzigsten Jahr nach dem Auszug der Söhne Israels aus dem Land Ägypten“ war. In diesem Fall ist „vierhundertachtzigstes“ wiederum eine Ordnungszahl und steht für 479 volle Jahre. Zählt man 479 Jahre zu 1 034 Jahren hinzu, kommt man zu dem Jahr 1513 v. u. Z. als dem Jahr, in dem Israel aus Ägypten auszog. In Absatz 19 der Studie 2 wird dargelegt, daß vom Jahr 1513 v. u. Z. an der Monat Abib (Nisan) für Israel als „der erste der Monate des Jahres“ gelten sollte (2. Mo. 12:2), während vorher das Jahr im Herbstmonat Tischri begann. In dem Werk The New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge (1957, Band 12, Seite 474) wird hierzu gesagt: „Die Berechnung der Regierungsjahre der Könige beruht auf dem Jahr, das im Frühling begann, und entspricht der babylonischen Methode, nach der dies üblich war.“ Wann immer damit begonnen wurde, den Jahresanfang vom Herbst auf das Frühjahr zu verlegen und auf die in der Bibel erwähnten Zeitabschnitte anzuwenden, so bedeutete dies, daß irgendwo in der Zeitrechnung ein Verlust oder ein Gewinn von sechs Monaten entstand.

      9. (a) Wie wird die Zahl der Jahre bis zurück zum Inkrafttreten des abrahamischen Bundes errechnet? (b) Wo vergingen die ersten 215 Jahre dieses Zeitabschnitts? (c) Wie alt war Abraham, als er auf dem Weg nach Kanaan den Euphrat überquerte?

      9 Von 1513 v. u. Z. bis 1943 v. u. Z. Nach 2. Mose 12:40, 41 berichtet Moses, daß „die Wohnzeit der Söhne Israels, die in Ägypten gewohnt hatten, ... vierhundertdreißig Jahre“ betrug. Dieser Wortlaut läßt erkennen, daß sich die erwähnte „Wohnzeit“ nicht auf Ägypten beschränkte. Es handelt sich dabei um den Zeitabschnitt, der begann, als Abraham auf seinem Weg nach Kanaan den Euphrat überquerte und der Bund, den Jehova mit ihm geschlossen hatte, in Kraft trat. Die ersten 215 Jahre dieser „Wohnzeit“ vergingen in Kanaan, und eine gleich lange Zeit verging dann in Ägypten, bis Israel im Jahr 1513 v. u. Z. von der ägyptischen Herrschaft vollständig frei und unabhängig wurde.c Die Fußnote der Neuen-Welt-Übersetzung zu 2. Mose 12:40 zeigt, daß die Septuaginta, der ein älterer hebräischer Text zugrunde liegt als der massoretische Text, nach dem Wort „Ägypten“ die Worte „und im Land Kanaan“ hinzufügt. Ähnlich lautet die Wiedergabe im samaritanischen Pentateuch. Galater 3:17, wo die 430 Jahre ebenfalls erwähnt werden, bestätigt, daß dieser Zeitabschnitt mit dem Inkrafttreten des abrahamischen Bundes begann, nämlich, als Abraham auf dem Weg nach Kanaan den Euphrat überquerte. Das war im Jahr 1943 v. u. Z., als Abraham 75 Jahre alt war (1. Mo. 12:4).

      10. Durch welche weitere Kette von Beweisen werden die chronologischen Angaben über die Zeit Abrahams gestützt?

      10 Die obenerwähnte Berechnung wird noch durch eine weitere Kette von Beweisen gestützt: In Apostelgeschichte 7:6 wird erwähnt, daß der Same Abrahams 400 Jahre niedergedrückt wurde. Da Jehova der Niederdrückung durch Ägypten im Jahr 1513 v. u. Z. ein Ende machte, muß sie 1913 v. u. Z. begonnen haben. Das war fünf Jahre nach der Geburt Isaaks und zu der Zeit, als Ismael anläßlich der Entwöhnung Isaaks über diesen „spottlachte“ (1. Mo. 15:13; 21:8, 9).

      11. Wie kann man aufgrund der biblischen Zeitangaben bis zur Sintflut zurückrechnen?

      11 Von 1943 v. u. Z. bis 2370 v. u. Z. Wie wir gesehen haben, war Abraham 75 Jahre alt, als er 1943 v. u. Z. nach Kanaan kam. Nun ist es möglich, den Strom der Zeit weiter zurückzuverfolgen bis zu den Tagen Noahs, und zwar aufgrund der Zeitabschnitte, die in 1. Mose 11:10 bis 12:4 angegeben sind. Diese Berechnung, die insgesamt 427 Jahre ergibt, wird wie folgt vorgenommen:

      Vom Beginn der Sintflut

      bis zu Arpachschads Geburt 2 Jahre

      Dann bis zur Geburt Schelachs 35 “

      Bis zur Geburt Ebers 30 “

      Bis zur Geburt Pelegs 34 “

      Bis zur Geburt Reus 30 “

      Bis zur Geburt Serugs 32 “

      Bis zur Geburt Nahors 30 “

      Bis zur Geburt Terachs 29 “

      Bis zum Tod Terachs, als

      Abraham 75 Jahre alt war 205 “

      Insgesamt 427 Jahre

      Wenn wir zum Jahr 1943 v. u. Z. 427 Jahre hinzurechnen, kommen wir zum Jahr 2370 v. u. Z. Nach den Zeitangaben der Bibel begann die Flut der Tage Noahs also im Jahr 2370 v. u. Z.

      12. Welche Zeitangaben werden bis zurück zur Erschaffung Adams gemacht?

      12 Von 2370 v. u. Z. bis 4026 v. u. Z. Wenn wir im Strom der Zeit noch weiter zurückgehen, stellen wir fest, daß die Bibel über den ganzen Zeitabschnitt von der Sintflut bis zur Erschaffung Adams Angaben enthält. Sie lassen sich anhand von 1. Mose 5:3-29 und 7:6, 11 ermitteln. Diese Zeitangaben werden im nachstehenden zusammengefaßt:

      Von Adams Erschaffung

      bis zur Geburt Seths 130 Jahre

      Dann bis zur Geburt Enoschs 105 “

      Bis zur Geburt Kenans 90 “

      Bis zur Geburt Mahalalels 70 “

      Bis zur Geburt Jareds 65 “

      Bis zur Geburt Henochs 162 “

      Bis zur Geburt Methusalahs 65 “

      Bis zur Geburt Lamechs 187 “

      Bis zur Geburt Noahs 182 “

      Bis zur Sintflut 600 “

      Insgesamt 1 656 Jahre

      Rechnen wir die 1 656 Jahre zu dem obenerwähnten Datum — 2370 v. u. Z. — hinzu, so kommen wir zum Jahr 4026 v. u. Z., dem Jahr, in dem Adam erschaffen wurde, und zwar wahrscheinlich im Herbst, da in den meisten alten Kalendern das Jahr im Herbst begann.

      13. (a) Wie lange existiert der Mensch also auf der Erde? (b) Weshalb entspricht dies nicht der Länge des Ruhetages Jehovas?

      13 Von welcher Bedeutung ist das alles heute? In der ersten Auflage des vorliegenden Buches, die im Jahre 1963 (deutsch 1967) erschien, wurde gesagt: „Heißt das nun, daß wir im Jahre 1963 [1967] bereits 5 988 [5 992] Jahre in den ‚Tag‘ hineingekommen wären, an dem Jehova ‚von all seinem Werk‘ geruht hat? (1. Mose 2:3). Nicht unbedingt, denn die Erschaffung Adams entspricht nicht dem Beginn des Ruhetages Jehovas. Nach der Erschaffung Adams, aber noch innerhalb des sechsten Schöpfungstages, schuf Jehova anscheinend weitere Tiere. Jehova ließ Adam auch die Tiere benennen, was Zeit erforderte, und er ging daran, Eva zu erschaffen (1. Mose 2:18-22 [siehe ferner Neue-Welt-Übersetzung — mit Studienverweisen, Fußnote zu Vers 19]). Wieviel Zeit auch zwischen Adams Erschaffung und dem Ende des ‚sechsten Tages‘ verstrichen sein mag, so muß man sie von den 5 988 [5 992] Jahren abziehen, um die tatsächliche Länge der Zeit vom Beginn des ‚siebenten Tages‘ bis jetzt [1963 (1967)] zu ermitteln. Es ist nicht gut, die biblische Chronologie zu benutzen, um Mutmaßungen über Daten anzustellen, die im Strom der Zeit noch in der Zukunft liegen (Matth. 24:36).“d

      14. Warum ist der Bibelbericht über den Ursprung der Menschheit den Hypothesen und Theorien von Menschen vorzuziehen?

      14 Wie steht es aber mit den Behauptungen von Wissenschaftlern, daß der Mensch schon Hunderttausende oder gar Millionen von Jahren auf der Erde sei? Keine dieser Behauptungen läßt sich anhand schriftlicher Urkunden aus jener frühen Zeit beweisen, wie dies bei biblischen Ereignissen der Fall ist. Die übertriebenen Altersangaben, die für den „vorgeschichtlichen Menschen“ gemacht worden sind, beruhen auf Annahmen und können nicht nachgewiesen werden. In Wirklichkeit geht die zuverlässige weltliche Geschichtsschreibung und ihre Zeitrechnung nur ein paar Jahrtausende zurück. Die Erde hat viele Veränderungen und Katastrophen durchgemacht — beispielsweise die weltweite Flut der Tage Noahs —, die große Veränderungen der Gesteinsschichten und Fossilablagerungen zur Folge hatten, so daß irgendwelche wissenschaftlichen Angaben über die Zeit vor der Sintflut reine Vermutungen sind.e Im Gegensatz zu den vielen widersprüchlichen Hypothesen und Theorien von Menschen appelliert die Bibel an den Verstand durch ihren klaren, harmonischen Bericht über den Ursprung der Menschheit und ihren sorgfältig dokumentierten Bericht über die Geschichte des auserwählten Volkes Jehovas.

      15. Was sollte das Studium der Bibel bei uns bewirken?

      15 Das Studium der Bibel und das Nachsinnen über die Werke Jehovas, des großen Gottes, der die Zeit genau einhält, sollte uns sehr demütig machen. Der sterbliche Mensch ist wahrhaftig klein im Vergleich zu dem allmächtigen Gott, der vor unzähligen Jahrtausenden das erstaunliche Schöpfungswerk vollbracht hat, über das in der Heiligen Schrift ganz einfach gesagt wird: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mo. 1:1).

      JESU IRDISCHER AUFENTHALT

      16. (a) In welcher Reihenfolge wurden die vier Evangelien geschrieben? (b) Wie kann man den Zeitpunkt für den Beginn des Dienstes Jesu errechnen? (c) In welcher Reihenfolge werden die Ereignisse in den verschiedenen Evangelien wiedergegeben, und was ist an dem Bericht des Johannes besonders beachtenswert?

      16 Die vier inspirierten Berichte über das irdische Leben Jesu scheinen in folgender Reihenfolge geschrieben worden zu sein: Matthäus (um 41 u. Z.), Lukas (um 56—58 u. Z.), Markus (um 60—65 u. Z.) und Johannes (um 98 u. Z.). Wie in der vorherigen Studie gezeigt wird, kommen wir aufgrund der Angaben in Lukas 3:1-3 (ausgehend vom Jahr 14 u. Z. als Beginn der Herrschaft des Tiberius Cäsar) zum Jahr 29 u. Z. als Zeitpunkt für den Beginn des einzigartigen Dienstes Jesu auf der Erde. Im Matthäusevangelium sind die Ereignisse nicht immer in chronologischer Reihenfolge wiedergegeben, aber in den anderen drei Evangelien scheinen die Hauptereignisse im großen ganzen in der richtigen Reihenfolge geschildert zu werden. In der vorausgehenden Tabelle werden sie kurz aufgeführt. Man wird feststellen, daß der Bericht des Johannes, der mehr als 30 Jahre nach dem letzten der drei anderen Berichte geschrieben wurde, wesentliche Lücken in der Geschichte füllt, die die anderen Berichte aufweisen. Besonders beachtenswert ist, daß Johannes offensichtlich die vier Passahfeste erwähnt, denen Jesus während seines irdischen Dienstes beiwohnte, was bestätigt, daß sich sein Dienst auf dreieinhalb Jahre erstreckte und im Jahr 33 u. Z. endetef (Joh. 2:13; 5:1; 6:4; 12:1 und 13:1).

      17. Welcher weitere Beweis bestätigt den Zeitpunkt des Todes Jesu?

      17 Für das Jahr 33 u. Z. als Todesjahr Jesu gibt es noch weitere Beweise. Nach dem mosaischen Gesetz war der 15. Nisan immer ein besonderer Sabbat, ganz gleich, auf welchen Tag er fiel. Traf er jedoch mit einem gewöhnlichen Sabbat zusammen, so galt dieser Tag als ein „großer“ Sabbat. Aus Johannes 19:31 geht hervor, daß der Tag nach dem Todestag Jesu ein solcher Sabbat war; demnach starb Jesus an einem Freitag. Weder im Jahr 31 noch im Jahr 32, sondern nur im Jahr 33 u. Z. fiel der 14. Nisan auf einen Freitag. Somit muß Jesus am 14. Nisan 33 u. Z. gestorben sein.g

      18. (a) Was prophezeite Daniel über 69 „Wochen“? (b) Wann begann gemäß Nehemia dieser Zeitabschnitt? (c) Wie kommt man auf das Datum für den Beginn der Regierung des Artaxerxes?

      18 Die 70. „Woche“, 29—36 u. Z. Zeitmerkmale des Dienstes Jesu sind auch aus Daniel 9:24-27 ersichtlich, wo vorhergesagt wird, daß „vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und wieder zu bauen, bis zu dem Messias, dem Führer“, 69 Wochen von Jahren (483 Jahre) vergehen würden. Gemäß Nehemia 2:1-8 erging dieses Wort „im zwanzigsten Jahr des Königs Artaxerxes“, des Königs von Persien. Wann begann Artaxerxes zu regieren? Xerxes, sein Vater und Vorgänger, starb in der zweiten Hälfte des Jahres 475 v. u. Z. Folglich begann Artaxerxes’ Thronbesteigungsjahr 475 v. u. Z., und das wird durch griechische, persische und babylonische Quellen eindeutig bestätigt. Zum Beispiel erwähnt der griechische Geschichtsschreiber Thukydides (bekannt für seine Genauigkeit), daß die Flucht des griechischen Staatsmannes Themistokles nach Persien in die Zeit fiel, als „Artaxerxes erst kürzlich König geworden war“. Diodorus Siculus, ein anderer griechischer Geschichtsschreiber aus dem ersten Jahrhundert v. u. Z., hilft uns, das Todesjahr des Themistokles festzustellen: 471/470 v. u. Z. Nachdem Themistokles aus seiner Heimat geflohen war, bat er Artaxerxes um die Erlaubnis, ein Jahr lang Persisch zu lernen, bevor er von ihm, Artaxerxes, empfangen werde, und das wurde ihm gestattet. Demnach ließ sich Themistokles spätestens im Jahr 472 v. u. Z. in Persien nieder, und seine Ankunft müßte logischerweise in das Jahr 473 v. u. Z. datiert werden. Damals war Artaxerxes „erst kürzlich König geworden“.h

      19. (a) Wie kann man, vom „zwanzigsten Jahr des Artaxerxes“ ausgehend, feststellen, wann der Messias erschien? (b) Wie erfüllte sich die Prophezeiung über die 70 „Wochen“ von diesem Zeitpunkt an?

      19 Somit war das Jahr 455 v. u. Z. das ‘zwanzigste Jahr des Artaxerxes’. Rechnet man von diesem Zeitpunkt an 483 Jahre (die 69 „Wochen“) weiter und berücksichtigt dabei, daß es beim Übergang zu unserer Zeitrechnung kein Jahr null gab, kommt man zum Jahr 29 u. Z. als zu dem Jahr, in dem der ‘Messias, der Führer’, erschien. Jesus wurde der Messias, als er im Herbst jenes Jahres getauft und mit heiligem Geist gesalbt wurde. Die Prophezeiung weist ferner darauf hin, daß er „zur Hälfte der [siebzigsten] Woche ... Schlachtopfer und Opfergabe aufhören lassen“ würde. Das geschah, als die jüdischen Vorbild-Opfer durch das Opfer Jesu ihre Rechtskraft verloren. Die „Hälfte“ dieser Jahr„woche“ umfaßte dreieinhalb Jahre und dauerte bis zum Frühjahr 33 u. Z., als Jesus zu Tode gebracht wurde. Aber „er ... [sollte] den Bund für die vielen“ die ganze 70. Woche „in Kraft halten“. Das zeigt, daß Jehova den Juden noch sieben Jahre (von 29 u. Z. bis 36 u. Z.) seine besondere Gunst gewährte. Erst dann wurde unbeschnittenen Heiden die Möglichkeit geboten, geistige Israeliten zu werden, und die Bekehrung des Kornelius im Jahr 36 u. Z. war dafür ein Beweisi (Apg. 10:30-33, 44-48; 11:1).

      BERECHNUNG DER JAHRE IN APOSTOLISCHER ZEIT

      20. Wie kann aufgrund geschichtlicher Angaben und anhand des Bibelberichts die Zeit für den Tod des Herodes und für vorhergehende Ereignisse ermittelt werden?

      20 Zwischen den Jahren 33 u. Z. und 49 u. Z. Das Jahr 44 u. Z. kann als nützliches Datum für diese Zeitspanne betrachtet werden. Wie Josephus berichtet (Jüdischer Krieg, 19. Buch, Kap. 8, Abs. 2), regierte Herodes Agrippa I. nach der Thronbesteigung des römischen Kaisers Claudius (41 u. Z.) drei Jahre lang. Die Geschichte zeigt, daß dieser Herodes im Jahre 44 u. Z. starb.j Wenn wir nun den Bibelbericht betrachten, stellen wir fest, daß Agabus kurz vor dem Tod des Herodes „durch den Geist“ eine große Hungersnot vorhersagte, daß der Apostel Jakobus mit dem Schwert umgebracht wurde und daß Petrus (zur Passahzeit) ins Gefängnis geworfen und auf wunderbare Weise befreit wurde. Alle diese Geschehnisse können in das Jahr 44 u. Z. datiert werden (Apg. 11:27, 28; 12:1-11, 20-23).

      21. Gestützt worauf, läßt sich die Zeit für die erste Missionsreise des Paulus annähernd datieren?

      21 Die vorhergesagte Hungersnot trat um das Jahr 46 u. Z. ein. Um diese Zeit müssen Paulus und Barnabas „den Dienst der Unterstützung in Jerusalem“ ausgeführt haben (Apg. 12:25). Nach dem syrischen Antiochia zurückgekehrt, wurden sie durch den heiligen Geist für die erste Missionsreise ausgesondert, die sie nach Zypern und in viele Städte und Bezirke Kleinasiens führte.k Sie dauerte wahrscheinlich vom Frühjahr 47 u. Z. bis zum Herbst 48 u. Z., wobei sie den Winter in Kleinasien verbrachten. Allem Anschein nach hielt sich Paulus im darauffolgenden Winter wieder im syrischen Antiochia auf, und damit kommen wir zum Frühjahr 49 u. Z. (Apg. 13:1 bis 14:28).

      22. Wie können die beiden in Galater, Kapitel 1 und 2 erwähnten Besuche des Paulus in Jerusalem datiert werden?

      22 Der Bericht in Galater, Kapitel 1 und 2 scheint mit dieser Zeitrechnung übereinzustimmen. Hier erwähnt Paulus, daß er Jerusalem nach seiner Bekehrung noch zwei besondere Besuche abstattete, den einen „nach drei Jahren“ und den anderen „nach vierzehn Jahren“ (Gal. 1:17, 18; 2:1). Wenn diese beiden Zeitabschnitte entsprechend der damals üblichen Ausdrucksweise als nicht vollständige Jahre gerechnet werden und wenn die Bekehrung des Paulus in der frühen apostolischen Zeit erfolgte — wie das aus dem Bericht hervorzugehen scheint —, dann können wir die 3 Jahre und die 14 Jahre als aufeinanderfolgend von 34 u. Z. bis 36 u. Z. und von 36 u. Z. bis 49 u. Z. rechnen.

      23. Woraus kann man schließen, daß sich sowohl Galater, Kapitel 2 als auch Apostelgeschichte, Kapitel 15 auf den Besuch des Paulus in Jerusalem im Jahr 49 u. Z. beziehen?

      23 Der im Galaterbrief erwähnte zweite Besuch des Paulus in Jerusalem hing offenbar mit der Streitfrage der Beschneidung zusammen, denn es wird gesagt, daß nicht einmal Titus, der Paulus begleitete, genötigt wurde, sich beschneiden zu lassen. Wenn dieser Besuch mit dem in Apostelgeschichte 15:1-35 beschriebenen Besuch in Verbindung mit der Entscheidung der Frage der Beschneidung zusammenfiel, dann paßt das Jahr 49 u. Z. gut zwischen die erste und die zweite Missionsreise des Paulus. Außerdem benutzte Paulus gemäß Galater 2:1-10 diese Gelegenheit, um den „hervorragenden Männern“ der Versammlung in Jerusalem die gute Botschaft, die er predigte, vorzulegen, damit er „nicht etwa vergeblich laufe“. Das tat er, wie anzunehmen ist, als er ihnen nach seiner ersten Missionsreise Bericht erstattete. Paulus machte diesen Besuch in Jerusalem „zufolge einer Offenbarung“.

      24. In welchen Jahren machte Paulus seine zweite Missionsreise, und warum kam er wahrscheinlich erst im Herbst des Jahres 50 u. Z. nach Korinth?

      24 Die zweite Missionsreise des Paulus, um 49—52 u. Z. Nach seiner Rückkehr von Jerusalem blieb Paulus eine Zeitlang in Antiochia (Syrien). Folglich muß es schon ziemlich spät im Sommer des Jahres 49 u. Z. gewesen sein, als er von dort zu seiner zweiten Reise aufbrach (Apg. 15:35, 36). Diese Reise dauerte wesentlich länger als die erste und zwang ihn, in Kleinasien zu überwintern. Wahrscheinlich im Frühjahr 50 u. Z. folgte er dem Ruf des Mazedoniers und setzte nach Europa über. Er predigte dort und gründete neue Versammlungen in Philippi, Thessalonich, Beröa und Athen. Im Herbst des Jahres 50 u. Z. traf er dann — nach einer Reise von etwa 2 100 km, die er größtenteils zu Fuß zurückgelegt hatte — in Korinth (in der Provinz Achaia) ein (Apg. 16:9, 11, 12; 17:1, 2, 10, 11, 15, 16; 18:1). Gemäß Apostelgeschichte 18:11 blieb Paulus 18 Monate in Korinth, das heißt bis zum Frühling des Jahres 52 u. Z. Als der Winter vorbei war, konnte er über Ephesus nach Cäsarea segeln. Nachdem er hinaufgegangen war, um die Versammlung (anscheinend in Jerusalem) zu begrüßen, kehrte er wahrscheinlich im Sommer des Jahres 52 u. Z. wieder nach Antiochia (Syrien), seinem Ausgangspunkt, zurückl (Apg. 18:12-22).

      25. (a) Welcher archäologische Fund beweist, daß der erste Aufenthalt des Paulus in Korinth in die Jahre 50 bis 52 u. Z. fiel? (b) Inwiefern wird dies dadurch bestätigt, daß Aquila und Priscilla „erst kurz zuvor aus Italien gekommen“ waren?

      25 Ein archäologischer Fund bestätigt, daß der erste Aufenthalt des Paulus in Korinth in die Jahre 50 bis 52 u. Z. fiel. Es handelt sich dabei um ein Bruchstück einer Inschrift — einer Verfügung des Kaisers Claudius an die Bewohner von Delphi (Griechenland) —, die die Worte enthält: „[Lucius Ju]nius Gallio, ... Prokonsul.“ Historiker stimmen allgemein darin überein, daß die Ziffer 26, die in diesem Text ebenfalls vorkommt, darauf hinweist, daß Claudius die 26. imperatorische Akklamation erhalten hatte. Andere Inschriften zeigen, daß die 27. imperatorische Akklamation des Claudius vor dem 1. August 52 u. Z. erfolgte. Die Amtszeit des Prokonsuls belief sich auf ein Jahr und begann mit dem Sommeranfang. Gallios Jahr als Prokonsul von Achaia dauerte demnach offenbar vom Sommer 51 u. Z. bis zum Sommer 52 u. Z. „Als nun Gallio Prokonsul von Achaia war, erhoben sich die Juden einmütig gegen Paulus und führten ihn vor den Richterstuhl.“ Nachdem Gallio den Apostel Paulus freigesprochen hatte, hielt sich dieser „noch ziemlich viele Tage“ dort auf und schiffte sich dann nach Syrien ein (Apg. 18:11, 12, 17, 18). All das scheint zu bestätigen, daß der 18monatige Aufenthalt des Paulus in Korinth im Frühling des Jahres 52 u. Z. endete. Als weitere Zeitmarkierung ist die Angabe zu betrachten, daß Paulus bei seiner Ankunft in Korinth „einen gewissen Juden namens Aquila [fand], gebürtig aus Pontus, der erst kurz zuvor aus Italien gekommen war, und dessen Frau Priscilla, weil Claudius befohlen hatte, daß alle Juden aus Rom wegziehen sollten“ (Apg. 18:2). Nach dem Geschichtsschreiber Paulus Orosius (Anfang des fünften Jahrhunderts) wurde diese Vertreibung im neunten Jahr des Claudius, das heißt 49 u. Z. oder Anfang 50 u. Z., angeordnet. Somit konnten Aquila und Priscilla einige Zeit vor dem Herbst jenes Jahres nach Korinth gekommen sein, was bedeutet, daß sich Paulus vom Herbst des Jahres 50 u. Z. bis zum Frühjahr 52 u. Z. dort aufgehalten haben könnte.a

      26. Welche Daten kennzeichnen den Verlauf der dritten Missionsreise des Paulus?

      26 Die dritte Missionsreise des Paulus, um 52—56 u. Z. Nachdem sich Paulus „einige Zeit“ im syrischen Antiochia aufgehalten hatte, war er wieder unterwegs nach Kleinasien, und wahrscheinlich erreichte er Ephesus im Winter 52/53 u. Z. (Apg. 18:23; 19:1). In Ephesus widmete er sich erst „drei Monate“ und dann „zwei Jahre“ dem Lehren, worauf er nach Mazedonien weiterzog (Apg. 19:8-10). Später erinnerte er die Aufseher von Ephesus daran, daß er „drei Jahre lang“ unter ihnen gedient hatte — dabei kann es sich aber durchaus um eine runde Zahl handeln (Apg. 20:31). Wahrscheinlich verließ Paulus Ephesus nach dem „Pfingstfest“ des Jahres 55 u. Z. und zog dann bis nach Korinth, wo er rechtzeitig eintraf, um dort drei Wintermonate zu verbringen. Danach wandte er sich wieder nordwärts und kam um die Passahzeit des Jahres 56 u. Z. nach Philippi. Von dort segelte er über Troas und Milet nach Cäsarea und zog dann nach Jerusalem hinauf, wo er um Pfingsten des Jahres 56 u. Z. ankamb (1. Kor. 16:5-8; Apg. 20:1-3, 6, 15, 16; 21:8, 15-17).

      27. Welche Angaben werden über die Zeit bis zum Ende der ersten Gefangenschaft des Paulus in Rom gemacht?

      27 Die abschließenden Jahre, 56—100 u. Z. Kurz nach seiner Ankunft in Jerusalem wurde Paulus festgenommen. Er wurde nach Cäsarea gebracht und dort zwei Jahre lang in Haft behalten, bis Felix als Statthalter von Festus abgelöst wurde (Apg. 21:33; 23:23-35; 24:27). Die Ankunft des Festus und die darauf folgende Abreise des Paulus nach Rom fielen vermutlich in das Jahr 58 u. Z.c Nach dem Schiffbruch und dem Winteraufenthalt des Paulus auf Malta war die Reise um das Jahr 59 u. Z. zu Ende, und wie der Bericht zeigt, blieb Paulus dann zwei Jahre (bis um 61 u. Z.) als Gefangener in Rom und predigte und lehrte (Apg. 27:1; 28:1, 11, 16, 30, 31).

      28. In welchen Zeitabschnitt können die letzten Ereignisse im Leben des Paulus folgerichtig datiert werden?

      28 Damit endet zwar der Bericht der Apostelgeschichte, aber gewisse Anzeichen sprechen dafür, daß Paulus auf freien Fuß gesetzt wurde und seine Missionstätigkeit fortsetzte, indem er nach Kreta, Griechenland und Mazedonien reiste. Ob er bis nach Spanien kam, ist ungewiß. Wahrscheinlich starb er als Märtyrer unter Nero kurz nach seiner letzten Verhaftung in Rom um das Jahr 65 u. Z. Nach der Weltgeschichte war der große Brand Roms im Juli 64 u. Z., und danach setzte Neros Verfolgung der Christen ein. Es kann daher folgerichtig angenommen werden, daß die Gefangenschaft des Paulus in „Ketten“ und seine Hinrichtung in diesen Zeitabschnitt fielen (2. Tim. 1:16; 4:6, 7).

      29. Wann endete das apostolische Zeitalter, und welche Bibelbücher wurden damals noch geschrieben?

      29 Der Apostel Johannes schrieb seine fünf Bücher am Ende der von Kaiser Domitian eingeleiteten Verfolgungszeit. Von Domitian heißt es, er habe während der letzten drei Jahre seiner Regierung, die von 81 bis 96 u. Z. dauerte, wie ein Wahnsinniger gehandelt. Um das Jahr 96 u. Z. schrieb Johannes während seiner Verbannung auf der Insel Patmos die Offenbarung nieder.d Das Evangelium und die drei Briefe schrieb Johannes nach seiner Freilassung von Ephesus (oder dessen Umgebung) aus, und um das Jahr 100 u. Z. starb er als letzter der Apostel.

      30. Von welchem Nutzen ist das Studium der biblischen Chronologie?

      30 Daraus ersieht man also, daß sich durch einen Vergleich von Ereignissen der Weltgeschichte mit chronologischen Angaben und Prophezeiungen der Bibel biblische Ereignisse in den Strom der Zeit einordnen lassen. Das Fehlen jeden Widerspruchs in der biblischen Chronologie stärkt unser Vertrauen zur Heiligen Schrift als dem Wort Gottes.

      [Fußnoten]

      a Beim Studium dieses Kapitels mag das Buch Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 489—499 eine Hilfe sein.

      b Studie 2, Absatz 28, 29.

      c Von Abrahams Überquerung des Euphrat bis zur Geburt Isaaks vergingen 25 Jahre, bis zur Geburt Jakobs 60 Jahre, und mit 130 Jahren zog Jakob dann nach Ägypten hinab (1. Mo. 12:4; 21:5; 25:26; 47:9).

      d Im Jahr 1990 müßte diese vergangene Zeit von den 6 015 Jahren abgezogen werden.

      e Erwachet!, 22. September 1986, Seite 17—27; 22. Juli 1972, Seite 5—20.

      f Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1342, 1343.

      g Der Wachtturm, 1976, Seite 511; 1959, Seite 676—679.

      h Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, PERSER, PERSIEN.

      i Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, SIEBZIG WOCHEN.

      j The New Encyclopædia Britannica, 1987, Band 5, Seite 880.

      k Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 747.

      l Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 747.

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 499, 500, 804.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 747.

      c Youngs Analytical Concordance to the Bible, Seite 342, unter „Festus“; siehe auch Einheitsübersetzung, Fußnote.

      d Albert Barnes, Notes on the Book of Revelation, 1852, Seite xxix, xxx.

      HAUPTEREIGNISSE IM IRDISCHEN LEBEN JESU — Die vier Evangelien in chronologischer Reihenfolge

      Abkürzungen: n. für „nach“; v. für „vor“.

      Zeit Ort Ereignis

      Bis zu Jesu Dienst

      3 v. u. Z. Jerusalem, Geburt Johannes’ des Täufers

      Tempel dem Sacharja vorhergesagt

      Luk 1:5-25

      um 2 v. u. Z. Nazareth; Geburt Jesu der Maria vorhergesagt;

      Judäa

      Maria besucht Elisabeth

      Luk 1:26-56

      2 v. u. Z. judäisches Geburt von Johannes dem Täufer;

      Hügelland später: sein Leben in der

      Wildnis

      Luk 1:57-80

      2 v. u. Z., Bethlehem Geburt Jesu (das Wort, durch das

      um 1. Okt. alle anderen Dinge ins Dasein

      gekommen waren) als Nachkomme

      Abrahams und Davids

      Mat 1:1-25 Luk 2:1-7

      Joh 1:1-5, 9-14

      bei Bethlehem Engel verkündet gute Botschaft;

      Hirten besuchen das Kindlein

      Luk 2:8-20

      Bethlehem; Jesus beschnitten (8. Tag),

      Jerusalem im Tempel dargestellt (nach dem 40. Tag)

      Luk 2:21-38

      1 v. u. Z. Jerusalem; Astrologen; Flucht nach Ägypten;

      oder Bethlehem; kleine Kinder getötet;

      1 u. Z. Nazareth Jesu Rückkehr

      Mat 2:1-23 Luk 2:39, 40

      12 u. Z. Jerusalem zwölfjähriger Jesus beim Passah;

      geht nach Hause

      Luk 2:41-52

      29, Frühjahr Wildnis, Dienst Johannes’ des Täufers

      Jordan Mat 3:1-12 Mar 1:1-8 Luk 3:1-18

      Joh 1:6-8, 15-28

      Beginn des Dienstes Jesu

      29, Herbst Jordan Taufe und Salbung Jesu; als Mensch

      geboren in der Linie Davids, jedoch

      zu Gottes Sohn erklärt

      Mat 3:13-17 Mar 1:9-11

      Luk 3:21-38 Joh 1:32-34

      Wildnis v. das Fasten Jesu und seine Versuchung

      Judäa Mat 4:1-11

      Mar 1:12, 13 Luk 4:1-13

      Bethanien Zeugnis Johannes’ des Täufers über Jesus

      jenseits des Joh 1:15, 29-34

      Jordan

      oberes erste Jünger Jesu

      Jordantal Joh 1:35-51

      Kana in Jesu erstes Wunder;

      Galiläa; er besucht Kapernaum

      Kapernaum Joh 2:1-12

      30, Passah Jerusalem Passahfeier; treibt Verkäufer

      aus dem Tempel Joh 2:13-25

      Jerusalem Jesu Gespräch mit Nikodemus

      Joh 3:1-21

      Judäa; Änon Jesu Jünger taufen; Johannes

      soll abnehmen Joh 3:22-36

      Tiberias Johannes eingesperrt; Jesus geht

      nach Galiläa Mat 4:12; Mat 14:3-5

      Mar 1:14; Mar 6:17-20

      Luk 3:19, 20; Luk 4:14

      Joh 4:1-3

      Sychar, in unterwegs nach Galiläa lehrt Jesus

      Samaria die Samariter Joh 4:4-43

      Jesu großer Dienst in Galiläa

      Galiläa erste Ankündigungen: „Das Königreich

      der Himmel hat sich genaht“

      Mat 4:17 Mar 1:14, 15

      Luk 4:14, 15 Joh 4:44, 45

      Nazareth; heilt einen Knaben; liest Auftrag vor;

      Kana; verworfen; geht nach

      Kapernaum Kapernaum Mat 4:13-16 Luk 4:16-31

      Joh 4:46-54

      Galiläisches Berufung von Simon und Andreas,

      Meer, bei Jakobus und Johannes Mat 4:18-22

      Kapernaum Mar 1:16-20 Luk 5:1-11

      Kapernaum heilt Besessene, ferner die Schwie-

      germutter des Petrus und viele

      weitere Mat 8:14-17 Mar 1:21-34

      Luk 4:31-41

      Galiläa erste Galiläareise mit den vier nun

      Berufenen Mat 4:23-25 Mar 1:35-39

      Luk 4:42, 43

      Galiläa Aussätziger geheilt; Mengen strömen

      Jesus zu Mat 8:1-4 Mar 1:40-45

      Luk 5:12-16

      Kapernaum heilt Gelähmten Mat 9:1-8

      Mar 2:1-12 Luk 5:17-26

      Kapernaum Berufung des Matthäus; Gastmahl mit

      Steuereinnehmern Mat 9:9-17

      Mar 2:13-22 Luk 5:27-39

      Judäa predigt in judäischen Synagogen

      Luk 4:44

      31, Passah Jerusalem besucht Fest; heilt einen Menschen;

      tadelt die Pharisäer Joh 5:1-47

      Rückkehr aus Jünger pflücken am Sabbat Ähren

      Jerusalem (?) Mat 12:1-8 Mar 2:23-28

      Luk 6:1-5

      Galiläa; Gali- heilt am Sabbat Hand; zieht sich

      läisches Meer an Meeresufer zurück; heilt

      Mat 12:9-21 Mar 3:1-12

      Luk 6:6-11

      Berg bei die Zwölf werden zu Aposteln erwählt

      Kapernaum Mar 3:13-19 Luk 6:12-16

      bei Kapernaum die Bergpredigt

      Mat 5:1⁠–⁠7:29 Luk 6:17-49

      Kapernaum heilt Diener eines Offiziers

      Mat 8:5-13 Luk 7:1-10

      Nain auferweckt Sohn der Witwe

      Luk 7:11-17

      Galiläa Johannes im Gefängnis, schickt

      Jünger zu Jesus Mat 11:2-19

      Luk 7:18-35

      Galiläa Städte getadelt; Unmündigen

      geoffenbart; Joch sanft

      Mat 11:20-30

      Galiläa sündige Frau salbt Füße;

      Gleichnis von Schuldnern

      Luk 7:36-50

      Galiläa zweite Predigtreise in Galiläa,

      mit den Zwölfen Luk 8:1-3

      Galiläa Besessener geheilt; Bund mit

      Beelzebub vorgeworfen

      Mat 12:22-37 Mar 3:19-30

      Galiläa Schriftgelehrte und Pharisäer suchen

      ein Zeichen Mat 12:38-45

      Galiläa Christus betrachtet seine Jünger als

      seine nahen Verwandten Mat 12:46-50

      Mar 3:31-35 Luk 8:19-21

      Galiläisches Gleichnisse: Sämann, Unkraut

      Meer und andere; Erklärungen Mat 13:1-53

      Mar 4:1-34 Luk 8:4-18

      Galiläisches Windsturm beim Überqueren des Sees

      Meer beruhigt Mat 8:18, 23-27

      Mar 4:35-41 Luk 8:22-25

      Gadara, zwei Besessene geheilt; von

      Dämonen besessene Schweine

      sö. des Galiläischen Mat 8:28-34 Mar 5:1-20

      Meeres Luk 8:26-39

      wahrscheinlich Jairus’ Tochter auferweckt;

      Kapernaum Frau geheilt Mat 9:18-26

      Mar 5:21-43 Luk 8:40-56

      Kapernaum (?) heilt zwei Blinde und einen stummen

      Besessenen Mat 9:27-34

      Nazareth besucht nochmals Stadt, in der er

      aufgewachsen war, und wird wieder

      verworfen Mat 13:54-58 Mar 6:1-6

      Galiläa dritte Galiläareise, die ausgedehnt

      wurde, als die Apostel ausgesandt

      wurden Mat 9:35⁠–⁠11:1 Mar 6:6-13

      Luk 9:1-6

      Tiberias Johannes der Täufer enthauptet;

      Herodes’ schuldbewußte Besorgnis

      Mat 14:1-12 Mar 6:14-29

      Luk 9:7-9

      32, vor Kapernaum (?); Apostel kehren von Predigtreise

      dem NO-Seite des zurück; 5 000 gespeist

      Passah Galiläischen Mat 14:13-21 Mar 6:30-44

      (Joh 6:4) Meeres Luk 9:10-17 Joh 6:1-13

      NO-Seite des Versuch, Jesus zu krönen;

      Galiläischen er schreitet auf dem Meer; heilt

      Meeres; Mat 14:22-36 Mar 6:45-56

      Genezareth Joh 6:14-21

      Kapernaum identifiziert „Brot des Lebens“;

      viele Jünger fallen ab Joh 6:22-71

      32, nach wahrscheinlich Überlieferungen, die Gottes Wort ungültig machen

      dem Kapernaum Mat 15:1-20

      Passah Mar 7:1-23 Joh 7:1

      Phönizien; bei Tyrus, Sidon; dann in die

      Dekapolis Dekapolis; 4 000 gespeist

      Mat 15:21-38 Mar 7:24⁠–⁠8:9

      Magadan Sadduzäer und Pharisäer suchen wieder

      ein Zeichen Mat 15:39⁠–⁠16:4

      Mar 8:10-12

      NO-Seite des warnt vor Sauerteig der Pharisäer;

      Galiläischen heilt Blinden Mat 16:5-12

      Meeres; Mar 8:13-26

      Bethsaida

      Cäsarea Jesus der Messias; sagt Tod, Auferstehung vorher

      Philippi Mat 16:13-28

      Mar 8:27⁠–⁠9:1 Luk 9:18-27

      wahrscheinlich Umgestaltung vor Petrus, Jakobus und Johannes

      Hermon Mat 17:1-13

      Mar 9:2-13 Luk 9:28-36

      Cäsarea heilt Besessenen, den Jünger nicht heilen konnten

      Philippi Mat 17:14-20

      Mar 9:14-29 Luk 9:37-43

      Galiläa sagt wieder seinen Tod und seine

      Auferstehung vorher Mat 17:22, 23

      Mar 9:30-32 Luk 9:43-45

      Kapernaum Steuergeld durch Wunder beschafft

      Mat 17:24-27

      Kapernaum Größter im Königreich; Fehler klären;

      Barmherzigkeit Mat 18:1-35

      Mar 9:33-50 Luk 9:46-50

      Galiläa; verläßt Galiläa, um zum Laubhüttenfest zu gehen;

      Samaria für den Dienst für

      Gott alles beiseite gesetzt

      Mat 8:19-22 Luk 9:51-62

      Joh 7:2-10

      Jesu späterer Dienst in Judäa

      32, Laubhüttenfest Jerusalem Jesu öffentliches Lehren beim

      Laubhüttenfest Joh 7:11-52

      Jerusalem Lehren nach Fest; heilt Blinden

      Joh 8:12–9:41

      wahrscheinlich die Siebzig zum Predigen ausgesandt;

      Judäa ihre Rückkehr, ihr Bericht

      Luk 10:1-24

      Judäa; erzählt vom barmherzigen Samariter;

      Bethanien im Heim von Martha und Maria

      Luk 10:25-42

      wahrscheinlich lehrt wieder Mustergebet;

      Judäa Beharrlichkeit beim Bitten

      Luk 11:1-13

      wahrscheinlich widerlegt falsche Anklage; zeigt, daß Generation verurteilenswert

      Judäa

      Luk 11:14-36

      wahrscheinlich am Tisch eines Pharisäers brandmarkt Jesus die Heuchler

      Judäa

      Luk 11:37-54

      wahrscheinlich Vortrag über Gottes Fürsorge;

      Judäa treuer Verwalter Luk 12:1-59

      wahrscheinlich heilt verkrüppelte Frau am Sabbat;

      Judäa drei Gleichnisse Luk 13:1-21

      32, Fest Jerusalem Jesus beim Fest der Einweihung;

      der vortrefflicher Hirte

      Einweihung Joh 10:1-39

      Jesu späterer Dienst östlich des Jordan

      jenseits viele glauben an Jesus

      des Jordan Joh 10:40-42

      Peräa lehrt in Städten, Dörfern, zieht in Richtung Jerusalem

      (jenseits

      des Jordan) Luk 13:22

      Peräa Eingang ins Königreich;

      Herodes’ Drohung; Haus verödet

      Luk 13:23-35

      wahrscheinlich Demut; Gleichnis vom großen Abendessen

      Peräa Luk 14:1-24

      wahrscheinlich Kosten der Jüngerschaft berechnen

      Peräa Luk 14:25-35

      wahrscheinlich Gleichnisse: verlorenes Schaf,

      Peräa verlorene Münze, verlorener Sohn

      Luk 15:1-32

      wahrscheinlich Gleichnisse: ungerechter Verwalter,

      Peräa reicher Mann und Lazarus

      Luk 16:1-31

      wahrscheinlich Vergebung und Glaube; unnütze Sklaven

      Peräa Luk 17:1-10

      Bethanien Lazarus durch Jesus von den

      Toten auferweckt Joh 11:1-46

      Jerusalem; Kaiphas’ Rat gegen Jesus;

      Ephraim Jesus zieht sich zurück

      Joh 11:47-54

      Samaria; heilt und lehrt, als er durch Samaria

      Galiläa und Galiläa reist Luk 17:11-37

      Samaria oder Gleichnisse: hartnäckige Witwe,

      Galiläa Pharisäer und Steuereinnehmer

      Luk 18:1-14

      Peräa zieht durch Peräa; lehrt über

      Scheidung Mat 19:1-12 Mar 10:1-12

      Peräa nimmt Kinder auf und segnet sie

      Mat 19:13-15 Mar 10:13-16

      Luk 18:15-17

      Peräa reicher junger Mann; Gleichnis von

      Arbeitern im Weingarten

      Mat 19:16⁠–⁠20:16 Mar 10:17-31

      Luk 18:18-30

      wahrscheinlich zum dritten Mal sagt Jesus seinen Tod

      Peräa und seine Auferstehung vorher

      Mat 20:17-19 Mar 10:32-34

      Luk 18:31-34

      wahrscheinlich Bitte, Jakobus und Johannes Plätze

      Peräa im Königreich anzuweisen

      Mat 20:20-28 Mar 10:35-45

      Jericho durch Jericho ziehend, heilt er zwei

      Blinde; besucht Zachäus; Gleichnis

      von den zehn Minen Mat 20:29-34

      Mar 10:46-52 18:35–19:28

      Jesu abschließender Dienst in und um Jerusalem

      8. Nisan 33 Bethanien kommt sechs Tage vor Passah in

      Bethanien an Joh 11:55⁠–⁠12:1

      9. Nisan Bethanien Festmahl im Haus Simons, des Aus-

      sätzigen; Maria salbt Jesus; Juden

      kommen, um Jesus und Lazarus zu sehen

      Mat 26:6-13 Mar 14:3-9

      Joh 12:2-11

      Bethanien, Christi triumphaler Einzug in

      Jerusalem Jerusalem Mat 21:1-11, 14-17

      Mar 11:1-11 Luk 19:29-44

      Joh 12:12-19

      10. Nisan Bethanien, unfruchtbarer Feigenbaum verflucht;

      Jerusalem zweite Tempelreinigung

      Mat 21:18, 19, 12, 13

      Mar 11:12-17 Luk 19:45, 46

      Jerusalem Oberpriester und Schriftgelehrte

      planen, Jesus zu vernichten

      Mar 11:18, 19 Luk 19:47, 48

      Jerusalem Gespräch mit Griechen; Unglaube der

      Juden Joh 12:20-50

      11. Nisan Bethanien, unfruchtbarer Feigenbaum verdorrt vorgefunden

      Jerusalem Mat 21:19-22

      Mar 11:20-25

      Jerusalem, Christi Befugnis bezweifelt;

      Tempel Gleichnis von zwei Söhnen

      Mat 21:23-32 Mar 11:27-33

      Luk 20:1-8

      Jerusalem, Gleichnisse von bösen Weingärtnern,

      Tempel Hochzeitsfest 21:33–22:14

      Mar 12:1-12 Luk 20:9-19

      Jerusalem, Fangfragen über Steuer, Auferstehung, Gebot

      Tempel Mat 22:15-40

      Mar 12:13-34 Luk 20:20-40

      Jerusalem, Jesu zum Schweigen bringende Frage über die Herkunft des Messias

      Tempel

      Mat 22:41-46 Mar 12:35-37

      Luk 20:41-44

      Jerusalem, scharfe Brandmarkung der Schriftgelehrten und Pharisäer

      Tempel

      Mat 23:1-39 Mar 12:38-40

      Luk 20:45-47

      Jerusalem, Scherflein der Witwe

      Tempel Mar 12:41-44 Luk 21:1-4

      Ölberg Vorhersage von Jerusalems Fall; Jesu

      Gegenwart; Ende des Systems

      Mat 24:1-51 Mar 13:1-37

      Luk 21:5-38

      Ölberg Gleichnisse: zehn Jungfrauen,

      Talente, Schafe und Ziegenböcke

      Mat 25:1-46

      12. Nisan Jerusalem religiöse Führer sinnen auf Jesu Tod

      Mat 26:1-5 Mar 14:1, 2

      Luk 22:1, 2

      Jerusalem Judas kommt mit Priestern über Verrat

      an Jesus überein Mat 26:14-16

      Mar 14:10, 11 Luk 22:3-6

      13. Nisan bei und in Vorkehrungen für das Passah

      (Donnerstag Jerusalem Mat 26:17-19 Mar 14:12-16

      nachmittag) Luk 22:7-13

      14. Nisan Jerusalem Passahmahl mit den Zwölfen gegessen

      Mat 26:20, 21 Mar 14:17, 18

      Luk 22:14-18

      Jerusalem Jesus wäscht die Füße seiner Apostel

      Joh 13:1-20

      Jerusalem Judas als Verräter ausgewiesen, wird

      fortgeschickt Mat 26:21-25

      Mar 14:18-21 Luk 22:21-23

      Joh 13:21-30

      Jerusalem Gedächtnismahl mit den Elf eingesetzt

      Mat 26:26-29 Mar 14:22-25

      Luk 22:19, 20, 24-30 [1Ko 11:23-25]

      Jerusalem Verleugnung durch Petrus und

      Zerstreuung der Apostel vorhergesagt

      Mat 26:31-35 Mar 14:27-31

      Luk 22:31-38 Joh 13:31-38

      Jerusalem Helfer; gegenseitige Liebe; Drangsal;

      Jesu Gebet 14:1⁠–⁠17:26

      Gethsemane Todesringen im Garten; Verrat an

      Jesus und seine Festnahme

      Mat 26:30, 36-56 Mar 14:26, 32-52

      Luk 22:39-53 Joh 18:1-12

      Jerusalem Befragung durch Annas, Verhör vor

      Kaiphas, Sanhedrin, Petrus leugnet

      Mat 26:57⁠–⁠27:1 Mar 14:53⁠–⁠15:1

      Luk 22:54-71 Joh 18:13-27

      Jerusalem Judas, der Verräter, erhängt sich

      Mat 27:3-10 [Apg 1:18,19]

      Jerusalem vor Pilatus, dann vor Herodes, und

      dann zurück zu Pilatus

      Mat 27:2, 11-14 Mar 15:1-5

      Luk 23:1-12 Joh 18:28-38

      Jerusalem dem Tod überliefert, nachdem Pilatus

      seine Freilassung erstrebt hat

      Mat 27:15-30 Mar 15:6-19

      Luk 23:13-25 Joh 18:39⁠–⁠19:16

      (gegen Golgotha, Jesu Tod am Marterpfahl und Begleitereignisse

      15 Uhr, Jerusalem Mat 27:31-56

      Freitag) Mar 15:20-41 Luk 23:26-49

      Joh 19:16-30

      Jerusalem Jesu Leichnam vom Marterpfahl

      entfernt und begraben Mat 27:57-61

      Mar 15:42-47 Luk 23:50-56

      Joh 19:31-42

      15. Nisan Jerusalem Priester und Pharisäer veranlassen,

      daß die Gruft bewacht wird

      Mat 27:62-66

      16. Nisan Jerusalem Jesu Auferstehung und Ereignisse jenes Tages

      und Umgebung Mat 28:1-15

      Mar 16:1-8 Luk 24:1-49

      Joh 20:1-25

      nach dem Jerusalem; späteres mehrmaliges Erscheinen Jesu Christi

      16. Nisan Galiläa Mat 28:16-20 [1Ko 15:5-7]

      [Apg 1:3-8] Joh 20:26 bis 21:25

      25. Ijjar Ölberg, Jesu Himmelfahrt, 40. Tag nach

      bei seiner Auferstehung [Apg 1:9-12]

      Bethanien Luk 24:50-53

      Fragen zur Tabelle „Hauptereignisse im irdischen Leben Jesu“:

      (a) Nenne einige hervorragende Ereignisse im Dienste Jesu bis zur Inhaftierung Johannes’ des Täufers.

      (b) Nenne Ort und Jahr für folgende Ereignisse: (1) die Berufung von Simon und Andreas, Jakobus und Johannes; (2) die Auswahl der 12 Apostel; (3) die Bergpredigt; (4) die Umgestaltung; (5) die Auferweckung des Lazarus; (6) Jesu Besuch im Haus des Zachäus.

      (c) Führe einige hervorragende Wunder Jesu an, und erwähne, wann und wo sie geschahen.

      (d) Welches sind einige der bedeutendsten Ereignisse, die sich in Verbindung mit Jesus zwischen dem 8. und dem 16. Nisan 33 u. Z. abspielten?

      (e) Welches sind einige der hervorragenden Gleichnisse, die Jesus während seines irdischen Dienstes erzählte?

      TABELLE HERVORRAGENDER GESCHICHTSDATEN

      Abkürzungen: n. für „nach“; v. für „vor“.

      Datum Ereignis Quelle

      4026 v. u. Z. Adams Erschaffung 1. Mo. 2:7

      n. 4026 v. u. Z. Edenbund geschlossen, erste 1. Mo. 3:15

      Prophezeiung

      v. 3896 v. u. Z. Kain erschlägt Abel 1. Mo. 4:8

      3896 v. u. Z. Geburt Seths 1. Mo. 5:3

      3404 v. u. Z. Geburt des gerechten Henoch 1. Mo. 5:18

      3339 v. u. Z. Geburt Methusalahs 1. Mo. 5:21

      3152 v. u. Z. Geburt Lamechs 1. Mo. 5:25

      3096 v. u. Z. Tod Adams 1. Mo. 5:5

      3039 v. u. Z. Entrückung Henochs; beendet 1. Mo. 5:23, 24;

      seine Zeit des Prophezeiens Jud. 14

      2970 v. u. Z. Geburt Noahs 1. Mo. 5:28, 29

      2490 v. u. Z. Gottes Ausspruch bezüglich 1. Mo. 6:3

      der Menschheit

      2470 v. u. Z. Geburt Japhets 1. Mo. 5:32;

      9:24;

      10:21

      2468 v. u. Z. Geburt Sems 1. Mo. 7:11; 11:10

      2370 v. u. Z. Tod Methusalahs 1. Mo. 5:27

      Sintflutwasser fallen 1. Mo. 7:6, 11

      (im Herbst)

      2369 v. u. Z. Schließen des Bundes nach 1. Mo. 8:13; 9:16

      der Sintflut

      2368 v. u. Z. Geburt Arpachschads 1. Mo. 11:10

      n. 2269 v. u. Z. Turmbau zu Babel 1. Mo. 11:4

      2020 v. u. Z. Tod Noahs 1. Mo. 9:28, 29

      2018 v. u. Z. Geburt Abrahams 1. Mo. 11:26,32; 12:4

      1943 v. u. Z. Abraham überquert den 1. Mo. 12:4, 7;

      Euphrat auf seinem Weg 2. Mo. 12:40;

      nach Kanaan; abrahamischer Gal. 3:17

      Bund geschlossen; Beginn

      der 430-Jahr-Periode bis

      zum Gesetzesbund

      v. 1933 v. u. Z. Lot befreit; Abraham 1. Mo. 14:16, 18; 16:3

      besucht Melchisedek

      1932 v. u. Z. Ismael geboren 1. Mo. 16:15, 16

      1919 v. u. Z. Bund der Beschneidung 1. Mo. 17:1, 10, 24

      geschlossen

      Gericht an Sodom und Gomorra 1. Mo. 19:24

      1918 v. u. Z. Geburt Isaaks, des wahren 1. Mo. 21:2, 5;

      Erben; Beginn der ‘ungefähr Apg. 13:17-20

      450 Jahre’

      1913 v. u. Z. Entwöhnung Isaaks; Ismael 1. Mo. 21:8; 15:13

      weggeschickt; Beginn der

      400jährigen Niederdrückung Apg. 7:6

      1881 v. u. Z. Tod Saras 1. Mo. 17:17; 23:1

      1878 v. u. Z. Heirat Isaaks und Rebekkas 1. Mo. 25:20

      1868 v. u. Z. Tod Sems 1. Mo. 11:11

      1858 v. u. Z. Geburt Esaus und Jakobs 1. Mo. 25:26

      1843 v. u. Z. Tod Abrahams 1. Mo. 25:7

      1818 v. u. Z. Esau heiratet seine ersten 1. Mo. 26:34

      beiden Frauen

      1795 v. u. Z. Tod Ismaels 1. Mo. 25:17

      1781 v. u. Z. Jakob flieht nach Haran; 1. Mo. 28:2, 13, 19

      seine Vision in Bethel

      1774 v. u. Z. Jakob heiratet Lea und Rahel 1. Mo. 29:23-30

      1767 v. u. Z. Geburt Josephs 1. Mo. 30:23, 24

      1761 v. u. Z. Jakob kehrt von Haran 1. Mo. 31:18, 41

      nach Kanaan zurück

      um 1761 v. u. Z. Jakob ringt mit Engel; 1. Mo. 32:24-28

      wird Israel genannt

      1750 v. u. Z. Joseph von seinen Brüdern 1. Mo. 37:2, 28

      in die Sklaverei verkauft

      1738 v. u. Z. Tod Isaaks 1. Mo. 35:28, 29

      1737 v. u. Z. Joseph zum ersten Minister 1. Mo. 41:40, 46

      Ägyptens gemacht

      1728 v. u. Z. Jakob kommt mit seiner 1. Mo. 45:6; 46:26; 47:9

      ganzen Familie nach Ägypten

      1711 v. u. Z. Tod Jakobs 1. Mo. 47:28

      1657 v. u. Z. Tod Josephs 1. Mo. 50:26

      v. 1613 v. u. Z. Hiobs Prüfung Hiob 1:8; 42:16

      n. 1600 v. u. Z. Ägypten erlangt Bedeutung 2. Mo. 1:8

      als erste Weltmacht

      1593 v. u. Z. Geburt des Moses 2. Mo. 2:2, 10

      1553 v. u. Z. Moses bietet sich als 2. Mo. 2:11, 14, 15

      Befreier an; flieht nach Midian Apg. 7:23

      um 1514 v. u. Z. Moses am brennenden 2. Mo. 3:2

      Dornbusch

      1513 v. u. Z. Passah; Israeliten verlassen Ägypten; 2. Mo. 12:12;

      Befreiung am Roten Meer; 14:27, 29, 30;

      Ägyptens Macht erschüttert;

      Ende der 400-Jahr-Periode der 1. Mo. 15:13, 14

      Niederdrückung

      Gesetzesbund am Sinai 2. Mo. 24:6-8

      (Horeb) geschlossen

      Ende der 430-Jahr-Periode Gal. 3:17;

      vom Inkrafttreten des 2. Mo. 12:40

      abrahamischen Bundes

      Moses stellt das 1. Buch

      Mose in der Wildnis zu- Joh. 5:46

      sammen; Niederschrift der

      Bibel beginnt

      1512 v. u. Z. Bau der Stiftshütte beendet 2. Mo. 40:17

      Einsetzung der aaronischen 3. Mo. 8:34-36

      Priesterschaft

      Moses vollendet das 2. 3. Mo. 27:34;

      und 3. Buch Mose 4. Mo. 1:1

      um 1473 v. u. Z. Moses vollendet das Buch Hiob 42:16, 17

      Hiob

      1473 v. u. Z. Moses vollendet das 4. Mo. 35:1; 36:13

      4. Buch Mose in den

      Ebenen Moabs

      Bund mit Israel in Moab 5. Mo. 29:1

      Moses schreibt das 5. Mo. 1:1, 3

      5. Buch Mose

      Moses stirbt auf dem

      Nebo in Moab 5. Mo. 34:1, 5, 7

      Israel zieht unter Josua Jos. 4:19

      in Kanaan ein

      1467 v. u. Z. Größter Teil der Eroberung Jos. 11:23;

      des Landes vollendet; 14:7, 10-15

      Ende der ‘ungefähr 450

      Jahre’ aus Apg. 13:17-20

      um 1450 v. u. Z. Buch Josua vollendet Jos. 1:1; 24:26

      Tod Josuas Jos. 24:29

      1117 v. u. Z. Samuel salbt Saul zum 1. Sam. 10:24;

      König von Israel Apg. 13:21

      1107 v. u. Z. Geburt Davids in Bethlehem 1. Sam. 16:1

      um 1100 v. u. Z. Samuel vollendet das Ri. 21:25

      Buch Richter

      um 1090 v. u. Z. Samuel vollendet das Ruth 4:18-22

      Buch Ruth

      um 1078 v. u. Z. 1. Buch Samuel vollendet 1. Sam. 31:6

      1077 v. u. Z. David wird in Hebron 2. Sam. 2:4

      König von Juda

      1070 v. u. Z. David wird König über ganz 2. Sam. 5:3-7

      Israel; macht Jerusalem zu

      seiner Hauptstadt

      n. 1070 v. u. Z. Die Lade nach Jerusalem 2. Sam. 6:15;

      gebracht; Bund für ein 7:12-16

      Königreich mit David

      geschlossen

      um 1040 v. u. Z. Gad und Nathan vollenden 2. Sam. 24:18

      das 2. Buch Samuel

      1037 v. u. Z. Salomo folgt David als 1. Kö. 1:39; 2:12

      König von Israel

      1034 v. u. Z. Salomo beginnt Tempelbau 1. Kö. 6:1

      1027 v. u. Z. Tempel in Jerusalem 1. Kö. 6:38

      vollendet

      um 1020 v. u. Z. Salomo vollendet das Hoh. 1:1

      Hohelied

      v. 1000 v. u. Z. Salomo vollendet das Pred. 1:1

      Buch Prediger

      997 v. u. Z. Rehabeam löst Salomo ab; 1. Kö. 11:43;

      Königreich geteilt; 12:19, 20

      Jerobeam beginnt Herr-

      schaft als König von Israel

      993 v. u. Z. Schischak fällt in Juda 1. Kö. 14:25, 26

      ein und nimmt Tempelschätze

      980 v. u. Z. Abijam (Abija) folgt Re- 1. Kö. 15:1, 2

      habeam als König von Juda

      977 v. u. Z. Asa folgt Abijam als König 1. Kö. 15:9, 10

      von Juda

      um 976 v. u. Z. Nadab folgt Jerobeam als 1. Kö. 14:20

      König von Israel

      um 975 v. u. Z. Bascha folgt Nadab als 1. Kö. 15:33

      König von Israel

      um 952 v. u. Z. Ela folgt Bascha als 1. Kö. 16:8

      König von Israel

      um 951 v. u. Z. Simri folgt Ela als 1. Kö. 16:15

      König von Israel

      Omri und Tibni folgen 1. Kö. 16:21

      Simri als Könige von Israel

      um 947 v. u. Z. Omri herrscht allein als 1. Kö. 16:22, 23

      König von Israel

      um 940 v. u. Z. Ahab folgt Omri als 1. Kö. 16:29

      König von Israel

      936 v. u. Z. Josaphat folgt Asa als 1. Kö. 22:41, 42

      König von Juda

      um 919 v. u. Z. Ahasja folgt Ahab als 1. Kö. 22:51, 52

      alleiniger König von Israel

      um 917 v. u. Z. Joram von Israel folgt 2. Kö. 3:1

      Ahasja als alleiniger König

      913 v. u. Z. Joram von Juda ‘wird 2. Kö. 8:16, 17

      König’ mit Josaphat

      um 906 v. u. Z. Ahasja folgt Joram als 2. Kö. 8:25, 26

      König von Juda

      um 905 v. u. Z. Königin Athalja reißt 2. Kö. 11:1-3

      Thron von Juda an sich

      Jehu folgt Joram als 2. Kö. 9:24, 27;

      König von Israel 10:36

      898 v. u. Z. Joas folgt Ahasja als 2. Kö. 12:1

      König von Juda

      876 v. u. Z. Jehoahas folgt Jehu als 2. Kö. 13:1

      König von Israel

      um 859 v. u. Z. Joas folgt Jehoahas als 2. Kö. 13:10

      alleiniger König von Israel

      858 v. u. Z. Amazja folgt Joas als 2. Kö. 14:1, 2

      König von Juda

      um 844 v. u. Z. Jerobeam II. folgt Joas 2. Kö. 14:23

      als König von Israel

      Jona vollendet das Buch Jona 1:1, 2

      Jona

      829 v. u. Z. Usija (Asarja) folgt 2. Kö. 15:1, 2

      Amazja als König von Juda

      um 820 v. u. Z. Vielleicht Niederschrift Joel 1:1

      des Buches Joel

      um 804 v. u. Z. Amos vollendet das Buch Am. 1:1

      Amos

      um 792 v. u. Z. Sacharja herrscht als 2. Kö. 15:8

      König von Israel (6 Monate)

      um 791 v. u. Z. Schallum folgt Sacharja 2. Kö. 15:13, 17

      als König von Israel

      Menahem folgt Schallum als

      König von Israel

      um 780 v. u. Z. Pekachja folgt Menahem als 2. Kö. 15:23

      König von Israel

      um 778 v. u. Z. Pekach folgt Pekachja als 2. Kö. 15:27

      König von Israel

      um 778 v. u. Z. Jesaja beginnt zu Jes. 1:1; 6:1

      prophezeien

      777 v. u. Z. Jotham folgt Usija 2. Kö. 15:32, 33

      (Asarja) als König

      von Juda

      um 761 v. u. Z. Ahas folgt Jotham als 2. Kö. 16:1, 2

      König von Juda

      um 758 v. u. Z. Hoschea beginnt als König 2. Kö. 15:30

      von Israel zu regieren

      745 v. u. Z. Hiskia folgt Ahas als 2. Kö. 18:1, 2

      König von Juda

      n. 745 v. u. Z. Hosea vollendet das Hos. 1:1

      Buch Hosea

      740 v. u. Z. Assyrien unterwirft Israel, 2. Kö. 17:6,

      nimmt Samaria ein 13, 18

      732 v. u. Z. Sanherib fällt in Juda ein 2. Kö. 18:13

      n. 732 v. u. Z. Jesaja vollendet das Jes. 1:1

      Buch Jesaja

      v. 717 v. u. Z. Micha vollendet das Mi. 1:1

      Buch Micha

      um 717 v. u. Z. Zusammenstellung der Spr. 25:1

      Sprüche vollendet

      716 v. u. Z. Manasse folgt Hiskia als 2. Kö. 21:1

      König von Juda

      661 v. u. Z. Amon folgt Manasse als 2. Kö. 21:19

      König von Juda

      659 v. u. Z. Josia folgt Amon als 2. Kö. 22:1

      König von Juda

      v. 648 v. u. Z. Zephanja vollendet das Zeph. 1:1

      Buch Zephanja

      647 v. u. Z. Jeremia als Prophet Jer. 1:1, 2, 9, 10

      beauftragt

      v. 632 v. u. Z. Nahum vollendet das Nah. 1:1

      Buch Nahum

      632 v. u. Z. Ninive fällt an die Nah. 3:7

      Chaldäer und die Meder

      Babylon ist nun an der

      Reihe, dritte Weltmacht

      zu werden

      628 v. u. Z. Jehoahas, der Nachfolger 2. Kö. 23:31

      Josias, herrscht als König

      von Juda

      Jojakim folgt Jehoahas als 2. Kö. 23:36

      König von Juda

      um 628 v. u. Z. Habakuk vollendet das Hab. 1:1

      Buch Habakuk

      625 v. u. Z. Nebukadnezar (II.) wird Jer. 25:1

      König von Babylon; erstes

      Regierungsjahr zählt von

      Nisan 624 v. u. Z.

      620 v. u. Z. Nebukadnezar macht Jojakim 2. Kö. 24:1

      zum Vasallenkönig

      618 v. u. Z. Jojachin wird nach Jojakim 2. Kö. 24:6, 8

      König in Juda

      617 v. u. Z. Nebukadnezar führt erste Dan. 1:1-4;

      jüdische Gefangene nach

      Babylon

      Zedekia wird zum König 2. Kö. 24:12-18

      von Juda gemacht

      613 v. u. Z. Hesekiel beginnt zu Hes. 1:1-3

      prophezeien

      609 v. u. Z. Nebukadnezar zieht zum 2. Kö. 25:1, 2

      3. Mal gegen Juda;

      beginnt Belagerung

      Jerusalems

      607 v. u. Z. Fünfter Monat (Ab), 2. Kö. 25:8-10;

      Tempel zerstört und Jer. 52:12-14

      Jerusalem vernichtet

      Siebter Monat, Juden 2. Kö. 25:25, 26;

      verlassen Juda; „bestimmte Luk. 21:24

      Zeiten der Nationen“

      beginnen zu zählen

      Jeremia schreibt Klagelieder Klag., Einleitung,

      LXX

      um 607 v. u. Z. Obadja schreibt das Ob. 1

      Buch Obadja

      um 591 v. u. Z. Hesekiel vollendet das Hes. 40:1; 29:17

      Buch Hesekiel

      580 v. u. Z. Bücher 1. und 2. Könige Jer. 52:31;

      und Jeremia vollendet 2. Kö. 25:27

      539 v. u. Z. Babylon fällt an die Dan. 5:30, 31

      Meder und Perser;

      Medo-Persien wird die

      vierte Weltmacht

      537 v. u. Z. Erlaß von Cyrus dem 2. Chr. 36:22, 23;

      Perser, der den Juden Jer. 25:12; 29:10

      die Rückkehr nach

      Jerusalem erlaubt, wird

      wirksam; Jerusalems

      70jährige Verwüstung endet

      um 536 v. u. Z. Daniel vollendet das Dan. 10:1

      Buch Daniel

      536 v. u. Z. Grundlage des Tempels Esra 3:8-10

      von Serubbabel gelegt

      522 v. u. Z. Verbot für Tempelbauarbeiten Esra 4:23, 24

      520 v. u. Z. Haggai vollendet das Hag. 1:1

      Buch Haggai

      518 v. u. Z. Sacharja vollendet das Sach. 1:1

      Buch Sacharja

      515 v. u. Z. Serubbabel vollendet Esra 6:14, 15

      zweiten Tempel

      um 475 v. u. Z. Mordechai vollendet das Esth. 3:7; 9:32

      Buch Esther

      468 v. u. Z. Esra und einige Priester Esra 7:7

      kehren nach Jerusalem zurück

      um 460 v. u. Z. Esra vollendet die Bücher Esra 1:1;

      1. und 2. Chronika und 2. Chr. 36:22

      Esra; abschließende Zusammen-

      stellung der Psalmen

      455 v. u. Z. Mauern Jerusalems von Neh. 1:1; 2:1, 11

      Nehemia aufgebaut;

      Prophezeiung von den 6:15;

      70 Wochen beginnt sich Dan. 9:24

      zu erfüllen

      n. 443 v. u. Z. Nehemia vollendet das Neh. 5:14

      Buch Nehemia

      Maleachi vollendet das Mal. 1:1

      Buch Maleachi

      406 v. u. Z. Wiederaufbau Jerusalems Dan. 9:25

      ist offenbar vollendet

      332 v. u. Z. Griechenland, fünfte Dan. 8:21

      Weltmacht, herrscht

      über Juda

      um 280 v. u. Z. Die Septuaginta begonnen

      165 v. u. Z. Wiedereinweihung des Joh. 10:22

      Tempels nach der Ent-

      weihung durch griechischen

      Götzendienst; Fest der

      Einweihung

      63 v. u. Z. Rom, sechste Weltmacht, Joh. 19:15;

      herrscht über Jerusalem Offb. 17:10

      um 37 v. u. Z. Herodes (von Rom zum

      König ernannt) nimmt

      Jerusalem im Sturm

      2 v. u. Z. Johannes der Täufer und Luk. 1:60;

      Jesus geboren 2:7

      29 u. Z. Johannes und Jesus beginnen Luk. 3:1, 2, 23

      ihren Dienst

      33 u. Z. 14. Nisan: Jesus wird Luk. 22:20; 23:33

      Opfer, das Grundlage für

      den neuen Bund bildet;

      wird an den Pfahl geschlagen

      16. Nisan: Auferstehung Jesu Mat. 28:1-10

      6. Siwan, Pfingsten: Aus- Apg. 2:1-17, 38

      gießung des Geistes; Petrus

      erschließt Juden den Weg in

      die Christenversammlung

      36 u. Z. Ende der 70 Jahrwochen; Dan. 9:24-27;

      Petrus besucht Kornelius, Apg. 10:1, 45

      der erste von den Unbeschnit-

      tenen der Nationen, der in

      die Christenversammlung auf-

      genommen wird

      um 41 u. Z. Matthäus schreibt das

      Matthäusevangelium

      um 47/48 u. Z. Paulus beginnt erste Apg. 13:1 bis 14:28

      Missionsreise

      um 49 u. Z. Die leitende Körperschaft Apg. 15:28, 29

      entscheidet gegen die

      Forderung, daß sich Gläubige

      aus den Nationen beschneiden

      lassen müssen

      um 49—52 u. Z. Zweite Missionsreise des Apg. 15:36 bis 18:22

      Paulus

      um 50 u. Z. Paulus schreibt

      1. Thessalonicher aus 1. Thes. 1:1

      Korinth

      um 51 u. Z. Paulus schreibt 2. Thes. 1:1

      2. Thessalonicher aus

      Korinth

      um 50—52 u. Z. Paulus schreibt seinen Gal. 1:1

      Brief an die Galater aus

      Korinth oder dem syrischen

      Antiochia

      um 52—56 u. Z. Dritte Missionsreise Apg. 18:23 bis 21:19

      des Paulus

      um 55 u. Z. Paulus schreibt 1. Kor. 15:32;

      1. Korinther aus Ephesus 2. Kor. 2:12, 13

      und 2. Korinther aus

      Mazedonien

      um 56 u. Z. Paulus schreibt den Röm. 16:1

      Römerbrief aus Korinth

      um 56—58 u. Z. Lukas schreibt das Luk. 1:1, 2

      Lukasevangelium

      um 60/61 u. Z. Paulus schreibt aus Rom:

      Epheser Eph. 3:1

      Philipper Phil. 4:22

      Kolosser Kol. 4:18

      Philemon Philem. 1

      um 61 u. Z. Paulus schreibt aus Rom Heb. 13:24; 10:34

      den Hebräerbrief

      Lukas vollendet die

      Apostelgeschichte in Rom

      v. 62 u. Z. Jakobus, Jesu Bruder, Jak. 1:1

      schreibt aus Jerusalem

      den Jakobusbrief

      um 60—65 u. Z. Markus schreibt das

      Markusevangelium

      um 61—64 u. Z. Paulus schreibt 1. Tim. 1:3

      1. Timotheus aus

      Mazedonien

      Paulus schreibt Titus Tit. 1:5

      aus Mazedonien (?)

      um 62—64 u. Z. Petrus schreibt 1. Pet. 1:1; 5:13

      1. Petrus aus Babylon

      um 64 u. Z. Petrus schreibt 2. Pet. 1:1

      2. Petrus aus Babylon (?)

      um 65 u. Z. Paulus schreibt 2. Tim. 4:16-18

      2. Timotheus aus Rom

      Judas, Jesu Bruder, Jud. 1, 17, 18

      schreibt den Judasbrief

      70 u. Z. Jerusalem und sein Tempel Dan. 9:27;

      von den Römern zerstört Mat. 23:37, 38;

      Luk. 19:42-44

      um 96 u. Z. Johannes schreibt Offen- Offb. 1:9

      barung auf Patmos

      um 98 u. Z. Johannes schreibt das Joh. 21:22, 23

      Johannesevangelium und den

      1., 2. und 3. Johannesbrief;

      Niederschrift der Bibel

      vollendet

      um 100 u. Z. Johannes, der letzte der 2. Thes. 2:7

      Apostel, stirbt

      BEACHTE: Es sollte bedacht werden, daß zwar viele der angeführten Daten gut begründet sind, in einigen Fällen aber sind, gestützt auf verfügbare Beweise, ungefähre Daten angegeben. Die Tabelle soll nicht unabänderliche Daten für jedes Ereignis festsetzen, sondern Erforschern der Bibel helfen, Ereignisse zeitlich einzuordnen und zu erkennen, in welcher Beziehung sie zueinander stehen.

      Fragen zur „Tabelle hervorragender Geschichtsdaten“ und zum „Verzeichnis der Bücher der Bibel“:

      (a) Vergleiche die beiden Tabellen und nenne einige Propheten und Bibelschreiber, die (1) vor der Aufrichtung des Königreiches Israel (1117 v. u. Z.), (2) während der Zeit der Königreiche Israel und Juda, (3) während der Zeit vom Beginn des Exils in Babylon bis zur Vollendung des Kanons der Hebräischen Schriften lebten.

      (b) Gib an, wann und in Verbindung mit welcher Missionsreise die Briefe des Paulus geschrieben wurden.

      (c) Welche weiteren interessanten Punkte stellst du fest, was die Zeit der Niederschrift anderer Bücher der Christlichen Griechischen Schriften betrifft?

      (d) Bring folgende Personen mit einem auffallenden Ereignis der biblischen Geschichte in Verbindung und erwähne, ob sie vor oder nach dem betreffenden Ereignis lebten, oder nenne andere Personen, die zur selben Zeit lebten: Sem, Samuel, Methusalah, Lot, König Saul, David, Hiob, König Hoschea von Israel, Salomo, Aaron, König Zedekia von Juda.

      (e) Welche hervorragenden Ereignisse spielten sich zu Lebzeiten (1) des Noah, (2) des Abraham, (3) des Moses ab?

      (f) Bring die folgenden Daten (v. u. Z.) mit den unten angegebenen hervorragenden Ereignissen in Verbindung: 4026, 2370, 1943, 1513, 1473, 1117, 997, 740, 607, 539, 537, 455.

      Erschaffung Adams

      Gesetzesbund am Sinai geschlossen

      Jerusalem zerstört

      Juden kehren nach Cyrus’ Verordnung nach Jerusalem zurück

      Niederschrift der Bibel unter Inspiration beginnt

      Beginn der Flut

      Babylon fällt an die Meder und Perser

      Israels erster König wird gesalbt

      Abraham überquert den Euphrat; abrahamischer Bund tritt in Kraft

      Teilung des Reiches in Israel und Juda

      Assyrien unterjocht das Nordreich

      Wiederaufbau der Mauern Jerusalems durch Nehemia

      Befreiung der Israeliten aus Ägypten

      Israel zieht unter Josua in Kanaan ein

      Jerusalems 70jährige Verwüstung endet

      [Übersicht auf Seite 298]

      VERZEICHNIS DER BÜCHER DER BIBEL

      (Einige Daten [und Orte der Niederschrift] sind ungewiß. n. bedeutet „nach“ und v. bedeutet „vor“.)

      Bücher der Hebräischen Schriften vor unserer Zeitrechnung (v. u. Z.)

      Name des Schreiber Ort der Vollendung Behandelter

      Buches Niederschrift der Zeitraum

      Niederschrift

      1. Mose Moses Wildnis 1513 „Im Anfang“

      bis 1657

      2. Mose Moses Wildnis 1512 1657—1512

      3. Mose Moses Wildnis 1512 1 Monat

      (1512)

      4. Mose Moses Wildnis/Ebenen 1473 1512—1473

      Moabs

      5. Mose Moses Ebenen Moabs 1473 2 Monate

      (1473)

      Josua Josua Kanaan um 1450 1473 bis

      um 1450

      Richter Samuel Israel um 1100 um 1450 bis

      um 1120

      Ruth Samuel Israel um 1090 11 Jahre

      Richter-

      herrschaft

      1. Samuel Samuel; Israel um 1078 um 1180—

      Gad; Nathan 1078

      2. Samuel Gad; Nathan Israel um 1040 1077 bis

      um 1040

      1. und 2. Jeremia Juda/Ägypten 580 um 1040—

      Könige 580

      1. und 2. Esra Jerusalem (?) um 460 Nach

      Chronika 1. Chr. 9:44,

      1077—537

      Esra Esra Jerusalem um 460 537 bis

      um 467

      Nehemia Nehemia Jerusalem n. 443 456 bis

      n. 443

      Esther Mordechai Susa (Elam) um 475 493 bis

      um 475

      Hiob Moses Wildnis um 1473 Über 140

      Jahre

      zwischen

      1657 und

      1473

      Psalmen David und um 460

      andere

      Sprüche Salomo; Jerusalem um 717

      Agur; Lemuel

      Prediger Salomo Jerusalem v. 1000

      Das Salomo Jerusalem um 1020

      Hohelied

      Jesaja Jesaja Jerusalem n. 732 um 778 bis

      n. 732

      Jeremia Jeremia Juda/Ägypten 580 647—580

      Klagelieder Jeremia bei Jerusalem 607

      Hesekiel Hesekiel Babylon um 591 613 bis

      um 591

      Daniel Daniel Babylon um 536 618 bis

      um 536

      Hosea Hosea Samaria (Bezirk) n. 745 v. 804 bis

      n. 745

      Joel Joel Juda um 820(?)

      Amos Amos Juda um 804

      Obadja Obadja um 607

      Jona Jona um 844

      Micha Micha Juda v. 717 um 777—717

      Nahum Nahum Juda v. 632

      Habakuk Habakuk Juda um 628(?)

      Zephanja Zephanja Juda v. 648

      Haggai Haggai Jerusalem 520 112 Tage

      (520)

      Sacharja Sacharja Jerusalem 518 520—518

      Maleachi Maleachi Jerusalem n. 443

      Bücher der Griechischen Schriften, geschrieben während unserer Zeitrechnung (u. Z.)

      Name des Schreiber Ort der Vollendung Behandelter

      Buches Niederschrift der Zeitraum

      Niederschrift

      Matthäus Matthäus Palästina um 41 2 v. u. Z.

      bis 33 u. Z.

      Markus Markus Rom um 60—65 29—33 u. Z.

      Lukas Lukas Cäsarea um 56—58 3 v. u. Z.

      bis 33 u. Z.

      Johannes Apostel Ephesus um 98 Nach Vor-

      Johannes oder in der rede, 29—

      Nähe 33 u. Z.

      Apostel- Lukas Rom um 61 33 bis um

      geschichte 61 u. Z.

      Römer Paulus Korinth um 56

      1. Korin- Paulus Ephesus um 55

      ther

      2. Korin- Paulus Mazedonien um 55

      ther

      Galater Paulus Korinth oder um 50—52

      Antiochia (Syrien)

      Epheser Paulus Rom um 60/61

      Philipper Paulus Rom um 60/61

      Kolosser Paulus Rom um 60/61

      1. Thessa- Paulus Korinth um 50

      lonicher

      2. Thessa- Paulus Korinth um 51

      lonicher

      1. Timo- Paulus Mazedonien um 61—64

      theus

      2. Timo- Paulus Rom um 65

      theus

      Titus Paulus Mazedonien(?) um 61—64

      Philemon Paulus Rom um 60/61

      Hebräer Paulus Rom um 61

      Jakobus Jakobus Jerusalem v. 62

      (Jesu Bruder)

      1. Petrus Petrus Babylon um 62—64

      2. Petrus Petrus Babylon(?) um 64

      1. Johannes Apostel Ephesus oder um 98

      Johannes in der Nähe

      2. Johannes Apostel Ephesus oder um 98

      Johannes in der Nähe

      3. Johannes Apostel Ephesus oder um 98

      Johannes in der Nähe

      Judas Judas Palästina(?) um 65

      (Jesu Bruder)

      Offenbarung Apostel Patmos um 96

      Johannes

  • Studie 4 — Die Bibel und ihr Kanon
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 4 — Die Bibel und ihr Kanon

      Die Herkunft des Wortes „Bibel“; Bestimmung der Bücher, die rechtmäßig zur Göttlichen Bücherei gehören; Verwerfung der Apokryphen

      1, 2. (a) Was ist die allgemeine Bedeutung des griechischen Wortes biblía? (b) Wie werden dieses Wort und seine verschiedenen grammatischen Formen in den Christlichen Griechischen Schriften übersetzt? (c) Wie gelangte das Wort „Bibel“ in die deutsche Sprache?

      DA MAN die inspirierten Schriften gewöhnlich Bibel nennt, ist es sinnvoll, Herkunft und Bedeutung des Wortes „Bibel“ zu erforschen. Es ist von dem griechischen Wort biblía abgeleitet, das „Büchlein“ oder „kleine Bücher“ bedeutet. biblía wiederum stammt von dem Wort bíblos, das den Bast oder das Mark der Papyrusstaude bezeichnete, aus dem man in alter Zeit ein Schreib„papier“ herstellte. (Den phönizischen Hafen Gebal, über den aus Ägypten Papyrus eingeführt wurde, nannten die Griechen Byblos. Siehe Josua 13:5, Fußnote.) Die verschiedenen schriftlichen Mitteilungen auf diesem Material nannte man biblía. Mit diesem Wort bezeichnete man schließlich irgend etwas Geschriebenes, Buchrollen, Bücher, Schriftstücke oder Schriften und sogar eine Sammlung von Büchlein.

      2 Das Wort „Bibel“ ist erstaunlicherweise im allgemeinen in keiner deutschen oder anderssprachigen Übersetzung der Heiligen Schrift zu finden. Im zweiten Jahrhundert v. u. Z. jedoch nannte man in Griechisch die Sammlung inspirierter Bücher der Hebräischen Schriften ta biblía. Gemäß Daniel 9:2 schrieb der Prophet: „Ich selbst, Daniel, [bemerkte] durch die Bücher ...“ An dieser Stelle steht in der Septuaginta bíblois, der Dativ Plural von bíblos. In 2. Timotheus 4:13 schrieb Paulus: „Wenn du kommst, so bring ... die Buchrollen [griechisch: biblía].“ Die griechischen Wörter biblíon und bíblos in ihren verschiedenen grammatischen Formen kommen in den Christlichen Griechischen Schriften mehr als 40mal vor und werden gewöhnlich mit „Buchrolle[n]“ oder „Buch (Bücher)“ übersetzt. Später, im Lateinischen, wurde biblía als Singular gebraucht, und aus dem Lateinischen gelangte das Wort als „Bibel“ in die deutsche Sprache.

      3. Wie bezeugten die Schreiber der Bibel, daß sie Gottes inspiriertes Wort ist?

      3 Sie ist das Wort Gottes. Wenn auch verschiedene Männer inspiriert wurden, die Bibel zu schreiben, und weitere sie aus den Ursprachen in die heutigen Schriftsprachen übersetzt haben, so ist die Bibel im eigentlichen Sinne doch Gottes Wort, seine inspirierte Offenbarung an die Menschen. Die inspirierten Schreiber selbst sahen es so an; ein Beweis dafür ist ihr Gebrauch von Redewendungen wie „Äußerung des Mundes Jehovas“ (5. Mo. 8:3), „Reden Jehovas“ (Jos. 24:27), „Gebote Jehovas“ (Esra 7:11), „Gesetz Jehovas“ (Ps. 19:7), „Wort Jehovas“ (Jes. 38:4), ‘Äußerung Jehovas’ (Mat. 4:4) und „Jehovas Wort“ (1. Thes. 4:15).

      DIE GÖTTLICHE BÜCHEREI

      4. Woraus besteht die Bibel, und wer hat bestimmt, welche Schriften dazu gehören sollen?

      4 Was man heute als die Bibel kennt, ist eigentlich eine Sammlung alter von Gott inspirierter Urkunden. Diese wurden in einer Zeit von 1 600 Jahren schriftlich niedergelegt und zusammengetragen. Insgesamt bildet diese Urkundensammlung das, was Hieronymus auf lateinisch passend als die Bibliotheca Divina bezeichnete, d. h. die Göttliche Bücherei. Für diese Bücherei gibt es ein Verzeichnis oder eine offizielle Liste, die sich nur auf solche Bücher beschränkt, die dem Rahmen und den besonderen Merkmalen dieser Bibliothek entsprechen. Alle nichtautorisierten Bücher sind davon ausgeschlossen. Jehova Gott ist der große Bibliothekar, der den Maßstab festlegt, der bestimmt, welche Schriften aufgenommen werden sollten. Für die Bibel gibt es daher ein festes Verzeichnis, das 66 Bücher umfaßt, alles Erzeugnisse, die unter der Leitung des heiligen Geistes Gottes entstanden sind.

      5. Was ist der biblische „Kanon“, und wie entstand diese Bezeichnung?

      5 Die Sammlung oder Liste der als echt und inspiriert anerkannten Schriften wird oft als biblischer Kanon bezeichnet. Ursprünglich diente das Rohr (hebräisch: qanéh) als Maßstab, wenn kein Stück Holz zur Verfügung stand. Der Apostel Paulus bezeichnete eine „Regel des Benehmens“ sowie das „Gebiet“, das ihm nach Maß zugeteilt wurde, mit dem griechischen Wort kanṓn (Gal. 6:16, Fußnote; 2. Kor. 10:13). Bei den kanonischen Büchern handelt es sich somit um Bücher, die wahr und inspiriert und es wert sind, als Meßstab zu dienen, um zu ermitteln, welches der rechte Glauben, die rechte Lehre und das rechte Verhalten ist. Wenn wir Bücher gebrauchen, die nicht „gerade“ wie eine Senkschnur sind, wird unser „Bau“ schief sein, und er wird bei der Überprüfung durch den „großen Landvermesser“ beanstandet werden.

      6. Welches sind einige der Merkmale, mit deren Hilfe man die Kanonizität eines Buches bestimmt?

      6 Festlegung der Kanonizität. Welches sind einige der göttlichen Maßstäbe für die Kanonisierung der 66 Bücher der Bibel? Vor allem müssen die Urkunden von Jehovas Tun in Verbindung mit der Erde handeln; sie müssen die Menschen veranlassen, ihn anzubeten, und sie müssen hohe Achtung vor seinem Namen und vor seinem Werk und seinem Vorsatz hinsichtlich der Erde einflößen. Sie müssen von Inspiration zeugen, das heißt, sie müssen davon zeugen, daß sie ein Produkt des heiligen Geistes sind (2. Pet. 1:21). Sie dürfen weder Aberglauben noch Menschenverehrung fördern, sondern müssen vielmehr dazu bewegen, Gott zu lieben und ihm zu dienen. In keiner einzelnen Schrift darf etwas sein, was der inneren Harmonie der übrigen inspirierten Schriften widerspräche, sondern jedes Buch muß mit den anderen übereinstimmen und so beweisen, daß der eigentliche Urheber Jehova Gott ist. Ferner sollte man erwarten, daß die Schriften bis in die kleinste Einzelheit genau sind. Außer diesen wesentlichen Punkten gibt es noch andere Merkmale der Inspiration und damit der Kanonizität — gemäß der Art des Inhalts eines jeden Buches; in den einleitenden Absätzen zu jedem Bibelbuch sind sie behandelt worden. Besondere Umstände, die mit den Hebräischen Schriften oder den Christlichen Griechischen Schriften zusammenhängen, trugen ebenfalls zur Festlegung des Bibelkanons bei.

      DIE HEBRÄISCHEN SCHRIFTEN

      7. Welche Etappen der Entwicklung führten zur Vollendung des hebräischen Kanons, und womit mußte jedes weitere Buch übereinstimmen?

      7 Man darf nicht meinen, daß erst bekannt war, welche Bücher zu den inspirierten Schriften gehörten, als der hebräische Kanon im fünften Jahrhundert v. u. Z. vollendet war. Die Schriften des Moses, die unter der Leitung des Geistes Gottes entstanden, wurden von den Israeliten von Anfang an als inspiriert, als von göttlicher Urheberschaft, anerkannt. Als der Pentateuch vollendet war, bildete er zu jener Zeit den „Kanon“. Weitere Offenbarungen bezüglich der Vorsätze Jehovas, die Menschen durch Inspiration erhalten würden, müßten sich folgerichtig anschließen und mit den für die wahre Anbetung gültigen elementaren Grundsätzen, die im Pentateuch bekanntgegeben wurden, in Übereinstimmung sein. Daß dies so ist, haben wir bei der Betrachtung der verschiedenen Bibelbücher gesehen, vor allem, wenn das großartige Thema der Bibel, die Heiligung des Namens Jehovas und die Rechtfertigung seiner Souveränität durch das Königreich unter Christus, dem verheißenen Samen, eindeutig behandelt wird.

      8. Wie wird die Kanonizität der prophetischen Bücher der Bibel festgestellt?

      8 Die Hebräischen Schriften sind besonders reich an Prophezeiungen. Jehova selbst ließ durch Moses sagen, woran man erkennt, daß eine Prophezeiung echt ist, ob sie tatsächlich von Gott stammt oder nicht, und das trug dazu bei, daß man die Kanonizität eines prophetischen Buches feststellen konnte (5. Mo. 13:1-3; 18:20-22). Eine Untersuchung jedes der prophetischen Bücher der Hebräischen Schriften in Verbindung mit den übrigen Bibelbüchern sowie mit der Weltgeschichte beweist außer Zweifel, daß die Propheten „das Wort“ im Namen Jehovas geredet hatten, daß das Wort ‘eintraf oder sich bewahrheitete’ — entweder vollständig oder aber im kleinen oder teilweise, wenn es mit Dingen zu tun hatte, die noch in der Zukunft liegen — und daß es das Herz des Volkes Gott zuwandte. Eine Prophezeiung, die diesen Erfordernissen gerecht wurde, war erwiesenermaßen echt und inspiriert.

      9. Welcher wichtige Faktor muß im Sinn behalten werden, wenn man sich mit der Frage des Bibelkanons beschäftigt?

      9 Die Tatsache, daß Jesus und die inspirierten Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften aus vielen Büchern der Hebräischen Schriften zitierten, ist ein direkter Beweis für die Kanonizität dieser Bücher; das gilt allerdings nicht für alle; zum Beispiel gilt es nicht für Esther und Prediger. Bei der Betrachtung der Kanonizitätsfrage muß ein weiterer höchst wichtiger Faktor im Sinn behalten werden, einer, der sich auf den gesamten Bibelkanon bezieht. Wenn man bedenkt, daß Jehova Menschen inspiriert hat, seine göttlichen Mitteilungen zur Erbauung und Ermunterung sowie zur Unterweisung in seiner Anbetung und seinem Dienst niederzuschreiben, so wäre auch vernünftigerweise anzunehmen, daß er das Zusammenstellen der inspirierten Schriften und das Festlegen des Bibelkanons ebenfalls lenken und leiten würde. Er würde das tun, so daß es keinen Zweifel darüber gäbe, was sein Wort der Wahrheit bildete und was die für immer bleibende Meßschnur für die wahre Anbetung wäre. Nur so könnte Menschen auf der Erde weiterhin ‘eine neue Geburt durch das Wort Gottes’ zuteil werden, und nur so könnten sie bezeugen, daß ‘das von Jehova Gesagte für immer bleibt’ (1. Pet. 1:23, 25).

      10. Um welche Zeit war der Kanon der Hebräischen Schriften festgelegt?

      10 Festlegung des hebräischen Kanons. Nach jüdischer Überlieferung hat Esra damit begonnen, den Kanon der Hebräischen Schriften zusammenzustellen und eine Liste davon anzufertigen, und Nehemia soll ihn vollendet haben. Esra war für eine solche Arbeit bestens ausgerüstet, da er selbst einer der inspirierten Bibelschreiber sowie ein Priester, Gelehrter und amtlicher Abschreiber heiliger Schriften war (Esra 7:1-11). Es gibt keinen Grund, die traditionelle Ansicht zu bezweifeln, daß der Kanon der Hebräischen Schriften gegen Ende des fünften Jahrhunderts v. u. Z. festgelegt war.

      11. In welcher Reihenfolge werden im traditionellen jüdischen Kanon die Bücher der Hebräischen Schriften aufgeführt?

      11 Die Hebräischen Schriften der heutigen Bibel enthalten 39 Bücher; der traditionelle jüdische Kanon, obwohl er dieselben Bücher umfaßt, zählt sie als 24. Einige Autoritäten zählten 22 Bücher, indem sie das Buch Ruth mit dem Buch der Richter und die Klagelieder mit dem Buch Jeremia zusammenstellten, obgleich sie dennoch an denselben kanonischen Schriften festhielten.a Dadurch entsprach die Zahl der inspirierten Bücher der Buchstabenzahl des hebräischen Alphabets. Folgendes ist eine Liste der 24 Bücher nach dem traditionellen jüdischen Kanon:

      Das Gesetz (Der Pentateuch)

      1. 1. Mose

      2. 2. Mose

      3. 3. Mose

      4. 4. Mose

      5. 5. Mose

      Die Propheten

      6. Josua

      7. Richter

      8. Samuel (erstes und zweites Buch zusammen als ein Buch)

      9. Könige (erstes und zweites Buch zusammen als ein Buch)

      10. Jesaja

      11. Jeremia

      12. Hesekiel

      13. Die zwölf Propheten (Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja und Maleachi als ein Buch)

      Die Schriften (Hagiographa)

      14. Psalmen

      15. Sprüche

      16. Hiob

      17. Hoheslied

      18. Ruth

      19. Klagelieder

      20. Prediger

      21. Esther

      22. Daniel

      23. Esra (Nehemia zusammen mit Esra)

      24. Chronika (erstes und zweites Buch zusammen als ein Buch)

      12. Wodurch wird der hebräische Kanon noch bestätigt, und mit welchen Schriften endete er?

      12 Das war das Verzeichnis oder der Kanon, der von Christus Jesus und der frühen Christenversammlung als inspirierte Schriften anerkannt wurde. Die inspirierten Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften zitierten nur aus diesen Schriften, und indem sie solche Zitate mit „wie geschrieben steht“ einleiteten, bestätigten sie, daß es sich dabei um das Wort Gottes handelte (Röm. 15:9). Als Jesus sich auf alles, was im „Gesetz Mose und in den PROPHETEN und Psalmen“ aufgezeichnet ist, bezog, sprach er von den gesamten inspirierten Schriften, die es zur Zeit seines irdischen Wirkens gab (Luk. 24:44). Mit dem Wort „Psalmen“, dem ersten Buch der Hagiographa, wird dieser ganze Teil der Bibel bezeichnet. Das letzte geschichtliche Buch, das in den hebräischen Kanon aufgenommen wurde, war das von Nehemia. Daß dies unter der Leitung des Geistes Gottes geschah, ist daran zu erkennen, daß nur aus diesem Buch der Ausgangspunkt für die Berechnung der bedeutenden Prophezeiung Daniels hervorgeht, wonach „vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und wieder zu bauen“, bis zum Kommen des Messias 69 prophetische Wochen vergehen würden (Dan. 9:25; Neh. 2:1-8; 6:15). Auch liefert das Buch Nehemia den geschichtlichen Hintergrund für das letzte der prophetischen Bücher — Maleachi. Daß das Buch Maleachi zum Kanon der inspirierten Schriften gehört, kann nicht bezweifelt werden, denn mehrere Male hat sogar Jesus, der Sohn Gottes, daraus zitiert (Mat. 11:10, 14). Die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften zitieren in ähnlicher Weise aus den meisten Büchern des hebräischen Kanons, die alle vor Nehemia und Maleachi geschrieben wurden, doch sie zitieren nie aus angeblich inspirierten Schriften, die nach der Zeit Nehemias und Maleachis bis hin zur Zeit Christi entstanden sind. Hierdurch wird die traditionelle Ansicht der Juden und auch der Christenversammlung des ersten Jahrhunderts u. Z. bestätigt, daß der hebräische Kanon mit Nehemia und Maleachi endet.

      APOKRYPHE BÜCHER DER HEBRÄISCHEN SCHRIFTEN

      13. (a) Was sind die Apokryphen? (b) Wie kam es, daß die katholische Kirche sie als zum Kanon gehörend anerkannte?

      13 Was sind die Apokryphen? Es sind Schriften, die von einigen zum Bibelkanon gerechnet werden, von anderen dagegen nicht, weil sie keinen Beweis für eine göttliche Inspiration liefern. Das griechische Wort apókryphos bezieht sich auf etwas, was „sorgsam verheimlicht“ oder „sorgsam verborgen“ ist (Mar. 4:22; Luk. 8:17; Kol. 2:3). Mit dem Ausdruck werden Bücher bezeichnet, deren Urheberschaft oder Autorität angezweifelt wird, oder Bücher, die es in gewisser Hinsicht wert sind, gelesen zu werden, die aber keinen Beweis für eine göttliche Inspiration enthalten. Solche Bücher wurden getrennt gehalten, und es wurde nicht öffentlich daraus vorgelesen, weshalb man sie „verborgen“ nannte. Auf dem Konzil von Karthago, 397 u. Z., wurde vorgeschlagen, den Hebräischen Schriften sieben der apokryphen Bücher sowie die Zusätze zu den kanonischen Büchern Esther und Daniel hinzuzufügen. Allerdings bestätigte die katholische Kirche erst im Jahre 1546 auf dem Konzil von Trient endgültig die Annahme dieser Hinzufügungen zu ihrem Verzeichnis der Bibelbücher. Diese Hinzufügungen waren: Tobias, Judith, die Nachträge zu Esther, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch, drei Nachträge zu Daniel, das erste und zweite Buch der Makkabäer.

      14. (a) Inwiefern ist das erste Makkabäerbuch von Interesse? (b) Welche maßgeblichen Personen bezogen sich nie auf die Apokryphen, und warum nicht?

      14 Der Inhalt des ersten Makkabäerbuches ist von geschichtlichem Interesse, doch darf es keineswegs als inspiriert angesehen werden. Es enthält einen Bericht über den Unabhängigkeitskampf der Juden im zweiten Jahrhundert v. u. Z. unter der Führung der Priesterfamilie der Makkabäer. Die übrigen der apokryphen Bücher sind voller Fabeleien, abergläubischer Vorstellungen und Irrtümer. Weder Jesus noch die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften bezogen sich je auf diese Bücher, auch zitierten sie nie daraus.

      15, 16. Wie zeigten Josephus und Hieronymus, welche Bücher kanonisch sind?

      15 Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus (erstes Jahrhundert u. Z.) bezieht sich in seinem Werk Gegen Apion (1. Buch, Abs. 8, übersetzt von H. Paret, Stuttgart 1856, Seite 756, 757) auf alle Bücher, die die Juden als heilig anerkannten. Er schreibt: „Bei uns gibt es nicht unzählige widersprechende und sich gegenseitig widerlegende Bücher, sondern nur zweiundzwanzig [die unseren 39 Büchern entsprechen, wie in Absatz 11 gezeigt wurde], welche die ganze Vergangenheit schildern und mit Recht für göttlich gehalten werden. Fünf derselben sind von Moses; sie enthalten die Gesetze und die Geschichte vom Ursprung des Menschengeschlechts bis zu Moses Tode. ... Von Moses Tode an bis zur Herrschaft des Perserkönigs Artaxerxes, des Nachfolgers von Xerxes, haben die auf Moses gefolgten Propheten das zu ihrer Zeit Geschehene in 13 Büchern beschrieben; die übrigen vier enthalten Loblieder auf Gott und Ermahnungen für das Leben der Menschen.“ So zeigt Josephus, daß der Kanon der Hebräischen Schriften lange vor dem ersten Jahrhundert u. Z. festgelegt war.

      16 Die Einstellung des Bibelgelehrten Hieronymus, der um das Jahr 405 u. Z. die Vulgata (lateinische Übersetzung der Bibel) vollendete, gegenüber den apokryphen Büchern war eindeutig. Er führte die inspirierten Bücher auf, wobei er dieselbe Zählweise wie Josephus anwandte — er faßte die 39 inspirierten Bücher der Hebräischen Schriften in 22 zusammen —, und schrieb in seinem Prolog zu den Büchern Samuel und Könige in der Vulgata: „Somit sind es zweiundzwanzig Bücher ... Dieses Vorwort zu den Schriften kann als Grundlage zum Schutz für all die Bücher dienen, die wir aus dem Hebräischen ins Lateinische übersetzen, damit wir wissen mögen, daß, was immer über dieses hinausgeht, in die Apokryphen verlegt werden muß.“

      DIE CHRISTLICHEN GRIECHISCHEN SCHRIFTEN

      17. Welches Recht beansprucht die katholische Kirche, doch wer bestimmte in Wirklichkeit, welche Bücher zum Bibelkanon gehören?

      17 Die katholische Kirche beansprucht das Recht, zu entscheiden, welche Bücher in den Bibelkanon aufgenommen werden sollten, und es wird auf das Konzil von Karthago (397 u. Z.) verwiesen, auf dem ein Verzeichnis der Bücher angefertigt wurde. Jedoch war der Kanon bis dahin, einschließlich des Verzeichnisses der Christlichen Griechischen Schriften, bereits festgelegt, nicht durch den Beschluß irgendeines Konzils, sondern unter der Leitung des heiligen Geistes Gottes — desselben Geistes, der zur Niederschrift dieser Bücher inspirierte. Das Zeugnis späterer nichtinspirierter Personen, die Verzeichnisse anfertigten, ist nur insofern wertvoll, als sie den Bibelkanon bestätigen, den Gottes Geist autorisiert hat.

      18. Welche wichtigen Schlußfolgerungen können aus der Tabelle der frühen Verzeichnisse der Christlichen Griechischen Schriften gezogen werden?

      18 Das Zeugnis der frühen Verzeichnisse. Ein Blick auf die beigefügte Tabelle zeigt, daß eine Anzahl der im vierten Jahrhundert entstandenen Verzeichnisse der Christlichen Schriften, die aus der Zeit vor dem oben erwähnten Konzil stammen, genau mit unserem gegenwärtigen Kanon übereinstimmen, und einige weitere lassen nur die Offenbarung weg. Vor dem Ende des zweiten Jahrhunderts waren die vier Evangelien, die Apostelgeschichte und 12 der Paulinischen Briefe allgemein anerkannt. In gewissen Gegenden wurden nur ein paar der kleineren Schriften angezweifelt. Dieser Zweifel beruhte vielleicht auf der Tatsache, daß diese Schriften aus diesem oder jenem Grund anfänglich nicht so weit verbreitet waren und es deshalb länger dauerte, bis sie als kanonisch anerkannt wurden.

      19. (a) Welches hervorragende Schriftstück ist in Italien aufgefunden worden, und aus welcher Zeit stammt es? (b) Wie definiert es den anerkannten Kanon jener Zeit?

      19 Eines der bemerkenswertesten der alten Verzeichnisse ist das sogenannte Muratorische Fragment. Es wurde von L. A. Muratori in der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand entdeckt und von ihm im Jahre 1740 veröffentlicht. Wohl fehlt der Anfang, doch wird als drittes Evangelium das Lukasevangelium verzeichnet, was zeigt, daß das Matthäus- und das Markusevangelium vorher genannt wurden. Das Muratorische Fragment ist in lateinisch verfaßt und stammt aus der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts u. Z. Es ist ein äußerst interessantes Dokument, wie folgende Auszüge zeigen: „Das dritte Buch des Evangeliums nach Lukas. Dieser Arzt Lukas hat es ... unter seinem Namen verfaßt. ... Das vierte Evangelium, des Johannes, (eines) von den Jüngern. ... Und deshalb ... trägt es doch für den Glauben der Gläubigen nichts aus, da durch den einen und führenden (anfänglichen?) Geist in allen alles erklärt ist: über die Geburt, über das Leiden, über die Auferstehung, über den Verkehr mit seinen Jüngern und über seine doppelte Ankunft, erstens verachtet in Niedrigkeit, was geschehen ist, zweitens herrlich in königlicher Macht, was noch geschehen wird. Was Wunder also, wenn Johannes, so sich gleichbleibend, das Einzelne auch in seinen Briefen vorbringt, wo er von sich selbst sagt: Was wir gesehen haben mit unseren Augen und mit den Ohren gehört haben und unsere Hände betastet haben, das haben wir euch geschrieben. Denn damit bekennt er (sich) nicht nur als Augen- und Ohrenzeuge, sondern auch als Schriftsteller aller Wunder des Herrn der Reihe nach. Die Taten aller Apostel aber sind in einem Buch geschrieben. Lukas faßt für den ‚besten Theophilus‘ zusammen, was ... geschehen ist ... Die Briefe aber des Paulus, welche es (d. h. von Paulus) sind, von welchem Orte und aus welchem Anlaß sie geschrieben sind, erklären das denen, die es wissen wollen, selbst. Zuerst von allen hat er an die Korinther, (denen) er die Häresie der Spaltung, sodann an die Galater, (denen) er die Beschneidung untersagt, sodann aber an die Römer, (denen) er darlegt, daß Christus die Regel der Schriften und ferner ihr Prinzip sei, ausführlicher geschrieben. Über sie müssen wir einzeln handeln, da der selige Apostel Paulus selbst, der Regel seines Vorgängers Johannes folgend, mit Namensnennung nur an sieben Gemeinden schreibt in folgender Ordnung: an die Korinther der erste (Brief), an die Epheser der zweite, an die Philipper der dritte, an die Kolosser der vierte, an die Galater der fünfte, an die Thessalonicher der sechste, an die Römer der siebente. Aber wenn auch an die Korinther und an die Thessalonicher zu ihrer Zurechtweisung noch einmal geschrieben wird, so ist doch deutlich erkennbar, daß eine Gemeinde über den ganzen Erdkreis verstreut ist. Denn auch Johannes in der Offenbarung schreibt zwar an sieben Gemeinden, redet jedoch zu allen. Aber an Philemon einer und an Titus einer und an Timotheus zwei, aus Zuneigung und Liebe (geschrieben), sind doch zu Ehren der katholischen [allgemeinen] Kirche zur Ordnung der kirchlichen Zucht heilig gehalten. ... Ferner werden ein Brief des Judas und zwei mit der Aufschrift (oder: zwei des oben erwähnten) Johannes in der katholischen Kirche gehalten ... Auch von Offenbarungen nehmen wir nur die des Johannes und Petrus an, welche (letztere) einige von den Unsrigen nicht in der Kirche verlesen wissen wollen“ (Neutestamentliche Apokryphen, herausgegeben von W. Schneemelcher, 1. Band, 1987).

      20. (a) Wie wird das Fehlen eines der Johannesbriefe und eines der Petrusbriefe erklärt? (b) Wie genau stimmt daher dieses Verzeichnis mit unserem heutigen überein?

      20 Es ist zu beachten, daß gegen Ende des Muratorischen Fragments nur zwei Briefe des Johannes erwähnt werden. Darüber schreibt jedoch die New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge (1956, Band VIII) auf Seite 55, daß es sich bei diesen beiden Briefen des Johannes „nur um den zweiten und dritten Brief handeln kann, deren Schreiber sich selbst lediglich als ‚der ältere Mann‘ bezeichnet. Da der Verfasser den ersten, wenn auch nur beiläufig, in Verbindung mit dem vierten Evangelium erwähnt und dort seinen bedingungslosen Glauben an seinen johanneischen Ursprung erklärt hatte, konnte er sich an dieser Stelle auf die zwei kleineren Briefe beschränken.“ Über die Tatsache, daß der erste Petrusbrief nicht genannt wird, schreibt das erwähnte Werk weiter: „Die wahrscheinlichste Annahme ist die, daß ein paar Worte, vielleicht eine Zeile, verlorengegangen sind, in denen I Petrus und die Offenbarung des Johannes als anerkannt erwähnt waren.“ Daher schlußfolgert diese Enzyklopädie auf Seite 56 vom Standpunkt des Muratorischen Fragments aus: „Es besteht kein Zweifel, daß das Neue Testament als aus den vier Evangelien, der Apostelgeschichte, aus dreizehn Briefen des Paulus, der Offenbarung des Johannes, wahrscheinlich aus drei Briefen von ihm, dem Judasbrief und wahrscheinlich I Petrus bestehend betrachtet wurde, während der Widerspruch gegen eine weitere Schrift des Petrus noch nicht zum Verstummen gebracht worden war.“

      21. (a) Von welchem Interesse ist, was Origenes über die inspirierten Schriften schreibt? (b) Was bestätigten spätere Schreiber?

      21 Um das Jahr 230 u. Z. erkannte Origenes den Hebräerbrief und den Jakobusbrief, die beide im Muratorischen Fragment fehlen, als inspirierte Schriften an. Wenn er auch andeutet, daß einige ihre Kanonizität anzweifelten, zeigt dies ebenfalls, daß zu der Zeit die Kanonizität des größten Teils der Griechischen Schriften anerkannt war, nur wenige hatten Zweifel in bezug auf einige weniger bekannte Briefe. Später bestätigten Athanasius, Hieronymus und Augustinus die endgültige Zusammenstellung der Schriften in früheren Verzeichnissen, indem sie dieselben 27 Bücher als kanonisch bezeichneten, die heute unseren Kanon bilden.b

      22, 23. (a) Wie wurden die in der Tabelle aufgeführten Verzeichnisse erstellt? (b) Warum gab es offenbar keine solchen Verzeichnisse vor dem Muratorischen Fragment?

      22 Die Mehrzahl der in der Tabelle aufgeführten Verzeichnisse sind besondere Verzeichnisse, die zeigen, welche Bücher als kanonisch anerkannt waren. Diejenigen von Irenäus, Klemens von Alexandria, Tertullian und Origenes sind vervollständigt worden aufgrund der von ihnen gemachten Zitate, die zeigen, wie sie die Schriften, aus denen sie zitierten, betrachteten. Diese werden durch die Aufzeichnungen des frühen Geschichtsschreibers Eusebius noch ergänzt. Die Tatsache jedoch, daß diese Schreiber bestimmte der kanonischen Schriften nicht erwähnen, spricht nicht gegen deren Kanonizität. Diese Schreiber haben nur in ihren Schriften — absichtlich oder wegen der besprochenen Themen — nicht auf solche Bücher Bezug genommen. Aber warum finden wir keine genauen Verzeichnisse, die älter als das Muratorische Fragment sind?

      23 Erst als Mitte des zweiten Jahrhunderts u. Z. Kritiker wie Marcion auftraten, kam die Frage auf, welche Bücher von Christen angenommen werden sollten. Marcion stellte einen eigenen Kanon zusammen, der auf seine Lehren abgestimmt war. In diesen Kanon nahm er nur bestimmte der Paulusbriefe und ein „gereinigtes“ Lukasevangelium auf. Dieser Kanon sowie die Menge apokrypher Schriften, die es bis dahin überall gab, führten dazu, daß man Verzeichnisse der Schriften, die als kanonisch anerkannt wurden, erstellte.

      24. (a) Was ist charakteristisch für die apokryphen „neutestamentlichen“ Schriften? (b) Was sagen Gelehrte über diese Schriften?

      24 Apokryphe Schriften. Der innere Beweis bestätigt, daß zwischen den inspirierten Christlichen Schriften und den unechten oder nichtinspirierten Schriften deutlich unterschieden wurde. Die apokryphen Schriften stehen weit unter den kanonischen Büchern und sind oft kindisch und voller Phantastereien. Sie sind häufig ungenau.c Man beachte folgende Erklärungen von Gelehrten über diese nichtkanonischen Bücher:

      „Niemand hat sie vom Neuen Testament ausgeschlossen: Sie haben das selbst getan“ (M. R. James, The Apocryphal New Testament, Seite xi, xii).

      „Wir brauchen nur alle unsere neutestamentlichen Bücher mit nichtkanonischen Schriften zu vergleichen, um zu erkennen, durch welch große Kluft sie voneinander getrennt sind. Es ist oft gesagt worden, daß die nichtkanonischen Evangelien in Wirklichkeit das beste Zeugnis für die kanonischen sind“ (G. Milligan, The New Testament Documents, Seite 228).

      „Von keiner der uns aus der Frühzeit der Kirche außerhalb des Neuen Testaments erhaltenen Schriften wird man urteilen können, daß sie heute legitim dem Kanon hinzugefügt werden könnte“ (K. Aland, Das Problem des neutestamentlichen Kanons, in: Neue Zeitschrift für systematische Theologie, 4. Band, Heft 1, 1962, Seite 236).

      25. Welche Tatsachen über die einzelnen Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften sprechen für die Inspiration dieser Schriften?

      25 Inspirierte Schreiber. Folgendes ist sehr interessant: Alle Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften waren auf diese oder jene Weise eng mit der ursprünglichen leitenden Körperschaft der Christenversammlung, die die von Jesus persönlich ausgewählten Apostel einschloß, verbunden. Matthäus, Johannes und Petrus gehörten zu den ursprünglichen 12 Aposteln, und Paulus wurde später als Apostel ausgewählt, wurde aber nicht als einer der Zwölf gerechnet.d Paulus war bei der Ausgießung des Geistes zu Pfingsten nicht zugegen, wohl aber Matthäus, Johannes und Petrus sowie Jakobus und Judas und wahrscheinlich auch Markus (Apg. 1:13, 14). Petrus erwähnt ausdrücklich die Briefe des Paulus in Verbindung mit „den übrigen Schriften“ (2. Pet. 3:15, 16). Markus und Lukas waren enge Gefährten und Reisebegleiter von Paulus und Petrus (Apg. 12:25; 1. Pet. 5:13; Kol. 4:14; 2. Tim. 4:11). Alle diese Schreiber waren durch den heiligen Geist mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet worden, entweder durch eine besondere Ausgießung des Geistes wie zu Pfingsten und bei der Bekehrung des Paulus (Apg. 9:17, 18) oder — zweifellos war das bei Lukas so — durch Auflegen der Hände der Apostel (Apg. 8:14-17). Die gesamte Niederschrift der Christlichen Griechischen Schriften wurde in der Zeit, als die besonderen Gaben des Geistes wirksam waren, vollendet.

      26. (a) Was anerkennen wir als Gottes Wort, und warum? (b) Wie sollten wir für die Bibel Wertschätzung zeigen?

      26 Durch unseren Glauben an Gott, den Allmächtigen, der sein Wort inspiriert und bewahrt hat, haben wir das Vertrauen, daß er die Zusammenstellung der Bücher dieses Wortes gesteuert hat. Wir anerkennen daher vertrauensvoll die 27 Bücher der Christlichen Griechischen Schriften sowie die 39 Bücher der Hebräischen Schriften als die Bibel, deren Autor Jehova Gott ist. Wir lassen uns von seinem aus 66 Büchern bestehenden Wort leiten, dessen Harmonie und Ausgewogenheit beweisen, daß es vollständig ist. Aller Lobpreis gebührt Jehova Gott, dem Schöpfer dieses unvergleichlichen Buches. Es kann uns vollständig ausrüsten und unseren Fuß auf den Weg bringen, der zum Leben führt. Mögen wir es daher bei jeder Gelegenheit weise gebrauchen.

      [Fußnoten]

      a Encyclopaedia Judaica, 1973, Band 4, Spalte 826, 827.

      b The Books and the Parchments, 1963, F. F. Bruce, Seite 112.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 151—154.

      d Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 158, 159.

      [Übersicht auf Seite 303]

      Hervorragende frühe Kanonverzeichnisse der Christlichen Griechischen Schriften

      A — Anerkannt als biblisch und kanonisch

      B — Bezweifelt in bestimmten Gegenden

      BA — Bezweifelt in bestimmten Gegenden, aber vom Ersteller des

      Verzeichnisses als biblisch und kanonisch anerkannt

      ? — Gelehrte unsicher über die Lesart des Textes oder darüber,

      wie ein erwähntes Buch anzusehen ist

      □ — Ein leeres Feld bedeutet, daß das Buch von dieser Autorität

      nicht verwendet oder erwähnt wurde

      Name und Ort

      Muratorisches Irenäus, Klemens von Tertullian,

      Fragment, Kleinasien Alexandria Nordafrika

      Italien

      Ungefährer

      Zeitpunkt

      u. Z. 170 180 190 207

      Matthäus A A A A

      Markus A A A A

      Lukas A A A A

      Johannes A A A A

      Apostel-

      geschichte A A A A

      Römer A A A A

      1. Korinther A A A A

      2. Korinther A A A A

      Galater A A A A

      Epheser A A A A

      Philipper A A A A

      Kolosser A A A A

      1. Thessa-

      lonicher A A A A

      2. Thessa-

      lonicher A A A A

      1. Timotheus A A A A

      2. Timotheus A A A A

      Titus A A A A

      Philemon A A

      Hebräer B BA BA

      Jakobus ?

      1. Petrus A? A A A

      2. Petrus B? A

      1. Johannes A A BA A

      2. Johannes A A BA

      3. Johannes A?

      Judas A BA A

      Offenbarung A A A A

      Name und Ort

      Origenes, Eusebius, Cyrill von Cheltenham-

      Alexandria Palästina Jerusalem Verzeichnis,

      Nordafrika

      Ungefährer

      Zeitpunkt

      u. Z. 230 320 348 365

      Matthäus A A A A

      Markus A A A A

      Lukas A A A A

      Johannes A A A A

      Apostel-

      geschichte A A A A

      Römer A A A A

      1. Korinther A A A A

      2. Korinther A A A A

      Galater A A A A

      Epheser A A A A

      Philipper A A A A

      Kolosser A A A A

      1. Thessa-

      lonicher A A A A

      2. Thessa-

      lonicher A A A A

      1. Timotheus A A A A

      2. Timotheus A A A A

      Titus A A A A

      Philemon A A A A

      Hebräer BA BA A

      Jakobus BA BA A

      1. Petrus A A A A

      2. Petrus BA BA A B

      1. Johannes A A A A

      2. Johannes BA BA A B

      3. Johannes BA BA A B

      Judas BA BA A

      Offenbarung A BA A

      Name und Ort

      Athanasius, Epiphanius, Gregor von Amphilochius,

      Alexandria Palästina Nazianz, Kleinasien

      Kleinasien

      Ungefährer

      Zeitpunkt

      u. Z. 367 368 370 370

      Matthäus A A A A

      Markus A A A A

      Lukas A A A A

      Johannes A A A A

      Apostel-

      geschichte A A A A

      Römer A A A A

      1. Korinther A A A A

      2. Korinther A A A A

      Galater A A A A

      Epheser A A A A

      Philipper A A A A

      Kolosser A A A A

      1. Thessa-

      lonicher A A A A

      2. Thessa-

      lonicher A A A A

      1. Timotheus A A A A

      2. Timotheus A A A A

      Titus A A A A

      Philemon A A A A

      Hebräer A A A BA

      Jakobus A A A A

      1. Petrus A A A A

      2. Petrus A A A B

      1. Johannes A A A A

      2. Johannes A A A B

      3. Johannes A A A B

      Judas A A A B

      Offenbarung A BA B

      Name und Ort

      Philastrius, Hieronymus, Augustinus, Drittes Konzil

      Italien Italien Nordafrika von Karthago,

      Nordafrika

      Ungefährer

      Zeitpunkt

      u. Z. 383 394 397 397

      Matthäus A A A A

      Markus A A A A

      Lukas A A A A

      Johannes A A A A

      Apostel-

      geschichte A A A A

      Römer A A A A

      1. Korinther A A A A

      2. Korinther A A A A

      Galater A A A A

      Epheser A A A A

      Philipper A A A A

      Kolosser A A A A

      1. Thessa-

      lonicher A A A A

      2. Thessa-

      lonicher A A A A

      1. Timotheus A A A A

      2. Timotheus A A A A

      Titus A A A A

      Philemon A A A A

      Hebräer BA BA A A

      Jakobus A BA A A

      1. Petrus A A A A

      2. Petrus A BA A A

      1. Johannes A A A A

      2. Johannes A BA A A

      3. Johannes A BA A A

      Judas A BA A A

      Offenbarung BA BA A A

  • Studie 5 — Der hebräische Text der Heiligen Schrift
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 5 — Der hebräische Text der Heiligen Schrift

      Wie die Hebräischen Schriften als Teil des inspirierten Wortes Gottes abgeschrieben wurden und wie ihr Text unversehrt bewahrt und bis in unsere Zeit überliefert wurde

      1. (a) Wie unterscheiden sich die ‘Worte Jehovas’ von anderen Schätzen der Vergangenheit? (b) Welche Fragen entstehen bezüglich der Bewahrung des Wortes Gottes?

      DIE schriftlich niedergelegten ‘Worte Jehovas’ könnte man bildhaft als Wasser der Wahrheit, gesammelt in einem einzigartigen Speicher inspirierter Dokumente, bezeichnen. Wie dankbar können wir sein, daß Jehova während der ganzen Zeit, in der diese himmlischen Mitteilungen ergingen, die „Wasser“ sammeln ließ, so daß sie zu einem unerschöpflichen Quell lebengebender Erkenntnis wurden! Andere Schätze der Vergangenheit, wie zum Beispiel Königskronen, Erbstücke und Denkmäler von Menschen, haben im Laufe der Zeit ihren Glanz verloren, haben sich zersetzt oder sind zusammengestürzt. Die einem Schatz gleichenden Reden unseres Gottes hingegen werden auf unabsehbare Zeit bestehen (Jes. 40:8). Es erheben sich jedoch Fragen darüber, ob diese Wasser der Wahrheit, nachdem sie in den Speicher aufgenommen worden waren, verunreinigt wurden. Sind sie unverfälscht geblieben? Sind sie, ausgehend von den Texten der Ursprachen, genau überliefert worden, so daß, was heute den Völkern der Erde in all ihren Sprachen zur Verfügung steht, zuverlässig ist? Es wird uns begeistern, den als hebräischer Text bekannten Teil dieses Speichers zu untersuchen und festzustellen, mit welcher Sorgfalt und Genauigkeit der Text bewahrt worden ist und was man alles unternommen hat, um ihn weiterzugeben und ihn durch neuere Übersetzungen allen Nationen der Menschheit zugänglich zu machen.

      2. Wie wurden die inspirierten Schriften bis zur Zeit Esras bewahrt?

      2 Die ursprünglichen Dokumente wurden von Gottes menschlichen Sekretären, beginnend mit Moses im Jahre 1513 v. u. Z. bis kurz nach 443 v. u. Z., in der hebräischen und in der aramäischen Sprache aufgezeichnet. Soweit heute bekannt, existieren diese Urschriften nicht mehr. Die inspirierten Schriften einschließlich maßgeblicher Abschriften wurden jedoch von Anfang an mit großer Sorgfalt bewahrt. Um 642 v. u. Z., zur Zeit König Josias, fand man im Haus Jehovas das dort aufbewahrte „Buch des Gesetzes“ Mose, zweifellos das Original. 871 Jahre lang hatte man es treu vor dem Verderb geschützt. Der Bibelschreiber Jeremia war so sehr an dieser Entdeckung interessiert, daß er in 2. Könige 22:8-10 davon berichtete. Um das Jahr 460 v. u. Z. erwähnte Esra nochmals dasselbe Ereignis (2. Chr. 34:14-18). Er interessierte sich ebenfalls dafür, denn „er war ein geschickter Abschreiber im Gesetz Mose, das Jehova, der Gott Israels, gegeben hatte“ (Esra 7:6). Zweifellos hatte Esra Zugang zu weiteren Schriftrollen der Hebräischen Schriften, die bis zu seiner Zeit angefertigt worden waren und unter denen sich möglicherweise die Originale von einigen der inspirierten Schriften befanden. Allem Anschein nach war Esra in seinen Tagen der Hüter der göttlichen Schriften (Neh. 8:1, 2).

      ZEIT DES ABSCHREIBENS DER HANDSCHRIFTEN

      3. Welcher Bedarf entstand an zusätzlichen Exemplaren der inspirierten Schriften, und wie wurde er gedeckt?

      3 Von Esras Zeit an bestand ein vermehrter Bedarf an Abschriften der Hebräischen Schriften. Im Jahre 537 v. u. Z. und danach kehrten nicht alle Juden nach Jerusalem und Palästina zurück. Tausende blieben in Babylon; andere wanderten aus geschäftlichen und anderen Gründen aus, so daß sie in den meisten großen Handelszentren der alten Welt zu finden waren. Jedes Jahr pilgerten viele Juden nach Jerusalem, um dort den verschiedenen Tempelfesten beizuwohnen und sich an der Anbetung zu beteiligen, die in biblischem Hebräisch durchgeführt wurde. Zur Zeit Esras benutzten die Juden in zahlreichen fernen Ländern örtliche, als Synagogen bekannte Versammlungsstätten, in denen die Hebräischen Schriften vorgelesen und besprochen wurden.a Wegen der vielen zerstreut liegenden Anbetungsstätten mußten Abschreiber weitere Handschriften anfertigen.

      4. (a) Was war die Genisa, und wozu diente sie? (b) Welche wertvolle Entdeckung machte man in einer Genisa im 19. Jahrhundert?

      4 Die Synagogen hatten gewöhnlich einen als Genisa bekannten Lagerraum. Im Laufe der Zeit legten die Juden zerrissene oder abgenutzte alte Handschriften in der Genisa ab und ersetzten sie durch neue für den laufenden Gebrauch in der Synagoge. Von Zeit zu Zeit vergrub man den Inhalt der Genisa feierlich in der Erde, damit der Text — der den heiligen Namen Jehovas enthielt — nicht entweiht würde. So verschwanden im Laufe der Jahrhunderte Tausende von alten, nicht mehr benutzten hebräischen Bibelhandschriften. Die reichhaltige Genisa der Synagoge im alten Kairo entging jedoch diesem Verfahren, wahrscheinlich weil sie zugemauert wurde und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet. Als man die Synagoge 1890 u. Z. ausbesserte, wurde der Inhalt der Genisa nochmals untersucht, und ihre Schätze wurden dann nach und nach verkauft oder verschenkt. Aus dieser Quelle haben ziemlich vollständige Handschriften und Tausende von Fragmenten (einige sollen aus dem 6. Jahrhundert u. Z. stammen) ihren Weg in die Bibliothek der Universität Cambridge und in andere Bibliotheken Europas und Amerikas gefunden.

      5. (a) Welche alten hebräischen Handschriften hat man jetzt katalogisiert, und wie alt sind sie? (b) Was offenbart ein Studium dieser Handschriften?

      5 Heute hat man in verschiedenen Bibliotheken der Welt etwa 6 000 vollständige oder nur Teile umfassende Handschriften der Hebräischen Schriften gezählt und katalogisiert. Bis vor kurzem gab es (außer einigen Fragmenten) keine solchen Handschriften aus der Zeit vor dem 10. Jahrhundert u. Z. Dann entdeckte man 1947 in der Umgebung des Toten Meeres eine Schriftrolle des Buches Jesaja, und in den nachfolgenden Jahren kamen weitere sehr kostbare Schriftrollen der Hebräischen Schriften ans Licht, als Höhlen in der Nähe des Toten Meeres umfangreiche Handschriftenschätze preisgaben, die fast 1 900 Jahre lang verborgen gewesen waren. Sachverständige haben jetzt einige der Abschriften in die letzten paar Jahrhunderte v. u. Z. datiert. Das vergleichende Studium der ungefähr 6 000 Handschriften der Hebräischen Schriften liefert eine solide Grundlage für die Festlegung des hebräischen Textes und offenbart, wie genau er überliefert wurde.

      DIE HEBRÄISCHE SPRACHE

      6. (a) Beschreibe die frühe Geschichte der hebräischen Sprache. (b) Wieso war Moses befähigt, das erste Buch Mose zu schreiben?

      6 Was man heute die hebräische Sprache nennt, war in der ursprünglichen Form die Sprache, die Adam im Garten Eden sprach. Daher könnte das Hebräische als die Sprache des Menschen bezeichnet werden. Es war die Sprache der Tage Noahs, wenn auch der Wortschatz im Wachsen begriffen war. In einer noch weiter entwickelten Form war es die Sprache, die bestehenblieb, als Jehova die Sprache der Menschheit am Turm zu Babel verwirrte (1. Mo. 11:1, 7-9). Hebräisch gehört zur semitischen Sprachfamilie, von der es die Ursprache ist. Es scheint mit der Sprache, die zur Zeit Abrahams in Kanaan gesprochen wurde, verwandt zu sein. Die Kanaaniter bildeten aus ihrem eigenen hebräischen Zweig verschiedene Mundarten. In Jesaja 19:18 wird Hebräisch als „die Sprache Kanaans“ bezeichnet. Moses war ein Gelehrter seiner Zeit und war nicht nur in der Weisheit der Ägypter, sondern auch in der hebräischen Sprache seiner Vorväter bewandert. Darum konnte er alte Urkunden, die in seine Hände gelangten, lesen, und diese bildeten möglicherweise die Grundlage für einen Teil seiner Aufzeichnungen, die jetzt in der Bibel im ersten Buch Mose zu finden sind.

      7. (a) Wie hat sich das Hebräische später entwickelt? (b) Als was diente das biblische Hebräisch?

      7 Später, in den Tagen der jüdischen Könige, wurde Hebräisch als die „Sprache der Juden“ bekannt (2. Kö. 18:26, 28). Zur Zeit Jesu sprachen die Juden eine neuere oder erweiterte Form des Hebräischen, und noch später wurde diese zu rabbinischem Hebräisch. Man beachte jedoch, daß in den Christlichen Griechischen Schriften immer noch von der „hebräischen“ und nicht von der aramäischen Sprache die Rede ist (Joh. 5:2; 19:13, 17; Apg. 22:2; Offb. 9:11). Von frühster Zeit an war das biblische Hebräisch die anerkannte Sprache, in der man sich verständigte und die sowohl von den meisten vorchristlichen Zeugen Jehovas als auch von den christlichen Zeugen des 1. Jahrhunderts verstanden wurde.

      8. Wofür können wir wirklich dankbar sein, wenn wir an den Zweck der Heiligen Schrift denken?

      8 Die Hebräischen Schriften dienten als ein Speicher kristallklarer Wasser der Wahrheit, die unter göttlicher Inspiration mitgeteilt und gesammelt worden waren. Doch nur wer Hebräisch lesen konnte, war in der Lage, von diesem von Gott beschafften Wasser unmittelbar Gebrauch zu machen. Was würde es Menschen von den Nationen mit ihrer Vielfalt an Sprachen ebenfalls ermöglichen, diese Wasser der Wahrheit zu trinken und dadurch göttliche Führung und Erquickung für ihre Seele zu erlangen? (Offb. 22:17). Der einzige Weg bestand darin, den hebräischen Text in andere Sprachen zu übersetzen, damit der Strom göttlicher Wahrheit all den Menschenmengen reichlich zufließen konnte. Wir können Jehova Gott wirklich dankbar sein, daß Teile der Bibel etwa vom 4. oder 3. Jahrhundert v. u. Z. an bis heute in mehr als 1 900 Sprachen übersetzt worden sind. Welch ein Segen das doch für alle gerechtgesinnten Menschen gewesen ist, da sie die Möglichkeit erhalten haben, an diesen kostbaren Wassern ihre „Wonne“ zu finden! (Ps. 1:2; 37:3, 4).

      9. (a) Inwiefern läßt sich aus der Bibel selbst die Befugnis zum Übersetzen ableiten? (b) Welchem weiteren guten Zweck dienen alte Bibelübersetzungen?

      9 Läßt sich aus der Bibel selbst die Befugnis oder Berechtigung ableiten, ihren Text in andere Sprachen zu übersetzen? Gewiß! Gottes Ausspruch an Israel: „Seid fröhlich, ihr Nationen, mit seinem Volk“ und das an Christen gerichtete prophetische Gebot Jesu: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis“ müssen sich erfüllen. Damit das geschehen kann, muß die Bibel übersetzt werden. Wenn man auf die fast 24 Jahrhunderte zurückblickt, in denen die Bibel oftmals übersetzt wurde, erkennt man deutlich, daß der Segen Jehovas dieses Werk begleitet hat. Überdies dienen alte Bibelübersetzungen, die in Form von Handschriften erhalten geblieben sind, als Bestätigung dafür, daß der Text des hebräischen Speichers der Wahrheit höchst zuverlässig ist (5. Mo. 32:43; Mat. 24:14).

      FRÜHSTE BIBELÜBERSETZUNGEN

      10. (a) Was ist der samaritanische Pentateuch, und wieso ist er für uns heute von Wert? (b) Nenne ein Beispiel dafür, wie die Neue-Welt-Übersetzung auf den samaritanischen Pentateuch Bezug nimmt.

      10 Der samaritanische Pentateuch. Aus alter Zeit stammt die als samaritanischer Pentateuch bekannte Fassung, die, wie der Name besagt, nur die ersten fünf Bücher der Hebräischen Schriften enthält. Eigentlich handelt es sich um eine Übertragung des hebräischen Textes in samaritanische Schriftzeichen, die sich aus den althebräischen Schriftzeichen entwickelt hatten. Der samaritanische Pentateuch liefert nützliche Hinweise auf den hebräischen Text jener Zeit. Die Übertragung wurde von den Samaritern vorgenommen — Nachkommen derer, die nach der Eroberung des Zehnstämmereiches Israel im Jahre 740 v. u. Z. in Samaria zurückgelassen wurden, sowie derer, die damals von den Assyrern ins Land gebracht wurden. Die Samariter oder Samaritaner verbanden die in Israel gepflegte Anbetung mit der Anbetung ihrer heidnischen Götter, und sie nahmen den Pentateuch an. Man vermutet, daß ihre Fassung des Pentateuchs um das 4. Jahrhundert v. u. Z. entstanden ist, wenn auch manche Gelehrte sagen, es sei vielleicht erst im 2. Jahrhundert v. u. Z. gewesen. Wenn die Samariter diesen Text lasen, sprachen sie in Wirklichkeit hebräisch. Obwohl der Text etwa 6 000 Abweichungen vom hebräischen Text enthält, sind viele davon geringfügig. Nur wenige der vorhandenen Abschriften reichen weiter zurück als ins 13. Jahrhundert u. Z. In den Fußnoten der Neuen-Welt-Übersetzung wird mehrmals auf den samaritanischen Pentateuch Bezug genommen.b

      11. Was sind die Targume, und von welchem Nutzen sind sie in Verbindung mit dem Text der Hebräischen Schriften?

      11 Die Targume (aramäisch). Das aramäische Wort für „Verdolmetschung“ oder „Übersetzung (Paraphrase)“ ist targum. Von Nehemias Zeit an wurde Aramäisch zur allgemeinen Sprache vieler im Gebiet von Persien lebender Juden, und daher war es notwendig, Vorlesungen der Hebräischen Schriften durch Übersetzungen ins Aramäische zu ergänzen. Diese erhielten ihre gegenwärtige, endgültige Form wahrscheinlich erst um das 5. Jahrhundert u. Z. Obwohl es nur freie Wiedergaben des hebräischen Textes und keine genauen Übersetzungen sind, liefern sie eine Fülle zusätzlicher Informationen zum Text und helfen, einige schwierige Stellen zu klären. Die Fußnoten der Neuen-Welt-Übersetzung enthalten zahlreiche Hinweise auf die Targume.c

      12. Was ist die Septuaginta, und weshalb ist sie so bedeutsam?

      12 Die Septuaginta (griechisch). Die wichtigste frühe Übersetzung der Hebräischen Schriften und überhaupt die erste schriftliche Übersetzung aus dem Hebräischen ist die Septuaginta (was „Siebzig“ bedeutet). Gemäß der Überlieferung begannen 72 jüdische Gelehrte in Alexandria (Ägypten) um 280 v. u. Z. mit der Übersetzungsarbeit. Später kam irgendwie die Zahl 70 auf, und so nannte man die Übersetzung Septuaginta. Offensichtlich wurde sie irgendwann im 2. Jahrhundert v. u. Z. vollendet. Sie war die Bibel der griechisch sprechenden Juden und wurde bis zur Zeit Jesu und seiner Apostel weitgehend verwendet. Die meisten der 320 direkten Zitate und der insgesamt etwa 890 Zitate und anderen Bezugnahmen auf die Hebräischen Schriften, die in den Christlichen Griechischen Schriften enthalten sind, stützen sich auf die Septuaginta.

      13. Welche wertvollen Septuaginta-Fragmente sind bis heute erhalten geblieben, und worin besteht ihr Wert?

      13 Heute steht noch eine beträchtliche Anzahl auf Papyrus geschriebener Septuaginta-Fragmente für die Textforschung zur Verfügung. Sie sind deshalb wertvoll, weil sie der frühchristlichen Zeit angehören, und obwohl sie oft nur aus ein paar Versen oder Kapiteln bestehen, helfen sie, den Septuaginta-Text zu klären. Die Papyrussammlung Fouad (Fuad) 266 wurde 1939 in Ägypten entdeckt, und man hat festgestellt, daß sie aus dem 1. Jahrhundert v. u. Z. stammt. Sie enthält Teile aus 1. Mose und aus 5. Mose. In den Fragmenten von 1. Mose kommt der göttliche Name nicht vor, da der Text nur unvollständig erhalten ist. Aber in 5. Mose erscheint er an verschiedenen Stellen mitten im griechischen Text in hebräischer Quadratschrift.d Andere Papyri datieren ungefähr bis ins 4. Jahrhundert u. Z. zurück, als man zum Anfertigen von Handschriften das haltbarere Velin — eine feine Sorte Pergament, im allgemeinen aus Kalbs-, Lamm- oder Ziegenhaut — zu verwenden begann.

      14. (a) Was bezeugt Origenes bezüglich der Septuaginta? (b) Wann und wie wurde die Septuaginta gefälscht? (c) Welches Zeugnis müssen die ersten Christen gegeben haben, wenn sie die Septuaginta gebrauchten?

      14 Interessanterweise findet sich der göttliche Name in Form des Tetragrammatons oder Tetragramms auch in der Septuaginta der sechsspaltigen, um 245 u. Z. vollendeten Hexapla des Origenes. In seinen Bemerkungen zu Psalm 2:2 schrieb Origenes, die Septuaginta betreffend: „In exakteren Handschriften ist dieser Name mit hebräischen Buchstaben geschrieben, aber nicht mit den modernen, sondern mit den alten.“e Es gibt überzeugende Beweise dafür, daß die Septuaginta zu einem frühen Zeitpunkt insofern gefälscht wurde, als man das Tetragrammaton durch Kýrios (Herr) und Theós (Gott) ersetzte. Da die ersten Christen Handschriften benutzten, die den göttlichen Namen enthielten, folgten sie in Verbindung mit ihrem Dienst sicherlich nicht dem jüdischen Brauch, diesen Namen nicht auszusprechen. Es muß ihnen möglich gewesen sein, direkt aus der Septuaginta für den Namen Jehovas Zeugnis abzulegen.

      15. (a) Beschreibe anhand der Tabelle auf Seite 314 die Pergamenthandschriften der Septuaginta. (b) Wie werden diese in der Neuen-Welt-Übersetzung erwähnt?

      15 Hunderte von Pergamenthandschriften der Septuaginta sind noch erhalten. Einige davon, die zwischen dem 4. und dem 9. Jahrhundert u. Z. entstanden sind, sind wichtig, weil sie große Teile der Hebräischen Schriften umfassen. Sie sind als Majuskel- oder Unzialhandschriften bekannt, weil ihre Schrift ausschließlich aus nicht miteinander verbundenen Großbuchstaben besteht. Die übrigen werden Minuskelhandschriften genannt, weil sie sich einer kleineren, kursiven Schrift bedienen. Minuskel- oder kursive Handschriften waren vom 9. Jahrhundert bis zu den Anfängen der Buchdruckerkunst beliebt. Die bedeutendsten Majuskelhandschriften aus dem 4. und 5. Jahrhundert — die Vatikanische Handschrift 1209, die Sinaitische Handschrift und die Alexandrinische Handschrift — enthalten jeweils die Septuaginta, wenn auch mit geringfügigen Abweichungen. Die Septuaginta wird in den Fußnoten und Erläuterungen der Neuen-Welt-Übersetzung oft erwähnt.f

      16. (a) Was ist die Vulgata, und wieso ist sie so wertvoll? (b) Nenne ein Beispiel, wie sich die Neue-Welt-Übersetzung auf sie bezieht.

      16 Die Vulgata (lateinisch). Diese Übersetzung diente zahlreichen katholischen Übersetzern beim Übertragen der Bibel in die vielen Sprachen des westlichen Bereichs der Christenheit als Ausgangstext. Wie entstand die Vulgata? Das lateinische Wort vulgatus bedeutet „gewöhnlich, verbreitet“. Die Vulgata wurde ursprünglich in dem allgemein bekannten oder verbreiteten Latein jener Tage geschrieben, so daß sie für die gewöhnlichen Menschen im Weströmischen Reich leicht verständlich war. Der Gelehrte Hieronymus, der diese Übersetzung anfertigte, hatte vorher zwei revidierte Fassungen der altlateinischen Psalmen nach der Septuaginta geschaffen. Bei seiner Arbeit an der Vulgata-Bibel übersetzte er jedoch unmittelbar aus den Ursprachen, Hebräisch und Griechisch, und daher war die Vulgata keine Übersetzung einer Übersetzung. Hieronymus arbeitete an seiner lateinischen Übersetzung aus dem Hebräischen ungefähr von 390 bis 405 u. Z. Das vollendete Werk schloß zwar auch apokryphe Bücher ein, die sich um diese Zeit in den Abschriften der Septuaginta befanden, aber Hieronymus unterschied deutlich zwischen den kanonischen und den nichtkanonischen Büchern. Die Neue-Welt-Übersetzung bezieht sich in ihren Fußnoten häufig auf die Vulgata des Hieronymus.g

      DIE HEBRÄISCHSPRACHIGEN TEXTE

      17. Wer waren die Schreiber, Schriftgelehrten oder Sopherim, und weshalb verurteilte Jesus sie?

      17 Die Sopherim. Die Männer, die von den Tagen Esras an bis zur Zeit Jesu die Hebräischen Schriften abschrieben, wurden Schreiber, Schriftgelehrte oder Sopherim genannt. Im Laufe der Zeit begannen sie, sich Freiheiten herauszunehmen und gewisse Dinge im Text zu ändern. Jesus selbst verurteilte diese Scheinhüter des Gesetzes ganz offen, weil sie sich Vollmachten anmaßten, die ihnen nicht zustanden (Mat. 23:2, 13).

      18. (a) Wer waren die Massoreten, und welche wertvollen Bemerkungen zum hebräischen Text stammen von ihnen? (b) Nenne einige in der Neuen-Welt-Übersetzung angegebene Beispiele ihrer Berichtigungen.

      18 Die Massora enthüllt Änderungen. In den Jahrhunderten nach Christus wurden die Nachfolger der Schriftgelehrten oder der Sopherim als Massoreten bekannt. Sie schenkten den Änderungen, die die Sopherim früher vorgenommen hatten, Aufmerksamkeit und vermerkten sie auf dem Rand oder am Ende des hebräischen Textes. Diese Randbemerkungen nannte man dann die Massora. Die Massora führte die 15 außerordentlichen Punkte der Sopherim auf, nämlich 15 Wörter oder Ausdrücke im hebräischen Text, die durch Punkte oder Striche gekennzeichnet worden waren. Einige dieser außerordentlichen Punkte haben keinen Einfluß auf die deutsche Übersetzung oder auf die Auslegung, doch bei anderen ist das der Fall, und diese sind von Bedeutung.h Die Sopherim ließen sich von ihrer abergläubischen Furcht, den Namen Jehova auszusprechen, dazu verleiten, ihn an 134 Stellen auf ʼAdhonáj (Herr) und an einigen Stellen auf ʼElohím (Gott) abzuändern. In der Massora sind diese Änderungen verzeichnet.i Aufgrund einer Anmerkung in der Massora wird den Sopherim oder frühen Schreibern und Schriftgelehrten außerdem vorgeworfen, wenigstens 18 Verbesserungen (Emendationen) vorgenommen zu haben, obwohl es offenbar noch mehr waren.j Diese Emendationen erfolgten höchstwahrscheinlich in guter Absicht, da der ursprüngliche Wortlaut Mißachtung vor Gott oder Respektlosigkeit seinen irdischen Vertretern gegenüber zu verraten schien.

      19. Was ist der hebräische Konsonantentext, und wann erhielt er seine feste Gestalt?

      19 Der Konsonantentext. Das hebräische Alphabet setzt sich aus 22 Konsonanten (Mitlauten) zusammen; Vokale (Selbstlaute) fehlen. Ursprünglich mußte der Leser die Vokale gemäß seiner Kenntnis der Sprache ergänzen. Die hebräische Schrift bestand gewissermaßen aus Abkürzungen. Auch im heutigen Deutsch sind viele Abkürzungen üblich, die nur Konsonanten enthalten. Ein Beispiel dafür ist lfd., die Abkürzung für laufend. In ähnlicher Weise bestanden die Wörter im Hebräischen sozusagen nur aus Konsonanten. Mit „Konsonantentext“ ist daher der hebräische Text ohne irgendwelche Vokalzeichen gemeint. Der Konsonantentext der hebräischen Handschriften erhielt seine feste Gestalt um das ausgehende 1. und beginnende 2. Jahrhundert u. Z., wenn auch Handschriften mit abweichenden Texten noch einige Zeit Verwendung fanden. Der Text wurde nicht mehr geändert wie in der vorangegangenen Zeit der Sopherim.

      20. Was taten die Massoreten mit dem hebräischen Text?

      20 Der massoretische Text. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends u. Z. stellten die Massoreten (hebräisch: baʽalḗ hammaßßōráh, was „[die] Herren der Überlieferung“ bedeutet) ein System von Vokalzeichen (Vokalpunkten) und Betonungszeichen auf. Diese dienten als schriftliche Hilfe beim Lesen und Aussprechen von Vokallauten, während davor die Aussprache durch mündliche Überlieferung weitergegeben worden war. Die Massoreten nahmen in den Texten, die sie übermittelten, grundsätzlich keine Änderungen vor, sondern fügten in der Massora Randbemerkungen bei, wie sie es für richtig hielten. Sie achteten peinlich genau darauf, sich hinsichtlich des Textes keine Freiheiten herauszunehmen. Außerdem machten sie in ihrer Massora auf Besonderheiten des Textes aufmerksam und gaben verbesserte Lesarten an, wenn es ihnen notwendig erschien.

      21. Was ist der massoretische Text?

      21 Drei Massoretenschulen, die babylonische, die palästinische und die tiberische, beschäftigten sich damit, den Konsonantentext zu vokalisieren und mit Betonungszeichen zu versehen. Der hebräische Text in den heutigen gedruckten Ausgaben der hebräischen Bibel ist als der massoretische Text bekannt. Er folgt dem von der tiberischen Schule erdachten System. Dieses System wurde von den Massoreten von Tiberias, einer Stadt am Westufer des Galiläischen Meeres, entwickelt. Zahlreiche Fußnoten der Neuen-Welt-Übersetzung verweisen auf den massoretischen Text (Symbol M) und auf dessen Randlesart, die Massora (Symbol MRand).k

      22. Welche Handschrift der babylonischen Textrichtung ist zugänglich geworden, und was zeigt ein Vergleich mit dem tiberischen Text?

      22 Die palästinische Schule setzte die Vokalzeichen über die Konsonanten. Nur wenige solche Handschriften sind uns überliefert, und sie zeigen, daß dieses Vokalisationssystem unvollkommen war. Das babylonische Punktationssystem war ebenfalls supralinear. Eine Handschrift mit babylonischer Punktation ist der Petersburger Prophetenkodex aus dem Jahr 916 u. Z., der in der Öffentlichen Bibliothek von St. Petersburg (Russische Föderation) aufbewahrt wird. Er enthält die Bücher Jesaja, Jeremia, Hesekiel und die Kleinen Propheten mit Randbemerkungen oder Randlesarten (Massora). Gelehrte haben diese Handschrift mit großem Interesse untersucht und sie mit dem tiberischen Text verglichen. Sie verwendet zwar das supralineare Vokalisationssystem, aber in Wirklichkeit folgen ihr Konsonantentext, dessen Vokale und die Massora dem tiberischen Text. Im Britischen Museum befindet sich eine Handschrift mit dem babylonischen Text des Pentateuchs, die, wie man festgestellt hat, im wesentlichen mit dem tiberischen Text übereinstimmt.

      23. Welche Reihe von Funden hebräischer Handschriften machte man in der Nähe des Toten Meeres?

      23 Die Schriftrollen vom Toten Meer. 1947 begann in der Geschichte der hebräischen Handschriften ein spannendes neues Kapitel. In einer Höhle im Wadi Qumran (Nachal Qumeran) am Toten Meer wurde zusammen mit weiteren biblischen und nichtbiblischen Schriftrollen die erste Jesaja-Rolle entdeckt. Kurz danach wurde eine vollständige fotografische Reproduktion dieser guterhaltenen Jesaja-Rolle (1QIsa) herausgegeben, damit Gelehrte sie studieren konnten. Die Rolle soll gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. u. Z. entstanden sein. Das war wirklich ein einzigartiger Fund — eine hebräische Handschrift, etwa tausend Jahre älter als die älteste verfügbare Handschrift mit dem anerkannten massoretischen Text des Buches Jesaja!l Aus anderen Höhlen in Qumran (Kumran) förderte man Fragmente von über 170 Schriftrollen zutage mit Teilen aus allen Büchern der Hebräischen Schriften, außer Esther. Die Erforschung der Rollen ist noch im Gange.

      24. Was ergibt ein Vergleich dieser Handschriften mit dem massoretischen Text, und wie wird in der Neuen-Welt-Übersetzung darauf Bezug genommen?

      24 Wie ein Gelehrter berichtet, hat er bei der Untersuchung des langen Psalms 119 in einer wichtigen Psalmenrolle vom Toten Meer (11QPsa) eine fast wortwörtliche Übereinstimmung mit dem massoretischen Text von Psalm 119 festgestellt. Über die Psalmenrolle bemerkte Professor J. A. Sanders: „Die meisten [Abweichungen] sind orthographischer Art und nur für Gelehrte wichtig, die sich für Hinweise auf die hebräische Aussprache in alter Zeit und dergleichen interessieren.“a Auch andere dieser bemerkenswerten alten Handschriften lassen in den meisten Fällen keine wesentlichen Abweichungen erkennen. Die Jesaja-Rolle selbst weicht in bezug auf Lehrpunkte nicht ab, wenngleich sie einige Unterschiede in der Rechtschreibung und in der grammatischen Konstruktion aufweist. Diese veröffentlichte Jesaja-Rolle wurde beim Erarbeiten der Neuen-Welt-Übersetzung im Hinblick auf ihre Abweichungen untersucht, und es wird darauf Bezug genommen.b

      25. Welche hebräischen Texte wurden bisher besprochen, und wovon überzeugt uns ein Studium dieser Texte?

      25 Die wichtigsten Bereiche der Überlieferung der Hebräischen Schriften sind nun besprochen. Es sind vor allem der samaritanische Pentateuch, die Targume (aramäisch), die Septuaginta (griechisch), der tiberische hebräische Text, der palästinische hebräische Text, der babylonische hebräische Text und der hebräische Text der Schriftrollen vom Toten Meer. Aufgrund eines vergleichenden Studiums dieser Texte dürfen wir überzeugt sein, daß uns die Hebräischen Schriften bis heute im wesentlichen in der Form überliefert worden sind, in der inspirierte Diener Gottes sie ursprünglich aufzeichneten.

      DER GELÄUTERTE HEBRÄISCHE TEXT

      26. (a) Wann wurde das kritische Studium des hebräischen Textes vorangetrieben, und welche Textausgaben sind im Druck erschienen? (b) Wie fand der Text von Ginsburg Verwendung?

      26 Bis ins 19. Jahrhundert war die zweite Rabbinerbibel von Jakob ben Chajim, erschienen 1524/25, die gedruckte Standardausgabe der hebräischen Bibel. Erst im 18. Jahrhundert begannen Gelehrte, das kritische Studium des hebräischen Textes voranzutreiben. In den Jahren 1776—1780 veröffentlichte Benjamin Kennicott in Oxford verschiedene Lesarten aus über 600 hebräischen Handschriften. Dann veröffentlichte der italienische Gelehrte J. B. de Rossi in den Jahren 1784—1798 in Parma verschiedene Lesarten aus über 800 weiteren Handschriften. Ferner stellte der Hebraist S. Baer eine Textausgabe her. In neuerer Zeit verbrachte C. D. Ginsburg viele Jahre mit der Herstellung einer kritischen Textausgabe der hebräischen Bibel. Diese erschien erstmals 1894, und eine letzte, revidierte Ausgabe folgte 1926.c Joseph Rotherham legte die 1894er Ausgabe dieses Textes seiner englischen Übersetzung von 1902 (The Emphasised Bible) zugrunde, und auch Professor Max L. Margolis und seine Mitarbeiter stützten ihre 1917 erschienene Übersetzung der Hebräischen Schriften auf die Texte von Ginsburg und von Baer.

      27, 28. (a) Was ist die Biblia Hebraica, und wie wurde sie verbessert? (b) Inwiefern stützt sich die Neue-Welt-Übersetzung auf diesen Text?

      27 Der Hebraist Rudolf Kittel veröffentlichte 1906 die erste (später eine zweite) Ausgabe seines geläuterten hebräischen Textes, Biblia Hebraica, „Die hebräische Bibel“, genannt. Kittel versah dieses Buch mit einem Textapparat in Form umfangreicher Fußnoten, in denen er die vielen zu jener Zeit verfügbaren Handschriften des massoretischen Textes kollationierte oder verglich. Er verwendete den allgemein anerkannten Text von Jakob ben Chajim als Grundtext. Als die bedeutend älteren und besseren massoretischen Ben-Ascher-Texte zugänglich wurden, die um das 10. Jahrhundert u. Z. vereinheitlicht worden waren, machte sich Kittel an die Herausgabe einer völlig anderen, 3. Auflage der Biblia Hebraica. Dieses Werk wurde nach seinem Tod von seinen Mitarbeitern vollendet.

      28 Kittels Biblia Hebraica, und zwar die 7., 8. und 9. Auflage (1951—1955), lieferte den Grundtext für den hebräischen Teil der Neuen-Welt-Übersetzung in Englisch. Der Aufschluß in den Fußnoten der 1984 (deutsch 1986) veröffentlichten Neuen-Welt-Übersetzung wurde anhand einer neuen Ausgabe des hebräischen Textes, der Biblia Hebraica Stuttgartensia (1977), auf den neusten Stand gebracht.

      29. Welches Merkmal der Biblia Hebraica war bei der Wiedereinführung des göttlichen Namens von besonderem Wert?

      29 Kittels Darbietung der Randmassora, die zahlreiche Textveränderungen von vorchristlichen Schriftgelehrten aufzeigt, hat zu einer genauen Wiedergabe in der Neuen-Welt-Übersetzung — z. B. zur Wiedereinführung des göttlichen Namens Jehova — beigetragen. Die Ergebnisse der ständig fortschreitenden Erforschung des Bibeltextes werden durch die Neue-Welt-Übersetzung weiterhin zugänglich gemacht.

      30. (a) Gib einen Überblick über die Geschichte des hebräischen Textes bis zur Biblia Hebraica, der Hauptquelle der Neuen-Welt-Übersetzung, und verwende dabei die Tabelle auf Seite 308 mit den Quellen des Textes der Hebräischen Schriften in der Neuen-Welt-Übersetzung. (b) Nenne einige der anderen Quellen, die das Übersetzungskomitee der New World Translation zu Rate gezogen hat.

      30 Diese Studie enthält eine Übersicht über die Quellen, auf die sich der Text der Hebräischen Schriften in der Neuen-Welt-Übersetzung stützt. Die Tabelle vermittelt einen Überblick über die Entwicklung des hebräischen Textes bis hin zu Kittels Biblia Hebraica, die als Hauptquelle gedient hat. Die zu Rate gezogenen zweitrangigen Quellen sind durch die weißen gestrichelten Linien gekennzeichnet. Das bedeutet nicht, daß von Übersetzungen wie der Vulgata und der Septuaginta die ursprünglichen Werke vorgelegen hätten. Wie im Fall der inspirierten Hebräischen Schriften selbst sind auch die Urtexte dieser Übersetzungen nicht mehr erhalten. Was diese Quellen betrifft, so wurden zuverlässige Textausgaben oder verläßliche alte Übersetzungen und kritische Kommentare herangezogen. Mit Hilfe der verschiedenen Quellen war es dem Übersetzungskomitee der New World Translation möglich, eine maßgebende und zuverlässige Übersetzung der ursprünglichen inspirierten Hebräischen Schriften zu bieten. Alle diese Quellen werden in den Fußnoten der Neuen-Welt-Übersetzung erwähnt.

      31. (a) Wovon sind somit die Hebräischen Schriften in der Neuen-Welt-Übersetzung das Resultat? (b) Welchen Dank und welche Zuversicht mögen wir daher zum Ausdruck bringen?

      31 Die Hebräischen Schriften in der Neuen-Welt-Übersetzung sind somit das Resultat jahrhundertelanger wissenschaftlicher Erforschung des Bibeltextes. Sie beruhen auf einem Text von großer Unversehrtheit — dem gut fundierten Ergebnis getreuer Textüberlieferung. Sie stellen eine sowohl ehrliche als auch genaue Übersetzung für das ernsthafte Bibelstudium in bemerkenswert flüssigem Stil dar. Dank sei Jehova, dem Gott der Kommunikation, dafür, daß sein Wort heute lebendig ist und Macht ausübt! (Heb. 4:12). Mögen aufrichtige Menschen durch das Studium des kostbaren Wortes Gottes weiterhin Glauben entwickeln und dazu angespornt werden, in dieser bedeutsamen Zeit den Willen Jehovas zu tun (2. Pet. 1:12, 13).

      [Fußnoten]

      a Es ist nicht bekannt, wann man anfing, Synagogen zu benutzen — vielleicht während des 70jährigen Babylonischen Exils, als es keinen Tempel gab, oder kurz nach der Rückkehr aus dem Exil in den Tagen Esras.

      b Siehe „Sam“ in den Fußnoten zu 1. Mose 4:8; 2. Mose 6:2; 7:9; 8:15 und 12:40. Die letzte Wiedergabe hilft uns, Galater 3:17 zu verstehen.

      c Siehe „T“ in den Fußnoten zu 4. Mose 24:17; 5. Mose 33:13 und Psalm 100:3.

      d Studienbibel, Anhang 1C, „Der göttliche Name in alten griechischen Übersetzungen“.

      e Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1283.

      f Die Neue-Welt-Übersetzung verweist auf diese Abweichungen mit den Symbolen LXXא für die Sinaitische, LXXA für die Alexandrinische und LXXB für die Vatikanische Handschrift. Siehe die Fußnoten zu 1. Könige 14:2 und 1. Chronika 7:34; 12:19.

      g Siehe „Vg“ in der Fußnote zu 2. Mose 37:6.

      h Studienbibel, Anhang 2A, „Außerordentliche Punkte“.

      i Studienbibel, Anhang 1B, „Textänderungen, die den göttlichen Namen betreffen“.

      j Studienbibel, Anhang 2B, „Die Verbesserungen (Emendationen) der Sopherim“.

      k Siehe die Fußnoten zu Psalm 60:5; 71:20; 100:3; 119:79.

      l Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 322.

      a The Dead Sea Psalms Scroll, 1967, J. A. Sanders, Seite 15.

      b Siehe „1QIsa“ in den Fußnoten zu Jesaja 7:1; 14:4.

      c Siehe „Gins.“ in der Fußnote zu 3. Mose 11:42.

      [Übersicht auf Seite 313]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      EINIGE FÜHRENDE PAPYRUSHANDSCHRIFTEN

      der Hebräischen Schriften

      Name der Handschrift: Papyrus Nash

      Datum: 2. oder 1. Jh. v. u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: Cambridge (England)

      Ungefährer Inhalt: 24 Zeilen mit den Zehn Geboten und

      einige Verse aus 5. Mose, Kap. 5, 6

      Name der Handschrift: Rylands Greek 458

      Symbol: 957

      Datum: 2. Jh. v. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Manchester (England)

      Ungefährer Inhalt: Fragmente von 5. Mose, Kap. 23⁠—⁠28

      Name der Handschrift: Fouad (Fuad) 266

      Datum: 1. Jh. v. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Kairo (Ägypten)

      Ungefährer Inhalt: Teile von 1. Mose und 5. Mose

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): 5. Mo. 18:5; Apg. 3:22; Anhang 1C

      Name der Handschrift: Levitikus-Rolle vom Toten Meer

      Symbol: 4Q LXX Levb

      Datum: 1. Jh. v. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Jerusalem (Israel)

      Ungefährer Inhalt: Fragmente von 3. Mose

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): 3. Mo. 3:12; 4:27

      Name der Handschrift: Chester Beatty VI

      Symbol: 963

      Datum: 2. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Dublin (Irland) und Ann Arbor

      (Michigan, USA)

      Ungefährer Inhalt: Teile von 4. Mose und 5. Mose

      Name der Handschrift: Chester Beatty IX, X

      Symbol: 967/968

      Datum: 3. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Dublin (Irland) und Princeton

      (New Jersey, USA)

      Ungefährer Inhalt: Teile von Hesekiel, Daniel und

      Esther

      der Christlichen Griechischen Schriften

      Name der Handschrift: Oxyrhynchus 2

      Symbol: P⁠1

      Datum: 3. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Philadelphia (Pennsylvanien, USA)

      Ungefährer Inhalt: Mat. 1:1-9, 12, 14-20

      Name der Handschrift: Oxyrhynchus 1228

      Symbol: P⁠22

      Datum: 3. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Glasgow (Schottland)

      Ungefährer Inhalt: Fragmente von Johannes, Kap. 15, 16

      Name der Handschrift: Michigan 1570

      Symbol: P⁠37

      Datum: 3./4. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Ann Arbor (Michigan, USA)

      Ungefährer Inhalt: Mat. 26:19-52

      Name der Handschrift: Chester Beatty I

      Symbol: P⁠45

      Datum: 3. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Dublin (Irland), Wien (Österreich)

      Ungefährer Inhalt: Fragmente von Matthäus, Markus,

      Lukas, Johannes und

      Apostelgeschichte

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Luk. 10:42; Joh. 10:18

      Name der Handschrift: Chester Beatty II

      Symbol: P⁠46

      Datum: um 200 u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Dublin (Irland), Ann Arbor

      (Michigan, USA)

      Ungefährer Inhalt: neun Paulusbriefe

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Röm. 8:23, 28; 1. Kor. 2:16

      Name der Handschrift: Chester Beatty III

      Symbol: P⁠47

      Datum: 3. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Dublin (Irland)

      Ungefährer Inhalt: Offb. 9:10⁠—⁠17:2

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Offb. 13:18; 15:3

      Name der Handschrift: Rylands Greek 457

      Symbol: P⁠52

      Datum: um 125 u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Manchester (England)

      Ungefährer Inhalt: Joh. 18:31-33, 37, 38

      Name der Handschrift: Bodmer II

      Symbol: P⁠66

      Datum: um 200 u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Genf (Schweiz)

      Ungefährer Inhalt: der größte Teil des

      Johannesevangeliums

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Joh. 1:18; 19:39

      Name der Handschrift: Bodmer VII, VIII

      Symbol: P⁠72

      Datum: 3./4. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Genf (Schweiz) und Vatikanische

      Bibliothek in Rom

      Ungefährer Inhalt: Judas, 1. Petrus und 2. Petrus

      Name der Handschrift: Bodmer XIV, XV

      Symbol: P⁠75

      Datum: 3. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Genf (Schweiz)

      Ungefährer Inhalt: der größte Teil des Lukas- und

      des Johannesevangeliums

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Luk. 8:26; Joh. 1:18

      [Übersicht auf Seite 314]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      EINIGE FÜHRENDE LEDER- UND PERGAMENTHANDSCHRIFTEN

      der Hebräischen Schriften (in Hebräisch)

      Name der Handschrift: Kodex von Aleppo

      Symbol: Al

      Datum: 930 u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: früher in Aleppo (Syrien), jetzt in

      Israel

      Ungefährer Inhalt: ein großer Teil der Hebräischen

      Schriften

      (Ben-Ascher-Text)

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Jos. 21:37

      Name der Handschrift: Codex Or. 4445 des Britischen Museums

      Datum: 10. Jh. u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: London (England)

      Ungefährer Inhalt: der größte Teil des Pentateuchs

      Name der Handschrift: Codex Cairensis der Karäergemeinde

      Symbol: Ca

      Datum: 895 u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: Kairo (Ägypten)

      Ungefährer Inhalt: frühere und spätere Propheten

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Jos. 21:37; 2. Sam. 8:3

      Name der Handschrift: Codex Leningradensis

      Symbol: B 19A

      Datum: 1008 u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: St. Petersburg

      (Russische Föderation)

      Ungefährer Inhalt: Hebräische Schriften

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Jos. 21:37; 2. Sam. 8:3; Anhang 1A

      Name der Handschrift: Petersburger Prophetenkodex

      Symbol: B 3

      Datum: 916 u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: St. Petersburg

      (Russische Föderation)

      Ungefährer Inhalt: spätere Propheten

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Anhang 2B

      Name der Handschrift: erste Jesaja-Rolle vom Toten Meer

      Symbol: 1QIsa

      Datum: Ende des 2. Jh. v. u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: Jerusalem (Israel)

      Ungefährer Inhalt: Jesaja

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Jes. 11:1; 18:2; 41:29

      Name der Handschrift: Psalmenrolle vom Toten Meer

      Symbol: 11QPsa

      Datum: 1. Jh. u. Z.

      Sprache: Hebräisch

      Aufbewahrungsort: Jerusalem (Israel)

      Ungefährer Inhalt: Teile von 41 Psalmen aus dem letzten

      Drittel der Psalmen

      der Septuaginta und der Christlichen Griechischen Schriften

      Name der Handschrift: Codex Sinaiticus

      Symbol: 01( א)

      Datum: 4. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: London (England)

      Ungefährer Inhalt: Teil der Hebräischen Schriften und

      die gesamten Griechischen Schriften

      sowie einige apokryphe Schriften

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): 1. Chr. 12:19; Joh. 5:2; 2. Kor. 12:4

      Name der Handschrift: Codex Alexandrinus

      Symbol: A (02)

      Datum: 5. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: London (England)

      Ungefährer Inhalt: die gesamten Hebräischen und

      Griechischen Schriften (einige

      kleine Teile verlorengegangen

      oder beschädigt) sowie einige

      apokryphe Schriften

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): 1. Kö. 14:2; Luk. 5:39; Apg. 13:20;

      Heb. 3:6

      Name der Handschrift: Codex Vaticanus 1209

      Symbol: B (03)

      Datum: 4. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Vatikanische Bibliothek in Rom

      Ungefährer Inhalt: ursprünglich vollständige Bibel;

      jetzt fehlen: 1. Mo. 1:1⁠—⁠46:28;

      Ps. 106⁠—⁠137; Hebräer nach 9:14;

      2. Timotheus; Titus; Philemon;

      Offenbarung

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Mar. 6:14; Joh. 1:18; 7:53⁠—⁠8:11

      Name der Handschrift: Codex Ephraemi Syri rescriptus

      Symbol: C (04)

      Datum: 5. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch

      Aufbewahrungsort: Paris (Frankreich)

      Ungefährer Inhalt: Teile der Hebräischen Schriften

      (64 Blätter) und der Griechischen

      Schriften (145 Blätter)

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Apg. 9:12; Röm. 8:23, 28, 34

      Name der Handschrift: Codex Bezae Cantabrigiensis

      Symbol: Dea (05)

      Datum: 5. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch/Lateinisch

      Aufbewahrungsort: Cambridge (England)

      Ungefährer Inhalt: der größte Teil der vier Evangelien

      und der Apostelgeschichte, wenige

      Verse aus 3. Johannes

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Mat. 24:36; Mar. 7:16; Luk. 15:21

      (Verweis durch Symbol „D“)

      Name der Handschrift: Codex Claromontanus

      Symbol: DP (06)

      Datum: 6. Jh. u. Z.

      Sprache: Griechisch/Lateinisch

      Aufbewahrungsort: Paris (Frankreich)

      Ungefährer Inhalt: Paulinische Briefe

      (einschließlich Hebräer)

      Hinweise darauf in der Neuen-Welt-Übersetzung — mit

      Studienverweisen (siehe Fußnoten zu den angegebenen

      Schriftstellen): Gal. 5:12 (Verweis durch Symbol „D“)

      [Diagramm auf Seite 308]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      Quellen für den Text der Neuen-Welt-Übersetzung Hebräische Schriften

      hebräische Urschriften und frühe Abschriften

      Targume (aramäisch)

      Schriftrollen vom Toten Meer

      samaritanischer Pentateuch

      Septuaginta (griechisch)

      Vetus Latina

      koptisch, äthiopisch, armenisch

      hebräischer Konsonantentext

      Vulgata (lateinisch)

      griechische Übersetzungen — Aquila, Theodotion,

      Symmachos

      Peschitta (syrisch)

      massoretischer Text

      Codex Cairensis

      Petersburger Prophetenkodex

      Kodex von Aleppo

      hebräische Textausgabe von Ginsburg

      Codex Leningradensis B 19A

      Biblia Hebraica (BHK), Biblia Hebraica

      Stuttgartensia (BHS)

      Neue-Welt-Übersetzung

      Hebräische Schriften (Englisch; aus dem Englischen in viele andere Sprachen der Gegenwart übertragen)

      [Diagramm auf Seite 309]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      Quellen für den Text der Neuen-Welt-Übersetzung Christliche Griechische Schriften

      griechische Urschriften und frühe Abschriften

      armenische Übersetzung

      koptische Übersetzungen

      syrische Übersetzungen — Cureton-Syrer, Philoxeniana,

      Harklensis, palästinisch-syrische Version, Sinai-Syrer,

      Peschitta

      Vetus Latina

      Vulgata (lateinisch)

      Sixtina und Clementina (revidierte lateinische Texte)

      griechische Kursivhandschriften

      Textausgabe von Erasmus

      Textausgabe von Stephanus

      Textus receptus

      griechische Textausgabe von Griesbach

      Emphatic Diaglott

      Papyri — (z. B. Chester Beatty P⁠45, P⁠46, P⁠47; Bodmer P⁠66,

      P⁠74, P⁠75)

      frühe griechische Majuskelhandschriften — Codex Vaticanus

      1209 (B), Codex Sinaiticus (א), Codex Alexandrinus (A),

      Codex Ephraemi Syri rescriptus (C), Codex Bezae (D)

      griechische Textausgabe von Westcott und Hort

      griechische Textausgabe von Bover

      griechische Textausgabe von Merk

      griechische Textausgabe von Nestle und Aland

      griechische Textausgabe der United Bible Societies

      23 hebräische Übersetzungen (14. bis 20. Jahrhundert),

      entweder aus dem Griechischen oder nach der Vulgata

      übersetzt, verwenden das Tetragrammaton für den

      göttlichen Namen

      Neue-Welt-Übersetzung

      Christliche Griechische Schriften (Englisch; aus dem Englischen in viele andere Sprachen der Gegenwart übertragen)

  • Studie 6 — Der christliche griechische Text der Heiligen Schrift
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 6 — Der christliche griechische Text der Heiligen Schrift

      Das Abschreiben des Textes der Griechischen Schriften und dessen Überlieferung im Griechischen und in anderen Sprachen bis heute; die Zuverlässigkeit des heutigen Textes

      1. Wie kam die organisierte Lehrtätigkeit der Christen in Gang?

      DIE ersten Christen wirkten überall als Lehrer und Verkündiger des geschriebenen ‘Wortes Jehovas’. Sie nahmen Jesu Worte ernst, die er kurz vor seiner Himmelfahrt äußerte: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet Zeugen von mir sein sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis zum entferntesten Teil der Erde“ (Jes. 40:8; Apg. 1:8). Wie Jesus vorhergesagt hatte, empfingen die ersten 120 Jünger am Pfingsttag des Jahres 33 u. Z. den heiligen Geist und wurden so mit Tatkraft erfüllt. Noch am selben Tag übernahm Petrus die Führung in dem neuen Lehrprogramm, indem er ein gründliches Zeugnis ablegte, so daß viele die Botschaft von Herzen annahmen und etwa 3 000 zu der neugegründeten Christenversammlung hinzukamen (Apg. 2:14-42).

      2. Welche gute Botschaft wurde nun verkündigt, und wovon war dieses Zeugniswerk ein offenkundiger Erweis?

      2 Zur Tat angespornt wie keine andere Gruppe je zuvor, setzten diese Jünger Jesu Christi ein Lehrprogramm in Gang, das schließlich bis an die Enden der damals bekannten Welt ausgedehnt wurde (Kol. 1:23). Ja, jene ergebenen Zeugen Jehovas gebrauchten eifrig ihre Füße und gingen von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt und von Land zu Land und verkündeten die „gute Botschaft guter Dinge“ (Röm. 10:15). Diese gute Botschaft handelte von der Loskaufsvorkehrung Christi, der Auferstehungshoffnung und dem verheißenen Königreich Gottes (1. Kor. 15:1-3, 20-22, 50; Jak. 2:5). Nie zuvor war der Menschheit ein solches Zeugnis in bezug auf Dinge gegeben worden, die nicht zu sehen sind. Es war ‘ein offenkundiger Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sah’, eine Glaubensbekundung gegenüber den vielen, die nun Jehova aufgrund des Opfers Jesu als ihren Souveränen Herrn annahmen (Heb. 11:1; Apg. 4:24; 1. Tim. 1:14-17).

      3. Was zeichnete die christlichen Prediger des 1. Jahrhunderts u. Z. aus?

      3 Diese christlichen Prediger — Männer und Frauen — waren als Diener Gottes erleuchtet worden. Sie konnten lesen und schreiben. Sie waren in der Heiligen Schrift unterwiesen worden. Sie wußten, was in der Welt geschah. Sie waren es gewohnt zu reisen. Sie glichen Heuschrecken, denn sie ließen sich durch kein Hindernis davon abhalten, im Verbreiten der guten Botschaft immer weiter vorzudringen (Apg. 2:7-11, 41; Joel 2:7-11, 25). Sie wirkten im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung unter Menschen, die in vieler Hinsicht sehr stark den Menschen der heutigen Zeit glichen.

      4. Was wurde unter Inspiration und unter der Leitung Jehovas in den Tagen der frühen Christenversammlung geschrieben?

      4 Als fortschrittliche Prediger des ‘Wortes des Lebens’ machten die ersten Christen guten Gebrauch von allen verfügbaren biblischen Schriftrollen (Phil. 2:15, 16; 2. Tim. 4:13). Vier von ihnen, nämlich Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, wurden von Jehova dazu inspiriert, die ‘gute Botschaft über Jesus Christus’ schriftlich festzuhalten (Mar. 1:1; Mat. 1:1). Einige von ihnen, wie zum Beispiel Petrus, Paulus, Johannes, Jakobus und Judas, schrieben unter Inspiration Briefe (2. Pet. 3:15, 16). Weitere schrieben diese inspirierten Mitteilungen ab, die man zum Nutzen der sich mehrenden Versammlungen untereinander austauschte (Kol. 4:16). Ferner trafen die ‘Apostel und älteren Männer in Jerusalem’ unter der Leitung des Geistes Gottes in bezug auf Lehrpunkte Entscheidungen, die für späteren Gebrauch aufgezeichnet wurden. Diese zentrale leitende Körperschaft sandte auch Briefe mit Anweisungen an die weit verstreuten Versammlungen (Apg. 5:29-32; 15:2, 6, 22-29; 16:4). Und dazu mußte man für einen eigenen Postdienst sorgen.

      5. (a) Was ist ein Kodex? (b) In welchem Ausmaß machten die frühen Christen vom Kodex Gebrauch, und worin bestanden seine Vorteile?

      5 Um die Verbreitung der heiligen Schriften zu beschleunigen und diese auch in einer zum Nachschlagen günstigen Form zu liefern, gingen die frühen Christen bald dazu über, anstelle von Schriftrollen Handschriften in Kodexform zu gebrauchen. Der Kodex ist in seiner Form dem neuzeitlichen Buch ähnlich, dessen Blätter beim Suchen einer Stelle schnell umgeschlagen werden können, wohingegen eine Schriftrolle unter Umständen weit abgerollt werden mußte. Die Kodexform ermöglichte es überdies, kanonische Schriften zusammenzubinden, während Handschriften in Rollenform gewöhnlich einzeln aufbewahrt wurden. Die frühen Christen waren im Gebrauch des Kodex bahnbrechend. Es kann sogar sein, daß sie ihn erfunden haben. Während der Kodex nur langsam von nichtchristlichen Schriftstellern übernommen wurde, sind die allermeisten christlichen Papyri des 2. und des 3. Jahrhunderts in Kodexform erhalten.a

      6. (a) In welche Zeit fällt das klassische Griechisch, was geschah in dieser Zeit, und wann entwickelte sich die Koine oder griechische Gemeinsprache? (b) Wie kam es dazu, daß die Koine allgemein gesprochen wurde?

      6 Die Koine (die griechische Gemeinsprache) als Kommunikationsmittel. Die Zeit des sogenannten klassischen Griechisch reichte vom 9. bis zum 4. Jahrhundert v. u. Z. Es war die Zeit des attischen und des ionischen Dialekts. In dieser Zeit, und zwar besonders im 5. und im 4. Jahrhundert v. u. Z., wirkten viele griechische Dramatiker, Dichter, Redner, Geschichtsschreiber, Philosophen und Wissenschaftler, von denen Homer, Herodot, Sokrates, Platon und andere berühmt wurden. Etwa vom 4. Jahrhundert v. u. Z. bis zum 6. Jahrhundert u. Z. war das Zeitalter der Koine oder griechischen Gemeinsprache. Ihre Entwicklung war hauptsächlich den Feldzügen Alexanders des Großen zuzuschreiben. Seinem Heer gehörten Soldaten aus allen Teilen Griechenlands an. Ihre verschiedenen griechischen Dialekte vermischten sich schließlich zu einem gemeinsamen Dialekt, der Koine, einer Sprache, die dann allgemein gesprochen wurde. Alexander eroberte Ägypten und drang in Asien bis nach Indien vor. Auf diese Weise wurde die Koine unter vielen Völkern verbreitet, so daß sie zur internationalen Sprache wurde, was sie viele Jahrhunderte lang blieb. Bei dem Griechisch der Septuaginta handelt es sich um die Koine, die im 3. und 2. Jahrhundert v. u. Z. in Alexandria (Ägypten) gesprochen wurde.

      7. (a) Wie bezeugt die Bibel, daß zur Zeit Jesu und seiner Apostel Koine gesprochen wurde? (b) Wieso eignete sich die Koine sehr gut für die Übermittlung des Wortes Gottes?

      7 In den Tagen Jesu und seiner Apostel war die Koine die internationale Sprache des Römischen Reiches. Das wird selbst durch die Bibel bestätigt. Als Jesus an den Stamm genagelt wurde, mußte die Inschrift, die über seinem Haupt angebracht werden sollte, nicht nur in Hebräisch, der Sprache der Juden, abgefaßt werden, sondern auch in Latein, der Amtssprache des Landes, sowie in Griechisch, der Sprache, die auf den Straßen Jerusalems fast ebenso häufig zu hören war wie in Rom, Alexandria oder in Athen selbst (Joh. 19:19, 20; Apg. 6:1). Aus Apostelgeschichte 9:29 geht hervor, daß Paulus in Jerusalem die gute Botschaft Juden predigte, die Griechisch sprachen. Die Koine war zu jener Zeit eine kraftvolle, lebendige, gut entwickelte Sprache — eine Sprache, die gerade für die Verwirklichung des erhabenen Vorsatzes Jehovas bezüglich der weiteren Übermittlung seines Wortes zur Verfügung stand und sich vorzüglich dazu eignete.

      DER GRIECHISCHE TEXT UND SEINE ÜBERLIEFERUNG

      8. Warum untersuchen wir nun den Bestand an Handschriften der Griechischen Schriften?

      8 Wie aus der vorangehenden Studie hervorgeht, hat Jehova seine Wasser der Wahrheit in einem Speicher schriftlicher Urkunden — den inspirierten Hebräischen Schriften — bewahrt. Was ist aber zu den Schriften der Apostel und anderen Jünger Jesu Christi zu sagen? Sind diese Aufzeichnungen mit gleicher Sorgfalt für uns bewahrt worden? Daß dies der Fall ist, zeigt eine Untersuchung des gewaltigen Bestands an Handschriften, die in Griechisch und anderen Sprachen erhalten geblieben sind. Wie bereits erklärt, besteht dieser Teil des Bibelkanons aus 27 Büchern. Betrachten wir, wie der Text dieser 27 Bücher überliefert wurde, so erkennen wir, auf welche Weise der griechische Urtext bis auf den heutigen Tag bewahrt worden ist.

      9. (a) In welcher Sprache wurden die Christlichen Schriften geschrieben? (b) Welche Ausnahme ist bei Matthäus zu beachten?

      9 Die Quelle griechischer Handschriften. Die 27 kanonischen Bücher der Christlichen Griechischen Schriften wurden in der damaligen griechischen Gemeinsprache geschrieben. Das Buch Matthäus wurde zum Nutzen des jüdischen Volkes anscheinend zuerst in Hebräisch abgefaßt. Das bestätigt der Bibelübersetzer Hieronymus (4. Jahrhundert u. Z.) mit dem Hinweis, es sei später ins Griechische übersetzt worden.b Matthäus selbst fertigte wahrscheinlich diese Übersetzung an, da er als ehemaliger römischer Staatsbeamter, d. h. als Steuereinnehmer, zweifellos Hebräisch, Latein und Griechisch konnte (Mar. 2:14-17).

      10. Wie sind uns die biblischen Schriften überliefert worden?

      10 Alle anderen christlichen Bibelschreiber, Markus, Lukas, Johannes, Paulus, Petrus, Jakobus und Judas, schrieben ihre Urkunden in der Koine, der damaligen Gemeinsprache, die von den Christen und den meisten anderen Menschen im 1. Jahrhundert verstanden wurde. Die letzte der ursprünglichen Urkunden wurde etwa im Jahr 98 u. Z. von Johannes geschrieben. Soweit man weiß, ist keine dieser 27 Urschriften in Koine bis heute erhalten geblieben. Allerdings sind uns aus dieser ursprünglichen Quelle Abschriften der Originale überliefert sowie Abschriften von Abschriften und ganze Familien von Abschriften. Alle zusammen ergeben einen gewaltigen Bestand an Handschriften der Christlichen Griechischen Schriften.

      11. (a) Welch eine gewaltige Menge von Abschriften stehen heute zur Verfügung? (b) Wie unterscheiden sie sich in Menge und Alter von klassischen Werken?

      11 Ein Bestand von mehr als 13 000 Handschriften. Heute steht eine gewaltige Menge von Abschriften aller 27 kanonischen Bücher zur Verfügung. Einige enthalten umfangreiche Teile der Heiligen Schrift; bei anderen handelt es sich lediglich um Fragmente. Gemäß einer Zählung gibt es mehr als 5 000 Handschriften in der griechischen Ursprache. Außerdem sind über 8 000 Handschriften in anderen Sprachen vorhanden — insgesamt mehr als 13 000 Handschriften. Sie datieren aus dem 2. bis 16. Jahrhundert u. Z., und jede davon ist eine Hilfe, den korrekten Urtext zu ermitteln. Die älteste der vielen Handschriften ist das als P52 bekannte Papyrusfragment des Johannesevangeliums in der John-Rylands-Bibliothek in Manchester (England), das in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts datiert wird, in die Zeit um 125 u. Z.c Somit entstand diese Abschrift nur etwa ein Vierteljahrhundert nach dem Original. Zieht man in Betracht, daß für die Festlegung des Textes der meisten klassischen Schriftsteller nur eine Handvoll Handschriften zur Verfügung stehen, die zudem nur selten aus demselben Jahrhundert wie die Urschriften stammen, so wird deutlich, welch umfangreiches Beweismaterial für die Zusammenstellung eines maßgebenden Textes der Christlichen Griechischen Schriften verfügbar ist.

      12. Worauf wurden die ersten Handschriften geschrieben?

      12 Papyrushandschriften. Wie für die frühen Abschriften der Septuaginta wurde für die ersten Handschriften der Christlichen Griechischen Schriften Papyrus verwendet, und bei diesem Beschreibstoff für Bibelhandschriften blieb es auch bis etwa zum 4. Jahrhundert u. Z. Die Bibelschreiber verwandten offenbar auch Papyrus, wenn sie Briefe an die Christenversammlungen schrieben.

      13. Von welchem wichtigen Papyrusfund erfuhr die Öffentlichkeit 1931?

      13 Große Mengen Papyrusschriften sind in der Provinz Faijum (Ägypten) gefunden worden. Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehrere biblische Papyri entdeckt. Einer der wichtigsten aller Handschriftenfunde in neuerer Zeit war derjenige, der im Jahr 1931 bekannt wurde. Er bestand aus Teilen von 11 Kodexen, diese enthielten Teile von 8 verschiedenen Büchern der inspirierten Hebräischen Schriften und von 15 Büchern der Christlichen Griechischen Schriften, und zwar alle in Griechisch. Der Zeitpunkt ihrer Niederschrift fällt in die Zeit vom 2. bis zum 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Viele der aus diesem Fund stammenden Teile der Christlichen Griechischen Schriften befinden sich jetzt in den Chester-Beatty-Sammlungen und sind als P45, P46 und P47 verzeichnet, wobei das Zeichen „P“ für „Papyrus“ steht.

      14, 15. (a) Welches sind einige in dem Verzeichnis auf Seite 313 angeführte hervorragende Papyrushandschriften der Christlichen Griechischen Schriften? (b) Zeige, welchen Gebrauch die Neue-Welt-Übersetzung davon gemacht hat. (c) Wofür sind die frühen Papyruskodexe eine Bestätigung?

      14 Papyri einer weiteren bemerkenswerten Sammlung wurden von 1956 bis 1961 in Genf (Schweiz) veröffentlicht. Sie sind als die Bodmer-Papyri bekannt und enthalten den frühen Text zweier Evangelien (P66 und P75), die aus dem frühen 3. Jahrhundert u. Z. datieren. In dem dieser Studie vorangehenden Verzeichnis werden einige der hervorragenden Papyri der Hebräischen und der Christlichen Griechischen Schriften aufgeführt. In der letzten Spalte sind Stellen der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen angegeben, deren Wiedergabe durch diese Papyrushandschriften gestützt wird, was aus Fußnoten zu den betreffenden Versen hervorgeht.

      15 Diese Papyrusfunde liefern den Beweis dafür, daß der Bibelkanon zu einem sehr frühen Zeitpunkt vollendet war. Zwei Kodexe unter den Chester-Beatty-Papyri — einer enthält Teile von vier Evangelien und von der Apostelgeschichte (P45), und ein weiterer vereinigt 9 der 14 Briefe des Paulus (P46) — zeigen, daß die inspirierten Christlichen Griechischen Schriften kurz nach dem Tode der Apostel zusammengestellt wurden. Da Zeit erforderlich war, bis diese Kodexe so weit in Umlauf waren, daß sie bis nach Ägypten gelangten, wurden diese Schriften augenscheinlich spätestens im zweiten Jahrhundert gesammelt und in ihre einheitliche Form gebracht. Am Ende des 2. Jahrhunderts bestand kein Zweifel mehr darüber, daß der Kanon der Christlichen Griechischen Schriften und damit auch der gesamte Bibelkanon vollendet war.

      16. (a) Welche Majuskeln sind bis heute erhalten geblieben? (b) In welchem Ausmaß wurde im Falle der Neuen-Welt-Übersetzung von den Majuskeln Gebrauch gemacht, und warum?

      16 Velin- und andere Pergamenthandschriften. Wie wir aus der vorangehenden Studie erfahren haben, begann man etwa im 4. Jahrhundert u. Z., anstelle des Papyrus das haltbarere Velin als Beschreibstoff zu verwenden, ein feineres Pergament, das im allgemeinen aus der Haut von Kälbern, Lämmern oder Ziegen hergestellt wurde. Einige sehr wichtige heute vorhandene Bibelhandschriften sind auf Velin geschrieben. Wir haben bereits die Leder- und Pergamenthandschriften der Hebräischen Schriften besprochen. In dem Verzeichnis auf Seite 314 werden einige hervorragende Leder- und Velin- oder andere Pergamenthandschriften der Hebräischen und der Christlichen Griechischen Schriften angeführt. Die von den Griechischen Schriften verzeichneten sind gänzlich in Großbuchstaben geschrieben; man nennt sie deshalb „Majuskeln“. Ein biblisches Nachschlagewerk berichtet von 274 Majuskeln der Christlichen Griechischen Schriften, und diese Handschriften datieren aus der Zeit des 4. bis 10. Jahrhunderts u. Z. Außerdem gibt es die mehr als 5 000 Minuskeln, das heißt Handschriften, die in einer kleineren fortlaufenden Schrift (Kursivschrift) geschrieben sind.d Diese ebenfalls auf Velin angefertigten Handschriften entstanden in der Zeit vom 9. Jahrhundert u. Z. bis zur Erfindung des Buchdruckes. Wegen ihrer frühen Datierung und ihrer allgemeinen Genauigkeit hat das Übersetzungskomitee der New World Translation im Interesse einer gewissenhaften Übersetzung des griechischen Textes ausgiebigen Gebrauch von Majuskeln gemacht. Das geht aus dem Verzeichnis „Einige führende Leder- und Pergamenthandschriften“ hervor.

      DAS ZEITALTER DER TEXTKRITIK FÜHRT ZU EINEM GELÄUTERTEN TEXT

      17. (a) Welche zwei Ereignisse führten zu vermehrtem Studium des griechischen Textes der Bibel? (b) Für welches Werk wurde Erasmus bekannt? (c) Wie wird eine gedruckte Textausgabe erstellt?

      17 Der Text des Erasmus. In den langen Jahrhunderten des „finsteren Mittelalters“, als die lateinische Sprache vorherrschte und Westeuropa unter der eisernen Faust der römisch-katholischen Kirche stand, war es um die Gelehrsamkeit und Bildung schlecht bestellt. Mit der Erfindung des Druckens mit beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert und der Reformation im frühen 16. Jahrhundert erfreute man sich größerer Freiheit, und das Interesse an der griechischen Sprache lebte auf. Während dieser Renaissance der Bildung stellte der berühmte niederländische Gelehrte Desiderius Erasmus seine erste griechische Textausgabe des „Neuen Testaments“ her. (Eine solche gedruckte Textausgabe wird durch sorgfältiges Vergleichen mehrerer Handschriften erstellt, wobei die Wörter verwendet werden, auf die man sich allgemein als Urtext einigt, während in einem Fußnotenapparat unterschiedliche Lesarten einiger Handschriften vermerkt werden.) Diese Erstausgabe wurde im Jahre 1516 — ein Jahr vor Beginn der Reformation in Deutschland — in Basel (Schweiz) gedruckt. Die Erstausgabe enthielt viele Fehler, aber in den nachfolgenden Ausgaben von 1519, 1522, 1527 und 1535 wurde ein verbesserter Text geboten. Erasmus standen beim Zusammenstellen seiner Textausgabe nur wenige späte Minuskeln zum Vergleichen zur Verfügung.

      18. Was ermöglichte der Erasmus-Text, und wer machte guten Gebrauch von diesem Text?

      18 Der geläuterte griechische Text des Erasmus wurde als Grundlage für bessere Übersetzungen in verschiedene westeuropäische Sprachen herangezogen. So konnten Übersetzungen angefertigt werden, die diejenigen übertrafen, die man früher anhand der Vulgata (lateinisch) angefertigt hatte. Martin Luther machte als erster vom Erasmus-Text Gebrauch für seine deutsche Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften, die 1522 erschien. Als nächster folgte William Tyndale aus England; trotz heftiger Verfolgung vollendete er im Exil auf dem europäischen Kontinent im Jahr 1525 seine englische Übersetzung, die sich auf den Erasmus-Text stützte. Antonio Brucioli aus Italien übersetzte 1530 den Text des Erasmus ins Italienische. Mit dem Aufkommen des griechischen Textes von Erasmus begann das Zeitalter der Textkritik. Darunter versteht man die Methode, den Urtext der Bibel zu ermitteln und wiederherzustellen.

      19. Was gibt es über die Geschichte der Einteilung der Bibel in Kapitel und Verse zu berichten, und was wurde durch diese Einteilung ermöglicht?

      19 Die Einteilung in Kapitel und Verse. Der Pariser Robert Estienne, auch als Stephanus bekannt, war im 16. Jahrhundert ein berühmter Drucker und Herausgeber. Als Herausgeber erkannte er, wie praktisch zum schnellen Nachschlagen eine Einteilung in Kapitel und Verse wäre, und führte daher 1551 dieses System in seinem griechisch-lateinischen Neuen Testament ein. Die Verseinteilung in den Hebräischen Schriften hatten bereits die Massoreten vorgenommen. Aber die französische Bibel des Stephanus aus dem Jahr 1553 wies als erste vollständige Bibel die heutige Einteilung auf. Dieser folgte man in späteren deutschen Bibeln, was die Herstellung von Bibelkonkordanzen ermöglichte; dazu zählen die Calwer Bibelkonkordanz (1892) zur Lutherbibel, die Elberfelder Bibel-Konkordanz (1936) zur Elberfelder Bibel und die Konkordanz zur Einheitsübersetzung der Bibel (1985).

      20. Was war der Textus receptus, und wofür diente er als Grundlage?

      20 Der Textus receptus. Stephanus veröffentlichte auch mehrere Ausgaben des griechischen „Neuen Testaments“. Diese stützten sich hauptsächlich auf den Erasmus-Text und enthielten Berichtigungen gemäß der Complutensischen Polyglotte aus dem Jahr 1522 sowie 15 späten Minuskelhandschriften aus vorherigen Jahrhunderten. Stephanus’ dritte griechische Textausgabe (1550) war praktisch der Textus receptus (lateinisch für „angenommener Text“), der die Grundlage für andere Übersetzungen des 16. Jahrhunderts bildete sowie für die englische King James Version (1611) und teilweise auch für die deutsche Elberfelder Bibel (1871).

      21. Für welche geläuterten Texte ist seit dem 18. Jahrhundert gesorgt worden, und wofür wurden sie verwendet?

      21 Der geläuterte griechische Text. Spätere Gräzisten sorgten für zunehmend geläuterte Texte. Herausragend war die Textausgabe von J. J. Griesbach, der auf Hunderte griechischer Handschriften zurückgreifen konnte, die Ende des 18. Jahrhunderts verfügbar waren. Griesbachs beste Ausgabe des gesamten griechischen Textes erschien 1796/1806. Seine Textausgabe diente als Grundlage für die englische Übersetzung von Sharpe aus dem Jahr 1840 und lieferte den griechischen Text für die erstmals 1864 vollständig veröffentlichte Emphatic Diaglott. Weitere ausgezeichnete Textausgaben stammen von Konstantin von Tischendorf (1872) und von Hermann von Soden (1910). Letztere Ausgabe diente zum Beispiel als Grundlage für Moffatts englische Übersetzung von 1913 und für die deutsche Übersetzung von Ludwig Albrecht, 3. Auflage, 1922.

      22. (a) Welcher griechische Text hat in weiten Kreisen Anerkennung gefunden? (b) Für welche Übersetzungen ist er als Grundlage verwendet worden?

      22 Der Text von Westcott und Hort. Eine griechische Textausgabe, die in weiten Kreisen Anerkennung fand, wurde von den Gelehrten B. F. Westcott und F. J. A. Hort von der Universität Cambridge im Jahre 1881 veröffentlicht. Abzüge dieses griechischen Textes wurden vom Britischen Revisionskomitee (dem Westcott und Hort angehörten) für seine Revision des englischen „Neuen Testaments“ von 1881 zu Rate gezogen. Bei der Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften der Neuen-Welt-Übersetzung wurde hauptsächlich die Textausgabe von Westcott und Hort verwendet. Dieser Text diente auch als Grundlage für folgende Übersetzungen ins Englische: The Emphasised Bible, die American Standard Version, An American Translation (Smith/Goodspeed) und die Revised Standard Version.e Für letztere benutzte man auch den Text von Nestle.

      23. Welche weiteren Textausgaben wurden für die Neue-Welt-Übersetzung verwendet?

      23 Auch Nestles griechischer Text (18. Ausgabe, 1948) wurde vom Übersetzungskomitee der New World Translation zu Vergleichszwecken herangezogen. Das Komitee griff ebenso auf die Texte der beiden katholischen Gelehrten und Jesuiten Joseph M. Bover (1943) und Augustinus Merk (1948) zurück. Der 1975 von den United Bible Societies herausgegebene Text und die Ausgabe von Nestle-Aland (1979) wurden für eine Neubearbeitung der Fußnoten der Studienbibel (englisch: 1984; deutsch: 1986) verwendet.f

      24. Welche alten Übersetzungen sind ebenfalls für die Neue-Welt-Übersetzung herangezogen worden? Nenne einige Beispiele.

      24 Alte Übersetzungen aus dem Griechischen. Neben den griechischen Handschriften stehen heute auch viele Handschriften von Übersetzungen der Christlichen Griechischen Schriften in anderen Sprachen für das Studium zur Verfügung. Es sind etwa 50 Fragmente in Altlateinisch vorhanden sowie Tausende von Handschriften der Vulgata (lateinisch) des Hieronymus. Auch diese hat das Übersetzungskomitee der New World Translation herangezogen, ferner Übersetzungen ins Koptische, Armenische und Syrische.g

      25. Von welchem speziellen Interesse sind die Übersetzungen ins Hebräische, auf die in der Neuen-Welt-Übersetzung verwiesen wird?

      25 Mindestens vom 14. Jahrhundert an fertigte man Übersetzungen der Griechischen Schriften ins Hebräische an. Diese sind insofern von Interesse, als in mehreren von ihnen der göttliche Name wieder in den Christlichen Schriften erscheint. Die Neue-Welt-Übersetzung verweist häufig auf diese hebräischen Übersetzungen unter dem Zeichen „J“ mit einer hochgestellten Zahl. Einzelheiten darüber sind im Vorwort der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen, Seite 11, 12 zu finden sowie im Anhang 1D („Der göttliche Name in den Christlichen Griechischen Schriften“).

      UNTERSCHIEDLICHE LESARTEN UND IHRE BEDEUTUNG

      26. Wie entstanden Textvarianten und Handschriftenfamilien?

      26 Unter den mehr als 13 000 Handschriften der Christlichen Griechischen Schriften gibt es viele Textvarianten. Allein die 5 000 griechischen Handschriften weisen viele solche Unterschiede auf. Es ist leicht verständlich, daß sich in jede Abschrift früher Handschriften gewisse Fehler einschlichen. Wurde eine dieser frühen Abschriften zum Gebrauch in eine bestimmte Gegend gesandt, so gelangten diese Fehler in weitere, dort angefertigte Abschriften und waren dann für die aus dieser Gegend stammenden Handschriften charakteristisch. So bildeten sich Familien ähnlicher Handschriften heraus. Sollte man dann nicht die Tausende von Abschreibfehlern mit größter Sorge betrachten? Lassen sie nicht auf mangelnde Zuverlässigkeit in der Textüberlieferung schließen? Nein, keineswegs.

      27. Welche Zusicherung wird uns in bezug auf die Unversehrtheit des griechischen Textes gegeben?

      27 F. J. A. Hort, mitverantwortlicher Herausgeber des Westcott-und-Hort-Textes, schreibt: „Die große Masse der Wörter des Neuen Testaments ist über alle charakteristischen Verfahren der Kritik erhaben, weil sie frei von Varianten ist und lediglich abgeschrieben zu werden braucht. ... Wenn verhältnismäßig Belangloses ... beiseite gelassen wird, können die Wörter, die nach unserer Meinung immer noch Zweifeln unterliegen, kaum mehr als ein Tausendstel des ganzen Neuen Testaments ausmachen.“h

      28, 29. (a) Wie ist der geläuterte griechische Text zu beurteilen? (b) Welche maßgebende Erklärung haben wir hierüber?

      28 Beurteilung der Textüberlieferung. Wie ist somit die Unversehrtheit und Echtheit des Textes nach so vielen Jahrhunderten der Überlieferung zu beurteilen? Es existieren nicht nur Tausende von Handschriften, die miteinander verglichen werden können, sondern in den letzten Jahrzehnten wurden ältere Bibelhandschriften entdeckt, durch die der griechische Text bis ins Jahr 125 u. Z. zurückverfolgt werden kann, so daß fast nur zwei Jahrzehnte bis zum Tode des Apostels Johannes (um 100 u. Z.) fehlen. Diese Handschriften lassen mit hoher Sicherheit den Schluß zu, daß uns heute ein zuverlässiger griechischer Text in geläuterter Form vorliegt. Man beachte, zu welcher Beurteilung Sir Frederic Kenyon, der frühere Direktor und Bibliothekar des Britischen Museums, diesbezüglich kam:

      29 „Der zeitliche Abstand zwischen der Urschrift und den frühesten erhaltenen Texten wird so gering, daß er praktisch unberücksichtigt bleiben kann. Der letzte Grund zum Zweifel, ob die Schriften des Neuen Testaments uns wirklich im wesentlichen so erhalten sind, wie sie abgefaßt wurden, ist damit beseitigt. Sowohl die Echtheit wie die allgemeine Unversehrtheit der neutestamentlichen Bücher darf als endgültig gesichert angesehen werden. Die allgemeine Unversehrtheit jedoch ist eines, und die Gewißheit in bezug auf Einzelheiten ist etwas anderes.“i

      30. Weshalb können wir davon überzeugt sein, daß die Neue-Welt-Übersetzung ihrem Leser genau das „von Jehova Gesagte“ bietet?

      30 Auf die zuletzt angesprochene „Gewißheit in bezug auf Einzelheiten“ geht Dr. Hort ein, wie das in Absatz 27 angeführte Zitat zeigt. Einzelheiten zu berichtigen ist die Aufgabe der Textkritiker, die auf diesem Gebiet sehr viel geleistet haben. Aus diesem Grund wird der geläuterte griechische Text von Westcott und Hort allgemein als ein Text von hoher Reinheit anerkannt. Den Christlichen Griechischen Schriften der Neuen-Welt-Übersetzung ist dieser ausgezeichnete griechische Text zugrunde gelegt worden, wodurch dem Leser das „von Jehova Gesagte“ so genau geboten werden kann, wie es uns wunderbarerweise in dem Bestand an griechischen Handschriften erhalten geblieben ist (1. Pet. 1:24, 25).

      31. (a) Was haben neuzeitliche Entdeckungen bezüglich des Textes der Griechischen Schriften ergeben? (b) Was diente gemäß der Tafel auf Seite 309 als wichtigste Quelle für die Christlichen Griechischen Schriften der Neuen-Welt-Übersetzung, und welches sind einige zweitrangige Quellen, die verwendet wurden?

      31 Des weiteren ist von Interesse, was Sir Frederic Kenyon in seinem Buch Our Bible and the Ancient Manuscripts (1962, Seite 249) schreibt: „Wir sollten uns mit der Erkenntnis zufriedengeben, daß die allgemeine Echtheit des neutestamentlichen Textes auf bemerkenswerte Weise durch die neuzeitlichen Entdeckungen gestützt wird, durch die sich der zeitliche Abstand zwischen den Urschriften und den frühesten uns vorliegenden Handschriften erheblich verringert, und daß die unterschiedlichen Lesarten, so interessant sie auch sind, die grundlegenden Lehren des christlichen Glaubens nicht berühren.“ Wie die Tafel „Quellen für den Text der Neuen-Welt-Übersetzung — Christliche Griechische Schriften“ auf Seite 309 zeigt, wurde auf alle einschlägigen Dokumente zurückgegriffen, um einen genau übersetzten Text zu bieten. Wertvolle Fußnoten stützen in allen Fällen die getreue Wiedergabe im Haupttext. Das Übersetzungskomitee der New World Translation machte sich bei der Herstellung seiner vortrefflichen Übersetzung das Beste von dem zunutze, was die Bibelforschung im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht hat. Wie sehr wir doch heute darauf vertrauen können, daß uns in dem vorliegenden Text der Christlichen Griechischen Schriften tatsächlich das „Muster gesunder Worte“ geboten wird, Worte, die von den Jüngern Jesu Christi unter Inspiration aufgezeichnet worden sind! Mögen wir im Glauben und in Liebe weiterhin an diesen kostbaren Worten festhalten! (2. Tim. 1:13).

      32. Warum ist hier beträchtlicher Raum für eine Besprechung der Handschriften und des Textes der Heiligen Schrift eingeräumt worden, und mit welchem befriedigenden Ergebnis?

      32 Sowohl diese Studie als auch die vorangehende sind einer Besprechung der Handschriften und des Textes der Heiligen Schrift gewidmet. Warum wird dieses Thema so ausführlich behandelt? Weil auf schlüssige Weise gezeigt werden soll, daß der Text der Hebräischen und der Griechischen Schriften im wesentlichen dem echten Urtext entspricht, zu dessen Niederschrift Jehova treue Männer der alten Zeit inspirierte. Jene Urschriften waren inspiriert. Die Abschreiber verrichteten ihre Tätigkeit — so tüchtig sie auch waren — jedoch nicht unter Inspiration (Ps. 45:1; 2. Pet. 1:20, 21; 3:16). Der große Bestand an Abschriften mußte daher sorgfältig überprüft werden, um eindeutig und unmißverständlich zu ermitteln, wie die reinen Wasser der Wahrheit ursprünglich von dem großen Quell, Jehova, hervorströmten. Ihm gebührt aller Dank für die wunderbare Gabe seines inspirierten Wortes, der Bibel, und die erquickende Königreichsbotschaft, die daraus hervorgeht.

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 440, 441.

      b Siehe Seite 176, Absatz 6.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 323; J. D. Douglas, The New Bible Dictionary, zweite Ausgabe, 1986, Seite 1187.

      d J. D. Douglas, New Bible Dictionary, zweite Ausgabe, 1986, Seite 1187; siehe auch K. Aland und B. Aland, Der Text des Neuen Testaments, 1982, Seite 113.

      e Siehe das Verzeichnis „Einige führende Bibelübersetzungen in sieben Hauptsprachen“ auf Seite 322.

      f The Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures, 1985, Seite 8, 9.

      g Siehe Fußnoten zu Lukas 24:40; Johannes 5:4; Apostelgeschichte 19:23; 27:37 und Offenbarung 3:16.

      h The New Testament in the Original Greek, 1974, Band I, Seite 561; siehe auch G. Kroll, Auf den Spuren Jesu, 1980, Seite 98, 99.

      i The Bible and Archaeology, 1940, Seite 288, 289; siehe auch D. J. Wiseman, Zwischen Nil und Euphrat, 1959, Seite 96.

  • Studie 7 — Die Bibel in der Neuzeit
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 7 — Die Bibel in der Neuzeit

      Die Geschichte der Bibelgesellschaften; die Arbeit der Watch Tower Society auf dem Gebiet des Drucks und der Herausgabe von Bibeln; die Herstellung der Neuen-Welt-Übersetzung

      1. (a) Welchem Zweck sollten die göttlichen Botschaften dienen, und weshalb wurden einige daher nicht aufgezeichnet? (b) Welche besondere Anweisung gab Jehova vielen Propheten, und welchen Nutzen haben wir dadurch in den „letzten Tagen“?

      DIE Heilige Schrift, das heißt die 66 inspirierten Bücher, die wir heute als die Bibel kennen, enthält das schriftlich niedergelegte „Wort Jehovas“ (Jes. 66:5). Viele Jahrhunderte hindurch erging dieses „Wort“ von Jehova ziemlich oft an seine Propheten und Diener auf der Erde. Diese göttlichen Botschaften erfüllten ihren unmittelbaren Zweck und vermittelten auch eine eindrucksvolle Vorschau auf Ereignisse, die mit Gewißheit in einer damals noch fernen Zukunft stattfinden sollten. Nicht immer wurde von Gottes Propheten verlangt, das „Wort Jehovas“, das ihnen anvertraut wurde, schriftlich niederzulegen. Einige der Aussprüche Elias und Elisas, die für die Generation ihrer Zeit ergingen, sind zum Beispiel nicht in schriftlicher Form bewahrt worden. Andererseits wurden die Propheten Moses, Jesaja, Jeremia, Habakuk und andere ausdrücklich angewiesen, das „Wort Jehovas“, das ihnen geoffenbart wurde, ‘aufzuschreiben’ oder in ein „Buch“ oder eine „Buchrolle“ zu schreiben (2. Mo. 17:14; Jes. 30:8; Jer. 30:2; Hab. 2:2; Offb. 1:11). Die „zuvor von den heiligen Propheten geredeten Worte“ blieben so zusammen mit anderen heiligen Schriften erhalten und können das klare Denkvermögen der Diener Jehovas aufwecken und besonders in bezug auf die ‘letzten Tage’ eine Anleitung bieten (2. Pet. 3:1-3).

      2. Welche Zeitabschnitte in der Geschichte zeichneten sich durch eine vermehrte Vervielfältigung und vermehrtes Übersetzen der Bibel aus?

      2 Von Esras Zeit an wurden die inspirierten Hebräischen Schriften oft abgeschrieben. Ab dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stellten die frühen Christen Bibelabschriften her sowie Abschriften von solchen Abschriften und verwendeten die Bibel in der damals bekannten Welt weit und breit, während sie über die Vorsätze Jehovas in bezug auf seinen Christus Zeugnis ablegten. Als das Drucken mit beweglichen Lettern (ab dem 15. Jahrhundert) allgemein gebräuchlich wurde, erhielt die Vervielfältigung und Verbreitung der Bibel weiteren Auftrieb. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde von privaten Gruppen in bezug auf das Übersetzen und Drucken viel getan. Bereits im Jahr 1800 war die ganze Bibel oder Teile davon in 71 Sprachen erschienen.

      BIBELGESELLSCHAFTEN

      3. Welcher Umstand hat seit Beginn des 19. Jahrhunderts viel zur vermehrten Verbreitung der Bibel beigetragen?

      3 Noch mehr gefördert wurde diese Arbeit im 19. und 20. Jahrhundert, als neugegründete Bibelgesellschaften bei der gewaltigen Aufgabe der Bibelverbreitung mit Hand anlegten. Eine der ersten Bibelgesellschaften war die British and Foreign Bible Society (Britische und Ausländische Bibelgesellschaft), die 1804 in London gegründet wurde. Die Gründung dieser Bibelgesellschaft war das Signal zur Gründung vieler weiterer solcher Gesellschaften.a

      4. (a) Welche Statistik beweist, daß sich das Wort des Lebens tatsächlich über die ganze Erde verbreitet hat? (b) Welcher hilfreiche Aufschluß wird in dem Verzeichnis auf Seite 322 über die aufgeführten Bibelübersetzungen gegeben? Veranschauliche das anhand irgendeiner besonderen Bibelübersetzung.

      4 Durch das Wirken so vieler Bibelgesellschaften nahm die Bibelverbreitung zu. Bis 1900 war die Bibel ganz oder teilweise in 567 Sprachen erschienen und bis 1928 in 856 Sprachen. 1938 wurde die 1 000-Grenze überschritten, und heute steht die Bibel in mehr als 1 900 Sprachen zur Verfügung. Jehovas erfrischendes Wort des Lebens hat sich über die ganze Erde verbreitet. So ist es für Menschen aller Nationen möglich geworden, den Aufruf zu befolgen: „Preiset Jehova, all ihr Nationen, und mögen alle Völker ihn preisen“ (Röm. 15:11). Die Tabelle auf Seite 322 „Einige führende Bibelübersetzungen in sieben Hauptsprachen“ gibt weiteren Aufschluß über die neuzeitliche Bibelverbreitung.

      5. Was ist noch wichtiger als die Bibelverbreitung, doch wofür sind Jehovas Zeugen dankbar?

      5 Den vielen Menschen der Erde Bibeln zugänglich zu machen ist zwar ein lobenswertes Werk, doch eine noch wichtigere Aufgabe besteht darin, ihnen anhand der verbreiteten Bibeln zu einem Verständnis der Heiligen Schrift zu verhelfen. Schon in jüdischer und frühchristlicher Zeit, als es nur wenige Bibeln gab, war es von Bedeutung, den „Sinn“ des Wortes zu vermitteln, und das ist immer noch das wichtigste (Mat. 13:23; Neh. 8:8). Allerdings ist die Tätigkeit, Menschen auf der ganzen Erde über Gottes Wort zu belehren, durch die weite Verbreitung der Bibel beschleunigt worden. Jehovas Zeugen, die in ihrem weltumspannenden biblischen Bildungswerk vorandrängen, sind sehr dankbar, daß heute in vielen Ländern und in vielen Sprachen Millionen von Bibeln zur Verfügung stehen.

      JEHOVAS ZEUGEN ALS BIBELHERAUSGEBER

      6. Durch welche Tätigkeit zeichnen sich Zeugen Jehovas heute ebenso aus wie in alten Zeiten?

      6 Zeugen Jehovas waren zu allen Zeiten an der Verbreitung des Wortes Gottes interessiert. Das war bereits in den Tagen Esras der Fall. Und so war es auch in den Tagen der ersten Jünger Jesu Christi, die in der damaligen Welt so viele Abschriften der Bibel herstellten, daß ihre reiche Hinterlassenschaft an Handschriften das Erbe alles anderen antiken Schrifttums in den Schatten stellt. Heute, in der Neuzeit, zeichnen sich Jehovas Zeugen ebenfalls durch eine tatkräftige Bibelverbreitung aus.

      7. Welche Gesellschaft gründeten Jehovas Zeugen, und wann? Welche Art Predigtdienst führten sie damals ein?

      7 Im Jahr 1884 gründeten Jehovas Zeugen eine Gesellschaft zur Verbreitung der Bibel, heute als Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania bekannt. Zuerst bezog man Bibeln von anderen Bibelgesellschaften für die Weiterverbreitung durch die Zeugen, die damals bereits ihren charakteristischen Haus-zu-Haus-Dienst einführten. Als grundlegende Übersetzung für das Bibelstudium verwendeten sie die King James Version von 1611.

      8. (a) Wie ist die Watch Tower Bible and Tract Society ihrem Namen gerecht geworden? (b) Wie hat die Gesellschaft von vielen Bibelübersetzungen Gebrauch gemacht, und zu welchem Zweck?

      8 Ihrem Namen getreu, hat die Watch Tower Bible and Tract Society sowohl Bibeln verbreitet als auch Bücher, Traktate und anderes christliches Schrifttum herausgegeben. Das diente zur Unterweisung in den richtigen Lehren des Wortes Gottes. Durch ihr biblisches Bildungswerk hat sie gerechtigkeitsliebenden Menschen geholfen, falsche religiöse Überlieferungen und weltliche Philosophien aufzugeben und zur Freiheit der biblischen Wahrheit zurückzukehren, die durch Jesus und andere ergebene Wortführer Jehovas geoffenbart worden ist (Joh. 8:31, 32). Seit der Veröffentlichung der Zeitschrift Der Wachtturm im Jahre 1879 (in Englisch) sind in den Publikationen der Watch Tower Society Dutzende verschiedener Bibelübersetzungen zitiert worden. So hat die Gesellschaft den Wert all dieser Übersetzungen anerkannt und sich des Guten, das sie alle enthalten, bedient, um religiöse Verwirrung zu beseitigen und die Botschaft Gottes herauszustellen.

      9. Wie trat die Gesellschaft als Herausgeber der Bibel auf?

      9 Bibeln von Rotherham und Holman. Im Jahre 1896 traten Jehovas Zeugen durch die Watch Tower Society nicht nur als Verbreiter, sondern auch als Herausgeber der Bibel auf. In jenem Jahr erlangte man von dem britischen Bibelübersetzer Joseph B. Rotherham die Verlagsrechte für die Veröffentlichung der zwölften, revidierten englischen Ausgabe seines Neuen Testaments in den Vereinigten Staaten. Auf der Titelseite dieser Ausgabe erschien der Name der Watch Tower Bible and Tract Society, Allegheny (Pennsylvania, USA), wo sich zu jener Zeit das Hauptbüro der Gesellschaft befand. 1901 besorgte man einen Sonderdruck der Holman Linear Bible mit erklärenden Randbemerkungen aus den Veröffentlichungen der Gesellschaft aus den Jahren 1895 bis 1901. Als Text wurde der der King James Version und der Revised Version der Hebräischen und Griechischen Schriften geboten. Die gesamte Auflage von 5 000 Exemplaren war bis zum Jahre 1903 verbreitet.

      10. Von welcher Übersetzung der Griechischen Schriften wurde die Gesellschaft 1902 der Herausgeber?

      10 Die Emphatic Diaglott. Im Jahre 1902 erhielt die Watch Tower Society das Copyright auf die Emphatic Diaglott sowie das Recht des Alleinherausgebers und -verbreiters. Diese Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften war von dem in England geborenen Bibelübersetzer Benjamin Wilson aus Geneva (Illinois, USA) angefertigt und 1864 vollendet worden. Sie enthielt den griechischen Text von J. J. Griesbach mit einer englischen Zwischenzeilenübersetzung und Wilsons eigene Übersetzung mit besonderen Schriftauszeichnungen auf der rechten Seite.

      11. Wann veröffentlichte die Gesellschaft die „Bibelforscher-Ausgabe“, und was enthielt diese?

      11 Eine Bibelforscher-Ausgabe. Im Jahre 1907 veröffentlichte die Watch Tower Society eine „Bibelforscher-Ausgabe“ der Bibel. Sie enthielt in deutlichem Druck den Text der King James Version sowie ausgezeichnete Randbemerkungen und einen wertvollen, von Jehovas Zeugen entworfenen Anhang. Der später auf über 550 Seiten erweiterte Anhang wurde das „Beröer Handbuch zum Bibelunterricht“ genannt und wurde auch als Einzelband veröffentlicht. Er enthielt kurze Kommentare zu vielen Bibelversen mit Hinweisen auf den Wachtturm und die Lehrbücher der Gesellschaft sowie eine kurze Darstellung von Lehrpunkten, die mit Hilfe der angegebenen Schlüsseltexte anderen leicht erklärt werden konnten. Diese Darstellung glich in ihrer Art dem Buch „Vergewissert euch über alle Dinge“, einer späteren Veröffentlichung der Gesellschaft. Der Band enthielt auch ein thematisches Verzeichnis, Erklärungen schwieriger Schriftstellen, ein Verzeichnis unechter Stellen, ein Schriftstellenverzeichnis, eine vergleichende Chronologie und 12 Karten. Diese ausgezeichnete Bibel diente Jehovas Zeugen jahrzehntelang in ihrem öffentlichen Predigtwerk.

      EINE GESELLSCHAFT, DIE BIBELN DRUCKT

      12. Wann begann die Gesellschaft mit dem Drucken von Bibeln?

      12 Dreißig Jahre lang ließ die Watch Tower Society ihre Bibeln bei außenstehenden Firmen drucken. Die Emphatic Diaglott war die erste Bibelübersetzung, die auf den eigenen Pressen der Gesellschaft gedruckt wurde, und zwar im Dezember 1926 in Brooklyn (New York). Der Druck dieser Ausgabe der Christlichen Griechischen Schriften nährte die Hoffnung, daß eines Tages eine vollständige Bibel auf den Druckmaschinen der Gesellschaft gedruckt würde.

      13. (a) Welches war die erste vollständige von der Gesellschaft gedruckte Bibel, und wann wurde sie freigegeben? (b) Welche Hilfen enthielt sie?

      13 Die King James Version. Der Zweite Weltkrieg unterstrich die Notwendigkeit der unabhängigen Veröffentlichung der Bibel. Mitten im Krieg gelang es der Gesellschaft, Platten der vollständigen King James Version zu erwerben. Am 18. September 1942 sprach der Präsident der Gesellschaft auf dem Theokratischen Neue-Welt-Kongreß der Zeugen Jehovas, für den Cleveland (Ohio, USA) die Schlüsselstadt war, über das Thema „ ‚Das Schwert des Geistes’ präsentieren“. Als Höhepunkt dieser Ansprache gab er diese erste vollständige in der Druckerei der Watch Tower Society in Brooklyn hergestellte Bibel frei. In ihrem Anhang bot sie ein Verzeichnis von Eigennamen und deren Bedeutung, eine speziell für diese Ausgabe zusammengestellte „Konkordanz biblischer Wörter und Ausdrücke“ und weitere Hilfen. Am Kopf jeder Seite erschienen passende lebende Kolumnentitel. Beispielsweise hatte man in Richter 11 den Kolumnentitel „Jephthas ernstes Gelübde“ anstelle des herkömmlichen Titels „Jephthas vorschnelles Gelübde“ eingesetzt und in Johannes, Kapitel 1 erschien „Vormenschliches Dasein und Geburt des Wortes Gottes als Mensch“.

      14. Welche verbesserte Übersetzung der Bibel wurde 1944 von der Gesellschaft gedruckt, und was weist diese Bibel auf?

      14 Die American Standard Version. Eine wichtige Bibelübersetzung ist die American Standard Version von 1901. Sie weist das äußerst lobenswerte Merkmal auf, Gottes Namen in den Hebräischen Schriften an fast 7 000 Stellen mit „Jehovah“ wiederzugeben. Nach langen Verhandlungen konnte die Watch Tower Society im Jahre 1944 das Recht zur Benutzung der Platten der vollständigen American Standard Version der Bibel zum Druck auf ihren eigenen Pressen erwerben. In Buffalo (New York), der Schlüsselstadt von 17 durch private Telefonleitungen miteinander verbundenen Kongressen der Zeugen Jehovas, erfreute der Präsident der Gesellschaft seine große Zuhörerschaft am 10. August 1944 durch die Freigabe der Watch-Tower-Ausgabe der American Standard Version. Sie enthielt als Anhang eine äußerst hilfreiche, erweiterte „Konkordanz biblischer Wörter, Namen und Ausdrücke“. Eine Taschenausgabe der gleichen Bibel wurde 1958 herausgegeben.

      15. Welche Übersetzung wurde 1972 von der Gesellschaft gedruckt?

      15 The Bible in Living English. 1972 druckte die Watch Tower Society The Bible in Living English, eine Übersetzung des verstorbenen Steven T. Byington. Sie gibt den göttlichen Namen durchweg mit „Jehovah“ wieder.

      16. In welche beiden Tätigkeiten gliedert sich somit das Werk der Zeugen Jehovas?

      16 Somit predigen Jehovas Zeugen nicht nur die gute Botschaft von Gottes aufgerichtetem Königreich in mehr als 200 Ländern und Inselgebieten überall auf der Erde, sondern sie sind auch in großem Umfang Herausgeber und Hersteller des unschätzbaren Buches geworden, das diese Botschaft vom Königreich enthält, nämlich der von Jehova Gott inspirierten Heiligen Schrift.

      NEUE-WELT-ÜBERSETZUNG DER HEILIGEN SCHRIFT

      17. (a) Inwiefern sind die vielen Bibelübersetzungen nützlich gewesen, und welche Mängel weisen sie dennoch auf? (b) Wonach hielt der Präsident der Watch Tower Society seit 1946 Ausschau?

      17 Jehovas Zeugen erkennen an, daß sie es all den vielen Bibelübersetzungen zu verdanken haben, daß sie sich eingehend mit der Wahrheit des Wortes Gottes befassen konnten. Doch haben alle diese Übersetzungen — auch die allerneuesten — ihre Mängel. Es gibt gewisse Inkonsequenzen oder unbefriedigende Wiedergaben, die aufgrund sektiererischer Überlieferungen oder weltlicher Philosophien zustande gekommen sind und somit nicht uneingeschränkt mit den heiligen Wahrheiten übereinstimmen, die Jehova in seinem Wort aufzeichnen ließ. Besonders seit 1946 hielt der Präsident der Watch Tower Bible and Tract Society Ausschau nach einer genauen Übersetzung der Heiligen Schrift aus den Ursprachen, einer Übersetzung, die für die neuzeitlichen Leser ebenso verständlich wäre, wie es die Urschriften für gewöhnliche, intelligente Menschen zu der Zeit waren, in der die Bibel geschrieben wurde.

      18. Wie kam es, daß die Gesellschaft die Neue-Welt-Übersetzung herausgab und druckte?

      18 Am 3. September 1949 gab der Präsident im Hauptbüro der Gesellschaft in Brooklyn dem Vorstand das Bestehen des Übersetzungskomitees der New World Translation bekannt und daß es eine Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften vollendet hatte. Die Urkunde des Komitees wurde vorgelesen, durch die es der Gesellschaft den Besitz des Übersetzungsmanuskripts sowie die Vollmacht darüber und das Recht zu seiner Veröffentlichung überschrieb in Anerkennung ihres unsektiererischen Werkes, weltweit biblische Bildung zu fördern. Auch Teile des Manuskripts wurden vorgelesen als Beispiele für die Eigenart und Güte der Übersetzung. Die Direktoren nahmen die Schenkung einstimmig an, und es wurden Vorkehrungen für den sofortigen Druck der Übersetzung getroffen. Mit dem Setzen begann man am 29. September 1949, und bis zum Frühsommer 1950 waren Zehntausende von Exemplaren in gebundener Form fertiggestellt.

      19. (a) Wann erschien die Neue-Welt-Übersetzung in Englisch in einzelnen Bänden? (b) Worum hatte man sich bei der Vorbereitung dieser Bände bemüht?

      19 Die Freigabe der New World Translation in einzelnen Bänden. Begeistert nahm am Mittwoch, dem 2. August 1950, eine völlig überraschte Zuhörerschaft von 82 075 Zeugen Jehovas am vierten Tag ihres internationalen Kongresses im Yankee-Stadion, New York, die Freigabe der englischen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften auf (die deutsche Ausgabe erschien 1963). Durch diese begeisterte Aufnahme wie auch durch spätere Äußerungen der Wertschätzung für die Vorzüge der Übersetzung ermuntert, befaßte sich das Übersetzungskomitee als nächstes mit der umfangreichen Arbeit, die Hebräischen Schriften zu übersetzen. Diese erschienen in fünf zusätzlichen Bänden, die nacheinander von 1953 bis 1960 veröffentlicht wurden. Somit lag die gesamte Bibel in neuzeitlichem Englisch in sechs Bänden vor. Jeder Band enthielt wertvolle Hilfen zum Bibelstudium. Auf diese Weise wurde dem neuzeitlichen Erforscher der Bibel eine gewaltige Fundgrube biblischen Aufschlusses zugänglich gemacht. Im Interesse einer deutlichen und genauen Wiedergabe der inspirierten Urschriften hatte man sich fleißig bemüht, für die New World Translation jeden zuverlässigen Aufschluß über den Urtext mit heranzuziehen.

      20. Welche wertvollen Hilfen enthielt die erste englische Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung in (a) ihren Fußnoten, (b) ihren Querverweisen und (c) ihren Vorworten und Anhängen?

      20 Zu den Bibelstudienhilfen in der sechsteiligen ersten englischen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung zählt der unschätzbare Fußnotenapparat als Stütze für bestimmte Wiedergaben. In diesen Anmerkungen wurden kraftvolle Argumente zur Verteidigung der Heiligen Schrift geboten. Auch ein wertvolles System von Kettenverweisen war enthalten. Diese Ketten von wichtigen, für die Lehre ausschlaggebenden Wörtern sollten den Erforscher auf eine Reihe von Schlüsseltexten zu diesen Themen hinweisen. Am Rand der Seiten waren Querverweise zu finden. Dadurch wurde der Leser auf (a) ähnliche Wörter, (b) ähnliche Gedanken, Vorstellungen oder Ereignisse, (c) biographischen Aufschluß, (d) geographischen Aufschluß, (e) Erfüllungen von Prophezeiungen und (f) wörtliche Zitate in oder aus anderen Teilen der Bibel aufmerksam gemacht. Die Bände enthielten auch wichtige Vorworte, Abbildungen einiger alter Handschriften, hilfreiche Anhänge sowie Verzeichnisse und Karten von biblischen Ländern und Orten. Diese erste englische Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung war für das persönliche Bibelstudium und für eine nützliche Belehrung aufrichtiger Personen durch Zeugen Jehovas wie eine „Goldgrube“. Eine besondere Studienausgabe in einem Band mit einer Auflage von 150 000 Exemplaren wurde am 30. Juni 1963 bei der Eröffnung des Kongresses der Zeugen Jehovas „Ewige gute Botschaft“ in Milwaukee (Wisconsin, USA) freigegeben.

      21. (a) Bei welcher Gelegenheit wurde die revidierte Neue-Welt-Übersetzung (englisch) freigegeben? (b) Welches sind einige ihrer Merkmale?

      21 Eine einbändige revidierte Ausgabe. Im Sommer 1961 wurde auf mehreren Kongressen der Zeugen Jehovas in den Vereinigten Staaten und in Europa eine revidierte englische Ausgabe der vollständigen Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in einem handlichen Band zur Verbreitung freigegeben. (In Deutsch erschien sie erstmals 1971.) Von den Hunderttausenden, die diese Kongresse besuchten, wurde sie mit Freuden aufgenommen. Sie war in grünes Leinen gebunden, umfaßte 1 472 Seiten, enthielt eine ausgezeichnete Konkordanz sowie einen Anhang über biblische Themen und auch Karten.

      22, 23. Welche weiteren Ausgaben wurden freigegeben, und welche Merkmale weisen sie auf?

      22 Weitere Ausgaben. 1969 wurde The Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures freigegeben, und eine zweite Ausgabe folgte 1985. Dieser Band bietet sowohl eine wörtliche Zwischenzeilenübersetzung des von Westcott und Hort herausgegebenen griechischen Textes als auch die Wiedergabe im neuzeitlichen Englisch der Neuen-Welt-Übersetzung, Ausgabe 1984. Dem ernsthaften Erforscher der Bibel erschließt sich so die wörtliche oder grundlegende Bedeutung des griechischen Urtextes.

      23 Eine zweite revidierte Ausgabe der New World Translation wurde 1970 freigegeben, und eine dritte revidierte Ausgabe mit Fußnoten folgte 1971. Auf den Bezirkskongressen der Zeugen Jehovas, die 1984 unter dem Motto „Königreichsmehrung“ stattfanden, wurde in Englisch (in Deutsch 1986) eine revidierte Ausgabe mit Studienverweisen herausgegeben. Sie bietet eine vollständige Neubearbeitung und Revision der Schriftstellenverweise (Querverweise), die ursprünglich in den 1950 bis 1960 in Englisch erschienenen Bänden enthalten waren. Diese Ausgabe ist für den ernsthaften Erforscher der Bibel bestimmt und enthält über 125 000 Schriftstellenverweise, über 11 000 Fußnoten, eine umfangreiche Konkordanz sowie Karten und einen Anhang mit 43 Artikeln. Ebenfalls 1984 wurde eine reguläre Ausgabe mit dem revidierten Text von 1984 (in Deutsch 1985 und 1989) mit Schriftstellenverweisen, jedoch ohne Fußnoten, zur Verfügung gestellt.

      24. (a) Welches sind einige der Vorzüge der regulären Ausgabe und der Studienbibel? (b) Veranschauliche die Verwendung der lebenden Kolumnentitel.

      24 Einige Vorzüge. Um dem Leser zu helfen, schnell irgendwelchen Aufschluß zu finden, sind sowohl in die reguläre Ausgabe als auch in die Studienbibel sorgfältig ausgearbeitete lebende Kolumnentitel aufgenommen worden. Diese erscheinen oben auf den Seiten und beschreiben den darunterstehenden Inhalt. Sie sollen vor allem dem Königreichsverkündiger beim schnellen Auffinden von Texten behilflich sein, die er als Antwort auf ihm gestellte Fragen suchen mag. Angenommen, er sucht Rat über Kindererziehung. Wenn er zur Seite 864 (reguläre Ausgabe) in den Sprüchen kommt, sieht er als erste Schlüsselworte „Rute der Zucht“. Die durch diesen ersten Teil des Kolumnentitels gekennzeichnete Schriftstelle ist in der ersten Spalte zu finden, und zwar in Vers 15. Die letzten Schlüsselworte auf dieser Seite lauten „Nicht Reichtum erstreben“. Der letzte Teil des Kolumnentitels zeigt meistens an, daß der betreffende Gedanke in der zweiten Textspalte angesprochen wird, und so ist es auch in diesem Fall. Der Gedanke erscheint in Sprüche 23:4. Diese lebenden Kolumnentitel können dem Königreichsverkündiger, der ungefähr weiß, wo die gesuchten Texte stehen, eine große Hilfe sein. Sie ermöglichen ein schnelles Auffinden von Bibelstellen.

      25. Welche Hilfe bietet das „Verzeichnis biblischer Wörter“, und wie läßt es sich in der Praxis verwenden?

      25 Sowohl in der regulären Ausgabe als auch in der Studienbibel erscheint am Schluß ein „Verzeichnis biblischer Wörter“. Hier sind Tausende wichtiger biblischer Wörter mit Textauszügen zu finden. Auf diese Weise steht praktisch eine hilfreiche Konkordanz zur Verfügung mit einer Vielzahl neu aufgenommener Wörter, die im Text vorkommen. Mit Hilfe dieses Wörterverzeichnisses lassen sich Schriftstellen zu Themen wie „Seele“ oder „Lösegeld“ finden, die Grundlehren betreffen, so daß ein eingehendes Studium unmittelbar anhand der Bibeltexte ermöglicht wird. Ein Königreichsverkündiger, der aufgefordert wird, über eines dieser herausragenden Themen zu sprechen, könnte sogleich die in dieser Konkordanz enthaltenen kurzen Textauszüge verwenden. Außerdem werden bei herausragenden Eigennamen, zum Beispiel den Namen geographischer Orte und bekannter biblischer Gestalten, die wichtigsten Stellen angeführt. Allen Erforschern der Bibel, die diese Übersetzung benutzen, wird auf diese Weise unschätzbare Hilfe geleistet.

      26. Zeige anhand eines Beispiels, von welchem Nutzen der Anhang der Neuen-Welt-Übersetzung ist.

      26 In einem wissenschaftlichen Anhang wird weiterer genauer für das Lehren nützlicher Aufschluß geboten. Die Artikel im Anhang sind so angeordnet, daß sie zur Erklärung grundlegender biblischer Lehrpunkte und anderer Themen, die damit in enger Beziehung stehen, verwendet werden können. Zum Thema „Seele“ werden im Anhang zum Beispiel unter acht Überschriften Schriftstellen aufgeführt, die zeigen, wie unterschiedlich das Wort „Seele“ (hebräisch: néphesch) gebraucht wird. Auch Schaubilder und Karten werden im Anhang geboten. Ein noch umfangreicherer Anhang und hilfreiche Fußnoten, die wichtige Informationen zum Text auf einfache Weise darlegen, sind in der Studienbibel enthalten. Die Neue-Welt-Übersetzung sticht somit dadurch hervor, daß sie dem Leser auf vielfältige Weise einen raschen Zugang zu einer genauen Erkenntnis ermöglicht.

      27, 28. Erkläre und veranschauliche, wie die Neue-Welt-Übersetzung die Aussprache von Eigennamen anzeigt.

      27 Hilfe zur Aussprache biblischer Namen. Die Ausgaben der Neuen-Welt-Übersetzung bieten Hilfe für die richtige Aussprache von Eigennamen. Viele der Eigennamen sind mit Betonungszeichen versehen worden, oft in Annäherung an die Aussprache in den Ursprachen. Die Betonung der Namen ist durch einen unter den betreffenden Vokal gesetzten Punkt gekennzeichnet wie in „Achạikus“, „Onesịphorus“ und „Philẹmon“. Zu betonende Diphthonge (Zwielaute, Doppellaute) wie „ei“ und „au“ sind unterstrichen; z. B. in „Abigail“ und „Baal“ (sprich: Bahl [langes „a“], nicht Bạ·al) sowie in „Naaman“ (sprich: Nahman [langes „a“], nicht Na·ạman), „Saulus“ und „Schaalbim“ (sprich: Schahlbim [langes „a“], nicht Scha·ạlbim).

      28 Ein zwischen zwei Vokale eingeschobener hochgestellter Punkt, z. B. in „Ẹmma·us“ und „Mẹpha·ath“, oder ein Trema (zwei Trennpunkte) als Trennungszeichen über einem von zwei Vokalen, z. B. in „Ạdiël“, bedeutet, daß die nebeneinanderstehenden Vokale in unbetonten Silben getrennt gesprochen werden. Bei bekannteren Namen wie Hesẹkiel, Italien, Kạnaan, Kanaanịter (sprich: Hesẹki·el, Itạli·en, Kạna·an, Kana·anịter) wurde darauf verzichtet. Ein eingeschobener hochgestellter Punkt wurde auch verwendet, um zum Beispiel in „Hadad·ẹser“ eine sinnvolle Aussprache anzuzeigen. Bei Umschriften wird die Betonung durch einen Akut (ʹ) als Betonungszeichen über dem Vokal der zu betonenden Silbe gekennzeichnet, wie z. B. bei „zóhar“ in 1. Mose 6:16. Erscheint über dem Vokal bereits ein Längungsstrich, so steht das Betonungszeichen darüber, z. B. bei „Za·dhḗ“ in Psalm 111:9.

      29. Handelt es sich bei der Neuen-Welt-Übersetzung lediglich um eine Revision früherer Übersetzungen, und wodurch wird deine Antwort gestützt?

      29 Eine neue Übersetzung. Bei der englischen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung handelt es sich um eine neue Übersetzung aus den Ursprachen der Bibel — Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Diese Bibelübersetzung ist keineswegs eine Revision irgendeiner anderen englischen Übersetzung, noch ahmt sie irgendeine andere Bibelübersetzung in bezug auf Stil, Wortschatz oder Rhythmus nach. Die deutsche Ausgabe wurde nach der englischen unter getreuer Berücksichtigung der hebräischen, aramäischen und griechischen Ursprache übersetzt. Für den hebräisch-aramäischen Teil wurde der gut geläuterte und allgemein anerkannte Text von Rudolf Kittels Biblia Hebraica, 7., 8. und 9. Ausgabe (1951—1955), benutzt. Eine neue hebräische Textausgabe aus dem Jahr 1977, die Biblia Hebraica Stuttgartensia, wurde für die Überarbeitung des Fußnotenapparats der englischen sowie der deutschen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen herangezogen. Der griechische Teil wurde grundsätzlich aus der griechischen Textausgabe von Westcott und Hort (veröffentlicht 1881) übersetzt. Das Übersetzungskomitee der New World Translation zog auch andere griechische Textausgaben heran, zum Beispiel die von Nestle (1948). Beschreibungen dieser ausgezeichneten Textausgaben sind in Studie 5 und 6 des vorliegenden Buches enthalten. Das Übersetzungskomitee hat die Bibel ausdrucksstark und genau übersetzt, so daß ein klarer und lebendiger Text entstanden ist, was den Weg zu einem tieferen, befriedigenderen Verständnis des Wortes Gottes eröffnet hat.

      30. Wie beurteilte ein Kritiker die englische Ausgabe dieser Übersetzung?

      30 Man beachte die Beurteilung dieser Übersetzung durch einen Kritiker: „Originalwiedergaben der Hebräischen Schriften in der englischen Sprache sind äußerst selten. Daher begrüßen wir mit großer Freude die Veröffentlichung des ersten Teils der Neuen-Welt-Übersetzung [der Hebräischen Schriften, englische Ausgabe], 1. Mose bis Ruth. Bei dieser Übersetzung hat man sich offenbar besonders bemüht, daß sie durchweg gut zu lesen ist. Niemand könnte sagen, ihr fehle Frische und Originalität. In ihrer Wortwahl greift sie keineswegs auf diejenige früherer Übersetzungen zurück.“b

      31. Wie beurteilte ein Hebraist die Neue-Welt-Übersetzung?

      31 Der Hebraist Professor Dr. Benjamin Kedar (Israel) gab in einem Interview mit einem Vertreter der Watch Tower Society folgendes Urteil über die Neue-Welt-Übersetzung ab: „Bei philologischen Untersuchungen im Bereich Hebräische Bibel und Übersetzungen nehme ich des öfteren Einsicht in die englische, unter dem Namen New World Translation bekannte, Übersetzung. Dabei werde ich jedes Mal in meinem Eindruck bestärkt, daß dieses Werk ein ehrliches Bemühen um ein möglichst genaues Textverstehen erkennen läßt. Es zeugt von solider Kenntnis der Ursprache, gibt deren kommunikative Funktion in gut verständlicher Zielsprache wieder, ohne sich unnötigerweise von der spezifischen Sprachstruktur des Hebräischen zu entfernen. ... Jeder sprachlichen Aussage haftet ein gewisses Maß an Ambiguität an, woraus sich ein Spielraum für Interpretation bzw. Übersetzung ergibt; daher mag die sprachliche Lösung im Einzelfall diskutabel bleiben. Nie jedoch habe ich in der New World Translation eine tendenziöse Absicht, in den Text etwas hineinzulesen, d. h. ... etwas nicht ... Enthaltenes auszusagen, festgestellt.“c

      32. Inwieweit handelt es sich bei der Neuen-Welt-Übersetzung um eine wörtliche Übersetzung, und von welchem Nutzen ist dies?

      32 Eine wörtliche Übersetzung. Eine Übersetzung zeugt auch von Gewissenhaftigkeit, wenn sie wörtlich ist. Das setzt eine fast wortwörtliche Übereinstimmung zwischen der englischen oder deutschen Wiedergabe und der hebräischen und griechischen Textvorlage voraus. Die Wiedergabe in der Zielsprache sollte so wörtlich sein, wie es die Spracheigentümlichkeiten der Ausgangssprache erlauben. Ferner erfordert die Wörtlichkeit, daß die Wortfolge der meisten Wiedergaben dieselbe wie im Hebräischen oder Griechischen ist, wodurch die Betonung der Urschriften erhalten bleibt. Durch eine wörtliche Übersetzung können die Atmosphäre, die Farbe und der Rhythmus der Urschriften genau vermittelt werden.

      33. Wie sind gelegentliche Abweichungen vom wörtlichen Text vermerkt worden?

      33 Gelegentlich mußte vom wörtlichen Text abgewichen werden, um schwierige hebräische und griechische Spracheigentümlichkeiten verständlich wiederzugeben. Darauf wird der Leser jedoch in der Studienausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung in den Fußnoten, die die wörtliche Wiedergabe enthalten, hingewiesen.

      34. (a) Was ergibt sich aus einer Preisgabe der wörtlichen Übersetzung? (b) Veranschauliche es.

      34 Viele Bibelübersetzer haben die Wörtlichkeit zugunsten der sogenannten Eleganz der Sprache und der Form aufgegeben. Sie argumentieren, wörtliche Wiedergaben seien hölzern, steif und einengend. Ihre Preisgabe der wörtlichen Übersetzung hat jedoch zur Folge, daß sie durch die Einführung von Paraphrase und Auslegung häufig von den genauen, ursprünglichen Erklärungen der Wahrheit abgewichen sind. Sie haben in Wirklichkeit die Gedanken Gottes verwässert. Ein früherer Dekan einer großen amerikanischen Universität beschuldigte Jehovas Zeugen einmal, die Schönheit und Eleganz der Bibel zu zerstören. Mit der Bibel meinte er die King James Version, die lange als Maßstab für wohlklingendes Englisch verehrt worden war. Er sagte: „Sehen Sie, was Sie mit Psalm 23 angestellt haben. Sie haben durch Ihr ‚Je/ho/va/ist/mein/Hir/te‘ seinen Schwung und seine Schönheit zerstört. Sieben Silben statt sechs. Es ist entsetzlich. Es fehlt die Ausgewogenheit. Kein Rhythmus ist da. Die King James [siehe auch Einheitsübersetzung und Lutherbibel] macht es richtig mit ihren sechs ausgewogenen Silben — ‚Der/Herr/ist/mein/Hir/te‘.“ Dem Professor wurde versichert, es sei wichtiger gewesen, es so auszudrücken, wie David, der Bibelschreiber, es ausdrückte. Gebrauchte David die allgemeine Bezeichnung „Herr“, oder verwendete er den göttlichen Namen? Der Professor gab zu, daß David den göttlichen Namen gebrauchte, aber er argumentierte immer noch, das Wort „Herr“ sei um der Schönheit und Eleganz willen berechtigt. Welch faule Ausrede dafür, daß man den erhabenen Namen Jehovas aus diesem Psalm, der eigentlich zu seinem Lobpreis dienen soll, entfernt hat!

      35. Wofür können wir Gott danken, und worauf hoffen und worum beten wir?

      35 In Tausenden von Fällen fiel so die genaue Textwiedergabe der menschlichen Vorstellung von sprachlicher Schönheit zum Opfer, was in den vielen Bibelübersetzungen zu Ungenauigkeiten geführt hat. Gott sei Dank dafür, daß er nun für die Neue-Welt-Übersetzung mit ihrem klaren und genauen Bibeltext gesorgt hat! Möge sein großer Name, Jehova, im Herzen all derer geheiligt werden, die sie lesen!

      [Fußnoten]

      a Unter den vielen seit 1804 gegründeten Bibelgesellschaften sind die American Bible Society (1816) — ein Zusammenschluß von bereits bestehenden örtlichen Gesellschaften — sowie die Edinburgh Bible Society (1809) und die Glasgow Bible Society (1812), die sich beide später (1861) zur National Bible Society of Scotland zusammenschlossen. 1710 wurde in Halle die Cansteinsche Bibelgesellschaft gegründet, deren Wirksamkeit sich im wesentlichen auf Deutschland beschränkte. Bis 1820 waren auch Bibelgesellschaften in der Schweiz, in Irland, Frankreich, Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen, den Niederlanden, Island und Rußland gegründet worden.

      b Alexander Thomson, The Differentiator, Juni 1954, Seite 131.

      c 12. Juni 1989.

      [Übersicht auf Seite 322]

      EINIGE FÜHRENDE BIBELÜBERSETZUNGEN IN SIEBEN HAUPTSPRACHEN

      Name der Ursprünglich Grundtext Göttlicher Grundtext

      Übersetzung veröffentlicht für Name für

      Hebräische wieder- Griechische

      Schriften gegeben Schriften

      ENGLISCH

      Rheims-Douay* 1582—1610 Vulgata Lord Vulgata

      (ADONAI,

      zweimal)

      King James 1611 M LORD Textus

      Version* (Jehovah, receptus

      selten)

      Young 1862—1898 M Jehovah Textus

      receptus

      English 1881—1895 M LORD Westcott

      Revised* (Jehovah, und Hort

      selten)

      Emphasised 1878—1902 M (Ginsburg) Yahweh Westcott

      Bible und Hort,

      Tregelles

      American 1901 M Jehovah Westcott

      Standard und Hort

      An American 1923—1939 M LORD Westcott

      Translation (Yahweh, und Hort

      (Smith- selten)

      Goodspeed)*

      Revised 1946—1952 M LORD Westcott

      Standard* und Hort,

      Nestle

      New English 1961—1970 M (BHK) LORD Neuer

      Bible* (Jehovah, eklektischer

      selten) Text

      Today’s 1966—1976 M (BHK) LORD UBS

      English

      Version

      New King 1979—1982 M (BHS) LORD Mehrheits-

      James Bible/ (YAH, text

      Revised selten)

      Authorised

      Version

      New Jerusalem 1985 M Yahweh Griechisch

      Bible*

      SPANISCH

      Valera 1602 M Jehová Textus

      receptus

      Moderna 1893 M Jehová Scrivener

      Nácar- 1944 M Yavé Griechisch

      Colunga*

      Evaristo 1964 M Yavé Griechisch

      Martín

      Nieto*

      Serafín de 1965 M (BHK) Yahvéh, Nestle-

      Ausejo* Señor Aland

      Biblia de 1967 M Yahveh Griechisch

      Jerusalén*

      Cantera- 1975 M (BHK) Yahveh Griechisch

      Iglesias*

      Nueva Biblia 1975 M Señor Griechisch

      Española*

      PORTUGIESISCH

      Almeida 1681, 1750 M Jehovah Textus

      receptus

      Figueiredo* 1778—1790 Vulgata Senhor Vulgata

      Matos Soares* 1927—1930 Vulgata Senhor Vulgata

      Pontifício 1967 M Javé Merk

      Instituto

      Bíblico*

      Jerusalém* 1976, 1981 M Iahweh Griechisch

      DEUTSCH

      Luther* 1522, 1534 M HERR Erasmus

      Zürcher 1531 M Herr, Jahwe Griechisch

      Elberfelder 1855, 1871 M Jehova Textus

      receptus

      Menge 1926 M HErr Griechisch

      Luther 1964, 1984 M HERR Griechisch

      (revidiert)*

      Bibel in 1967 M (BHS) Herr Nestle-

      heutigem Aland, UBS

      Deutsch (Gute

      Nachricht)*

      Einheits- 1972, 1974 M Herr, Jahwe Griechisch

      übersetzung*

      Revidierte 1975, 1985 M HERR, Jahwe Griechisch

      Elberfelder

      FRANZÖSISCH

      Darby 1859, 1885 M Eternel Griechisch

      Crampon* 1894—1904 M Jéhovah Merk

      Jérusalem* 1948—1954 Vulgata, Yahvé Vulgata,

      Hebräisch Griechisch

      TOB 1971—1975 M (BHS) Seigneur Nestle, UBS

      Ecumenical

      Bible*

      Osty* 1973 M Yahvé Griechisch

      Segond 1978 M (BHS) Eternel Nestle-

      (revidiert) Aland,

      Black,

      Metzger,

      Wikgren

      Français 1982 M (BHS) Seigneur Nestle, UBS

      courant

      NIEDERLÄNDISCH

      Staten- 1637 M HEERE Textus

      vertaling receptus

      Leidse 1899—1912 M Jahwe Nestle

      Vertaling

      Petrus- 1929—1939 M Jahweh Nestle

      Canisius

      vertaling*

      NBG-vertaling 1939—1951 M HERE Nestle

      Willibrord- 1961—1975 M Jahwe Nestle

      vertaling*

      Groot Nieuws 1972—1983 M Heer Nestle

      Bijbel*

      ITALIENISCH

      Diodati 1607, 1641 M Signore Griechisch

      Riveduta 1921—1930 M Eterno Griechisch

      (Luzzi)

      Nardoni* 1960 M Signore, Griechisch

      Jahweh

      Pontificio 1923—1958 M Signore, Merk

      Istituto Jahve

      Biblico*

      Garofalo* 1960 M Jahve, Griechisch

      Signore

      Concordata* 1968 M (BHK) Signore, Nestle,

      Iavè Merk

      CEI* 1971 M Signore Griechisch

      Parola del 1976—1985 M (BHS) Signore UBS

      Signore*

      * Ein Sternchen bedeutet, daß die Apokryphen enthalten sind, jedoch nicht unbedingt in allen Ausgaben.

      „M“ bezieht sich auf den massoretischen Text. Wenn es allein steht, ist keine besondere Ausgabe des massoretischen Textes angegeben.

      „BHK“ bezieht sich auf Kittels Biblia Hebraica.

      „UBS“ bezieht sich auf The Greek New Testament von den United Bible Societies.

      „BHS“ bezieht sich auf Biblia Hebraica Stuttgartensia.

      „Griechisch“ bedeutet, die Übersetzung ist aus dem Griechischen, jedoch ist kein besonderer Text angegeben.

  • Studie 8 — Vorteile der „Neuen-Welt-Übersetzung“
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 8 — Vorteile der „Neuen-Welt-Übersetzung“

      Eine Abhandlung über ihre zeitgemäße Sprache, ihre einheitliche Textwiedergabe, ihre sorgfältige Wiedergabe der Verben und die dynamische Ausdrucksweise des inspirierten Wortes Gottes

      1. (a) Welchem Trend wirkt die Neue-Welt-Übersetzung entgegen, und wie? (b) Warum wird im Deutschen die Form Jehova, nicht Jahwe oder eine andere Namensform gebraucht?

      IN DEN letzten Jahren sind eine Anzahl Bibelübersetzungen veröffentlicht worden, die viel dazu beigetragen haben, Personen, die Gottes Wort lieben, zu helfen, die Bedeutung des ursprünglichen Textes leicht zu erfassen. Viele Übersetzer haben jedoch den göttlichen Namen in dem heiligen Bericht weggelassen. In der Neuen-Welt-Übersetzung wird der würdige Name Gottes, des Höchsten, dagegen geehrt und verherrlicht, indem er wieder seinen rechtmäßigen Platz im Text erhalten hat. Der Name erscheint jetzt an 6 973 Stellen in den Hebräischen Schriften sowie an 237 Stellen in den Griechischen Schriften, insgesamt also an 7 210 Stellen. Hebraisten ziehen allgemein die Form Jahwe vor, aber die genaue Aussprache des Namens ist immer noch ungewiß. Deshalb wird weiterhin die latinisierte Form Jehova gebraucht; sie ist seit Jahrhunderten verwendet worden und gilt als eine anerkannte Form der deutschen Wiedergabe des Tetragrammatons (Tetragramms) oder des aus den vier Buchstaben יהוה bestehenden hebräischen Namens. Der Hebraist R. H. Pfeiffer schrieb: „Ganz gleich, was über seine ungewisse Herkunft gesagt werden mag, ‚Jehova‘ ist die richtige Wiedergabe von Jahwe und sollte es auch bleiben.“a

      2. (a) Gibt es Beispiele dafür, daß der göttliche Name in den Christlichen Griechischen Schriften schon früher wiedereingeführt wurde? (b) Welcher Zweifel wird dadurch beseitigt?

      2 Die Neue-Welt-Übersetzung ist nicht die erste Übersetzung, die den göttlichen Namen in den Christlichen Griechischen Schriften wiedereingeführt hat. Mindestens vom 14. Jahrhundert an sahen sich viele Übersetzer gezwungen, Gottes Namen wieder in den Text aufzunehmen, besonders an Stellen, wo die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften Texte aus den Hebräischen Schriften zitierten, in denen der göttliche Name vorkam. Eine Reihe von Übersetzungen der Griechischen Schriften in zeitgemäßen Sprachen (besonders solche, die von Missionaren angefertigt wurden), die in Afrika, Asien, Amerika und auf den pazifischen Inseln gesprochen werden, gebrauchen den Namen Jehova häufig, ebenso einige Übersetzungen in europäischen Sprachen. Wo immer der göttliche Name wiedergegeben wird, besteht kein Zweifel mehr darüber, welcher „Herr“ gemeint ist. Es ist Jehova, der Herr des Himmels und der Erde, dessen einzigartiger Name in der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift dadurch geheiligt wird, daß er durchweg gebraucht wird.b

      3. Auf welche Weise vermittelt die Neue-Welt-Übersetzung die Kraft, die Schönheit und die Bedeutung des ursprünglichen Textes?

      3 Die Neue-Welt-Übersetzung trägt ferner zur Heiligung des Namens Jehovas bei, indem sie den Text der von ihm inspirierten Heiligen Schrift in einer klaren, verständlichen Sprache wiedergibt, die dem Leser den eigentlichen Sinn deutlich übermittelt. Sie gebraucht einfache, geläufige Worte, hält sich an eine möglichst einheitliche Textwiedergabe und vermittelt genau die Aktionsart (Stadium) der hebräischen und griechischen Verben. Auf diese und auch auf andere Weise bringt die Neue-Welt-Übersetzung die Kraft, die Schönheit und den Sinn des ursprünglichen Textes so gut wie möglich ans Licht.

      IN ZEITGEMÄSSER SPRACHE WIEDERGEGEBEN

      4. (a) Welche edle Absicht äußerte einer der ersten Bibelübersetzer? (b) Was ist im Lauf der Zeit notwendig geworden?

      4 Ältere Bibelübersetzungen enthalten viele veraltete Wörter aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Damals waren diese Wörter jedermann geläufig, aber heute versteht sie niemand mehr. Als Beispiel könnte William Tyndale angeführt werden, der viele solche Wörter in die englische Bibel aufnahm. Von ihm wird berichtet, er habe zu einem seiner religiösen Gegner gesagt: „Wenn mich Gott verschont, will ich in wenigen Jahren dafür sorgen, daß der Junge hinter dem Pflug die Schrift besser kennt als du.“ Damals konnte ein junger Pflüger Tyndales Übersetzung der Griechischen Schriften ohne weiteres verstehen. Doch inzwischen sind viele Ausdrücke, die er gebrauchte, veraltet, so daß „der Junge hinter dem Pflug“ viele Wörter in der King James Version und in anderen älteren Bibelübersetzungen (wie der ursprünglichen Lutherbibel) nicht mehr richtig verstehen würde. Es ist daher notwendig geworden, die unverständliche, altertümliche Sprache dieser Übersetzungen durch die Sprache des Mannes von der Straße zu ersetzen.

      5. In was für einer Sprache sollte die Bibel erscheinen, und warum?

      5 Die inspirierte Heilige Schrift wurde in der Sprache des Mannes von der Straße geschrieben. Die Apostel und andere frühe Christen gebrauchten nicht das klassische Griechisch, das die Philosophen, zum Beispiel Plato, sprachen. Sie benutzten das alltägliche Griechisch, das heißt die Koine oder die griechische Gemeinsprache. Die Griechischen Schriften wurden also — wie zuvor die Hebräischen Schriften — in der Sprache des Volkes geschrieben. Es ist somit äußerst wichtig, daß Übersetzungen der ursprünglichen heiligen Schriften ebenfalls in der Sprache des Volkes angefertigt werden, um leicht verstanden zu werden. Aus diesem Grund gebraucht die Neue-Welt-Übersetzung nicht die altertümliche Sprache der letzten drei oder vier vergangenen Jahrhunderte, sondern verwendet deutliche, ausdrucksvolle und geläufige Worte, so daß der Leser wirklich versteht, was die Bibel sagen will.

      6. Veranschauliche, weshalb es vorteilhaft ist, geläufige Ausdrücke statt veraltete zu verwenden.

      6 Um eine gewisse Vorstellung davon zu erhalten, inwieweit sich die deutsche Sprache zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert verändert hat, vergleiche man folgende Texte aus der Originalausgabe der Lutherbibel (1545) mit der Neuen-Welt-Übersetzung: Aus „die Gerste hatte geschosset“ in der Lutherbibel wurde „stand in Ähren“ in der Neuen-Welt-Übersetzung (2. Mo. 9:31); aus „seinen Acker bauen“ wurde „sein Pflügen zu besorgen“ (1. Sam. 8:12); aus „einfältig“ wurde „lauter“ (Mat. 6:22); aus „mondsüchtig“ wurde „Epileptiker“ (Mat. 17:15); aus dem „Gichtbrüchigen“ wurde der „Gelähmte“ (Mar. 2:3); der „Mietling“ wurde zum „Lohnarbeiter“ (Joh. 10:12); „Hippe“ wurde zur „Sichel“ (Offb. 14:17), und aus „in den feurigen Pfuhl“ wurde „in den Feuersee“ (Offb. 19:20). Diese Beispiele zeigen, wie vorteilhaft es ist, daß die Neue-Welt-Übersetzung geläufige Wörter statt veraltete Ausdrücke verwendet.

      EINHEITLICHE TEXTWIEDERGABE

      7. Worin zeigt sich die einheitliche Textwiedergabe der Neuen-Welt-Übersetzung?

      7 Bei der Neuen-Welt-Übersetzung bemühte man sich um eine möglichst einheitliche Textwiedergabe. Für ein bestimmtes hebräisches oder griechisches Wort ist e i n entsprechendes deutsches Wort gewählt worden, das dann — soweit es Stil und Kontext zulassen — möglichst einheitlich wiedergegeben worden ist, um in der deutschen Sprache das richtige Verständnis zu vermitteln. Zum Beispiel ist das hebräische Wort néphesch durchweg mit „Seele“ übersetzt worden. Das entsprechende griechische Wort, psychḗ, ist an allen Stellen mit „Seele“ wiedergegeben worden.

      8. (a) Führe Beispiele für Homonyme an. (b) Wie sind diese in der Neuen-Welt-Übersetzung behandelt worden?

      8 In einigen Fällen verursachte die Übersetzung von Homonymen ein Problem. Ein Homonym ist ein Wort, das wie ein anderes geschrieben und gesprochen wird, aber eine andere Bedeutung hat. Es kommt in diesen Fällen also darauf an, daß beim Übersetzen das Wort gewählt wird, das den richtigen Sinn wiedergibt. Homonyme im Deutschen sind zum Beispiel die Wörter „Reif“ (gefrorener Tau) und „Reif“ (Ring) oder „Strauß“ (Vogel) und „Strauß“ (Blumen), die genau gleich geschrieben werden, aber eine ganz unterschiedliche Bedeutung haben. Ein biblisches Beispiel ist das hebräische Wort rav, dessen Schreibweise völlig unterschiedliche Wurzelwörter darstellt und deshalb in der Neuen-Welt-Übersetzung unterschiedlich wiedergegeben wird. Das Wort rav hat meistens die Bedeutung von „viele“, wie in 2. Mose 5:5. Es wird aber auch in Titeln gebraucht, beispielsweise bei „Rabschake“ (hebräisch: Rav-schaqéh) in 2. Könige 18:17; es bedeutet auch „oberster“, wie in Daniel 1:3, wo es mit „seinem obersten Hofbeamten“ wiedergegeben wird. (Siehe ferner Jeremia 39:3, Fußnote.) Das gleichgeschriebene Wort rav bedeutet aber ebenfalls „Bogenschütze“ und wird so in Jeremia 50:29 wiedergegeben. Die Übersetzer haben sich an Sprachexperten wie L. Koehler und W. Baumgartner gehalten und diese gleichgeschriebenen Wörter unterschiedlich wiedergegeben.

      9. Wie bewertete ein Hebraist und Gräzist die Neue-Welt-Übersetzung?

      9 Der Hebraist und Gräzist Alexander Thomson schrieb in seiner Besprechung der englischen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften über dieses Merkmal folgendes: „Die Übersetzung ist offensichtlich das Werk befähigter und kluger Gelehrter, die sich bemüht haben, den griechischen Text so getreu, wie es das Ausdrucksvermögen der englischen Sprache zuläßt, wiederzugeben. Man war bestrebt, jedes wichtigere griechische Wort mit ein und demselben englischen Wort wiederzugeben und so möglichst wörtlich zu sein. ... Das Wort, das in der Regel mit ‚rechtfertigen‘ wiedergegeben wird, ist in den meisten Fällen sehr richtig mit ‚gerechtsprechen‘ übersetzt worden. ... Das Wort für das Kreuz ist mit ‚Marterpfahl‘ wiedergegeben worden, was ebenfalls eine Verbesserung ist. ... Lukas 23:43 ist richtig übersetzt: ‚Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein.‘ Das ist eine bedeutende Verbesserung gegenüber der Lesart der meisten Übersetzungen.“ Zur Übersetzung der Hebräischen Schriften machte Thomson folgenden Kommentar: „Es lohnt sich wirklich, die Neue-Welt-Übersetzung zu erwerben. Ihr Stil ist lebendig und realistisch und veranlaßt den Leser zum Nachdenken und Überlegen. Sie ist nicht das Werk von Bibelkritikern, sondern von Gelehrten, die Gott und sein Wort ehren“ (The Differentiator, April 1952, Seite 52—57 und Juni 1954, Seite 136).

      10. Veranschauliche, inwiefern die konsequente Textwiedergabe der Neuen-Welt-Übersetzung die biblische Wahrheit bestätigt.

      10 Die konsequente Textwiedergabe der Neuen-Welt-Übersetzung hat schon bei mancher fachlichen Bibelbesprechung mit Außenstehenden den Sieg errungen. Vor einigen Jahren bat zum Beispiel eine Gruppe von Freidenkern in New York die Watch Tower Society, zwei Redner zu stellen, die zu ihnen über biblischen Stoff sprechen sollten. Die Bitte wurde gewährt. Diese gebildeten Leute hielten sich an die lateinische Maxime falsum in uno falsum in toto, was bedeutet, daß ein Argument, das in e i n e m Punkt falsch ist, vollständig falsch ist. Im Verlauf der Diskussion forderte ein Anwesender die Zeugen Jehovas mit der Behauptung heraus, die Bibel sei unglaubwürdig. Er verlangte, daß den Zuhörern 1. Mose 1:3 vorgelesen werde. Das geschah, und zwar aus der Neuen-Welt-Übersetzung: „Und Gott sprach dann: ‚Es werde Licht.‘ Da wurde es Licht.“ Daraufhin forderte er den Redner selbstsicher auf, 1. Mose 1:14 vorzulesen, und auch dieser Text wurde aus der Neuen-Welt-Übersetzung vorgelesen: „Und Gott sprach weiter: ‚Es sollen Lichter in der Ausdehnung der Himmel werden.‘ “ „Halt“, sagte er, „was haben Sie gelesen? In meiner Bibel steht, daß Gott am ersten Tag Licht gemacht hat und nochmals am vierten Tag, und das ist ein Widerspruch.“ Er behauptete zwar, Hebräisch zu können, aber er mußte darauf hingewiesen werden, daß im Vers 3 mit dem Wort „Licht“ das hebräische Wort ’ōr wiedergegeben wird, wogegen es sich im Vers 14 um ein anderes Wort handelt, um ma’ṓr, eine Leuchte (ein Lichtkörper) oder eine Lichtquelle. Der Experte gab sich geschlagen und setzte sich.c Die getreue Textwiedergabe der Neuen-Welt-Übersetzung hatte gewonnen und die Bibel als zuverlässig und nützlich verteidigt.

      SORGFÄLTIGE WIEDERGABE DER VERBEN

      11. Welches ausdrucksvolle Merkmal des ursprünglichen Textes ist in der Neuen-Welt-Übersetzung erhalten geblieben? Wie?

      11 Bei der Neuen-Welt-Übersetzung war man auch darauf bedacht, den Sinn der durch die griechischen und hebräischen Verben zum Ausdruck gebrachten Handlungen richtig wiederzugeben. Dadurch sind in dieser Übersetzung der besondere Reiz, die Einfachheit, die Kraft und die Ausdrucksweise des ursprünglichen Textes erhalten geblieben. Es ist daher im Deutschen notwendig gewesen, Hilfsverben zu verwenden, um die Stadien (Aktionsarten) der Handlung genau zu übermitteln. Wegen der Kraft der Verben sind die Schriften in den Ursprachen so besonders dynamisch und ausdrucksstark.

      12. (a) In welcher Hinsicht unterscheidet sich das Hebräische von westlichen Sprachen? (b) Erkläre die beiden Aktionsarten (Stadien) des hebräischen Verbs.

      12 Das hebräische Verb hat keine „Zeitformen“ in dem Sinne, wie diese Bezeichnung auf die meisten westlichen Sprachen angewandt wird. Im Deutschen werden die Verben hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Zeit gesehen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das hebräische Verb dagegen bringt im wesentlichen die Aktionsart (das Stadium) zum Ausdruck (gemeint ist die Beschaffenheit oder der Zustand einer Handlung): das Perfekt als abgeschlossene Handlung oder Tätigkeit und das Imperfekt als nichtabgeschlossene oder andauernde (noch unvollendete) Handlung. Diese Aktionsarten des hebräischen Verbs können sich auf vergangene oder auf zukünftige Handlungen beziehen; als Zeitfaktor ist der Textzusammenhang entscheidend. Das Perfekt (der vollendete Zustand) des Verbs bezeichnet Handlungen in der Vergangenheit, aber es wird auch gebraucht, um auf ein künftiges Ereignis hinzuweisen, als ob es schon eingetreten wäre und bereits in der Vergangenheit läge, wodurch angezeigt wird, daß es bestimmt noch eintreten wird oder eintreten muß.

      13. Weshalb ist die Beachtung der Aktionsart des hebräischen Verbs wichtig, um 1. Mose 2:2, 3 richtig zu verstehen?

      13 Die richtige Wiedergabe des Zustandes (Stadiums) des hebräischen Verbs im Deutschen ist äußerst wichtig, da sonst der Sinn entstellt und ein ganz anderer Gedanke übermittelt werden könnte. Als Beispiel hierfür mögen einige verbale Ausdrücke aus 1. Mose 2:2, 3 dienen. In manchen Übersetzungen heißt es von Gott, daß er am siebten Tag „ruhte“ oder „ausruhte (davon abließ)“. Aus diesen Lesarten könnte man schließen, daß Gottes Ruhen während des siebten Tages in der Vergangenheit bereits abgeschlossen war. Man beachte aber, wie die Neue-Welt-Übersetzung den Sinn der in 1. Mose 2:2, 3 gebrauchten Verben zum Ausdruck bringt: „Und bis zum siebten Tag kam Gott zur Vollendung seines Werkes, das er gemacht hatte, und er begann am siebten Tag von all seinem Werk zu ruhen, das er gemacht hatte. Und Gott ging daran, den siebten Tag zu segnen und ihn zu heiligen, denn an ihm hat er fortan geruht von all seinem Werk, das Gott, um es zu machen, geschaffen hat.“ Der Ausdruck ‘er begann zu ruhen’ im Vers 2 ist im Hebräischen ein Verb im Imperfekt und gibt somit den Gedanken einer noch nicht abgeschlossenen oder noch andauernden Handlung oder eines noch nicht abgeschlossenen Zustands wieder. Die Wiedergabe der Wendung ‘er begann zu ruhen’ stimmt mit Hebräer 4:4-7 überein. Das Verb in 1. Mose 2:3 steht dagegen im Perfekt, ist aber in Übereinstimmung mit Vers 2 und mit Hebräer 4:4-7 mit „hat er fortan geruht“ übersetzt worden.

      14. Welcher falschen Theorie über das Waw consecutivum ist die Neue-Welt-Übersetzung in Verbindung mit den hebräischen Verben nicht gefolgt?

      14 Einer der Gründe für ungenaue Übersetzungen der Verbformen ist die heute als Waw consecutivum bekannte grammatische Theorie. waw (ו) ist das hebräische Bindewort, das im wesentlichen „und“ bedeutet. Es steht nie allein, sondern ist immer mit einem anderen Wort, häufig mit dem Verb, verbunden und bildet dann mit diesem e i n Wort. Von einigen ist behauptet worden und wird noch behauptet, daß diese Verbindung die Kraft besitze, das Verb von einer Aktionsart (Stadium) in eine andere umzuwandeln, das heißt vom Imperfekt ins Perfekt (was bei vielen Übersetzungen, auch bei neuzeitlichen, in 1. Mose 2:2, 3 gemacht wurde) oder vom Perfekt ins Imperfekt. Diese Umwandlung ist auch als Waw conversivum bezeichnet worden. Diese unkorrekte Anwendung der Verbform hat beim Übersetzen des hebräischen Textes zu viel Verwirrung und zu Fehlern geführt. Die Neue-Welt-Übersetzung ist nicht der Theorie gefolgt, daß der Buchstabe waw die Kraft besitze, die Aktionsart (das Stadium) des hebräischen Verbs zu verändern. Man hat vielmehr versucht, die dem hebräischen Verb eigene und ausgeprägte Kraft wiederzugeben und so die Bedeutung des Originals zu erhalten.d

      15. (a) Welche Sorgfalt wurde beim Übersetzen der griechischen Verben angewandt? (b) Veranschauliche den Vorteil, den die richtige Wiedergabe der fortdauernden Zeitform hat.

      15 Ähnliche Sorgfalt ist beim Übersetzen der griechischen Verben angewandt worden. Im Griechischen drücken die Tempora (Zeitformen) des Verbs nicht nur die Zeitstufe aus, sondern auch die Aktionsart (auch Aspekt genannt), das heißt die Art und Weise der Handlung, ob sie punktuell oder momentan, beginnend, fortdauernd, wiederholend oder vollendet ist. Die Beachtung der Bedeutungen der griechischen Verbformen hat eine genaue Übersetzung zur Folge, die die volle Kraft der beschriebenen Handlung wiedergibt. Zum Beispiel gibt die fortdauernde Zeitform eines griechischen Verbs nicht nur den wahren Charakter einer Handlung wieder, sondern verleiht Ermahnungen und Rat auch größeren Nachdruck. Der fortdauernde Unglaube der Pharisäer und Sadduzäer wird durch folgende Worte Jesu verdeutlicht: „Eine böse und ehebrecherische Generation sucht fortwährend ein Zeichen.“ Die Notwendigkeit, fortwährend richtig zu handeln, kommt treffend durch die Worte Jesu zum Ausdruck: „Fahrt fort, eure Feinde zu lieben.“ „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich ... zu suchen.“ „Bittet fortwährend, und es wird euch gegeben werden; sucht unablässig, und ihr werdet finden; klopft immer wieder an, und es wird euch geöffnet werden“ (Mat. 16:4; 5:44; 6:33; 7:7).

      16. Wie werden die Worte des Johannes über „sündigen“ aus 1. Johannes 2:1 unter Berücksichtigung des Aorists richtig wiedergegeben?

      16 Das Griechische hat eine ungewöhnliche Zeitform, „Aorist“ genannt, die eine punktuelle oder momentane Handlung bezeichnet. Verben im Aorist können dem Kontext entsprechend unterschiedlich wiedergegeben werden. Der Aorist kann zum Beispiel e i n e n Akt von etwas Bestimmtem bezeichnen, ohne Rücksicht auf die Zeit. Ein solches Beispiel ist in 1. Johannes 2:1 zu finden, wo viele Übersetzungen das Verb für „sündigen“ so wiedergeben, daß der Eindruck entsteht, es handle sich um ein fortgesetztes Sündigen, wogegen in der Neuen-Welt-Übersetzung gesagt wird „eine Sünde begeht“, das heißt e i n e n Akt des Sündigens. Dadurch wird die richtige Bedeutung vermittelt, nämlich, daß ein Christ, falls er einen Akt der Sünde begeht, Jesus Christus hat, der für ihn beim himmlischen Vater als Fürsprecher oder Helfer eintritt. Folglich steht 1. Johannes 2:1 keineswegs im Widerspruch zu 1. Johannes 3:6-8 und 5:18 — wo mißbilligend vom ‘Sündetreiben’ die Rede ist —, sondern ist lediglich eine Gegenüberstellung.e

      17. Was kann das Imperfekt im Griechischen außer einer andauernden Handlung noch ausdrücken? Veranschauliche es.

      17 Das Imperfekt kann im Griechischen nicht nur eine andauernde Handlung bezeichnen, sondern auch eine Handlung, die versucht, aber nicht ausgeführt wurde. Hebräer 11:17 lautet in der Fotobibel zum Beispiel: „Weil er glaubte, opferte Abraham den Isaak, als er auf die Probe gestellt wurde. Er opferte seinen einzigen Sohn.“ Das Verb „opferte“ unterscheidet sich in diesen beiden Fällen im Griechischen in der Zeitform. Im ersten Fall steht es im Perfekt (abgeschlossene Handlung), im zweiten Fall dagegen im Imperfekt (andauernde Handlung in der Vergangenheit). Die Neue-Welt-Übersetzung berücksichtigt die unterschiedlichen Zeitformen und gibt diesen Text wie folgt wieder: „Durch Glauben brachte Abraham, als er auf die Probe gestellt wurde, Isaak so gut wie als Opfer dar, und der Mann ... versuchte, seinen einziggezeugten Sohn als Opfer darzubringen.“ Auf diese Weise wird die Bedeutung der vollendeten Zeitform des ersten Verbs beibehalten, wogegen durch das Imperfekt des zweiten Verbs angezeigt wird, daß die Handlung beabsichtigt war oder versucht wurde, aber nicht ausgeführt wurde (1. Mo. 22:9-14).

      18. Was wurde durch die sorgfältige Beachtung der Funktion anderer Wortarten erreicht? Führe ein Beispiel an.

      18 Die sorgfältige Beachtung der Funktion anderer Wortarten, zum Beispiel der Fälle (Kasus) der Substantive, hat zur Klärung anscheinender Widersprüche geführt. In Apostelgeschichte 9:7, wo über das ungewöhnliche Erlebnis berichtet wird, das Saulus auf dem Weg nach Damaskus hatte, heißt es in einigen Übersetzungen, daß seine Reisegefährten „die Stimme hörten“, aber niemand sahen. In Apostelgeschichte 22:9, wo dann berichtet wird, was Paulus über diesen Vorfall selbst erzählte, heißt es in denselben Übersetzungen, daß die Männer das Licht zwar sahen, aber ‘die Stimme nicht hörten’. Im ersten Fall steht das griechische Wort für „Stimme“ jedoch im Genitiv, im zweiten Fall aber im Akkusativ, wie in Apostelgeschichte 9:4. Warum dieser Unterschied? In den oben erwähnten Übersetzungen ins Deutsche wird kein Unterschied gemacht; im Griechischen wird jedoch durch die Änderung des Falles eine andere Bedeutung angezeigt. Die Männer hörten „die Stimme“ buchstäblich, aber nicht so wie Paulus, der die Worte hörte und sie verstand. Deshalb heißt es in der Neuen-Welt-Übersetzung — die den Gebrauch des Genitivs in Apostelgeschichte 9:7 berücksichtigt —, daß die Männer, die bei ihm waren, „den Schall einer Stimme hörten, aber niemand sahen“.

      DIE NEUE-WELT-ÜBERSETZUNG IN ANDEREN SPRACHEN

      19. (a) Wie ist es möglich geworden, daß ein immer größerer Teil der Erdbevölkerung aus den Vorteilen der Neuen-Welt-Übersetzung Nutzen ziehen kann? (b) Wie viele Exemplare der Neuen-Welt-Übersetzung hat die Watch Tower Society bis 1989 gedruckt?

      19 Im Jahr 1961 wurde angekündigt, daß die Watch Tower Society darangehe, die Neue-Welt-Übersetzung in sechs weiteren Sprachen zu veröffentlichen: in Deutsch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch und Spanisch. Diese Übersetzungsarbeit wurde erfahrenen, Gott hingegebenen Übersetzern anvertraut, die alle in der Zentrale der Watch Tower Society in Brooklyn (New York) zusammenarbeiteten. Sie dienten als ein großes internationales Komitee unter fachkundiger Leitung. Im Juli 1963 waren auf dem Kongreß der Zeugen Jehovas „Ewige gute Botschaft“ in Milwaukee (Wisconsin, USA) die ersten Früchte dieser Übersetzungsarbeit erhältlich, als die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften in den obigen sechs Sprachen freigegeben wurde. Nun konnten außer englischsprachigen Bewohnern der Erde auch andere die Vorteile dieser neuzeitlichen Übersetzung genießen. Seither ist die Übersetzungsarbeit fortgesetzt worden, und bis zum Jahr 1989 ist die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in 11 Sprachen erschienen, und über 56 000 000 Exemplare sind gedruckt worden.f

      DANKBARKEIT FÜR DAS WIRKUNGSVOLLE WERKZEUG

      20, 21. In welch besonderer Hinsicht ist diese Übersetzung der inspirierten Heiligen Schrift Christen von Nutzen?

      20 Die Neue-Welt-Übersetzung ist tatsächlich ein wirkungsvolles Werkzeug, mit dem man beweisen kann, daß die „ganze Schrift ... von Gott inspiriert und nützlich“ ist. Aus den in dieser Studie behandelten Punkten ist ersichtlich, daß diese Übersetzung genau und zuverlässig ist und daß sich alle, die Gott in einer zeitgemäßen, lebenden Sprache zum Menschen sprechen hören möchten, wirklich darüber freuen können. Die Sprache der Neuen-Welt-Übersetzung rüttelt den Geist des Lesers auf und stimmt ihn auf die dynamische Ausdruckskraft der Sprachen ein, in denen die inspirierten Schriften ursprünglich geschrieben wurden. Man braucht einzelne Verse nicht mehr zwei- oder dreimal zu lesen, um undeutliche Wörter zu verstehen. Sie drückt sich so eindeutig und klar aus, daß man das Gelesene schon beim erstenmal versteht.

      21 Die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift ist eine getreue Übersetzung des Wortes Gottes, ‘des Schwertes des Geistes’. Als das ist sie tatsächlich eine wirksame Waffe in der geistigen Kriegführung des Christen und eine Hilfe, ‘um starke Verschanzungen falscher Lehren und Vernunftschlüsse, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erheben, umzustoßen’. Wie sehr sie uns doch hilft, die Dinge, die nützlich und erbauend sind, mit einem besseren Verständnis zu verkündigen, die herrlichen Dinge über Gottes Königreich der Gerechtigkeit — ja „die großen Dinge Gottes“! (Eph. 6:17; 2. Kor. 10:4, 5; Apg. 2:11).

      [Fußnoten]

      a Robert H. Pfeiffer, Introduction to the Old Testament, 1952, Seite 94.

      b Kingdom Interlinear Translation, Ausgabe 1985, Seite 1133 bis 1138; Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen, Anhang 1C, 1D.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, SCHÖPFUNG.

      d Studienbibel, Anhang 3C, „Hebräische Verben, die eine andauernde Handlung oder eine Handlung in ihrem Verlauf anzeigen“.

      e Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1017, 1018.

      f Die vollständige Ausgabe ist in Dänisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Niederländisch, Portugiesisch und Spanisch erschienen; die Christlichen Griechischen Schriften in Finnisch und Schwedisch.

  • Studie 9 — Die Archäologie und der inspirierte Bericht
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 9 — Die Archäologie und der inspirierte Bericht

      Eine Studie über archäologische Funde und über alte weltliche Geschichtsaufzeichnungen, die den Bibelbericht bestätigen

      1. (a) Was versteht man unter biblischer Archäologie? (b) Was sind Artefakte?

      BIBLISCHE Archäologie ist die wissenschaftliche Erforschung der Völker und der Ereignisse der biblischen Zeit, und zwar anhand von Schriften, Geräten, Gebäuden und anderen in der Erde gefundenen Überresten. Die Suche nach Überresten oder Artefakten an alten biblischen Stätten hat viel Forschungsarbeit erfordert, und Millionen Tonnen Erde wurden bewegt. Ein Artefakt ist irgendein Gegenstand, der menschliche Kunstfertigkeit erkennen läßt und auf das Leben und Wirken von Menschen hinweist. Artefakte können z. B. Töpferwaren sein, Trümmer von Bauwerken, Tontafeln, Inschriften, Urkunden, Denkmäler und in Stein gehauene Chroniken.

      2. Von welchem Wert ist die biblische Archäologie?

      2 Schon bald nach Beginn des 20. Jahrhunderts war die Archäologie zu einem Feld gründlicher Forschungen geworden. Größere Universitäten und Museen in Europa und Amerika förderten Forschungsreisen in biblische Länder. Infolgedessen haben Archäologen eine Fülle von Informationen erschlossen, die Licht auf die Verhältnisse in biblischen Zeiten werfen. Manchmal haben archäologische Funde deutlich gezeigt, daß die Bibel glaubwürdig und bis in die kleinste Einzelheit genau ist.

      DIE ARCHÄOLOGIE UND DIE HEBRÄISCHEN SCHRIFTEN

      3. Welche Ruinen und welche Aufzeichnungen aus alter Zeit bestätigen, daß es im alten Babylon Zikkurats gab?

      3 Der Turm von Babel. Gemäß der Bibel war der Turm von Babel ein mächtiges Bauwerk (1. Mo. 11:1-9). Interessanterweise haben Archäologen in den Ruinen des alten Babylon und im umliegenden Gebiet Stellen freigelegt, an denen mehrere Zikkurats oder pyramidenähnliche Stufentempel gestanden haben, so z. B. die Ruinen des Tempels Etemenanki, der innerhalb der Mauern Babylons lag. Alte Aufzeichnungen über solche Tempel enthalten oft die Worte: „Seine Spitze soll bis an den Himmel reichen.“ König Nebukadnezar hat angeblich gesagt: „Etemenankis Spitze aufzusetzen, daß mit dem Himmel sie wetteifere, legte ich Hand an.“ In einem Fragment wird über den Einsturz einer solchen Zikkurat folgendes berichtet: „Der Bau dieses Tempels beleidigte die Götter. In einer Nacht rissen sie nieder, was gebaut worden war. Sie zerstreuten sie weit umher und machten ihre Sprache fremd. Den Fortschritt verhinderten sie.“a

      4. Welche archäologischen Entdeckungen hat man am Gihon gemacht, und wie hängen sie offensichtlich mit dem Bibelbericht zusammen?

      4 Die Wassertunnel an der Gihonquelle. Charles Warren entdeckte 1867 bei Jerusalem einen alten Wasserkanal, der von der Gihonquelle in den Hügel zurückführte. Ein Schacht verlief nach oben, zur Stadt Davids hin. Das war anscheinend der Weg, auf dem Davids Männer zum erstenmal in die Stadt hineinkamen (2. Sam. 5:6-10). In den Jahren 1909 bis 1911 wurde das ganze Tunnelsystem von der Gihonquelle her freigelegt. Ein stattlicher, im Durchschnitt 1,8 m hoher Tunnel war 533 m weit in den massiven Felsen gemeißelt und führte von der Gihonquelle zum Teich Siloam im Tyropöontal (innerhalb der Stadt). Offensichtlich ist dies der von Hiskia gebaute Tunnel. Eine Inschrift in alten hebräischen Buchstaben an der Wand des engen Tunnels lautet auszugsweise: „Und so verhielt es sich mit dem Durchbruch: Als noch die Steinhauer schwangen die Beilhacken, jeder auf seinen Genossen zu, und als noch 3 Ellen zu durchschlagen [waren, wurde gehö]rt die Stimme eines jeden, der seinen Genossen rief, denn es war ein Spalt im Felsen von rechts nach [link]s. Und am Tage des Durchbruchs schlugen die Steinhauer — jeder auf seinen Genossen zu —, Beilhacke gegen Beilhacke. Da floß das Wasser vom Ausgangsort zum Teich an 1200 Ellen; und ein hundert Ellen betrug die Höhe des Felsens über den Köpfen der Steinhauer.“ Für die damalige Zeit wirklich eine technische Meisterleistungb (2. Kö. 20:20; 2. Chr. 32:30).

      5. Welcher Fund in Karnak beweist, daß der Einmarsch Schischaks stattgefunden hat und daß die biblischen Ortsbezeichnungen zuverlässig sind?

      5 Das Siegesrelief Schischaks. König Schischak von Ägypten wird in der Bibel siebenmal erwähnt. Da König Rehabeam das Gesetz Jehovas verlassen hatte, ließ Jehova zu, daß Schischak 993 v. u. Z. in Juda einfiel, ohne es jedoch vollständig zugrunde zu richten (1. Kö. 14:25-28; 2. Chr. 12:1-12). Bis vor wenigen Jahren schien es, als ob nur die Bibel von diesem Einmarsch berichtete. Dann kam ein umfangreiches Dokument des Pharaos ans Licht, den die Bibel Schischak (Scheschonk I.) nennt: ein eindrucksvolles Relief mit Hieroglyphen und Bildern an der Südmauer eines großen ägyptischen Tempels in Karnak (dem alten Theben). Auf diesem riesigen Relief ist der ägyptische Gott Amon mit einem sichelförmigen Schwert in seiner rechten Hand dargestellt. Er bringt Pharao Schischak 156 gefesselte palästinische Gefangene, die er mit Seilen an seiner linken Hand hält. Jeder Gefangene bedeutet eine Stadt oder ein Dorf, dessen Name in Hieroglyphen erscheint. Es folgen einige der Namen, die noch lesbar sind und identifiziert werden können: Rabbith (Jos. 19:20); Taanach, Beth-Schean und Megiddo (Jos. 17:11); Sunem (Jos. 19:18); Rehob (Jos. 19:28); Hapharajim (Jos. 19:19); Gibeon (Jos. 18:25); Beth-Horon (Jos. 21:22); Ajalon (Jos. 21:24); Socho (Jos. 15:35); Arad (Jos. 12:14). Auf dem Relief kommt auch der Ausdruck „Feld Abrams“ vor. Dies ist der erste Hinweis auf Abraham in ägyptischen Aufzeichnungen.c

      6, 7. Welche Vergangenheit hat der Mesa-Stein, und welchen Aufschluß über den Krieg zwischen Israel und Moab enthält er?

      6 Der Mesa-Stein. 1868 machte der deutsche Missionar F. A. Klein in Dhiban (Dibon) eine bemerkenswerte Entdeckung. Er fand eine alte Inschrift auf einem Stein, der dann als der Mesa-Stein bekannt wurde. Von der Schrift wurde ein Abklatsch gemacht, aber den Stein selbst zerbrachen die Beduinen, bevor er wegtransportiert werden konnte. Die Bruchstücke hat man jedoch größtenteils wiedergefunden, und heute wird der Stein im Louvre, Paris, und eine Nachbildung davon im Britischen Museum, London, aufbewahrt. Ursprünglich war er in Dibon in Moab aufgestellt worden. Er enthält König Mesas Beschreibung seiner Auflehnung gegen Israel (2. Kö. 1:1; 3:4, 5). Der Text lautet auszugsweise: „Ich bin Mešaʽ, der Sohn des Kmš[jt], König von Moab, der Dibonite ... Omri war König über Israel und hatte Moab lange Zeit gedemütigt, denn Kamoš war erzürnt über sein Land. Und sein Sohn folgte ihm, und auch er sprach: ‚Ich werde Moab demütigen.‘ Noch in meinen Tagen sprach er so, aber ich sah meine Lust an ihm und seinem Hause. Und ‚Israel ist dahin, dahin für immer!‘ ... Und Kamoš sprach zu mir: ‚Auf, nimm Nebo von Israel fort!‘ Da brach ich bei Nacht auf und bekämpfte es von Tagesanbruch bis zum Mittag. Und ich nahm es ein und tötete alles ... Und ich nahm von dort die [Gerä]te Jahwes und schleifte sie vor Kamoš.“d Man beachte den Gebrauch des göttlichen Namens im letzten Satz. Der Name ist auf der untenstehenden Abbildung des Mesa-Steins zu sehen. Er hat die Form des Tetragrammatons und steht auf der rechten Seite der Inschrift in der 18. Zeile.

      7 Auf dem Mesa-Stein werden außerdem folgende Orte der Bibel erwähnt: Ataroth und Nebo (4. Mo. 32:34, 38); der Arnon, Aroer, Medeba und Dibon (Jos. 13:9); Bamoth-Baal, Beth-Baal-Meon, Jahaz und Kirjathajim (Jos. 13:17-19); Bezer (Jos. 20:8); Horonajim (Jes. 15:5); Beth-Diblathajim und Kerijoth (Jer. 48:22, 24). Somit bezeugt er die Geschichtlichkeit dieser Orte.

      8. Was berichtet die Bibel über Sanherib, und was hat die Freilegung seines Palastes ergeben?

      8 Prisma König Sanheribs. Die Bibel berichtet ausführlich über den Einfall der Assyrer unter König Sanherib im Jahre 732 v. u. Z. (2. Kö. 18:13 bis 19:37; 2. Chr. 32:1-22; Jes. 36:1 bis 37:38). Während der Jahre 1847 bis 1851 grub der englische Archäologe A. H. Layard in Ninive im Bereich des alten Assyrien die Reste des großen Palastes Sanheribs aus. Man stellte fest, daß der Palast etwa 70 Räume gehabt hatte, und zwar mit über 3 000 m Mauern, die mit reliefartig verzierten Platten belegt waren. Sanheribs Annalen oder jährliche Berichte von Ereignissen wurden auf Tonzylindern oder Prismen aufgezeichnet. Die offenbar kurz vor seinem Tod entstandene letzte Ausgabe dieser Annalen erscheint auf dem sogenannten Taylor-Prisma, das im Britischen Museum aufbewahrt wird. Das Oriental Institute der Universität Chicago besitzt allerdings einen noch besseren solchen Text auf einem Prisma, das unweit des Gebietes entdeckt wurde, wo Ninive, die Hauptstadt des Assyrischen Reiches, gelegen hat.

      9. Wovon schreibt Sanherib in Übereinstimmung mit dem Bibelbericht, doch was verschweigt er, und warum?

      9 In diesen letzten Annalen gibt Sanherib seine eigene prahlerische Darstellung von seinem Einmarsch in Juda: „Hiskia von Juda jedoch, der sich meinem Joch nicht unterworfen hatte — 46 seiner festen ummauerten Städte, sowie die zahllosen kleinen Städte in ihrem Umkreis, belagerte ich und eroberte ich durch das Anlegen von Belagerungsdämmen, Einsatz von Sturmwiddern, Infanteriekampf, Untergrabungen, Breschen und Sturmleitern (?). 200 150 Leute, große und kleine, männlich und weiblich, Pferde, Maultiere, Esel, Kamele, Rinder und Kleinvieh ohne Zahl führte ich aus ihnen heraus und rechnete sie zur Beute. Ihn selbst schloß ich gleich einem Käfigvogel in seiner Residenz Jerusalem ein. ... Seine Städte, die ich geplündert hatte, trennte ich von seinem Lande ab und gab sie Mitinti, dem König von Asdod, Padī, dem König von Ekron[,] und Ṣilbēl, dem König von Gaza ... Hiskia aber ...[,] seine Elitetruppen ..., zusammen mit 30 Talenten Gold, 800 Talenten Silber, erlesenem Antimon, großen Blöcken ..., elfenbeinernen Betten, elfenbeinernen Lehnsesseln, Elefantenhaut, Elfenbein, Ebenholz, Walnußbaumholz (?), allem möglichen, einem schweren Schatz, sowie seinen Töchtern, Palastdamen, Sängern und Sängerinnen ließ er nach meiner Residenzstadt Ninive hinter mir her bringen. Um (seine) Abgabe zu übergeben und mir zu huldigen, schickte er seinen Gesandten.“e Was diese Abgabe betrifft, die Sanherib Hiskia auferlegt hatte, so bestätigt die Bibel die 30 Talente Gold, erwähnt aber nur 300 Talente Silber. Ferner zeigt sie, daß sich dies auf die Zeit bezog, ehe Sanherib Jerusalem mit der Belagerung drohte. In seiner gefärbten Darlegung der assyrischen Geschichte schweigt Sanherib bewußt von seiner vernichtenden Niederlage in Juda, bei der Jehovas Engel in e i n e r Nacht 185 000 seiner Soldaten niederschlug und ihn dadurch zwang, sich wie ein geprügelter Hund nach Ninive zurückzuziehen. Dessenungeachtet läßt der prahlerische Bericht auf dem Prisma Sanheribs auf eine gewaltige Invasion in Juda schließen, und zwar bevor Jehova die Assyrer, als sie Jerusalem bedrohten, zur Umkehr zwang (2. Kö. 18:14; 19:35, 36).

      10, 11. (a) Was sind die Lachischbriefe, und was spiegeln sie wider? (b) Inwiefern stützen sie das, was Jeremia schrieb?

      10 Die Lachischbriefe. Die berühmte Festungsstadt Lachisch wird in der Bibel über 20mal genannt. Sie lag 44 km westsüdwestlich von Jerusalem. Man hat einen beträchtlichen Teil der Reste ausgegraben. 1935 fand man in einer Wachstube des Doppeltorhauses 18 Ostraka oder beschriftete Tonscherben, 1938 drei weitere. Es handelte sich um Briefe in althebräischer Schrift. Die 21 Tonscherben aus dieser Sammlung sind heute als die Lachischbriefe bekannt. Lachisch (oder Lachis) war eine der Festungen Judas, die am längsten gegen Nebukadnezar standhielten. Während der Jahre 609 bis 607 v. u. Z. wurde sie zu einem Haufen verkohlter Trümmer. Die Briefe spiegeln den Drang der Zeiten wider. Sie wurden anscheinend von übriggebliebenen Vorposten judäischer Truppen geschrieben und sind an Jaosch, einen Militärbefehlshaber in Lachisch, gerichtet. Einer der Briefe (Nr. IV) lautet auszugsweise: „Möge JHWH [Tetragrammaton, „Jehova“] meinen Herrn hören lassen gerade jetzt erfreuliche Nachrichten! ... Und (mein Herr) soll wissen, daß wir auf die [Feuer-]Signale von Lachis achten, gemäß allen Anweisungen, die mein Herr gibt, jedoch sehen wir nicht (die Zeichen von) Azeka.“ Das ist eine eindrucksvolle Bestätigung von Jeremia 34:7, wo Lachisch und Aseka als die beiden letzten noch übrigen befestigten Städte angeführt werden. Der Brief scheint anzudeuten, daß Aseka bereits gefallen war. In den Briefen findet sich häufig der göttliche Name in Form des Tetragrammatons, was zeigt, daß die Juden damals den Namen Jehova im täglichen Leben gebrauchten.

      11 Ein anderer Brief (Nr. III) beginnt wie folgt: „Möge hören lassen JHWH [Jehova] meinen Herrn heilvolle Nachrichten! ... Andererseits wurde (mündlich) deinem Knecht Nachricht zuteil also: Herab zog der Heeresoberst Konijahu [Konja], der Sohn des Elnatan, in Richtung nach Ägypten, und den Hodojahu [Hodawja], den Sohn des Aḥijahu [Ahija], und seine Leute hat er gesandt, zu holen mzh [Proviant?].“ Dieser Brief spricht dafür, daß Juda nach Ägypten hinabzog, um Beistand zu suchen, wodurch es das Gebot Jehovas übertrat und Vernichtung über sich brachte (Jes. 31:1; Jer. 46:25, 26). Die Namen Elnat[h]an und Hoschaja, die im vollständigen Text des Briefes enthalten sind, kommen auch in Jeremia 36:12 und 42:1 vor. Drei andere Namen, die in den Briefen erwähnt werden, erscheinen ebenfalls im Buch Jeremia: Gemarja, Nerija und Jaasanja (Jer. 32:12; 35:3; 36:10).f

      12, 13. Was wird in der Nabonid-Chronik beschrieben, und warum ist sie so wertvoll?

      12 Die Nabonid-Chronik. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden bei Ausgrabungen in der Nähe von Bagdad zahlreiche Tontafeln und -zylinder gefunden, die viel Licht auf die Geschichte des alten Babylon warfen. Unter den Funden befand sich das sehr wertvolle, als Nabonid-Chronik bekannte Dokument, das sich jetzt im Britischen Museum befindet. König Nabonid von Babylon war der Vater seines Mitregenten Belsazar. Nabonid überlebte seinen Sohn, der in derselben Nacht getötet wurde, in der die Truppen Cyrus’, des Persers, Babylon einnahmen. Das war am 5. Oktober des Jahres 539 v. u. Z. (Dan. 5:30, 31). Die Nabonid-Chronik — ein bemerkenswert gut datierter Bericht vom Fall Babylons — ist eine Hilfe beim Ermitteln des Tages, an dem sich dieses Ereignis abspielte. Es folgt eine Übersetzung eines kleinen Teils der Nabonid-Chronik: „Als im Tašrît [Tischri (September/Oktober)] Kuraš [Cyrus] in Upê am Ufer des Tigris dem Heere von Akkad eine Schlacht lieferte ... Am 14. wurde Sippar ohne Kampf genommen. Nabûnâʼid [Nabonid] floh. Am 16. [11. Oktober 539 v. u. Z., Julianischer Kalender, oder 5. Oktober, Gregorianischer Kalender] zogen Gubaru, der Statthalter von Gutium und die Truppen des Kuraš ohne Kampf in Babylon ein. Nachher wurde Nabûnâʼid auf der Flucht in Babylon gefangen genommen. ... Am 3. Arah[s]amna [28. Oktober, Julianischer Kalender; der Arahsamna entspricht dem Marchäschwan (Oktober/November)] zog Kuraš in Babylon ein. ... [Grüne Zweige] wurden vor ihm ausgebreitet. Friede wurde der Stadt gewährt. Kuraš verkündete ganz Babylon Frieden. Gubaru, sein Statthalter, bestellte [Unter-]Statthalter in Babylon.“g

      13 Man beachte, daß Darius, der Meder, in dieser Chronik nicht erwähnt wird, und bis jetzt hat man weder in außerbiblischen Inschriften noch in anderen Dokumenten weltlicher Geschichte, die aus der Zeit vor Josephus (jüdischer Historiker des 1. Jahrhunderts u. Z.) stammen, Hinweise auf diesen Darius gefunden. Deshalb vermuten einige, Darius sei mit dem Gubaru aus dem obigen Bericht identisch. Was man über Gubaru weiß, scheint zwar mit den Erkenntnissen über Darius übereinzustimmen; dennoch kann eine Gleichsetzung der beiden Personen nicht als endgültig betrachtet werden.h Auf jeden Fall stellt die weltliche Geschichte mit Bestimmtheit fest, daß Cyrus bei der Eroberung Babylons eine Schlüsselrolle spielte und daß er danach dort als König regierte.

      14. Wovon wird auf dem Cyrus-Zylinder berichtet?

      14 Der Cyrus-Zylinder. Einige Zeit nachdem Cyrus als König der persischen Weltmacht zu herrschen begonnen hatte, wurde seine Eroberung der Stadt Babylon (539 v. u. Z.) auf einem Tonzylinder schriftlich festgehalten. Dieses bedeutende Dokument wird ebenfalls im Britischen Museum aufbewahrt. Es folgt ein Auszug aus dem übersetzten Text: „Ich Kyros [Cyrus], König des Weltreichs, großer und mächtiger König, König von Babel, König von Sumer und Akkad, König der vier Weltufer, ... die Städte [jenseits] des Tigris, deren Wohnsitze von altersher (?) verfallen waren — (überall) brachte ich die dort wohnenden Götter an ihren Ort zurück und ließ sie eine ewige Wohnung beziehen. Alle ihre Leute versammelte ich und brachte sie zurück zu ihren Wohnsitzen.“i

      15. Was offenbart der Cyrus-Zylinder über Cyrus, und inwiefern stimmt dies mit der Bibel überein?

      15 Der Cyrus-Zylinder macht somit die Verfahrensweise des Königs deutlich, gefangene Völker in ihr Heimatgebiet zurückzubringen. Dementsprechend erließ Cyrus seine Verordnung für die Juden, in der sie aufgefordert wurden, nach Jerusalem zurückzukehren und dort das Haus Jehovas wieder aufzubauen. Interessanterweise hatte Jehova Cyrus bereits 200 Jahre früher mit Namen genannt und von ihm vorhergesagt, er werde Babylon einnehmen und das Volk Jehovas zurückkehren lassen (Jes. 44:28; 45:1; 2. Chr. 36:23).

      DIE ARCHÄOLOGIE UND DIE CHRISTLICHEN GRIECHISCHEN SCHRIFTEN

      16. Was hat die Archäologie in bezug auf die Griechischen Schriften zum Vorschein gebracht?

      16 Wie im Fall der Hebräischen Schriften, so hat die Archäologie auch viele aufschlußreiche Artefakte zum Vorschein gebracht, die den inspirierten Bericht der Christlichen Griechischen Schriften bestätigen.

      17. Wie bestätigt die Archäologie Jesu Stellungnahme zur Steuerfrage?

      17 Denarmünze mit Bildnis des Tiberius. Aus der Bibel ist klar ersichtlich, daß Jesu Dienst in die Zeit der Herrschaft des Tiberius Cäsar fiel. Einige von Jesu Gegnern wollten ihm eine Falle stellen, als sie ihn fragten, ob man Cäsar Kopfsteuer zahlen dürfe. Der Bericht lautet: „Er durchschaute ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: ‚Warum stellt ihr mich auf die Probe? Bringt mir einen Denar, damit ich ihn anschaue.‘ Sie brachten einen. Und er sagte zu ihnen: ‚Wessen Bild und Aufschrift ist dies?‘ Sie sprachen zu ihm: ‚Cäsars.‘ Da sagte Jesus: ‚Zahlt Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott.‘ Und sie begannen sich über ihn zu verwundern“ (Mar. 12:15-17). Archäologen haben eine Silberdenarmünze gefunden, die den Kopf des Tiberius Cäsar zeigt. Sie wurde um das Jahr 15 u. Z. in Umlauf gesetzt. Das steht damit im Einklang, daß Tiberius 14 u. Z. als Kaiser zu regieren begann, und ist ein zusätzlicher Beleg für die Feststellung der Schrift, daß Johannes der Täufer seinen Dienst im 15. Jahr des Tiberius, d. h. im Frühjahr des Jahres 29 u. Z., antrat (Luk. 3:1, 2).

      18. Welchen Fund hat man, Pontius Pilatus betreffend, gemacht?

      18 Inschrift mit dem Namen Pontius Pilatus. Der erste archäologische Fund, Pontius Pilatus betreffend, wurde 1961 in Cäsarea gemacht. Es handelte sich um eine Steinplatte mit dem lateinischen Namen Pontius Pilatus.

      19. Was gibt es in Athen heute noch, das eine Bestätigung für den in Apostelgeschichte 17:16-34 beschriebenen Schauplatz ist?

      19 Der Areopag. Im Jahre 50 u. Z. hielt Paulus in Athen (Griechenland) eine seiner berühmtesten überlieferten Reden (Apg. 17:16-34). Bei diesem Anlaß ergriffen gewisse Athener Paulus und führten ihn zum Areopag. Der Areopag oder Areshügel (Marshügel) ist ein kahler, felsiger, etwa 113 m hoher Hügel unmittelbar nordwestlich der Akropolis von Athen. Stufen im Felsen führen nach oben, wo noch rauhe, in den Felsen gehauene Sitze zu sehen sind, die drei Seiten eines Quadrats bilden. Den Areopag gibt es heute noch; er ist eine Bestätigung für den in der Bibel beschriebenen Schauplatz der historischen Rede des Paulus.

      20. Wovon ist der Titusbogen immer noch ein Zeuge, und inwiefern?

      20 Der Titusbogen. Jerusalem und sein Tempel wurden im Jahre 70 u. Z. von den Römern unter Titus zerstört. Titus feierte im darauffolgenden Jahr zusammen mit seinem Vater, Kaiser Vespasian, seinen Sieg in Rom. 700 ausgewählte jüdische Gefangene mußten in dem Triumphzug mitmarschieren. Auch eine Unmenge an Kriegsbeute wurde zur Schau gestellt, darunter Schätze aus dem Tempel. Titus wurde selbst Kaiser und amtierte von 79 bis 81 u. Z. Nach seinem Tod stellte man ein großes Monument fertig — den Titusbogen — und weihte es divo Tito (dem vergöttlichten Titus). Der Triumphzug des Titus ist auf beiden Seiten des Durchgangs durch den Bogen als Flachrelief dargestellt. Auf der einen Seite sind die mit Lorbeer bekränzten römischen Soldaten abgebildet. Sie halten Lanzen ohne Spitze und tragen die heiligen Einrichtungsgegenstände des Tempels in Jerusalem, zu denen der siebenarmige Leuchter gehört und der Schaubrottisch, auf dem man die heiligen Trompeten liegen sieht. Das Relief auf der anderen Seite zeigt den siegreichen Titus, in einem von vier Pferden gezogenen Wagen stehend, der von einer Frau — einem Sinnbild der Stadt Rom — gelenkt wird.j Jedes Jahr besichtigen Tausende von Touristen diesen Triumphbogen des Titus, der immer noch in Rom steht als stummer Zeuge für die Erfüllung der Prophezeiung Jesu und für den schrecklichen Vollzug des Gerichts Jehovas an dem rebellischen Jerusalem (Mat. 23:37 bis 24:2; Luk. 19:43, 44; 21:20-24).

      21. (a) Wie haben Archäologie und Handschriftenfunde zusammengewirkt? (b) Wie sollte man die Archäologie richtigerweise betrachten?

      21 Wie die Entdeckung alter Handschriften es ermöglicht hat, den reinen, ursprünglichen Text der Bibel wiederherzustellen, so hat die Entdeckung der Menge an Artefakten oft bewiesen, daß die Aussagen des Bibeltextes bis in die kleinsten Einzelheiten verläßlich sind, und zwar sowohl in geschichtlicher als auch in chronologischer als auch in geographischer Hinsicht. Es wäre indes verkehrt, zu schlußfolgern, die Archäologie stütze die Bibel in jedem Fall. Man darf nicht vergessen, daß die archäologische Forschung nicht unfehlbar ist. Archäologische Funde unterliegen der menschlichen Deutung, und einige dieser Deutungen haben sich hin und wieder geändert. Die Archäologie hat manchmal ungewollt die Zuverlässigkeit des Wortes Gottes bezeugt. Ja der verstorbene Sir Frederic Kenyon, der langjährige Direktor und Hauptbibliothekar des Britischen Museums, sagte einmal, die Archäologie habe die Bibel „durch eine ausführlichere Kenntnis ihres Hintergrundes und ihres Schauplatzes verständlicher“ gemacht.k Doch der Glaube sollte auf der Bibel beruhen, nicht auf der Archäologie (Röm. 10:9; Heb. 11:6).

      22. Welche Beweise werden in der nächsten Studie behandelt?

      22 Die Bibel enthält in sich selbst stichhaltige Beweise dafür, daß sie wirklich das zuverlässige „Wort des lebendigen und bleibenden Gottes“ ist, wie wir in der nächsten Studie sehen werden (1. Pet. 1:23).

      [Fußnoten]

      a S. L. Caiger, Bible and Spade, 1938, Seite 29.

      b Textbuch zur Geschichte Israels, herausgegeben von K. Galling, 1979, Seite 66, 67; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 936—938, 1175.

      c J. Finegan, Light From the Ancient Past, 1959, Seite 91, 126.

      d Textbuch zur Geschichte Israels, Seite 52, 53.

      e Textbuch zur Geschichte Israels, Seite 68, 69.

      f Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 179; Light From the Ancient Past, Seite 192—195.

      g Altorientalische Texte zum Alten Testament, herausgegeben von H. Greßmann, 1926, Seite 368.

      h Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 517—519.

      i Textbuch zur Geschichte Israels, Seite 83, 84.

      j Light From the Ancient Past, Seite 329.

      k The Bible and Archaeology, 1940, Seite 279.

      [Bilder auf Seite 333]

      Der Mesa-Stein

      Eine Vergrößerung des Tetragrammatons, das in altertümlichen Schriftzeichen in Zeile 18 rechts erscheint

      [Bild auf Seite 334]

      Prisma König Sanheribs

      [Bild auf Seite 335]

      Die Nabonid-Chronik

      [Bild auf Seite 336]

      Denarmünze mit dem Bildnis des Tiberius

      [Bild auf Seite 337]

      Der Titusbogen

      [Bildnachweis auf Seite 337]

      Bildnachweis zu Studie 9, nach Seiten geordnet.

      Seite 333: Louvre, Paris;

      Seite 334: mit freundlicher Genehmigung des Oriental Institute, Universität Chicago;

      Seite 335: mit freundlicher Genehmigung der Kuratoren des Britischen Museums;

      Seite 336: mit freundlicher Genehmigung der Kuratoren des Britischen Museums.

  • Studie 10 — Die Bibel — glaubwürdig und wahr
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Studie 10 — Die Bibel — glaubwürdig und wahr

      Die Aussage der Bibel über Geschichte, Geographie und über die Herkunft des Menschen; ihre Genauigkeit in wissenschaftlichen Dingen, in bezug auf Kultur sowie Sitten und Bräuche; die Offenheit, Übereinstimmung und Redlichkeit ihrer Schreiber; ihre Prophezeiungen

      1. (a) Als was wird die Bibel allgemein anerkannt? (b) Was ist der tiefere Grund für die Überlegenheit der Bibel gegenüber anderen Büchern?

      DIE Bibel gilt allgemein als literarisches Meisterwerk von vollendeter dichterischer Schönheit und als beachtliche Leistung der Männer, die sie geschrieben haben. Sie ist aber viel mehr als das. Die Schreiber selbst bezeugten, daß das, was sie schrieben, von Jehova, dem allmächtigen Gott, stammte. Das ist der tiefere Grund für die meisterhafte Ausdrucksweise der Bibel und, was noch wichtiger ist, für ihren unübertrefflichen Wert als das Buch lebengebender Erkenntnis und Weisheit. Jesus, der Sohn Gottes, bezeugte, daß die Worte, die er redete, „Geist und ... Leben“ sind, und er zitierte häufig aus den Hebräischen Schriften. „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert“, schrieb der Apostel Paulus; auch nannte er die Hebräischen Schriften „die heiligen Aussprüche Gottes“ (Joh. 6:63; 2. Tim. 3:16; Röm. 3:1, 2).

      2, 3. Wie bezeugten die Schreiber der Bibel, daß sie inspiriert ist?

      2 Der Apostel Petrus bezeugte, daß die Propheten Gottes von heiligem Geist getrieben wurden. König David schrieb: „Der Geist Jehovas war es, der durch mich redete. Und sein Wort war auf meiner Zunge“ (2. Sam. 23:2). Die Propheten betrachteten ihre Aussprüche als von Gott kommend. Moses sagte warnend, daß dem heiligen Wort, das von Jehova stammt, nichts hinzugefügt und daß nichts davon weggenommen werden dürfe. Petrus hielt die Schriften des Paulus für inspiriert, und Judas zitierte anscheinend Worte des Petrus als inspiriert und maßgebend. Auch Johannes, der die Offenbarung schrieb, machte seine Aufzeichnungen unter der Leitung des Geistes Gottes, und auch er schrieb warnend, daß jeder, der etwas zu dieser prophetischen Offenbarung hinzufügen oder davon wegnehmen würde, nicht Menschen, sondern Gott verantwortlich wäre (1. Pet. 1:10-12; 2. Pet. 1:19-21; 5. Mo. 4:2; 2. Pet. 3:15, 16; Jud. 17, 18; Offb. 1:1, 10; 21:5; 22:18, 19).

      3 Alle diese treuen Sklaven Gottes bezeugten, daß die Bibel inspiriert und wahr ist. Es gibt viele weitere Beweise für die Echtheit der Heiligen Schrift. Einige davon werden nun unter den zwölf folgenden Überschriften besprochen.

      4. Als was haben die Juden schon immer die Bücher der Hebräischen Schriften betrachtet?

      4 (1) Geschichtliche Genauigkeit. Seit frühester Zeit sind die kanonischen Bücher der Hebräischen Schriften von den Juden als inspirierte und absolut vertrauenswürdige Urkunden anerkannt worden. So wurden zur Zeit Davids alle Ereignisse, über die berichtet wird, angefangen vom ersten Buch Mose bis zum ersten Buch Samuel, als die wahre Geschichte des Volkes und die Verfahrensweise Gottes mit ihm anerkannt. Das geht aus dem 78. Psalm hervor, in dem auf mehr als 35 Einzelheiten aus dieser Zeit Bezug genommen wird.

      5. Was haben Schriftsteller des Altertums in bezug auf Moses und das Gesetz der Juden bezeugt?

      5 Gegner der Bibel haben am Pentateuch heftige Kritik geübt und seine Echtheit angezweifelt sowie daß Moses der Schreiber war. Doch haben nicht nur die Juden Moses als Schreiber des Pentateuchs anerkannt, sondern wir haben auch das Zeugnis von Schriftstellern des Altertums, von denen einige Feinde der Juden waren. Hekataios von Abdera, der ägyptische Geschichtsschreiber Manetho, Lysimachos von Alexandria, Eupolemus, Tacitus und Juvenal schreiben Moses die Einführung des Gesetzes zu, das die Juden von anderen Völkern unterschied; und die Mehrheit vermerkt eindeutig, daß er seine Gesetze schriftlich festhielt. Numenios, der Pythagoreer, erwähnt sogar, daß Jannes und Jambres die ägyptischen Priester waren, die Moses widerstanden (2. Tim. 3:8). Die Werke dieser Schriftsteller decken die Zeit von Alexander (viertes Jahrhundert v. u. Z.), als die Griechen begannen, sich für die jüdische Geschichte zu interessieren, bis Kaiser Aurelian (drittes Jahrhundert u. Z.) ab. Viele weitere Schriftsteller des Altertums erwähnen Moses als Führer, Herrscher oder Gesetzgeber.a Wie die vorhergehende Studie gezeigt hat, bestätigen archäologische Funde oft die geschichtliche Genauigkeit der in der Bibel aufgezeichneten Geschehnisse, bei denen Gottes Volk in engen Kontakt mit den umliegenden Völkern kam.

      6. Durch welches Zeugnis wird die geschichtliche Genauigkeit der Griechischen Schriften gestützt?

      6 Wie steht es mit den Christlichen Griechischen Schriften? Sie bestätigen nicht nur die Hebräischen Schriften, sondern es ist auch erwiesen, daß sie geschichtlich genau sowie echt und inspiriert sind wie die Hebräischen Schriften. Die Schreiber teilen mit, was sie sahen und hörten, denn sie waren Augenzeugen der Geschehnisse, die sie aufzeichneten, und sie waren oft daran beteiligt. Tausende ihrer Zeitgenossen glaubten ihnen. Ihr Zeugnis wird durch Erwähnungen alter Schriftsteller, z. B. Juvenal, Tacitus, Seneca, Sueton, Plinius der Jüngere, Lukian, Celsus und durch den jüdischen Geschichtsschreiber Josephus, vielfach bestätigt.

      7. (a) Welche Argumente als Stütze für die überragende Glaubwürdigkeit der Bibel führt S. A. Allibone an? (b) Was sagt er, sei schuld daran, daß gewisse Personen den Beweisen nicht glauben wollen?

      7 S. Austin Allibone berichtet in dem Werk The Union Bible Companion: „Sir Isaac Newton ... war auch ein ausgezeichneter Kritiker alter Schriften, und er prüfte mit großer Sorgfalt die Heilige Schrift. Wie beurteilte er sie? Er schreibt: ‚Kein weltliches Geschichtsbuch weist so viele Merkmale auf, die seine Zuverlässigkeit verbürgen, wie das Neue Testament.‘ Dr. Johnson sagte, wir hätten mehr Beweise dafür, daß Jesus Christus auf Golgotha gestorben sei — wie in den Evangelien berichtet wird —, als dafür, daß Julius Cäsar im Kapitol gestorben sei. Die Beweise sind tatsächlich weit zahlreicher. Man frage irgend jemand, der sagt, er zweifle an der Wahrhaftigkeit der Evangelien, welchen Grund er dafür habe, zu glauben, daß Cäsar im Kapitol gestorben sei oder daß Kaiser Karl der Große im Jahre 800 von Papst Leo III. zum Kaiser des Westens gekrönt worden sei ... Woher weiß man, daß ein Mann namens Karl I. je gelebt hat und enthauptet wurde und daß Oliver Cromwell an seiner Statt die Regierung übernahm? ... Sir Isaac Newton wird die Entdeckung des Gesetzes der Schwerkraft zugeschrieben ... Wir glauben alles, was soeben bezüglich dieser Männer behauptet wurde, weil wir geschichtliche Beweise dafür haben. ... Wenn angesichts solcher Beweise jemand sich immer noch weigert zu glauben, so geben wir ihn als dumm und bockbeinig oder als hoffnungslos unwissend auf. Was sollen wir dann von denen sagen, die ungeachtet der vielen Beweise für die Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift immer noch versichern, nicht überzeugt zu sein? ... Wir haben gewiß Grund zu folgern, daß eher das Herz schuld ist als der Kopf — daß sie nicht glauben wollen, was ihren Stolz demütigt und sie zwingen würde, anders zu leben.“b

      8. Wodurch unterscheidet sich das Christentum der Bibel von allen anderen Religionen?

      8 Die Überlegenheit des Christentums als Religion, deren Anhänger ‘mit Wahrheit’ anbeten, wird von George Rawlinson hervorgehoben, der schrieb: „Das Christentum — einschließlich der Ordnung des Alten Testaments, die seine erste Stufe war — unterscheidet sich durch nichts stärker von den übrigen Religionen der Welt als durch seinen sachlichen oder historischen Charakter. Die Religionen Griechenlands und Roms, Ägyptens, Indiens, Persiens und des Ostens im allgemeinen waren Religionen der Mythologie, die ein historisches Fundament nicht einmal ernsthaft voraussetzten. ... Anders verhält es sich jedoch mit der Religion der Bibel. Dort finden wir — sowohl im Alten als auch im Neuen Testament, sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Ordnung — ein Lehrgebäude, das auf Tatsachen beruht; es hängt unbedingt von Tatsachen ab; ohne sie ist es null und nichtig; ist ihre Glaubwürdigkeit aber erwiesen, kann es praktisch als begründet gelten.“c

      9. Gib Beispiele für die Genauigkeit der geographischen Angaben der Bibel.

      9 (2) Genauigkeit der geographischen und geologischen Angaben. Viele Schriftsteller haben sich über die bemerkenswerte Genauigkeit der biblischen Beschreibung des Landes der Verheißung und der Nachbargebiete geäußert. Zum Beispiel schrieb Dr. A. P. Stanley, ein Orientreisender, über den Zug der Israeliten durch die Wildnis: „Selbst wenn der genaue Weg der Israeliten unbekannt wäre, sind die eigenartigen Formen der Landschaft so charakteristisch, daß die Geschichte viele bemerkenswerte Anhaltspunkte empfinge. ... Die vereinzelten Quellen, Brunnen und Bächlein entsprechen dem Bericht über das ‚Wasser‘ von Mara; die ‚Wasserquellen‘ von ... Elim; den ‚Bach‘ vom Horeb; den ‚Brunnen‘ der Töchter Jethros mit seinen ‚Tränkrinnen‘ oder Trögen in Midian. Die Pflanzenwelt ist noch immer die gleiche wie die, die der mosaische Geschichtsbericht erkennen läßt.“d In dem Bericht über die Ereignisse in Ägypten ist die Genauigkeit nicht nur in der allgemeinen Beschreibung des Landes zu sehen — der fruchtbaren Äcker, des Nilstroms, gesäumt von Schilf (1. Mo. 41:47-49; 2. Mo. 2:3), der Gewässer, der ‘Ströme, Nilkanäle, Schilfteiche und eingedämmten Wasser’ (2. Mo. 7:19), des ‘Flachses, der Gerste, des Weizens und des Spelts’ (2. Mo. 9:31, 32) —, sondern auch in den Namen und in der Lage der Orte.

      10. Wie sind neuzeitliche Wissenschaftler belohnt worden, die sich von den Angaben der Bibel leiten ließen?

      10 So groß ist das Vertrauen einiger neuzeitlicher Wissenschaftler zu den geologischen und geographischen Angaben der Bibel, daß sie sie als Führer benutzt haben und reichlich belohnt worden sind. Vor Jahren folgte der führende Geologe Dr. Ben Tor der Beschreibung der Bibel: „Denn Jehova, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land, ... ein Land, dessen Steine Eisen sind“ (5. Mo. 8:7, 9). Wenige Kilometer von Beerscheba entfernt, sah er riesige Steilhänge, die von rötlich-schwarzen Erzablagerungen durchzogen waren. Das Vorkommen wurde auf 15 Millionen Tonnen geringwertiger Eisenerze geschätzt. Später fanden Ingenieure eine zwei Kilometer lange Strecke offen anstehender ausgezeichneter Erze, die zu 60 bis 65 Prozent aus reinem Eisen bestanden. Dr. Joseph Weitz, Israels hervorragender Forstfachmann, sagte: „Der erste Baum, den Abraham in den Boden von Beerscheba pflanzte, war eine Tamariske.“ „Nach seinem Vorbild haben wir in diesem Gebiet vor vier Jahren zwei Millionen neu gesetzt. Abraham hatte das einzig Richtige getan, denn die Tamariske ist einer der wenigen Bäume, die nach unseren Feststellungen im Süden, wo der jährliche Niederschlag unter 150 Millimeter bleibt, gedeihen.“e In dem Buch Tree and Shrub in Our Biblical Heritage von Nogah Hareuveni heißt es noch: „Offenbar hat der Patriarch Abraham, als er in Beerscheba ankam, nicht irgendeinen Baum gepflanzt. ... Er wählte den Baum, dessen Schatten kühler ist als der anderer Bäume. Außerdem kann die Tamariske Hitze und lange Trockenheit überstehen, indem sie ihre Wurzeln tief hinabsenkt, um Grundwasser zu finden. Daher ist es nicht überraschend, daß die Tamariske bis heute um Beerscheba herum zu finden ist“f (1. Mo. 21:33).

      11. Was bezeugt Professor Wilson über die Genauigkeit, mit der die Bibelschreiber ihre Angaben machen?

      11 In bezug auf Einzelheiten, wie zum Beispiel chronologische und geographische Angaben in der Bibel, schreibt Professor R. D. Wilson in dem Werk A Scientific Investigation of the Old Testament, Seite 213, 214: „Die chronologischen und geographischen Angaben sind genauer und zuverlässiger als diejenigen, die andere alte Dokumente enthalten; und die biographischen und anderen historischen Berichte harmonieren wunderbar mit den Zeugnissen außerbiblischer Dokumente.“

      12. Wie stützen die Tatsachen den Bibelbericht über den Ursprung des Menschen?

      12 (3) Rassen und Sprachen der Menschheit. In seinem Buch After Its Kind schreibt Byron C. Nelson: „Geschaffen wurde der Mensch, nicht der Neger, der Chinese oder der Europäer. Zwei menschliche Wesen — in der Bibel werden sie Adam und Eva genannt — wurden geschaffen, und von ihnen stammen all die verschiedenen Menschenrassen, die es auf der Erde gibt, ab. Alle Rassen, ungeachtet ihrer Hautfarbe oder Größe, gehören einer einzigen Art an. Sie haben alle das gleiche Denk- und Empfindungsvermögen, den gleichen Körperbau und können ohne weiteres untereinander heiraten und ihresgleichen hervorbringen. Alle Rassen stammen von zwei gemeinsamen Vorfahren ab, die vollständig gestaltet aus der Hand des Schöpfers hervorgingen.“g Das bestätigt 1. Mose 1:27, 28; 2:7, 20-23; 3:20; Apostelgeschichte 17:26 und Römer 5:12.

      13. Was schrieb ein Archäologe über den Mittelpunkt, von dem sich die alten Sprachen ausbreiteten?

      13 Über das, was die Bibel über den Mittelpunkt berichtet, von dem sich die alten Sprachen auszubreiten begannen, schreibt der Archäologe Sir Henry Rawlinson: „Wenn wir uns nur von den Abzweigungen der Sprachlinien leiten ließen und vom biblischen Bericht gar keine Notiz nähmen, kämen wir dennoch zu dem Schluß, daß der Mittelpunkt, von dem sich die verschiedenen Linien strahlenförmig ausbreiteten, in der Ebene Schinar war“h (1. Mo. 11:1-9).

      14. (a) Was allein schon würde erkennen lassen, daß die Bibel von Gott inspiriert ist? (b) Welche vernünftige Erklärung wird nur in der Bibel dargelegt, und wie lassen sich die Grundsätze und sittlichen Maßstäbe der Bibel auf jeden Bereich des täglichen Lebens anwenden?

      14 (4) Anwendbarkeit. Schon die gerechten Grundsätze und sittlichen Maßstäbe der Bibel würden erkennen lassen, daß sie ein Erzeugnis des göttlichen Geistes ist, selbst wenn es keine anderen Beweise für ihre Echtheit gäbe. Ferner lassen sich die Grundsätze und sittlichen Maßstäbe der Bibel auf jeden Bereich des täglichen Lebens anwenden. Kein anderes Buch erklärt den Ursprung aller Dinge, einschließlich des Menschen, und den Vorsatz des Schöpfers bezüglich der Erde und des Menschen so vernünftig wie die Bibel (1. Mo., Kap. 1; Jes. 45:18). Die Bibel sagt uns, warum der Mensch stirbt und warum das Böse existiert (1. Mo., Kap. 3; Röm. 5:12; Hiob, Kap. 1, 2; 2. Mo. 9:16). Sie stellt die höchste Rechtsnorm auf (2. Mo. 23:1, 2, 6, 7; 5. Mo. 19:15-21). Sie gibt guten Rat über das Verhalten im Geschäftsleben (3. Mo. 19:35, 36; Spr. 20:10; 22:22, 23; Mat. 7:12); über einen reinen Lebenswandel (3. Mo. 20:10-16; Gal. 5:19-23; Heb. 13:4); über die Beziehungen zu Mitmenschen (3. Mo. 19:18; Spr. 12:15; 15:1; 27:1, 2, 5, 6; 29:11; Mat. 7:12; 1. Tim. 5:1, 2); über die Ehe (1. Mo. 2:22-24; Mat. 19:4, 5, 9; 1. Kor. 7:2, 9, 10, 39); über das Familienleben und die Pflichten des Ehemanns, der Ehefrau und der Kinder (5. Mo. 6:4-9; Spr. 13:24; Eph. 5:21-33; 6:1-4; Kol. 3:18-21; 1. Pet. 3:1-6); über richtiges Verhalten gegenüber der Obrigkeit (Röm. 13:1-10; Tit. 3:1; 1. Tim. 2:1, 2; 1. Pet. 2:13, 14); über ehrliche Arbeit und über die Beziehungen zwischen Herr und Sklave und Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Eph. 4:28; Kol. 3:22-24; 4:1; 1. Pet. 2:18-21); über gute Gesellschaft (Spr. 1:10-16; 5:3-11; 1. Kor. 15:33; 2. Tim. 2:22; Heb. 10:24, 25); über die Beilegung von Streitigkeiten (Mat. 18:15-17; Eph. 4:26) und über vieles weitere, was unser tägliches Leben stark beeinflußt.

      15. Welcher biblische Rat über die seelische und die körperliche Gesundheit hat sich als praktisch erwiesen?

      15 Die Bibel gibt auch wertvolle Hinweise in bezug auf die körperliche und die seelische Gesundheit (Spr. 15:17; 17:22). In den letzten Jahren hat die medizinische Forschung den Beweis erbracht, daß die körperliche Gesundheit eines Menschen durch seine geistige Einstellung beeinflußt wird. Studien haben zum Beispiel gezeigt, daß Personen, die zu Zornausbrüchen neigen, häufig hohen Blutdruck haben. Es wurde auch berichtet, daß Zorn zu Herzproblemen führt, zu Kopfschmerzen, Nasenbluten, Schwindel oder daß er bewirkt, daß der Betreffende vorübergehend nicht sprechen kann. In der Bibel hieß es jedoch schon vor langer Zeit: „Ein gelassenes Herz ist das Leben des fleischlichen Organismus“ (Spr. 14:30; vergleiche Matthäus 5:9).

      16. Welches sind einige der biblischen Erklärungen, die viel später von der Wissenschaft als wahr bestätigt wurden?

      16 (5) Wissenschaftliche Genauigkeit. Obgleich die Bibel kein wissenschaftliches Lehrbuch ist, ist sie, wenn sie wissenschaftliche Fragen berührt, genau und in Übereinstimmung mit wissenschaftlichen Entdeckungen und Erkenntnissen. Lange bevor Wissenschaftler diese Tatsachen entdeckt haben, berichtete die Bibel über die Reihenfolge der Schöpfung, auch über die Reihenfolge der Erschaffung der Tiere (1. Mo., Kap. 1), ferner daß die Erde rund, d. h. kugelförmig, ist (Jes. 40:22) und daß sie im Raum an „nichts“ hängt (Hiob 26:7). Die moderne Physiologie hat die Wahrheit der biblischen Erklärung bewiesen, daß „nicht alles Fleisch ... dasselbe Fleisch“ ist, da die Zellstruktur des Fleisches der einen Art anders ist als die einer anderen Art; der Mensch hat sein eigenes einzigartiges „Fleisch“ (1. Kor. 15:39).i Folgendes ist ein Beispiel aus der Tierkunde: In 3. Mose 11:6 wird der Hase zu den wiederkäuenden Tieren gezählt. Darüber wurde einst gespottet; doch seither hat die Wissenschaft festgestellt, daß das Kaninchen seine Nahrung ein zweitesmal aufnimmt.j

      17. Was zeigt, daß das, was die Bibel über medizinische Fragen sagt, fehlerfrei ist?

      17 Die Erklärung, daß das ‘Leben des Fleisches im Blut ist’, wird in unserer Zeit als eine Grundwahrheit der medizinischen Wissenschaft anerkannt (3. Mo. 17:11-14). Das mosaische Gesetz sagte, welche Tiere „rein“ waren und gegessen werden durften, und es verbot den Genuß gesundheitsschädlicher Speisen (3. Mo., Kap. 11). Das mosaische Gesetz forderte auch, daß in einem Militärlager die menschlichen Exkremente vergraben wurden, was ein ziemlicher Schutz vor Infektionskrankheiten war, die von Fliegen übertragen werden, wie zum Beispiel Ruhr und Typhus abdominalis (5. Mo. 23:9-14). Sogar heute noch gibt es in einigen Ländern schwere gesundheitliche Probleme, weil die menschlichen Fäkalien nicht richtig beseitigt werden. Die Bevölkerung dieser Länder wäre viel gesünder, wenn sie den Rat der Bibel bezüglich Hygiene befolgen würde.

      18. Was zeigt noch, daß die Bibel wissenschaftlich genau ist?

      18 Die Bibel empfiehlt, ein wenig Wein zu trinken ‘um des Magens und der Erkrankungen willen’ (1. Tim. 5:23). Dr. Salvatore P. Lucia, Professor der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität von Kalifornien, schreibt: „Wein ist das älteste Getränk von diätetischem Wert und der wichtigste medizinische Wirkstoff, der seit Menschengedenken in Gebrauch ist.“k

      19. Was zeigt, daß Lukas beim Schreiben seiner Berichte sehr genau war?

      19 (6) Kultur sowie Sitten und Bräuche. A. Rendle Short schreibt in dem Werk Modern Discovery and the Bible über die Apostelgeschichte: „Es war bei den Römern Sitte, die Herrschaft über die Provinzen ihres ausgedehnten Reiches, wenn irgend möglich, durch das dort bereits bestehende Verwaltungssystem auszuüben, und so kam es, daß die Behörden in den verschiedenen Bezirken unter verschiedenen Namen erscheinen. Nur ein aufmerksamer Reisender oder ein gewissenhafter Urkundenforscher konnte in der Lage sein, diese Prominenten mit dem richtigen Namen zu nennen. Gerade hierin haben wir einen der besten Beweise für die geschichtlichen Kenntnisse des Lukas, denn er ist absolut genau. In mehreren Fällen gibt uns nur eine Münze oder eine Inschrift den nötigen Aufschluß zur Prüfung seiner Angaben. Die römischen Geschichtsschreiber wagen sich nicht auf ein so schwieriges Gebiet. So bezeichnet Lukas zum Beispiel Herodes und Lysanias als Vierfürsten; dasselbe tut auch Josephus. Herodes Agrippa, der Jakobus durch das Schwert hinrichten und Petrus ins Gefängnis werfen ließ, wird König genannt; Josephus berichtet uns, wie Herodes Agrippa sich in Rom mit Gajus Cäsar (Caligula) anfreundete und dann, als dieser Kaiser wurde, von ihm als Belohnung den Königstitel empfing. Der Statthalter von Zypern, Sergius Paulus, wird Prokonsul genannt. ... Kurze Zeit vor ihm war Zypern noch eine kaiserliche Provinz und wurde von einem Proprätor oder Legaten regiert; zyprische Münzen lassen aber erkennen, daß zur Zeit des Paulus sowohl im Griechischen als auch im Lateinischen Prokonsul der richtige Titel war. Eine griechische Inschrift, die in Soloi, an der Nordküste von Zypern, gefunden wurde, ist mit der Datierung versehen: ‚Als Paulus Prokonsul war‘ ... In Thessalonich legten sich die Magistrate der Stadt den ungewöhnlichen Titel Politarch [Stadtvorsteher, Apg. 17:6, Fußnote] zu, ein Name, der in der klassischen Literatur unbekannt ist. Er wäre uns also fremd — außer daß Lukas ihn erwähnt —, wenn er nicht in gewissen Inschriften erscheinen würde. ... Achaja war unter Augustus eine senatorische Provinz, unter Tiberius stand es direkt unter dem Kaiser, aber unter Claudius wurde es, wie uns Tacitus berichtet, wieder dem Senat überlassen, und somit war der rechtmäßige Titel für Gallio [Apg. 18:12] Prokonsul. ... Lukas ist auch in seinen geographischen Angaben und seinen Reiseberichten zuverlässig und genau.“l

      20. Wie spiegeln die Schriften des Paulus genau die Zeit wider, in der er lebte und schrieb?

      20 Die Briefe des Paulus spiegeln genau seine Zeit wider, und sie lassen erkennen, daß er ein Augenzeuge dessen war, was er niederschrieb. Zum Beispiel war Philippi eine Militärkolonie, deren Bürger besonders stolz auf ihr römisches Bürgerrecht waren. Paulus ermahnte die Christen dort, daß ihr Bürgerrecht in den Himmeln sei (Apg. 16:12, 21, 37; Phil. 3:20). Ephesus war eine wegen magischer Künste und spiritistischer Bräuche berühmte Stadt. Paulus belehrte die dort lebenden Christen darüber, wie sie sich davor schützen konnten, den Dämonen zum Opfer zu fallen, und beschrieb dabei genau die Rüstung eines römischen Soldaten (Apg. 19:19; Eph. 6:13-17). Bei den Römern war es Brauch, die militärischen Siege mit Triumphzügen zu feiern, bei denen die Gefangenen, oftmals nackt, mitgeführt wurden. Dieser Brauch diente als Veranschaulichung (2. Kor. 2:14; Kol. 2:15). In 1. Korinther 1:22 wird auf die unterschiedlichen Auffassungen der Juden und Griechen hingewiesen. In solchen Dingen sind die christlichen Schreiber so genau wie Moses, der den Pentateuch geschrieben hat und über den George Rawlinson schreibt: „Die ethologischea Genauigkeit des Pentateuchs ist, was orientalische Sitten und Gebräuche im allgemeinen betrifft, nie in Frage gezogen worden.“b

      21. (a) Führe Beispiele für die Offenheit der Bibelschreiber an. (b) Wie wird dadurch das Vertrauen, daß die Bibel Wahrheit ist, gestärkt?

      21 (7) Offenheit der Bibelschreiber. Die Offenheit der Bibelschreiber ist ein starker Beweis für die Zuverlässigkeit der Bibel. Moses zum Beispiel berichtet ganz ehrlich über seine eigene Sünde und darüber, warum Gott ihm und seinem Bruder Aaron nicht erlaubte, das Land der Verheißung zu betreten (4. Mo. 20:7-13; 5. Mo. 3:23-27). Es wird kein Hehl daraus gemacht, daß David zweimal schwer sündigte und sein Sohn Salomo von der wahren Anbetung abfiel (2. Sam., Kap. 11, 12, 24; 1. Kö. 11:1-13). Jona berichtet über seinen eigenen Ungehorsam und dessen Folgen. Das ganze Volk Israel wurde von nahezu sämtlichen Schreibern der Hebräischen Schriften — sie waren alle Juden — wegen seines Ungehorsams gegenüber Gott in den Schriften, die die Juden als die Aussprüche Gottes und die wahre Geschichte ihres Volkes in Ehren hielten und anerkannten, verurteilt. Die christlichen Schreiber waren nicht weniger offen. In allen vier Evangelien wird berichtet, daß Petrus Christus verleugnete. Und Paulus lenkte die Aufmerksamkeit auf den großen Fehler, den Petrus in bezug auf eine Glaubenslehre beging, indem er einen Unterschied zwischen Juden und Heiden in der Christenversammlung von Antiochia machte. Das Vertrauen, daß die Bibel das Wort der Wahrheit ist, wird gestärkt, wenn man sieht, daß ihre Schreiber, weil sie einen genauen Bericht erstellen wollten, niemand verschonten, nicht einmal sich selbst (Mat. 26:69-75; Mar. 14:66-72; Luk. 22:54-62; Joh. 18:15-27; Gal. 2:11-14; Joh. 17:17).

      22. Was beweist noch, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist, und zu welchem Zweck wurde sie geschrieben?

      22 (8) Übereinstimmung der Schreiber. Obschon die Bibel im Laufe von über 1 600 Jahren von ungefähr 40 Personen geschrieben wurde, widerspricht sie sich nicht. Sie hat eine gewaltige Verbreitung gefunden trotz heftigster Gegnerschaft und größter Anstrengungen, sie zu vernichten. Das alles beweist auch, daß sie das ist, was sie zu sein beansprucht, das Wort des allmächtigen Gottes, und daß sie tatsächlich „nützlich [ist] zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2. Tim. 3:16).c

      23. Welches Thema, das immer wieder betont wird, beweist, daß die Bibel inspiriert ist? Veranschauliche es.

      23 Dadurch, daß die Bibel immer wieder das Thema der Heiligung des Namens Jehovas durch sein Königreich unter Christus betont, wird ebenfalls bestätigt, daß sie inspiriert ist. Einige der hervorragenden Beispiele sind:

      1. Mo. 3:15 Verheißung des Samens, der die Schlange

      vernichten wird

      1. Mo. 22:15-18 Durch den Samen Abrahams werden sich alle

      Nationen segnen

      2. Mo. 3:15; 6:3 Gott betont seinen Gedenknamen Jehova

      2. Mo. 9:16; Gott erklärt seinen Vorsatz, daß sein

      Röm. 9:17 Name verkündet wird

      2. Mo. 18:11; Jehova ist größer als alle anderen Götter

      Jes. 36:18-20;

      37:20, 36-38;

      Jer. 10:10, 11

      2. Mo. 20:3-7 Gott achtet seinen Namen hoch, fordert

      ausschließliche Ergebenheit

      Hiob, Kap. 1, 2 Jehovas rechtmäßige Souveränität und die

      Einstellung des Menschen und seine Lauterkeit

      ihr gegenüber

      Hiob 32:2; 35:2; Gottes Rechtfertigung in den Vordergrund

      36:24; 40:8 gerückt

      Jes. 9:7 Gott unterstützt in seinem Eifer das ewige

      Königreich seines Sohnes

      Dan. 2:44; Die Wichtigkeit des Königreiches Gottes

      4:17, 34; unter dem „Menschensohn“

      7:13, 14

      Hes. 6:10; 38:23 Die Menschen „werden erkennen müssen, daß

      ich Jehova bin”. In der Prophezeiung Hesekiels

      erscheinen diese Worte mehr als 60mal

      Mal. 1:11 Gottes Name wird groß sein unter den Nationen

      Mat. 6:9, 10, 33 Am wichtigsten ist die Heiligung des Namens

      Gottes durch sein Königreich

      Joh. 17:6, 26 Jesus verkündete den Namen Gottes

      Apg. 2:21; Man muß den Namen Jehovas anrufen, um gerettet

      Röm. 10:13 zu werden

      Röm. 3:4 Gott erweist sich als wahrhaftig, wenn auch

      jeder Mensch ein Lügner ist

      1. Kor. 15:24-28 Das Königreich wird Gott zurückgegeben;

      Gott wird allen alles sein

      Heb. 13:15 Christen müssen eine öffentliche Erklärung für

      Jehovas Namen abgeben

      Offb. 15:4 Alle Nationen werden den Namen Jehovas

      verherrlichen

      Offb. 19:6 Jehovas Name wird gepriesen, nachdem Babylon

      die Große verwüstet worden ist

      24. (a) Wie beweist die Lauterkeit der frühen Christen die Wahrhaftigkeit der „Geschichte des Urchristentums“? (b) Was beweist noch, daß die Bibelschreiber Tatsachen und keine Mythen aufzeichneten?

      24 (9) Lauterkeit der Zeugen. Über das große Gewicht, das man dem Zeugnis der frühen Christen, sowohl der Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften als auch anderer, beimessen kann, schreibt George Rawlinson: „Die ersten, die sich zum Christentum bekehrten, mußten damit rechnen, für ihre Religion den Tod zu erleiden. ... Jeder frühe Schriftsteller, der das Christentum verteidigte, forderte dadurch die Staatsgewalt heraus und setzte sich der Gefahr aus, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Wenn es bei einem Glauben um Leben und Tod geht, überlegen es sich die Menschen reiflich, ob sie diesen Glauben annehmen wollen oder nicht, auch schließen sie sich nicht offen den Reihen einer verfolgten Sekte an, es sei denn, sie haben ihre Lehren sorgfältig geprüft und sind überzeugt, daß es die Wahrheit ist. Es ist klar, daß die ersten, die sich zum Christentum bekehrten, bessere Möglichkeiten hatten als wir, die Genauigkeit der frühchristlichen Geschichte zu ermitteln — sie konnten die Zeugen ausfragen; ihre verschiedenen Berichte vergleichen; sich erkundigen, wie ihre Gegner ihren Äußerungen entgegentraten; heidnische Urkunden jener Zeit zu Rate ziehen; das Beweismaterial gründlich und vollständig sichten. ... All das zusammen — und man muß im Sinn behalten, daß sich das Beweismaterial summiert — stellt eine Beweismasse dar, wie sie selten in bezug auf Ereignisse, die sich vor langer Zeit zutrugen, beschafft werden kann, und beweist über allen vernünftigen Zweifel erhaben die Wahrhaftigkeit der Geschichte des Urchristentums. Diese Geschichte hat in keiner Weise ... mythischen Charakter. Es ist eine einheitliche Geschichte, ohne Abweichungen erzählt, während Mythen sich ständig verändern und vielgestaltig sind; sie ist fest mit der Geschichte jener Zeit verschmolzen, die sie stets mit außergewöhnlicher Genauigkeit darstellt, wohingegen Mythen die Geschichte entstellen oder verdrängen; sie ist voller nüchterner Einzelheiten, die in Mythen geflissentlich gemieden werden; sie ist reich an praktischer Unterweisung einfachster Art, während in Mythen durch Allegorien gelehrt wird. ... Schlichte Ernsthaftigkeit, Treue, gewissenhafte Genauigkeit, reine Liebe zur Wahrheit: das sind die offenkundigsten Merkmale der Schreiber des Neuen Testaments, die offensichtlich Tatsachen beschreiben und keine Fiktionen ... Sie schreiben, ‚damit wir die Zuverlässigkeit der Dinge erkennen‘, die damals ‚völlig geglaubt‘ wurden.“d (Vergleiche Lukas 1:1, 4.)

      25. Wodurch wird die Echtheit der Bibel am eindeutigsten bewiesen?

      25 Ein fesselndes Gebiet, über das die Bibel schreibt, ist das der göttlichen Prophezeiungen. Die Echtheit der Bibel wird durch nichts so eindeutig bewiesen wie durch die Erfüllung zahlreicher Prophezeiungen, die alle die ungewöhnliche Fähigkeit Jehovas, die Zukunft vorherzusagen, beweisen. Dieses prophetische Wort ist wirklich eine „Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet“, und ihm Aufmerksamkeit zu schenken stärkt den Glauben derer, die den Wunsch haben, die Erfüllung aller Königreichsprophezeiungen in Gottes ewiger neuer Welt der Gerechtigkeit zu erleben. Die drei folgenden Tabellen fügen weitere Beweise für die Echtheit der Bibel hinzu, indem sie auf viele Prophezeiungen und ihre Erfüllung sowie auf die Harmonie der gesamten Hebräischen und Griechischen Schriften hinweisen. Im Laufe der Zeit sieht man immer deutlicher, daß die Bibel wirklich „von Gott inspiriert und nützlich“ ist (2. Pet. 1:19; 2. Tim. 3:16).

      [Fußnoten]

      a George Rawlinson, The Historical Evidences of the Truth of the Scripture Records, 1862, Seite 54, 254—258.

      b 1871, Seite 29—31.

      c The Historical Evidences of the Truth of the Scripture Records, Seite 25, 26.

      d Sinai and Palestine, 1885, Seite 82, 83.

      e Das Beste, Mai 1954, Seite 34—38.

      f 1984, S. 24.

      g 1968, Seite 4, 5.

      h The Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland, London 1855, Band 15, Seite 232.

      i Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, LEBEN.

      j Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, WIEDERKÄUEN; Band 1, Seite 1063, 1064.

      k Wine as Food and Medicine, 1954, Seite 5.

      l 1955, Seite 211—213.

      a Ethologie ist die Lehre von den Sitten und Gebräuchen eines Volkes.

      b The Historical Evidences of the Truth of the Scripture Records, Seite 290.

      c Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?, Seite 12—36.

      d The Historical Evidences of the Truth of the Scripture Records, Seite 225, 227, 228.

      (10) BEDEUTENDE PROPHEZEIUNGEN ÜBER JESUS UND IHRE ERFÜLLUNG

      Prophezeiung Ereignis Erfüllung

      1. Mo. 49:10 Geboren im Stamm Juda Mat. 1:2-16;

      Luk. 3:23-33;

      Heb. 7:14

      Ps. 132:11; Aus der Familie Davids, Mat. 1:1, 6-16;

      Jes. 9:7; des Sohnes Isais 9:27; 15:22; 20:30, 31;

      11:1, 10 21:9, 15; 22:42;

      Mar. 10:47, 48;

      Luk. 1:32; 2:4;

      3:23-32; 18:38, 39;

      Apg. 2:29-31; 13:22, 23;

      Röm. 1:3; 15:8, 12

      Mi. 5:2 Geboren in Bethlehem Luk. 2:4-11;

      Joh. 7:42

      Jes. 7:14 Geboren von einer Mat. 1:18-23;

      Jungfrau Luk. 1:30-35

      Jer. 31:15 Kleinkinder nach seiner Mat. 2:16-18

      Geburt getötet

      Hos. 11:1 Aus Ägypten gerufen Mat. 2:15

      Mal. 3:1; 4:5; Weg vor ihm bereitet Mat. 3:1-3;

      Jes. 40:3 11:10-14; 17:10-13;

      Mar. 1:2-4;

      Luk. 1:17, 76;

      3:3-6; 7:27;

      Joh. 1:20-23; 3:25-28;

      Apg. 13:24; 19:4

      Dan. 9:25 Erschien als Messias Stellte sich dar

      am Ende der 69 „Wochen“ zur Taufe und wurde

      zur richtigen Zeit,

      29 u. Z., gesalbt

      (Luk. 3:1, 21, 22)

      Jes. 61:1, 2 Beauftragt Luk. 4:18-21

      Jes. 9:1, 2 Jesu Wirken ließ Volk Mat. 4:13-16

      von Naphtali und

      Sebulon ein großes

      Licht sehen

      Ps. 78:2 Sprach in Gleichnissen Mat. 13:11-13, 31-35

      Jes. 53:4 Trug unsere Krankheiten Mat. 8:16, 17

      Ps. 69:9 Eifer um das Haus Mat. 21:12, 13;

      Jehovas Mar. 11:15-18;

      Luk. 19:45, 46;

      Joh. 2:13-17

      Jes. 42:1-4 Als Knecht Jehovas Mat. 12:14-21

      zankte er nicht auf

      den Straßen

      Jes. 53:1 Man glaubte nicht Joh. 12:37, 38;

      an ihn Röm. 10:11, 16

      Sach. 9:9; Einzug in Jerusalem Mat. 21:1-9;

      Ps. 118:26 auf Eselsfüllen; Mar. 11:7-11;

      begrüßt als König und Luk. 19:28-38;

      als derjenige, der in Joh. 12:12-15

      Jehovas Namen kommt

      Jes. 28:16; 53:3; Verworfen, wird aber Mat. 21:42, 45, 46;

      Ps. 69:8; Haupteckstein Apg. 3:14; 4:11;

      118:22, 23 1. Pet. 2:7

      Jes. 8:14, 15 Wird Stein des Anstoßes Luk. 20:17, 18;

      Röm. 9:31-33;

      1. Pet. 2:8

      Ps. 41:9; 109:8 Ein Apostel untreu; Mat. 26:47-50;

      verrät Jesus Joh. 13:18, 26-30;

      17:12; 18:2-5;

      Apg. 1:16-20

      Sach. 11:12 Für 30 Silberstücke Mat. 26:15; 27:3-10;

      verraten Mar. 14:10, 11

      Sach. 13:7 Jünger zerstreut Mat. 26:31, 56;

      Joh. 16:32

      Ps. 2:1, 2 Römische Macht und Mat. 27:1, 2;

      Führer Israels handeln Mar. 15:1, 15;

      gemeinsam gegen den Luk. 23:10-12;

      Gesalbten Jehovas Apg. 4:25-28

      Jes. 53:8 Verhört und verurteilt Mat. 26:57-68;

      27:1, 2, 11-26;

      Joh. 18:12-14, 19-24, 28-40;

      19:1-16

      Ps. 27:12 Falsche Zeugen gebraucht Mat. 26:59-61;

      Mar. 14:56-59

      Jes. 53:7 Schwieg vor Anklägern Mat. 27:12-14;

      Mar. 14:61; 15:4, 5;

      Luk. 23:9;

      Joh. 19:9

      Ps. 69:4 Ohne Grund gehaßt Luk. 23:13-25;

      Joh. 15:24, 25;

      1. Pet. 2:22

      Jes. 50:6; Geschlagen, angespien Mat. 26:67; 27:26, 30;

      Mi. 5:1 Joh. 18:22; 19:3

      Ps. 22:16, Fußn. An Pfahl geschlagen Mat. 27:35;

      Mar. 15:24, 25;

      Luk. 23:33;

      Joh. 19:18, 23;

      20:25, 27

      Ps. 22:18 Um Gewänder Lose Mat. 27:35;

      geworfen Joh. 19:23, 24

      Jes. 53:12 Sündern zugezählt Mat. 26:55, 56; 27:38;

      Luk. 22:37

      Ps. 22:7, 8 Am Pfahl beschimpft Mat. 27:39-43;

      Mar. 15:29-32

      Ps. 69:21 Man gab ihm Essig Mat. 27:34, 48;

      und Galle Mar. 15:23, 36

      Ps. 22:1 Von Gott den Feinden Mat. 27:46;

      überlassen Mar. 15:34

      Ps. 34:20; Gebeine nicht zerbrochen Joh. 19:33, 36

      2. Mo. 12:46

      Jes. 53:5; Durchstochen Mat. 27:49;

      Sach. 12:10 Joh. 19:34, 37;

      Offb. 1:7

      Jes. 53:5, 8, Stirbt Opfertod, um Mat. 20:28;

      11, 12 Sünden wegzunehmen und Joh. 1:29;

      gerechten Stand bei Röm. 3:24; 4:25;

      Gott zu ermöglichen 1. Kor. 15:3;

      Heb. 9:12-15;

      1. Pet. 2:24;

      1. Joh. 2:2

      Jes. 53:9 Begraben bei den Reichen Mat. 27:57-60;

      Joh. 19:38-42

      Jona 1:17; 2:10 Teile von drei Tagen Mat. 12:39, 40;

      im Grab, dann auferweckt 16:21; 17:23; 20:19;

      27:64; 28:1-7;

      Apg. 10:40;

      1. Kor. 15:3-8

      Ps. 16:8-11, Fußn. Vor Beginn der Verwesung Apg. 2:25-31;

      auferweckt 13:34-37

      Ps. 2:7 Jehova erklärt ihn zum Mat. 3:16, 17;

      Sohn durch Geistzeugung Mar. 1:9-11;

      und durch Auferstehung Luk. 3:21, 22;

      Apg. 13:33;

      Röm. 1:4;

      Heb. 1:5; 5:5

      Fragen zur Tabelle „Bedeutende Prophezeiungen über Jesus und ihre Erfüllung“:

      (a) Welche Prophezeiungen über die Geburt des Messias haben sich an Jesus erfüllt?

      (b) Welche Prophezeiungen erfüllten sich zu Beginn des Wirkens Jesu?

      (c) Wie wurden durch die Art und Weise, wie Jesus seinen Dienst durchführte, gewisse Prophezeiungen erfüllt?

      (d) Welche Prophezeiungen erfüllten sich während der letzten paar Tage, bevor Jesus vor Gericht kam?

      (e) Welche Prophezeiungen erfüllten sich zur Zeit des Prozesses?

      (f) Wie erfüllten sich die Prophezeiungen in Verbindung mit seiner Hinrichtung am Pfahl, seinem Tod und seiner Auferstehung?

      [Übersicht auf Seite 344-346]

      (11) BEISPIELE WEITERER ERFÜLLTER BIBLISCHER PROPHEZEIUNGEN

      Prophezeiung Ereignis Erfüllung

      1. Mo. 9:25 Kanaaniter werden Diener Jos. 9:23, 27;

      Israels werden Ri. 1:28;

      1. Kö. 9:20, 21

      1. Mo. 15:13, 14; Israeliten werden mit 2. Mo. 12:35, 36;

      2. Mo. 3:21, 22 viel Habe aus Ägypten Ps. 105:37

      ausziehen, wenn Gott

      die Nation, deren

      Sklaven sie waren, richtet

      1. Mo. 17:20; Ismael wird 12 Vorsteher 1. Mo. 25:13-16;

      21:13, 18 hervorbringen und eine 1. Chr. 1:29-31

      große Nation werden

      1. Mo. 25:23; Edomiter werden fern von 1. Mo. 36:8;

      27:39, 40 den fruchtbaren Land- 5. Mo. 2:4, 5;

      strichen wohnen, werden 2. Sam. 8:14;

      Israeliten dienen und 2. Kö. 8:20;

      sich zuweilen auflehnen 1. Chr. 18:13;

      2. Chr. 21:8-10

      1. Mo. 48:19, 22 Ephraim wird größer als 4. Mo. 1:33-35;

      Manasse werden, und 5. Mo. 33:17;

      jeder Stamm wird ein Jos. 16:4-9; 17:1-4

      Erbteil haben

      1. Mo. 49:7 Simeon und Levi werden in Jos. 19:1-9; 21:41, 42

      Israel zerstreut werden

      1. Mo. 49:10 Königliche Führung wird 2. Sam. 2:4;

      aus Juda kommen 1. Chr. 5:2;

      Mat. 1:1-16;

      Luk. 3:23-33;

      Heb. 7:14

      5. Mo. 17:14 Israel wird Königtum 1. Sam. 8:4, 5, 19, 20

      fordern

      5. Mo. 28:52,53, Israel wird für Untreue An Samaria 740

      64-66, 68 bestraft werden, Städte v. u. Z.

      werden belagert, in (2. Kö. 17:5-23),

      Sklaverei kommen an Jerusalem

      607 v. u. Z.

      (Jer. 52:1-27)

      und nochmals

      70 u. Z. erfüllt

      Jos. 6:26 Strafe für Wiederaufbau 1. Kö. 16:34

      von Jericho

      1. Sam. 2:31, 34; Elis Haus verurteilt 1. Sam. 4:11, 17, 18;

      3:12-14 1. Kö. 2:26, 27, 35

      1. Kö. 9:7, 8; Tempel wird zerstört 2. Kö. 25:9;

      2. Chr. 7:20, 21 werden, wenn Israel 2. Chr. 36:19;

      abtrünnig wird Jer. 52:13;

      Klag. 2:6, 7

      1. Kö. 13:1-3 Jerobeams Altar wird 2. Kö. 23:16-18

      entweiht werden

      1. Kö. 14:15 Untergang des Zehn-

      stämmereiches Israel 2. Kö. 17:6-23; 18:11, 12

      Jes. 13:17-22; Zerstörung Babylons; Dan. 5:22-31;

      45:1, 2; Tore Babylons werden durch Weltgeschichte

      Jer. 50:35-46; offengelassen werden; bestätigt; Cyrus

      51:37-43 Meder und Perser werden nahm Babylon bei

      unter Cyrus siegen offenen Toren eine

      Jes. 23:1, 8, Tyrus wird durch Weltgeschichte

      13, 14; Chaldäer unter Nebu- berichtet, daß

      Hes. 26:4, 7-12 kadnezar zerstört Nebukadnezar

      werden die Festlandstadt

      zerstörte, während

      die Inselstadt nach

      13jähriger Belage-

      rung unter Bedingun-

      gen kapituliertef

      Jes. 44:26-28 Wiederaufbau Jerusalems 2. Chr. 36:22, 23;

      und des Tempels durch Esra 1:1-4

      die aus dem Exil zurück-

      gekehrten Juden; Rolle

      des Cyrus dabei

      Jer. 25:11; 29:10 Rückkehr eines Über- Dan. 9:1, 2;

      restes nach 70jähriger Sach. 7:5;

      Verödung 2. Chr. 36:21-23

      Jer. 48:15-24; Moab wird Einöde Moab existiert

      Hes. 25:8-11; werden heute nicht

      Zeph. 2:8, 9 mehrg

      Jer. 49:2; Ammonitische Städte Ammon existiert

      Hes. 25:1-7; werden Schutthügel jetzt nicht

      Zeph. 2:8, 9 in einer Einöde werden mehrh

      Jer. 49:17, 18; Edom wird vertilgt Nach der

      Hes. 25:12-14; werden, als wäre Zerstörung Jerusa-

      35:7, 15; es nie gewesen lems 70 u. Z.

      Ob. 16, 18 hörte es als Volk

      zu bestehen aufi

      Dan. 2:31-40; Vier Königreiche dar- Weltgeschichte

      7:2-7 gestellt: Babylon, bestätigt, daß

      Persien, Griechenland sie sich im Auf-

      und Rom. Viele pro- stieg und Untergang

      phetische Einzelheiten dieser Mächte

      vorhergesagt erfüllt habenj

      Dan. 8:1-8, Nach Königreich Persien Alexander der

      20-22; wird Griechenland herr- Große eroberte

      11:1-19 schen; dieses Reich wird Persisches Reich;

      in vier Teile geteilt nach seinem Tod

      werden; daraus werden übernahmen vier

      sich zwei Mächte ent- Feldherren die

      wickeln: der König des Macht; schließlich

      Nordens und der König entwickelte sich

      des Südens das Seleukidenreich

      und das Ptolemäer-

      reich; sie führten

      fortwährend Krieg

      gegeneinanderk

      Dan. 11:20-24 Herrscher wird Ein- Verordnung zur

      schreibung verordnen; Einschreibung in

      in den Tagen seines Palästina in der

      Nachfolgers wird „der Regierungszeit von

      Führer des Bundes“ Cäsar Augustus;

      zerbrochen werden während der Regie-

      rung seines Nach-

      folgers, Tiberius

      Cäsar, wurde Jesus

      getötetl

      Zeph. 2:13-15; Ninive wird Einöde werden Wurde ein Schutt-

      Nah. 3:1-7 hügela

      Sach. 9:3, 4 Inselstadt Tyrus wird Alexander hat das

      zerstört werden im Jahre 332

      v. u. Z. aus-

      geführtb

      Mat. 24:2, 16-18; Jerusalem wird mit Be- Durch Römer

      festigung von Spitz- 70 u. Z. erfülltc

      Luk. 19:41-44 pfählen umgeben und

      zerstört werden

      Mat. 24:7-14; Zeit der Drangsal vor Seit 1914, als

      Mar. 13:8; vollständigem Ende des Erster Weltkrieg

      Luk. 21:10, 11, gegenwärtigen Systems ausbrach, beispiel-

      25-28; der Dinge vorhergesagt: lose Drangsal auf

      2. Tim. 3:1-5 wird Kriege, Lebensmittel- der Erde. König-

      knappheit, Erdbeben, reich wird jetzt in

      Seuchen und Verbrechen über 200 Ländern

      geben; gute Botschaft vom gepredigt

      Königreich muß allen

      Nationen gepredigt werden

      [Fußnoten]

      e Herodot I, 191, 192; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 502.

      f Cyclopedia von McClintock und Strong, Nachdruck 1981, Band X, Seite 617; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 531; Band 2, TYRUS.

      g Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, MOAB.

      h Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 121.

      i Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 590, 591.

      j „Dein Wille geschehe auf Erden“, Seite 104—125, 166—177, 188—195, 220—229.

      k „Dein Wille geschehe auf Erden“, Seite 121, 122, 172—174, 194, 195, 220—263; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 93, 94.

      l „Dein Wille geschehe auf Erden“, Seite 248—253; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 249.

      a Siehe Seite 159, Absatz 5, 6.

      b Cyclopedia von McClintock und Strong, Nachdruck 1981, Band X, Seite 618, 619.

      c Siehe Seite 188, Absatz 9.

      (a) Welche Prophezeiungen erfüllten sich, nachdem das Volk Israel das Land Kanaan betreten hatte?

      (b) Welche Prophezeiungen bezüglich eines Gerichts, das über Israel und Juda kommen würde, gingen in Erfüllung, und wann?

      (c) Was wurde über eine Rückkehr aus dem Exil vorhergesagt? Gingen diese Vorhersagen in Erfüllung?

      (d) Gegen welche Völker ergingen besondere Gerichtsbotschaften, und wie kam dieses vorhergesagte Gericht über sie?

      (e) Welche wichtigen geschichtlichen Ereignisse prophezeite Daniel und welche Jesus?

      (12) EINIGE TEXTE, DIE SCHREIBER DER GRIECHISCHEN SCHRIFTEN

      AUS DEN HEBRÄISCHEN SCHRIFTEN ZITIERTEN UND ANWANDTEN

      (BEACHTE: Dieses Verzeichnis enthält nichts von dem, was unter „Bedeutende Prophezeiungen über Jesus“ auf den vorhergehenden Seiten aufgeführt ist.)

      Prophezeiung Ereignis Erfüllung

      1. Mo. 1:3 Gott befiehlt, daß Licht 2. Kor. 4:6

      aufstrahle

      1. Mo. 1:26, 27 Mensch in Gottes Jak. 3:9;

      Gleichnis erschaffen, Mar. 10:6

      männlich und weiblich

      1. Mo. 2:2 Gott ruht von irdischem Heb. 4:4

      Schöpfungswerk

      1. Mo. 2:7 Adam als lebendige 1. Kor. 15:45

      Seele erschaffen

      1. Mo. 2:24 Mann wird seine Eltern Mat. 19:5;

      verlassen, fest zu Mar. 10:7, 8;

      seiner Frau halten, und 1. Kor. 6:16;

      die beiden werden ein Eph. 5:31

      Fleisch werden

      1. Mo. 12:3; Alle Nationen werden Gal. 3:8

      18:18 durch Abraham gesegnet

      werden

      1. Mo. 15:5 Abrahams Same wird Röm. 4:18

      zahlreich sein

      1. Mo. 15:6 Der Glaube wurde Abraham Röm. 4:3; Gal. 3:6;

      als Gerechtigkeit Jak. 2:23

      angerechnet

      1. Mo. 17:5 Abraham Vater der Röm. 4:16, 17

      Glaubenden „vieler

      Nationen“

      1. Mo. 18:10, 14 Sara wird ein Sohn Röm. 9:9

      verheißen

      1. Mo. 18:12 Sara nennt Abraham „Herr“ 1. Pet. 3:6

      1. Mo. 21:10 Symbolisches Drama mit Gal. 4:30

      Sara, Hagar, Isaak und

      Ismael

      1. Mo. 21:12 Same Abrahams wird Röm. 9:7;

      durch Isaak kommen Heb. 11:18

      1. Mo. 22:16, 17 Gott schwört bei sich Heb. 6:13, 14

      selbst, Abraham zu

      segnen

      1. Mo. 25:23 Prophezeit, daß Gott Röm. 9:12

      Jakob Esau vorziehen wird

      2. Mo. 3:6 Gott ist nicht der Gott Mat. 22:32;

      der Toten, sondern der Mar. 12:26;

      Lebenden Luk. 20:37

      2. Mo. 9:16 Warum Gott Pharao Röm. 9:17

      bestehen ließ

      2. Mo. 13:2, 12 Erstgeborene Jehova Luk. 2:23

      übergeben

      2. Mo. 16:18 Gott wirkt beim Sammeln 2. Kor. 8:15

      des Mannas ausgleichend

      2. Mo. 19:5, 6 Israel dazu bestimmt, 1. Pet. 2:9

      Königreich von Priestern

      zu sein

      2. Mo. 19:12, 13 Die ehrfurchteinflößende Heb. 12:18-20

      Kundgabe Jehovas am

      Berg Sinai

      2. Mo. 20:12-17 5., 6., 7., 8., 9. und Mat. 5:21, 27;

      10. Gebot 15:4; 19:18, 19;

      Mar. 10:19;

      Luk. 18:20;

      Röm. 13:9;

      Eph. 6:2, 3;

      Jak. 2:11

      2. Mo. 21:17 Strafe für Verletzung Mat. 15:4; Mar. 7:10

      des 5. Gebots

      2. Mo. 21:24 Auge für Auge und Zahn Mat. 5:38

      für Zahn

      2. Mo. 22:28 „Du sollst von einem Apg. 23:5

      Vorsteher deines Volkes

      nicht nachteilig reden“

      2. Mo. 24:8 Das Schließen des Heb. 9:20;

      Gesetzesbundes — „das Mat. 26:28;

      Blut des Bundes“ Mar. 14:24

      2. Mo. 25:40 Moses über das Muster Heb. 8:5

      der Stiftshütte und

      ihrer Einrichtungsgegen-

      stände instruiert

      2. Mo. 32:6 Israeliten beginnen zu 1. Kor. 10:7

      schwelgen und sich zu

      vergnügen

      2. Mo. 33:19 Gott erweist Barmherzig- Röm. 9:15

      keit, wem immer er will

      3. Mo. 11:44 „Ihr sollt heilig sein, 1. Pet. 1:16

      weil ich heilig bin“

      3. Mo. 12:8 Opfergabe eines Armen Luk. 2:24

      nach Geburt eines Sohnes

      3. Mo. 18:5 Wer das Gesetz hält, Gal. 3:12

      wird durch dasselbe leben

      3. Mo. 19:18 Liebe deinen Nächsten Mat. 19:19; 22:39;

      wie dich selbst Mar. 12:31;

      Röm. 13:9;

      Gal. 5:14; Jak. 2:8

      3. Mo. 26:12 Jehova war der Gott 2. Kor. 6:16

      Israels

      4. Mo. 16:5 Jehova kennt die, die 2. Tim. 2:19

      ihm gehören

      5. Mo. 6:4, 5 Liebe Jehova mit ganzem Mat. 22:37;

      Herzen und ganzer Seele Mar. 12:29, 30;

      Luk. 10:27

      5. Mo. 6:13 „Jehova, deinen Gott, Mat. 4:10;

      sollst du anbeten“ Luk. 4:8

      5. Mo. 6:16 „Du sollst Jehova, Mat. 4:7;

      deinen Gott, nicht auf Luk. 4:12

      die Probe stellen“

      5. Mo. 8:3 Der Mensch soll nicht Mat. 4:4;

      allein von Brot leben Luk. 4:4

      5. Mo. 18:15-19 Gott würde einen Apg. 3:22, 23

      Propheten gleich Moses

      erwecken

      5. Mo. 19:15 Jede Sache soll von zwei Joh. 8:17;

      oder drei Zeugen fest- 2. Kor. 13:1

      gestellt werden

      5. Mo. 23:21 „Du sollst Jehova deine Mat. 5:33

      Gelübde bezahlen“

      5. Mo. 24:1 Anordnung des mosaischen Mat. 5:31

      Gesetzes über Ehescheidung

      5. Mo. 25:4 „Du sollst einem Stier, 1. Kor. 9:9;

      wenn er das Korn aus- 1. Tim. 5:18

      drischt, das Maul nicht

      verbinden“

      5. Mo. 27:26 Israeliten, die das Gal. 3:10

      Gesetz nicht hielten,

      wurden verflucht

      5. Mo. 29:4 Nicht viele Juden hörten Röm. 11:8

      auf die gute Botschaft

      5. Mo. 30:11-14 Es ist notwendig, „das Röm. 10:6-8

      ‚Wort‘ des Glaubens“ im

      Herzen zu haben und es

      zu predigen

      5. Mo. 31:6, 8 Gott wird sein Volk Heb. 13:5

      keineswegs verlassen

      5. Mo. 32:17, 21 Gott reizte die Juden Röm. 10:19;

      zur Eifersucht, indem er 1. Kor. 10:20-22

      Heiden einlud; Israeliten

      reizten Jehova durch Göt-

      zendienst zur Eifersucht

      5. Mo. 32:35, 36 Die Rache ist Jehovas Heb. 10:30

      5. Mo. 32:43 „Seid fröhlich, ihr Röm. 15:10

      Nationen, mit seinem

      Volk”

      1. Sam. 13:14; David, ein Mann, der dem Apg. 13:22

      16:1 Herzen Gottes angenehm ist

      1. Sam. 21:6 David und seine Männer Mat. 12:3, 4;

      essen Brote der Dar- Mar. 2:25, 26;

      bringung Luk. 6:3, 4

      1. Kö. 19:14, 18 Nur ein Überrest der

      Juden blieb Gott treu Röm. 11:3, 4

      2. Chr. 20:7 Abraham Gottes „Freund“ Jak. 2:23

      („lieber Freund“) genannt

      Hiob 41:11 „Wer hat ihm [Gott] Röm. 11:35

      zuerst gegeben?“

      Ps. 5:9 „Ihre Kehle ist ein Röm. 3:13

      geöffnetes Grab“

      Ps. 8:2 Gott bereitet Lobpreis Mat. 21:16

      „aus dem Mund von

      Unmündigen“

      Ps. 8:4-6 „Was ist der Mensch, Heb. 2:6, 7;

      daß du seiner gedenkst?“ 1. Kor. 15:27

      Gott hat alle Dinge

      Christi Füßen unterworfen

      Ps. 10:7 „Ihr Mund ist voll Röm. 3:14

      Fluchens“

      Ps. 14:1-3 „Es gibt keinen gerech- Röm. 3:10-12

      ten Menschen“

      Ps. 18:49 Nationen würden Gott Röm. 15:9

      verherrlichen

      Ps. 19:4, Fußn. Es fehlt nicht an Röm. 10:18

      Gelegenheiten, die Wahr-

      heit über das Dasein

      Gottes, wie durch die

      ganze Schöpfung bezeugt,

      zu hören

      Ps. 22:22 „Ich will deinen Namen Heb. 2:12

      meinen Brüdern verkünden“

      Ps. 24:1 Die Erde gehört Jehova 1. Kor. 10:26

      Ps. 32:1, 2 „Glücklich ist der Mann, Röm. 4:7, 8

      dessen Sünde Jehova

      keinesfalls anrechnet“

      Ps. 34:12-16 „Die Augen Jehovas sind 1. Pet. 3:10-12

      auf die Gerechten

      gerichtet“

      Ps. 36:1 „Es ist keine Gottes- Röm. 3:18

      furcht vor ihren Augen“

      Ps. 40:6-8 Gott hatte kein Wohl- Heb. 10:6-10

      gefallen mehr an den vom

      Gesetz vorgeschriebenen

      Opfern; eine einzige

      Opfergabe, der Leib Jesu,

      gemäß Gottes Willen,

      heiligt

      Ps. 44:22 „Wie Schlachtschafe Röm. 8:36

      sind wir geachtet worden“

      Ps. 45:6, 7 „Gott ist dein [Christi] Heb. 1:8, 9

      Thron für immer“

      Ps. 51:4 Gott gerechtfertigt in Röm. 3:4

      seinen Worten und

      Gerichten

      Ps. 68:18 Als Christus in die Eph. 4:8

      Höhe auffuhr, gab er

      Gaben in Form von

      Menschen

      Ps. 69:22, 23 Tisch (Frieden, Wohl- Röm. 11:9, 10

      ergehen) der Israeliten

      wird zu einem Fallstrick

      Ps. 78:24 Das Brot aus dem Himmel Joh. 6:31-33

      Ps. 82:6 „Ihr seid Götter“ Joh. 10:34

      Ps. 94:11 „Jehova weiß, daß die 1. Kor. 3:20

      Überlegungen der Weisen

      nichtig sind“

      Ps. 95:7-11 Ungehorsame Israeliten Heb. 3:7-11;

      gingen nicht in Gottes 4:3, 5, 7

      Ruhe ein

      Ps. 102:25-27 „Du, o Herr, hast ... Heb. 1:10-12

      die Grundlagen der Erde

      gelegt“

      Ps. 104:4 „Er macht seine Engel Heb. 1:7

      zu Geistern“

      Ps. 110:1 Der Herr wird zur Mat. 22:43-45;

      Rechten Jehovas sitzen Mar. 12:36, 37;

      Luk 20:42-44;

      Heb. 1:13

      Ps. 110:4 Christus für immer Heb. 7:17

      Priester nach der

      Weise Melchisedeks

      Ps. 112:9 „Er hat weit und breit 2. Kor. 9:9

      ausgeteilt, ... seine

      Gerechtigkeit währt

      immerdar“

      Ps. 116:10 „Ich habe Glauben aus- 2. Kor. 4:13

      geübt, darum habe ich

      geredet“

      Ps. 117:1 „Preiset Jehova, all Röm. 15:11

      ihr Nationen“

      Ps. 118:6 „Jehova ist mein Helfer; Heb. 13:6

      ich will mich nicht

      fürchten“

      Ps. 140:3 „Natterngift ist hinter Röm. 3:13

      ihren Lippen“

      Spr. 26:11 „Der Hund ist zum eige- 2. Pet. 2:22

      nen Gespei zurückgekehrt“

      Jes. 1:9 Wäre nicht ein Überrest Röm. 9:29

      übriggelassen worden,

      wäre Israel wie Sodom

      geworden

      Jes. 6:9, 10 Israeliten schenkten der Mat. 13:13-15;

      guten Botschaft keine Mar. 4:12;

      Aufmerksamkeit Luk. 8:10;

      Apg. 28:25-27

      Jes. 8:17, 18 „Siehe! Ich und die Heb. 2:13

      kleinen Kinder, die

      Jehova mir gegeben hat“

      Jes. 10:22, 23 Nur ein Überrest Israels Röm. 9:27, 28

      wird gerettet werden

      Jes. 22:13 „Laßt uns essen und trin- 1. Kor. 15:32

      ken, denn morgen werden

      wir sterben“

      Jes. 25:8 „Der Tod ist für immer 1. Kor. 15:54

      verschlungen“

      Jes. 28:11, 12 Menschen glaubten nicht, 1. Kor. 14:21

      obgleich zu ihnen „mit

      den Zungen von Aus-

      ländern“ geredet wurde

      Jes. 28:16 Keine Enttäuschung für 1. Pet. 2:6;

      die, die ihren Glauben Röm. 10:11

      auf Christus setzen, die

      Grundlage in Zion

      Jes. 29:13 Heuchelei der Schrift- Mat. 15:7-9;

      gelehrten und Pharisäer Mar. 7:6-8

      beschrieben

      Jes. 29:14 Gott richtet die Weisheit 1. Kor. 1:19

      der Weisen zugrunde

      Jes. 40:6-8 Das von Jehova geredete 1. Pet. 1:24, 25

      Wort bleibt für immer

      Jes. 40:13 ‘Wer ist Jehovas Rat- Röm. 11:34

      geber geworden?’

      Jes. 42:6; 49:6 „Ich habe dich zu einem Apg. 13:47

      Licht der Nationen

      gesetzt“

      Jes. 45:23 Jedes Knie soll sich vor Röm. 14:11

      Jehova beugen

      Jes. 49:8 Die annehmbare Zeit, 2. Kor. 6:2

      erhört zu werden, am

      „Tag der Rettung“

      Jes. 52:7 Füße von Überbringern Röm. 10:15

      guter Botschaft lieblich

      Jes. 52:11 „Geht aus ihrer Mitte 2. Kor. 6:17

      hinaus und sondert

      euch ab“

      Jes. 52:15 Gute Botschaft den Röm. 15:21

      Heiden verkündet

      Jes. 54:1 „Sei fröhlich, du Gal. 4:27

      Unfruchtbare, die

      nicht gebiert“

      Jes. 54:13 „Und sie werden alle Joh. 6:45

      von Jehova belehrt sein”

      Jes. 56:7 Jehovas Haus wird ein Mat. 21:13;

      Haus des Gebets für Mar. 11:17;

      alle Nationen sein Luk. 19:46

      Jes. 59:7, 8 Bosheit der Menschen Röm. 3:15-17

      beschrieben

      Jes. 65:1, 2 Jehova wurde Nationen Röm. 10:20, 21

      offenbar

      Jes. 66:1, 2 „Der Himmel ist mein Apg. 7:49, 50

      Thron, und die Erde ist

      der Schemel meiner Füße“

      Jer. 5:21 Haben Augen, sehen Mar. 8:18

      trotzdem nicht

      Jer. 9:24 „Wer sich rühmt, rühme 1. Kor. 1:31;

      sich in Jehova“ 2. Kor. 10:17

      Jer. 31:31-34 Gott wird einen neuen Heb. 8:8-12;

      Bund schließen 10:16, 17

      Dan. 9:27; 11:31 Das „abscheuliche Ding, Mat. 24:15

      das Verwüstung verursacht“

      Hos. 1:10; 2:23 Auch Heiden sollen Got- Röm. 9:24-26

      tes Volk werden

      Hos. 6:6 „Ich will Barmherzigkeit Mat. 9:13; 12:7

      und nicht Schlachtopfer“

      Hos. 13:14 „Tod, wo ist dein 1. Kor. 15:54, 55

      Stachel?“

      Joel 2:28-32 „Jeder, der den Namen Apg. 2:17-21;

      Jehovas anruft, wird Röm. 10:13

      gerettet werden“

      Amos 9:11, 12 Gott wird die Hütte Apg. 15:16-18

      Davids wieder aufbauen

      Hab. 1:5 „Seht es, ihr Verächter, Apg. 13:40, 41

      und wundert euch darüber“

      Hab. 2:4 „Mein Gerechter ... Heb. 10:38;

      wird zufolge des Glau- Röm. 1:17

      bens leben“

      Hag. 2:6 Himmel und Erde werden Heb. 12:26, 27

      erschüttert werden

      Mal. 1:2, 3 Jakob geliebt, Esau gehaßt Röm. 9:13

      Fragen zur Tabelle „Einige Texte, die Schreiber der Griechischen Schriften aus den Hebräischen Schriften zitierten und anwandten“:

      (a) Wie stützen Zitate aus dem ersten Buch Mose in den Griechischen Schriften den Schöpfungsbericht?

      (b) Wie werden Texte aus dem ersten Buch Mose über Abraham und Abrahams Samen angewandt?

      (c) Was wird aus dem zweiten Buch Mose in Verbindung mit den Zehn Geboten und anderen Bereichen des Gesetzes zitiert?

      (d) An welchen Stellen werden die zwei großen Gebote, Jehova mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, zum erstenmal bekanntgegeben?

      (e) Nenne einige der im Pentateuch dargelegten wichtigen Grundsätze, die in den Griechischen Schriften angeführt werden. Wie werden sie angewandt?

      (f) Welche in den Griechischen Schriften angeführten Texte aus den Psalmen preisen Jehova (1) als Schöpfer und Eigentümer der Erde; (2) als den Einen, der den Gerechten Beachtung schenkt und sich um sie kümmert?

      (g) Wie werden in den Christlichen Griechischen Schriften Texte aus Jesaja und den anderen Propheten angewandt in bezug auf (1) das Predigen der guten Botschaft; (2) die Tatsache, daß einige die gute Botschaft verwerfen; (3) die Tatsache, daß zusätzlich zu einem Überrest Israels Angehörige der Nationen gläubig werden und (4) die Segnungen, die man empfängt, wenn man der guten Botschaft glaubt?

  • Die inspirierten Schriften bringen ewigen Nutzen
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • Studien über die inspirierten Schriften und ihren Hintergrund

      Die inspirierten Schriften bringen ewigen Nutzen

      1. Welche herrliche Vision hat sich durch die Betrachtung der ‘ganzen Schrift’ vor unserem Auge entfaltet?

      DURCH die Betrachtung der ‘ganzen Schrift, die von Gott inspiriert ist’, hat sich vor unserem Auge eine herrliche Vision der Souveränität Jehovas und seines Vorsatzes in Verbindung mit seinem Königreich entfaltet. Wir haben bemerkt, daß die Bibel e i n Buch ist und e i n packendes Thema hat: die Rechtfertigung der Souveränität Jehovas und die schließliche Erfüllung seines Vorsatzes in bezug auf die Erde durch sein Königreich unter Christus, dem verheißenen Samen. Durch die ganze Bibel hindurch, angefangen mit den ersten Seiten, wird dieses Thema entwickelt und erklärt, und in ihren abschließenden Kapiteln wird uns die herrliche Verwirklichung des großartigen Vorsatzes Gottes durch sein Königreich vor Augen geführt. Welch ein einzigartiges Buch die Bibel doch ist! Sie beginnt mit der Erschaffung des ehrfurchteinflößenden stofflichen Himmels und der Erde mit allem Leben darauf, gibt dann einen inspirierten und glaubwürdigen Bericht über Gottes Verfahrensweise mit den Menschen bis heute und bringt uns schließlich in die Zeit, in der ein ‘neuer Himmel und eine neue Erde’ — eine herrliche Schöpfung Jehovas — verwirklicht sein wird (Offb. 21:1). Wenn Jehovas großartiger Vorsatz durch das Königreich des Samens verwirklicht sein wird, wird er der gütige Vater einer glücklichen, geeinten Menschheitsfamilie sein, die ihn gemeinsam mit den himmlischen Heerscharen lobpreist und seinen Namen heiligt.

      2, 3. Wie wird das Thema vom Samen durch die Heilige Schrift hindurch entwickelt?

      2 Wie wunderbar wird doch das Thema vom „Samen“ durch die ganze Heilige Schrift hindurch entwickelt! In der ersten inspirierten Prophezeiung verheißt Gott, daß ‘der Same der Frau’ der Schlange den Kopf zermalmen wird (1. Mo. 3:15). Mehr als 2 000 Jahre danach versichert Gott dem gläubigen Abraham: „Durch deinen Samen werden sich bestimmt alle Nationen der Erde ... segnen.“ Über 800 Jahre später verheißt Jehova einem Nachkommen Abrahams, dem loyalen König David, etwas Ähnliches. Er läßt ihn wissen, daß es sich bei dem Samen um einen König handeln wird. Später sagen auch Jehovas Propheten begeistert die Herrlichkeit der Königreichsherrschaft voraus (1. Mo. 22:18; 2. Sam. 7:12, 16; Jes. 9:6, 7; Dan. 2:44; 7:13, 14). Dann, mehr als 4 000 Jahre nachdem Gott in Eden die erste Verheißung gegeben hat, erscheint der Same selbst. Es ist Jesus Christus, ‘der Same Abrahams’, der „Sohn des Höchsten“, und ihm gibt Jehova „den Thron Davids, seines Vaters“ (Gal. 3:16; Luk. 1:31-33).

      3 Dieser Same, Gottes gesalbter König, wird sozusagen durch den irdischen Samen der „Schlange“ zermalmt, d. h. getötet, doch Gott auferweckt ihn von den Toten und erhöht ihn zu seiner Rechten, wo er auf Gottes bestimmte Zeit wartet, um ‘Satans Kopf zu zermalmen’ (1. Mo. 3:15; Heb. 10:13; Röm. 16:20). In der Offenbarung erreicht die gesamte Vision ihren herrlichen Höhepunkt. Christus erlangt Königreichsmacht und schleudert „die Urschlange“, „Teufel und Satan genannt“, aus dem Himmel auf die Erde. Für eine kurze Zeit bewirkt der Teufel Weh und Leid auf der Erde und führt Krieg mit den ‘Übriggebliebenen des Samens der Frau Gottes’. Christus jedoch als „König der Könige“ schlägt die Nationen. Die Urschlange, Satan, wird in den Abgrund geworfen und dann schließlich für immer vernichtet. In der Zwischenzeit wird der Nutzen des Opfers Christi durch das Neue Jerusalem, die Braut des Lammes, auf die Menschen angewandt zum Segen aller Familien der Erde. So entfaltet sich vor uns das großartige Thema der inspirierten Schriften in seiner ganzen Erhabenheit (Offb. 11:15; 12:1-12, 17; 19:11-16; 20:1-3, 7-10; 21:1-5, 9; 22:3-5).

      AUS DEM INSPIRIERTEN BERICHT NUTZEN ZIEHEN

      4. Wie können wir den größten Nutzen aus der Heiligen Schrift ziehen, und warum?

      4 Wie können wir den größten Nutzen aus der Heiligen Schrift ziehen? Indem wir die Bibel in unserem Leben wirksam werden lassen. Wenn wir täglich in den inspirierten Schriften lesen und das Gelesene anwenden, werden wir von Gott geleitet. „Das Wort Gottes ist lebendig und übt Macht aus“, und es kann in unserem Leben eine erstaunliche Kraft zu gerechtem Handeln sein (Heb. 4:12). Wenn wir fleißig studieren und uns vom Worte Gottes leiten lassen, werden wir „die neue Persönlichkeit ..., die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit und Loyalität geschaffen worden ist“, entwickeln. Wir werden in der Kraft, die unseren Sinn antreibt, erneuert und durch die Neugestaltung unseres Sinnes umgewandelt werden, damit wir durch Prüfung feststellen können, „was der gute und annehmbare und vollkommene Wille Gottes ist“ (Eph. 4:23, 24; Röm. 12:2).

      5. Was können wir aus Mose Einstellung und Beispiel lernen?

      5 Wir können viel lernen, wenn wir lesen, wie andere treue Diener Gottes Nutzen aus dem Studium des Wortes Gottes und aus dem Nachsinnen darüber gezogen haben. Ein Beispiel ist Moses, „der sanftmütigste aller Menschen“, der immer belehrbar und zu lernen bereit war (4. Mo. 12:3). Wir sollten stets die tiefe Wertschätzung für Jehovas Souveränität haben, die er zum Ausdruck brachte. Moses sagte: „O Jehova, du selbst hast dich uns Generation um Generation als wirkliche Wohnung erwiesen. Ehe selbst die Berge geboren wurden oder du darangingst, wie mit Geburtswehen die Erde und das ertragfähige Land hervorzubringen, ja von unabsehbarer Zeit bis auf unabsehbare Zeit bist du Gott.“ Moses war gründlich mit Gottes Weisheit vertraut, denn er wurde von Jehova zum Schreiben der ersten Bücher der Bibel gebraucht. Daher war ihm klar, wie wichtig es ist, täglich Weisheit von Jehova zu erbitten. Demgemäß betete er zu Gott: „Zeige uns, wie wir unsere Tage auf eine Weise zählen sollen, daß wir ein Herz der Weisheit einbringen.“ Da „die Tage unserer Jahre“ wenige — nur 70 Jahre — sein mögen und selbst wenn sie zufolge „besonderer Kraft“ 80 sind, handeln wir weise, wenn wir uns täglich von seinem Wort ernähren, weil dann „die Lieblichkeit Jehovas, unseres Gottes, über uns“ sein wird, wie sie über seinem treuen Diener Moses war (Ps. 90:1, 2, 10, 12, 17).

      6. Wie können wir gleich Josua unseren Weg zum Erfolg machen?

      6 Wie notwendig es doch ist, täglich über Gottes Wort nachzusinnen. Jehova führte das Josua, Mose Nachfolger, deutlich vor Augen, als er zu ihm sagte: „Nur sei mutig und sehr stark, um darauf zu achten, nach dem ganzen Gesetz zu tun, das Moses, mein Knecht, dir geboten hat. Weiche nicht davon ab, weder nach rechts noch nach links, damit du überall, wohin du gehst, weise handelst. Dieses Buch des Gesetzes sollte nicht von deinem Mund weichen, und du sollst Tag und Nacht mit gedämpfter Stimme darin lesen, damit du darauf achtest, nach allem zu tun, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du deinen Weg zum Erfolg machen, und dann wirst du weise handeln.“ Hat Josua durch sein beständiges Lesen im Gesetz Jehovas seinen „Weg zum Erfolg“ gemacht? Jehovas Segen, der auf seinem mutigen Feldzug in Kanaan ruhte, gibt die Antwort (Jos. 1:7, 8; 12:7-24).

      7. Wie brachte David seine Wertschätzung für die Weisheit von Gott zum Ausdruck, und wie wird dieselbe Wertschätzung in Psalm 119 zum Ausdruck gebracht?

      7 Ein anderes Beispiel ist der geliebte David; auch er schätzte die Weisheit von Jehova sehr. Welch tiefempfundene Wertschätzung er doch für das „Gesetz“, die „Mahnung“, die „Befehle“, das „Gebot“ und die „richterlichen Entscheidungen“ Jehovas zeigte! David sagte: „Sie sind begehrenswerter als Gold, ja als viel geläutertes Gold, und süßer als Honig und der fließende Honig der Waben“ (Ps. 19:7-10). Dieses freudige Thema wird im 119. Psalm mit ergreifender Schönheit von einem anderen Psalmisten ausgebaut und wiederholt. Mögen wir stets, wenn wir täglich in Gottes Wort lesen und uns an seine weisen Ratschläge halten, zu Jehova sagen können: „Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuß und ein Licht für meinen Pfad. Deine Mahnungen sind wunderbar. Darum hat meine Seele sie beachtet“ (Ps. 119:105, 129).

      8. Welche Worte Salomos sollten wir uns zu eigen machen?

      8 Solange Salomo, der Sohn Davids, treu war, lebte er nach Gottes Wort; seine Aussprüche enthalten bewegende Worte der Wertschätzung, und wir tun gut, sie uns zu eigen zu machen. Wenn wir täglich in der Bibel lesen und das Gelesene anwenden, werden wir den tiefen Sinn der Worte Salomos verstehen: „Glücklich ist der Mensch, der Weisheit gefunden hat, und der Mensch, der Unterscheidungsvermögen erlangt ... Länge der Tage ist in ihrer Rechten; in ihrer Linken sind Reichtum und Herrlichkeit. Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit, und all ihre Pfade sind Frieden. Sie ist ein Baum des Lebens für die, die sie ergreifen, und die sie festhalten, sind glücklich zu nennen“ (Spr. 3:13, 16-18). Wenn wir täglich in Gottes Wort lesen und ihm gehorchen, sind wir jetzt sehr glücklich, und außerdem wird uns „Länge der Tage“ zugesichert — ewiges Leben in Jehovas neuer Welt.

      9. Wie kann uns das Beispiel Jeremias ermuntern?

      9 Unter denen, die die inspirierten Schriften geschätzt und ihnen gehorcht haben, dürfen auch Gottes treue Propheten nicht übersehen werden. Jeremia zum Beispiel hatte eine sehr schwierige Zuteilung (Jer. 6:28). Er sagte: „Das Wort Jehovas wurde für mich eine Ursache zur Schmach und zur Verhöhnung den ganzen Tag lang.“ Er war aber durch sein Studium des Wortes Gottes gewappnet, und er wurde sogar dazu gebraucht, vier Bücher der inspirierten Schriften zu schreiben: das erste und zweite Buch der Könige, das Buch Jeremia und die Klagelieder. Was geschah, als Jeremia völlig entmutigt war und „das Wort Jehovas“ nicht mehr predigen wollte? Jeremia antwortet: „In meinem Herzen erwies es sich wie brennendes Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen; und ich wurde müde, an mich zu halten, und es zu ertragen, vermochte ich nicht.“ Er war gezwungen, Jehovas Worte bekanntzugeben, und als er es tat, stellte er fest, daß Jehova „wie ein schrecklich Mächtiger“ mit ihm war. Wenn wir Gottes Wort studieren und damit fortfahren, so daß es ebenso ein Teil von uns wird, wie es ein Teil Jeremias war, wird Jehovas unbesiegbare Macht gleichfalls mit uns sein, und wir werden jedes Hindernis überwinden und nicht aufhören, von Gottes herrlichem Königreichsvorsatz zu sprechen (Jer. 20:8, 9, 11).

      10. Welche Rolle spielte das Wort Gottes im Leben Jesu, und worum betete er für seine Jünger?

      10 Wie steht es mit unserem größten Beispiel, dem „Hauptvermittler und Vervollkommner unseres Glaubens, Jesus“? War er mit den inspirierten Schriften so vertraut wie die Propheten und die anderen treuen Männer vor ihm? Ja, das war er, wie seine vielen Zitate und sein Leben, das er im Einklang mit den Schriften führte, deutlich zeigen. Jesus erinnerte sich an das Wort Gottes, als er sich darstellte, um den Willen seines Vaters auf der Erde zu tun: „Siehe, ich bin gekommen, in der Rolle des Buches steht über mich geschrieben. Deinen Willen zu tun, o mein Gott, ist meine Lust gewesen, und dein Gesetz ist in meinem Innern“ (Heb. 12:2; Ps. 40:7, 8; Heb. 10:5-7). Als Jehova Jesus heiligte oder ihn für seinen Dienst absonderte, spielte das Wort Gottes somit eine Schlüsselrolle. Jesus betete darum, daß auch seine Nachfolger geheiligt würden: „Heilige sie durch die Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Ebenso, wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich zu ihren Gunsten, damit auch sie durch die Wahrheit geheiligt seien“ (Joh. 17:17-19).

      11. (a) Was betonte Petrus gegenüber gesalbten Christen bezüglich des Wortes Gottes? (b) Warum ist das Studium der Bibel auch für die große Volksmenge wichtig?

      11 Die geistgezeugten und gesalbten Fußstapfennachfolger Jesu, die „durch die Wahrheit“ geheiligt sind, müssen ‘in seinem Wort bleiben’, wenn sie wirklich seine Jünger sein wollen (Joh. 8:31). Als Petrus denen schrieb, „die einen Glauben ... erlangt haben“, betonte er daher die Notwendigkeit, das Wort Gottes fortgesetzt zu studieren und ihm Aufmerksamkeit zu schenken: „Darum werde ich geneigt sein, euch immer an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie wißt und in der Wahrheit befestigt seid, die in euch vorhanden ist“ (2. Pet. 1:1, 12). Beständige Mahnungen, auf die man beim täglichen Lesen und Studieren des Wortes Gottes stößt, sind auch für alle die wichtig, die zur „großen Volksmenge“ zu gehören hoffen, die Johannes in einer Vision sah, nachdem er die 144 000 Versiegelten der Stämme des geistigen Israel beschrieben hatte. Wie könnten die Glieder der großen Volksmenge verständig „fortwährend mit lauter Stimme [rufen], indem sie sagen: ‚Die Rettung verdanken wir unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm‘ “, wenn sie nicht fortgesetzt das lebenspendende Wasser der Wahrheit trinken würden? (Offb. 7:9, 10; 22:17).

      12. Warum müssen wir ständig über Gottes Wort nachsinnen?

      12 Wir kommen nicht daran vorbei. Um den größten Nutzen aus den inspirierten Schriften zu ziehen und um gerettet zu werden und ewiges Leben zu erlangen, müssen wir jeden Tag unseres Lebens in diesen Schriften lesen und danach leben. Wir müssen mit der gleichen tiefen Wertschätzung ständig über Gottes Wort nachsinnen wie der Psalmist, der schrieb: „Ich werde der Handlungen Jahs gedenken; denn ich will deines wunderbaren Tuns der Vorzeit gedenken. Und ich werde bestimmt nachsinnen über all dein Tun“ (Ps. 77:11, 12). Über Jehovas ‘wunderbares Tun’ nachzusinnen wird uns auch antreiben, vortreffliche Werke zu tun, wobei uns ewiges Leben in Aussicht steht. Der Zweck des Buches Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich besteht darin, jeden, der Gerechtigkeit liebt, zu ermuntern, fortzufahren, das Wort Gottes zu studieren und das Gelernte anzuwenden, so daß er einen Anteil haben wird an den daraus erwachsenden ewigen Segnungen, die ihn voll und ganz befriedigen werden.

      IN „KRITISCHEN ZEITEN“

      13. In welchen „kritischen Zeiten“ leben wir?

      13 Unser Zeitalter ist die kritischste Zeit der Menschheitsgeschichte. Es ist gefährlich wegen seiner schrecklichen Möglichkeiten. Ja es kann gesagt werden, daß die Menschheit kaum noch eine Überlebenschance hat. Die Worte des Apostels Paulus sind daher angebracht: „Dieses aber erkenne, daß in den letzten Tagen kritische Zeiten dasein werden, mit denen man schwer fertig wird. Denn die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, nicht loyal, ohne natürliche Zuneigung, für keine Übereinkunft zugänglich, Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen vor Stolz, die Vergnügungen mehr lieben als Gott, die eine Form der Gottergebenheit haben, sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen; und von diesen wende dich weg“ (2. Tim. 3:1-5).

      14. Welchen Worten des Paulus müssen wir angesichts der heutigen Zeit Beachtung schenken?

      14 Warum sich von solchen Personen wegwenden? Weil ihrer gottlosen Lebensweise bald ein Ende gemacht wird. Wir aber wollen uns zusammen mit allen aufrichtiggesinnten Menschen der gesunden Lehre der inspirierten Schriften zuwenden und unser tägliches Leben von diesen Schriften bestimmen lassen. Wir wollen die Worte, die Paulus an den jungen Timotheus schreibt, beherzigen: „Du aber, bleibe bei den Dingen, die du gelernt hast und zu glauben überzeugt worden bist“ (2. Tim. 3:14). „Bleibe“ bei ihnen, schreibt Paulus. Das erfordert, daß wir uns demütig von den Schriften belehren und zurechtweisen lassen, daß wir von ihnen Dinge richtigstellen und uns in der Gerechtigkeit erziehen lassen. Jehova weiß, was wir benötigen, denn seine Gedanken sind weit höher als unsere Gedanken. Durch seine inspirierten Schriften läßt er uns wissen, was für uns nützlich ist, damit wir für das gute Werk des Zeugnisgebens für seinen Namen und sein Königreich vollständig ausgerüstet und völlig tauglich sein mögen. Paulus schreibt folgende bedeutungsvollen Worte in Verbindung mit der Schilderung der „kritischen Zeiten“, die „in den letzten Tagen“ sein werden: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk.“ Mögen wir alle die kritischen Zeiten überleben, indem wir diesen inspirierten Worten Beachtung schenken (2. Tim. 3:16, 17; Jes. 55:8-11).

      15. (a) Was war die Folge des Ungehorsams? (b) Welch herrliche Möglichkeit tut sich durch den Gehorsam Christi den Menschen auf?

      15 Es sollte unser Ziel sein, den inspirierten Schriften zu gehorchen. Weil der erste Mensch dem Wort und dem Gebot Jehovas nicht gehorchte, mußte er sterben, und „so [hat sich] der Tod zu allen Menschen verbreitet“. Deshalb hatte der Mensch keine Gelegenheit mehr — die er sonst vielleicht gehabt hätte —, im Edenparadies ‘tatsächlich auch Frucht vom Baum des Lebens zu nehmen und zu essen und auf unabsehbare Zeit zu leben’ (Röm. 5:12; 1. Mo. 2:17; 3:6, 22-24). Aber aufgrund des Gehorsams Christi und des Opfers dieses ‘Lammes Gottes’ wird Jehova veranlassen, daß zum Nutzen aller Menschen, die sich ihm gehorsam hingeben, ein „Strom von Wasser des Lebens, klar wie Kristall“, hervorfließt. Der Apostel Johannes sah dies in einer Vision: „Diesseits des Stromes und jenseits standen Bäume des Lebens, die zwölf Fruchternten hervorbringen, indem sie jeden Monat ihre Früchte geben. Und die Blätter der Bäume dienten zur Heilung der Nationen“ (Joh. 1:29; Offb. 22:1, 2; Röm. 5:18, 19).

      16. Inwiefern sind die inspirierten Schriften von ewigem Nutzen?

      16 Wieder steht den Menschen der Weg zu ewigem Leben offen. Glücklich sind daher die, die den inspirierten Bibeltext beherzigen: „Du sollst das Leben wählen, damit du am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem du Jehova, deinen Gott, liebst, indem du auf seine Stimme hörst und indem du fest zu ihm hältst; denn er ist dein Leben und die Länge deiner Tage“ (5. Mo. 30:19, 20). Gesegnet ist Jehova, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der durch das Opfer seines Sohnes und mittels seines ewigen Königreiches diese großartige Vorkehrung für Leben getroffen hat. Wie groß ist doch unsere Freude und unsere Dankbarkeit dafür, daß wir diese kostbaren Wahrheiten lesen und nochmals lesen, studieren und nochmals studieren und darüber nachsinnen können, denn „die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“ und führt zu ewigem Leben, entweder im Himmel oder auf einer paradiesischen Erde (Joh. 17:3; Eph. 1:9-11). Alles wird dann ‘Jehova heilig sein’ (Sach. 14:20; Offb. 4:8).

  • 1. Bibelbuch — 1. Mose (Genesis)
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 1. Bibelbuch — 1. Mose (Genesis)

      Schreiber: Moses

      Ort der Niederschrift: Wildnis

      Vollendung der Niederschrift: 1513 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: „Im Anfang“ bis 1657 v. u. Z.

      1. Nenne einige lebenswichtige Themen, die im ersten Buch Mose behandelt werden.

      STELL dir vor, du nähmst ein Buch mit nur 50 kurzen Kapiteln zur Hand und fändest auf den ersten ein oder zwei Seiten den einzigen genauen Bericht über die früheste Geschichte des Menschen und eine Aufzeichnung, die das Verhältnis des Menschen zu Gott, seinem Schöpfer, sowie zur Erde mit ihren Myriaden von Geschöpfen zeigt! Auf jenen paar Seiten gewinnst du auch einen tiefen Einblick in das, was Gott vorhatte, als er den Menschen auf die Erde setzte. Wenn du etwas weiterliest, erfährst du, warum der Mensch stirbt und was die Ursache für seine gegenwärtige schwierige Lage ist, und es werden dir die Augen geöffnet hinsichtlich der wahren Grundlage für Glauben und Hoffnung, ja du erkennst sogar Gottes Werkzeug zur Errettung, den Samen der Verheißung. Das beachtenswerte Buch, in dem all das steht, ist das erste der 66 Bücher der Bibel, das erste Buch Mose oder die Genesis.

      2. Was bedeutet die Bezeichnung Genesis, und wovon ist dieses Buch der erste Teil?

      2 „Genesis“ bedeutet „Ursprung [Entstehung]“; „Geburt“; die Bezeichnung stammt aus der Septuaginta-Übersetzung des Buches. In den hebräischen Handschriften lautet der Titel wie das erste Wort, nämlich Bereʼschíth, was „Im Anfang“ bedeutet (griechisch: En archḗi [sprich: archḗ]). Die Genesis ist das erste Buch des Pentateuchs (ein Wort aus dem Griechischen, das „fünf Schriftrollen“ oder „Fünfband“ bedeutet). Offensichtlich war es ursprünglich ein Buch, das Thora (Gesetz) oder „Buch des Gesetzes Mose“ genannt wurde; aber es wurde später, um eine einfachere Handhabung zu ermöglichen, in fünf Rollen eingeteilt (Jos. 23:6; Esra 6:18).

      3. (a) Wer ist der Autor des ersten Buches Mose, doch wer schrieb es? (b) Wie könnte Moses die Informationen erhalten haben, die im ersten Buch Mose enthalten sind?

      3 Jehova Gott ist der Autor der Bibel, aber er inspirierte Moses dazu, die Genesis, das erste Buch Mose, zu schreiben. Woher erhielt Moses die Informationen, die er in der Genesis aufzeichnete? Einiges könnte er direkt durch göttliche Offenbarung erhalten haben, anderes durch mündliche Überlieferung unter der Leitung des heiligen Geistes. Es ist auch möglich, daß Moses schriftliche Urkunden besaß, die von seinen Vorfahren als kostbare, wertvolle Aufzeichnungen über die Anfänge der Menschheit aufbewahrt worden waren.a

      4. (a) Wo und wann vollendete Moses die Aufzeichnungen? (b) Woher kann Moses den Aufschluß für den letzten Teil der Genesis erhalten haben?

      4 Moses vollendete seine Aufzeichnungen, zu denen er inspiriert worden war, möglicherweise in der Wildnis Sinai im Jahr 1513 v. u. Z. (2. Tim. 3:16; Joh. 5:39, 46, 47). Woher erhielt Moses den Aufschluß für den letzten Teil der Genesis? Da sein Urgroßvater Levi Josephs Halbbruder war, waren diese Einzelheiten in seiner Familie bestimmt genau bekannt. Levi kann sogar eine Zeitlang mit Amram, Moses’ Vater, zusammen gelebt haben. Ferner konnte wiederum der Geist Jehovas die genaue Aufzeichnung dieses Teils der Heiligen Schrift gewährleisten (2. Mo. 6:16, 18, 20; 4. Mo. 26:59).

      5. Welchen inneren Beweis enthält die Bibel dafür, daß Moses der Schreiber war?

      5 Es bestehen keine Zweifel darüber, wer die Genesis geschrieben hat. Die Worte „Buch des Gesetzes Mose“ und ähnliche Hinweise auf die ersten fünf Bücher der Bibel, zu denen die Genesis gehört, sind von der Zeit Josuas an, Moses’ Nachfolger, oft zu finden. Ja, in 27 späteren Bibelbüchern wird etwa 200mal auf Moses Bezug genommen. Die Juden haben niemals in Frage gestellt, daß Moses der Schreiber war. In den Christlichen Griechischen Schriften wird Moses häufig als der Schreiber des „Gesetzes“ erwähnt, und das krönende Zeugnis legte Jesus Christus ab. Moses schrieb auf Jehovas unmittelbares Gebot hin und unter seiner Inspiration (2. Mo. 17:14; 34:27; Jos. 8:31; Dan. 9:13; Luk. 24:27, 44).

      6. Was deutet darauf hin, daß das Schreiben schon früh in der Menschheitsgeschichte seinen Anfang nahm?

      6 Einige Skeptiker haben die Fragen gestellt: „Aber konnten denn Moses und seine Vorfahren schreiben?“ „Wurde die Schrift nicht erst später von den Menschen entwickelt?“ Das Schreiben nahm seinen Anfang offensichtlich schon früh in der Menschheitsgeschichte, vielleicht vor der Flut der Tage Noahs, die sich 2370 v. u. Z. ereignete. Gibt es irgendeinen Beweis dafür, daß der Mensch schon früh in der Lage war zu schreiben? Es stimmt zwar, daß Archäologen bestimmte Tontafeln, die sie ausgegraben haben, weiter als 2370 v. u. Z. zurückdatieren, doch diese Daten beruhen lediglich auf Vermutungen. Es gilt jedoch zu beachten, daß man, wie die Bibel klar zeigt, lange vor der Sintflut Städte baute, Musikinstrumente entwickelte und Metallwerkzeuge schmiedete (1. Mo. 4:17, 21, 22). Vernünftigerweise hätte es daher dem Menschen wenig Schwierigkeiten bereitet, eine Methode des Schreibens zu entwickeln.

      7. Welche weltliche Bestätigung einer weltweiten Sintflut und des biblischen Berichts über die drei Zweige des Menschengeschlechts gibt es?

      7 Es hat sich herausgestellt, daß das erste Buch Mose in manch anderer Hinsicht mit erwiesenen Tatsachen erstaunlich genau übereinstimmt. Nur das erste Buch Mose liefert einen wahren, den Tatsachen entsprechenden Bericht über die Sintflut und ihre Überlebenden, obgleich Berichte über eine Flut und das Überleben von Menschen (oft weil sie in einem Boot gerettet wurden) in den Legenden vieler Zweige der Menschheitsfamilie zu finden sind. Der Bericht im ersten Buch Mose gibt auch die Lage der anfänglichen Wohnstätten der verschiedenen Zweige der Menschheit an, die von Noahs drei Söhnen, Sem, Ham und Japhet, abstammen.b Dr. Melvin G. Kyle vom Theologieseminar Xenia, Missouri (USA), sagt: „Daß von einem zentral gelegenen Ort irgendwo in Mesopotamien der hamitische Zweig des Menschengeschlechts nach Südwesten zog, der japhetitische Zweig nach Nordwesten und der semitische Zweig ‚nach Osten‘ zum ‚Lande Sinear‘ hin, ist unbestreitbar.“c

      8. Welche Beweise der Glaubwürdigkeit des ersten Buches Mose kann man außerdem anführen?

      8 Die Glaubwürdigkeit des ersten Buches Mose als Teil der göttlichen Aufzeichnung geht auch aus seiner inneren Harmonie sowie aus seiner völligen Übereinstimmung mit den übrigen inspirierten Schriften hervor. Seine Offenheit offenbart einen Schreiber, der Jehova fürchtete und die Wahrheit liebte und der ohne Zögern über die Sünden der Nation und auch der hervorragenden Personen in Israel schrieb. Vor allem kennzeichnet die beständige Genauigkeit, mit der sich die Prophezeiungen des ersten Buches Mose erfüllt haben, wie das gegen Ende dieses Kapitels gezeigt wird, dieses Buch als hervorragendes Beispiel einer von Jehova Gott inspirierten Schrift (1. Mo. 9:20-23; 37:18-35; Gal. 3:8, 16).

      INHALT DES ERSTEN BUCHES MOSE

      9. (a) Was wird über Gottes Schöpfung im ersten Kapitel des ersten Buches Mose berichtet? (b) Welche zusätzlichen Einzelheiten im Hinblick auf den Menschen enthält das zweite Kapitel?

      9 Die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Vorbereitung der Erde als Wohnstätte für den Menschen (1:1⁠—⁠2:25). Das erste Buch Mose geht offensichtlich Milliarden von Jahren weit zurück und beginnt mit eindrucksvoller Einfachheit: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde.“ Bezeichnenderweise besagt dieser erste Satz, daß Gott der Schöpfer ist und die Himmel und die Erde seine materielle Schöpfung sind. In erhabenen, gutgewählten Worten folgt im ersten Kapitel ein allgemeiner Bericht über die schöpferische Arbeit in bezug auf die Erde. Diese Arbeit wird in sechs Zeitabschnitten — Tage genannt — vollendet, von denen jeder mit einem Abend beginnt, an dem die schöpferische Arbeit für den betreffenden Zeitabschnitt noch unbestimmt ist, und mit einem hellen Morgen endet, wenn die Pracht der schöpferischen Arbeit deutlich offenbar wird. An aufeinanderfolgenden „Tagen“ erscheint das Licht, die Ausdehnung der Atmosphäre, trockenes Land und Pflanzen, die Lichter zur Scheidung des Tages von der Nacht, Fische und Vögel sowie Landtiere und schließlich der Mensch. Hier macht Gott sein die Arten bestimmendes Gesetz bekannt, die unüberwindliche Schranke, die es unmöglich macht, daß sich eine Art aus einer anderen entwickelt. Gott, der den Menschen in seinem Bilde gemacht hat, verkündet seinen dreifachen Vorsatz hinsichtlich des Menschen und der Erde: sie mit gerechten Nachkommen zu füllen, sich die Erde zu unterwerfen und sich die Tierwelt untertan zu halten. Der siebte „Tag“ wird von Jehova gesegnet und für heilig erklärt, wonach Jehova fortan „von all seinem Werk“, das er gemacht hat, ruht. In dem Bericht wird als nächstes eine Nahaufnahme oder ein vergrößertes Bild von Gottes schöpferischer Arbeit, den Menschen betreffend, gezeigt. Hier wird der Garten Eden und seine Lage beschrieben, Gottes Gesetz über den verbotenen Baum wird dargelegt, es wird erwähnt, daß Adam den Tieren Namen gibt, und dann folgt der Bericht über die erste Eheschließung — Jehova macht aus einem Teil Adams eine Frau und bringt sie zu Adam.

      10. Wie erklärt das erste Buch Mose den Ursprung von Sünde und Tod, und welcher wichtige Vorsatz wird hier bekanntgemacht?

      10 Sünde und Tod kommen auf; „Same“ als Befreier vorhergesagt (3:1⁠—⁠5:5). Die Frau ißt die verbotene Frucht und überredet ihren Mann dazu, sich ihr in der Rebellion anzuschließen, und so wird Eden durch Ungehorsam verunreinigt. Gott weist sofort auf das Mittel hin, durch das sein Vorsatz verwirklicht wird: „Und Jehova Gott sprach dann zur Schlange [zu Satan, dem unsichtbaren Anstifter der Rebellion]: ‚... Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen.‘ “ (3:14, 15). Der Mensch wird aus dem Garten vertrieben, um mit Schmerzen und in mühevoller Arbeit inmitten von Dornen und Disteln zu leben. Schließlich muß er sterben und zum Erdboden zurückkehren, von dem er genommen worden war. Nur seine Nachkommen können auf den verheißenen Samen hoffen.

      11. Wie setzen sich die verheerenden Folgen der Sünde außerhalb Edens fort?

      11 Die verheerenden Folgen der Sünde setzen sich außerhalb Edens fort. Kain, das erste Kind, das geboren wird, wird zum Mörder seines Bruders Abel, eines treuen Dieners Jehovas. Jehova verbannt Kain in das Land der Flüchtlingschaft, wo er Nachkommen hervorbringt, die später durch die Sintflut vollständig ausgelöscht werden. Adam erhält nun einen anderen Sohn, Seth, der der Vater des Enosch wird; zu dieser Zeit fangen die Menschen an, in Heuchelei den Namen Jehovas anzurufen. Adam stirbt im Alter von 930 Jahren.

      12. Wie wird die Erde in den Tagen Noahs verderbt?

      12 Böse Menschen und Engel verderben die Erde; Gott führt die Sintflut herbei (5:6⁠—⁠11:9). Hier wird das Geschlechtsregister über Seth angegeben. Unter den Nachkommen Seths ragt Henoch hervor, der Jehovas Namen heiligt, indem er „mit dem wahren Gott“ wandelt (5:22). Der nächste Mann mit einem hervorragenden Glauben ist Henochs Urenkel Noah, der 1 056 Jahre nach der Erschaffung Adams geboren wurde. Während dieser Zeit geschieht etwas, was die Gewalttat auf der Erde vermehrt. Engel Gottes verlassen ihre himmlische Wohnstätte, um die gutaussehenden Töchter der Menschen zu heiraten. Durch dieses unerlaubte Zusammenleben kommt ein Bastardgeschlecht von Riesen hervor, die als Nephilim (was „Fäller“ bedeutet) bekannt sind und nicht Gott, sondern sich selbst einen Namen machen. Deshalb kündigt Jehova Noah an, er werde Mensch und Tier wegen der fortgesetzten Schlechtigkeit der Menschen auslöschen. Nur Noah findet Gunst bei Jehova.

      13. Wie heiligt Jehova nun seinen Namen?

      13 Noah wird der Vater Sems, Hams und Japhets. Da Gewalttat und Verderben auf der Erde andauern, offenbart Jehova Noah, daß er im Begriff ist, seinen Namen durch eine große Flut zu heiligen, und er gebietet Noah, zur Erhaltung des Lebens eine Arche zu bauen, für die er ihm ausführliche Baupläne gibt. Noah gehorcht bereitwillig und versammelt seine achtköpfige Familie sowie Landtiere und Vögel; dann, in seinem 600. Lebensjahr (2370 v. u. Z.), beginnt die Sintflut. 40 Tage lang strömt der Regen hernieder, bis sogar die hohen Berge 15 Ellen (mehr als sechseinhalb Meter) unter Wasser stehen. Als Noah schließlich nach einem Jahr seine Familie aus der Arche führen kann, besteht seine erste Handlung darin, Jehova ein großes Dankopfer darzubringen.

      14. Was gebietet Jehova jetzt, welchen Bund schließt er, und was ereignet sich im weiteren Leben Noahs?

      14 Nun segnet Jehova Noah und dessen Familie und gebietet ihnen, die Erde mit ihren Nachkommen zu füllen. Gottes Verordnung erlaubt das Essen von Fleisch, fordert aber, sich vom Blut zu enthalten, das die Seele oder das Leben des Fleisches ist, und verlangt die Hinrichtung eines Mörders. Gottes Bund, wonach er nie wieder eine Sintflut über die Erde bringen will, wird durch das Erscheinen des Regenbogens am Himmel bestätigt. Später zeigt sich Ham gegenüber Jehovas Propheten Noah respektlos. Als Noah davon erfährt, verflucht er Hams Sohn Kanaan, fügt aber einen Segen hinzu, wonach Sem besonders begünstigt und auch Japhet gesegnet werden wird. Noah stirbt im Alter von 950 Jahren.

      15. Wie versuchen die Menschen, sich einen berühmten Namen zu machen, und wie vereitelt Jehova ihre Absicht?

      15 Noahs drei Söhne führen Gottes Gebot, sich zu vermehren, aus und bringen 70 Familien hervor, die Vorfahren des heutigen Menschengeschlechts. Nimrod, ein Enkel Hams, wird nicht mitgezählt, offensichtlich weil er „ein gewaltiger Jäger im Widerstand gegen Jehova“ wird (10:9). Er richtet ein Königreich auf und beginnt, Städte zu bauen. Zu dieser Zeit hat die ganze Erde e i n e Sprache. Statt sich über die Erde zu zerstreuen, um sie zu bevölkern und sie sich untertan zu machen, beschließen die Menschen, eine Stadt zu bauen und einen Turm zu errichten, dessen Spitze bis in die Himmel reicht, um sich auf diese Weise einen berühmten Namen zu machen. Jehova vereitelt jedoch ihre Absicht, indem er ihre Sprache verwirrt, und dadurch zerstreut er sie. Die Stadt wird Babel (was „Verwirrung“ bedeutet) genannt.

      16. (a) Warum ist das Geschlechtsregister Sems wichtig? (b) Wie kommt es dazu, daß Abram „Freund Jehovas“ genannt wird, und welche Segnungen empfängt er?

      16 Gottes Handlungsweise mit Abraham (11:10 bis 25:26). Das wichtige Geschlechtsregister — von Sem bis zu Terachs Sohn Abram — wird verfolgt, das auch die chronologischen Verbindungen herstellt. Abram trachtet nicht danach, sich einen Namen zu machen, sondern er übt Glauben an Jehova aus. Auf Gottes Befehl verläßt er die chaldäische Stadt Ur, überquert im Alter von 75 Jahren den Euphrat auf dem Weg in das Land Kanaan und ruft den Namen Jehovas an. Wegen seines Glaubens und seines Gehorsams wird er dann „Freund [Geliebter] Jehovas“ genannt, und Gott errichtet seinen Bund mit ihm (Jak. 2:23; 2. Chr. 20:7; Jes. 41:8). Während eines kurzen Aufenthalts in Ägypten beschützt Gott Abram und dessen Frau. Nach Kanaan zurückgekehrt, zeigt Abram seine Freigebigkeit und Friedfertigkeit, indem er seinem Neffen und Mitanbeter Lot gestattet, sich den besten Teil des Landes auszusuchen. Später befreit er Lot aus der Hand von vier Königen, die ihn gefangengenommen haben. Als Abram aus dem Kampf zurückkehrt, trifft er mit Melchisedek, dem König von Salem, zusammen, der als Priester Gottes Abram segnet, und Abram entrichtet Melchisedek den Zehnten.

      17. Wie erweitert Jehova seinen Bund, und was wird über Abrahams Samen geoffenbart?

      17 Später erscheint Gott Abram, indem er sich als Abrams Schild bekannt macht und die Bundesverheißung dadurch erweitert, daß er enthüllt, daß Abrams Same an Zahl gleich den Sternen des Himmels werden wird. Abram wird gesagt, sein Same werde 400 Jahre lang Trübsal erleiden, werde aber von Gott befreit werden, der die Nation, die die Trübsal bringen würde, richten werde. Als Abram 85 Jahre alt ist, gibt ihm Sarai, seine noch kinderlose Frau, Hagar, ihre ägyptische Magd, damit er durch sie ein Kind erhalte. Ismael wird geboren und als der mögliche Erbe angesehen. Jehova hat jedoch etwas anderes vor. Als Abram 99 Jahre alt ist, ändert Jehova seinen Namen auf Abraham ab und Sarais Namen auf Sara und verheißt, daß Sara einen Sohn gebären wird. Abraham erhält den Bund der Beschneidung und läßt sofort seine Hausgenossen beschneiden.

      18. Welche bemerkenswerten Geschehnisse bilden Höhepunkte im Leben Lots?

      18 Nun gibt Gott seinem Freund Abraham seinen Entschluß bekannt, Sodom und Gomorra wegen ihrer schweren Sünden zu vernichten. Engel Jehovas warnen Lot und helfen ihm, mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern aus Sodom zu fliehen. Seine Frau zögert jedoch, um sich nach den hinter ihr liegenden Dingen umzuschauen, und wird zu einer Salzsäule. Um Nachkommen zu erhalten, machen Lots Töchter ihren Vater mit Wein betrunken und haben Verkehr mit ihm. Danach gebären sie zwei Söhne, die dann die Väter der Nationen Moab und Ammon werden.

      19. Welche Probe in Verbindung mit dem Samen besteht Abraham erfolgreich, und was enthüllt Jehova ferner, als er seine Verheißung bestätigt?

      19 Gott schützt Sara vor Befleckung durch Abimelech von den Philistern. Isaak, der verheißene Erbe, wird geboren, als Abraham 100 und Sara ungefähr 90 Jahre alt ist. Etwa fünf Jahre danach macht sich der 19jährige Ismael über Isaak, den Erben, lustig, was dazu führt, daß Hagar und Ismael mit Gottes Billigung entlassen werden. Einige Jahre später stellt Gott Abraham auf die Probe, indem er ihm gebietet, seinen Sohn Isaak auf einem der Berge Morias zu opfern. Abrahams großer Glaube an Jehova gerät nicht ins Wanken. Er versucht, seinen Sohn und Erben zu opfern, wird aber von Jehova, der einen Widder als Ersatzopfer beschafft, daran gehindert. Jehova bestätigt nochmals seine dem Abraham gegebene Verheißung, indem er sagt, er werde Abrahams Samen mehren wie die Sterne der Himmel und wie die Sandkörner, die am Ufer des Meeres sind. Er zeigt, daß dieser Same das Tor seiner Feinde in Besitz nehmen wird und daß sich durch den Samen bestimmt alle Nationen der Erde segnen werden.

      20. Welche Sorgfalt wendet Abraham an, um für Isaak eine Frau zu besorgen, und wie wird Isaak zum alleinigen Erben gemacht?

      20 Sara stirbt im Alter von 127 Jahren und wird auf einem Feld begraben, das Abraham von den Söhnen Heths kauft. Nun entsendet Abraham den obersten Diener seiner Hausgemeinschaft, um für Isaak eine Frau aus dem Land seiner Verwandten zu erwerben. Jehova führt den Diener zur Familie Bethuels, des Sohnes Nahors, und es werden Vorbereitungen für Rebekka getroffen, damit sie mit ihm geht. Mit dem Segen ihrer Familie geht Rebekka bereitwillig mit und wird die Braut Isaaks. Abraham seinerseits nimmt sich wieder eine Frau, Ketura, die ihm sechs Söhne gebärt. Er gibt diesen jedoch Geschenke, schickt sie fort und macht Isaak zu seinem alleinigen Erben. Dann, im Alter von 175 Jahren, stirbt Abraham.

      21. Wie kommt es, daß Isaak und Rebekka Zwillingssöhne erhalten?

      21 Wie Jehova vorhersagte, wird Ismael, der Halbbruder Isaaks, das Haupt einer großen Nation, die auf seinen 12 Söhnen — den Stammeshäuptern — gegründet ist. Rebekka bleibt 20 Jahre unfruchtbar, aber Isaak fleht ständig zu Jehova, und sie bringt schließlich Zwillinge zur Welt, nämlich Esau und Jakob, von denen Jehova ihr sagte, daß der Ältere dem Jüngeren dienen werde. Isaak ist jetzt 60 Jahre alt.

      22. Wie betrachten Esau und Jakob den Bund mit Abraham, und mit welchen Ergebnissen?

      22 Jakob und seine 12 Söhne (25:27⁠—⁠37:1). Esau wird ein Freund der Jagd. Er schätzt den Bund mit Abraham nicht, und als er eines Tages von der Jagd zurückkehrt, verkauft er sein Erstgeburtsrecht an Jakob für nichts weiter als ein wenig von einem Gericht. Auch heiratet er zwei Hethiterinnen (und später eine Ismaelitin), die für seine Eltern ein Anlaß zur Bitterkeit werden. Mit der Hilfe seiner Mutter verkleidet sich Jakob als Esau, um den Segen des Erstgeborenen zu erhalten. Als Esau, der Isaak nicht enthüllt hat, daß er sein Erstgeburtsrecht verkauft hat, erfährt, was Jakob getan hat, plant er, ihn zu töten; daher rät Rebekka Jakob, nach Haran zu ihrem Bruder Laban zu fliehen. Bevor Jakob fortgeht, segnet Isaak ihn nochmals und weist ihn an, sich keine Heidin zur Frau zu nehmen, sondern jemand aus dem Haus seiner Mutter. Auf seinem Wege nach Haran sieht er in Bethel in einem Traum Jehova, der ihm Zuversicht einflößt und die Bundesverheißung ihm gegenüber bestätigt.

      23. (a) Wie kommt es, daß Jakob zwölf Söhne erhält? (b) Wie verliert Ruben das Erstgeburtsrecht?

      23 In Haran arbeitet Jakob für Laban und heiratet dessen zwei Töchter, Lea und Rahel. Obwohl er diese Vielehe durch eine List Labans eingeht, segnet Gott sie, indem er Jakob durch die Frauen und deren zwei Mägde, Silpa und Bilha, 12 Söhne und eine Tochter schenkt. Gott sorgt dafür, daß sich die Herden Jakobs sehr mehren, und weist ihn dann an, in das Land seiner Vorväter zurückzukehren. Jakob wird von Laban verfolgt, aber sie machen einen Bund an dem Ort, der Galed und „Der Wachtturm“ (hebräisch: hamMizpáh) genannt wird. Jakob setzt die Reise fort, wird von Engeln in seiner Zuversicht bestärkt und ringt in der Nacht mit einem Engel, der ihn schließlich segnet und seinen Namen von Jakob auf Israel abändert. Auf friedlichem Wege bringt Jakob eine Begegnung mit Esau zustande und reist weiter nach Sichem. Hier wird seine Tochter Dina von dem Sohn eines Vorstehers der Hiwiter geschändet. Ihre Brüder Simeon und Levi nehmen Rache, indem sie die Männer von Sichem hinschlachten. Das mißfällt Jakob, da es ihn als Vertreter Jehovas im Land in Verruf bringt. Gott sagt ihm, er solle nach Bethel gehen, um dort einen Altar zu bauen. Beim Auszug aus Bethel stirbt Rahel, als sie Jakob seinen 12. Sohn, Benjamin, gebärt. Ruben schändet Rahels Magd, Bilha, die Mutter zweier Söhne Jakobs, und er verliert deshalb das Erstgeburtsrecht. Bald darauf stirbt Isaak im Alter von 180 Jahren, und Esau und Jakob begraben ihn.

      24. Warum ziehen Esau und seine Hausgenossen in die Berggegend Seir?

      24 Esau und seine Hausgenossen ziehen in die Berggegend Seir, da Esau und Jakob so viel Reichtum aufgehäuft haben, daß sie nicht mehr zusammen wohnen können. Dann werden die Nachkommen Esaus und die der Scheiche und Könige Edoms aufgezählt. Jakob wohnt weiterhin in Kanaan.

      25. Welche Ereignisse führen dazu, daß Joseph ein Sklave in Ägypten wird?

      25 Nach Ägypten, um Leben zu retten (37:2 bis 50:26). Weil Joseph Jehovas Gunst hat und Jehova ihn einige Träume träumen läßt, beginnen Josephs ältere Brüder, ihn zu hassen. Sie planen zwar, ihn zu töten, doch sie verkaufen ihn an vorüberziehende ismaelitische Kaufleute. Sie tauchen Josephs gestreiftes Gewand in das Blut eines Ziegenbocks und überreichen es Jakob als Beweis, daß der Siebzehnjährige von einem wilden Tier getötet worden sei. Joseph wird nach Ägypten gebracht und an Potiphar, den Obersten der Leibwache Pharaos, verkauft.

      26. Warum ist der Bericht über die Geburt des Perez wichtig?

      26 Kapitel 38 schweift kurz ab, um über die Geburt des Perez zu berichten, des Sohnes Tamars, die Juda, ihren Schwiegervater, durch eine List veranlaßt, pflichtgemäß die Ehe zu vollziehen, die eigentlich sein Sohn hätte eingehen müssen. Dieser Bericht unterstreicht wiederum die außerordentliche Sorgfalt, mit der die Heilige Schrift über jede Entwicklung berichtet, die zum Hervorbringen des Samens der Verheißung führt. Judas Sohn Perez wird einer der Vorfahren Jesu (Luk. 3:23, 33).

      27. Wie wird Joseph erster Minister von Ägypten?

      27 Inzwischen segnet Jehova Joseph in Ägypten, und Joseph erlangt in der Hausgemeinschaft Potiphars eine hohe Stellung. Er kommt jedoch in Schwierigkeiten, als er sich weigert, durch Hurerei mit Potiphars Frau Gottes Namen zu schmähen; daher wird er fälschlich angeklagt und ins Gefängnis geworfen. Dort wird er von Jehova dazu gebraucht, die Träume zweier Mitgefangener, nämlich des Mundschenken Pharaos und seines Bäckers, zu deuten. Als Pharao später einen Traum hat, der ihn sehr beunruhigt, macht man ihn auf diese Fähigkeit Josephs aufmerksam, so daß Joseph schnell aus dem Kerker zu Pharao gebracht wird. Joseph gibt Gott die Ehre und deutet den Traum, indem er sieben Jahre Überfluß vorhersagt, denen sieben Jahre Hungersnot folgen sollen. Pharao erkennt, daß „der Geist Gottes“ auf Joseph ruht, und ernennt ihn zum ersten Minister, der sich der Lage annehmen soll (1. Mo. 41:38). Der nun 30jährige Joseph handelt als weiser Verwalter und lagert während der sieben Jahre des Überflusses Nahrungsmittel ein. Während der weltweiten Hungersnot, die folgt, verkauft er das Getreide den Ägyptern und anderen Nationen, die wegen Nahrung nach Ägypten kommen.

      28. Welche Ereignisse bilden den Rahmen für den Umzug der Hausgemeinschaft Jakobs nach Ägypten?

      28 Schließlich schickt Jakob seine zehn ältesten Söhne nach Ägypten, damit sie Getreide holen. Joseph erkennt sie, aber sie erkennen ihn nicht. Er behält Simeon als Geisel und verlangt, daß sie, wenn sie das nächstemal wegen Getreide kommen, ihren jüngsten Bruder mitbringen. Als die neun Söhne mit Benjamin zurückkehren, gibt Joseph sich zu erkennen, zeigt den zehn Schuldigen, daß er ihnen vergeben hat, und weist sie an, Jakob zu holen und um ihres Wohlergehens willen während der Hungersnot nach Ägypten zu ziehen. Folglich zieht Jakob mit 66 seiner Nachkommen nach Ägypten hinab. Pharao gibt ihnen das beste Land, das Land Gosen, wo sie wohnen sollen.

      29. Welche Reihe wichtiger Prophezeiungen äußert Jakob auf seinem Sterbebett?

      29 Als Jakob sich seinem Tod nähert, segnet er Ephraim und Manasse, die Söhne Josephs, und ruft dann seine eigenen 12 Söhne zusammen, um ihnen zu sagen, was ihnen „im Schlußteil der Tage“ widerfahren wird (49:1). Er gibt jetzt ausführlich eine Reihe von Prophezeiungen an, die sich seither alle auf bemerkenswerte Weise erfüllt haben.d Er sagt hier voraus, daß das Zepter der Herrschaft im Stamm Juda bleiben wird, bis Schilo (was „derjenige, dessen es ist“; „derjenige, dem es gehört“ bedeutet), der verheißene Same, kommt. Nachdem Jakob auf diese Weise die Häupter der 12 Stämme gesegnet und im Hinblick auf sein künftiges Begräbnis im Land der Verheißung Anweisungen gegeben hat, stirbt er im Alter von 147 Jahren. Joseph sorgt weiter bis zu seinem Tod im Alter von 110 Jahren für seine Brüder und deren Hausgemeinschaften; als er stirbt, bringt er seinen Glauben daran zum Ausdruck, daß Gott das Volk Israel wieder in sein Land bringen wird, und bittet, auch seine Gebeine mit in das Land der Verheißung zu nehmen.

      WIESO NÜTZLICH

      30. (a) Welche Grundlage zum Verständnis der späteren Bibelbücher legt das erste Buch Mose? (b) Auf welches rechte Ziel weist das erste Buch Mose hin?

      30 Als Anfang des inspirierten Wortes Gottes ist das erste Buch Mose von unschätzbarem Nutzen, weil es die großartigen Vorsätze Jehovas Gottes bekanntmacht. Welch eine Grundlage es doch zum Verständnis der späteren Bibelbücher legt! Es umfaßt einen großen Bereich und beschreibt den Anfang und das Ende einer gerechten Welt in Eden, die Entwicklung und das verheerende Hinwegspülen der ersten Welt gottloser Menschen und das Aufkommen der gegenwärtigen bösen Welt. In hervorragender Weise gibt es das Thema für die ganze Bibel an, nämlich die Rechtfertigung Jehovas durch das vom verheißenen „Samen“ regierte Königreich. Es zeigt, warum der Mensch stirbt. Von 1. Mose 3:15 an — besonders in dem Bericht über Gottes Handlungsweise mit Abraham, Isaak und Jakob — zeigt es die Hoffnung auf Leben in der neuen Welt unter dem Königreich des Samens. Es ist nützlich, weil es auf das rechte Ziel für die ganze Menschheit hinweist: die Lauterkeit zu bewahren und Jehovas Namen zu heiligen (Röm. 5:12, 18; Heb. 11:3-22, 39, 40; 12:1; Mat. 22:31, 32).

      31. Zeige durch Bezugnahme auf die Tabelle, daß das erste Buch Mose (a) bedeutungsvolle Prophezeiungen und (b) wertvolle Grundsätze enthält.

      31 Die Christlichen Griechischen Schriften erwähnen jede hervorragende Begebenheit und jede hervorragende Person, über die im ersten Buch Mose berichtet wird. Darüber hinaus haben sich die im ersten Buch Mose aufgezeichneten Prophezeiungen unfehlbar erfüllt, wie das in der ganzen Heiligen Schrift gezeigt wird. Eine dieser Erfüllungen, nämlich die Erfüllung der Prophezeiung über die „vierhundert Jahre“ der Trübsal, die über Abrahams Samen kommen sollten, begann, als Isaak im Jahre 1913 v. u. Z. von Ismael verspottet wurde, und sie endete mit der Befreiung aus Ägypten im Jahre 1513 v. u. Z.e (1. Mo. 15:13). Beispiele weiterer bedeutungsvoller Prophezeiungen und deren Erfüllung werden in der nebenstehenden Tabelle angegeben. Auch die göttlichen Grundsätze, die im ersten Buch Mose erstmals angeführt werden, sind von unermeßlichem Nutzen, um den Glauben zu stärken und das Verständnis zu mehren. Die Propheten der alten Zeit sowie Jesus und seine Jünger bezogen sich häufig auf Stellen aus dem ersten Buch Mose und wandten sie an. Wir tun gut daran, ihrem Beispiel zu folgen, und ein Studium nebenstehender Tabelle sollte uns dabei helfen.

      32. Welchen wichtigen Aufschluß enthält das erste Buch Mose über Ehe, Abstammung und die Berechnung der Zeit?

      32 Das erste Buch Mose offenbart sehr deutlich Gottes Willen und Vorsatz im Hinblick auf die Ehe, das richtige Verhältnis zwischen Mann und Frau und die Grundsätze der Leitung durch ein Haupt und der Kindererziehung. Jesus selbst verwertete diesen Aufschluß, und er zitierte in ein und derselben Äußerung aus dem ersten und auch aus dem zweiten Kapitel des ersten Buches Mose: „Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher sie schuf, sie von Anfang an männlich und weiblich gemacht hat und sprach: ‚Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird fest zu seiner Frau halten, und die zwei werden e i n Fleisch sein‘?“ (Mat. 19:4, 5; 1. Mo. 1:27; 2:24). Der Bericht im ersten Buch Mose ist unerläßlich, wenn man das Geschlechtsregister der Menschheitsfamilie angeben und auch errechnen möchte, wie lange sich der Mensch bis jetzt auf der Erde befindet (1. Mo., Kap. 5, 7, 10, 11).

      33. Nenne einige Grundsätze und Bräuche der patriarchalischen Gesellschaft, die zum Verständnis der Bibel wichtig sind.

      33 Auch das Studium der patriarchalischen Gesellschaft, das durch das erste Buch Mose ermöglicht wird, ist für den Erforscher der Heiligen Schrift von wirklichem Nutzen. Die patriarchalische Gesellschaft war die Gesellschaftsform der Familienherrschaft; sie war unter Gottes Volk von den Tagen Noahs an in Kraft, bis das Gesetz am Berg Sinai gegeben wurde. Viele in den Gesetzesbund aufgenommene Einzelheiten wurden bereits in der patriarchalischen Gesellschaft praktiziert. Grundsätze wie das Gemeinschaftsverdienst (18:32), die Gemeinschaftsverantwortung (19:15), die Todesstrafe sowie die Heiligkeit des Blutes und des Lebens (9:4-6) und Gottes Haß gegenüber der Verherrlichung von Menschen (11:4-8) haben die Menschheit während der gesamten Geschichte berührt. Viele Rechtsbräuche und -ausdrücke werfen Licht auf spätere Ereignisse, sogar bis in die Tage Jesu hinein. Das patriarchalische Gesetz, das den Schutz von Personen und Vermögen regelte (1. Mo. 31:38, 39; 37:29-33; Joh. 10:11, 15; 17:12; 18:9), und die Art, Vermögen zu übertragen (1. Mo. 23:3-18), sowie das Gesetz, das die Erbschaft jemandes bestimmte, der das Recht des Erstgeborenen bekam (48:22): all das muß man kennen, wenn man den nötigen Hintergrund haben will, um ein klares Verständnis der Bibel zu erhalten. Andere Bräuche der patriarchalischen Gesellschaft, die in das Gesetz aufgenommen wurden, waren die Opfer, die Beschneidung (zuerst Abraham geboten), das Schließen von Bündnissen, die Schwagerehe (38:8, 11, 26) und der Gebrauch von Eiden, um eine Angelegenheit zu bestätigen (22:16; 24:3).f

      34. Welche Lehren, die für Christen wertvoll sind, können aus dem Studium des ersten Buches Mose gezogen werden?

      34 Das erste Buch Mose, das einleitende Buch der Bibel, lehrt vieles in bezug auf Lauterkeit, Glauben, Treue, Gehorsam, Respekt, gute Sitten und Mut. Hier ein paar Beispiele: Henochs Glaube und Mut, angesichts gewalttätiger Feinde mit Gott zu wandeln; Noahs Gerechtigkeit, Untadeligkeit und unbedingter Gehorsam; Abrahams Glaube, seine Entschlossenheit und sein Ausharren, sein Verantwortungsbewußtsein als Familienhaupt und Lehrer der göttlichen Gebote seinen Kindern gegenüber, seine Freigebigkeit und seine Liebe; Saras Unterwürfigkeit gegenüber ihrem Mann und Haupt und ihr Fleiß; Jakobs milde Gemütsart und sein Interesse an der Verheißung Gottes; Josephs Gehorsam seinem Vater gegenüber, seine sittliche Geradheit, sein Mut, sein gutes Verhalten im Gefängnis, sein Respekt gegenüber obrigkeitlichen Gewalten, seine Demut, indem er Gott verherrlichte, und seine barmherzige Vergebung seinen Brüdern gegenüber; der brennende Wunsch all dieser Männer, Jehovas Namen zu heiligen. Diese vorbildlichen Charakterzüge treten im Leben derer hervor, die während des langen im ersten Buch Mose behandelten Zeitraums von 2 369 Jahren von der Erschaffung Adams bis zum Tode Josephs mit Gott wandelten.

      35. Worauf weist das erste Buch Mose zur Stärkung des Glaubens hin?

      35 Der Bericht im ersten Buch Mose ist nützlich, um den Glauben zu stärken, da er solch großartige Beispiele des Glaubens beschreibt, jene erprobte Eigenschaft, der Glaube, der der Stadt entgegenstrebt, die Gott erbaut und schafft, nämlich seiner Königreichsregierung, die er vor langem durch seinen Samen der Verheißung vorzubereiten begann, der in der Heiligung des großen Namens Jehovas führend voranging (Heb. 11:8, 10, 16).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 862, 863; Band 2, SCHREIBEN.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 328, 329.

      c D. E. Hart-Davies, Biblical History in the Light of Archaeological Discovery, 1934, Seite 5.

      d Der Wachtturm, 1962, Seite 488—502, 520—536.

      e Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 262, 491, 493.

      f Der Wachtturm, 1952, Seite 276—284.

      [Übersicht auf Seite 18]

      DAS ERSTE BUCH MOSE — INSPIRIERT UND NÜTZLICH

      Texte aus dem Grundsatz Hinweise anderer

      ersten Buch Mose Schreiber

      1:27; 2:24 Heiligkeit, Beständigkeit

      der Ehe Mat. 19:4, 5

      2:7 Mensch ist eine Seele 1. Kor. 15:45

      2:22, 23 Leitung durch ein Haupt 1. Tim. 2:13;

      1. Kor. 11:8

      9:4 Heiligkeit des Blutes Apg. 15:20, 29

      20:3 Ehebruch unrecht 1. Kor. 6:9

      24:3; 28:1-8 Nur einen Gläubigen heiraten 1. Kor. 7:39

      28:7 Gehorsam gegenüber Eltern Eph. 6:1

      Erfüllte Prophezeiungen und prophetische Parallelen

      12:1-3; 22:15-18 Abrahams Same identifiziert Gal. 3:16, 29

      14:18 Melchisedek stellt Christus dar Heb. 7:13-15

      16:1-4, 15 Bildliche Bedeutung Saras,

      Hagars, Ismaels, Isaaks Gal. 4:21-31

      17:11 Bildliche Bedeutung der

      Beschneidung Röm. 2:29

      49:1-28 Jakobs Segen über die Jos. 14:1 bis 21:45

      12 Stämme

      49:9 Löwe aus dem Stamm Juda Offb. 5:5

      Andere von Propheten, von Jesus und den Jüngern zur Veranschaulichung, zur Anwendung oder als Beispiele gebrauchte Texte, die ebenfalls die Glaubwürdigkeit des ersten Buches Mose beweisen

      1:1 Gott erschuf Himmel und Erde Jes. 45:18;

      Offb. 10:6

      1:26 Mensch in Gottes Bild 1. Kor. 11:7

      erschaffen

      1:27 Mensch männlich und weiblich

      erschaffen Mat. 19:4;

      Mar. 10:6

      2:2 Gott ruhte am siebten Tag Heb. 4:4

      3:1-6 Schlange betrog Eva 2. Kor. 11:3

      3:20 Ganze Menschheit stammt von

      erstem Paar ab Apg. 17:26

      4:8 Kain tötete Abel Jud. 11;

      1. Joh. 3:12

      4:9, 10 Abels Blut Mat. 23:35

      Kap. 5, 10, 11 Geschlechtsregister Luk., Kap. 3

      5:21 Henoch Jud. 14

      5:29 Noah Hes. 14:14;

      Mat. 24:37

      6:13, 17-20 Sintflut Jes. 54:9;

      2. Pet. 2:5

      12:1-3, 7 Abrahamischer Bund Gal. 3:15-17

      15:6 Glaube Abrahams Röm. 4:3;

      Jak. 2:23

      15:13, 14 Aufenthalt in Ägypten Apg 7:1-7

      18:1-5 Gastfreundschaft Heb. 13:2

      19:24, 25 Sodom und Gomorra vernichtet 2. Pet. 2:6;

      Jud. 7

      19:26 Lots Frau Luk. 17:32

      20:7 Abraham, ein Prophet Ps. 105:9, 15

      21:9 Ismael verspottet Isaak Gal. 4:29

      22:10 Abraham versucht, Isaak zu

      opfern Heb. 11:17

      25:23 Jakob und Esau Röm. 9:10-13;

      Mal. 1:2, 3

      25:32-34 Esau verkauft Erstgeburtsrecht Heb. 12:16, 17

      28:12 Verbindungsleiter zum Himmel Joh. 1:51

      37:28 Joseph nach Ägypten verkauft Ps. 105:17

      41:40 Joseph zum ersten Minister

      ernannt Ps. 105:20, 21

  • 2. Bibelbuch — 2. Mose (Exodus)
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 2. Bibelbuch — 2. Mose (Exodus)

      Schreiber: Moses

      Ort der Niederschrift: Wildnis

      Vollendung der Niederschrift: 1512 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 1657—1512 v. u. Z.

      1. (a) Was sind die Höhepunkte des zweiten Buches Mose? (b) Welche Namen sind dem zweiten Buch Mose gegeben worden, und von welchem Bericht ist es eine Fortsetzung?

      DIE herzergreifenden Berichte über folgenschwere Zeichen und Wunder, die Jehova zur Befreiung seines Namensvolkes von den Trübsalen Ägyptens bewirkte, die Tatsache, daß er Israel zu seinem besonderen Eigentum als „ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation“ ins Leben rief, und der Beginn der Geschichte Israels als eine theokratische Nation: das sind die Höhepunkte des Bibelbuches Exodus, des zweiten Buches Mose (2. Mo. 19:6). Auf hebräisch wird es Weʼélleh schemṓth genannt, was gemäß seinen ersten Worten „Dies nun sind die Namen“ bedeutet, oder einfach Schemṓth, „Namen“. Die heutige Bezeichnung Exodus stammt aus der Septuaginta, in der dieses Buch Éxodos genannt wird, was ins Lateinische mit Exodus übertragen worden ist und „Herausgehen“ oder „Auszug“ bedeutet. Daß das zweite Buch Mose eine Fortsetzung des Berichts im ersten Buch Mose ist, zeigt das einleitende Wort „... nun“ (wörtlich: „Und“) sowie das nochmalige Anführen der Namen der Söhne Jakobs, die dem vollständigeren Bericht aus 1. Mose 46:8-27 entnommen sind.

      2. Was offenbart das zweite Buch Mose über den Namen JEHOVA?

      2 Das zweite Buch Mose enthüllt Gottes großartigen Namen, JEHOVA, im vollen Glanz seiner Herrlichkeit und Heiligkeit. Als Gott daranging, die Tiefe der Bedeutung seines Namens zu zeigen, sprach er zu Moses: „ICH WERDE MICH ERWEISEN, ALS WAS ICH MICH ERWEISEN WERDE“ und fügte hinzu, er solle zu Israel sagen: „ICH WERDE MICH ERWEISEN [hebräisch: אהיה, ʼEhjéh, von dem hebräischen Verb hajáh] hat mich zu euch gesandt.“ Der Name JEHOVA (יהוה, JHWH) kommt von dem verwandten hebräischen Verb hawáh, „werden“, und bedeutet eigentlich „Er veranlaßt zu werden“. Bestimmt erhoben Jehovas mächtige und furchteinflößende Taten, die er nun im Interesse seines Volkes Israel geschehen ließ, seinen Namen und schmückten diesen Namen mit einer strahlenden Herrlichkeit, wodurch Jehova ihn zum Gedenknamen „für Generation um Generation“ machte, zu dem Namen, der bis in ewige Zeiten verehrt werden soll. Vor allem ist es für uns äußerst nützlich, die wunderbare Geschichte um diesen Namen zu erfahren und daß wir den einzig wahren Gott anbeten, der erklärt: „Ich bin Jehova.“a (2. Mo. 3:14, 15; 6:6).

      3. (a) Wieso wissen wir, daß Moses der Schreiber des zweiten Buches Mose war? (b) Wann wurde das zweite Buch Mose geschrieben, und welchen Zeitraum behandelt es?

      3 Moses ist der Schreiber des Buches Exodus, was daran zu erkennen ist, daß es der zweite Band des Pentateuchs ist. Das Buch selbst führt drei Fälle an, in denen Moses auf Gottes Anweisung hin etwas schriftlich aufzeichnete (17:14; 24:4; 34:27). Gemäß den Bibelgelehrten Westcott und Hort zitieren Jesus und die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften über 100mal aus dem zweiten Buch Mose oder beziehen sich darauf. Zum Beispiel sagte Jesus: „Hat nicht Moses euch das GESETZ gegeben?“ Das zweite Buch Mose wurde im Jahre 1512 v. u. Z. in der Wildnis Sinai geschrieben, ein Jahr nachdem die Söhne Israels Ägypten verlassen hatten. Es behandelt einen Zeitraum von 145 Jahren, vom Tod Josephs im Jahre 1657 v. u. Z. bis zur Errichtung der Stiftshütte für die Anbetung Jehovas im Jahre 1512 v. u. Z. (Joh. 7:19; 2. Mo. 1:6; 40:17).

      4, 5. Welche archäologischen Beweise unterstützen den Bericht des zweiten Buches Mose?

      4 Wenn man bedenkt, daß sich die Ereignisse des zweiten Buches Mose vor ungefähr 3 500 Jahren zugetragen haben, so gibt es erstaunlich viele archäologische und andere äußere Beweise für die Genauigkeit der Aufzeichnungen. Ägyptische Namen werden im zweiten Buch Mose richtig angewandt, und erwähnte Titel stimmen mit ägyptischen Inschriften überein. Die Archäologie zeigt, daß es bei den Ägyptern Brauch war, Ausländer in Ägypten wohnen zu lassen, aber sich von ihnen getrennt zu halten. Man badete im Nil, was daran erinnert, daß Pharaos Tochter dort badete. Es sind Ziegelsteine gefunden worden, die sowohl mit als auch ohne Stroh hergestellt wurden. Auch waren Magier führend, als sich Ägypten auf seinem Höhepunkt befand (2. Mo. 8:22; 2:5; 5:6, 7, 18; 7:11).

      5 Denkmäler zeigen, daß die Pharaonen ihre Wagenlenker selbst in die Schlacht führten, und das zweite Buch Mose läßt erkennen, daß der Pharao der Tage des Moses diesem Brauch folgte. Wie groß muß doch seine Demütigung gewesen sein! Aber wie kommt es, daß in alten ägyptischen Aufzeichnungen kein Hinweis auf den Aufenthalt der Israeliten in jenem Land oder auf das Unheil, das über Ägypten hereinbrach, zu finden ist? Die Archäologie hat gezeigt, daß neue ägyptische Dynastien die Gewohnheit hatten, in früheren Aufzeichnungen alles Unrühmliche zu streichen. Sie zeichneten niemals demütigende Niederlagen auf. Die Schläge gegen die Götter Ägyptens — wie gegen den Nilgott, den Froschgott und den Sonnengott —, durch die diese falschen Götter in Verruf gebracht wurden und Jehova als der Höchste herausgestellt wurde, wären für die Geschichtsberichte einer stolzen Nation nicht geeignet gewesen (14:7-10; 15:4).b

      6. Mit welchen Orten werden die ersten Lagerplätze der Israeliten allgemein gleichgesetzt?

      6 Durch den 40jährigen Dienst als Hirt bei Jethro wurde Moses mit den Lebensbedingungen in dem Gebiet vertraut, den Wasserstellen und Plätzen, wo es Nahrung gab, so daß er gut geeignet war, den Auszug zu leiten. Heute kann der Weg, den die Israeliten beim Auszug nahmen, nicht exakt bestimmt werden, da man nicht genau weiß, wo die verschiedenen Stätten, die im Bericht erwähnt werden, liegen. Jedoch wird Mara, einer der ersten Lagerplätze auf der Halbinsel Sinai, allgemein mit Ain Hawara, das 80 km ssö. des heutigen Sues liegt, gleichgesetzt. Elim, der zweite Lagerplatz, wird traditionsgemäß mit Wadi Garandel gleichgesetzt, das 88 km ssö. von Sues liegt. Interessanterweise ist dieser neuzeitliche Ort als Wasserstelle mit Palmen und anderer Vegetation bekannt, was an das biblische Elim erinnert, das „zwölf Wasserquellen und siebzig Palmen“ hatte.c Die Glaubwürdigkeit von Moses’ Bericht hängt jedoch nicht von archäologischen Beweisen für die verschiedenen Stätten auf dem Weg ab (15:23, 27).

      7. Welche weiteren Beweise, einschließlich des Baus der Stiftshütte, bestätigen, daß das zweite Buch Mose inspiriert ist?

      7 Der Bericht über den Bau der Stiftshütte in den Ebenen vor dem Sinai stimmt mit den örtlichen Verhältnissen überein. Ein Gelehrter erklärte: „In bezug auf Form, Aufbau und Materialien gehört die Stiftshütte durchaus zur Wildnis. Das für den Bau verwendete Holz ist dort reichlich vorhanden.“d Ob es sich um Namen, Bräuche, Religion, Orte, Geographie oder Materialien handelt, die Anhäufung äußerer Beweise bestätigt den inspirierten Bericht des zweiten Buches Mose, der jetzt ungefähr 3 500 Jahre alt ist.

      8. Wie wird gezeigt, daß das zweite Buch Mose als inspiriertes und nützliches Buch mit dem übrigen Teil der Heiligen Schrift verwoben ist?

      8 Andere Bibelschreiber nahmen ständig auf das zweite Buch Mose Bezug, was seine prophetische Bedeutung und seinen prophetischen Wert zeigt. Mehr als 900 Jahre später schrieb Jeremia über „den wahren Gott, den Großen, den Starken“, dessen Name „Jehova der Heerscharen“ ist, der daranging, sein Volk Israel „mit Zeichen und mit Wundern und mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit großer Furchteinflößung“ aus Ägypten herauszuführen (Jer. 32:18-21). Mehr als 1 500 Jahre später gründete Stephanus einen großen Teil seines aufrüttelnden Zeugnisses, das zu seinem Märtyrertod führte, auf den im zweiten Buch Mose enthaltenen Aufschluß (Apg. 7:17-44). Moses’ Leben wird für uns in Hebräer 11:23-29 als ein Beispiel des Glaubens angeführt, und Paulus bezieht sich häufig auf weitere Stellen aus dem zweiten Buch Mose, indem er Beispiele und Warnungen daraus für uns heute darlegt (Apg. 13:17; 1. Kor. 10:1-4, 11, 12; 2. Kor. 3:7-16). All das hilft uns zu erfassen, wie die einzelnen Teile der Bibel miteinander verwoben sind, wobei jeder Teil dazu beiträgt, Jehovas Vorsatz auf eine Weise zu offenbaren, die nützlich ist.

      INHALT DES ZWEITEN BUCHES MOSE

      9. Unter welchen Umständen wird Moses geboren und aufgezogen?

      9 Jehova beauftragt Moses, hebt seinen Gedenknamen hervor (1:1⁠—⁠4:31). Nachdem die Söhne Israels, die nach Ägypten hinabkamen, mit Namen genannt worden sind, berichtet das zweite Buch Mose über den Tod Josephs. Mit der Zeit erhebt sich ein neuer König über Ägypten. Als er sieht, daß sich die Israeliten „fortwährend [vermehren] und ... in außergewöhnlichem Maß mächtiger“ werden, wendet er Unterdrückungsmaßnahmen an, wozu auch Zwangsarbeit gehört, und versucht, Israels männliche Bevölkerung zu verringern, indem er die Vernichtung aller neugeborenen männlichen Kinder anordnet (1:7). Unter diesen Umständen wird einem Israeliten des Hauses Levi ein Sohn geboren. Er ist das dritte Kind in der Familie. Als er drei Monate alt ist, versteckt ihn seine Mutter in einem Papyruskästchen im Schilf am Ufer des Nil. Er wird von der Tochter Pharaos gefunden; er gefällt ihr, und sie nimmt ihn an Kindes Statt an. Seine eigene Mutter wird seine Amme und Kinderpflegerin, folglich wächst er in einem israelitischen Heim auf. Später bringt man ihn an Pharaos Hof. Er wird Moses genannt, was „Herausgezogen [d. h. aus dem Wasser errettet]“ bedeutet (2. Mo. 2:10; Apg. 7:17-22).

      10. Welche Ereignisse führen dazu, daß Moses mit einem besonderen Dienst beauftragt wird?

      10 Dieser Moses ist an dem Wohlergehen seiner Mitisraeliten interessiert. Er tötet einen Ägypter, weil dieser einen Israeliten mißhandelt. Daraufhin muß er fliehen und kommt so in das Land Midian. Dort heiratet er Zippora, die Tochter Jethros, des Priesters von Midian. Mit der Zeit wird Moses Vater von zwei Söhnen, Gerschom und Elieser. Dann wird Moses im Alter von 80 Jahren, nachdem er 40 Jahre in der Wildnis zugebracht hat, von Jehova zu einem besonderen Dienst in Verbindung mit der Heiligung des Namens Jehovas beauftragt. Während Moses eines Tages nahe am Horeb, dem „Berg des wahren Gottes“, Jethros Kleinviehherde hütet, sieht er einen Dornbusch, der in Flammen steht, aber nicht verzehrt wird. Als er hingeht, um nachzuforschen, wird er von einem Engel Jehovas angesprochen, der ihm von Gottes Vorsatz erzählt, sein Volk, „die Söhne Israels, aus Ägypten“ herauszuführen (2. Mo. 3:1, 10). Moses soll als Jehovas Werkzeug zur Befreiung der Israeliten aus ägyptischer Knechtschaft gebraucht werden (Apg. 7:23-35).

      11. In welchem besonderen Sinne macht Jehova nun seinen Namen bekannt?

      11 Dann fragt Moses, wie er den Söhnen Israels erklären soll, wer Gott ist. Hier macht Jehova zum erstenmal die wirkliche Bedeutung seines Namens bekannt, indem er ihn mit seinem bestimmten Vorsatz in Verbindung bringt und ihn als Gedenknamen bezeichnet. „Dieses sollst du zu den Söhnen Israels sagen: ‚ICH WERDE MICH ERWEISEN hat mich zu euch gesandt. ... Jehova, der Gott eurer Vorväter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt.‘ “ Sein Name Jehova kennzeichnet ihn als denjenigen, der veranlassen wird, daß seine Vorsätze in Verbindung mit seinem Namensvolk ausgeführt werden. Diesem Volk, den Nachkommen Abrahams, wird er das Land geben, das er ihren Vorvätern verheißen hat, „ein Land, das von Milch und Honig fließt“ (2. Mo. 3:14, 15, 17).

      12. Was erklärt Jehova Moses bezüglich der Befreiung der Israeliten, und wie nimmt das Volk die Zeichen auf?

      12 Jehova erklärt Moses, daß der König von Ägypten die Israeliten nicht ziehen lassen wird, sondern daß er Ägypten erst mit all seinen Wundertaten schlagen muß. Moses erhält seinen Bruder, Aaron, als Wortführer, und sie werden befähigt, drei Zeichen zu vollbringen, um die Israeliten davon zu überzeugen, daß sie im Namen Jehovas kommen. Auf dem Weg nach Ägypten muß Moses’ Sohn beschnitten werden, damit ein Todesfall in der Familie verhindert wird; das erinnert Moses an Gottes Anforderungen (1. Mo. 17:14). Moses und Aaron versammeln die älteren Männer der Söhne Israels und setzen sie davon in Kenntnis, daß Jehova vorhat, sie aus Ägypten herauszuführen und in das Land der Verheißung zu bringen. Sie vollbringen die Zeichen, und das Volk glaubt ihnen.

      13. Wie verläuft Moses’ erste Begegnung mit Pharao?

      13 Die Schläge über Ägypten (5:1⁠—⁠10:29). Moses und Aaron gehen jetzt zu Pharao hinein und verkünden, daß Jehova, der Gott Israels, gesagt hat: „Sende mein Volk weg.“ In verächtlichem Ton erwidert der stolze Pharao: „Wer ist Jehova, daß ich seiner Stimme gehorchen und Israel wegsenden sollte? Ich kenne Jehova überhaupt nicht, und außerdem werde ich Israel nicht wegsenden“ (5:1, 2). Statt die Israeliten freizulassen, auferlegt er ihnen noch härtere Arbeiten. Jehova erneuert jedoch seine Verheißungen der Befreiung und verbindet diese wiederum mit der Heiligung seines Namens: „Ich bin Jehova, ... ich werde mich wirklich als euer Gott erweisen ... Ich bin Jehova“ (6:6-8).

      14. Wie werden die Ägypter genötigt, den „Finger Gottes“ anzuerkennen?

      14 Das Zeichen, das Moses vor Pharao vollbringt, indem er Aaron seinen Stab hinwerfen läßt, so daß dieser zu einer großen Schlange wird, wird von den Magie treibenden Priestern Ägyptens nachgeahmt. Obwohl ihre Schlangen von Aarons großer Schlange verschlungen werden, wird Pharaos Herz dennoch verstockt. Nun geht Jehova dazu über, zehn aufeinanderfolgende schwere Schläge über Ägypten zu bringen. Zuerst werden der Nil und alle übrigen Gewässer Ägyptens zu Blut. Dann kommt eine Froschplage über die Ägypter. Diese beiden Schläge werden von den Magie treibenden Priestern nachgeahmt, nicht aber der dritte Schlag, der in Form von Stechmücken über Mensch und Tier kommt. Die Priester Ägyptens müssen anerkennen, daß dies „der Finger Gottes“ ist. Der Pharao will Israel jedoch nicht freilassen (8:19).

      15. Von welchen Schlägen werden nur die Ägypter heimgesucht, und nur warum läßt Jehova Pharao bestehen?

      15 Die ersten drei Schläge kommen gleichermaßen über Ägypter und Israeliten, aber vom vierten Schlag an werden nur die Ägypter heimgesucht, wohingegen Israel unter Jehovas Schutz steht. Er besteht in großen Schwärmen von Bremsen. Dann kommt die Pest über den ganzen Viehbestand Ägyptens, worauf Beulen und Blasen folgen, die an Mensch und Tier ausbrechen, so daß sogar die Magie treibenden Priester nicht in der Lage sind, vor Moses zu stehen. Jehova läßt Pharaos Herz wiederum verstockt werden und erklärt ihm durch Moses: „Aber, in der Tat, deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Macht zu zeigen und damit man meinen Namen verkündet auf der ganzen Erde“ (9:16). Dann kündigt Moses Pharao den nächsten Schlag an, einen „sehr schweren Hagel“, und hier bringt die Bibel erstmalig zum Ausdruck, daß einige von Pharaos Dienern Jehovas Wort fürchten und daraufhin handeln. Der achte und der neunte Schlag — das Eindringen von Heuschrecken und eine tiefe Finsternis — folgen dicht aufeinander, so daß der verstockte, wütende Pharao Moses mit dem Tod droht, falls er versuchen sollte, sein Angesicht wiederzusehen (9:18).

      16. Was gebietet Jehova im Hinblick auf das Passah und das Fest der ungesäuerten Brote?

      16 Das Passah und das Schlagen der Erstgeburt (11:1⁠—⁠13:16). Jetzt erklärt Jehova: „Noch e i n e Plage werde ich über Pharao und Ägypten bringen“ — den Tod der Erstgeburt (11:1). Er ordnet an, daß der Monat Abib für die Israeliten der erste Monat sein soll. Am 10. Tag sollen sie einen einjährigen makellosen Schaf- oder Ziegenbock nehmen und ihn am vierzehnten Tag töten. Am Abend dieses Tages sollen sie das Blut des Tieres nehmen und an die beiden Türpfosten und an den oberen Teil des Türeingangs spritzen, und dann müssen sie im Haus bleiben und das gebratene Tier, dem kein einziger Knochen gebrochen werden darf, essen. Es darf kein Sauerteig im Haus sein, und sie sollen in Eile essen — angezogen und abmarschbereit. Das Passah soll zum Gedenken dienen: ein Fest für Jehova alle Generationen hindurch. Darauf soll das siebentägige Fest der ungesäuerten Brote folgen. Ihre Söhne sollen über die Bedeutung all dessen ausführlich unterrichtet werden. (Später erteilt Jehova weitere Anweisungen im Hinblick auf diese Feste, und er gebietet, daß alle zu Israel gehörenden männlichen Erstgeborenen, sowohl Mensch als auch Tier, ihm geheiligt werden sollen.)

      17. Welche Ereignisse kennzeichnen dies als eine Nacht, deren gedacht werden sollte?

      17 Israel tut, wie Jehova gebietet. Dann bricht das Unheil herein. Um Mitternacht tötet Jehova alle Erstgeborenen Ägyptens, während er an den Erstgeborenen Israels vorübergeht und sie befreit. „Zieht weg aus der Mitte meines Volkes“, schreit Pharao. Und „die Ägypter ... [beginnen] das Volk zu drängen“, schnell wegzuziehen (12:31, 33). Die Israeliten gehen nicht mit leeren Händen weg, sondern erbitten und erhalten von den Ägyptern Gegenstände aus Silber und aus Gold sowie Kleidung. Mit 600 000 kräftigen Männern ziehen sie in Schlachtordnung zusammen mit ihren Familien und einem großen Mischvolk von Nichtisraeliten sowie einem zahlreichen Bestand an Tieren aus Ägypten aus. Das kennzeichnet das Ende von 430 Jahren, die begannen, als Abraham den Euphrat überquerte und in das Land Kanaan kam. Das ist wirklich eine Nacht, deren gedacht werden sollte (2. Mo. 12:40, zweite Fußnote; Gal. 3:17).

      18. Welche einzigartige Heiligung des Namens Jehovas findet am Roten Meer statt?

      18 Jehovas Name am Roten Meer geheiligt (13:17 bis 15:21). Jehova leitet die Israeliten — bei Tag in einer Wolkensäule und bei Nacht in einer Feuersäule — und führt sie auf dem Weg, der über Sukkoth führt, heraus. Wieder wird Pharao verstockt, er verfolgt die Israeliten mit seinen auserlesenen Kriegswagen, und am Roten Meer glaubt er sie in einer Falle. Moses beruhigt das Volk und sagt: „Fürchtet euch nicht. Steht fest und seht die Rettung Jehovas, die er euch heute schaffen wird“ (14:13). Jehova läßt dann das Meer zurückgehen, wodurch ein Fluchtkorridor gebildet wird, durch den Moses die Israeliten sicher an das Ostufer führt. Pharaos mächtige Heere stürmen ihnen nach, doch nur, um gefangen und in den zurückflutenden Wassern ertränkt zu werden. Welch ein Höhepunkt der Heiligung des Namens Jehovas! Welch großartiger Anlaß, sich in ihm zu freuen! Diese Freude wird dann im ersten großen Siegeslied der Bibel zum Ausdruck gebracht: „Singen will ich Jehova, denn er hat sich hoch erhaben gezeigt. Das Roß und seinen Reiter hat er ins Meer gestürzt. Meine Stärke und meine Macht ist Jah, denn er gereicht mir zur Rettung. ... Jehova wird als König regieren auf unabsehbare Zeit, ja immerdar“ (15:1, 2, 18).

      19. Welche Ereignisse kennzeichnen die Wanderung zum Sinai?

      19 Jehova schließt am Sinai den Gesetzesbund (15:22⁠—⁠34:35). Abschnitt für Abschnitt wandert Israel, so wie Jehova es leitet, auf den Sinai zu, den Berg des wahren Gottes. Als das Volk über das bittere Wasser in Mara murrt, macht Jehova es für die Israeliten süß. Als sie wiederum murren, diesmal über den Mangel an Fleisch und Brot, beschafft er ihnen am Abend Wachteln und am Morgen — wie Tau auf dem Erdboden — das süßliche Manna. Dieses Manna soll den Israeliten für die nächsten 40 Jahre als Brot dienen. Auch ordnet Jehova zum erstenmal in der Geschichte das Einhalten eines Ruhetages oder Sabbats an, indem er die Israeliten am sechsten Tag die doppelte Menge Manna auflesen läßt und am siebten Tag die Versorgung zurückhält. Auch bringt er in Rephidim Wasser für sie hervor, und er kämpft für sie gegen Amalek, worauf er Moses sein Urteil aufzeichnen läßt, daß Amalek gänzlich ausgerottet werden wird.

      20. Wie kommt eine bessere Organisation zustande?

      20 Dann bringt Jethro, Moses’ Schwiegervater, Moses’ Frau und zwei Söhne zu Moses. Jetzt ist die Zeit für eine bessere Organisation in Israel gekommen, und Jethro steuert guten, praktischen Rat bei. Er rät Moses, nicht die ganze Last selbst zu tragen, sondern fähige, gottesfürchtige Männer zu ernennen, die als Oberste über Tausendschaften, Hundertschaften, Fünfzigschaften und Zehnerschaften das Volk richten sollen. Moses tut dies, so daß jetzt nur noch die schwierigen Fälle vor ihn kommen.

      21. Welche Verheißung gibt Jehova als nächstes, aber mit welchen Bedingungen?

      21 Innerhalb von drei Monaten nach dem Auszug lagern die Israeliten in der Wildnis Sinai. Jehova verheißt hier: „Und nun, wenn ihr meiner Stimme genau gehorchen und meinen Bund wirklich halten werdet, dann werdet ihr bestimmt mein besonderes Eigentum aus allen anderen Völkern werden, denn die ganze Erde gehört mir. Und ihr, ihr werdet mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation werden.“ Das Volk gelobt: „Alles, was Jehova geredet hat, wollen wir tun“ (19:5, 6, 8). Nach einer Zeit der Heiligung für Israel kommt Jehova am dritten Tag auf den Berg herab, so daß dieser raucht und zittert.

      22. (a) Welche Gebote sind in den Zehn Worten enthalten? (b) Welche weiteren richterlichen Entscheidungen werden Israel vorgelegt, und wie wird die Nation in den Gesetzesbund aufgenommen?

      22 Dann geht Jehova daran, die Zehn Worte oder Zehn Gebote zu geben. Diese betonen ausschließliche Ergebenheit gegenüber Jehova, während sie andere Götter, die Bilderanbetung und den unwürdigen Gebrauch des Namens Jehovas verbieten. Den Israeliten wird geboten, sechs Tage lang Dienst zu leisten und dann für Jehova einen Sabbat zu halten sowie Vater und Mutter zu ehren. Gesetze gegen Mord, Ehebruch, Stehlen, falsches Zeugnis und Habgier vervollständigen die Zehn Worte. Dann geht Jehova dazu über, ihnen richterliche Entscheidungen vorzulegen, Anweisungen für die neue Nation, in denen Sklaverei, Überfall, Verletzungen, Ersatz, Diebstahl, Feuerschaden, falsche Anbetung, Verführung, schlechte Behandlung von Witwen und Waisen, Darlehen und vieles andere behandelt wird. Für die Anbetung Jehovas werden Sabbatgesetze gegeben und drei jährliche Feste eingeführt. Dann schreibt Moses die Worte Jehovas nieder, es werden Opfer dargebracht, und die Hälfte des Blutes wird auf den Altar gesprengt. Dem Volk wird das Buch des Bundes vorgelesen, und nachdem die Israeliten nochmals ihre Bereitwilligkeit zu gehorchen bestätigt haben, wird das übrige Blut auf das Buch und auf das ganze Volk gesprengt. Auf diese Weise schließt Jehova den Gesetzesbund mit Israel durch den Mittler Moses (Heb. 9:19, 20).

      23. Welche Anweisungen gibt Jehova Moses auf dem Berg?

      23 Dann geht Moses zu Jehova auf den Berg, um das Gesetz zu empfangen. Im Laufe von 40 Tagen und Nächten bekommt er viele Anweisungen in bezug auf die Materialien für die Stiftshütte, die Einzelheiten ihrer Einrichtungsgegenstände, genaue Einzelangaben für die Stiftshütte selbst und den Entwurf für die priesterlichen Kleider, einschließlich des Stirnblattes aus purem Gold mit der Inschrift „Heiligkeit gehört Jehova“ an Aarons Turban. Die Einsetzung und der Dienst der Priesterschaft werden ausführlich behandelt, und Moses wird daran erinnert, daß der Sabbat „auf unabsehbare Zeit“ ein Zeichen zwischen Jehova und den Söhnen Israels sein wird. Dann bekommt Moses die beiden von „Gottes Finger“ beschriebenen Tafeln des Zeugnisses (2. Mo. 28:36; 31:17, 18).

      24. (a) Welche Sünde begeht das Volk, und was ist die Folge? (b) Wie offenbart Jehova als nächstes seinen Namen und seine Herrlichkeit gegenüber Moses?

      24 In der Zwischenzeit wird das Volk ungeduldig und bittet Aaron, einen Gott zu machen, der dem Volk vorangehen soll. Aaron tut das, indem er ein goldenes Kalb macht, das von dem Volk bei einem, wie er es nennt, „Fest für Jehova“ angebetet wird (32:5). Jehova spricht davon, Israel zu vertilgen, aber Moses verwendet sich für die Israeliten, obwohl auch er in glühendem Zorn die Tafeln zertrümmert. Die Söhne Levis nehmen jetzt auf der Seite der reinen Anbetung Stellung und töten 3 000 Feiernde. Auch bringt Jehova eine Plage über Israel. Nachdem Moses Gott angefleht hat, sein Volk weiterhin zu führen, wird ihm gesagt, daß er einen Schimmer der Herrlichkeit Gottes erblicken darf, und er wird angewiesen, zwei weitere Tafeln auszuhauen, auf welche Jehova nochmals die Zehn Worte schreiben will. Als Moses zum zweitenmal auf den Berg hinaufsteigt, verkündet Jehova ihm den Namen Jehovas, während er vorübergeht: „Jehova, Jehova, ein Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit, der Tausenden liebende Güte bewahrt“ (34:6, 7). Danach gibt er die Bestimmungen seines Bundes an, und Moses schreibt sie so nieder, wie wir sie heute im zweiten Buch Mose haben. Als Moses wieder vom Berg Sinai herabkommt, wirft die Haut seines Angesichts Strahlen wegen Jehovas geoffenbarter Herrlichkeit. Daher muß er einen Schleier über sein Angesicht legen (2. Kor. 3:7-11).

      25. Was sagt der Bericht über die Stiftshütte und die weitere Kundgebung der Herrlichkeit Jehovas?

      25 Bau der Stiftshütte (35:1⁠—⁠40:38). Dann ruft Moses das Volk zusammen und teilt den Israeliten Jehovas Worte mit und sagt ihnen, daß diejenigen, die willigen Herzens sind, das Vorrecht haben, Beiträge für die Stiftshütte zu leisten, und daß die, die weisen Herzens sind, das Vorrecht haben, die Arbeit daran zu verrichten. Bald wird Moses berichtet: „Das Volk bringt viel mehr als das, was der Dienst für das Werk erfordert, das Jehova zu tun geboten hat“ (36:5). Unter Moses’ Leitung gehen Arbeiter, die mit Jehovas Geist erfüllt sind, daran, die Stiftshütte und ihre Einrichtungsgegenstände zu bauen und all die Kleider für die Priester zu machen. Ein Jahr nach dem Auszug wird die Stiftshütte vollendet und in der Ebene vor dem Berg Sinai aufgerichtet. Jehova zeigt sein Wohlgefallen, indem er das Zelt der Zusammenkunft mit seiner Wolke bedeckt und die Stiftshütte mit seiner Herrlichkeit erfüllt, so daß Moses das Zelt nicht betreten kann. Während all der Wanderungen der Israeliten zeigen dieselbe Wolke bei Tag und ein Feuer bei Nacht an, daß Jehova sein Volk führt. Es ist jetzt das Jahr 1512 v. u. Z., und hier endet der Bericht des zweiten Buches Mose, nun, da der Name Jehovas durch Jehovas wunderbare Werke, die er in Israels Interesse vollbracht hat, auf ruhmvolle Weise geheiligt ist.

      WIESO NÜTZLICH

      26. (a) Wie begründet das zweite Buch Mose den Glauben an Jehova? (b) Wie lassen Bezugnahmen der Christlichen Griechischen Schriften auf das zweite Buch Mose unseren Glauben zunehmen?

      26 Das zweite Buch Mose offenbart uns Jehova als den großen Befreier und Organisator und als Erfüller seiner großartigen Vorsätze auf hervorragende Weise, und es begründet unseren Glauben an ihn. Dieser Glaube nimmt zu, wenn wir in den Christlichen Griechischen Schriften die vielen Bezugnahmen auf das zweite Buch Mose studieren, die auf Erfüllungen vieler Merkmale des Gesetzesbundes hinweisen, auf die zugesicherte Auferstehung, auf Jehovas Fürsorge, sein Volk zu erhalten, auf Präzedenzfälle für christliche Hilfsmaßnahmen, auf Rat über Rücksicht gegenüber Eltern, auf die Erfordernisse zum Erlangen von Leben sowie darauf, wie die ausgleichende Gerechtigkeit anzusehen ist. Schließlich wurde das Gesetz in zwei Geboten zusammengefaßt, nämlich Liebe zu Gott und zum Nächsten zu bekunden (Mat. 22:32 — 2. Mo. 4:5; Joh. 6:31-35 und 2. Kor. 8:15 — 2. Mo. 16:4, 18; Mat. 15:4 und Eph. 6:2 — 2. Mo. 20:12; Mat. 5:26, 38, 39 — 2. Mo. 21:24; Mat. 22:37-40).

      27. Von welchem Nutzen ist der Geschichtsbericht im zweiten Buch Mose für den Christen?

      27 In Hebräer 11:23-29 lesen wir vom Glauben des Moses und von dem Glauben seiner Eltern. Durch Glauben verließ er Ägypten, durch Glauben feierte er das Passah, und durch Glauben führte er Israel durch das Rote Meer. Die Israeliten wurden in Moses getauft und aßen geistige Speise und tranken geistigen Trank. Sie sahen dem geistigen Felsen oder Christus entgegen; aber trotzdem hatten sie nicht das Wohlgefallen Gottes, denn sie stellten Gott auf die Probe und wurden Götzendiener, Ehebrecher und Murrende. Paulus erklärt, daß dies heute für Christen eine Anwendung hat: „Diese Dinge nun widerfuhren ihnen fortgesetzt als Vorbilder, und sie sind zur Warnung für uns geschrieben worden, auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind. Wer daher denkt, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle“ (1. Kor. 10:1-12; Heb. 3:7-13).

      28. Wie sind der Schatten des Gesetzes und der Schatten des Passahlammes Wirklichkeit geworden?

      28 Ein großer Teil der tiefen geistigen Bedeutung des zweiten Buches Mose und seine prophetische Anwendung wird in den Schriften des Paulus, besonders in Hebräer, Kapitel 9 und 10, vermittelt. „Denn da das GESETZ einen Schatten der künftigen guten Dinge, nicht aber das Wesen der Dinge selbst hat, können die Menschen niemals mit den gleichen Schlachtopfern, die sie fortgesetzt Jahr für Jahr darbringen, die Hinzutretenden vollkommen machen“ (Heb. 10:1). Deshalb sind wir daran interessiert, den Schatten kennenzulernen und die Wirklichkeit zu verstehen. Christus „hat für immer ein einziges Schlachtopfer für Sünden dargebracht“. Er wird als „das Lamm Gottes“ beschrieben. Wie im Vorbild wurde kein Knochen dieses „Lammes“ gebrochen. Der Apostel Paulus gibt folgende Erläuterung: „Christus, unser Passah, ist tatsächlich geopfert worden. Darum laßt uns das Fest nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Schlechtigkeit und Bosheit begehen, sondern mit ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit“ (Heb. 10:12; Joh. 1:29 und 19:36 — 2. Mo. 12:46; 1. Kor. 5:7, 8 — 2. Mo. 23:15).

      29. (a) Stelle den Gesetzesbund dem neuen Bund gegenüber. (b) Welche Schlachtopfer bringen geistige Israeliten Gott jetzt dar?

      29 Jesus wurde der Mittler eines neuen Bundes, so wie Moses Mittler des Gesetzesbundes war. Der Gegensatz zwischen diesen Bündnissen wird ebenfalls vom Apostel Paulus deutlich erklärt, der von der ‘handschriftlichen Urkunde, die aus Verordnungen bestand’, spricht, die durch Jesu Tod am Marterpfahl aus dem Weg geräumt wurde. Der auferstandene Jesus ist als Hoherpriester ein „öffentlicher Diener der heiligen Stätte und des wahren Zeltes, das Jehova aufschlug und nicht ein Mensch“. Die Priester unter dem Gesetz verrichteten „den heiligen Dienst in einer sinnbildlichen Darstellung und einem Schatten der himmlischen Dinge“ gemäß dem Muster, das von Moses gegeben wurde. „Nun hat aber Jesus einen vorzüglicheren öffentlichen Dienst erlangt, so daß er auch der Mittler eines entsprechend besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheißungen gesetzlich festgelegt worden ist.“ Der frühere Bund veraltete und wurde als ein Recht, das dem Tod dient, hinweggetan. Die Juden, die das nicht verstanden, werden als solche beschrieben, deren Wahrnehmungsvermögen abgestumpft ist, die Gläubigen aber, die sich dessen bewußt sind, daß das geistige Israel unter einen neuen Bund gekommen ist, können „mit unverhülltem Angesicht wie Spiegel die Herrlichkeit Jehovas widerstrahlen“, da sie als Diener dieses Bundes hinreichend befähigt sind. Mit gereinigtem Gewissen sind sie in der Lage, ihr eigenes „Schlachtopfer der Lobpreisung“ darzubringen, „das ist die Frucht der Lippen, die eine öffentliche Erklärung für seinen Namen abgeben“ (Kol. 2:14; Heb. 8:1-6, 13; 2. Kor. 3:6-18; Heb. 13:15; 2. Mo. 34:27-35).

      30. Was stellte die Befreiung Israels und die Verherrlichung des Namens Jehovas in Ägypten vorbildhaft dar?

      30 Das zweite Buch Mose verherrlicht Jehovas Namen und Souveränität, indem es auf die herrliche Befreiung der christlichen Nation des geistigen Israel hinweist. Dieser Nation wird gesagt: „Ihr ... seid ‚ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum besonderen Besitz, damit ihr die Vorzüglichkeiten‘ dessen ‚weit und breit verkündet‘, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat. Denn einst wart ihr kein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk.“ Wenn Jehova zur Verherrlichung seines Namens durch das Versammeln seines geistigen Israel aus der Welt seine Macht beweist, so ist sie nicht weniger wunderbar als die Macht, die er zugunsten seines Volkes im alten Ägypten bewies. Dadurch, daß Jehova Pharao am Dasein erhielt, um ihm seine Macht zu zeigen und damit sein Name verkündet werde, stellte er vorbildhaft ein weit größeres Zeugnis dar, das durch seine christlichen Zeugen gegeben werden sollte (1. Pet. 2:9, 10; Röm. 9:17; Offb. 12:17).

      31. Worauf wurde im zweiten Buch Mose in bezug auf ein Königreich und die Gegenwart Jehovas im voraus hingewiesen?

      31 Daher können wir anhand der Heiligen Schrift sagen, daß durch die unter Moses gebildete Nation auf eine neue Nation unter Christus und auf ein Königreich hingewiesen wurde, das nie erschüttert werden wird. Angesichts dessen werden wir ermuntert, „Gott auf annehmbare Weise heiligen Dienst“ darzubringen „mit Gottesfurcht und Scheu“. Jehova verheißt, daß er ewig bei denen sein wird, die ihn fürchten, so wie seine Gegenwart die Stiftshütte in der Wildnis bedeckte: „Siehe! Das Zelt Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen weilen, und sie werden seine Völker sein. Und Gott selbst wird bei ihnen sein. ... ‚Schreibe, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.‘ “ Das zweite Buch Mose ist bestimmt ein wesentlicher und nützlicher Teil des Bibelberichts (2. Mo. 19:16-19 — Heb. 12:18-29; 2. Mo. 40:34 — Offb. 21:3, 5).

      [Fußnoten]

      a 2. Mose 3:14, Fußnote; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1286, 1287.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 532, 535; J. P. Free, Archaeology and Bible History, 1964, Seite 98.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 540, 541.

      d F. C. Cook, Exodus, 1874, Seite 247.

  • 3. Bibelbuch — 3. Mose (Levitikus)
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 3. Bibelbuch — 3. Mose (Levitikus)

      Schreiber: Moses

      Ort der Niederschrift: Wildnis

      Vollendung der Niederschrift: 1512 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 1 Monat (1512 v. u. Z.)

      1. (a) Weshalb ist die Bezeichnung Levitikus passend? (b) Welche anderen Bezeichnungen sind dem Buch gegeben worden?

      DAS dritte Buch der Bibel, meistens als das dritte Buch Mose bezeichnet, wird auch Levitikus genannt; dieses Wort kommt von dem Leuitikón der griechischen Septuaginta über das Leviticus der lateinischen Vulgata. Diese Bezeichnung ist passend, obgleich die Leviten nur beiläufig erwähnt werden (25:32, 33), denn das Buch besteht hauptsächlich aus Bestimmungen der levitischen Priesterschaft, die aus dem Stamm Levi ausgewählt wurde, und den Gesetzen, die die Priester das Volk lehrten: „Denn die Lippen eines Priesters sind es, die Erkenntnis bewahren sollten, und das Gesetz sollte man aus seinem Mund suchen“ (Mal. 2:7). Im hebräischen Text wird das Buch nach seinem einleitenden Ausdruck Wajjiqráʼ genannt, was wörtlich „Und dann rief er“ bedeutet. Später wurde das Buch unter den Juden auch als „Gesetz der Priester“ oder als „Gesetz der Opfer“ bezeichnet (3. Mo. 1:1, Fußnote).

      2. Welche Beweise bestätigen, daß Moses der Schreiber war?

      2 Es steht außer Zweifel, daß Moses den Levitikus geschrieben hat. Die Schlußschrift oder der Kolophon bemerkt: „Dies sind die Gebote, die Jehova Moses ... gab“ (27:34). Eine ähnliche Bemerkung ist in 3. Mose 26:46 zu finden. Die zuvor erwähnten Beweise, daß Moses die Genesis und den Exodus geschrieben hat, bestätigen auch, daß er den Levitikus schrieb, da der Pentateuch ursprünglich offensichtlich e i n e Buchrolle war. Außerdem ist das dritte Buch Mose durch die Konjunktion „und“ mit den vorangehenden Büchern verbunden. Der überzeugendste aller Beweise ist, daß Jesus Christus und andere inspirierte Diener Jehovas häufig die Gesetze und Grundsätze aus dem dritten Buch Mose zitieren oder darauf Bezug nehmen und sie Moses zuschreiben (3. Mo. 23:34, 40-43 — Neh. 8:14, 15; 3. Mo. 14:1-32 — Mat. 8:2-4; 3. Mo. 12:2 — Luk. 2:22; 3. Mo. 12:3 — Joh. 7:22; 3. Mo. 18:5 — Röm. 10:5).

      3. Welchen Zeitraum behandelt das dritte Buch Mose?

      3 Welchen Zeitraum behandelt das dritte Buch Mose? Das zweite Buch Mose schließt mit dem Aufstellen der Stiftshütte „im ersten Monat, im zweiten Jahr, am ersten Tag des Monats“. Das vierte Buch Mose (das unmittelbar auf den Levitikusbericht folgt) beginnt damit, daß Jehova „am ersten Tag des zweiten Monats im zweiten Jahr nach ihrem Auszug aus dem Land Ägypten“ zu Moses redet. Daraus folgt, daß für die wenigen Ereignisse des dritten Buches Mose nicht mehr als ein Mondmonat verstrichen sein konnte; denn der größte Teil des Buches besteht aus Gesetzen und Bestimmungen (2. Mo. 40:17; 4. Mo. 1:1; 3. Mo. 8:1 bis 10:7; 24:10-23).

      4. Wann wurde Levitikus geschrieben?

      4 Wann schrieb Moses den Levitikus? Es ist vernünftig zu folgern, daß er Geschehnisse aufzeichnete, sobald sie stattfanden, und Gottes Anweisungen niederschrieb, sobald er sie erhielt. Darauf deutet das Gebot Gottes hin, wonach Moses den Untergang der Amalekiter niederschreiben sollte, gleich nachdem Israel sie in der Schlacht besiegt hatte. Ein früher Zeitpunkt wird auch durch bestimmte Angelegenheiten in dem Buch angedeutet. Zum Beispiel wurde den Israeliten geboten, Tiere, die sie als Nahrung verwenden wollten, zum Schlachten an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft zu bringen. Dieses Gebot muß kurz nach der Einsetzung der Priesterschaft gegeben und aufgezeichnet worden sein. Es werden viele Anweisungen gegeben, durch die die Israeliten auf ihrer Wanderung durch die Wildnis geleitet werden sollten. All das weist darauf hin, daß Moses den Levitikus während des Jahres 1512 v. u. Z. geschrieben hat (2. Mo. 17:14; 3. Mo. 17:3, 4; 26:46).

      5. Welchem Zweck dienten die Gesetze hinsichtlich der Schlachtopfer und der zeremoniellen Unreinheit?

      5 Warum wurde das dritte Buch Mose geschrieben? Jehova wollte sich eine heilige Nation, ein geheiligtes Volk, für seinen Dienst absondern. Seit der Zeit Abels hatten treue Männer Gottes Jehova Schlachtopfer dargebracht, doch erst der Nation Israel gab Jehova ausdrückliche Anweisungen in bezug auf Sündopfer und andere Schlachtopfer. Diese Opfer, die im dritten Buch Mose ausführlich erklärt werden, machten den Israeliten die überaus große Sündhaftigkeit der Sünde bewußt, und ihnen wurde eingeprägt, wie sehr sie Jehova durch die Sünde mißfielen. Diese Verordnungen, die Teil des Gesetzes waren, dienten daher als Erzieher, der die Juden zu Christus führte, da sie ihnen zeigten, daß sie einen Retter benötigten, und gleichzeitig dazu, sie als ein Volk von der übrigen Welt getrennt zu halten. Dem letzteren Zweck dienten besonders Gottes Gesetze bezüglich der zeremoniellen Reinheit (3. Mo. 11:44; Gal. 3:19-25).

      6. Weshalb war es jetzt besonders notwendig, daß Jehova sie genau leitete?

      6 Als eine neue Nation, die einem neuen Land entgegenzog, benötigten die Israeliten eine geeignete Leitung. Seit ihrem Auszug war noch kein volles Jahr vergangen, und sie hatten den Lebensstandard Ägyptens sowie dessen religiöse Bräuche noch gut im Sinn. Die Heirat zwischen Bruder und Schwester war in Ägypten üblich. Es wurde falsche Anbetung zu Ehren vieler Götter, auch einiger Tiergötter, ausgeübt. Jetzt war diese große Versammlung auf ihrem Weg nach Kanaan, wo das Leben und die religiösen Bräuche sogar noch schändlicher waren. Aber man betrachte nochmals das Lager Israels. Ein beträchtlicher Teil der Versammlung waren Ägypter oder ägyptische Mischlinge, die als Mischvolk mitten unter den Israeliten lebten und die von ägyptischen Eltern aufgezogen und in den Gewohnheiten, der Religion und dem Patriotismus der Ägypter erzogen worden waren. Viele von ihnen hatten sich zweifellos noch kurz vorher in ihrer Heimat abscheulichen Bräuchen hingegeben. Wie notwendig war es doch, daß Jehova sie jetzt genau leitete.

      7. Auf welche Weise tragen die Bestimmungen im dritten Buch Mose den Stempel göttlicher Urheberschaft?

      7 Das dritte Buch Mose trägt durch und durch den Stempel göttlicher Inspiration. Menschen hätten die weisen und gerechten Gesetze und Bestimmungen dieses Buches nicht ersinnen können. Seine Verordnungen in bezug auf Speise, Krankheiten, Quarantäne und Behandlung von Leichen offenbaren eine Kenntnis von Tatsachen, die von weltlichen Medizinern erst Tausende von Jahren später richtig erfaßt wurden. Gottes Gesetz bezüglich des Essens unreiner Tiere schützte die Israeliten auf ihrer Wanderung. Es bewahrte sie vor Trichinose durch Schweine, Typhus und Paratyphus durch bestimmte Fische und Infektionen durch Tiere, die tot aufgefunden wurden. Diese praktischen Gesetze sollten ihre Religion und ihr Leben bestimmen, damit sie eine heilige Nation bleiben könnten und das Land der Verheißung erreichten und bewohnten. Die Geschichte zeigt, daß die von Jehova erlassenen Bestimmungen den Juden einen entschiedenen Vorteil gegenüber andern Völkern in bezug auf die Gesundheit brachten.

      8. Wie beweist ferner der prophetische Inhalt des dritten Buches Mose die Inspiration?

      8 Die Inspiration des dritten Buches Mose wird ferner durch die Erfüllung der Prophezeiungen bewiesen sowie durch die Gegenbilder der Vorbilder. Sowohl die biblische als auch die weltliche Geschichte berichten von den Folgen des Ungehorsams, vor denen das dritte Buch Mose warnt. Unter anderem wurde darin vorausgesagt, daß wegen einer Hungersnot Mütter ihre eigenen Kinder essen würden. Jeremia weist darauf hin, daß sich dies bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 607 v. u. Z. erfüllte, und Josephus berichtete, daß das bei der späteren Zerstörung der Stadt im Jahre 70 u. Z. geschah. Die prophetische Verheißung, daß Jehova sich der Israeliten erinnern würde, wenn sie bereuten, erfüllte sich, als sie 537 v. u. Z. aus Babylon zurückkehrten (3. Mo. 26:29, 41-45; Klag. 2:20; 4:10; Esra 1:1-6). Ferner wird die Inspiration des dritten Buches Mose dadurch bezeugt, daß andere Bibelschreiber daraus als aus einer inspirierten Schrift zitieren. Außer den zuvor erwähnten Zitaten, die beweisen, daß Moses der Schreiber war, siehe Matthäus 5:38; 12:4; 2. Korinther 6:16 und 1. Petrus 1:16.

      9. Wie verherrlicht das dritte Buch Mose Jehovas Namen und Heiligkeit?

      9 Das gesamte dritte Buch Mose preist Jehovas Namen und Souveränität. Nicht weniger als 36mal werden die darin erwähnten Gesetze Jehova zugeschrieben. Der Name Jehova selbst erscheint durchschnittlich zehnmal in jedem Kapitel, und durch die Mahnung „Ich bin Jehova“ wird immer wieder Nachdruck auf den Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen gelegt. Das Thema der Heiligkeit zieht sich durch das dritte Buch Mose, wo dieses Erfordernis öfter als in irgendeinem anderen Bibelbuch erwähnt wird. Die Israeliten sollten heilig sein, weil Jehova heilig ist. Bestimmte Personen, Orte, Gegenstände und Zeiten wurden als heilig abgesondert. Zum Beispiel sollten der Sühnetag und das Jubeljahr in der Anbetung Jehovas besonders beobachtet werden.

      10. Was wird in Verbindung mit Schlachtopfern unterstrichen, und welche Strafen für Sünden werden angegeben?

      10 In Übereinstimmung mit dem Nachdruck, der im dritten Buch Mose auf Heiligkeit gelegt wird, unterstreicht das Buch die Rolle, die das Vergießen von Blut, das heißt das Opfer eines Lebens, bei der Vergebung von Sünden spielt. Die Tieropfer waren auf reine Haustiere beschränkt. Für bestimmte Sünden waren außer einem Schlachtopfer ein Bekenntnis, eine Rückerstattung und die Bezahlung einer Strafe erforderlich. Wieder andere Sünden wurden mit dem Tod bestraft.

      INHALT DES DRITTEN BUCHES MOSE

      11. Wie kann das dritte Buch Mose umrissen werden?

      11 Das dritte Buch Mose besteht zum größten Teil aus Gesetzgebungstext; viel davon ist auch prophetisch. Im ganzen folgt das Buch einem thematischen Plan, und es kann in acht Abschnitte eingeteilt werden, die völlig logisch aufeinanderfolgen.

      12. Welche Arten blutiger Opfer gibt es, und wie sollen sie dargebracht werden?

      12 Bestimmungen für Opfer (1:1⁠—⁠7:38). Die verschiedenen Opfer teilen sich in zwei allgemeine Klassen auf: in blutige, bestehend aus Rindern, Schafen, Ziegen und Geflügel, und unblutige, bestehend aus Getreide. Die blutigen Opfer sind als 1. Brand-, 2. Gemeinschafts-, 3. Sünd- oder 4. Schuldopfer darzubringen. Alle vier haben folgende drei Dinge gemeinsam: Der Opfernde muß das Opfertier selbst zum Eingang des Zeltes bringen, er muß seine Hände darauf legen, und dann soll das Tier geschlachtet werden. Nach dem Sprengen des Blutes muß der Körper des geschlachteten Tieres gemäß der Art des Opfers verwertet werden. Betrachten wir nun die blutigen Opfer der Reihe nach.

      13—16. (a) Umreiße die Forderungen für 1. Brandopfer, 2. Gemeinschaftsschlachtopfer, 3. Sündopfer und 4. Schuldopfer. (b) Was wird in Verbindung mit blutigen Opfern wiederholt verboten?

      13 1. Brandopfer können aus einem jungen Stier, Widder, Ziegenbock, einer Taube oder Turteltaube bestehen, je nach dem Besitz des Opfernden. Das Opfer muß in Stücke zerschnitten und, außer der Haut, ganz auf dem Altar verbrannt werden. Bei einer Turteltaube oder einer Taube soll der Kopf abgeknickt, jedoch nicht abgetrennt werden, und der Kropf und die Federn müssen entfernt werden (1:1-17; 6:8-13; 5:8).

      14 2. Das Gemeinschaftsschlachtopfer kann entweder ein männliches oder ein weibliches Tier von den Rindern oder den Kleinviehherden sein. Nur seine Fetteile werden auf dem Altar verbrannt; ein bestimmter Anteil geht an den Priester, und der Rest wird von dem Darbringenden gegessen. Es wird mit Recht als Gemeinschaftsschlachtopfer bezeichnet, denn der Darbringende teilt dadurch gleichsam eine Mahlzeit mit Jehova und dem Priester oder hat sozusagen Gemeinschaft mit ihnen (3:1-17; 7:11-36).

      15 3. Ein Sündopfer wird für unabsichtliche oder aus Versehen begangene Sünden gefordert. Die Art des zu opfernden Tieres hängt davon ab, wessen Sünde gesühnt wird: die des Priesters, des Volkes als Ganzes, eines Vorstehers oder einer gewöhnlichen Person. Im Gegensatz zu den freiwilligen Brand- und Gemeinschaftsopfern für Einzelpersonen ist das Sündopfer zwingend (4:1-35; 6:24-30).

      16 4. Schuldopfer werden gefordert, um persönliche Schuld aufgrund von Untreue, Betrug oder Raub auszulöschen. In einigen Fällen erfordert die Schuld ein Bekenntnis und ein Opfer gemäß jemandes Vermögen. In anderen Fällen wird eine Entschädigung in Höhe des Schadens zuzüglich 20 Prozent sowie das Opfer eines Widders gefordert. In diesem Abschnitt des dritten Buches Mose, der mit den Opfern zu tun hat, wird das Essen von Blut nachdrücklich und wiederholt verboten (5:1⁠—⁠6:7; 7:1-7, 26, 27; 3:17).

      17. Wie sollen unblutige Opfer dargebracht werden?

      17 Die unblutigen Opfer sollen aus Getreide bestehen und müssen entweder ganz geröstet, grob gemahlen oder als Feinmehl geopfert und auf verschiedene Weise hergerichtet werden, wie zum Beispiel gebacken, auf einer Backplatte zubereitet oder im Fettbad gebacken. Sie sollen mit Salz und Öl und manchmal mit duftendem Harz dargebracht werden, aber sie dürfen keinen Sauerteig oder Honig enthalten. Bei einigen Opfern gehört ein Teil dem Priester (2:1-16).

      18. Mit welchem glaubensstärkenden Schauspiel wird die Einsetzung der Priesterschaft zu einem Höhepunkt gebracht?

      18 Einsetzung der Priesterschaft (8:1⁠—⁠10:20). Jetzt kommt die Zeit für einen großen Anlaß in Israel: die Einsetzung der Priesterschaft. Moses leitet sie in all ihren Einzelheiten, so wie Jehova es ihm geboten hat. „Und Aaron und seine Söhne taten dann all die Dinge, die Jehova durch Moses geboten hatte“ (8:36). Nach den sieben Tagen, die mit der Einsetzung ausgefüllt sind, folgt ein wunderbares und glaubensstärkendes Schauspiel. Die ganze Versammlung ist anwesend. Die Priester haben soeben Opfer dargebracht. Aaron und Moses haben das Volk gesegnet. Dann, sieh! „Jehovas Herrlichkeit [erschien] dem ganzen Volk, und Feuer ging von Jehova her aus und begann das Brandopfer und die Fettstücke auf dem Altar zu verzehren. Als das ganze Volk es zu sehen bekam, brachen sie in Jauchzen aus und fielen dann auf ihr Angesicht“ (9:23, 24). In der Tat, Jehova ist ihres Gehorsams und ihrer Anbetung würdig!

      19. Welche Übertretung findet statt, und was folgt darauf?

      19 Dennoch kommt es zu Gesetzesübertretungen. Zum Beispiel bieten Aarons Söhne Nadab und Abihu unerlaubtes Feuer vor Jehova dar. „Darauf ging von Jehova her Feuer aus und verzehrte sie, so daß sie vor Jehova starben“ (10:2). Um annehmbare Opfer darzubieten und Jehovas Wohlgefallen zu haben, müssen Volk und Priester in gleicher Weise Jehovas Anweisungen befolgen. Unmittelbar hiernach erläßt Gott das Gebot, daß Priester, während sie in der Stiftshütte dienen, keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen dürfen, was andeutet, daß Trunkenheit zu der Verfehlung der zwei Söhne Aarons beigetragen haben könnte.

      20, 21. Welche Bestimmungen behandeln Reinlichkeit und richtige Hygiene?

      20 Gesetz über Reinheit (11:1⁠—⁠15:33). Dieser Abschnitt behandelt zeremonielle und hygienische Reinheit. Sowohl gewisse Haustiere als auch gewisse wildlebende Tiere sind unrein. Alle Leichen sind unrein, und wer eine Leiche berührt, wird dadurch unrein. Die Geburt eines Kindes bewirkt ebenfalls Unreinheit und erfordert Absonderung und besondere Opfer.

      21 Auch bestimmte Hautkrankheiten, wie zum Beispiel Lepra, verursachen zeremonielle Unreinheit und machen nicht nur eine Reinigung der Personen, sondern auch der Kleidung und Häuser notwendig. Quarantäne ist erforderlich. Menstruation und Samenerguß führen gleichfalls zur Unreinheit und auch Ausflüsse. In diesen Fällen ist Abgesondertsein notwendig, und bei der Genesung muß außerdem der Körper gewaschen oder ein Opfer dargebracht werden oder beides.

      22. (a) Warum ist das Kapitel 16 hervorragend? (b) Wie wird am Sühnetag verfahren?

      22 Der Sühnetag (16:1-34). Dies ist ein hervorragendes Kapitel, denn es enthält die Anweisungen für Israels wichtigsten Tag, den Sühnetag, der auf den zehnten Tag des siebten Monats fällt. Es ist ein Tag, die Seele in Betrübnis zu beugen (höchstwahrscheinlich durch Fasten), und an diesem Tag ist keinerlei Arbeit erlaubt. Er beginnt mit der Opferung eines jungen Stieres für die Sünden Aarons und seines Hauses, des Stammes Levi, wonach ein Bock für die übrige Nation geopfert wird. Nach dem Verbrennen von Räucherwerk muß nacheinander etwas von dem Blut jedes der Tiere in das Allerheiligste der Stiftshütte gebracht werden, um vor den Deckel der Lade gesprengt zu werden. Später müssen die Kadaver aus dem Lager gebracht und verbrannt werden. An diesem Tag muß auch ein lebender Bock vor Jehova dargestellt werden, und auf ihn sind alle Sünden des Volkes auszusprechen, wonach er in die Wildnis geführt werden soll. Dann müssen zwei Widder als Brandopfer geopfert werden, einer für Aaron und sein Haus und der andere für die übrige Nation.

      23. (a) Wo finden wir eine der ausdrücklichsten Erklärungen der Bibel über Blut? (b) Welche weiteren Bestimmungen folgen?

      23 Satzungen über Blut und andere Angelegenheiten (17:1⁠—⁠20:27). In diesem Abschnitt werden dem Volk viele Satzungen dargelegt. Noch einmal wird Blut verboten, und zwar in einer der ausdrücklichsten Erklärungen über Blut, die überhaupt in der Heiligen Schrift zu finden sind (17:10-14). Blut darf richtigerweise auf dem Altar verwendet werden, jedoch nicht zum Essen. Abscheuliche Praktiken wie Blutschande, Homosexualität und Sodomie sind verboten. Bestimmungen zum Schutz des Niedergedrückten, des Geringen und des Fremdlings werden erlassen sowie das Gebot: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst. Ich bin Jehova“ (19:18). Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Wohl der Nation wird geschützt, und geistige Gefährdungen wie die Anbetung Molechs und der Spiritismus werden bei Todesstrafe verboten. Wieder betont Gott nachdrücklich das Abgesondertsein für sein Volk: „Und ihr sollt euch mir als heilig erweisen, denn ich, Jehova, bin heilig; und ich scheide euch aus den Völkern aus, damit ihr mein werdet“ (20:26).

      24. Was sagt das dritte Buch Mose bezüglich priesterlicher Eignung und der Festzeiten?

      24 Die Priesterschaft und Feste (21:1⁠—⁠25:55). Die nächsten drei Kapitel behandeln hauptsächlich Israels formelle Anbetung: die Satzungen über Priester, ihre körperliche Eignung, wen sie heiraten dürfen, wer von heiligen Dingen essen darf, und die Erfordernisse für fehlerlose Tiere, die bei Opfern verwendet werden sollten. Es werden drei nationale Festzeiten angeordnet, wodurch sich ihnen Gelegenheiten bieten, sich ‘vor Jehova, ihrem Gott, zu freuen’ (23:40). Auf diese Weise wird die Nation wie e i n Mann ihre Aufmerksamkeit, Lobpreisung und Anbetung Jehova zuwenden und ihre Verbindung mit ihm festigen. Dies sind Feste für Jehova, jährliche heilige Zusammenkünfte. Das Passah wird zusammen mit dem Fest der ungesäuerten Brote auf den Beginn des Frühjahrs angesetzt; Pfingsten oder das Fest der Wochen folgt im späten Frühjahr, und der Sühnetag sowie das achttägige Laubhüttenfest oder das Fest der Einsammlung finden im Herbst statt.

      25. (a) Wie wird gezeigt, daß ‘der NAME’ in Ehren gehalten werden muß? (b) In welchen Bestimmungen ist die Zahl „sieben“ enthalten?

      25 Im Kapitel 24 werden Anweisungen erteilt im Hinblick auf das Brot und das Öl, die in der Stiftshütte verwendet werden. Es folgt der Vorfall, bei dem Jehova entscheidet, daß jeder, der „den NAMEN“ — ja, den Namen Jehova — beschimpft, gesteinigt werden muß. Dann äußert er das Gesetz über die Vergeltung von Gleichem mit Gleichem: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (24:11-16, 20). Im Kapitel 25 sind Bestimmungen im Hinblick auf das Sabbat- oder Ruhejahr zu finden, das jedes siebte Jahr gehalten werden soll, und auf das alle 50 Jahre wiederkehrende Jubeljahr. In diesem 50. Jahr muß im ganzen Land Freiheit ausgerufen werden, und Erbbesitz, der während der vergangenen 49 Jahre verkauft oder abgetreten worden ist, muß zurückgegeben werden. Es werden Gesetze zum Schutz der Armen und der Sklaven gegeben. In diesem Abschnitt tritt die Zahl „sieben“ besonders hervor: der siebte Tag, das siebte Jahr, Feste von sieben Tagen, ein Zeitraum von sieben Wochen und das Jubeljahr, das nach sieben mal sieben Jahren kommt.

      26. Worin erreicht das dritte Buch Mose seinen Höhepunkt?

      26 Folgen von Gehorsam und Ungehorsam (26:1-46). In diesem Kapitel erreicht das dritte Buch Mose seinen Höhepunkt. Hier verzeichnet Jehova die Belohnungen für Gehorsam und die Strafen für Ungehorsam. Gleichzeitig vermittelt er den Israeliten Hoffnung für den Fall, daß sie sich demütigen, indem er sagt: „Ich will zu ihren Gunsten des Bundes der Vorfahren gedenken, die ich vor den Augen der Nationen aus dem Land Ägypten herausführte, um mich als ihr Gott zu erweisen. Ich bin Jehova“ (26:45).

      27. Wie schließt das dritte Buch Mose?

      27 Andere Satzungen (27:1-34). Das dritte Buch Mose schließt mit Anweisungen über die Handhabung von Gelübdeopfern, über die Erstgeburt für Jehova und über den Zehnten, der für Jehova heilig wird. Dann folgt der kurze Kolophon: „Dies sind die Gebote, die Jehova Moses als Befehle an die Söhne Israels auf dem Berg Sinai gab“ (27:34).

      WIESO NÜTZLICH

      28. Von welchem Nutzen ist das dritte Buch Mose heute für Christen?

      28 Als Teil der inspirierten Schriften ist das dritte Buch Mose heute für Christen von großem Nutzen. Es ist eine wunderbare Hilfe, Jehova, seine Eigenschaften und seine Art, wie er mit seinen Geschöpfen umgeht, zu würdigen, was an Israel unter dem Gesetzesbund deutlich wurde. Das dritte Buch Mose legt viele Grundsätze dar, die immer gelten werden, und es enthält viele prophetische Muster sowie Prophezeiungen, die zu betrachten glaubensstärkend ist. Viele seiner Grundsätze werden in den Christlichen Griechischen Schriften nochmals dargelegt, und einige davon werden direkt zitiert. Nachstehend werden sieben hervorragende Punkte besprochen.

      29—31. Wie betont das dritte Buch Mose nachdrücklich den Respekt vor Jehovas (a) Souveränität, (b) Namen und (c) Heiligkeit?

      29 1. Jehovas Souveränität. Er ist der Gesetzgeber, und als seine Geschöpfe müssen wir ihm Rechenschaft ablegen. Zu Recht gebietet er uns, ihn zu fürchten. Als der universelle Souverän duldet er keine Rivalität, sei es in Form von Götzendienst, Spiritismus oder anderen Formen von Dämonismus (3. Mo. 18:4; 25:17; 26:1; Mat. 10:28; Apg. 4:24).

      30 2. Jehovas Name. Sein Name muß heiliggehalten werden, und wir dürfen weder durch Worte noch durch Taten Schmach darauf bringen (3. Mo. 22:32; 24:10-16; Mat. 6:9).

      31 3. Jehovas Heiligkeit. Da er heilig ist, muß auch sein Volk heilig, das heißt für seinen Dienst geheiligt oder abgesondert, sein. Das schließt ein, daß wir uns von der gottlosen Welt um uns herum getrennt halten (3. Mo. 11:44; 20:26; Jak. 1:27; 1. Pet. 1:15, 16).

      32—34. Welche Grundsätze werden dargelegt in bezug auf (a) Sünde, (b) Blut und (c) bedingte Schuld?

      32 4. Die überaus große Sündhaftigkeit der Sünde. Gott setzt fest, was Sünde ist, und wir müssen gegen sie ankämpfen. Sünde fordert immer ein Sühnopfer. Zusätzlich fordert sie von uns ein Bekenntnis, Reue und Wiedergutmachung, soweit möglich. Für bestimmte Sünden kann es keine Vergebung geben (3. Mo. 4:2; 5:5; 20:2, 10; 1. Joh. 1:9; Heb. 10:26-29).

      33 5. Die Heiligkeit des Blutes. Da Blut heilig ist, darf man es in keiner Form in seinen Körper aufnehmen. Die einzige gestattete Verwendung von Blut ist die, für Sünde Sühne zu leisten (3. Mo. 17:10-14; Apg. 15:29; Heb. 9:22).

      34 6. Bedingtheit von Schuld und Strafe. Nicht alle Sünden und Sünder wurden im gleichen Licht betrachtet. Je höher das Amt, desto größer die Verantwortung und die Strafe für Sünde. Vorsätzliche Sünde wurde strenger bestraft als unabsichtliche. Das Strafmaß richtete sich oft nach der Zahlungsfähigkeit. Dieser Grundsatz der Bedingtheit wurde außer auf Sünde und Strafe auch auf andere Gebiete angewendet, zum Beispiel bei zeremonieller Unreinheit (3. Mo. 4:3, 22-28; 5:7-11; 6:2-7; 12:8; 21:1-15; Luk. 12:47, 48; Jak. 3:1; 1. Joh. 5:16).

      35. Wie faßt das dritte Buch Mose unsere Pflichten gegenüber unserem Mitmenschen zusammen?

      35 7. Gerechtigkeit und Liebe. Unsere Pflichten gegenüber unserem Mitmenschen werden in 3. Mose 19:18 zusammengefaßt, wo es heißt: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst.“ Das umfaßt alles. Es schließt Parteilichkeit, Stehlen, Lügen und Verleumden aus und fordert, auf die Rücksicht zu nehmen, die behindert, arm, blind oder taub sind (3. Mo. 19:9-18; Mat. 22:39; Röm. 13:8-13).

      36. Was beweist, daß das dritte Buch Mose für die Christenversammlung nützlich ist?

      36 Ein weiterer Beweis, daß das dritte Buch Mose in der Christenversammlung auf hervorragende Weise „nützlich [ist] zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“, besteht darin, daß Jesus und seine Apostel, vor allem Paulus und Petrus, wiederholt darauf Bezug nahmen. Durch diese Bezugnahmen wurde auf viele prophetische Muster und Schatten kommender Dinge aufmerksam gemacht. Wie Paulus bemerkte, hat „das GESETZ einen Schatten der künftigen guten Dinge“. Es ist eine „sinnbildliche Darstellung“ und ein „Schatten der himmlischen Dinge“ (2. Tim. 3:16; Heb. 10:1; 8:5).

      37. Welche Erfüllungen von Vorbildern werden in Hebräer beschrieben?

      37 Die Stiftshütte, die Priesterschaft, die Opfer und besonders der jährliche Sühnetag hatten eine bildliche Bedeutung. Paulus hilft uns in seinem Brief an die Hebräer festzustellen, was die geistigen Gegenstücke dieser Dinge in Verbindung mit dem ‘wahren Zelt’ der Anbetung Jehovas sind (Heb. 8:2). Der Oberpriester Aaron versinnbildlicht Christus Jesus als einen Hohenpriester „der guten Dinge ..., die sich eingestellt haben, durch das größere und vollkommenere Zelt“ (Heb. 9:11; 3. Mo. 21:10). Das Blut der Tieropfer ist ein Sinnbild des Blutes Jesu, das eine „ewige Befreiung für uns“ erlangt (Heb. 9:12). Das innerste Abteil der Stiftshütte, das Allerheiligste, in das der Hohepriester nur am jährlichen Sühnetag eintrat, um das Opferblut darzubringen, ist „ein Abbild der Wirklichkeit“, des ‘Himmels selbst’, in den Jesus aufstieg, um „vor der Person Gottes für uns zu erscheinen“ (Heb. 9:24; 3. Mo. 16:14, 15).

      38. Wie wurde Jesus das Gegenbild der Opfer?

      38 Die tatsächlichen Opfertiere, fehlerlose, makellose Tiere, die als Brand- oder als Sündopfer dargebracht wurden, stellen das vollkommene, makellose Opfer des menschlichen Leibes Jesu Christi dar (Heb. 9:13, 14; 10:1-10; 3. Mo. 1:3). Interessanterweise bespricht Paulus auch den wichtigen Teil des Sühnetages, an dem die Kadaver der Tiere für das Sündopfer aus dem Lager hinausgebracht und verbrannt wurden (3. Mo. 16:27). „Deshalb hat auch Jesus“, so schreibt Paulus, „außerhalb des Tores gelitten. Laßt uns also zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und die Schmach, die er trug, tragen“ (Heb. 13:12, 13). Durch diese inspirierte Auslegung gewinnen die im dritten Buch Mose beschriebenen zeremoniellen Handlungen mehr Bedeutung, und wir beginnen zu begreifen, auf welch erstaunliche Weise Jehova damals scheueinflößende Schatten bildete, die auf Wirklichkeiten hinwiesen, die nur durch den heiligen Geist erklärt werden konnten (Heb. 9:8). Solch ein richtiges Verständnis ist äußerst wichtig für diejenigen, denen die Vorkehrung für Leben zugute kommen soll, die Jehova durch Christus Jesus, den „großen Priester über das Haus Gottes“, trifft (Heb. 10:19-25).

      39. Inwiefern paßt das dritte Buch Mose wunderbar zu der „ganzen Schrift“ im Bekanntmachen der Königreichsvorsätze Jehovas?

      39 Ähnlich wie in Aarons priesterlicher Hausgemeinschaft hat Jesus Christus als Hoherpriester auch Unterpriester. Von diesen wird als von einer „königlichen Priesterschaft“ gesprochen (1. Pet. 2:9). Das dritte Buch Mose weist deutlich auf das sündensühnende Werk von Jehovas großem Hohenpriester und König und auf die Forderungen hin, die den Gliedern seiner Hausgemeinschaft auferlegt sind, über die gesagt wird, sie seien „glücklich und heilig“ und sie seien „Priester Gottes und des Christus“ und sie würden „als Könige die tausend Jahre mit ihm regieren“; auch erklärt es dieses Werk und diese Forderungen. Welche Segnungen dieses priesterliche Werk doch vollbringen wird, indem die gehorsame Menschheit zur Vollkommenheit emporgehoben werden wird, und welches Glück jenes himmlische Königreich doch dadurch herbeiführen wird, daß es der Erde wieder Frieden und Gerechtigkeit bringen wird! Gewiß müssen wir alle dem heiligen Gott, Jehova, dafür danken, daß er einen Hohenpriester und König und eine königliche Priesterschaft eingesetzt hat, die zur Heiligung seines Namens seine Vorzüglichkeiten weit und breit verkündet! Das dritte Buch Mose paßt wirklich wunderbar zu der „ganzen Schrift“, was das Bekanntmachen der Königreichsvorsätze Jehovas betrifft (Offb. 20:6).

  • 4. Bibelbuch — 4. Mose (Numeri)
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 4. Bibelbuch — 4. Mose (Numeri)

      Schreiber: Moses

      Ort der Niederschrift: Wildnis und Ebenen Moabs

      Vollendung der Niederschrift: 1473 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 1512—1473 v. u. Z.

      1. Warum wurden die Ereignisse im vierten Buch Mose aufgezeichnet, und was wird uns durch sie eingeprägt?

      DIE Ereignisse während der Wanderung der Israeliten durch die Wildnis sind zu unserem heutigen Nutzen in der Bibel aufgezeichnet worden.a Der Apostel Paulus sagte: „Diese Dinge nun sind Vorbilder für uns geworden, damit wir nicht Menschen sind, die schädliche Dinge begehren“ (1. Kor. 10:6). Durch den lebendigen Bericht im vierten Buch Mose wird uns eingeprägt, daß ein Überleben davon abhängt, Jehovas Namen zu heiligen, Jehova unter allen Umständen zu gehorchen und seinen Dienern Respekt zu erweisen. Seine Gunst ist nicht die Folge irgendwelcher Güte oder irgendeines Verdienstes seines Volkes, sondern seiner großen Barmherzigkeit und unverdienten Güte.

      2. Worauf bezieht sich die Bezeichnung Numeri, aber welchen passenderen Titel gaben die Juden dem Buch?

      2 Die Bezeichnung Numeri bezieht sich auf die Zählung des Volkes, die zuerst am Berg Sinai und später in den Ebenen Moabs stattfand, wie in den Kapiteln 1 bis 4 und 26 berichtet wird. Diese Bezeichnung ist von dem Titel Numeri in der lateinischen Vulgata übernommen worden und leitet sich von Arithmói in der griechischen Septuaginta ab. Die Juden nennen das Buch jedoch treffender Bemidhbár, was „In der Wildnis“ bedeutet. Das hebräische Wort midhbár weist auf eine offene Gegend ohne Städte hin. Die Ereignisse, über die das vierte Buch Mose berichtet, fanden in der Wildnis südlich und östlich von Kanaan statt.

      3. Was beweist, daß Moses der Schreiber des vierten Buches Mose war?

      3 Das vierte Buch Mose war offensichtlich ein Teil des ursprünglichen Fünfbandes, der die Bücher von der Genesis bis zum Deuteronomium umfaßte. Sein erster Vers beginnt mit der Konjunktion „und“, die es mit dem verbindet, was vorausging. Daher muß es von Moses, dem Schreiber der vorhergehenden Aufzeichnungen, geschrieben worden sein. Das wird auch aus der in dem Buch enthaltenen Angabe, daß „Moses verzeichnete“, und durch den Kolophon klar: „Dies sind die Gebote und die richterlichen Entscheidungen, die Jehova durch Moses ... gebot“ (4. Mo. 33:2; 36:13).

      4. Welcher Zeitabschnitt wird im vierten Buch Mose behandelt, und wann wurde das Buch vollendet?

      4 Die Israeliten waren etwas über ein Jahr vorher von Ägypten weggezogen. Das vierte Buch Mose nimmt den Bericht im zweiten Monat des zweiten Jahres nach dem Auszug auf und behandelt die nächsten 38 Jahre und neun Monate, von 1512 bis 1473 v. u. Z. (4. Mo. 1:1; 5. Mo. 1:3). Die in 4. Mose 7:1-88 und 9:1-15 erzählten Ereignisse passen nicht in diesen Zeitabschnitt hinein, sondern sie sind als Hintergrundinformation enthalten. Die früheren Teile des Buches wurden zweifellos geschrieben, als sich die Ereignisse zutrugen, aber es ist offenkundig, daß Moses das Buch Numeri erst gegen Ende des 40. Jahres in der Wildnis, früh im Kalenderjahr 1473 v. u. Z., vollendet haben konnte.

      5. Welche Besonderheiten bezeugen die Glaubwürdigkeit des vierten Buches Mose?

      5 Über die Glaubwürdigkeit des Berichts kann es keinen Zweifel geben. Von dem im allgemeinen dürren Land, durch das die Israeliten wanderten, sagte Moses, daß es eine „große und furchteinflößende Wildnis“ war, und die zerstreut wohnenden Bewohner ziehen sogar heute noch ständig umher auf der Suche nach Weideland und Wasser (5. Mo. 1:19). Ferner bezeugen die eingehenden Anweisungen im Hinblick auf das Lagern der Nation, die Marschordnung und die Trompetensignale zum Regeln von Lagerangelegenheiten, daß der Bericht tatsächlich „in der Wildnis“ geschrieben wurde (4. Mo. 1:1).

      6. Wie bestätigen archäologische Funde das vierte Buch Mose?

      6 Sogar der erschreckende Bericht, den die Kundschafter bei ihrer Rückkehr von ihrem Erkundungszug durch Kanaan erstatteten und der besagte, daß „die befestigten Städte ... sehr groß“ seien, wird durch die Archäologie bestätigt (13:28). Neuzeitliche Entdeckungen haben gezeigt, daß die Bewohner Kanaans damals ihre Macht durch eine Reihe von Festungen stärkten, die sich von der Tiefebene Jesreel im Norden bis nach Gerar im Süden quer durchs Land erstreckten. Die Städte waren nicht nur befestigt, sondern sie wurden gewöhnlich auch auf Hügelkuppen gebaut und hatten Türme, die über ihre Mauern ragten, was sie für Menschen wie die Israeliten, die Generationen hindurch in dem flachen Land Ägyptens gewohnt hatten, höchst eindrucksvoll machte.

      7. Welchen Stempel der Ehrlichkeit trägt das vierte Buch Mose?

      7 Nationen der Welt neigen dazu, ihre Fehlschläge zu bemänteln und ihre Siege zu übertreiben, aber der Bericht des vierten Buches Mose erzählt mit einer Ehrlichkeit, die auf geschichtliche Wahrheit hinweist, daß Israel von den Amalekitern und den Kanaanitern vollständig in die Flucht geschlagen wurde (14:45). Es wird ehrlich zugegeben, daß das Volk keinen Glauben hatte und Gott respektlos behandelte (14:11). Mit bemerkenswerter Offenheit enthüllt Gottes Prophet Moses die Sünden der Nation, die seiner Neffen, seines eigenen Bruders und seiner eigenen Schwester. Auch ist er sich selbst gegenüber nicht nachsichtig, denn er erzählt, daß er es einmal unterließ, Jehova zu heiligen, als zu Meriba Wasser beschafft wurde, so daß er das Vorrecht verwirkte, in das Land der Verheißung zu gelangen (3:4; 12:1-15; 20:7-13).

      8. Wie bezeugen andere Bibelschreiber die Inspiration des vierten Buches Mose?

      8 Daß der Bericht ein echter Teil der von Gott inspirierten nützlichen Schriften ist, wird dadurch unterstützt, daß andere Bibelschreiber auf fast alle seine wichtigeren Ereignisse und auch auf viele andere Einzelheiten unmittelbar Bezug nehmen, und viele heben die Bedeutung solcher Ereignisse oder Einzelheiten hervor. Zum Beispiel Josua (Jos. 4:12; 14:2), Jeremia (2. Kö. 18:4), Nehemia (Neh. 9:19-22), Asaph (Ps. 78:14-41), David (Ps. 95:7-11), Jesaja (Jes. 48:21), Hesekiel (Hes. 20:13-24), Hosea (Hos. 9:10), Amos (Am. 5:25), Micha (Mi. 6:5), Lukas in seinem Bericht über die Rede des Stephanus (Apg. 7:36), Paulus (1. Kor. 10:1-11), Petrus (2. Pet. 2:15, 16), Judas (Jud. 11) und Johannes bei der Aufzeichnung der Worte Jesu an die Versammlung in Pergamon (Offb. 2:14): sie alle verwerten den Bericht im vierten Buch Mose, wie Jesus Christus selbst es tat (Joh. 3:14).

      9. Was betont das vierte Buch Mose nachdrücklich im Hinblick auf Jehova?

      9 Welchem Zweck dient also das vierte Buch Mose? Sein Bericht hat wirklich mehr als nur historischen Wert. Das vierte Buch Mose betont nachdrücklich, daß Jehova der Gott der Ordnung ist und von seinen Geschöpfen ausschließliche Ergebenheit fordert. Das wird dem Leser auf lebendige Weise eingeprägt, wenn er das Gezählt-, Erprobt- und Gesichtetwerden Israels beobachtet und sieht, wie anhand des ungehorsamen und rebellischen Laufs der Nation unterstrichen wird, wie dringend notwendig der Gehorsam gegenüber Jehova ist.

      10. Zu wessen Nutzen wurde das vierte Buch Mose bewahrt, und warum?

      10 Der Bericht wurde zum Nutzen der künftigen Generationen bewahrt, damit sie, wie Asaph erklärte, „auf Gott selbst ihre Zuversicht setzten und die Handlungen Gottes nicht vergäßen, sondern seine eigenen Gebote hielten. Und sie sollten nicht wie ihre Vorväter werden, eine Generation, störrisch und rebellisch, eine Generation, die ihr Herz nicht bereitet hatte und deren Geist Gott gegenüber nicht zuverlässig war“ (Ps. 78:7, 8). Immer wieder wurden die Ereignisse des vierten Buches Mose in den Psalmen, die unter den Juden heilige Lieder waren, erzählt. Auf diese Weise wurden sie zum Nutzen der Nation oft wiederholt (Psalm 78, 95, 105, 106, 135, 136).

      INHALT DES VIERTEN BUCHES MOSE

      11. In welche drei Teile kann der Inhalt des vierten Buches Mose eingeteilt werden?

      11 Das vierte Buch Mose gliedert sich natürlicherweise in drei Teile. Der erste Teil, der mit Kapitel 10, Vers 10 abschließt, behandelt Ereignisse, die stattfanden, während die Israeliten noch am Berg Sinai lagerten. Der nächste Teil, der mit Kapitel 21 abschließt, erzählt, was in den nächsten 38 Jahren und ein oder zwei weiteren Monaten geschah, während sie in der Wildnis waren, bis sie zu den Ebenen Moabs gelangten. Der abschließende Teil, bis zum Kapitel 36, befaßt sich mit Ereignissen, die sich in den Ebenen Moabs abspielten, als sich die Israeliten auf ihren Einzug in das Land der Verheißung vorbereiteten.

      12. Wie groß ist das israelitische Lager am Sinai, und wie ist es aufgebaut?

      12 Ereignisse am Berg Sinai (1:1⁠—⁠10:10). Schon ungefähr ein Jahr sind die Israeliten in der Berggegend Sinai. Hier sind sie zu einer eng zusammengefügten Organisation geformt worden. Auf Jehovas Befehl hin werden nun alle Männer im Alter von 20 Jahren und darüber gezählt. Es stellt sich heraus, daß die Größe der Stämme von 32 200 kräftigen Männern in Manasse bis 74 600 in Juda reicht; das ergibt eine Gesamtzahl von 603 550 zum Dienst im Heer Israels tauglichen Männern außer den Leviten und den Frauen und Kindern — ein Lager, das wahrscheinlich mindestens drei Millionen zählt. Das Zelt der Zusammenkunft und die Leviten befinden sich in der Mitte des Lagers. An zugewiesenen Stellen lagern die anderen Israeliten auf jeder Seite in Dreistämmeabteilungen, wobei jeder Stamm Anweisungen bezüglich der Marschordnung hat, der zu folgen ist, wenn das Lager aufbrechen soll. Jehova erläßt die Anweisungen, und der Bericht sagt: „Und die Söhne Israels taten dann gemäß allem, was Jehova Moses geboten hatte“ (2:34). Sie gehorchen Jehova und erweisen Moses, Gottes sichtbarem Vertreter, Respekt.

      13. Gemäß welcher Einteilung werden die Leviten für den Dienst zugeteilt?

      13 Dann werden die Leviten für den Dienst Jehovas abgesondert, als ein Lösegeld für die Erstgeborenen Israels. Sie werden gemäß ihrer Abstammung von den drei Söhnen Levis, Gerschon, Kehath und Merari, in drei Gruppen eingeteilt. Gemäß dieser Einteilung werden Standorte und Dienstpflichten bestimmt. Ab dem Alter von 30 Jahren sollen sie die schwere Arbeit der Beförderung der Stiftshütte verrichten. Zur Erledigung der leichteren Arbeit werden andere eingeteilt, die ab dem Alter von 25 Jahren dienen. (Zu Davids Zeit wird dieses Alter auf 20 Jahre herabgesetzt) (1. Chr. 23:24-32; Esra 3:8).

      14. Welche Anweisungen werden gegeben, um die Reinheit des Lagers zu gewährleisten?

      14 Damit das Lager rein bleibt, werden Anweisungen gegeben: Kranke unter Quarantäne zu stellen, für Taten der Untreue Sühne zu leisten, Fälle zu klären, in denen ein Mann wegen des Lebenswandels seiner Frau mißtrauisch wird, und den rechten Lebenswandel derjenigen zu gewährleisten, die durch ein Gelübde abgesondert sind, um als Nasiräer für Jehova zu leben. Da Gottes Name auf dem Volk sein soll, muß es sich in Übereinstimmung mit seinen Geboten verhalten.

      15. (a) Welche Beiträge wurden in Verbindung mit der Einweihung des Altars geleistet? (b) An welches Verhältnis müssen die Israeliten stets denken, und woran soll sie das Passah erinnern?

      15 Als nächstes fügt Moses Einzelheiten aus dem vorhergehenden Monat (4. Mo. 7:1, 10; 2. Mo. 40:17) ein, indem er von den Beiträgen an Gütern erzählt, die die 12 Vorsteher des Volkes während eines Zeitabschnitts von 12 Tagen von der Zeit der Einweihung des Altars an leisteten. Dabei gab es weder Wetteifer noch ein Trachten nach eigener Ehre; jeder steuerte genau dasselbe bei. Alle müssen von nun an im Sinn behalten, daß über diesen Vorstehern und auch über Moses selbst Jehova Gott steht, der Moses mündlich Anweisungen gibt. Sie dürfen niemals ihr Verhältnis zu Jehova vergessen. Das Passah soll sie an die von Jehova bewirkte wunderbare Befreiung aus Ägypten erinnern, und hier in der Wildnis feiern sie es zur festgesetzten Zeit, ein Jahr nachdem sie Ägypten verlassen haben.

      16. Wie führt Jehova die Nation, und welche Trompetensignale werden festgelegt?

      16 So, wie Jehova Israels Auszug aus Ägypten geleitet hat, fährt er fort, die Nation auf ihren Wanderungen zu führen: durch eine Wolke, die die Stiftshütte des ZEUGNIS-Zeltes bei Tage bedeckt, und durch den Feuerschein, der dort bei Nacht sichtbar wird. Wenn sich die Wolke erhebt, bricht die Nation auf. Wenn die Wolke über der Stiftshütte stehenbleibt, läßt die Nation ihr Lager aufgeschlagen, sei es ein paar Tage oder einen Monat oder länger, denn der Bericht lautet: „Auf den Befehl Jehovas hin lagerten sie sich jeweils, und auf den Befehl Jehovas hin pflegten sie wegzuziehen. Sie kamen ihrer Verpflichtung gegenüber Jehova auf den von Jehova durch Moses ergangenen Befehl hin nach“ (4. Mo. 9:23). Als die Zeit des Aufbruchs vom Sinai heranrückt, werden Trompetensignale festgelegt, durch die das Volk versammelt werden soll und durch die auch die verschiedenen Abteilungen des Lagers auf ihrer Wanderung durch die Wildnis geleitet werden sollen.

      17. Beschreibe den Marschverlauf.

      17 Ereignisse in der Wildnis (10:11⁠—⁠21:35). Am 20. Tag des zweiten Monats hebt Jehova endlich die Wolke über der Stiftshütte empor und gibt dadurch das Zeichen zum Aufbruch Israels aus dem Gebiet des Sinai. Mit der Lade des Bundes Jehovas in ihrer Mitte machen sich die Israeliten nach Kadesch-Barnea auf, das ungefähr 240 Kilometer nördlich liegt. Während sie bei Tage ziehen, ist Jehovas Wolke über ihnen. Jedesmal, wenn die Lade aufbricht, betet Moses zu Jehova, er möge aufstehen und seine Feinde zerstreuen, und jedesmal, wenn sie ruht, betet er, Jehova möge „zu den Myriaden der Tausende Israels“ zurückkehren (10:36).

      18. Welches Klagen bricht auf dem Weg nach Kadesch-Barnea aus, und wie wird die theokratische Verfahrensweise im Lager von Jehova ausgerichtet?

      18 Es entsteht jedoch Unruhe im Lager. Auf der Wanderung nach Kadesch-Barnea im Norden gibt es bei wenigstens drei Gelegenheiten Klagen. Um den ersten Ausbruch zu ersticken, sendet Jehova ein Feuer, das einige vom Volk verzehrt. Dann veranlaßt „die gemischte Volksmenge“ die Israeliten, darüber zu weinen, daß sie, anders als in Ägypten, keine Fische, Gurken, Wassermelonen, keinen Lauch, keine Zwiebeln und keinen Knoblauch zu essen haben, sondern nur Manna (11:4). Moses ist schließlich so betrübt, daß er Jehova bittet, ihn lieber zu töten, statt ihn als Wärter für dieses ganze Volk bestehen zu lassen. Rücksichtsvoll nimmt Jehova etwas Geist von Moses und legt ihn auf 70 der älteren Männer, die darangehen, Moses als Propheten im Lager zu unterstützen. Dann gibt es Fleisch in Fülle. Wie schon einmal zuvor, treibt Jehova durch einen Wind vom Meer Wachteln heran, und das Volk bemächtigt sich gierig großer Vorräte, die es selbstsüchtig hamstert. Jehovas Zorn entbrennt gegen das Volk, und er streckt viele wegen ihrer selbstsüchtigen Begierde nieder (2. Mo. 16:2, 3, 13).

      19. Wie geht Jehova vor, als Mirjam und Aaron etwas bemängeln?

      19 Die Unruhen dauern an. Mirjam und Aaron betrachten ihren jüngeren Bruder Moses nicht in der rechten Weise als Jehovas Vertreter und bemängeln etwas an ihm wegen seiner Frau, die unlängst ins Lager gekommen ist. Sie verlangen mehr Gewalt, vergleichbar mit derjenigen des Moses, obwohl „der Mann Moses ... bei weitem der sanftmütigste aller Menschen [war], die es auf der Oberfläche des Erdbodens gab“ (4. Mo. 12:3). Jehova bringt die Angelegenheit selbst in Ordnung, indem er sie wissen läßt, daß Moses eine besondere Stellung einnimmt, und indem er Mirjam, die anscheinend zu der Klage angestiftet hat, mit Aussatz schlägt. Nur durch Moses’ Fürsprache wird sie später geheilt.

      20, 21. Welche Ereignisse geben Anlaß zu Jehovas Verordnung, daß Israel 40 Jahre in der Wildnis umherwandern muß?

      20 Als Israel in Kadesch ankommt, lagert es an der Schwelle des Landes der Verheißung. Nun weist Jehova Moses an, Männer auszusenden, die das Land auskundschaften sollen. Sie betreten es von Süden und ziehen nordwärts bis „zum Eingang nach Hamath“, wobei sie in 40 Tagen Hunderte von Kilometern wandern (13:21). Als sie mit Kostproben von dem reichlichen Fruchtertrag Kanaans zurückkehren, behaupten zehn der Kundschafter unaufrichtigerweise, es wäre töricht, gegen ein so starkes Volk und solche großen befestigten Städte hinaufzuziehen. Kaleb versucht, die Versammlung mit einem günstigen Bericht zu beruhigen, aber ohne Erfolg. Die widerspenstigen Kundschafter versetzen die Israeliten in Angst, indem sie behaupten, daß es ein Land sei, das „seine Bewohner frißt“, und sagen: „Alle Leute, die wir in seiner Mitte sahen, sind Menschen von außergewöhnlicher Größe.“ Als ein rebellisches Murren durch das Lager geht, wenden Josua und Kaleb ein: „Jehova ist mit uns. Fürchtet sie nicht!“ (13:32; 14:9). Die Gemeinde beginnt jedoch, davon zu sprechen, Josua und Kaleb mit Steinen zu bewerfen.

      21 Dann greift Jehova unmittelbar ein und sagt zu Moses: „Wie lange wird dieses Volk mir gegenüber respektlos handeln, und wie lange werden sie keinen Glauben in mich setzen bei all den Zeichen, die ich in ihrer Mitte getan habe?“ (14:11). Moses fleht Jehova an, die Nation nicht zu vernichten, da Jehovas Name und sein Ruf auf dem Spiel stehen. Deshalb verordnet Jehova, daß Israel in der Wildnis umherwandern muß, bis alle Eingeschriebenen unter dem Volk im Alter von 20 Jahren und darüber gestorben sind. Von den männlichen Eingeschriebenen wird nur Kaleb und Josua gestattet werden, das Land der Verheißung zu betreten. Vergeblich versucht das Volk von sich aus hinaufzuziehen; doch sie erleiden eine schreckliche Niederlage, die ihnen die Amalekiter und Kanaaniter beibringen. Welch hohen Preis das Volk doch für seine Respektlosigkeit gegenüber Jehova und seinen loyalen Vertretern bezahlt!

      22. Auf welche Weise wird die Wichtigkeit des Gehorsams betont?

      22 Die Israeliten haben in bezug auf Gehorsam wirklich viel zu lernen. Passenderweise gibt ihnen Jehova zusätzliche Gesetze, die diese Notwendigkeit unterstreichen. Er läßt sie wissen, daß Sühne für Fehler geleistet werden muß, wenn sie in das Land der Verheißung kommen, daß aber die willentlich Ungehorsamen unweigerlich vom Leben abgeschnitten werden müssen. Als daher ein Mann gefunden wird, der in Verletzung des Sabbatgesetzes Holz sammelt, gebietet Jehova: „Der Mann sollte unweigerlich zu Tode gebracht werden“ (15:35). Jehova weist die Israeliten an, zur Erinnerung an seine Gebote und an die Wichtigkeit, sie zu befolgen, Fransen an den Säumen ihrer Kleider zu tragen.

      23. Womit endet die Auflehnung Korahs, Dathans und Abirams?

      23 Trotzdem kommt es wieder zu Auflehnung. Korah, Dathan, Abiram und 250 führende Männer der Gemeinde sammeln sich gegen Moses’ und Aarons Autorität. Moses legt die Streitfrage Jehova vor, indem er zu den Aufrührern sagt: ‘Nehmt euch Feuerbecken und Räucherwerk, und bringt es vor Jehova dar, und laßt ihn wählen’ (16:6, 7). Nun erscheint Jehovas Herrlichkeit der ganzen Gemeinde. Schnell vollstreckt er das Urteil, indem er verursacht, daß sich die Erde spaltet und die Hausgemeinschaften Korahs, Dathans und Abirams verschlingt, und indem er ein Feuer schickt, das die 250 Männer einschließlich Korah verzehrt, die das Räucherwerk geopfert haben. Gleich am nächsten Tag beginnt das Volk, Moses und Aaron für das zu verurteilen, was Jehova getan hat, und wieder straft er es, indem er 14 700 Murrende ausrottet.

      24. Welches Zeichen vollbringt Jehova, um der Auflehnung ein Ende zu bereiten?

      24 Angesichts dieser Ereignisse gebietet Jehova, daß jeder Stamm einen Stab vor ihn bringt, einschließlich eines Stabes mit Aarons Namen für den Stamm Levi. Am nächsten Tag zeigt es sich, daß Jehovas Wahl bezüglich der Priesterschaft auf Aaron gefallen ist, denn nur sein Stab steht in voller Blüte und trägt reife Mandeln. Er soll in der Lade des Bundes „zu einem Zeichen für die Söhne der Widerspenstigkeit“ aufbewahrt werden (4. Mo. 17:10; Heb. 9:4). Nach weiteren Anweisungen für die Unterstützung der Priesterschaft durch den Zehnten und im Hinblick auf die Verwendung von Reinigungswasser mit der Asche einer roten Kuh bringt uns der Bericht nach Kadesch zurück. Hier stirbt Mirjam und wird begraben.

      25. Wie unterlassen es Moses und Aaron, Jehova zu heiligen, und mit welchem Ergebnis?

      25 Wieder an der Schwelle des Landes der Verheißung, beginnt die Gemeinde wegen Wassermangels mit Moses zu hadern. Jehova betrachtet es so, als haderten sie mit ihm, und erscheint in seiner Herrlichkeit, wobei er Moses gebietet, den Stab zu nehmen und Wasser aus dem Felsen hervorzubringen. Heiligen Moses und Aaron jetzt Jehova? Statt dessen schlägt Moses im Zorn zweimal an den Felsen. Das Volk und sein Vieh erhalten Wasser zu trinken, aber Moses und Aaron unterlassen es, Jehova die Ehre zu geben. Obwohl die leidvolle Wanderung durch die Wildnis fast vorbei ist, ziehen sie sich beide Jehovas Mißfallen zu, und es wird ihnen gesagt, sie würden nicht in das Land der Verheißung hineinkommen. Aaron stirbt auf dem Berg Hor, und sein Sohn Eleasar übernimmt die Pflichten des Hohenpriesters.

      26. Welche Ereignisse kennzeichnen den Umweg um Edom?

      26 Israel wendet sich nach Osten und versucht durch das Land Edom zu ziehen, wird aber zurückgewiesen. Während das Volk einen langen Umweg um Edom macht, bringt es sich wieder in Schwierigkeiten, als es sich über Gott und Moses beklagt. Die Israeliten sind des Mannas überdrüssig, und sie sind durstig. Wegen ihrer aufrührerischen Haltung schickt Jehova ihnen giftige Schlangen, so daß viele sterben. Als Moses endlich Fürsprache einlegt, weist Jehova ihn an, eine feurige Kupferschlange zu machen und sie an einer Signalstange anzubringen. Wer gebissen worden ist, aber die kupferne Schlange anblickt, bleibt am Leben. Als sich die Israeliten nach Norden bewegen, werden sie nacheinander von den kriegslustigen Königen Sihon, dem König der Amoriter, und Og, dem König von Baschan, aufgehalten. Israel schlägt beide Könige in der Schlacht und nimmt deren Gebiete östlich des Jordangrabens in Besitz.

      27. Wie stößt Jehova Balaks Pläne in Verbindung mit Bileam um?

      27 Ereignisse in den Ebenen Moabs (22:1⁠—⁠36:13). In gespannter Erwartung, in das Land Kanaan einzuziehen, versammeln sich die Israeliten nun in den Wüstenebenen Moabs, nördlich des Toten Meeres und östlich des Jordan gegenüber von Jericho. Als die Moabiter das riesige vor ihnen ausgebreitete Lager sehen, bekommen sie eine furchtbare Angst. Balak, ihr König, sendet in Absprache mit den Midianitern zu Bileam, damit dieser Wahrsagerei anwende und Israel verfluche. Obwohl Gott Bileam direkt sagt: „Du sollst nicht mit ihnen gehen“, möchte er mitgehen (22:12). Er möchte die Belohnung haben. Schließlich geht er tatsächlich mit, wird aber von einem Engel aufgehalten, und seine eigene Eselin fängt durch ein Wunder an zu sprechen, um ihn zu tadeln. Als Bileam schließlich doch soweit kommt, Aussprüche über Israel zu machen, drängt Gottes Geist ihn, so daß er durch seine vier Sprüche nur Segnungen für Gottes Nation prophezeit und sogar vorhersagt, daß aus Jakob ein Stern hervortreten und aus Israel ein Zepter erstehen würde, um zu unterwerfen und zu vernichten.

      28. Welche heimtückische Schlinge wird Israel auf Bileams Vorschlag hin gelegt, aber wodurch hört die Plage auf?

      28 Balak ist wutentbrannt, weil es Bileam nicht gelungen ist, Israel zu verfluchen, daher sucht Bileam jetzt die Gunst des Königs zu erhalten, indem er vorschlägt, daß die Moabiter mit ihren Mädchen und Frauen die Männer Israels verlocken, an unzüchtigen Riten der Baalsanbetung teilzunehmen (31:15, 16). Hier, unmittelbar an der Grenze des Landes der Verheißung, begehen die Israeliten schwere Unsittlichkeit und beten falsche Götter an. Da Jehovas Zorn in einer Plage entbrennt, fordert Moses eine drastische Bestrafung der Übeltäter. Als Pinehas, der Sohn des Hohenpriesters, sieht, daß ein Vorsteher eine midianitische Frau in sein Zelt inmitten des Lagers bringt, geht er ihnen nach und tötet sie, wobei er die Frau durch ihr Geschlechtsorgan sticht. Daraufhin hört die Plage auf, aber erst nachdem 24 000 daran gestorben sind.

      29. (a) Was zeigt die Zählung am Ende des 40. Jahres? (b) Welche Vorbereitung für den Einzug in das Land der Verheißung wird jetzt getroffen?

      29 Nun gebietet Jehova Moses und Eleasar, das Volk wieder zu zählen, wie das vor fast 39 Jahren am Berg Sinai geschehen war. Diese Zählung zeigt nun, daß es in den Reihen der Israeliten keine Zunahme gegeben hat. Im Gegenteil, es werden 1 820 Männer weniger eingeschrieben. Außer Josua und Kaleb ist niemand von den am Sinai für den Heeresdienst Eingeschriebenen übriggeblieben. Wie Jehova es angekündigt hatte, waren sie alle in der Wildnis gestorben. Als nächstes gibt Jehova Anweisungen im Hinblick auf die Aufteilung des Landes als Erbbesitz. Er wiederholt, daß Moses das Land der Verheißung nicht betreten wird, weil er Jehova an den Wassern von Meriba nicht geheiligt hat (20:13; 27:14, Fußnoten). Josua wird zum Nachfolger des Moses bestellt.

      30. Wie wird mit den Midianitern abgerechnet, und welche Gebietszuteilung wird östlich des Jordan vorgenommen?

      30 Hierauf erinnert Jehova Israel durch Moses an die Wichtigkeit seiner Gesetze über Opfer und Feste und an den Ernst von Gelübden. Auch läßt er Moses mit den Midianitern abrechnen, und zwar wegen ihres Anteils daran, die Israeliten in bezug auf Baal-Peor zu verführen. Alle männlichen Midianiter werden zusammen mit Bileam in der Schlacht getötet, und nur jungfräuliche Mädchen werden verschont, von denen 32 000 gefangengenommen werden; unter anderem gehören auch 808 000 Tiere zur Beute. Kein einziger Israelit wird in der Schlacht vermißt. Die Söhne Rubens und Gads, die Vieh züchten, bitten darum, sich in dem Gebiet östlich des Jordan niederlassen zu dürfen, und nachdem sie eingewilligt haben, beim Erobern des Landes der Verheißung mitzuhelfen, wird ihnen die Bitte gewährt, so daß diesen beiden Stämmen und dem halben Stamm Manasse dieses reiche Tafelland zum Besitztum gegeben wird.

      31. (a) Inwiefern muß Israel beim Einzug in das Land weiterhin gehorchen? (b) Welche Anweisungen werden bezüglich des Erbbesitzes gegeben?

      31 Nach einem Rückblick auf die Stationen der 40jährigen Wanderung lenkt der Bericht die Aufmerksamkeit wieder auf die Notwendigkeit des Gehorsams gegenüber Jehova. Gott gibt den Israeliten das Land, aber sie müssen seine Urteilsvollstrecker werden, indem sie die verderbten, dämonenanbetenden Einwohner hinaustreiben und auch ihre götzendienerische Religion spurlos beseitigen. Die genauen Grenzen des ihnen von Gott gegebenen Landes werden festgelegt. Es soll durch das Los unter sie aufgeteilt werden. Den Leviten, die als Stamm keinen Erbbesitz haben, sollen 48 Städte mit den dazugehörenden Weidegründen gegeben werden; davon sollen 6 als Zufluchtsstädte für unabsichtliche Totschläger dienen. Das Gebiet muß innerhalb des Stammes bleiben und darf niemals durch Heirat einem anderen Stamm übertragen werden. Wenn es keinen männlichen Erben gibt, müssen die Töchter, die ein Erbe erhalten — zum Beispiel die Töchter Zelophhads —, innerhalb ihres eigenen Stammes heiraten (27:1-11; 36:1-11). Mit diesen Geboten Jehovas durch Moses schließt das vierte Buch Mose, als sich die Söhne Israels bereit hielten, in das Land der Verheißung hineinzugehen.

      WIESO NÜTZLICH

      32. Auf welche Weise werden Jesus und sein Opfer im vierten Buch Mose bildlich dargestellt?

      32 Jesus bezog sich bei mehreren Gelegenheiten auf das vierte Buch Mose, und seine Apostel und andere Bibelschreiber zeigen deutlich, wie bedeutungsvoll und nützlich der Bericht des Buches ist. Der Apostel Paulus verglich besonders den treuen Dienst Jesu mit dem des Moses, der zum großen Teil im vierten Buch Mose beschrieben ist (Heb. 3:1-6). Auch in den Tieropfern und dem Sprengen der Asche der jungen roten Kuh gemäß 4. Mose 19:2-9 sehen wir wiederum eine Darstellung der weit großartigeren Vorkehrung für eine Reinigung durch das Opfer Christi (Heb. 9:13, 14).

      33. Weshalb ist das Hervorbringen von Wasser in der Wildnis für uns heute von Interesse?

      33 In ähnlicher Weise zeigte Paulus, daß das Hervorbringen von Wasser aus dem Felsen in der Wildnis für uns sehr bedeutsam ist, indem er sagte: „Sie pflegten aus dem geistigen Felsen zu trinken, der ihnen folgte, und dieser Fels bedeutete den Christus“ (1. Kor. 10:4; 4. Mo. 20:7-11). Passenderweise sagt Christus selbst: „Wer auch immer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben will, der wird überhaupt nie durstig werden, sondern das Wasser, das ich ihm geben will, wird in ihm zu einer Wasserquelle werden, die hervorsprudelt, um ewiges Leben zu vermitteln“ (Joh. 4:14).

      34. Wie zeigte Jesus, daß die Kupferschlange prophetische Bedeutung hatte?

      34 Jesus nahm auch unmittelbar auf einen Vorfall Bezug, der im vierten Buch Mose aufgezeichnet ist und der die wunderbare Vorkehrung vorbildhaft darstellte, die Gott durch Jesus traf: „So, wie Moses die Schlange in der Wildnis erhöhte“, sagte er, „so muß der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe“ (Joh. 3:14, 15; 4. Mo. 21:8, 9).

      35. (a) Wovor sollten sich Christen — wie von den Israeliten in der Wildnis veranschaulicht — in acht nehmen, und warum? (b) Auf welche Beispiele von Gier und Rebellion beziehen sich Judas und Petrus in ihren Briefen?

      35 Weshalb wurden die Israeliten dazu verurteilt, 40 Jahre in der Wildnis umherzuwandern? Wegen Mangels an Glauben. Der Apostel Paulus gab in diesem Punkt eine eindringliche Ermahnung: „Nehmt euch in acht, Brüder, daß sich nicht in einem von euch jemals ein böses Herz des Unglaubens entwickelt, indem er sich von dem lebendigen Gott zurückzieht; sondern ermahnt einander weiterhin jeden Tag.“ Wegen ihres Ungehorsams und wegen ihres Unglaubens starben jene Israeliten in der Wildnis. „Laßt uns daher unser Äußerstes tun, in ... [Gottes] Ruhe einzugehen, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams zu Fall komme“ (Heb. 3:7 bis 4:11; 4. Mo. 13:25 bis 14:38). Judas warnte vor gottlosen Menschen, die von heiligen Dingen lästerlich reden, indem er sich auf Bileams Gier nach einer Belohnung und auf Korahs rebellische Rede gegen Jehovas Diener Moses bezog (Jud. 11; 4. Mo. 22:7, 8, 22; 26:9, 10). Auch Petrus bezog sich auf Bileam als auf einen, „der den Lohn des Unrechttuns liebte“, und der verherrlichte Jesus spricht von ihm in seiner Offenbarung durch Johannes als von einem, der ‘Israel eine Ursache zum Straucheln durch Götzendienst und Hurerei’ gab. Bestimmt sollte die heutige Christenversammlung vor solchen unheiligen Menschen gewarnt werden (2. Pet. 2:12-16; Offb. 2:14).

      36. Vor welchen schädlichen Gewohnheiten warnte Paulus, und wie können wir heute aus seinem Rat Nutzen ziehen?

      36 Als in der Versammlung von Korinth Unsittlichkeit aufkam, schrieb Paulus der Versammlung über das Begehren ‘schädlicher Dinge’ und bezog sich dabei besonders auf das vierte Buch Mose. Er sprach die Ermahnung aus: „Laßt uns auch nicht Hurerei treiben, wie einige von ihnen Hurerei trieben, so daß an e i n e m Tag ihrer dreiundzwanzigtausend fielen“ (1. Kor. 10:6, 8; 4. Mo. 25:1-9; 31:16).b Wie steht es mit jenem Anlaß, bei dem sich die Israeliten darüber beklagten, es sei für sie beschwerlich, Gottes Geboten zu gehorchen, und die Versorgung mit Manna von Jehova befriedige sie nicht? Diesbezüglich sagt Paulus: „Laßt uns Jehova auch nicht auf die Probe stellen, wie ihn einige von ihnen auf die Probe stellten, so daß sie durch die Schlangen umkamen“ (1. Kor. 10:9; 4. Mo. 21:5, 6). Dann fährt Paulus fort: „Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten, so daß sie durch den Vernichter umkamen.“ Wie bitter waren doch die Erfahrungen Israels zufolge ihres Murrens gegen Jehova sowie gegen dessen Vertreter und dessen Vorkehrungen! Diese Dinge, die „ihnen fortgesetzt als Vorbilder“ widerfuhren, sollten heute für uns alle eine deutliche Warnung sein, damit wir fortfahren, Jehova in der Fülle des Glaubens zu dienen (1. Kor. 10:10, 11; 4. Mo. 14:2, 36, 37; 16:1-3, 41; 17:5, 10).

      37. Veranschauliche, wie uns das vierte Buch Mose hilft, andere Bibeltexte zu verstehen.

      37 Das vierte Buch Mose liefert auch den Hintergrund, vor dem andere Bibeltexte besser verstanden werden können (4. Mo. 28:9, 10 — Mat. 12:5; 4. Mo. 15:38 — Mat. 23:5; 4. Mo. 6:2-4 — Luk. 1:15; 4. Mo. 4:3 — Luk. 3:23; 4. Mo. 18:31 — 1. Kor. 9:13, 14; 4. Mo. 18:26 — Heb. 7:5-9; 4. Mo. 17:8-10 — Heb. 9:4).

      38. In welcher besonderen Hinsicht ist das vierte Buch Mose nützlich, und worauf lenkt es unsere Aufmerksamkeit?

      38 Das im vierten Buch Mose Aufgezeichnete ist in der Tat von Gott inspiriert, und es ist nützlich, weil es uns die Wichtigkeit des Gehorsams gegenüber Jehova und des Respekts gegenüber denen lehrt, die er unter seinem Volk zu Aufsehern gemacht hat. Durch Beispiele tadelt es Missetaten, und durch Geschehnisse mit prophetischer Bedeutung lenkt es unsere Aufmerksamkeit auf denjenigen, den Jehova zum Retter und Führer seines Volkes heute bestimmt hat. Es liefert ein wesentliches und lehrreiches Bindeglied in dem Bericht, der zur Aufrichtung des gerechten Königreiches Jehovas in den Händen Jesu Christi führt, den er als Mittler und Hohenpriester erwählt hat.

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 540 bis 542.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 279.

  • 5. Bibelbuch — 5. Mose (Deuteronomium)
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 5. Bibelbuch — 5. Mose (Deuteronomium)

      Schreiber: Moses

      Ort der Niederschrift: Ebenen Moabs

      Vollendung der Niederschrift: 1473 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 2 Monate (1473 v. u. Z.)

      1. Welche Fragen können in Verbindung mit dem Einzug Israels in das Land der Verheißung gestellt werden?

      DAS fünfte Buch Mose enthält eine dynamische Botschaft für Jehovas Volk. Nachdem die Söhne Israels 40 Jahre lang in der Wildnis umhergewandert waren, standen sie nun auf der Schwelle zum Land der Verheißung. Was lag vor ihnen? Welchen besonderen Schwierigkeiten würden sie jenseits des Jordan begegnen? Was würde Moses der Nation zum Schluß zu sagen haben? Auch wir mögen uns fragen: Weshalb ist es für uns heute nützlich, die Antworten auf diese Fragen zu kennen?

      2. Auf welche hervorragende Weise ist das fünfte Buch Mose wichtig?

      2 Die Antworten sind in den Worten zu finden, die Moses sprach und die er im fünften Buch der Bibel, im Deuteronomium, aufzeichnete. Im fünften Buch Mose wird zwar vieles aus den früheren Büchern wiederholt, aber es ist auf seine eigene hervorragende Weise wichtig. Weshalb denn? Es verleiht der göttlichen Botschaft Nachdruck, da es zu einer Zeit in der Geschichte des Volkes Jehovas geschrieben wurde, in der dieses Volk wirklich eine dynamische Führung und positive Leitung benötigte. Das Volk stand kurz davor, unter einem neuen Führer das Land der Verheißung zu betreten. Es brauchte Ermunterung vorwärtszugehen, und gleichzeitig benötigte es die göttliche Warnung, die es befähigen würde, den rechten Lauf einzuschlagen, der zu Jehovas Segen führt.

      3. Was betont Moses in dem gesamten fünften Buch Mose, und weshalb ist das für uns heute wichtig?

      3 Diesem Bedürfnis entsprechend wurde Moses durch Jehovas Geist mit Macht dazu angetrieben, einen offenen Aufruf an Israel ergehen zu lassen, gehorsam und treu zu sein. In dem gesamten Buch betont er, daß Jehova der höchste Gott ist, der ausschließliche Ergebenheit fordert und der wünscht, daß sein Volk ihn ‘mit seinem ganzen Herzen und seiner ganzen Seele und seiner ganzen Tatkraft liebt’. Er ist „der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, starke und furchteinflößende Gott, der niemand parteiisch behandelt noch eine Bestechung annimmt“. Er duldet keine Rivalität. Ihm zu gehorchen bedeutet Leben, ihm nicht zu gehorchen bedeutet Tod. Jehovas Unterweisung, wie sie im fünften Buch Mose erteilt wird, war genau das, was Israel für die bedeutsamen Aufgaben, die vor ihm lagen, an Vorbereitung und Rat benötigte. Es ist auch die Art Ermahnung, die wir heute benötigen, damit wir weiterhin in der Furcht Jehovas wandeln und seinen Namen inmitten einer verderbten Welt heiligen können (5. Mo. 5:9, 10; 6:4-6; 10:12-22).

      4. Welche Bedeutung hat die Bezeichnung „Deuteronomium“, und was ist der Zweck des Buches?

      4 Die Bezeichnung „Deuteronomium“ kommt von Deuteronómion, dem Titel in der griechischen Septuaginta, der deuteros, was „zweiter“ bedeutet, mit nómos verbindet, was „Gesetz“ heißt. Daher bedeutet diese Bezeichnung „Zweites Gesetz; Wiederholung des Gesetzes“. Hierbei handelt es sich um die griechische Wiedergabe einer hebräischen Wendung aus 5. Mose 17:18, mischnéh hattōráh, die richtigerweise mit ‘Abschrift des Gesetzes’ wiedergegeben wird. Ungeachtet der Bedeutung des Namens Deuteronomium ist das Buch kein zweites Gesetz und auch nicht einfach eine Wiederholung des Gesetzes. Vielmehr ist es eine Erklärung des Gesetzes, durch die Israel ermahnt wird, Jehova im Land der Verheißung, in das es bald ziehen würde, zu lieben und ihm zu gehorchen (1:5).

      5. Was beweist, daß Moses der Schreiber des fünften Buches Mose war?

      5 Da dies die fünfte Rolle oder der fünfte Band des Pentateuchs ist, muß der Schreiber derselbe wie derjenige der vier vorangehenden Bücher gewesen sein, nämlich Moses. Die einleitende Erklärung kennzeichnet das Deuteronomium als „die Worte, die Moses ... zu ganz Israel redete“, und spätere Ausdrücke, wie „Dann schrieb Moses dieses Gesetz auf“ und „Da schrieb Moses dieses Lied ... auf“, beweisen deutlich, daß er der Schreiber war. Sein Name erscheint fast 40mal in dem Buch, gewöhnlich, um dem Gesagten Gewicht zu verleihen. Im ganzen Buch wird überwiegend die erste Person gebraucht, die sich auf Moses bezieht. Die letzten Verse wurden nach Moses’ Tod hinzugefügt, wahrscheinlich von Josua oder von Eleasar, dem Hohenpriester (1:1; 31:9, 22, 24-26).

      6. (a) Welche Zeitspanne wird im fünften Buch Mose behandelt? (b) Wann war das Buch so gut wie vollendet?

      6 Wann fanden die Ereignisse statt, über die im fünften Buch Mose berichtet wird? Zu Beginn wird in dem Buch gesagt, daß „Moses im vierzigsten Jahr, im elften Monat, am Ersten des Monats, zu den Söhnen Israels ... redete“. Nach Vollendung der Niederschrift im fünften Buch Mose wird im Buch Josua der Bericht wiederaufgenommen, und zwar drei Tage vor dem Überqueren des Jordan, was „am Zehnten des ersten Monats“ geschah (5. Mo. 1:3; Jos. 1:11; 4:19). Dadurch bleibt für die im fünften Buch Mose berichteten Geschehnisse eine Zeitspanne von zwei Monaten und einer Woche. Es wurden jedoch 30 Tage dieser Zeitspanne von neun Wochen damit verbracht, über Moses’ Tod zu trauern (5. Mo. 34:8). Demnach müssen sich so gut wie alle Ereignisse des fünften Buches Mose im 11. Monat des 40. Jahres abgespielt haben. Auch die Niederschrift des Buches muß bis zum Ende jenes Monats so gut wie vollendet gewesen sein, da Moses’ Tod früh im 12. Monat des 40. Jahres oder Anfang des Jahres 1473 v. u. Z. eintrat.

      7. Was zeigt, daß das fünfte Buch Mose glaubwürdig ist?

      7 Die Beweise, die schon für die Glaubwürdigkeit der ersten vier Bücher des Pentateuchs unterbreitet wurden, gelten auch für das Deuteronomium, das fünfte Buch. Es ist auch eines der vier Bücher der Hebräischen Schriften, die in den Christlichen Griechischen Schriften am häufigsten zitiert werden; die anderen sind das erste Buch Mose, die Psalmen und Jesaja. Es wird 83mal zitiert, und nur sechs Bücher der Christlichen Griechischen Schriften weisen nicht auf das fünfte Buch Mose hin.a

      8. Welches beweiskräftige Zeugnis Jesu unterstützt die Glaubwürdigkeit des fünften Buches Mose?

      8 Jesus selbst liefert den schlagendsten Beweis zur Bestätigung des fünften Buches Mose. Zu Beginn seines Dienstes wurde er dreimal vom Teufel versucht, und dreimal gab er schlagfertig zur Antwort: „Es steht geschrieben.“ Wo geschrieben? Nun, im fünften Buch Mose (8:3; 6:16, 13), das Jesus als seine inspirierte Quelle anführte: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jeder Äußerung, die durch den Mund Jehovas ausgeht.“ „Du sollst Jehova, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ „Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm allein sollst du heiligen Dienst darbringen“ (Mat. 4:1-11). Als die Pharisäer später kamen, um ihn in bezug auf Gottes Gebote auf die Probe zu stellen, zitierte Jesus in Erwiderung „das größte und erste Gebot“ aus 5. Mose 6:5 (Mat. 22:37, 38; Mar. 12:30; Luk. 10:27). Jesu Zeugnis kennzeichnet das fünfte Buch Mose überzeugend als glaubwürdig.

      9. Welcher äußere Beweis bestätigt das fünfte Buch Mose?

      9 Überdies passen die Ereignisse und Erklärungen in dem Buch genau zu der geschichtlichen Situation und der Umgebung. Die Bezugnahmen auf Ägypten, Kanaan, Amalek, Ammon, Moab und Edom sind zeitlich zuverlässig, und Ortsnamen sind richtig wiedergegeben worden.b Die Archäologie fördert fortwährend Beweis um Beweis für die Unversehrtheit der Schriften des Moses zutage. Henry H. Halley schreibt: „In letzter Zeit spricht die Archäologie so laut, daß sie eine entschiedene Wende zu der konservativen Ansicht bewirkt [daß Moses den Pentateuch schrieb]. Die Theorie, daß das Schreiben in Moses’ Tagen unbekannt war, ist völlig widerlegt. Und jedes Jahr werden in Ägypten, Palästina und Mesopotamien Beweise ausgegraben, sowohl Inschriften als auch Erdschichten, die zeigen, daß die Erzählungen der [Hebräischen Schriften] wahre historische Aufzeichnungen sind. Und in ‚Fachkreisen‘ neigt man dazu, der Tradition mosaischer Urheberschaft entschieden mehr Respekt entgegenzubringen.“c So bestätigen sogar die äußeren Beweise das fünfte Buch Mose wie auch das übrige des Pentateuchs als einen echten, glaubwürdigen Bericht, der von Moses, dem Propheten Gottes, aufgezeichnet wurde.

      INHALT DES FÜNFTEN BUCHES MOSE

      10. Woraus setzt sich das fünfte Buch Mose zusammen?

      10 Das Buch besteht hauptsächlich aus einer Reihe von Vorträgen, die Moses den Söhnen Israels in den Ebenen Moabs gegenüber von Jericho hielt. Der erste Vortrag endet im Kapitel 4, der zweite geht bis zum Schluß des Kapitels 26, der dritte setzt sich bis zum Schluß des Kapitels 28 fort, und ein weiterer Vortrag reicht bis zum Ende des Kapitels 30. Nachdem Moses angesichts seines nahenden Todes abschließende Vorkehrungen getroffen hat, wobei er Josua zu seinem Nachfolger eingesetzt hat, zeichnet er ein überaus schönes Lied zu Jehovas Lobpreis auf, an das sich ein Segen für die Stämme Israels anschließt.

      11. Wie leitet Moses seinen ersten Vortrag ein?

      11 Moses’ erster Vortrag (1:1⁠—⁠4:49). Dieser liefert eine geschichtliche Einleitung. Zuerst wiederholt Moses Jehovas treue Handlungsweise mit seinem Volk. Moses sagt den Israeliten, daß sie in das Land, das ihren Vorvätern Abraham, Isaak und Jakob verheißen worden war, einziehen und es in Besitz nehmen sollen. Er berichtet, wie Jehova zu Beginn des Zuges durch die Wildnis die verschiedenen Tätigkeiten dieser theokratischen Gemeinschaft aufeinander abstimmte, indem er ihn, Moses, weise, verständige und erfahrene Männer auswählen ließ, die als Oberste von Tausendschaften, von Hundertschaften, von Fünfzigschaften und von Zehnerschaften tätig sein sollten. Alles war ausgezeichnet organisiert und von Jehova überwacht, als Israel durch „jene ganze große und furchteinflößende Wildnis“ wanderte (1:19).

      12. An welche Ereignisse in Verbindung mit dem anfänglichen Auskundschaften Kanaans erinnert er anschließend?

      12 Nun erinnert Moses an ihre Sünde, die darin bestand, daß sie rebellierten, als sie den Bericht der von Kanaan zurückgekehrten Kundschafter hörten und sich beklagten, Jehova hasse sie, weil er sie, wie sie ihm vorwarfen, nur deshalb aus Ägypten herausgebracht habe, um sie den Amoritern preiszugeben. Weil es ihnen an Glauben fehlte, sagte ihnen Jehova, daß keiner jener bösen Generation, außer Kaleb und Josua, dieses gute Land sehen werde. Darauf verhielten sie sich wieder rebellisch, indem sie sich an dieser Sache heftig erhitzten und aus sich heraus den Feind angriffen, was jedoch bewirkte, daß die Amoriter wie ein Bienenschwarm hinter ihnen her waren und sie zerstreuten.

      13. Auf welcher Grundlage sicherte Moses Josua den Sieg zu?

      13 Sie wanderten durch die Wildnis zum Roten Meer, und im Verlauf von 38 Jahren starb die ganze Generation der Kriegsmänner aus. Dann gebot ihnen Jehova, hinüberzugehen und das Land nördlich des Arnon in Besitz zu nehmen, indem er sagte: „An diesem Tag werde ich anfangen, den Schrecken vor dir und die Furcht vor dir auf die Völker unter allen Himmeln zu legen, die den Bericht über dich hören werden; und sie werden wirklich erbeben und deinetwegen Schmerzen haben wie bei einer Geburt“ (2:25). Sihon wurde besiegt, und sein Land fiel an die Israeliten, und dann wurde Ogs Königreich besetzt. Moses versicherte Josua, daß Jehova beim Besiegen all der Königreiche auf die gleiche Weise für Israel kämpfen werde. Moses fragte dann Gott, ob er vielleicht nicht doch in das gute Land jenseits des Jordan hinübergehen dürfe, aber Jehova versagte ihm das weiterhin und sagte ihm, er solle Josua beauftragen, ermutigen und stärken.

      14. Welchen Nachdruck legt Moses auf Gottes Gesetz und auf ausschließliche Ergebenheit?

      14 Nun legt Moses großen Nachdruck auf Gottes Gesetz und warnt davor, etwas zu seinen Geboten hinzuzufügen oder davon wegzunehmen. Ungehorsam wird Unheil bringen: „Nur hüte dich und gib gut acht auf deine Seele, damit du die Dinge nicht vergißt, die deine Augen gesehen haben, und damit sie nicht aus deinem Herzen weichen alle Tage deines Lebens; und du sollst sie deinen Söhnen und deinen Enkeln bekanntgeben“ (4:9). Sie sahen keine Gestalt, als Jehova unter furchteinflößenden Umständen am Horeb die Zehn Worte äußerte. Es wäre ihr Untergang, wenn sie sich jetzt dem Götzendienst und der Bilderanbetung zuwendeten, denn Moses sagt: „Jehova, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert“ (4:24). Jehova allein liebte ihre Vorväter und erwählte sie. Es gibt keinen anderen Gott oben in den Himmeln oder unten auf der Erde. Gehorche ihm, so ermahnt Moses, „damit du deine Tage verlängerst auf dem Boden, den Jehova, dein Gott, dir gibt, allezeit“ (4:40).

      15. Welche Vorkehrung für Zufluchtsstädte wird östlich des Jordan getroffen?

      15 Nachdem Moses diese eindringliche Rede beendet hat, sondert er Bezer, Ramoth und Golan als Zufluchtsstädte östlich des Jordan ab.

      16. Was wird in Moses’ zweitem Vortrag hervorgehoben?

      16 Moses’ zweiter Vortrag (5:1⁠—⁠26:19). Dies ist ein Aufruf an die Israeliten, auf Jehova zu hören, der am Sinai von Angesicht zu Angesicht zu ihnen sprach. Beachte, wie Moses das Gesetz wiederholt, und zwar mit einigen notwendigen Angleichungen, und es so ihrem neuen Leben jenseits des Jordan anpaßt. Es ist kein bloßes Aufzählen von Bestimmungen und Satzungen. Jedes Wort zeigt, daß Moses’ Herz voller Eifer und Ergebenheit gegenüber seinem Gott ist. Er spricht im Interesse der Nation. Gehorsam gegenüber dem Gesetz wird durchweg unterstrichen — Gehorsam aus Liebe und von Herzen, nicht aus Zwang.

      17. Wie muß Israel die Liebe erwidern, die Jehova ihm erwiesen hat?

      17 Zuerst wiederholt Moses die Zehn Worte, die Zehn Gebote, und ermahnt die Israeliten, zu gehorchen und sich weder zur Rechten noch zur Linken zu wenden, damit sie ihre Tage in dem Lande verlängern und sehr viele werden mögen. „Höre, o Israel: Jehova, unser Gott, ist e i n Jehova“ (6:4). Herz, Seele und Tatkraft müssen eingesetzt werden, um ihn zu lieben, und die Israeliten sollen ihre Söhne lehren und ihnen von den großen Zeichen und Wundern erzählen, die Jehova in Ägypten vollbracht hat. Sie dürfen keine Ehebündnisse mit den götzendienerischen Kanaanitern schließen. Jehova hat Israel erwählt, sein besonderes Eigentum zu werden, nicht weil es volkreich ist, sondern weil er es liebt und den Schwur halten wird, den er den Vorvätern der Israeliten geleistet hat. Israel muß die Schlinge der Dämonenreligion meiden, die Götzenbilder aus dem Land ausrotten und an Jehova festhalten, der wirklich „ein großer und furchteinflößender Gott“ ist (7:21).

      18. Wovor sollen sich die Israeliten gemäß Moses’ Ermahnung hüten?

      18 Jehova demütigte die Israeliten 40 Jahre lang in der Wildnis und lehrte sie, daß der Mensch nicht von Manna oder Brot lebt, sondern von jeder Äußerung des Mundes Jehovas. In all jenen Jahren der Zurechtweisung nutzte sich weder ihre Kleidung ab, noch schwollen ihre Füße an. Nun sind sie im Begriff, ein Land voller Reichtum und Überfluß zu betreten. Jedoch müssen sie sich davor hüten, daß ihnen der Materialismus und die Selbstgerechtigkeit zur Schlinge wird, und sie müssen daran denken, daß Jehova „Kraft gibt, Vermögen zu schaffen“, und der Enteigner der bösen Nationen ist (8:18). Dann zählt Moses Anlässe auf, bei denen Israel Gott herausforderte. Die Israeliten sollen sich daran erinnern, wie Jehovas Zorn in der Wildnis gegen sie entbrannte — durch Plagen, Feuer und Schlachtung. Sie sollen sich an ihre verderbliche Anbetung des Goldenen Kalbes erinnern, die Jehovas Zorn entbrennen ließ und dazu führte, daß die Tafeln des Gesetzes nochmals gemacht werden mußten (2. Mo. 32:1-10, 35; 17:2-7; 4. Mo. 11:1-3, 31-35; 14:2-38). Sicher müssen sie jetzt Jehova dienen und ihm anhangen, der sie um ihrer Väter willen geliebt und sie „an Menge den Sternen der Himmel gleichgemacht“ hat (5. Mo. 10:22).

      19. Welche Wahl wird klar dargelegt, und welche Gesetze werden für die Nation umrissen?

      19 Die Israeliten sollen „das ganze Gebot“ halten, und sie sollen Jehova unbedingt gehorchen, ihn als ihren Gott lieben und ihm mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele dienen (11:8, 13). Jehova wird sie unterstützen und belohnen, wenn sie ihm gehorchen. Sie müssen sich jedoch Mühe geben und fleißig ihre Söhne belehren. Die Wahl, vor der Israel steht, wird wie folgt formuliert: Gehorsam führt zum Segen, Ungehorsam zum Fluch. Sie dürfen nicht ‘anderen Göttern nachgehen’ (11:26-28). Moses umreißt dann bestimmte Gesetze, die Israel betreffen, wenn es in das Land der Verheißung einzieht, um es in Besitz zu nehmen. Es gibt 1. Gesetze, die Religion und Anbetung berühren, 2. Gesetze in Verbindung mit der Handhabung von Recht, Regierung und Krieg und 3. Gesetze, die das private und gesellschaftliche Leben des Volkes regeln.

      20. Welche Punkte heben die Gesetze in bezug auf die Anbetung hervor?

      20 1. Religion und Anbetung (12:1⁠—⁠16:17). Wenn die Israeliten das Land betreten, muß die falsche Religion — ihre Höhen, Altäre, Säulen, heiligen Pfähle und Bilder — restlos beseitigt werden. Die Israeliten dürfen nur an dem Ort anbeten, wohin seinen Namen zu setzen es sich Jehova, ihr Gott, erwählt, und dort sollen sie sich alle in ihm freuen. Bestimmungen über das Essen von Fleisch und von Schlachtopfern schließen wiederholte Mahnungen ein, daß sie kein Blut essen dürfen. „Sei nur fest entschlossen, nicht das Blut zu essen ... Du sollst es nicht essen, damit es dir und deinen Söhnen nach dir gutgeht, weil du tun wirst, was recht ist in den Augen Jehovas“ (12:16, 23-25, 27; 15:23). Nun verurteilt Moses freimütig den Götzendienst. Israel soll die Wege der falschen Religion nicht einmal untersuchen. Wenn sich ein Prophet als falsch erweist, soll er zu Tode gebracht werden, und Abtrünnige — sogar jemandes Angehöriger oder treuer Freund, ja sogar ganze Städte — müssen ebenso der Vernichtung geweiht werden. Darauf folgen Bestimmungen über reine und unreine Speise, die Zahlung des Zehnten und die Fürsorge für die Leviten. Die Interessen von Schuldnern, Armen und leibeigenen Sklaven sind in liebender Weise zu schützen. Schließlich gibt Moses einen Überblick über die jährlichen Feste, Zeiten, Jehova für seinen Segen zu danken: „Dreimal im Jahr sollte jede deiner männlichen Personen vor Jehova, deinem Gott, an dem Ort erscheinen, den er erwählen wird: am Fest der ungesäuerten Brote und am Fest der Wochen und am Laubhüttenfest, und keiner sollte mit leeren Händen vor Jehova erscheinen“ (16:16).

      21. Welche Gesetze werden hinsichtlich des Rechts und der Gerechtigkeit gegeben, und welche wichtige Prophezeiung spricht Moses aus?

      21 2. Recht, Regierung und Krieg (16:18⁠—⁠20:20). Zuallererst gibt Moses die Gesetze, die Richter und Beamte betreffen. Recht ist wichtig, da Jehova Bestechung und gebeugtes Recht haßt. Es werden die Verfahrensweisen zur Beweiserhebung und zur Handhabung von Rechtsfällen umrissen. „Auf die Aussage von zwei Zeugen oder von drei Zeugen sollte, wer sterben muß, zu Tode gebracht werden“ (17:6). Es werden Gesetze gegeben, die Könige betreffen. Es wird für die Priester und Leviten gesorgt. Spiritismus wird als etwas ‘für Jehova Verabscheuungswürdiges’ verboten (18:12). Weit in die Zukunft blickend, erklärt Moses: „Einen Propheten gleich mir wird dir Jehova, dein Gott, aus deiner eigenen Mitte, aus deinen Brüdern, erwecken — auf ihn solltet ihr hören“ (18:15-19). Ein falscher Prophet soll jedoch sterben. Dieser Abschnitt schließt mit Gesetzen, die die Zufluchtsstädte und die Blutrache betreffen sowie die Vorbedingungen für Freistellungen vom Militärdienst und die Kriegsregeln.

      22. Welche privaten und gesellschaftlichen Angelegenheiten, die durch Gesetze geregelt werden, werden besprochen?

      22 3. Privates und gesellschaftliches Leben (21:1 bis 26:19). Es werden Gesetze bekanntgemacht, die das tägliche Leben der Israeliten berühren, Gesetze über Angelegenheiten wie ein erschlagen Aufgefundener, Eheschließung mit einer Gefangenen, das Recht des Erstgeborenen, ein rebellischer Sohn, das An-den-Stamm-Hängen von Verbrechern, Beweise der Jungfräulichkeit, geschlechtliche Vergehen, Kastration, illegitime Söhne, Behandlung von Ausländern, Hygiene, Bezahlung von Zinsen und Einhalten von Gelübden, Scheidung, Entführung, Darlehen, Entlohnung und Erntenachlese. Ein Mann darf nicht mehr als 40 Streiche erhalten. Einem Stier darf nicht das Maul verbunden werden, während er drischt. Das Verfahren für die Schwagerehe wird umrissen. Es müssen genaue Gewichte verwendet werden, denn Unrecht ist für Jehova abscheulich.

      23. Wozu führt es, wie Moses zeigt, wenn Gottes Volk seinen Geboten gehorcht?

      23 Bevor Moses diese eindringliche Rede beendet, erinnert er daran, daß Amalek die Nachzügler der Israeliten schlug, als sie aus Ägypten flohen und ermattet waren, und Moses gebietet Israel, „die Erwähnung Amaleks unter den Himmeln“ auszutilgen (25:19). Wenn die Israeliten das Land betreten, sollen sie mit Freuden die Erstlinge vom Fruchtertrag des Bodens opfern, und sie sollen auch den Zehnten opfern, und zwar mit dem Dankgebet zu Jehova: „Blick doch hernieder von deiner heiligen Wohnung, den Himmeln, und segne dein Volk Israel und den Boden, den du uns gegeben hast, so wie du es unseren Vorvätern geschworen hast, das Land, das von Milch und Honig fließt“ (26:15). Wenn sie diese Gebote mit ganzem Herzen und ganzer Seele beachten, wird sie Jehova seinerseits ‘hoch über alle anderen Nationen, die er gemacht hat, setzen, was zum Lobpreis und zum guten Ruf und zur schönen Auszeichnung ausschlagen wird, während sie sich als ein Volk erweisen, das Jehova, seinem Gott, heilig ist, so wie er verheißen hat’ (26:19).

      24. Welche Segnungen und Flüche werden im dritten Vortrag Israel vorgelegt?

      24 Moses’ dritter Vortrag (27:1⁠—⁠28:68). Hierbei sind die älteren Männer Israels und die Priester bei Moses versammelt, als er ausführlich Jehovas Verfluchungen für Ungehorsam und die Segnungen für Treue schildert. Es werden schreckliche Warnungen vor den furchtbaren Folgen der Untreue ausgesprochen. Wenn Israel als Jehovas heiliges Volk weiter auf die Stimme Jehovas, seines Gottes, hört, wird es sich wunderbarer Segnungen erfreuen, und alle Völker der Erde werden sehen, daß Jehovas Name über den Israeliten genannt wird. Wenn sie das jedoch nicht tun, wird Jehova ‘den Fluch über sie senden, Verwirrung und Schelte’ (28:20). Dann werden sie von widerlichen Krankheiten, von Dürre und von Hungersnot heimgesucht; ihre Feinde werden sie verfolgen und versklaven, und sie werden zerstreut und aus dem Land vertilgt werden. Diese und weitere Flüche werden über sie kommen, wenn sie ‘nicht darauf achten, alle Worte dieses Gesetzes, die in diesem Buch geschrieben sind, auszuführen, um diesen herrlichen und furchteinflößenden Namen, ja Jehova, ihren Gott, zu fürchten’ (28:58).

      25. (a) Welchen Bund schließt Jehova nun mit Israel? (b) Vor welche Wahl stellt Moses das Volk?

      25 Moses’ vierter Vortrag (29:1⁠—⁠30:20). Jehova schließt nun in Moab einen Bund mit Israel. Dieser enthält das von Moses neu formulierte und erklärte Gesetz, das die Israeliten leiten wird, wenn sie das Land der Verheißung betreten. Der feierliche Eid, der den Bund ergänzt, macht der Nation die Verantwortlichkeiten klar. Schließlich ruft Moses die Himmel und die Erde als Zeugen auf, als er dem Volk Leben und Tod vorlegt, den Segen und den Fluch, und er ermahnt: „Du sollst das Leben wählen, damit du am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem du Jehova, deinen Gott, liebst, indem du auf seine Stimme hörst und indem du fest zu ihm hältst; denn er ist dein Leben und die Länge deiner Tage, damit du auf dem Boden wohnst, den Jehova deinen Vorvätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben“ (30:19, 20).

      26. Welche letzten Vorkehrungen trifft Moses vor seinem Tod?

      26 Beauftragung Josuas und das Lied Mose (31:1 bis 32:47). Das Kapitel 31 erzählt, wie Moses, nachdem er das Gesetz geschrieben und Anweisungen gegeben hat, es regelmäßig öffentlich vorzulesen, Josua beauftragt und ihm sagt, er solle mutig und stark sein. Es wird beschrieben, daß Moses ein Gedenklied verfaßt und die Niederschrift der Worte des Gesetzes vollendet und dafür sorgt, daß das Gesetzbuch zur Seite der Bundeslade Jehovas gelegt wird. Danach redet Moses zur ganzen Versammlung als abschließende Ermahnung die Worte des Liedes.

      27. Welche eindringliche Botschaft enthält das Lied Mose?

      27 Mit welcher Wertschätzung doch Moses’ Lied anfängt, indem es den erfrischenden Quell seiner Unterweisung kennzeichnet! „Wie Regen wird träufeln meine Unterweisung, wie Tau wird rieseln meine Rede, wie sanfter Regen auf das Gras und wie ausgiebige Regenschauer auf die Pflanzenwelt. Denn ich werde den Namen Jehovas verkünden.“ Ja, schreibt Größe zu „unserem Gott“, dem „FELS“ (32:2-4). Macht sein vollkommenes Tun, seine gerechten Wege und seine Treue, Gerechtigkeit und Geradheit bekannt. Es war schändlich, daß Israel verderblich handelte, obwohl Jehova die Israeliten in einer öden, heulenden Wüste umgab, indem er sie wie die Pupille seines Auges behütete und wie ein Adler, der über seinen flüggen Jungen schwebt. Er machte sein Volk fett und nannte es Jeschurun, „Redlicher“, aber die Israeliten reizten ihn mit fremden Göttern zur Eifersucht und wurden „Söhne, in denen keine Treue ist“ (32:20). Rache und Vergeltung gehören Jehova. Er bringt zu Tode und macht lebendig. Wenn er sein blitzendes Schwert schärft und seine Hand zum Gericht greift, wird er seinen Widersachern tatsächlich Rache erstatten. Welches Vertrauen das doch bei seinem Volk erwecken sollte! Wie es der Höhepunkt des Liedes ausdrückt, ist es eine Zeit, in der ‘die Nationen fröhlich sein können mit seinem Volk’ (32:43). Welcher weltliche Dichter könnte jemals die erhabene Schönheit, Macht und tiefe Bedeutung dieses Liedes für Jehova erreichen?

      28. Wie wird Jehova in Moses’ abschließendem Segen gepriesen?

      28 Moses’ abschließender Segen (32:48⁠—⁠34:12). Nun werden Moses’ abschließende Anweisungen im Hinblick auf seinen Tod gegeben, aber er ist mit seinem theokratischen Dienst noch nicht zu Ende. Zuerst muß er Israel segnen, und dabei preist er wieder Jehova, den König in Jeschurun, wobei er sagt, daß Jehova mit seinen heiligen Myriaden hervorstrahlt. Die Stämme werden mit Namen genannt und werden als einzelne gesegnet, und dann lobpreist Moses Jehova als den Erhabenen: „Ein Bergungsort ist der Gott der Urzeit, und unterhalb sind die auf unabsehbare Zeit währenden Arme“ (33:27). Aus einem Herzen voller Wertschätzung spricht er dann seine letzten Worte an die Nation: „Glückselig bist du, o Israel! Wer ist wie du, ein Volk, sich der Rettung erfreuend in Jehova ...?“ (33:29).

      29. In welcher Hinsicht war Moses hervorragend?

      29 Nachdem Moses das Land der Verheißung vom Berg Nebo aus gesehen hat, stirbt er, und Jehova begräbt ihn in Moab; sein Grab ist bis heute unbekannt und ungeehrt. Er wurde 120 Jahre alt, aber „sein Auge war nicht trübe geworden, und seine Lebenskraft war nicht gewichen“. Jehova gebrauchte ihn, um große Zeichen und Wunder zu vollbringen, und wie das abschließende Kapitel berichtet, war „in Israel noch nie ein Prophet aufgestanden wie Moses, den Jehova von Angesicht zu Angesicht kannte“ (34:7, 10).

      WIESO NÜTZLICH

      30. Inwiefern liefert das fünfte Buch Mose einen passenden Abschluß für den Pentateuch?

      30 Als abschließendes Buch des Pentateuchs verbindet das fünfte Buch Mose alles Vorangegangene miteinander, indem es den großen Namen Jehovas Gottes verkündet und heiligt. Er allein ist Gott, und er fordert ausschließliche Ergebenheit und duldet keine Rivalität durch Dämonengötter. Heute müssen alle Christen den großartigen Grundsätzen, die dem Gesetz Gottes zugrunde liegen, ernsthafte Aufmerksamkeit schenken und Gott gehorchen, damit sie nicht seinem Fluch unterworfen werden, wenn er sein blitzendes Schwert schärft, um an seinen Widersachern Rache zu üben. Sein größtes und erstes Gebot muß zum Wegweiser in ihrem Leben werden: „Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele und deiner ganzen Tatkraft“ (6:5).

      31. Wie verwerten andere inspirierte Schriften das fünfte Buch Mose, um die Wertschätzung für Gottes Vorsätze zu steigern?

      31 Die übrigen Schriften der Bibel beziehen sich häufig auf das fünfte Buch Mose, um die Wertschätzung für die göttlichen Vorsätze zu steigern. Jesus zitierte daraus, als er dem Versucher antwortete, und nahm auch sonst oft auf dieses Buch Bezug (5. Mo. 5:16 — Mat. 15:4; 5. Mo. 17:6 — Mat. 18:16 und Joh. 8:17). Diese Zitate setzen sich bis in die Offenbarung fort, in der der verherrlichte Jesus schließlich davor warnt, zur Buchrolle der Prophezeiung Jehovas etwas hinzuzufügen oder etwas davon wegzunehmen (5. Mo. 4:2 — Offb. 22:18). Petrus zitiert aus dem fünften Buch Mose, um seine kraftvolle Beweisführung zu untermauern, daß Jesus der Christus ist und der Prophet, der größer ist als Moses und den Jehova in Israel zu erwecken verhieß (5. Mo. 18:15-19 — Apg. 3:22, 23). Paulus zitiert daraus mit Bezug auf Belohnungen für Arbeiter, gründliche Untersuchung durch den Mund von Zeugen und die Unterweisung von Kindern (5. Mo. 25:4 — 1. Kor. 9:8-10 und 1. Tim. 5:17, 18; 5. Mo. 13:14 und 19:15 — 1. Tim. 5:19 und 2. Kor. 13:1; 5. Mo. 5:16 — Eph. 6:2, 3).

      32. In welcher Hinsicht sind Josua, Gideon und die Propheten vortreffliche Beispiele für uns?

      32 Nicht nur die Schreiber der Christlichen Schriften, sondern auch Gottes Diener vorchristlicher Zeiten schöpften aus dem fünften Buch Mose Unterweisung und Ermunterung. Wir tun gut daran, ihrem Beispiel zu folgen. Betrachte den bedingungslosen Gehorsam Josuas, des Nachfolgers von Moses, der beim Eindringen in Kanaan die eroberten Städte der Vernichtung weihte und im Gegensatz zu Achan keine Beute nahm (5. Mo. 20:15-18 und 21:23 — Jos. 8:24-27, 29). Die von Gideon vorgenommene Aussonderung derer aus seinem Heer, die sich ‘fürchteten und zitterten’, geschah im Gehorsam gegenüber dem Gesetz (5. Mo. 20:1-9 — Ri. 7:1-11). Aus Treue zum Gesetz Jehovas sprachen die Propheten in Israel und Juda unerschrocken und mutig bei der Verurteilung abtrünnig werdender Nationen. Amos liefert ein ausgezeichnetes Beispiel dafür (5. Mo. 24:12-15 — Am. 2:6-8). Es gibt buchstäblich Hunderte von Beispielen, die das fünfte Buch Mose mit dem übrigen Teil des Wortes Gottes verbinden und dadurch zeigen, daß es ein unerläßlicher und nützlicher Bestandteil des harmonischen Ganzen ist.

      33. (a) Auf welche Weise dient das fünfte Buch Mose zum Lobpreis Jehovas? (b) Was zeigt die anschließende Tabelle über die Anerkennung der Grundsätze des Gesetzes Gottes durch die weltlichen Nationen?

      33 Der eigentliche Inhalt des fünften Buches Mose dient zum Lobpreis Jehovas, des souveränen Gottes. Durchweg betont es: Bete Jehova an; erweise ihm ausschließliche Ergebenheit. Obwohl das Gesetz für Christen nicht mehr bindend ist, sind die ihm zugrunde liegenden Grundsätze nicht aufgehoben worden (Gal. 3:19). Wieviel können doch wahre Christen aus diesem dynamischen Gesetzbuch Gottes mit seiner fortschreitenden Belehrung, Offenheit und Einfachheit der Darlegung lernen! Ja, sogar die Nationen der Welt haben die Vortrefflichkeit des höchsten Gesetzes Jehovas erkannt und schreiben viele Bestimmungen des fünften Buches Mose in ihre eigenen Gesetzbücher. In der anschließenden Tabelle werden interessante Beispiele von Gesetzen angeführt, die sie verwendet oder deren Grundsätze sie angewandt haben.

      34. Welche Verbindung besteht zwischen dieser „Wiederholung des Gesetzes“ und Gottes Königreich?

      34 Außerdem weist diese Erklärung des Gesetzes auf Gottes Königreich hin und vertieft die Wertschätzung dafür. Wieso? Als der designierte König Jesus Christus auf der Erde war, war er in dem Buch bewandert und wandte es an, wie das seine geschickten Bezugnahmen darauf zeigen. Wenn er seine Königreichsherrschaft über die ganze Erde ausbreitet, wird er gemäß den gerechten Grundsätzen eben dieses „Gesetzes“ herrschen, und alle, die kommen, um sich in ihm als dem „Samen“ des Königreiches zu segnen, werden diesen Grundsätzen gehorchen müssen (1. Mo. 22:18; 5. Mo. 7:12-14). Es ist nützlich und vorteilhaft, jetzt damit zu beginnen, ihnen zu gehorchen. Weit davon entfernt, veraltet zu sein, spricht dieses 3 500 Jahre alte „Gesetz“ heute auf dynamische Weise zu uns, und es wird bis hinein in die neue Welt unter Gottes Königreich fortfahren, zu uns zu sprechen. Möge Jehovas Name unter seinem Volk weiterhin in Anwendung der gesamten nützlichen Unterweisung des Pentateuchs geheiligt werden, die im fünften Buch Mose auf so großartige Weise ihren Höhepunkt erreicht — bestimmt ein inspirierter und inspirierender Teil der ‘ganzen Schrift’!

      [Fußnoten]

      a Siehe „Quotations from the Old Testament“ in The New Testament in Original Greek von B. F. Westcott und F. J. A. Hort, 1956, Seite 601—618.

      b 5. Mose 3:9, Fußnote.

      c Henry H. Halley, Halley’s Bible Handbook, 1988, Seite 56.

      [Übersicht auf Seite 41]

      EINIGE RECHTSBEISPIELE IM FÜNFTEN BUCH MOSEd

      I. Personen- und Familienrecht Kapitel und Vers

      A. Persönliche Beziehungen

      1. Eltern und Kinder 5:16

      2. Eheliche Verbindungen 22:30; 27:20, 22, 23

      3. Scheidungsgesetze 22:13-19, 28, 29

      B. Vermögensrechte 22:1-4

      II. Verfassungsrecht

      A. Voraussetzungen und Pflichten 17:14-20

      in Verbindung mit

      dem Amt des Königs

      B. Militärische Bestimmungen

      1. Freistellung vom 20:1, 5-7; 24:5

      Militärdienst

      2. Geringere Offiziere 20:9

      III. Das Gerichtswesen

      A. Pflichten der Richter 16:18, 20

      B. Oberstes Berufungsgericht 17:8-11

      IV. Das Strafrecht

      A. Verbrechen gegen den Staat

      1. Bestechung, Rechtsbeugung 16:19, 20

      2. Meineid 5:20

      B. Sittlichkeitsverbrechen

      1. Ehebruch 5:18; 22:22-24

      2. Ungesetzliche Ehe 22:30; 27:20, 22, 23

      C. Verbrechen gegen die Person

      1. Mord und tätliche Beleidigung 5:17; 27:24

      2. Vergewaltigung und Verführung 22:25-29

      V. Gesetze der Menschlichkeit

      A. Tierliebe 25:4; 22:6, 7

      B. Rücksicht gegenüber 24: 6, 10-18

      Armen

      C. Bausicherheitsvorschriften 22:8

      D. Behandlung Abhängiger, 15:12-15; 21:10-14;

      einschließlich Sklaven 27:18, 19

      und Gefangener

      E. Menschenfreundliche Vorkehrungen 14:28, 29; 15:1-11;

      für Hilfsbedürftige 16:11, 12; 24:19-22

      [Fußnote]

      d C. F. Kent, Israel’s Laws and Legal Precedents, 1907, Seite vii bis xviii; siehe auch Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 906—912.

  • 6. Bibelbuch — Josua
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 6. Bibelbuch — Josua

      Schreiber: Josua

      Ort der Niederschrift: Kanaan

      Vollendung der Niederschrift: um 1450 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 1473 bis um 1450 v. u. Z.

      1. Vor welcher Situation steht Israel im Jahre 1473 v. u. Z.?

      ES IST das Jahr 1473 v. u. Z. Die Szene ist höchst dramatisch und spannend. Die in den Ebenen Moabs lagernden Israeliten sind bereit, in das Land der Verheißung, Kanaan, einzuziehen. Jenseits des Jordan gibt es zahlreiche kleine Königreiche, von denen jedes sein eigenes Heer hat. Sie sind untereinander entzweit und nach jahrelanger verderbter ägyptischer Herrschaft geschwächt. Aber für die Nation Israel ist der Widerstand außerordentlich groß. Die vielen befestigten, ummauerten Städte wie Jericho, Ai, Hazor und Lachisch müssen eingenommen werden, wenn das Land unterworfen werden soll. Eine kritische Zeit steht bevor. Entscheidende Schlachten müssen geschlagen und gewonnen werden, an denen sich Jehova selbst mit machtvollen Wundern zugunsten seines Volkes beteiligen wird, um seine Verheißung zu erfüllen, die Israeliten in dem Land anzusiedeln. Ohne Zweifel werden diese aufregenden Ereignisse, die bei Jehovas Handlungsweise mit seinem Volk so herausragen, aufgezeichnet werden müssen, und zwar von einem Augenzeugen. Wer könnte sich besser dafür eignen als Josua, der Mann, den Jehova zu Moses’ Nachfolger ernannt hat! (4. Mo. 27:15-23).

      2. Wieso ist die Wahl Josuas sowohl zum Führer als auch zum Chronisten passend?

      2 Die Wahl Josuas sowohl zum Führer als auch zum Chronisten der Ereignisse, die unmittelbar bevorstehen, ist höchst passend. In den vorangegangenen 40 Jahren in der Wildnis war er eng mit Moses verbunden. Er war „von seinem Jünglingsalter an der Diener des Moses“, was zeigt, daß er als geistiger und auch als militärischer Führer geeignet war (4. Mo. 11:28; 2. Mo. 24:13; 33:11; Jos. 1:1). Als Israel 1513 v. u. Z. Ägypten verließ, war er beim siegreichen Kampf gegen die Amalekiter Hauptmann der Heere Israels (2. Mo. 17:9-14). Da er Moses’ loyaler Gefährte und ein furchtloser Befehlshaber des Heeres war, fiel natürlich die Wahl auf ihn, den Stamm Ephraim zu vertreten, als aus jedem Stamm ein Mann für die gefährliche Aufgabe ausgewählt wurde, Kanaan auszukundschaften. Wegen seines Mutes und seiner Treue bei jener Gelegenheit wurde ihm der Einzug in das Land der Verheißung zugesichert (4. Mo. 13:8; 14:6-9, 30, 38). Ja, dieser Josua, der Sohn Nuns, ist ein „Mann, in welchem Geist ist“, ein Mann, der „Jehova völlig nachgefolgt“ ist, ein Mann „voll des Geistes der Weisheit“. Kein Wunder, daß „Israel ... Jehova unablässig alle Tage Josuas [diente]“ (4. Mo. 27:18; 32:12; 5. Mo. 34:9; Jos. 24:31).

      3. Was beweist, daß Josua ein Diener Jehovas war, der wirklich gelebt hat, und daß er auch der Schreiber des nach ihm benannten Buches war?

      3 Aufgrund seiner Erfahrung, Schulung und erprobten Eigenschaften als treuer Anbeter Jehovas war Josua bestimmt geeignet, als einer der Schreiber der ‘von Gott inspirierten Schriften’ gebraucht zu werden. Josua ist keine bloße Sagengestalt, sondern ein Diener Jehovas, der wirklich gelebt hat. Er wird in den Christlichen Griechischen Schriften mit Namen erwähnt (Apg. 7:45; Heb. 4:8). Es ist folgerichtig, daß Josua dazu gebraucht wurde, die Ereignisse niederzuschreiben, deren Augenzeuge er war, ebenso wie sein Vorgänger, Moses, dazu gebraucht worden war, über die Ereignisse zu seinen Lebzeiten zu schreiben. Daß das Buch von jemandem geschrieben wurde, der die Ereignisse miterlebte, ist aus Josua 6:25 zu ersehen. Die jüdische Überlieferung betrachtet Josua als den Schreiber, und in dem Buch selbst heißt es: „Dann schrieb Josua diese Worte in das Buch des Gesetzes Gottes“ (Jos. 24:26).

      4. Wie ist die Echtheit des Buches Josua sowohl durch die Erfüllung der Prophezeiungen als auch durch das Zeugnis späterer Bibelschreiber bewiesen worden?

      4 Zur Zeit der Zerstörung Jerichos belegte Josua den Wiederaufbau der Stadt mit einem prophetischen Fluch, der sich etwa 500 Jahre später, in den Tagen Ahabs, des Königs von Israel, auf bemerkenswerte Weise erfüllte (Jos. 6:26; 1. Kö. 16:33, 34). Die Echtheit des Buches Josua wird außerdem durch viele Bezugnahmen späterer Bibelschreiber auf die darin aufgezeichneten Ereignisse bewiesen. Immer wieder beziehen sich die Psalmisten darauf (Ps. 44:1-3; 78:54, 55; 105:42-45; 135:10-12; 136:17-22) und auch Nehemia (Neh. 9:22-25), Jesaja (Jes. 28:21), der Apostel Paulus (Apg. 13:19; Heb. 11:30, 31) und der Jünger Jakobus (Jak. 2:25).

      5. (a) Welche Zeit wird im Buch Josua behandelt? (b) Wieso ist der Name Josua passend?

      5 Das Buch Josua behandelt einen Zeitraum von über 20 Jahren, vom Einzug in Kanaan im Jahre 1473 v. u. Z. bis ungefähr 1450 v. u. Z., dem Jahr, in dem Josua wahrscheinlich starb. Der Name Josua (hebräisch: Jehōschúaʽ), der „Jehova ist Rettung“ bedeutet, ist höchst passend angesichts der Rolle Josuas als sichtbarer Führer in Israel während der Eroberung des Landes. Er gab Jehova als dem Befreier alle Ehre. In der Septuaginta wird das Buch Iēsoús (das griechische Wort für Jehōschúaʽ) genannt, und hiervon ist der Name Jesus abgeleitet worden. Mit seinen vortrefflichen Eigenschaften wie Mut, Gehorsam und Lauterkeit war Josua wirklich ein großartiges prophetisches Vorbild unseres „Herrn Jesus Christus“ (Röm. 5:1).

      INHALT DES BUCHES JOSUA

      6. In welche natürlichen Abschnitte kann das Buch Josua unterteilt werden?

      6 Das Buch kann in vier natürliche Abschnitte unterteilt werden: 1. Übergang in das Land der Verheißung, 2. Eroberung Kanaans, 3. Verteilung des Landes und 4. Josuas Abschiedsermahnungen. Der ganze Bericht ist lebendig erzählt und mit erregendem Geschehen angefüllt.

      7. Welche Ermunterung und welchen Rat gibt Jehova Josua?

      7 Übergang in das Land der Verheißung (1:1 bis 5:12). Jehova, der von den bevorstehenden Prüfungen weiß, gibt Josua zu Beginn Zuversicht und erteilt guten Rat: „Nur sei mutig und sehr stark ... Dieses Buch des Gesetzes sollte nicht von deinem Mund weichen, und du sollst Tag und Nacht mit gedämpfter Stimme darin lesen, damit du darauf achtest, nach allem zu tun, was darin geschrieben steht; denn dann wirst du deinen Weg zum Erfolg machen, und dann wirst du weise handeln. Habe ich dir nicht geboten? Sei mutig und stark ..., denn Jehova, dein Gott, ist mit dir, wohin du auch gehst“ (1:7-9). Josua erkennt Jehova als den wirklichen Führer und Befehlshaber an und trifft sofort Vorbereitungen, den Jordan, wie geboten, zu überqueren. Die Israeliten nehmen ihn als Moses’ Nachfolger an, und sie geloben Loyalität. Also vorwärts zur Eroberung Kanaans!

      8. (a) Wie beweist Rahab Glauben? (b) Wie erweist sich Jehova als „ein lebendiger Gott“ in der Mitte Israels?

      8 Zwei Männer werden ausgesandt, um Jericho auszukundschaften. Rahab, die Hure, ergreift die Gelegenheit, ihren Glauben an Jehova zu beweisen, indem sie unter Lebensgefahr die Kundschafter verbirgt. Dafür schwören die Kundschafter, daß sie bei der Vernichtung Jerichos verschont werde. Die Kundschafter berichten bei ihrer Rückkehr, daß alle Einwohner des Landes wegen der Israeliten verzagt sind. Da der Bericht günstig ist, zieht Josua sofort zum Jordan, der gerade Hochwasser führt. Nun liefert Jehova den greifbaren Beweis, daß er Josua beisteht und daß — wie zu Moses’ Zeit — „ein lebendiger Gott“ in der Mitte Israels ist (3:10). Als die Priester, die die Bundeslade tragen, ihre Füße in den Jordan setzen, stauen sich die von oben herabfließenden Wasser auf, so daß die Israeliten auf trockenem Boden hinübergehen können. Zum Gedenken nimmt Josua 12 Steine aus der Mitte des Flusses mit und richtet 12 weitere Steine dort im Fluß auf, wo die Priester stehen. Danach gehen die Priester hinüber, und das Hochwasser kehrt zurück.

      9. Was geschieht dann in Gilgal?

      9 Auf der anderen Seite angelangt, lagert sich das Volk in Gilgal, zwischen dem Jordan und Jericho, und hier richtet Josua die Gedenksteine auf als ein Zeugnis für künftige Generationen und ‘damit alle Völker der Erde Jehovas Hand erkennen, daß sie stark ist; damit sie wirklich Jehova, ihren Gott, allezeit fürchten’ (4:24). (Josua 10:15 deutet an, daß Gilgal danach einige Zeit lang als Stützpunktlager gedient haben könnte.) Hier werden die Söhne Israels beschnitten, da während der Wanderung in der Wildnis niemand beschnitten wurde. Das Passah wird gefeiert, es gibt kein Manna mehr, und endlich beginnen die Israeliten, die Erzeugnisse des Landes zu essen.

      10. Wie unterweist Jehova Josua im Hinblick auf die Einnahme Jerichos, und welche dramatische Handlung folgt?

      10 Eroberung Kanaans (5:13⁠—⁠12:24). Das erste Angriffsziel liegt in nächster Nähe. Aber wie soll diese ‘fest verschlossene’ ummauerte Stadt Jericho eingenommen werden? (6:1). Jehova selbst erläutert das Vorgehen, indem er den ‘Fürsten des Heeres Jehovas’ schickt, damit dieser Josua unterweise (5:14). Sechs Tage lang sollen die Heere Israels mit den Kriegsleuten an der Spitze einmal täglich um die Stadt marschieren. Ihnen schließen sich Priester an, die Widderhörner blasen, und andere, die die Lade des Bundes tragen. Am siebten Tag sollen sie siebenmal herumgehen. Treu übermittelt Josua dem Volk die Befehle. Genau wie geboten, marschieren die Heere um Jericho. Es fällt kein Wort. Kein Laut ist zu hören als nur das Stapfen der Füße und die Hörner, die die Priester blasen. Dann gibt ihnen Josua am letzten Tag nach Abschluß der siebten Runde das Zeichen zu rufen. Und wie sie rufen! „Ein großes Kriegsgeschrei“, und die Mauern von Jericho stürzen ein (6:20). Wie ein Mann stürmen sie die Stadt, nehmen sie ein und weihen sie der feurigen Vernichtung. Nur die treue Rahab und ihre Hausgemeinschaft werden befreit.

      11. Wie wird der anfängliche Rückschlag bei Ai wieder wettgemacht?

      11 Dann geht es weiter gegen Westen nach Ai. Das Vertrauen auf einen weiteren leichten Sieg schlägt in Schrecken um, als die Männer von Ai die 3 000 israelitischen Soldaten, die hinaufgesandt worden sind, um die Stadt einzunehmen, in die Flucht schlagen. Was ist geschehen? Hat Jehova die Israeliten im Stich gelassen? Besorgt befragt Josua Jehova. Jehova enthüllt in seiner Antwort, daß jemand im Lager entgegen seinem Gebot, alles in Jericho der Vernichtung zu weihen, ungehorsam gewesen ist und etwas gestohlen und verborgen hat. Diese Unreinheit muß aus dem Lager entfernt werden, bevor Israel weiterhin mit Jehovas Segen Erfolg haben kann. Unter göttlicher Führung wird der Übeltäter, nämlich Achan, ermittelt, und er und seine Hausgemeinschaft werden gesteinigt. Da die Israeliten Jehovas Gunst wiedererlangt haben, ziehen sie jetzt gegen Ai. Wieder enthüllt Jehova die anzuwendende Strategie. Die Männer von Ai werden aus ihrer ummauerten Stadt herausgelockt und geraten durch einen Hinterhalt in eine Falle. Die Stadt wird eingenommen und samt all ihren Einwohnern der Vernichtung geweiht (8:26-28). Kein Kompromiß mit dem Feind!

      12. Welches göttliche Gebot befolgt Josua dann?

      12 Im Gehorsam gegenüber dem Gebot Jehovas, das Moses übermittelt hat, baut Josua dann auf dem Berg Ebal einen Altar und schreibt darauf „eine Abschrift des Gesetzes“ (8:32). Dann liest er der Versammlung des gesamten Volkes, dessen eine Hälfte vor dem Berg Gerisim und dessen andere Hälfte vor dem Berg Ebal steht, die Worte des Gesetzes mit dem Segen und dem Fluch vor (5. Mo. 11:29; 27:1-13).

      13. Was ergibt sich daraus, daß die Gibeoniter „mit Klugheit“ handeln?

      13 Durch das rasche Eindringen beunruhigt, vereinigt sich eine Anzahl der kleinen Königreiche Kanaans, um Josuas Vorrücken aufzuhalten. Als jedoch die Gibeoniter ‘hören, was Josua mit Jericho und Ai getan hat, handeln sie mit Klugheit’ (Jos. 9:3, 4). Unter dem Vorwand, aus einem weit von Kanaan entfernten Land zu sein, gehen sie einen Bund mit Josua ein, „sie am Leben zu lassen“. Als die List entdeckt wird, respektieren die Israeliten den Bund, machen aber die Gibeoniter „zu Holzsammlern und Wasserschöpfern“ wie die ‘niedrigsten Sklaven’, und dadurch erfüllt sich zum Teil Noahs inspirierter Fluch über Kanaan, den Sohn Hams (Jos. 9:15, 27; 1. Mo. 9:25).

      14. Wie beweist Jehova bei Gibeon, daß er für Israel kämpft?

      14 Dieses Überlaufen der Gibeoniter ist keine geringfügige Angelegenheit, denn ‘Gibeon ist eine große Stadt, größer als Ai, und alle seine Männer sind Starke’ (Jos. 10:2). Adoni-Zedek, der König von Jerusalem, sieht darin eine Bedrohung seiner selbst und der anderen Königreiche in Kanaan. Ein Exempel muß statuiert werden, um weiteres Überlaufen zum Feind zu verhindern. Daher schließen sich Adoni-Zedek und vier weitere Könige (jene der Stadtkönigreiche Hebron, Jarmuth, Lachisch und Eglon) zusammen und führen Krieg gegen Gibeon. Josua, der seinen Bund mit den Gibeonitern respektiert, marschiert die ganze Nacht hindurch, um ihnen zu Hilfe zu kommen, und schlägt die Heere der fünf Könige in die Flucht. Erneut greift Jehova in den Kampf ein, indem er übermenschliche Kräfte und Zeichen gebraucht, was verheerende Folgen hat. Mächtige Hagelsteine regnen vom Himmel herab und töten mehr Feinde, als durch die Schwerter des israelitischen Heeres fallen. Und dann — das größte Wunder — ‘bleibt die Sonne mitten am Himmel stehen und eilt nicht zum Untergang, ungefähr einen ganzen Tag’ (10:13). So können die Säuberungsaktionen vollendet werden. Die weltlich Weisen mögen versuchen, dieses wunderbare Ereignis herabzuwürdigen, aber Menschen des Glaubens erkennen den göttlichen Bericht an, denn sie wissen um die Macht Jehovas, die Kräfte des Universums zu überwachen und sie gemäß seinem Willen zu lenken. In der Tat, „Jehova selbst kämpfte für Israel“ (10:14).

      15. Beschreibe den Verlauf der Invasion und deren Höhepunkt in Hazor.

      15 Nachdem Josua die fünf Könige getötet hat, weiht er Makkeda der Vernichtung. Er zieht schnell weiter nach Süden und vernichtet gänzlich die Städte Libna, Lachisch, Eglon, Hebron und Debir in dem Hügelland zwischen dem Salzmeer und dem Großen Meer. Inzwischen hat sich die Nachricht von der Invasion der Israeliten in ganz Kanaan verbreitet. Im Norden schlägt Jabin, der König von Hazor, Alarm. Weit und breit läßt er auf beiden Seiten des Jordan den Ruf ergehen, sich zum vereinten Einsatz gegen die Israeliten zu sammeln. Als sich die versammelten Streitkräfte des Feindes an den Wassern von Merom, unterhalb des Berges Hermon, lagern, sind sie „so zahlreich wie die Sandkörner, die am Ufer des Meeres sind, an Menge“ (11:4). Wieder sichert Jehova Josua den Sieg zu, und er beschreibt die Kampfstrategie. Und der Ausgang? Eine weitere vernichtende Niederlage für die Feinde des Volkes Jehovas! Hazor wird mit Feuer verbrannt, und seine verbündeten Städte und deren Könige werden der Vernichtung geweiht. So dehnt Josua das Gebiet israelitischer Herrschaft über die Länge und Breite Kanaans aus. Einunddreißig Könige sind geschlagen worden.

      16. Welche Landzuteilungen werden vorgenommen?

      16 Verteilung des Landes (13:1⁠—⁠22:34). Obwohl viele Siege errungen, viele wichtige befestigte Städte vernichtet worden sind und der organisierte Widerstand vorläufig gebrochen ist, „bleibt vom Land [noch] sehr viel zur Besitzergreifung übrig“ (13:1). Josua ist jedoch jetzt nahezu 80 Jahre alt, und es muß noch eine weitere große Aufgabe erledigt werden — die Verteilung des Landes als Erbe für neun ganze Stämme und den halben Stamm Manasse. Ruben, Gad und die andere Hälfte des Stammes Manasse haben bereits ihr Erbe östlich des Jordan erhalten, und der Stamm Levi soll keines bekommen, da „Jehova, der Gott Israels“, sein Erbe ist (13:33). Mit der Hilfe Eleasars, des Priesters, teilt Josua nun die Gebiete westlich des Jordan zu. Der 85jährige Kaleb, der darauf erpicht ist, bis zum Schluß gegen Jehovas Feinde zu kämpfen, erbittet sich die Gegend von Hebron, die von Enakitern wimmelt, und sie wird ihm zugeteilt (14:12-15). Nachdem die Stämme durch das Los ihr Erbe erhalten haben, erbittet sich Josua die Stadt Timnath-Serach in der Berggegend von Ephraim, und „nach dem Befehl Jehovas“ wird sie ihm gegeben (19:50). Das Zelt der Zusammenkunft wird in Silo aufgestellt, das ebenfalls in der Berggegend von Ephraim liegt.

      17. Welche Vorkehrung wird in bezug auf Zufluchtsstädte und Wohnstädte für die Leviten getroffen?

      17 Für den unabsichtlichen Totschläger werden sechs Zufluchtsstädte abgesondert, drei auf jeder Seite des Jordan. Westlich des Jordan sind es Kedesch in Galiläa, Sichem in Ephraim und Hebron in der Berggegend von Juda. Östlich sind es Bezer in Rubens Gebiet, Ramoth in Gilead und Golan in Baschan. Diese werden als ‘heilige Orte’ bezeichnet (20:7). Den Leviten werden durch das Los von den Stammeszuteilungen 48 Städte mit ihren Weidegründen als Wohnstädte zugewiesen. Die sechs Zufluchtsstädte sind darin eingeschlossen. So ging Israel daran, das Land „in Besitz zu nehmen und darin zu wohnen“. „Alles traf ein“, so wie Jehova es verheißen hatte (21:43, 45).

      18. Welche Krise entwickelt sich zwischen den östlichen und den westlichen Stämmen, aber wie wird sie überwunden?

      18 Die Kriegsmänner von den Stämmen Ruben und Gad und von dem halben Stamm Manasse, die bis zu dieser Zeit bei Josua geblieben sind, kehren jetzt in ihr Erbe jenseits des Jordan zurück und nehmen dabei Josuas Ermahnung zur Treue und seinen Segen mit. Als sie dicht an den Jordan kommen, errichten sie einen großen Altar. Dies beschwört eine Krise herauf. Da das Zelt der Zusammenkunft in Silo der vorgeschriebene Ort für Jehovas Anbetung ist, befürchten die westlichen Stämme Verrat und Treulosigkeit, und sie bereiten sich zum Kampf gegen die vermeintlichen Aufrührer vor. Blutvergießen wird jedoch verhindert, als erklärt wird, daß der Altar nicht zum Opfern bestimmt ist, sondern nur als „ein Zeuge [dienen soll] zwischen uns [dem Israel östlich und westlich des Jordan], daß Jehova der wahre Gott ist“ (22:34).

      19, 20. (a) Welche Abschiedsermahnungen gibt Josua? (b) Welche Entscheidung legt er Israel vor, und wie betont er die richtige Wahl, die Israel treffen soll?

      19 Josuas Abschiedsermahnungen (23:1⁠—⁠24:33). „Und es geschah, viele Tage nachdem Jehova Israel Ruhe gegeben hatte von allen ihren Feinden ringsum, als Josua alt und an Tagen vorgerückt war“, daß Josua daranging, ganz Israel zusammenzurufen, um zu Herzen gehende Abschiedsermahnungen zu erteilen (23:1). Bis zum Ende schreibt er die großen Siege über die Nationen demütig Jehova zu. Mögen nun alle weiterhin treu sein! „Und ihr sollt sehr mutig sein, um alles zu halten und zu tun, was im Buch des Gesetzes Mose geschrieben steht, indem ihr niemals davon abweicht, weder nach rechts noch nach links“ (23:6). Sie sollen die falschen Götter meiden und ‘beständig auf der Hut sein in bezug auf ihre Seele, indem sie Jehova, ihren Gott, lieben’ (23:11). Es darf keinen Kompromiß mit den übriggebliebenen Kanaanitern geben, keine Ehe und keine interkonfessionellen Bündnisse mit ihnen, denn dadurch würden sie sich Jehovas flammenden Zorn zuziehen.

      20 Josua versammelt alle Stämme in Sichem und ruft die sie vertretenden Beamten vor Jehova heraus. Er erläutert dann Jehovas eigenen Bericht: seine Handlungsweise mit seinem Volk seit der Zeit, als er Abraham rief und ihn nach Kanaan brachte, bis zur Eroberung und Besetzung des Landes der Verheißung. Wieder warnt Josua Israel vor falscher Religion mit den Worten: „Fürchtet Jehova, und dient ihm in Untadeligkeit und in Wahrheit.“ Ja, „dient Jehova“! Dann legt er ihnen mit äußerster Klarheit die Entscheidung vor: „Erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt, ob den Göttern, denen eure Vorväter dienten, ... oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und meine Hausgenossen, wir werden Jehova dienen.“ Mit der gleichen Überzeugung wie Moses erinnert er Israel daran, daß Jehova „ein heiliger Gott [ist]; er ist ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert“. Deshalb hinweg mit den fremdländischen Göttern! So wird das Volk dazu angeregt, wie e i n Mann zu erklären: „Jehova, unserem Gott, werden wir dienen, und auf seine Stimme werden wir hören!“ (24:14, 15, 19, 24). Bevor Josua sie entläßt, macht er einen Bund mit ihnen, schreibt diese Worte in das Buch des Gesetzes Gottes und richtet einen großen Stein als Zeugen auf. Dann stirbt Josua in hohem Alter von 110 Jahren und wird in Timnath-Serach begraben.

      WIESO NÜTZLICH

      21. Welche weisen Ermahnungen im Buch Josua sind heute von unschätzbarem Nutzen?

      21 Gehen uns Josuas Abschiedsermahnungen zu treuem Dienst nicht zu Herzen? Sagen wir nicht selbst wie Josua vor über 3 400 Jahren: „Ich aber und meine Hausgenossen, wir werden Jehova dienen.“? Oder sind nicht die Worte Jehovas an Josua, die er zu Beginn des Einmarsches in das Land der Verheißung äußerte: „Nur sei mutig und sehr stark“, für jemand, der Jehova unter Prüfung oder getrennt von anderen Treuen dient, anspornend? Ist nicht außerdem seine weitere Ermahnung, die Bibel ‘Tag und Nacht mit gedämpfter Stimme zu lesen, um den Weg zum Erfolg zu machen’, von unschätzbarem Nutzen, wenn sie befolgt wird? Bestimmt ist es außerordentlich nützlich, auf solche weisen Ermahnungen einzugehen (24:15; 1:7-9).

      22. Welche wesentlichen Eigenschaften wahrer Anbeter werden hervorgehoben?

      22 Die im Buch Josua so lebendig aufgezeichneten Ereignisse sind mehr als nur alte Geschichte. Sie heben göttliche Grundsätze hervor — ganz besonders, daß Glauben an Jehova und bedingungsloser Gehorsam ihm gegenüber für seinen Segen unerläßlich ist. Der Apostel Paulus berichtet, daß durch Glauben „die Mauern Jerichos [fielen], nachdem sie sieben Tage lang umzogen worden waren“, und daß „Rahab, die Hure, [durch Glauben] nicht mit denen ... [umkam], die ungehorsam handelten“ (Heb. 11:30, 31). Ebenso führt Jakobus Rahab als ein nützliches Beispiel für Christen an, was das Hervorbringen von Werken des Glaubens betrifft (Jak. 2:24-26).

      23. Welche machtvollen Mahnungen sind im Buch Josua enthalten?

      23 Die in Josua 10:10-14 aufgezeichneten ungewöhnlichen, übernatürlichen Ereignisse — daß die Sonne bewegungslos blieb und der Mond stillstand — und auch die vielen anderen Wunder, die Jehova im Interesse seines Volkes vollbrachte, sind machtvolle Mahnungen in bezug auf Jehovas Fähigkeit und Vorsatz, alle bösen Gegner Gottes endgültig auszurotten. Gibeon, der Kampfschauplatz sowohl zur Zeit Josuas als auch zur Zeit Davids, wird von Jesaja damit in Verbindung gebracht, daß sich Jehova erregt zu dieser Ausrottung aufmacht, „damit er seine Tat tue — seine Tat ist befremdend — und damit er sein Werk wirke — sein Werk ist ungewöhnlich“ (Jes. 28:21, 22).

      24. In welcher Verbindung steht das Buch Josua zu den Königreichsverheißungen, und welche Zusicherung gibt es, daß diese ‘alle eintreffen’ werden?

      24 Weisen die in Josua aufgezeichneten Ereignisse auf Gottes Königreich hin? Ganz bestimmt! Daß die Eroberung und Besiedlung des Landes der Verheißung mit etwas weit Größerem in Verbindung steht, wurde durch den Apostel Paulus gezeigt: „Denn wenn Josua sie zu einem Ort der Ruhe geführt hätte, würde Gott danach nicht von einem anderen Tag geredet haben. Also verbleibt dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe“ (Heb. 4:1, 8, 9). Sie drängen voran, um sich ihren „Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters Jesus Christus“ zu sichern (2. Pet. 1:10, 11). Wie aus Matthäus 1:5 hervorgeht, wurde Rahab eine Vorfahrin Jesu Christi. Daher liefert das Buch Josua ein weiteres wesentliches Bindeglied in den Aufzeichnungen, die zur Hervorbringung des Königreichssamens hinführen. Es gibt die feste Zusicherung, daß sich Jehovas Königreichsverheißungen bestimmt erfüllen werden. Der Bericht spricht von der Verheißung, die Gott gegenüber Abraham, Isaak und Jakob machte und die gegenüber deren Nachkommen, den Israeliten, wiederholt wurde, und erklärt über die Tage Josuas: „Keine Verheißung war dahingefallen von der ganzen guten Verheißung, die Jehova dem Hause Israel gegeben hatte; alles traf ein“ (Jos. 21:45; 1. Mo. 13:14-17). Ebenso ist es mit Jehovas ‘guter Verheißung’ im Hinblick auf das gerechte Königreich des Himmels: Alles wird eintreffen!

  • 7. Bibelbuch — Richter
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 7. Bibelbuch — Richter

      Schreiber: Samuel

      Ort der Niederschrift: Israel

      Vollendung der Niederschrift: um 1100 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: um 1450—1120 v. u. Z.

      1. In welcher Hinsicht war die Richterzeit bemerkenswert?

      VOR uns liegt eine mit Handlung vollgepackte Chronik der Geschichte Israels, in der abwechselnd über Israels unheilvolle Verstrickung in dämonische Kulte und über Jehovas barmherzige Befreiung seines reuigen Volkes durch von ihm ernannte Richter berichtet wird. Glaubensstärkend sind die Machttaten Othniels, Ehuds, Schamgars und der anderen Richter, die ihnen folgten. Deshalb sagt der Schreiber des Hebräerbriefs: „Die Zeit wird mir fehlen, wenn ich weitererzähle von Gideon, Barak, Simson, Jephtha ..., die durch Glauben Königreiche niederkämpften, Gerechtigkeit wirkten, ... aus einem Zustand der Schwäche mit Kraft erfüllt wurden, im Krieg tapfer wurden, die Heere von Fremden auseinandertrieben“ (Heb. 11:32-34). Zur Vervollständigung der Namen der zwölf treuen Richter während dieser Zeitspanne seien noch Tola, Jair, Ibzan, Elon und Abdon erwähnt. (Samuel wird gewöhnlich nicht zu den Richtern gezählt.) Jehova war derjenige, der für die Richter die Schlachten schlug, und sein Geist hüllte sie ein, wenn sie ihre Heldentaten vollbrachten. Alle Ehre und allen Ruhm schrieben sie ihrem Gott zu.

      2. Inwiefern ist die hebräische Bezeichnung für das Buch Richter passend?

      2 Das Buch wird in der Septuaginta Kritái und in der hebräischen Bibel Schophetím genannt, was mit „Richter“ übersetzt wird. Schophetím wird von dem Verb schaphát abgeleitet, das „richten, Recht verschaffen, bestrafen, regieren“ bedeutet, wodurch treffend das Amt dieser von „Gott, dem Richter aller“, also theokratisch Ernannten charakterisiert wird (Heb. 12:23). Es waren Männer, die Jehova bei besonderen Gelegenheiten erweckte, um sein Volk von bedrückender Fremdherrschaft zu befreien.

      3. Wann wurde das Buch Richter geschrieben?

      3 Wann wurde das Buch Richter geschrieben? Zwei Aussagen in dem Bericht helfen uns, diese Frage zu beantworten. Die erste lautet wie folgt: „Die Jebusiter wohnen weiterhin ... in Jerusalem bis auf diesen Tag“ (Ri. 1:21). Da König David „die Feste Zion“ der Jebusiter im achten Jahr seiner Regierung (1070 v. u. Z.) einnahm, muß das Buch Richter vor diesem Zeitpunkt geschrieben worden sein (2. Sam. 5:4-7). Die zweite Aussage kommt gleich viermal vor: „In jenen Tagen gab es keinen König in Israel“ (Ri. 17:6; 18:1; 19:1; 21:25). Folglich wurde der Bericht verfaßt, als es einen „König in Israel“ gab, also nachdem Saul 1117 v. u. Z. der erste König geworden war. Das Buch muß somit zwischen 1117 und 1070 v. u. Z. entstanden sein.

      4. Wer war der Schreiber des Buches Richter?

      4 Wer war der Schreiber? Zweifellos ein ergebener Diener Jehovas. Während der Übergangszeit von den Richtern zur Monarchie ragt einzig Samuel als unerschütterlicher Verteidiger der Anbetung Jehovas heraus, und er ist auch der erste in der Reihe der treuen Propheten. Logischerweise müßte Samuel die Geschichte der Richter aufgezeichnet haben.

      5. Wie kann die Länge der Richterzeit errechnet werden?

      5 Wie lang ist die im Buch Richter behandelte Zeitspanne? Das läßt sich mit Hilfe von 1. Könige 6:1 errechnen, wo gezeigt wird, daß Salomo das Haus Jehovas im 4. Jahr seiner Regierung zu bauen begann, das dem „vierhundertachtzigsten Jahr nach dem Auszug der Söhne Israels aus dem Land Ägypten“ entsprach. (Da „vierhundertachtzigsten“ eine Ordnungszahl ist, handelt es sich um 479 volle Jahre.) Innerhalb dieser 479 Jahre sind uns folgende Zeitabschnitte bekannt: 40 Jahre unter Moses in der Wildnis (5. Mo. 8:2), 40 Jahre der Regierung Sauls (Apg. 13:21), 40 Jahre der Regierung Davids (2. Sam. 5:4, 5) und die ersten 3 vollen Jahre der Regierung Salomos. Zieht man diese insgesamt 123 Jahre von den 479 Jahren gemäß 1. Könige 6:1 ab, so bleiben für die Zeitspanne zwischen dem Einmarsch Israels in Kanaan und dem Beginn der Herrschaft Sauls 356 Jahre.a Die im Buch Richter aufgezeichneten Ereignisse, die vom Tod Josuas bis zur Zeit Samuels reichen, behandeln ungefähr 330 Jahre dieser Zeitspanne von 356 Jahren.

      6. Was beweist die Glaubwürdigkeit des Buches Richter?

      6 Die Glaubwürdigkeit des Buches Richter steht außer Zweifel. Die Juden haben es immer als Teil des Bibelkanons betrachtet. Sowohl Schreiber der Hebräischen als auch der Christlichen Griechischen Schriften bezogen sich auf den Bericht, beispielsweise in Psalm 83:9-18; Jesaja 9:4; 10:26 und Hebräer 11:32-34. Freimütig verschweigt es weder die Unzulänglichkeiten Israels noch dessen Abtrünnigkeit, und es preist gleichzeitig die grenzenlose liebende Güte Jehovas. Es ist Jehova, kein menschlicher Richter, der in Israel als Befreier geehrt wird.

      7. (a) Wie unterstützt die Archäologie die Aufzeichnung im Buch Richter? (b) Warum befahl Jehova zu Recht die Ausrottung der Baalsanbeter?

      7 Die Echtheit des Buches Richter wird auch durch archäologische Funde bestätigt. Die bemerkenswertesten Funde betreffen den Baalskult der Kanaaniter. Außer dem, was den biblischen Hinweisen zu entnehmen ist, wußte man wenig über den Baalskult, bis von 1929 an die alte kanaanitische Stadt Ugarit (das heutige Ras Schamra an der syrischen Küste gegenüber der Nordostspitze Zyperns) ausgegraben wurde. Dabei wurde deutlich, daß der Baalskult den Materialismus, übertriebenen Nationalismus und den Geschlechtskult förderte. Jede kanaanitische Stadt hatte wahrscheinlich ihren Baalstempel sowie als „Höhen“ bezeichnete Heiligtümer, offensichtlich mit Darstellungen Baals. Außerhalb, neben den Altären, standen Steinsäulen — möglicherweise phallische Symbole Baals. Durch verabscheuungswürdige Menschenopfer wurden diese Heiligtümer mit Blut besudelt. Als sich die Israeliten mit der Baalsanbetung verunreinigten, opferten auch sie ihre Söhne und Töchter (Jer. 32:35). Es gab einen heiligen Pfahl, der Aschera, die Mutter Baals, darstellte. Die Fruchtbarkeitsgöttin Aschtoret, Baals Frau, wurde durch einen obszönen Geschlechtskult verehrt, und sowohl Männer als auch Frauen wurden als „geweihte“ Tempelprostituierte gehalten. Kein Wunder, daß Jehova die Ausrottung des Baalskults und dessen bestialischer Anhänger geboten hatte. „Es soll deinem Auge nicht leid sein um sie; und du sollst ihren Göttern nicht dienen“ (5. Mo. 7:16).b

      INHALT DES BUCHES RICHTER

      8. In welche Abschnitte gliedert sich das Buch?

      8 Das Buch gliedert sich eindeutig in drei Abschnitte. In den beiden ersten Kapiteln werden die Verhältnisse in Israel zu jener Zeit beschrieben. Die Kapitel 3 bis 16 berichten über die Befreiungstaten der zwölf Richter. Aus den Kapiteln 17 bis 21 erfahren wir etwas über bestimmte Ereignisse, die unter anderem zum Bürgerkrieg in Israel führen.

      9. Welchen Hintergrund liefern die beiden ersten Kapitel?

      9 Verhältnisse in Israel zur Zeit der Richter (1:1 bis 2:23). Es wird beschrieben, wie sich die Stämme Israels ausbreiten und sich in den ihnen zugeteilten Gebieten niederlassen. Die Israeliten setzen viele Kanaaniter zur Zwangsarbeit ein und lassen sie in ihrer Mitte wohnen, statt sie vollständig auszutreiben. Deshalb erklärt Jehovas Engel: „Sie sollen euch zu Schlingen werden, und ihre Götter werden euch als Köder dienen“ (2:3). Als daher eine neue Generation heranwächst, die Jehova oder seine Werke nicht kennt, verläßt das Volk ihn bald, um den Baalen und anderen Göttern zu dienen. Weil Jehovas Hand Unglück über die Israeliten bringt, geraten sie „in große Bedrängnis“. Wegen ihres störrischen Benehmens und weil sie sich sogar weigern, auf die Richter zu hören, treibt Jehova keine einzige der Nationen aus, die er übriggelassen hat, um Israel auf die Probe zu stellen. Dieser Hintergrund ist eine Hilfe, die nachfolgenden Ereignisse zu verstehen (2:15).

      10. Durch wessen Kraft richtet Othniel, und mit welchem Ergebnis?

      10 Richter Othniel (3:1-11). In ihrer Trübsal wegen der Unterdrückung durch die Kanaaniter rufen die Söhne Israels Jehova um Hilfe an. Othniel ist der erste Richter, den er erweckt. Richtet Othniel mit menschlicher Kraft und Weisheit? Nein, denn wir lesen: „Der Geist Jehovas kam nun über ihn“, um Israels Feinde zu unterwerfen. „Danach hatte das Land vierzig Jahre lang Ruhe“ (3:10, 11).

      11. Wie gebraucht Jehova Ehud, um Israel zu befreien?

      11 Richter Ehud (3:12-30). Die Söhne Israels müssen Eglon, dem König von Moab, 18 Jahre lang dienen, bis Jehova ein weiteres Mal ihre Hilferufe erhört und den Richter Ehud erweckt. Der linkshändige Ehud, der eine Geheimaudienz beim König erlangt, tötet Eglon, indem er ein selbstgemachtes Schwert, das er unter seinem Umhang verborgen hat, tief in dessen fetten Bauch stößt. Israel sammelt sich schnell an Ehuds Seite zum Kampf gegen Moab, und Gott gewährt dem Land wieder 80 Jahre lang Ruhe.

      12. Was zeigt, daß Schamgars Sieg durch Gottes Kraft bewirkt wurde?

      12 Richter Schamgar (3:31). Schamgar rettet Israel, indem er sechshundert Philister niederschlägt. Daß es ein Sieg durch Jehovas Kraft ist, läßt die Waffe, die er dabei benutzt, erkennen: ein einfacher Rinderstachel.

      13. Welche dramatischen Ereignisse gehen dem Siegeslied Baraks und Deboras voraus?

      13 Richter Barak (4:1⁠—⁠5:31). Als nächstes wird Israel dem kanaanitischen König Jabin und dessen Heerführer Sisera untertan, der über mehr als 900 Streitwagen mit eisernen Sicheln verfügt. Als Israel wieder beginnt, zu Jehova zu schreien, erweckt er den Richter Barak, der von der Prophetin Debora mit Geschick unterstützt wird. Damit Barak und sein Heer keinen Grund zum Prahlen haben, läßt Debora wissen, daß es eine Schlacht unter der Leitung Jehovas sein wird, und sie prophezeit: „Jehova wird Sisera in die Hand einer Frau verkaufen“ (4:9). Barak ruft Männer von Naphtali und Sebulon auf dem Berg Tabor zusammen. Mit seinem 10 000 Mann starken Heer stürmt er herab in den Kampf. Der starke Glaube trägt den Sieg davon. ‘Jehova beginnt Sisera und alle seine Kriegswagen und das ganze Lager in Verwirrung zu bringen’, indem er sie durch eine plötzliche Überschwemmung im Tal Kischon überwältigt. ‘Auch nicht e i n e r bleibt übrig’ (4:15, 16). Jael, die Frau Hebers, des Keniters, in deren Zelt sich Sisera flüchtet, macht die Niederlage vollkommen, indem sie Siseras Kopf mit einem Zeltpflock an den Boden nagelt. „So unterwarf Gott ... Jabin“ (4:23). Debora und Barak frohlocken im Gesang und preisen die unüberwindbare Kraft Jehovas, der sogar die Sterne von ihren Bahnen aus gegen Sisera kämpfen ließ. Es ist wirklich eine Zeit, ‘Jehova zu segnen’ (5:2). Vierzig Jahre des Friedens folgen.

      14, 15. Welchen Beweis der Unterstützung Jehovas erhält Gideon, und wodurch wird diese Unterstützung in Verbindung mit der völligen Niederlage der Midianiter noch hervorgehoben?

      14 Richter Gideon (6:1⁠—⁠9:57). Wieder handeln die Söhne Israels schlecht, und das Land wird von plündernden Midianitern verwüstet. Durch seinen Engel ernennt Jehova Gideon zum Richter, und Jehova versichert ihm mit eigenen Worten: „Es [wird] sich erweisen ..., daß ich mit dir bin“ (6:16). Gideons erste mutige Handlung besteht darin, den Altar Baals in seiner Heimatstadt niederzureißen. Nun kommen die vereinigten Heere des Feindes herüber nach Jesreel, und ‘Jehovas Geist hüllt Gideon ein’, als er Israel zur Schlacht zusammenruft (6:34). Durch eine Probe, bei der Gideon auf der Dreschtenne ein Wollvlies dem Tau aussetzt, erhält er die zweifache Bestätigung dafür, daß Gott mit ihm ist.

      15 Jehova sagt Gideon, daß sein Heer von 32 000 Mann zu zahlreich ist und sich Menschen wegen dessen Größe des Sieges brüsten könnten. Zuerst werden die Furchtsamen nach Hause geschickt, so daß nur noch 10 000 übrigbleiben (Ri. 7:3; 5. Mo. 20:8). Dann werden durch eine Probe beim Wassertrinken alle bis auf 300 umsichtige und wachsame Männer ausgeschieden. Gideon erkundet das midianitische Lager bei Nacht, und sein Vertrauen wird gestärkt, als er hört, wie ein Mann einen Traum wie folgt deutet: „Das ist nichts anderes als das Schwert Gideons ... Der wahre Gott hat Midian und das ganze Lager in seine Hand gegeben“ (Ri. 7:14). Nachdem Gideon zu Gott gebetet hat, stellt er seine Leute in drei Abteilungen rings um das midianitische Lager auf. Plötzlich wird die Stille der Nacht durch das Blasen von Hörnern zerrissen, durch das Zerschlagen großer Wasserkrüge, durch das Aufleuchten von Fackeln und durch den Ausruf der 300 Männer Gideons: „Schwert Jehovas und Gideons!“ (7:20). Im Lager der Feinde bricht ein Tumult aus. Die Männer kämpfen einer gegen den anderen und ergreifen die Flucht. Israel jagt ihnen nach, schlägt sie nieder und tötet ihre Fürsten. Nun bittet das Volk von Israel Gideon, über sie zu herrschen, was er jedoch mit den Worten zurückweist: „Jehova ist es, der über euch herrschen wird“ (8:23). Er macht aus der Kriegsbeute allerdings ein Ephod, das später ungebührlich verehrt wird und so für Gideon und seine Hausgemeinschaft zu einer Schlinge wird. Während Gideons Zeit als Richter hat das Land 40 Jahre lang Ruhe.

      16. Welches Ende findet der Usurpator Abimelech?

      16 Nach Gideons Tod reißt Abimelech, einer seiner Söhne von einer Nebenfrau, die Macht an sich und ermordet seine 70 Halbbrüder. Jotham, Gideons jüngster Sohn, kann als einziger entkommen, und er verkündet vom Gipfel des Berges Gerisim Abimelechs Untergang. In seinem Gleichnis von den Bäumen vergleicht er Abimelechs „Königtum“ mit dem eines geringgeachteten Dornstrauchs. Bald wird Abimelech in Sichem in einen internen Streit verwickelt. In dessen Verlauf kommt er auf demütigende Weise durch die Hand einer Frau um, die vom Turm von Tebez einen Mühlstein wirft, der ihn genau trifft und seinen Schädel zerschmettert (Ri. 9:53; 2. Sam. 11:21).

      17. Was erfahren wir über die Richter Tola und Jair?

      17 Die Richter Tola und Jair (10:1-5). Sie sind die nächsten, die in der Kraft Jehovas Befreiungstaten vollbringen, und sie richten 23 bzw. 22 Jahre lang.

      18. (a) Welche Befreiung schafft Jephtha? (b) Welches Gelübde, das er Jehova abgelegt hat, hält er treu? Wie?

      18 Richter Jephtha (10:6⁠—⁠12:7). Da Israel nicht davon abläßt, Götzendienst zu treiben, entbrennt erneut der Zorn Jehovas gegen die Nation. Das Volk muß daraufhin unter der Bedrückung durch die Ammoniter und die Philister leiden. Jephtha wird aus der Verbannung zurückgerufen, um Israel im Kampf anzuführen. Aber wer ist der wahre Richter in dieser Auseinandersetzung? Jephthas eigene Worte geben die Antwort: „Möge Jehova, der Richter, heute richten zwischen den Söhnen Israels und den Söhnen Ammons“ (11:27). Als der Geist Jehovas über ihn kommt, gelobt er, denjenigen, der zuerst aus seinem Haus herauskommt, um ihn zu empfangen, wenn er in Frieden von Ammon heimkehrt, Jehova hinzugeben. Jephtha bereitet Ammon eine vernichtende Niederlage. Bei seiner Rückkehr zu seinem Haus in Mizpa läuft ihm als erste seine eigene Tochter voll Freude über den Sieg Jehovas entgegen. Jephtha erfüllt sein Gelübde — nein, nicht durch ein heidnisches Menschenopfer gemäß den Baalsriten, sondern dadurch, daß er seine einzige Tochter hingibt, damit sie im Haus Jehovas ausschließlich zu Gottes Lobpreis diene.

      19. Welche Ereignisse führen zur „Schibboleth“-Probe?

      19 Die Männer Ephraims protestieren nun dagegen, daß sie nicht gerufen wurden, um gegen Ammon zu kämpfen, und sie bedrohen Jephtha, der gezwungen ist, sie zurückzutreiben. Insgesamt 42 000 Ephraimiter werden getötet, viele von ihnen an den Furten des Jordan, wo sie sich verraten, weil sie das Losungswort „Schibboleth“ nicht aussprechen können. Jephtha richtet Israel weitere sechs Jahre.

      20. Welche drei Richter werden als nächstes erwähnt?

      20 Die Richter Ibzan, Elon und Abdon (12:8-15). Über die Betreffenden wird nur wenig gesagt, doch zumindest wird die jeweilige Zeitspanne ihres Richtens angegeben, die sich auf 7, 10 bzw. 8 Jahre beläuft.

      21, 22. (a) Was für Machttaten vollbringt Simson, und durch wessen Kraft? (b) Wie wird Simson schließlich von den Philistern überwältigt? (c) Welche Ereignisse führen zu Simsons größter Tat, und wer erinnert sich seiner in dieser Stunde?

      21 Richter Simson (13:1⁠—⁠16:31). Wieder einmal gerät Israel in die Knechtschaft der Philister. Diesmal wird Simson von Jehova als Richter erweckt. Seine Eltern ziehen ihn von Geburt an als Nasiräer auf; deshalb darf auch niemals ein Schermesser auf sein Haar kommen. Während er aufwächst, segnet Jehova ihn, und ‘im Laufe der Zeit fängt der Geist Jehovas an, ihn umherzutreiben’ (13:25). Das Geheimnis seiner Stärke beruht nicht auf seinen Muskeln, sondern auf der Kraft, die Jehova ihm gibt. Als „Jehovas Geist über ihm wirksam“ wird, kann er mit bloßen Händen einen Löwen töten und später den Philistern einen Treuebruch vergelten, indem er 30 von ihnen niederstreckt (14:6, 19). Als die Philister in Verbindung mit Simsons Verlobung mit einer Philisterin wiederholt treulos handeln, nimmt dieser 300 Füchse, wendet Schwanz gegen Schwanz, steckt Fackeln zwischen die Schwänze und sendet sie hinaus, um die Getreidefelder, Weingärten und Olivenhaine der Philister in Brand zu setzen. Dann vollbringt er eine große Schlachtung unter den Philistern und häuft „Schenkel auf Hüften“ (15:8). Die Philister überreden Israeliten, Männer von Juda, Simson zu binden und ihnen auszuliefern, aber wieder ‘wird Jehovas Geist über ihm wirksam’, und seine Fesseln schmelzen sozusagen von seinen Händen weg. Simson schlägt tausend Philister nieder — „einen Haufen, zwei Haufen!“ (15:14-16). Seine Angriffswaffe? Ein feuchter Eselskinnbacken. Jehova erfrischt seinen erschöpften Diener, indem er auf dem Kampfplatz durch ein Wunder eine Wasserquelle hervorbrechen läßt.

      22 Simson verbringt eine Nacht im Haus einer Prostituierten in Gasa, wo ihn die Philister leise umzingeln. Doch wieder erweist es sich, daß der Geist Jehovas mit ihm ist, als er um Mitternacht aufsteht, die Flügel des Stadttors und dessen Seitenpfosten herausreißt und sie bis auf den Gipfel eines Berges vor Hebron trägt. Danach verliebt er sich in die verräterische Delila. Als williges Werkzeug der Philister setzt sie ihm so lange zu, bis er ihr enthüllt, daß seine Ergebenheit als Nasiräer Jehova gegenüber, die durch sein langes Haar versinnbildet wird, die wirkliche Quelle seiner großen Kraft ist. Während er schläft, läßt sie ihm das Haar abschneiden. Als er diesmal erwacht, versucht er vergeblich zu kämpfen, denn „Jehova [ist] von ihm gewichen“ (16:20). Die Philister ergreifen ihn, bohren ihm die Augen aus und stellen ihn in ihrem Gefangenenhaus als Sklaven an eine Mühle. Als die Zeit für ein großes Fest zu Ehren Dagons, des Gottes der Philister, kommt, bringen sie Simson heraus, damit er sie belustige. Sie messen der Tatsache, daß sein Haar wieder üppig gewachsen ist, keine Bedeutung bei, denn sie erlauben ihm, sich zwischen die beiden mächtigen Säulen des Hauses zu stellen, das der Anbetung Dagons dient. Simson ruft Jehova an: „Souveräner Herr Jehova, gedenke bitte meiner, und stärke mich bitte nur dieses eine Mal.“ Und Jehova erinnert sich wirklich seiner. Simson faßt die Säulen und ‘beugt sich mit Kraft’ — der Kraft Jehovas —, ‘und das Haus fällt zusammen, so daß der Toten, die er in seinem eigenen Tod tötet, mehr werden als derer, die er zu seinen Lebzeiten zu Tode gebracht hat’ (16:28-30).

      23. Welche Ereignisse werden in den Kapiteln 17 bis 21 berichtet, und wann trugen sie sich zu?

      23 Nun kommen wir zu den Kapiteln 17 bis 21, die einige der internen Zwistigkeiten beschreiben, von denen Israel während dieser Zeit leider heimgesucht wird. Diese Ereignisse tragen sich ganz zu Anfang der Richterzeit zu, denn es wird gesagt, daß Jonathan und Pinehas, Moses’ bzw. Aarons Enkel, noch leben.

      24. Wie gründen einige Daniter eine unabhängige Religion?

      24 Micha und die Daniter (17:1⁠—⁠18:31). Micha, ein Mann aus Ephraim, schafft sich ein eigenes unabhängiges Heiligtum, ein götzendienerisches „Götterhaus“, zu dem auch ein geschnitztes Bild und ein levitischer Priester gehören (17:5). Männer vom Stamm Dan, die im Norden ein Erbteil suchen, kommen unterwegs bei Micha vorbei. Sie nehmen seine sakralen Gegenstände und seinen Priester mit und marschieren weit nach Norden, wo sie die nichtsahnende Stadt Lajisch vernichten. An deren Stelle erbauen sie ihre eigene Stadt, Dan, und stellen Michas geschnitztes Bild auf. Alle Tage, die Jehovas Haus der reinen Anbetung in Silo besteht, praktizieren sie eine unabhängige, selbstgewählte Anbetungsform.

      25. Wieso wird in Gibea ein Bürgerkrieg in Israel ausgelöst?

      25 Benjamins Sünde in Gibea (19:1⁠—⁠21:25). Das nächste Ereignis, über das berichtet wird, veranlaßt Hosea später zu der Äußerung: „Seit den Tagen Gibeas hast du gesündigt, o Israel“ (Hos. 10:9). Ein Levit aus Ephraim, der mit seiner Nebenfrau nach Hause zurückkehrt, verbringt die Nacht bei einem alten Mann in Gibea in Benjamin. Nichtsnutzige Männer der Stadt umringen das Haus und verlangen nach dem Leviten, um Verkehr mit ihm zu haben. Sie geben sich dann jedoch mit seiner Nebenfrau zufrieden und mißbrauchen sie die ganze Nacht. Am Morgen wird sie tot auf der Schwelle gefunden. Der Levit nimmt ihren Leichnam mit nach Hause, zerlegt ihn in 12 Stücke und verschickt diese in ganz Israel. Dadurch werden die 12 Stämme auf die Probe gestellt. Werden sie Gibea bestrafen und so die Unsittlichkeit aus Israel entfernen? Benjamin ahndet das gemeine Verbrechen nicht. Die anderen Stämme versammeln sich vor Jehova in Mizpa, wo sie beschließen, gemäß dem Los gegen Benjamin nach Gibea hinaufzuziehen. Nach zwei blutigen Niederlagen haben die anderen Stämme durch einen Hinterhalt Erfolg, und der Stamm Benjamin wird fast vollständig vernichtet, da nur sechshundert Männer zum Felsen Rimmon entkommen. Später bedauert Israel, daß ein Stamm abgehauen worden ist. Es findet sich eine Möglichkeit, den überlebenden Benjaminitern Töchter von Jabesch-Gilead und von Silo als Frauen zu geben. Damit kommt der Bericht über Streit und Intrigen in Israel zu Ende. In den Schlußworten des Buches Richter heißt es zum wiederholten Mal: „In jenen Tagen gab es keinen König in Israel. Jeder war es gewohnt zu tun, was in seinen eigenen Augen recht war“ (Ri. 21:25).

      WIESO NÜTZLICH

      26. Welche nachdrücklichen Warnungen im Buch Richter sind auch heute noch gültig?

      26 Das Buch Richter ist keineswegs nur ein Bericht über Streit und Blutvergießen, sondern es preist Jehova als den großen Befreier seines Volkes. Es zeigt, wie er seine unvergleichliche Barmherzigkeit und Langmut gegenüber seinem Namensvolk zum Ausdruck bringt, wenn dieses reumütig zu ihm zurückkehrt. Dieses Bibelbuch ist äußerst nützlich, da es freimütig die Anbetung Jehovas unterstützt und nachdrücklich vor der Torheit der dämonischen Kulte, des Interkonfessionalismus und unsittlicher Verbindungen warnt. Jehovas strenge Verurteilung des Baalskults sollte uns veranlassen, uns von dessen neuzeitlichen Gegenstücken — dem Materialismus, dem Nationalismus und der Unsittlichkeit — fernzuhalten (2:11-18).

      27. Welchen Nutzen können wir heute aus dem guten Beispiel der Richter ziehen?

      27 Der unerschrockene Glaube der mutigen Richter sollte in unserem Herzen einen ähnlichen Glauben entfachen. Kein Wunder, daß sie mit solch begeisterter Anerkennung in Hebräer 11:32-34 erwähnt werden. Sie kämpften für die Heiligung des Namens Jehovas, aber nicht in ihrer eigenen Kraft. Sie wußten, daß der Geist Jehovas die Quelle ihrer Kraft war, was sie auch demütig anerkannten. Ebenso können wir heute zum „Schwert des Geistes“, Gottes Wort, greifen, voll Vertrauen, daß Gott uns genauso Kraft schenken wird wie Barak, Gideon, Jephtha, Simson und anderen. Ja, mit der Hilfe des Geistes Jehovas können wir geistig so stark sein, wie es Simson körperlich war, und gewaltige Hindernisse überwinden, wenn wir nur zu Jehova beten und uns auf ihn stützen (Eph. 6:17, 18; Ri. 16:28).

      28. Wie weist das Buch Richter auf die Heiligung des Namens Jehovas durch den Königreichssamen hin?

      28 Der Prophet Jesaja bezieht sich an zwei Stellen auf das Buch Richter, um zu zeigen, daß Jehova das Joch, das seine Feinde auf sein Volk gelegt haben, auf jeden Fall genauso zerbrechen wird, wie er es in den Tagen Midians tat (Jes. 9:4; 10:26). Das erinnert uns auch an das Lied Deboras und Baraks, das mit dem inbrünstigen Gebet endet: „So mögen alle deine Feinde umkommen, o Jehova, und die dich lieben, seien, wie wenn die Sonne aufgeht in ihrer Macht“ (Ri. 5:31). Wer sind diese, die ihn lieben? Jesus Christus zeigt, daß es die Königreichserben sind, denn in Matthäus 13:43 bedient er sich einer ähnlichen Ausdrucksweise: „Zu jener Zeit werden die Gerechten so hell leuchten wie die Sonne im Königreich ihres Vaters.“ Demnach weist das Buch Richter bereits auf jene Zeit hin, in der Jesus, der gerechte Richter und Königreichssame, Macht ausüben wird. Durch ihn wird Jehova seinen eigenen Namen verherrlichen und heiligen, und zwar in Übereinstimmung mit folgendem Gebet des Psalmisten, in dem es die Feinde Gottes betreffend heißt: „Tu an ihnen wie an Midian, wie an Sisera, wie an Jabin im Wildbachtal Kischon ..., damit man erkenne, daß du, dessen Name Jehova ist, du allein, der Höchste bist über die ganze Erde“ (Ps. 83:9, 18; Ri. 5:20, 21).

      [Fußnoten]

      a Die meisten neueren Übersetzungen stützen die Ansicht, daß die in Apostelgeschichte 13:20 erwähnten „ungefähr vierhundertfünfzig“ Jahre nicht der Zeitspanne der Richter entsprechen, sondern dieser vorausgehen; sie umfassen den Zeitraum von der Geburt Isaaks im Jahre 1918 v. u. Z. bis zur Verteilung des Landes der Verheißung im Jahre 1467 v. u. Z. (Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 493). In Hebräer 11:32 werden die Richter in einer anderen Reihenfolge aufgeführt als im Buch Richter, aber das läßt keineswegs darauf schließen, daß die Ereignisse im Buch Richter nicht chronologisch angeordnet sind, da Samuel auf keinen Fall nach David kam.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 272 bis 274, 948.

  • 8. Bibelbuch — Ruth
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 8. Bibelbuch — Ruth

      Schreiber: Samuel

      Ort der Niederschrift: Israel

      Vollendung der Niederschrift: um 1090 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 11 Jahre während der Richterzeit

      1. (a) Wieso ist das Buch Ruth mehr als nur eine Liebesgeschichte? (b) Welche besondere Erwähnung wird Ruth in der Bibel gewährt?

      DAS Buch Ruth ist ein herrliches Drama, dessen Höhepunkt die zu Herzen gehende Liebe zwischen Boas und Ruth bildet. Es ist jedoch weit mehr als eine Liebesgeschichte und wurde keineswegs zur Unterhaltung geschrieben. In diesem Buch wird der Vorsatz Jehovas herausgestellt, einen Königreichserben hervorzubringen, und es preist seine liebende Güte (Ruth 1:8; 2:20; 3:10). Wie umfassend die Liebe Jehovas ist, läßt sich daran erkennen, daß er eine Moabiterin, eine ehemalige Anbeterin des heidnischen Gottes Kamos, die sich zur wahren Religion bekehrt hat, erwählt, eine Vorfahrin Jesu Christi zu werden. Ruth gehört zu den vier Frauen, die im Geschlechtsregister von Abraham bis Jesus namentlich erwähnt werden (Mat. 1:3, 5, 16). Neben Esther ist Ruth eine der beiden Frauen, nach denen Bibelbücher benannt sind.

      2. Wann trugen sich die im Buch Ruth berichteten Ereignisse zu, wann wurde es geschrieben, und von wem?

      2 „Nun geschah es in den Tagen, als die Richter Recht sprachen ...“ Mit diesen Worten beginnt der hochinteressante Bericht des Buches Ruth. Sie lassen erkennen, daß es erst später, in der Zeit der Könige von Israel, geschrieben wurde. Die darin berichteten Ereignisse umfassen einen Zeitraum von ungefähr 11 Jahren während der Richterzeit. Der Name des Schreibers wird zwar nicht genannt, aber alles spricht dafür, daß es Samuel war, der ja offensichtlich auch das Buch Richter verfaßt hat, ein Mann, der zu Beginn der Monarchie wegen seiner Treue herausragte. Da die abschließenden Verse erkennen lassen, daß David bereits eine bekannte Persönlichkeit war, dürfte die Niederschrift um 1090 v. u. Z. erfolgt sein. Samuel kannte die Verheißung Jehovas in bezug auf ‘einen Löwen’ aus dem Stamm Juda genau, und er war von Jehova dazu gebraucht worden, David, der aus jenem Stamm war, zum König über Israel zu salben. Daher wird es für ihn von besonderem Interesse gewesen sein, das zu David führende Geschlechtsregister aufzuzeichnen (1. Mo. 49:9, 10; 1. Sam. 16:1, 13; Ruth 1:1; 2:4; 4:13, 18-22).

      3. Welche Tatsachen bestätigen die Kanonizität des Buches Ruth?

      3 Die kanonische Glaubwürdigkeit des Buches Ruth ist niemals bezweifelt worden. Als hinreichende Bestätigung kann gewertet werden, daß Jehova die Erwähnung Ruths im Geschlechtsregister Jesu (in Matthäus 1:5) veranlaßte. Das Buch Ruth wurde von den Juden immer als Teil des hebräischen Kanons betrachtet. Es überrascht daher nicht, daß unter den ab 1947 entdeckten Schriftrollen vom Toten Meer neben anderen kanonischen Büchern auch Fragmente dieses Buches gefunden wurden. Außerdem stimmt das Buch Ruth völlig mit den Königreichsvorsätzen Jehovas sowie mit den Erfordernissen des mosaischen Gesetzes überein. Den Israeliten war zwar die Ehe mit götzendienerischen Kanaanitern und Moabitern verboten, nicht jedoch mit Ausländern, die Anbeter Jehovas geworden waren, wie es bei Ruth der Fall war. Im Buch Ruth wird das Gesetz über Rückkauf und Schwagerehe in all seinen Einzelheiten befolgt (5. Mo. 7:1-4; 23:3, 4; 25:5-10).

      INHALT DES BUCHES RUTH

      4. Vor welcher Entscheidung steht Ruth, und was zeigt die Wahl, die sie trifft, in bezug auf ihre Anbetung an?

      4 Ruths Entschluß, bei Noomi zu bleiben (1:1-22). Die Geschichte beginnt während einer Zeit der Hungersnot in Israel. Elimelech, ein Mann aus Bethlehem, überquert mit seiner Frau Noomi und den beiden Söhnen Machlon und Kiljon den Jordan, um sich vorübergehend im Land Moab anzusiedeln. Dort heiraten die Söhne Moabiterinnen, Orpa und Ruth. Unglücksschläge treffen die Familie — zuerst stirbt der Vater, später auch seine beiden Söhne. Drei kinderlose Witwen bleiben zurück, ohne einen Nachkommen Elimelechs. Als Noomi hört, daß Jehova seine Aufmerksamkeit Israel wieder zugewandt hat, indem er seinem Volk Brot gibt, beschließt sie, in ihr Heimatland, Juda, zurückzukehren. Die Schwiegertöchter machen sich mit ihr auf den Weg. Noomi drängt sie, nach Moab zurückzukehren, und bittet Jehova um die liebende Güte, ihnen Ehemänner aus ihrem eigenen Volk zu geben. Schließlich kehrt Orpa „zu ihrem Volk und ihren Göttern“ zurück. Ruth dagegen, die sich aufrichtig und unerschütterlich zur Anbetung Jehovas bekehrt hat, bleibt bei Noomi. Sie kleidet ihren Entschluß in folgende schöne Worte: „Wohin du gehst, werde ich gehen, und wo du die Nacht verbringst, werde ich die Nacht verbringen. Dein Volk wird mein Volk sein und dein Gott mein Gott. Wo du stirbst, werde ich sterben, und dort werde ich begraben werden. Möge Jehova mir so tun und dazu hinzufügen, wenn irgend etwas außer dem Tod eine Trennung zwischen mir und dir herbeiführen sollte“ (1:15-17). Die verwitwete und kinderlose Noomi, deren Name „Meine Lieblichkeit“ bedeutet, möchte trotzdem am liebsten Mara genannt werden, was „Bitter“ bedeutet.

      5. Welche vortrefflichen Eigenschaften offenbart Ruth, und wie wird sie von Boas ermutigt?

      5 Ruth liest Ähren auf dem Feld des Boas (2:1-23). Nach der Ankunft in Bethlehem läßt Noomi Ruth bei der Gerstenernte Ähren lesen. Boas, der Eigentümer des Feldes, ein älterer Jude und naher Verwandter ihres Schwiegervaters Elimelech, beobachtet sie. Obwohl Ruth gemäß Gottes Gesetz das Recht hat, Ähren zu lesen, bekundet sie Demut, da sie um Erlaubnis bittet, auf dem Feld zu sammeln (3. Mo. 19:9, 10). Das wird ihr bereitwillig gestattet, und Boas empfiehlt ihr, nur auf seinem Feld bei seinen jungen Frauen Ähren zu lesen. Er sagt, er habe von ihrer Treue Noomi gegenüber gehört, und ermutigt sie mit den Worten: „Möge Jehova deine Handlungsweise belohnen, und möge dir ein vollkommener Lohn von Jehova, dem Gott Israels, zuteil werden, unter dessen Flügeln Zuflucht zu suchen du gekommen bist“ (2:12). An jenem Abend teilt Ruth freigebig die Früchte ihrer Arbeit mit Noomi und erwähnt, daß ihr Erfolg beim Ährenlesen auf das Wohlwollen des Boas zurückzuführen ist. Noomi sieht darin die Hand Jehovas und sagt: „Gesegnet sei er von Jehova, der von seiner liebenden Güte gegenüber den Lebenden und den Toten nicht abgelassen hat. ... Der Mann ist mit uns verwandt. Er ist einer unserer Rückkäufer“ (2:20). Ja, Boas ist ein naher Verwandter, der im Namen des toten Elimelech rechtmäßige Nachkommen für Noomi erwecken könnte. Bis zum Ende der Gersten- und Weizenernte fährt Ruth fort, auf Boas’ Feldern Ähren zu lesen.

      6. Wie bittet Ruth um die Ehe durch Rückkauf, und wie reagiert Boas darauf?

      6 Als Rückkäufer heiratet Boas Ruth (3:1⁠—⁠4:22). Da Noomi selbst zu alt ist, um Kinder zu gebären, überträgt sie Ruth die Aufgabe, an ihrer Stelle die Ehe mit dem Rückkäufer einzugehen. In dieser wichtigen Jahreszeit ist es üblich, daß ein Grundbesitzer das Worfeln des Getreides persönlich überwacht. Geworfelt wird am Abend, um den Wind auszunutzen, der nach einem heißen Tag weht. Boas schläft dann auf der Dreschtenne, wo Ruth ihn findet. Leise geht sie zu ihm, deckt seine Füße auf und legt sich hin. Als er um Mitternacht aufwacht, gibt sie sich zu erkennen und bittet ihn, wie es für eine Frau Brauch ist, die das Recht der Schwagerehe fordert, seinen Rocksaum über sie auszubreiten.a „Gesegnet seist du von Jehova, meine Tochter“, sagt Boas, und er lobt sie dafür, daß sie nicht aus Leidenschaft oder Habgier den jungen Männern nachgeht. Ruth kann auf keinen Fall vorgeworfen werden, ihm ein unreines Verhältnis anzutragen; sie hat statt dessen einen Ruf als „eine tüchtige Frau“ (3:10, 11). Wie sie jedoch von Boas erfährt, gibt es noch einen anderen Rückkäufer, der näher verwandt ist als er; diesen wird er am Morgen befragen. Ruth bleibt bis zum Morgengrauen zu seinen Füßen liegen. Dann schenkt er ihr Getreide, und sie kehrt zu Noomi zurück, die sich gespannt nach dem Ausgang erkundigt.

      7. Wie verhandelt Boas wegen der Ehe, und womit wird sie schließlich gesegnet?

      7 Boas geht in aller Frühe zum Stadttor, um den Rückkäufer aufzusuchen. Er holt zehn ältere Männer der Stadt als Zeugen und gibt dem betreffenden nächsten Verwandten zuerst Gelegenheit, alles zurückzukaufen, was Elimelech gehörte. Wird er das tun? Er erklärt sich sofort damit einverstanden, da er seinen Reichtum dadurch offenbar vermehren kann. Als er jedoch von der Bedingung erfährt, mit Ruth die Schwagerehe einzugehen, fürchtet er um sein eigenes Erbe. Durch das Ausziehen einer Sandale zeigt er daraufhin seinen rechtsgültigen Verzicht an. Im Bibelbericht wird sein Name nicht genannt, sondern nur die unehrenhafte Bezeichnung „Soundso“ verwandt. Vor denselben Zeugen erkauft Boas dann Ruth als seine Frau. Geschieht das aus irgendeinem selbstsüchtigen Grund? Nein, sondern „damit der Name des Verstorbenen ... nicht abgeschnitten werde“ (4:1, 10). Alle Zeugen erflehen den Segen Jehovas für diese liebevolle Vorkehrung, und sie erweist sich tatsächlich als ein wunderbarer Segen. Ruth gebiert Boas trotz seines hohen Alters einen Sohn, und Noomi wird seine Wärterin. Er wird als „ein Sohn ... der Noomi“ bezeichnet und Obed genannt (4:17).

      8. Was zeigt unter anderem, daß der Same der Verheißung durch das Wirken Jehovas hervorgebracht wurde?

      8 Die letzten Verse des Buches Ruth enthalten das Geschlechtsregister von Perez über Boas bis David. Einige Kritiker sind der Ansicht, es seien nicht alle Generationen aufgeführt worden, da es eine zu große Zeitspanne für so wenige Personen sei. Stimmt das? Oder war jeder von ihnen mit einem langen Leben und noch in hohem Alter mit einem Sohn gesegnet? Letztere Schlußfolgerung könnte durchaus richtig sein, da sie hervorhebt, daß der verheißene Same durch das Wirken Jehovas und aufgrund seiner unverdienten Güte hervorgebracht wurde und nicht zufolge rein menschlicher Kraft. Bei anderen Gelegenheiten wirkte Jehovas Macht auf ähnliche Weise, zum Beispiel bei der Geburt Isaaks, Samuels und Johannes’ des Täufers (1. Mo. 21:1-5; 1. Sam. 1:1-20; Luk. 1:5-24, 57-66).

      WIESO NÜTZLICH

      9. In welcher Hinsicht sind die Hauptpersonen des Dramas im Buch Ruth vortreffliche Beispiele für uns heute?

      9 Dieser wunderbare Bericht ist bestimmt nützlich, da er gerechtigkeitsliebenden Menschen hilft, einen starken Glauben zu entwickeln. Alle Hauptpersonen in diesem erregenden Drama bekundeten einen hervorragenden Glauben an Jehova, und „[sie erlangten] durch ihren Glauben Zeugnis“ (Heb. 11:39). Sie sind vortreffliche Beispiele für uns heute. Noomi vertraute fest auf die liebende Güte Jehovas (1:8; 2:20). Ruth war bereit, ihre Heimat zu verlassen, um weiterhin Jehova anzubeten; sie erwies sich als loyal und unterwürfig sowie als willige Arbeiterin. Große Wertschätzung für das Gesetz Jehovas, demütige Einwilligung, den Willen Jehovas zu tun, sowie Liebe zur treuen Noomi und zur fleißigen Ruth veranlaßten Boas, von dem Vorrecht einer Ehe als Rückkäufer Gebrauch zu machen.

      10. Warum sollte der Bericht im Buch Ruth unser Vertrauen in die Königreichsverheißungen stärken?

      10 Jehovas Vorkehrung der Ehe, in diesem Fall der Ehe durch Rückkauf, bereitete ihm Ehre. Jehova leitete die Ehe von Boas und Ruth in die Wege, und er segnete sie gemäß seiner liebenden Güte; er gebrauchte sie dazu, die königliche Linie Judas ununterbrochen zu erhalten, die zu David und schließlich zu Jesus Christus, dem größeren David, führte. Die Aufmerksamkeit, die Jehova dem Hervorbringen des Königreichserben gemäß seiner gesetzlichen Vorkehrung schenkte, sollte unsere Zuversicht stärken und uns vertrauensvoll der Erfüllung aller Königreichsverheißungen entgegenblicken lassen. Sie sollte uns anspornen, in der neuzeitlichen Erntearbeit beschäftigt zu sein, in der Gewißheit, einen vollkommenen Lohn von Jehova zu empfangen, dem Gott des geistigen Israel, ‘unter dessen Flügeln Zuflucht zu suchen wir gekommen sind’ und dessen Königreichsvorsätze auf so wunderbare Weise ihrer vollständigen Erfüllung entgegengehen (2:12). Das Buch Ruth ist ein weiteres wichtiges Bindeglied in den Aufzeichnungen, die uns allmählich diesem Königreich näherbringen.

      [Fußnote]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, RUTH.

  • 9. Bibelbuch — 1. Samuel
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 9. Bibelbuch — 1. Samuel

      Schreiber: Samuel, Gad, Nathan

      Ort der Niederschrift: Israel

      Vollendung der Niederschrift: um 1078 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: um 1180—1078 v. u. Z.

      1. Welcher bedeutende Wechsel in der Organisation der Nation Israel trat im Jahre 1117 v. u. Z. ein, und welche Folgen sollte das haben?

      IM Jahre 1117 v. u. Z. trat ein bedeutender Wechsel in Israels nationaler Organisation ein: Ein menschlicher König wurde ernannt. Das geschah, während Samuel als Jehovas Prophet in Israel diente. Obwohl Jehova den Wechsel zu einer Monarchie, wie er vom Volk Israel verlangt wurde, vorhergesehen und vorausgesagt hatte, kam dieser für Samuel wie ein gewaltiger Schlag. Samuel, der von Geburt an für den Dienst Jehovas bestimmt war und Jehovas Königtum ehrerbietig anerkannte, sah für die Glieder der heiligen Nation Gottes unheilvolle Folgen voraus. Nur auf Jehovas Anordnung hin gab Samuel ihren Forderungen nach. „Darauf redete Samuel zum Volk über das, was dem Königtum rechtmäßig zustehe, und schrieb es in ein Buch und legte es vor Jehova nieder“ (1. Sam. 10:25). Auf diese Weise endete die Zeit der Richter, und es begann das Zeitalter menschlicher Könige, in dem Israel zu noch nie dagewesener Macht und beispiellosem Ansehen aufstieg, schließlich jedoch in Ungnade fiel und Jehovas Gunst verlor.

      2. Wer waren die Schreiber des ersten Buches Samuel, und welche Befähigungen hatten sie?

      2 Wer wäre dazu befähigt, die göttliche Aufzeichnung dieser folgenschweren Zeitspanne anzufertigen? Passenderweise wählte Jehova den treuen Samuel dazu aus, mit der Niederschrift zu beginnen. Samuel bedeutet „Name Gottes“, und er ragte in jenen Tagen als Verteidiger des Namens Jehovas tatsächlich hervor. Es scheint, daß Samuel die ersten 24 Kapitel des Buches schrieb. Nach seinem Tod setzten dann Gad und Nathan die Niederschrift fort und vervollständigten sie mit dem Bericht über die wenigen letzten Jahre bis zu Sauls Tod. Das wird in 1. Chronika 29:29 angedeutet, wo es heißt: „Was die Angelegenheiten Davids, des Königs, betrifft, die ersten und die letzten, siehe, sie sind aufgeschrieben in den Worten Samuels, des Sehers, und in den Worten Nathans, des Propheten, und in den Worten Gads, des Visionensehers.“ Im Gegensatz zu den Büchern Könige und Chronika wird in den Büchern Samuel auf frühere Aufzeichnungen praktisch kein Bezug genommen, und auf diese Weise werden Davids Zeitgenossen, Samuel, Gad und Nathan, als die Schreiber bestätigt. Alle drei Männer bekleideten Vertrauensstellungen als Propheten Jehovas und lehnten den Götzendienst, der die Kraft der Nation geschwächt hatte, ab.

      3. (a) Wie wurde das erste Buch Samuel ein einzelnes Bibelbuch? (b) Wann wurde es vollendet, und welche Zeitspanne behandelt es?

      3 Die beiden Bücher Samuel waren ursprünglich eine Rolle oder ein Band. Samuel wurde in zwei Bücher unterteilt, als dieser Teil der griechischen Septuaginta veröffentlicht wurde. In der Septuaginta wurde das erste Buch Samuel „Erstes der Königreiche“ genannt. Darauf geht die Einteilung und der Name „Erstes Buch der Könige“ zurück, wie sie in der lateinischen Vulgata und bis heute in katholischen Bibeln zu finden sind. Daß das erste und zweite Buch Samuel ursprünglich ein Buch bildeten, geht aus der massoretischen Anmerkung zu 1. Samuel 28:24 hervor, wo erklärt wird, dieser Vers stehe in der Mitte des Buches Samuel. Das Buch scheint um 1078 v. u. Z. vollendet worden zu sein. Daher behandelt das erste Buch Samuel wahrscheinlich eine Zeitspanne von etwas über hundert Jahren, von etwa 1180 bis 1078 v. u. Z.

      4. Wodurch ist die Genauigkeit des Berichts im ersten Buch Samuel erhärtet worden?

      4 Beweise für die Genauigkeit des Berichts gibt es mehr als genug. Angaben über geographische Gegebenheiten passen zu den beschriebenen Ereignissen. Interessanterweise wurde Jonathans erfolgreicher Angriff auf die Garnison der Philister in Michmas, der zur vollständigen Niederlage der Philister führte, im Ersten Weltkrieg von einem britischen Armeeoffizier wiederholt, der, wie berichtet wurde, die Türken in die Flucht schlug, indem er der Geländebeschreibung in Samuels inspiriertem Bericht folgte (14:4-14).a

      5. Wie bezeugen Bibelschreiber die Echtheit des ersten Buches Samuel?

      5 Es gibt jedoch noch stärkere Beweise für die Inspiration und Glaubwürdigkeit des Buches. Es berichtet über die eindrucksvolle Erfüllung der Prophezeiung Jehovas, daß Israel um einen König bitten würde (5. Mo. 17:14; 1. Sam. 8:5). Die Aufzeichnung in diesem Buch wurde Jahre später von Hosea bestätigt, indem er Jehovas Worte wie folgt zitierte: „Ich gab dir dann einen König in meinem Zorn, und ich werde ihn wegnehmen in meinem Zornausbruch“ (Hos. 13:11). Petrus deutete an, daß Samuel inspiriert war, da er Samuel als einen Propheten identifizierte, der Jesu „Tage deutlich verkündet“ hatte (Apg. 3:24). Paulus führte 1. Samuel 13:14 an, als er kurz die Geschichte Israels hervorhob (Apg. 13:20-22). Jesus selbst kennzeichnete den Bericht als glaubwürdig, indem er die Pharisäer seiner Tage fragte: „Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die Männer, die bei ihm waren, hungerte?“ Dann erzählte er den Bericht, wie David um das Schaubrot bat (Mat. 12:1-4; 1. Sam. 21:1-6). Wie bereits erwähnt, nahm auch Esra den Bericht als echt an (1. Chr. 29:29).

      6. Welche weiteren inneren Beweise der Bibel zeigen, daß das erste Buch Samuel glaubwürdig ist?

      6 Da dies der ursprüngliche Bericht über die Tätigkeiten Davids ist, wird durch jede Erwähnung Davids in der ganzen Heiligen Schrift bestätigt, daß das Buch Samuel ein Teil des inspirierten Wortes Gottes ist. Auf einige der darin aufgezeichneten Ereignisse wird sogar in den Überschriften der Psalmen Davids Bezug genommen, wie zum Beispiel in Psalm 59 (1. Sam. 19:11), Psalm 34 (1. Sam. 21:13, 14) und in Psalm 142 (1. Sam. 22:1 oder 1. Sam. 24:1, 3). Die inneren Beweise des Wortes Gottes bezeugen somit die Glaubwürdigkeit des ersten Buches Samuel.

      INHALT DES ERSTEN BUCHES SAMUEL

      7. Nenne die Führer in Israel, von deren Leben der im ersten Buch Samuel enthaltene Geschichtsbericht handelt.

      7 Das Buch behandelt teilweise oder ganz die Lebensspanne von vier Führern Israels: von Eli, dem Hohenpriester; Samuel, dem Propheten; Saul, dem ersten König, und David, der nach ihm zum König gesalbt wurde.

      8. Welche Umstände sind mit Samuels Geburt verbunden, und wie wird er ein „Diener Jehovas“?

      8 Elis Richteramt und der jugendliche Samuel (1:1⁠—⁠4:22). Zu Beginn des Berichts werden wir mit Hanna, der Lieblingsfrau Elkanas, eines Leviten, bekannt gemacht. Sie ist kinderlos und wird deswegen von Elkanas anderer Frau, Peninna, verachtet. Als die Familie einen ihrer jährlichen Besuche in Silo macht, wo sich die Lade des Bundes Jehovas befindet, betet Hanna flehentlich zu Jehova um einen Sohn. Sie verspricht, daß sie das Kind, wenn ihr Gebet erhört werde, dem Dienst Jehovas übergeben werde. Gott erhört ihr Gebet, und sie gebiert einen Sohn, Samuel. Sobald er entwöhnt ist, bringt sie ihn zum Haus Jehovas und stellt ihn als „Jehova geliehen“ unter die Aufsicht des Hohenpriesters Eli (1:28). Dann frohlockt Hanna mit einem Lied der Danksagung und des Glücks. Der Knabe wird ein „Diener Jehovas vor Eli, dem Priester“ (2:11).

      9. Wie wird Samuel zum Propheten in Israel?

      9 Mit Eli ist etwas nicht in Ordnung. Er ist alt, und seine beiden Söhne sind nichtsnutzige Männer, die ‘Jehova nicht anerkennen’ (2:12). Sie gebrauchen ihr priesterliches Amt, um ihre Habsucht und ihre unsittlichen Begierden zu befriedigen. Eli versäumt es, sie zurechtzuweisen. Deshalb sendet Jehova göttliche Botschaften gegen das Haus Elis aus, und er macht darauf aufmerksam, daß es keinen alten Mann in Elis Haus mehr geben werde und daß beide Söhne Elis am gleichen Tag sterben würden (1. Sam. 2:30-34; 1. Kö. 2:27). Schließlich schickt Jehova den Knaben Samuel mit einer in den Ohren gellenden Gerichtsbotschaft zu Eli. So wird bestätigt, daß der junge Samuel als Prophet in Israel dient (1. Sam. 3:1, 11).

      10. Wie vollstreckt Jehova das Urteil an Elis Haus?

      10 Zu seiner Zeit vollstreckt Jehova dieses Gericht dadurch, daß er die Philister heraufbringt. Als der Kampf zum Nachteil Israels verläuft, bringen die Israeliten mit lautem Jauchzen die Lade des Bundes aus Silo in ihr Heerlager. Die Philister, die das Jauchzen hören und erfahren, daß die Lade in das israelitische Lager gebracht worden ist, stärken sich und erringen einen aufsehenerregenden Sieg, bei dem sie die Israeliten vollständig in die Flucht schlagen. Die Lade wird erbeutet, und Elis zwei Söhne sterben. Zitternden Herzens hört Eli den Bericht. Bei der Erwähnung der Lade fällt er rücklings von seinem Sitz und stirbt, da er sich das Genick bricht. So endet seine 40jährige Amtszeit als Richter. Wirklich: „Die Herrlichkeit ist von Israel ... weggegangen“, denn die Lade stellt Jehovas Gegenwart bei seinem Volk dar (4:22).

      11. Wie stellt sich heraus, daß die Bundeslade kein Zaubermittel ist?

      11 Samuel richtet Israel (5:1⁠—⁠7:17). Nun müssen auch die Philister zu ihrem großen Kummer erfahren, daß die Lade Jehovas nicht als Zaubermittel gebraucht werden darf. Als sie die Lade nach Aschdod in Dagons Tempel bringen, fällt ihr Gott der Länge nach auf sein Gesicht. Am nächsten Tag fällt Dagon wieder der Länge nach zur Schwelle herunter, und diesmal sind sein Kopf und seine beiden Hände abgehauen. Daher rührt der abergläubische Brauch der Philister, ‘nicht auf die Schwelle Dagons zu treten’ (5:5). Die Philister schaffen die Lade eiligst weg nach Gath und dann nach Ekron, jedoch alles vergeblich. Es kommen Qualen in Form von Panik, Hämorrhoiden und einer Plage von Nagetieren. Da die Zahl der Todesopfer zunimmt, schicken die Achsenherren der Philister in äußerster Verzweiflung die Lade auf einem von zwei säugenden Kühen gezogenen neuen Wagen nach Israel zurück. In Beth-Schemesch widerfährt einigen der Israeliten Unheil, weil sie die Lade anschauen (1. Sam. 6:19; 4. Mo. 4:6, 20). Schließlich findet die Lade im Haus Abinadabs in der levitischen Stadt Kirjath-Jearim einen festen Platz.

      12. Welche Segnungen ergeben sich daraus, daß Samuel die reine Anbetung verteidigt?

      12 Zwanzig Jahre lang bleibt die Lade im Hause Abinadabs. Samuel, der zum Mann herangewachsen ist, fordert die Israeliten auf, sich von den Baalen und den Aschtoret-Bildnissen zu trennen und Jehova mit ganzem Herzen zu dienen. Das tun sie. Als sie sich in Mizpa versammeln, um anzubeten, ergreifen die Achsenherren der Philister die Gelegenheit zum Kampf und überraschen die Israeliten. Israel ruft durch Samuel Jehova an. Ein lauter Donner verwirrt die Philister, und die Israeliten, durch Opfer und Gebet gestärkt, erringen einen großartigen Sieg. Von jener Zeit an ‘ist die Hand Jehovas weiterhin gegen die Philister, alle Tage Samuels’ (7:13). Samuel setzt sich jedoch nicht zur Ruhe. Sein ganzes Leben richtet er Israel weiter, wobei er jedes Jahr eine Runde macht von Rama, nördlich von Jerusalem, nach Bethel, Gilgal und Mizpa. In Rama baut er Jehova einen Altar.

      13. Wie kommt es, daß Israel Jehova als König verwirft, und vor welchen Folgen warnt Samuel?

      13 Israels erster König, Saul (8:1⁠—⁠12:25). Samuel ist in Jehovas Dienst alt geworden, aber seine Söhne wandeln nicht in den Wegen ihres Vaters, denn sie nehmen Bestechungsgeschenke an und beugen das Recht. Nun wenden sich die älteren Männer Israels an Samuel mit der Forderung: „Setze nun einen König für uns ein, der uns richten soll, wie ihn alle Nationen haben“ (8:5). Höchst beunruhigt, sucht Samuel Jehova im Gebet. Jehova antwortet: „Nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, damit ich nicht König über sie sei. ... Und nun hör auf ihre Stimme“ (8:7-9). Zuerst soll Samuel sie jedoch vor den schrecklichen Folgen ihrer aufrührerischen Forderung warnen: Reglementierung, Besteuerung, Verlust an Freiheit und schließlich bitterer Kummer, und sie würden zu Jehova schreien. Das Volk läßt sich dadurch nicht abschrecken und verlangt einen König.

      14. Wie wird Saul in das Königtum eingesetzt?

      14 Nun begegnen wir Saul, einem Sohn Kischs vom Stamm Benjamin, dem bei weitem schönsten und größten Mann in Israel. Er wird zu Samuel gesandt, der ihn bei einem Fest ehrt, ihn salbt und ihn dann ganz Israel bei einer Versammlung in Mizpa vorstellt. Obwohl sich Saul zuerst zwischen dem Gepäck versteckt, wird er schließlich als derjenige vorgestellt, auf den Jehovas Wahl gefallen ist. Samuel erinnert Israel noch einmal an das, was einem König rechtmäßig zusteht, und schreibt es in ein Buch. Sauls Stellung als König wird jedoch erst durch seinen Sieg über die Ammoniter gefestigt, der die Belagerung bei Jabesch in Gilead beendet, so daß das Volk sein Königtum in Gilgal bestätigt. Samuel ermahnt Israel wieder, Jehova zu fürchten, ihm zu dienen und zu gehorchen, und er bittet Jehova um ein Zeichen in Form von Donner und Regen in der Erntezeit, was für die Jahreszeit ungewöhnlich ist. In einer erschreckenden Kundgebung zeigt Jehova seinen Zorn darüber, daß sie ihn als König verworfen haben.

      15. Welche vermessene Sünde führt zu Sauls Versagen?

      15 Sauls Ungehorsam (13:1⁠—⁠15:35). Als die Philister Israel ständig belästigen, schlägt Sauls mutiger Sohn Jonathan eine Garnison der Philister nieder. Aus Rache schickt der Feind ein riesiges Heer, das so zahlreich ist ‘wie die Sandkörner, die am Ufer des Meeres sind’, und es lagert in Michmas. Unruhe breitet sich in den israelitischen Reihen aus. Wenn doch nur Samuel käme, um ihnen Jehovas Anweisung zu geben! Ungeduldig vom Warten auf Samuel, sündigt Saul, indem er vermessen das Brandschlachtopfer selbst darbringt. Plötzlich erscheint Samuel. Er fegt Sauls unglaubwürdige Ausreden beiseite und verkündet Jehovas Urteil: „Und nun wird dein Königreich keinen Bestand haben. Jehova wird bestimmt einen Mann für sich finden, der seinem Herzen angenehm ist; und Jehova wird ihn zum Führer über sein Volk bestellen, weil du nicht gehalten hast, was Jehova dir geboten hat“ (13:14).

      16. Zu welchen Schwierigkeiten führt Sauls Unbesonnenheit?

      16 Wieder greift Jonathan, der eifrig für Jehovas Namen eintritt, einen Vorposten der Philister an, diesmal nur mit seinem Waffenträger, und sie strecken schnell etwa 20 Mann nieder. Ein Erdbeben vergrößert die Verwirrung der Feinde. Sie werden in die Flucht geschlagen, und Israel jagt ihnen nach. Jedoch wird das volle Ausmaß des Sieges geschwächt durch Sauls unbesonnenen Eid, der den Kriegern verbietet zu essen, bevor die Schlacht vorbei ist. Die Männer ermüden schnell und sündigen dann gegen Jehova, indem sie frisch geschlachtetes Fleisch essen, ohne sich Zeit zu nehmen, das Blut ausfließen zu lassen. Jonathan seinerseits hat sich an einer Honigwabe erfrischt, bevor er von dem Eid hört, den er freimütig als ein Hindernis brandmarkt. Das Volk bewahrt ihn vor dem Tod wegen der großen Rettung, die er in Israel bewirkt hat.

      17. Wie wird Saul nach seiner zweiten schwerwiegenden Sünde ein zweites Mal verworfen?

      17 Jetzt kommt die Zeit, Jehovas Urteil an den verabscheuungswürdigen Amalekitern zu vollstrecken (5. Mo. 25:17-19). Sie müssen vollständig ausgerottet werden. Nichts darf verschont werden, weder Mensch noch Tier. Es darf keine Beute genommen werden. Alles soll der Vernichtung geweiht werden. Saul ist jedoch ungehorsam und verschont Agag, den König von Amalek, und das Beste vom Kleinvieh und Großvieh, angeblich, um es Jehova zu opfern. Das mißfällt dem Gott Israels so sehr, daß er Samuel inspiriert, Saul ein zweites Mal zu verwerfen. Samuel schenkt Sauls Ausreden, mit denen er sein Gesicht wahren will, keine Beachtung und erklärt: „Hat Jehova ebensoviel Gefallen an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, daß man der Stimme Jehovas gehorcht? Siehe! Gehorchen ist besser als Schlachtopfer ... Weil du das Wort Jehovas verworfen hast, verwirft er daher dich, daß du nicht König seist“ (1. Sam. 15:22, 23). Nun fleht Saul Samuel an und packt ihn am Zipfel seines Mantels, doch er reißt ab. Samuel versichert Saul, daß Jehova das Königreich ebenso sicher von ihm abreißen und es einem besseren Mann geben werde. Samuel nimmt das Schwert, richtet Agag hin, kehrt Saul den Rücken und sieht ihn nie wieder.

      18. Weshalb erwählt Jehova David?

      18 Davids Salbung und seine Tapferkeit (16:1 bis 17:58). Dann führt Jehova Samuel zum Haus Isais in Bethlehem von Juda, um den künftigen König zu erwählen und zu salben. Die Söhne Isais werden einer nach dem anderen gemustert, aber abgelehnt. Jehova erinnert Samuel: „Nicht wie der Mensch sieht, sieht Gott, denn der Mensch sieht das, was vor den Augen erscheint; Jehova aber, er sieht, wie das Herz ist“ (16:7). Schließlich zeigt Jehova, daß er an David Wohlgefallen findet, dem Jüngsten, der als „rötlich, ein junger Mann mit schönen Augen und von gutem Aussehen“, beschrieben wird, und Samuel salbt ihn mit Öl (16:12). Jehovas Geist kommt nun auf David, aber in Saul kommt ein schlechter Geist auf.

      19. Welchen frühen Sieg erringt David in Jehovas Namen?

      19 Wiederum fallen die Philister in Israel ein, wobei sie ihren Helden, Goliath, in den Vordergrund stellen, einen Riesen von sechs Ellen und einer Spanne (ungefähr 2,90 m). Er ist so riesenhaft, daß sein Panzerhemd ungefähr 57 kg und seine Speerklinge etwa 6,8 kg wiegt (17:4, 5, 7). Tag für Tag fordert dieser Goliath Israel lästernd und verächtlich heraus, einen Mann auszuwählen und diesen herauskommen und kämpfen zu lassen, aber keiner antwortet. Saul zittert in seinem Zelt. Jedoch kommen die Schmähungen des Philisters David zu Ohren. Mit gerechter Entrüstung und voller Mut ruft David aus: „Wer ist dieser unbeschnittene Philister, daß er die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnen sollte?“ (17:26). David weigert sich, Sauls Rüstung anzulegen, da er es noch nie damit versucht hat, und zieht nur mit einem Hirtenstab, einer Schleuder und fünf glatten Steinen in den Kampf. Goliath betrachtet einen Wettkampf mit diesem jungen Hirtenknaben als unter seiner Würde und ruft Übles auf David herab. Es ertönt die zuversichtliche Antwort: „Du kommst zu mir mit Schwert und mit Speer und mit Wurfspieß, ich aber komme zu dir mit dem Namen Jehovas der Heerscharen“ (17:45). Ein gutgezielter Stein fliegt aus Davids Schleuder, und der Held der Philister stürzt zu Boden. Vor den Augen beider Heere läuft David zu ihm hin, zieht des Riesen Schwert und schlägt damit dessen Eigentümer den Kopf ab. Welch großartige Befreiung von Jehova! Welche Freude im Lager Israels! Die Philister ergreifen die Flucht, nun, da ihr Held tot ist, und die jubelnden Israeliten jagen ihnen nach.

      20. Wodurch unterscheidet sich Jonathans Einstellung zu David von derjenigen Sauls?

      20 Saul verfolgt David (18:1⁠—⁠27:12). Davids furchtloses Handeln im Interesse des Namens Jehovas erschließt ihm eine wunderbare Freundschaft, und zwar mit Jonathan, dem Sohn Sauls, der normalerweise als Nachfolger für das Königreich in Frage käme. Jonathan beginnt „ihn zu lieben wie seine eigene Seele“, so daß die beiden einen Freundschaftsbund schließen (18:1-3). Als Davids Ruhm in Israel gefeiert wird, versucht Saul ärgerlich, ihn zu töten, selbst als er ihm seine Tochter Michal zur Frau gibt. Sauls Feindschaft wird immer wahnsinniger, so daß David schließlich mit Jonathans liebevoller Hilfe fliehen muß. Die beiden weinen beim Abschied, und Jonathan sichert David nochmals seine Loyalität zu, indem er sagt: „Möge es sich erweisen, daß Jehova selbst zwischen mir und dir ist und zwischen meinen Nachkommen und deinen Nachkommen bis auf unabsehbare Zeit“ (20:42).

      21. Welche Ereignisse kennzeichnen Davids Flucht vor Saul?

      21 Auf seiner Flucht vor dem verbitterten Saul kommt David mit seiner kleinen Schar ausgehungerter Helfer nach Nob. Hier erlaubt ihnen der Priester Ahimelech, das heilige Schaubrot zu essen, als David ihm versichert, daß er und seine Männer sich von Frauen enthalten haben. David, der jetzt mit dem Schwert Goliaths bewaffnet ist, flieht nach Gath im Gebiet der Philister, wo er vortäuscht, wahnsinnig zu sein. Danach geht er weiter zur Höhle von Adullam, dann nach Moab und kehrt später auf den Rat des Propheten Gad hin zum Land Juda zurück. Der wahnsinnig eifersüchtige Saul läßt in Nob die Priester und ihre Angehörigen durch Doeg, den Edomiter, ermorden, weil er sich vor einem Aufstand zugunsten Davids fürchtet. Nur Abjathar entrinnt und schließt sich David an. Er wird der Priester der Gruppe.

      22. Wie zeigt David, daß er gegenüber Jehova loyal ist und seine Organisation achtet?

      22 Als loyaler Diener Jehovas rückt David nun wirksam den Philistern mit Partisanenangriffen zu Leibe. Saul setzt jedoch seinen uneingeschränkten Feldzug fort, um David zu fassen, indem er seine Kriegsleute versammelt und ihn „in der Wildnis von En-Gedi“ jagt (24:1). David, der Geliebte Jehovas, schafft es immer, den Verfolgern einen Schritt voraus zu sein. In einem Fall hat er die Gelegenheit, Saul niederzustrecken, aber er unterläßt es und schneidet nur den Zipfel von Sauls Obergewand ab, zum Beweis, daß er sein Leben verschont hat. Sogar diese harmlose Tat geht David zu Herzen, denn er empfindet, er habe gegen den Gesalbten Jehovas gehandelt. Welch vortreffliche Achtung er vor Jehovas Organisation hat!

      23. Wie schließt Abigail mit David Frieden, und wie kommt es, daß sie schließlich seine Frau wird?

      23 Zwar wird nun Samuels Tod erwähnt (25:1), doch der Bericht wird von dem nachfolgenden Schreiber fortgesetzt. David bittet darum, daß Nabal aus Maon in Juda ihn und seine Männer mit Nahrung versorge als Gegenleistung dafür, daß sie Nabals Hirten behilflich gewesen sind. Nabal ‘schreit’ Davids Männern nur ‘Scheltworte zu’, und David macht sich auf, um ihn zu strafen (25:14). Abigail, Nabals Frau, die die Gefahr erkennt, bringt David heimlich Lebensmittel und besänftigt ihn. David segnet sie für ihre verständige Tat und sendet sie in Frieden zurück. Als Abigail Nabal von dem unterrichtet, was stattgefunden hat, trifft es ihn ins Herz, und zehn Tage später stirbt er. David heiratet nun die gütige und schöne Abigail.

      24. Wie verschont David erneut Sauls Leben?

      24 Zum dritten Mal nimmt Saul fanatisch die Verfolgung Davids auf, und wieder erfährt er Davids Barmherzigkeit. „Ein tiefer Schlaf von Jehova aus“ fällt auf Saul und seine Männer. Das ermöglicht es David, das Lager zu betreten und Sauls Speer zu nehmen, aber er unterläßt es, seine Hand „gegen den Gesalbten Jehovas auszustrecken“ (26:11, 12). Um Schutz zu finden, ist David ein zweites Mal gezwungen, zu den Philistern zu fliehen, und sie geben ihm Ziklag als Wohnsitz. Von hier aus macht er Einfälle bei anderen Feinden Israels.

      25. Welche dritte schwerwiegende Sünde begeht Saul?

      25 Sauls Ende durch Selbstmord (28:1⁠—⁠31:13). Die Achsenherren der Philister ziehen mit ihrem vereinigten Heer nach Sunem. Im Gegenzug bezieht Saul am Berg Gilboa seine Stellung. Verzweifelt sucht er nach Führung, erhält aber von Jehova keine Antwort. Wenn er nur mit Samuel in Verbindung treten könnte! Saul verkleidet sich und begeht eine weitere schwerwiegende Sünde, als er nach En-Dor geht, hinter die Reihen der Philister, um ein Geistermedium aufzusuchen. Er findet die Frau und bittet sie, für ihn mit Samuel in Verbindung zu treten. Voller Erwartung zieht Saul voreilige Schlüsse und hält die Erscheinung für den toten Samuel. „Samuel“ hat jedoch keine tröstliche Botschaft für den König. Morgen wird er sterben, und im Einklang mit Jehovas Worten wird das Königreich von ihm genommen werden. Im anderen Lager ziehen die Achsenherren der Philister zur Schlacht herauf. Als sie sehen, daß David und seine Männer bei ihnen sind, werden sie mißtrauisch und schicken sie nach Hause. Davids Männer treffen gerade rechtzeitig wieder in Ziklag ein. Eine Plündererstreifschar der Amalekiter ist mit der Familie und den Besitztümern Davids und seiner Männer davongezogen, aber David und seine Männer nehmen die Verfolgung auf, und alles wird unversehrt zurückerobert.

      26. Wie endet die Unglücksherrschaft des ersten Königs von Israel?

      26 Nun beginnt die Schlacht am Berg Gilboa. Israel erleidet eine verheerende Niederlage, und die Philister erlangen die Kontrolle über strategisch wichtige Gebiete des Landes. Jonathan und weitere Söhne Sauls werden getötet, und der tödlich verwundete Saul begeht Selbstmord, indem er sich mit seinem eigenen Schwert umbringt. Die siegreichen Philister hängen die Leichname Sauls und seiner drei Söhne an die Mauer der Stadt Beth-Schan, aber die Toten werden von den Männern von Jabesch-Gilead aus dieser schmachvollen Lage entfernt. Die Unglücksherrschaft des ersten Königs von Israel hat ihr unheilvolles Ende erreicht.

      WIESO NÜTZLICH

      27. (a) Worin haben Eli und Saul versagt? (b) In welcher Hinsicht sind Samuel und David vortreffliche Beispiele für Aufseher und für jugendliche Diener Gottes?

      27 Welch einen Geschichtsbericht das erste Buch Samuel enthält! Völlig ehrlich in jeder Einzelheit, enthüllt das Buch sowohl die Schwäche als auch die Stärke Israels. Derzeit gab es vier Führer in Israel, zwei, die das Gesetz Gottes beachteten, und zwei, die das nicht taten. Beachte, worin Eli und Saul versagten: Der erstere unterließ es zu handeln, und der letztere handelte vermessen. Andererseits liebten Samuel und David von ihrer Jugend an Jehovas Wege, und demgemäß hatten sie Erfolg. Welche wertvollen Lehren wir hier für alle Aufseher finden! Wie notwendig ist es für sie, standhaft zu sein, über Reinheit und Ordnung in Jehovas Organisation zu wachen, Jehovas Vorkehrungen zu achten, furchtlos, gelassen, mutig und anderen gegenüber liebevoll und rücksichtsvoll zu sein! (2:23-25; 24:5, 7; 18:5, 14-16). Beachte auch, daß die beiden, die erfolgreich waren, von ihrer Jugend an den Vorteil einer guten theokratischen Schulung hatten und daß sie von jung auf mutig waren, Jehovas Botschaft auszusprechen und die ihnen anvertrauten Interessen zu schützen (3:19; 17:33-37). Mögen alle jugendlichen Anbeter Jehovas heute wie ein junger Samuel und ein junger David werden!

      28. Wie wird Gehorsam betont, und welcher Rat des ersten Buches Samuel wird später von anderen Bibelschreibern wiederholt?

      28 Von all den nützlichen Worten dieses Buches sollte man die Worte genau im Sinn behalten, die Jehova Samuel zu äußern inspirierte, als Urteil über Saul, weil er „die Erwähnung Amaleks unter den Himmeln“ nicht ausgetilgt hatte (5. Mo. 25:19). Die Lehre, daß ‘Gehorchen besser ist als Schlachtopfer’, wird vor verschiedenem Hintergrund in Hosea 6:6; Micha 6:6-8 und Markus 12:33 wiederholt (1. Sam. 15:22). Es ist unerläßlich, daß wir heute aus diesem inspirierten Bericht Nutzen ziehen, indem wir der Stimme Jehovas, unseres Gottes, voll und ganz gehorchen. Unsere Aufmerksamkeit wird in 1. Samuel 14:32, 33 auch darauf gelenkt, die Heiligkeit des Blutes anzuerkennen. Fleisch zu essen, ohne das Blut richtig ausfließen zu lassen, wurde als ‘Sündigen gegen Jehova’ betrachtet. Das gilt auch für die Christenversammlung, wie in Apostelgeschichte 15:28, 29 erklärt wird.

      29. Welchen nationalen Fehler, dessen Folgen im ersten Buch Samuel anschaulich beschrieben werden, beging Israel, und wovor werden eigenwillige Personen gewarnt?

      29 Das erste Buch Samuel veranschaulicht den bedauerlichen Fehler einer Nation, die Gottes Herrschaft vom Himmel aus schließlich als unbrauchbar ansah (1. Sam. 8:5, 19, 20; 10:18, 19). Die Fallgruben und die Nichtigkeit menschlicher Herrschaft werden anschaulich und auch prophetisch geschildert (8:11-18; 12:1-17). Saul wird zu Beginn als ein bescheidener Mann beschrieben, der Gottes Geist hatte (9:21; 11:6), aber seine Urteilskraft trübte sich, und sein Herz wurde verbittert, sobald die Liebe zur Gerechtigkeit und der Glaube an Gott abnahmen (14:24, 29, 44). Sein anfänglicher Eifer wurde später durch seine Vermessenheit, seinen Ungehorsam und seine Untreue gegenüber Gott aufgehoben (1. Sam. 13:9; 15:9; 28:7; Hes. 18:24). Sein Mangel an Glauben machte ihn unsicher und führte zu Neid, Haß und Mord (1. Sam. 18:9, 11; 20:33; 22:18, 19). Er starb, wie er gelebt hatte, als ein Versager gegenüber seinem Gott und seinem Volk und als ein warnendes Beispiel für jeden, der „eigenwillig“ werden könnte, wie Saul es wurde (2. Pet. 2:10-12).

      30. Auf welche Eigenschaften Samuels sollten neuzeitliche Diener Gottes zu ihrem Vorteil Wert legen?

      30 Im Gegensatz dazu steht jedoch das Gute. Beachte zum Beispiel den Lauf des treuen Samuel, der Israel sein ganzes Leben lang ohne Betrug, Parteilichkeit oder Begünstigung diente (1. Sam. 12:3-5). Von Kindheit an gehorchte er bereitwillig (3:5), er war höflich und ehrerbietig (3:6-8), zuverlässig im Erfüllen seiner Pflichten (3:15), unerschütterlich in seiner Hingabe und Ergebenheit (7:3-6; 12:2), bereit zuzuhören (8:21), bereit, Jehovas Entscheidungen zu verteidigen (10:24), fest in seinem Urteil ohne Ansehen der Person (13:13), er trat energisch für Gehorsam ein (15:22) und erfüllte Aufträge beharrlich (16:6, 11). Außerdem hatte er ein günstiges Zeugnis von Außenstehenden (2:26; 9:6). Sein Dienst in der Jugend sollte nicht nur Jugendliche ermutigen, heute den christlichen Dienst aufzunehmen (2:11, 18), sondern die Tatsache, daß er den Dienst bis ans Ende seiner Tage fortsetzte, ohne sich zur Ruhe zu setzen, sollte diejenigen stützen, die wegen ihres Alters matt sind (7:15).

      31. Worin war Jonathan ein ausgezeichnetes Beispiel?

      31 Dann wird das ausgezeichnete Beispiel Jonathans angeführt. Er war nicht verstimmt, weil David zum König gesalbt wurde, obwohl er das Königtum hätte erben können. Vielmehr anerkannte er Davids vortreffliche Eigenschaften und machte einen Freundschaftsbund mit ihm. Auch heute kann Gemeinschaft mit selbstlosen Menschen, die Jehova treu dienen, höchst erbauend und ermutigend sein (23:16-18).

      32. Welche vortrefflichen Charakterzüge sind bei Hanna und Abigail zu beobachten?

      32 Für Frauen ist Hanna, die ihren Mann regelmäßig zur Stätte der Anbetung Jehovas begleitete, ein Beispiel. Sie war eine gottesfürchtige, demütige Frau, die darauf verzichtete, ihren Sohn bei sich zu haben, um ihr Wort zu halten und Wertschätzung für Jehovas Güte zu zeigen. Sie wurde wirklich wunderbar belohnt: Sie sah, daß ihr Sohn ein Leben fruchtbaren Dienstes für Jehova begann (1:11, 21-23, 27, 28). Ferner gibt es das Beispiel Abigails, die weibliche Unterwürfigkeit sowie Verständigkeit zeigte, was ihr Davids Lob eintrug, so daß sie später seine Frau wurde (25:32-35).

      33. Zu welchem Lauf sollten uns Davids furchtlose Liebe und Ergebenheit anspornen?

      33 Davids Liebe zu Jehova wird auf bewegende Weise in den Psalmen ausgedrückt, die er verfaßte, als er von Saul, dem abtrünnig werdenden „Gesalbten Jehovas“, in der Wildnis gehetzt wurde (1. Sam. 24:6; Ps. 34:7, 8; 52:8; 57:1, 7, 9). Und mit welch tiefempfundener Wertschätzung David doch Jehovas Namen heiligte, als er dem Spötter Goliath trotzige Verachtung entgegenschleuderte! „Ich ... komme zu dir mit dem Namen Jehovas der Heerscharen ... An diesem Tag wird Jehova dich in meine Hand liefern ...; und Leute der ganzen Erde werden erkennen, daß ein Gott existiert, der zu Israel gehört. Und diese ganze Versammlung wird erkennen, daß Jehova weder mit Schwert noch mit Speer rettet, denn Jehova gehört die Schlacht, und er wird euch bestimmt in unsere Hand geben“ (1. Sam. 17:45-47). David, der mutige und loyale „Gesalbte“ Jehovas, verherrlichte Jehova als den Gott der ganzen Erde und als den einzig wahren Quell der Rettung (2. Sam. 22:51). Mögen wir diesem Beispiel der Furchtlosigkeit immer folgen!

      34. Wie entfalten sich Jehovas Königreichsvorsätze weiter in Verbindung mit David?

      34 Was hat das erste Buch Samuel über die Verwirklichung der Königreichsvorsätze Gottes zu sagen? Nun, das bringt uns zum wirklichen Höhepunkt dieses Bibelbuches. Denn hier begegnen wir David, dessen Name wahrscheinlich „Geliebter (Liebling)“ bedeutet. David wurde von Jehova geliebt und zu dem Mann erwählt, „der seinem Herzen angenehm“ war, zu demjenigen, der sich dazu eignete, König in Israel zu sein (1. Sam. 13:14). Auf diese Weise ging das Königreich in Übereinstimmung mit Jakobs Segen aus 1. Mose 49:9, 10 auf den Stamm Juda über, und das Königtum sollte im Stamm Juda bleiben, bis der Herrscher kommen würde, dem der Gehorsam aller Völker gehört.

      35. Wie ist Davids Name mit dem des Königreichssamens verbunden, und welche Eigenschaften Davids wird jener Same noch zeigen?

      35 Außerdem ist Davids Name mit dem des Königreichssamens der Linie Davids verbunden, der auch in Bethlehem geboren wurde (Mat. 1:1, 6; 2:1; 21:9, 15). Dieser ist der verherrlichte Jesus Christus, „der Löwe, der vom Stamm Juda ist, die Wurzel Davids“, und „die Wurzel und der Sproß Davids und der hellglänzende Morgenstern“ (Offb. 5:5; 22:16). Dieser in Königreichsmacht herrschende „Sohn Davids“ wird sich als ebenso standhaft und mutig erweisen wie sein berühmter Vorfahr, wenn er gegen Gottes Feinde bis zu deren Untergang kämpfen und Jehovas Namen auf der ganzen Erde heiligen wird. Wie fest wir doch auf diesen Königreichssamen vertrauen können!

      [Fußnote]

      a Major Vivian Gilbert, The Romance of the Last Crusade, 1923, Seite 183—186; siehe auch Werner Keller, Und die Bibel hat doch recht, 1978, Seite 194, 195.

  • 10. Bibelbuch — 2. Samuel
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 10. Bibelbuch — 2. Samuel

      Schreiber: Gad und Nathan

      Ort der Niederschrift: Israel

      Vollendung der Niederschrift: um 1040 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 1077 bis um 1040 v. u. Z.

      1. Vor welchem Hintergrund beginnt das zweite Buch Samuel, und wie setzt sich der Bericht fort?

      Die Nation Israel war wegen des Unheils von Gilboa und der Einfälle, die die siegreichen Philister dann machten, völlig verzweifelt. Die Führer Israels und die Blüte der Nation, die jungen Männer, waren tot. In dieser Situation trat der junge ‘Gesalbte Jehovas’, David, der Sohn Isais, vollständig auf den nationalen Schauplatz (2. Sam. 19:21). So beginnt das zweite Buch Samuel, das gut als ein Buch Jehovas und Davids bezeichnet werden könnte. Seine Erzählung ist mit Handlung jeder Art angefüllt. Wir werden von den Tiefen der Niederlage zum Gipfel des Sieges geführt, von den Trübsalen einer durch Streitigkeiten zerrissenen Nation zum Wohlstand eines vereinigten Königreiches, von der Lebenskraft der Jugend zur Weisheit vorgerückter Jahre. Hier ist der genaue Bericht über das Leben Davids, der mit seinem ganzen Herzen Jehova zu folgen suchte.a Es ist ein Bericht, der jeden Leser veranlassen sollte, sein Herz zu erforschen, um sein Verhältnis zu seinem Schöpfer zu stärken und seinen Stand bei ihm zu festigen.

      2. (a) Wie kam es dazu, daß das Buch zweites Buch Samuel genannt wurde? (b) Wer waren die Schreiber, welche Befähigungen hatten sie, und nur welchen Bericht suchten sie zu bewahren?

      2 Eigentlich wird Samuels Name in dem Bericht des zweiten Buches Samuel nicht einmal erwähnt. Das Buch wurde anscheinend nur so bezeichnet, weil es ursprünglich mit dem ersten Buch Samuel eine Rolle oder einen Band bildete. Die Propheten Nathan und Gad, die die Niederschrift des ersten Buches Samuel vollendeten, fuhren fort, das ganze zweite Buch Samuel zu schreiben (1. Chr. 29:29). Für diese Aufgabe waren sie gut befähigt. Gad war bei David gewesen, während dieser als Geächteter in Israel gejagt worden war, und gegen Ende der 40jährigen Regierungszeit Davids arbeitete er immer noch mit dem König zusammen. Gad war es, den Jehova gebrauchte, um David sein Mißfallen wegen der unvernünftigen Zählung Israels zu verkünden (1. Sam. 22:5; 2. Sam. 24:1-25). Die Tätigkeit Nathans, des Propheten, eines engen Vertrauten Davids, überschnitt sich mit der Lebensspanne Gads und reichte darüber hinaus. Sein Vorrecht war es, Jehovas bedeutsamen Bund mit David, den Bund für ein ewiges Königreich, bekanntzumachen. Er war es, der mutig und unter Inspiration auf Davids große Sünde in Verbindung mit Bathseba und auf die Strafe dafür hinwies (2. Sam. 7:1-17; 12:1-15). So gebrauchte Jehova Nathan, dessen Name „[Gott] hat gegeben“ bedeutet, und Gad, dessen Name „Glück“ bedeutet, dazu, den von ihm inspirierten und nützlichen Aufschluß des zweiten Buches Samuel aufzuzeichnen. Diese bescheidenen Geschichtsschreiber suchten nicht, ihr eigenes Andenken zu bewahren, denn über ihre Abstammung und ihr Privatleben wird nichts gesagt. Sie suchten nur, die von Gott inspirierten Aufzeichnungen zum Nutzen künftiger Anbeter Jehovas zu bewahren.

      3. Welche Zeitspanne wird in dem zweiten Buch Samuel behandelt, und wann wurde seine Niederschrift vollendet?

      3 Das zweite Buch Samuel nimmt die Erzählung des genauen biblischen Geschichtsberichts nach dem Tod Sauls, des ersten Königs Israels, auf und führt sie nahe bis ans Ende der 40jährigen Regentschaft Davids weiter. So wird also die Zeit von 1077 v. u. Z. bis etwa 1040 v. u. Z. behandelt. Die Tatsache, daß in dem Buch nichts über den Tod Davids aufgezeichnet worden ist, ist ein starker Beweis, daß es etwa 1040 v. u. Z. oder kurz vor Davids Tod geschrieben wurde.

      4. Aus welchen Gründen muß das zweite Buch Samuel als Teil des Bibelkanons angenommen werden?

      4 Aus denselben Gründen, die in bezug auf das erste Buch Samuel vorgebracht wurden, muß das zweite Buch Samuel als Teil des Bibelkanons angenommen werden. Seine Glaubwürdigkeit steht außer Zweifel. Seine Offenheit und Freimütigkeit, wobei nicht einmal Davids Sünden und Unzulänglichkeiten beschönigt werden, sind an sich ein starker Indizienbeweis dafür.

      5. Was ist der stärkste Grund, das zweite Buch Samuel als inspirierte Schrift anzunehmen?

      5 Den stärksten Beweis für die Glaubwürdigkeit des zweiten Buches Samuel bilden jedoch die erfüllten Prophezeiungen, besonders diejenigen, die sich auf den Königreichsbund mit David beziehen. Gott verhieß David: „Dein Haus und dein Königtum werden gewiß bis auf unabsehbare Zeit vor dir beständig sein; ja dein Thron wird bis auf unabsehbare Zeit gefestigt werden“ (7:16). Sogar gegen Ende des Königreiches Juda erwähnte Jeremia den Fortbestand dieser Verheißung gegenüber dem Hause Davids mit den Worten: „Denn dies ist, was Jehova gesagt hat: ,Es wird im Fall Davids kein Mann davon abgeschnitten werden, auf dem Thron des Hauses Israel zu sitzen‘ “ (Jer. 33:17). Diese Prophezeiung ist nicht unerfüllt geblieben, denn wie aus der Bibel eindeutig hervorgeht, brachte Jehova später aus Juda ‘Jesus Christus, den Sohn Davids’, hervor (Mat. 1:1).

      INHALT DES ZWEITEN BUCHES SAMUEL

      6. Wie reagiert David, als er die Nachricht vom Tod Sauls und Jonathans hört?

      6 Ereignisse in der Anfangszeit der Regierung Davids (1:1⁠—⁠4:12). Nach dem Tod Sauls auf dem Berg Gilboa eilt ein amalekitischer Flüchtling aus der Schlacht mit dem Bericht zu David nach Ziklag. In der Hoffnung, sich bei David einschmeicheln zu können, erfindet er die Geschichte, er selbst habe Saul das Leben genommen. Statt Lob erhält der Amalekiter als Lohn nur den Tod, denn er hat sich selbst verurteilt, indem er bezeugt hat, den „Gesalbten Jehovas“ erschlagen zu haben (1:16). Der neue König, David, komponiert nun ein Klagelied, „Den Bogen“, worin er den Tod Sauls und Jonathans beklagt. Dieses schwillt mit seinem ergreifenden Ausdruck der überströmenden Liebe gegenüber Jonathan zu einem schönen Höhepunkt an: „Ich bin bekümmert deinetwegen, mein Bruder Jonathan, sehr angenehm warst du mir. Wunderbarer war mir deine Liebe als die Liebe von Frauen. Wie sind die Starken gefallen und die Waffen des Krieges zugrunde gegangen!“ (1:17, 18, 26, 27).

      7. Welche anderen Ereignisse kennzeichnen den frühen Teil der Regierung Davids?

      7 Auf Jehovas Anweisung ziehen nun David und seine Männer mit ihren Hausgemeinschaften nach Hebron, das im Gebiet von Juda liegt. Hierher kommen die Ältesten des Stammes im Jahre 1077 v. u. Z., um David zu ihrem König zu salben. Der Heerführer Joab wird der bekannteste Unterstützer Davids. Abner, der Heeroberste, salbt jedoch als Konkurrenten für das Königtum über die Nation Isch-Boscheth, einen Sohn Sauls, zum König. Zwischen den beiden gegnerischen Streitkräften kommt es regelmäßig zu Zusammenstößen, und Abner tötet einen Bruder Joabs. Schließlich läuft Abner in das Lager Davids über. Er bringt David Sauls Tochter Michal mit, für die David vor langer Zeit das Heiratsgeld bezahlt hat. Joab findet jedoch eine Gelegenheit, Abner umzubringen und sich an ihm zu rächen, weil er seinen Bruder getötet hat. David ist darüber zutiefst betrübt und lehnt jede Verantwortung dafür ab. Bald darauf wird Isch-Boscheth selbst ermordet, ‘während er seine Mittagsruhe hält’ (4:5).

      8. Wie läßt Jehova die Herrschaft Davids über ganz Israel gedeihen?

      8 David, König in Jerusalem (5:1⁠—⁠6:23). David hat zwar schon sieben Jahre und sechs Monate lang in Juda als König geherrscht, aber nun wird er zum unbestrittenen Herrscher; und Vertreter der Stämme salben ihn zum König über ganz Israel. Das ist seine dritte Salbung (1070 v. u. Z.). Eine der ersten Taten Davids als Herrscher des gesamten Königreiches ist die Eroberung der Feste Zion in Jerusalem, wobei er die Jebusiter überrascht, als er durch den Wassertunnel in die Feste eindringt. Dann macht David Jerusalem zu seiner Hauptstadt. Jehova der Heerscharen segnet David und läßt ihn immer mächtiger werden. Sogar Hiram, der reiche König von Tyrus, sendet David wertvolle Zedern und auch Arbeiter zum Errichten eines Hauses für den König. Davids Familie wächst, und Jehova läßt seine Herrschaft gedeihen. Mit den kriegerischen Philistern kommt es zu zwei weiteren Gefechten. In dem ersten durchbricht Jehova in Baal-Perazim für David die feindlichen Reihen und gibt ihm den Sieg. In dem zweiten vollbringt Jehova ein weiteres Wunder, indem er ein „Geräusch eines Einherschreitens in den Wipfeln der Baka-Sträucher“ bewirkt, was anzeigt, daß Jehova vor Israel her auszieht, um die Heere der Philister zu schlagen (5:24). Ein weiterer hervorragender Sieg für Jehovas Streitkräfte!

      9. Beschreibe die Ereignisse in Verbindung mit dem Hinaufbringen der Lade nach Jerusalem.

      9 David nimmt 30 000 Mann mit sich und macht sich auf, um die Bundeslade von Baale-Juda (Kirjath-Jearim) nach Jerusalem zu bringen. Als sie mit viel Musik und großer Freude dahin gebracht wird, gerät der Wagen, auf dem sie gefahren wird, ins Wanken, und Usa, der nebenhergeht, streckt die Hand aus, um die heilige Lade festzuhalten. „Darauf entbrannte Jehovas Zorn gegen Usa, und der wahre Gott schlug ihn dort wegen der unehrerbietigen Tat nieder“ (6:7). Die Lade kommt zum Haus Obed-Edoms und bleibt dort, und in den nächsten drei Monaten segnet Jehova die Hausgemeinschaft Obed-Edoms sehr. Nach drei Monaten kommt David, um die Lade auf dem Rest des Weges richtig zu befördern. Mit Freudenrufen, fröhlicher Musik und Tanz wird die Lade in Davids Hauptstadt gebracht. David läßt seiner großen Freude freien Lauf, indem er vor Jehova tanzt, aber seine Frau Michal nimmt daran Anstoß. David betont: „Vor Jehova will ich den Anlaß feiern“ (6:21). Für Michal hat es zur Folge, daß sie bis zu ihrem Tod kinderlos bleibt.b

      10. Auf welchen Bund und auf welche Verheißung Jehovas werden wir nun aufmerksam gemacht?

      10 Gottes Bund mit David (7:1-29). Nun kommen wir zu einem der wichtigsten Ereignisse im Leben Davids, einem Ereignis, das unmittelbar mit dem Hauptthema der Bibel verbunden ist: die Heiligung des Namens Jehovas durch das Königreich unter dem verheißenen Samen. Dieses Ereignis rührt von Davids Wunsch her, für die Lade Gottes ein Haus zu bauen. Da er selbst in einem schönen Haus aus Zedern wohnt, trägt er Nathan den Wunsch vor, für Jehovas Lade des Bundes ein Haus zu bauen. Durch Nathan bestätigt Jehova David seine liebende Güte gegenüber Israel und errichtet mit ihm einen Bund, der für alle Zeiten bestehen bleiben wird. Jedoch wird es nicht David, sondern sein Same sein, der das Haus für Jehovas Namen bauen wird. Außerdem verheißt Jehova ihm liebevoll folgendes: „Und dein Haus und dein Königtum werden gewiß bis auf unabsehbare Zeit vor dir beständig sein; ja dein Thron wird bis auf unabsehbare Zeit gefestigt werden“ (7:16).

      11. Mit welchem Gebet bringt David Dankbarkeit zum Ausdruck?

      11 Überwältigt von Jehovas Güte, die durch diesen Königreichsbund zum Ausdruck kommt, bedankt sich David für die liebende Güte Gottes mit den Worten: „Welche einzige Nation auf der Erde ist wie dein Volk Israel, dessentwegen Gott hingegangen ist, es sich zum Volk zu erlösen und sich einen Namen beizulegen und große und furchteinflößende Dinge für sie zu tun ...? Und du ... selbst, o Jehova, bist ihr Gott geworden“ (7:23, 24). Inbrünstig betet er um die Heiligung des Namens Jehovas und darum, daß das Haus Davids fest vor Jehova errichtet werde.

      12. Welche Kriege führt David, und welche Güte erweist er dem Hause Sauls?

      12 David dehnt Israels Herrschaftsgebiet aus (8:1 bis 10:19). Man läßt David jedoch nicht in Frieden herrschen. Es sind noch Kriege zu führen. David geht daran, die Philister, die Moabiter, die Zobaiter, die Syrer und die Edomiter niederzuschlagen, wodurch Israel bis zu seinen von Gott verordneten Grenzen ausgedehnt wird (2. Sam. 8:1-5, 13-15; 5. Mo. 11:24). Dann wendet er seine Aufmerksamkeit dem Hause Sauls zu, um gegenüber irgendwelchen Übriggebliebenen um Jonathans willen liebende Güte zum Ausdruck zu bringen. Ziba, ein Diener Sauls, macht ihn auf einen Sohn Jonathans, Mephiboscheth, aufmerksam, der an den Füßen lahm ist. Sofort verlangt David, daß alle Habe Sauls Mephiboscheth übergeben werde und daß sein Land von Ziba und seinen Dienern bebaut werde, um Mephiboscheths Haus mit Nahrung zu versorgen. Mephiboscheth selbst soll jedoch am Tisch Davids essen.

      13. Durch welche weiteren Siege zeigt Jehova, daß er mit David ist?

      13 Als der König von Ammon stirbt, sendet David zu dessen Sohn Hanun Abgesandte mit Äußerungen liebender Güte. Hanuns Ratgeber beschuldigen David jedoch, sie geschickt zu haben, damit sie das Land auskundschaften, und daher demütigen sie sie und senden sie halb nackt zurück. Aus Zorn über diese Beleidigung schickt David Joab mit seinem Heer, um wegen des Unrechts Vergeltung zu üben. Er teilt seine Streitkräfte und schlägt mühelos die Ammoniter und die Syrer, die heraufgekommen waren, den Ammonitern zu helfen. Die Syrer gruppieren ihre Streitkräfte um, werden jedoch noch einmal von den Heeren Jehovas unter dem Befehl Davids besiegt, und sie haben einen Verlust von 700 Wagenlenkern und 40 000 Reitern. Hierdurch wird weiterhin bewiesen, daß die Gunst und der Segen Jehovas auf David ruhen.

      14. Welche Sünden begeht David in Verbindung mit Bathseba?

      14 David sündigt gegen Jehova (11:1⁠—⁠12:31). Im folgenden Frühjahr schickt David Joab wieder nach Ammon, damit er Rabba belagere, während er selbst in Jerusalem bleibt. Eines Abends beobachtet er zufällig von seinem Dach aus die schöne Bathseba, die Frau Urias, des Hethiters, beim Baden. Er holt sie in sein Haus, hat Beziehungen mit ihr, und sie wird schwanger. David versucht das zu vertuschen, indem er Uria vom Kampf bei Rabba zurückholt und ihn in sein Haus schickt, damit er sich erfrische. Uria weigert sich jedoch, in sein Haus zu gehen und Beziehungen mit seiner Frau zu haben, während die Lade und das Heer „in Hütten“ wohnen. Aus Verzweiflung schickt David Uria zu Joab mit einem Brief zurück, in dem es heißt: „Stellt Uria vor den heftigsten Ansturm der Schlacht hin, und ihr sollt euch hinter ihm zurückziehen, und er soll niedergeschlagen werden und sterben“ (11:11, 15). Auf diese Weise stirbt Uria. Nachdem Bathsebas Trauerzeit vorüber ist, nimmt David sie sofort in sein Haus, wo sie seine Frau wird, und das Kind der beiden, ein Sohn, wird geboren.

      15. Wie verkündet Nathan ein prophetisches Urteil über David?

      15 Das ist böse in Jehovas Augen. Er sendet den Propheten Nathan mit einer Gerichtsbotschaft zu David. Nathan erzählt David von einem reichen Mann und einem minderbemittelten Mann. Der eine hatte viele Herden, der andere aber hatte ein einziges weibliches Lamm, das in der Familie ein Lieblingstier und „ihm wie eine Tochter“ war. Als es jedoch dazu kam, ein Fest zu veranstalten, nahm der reiche Mann nicht ein Schaf aus seinen Herden, sondern das weibliche Lamm des armen Mannes. David ist erzürnt, als er das hört, und ruft aus: „So wahr Jehova lebt, der Mann, der dies tut, verdient zu sterben!“ Nathan erwidert ihm darauf: „Du selbst bist der Mann!“ (12:3, 5, 7). Dann verkündet er das prophetische Urteil, daß Davids Frauen öffentlich von einem anderen Mann geschändet würden, daß sein Haus von innerem Krieg geplagt würde und sein Kind von Bathseba sterben werde.

      16. (a) Welche Bedeutungen sind mit den Namen des zweiten Sohnes Davids von Bathseba verknüpft? (b) Wie endet der Angriff auf Rabba?

      16 In aufrichtiger Betrübnis und Reue gesteht David offen: „Ich habe gegen Jehova gesündigt“ (12:13). Gemäß Jehovas Wort stirbt der Nachkomme aus der ehebrecherischen Verbindung nach siebentägiger Krankheit. (Später hat David einen weiteren Sohn von Bathseba; diesen nennen sie Salomo — ein Name, der auf eine Wurzel zurückgeht, die „Frieden“ bedeutet. Jehova teilt jedoch durch Nathan mit, daß er auch Jedidjah genannt werde, was „Geliebter [Liebling] Jahs“ bedeutet.) Nach dieser erschütternden Erfahrung wird David von Joab nach Rabba gerufen, wo gerade der Schlußangriff vorbereitet wird. Joab hat die Wasserversorgung der Stadt erobert und überläßt ehrerbietig dem König die Ehre, die Stadt selbst einzunehmen.

      17. Welche inneren Schwierigkeiten beginnen Davids Hausgemeinschaft heimzusuchen?

      17 Davids häusliche Schwierigkeiten (13:1 bis 18:33). Davids Familienschwierigkeiten beginnen, als sich Amnon, einer der Söhne Davids, leidenschaftlich in Tamar, die Schwester seines Halbbruders Absalom, verliebt. Amnon stellt sich krank und bittet darum, daß die schöne Tamar geschickt wird, um für ihn zu sorgen. Er schändet sie und beginnt dann, sie heftig zu hassen, so daß er sie in Erniedrigung wegsendet. Absalom sinnt auf Rache und wartet auf den rechten Zeitpunkt. Ungefähr zwei Jahre später bereitet er ein Fest, zu dem Amnon und alle anderen Söhne des Königs eingeladen werden. Als Amnons Herz vom Wein in froher Stimmung ist und er nicht auf der Hut ist, überrascht man ihn und bringt ihn auf Absaloms Befehl zu Tode.

      18. Durch welche List wird Absalom aus der Verbannung zurückgeführt?

      18 Aus Angst vor dem Unwillen des Königs flieht Absalom nach Geschur, wo er drei Jahre lang in Halbverbannung lebt. Inzwischen plant Joab, der Oberste der Streitkräfte Davids, eine Versöhnung zwischen David und Absalom herbeizuführen. Er sorgt dafür, daß eine weise Frau aus Tekoa vor dem König eine erdachte Situation im Hinblick auf Vergeltung, Verbannung und Strafe schildert. Als der König ein Urteil fällt, verrät die Frau den wahren Grund ihres Erscheinens, daß nämlich des Königs eigener Sohn Absalom in Geschur in Verbannung ist. David erkennt zwar, daß Joab hinter der Sache steckt, aber er erlaubt seinem Sohn, nach Jerusalem zurückzukehren. Es dauert indessen noch zwei weitere Jahre, bis der König einwilligt, Absalom von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

      19. Welche Verschwörung tritt jetzt zutage, und was ergibt sich daraus für David?

      19 Trotz Davids liebender Güte organisiert Absalom bald eine Verschwörung, um seinem Vater den Thron wegzunehmen. Absalom ist unter allen tapferen Männern Israels auffallend schön, und das macht ihn noch ehrgeiziger und stolzer. Sein Haarwuchs ist so üppig, daß das Haar, das ihm jährlich abgeschnitten wird, ungefähr 2,3 kg wiegt (2. Sam. 14:26, Fußnote). Durch verschiedene listige Manöver beginnt Absalom, das Herz der Männer Israels zu stehlen. Schließlich tritt die Verschwörung offen zutage. Da er die Erlaubnis seines Vaters erlangt, nach Hebron zu gehen, macht er dort sein aufrührerisches Vorhaben bekannt und fordert ganz Israel auf, ihn bei seinem Aufstand gegen David zu unterstützen. Als sich große Mengen auf der Seite des rebellischen Sohnes versammeln, flieht David aus Jerusalem mit einigen Unterstützern, die so loyal sind wie Ittai, der Gathiter, der erklärt: „So wahr Jehova lebt und so wahr mein Herr und König lebt, an dem Ort, wo mein Herr und König sein wird, ob zum Tod oder zum Leben, dort wird auch dein Knecht sein!“ (15:21).

      20, 21. (a) Was ereignet sich auf Davids Flucht, und wie erfüllt sich Nathans Prophezeiung? (b) Wie kommt der verräterische Ahithophel zu seinem Ende?

      20 Auf seiner Flucht aus Jerusalem erfährt David vom Verrat Ahithophels, eines seiner vertrautesten Berater. Er betet: „Verkehre bitte, o Jehova, den Rat Ahithophels in Torheit!“ (15:31). Zadok und Abjathar, David ergebene Priester, und Huschai, der Arkiter, werden nach Jerusalem zurückgesandt, um über Absaloms Tätigkeit zu wachen und zu berichten. Inzwischen trifft David in der Wildnis Mephiboscheths Diener Ziba, der berichtet, daß sein Herr jetzt erwarte, daß das Königreich zum Hause Sauls zurückkehre. Als David weitergeht, verflucht Schimei, der vom Hause Sauls ist, David und wirft Steine nach ihm, aber David hält seine Männer davor zurück, Rache zu nehmen.

      21 In Jerusalem hat der Thronräuber Absalom auf Ahithophels Anregung „vor den Augen von ganz Israel“ Beziehungen mit den Nebenfrauen seines Vaters. Das geschieht in Erfüllung des prophetischen Urteils Nathans (16:22; 12:11). Auch rät Ahithophel Absalom, eine Streitmacht von 12 000 Mann zu nehmen und David in der Wildnis zu stellen. Huschai jedoch, der es geschafft hat, das Vertrauen Absaloms zu gewinnen, empfiehlt ein anderes Vorgehen. Und wie David gebetet hat, so wird der Rat Ahithophels vereitelt. Wie ein Judas geht der enttäuschte Ahithophel nach Hause und erdrosselt sich. Huschai berichtet Absaloms Pläne heimlich den Priestern Zadok und Abjathar, die wiederum die Botschaft David in der Wildnis übermitteln lassen.

      22. Durch welche Betrübnis wird Davids Sieg abgeschwächt?

      22 Das ermöglicht es David, den Jordan zu überqueren und den Kampfplatz im Wald bei Mahanajim zu wählen. Dort läßt er seine Streitkräfte aufmarschieren und gebietet ihnen, mit Absalom schonend umzugehen. Die Aufrührer erleiden eine vernichtende Niederlage. Als Absalom auf einem Maultier durch den dichten Wald flieht, verfängt sich sein Haupt im unteren Geäst eines mächtigen Baumes, und dort hängt er in der Luft. Joab findet ihn in dieser mißlichen Lage und tötet ihn in völliger Mißachtung des Gebotes des Königs. Davids großer Kummer über die Nachricht vom Tod seines Sohnes spiegelt sich in seiner Wehklage wider: „Mein Sohn Absalom, mein Sohn, mein Sohn Absalom! O daß ich, ja ich, statt deiner gestorben wäre, Absalom, mein Sohn, mein Sohn!“ (18:33).

      23. Welche Ereignisse kennzeichnen Davids Rückkehr als König?

      23 Schlußereignisse der Herrschaft Davids (19:1 bis 24:25). David trauert weiterhin bitterlich, bis Joab ihn drängt, seine rechtmäßige Stellung als König wieder einzunehmen. Nun ernennt er Amasa zum Führer über das Heer anstelle von Joab. Als David zurückkehrt, wird er vom Volk willkommen geheißen, auch von Schimei, dessen Leben er verschont. Auch Mephiboscheth kommt, um seinen Fall zu erörtern, und David gibt ihm ein gleich großes Erbteil wie Ziba. Wieder einmal sind ganz Israel und Juda unter David vereint.

      24. Welche weiteren Entwicklungen, die den Stamm Benjamin einbeziehen, finden statt?

      24 Es stehen jedoch weitere Schwierigkeiten bevor. Scheba, ein Benjaminiter, erklärt sich selbst zum König und macht viele von David abspenstig. Amasa, dem David aufgetragen hat, Leute zu sammeln, um den Aufruhr niederzuschlagen, trifft auf Joab und wird hinterlistig ermordet. Dann übernimmt Joab das Heer und folgt Scheba nach Abel von Beth-Maacha und belagert die Stadt. Auf den Rat einer weisen Frau dieser Stadt richten die Einwohner Scheba hin, und Joab zieht sich zurück. Weil Saul Gibeoniter getötet hatte und die Blutschuld noch ungerächt war, kommt über Israel eine dreijährige Hungersnot. Um die Blutschuld zu beseitigen, werden sieben Söhne der Hausgemeinschaft Sauls hingerichtet. Später wird in einer Schlacht gegen die Philister Davids Leben von Abischai, seinem Neffen, gerade noch gerettet. Davids Männer schwören, daß er nicht mehr mit ihnen in den Kampf ausziehen soll, ‘damit er die Leuchte Israels nicht auslöscht’ (21:17). Drei seiner mächtigen Männer treten dann in hervorragender Weise auf, indem sie einige Philisterriesen niederstrecken.

      25. Was wird in den als nächstes aufgezeichneten Liedern Davids zum Ausdruck gebracht?

      25 An dieser Stelle unterbricht der Schreiber den Bericht mit einem Lied Davids für Jehova, das dem 18. Psalm entspricht und Danksagungen für die Befreiung „aus der Faust all seiner Feinde und aus der Faust Sauls“ zum Ausdruck bringt. Freudig erklärt David: „Jehova ist meine Felsenkluft und meine Feste und der für mein Entrinnen Sorgende ... der große Taten der Rettung tut für seinen König und liebende Güte übt gegenüber seinem Gesalbten, an David und an seinem Samen bis auf unabsehbare Zeit“ (22:1, 2, 51). Es folgt das letzte Lied Davids, in dem er anerkennt: „Der Geist Jehovas war es, der durch mich redete, und sein Wort war auf meiner Zunge“ (23:2).

      26. Was wird über Davids mächtige Männer berichtet, und wie beweist er Achtung vor dem Leben?

      26 Zum geschichtlichen Bericht zurückkommend, finden wir die mächtigen Männer verzeichnet, die David angehören, von denen drei hervorragend sind. Diese sind in einen Vorfall verwickelt, der sich ereignet, als ein Vorposten der Philister in Bethlehem, Davids Heimatstadt, errichtet worden ist. David drückt den Wunsch aus: „O daß ich doch aus der Zisterne von Bethlehem, die am Tor ist, einen Trunk Wasser hätte!“ (23:15). Daraufhin erzwingen sich die drei mächtigen Männer den Weg ins Lager der Philister, schöpfen Wasser aus der Zisterne und bringen es zurück zu David. Aber David weigert sich, es zu trinken. Statt dessen schüttet er es auf den Erdboden und sagt: „Es ist für mich undenkbar, o Jehova, daß ich dies tun sollte! Soll ich das Blut der Männer trinken, die unter Einsatz ihrer Seele hingegangen sind?“ (23:17). Für ihn ist das Wasser der Gegenwert des Lebens, das sie dafür aufs Spiel gesetzt haben. Die 30 mächtigsten Männer seines Heeres und ihre Heldentaten werden als nächstes verzeichnet.

      27. Welche letzte Sünde begeht David? Wie wird die darauf folgende Plage aufgehalten?

      27 Schließlich sündigt David, indem er das Volk zählt. Er bittet Gott um Barmherzigkeit und darf zwischen drei Strafen wählen: sieben Jahre Hungersnot, drei Monate militärische Niederlagen oder drei Tage Pest im Land. David erwidert: „Laß uns bitte in die Hand Jehovas fallen, denn viele sind seiner Erbarmungen; aber in die Hand von Menschen laß mich nicht fallen“ (24:14). An der landesweiten Pest sterben 70 000 Personen, und sie wird nur aufgehalten, als David nach Jehovas Anweisung durch Gad handelt und die Dreschtenne Araunas kauft, wo er Jehova Brand- und Gemeinschaftsschlachtopfer darbringt.

      WIESO NÜTZLICH

      28. Welche treffenden Warnungen sind im zweiten Buch Samuel enthalten?

      28 Im zweiten Buch Samuel ist viel Nützliches für den neuzeitlichen Leser zu finden. Fast jede menschliche Gemütsbewegung wird hier lebensnah in den kräftigsten Farben geschildert. So werden wir mit treffenden Worten vor den unheilvollen Folgen von Ehrgeiz und Rache gewarnt (3:27-30), von unrechter Begierde nach dem Ehepartner eines anderen (11:2-4, 15-17; 12:9, 10), von einer verräterischen Handlung (15:12, 31; 17:23), einer Liebe, die nur auf Leidenschaft beruht (13:10-15, 28, 29), einem vorschnellen Urteil (16:3, 4; 19:25-30) und der Respektlosigkeit gegenüber Handlungen der Gottergebenheit eines anderen (6:20-23).

      29. Welche ausgezeichneten Beispiele rechten Wandels und Handelns sind im zweiten Buch Samuel zu finden?

      29 Der bei weitem größte Nutzen aus dem zweiten Buch Samuel ist jedoch auf der positiven Seite zu finden, und zwar durch das Beachten der vielen ausgezeichneten Beispiele rechten Wandels und Handelns. David ist ein Vorbild in seiner ausschließlichen Ergebenheit gegenüber Gott (7:22), seiner Demut vor Gott (7:18), seinem Preisen des Namens Jehovas (7:23, 26), seinem richtigen Standpunkt bei Widerwärtigkeiten (15:25), seinem aufrichtigen Bereuen von Sünde (12:13), seiner Treue zu seinem Versprechen (9:1, 7), seiner Bewahrung des Gleichgewichts unter Prüfung (16:11, 12), seinem beständigen Vertrauen auf Jehova (5:12, 20) und seiner tiefen Achtung vor Jehovas Vorkehrungen und Ernennungen (1:11, 12). Kein Wunder, daß David ‘ein Mann’ genannt wurde, der dem „Herzen [Jehovas] angenehm“ war! (1. Sam. 13:14).

      30. Welche Grundsätze werden im zweiten Buch Samuel angewandt und veranschaulicht?

      30 Auch die Anwendung vieler biblischer Grundsätze ist im zweiten Buch Samuel zu finden. Darunter sind die Grundsätze der Gemeinschaftsverantwortung (2. Sam. 3:29; 24:11-15), daß gute Absichten Gottes Erfordernisse nicht ändern (6:6, 7), daß die leitende Stellung in Jehovas theokratischer Einrichtung geachtet werden sollte (12:28), daß Blut als heilig zu betrachten ist (23:17), daß Sühnung für Blutschuld gefordert wird (21:1-6, 9, 14), daß ein Weiser Unheil für viele verhüten kann (2. Sam. 20:21, 22; Pred. 9:15) und daß Loyalität gegenüber Jehovas Organisation und deren Vertretern aufrechterhalten werden muß, „ob zum Tod oder zum Leben“ (2. Sam. 15:18-22).

      31. Wodurch liefert das zweite Buch Samuel ein Vorzeichen von Gottes Königreich, wie das in den Christlichen Griechischen Schriften bestätigt wird?

      31 Am Wichtigsten von allem ist, daß das zweite Buch Samuel auf Gottes Königreich, das er in den Händen Jesu Christi, des „Sohnes Davids“, aufrichtet, hinweist und ein Vorzeichen davon enthält (Mat. 1:1). Der Eid, den Jehova gegenüber David im Hinblick auf die Fortdauer seines Königreiches leistete (2. Sam. 7:16), wird in Apostelgeschichte 2:29-36 mit Bezug auf Jesus angeführt. Daß die Prophezeiung: „Ich selbst werde sein Vater werden, und er seinerseits wird mein Sohn werden“ (2. Sam. 7:14) wirklich auf Jesus hinwies, wird durch Hebräer 1:5 gezeigt. Dies wurde auch durch Jehovas Stimme, die vom Himmel sprach, bezeugt: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mat. 3:17; 17:5). Auf den Königreichsbund mit David bezieht sich schließlich Gabriel in seinen Worten an Maria im Hinblick auf Jesus: „Dieser wird groß sein und wird Sohn des Höchsten genannt werden; und Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben, und er wird für immer als König über das Haus Jakob regieren, und sein Königreich wird kein Ende haben“ (Luk. 1:32, 33). Wie spannend die Verheißung des Königreichssamens doch erscheint, während sich jeder Schritt in ihrer Entwicklung vor unseren Augen entfaltet!

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 745—747.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, MERAB.

  • 11. Bibelbuch — 1. Könige
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 11. Bibelbuch — 1. Könige

      Schreiber: Jeremia

      Ort der Niederschrift: Jerusalem und Juda

      Vollendung der Niederschrift: 580 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: um 1040—911 v. u. Z.

      1. (a) Wie verwandelte sich Israels strahlendes Glück ins Verderben? (b) Doch wieso kann 1. Könige als „inspiriert und nützlich“ beschrieben werden?

      DIE Eroberungen Davids hatten Israels Herrschaftsgebiet bis zu seinen von Gott festgesetzten Grenzen ausgedehnt, vom Euphrat im Norden bis zum Strom Ägyptens im Süden (2. Sam. 8:3; 1. Kö. 4:21). Nachdem David gestorben war und sein Sohn Salomo an seiner Statt herrschte, waren „Juda und Israel ... so viele wie die Sandkörner, die am Meer sind, an Menge; sie aßen und tranken und waren voll Freude“ (1. Kö. 4:20). Salomo herrschte mit großer Weisheit, einer Weisheit, die diejenige der alten Griechen bei weitem übertraf. Er baute Jehova einen herrlichen Tempel. Jedoch fiel sogar Salomo ab und wandte sich der Anbetung falscher Götter zu. Bei seinem Tod wurde das Königreich entzweigerissen, und eine Reihe böser Könige in den rivalisierenden Königreichen Israel und Juda handelte verderblich und brachte dem Volk Trübsal, genau wie Samuel es vorhergesagt hatte (1. Sam. 8:10-18). Von den 14 Königen, die nach Salomos Tod in Juda und Israel regierten und die im ersten Buch der Könige besprochen werden, gelang es nur zweien, in Jehovas Augen recht zu handeln. Ist dieser Bericht dann „inspiriert und nützlich“? Ganz bestimmt, wie wir es aus den Ermahnungen, den Prophezeiungen und Vorbildern und der Verbindung mit dem vorherrschenden Königreichsthema der „ganzen Schrift“ sehen werden.

      2. Wie kam es, daß der Bericht des ersten und des zweiten Buches der Könige zu zwei Schriftrollen wurde, und wie wurde ihr Inhalt zusammengestellt?

      2 Das Buch der Könige war ursprünglich eine Rolle oder ein Band und wurde auf hebräisch Melachím (Könige) genannt. Die Übersetzer der Septuaginta nannten es Basiléiōn, „Königreiche“, und sie waren die ersten, die es der Bequemlichkeit halber in zwei Schriftrollen aufteilten. Diese wurden später das dritte und das vierte Buch der Könige genannt, und diese Bezeichnung gibt es bis heute in katholischen Bibeln. Jedoch sind sie jetzt im allgemeinen als das erste und das zweite Buch der Könige bekannt. Sie unterscheiden sich vom ersten und zweiten Buch Samuel dadurch, daß sie vorangehende Aufzeichnungen als Quellenmaterial des Zusammenstellers nennen. Der eine Zusammensteller bezieht sich im Verlauf der beiden Bücher 15mal auf das „Buch der Angelegenheiten der Tage der Könige von Juda“, 18mal auf das „Buch der Angelegenheiten der Tage der Könige von Israel“ und auch auf das „Buch der Angelegenheiten Salomos“ (1. Kö. 15:7; 14:19; 11:41). Obgleich diese anderen frühen Aufzeichnungen vollständig verlorengegangen sind, ist die inspirierte Zusammenstellung noch vorhanden — der nützliche Bericht des ersten und des zweiten Buches der Könige.

      3. (a) Wer schrieb die Bücher der Könige zweifellos, und warum antwortest du so? (b) Wann wurde die Niederschrift vollendet, und welche Zeitspanne wird im ersten Buch der Könige behandelt?

      3 Wer hat die Bücher der Könige geschrieben? Ihre Betonung des Werkes der Propheten, besonders Elias und Elisas, weist auf einen Propheten Jehovas hin. Ähnlichkeiten mit dem Buch Jeremia in der Sprache, im Aufbau und Stil lassen auf denselben Schreiber schließen. Viele hebräische Wörter und Ausdrücke kommen nur in den Büchern der Könige und in dem Buch Jeremia vor und in keinem anderen Bibelbuch. Warum wird Jeremia jedoch, wenn er die Bücher der Könige geschrieben hat, darin nicht erwähnt? Das war nicht notwendig, denn sein Werk war schon in dem Buch behandelt worden, das seinen Namen trägt. Außerdem wurden die Bücher der Könige geschrieben, um Jehova und seine Anbetung zu preisen, nicht, um zu Jeremias Ansehen beizutragen. In der Tat ergänzen sich die Bücher der Könige und das Buch Jeremia größtenteils, indem ein jedes das ausfüllt, was das andere ausläßt. Außerdem gibt es parallele Berichte, wie zum Beispiel 2. Könige 24:18 bis 25:30 und Jeremia 39:1-10; 40:7 bis 41:10; 52:1-34. Die jüdische Überlieferung bestätigt, daß Jeremia der Schreiber des ersten und des zweiten Buches der Könige war. Zweifellos begann er die Zusammenstellung beider Bücher in Jerusalem, und es scheint, daß das zweite Buch etwa 580 v. u. Z. in Ägypten vollendet wurde, da er sich am Ende seines Berichtes auf Ereignisse jenes Jahres bezieht (2. Kö. 25:27). Das erste Buch der Könige nimmt die Geschichte Israels vom Ende des zweiten Buches Samuel auf und führt sie bis 911 v. u. Z. fort, dem Jahr, in dem Josaphat starb (1. Kö. 22:50).

      4. Wie bestätigen Geschichte und Archäologie 1. Könige?

      4 Das erste Buch der Könige nimmt seinen rechtmäßigen Platz im Kanon der Heiligen Schrift ein und wird von allen Autoritäten anerkannt. Außerdem werden Ereignisse im ersten Buch der Könige durch die weltliche Geschichte Ägyptens und Assyriens bestätigt. Auch die Archäologie unterstützt viele der Angaben in dem Buch. In 1. Könige 7:45, 46 lesen wir z. B. davon, daß Hiram die Kupfergeräte für Salomos Tempel „im Bezirk des Jordan ..., zwischen Sukkoth und Zarethan“, goß. Archäologen haben bei Ausgrabungen an der Stelle des alten Sukkoth dort Beweise für die Verhüttung von Erzen gefunden.a Außerdem wird auf einem Relief an einer Tempelmauer in Karnak (dem alten Theben) mit der Invasion des ägyptischen Königs Scheschonk I. (Schischak) geprahlt, auf die in 1. Könige 14:25, 26 Bezug genommen wird.b

      5. Welches inspirierte Zeugnis beweist die Glaubwürdigkeit von 1. Könige?

      5 Bezugnahmen durch andere Bibelschreiber und Erfüllungen von Prophezeiungen bestätigen die Glaubwürdigkeit des ersten Buches der Könige. Jesus sprach von Ereignissen aus dem Leben Elias und dem der Witwe von Zarephath als von geschichtlichen Wirklichkeiten (Luk. 4:24-26). Er sprach von Johannes dem Täufer, als er sagte: „Er selbst ist ‚Elia, der kommen soll‘ “ (Mat. 11:13, 14). Hier bezog sich Jesus auf die Prophezeiung Maleachis, der auch von einem künftigen Tag sprach: „Siehe! Ich sende euch Elia, den Propheten, vor dem Kommen des großen und furchteinflößenden Tages Jehovas“ (Mal. 4:5). Außerdem bestätigte Jesus die Kanonizität des ersten Buches der Könige, indem er sich auf das bezog, was in diesem Buch über Salomo und die Königin des Südens steht (Mat. 6:29; 12:42; 1. Kö. 10:1-9).

      INHALT DES ERSTEN BUCHES DER KÖNIGE

      6. Unter welchen Umständen besteigt Salomo den Thron, und wie wird sein Königtum gefestigt?

      6 Salomo wird König (1:1⁠—⁠2:46). Der Bericht des ersten Buches der Könige beginnt gegen Ende der 40jährigen Regierungszeit Davids, kurz vor seinem Tod. Sein Sohn Adonia zettelt mit der Hilfe Joabs, des Heerobersten, und Abjathars, des Priesters, eine Verschwörung an, um das Königtum zu übernehmen. Der Prophet Nathan unterrichtet David darüber und erinnert ihn indirekt daran, daß er schon Salomo dazu bestimmt hat, bei seinem Tod König zu werden. David läßt daher Salomo durch Zadok, den Priester, zum König salben, noch während die Verschwörer die Nachfolge Adonias feiern. David schärft Salomo jetzt ein, stark zu sein und sich als ein Mann zu erweisen und in den Wegen Jehovas, seines Gottes, zu wandeln, wonach David stirbt und in „der Stadt Davids“ begraben wird (2:10). Zu seiner Zeit verbannt Salomo Abjathar und richtet die Unruhestifter Adonia und Joab hin. Später wird Schimei hingerichtet, als er keine Achtung vor der barmherzigen Vorkehrung zeigt, die getroffen wurde, um sein Leben zu schonen. Das Königtum ist nun in den Händen Salomos gefestigt.

      7. Welches Gebet Salomos erhört Jehova, und mit welchem Ergebnis für Israel?

      7 Salomos weise Herrschaft (3:1⁠—⁠4:34). Salomo schließt ein Ehebündnis mit Ägypten, indem er Pharaos Tochter heiratet. Er betet zu Jehova um ein gehorsames Herz, um Jehovas Volk mit Unterscheidungsvermögen zu richten. Weil er nicht um langes Leben oder Reichtum gebeten hat, verheißt Jehova, ihm ein weises und urteilsfähiges Herz und auch Reichtümer und Herrlichkeit zu geben. Salomo zeigt seine Weisheit am Anfang seiner Regierungszeit, als zwei Frauen vor ihm erscheinen und das gleiche Kind beanspruchen. Salomo befiehlt seinen Männern: „Teilt das lebende Kind in zwei Stücke“, und gebt jeder Frau eine Hälfte (3:25). Hierauf setzt sich die wirkliche Mutter für das Leben des Kindes ein und sagt, die andere Frau solle es haben. Auf diese Weise stellt Salomo fest, wer die rechtmäßige Mutter ist, und sie erhält das Kind. Wegen Salomos Weisheit, die Gott ihm gegeben hat, gedeiht ganz Israel und ist glücklich und sicher. Aus vielen Ländern kommt man herbei, um seine weisen Sprüche zu hören.

      8. (a) Wie nimmt Salomo den Bau des Tempels vor? Beschreibe einige der Merkmale des Tempels. (b) Welches weitere Bauprogramm führt Salomo aus?

      8 Salomos Tempel (5:1⁠—⁠10:29). Salomo erinnert sich der Worte Jehovas an seinen Vater David: „Dein Sohn, den ich an deiner Statt auf deinen Thron setzen werde, er ist es, der meinem Namen das Haus bauen wird“ (5:5). Salomo trifft deshalb Vorbereitungen hierfür. Hiram, der König von Tyrus, unterstützt ihn, indem er Zedernstämme und Stämme von Wacholderbäumen aus dem Libanon sendet und Facharbeiter besorgt. Diese beginnen die Arbeit am Haus Jehovas zusammen mit den von Salomo zur Zwangsarbeit Ausgehobenen im vierten Jahr der Regierung Salomos, im 480. Jahr nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten (6:1). Keine Hämmer, Äxte oder anderen Werkzeuge werden auf dem Bauplatz verwendet, da alle Steine im Steinbruch vorbereitet und passend gemacht werden, bevor sie zum Zusammenfügen auf den Tempelplatz gebracht werden. Das ganze Innere des Tempels, das zuerst an den Wänden mit Zedern- und auf dem Fußboden mit Wacholderholz bedeckt worden ist, wird dann prächtig mit Gold überzogen. Es werden zwei Cherubgestalten aus Ölbaumholz gemacht, jede 4,50 Meter hoch und 4,50 Meter von Flügelspitze zu Flügelspitze, und diese werden im innersten Raum aufgestellt. Andere Cherube werden zusammen mit Palmenfiguren und Blüten in die Tempelwände eingeschnitzt. Nach mehr als siebenjähriger Arbeit wird der herrliche Tempel endlich vollendet. Salomo setzt sein Bauprogramm fort: ein Haus für sich selbst, das Haus des Waldes Libanon, die Säulenvorhalle, die Thronvorhalle und ein Haus für Pharaos Tochter. Auch macht er zwei große Kupfersäulen für den Vorbau des Hauses Jehovas, das gegossene Meer für den Hof sowie die kupfernen Wagen, Kupferbecken und goldenen Geräte.c

      9. Welche Kundgebung Jehovas und welches Gebet Salomos kennzeichnen das Hereinbringen der Lade des Bundes?

      9 Jetzt kommt die Zeit für die Priester, die Lade des Bundes Jehovas heraufzubringen und sie im innersten Raum, dem Allerheiligsten, unter den Flügeln der Cherube aufzustellen. Als die Priester herauskommen, ‘erfüllt die Herrlichkeit Jehovas das Haus Jehovas’, so daß die Priester nicht mehr dastehen und dienen können (8:11). Salomo segnet die Versammlung Israels, und er verherrlicht und preist Jehova. Auf den Knien und die Handflächen zum Himmel ausgebreitet, anerkennt er betend, daß die Himmel der Himmel Jehova nicht fassen können, viel weniger dieses irdische Haus, das er gebaut hat. Er betet, Jehova möge alle, die ihn fürchten, erhören, während sie gegen dieses Haus hin beten, ja selbst den Ausländer aus fernem Land. „Auf daß alle Völker der Erde deinen Namen kennenlernen, damit sie dich ebenso fürchten, wie es dein Volk Israel tut“ (8:43).

      10. Mit welcher Verheißung und welcher prophetischen Warnung beantwortet Jehova das Gebet Salomos?

      10 Während des anschließenden 14tägigen Festes opfert Salomo 22 000 Rinder und 120 000 Schafe. Jehova sagt Salomo, er habe sein Gebet erhört und den Tempel geheiligt, indem er seinen „Namen bis auf unabsehbare Zeit dorthin“ gesetzt habe. Wird nun Salomo in Geradheit vor Jehova wandeln, so wird der Thron seines Königreiches von Bestand sein. Wenn jedoch Salomo und seine Söhne nach ihm Jehovas Anbetung verlassen und anderen Göttern dienen, dann, so sagt Jehova, „werde ich Israel von der Oberfläche des Erdbodens abschneiden, den ich ihnen gegeben habe; und das Haus, das ich meinem Namen geheiligt habe, werde ich von meinem Angesicht wegwerfen, und Israel wird wirklich zum Sprichwort und zum Hohn werden unter allen Völkern. Und dieses Haus selbst wird zu Trümmerhaufen werden“ (9:3, 7, 8).

      11. Wie umfangreich werden die Reichtümer und die Weisheit Salomos?

      11 Salomo hat 20 Jahre gebraucht, um die beiden Häuser, das Haus Jehovas und das Haus des Königs, zu vollenden. Nun geht er dazu über, überall in seinem Gebiet viele Städte zu bauen sowie Schiffe, um mit fernen Ländern Handel zu treiben. Daher hört die Königin von Scheba von der großen Weisheit, die Jehova Salomo gegeben hat, und sie kommt, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. Nachdem sie ihn gehört und das Gedeihen und Glück seines Volkes gesehen hat, ruft sie aus: „Nicht die Hälfte ist mir mitgeteilt worden“ (10:7). Während Jehova fortfährt, Israel Liebe zu erweisen, wird Salomo „größer an Reichtum und Weisheit als alle anderen Könige der Erde“ (10:23).

      12. (a) Worin versagt Salomo, und was für Keime des Aufruhrs beginnen zu erscheinen? (b) Was prophezeit Ahija?

      12 Salomos Treulosigkeit und Tod (11:1-43). Entgegen dem Gebot Jehovas nimmt sich Salomo viele Frauen aus anderen Nationen: 700 Frauen und 300 Nebenfrauen (5. Mo. 17:17). Sein Herz wird weggezogen, um anderen Göttern zu dienen. Jehova sagt ihm, daß er ihm das Königreich entreißen werde, nicht in seinen Tagen, aber in den Tagen seines Sohnes. Dessenungeachtet werden Salomos Söhne über einen Teil des Königreiches, über Juda und einen weiteren Stamm, herrschen. Gott beginnt dem Salomo in nahen Nationen Gegner zu erwecken, und auch Jerobeam vom Stamm Ephraim erhebt sich gegen den König. Ahija, der Prophet, sagt Jerobeam, er würde König über zehn Stämme Israels werden, und Jerobeam flieht um seines Lebens willen nach Ägypten. Salomo stirbt, nachdem er 40 Jahre lang regiert hat, und im Jahre 997 v. u. Z. wird sein Sohn Rehabeam König.

      13. Wie kommt es zur Teilung des Königreiches zu Beginn der Herrschaft Rehabeams, und wie versucht Jerobeam, sein Königtum zu sichern?

      13 Das Königreich geteilt (12:1⁠—⁠14:20). Jerobeam kehrt aus Ägypten zurück und geht mit dem Volk hinauf, um bei Rehabeam Erleichterung von all den Lasten zu erbitten, die Salomo ihnen auferlegt hat. Statt auf den weisen Rat der Älteren in Israel hört Rehabeam auf die jungen Männer und mehrt die Mühsale. Israel erhebt sich zum Aufruhr und macht Jerobeam zum König über die nördlichen zehn Stämme. Rehabeam, dem nur Juda und Benjamin geblieben sind, versammelt ein Heer, um gegen die Aufrührer zu kämpfen, er kehrt aber auf Jehovas Befehl zurück. Jerobeam erbaut Sichem als seine Hauptstadt, fühlt sich aber immer noch unsicher. Er fürchtet, daß das Volk nach Jerusalem zurückkehren wird, um Jehova anzubeten, und daß es so wieder unter Rehabeam kommt. Um das zu verhindern, stellt er zwei goldene Kälber auf, und zwar eines in Dan und eines in Bethel, und die Priester, die die Anbetung leiten sollen, wählt er nicht aus dem Stamm Levi aus, sondern unter dem allgemeinen Volk.d

      14. Welche prophetische Warnung wird gegen Jerobeams Haus ausgesprochen, und welche Widerwärtigkeiten beginnen?

      14 Während Jerobeam Opfergaben auf dem Altar in Bethel darbringt, sendet Jehova einen Propheten, um ihn warnend darauf aufmerksam zu machen, daß er aus Davids Linie einen König namens Josia erwecken werde, der entschieden gegen diesen Altar der falschen Anbetung vorgehen würde. Als Vorzeichen wird der Altar auf der Stelle auseinandergerissen. Der Prophet selbst wird später von einem Löwen getötet, weil er Jehovas Anweisung mißachtet hat, während seiner Mission nicht zu essen oder zu trinken. Von nun an wird Jerobeams Haus von Widerwärtigkeiten heimgesucht. Als Gericht von Jehova stirbt sein Kind, und Gottes Prophet Ahija sagt voraus, Jerobeams Haus werde wegen seiner großen Sünde, daß er falsche Götter in Israel aufgestellt hat, vollständig ausgerottet werden. Nach 22jähriger Regierungszeit stirbt Jerobeam, und sein Sohn Nadab wird an seiner Stelle König.

      15. Was ereignet sich während der Herrschaft der nächsten drei Könige in Juda?

      15 In Juda: Rehabeam, Abijam und Asa (14:21 bis 15:24). Inzwischen handelt auch Juda unter Rehabeam schlecht in Jehovas Augen, indem es Götzenanbetung treibt. Der König von Ägypten dringt ein und trägt viele der Tempelschätze fort. Nachdem Rehabeam 17 Jahre geherrscht hat, stirbt er, und sein Sohn Abijam wird König. Auch er sündigt fortwährend gegen Jehova, und nach dreijähriger Regierungszeit stirbt er. Asa, sein Sohn, herrscht jetzt, und im Gegensatz zu seinem Vater dient er Jehova mit ganzem Herzen und entfernt die mistigen Götzen aus dem Land. Es herrscht ständig Krieg zwischen Israel und Juda. Asa erhält Hilfe von Syrien, und Israel wird gezwungen, sich zurückzuziehen. Asa herrscht 41 Jahre lang, und ihm folgt sein Sohn Josaphat.

      16. Welche stürmischen Ereignisse treten nun in Israel ein, und warum?

      16 In Israel: Nadab, Bascha, Ela, Simri, Tibni, Omri und Ahab (15:25⁠—⁠16:34). Welch ein böses Volk! Bascha ermordet Nadab, nachdem dieser nur zwei Jahre regiert hat, und leistet ganze Arbeit, indem er das gesamte Haus Jerobeams vernichtet. Er setzt die falsche Anbetung fort und auch den Kampf gegen Juda. Jehova sagt voraus, mit Baschas Haus gründlich aufzuräumen, wie er es mit Jerobeams Haus getan hat. Nach Baschas 24jähriger Regierung folgt ihm sein Sohn Ela, der zwei Jahre später von seinem Diener Simri ermordet wird. Sobald Simri den Thron eingenommen hat, schlägt er das ganze Haus Baschas nieder. Als das Volk davon hört, macht es Omri, den Heerobersten, zum König und kommt gegen Tirza, Simris Hauptstadt, herauf. Als Simri sieht, daß alles verloren ist, steckt er das Haus des Königs über sich in Brand, so daß er stirbt. Nun versucht Tibni, als Gegenkönig zu regieren, aber nach einiger Zeit überwältigen ihn die Anhänger Omris und töten ihn.

      17. (a) Wofür ist Omris Regierung bekannt? (b) Weshalb gerät die wahre Anbetung während Ahabs Regierung auf ihren tiefsten Stand?

      17 Omri kauft den Berg Samaria und erbaut dort die Stadt Samaria. Er wandelt weiterhin auf all den Wegen Jerobeams, indem er Jehova durch Götzenanbetung erzürnt. In der Tat, er ist schlechter als all die anderen vor ihm. Nachdem er 12 Jahre regiert hat, stirbt er, und Ahab, sein Sohn, wird König. Ahab heiratet Isebel, die Tochter des Königs von Sidon, und errichtet dann in Samaria dem Baal einen Altar. Er übertrifft an Bosheit alle, die ihm vorangegangen sind. Zu dieser Zeit baut Hiel, der Betheliter, die Stadt Jericho unter Einbuße seines erstgeborenen Sohnes und seines jüngsten Sohnes wieder auf. Die wahre Anbetung ist auf ihrem tiefsten Stand.

      18. Mit welchem Ausspruch beginnt Elia sein prophetisches Werk in Israel, und wie hebt er den wahren Grund für Israels Schwierigkeiten hervor?

      18 Elias prophetisches Werk in Israel (17:1⁠—⁠22:40). Plötzlich erscheint ein Bote von Jehova auf dem Schauplatz. Es ist Elia, der Tischbiter.e Wirklich erschreckend ist sein erster Ausspruch an König Ahab: „So wahr Jehova, der Gott Israels, lebt, vor dem ich ja stehe, es wird während dieser Jahre weder Tau noch Regen geben, außer auf Befehl meines Wortes!“ (17:1). Ebenso plötzlich zieht sich Elia auf Jehovas Anweisung in ein Tal östlich des Jordan zurück. In Israel herrscht Dürre, aber Raben bringen Elia Nahrung. Als der Bach des Tales austrocknet, sendet Jehova seinen Propheten nach Zarephath in Sidon, damit er dort wohne. Wegen der Freundlichkeit einer Witwe gegenüber Elia sorgt Jehova auf wunderbare Weise dafür, daß deren kleiner Vorrat an Mehl und Öl nicht ausgeht, so daß sie und ihr Sohn nicht vor Hunger sterben. Später wird der Sohn krank und stirbt, aber auf Elias Bitte bringt Jehova das Kind wieder zum Leben. Im dritten Jahr der Dürre sendet dann Jehova Elia wieder zu Ahab. Ahab beschuldigt Elia, Israel in Verruf zu bringen, aber Elia sagt freimütig zu Ahab: „Du und das Haus deines Vaters“ habt das getan, weil ihr den Baalen nachgefolgt seid (18:18).

      19. Wie kommt es zu dem Streitfall, wer der wahre Gott ist, und wie wird Jehovas Oberhoheit bewiesen?

      19 Elia fordert Ahab auf, all die Propheten Baals auf dem Berg Karmel zu versammeln. Es wird nicht mehr möglich sein, auf zwei verschiedenen Meinungen zu hinken. Es geht um den Streitfall: Jehova gegen Baal! Vor dem ganzen Volk bereiten die 450 Baalspriester einen Stier zu, legen ihn auf das Holz auf dem Altar und beten, daß Feuer herabkommen und das Opfer verzehren möge. Vom Morgen bis zum Mittag rufen sie Baal vergeblich an, und zwar unter dem Spott von Elia. Sie kreischen, und sie schneiden sich, aber keine Antwort! Dann baut der Prophet Elia allein einen Altar im Namen Jehovas und bereitet das Holz und den Stier für das Opfer zu. Er läßt das Opfer und das Holz vom Volk dreimal mit Wasser durchtränken, und dann betet er zu Jehova: „Antworte mir, o Jehova, antworte mir, damit dieses Volk erkenne, daß du, Jehova, der wahre Gott bist.“ Darauf fällt Feuer vom Himmel herab und verzehrt das Opfer, das Holz, die Altarsteine, den Staub und das Wasser. Als alle das sehen, fallen sie sofort auf ihr Angesicht und sagen: „Jehova ist der wahre Gott! Jehova ist der wahre Gott!“ (18:37, 39). Tod den Propheten Baals! Elia sorgt selbst für das Töten, so daß keiner entkommt. Dann läßt Jehova es regnen, wodurch die Dürre in Israel beendet wird.

      20. (a) Wie erscheint Jehova Elia am Horeb, und welche Anweisung und welchen Trost gibt er? (b) Welche Sünde und welches Verbrechen werden von Ahab begangen?

      20 Als die Nachricht von Baals Erniedrigung Isebel erreicht, trachtet sie Elia nach dem Leben. Aus Furcht flieht er mit seinem Diener in die Wildnis, und Jehova führt ihn zum Horeb. Dort erscheint ihm Jehova — nein, nicht auffällig in einem Wind oder einem Beben oder einem Feuer, sondern mit einer „ruhigen, leisen Stimme“ (19:11, 12). Jehova sagt ihm, er solle Hasael zum König von Syrien salben, Jehu zum König über Israel und Elisa zum Propheten an seiner Statt. Er tröstet Elia mit der Nachricht, daß 7 000 in Israel sich nicht vor Baal niedergebeugt haben. Elia geht sofort dazu über, Elisa zu salben, indem er sein Amtsgewand auf ihn wirft. Ahab erringt nun zwei Siege über die Syrer, wird aber von Jehova gescholten, weil er mit ihrem König einen Bund macht, statt ihn zu töten. Dann kommt die Angelegenheit mit Naboth, dessen Weingarten Ahab begehrt. Isebel stellt falsche Zeugen, die Naboth verleumden, und läßt ihn zu Tode bringen, so daß sich Ahab den Weingarten aneignen kann. Welch unverzeihliches Verbrechen!

      21. (a) Welches Unheil verkündet Elia für Ahab und sein Haus sowie für Isebel? (b) Welche Prophezeiung erfüllt sich bei Ahabs Tod?

      21 Wieder erscheint Elia. Er sagt Ahab, daß dort, wo Naboth gestorben sei, Hunde auch sein Blut auflecken würden und daß sein Haus ebenso vollständig ausgerottet werde wie das des Jerobeam und das des Bascha. Hunde würden Isebel auf dem Stück Land von Jesreel auffressen. „Keiner, ohne Ausnahme, hat sich wie Ahab erwiesen, der sich verkauft hat, zu tun, was böse war in den Augen Jehovas, den Isebel, seine Frau, aufreizte“ (21:25). Weil Ahab sich jedoch erniedrigt, als er die Worte Elias hört, sagt Jehova, das Unglück werde nicht in seinen Tagen kommen, sondern in den Tagen seines Sohnes. Ahab schließt sich nun mit Josaphat, dem König von Juda, im Kampf gegen Syrien zusammen, und entgegen dem Rat Michas, des Propheten Jehovas, ziehen sie hinaus, um zu kämpfen. Ahab stirbt an Verwundungen, die er in der Schlacht erhält. Als sein Wagen unten am Teich von Samaria gewaschen wird, lecken Hunde sein Blut auf, genau wie Elia es prophezeit hat. Ahasja, sein Sohn, wird an seiner Stelle König von Israel.

      22. Was kennzeichnet die Regierung Josaphats in Juda und Ahasjas in Israel?

      22 Josaphat regiert in Juda (22:41-53). Josaphat, der Ahab in die Schlacht gegen Syrien begleitet hat, ist wie sein Vater Asa Jehova treu, aber er versäumt es, die Höhen falscher Anbetung völlig auszumerzen. Nachdem er 25 Jahre lang geherrscht hat, stirbt er, und Joram, sein Sohn, wird König. Im Norden, in Israel, tritt Ahasja in die Fußstapfen seines Vaters, indem er Jehova durch seine Baalsanbetung erzürnt.

      WIESO NÜTZLICH

      23. Welche Zuversicht und Ermutigung liefert das erste Buch der Könige in bezug auf das Gebet?

      23 Aus der göttlichen Unterweisung im ersten Buch der Könige ist großer Nutzen zu ziehen. Betrachte zunächst die Angelegenheit des Gebets, die in diesem Buch so oft in den Vordergrund tritt. Als Salomo der gewaltigen Verantwortung gegenüberstand, die das Königtum in Israel mit sich brachte, betete er demütig in der Art eines Kindes zu Jehova. Er bat lediglich um Unterscheidungsvermögen und um ein gehorsames Herz, aber außer Weisheit in überströmendem Maß gab Jehova ihm auch Reichtümer und Herrlichkeit (3:7-9, 12-14). Seien wir heute zuversichtlich, daß unsere demütigen Gebete um Weisheit und Führung in Jehovas Dienst nicht unbeantwortet bleiben! (Jak. 1:5). Beten wir immer inbrünstig von Herzen, und zwar mit tiefer Wertschätzung für all die Güte Jehovas, wie Salomo es bei der Einweihung des Tempels tat! (1. Kö. 8:22-53). Mögen sich unsere Gebete immer durch grenzenloses Vertrauen zu Jehova auszeichnen, so wie die Gebete Elias in prüfungsreichen Zeiten und auch als er einer dämonenanbetenden Nation von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand! Jehova sorgt wunderbar für die, die ihn im Gebet suchen (1. Kö. 17:20-22; 18:36-40; 1. Joh. 5:14).

      24. Welche warnenden Beispiele werden im ersten Buch der Könige gezeigt, und warum sollten besonders Aufseher davon Kenntnis nehmen?

      24 Ferner sollten wir durch die Beispiele derer gewarnt werden, die sich nicht vor Jehova demütigten. Wie ‘widersteht doch Gott solchen Hochmütigen’! (1. Pet. 5:5). Da war Adonia, der dachte, er könne Jehovas theokratische Ernennung umgehen (1. Kö. 1:5; 2:24, 25), Schimei, der meinte, er könne ungestraft aus einem eingegrenzten Bereich heraus- und wieder in ihn hineingehen (2:37, 41-46), Salomo in seinen späteren Jahren, dessen Ungehorsam bewirkte, daß Jehova ihm Widerstandleistende sandte (11:9-14, 23-26), und da waren die Könige Israels, deren falsche Religion sich als unheilvoll erwies (13:33, 34; 14:7-11; 16:1-4), ferner die boshaft gierige Isebel, die Macht hinter Ahabs Thron, deren berüchtigtes Beispiel tausend Jahre später als eine Warnung für die Versammlung in Thyatira gebraucht wurde: „Dessenungeachtet halte ich dir entgegen, daß du das Weib Isebel duldest, die sich eine Prophetin nennt, und sie lehrt meine Sklaven und führt sie irre, so daß sie Hurerei begehen und Dinge essen, die Götzen geopfert sind“ (Offb. 2:20). Aufseher müssen die Versammlungen rein und frei von allen isebelartigen Einflüssen bewahren. (Vergleiche Apostelgeschichte 20:28-30.)

      25. Welche Prophezeiungen des ersten Buches der Könige haben sich auf bemerkenswerte Weise erfüllt, und wie kann die Erinnerung daran uns heute helfen?

      25 Jehovas Macht zu prophezeien wird deutlich gezeigt durch die Erfüllung vieler Prophezeiungen, die im ersten Buch der Könige aufgezeichnet sind. Ein Beispiel ist die bemerkenswerte, mehr als 300 Jahre im voraus geäußerte Vorhersage, daß Josia Jerobeams Altar in Bethel niederreißen würde. Josia tat es! (1. Kö. 13:1-3; 2. Kö. 23:15). Die hervorragendsten Prophezeiungen sind jedoch die, die das Haus Jehovas betreffen, das von Salomo erbaut wurde. Jehova sagte Salomo, daß ein Abfallen zu falschen Göttern dazu führen würde, daß Jehova Israel von der Oberfläche des Erdbodens abschneiden und das Haus, das er seinem Namen geheiligt habe, von seinem Angesicht wegwerfen werde (1. Kö. 9:7, 8). In 2. Chronika 36:17-21 ist nachzulesen, daß sich diese Prophezeiung als absolut wahr erwies. Außerdem zeigte Jesus, daß der später von Herodes dem Großen auf demselben Platz erbaute Tempel dasselbe Geschick erleiden würde, und zwar aus demselben Grund (Luk. 21:6). Auch das hat sich vollständig bewahrheitet. Wir sollten an diese Verhängnisse und ihre Ursache denken, und sie sollten uns daran erinnern, immer auf den Wegen des wahren Gottes zu wandeln.

      26. Welche anregende Vorausschau von Jehovas Tempel und Königreich wird in 1. Könige gewährt?

      26 Die Königin von Scheba kam aus ihrem fernen Land und staunte über Salomos Weisheit, das Gedeihen seines Volkes und die Herrlichkeit seines Königreiches, einschließlich des großartigen Hauses Jehovas. Jedoch selbst Salomo räumte Jehova gegenüber ein: „Siehe! Die Himmel selbst, ja die Himmel der Himmel, können dich nicht fassen, wieviel weniger dann dieses Haus, das ich gebaut habe!“ (1. Kö. 8:27; 10:4-9). Aber Jahrhunderte später kam Christus Jesus, um ein geistiges Aufbauwerk durchzuführen, das besonders mit der Wiederherstellung der reinen Anbetung in Jehovas großem geistigen Tempel zu tun hat (Heb. 8:1-5; 9:2-10, 23). Für den, der größer ist als Salomo, gilt Jehovas Verheißung: „Dann werde ich in der Tat den Thron deines Königtums über Israel auf unabsehbare Zeit errichten“ (1. Kö. 9:5; Mat. 1:1, 6, 7, 16; 12:42; Luk. 1:32). Das erste Buch der Könige gewährt eine anregende Vorausschau von der Herrlichkeit des geistigen Tempels Jehovas und von dem Wohlstand, der Freude und dem herrlichen Glück aller, die unter der weisen Herrschaft des Königreiches Jehovas durch Christus Jesus leben werden. Unser Verständnis für die Wichtigkeit wahrer Anbetung und für Jehovas wunderbare Vorkehrung seines Königreiches in den Händen des Samens wächst fortwährend.

      [Fußnoten]

      a The International Standard Bible Encyclopedia, Band 4, 1988, herausgegeben von G. W. Bromiley, Seite 648.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 177, 952.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 750, 751.

      d Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 947, 948.

      e Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 949, 950.

  • 12. Bibelbuch — 2. Könige
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 12. Bibelbuch — 2. Könige

      Schreiber: Jeremia

      Ort der Niederschrift: Jerusalem und Ägypten

      Vollendung der Niederschrift: 580 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: um 920—580 v. u. Z.

      1. Welchen Geschichtsbericht enthält das zweite Buch der Könige, und was wird durch ihn gerechtfertigt?

      DAS zweite Buch der Könige setzt den Bericht über die turbulente Geschichte der Königreiche Israel und Juda fort. Elisa hob den Mantel Elias auf und wurde mit zwei Teilen des Geistes Elias gesegnet; er wirkte 16 Wunder, Elia nur 8. Auch Elisa prophezeite den Untergang des abtrünnigen Israel, in dem nur durch Jehu für kurze Zeit Eifer für Jehova aufflammte. Israels Könige versanken immer tiefer in der Bosheit, bis Assyrien im Jahre 740 v. u. Z. das nördliche Königreich zerschlug. Im südlichen Königreich Juda konnten einige hervorragende Könige, vor allem Josaphat, Joas, Hiskia und Josia, der Woge des Abfalls für gewisse Zeit Einhalt gebieten, doch schließlich vollstreckte Nebukadnezar im Jahre 607 v. u. Z. das Urteil Jehovas, indem er Jerusalem und den Tempel sowie das Land Juda verwüstete. Auf diese Weise erfüllten sich die Prophezeiungen Jehovas, und sein Wort wurde gerechtfertigt.

      2. Was kann über den Schreiber und die Kanonizität des Buches 2. Könige gesagt werden, und welche Zeitspanne wird darin behandelt?

      2 Da das zweite Buch der Könige ursprünglich mit dem ersten eine Rolle bildete, ist das bereits über Jeremia als Schreiber Gesagte hier ebenso gültig wie auch die genannten Beweise für die Kanonizität und die Glaubwürdigkeit des Buches. Es wurde ungefähr 580 v. u. Z. vollendet und behandelt die Zeitspanne vom Beginn der Herrschaft Ahasjas von Israel (um 920 v. u. Z.) bis zum 37. Jahr des Exils Jojachins (580 v. u. Z.) (1:1; 25:27).

      3. Welche bemerkenswerten archäologischen Funde stützen das zweite Buch der Könige?

      3 Archäologische Funde stützen den Bericht des zweiten Buches der Könige und liefern weitere Beweise für seine Echtheit. Ein Beispiel ist der berühmte Mesa-Stein, dessen Inschrift den Krieg zwischen Moab und Israel aus der Sicht des Moabiterkönigs Mesa beschreibt (3:4, 5). Des weiteren ist der schwarze Basaltobelisk des Assyrers Salmanassar III. zu nennen, der heute im Britischen Museum in London ausgestellt ist, auf dem der Name König Jehus erscheint. Ferner existieren Inschriften des assyrischen Königs Tiglath-Pileser III. (Pul), in denen mehrere Könige Israels und Judas, so zum Beispiel Menahem, Ahas und Pekach, erwähnt werden (15:19, 20; 16:5-8).a

      4. Was beweist, daß das zweite Buch der Könige ein wichtiger Bestandteil der inspirierten Schriften ist?

      4 Ein schlüssiger Beweis für die Glaubwürdigkeit des Buches ist die schonungslose Offenheit, mit der es die Vollstreckung der Urteile Jehovas an seinem eigenen Volk beschreibt. Als zunächst das Königreich Israel und später auch das Königreich Juda ins Verderben stürzen, wird uns die eindrucksvolle Gültigkeit des prophetischen Urteils Jehovas gemäß 5. Mose 28:15 bis 29:28 vor Augen geführt. Bei der Vernichtung jener Königreiche „entbrannte Jehovas Zorn gegen jenes Land, indem er den ganzen Fluch, der in diesem Buch geschrieben steht, darüber brachte“ (5. Mo. 29:27; 2. Kö. 17:18; 25:1, 9-11). Einige Ereignisse, die im zweiten Buch der Könige aufgezeichnet sind, werden in anderen Teilen der Bibel aufgegriffen. In Lukas 4:24-27 bezieht sich Jesus zunächst auf Elia und die Witwe von Zarephath und kommt dann auf Elisa und Naaman zu sprechen, um zu zeigen, weshalb er in seinem Heimatgebiet nicht als Prophet angenommen wurde. Das erste und das zweite Buch der Könige müssen somit als wichtiger Bestandteil der Heiligen Schrift betrachtet werden.

      INHALT DES ZWEITEN BUCHES DER KÖNIGE

      5. Welchen Tadel und welches Urteil spricht Elia über Ahasja aus, und warum?

      5 Ahasja, König von Israel (1:1-18). Dieser Sohn Ahabs erkrankt nach einem Sturz in seinem Haus. Er will Baal-Sebub, den Gott von Ekron, befragen lassen, ob er wieder gesund wird. Elia, der Prophet Jehovas, fängt die Boten ab und schickt sie zum König zurück. Er tadelt ihn dafür, daß er nicht den wahren Gott befragt, und läßt ihm sagen, daß er bestimmt sterben wird, weil er sich nicht dem Gott Israels zuwendet. Als der König einen Obersten mit 50 Mann schickt, um Elia zu ergreifen und zum König zu bringen, ruft der Prophet Feuer vom Himmel herab, das sie verzehrt. Dasselbe widerfährt einem zweiten Obersten mit seinen 50. Ein dritter Oberster wird mit 50 Männern losgeschickt, doch diesmal verschont Elia ihr Leben wegen der respektvollen Bitte des Obersten. Elia begleitet sie zum König und spricht ein weiteres Mal das Todesurteil über Ahasja aus. Wie von Elia vorausgesagt, stirbt der König. Daraufhin wird Joram, der Bruder Ahasjas, König über Israel, weil Ahasja keinen Sohn hat, der seinen Platz einnehmen könnte.

      6. Unter welchen Umständen scheidet Elia von Elisa, und wie zeigt sich kurz darauf, daß sich der „Geist Elias“ auf Elisa niedergelassen hat?

      6 Elisa wird Nachfolger Elias (2:1-25). Für Elia ist die Zeit gekommen, hinweggenommen zu werden. Elisa begleitet ihn auf einer Reise von Gilgal zunächst nach Bethel, dann nach Jericho und schließlich über den Jordan, dessen Wasser Elia teilt, indem er sie mit seinem Amtsgewand schlägt. Als Elisa durch einen feurigen Kriegswagen und feurige Pferde von Elia getrennt wird und sieht, wie dieser in einem Windsturm hinauffährt, erhält er die verheißenen zwei Anteile an Elias Geist. Schon kurz darauf beweist er, daß sich der „Geist Elias“ auf ihm niedergelassen hat (2:15). Er hebt das herabgefallene Gewand Elias auf und teilt damit erneut die Wasser. Dann heilt er das schlechte Wasser von Jericho. Auf dem Weg nach Bethel wird er von kleinen Buben verhöhnt: „Geh hinauf, du Kahlkopf! Geh hinauf, du Kahlkopf!“ (2:23). Elisa ruft Jehova an, und zwei Bärinnen kommen aus dem Wald, die 42 dieser jugendlichen Übeltäter töten.

      7. Weshalb rettet Jehova Josaphat und Joram?

      7 Joram, König von Israel (3:1-27). Auch dieser König tut, was böse ist in Jehovas Augen, da er an den Sünden Jerobeams festhält. Der König von Moab war Israel bisher tributpflichtig, doch nun lehnt er sich auf; König Josaphat von Juda und der König von Edom kommen Joram im Kampf gegen Moab zu Hilfe. Bevor es jedoch zum Angriff kommt, geraten ihre Heere in ein wasserloses Gebiet und sind daran, zugrunde zu gehen. Die drei Könige gehen hinab zu Elisa, um Jehova, seinen Gott, zu befragen. Wegen des treuen Josaphat rettet Jehova sie und gibt ihnen den Sieg über Moab.

      8. Welche weiteren Wunder vollbringt Elisa?

      8 Weitere Wunder Elisas (4:1⁠—⁠8:15). Die Witwe eines der Söhne der Propheten bittet Elisa um Hilfe, da ihre Gläubiger ihre beiden Söhne als Sklaven holen wollen. Durch ein Wunder vermehrt er den kleinen Ölvorrat in ihrem Haus, so daß sie genug verkaufen kann, um ihre Schulden zu bezahlen. Eine Frau aus Sunem, die Elisa als Propheten des wahren Gottes anerkennt, bereitet zusammen mit ihrem Mann für ihn ein Zimmer, das er benutzen kann, wenn er in der Stadt ist. Wegen ihrer Freundlichkeit segnet Jehova die Frau mit einem Sohn. Einige Jahre später wird das Kind krank und stirbt. Die Frau sucht sofort Elisa auf. Er begleitet sie zu ihrem Haus und erweckt durch Jehovas Macht das Kind zum Leben. Elisa kehrt zu den Söhnen der Propheten nach Gilgal zurück und beseitigt durch ein Wunder den „Tod ... im Topf“, indem er bewirkt, daß giftige Kürbisse niemandem schaden. Dann speist er 100 Männer mit 20 Gerstenbroten, und sie haben trotzdem noch „Übriggebliebenes“ (4:40, 44).

      9. Welche Wunder wirkt Elisa in Verbindung mit Naaman und mit einem Axteisen?

      9 Naaman, der syrische Heeroberste, ist aussätzig. Ein gefangenes israelitisches Mädchen erzählt Naamans Frau, daß es in Samaria einen Propheten gibt, der ihn heilen kann. Daraufhin reist Naaman zu Elisa, der sich jedoch nicht persönlich mit ihm beschäftigt, sondern ihm lediglich ausrichten läßt, er solle hingehen und sich siebenmal im Jordan baden. Naaman ist aufgebracht über diese scheinbare Respektlosigkeit. Sind die Flüsse von Damaskus nicht besser als die Wasser Israels? Man bewegt ihn jedoch dazu, auf Elisa zu hören, und er wird geheilt. Elisa weigert sich, ein Geschenk als Belohnung anzunehmen; doch sein Diener Gehasi läuft Naaman später nach und bittet in Elisas Namen um eine Gabe. Als Gehasi bei seiner Rückkehr Elisa zu täuschen versucht, wird er mit Aussatz geschlagen. Elisa wirkt ein weiteres Wunder, indem er ein Axteisen zum Schwimmen bringt.

      10. Wie kommt es, daß die überlegenen Streitkräfte Jehovas sichtbar gemacht werden, und wie veranlaßt Elisa, daß die Syrer unverrichteter Dinge heimkehren?

      10 Elisa warnt den König von Israel vor einem Plan der Syrer, ihn zu töten, woraufhin der König von Syrien eine Streitmacht nach Dothan schickt, um Elisa gefangenzunehmen. Elisas Diener gerät in Furcht, als er die Stadt von den syrischen Heeren umzingelt sieht. Elisa versichert ihm jedoch: „Fürchte dich nicht, denn mehr sind derer, die mit uns sind, als derer, die mit ihnen sind.“ Dann bittet er Jehova, seinen Diener die große Streitmacht sehen zu lassen, die mit ihm ist. ‘Und siehe, die Berggegend ist voll von Pferden und Kriegswagen aus Feuer rings um Elisa her’ (6:16, 17). Als die Syrer angreifen, betet der Prophet wieder zu Jehova; daraufhin werden die Syrer mit geistiger Blindheit geschlagen und zum König von Israel geführt. Elisa läßt jedoch nicht zu, daß sie zu Tode gebracht werden, sondern veranlaßt den König, ihnen ein Festmahl zu bereiten und sie nach Hause zu schicken.

      11. Wie erfüllen sich Elisas Prophezeiungen über die Syrer und Ben-Hadad?

      11 Später belagert Ben-Hadad, der König von Syrien, Samaria, und es herrscht große Hungersnot. Der König von Israel gibt Elisa die Schuld, aber der Prophet sagt für den folgenden Tag einen Überfluß an Nahrung voraus. In der Nacht läßt Jehova die Syrer das Geräusch einer großen Streitmacht hören, so daß sie fliehen und den Israeliten ihre gesamten Vorräte zurücklassen. Nach einiger Zeit erkrankt Ben-Hadad. Als ihm berichtet wird, daß Elisa nach Damaskus gekommen ist, schickt er Hasael zu ihm, um zu fragen, ob er sich wieder erholen wird. Aus Elisas Antwort geht hervor, daß der König sterben und Hasael seine Stelle einnehmen wird. Um darin sicherzugehen, tötet Hasael den König und übernimmt das Königtum.

      12. Was für ein König ist Josaphats Sohn Joram?

      12 Joram, König von Juda (8:16-29). Inzwischen ist in Juda Josaphats Sohn Joram König geworden. Er erweist sich um keinen Deut besser als die Könige von Israel, da auch er böse handelt in Jehovas Augen. Seine Frau ist Athalja, die Tochter Ahabs, deren Bruder, der ebenfalls Joram heißt, in Israel regiert. Beim Tod Jorams von Juda wird sein Sohn Ahasja König in Jerusalem.

      13. Welchen Blitzfeldzug führt Jehu nach seiner Salbung?

      13 Jehu, König von Israel (9:1⁠—⁠10:36). Elisa sendet einen der Söhne der Propheten zu Jehu mit dem Auftrag, ihn zum König über Israel zu salben und ihn zu beauftragen, das gesamte Haus Ahabs niederzuschlagen. Jehu verliert keine Zeit. Er macht sich sofort auf den Weg zu Joram, dem König von Israel, der sich in Jesreel von seinen Kriegsverletzungen erholt. Der Wächter, der die wogende Menge von Männern näher kommen sieht, berichtet schließlich dem König: „Das Fahren ist wie das Fahren Jehus, des Enkels Nimschis, denn er fährt wahnsinnig“ (9:20). Joram von Israel und Ahasja von Juda fragen Jehu, in welcher Absicht er komme. Jehu stellt daraufhin die Frage: „Was für ein Frieden könnte es sein, solange es die Hurereien Isebels, deiner Mutter, und ihre vielen Zaubereien gibt?“ (9:22). Als sich Joram zur Flucht wendet, schießt Jehu ihm einen Pfeil durchs Herz. Sein Leichnam wird auf das Feld Naboths geworfen — eine weitere Vergeltung für das unschuldige Blut, das Ahab vergossen hat. Später jagen Jehu und seine Männer Ahasja nach; sie strecken ihn nieder, und er stirbt in Megiddo. So bringt Jehus erster Blitzfeldzug zwei Königen den Tod.

      14. Wie erfüllt sich Elias Prophezeiung über Isebel?

      14 Jetzt ist Isebel an der Reihe. Als der triumphierende Jehu in Jesreel einreitet, erscheint sie schön herausgeputzt am Fenster. Auf Jehu macht das jedoch keinen Eindruck. „Laßt sie herunterfallen!“ ruft er einigen Dienern zu. Sie wird heruntergeworfen, und ihr Blut spritzt auf die Mauer und auf die Pferde, die sie zertrampeln. Später will man sie begraben, findet von ihr jedoch nur noch den Schädel, die Füße und die Handteller. In Erfüllung der Prophezeiung Elias ‘haben Hunde sie gefressen, und sie ist auf dem Stück Land von Jesreel wie Dünger geworden’ (2. Kö. 9:33, 36, 37; 1. Kö. 21:23).

      15. Welche unterschiedlichen Begegnungen hat Jehu auf dem Weg nach Samaria?

      15 Nun ordnet Jehu die Hinrichtung der 70 Söhne Ahabs an, und er schichtet ihre Köpfe am Tor von Jesreel auf. Alle Befürworter Ahabs in Jesreel werden niedergestreckt. Jetzt auf nach Samaria, der Hauptstadt Israels! Unterwegs trifft Jehu die 42 Brüder Ahasjas, die nach Jesreel wollen, da sie nicht wissen, was sich ereignet hat. Sie werden ergriffen und getötet. Aber dann kommt es zu einer Begegnung anderer Art. Jonadab, der Sohn Rechabs, geht Jehu entgegen. Auf Jehus Frage: „Ist dein Herz redlich mit mir, so wie mein eigenes Herz mit deinem Herzen?“ erwidert Jonadab: „Es ist’s.“ Dann läßt Jehu ihn zu sich in den Wagen steigen, damit er sich persönlich davon überzeugen kann, daß Jehu „keine Rivalität gegenüber Jehova“ duldet (2. Kö. 10:15, 16).

      16. Wie gründlich geht Jehu gegen das Haus Ahabs und gegen Baal vor?

      16 In Übereinstimmung mit dem Wort Jehovas an Elia vernichtet Jehu bei seiner Ankunft in Samaria alles, was vom Haus Ahabs übriggeblieben ist (1. Kö. 21:21, 22). Was ist jedoch mit dem abscheulichen Baalskult? Jehu erklärt: „Ahab einerseits hat Baal ein wenig angebetet. Jehu andererseits wird ihm sehr viel Anbetung darbringen“ (2. Kö. 10:18). Er ruft alle Dämonenanbeter zum Haus Baals, läßt sie Gewänder anlegen, die sie kenntlich machen, und vergewissert sich, daß unter ihnen kein Anbeter Jehovas ist. Dann schickt er seine Leute hinein, um sie zu töten, und sie lassen keinen einzigen entkommen. Das Haus Baals wird zerstört, und an dessen Stelle werden Aborte errichtet, die noch in den Tagen Jeremias existieren. ‘So vertilgt Jehu den Baal aus Israel’ (10:28).

      17. Worin versagt Jehu, und wie beginnt Jehova, Strafe über Israel zu bringen?

      17 Doch selbst der eifrige Jehu versagt. In welcher Hinsicht? Er dient den goldenen Kälbern, die Jerobeam in Bethel und Dan aufgestellt hat. Jehu gibt nicht acht, „mit seinem ganzen Herzen in dem Gesetz Jehovas, des Gottes Israels, zu wandeln“ (10:31). Weil er jedoch gegen das Haus Ahabs vorgegangen ist, verheißt Jehova, daß seine Nachkommen bis zur vierten Generation über Israel herrschen werden. In seinen Tagen beginnt Jehova, den östlichen Teil des Königreiches abzuschneiden, indem er Hasael von Syrien gegen Israel heraufbringt. Nach 28jähriger Regierungszeit stirbt Jehu, und sein Sohn Jehoahas folgt ihm auf den Thron.

      18. Wie wird Athaljas Verschwörung in Juda durchkreuzt, und was ist an der Herrschaft des Joas bemerkenswert?

      18 Joas, König von Juda (11:1⁠—⁠12:21). Die Königinmutter Athalja ist nicht nur dem Fleisch, sondern auch dem Geist nach eine Tochter Isebels. Als sie vom Tod ihres Sohnes Ahasja hört, ordnet sie die Hinrichtung der gesamten Königsfamilie an und reißt den Thron an sich. Nur Ahasjas kleiner Sohn Joas entgeht dem Tod, da man ihn verborgen hat. Im siebten Jahr der Regierung Athaljas läßt Jehojada, der Priester, Joas zum König salben und Athalja zu Tode bringen. Jehojada leitet das Volk in der Anbetung Jehovas, unterweist den jugendlichen König in seinen Pflichten Gott gegenüber und sorgt für die Ausbesserung des Hauses Jehovas. Durch ein Geschenk kann Joas einen Angriff Hasaels, des Königs von Syrien, abwenden. Nachdem Joas 40 Jahre in Jerusalem geherrscht hat, wird er von seinen Dienern ermordet, und Amazja, sein Sohn, beginnt an seiner Stelle als König zu regieren.

      19. (a) Welche falsche Anbetung wird während der Herrschaft des Jehoahas und des Joas in Israel fortgesetzt? (b) Wie beendet Elisa seinen Lauf als Prophet Jehovas?

      19 Jehoahas und Joas, Könige von Israel (13:1-25). Jehus Sohn Jehoahas setzt die Götzenanbetung fort, und Israel kommt unter die Herrschaft Syriens, wenngleich Jehoahas nicht entthront wird. Jehova befreit die Israeliten zur rechten Zeit, aber sie verharren in Jerobeams Kälberverehrung. Als Jehoahas stirbt, wird sein Sohn Joas an seiner Stelle König in Israel, noch während der andere Joas in Juda regiert. Joas von Israel verharrt in der Götzenanbetung seines Vaters. Bei seinem Tod wird sein Sohn Jerobeam König. Während der Regierungszeit des Joas erkrankt Elisa und stirbt, nachdem er seine letzte Prophezeiung geäußert hat, daß Joas die Syrer dreimal schlagen wird, was sich auch bewahrheitet. Das letzte Wunder, das Elisa zugeschrieben wird, geschieht nach seinem Tod, als man in seine Grabstätte einen Toten wirft, der lebend aufsteht, sobald er Elisas Gebeine berührt.

      20. Beschreibe Amazjas Regierung in Juda.

      20 Amazja, König von Juda (14:1-22). Amazja tut zwar, was recht ist in Jehovas Augen, versäumt aber, die der Anbetung dienenden Höhen zu vernichten. Joas von Israel bereitet ihm im Krieg eine Niederlage. Nach 29jähriger Regierungszeit fällt er einer Verschwörung zum Opfer. Asarja, sein Sohn, wird nach ihm König.

      21. Was ereignet sich während der Herrschaft Jerobeams II. in Israel?

      21 Jerobeam II., König von Israel (14:23-29). Der zweite Jerobeam, der in Israel als König regiert, verharrt in der falschen Anbetung seines Vorfahren. Er regiert 41 Jahre lang in Samaria, und es gelingt ihm, die verlorenen Gebiete Israels zurückzugewinnen. Sein Sohn Sacharja folgt ihm auf den Thron.

      22. Was wird über die Herrschaft Asarjas in Juda berichtet?

      22 Asarja (Usija), König von Juda (15:1-7). Asarja herrscht 52 Jahre lang. Er ist rechtschaffen vor Jehova, versäumt jedoch, die Höhen zu zerstören. Später schlägt Jehova ihn mit Aussatz, und Jotham, sein Sohn, nimmt die Amtsgeschäfte wahr, bis er bei Asarjas Tod selbst König wird.

      23. Von welchen Übeln wird Israel geplagt, während die Bedrohung durch die Assyrer zunimmt?

      23 Sacharja, Schallum, Menahem, Pekachja und Pekach, Könige von Israel (15:8-31). Entsprechend der Verheißung Jehovas bleibt der Thron Israels bis zur vierten Generation, d. h. bis Sacharja, beim Haus Jehus (10:30). Sacharja, der demgemäß König in Samaria wird, fällt schon nach sechs Monaten einem Meuchelmord zum Opfer. Schallum, der Thronräuber, kann sich nur einen Monat halten. Falsche Anbetung, Meuchelmord und Ränkespiel plagen Israel weiterhin, während die Könige Menahem, Pekachja und Pekach aufeinanderfolgen. Während Pekachs Herrschaft rückt Assyrien bereits heran, um dem Ganzen ein Ende zu machen. Hoschea ermordet Pekach und wird Israels letzter König.

      24. Wie sündigt Ahas von Juda, der Nachfolger Jothams, in bezug auf die Anbetung?

      24 Jotham und Ahas, Könige von Juda (15:32 bis 16:20). Jotham übt zwar die reine Anbetung aus, läßt aber die Höhen bestehen. Ahas, sein Sohn, ahmt die Könige des benachbarten Israel nach, indem er das tut, was böse ist in Jehovas Augen. Als ihn die Könige von Israel und von Syrien angreifen, bittet er den König von Assyrien um Hilfe. Die Assyrer stehen ihm bei, indem sie Damaskus einnehmen, und Ahas trifft sich dort mit dem König von Assyrien. Ahas läßt in Jerusalem einen Altar errichten, wie er ihn in Damaskus gesehen hat, und beginnt, auf diesem statt auf dem kupfernen Altar in Jehovas Tempel zu opfern. Sein Sohn Hiskia wird sein Nachfolger als König von Juda.

      25. Wie gerät Israel in Gefangenschaft, und warum?

      25 Hoschea, letzter König von Israel (17:1-41). Israel wird nun von Assyrien unterworfen. Hoschea rebelliert und hofft auf die Hilfe Ägyptens, aber im neunten Jahr seiner Herrschaft wird Israel von Assyrien besiegt und ins Exil geführt. Das ist das Ende für das Zehnstämmereich Israel. Warum? „Weil die Söhne Israels gegen Jehova, ihren Gott, gesündigt hatten, ... und sie dienten weiterhin mistigen Götzen, von denen Jehova zu ihnen gesagt hatte: ‚Ihr sollt diese Sache nicht tun‘; Jehova geriet daher sehr in Zorn gegen Israel, so daß er sie aus seinen Augen entfernte“ (17:7, 12, 18). Die Assyrer lassen Menschen aus dem Osten das Land besiedeln, die schließlich ‘Jehova fürchten’, obgleich sie fortfahren, ihre eigenen Götter anzubeten (17:33).

      26, 27. (a) Inwiefern tut Hiskia von Juda, was recht ist in Jehovas Augen? (b) Wie erhört Jehova Hiskias Gebet, den Rückzug der Assyrer zu veranlassen? (c) Welche weitere Erfüllung hat die Prophezeiung Jesajas?

      26 Hiskia, König von Juda (18:1⁠—⁠20:21). Hiskia tut, was recht ist in Jehovas Augen, gemäß allem, was David, sein Vorfahr, tat. Er rottet die falsche Anbetung aus, reißt die Höhen nieder und zerstört sogar die von Moses gemachte kupferne Schlange, weil sie mittlerweile vom Volk angebetet wird. Doch dann fällt der assyrische König Sanherib in Juda ein und erobert viele befestigte Städte. Hiskia versucht, sich mit einer hohen Tributzahlung freizukaufen, aber Sanherib schickt seinen Boten Rabschake, der vor den Mauern Jerusalems die Übergabe der Stadt verlangt und Jehova vor den Ohren des ganzen Volkes verspottet. Der Prophet Jesaja ermutigt den treuen Hiskia mit einer Botschaft des Verderbens gegen Sanherib. „Dies ist, was Jehova gesagt hat: ‚Fürchte dich nicht‘ “ (19:6). Während Sanherib fortfährt zu drohen, fleht Hiskia zu Jehova: „Und nun, o Jehova, unser Gott, rette uns bitte aus seiner Hand, damit alle Königreiche der Erde erkennen, daß du, o Jehova, allein Gott bist“ (19:19).

      27 Erhört Jehova dieses selbstlose Gebet? Zuerst sendet er durch Jesaja die Botschaft, daß der „Eifer Jehovas der Heerscharen“ den Feind zur Umkehr veranlassen wird (19:31). Noch in derselben Nacht schickt Jehova seinen Engel, der im Lager der Assyrer 185 000 Mann niederstreckt. Am Morgen sind „sie alle tot, Leichname“ (19:35). Sanherib kehrt geschlagen zurück und nimmt Wohnsitz in Ninive. Dort läßt ihn sein Gott Nisroch ein weiteres Mal im Stich, denn als er sich zur Anbetung niederbeugt, töten ihn seine eigenen Söhne, womit sich die Prophezeiung Jesajas erfüllt (19:7, 37).

      28. Wofür ist Hiskia berühmt, aber worin sündigt er?

      28 Hiskia wird todkrank, aber wieder erhört Jehova sein Gebet und verlängert sein Leben um fünfzehn Jahre. Der König von Babylon sendet Boten mit Gaben, und Hiskia wagt es, ihnen sein ganzes Schatzhaus zu zeigen. Jesaja prophezeit daraufhin, daß alles, was sich in seinem Haus befindet, eines Tages nach Babylon gebracht werden wird. Dann stirbt Hiskia, den seine Größe und der Tunnel, den er erbaute, um die Wasserversorgung Jerusalems in die Stadt zu verlegen, berühmt gemacht haben.

      29. Welchen Götzendienst führt Manasse ein, was für ein Unglück sagt Jehova voraus, und welche weitere Sünde begeht Manasse?

      29 Manasse, Amon und Josia, Könige von Juda (21:1⁠—⁠23:30). Manasse wird Nachfolger seines Vaters, Hiskia, und regiert 55 Jahre, wobei er in großem Ausmaß böse handelt in Jehovas Augen. Er stellt die Höhen für die falsche Anbetung wieder her, errichtet Altäre für Baal, macht einen heiligen Pfahl, so wie Ahab, und verwandelt das Haus Jehovas in einen Ort des Götzendienstes. Jehova sagt voraus, daß er Unglück über Jerusalem bringt, wie er es über Samaria gebracht hat, indem er die Stadt „auswischt und sie umstülpt“. Manasse vergießt auch „unschuldiges Blut in sehr großer Menge“ (21:13, 16). Ihm folgt sein Sohn Amon, der zwei weitere Jahre fortfährt, böse zu handeln, bis er von Meuchelmördern niedergestreckt wird.

      30. Warum und wie kehrt Josia ganzherzig zu Jehova um?

      30 Das Volk macht nun Amons Sohn Josia zum König. Während seiner 31jährigen Regierungszeit kann er Judas Sturz in die Vernichtung kurz Einhalt gebieten, da er ‘auf allen Wegen Davids, seines Vorvaters, wandelt’ (22:2). Er beginnt Instandsetzungsarbeiten am Haus Jehovas, und dort findet der Hohepriester das Buch des Gesetzes. Dieses bestätigt, daß der Nation wegen ihres Ungehorsams gegenüber Jehova die Vernichtung droht. Doch Josia wird zugesichert, daß sie wegen seiner Treue nicht in seinen Tagen kommen wird. Er reinigt das Haus Jehovas und das ganze Land von Dämonenanbetung und dehnt seine Götzenvernichtung bis nach Bethel aus, wo er in Erfüllung der Prophezeiung aus 1. Könige 13:1, 2 den Altar Jerobeams zerstört. Des weiteren hält er wieder das Passah für Jehova ab. „Vor ihm [ist] kein König gewesen ... wie er, der zu Jehova umgekehrt war mit seinem ganzen Herzen und mit seiner ganzen Seele und mit seiner ganzen Tatkraft, gemäß dem ganzen Gesetz Mose“ (23:25). Dessenungeachtet glüht Jehovas Zorn noch immer wegen der Vergehen Manasses. Josia stirbt in Megiddo im Kampf gegen den König von Ägypten.

      31. Welche Rückschläge erlebt Juda nach Josias Tod?

      31 Jehoahas, Jojakim und Jojachin, Könige von Juda (23:31⁠—⁠24:17). Nach dreimonatiger Regierungszeit wird Josias Sohn Jehoahas vom König von Ägypten gefangengenommen, und sein Bruder Eljakim, dessen Namen man auf Jojakim abändert, wird auf den Thron gesetzt. Er folgt dem falschen Lauf seiner Vorväter und wird Nebukadnezar, dem König von Babylon, untertan, lehnt sich aber nach drei Jahren gegen ihn auf. Nach Jojakims Tod beginnt sein Sohn Jojachin zu regieren. Nebukadnezar belagert Jerusalem, nimmt es ein und bringt die Schätze des Hauses Jehovas nach Babylon, „so wie Jehova [durch Jesaja] geredet hatte“ (24:13; 20:17). Jojachin und Tausende seiner Untertanen werden ins Exil nach Babylon gebracht.

      32. Welche dramatischen Ereignisse führen dazu, daß Jerusalem und das Land unbewohnt sind?

      32 Zedekia, der letzte König von Juda (24:18 bis 25:30). Nebukadnezar macht Jojachins Onkel, Mattanja, zum König und ändert seinen Namen in Zedekia um. Dieser regiert 11 Jahre in Jerusalem und fährt fort, böse zu handeln in Jehovas Augen. Da er sich gegen Babylon auflehnt, kommt Nebukadnezar im neunten Jahr der Regierung Zedekias mit seinem gesamten Heer herauf und errichtet einen Belagerungswall rings um Jerusalem. Nach 18 Monaten ist die Stadt durch Hungersnot ausgezehrt. Die Mauern werden schließlich erbrochen, und Zedekia wird auf der Flucht gefangengenommen. Seine Söhne werden vor ihm getötet, und er wird geblendet. Im nächsten Monat werden alle bedeutenden Häuser der Stadt, so auch das Haus Jehovas und das Haus des Königs, niedergebrannt und die Stadtmauern geschleift. Die meisten Überlebenden werden gefangen nach Babylon weggeführt. Gedalja wird zum Statthalter über die wenigen unbedeutenden Leute ernannt, die im Land Juda übrigbleiben. Er wird jedoch ermordet, und das Volk flieht nach Ägypten. Dadurch ist das Land vom siebten Monat des Jahres 607 v. u. Z. an völlig unbewohnt. Die Schlußworte des zweiten Buches der Könige berichten von der Gunst, die der König von Babylon Jojachin im 37. Jahr seiner Gefangenschaft erweist.

      WIESO NÜTZLICH

      33. Welche hervorragenden, nachahmenswerten Beispiele werden im zweiten Buch der Könige angeführt?

      33 Obwohl das zweite Buch der Könige den verhängnisvollen Niedergang der Königreiche Israel und Juda behandelt, strahlen doch auch viele Beispiele des Segens hervor, den Jehova Einzelpersonen erwies, die Liebe zu ihm und seinen gerechten Grundsätzen bekundeten. Wie die Witwe von Zarephath vor ihr, wurde auch die Sunamitin überreich für die Gastfreundschaft gesegnet, die sie dem Propheten Gottes erwies (4:8-17, 32-37). Daß Jehova stets für das Nötige sorgen kann, wurde deutlich, als Elisa 100 Männer mit 20 Broten speiste, ein ähnliches Wunder, wie es Jesus später mehrfach vollbrachte (2. Kö. 4:42-44; Mat. 14:16-21; Mar. 8:1-9). Beachtenswert ist, womit Jonadab gesegnet wurde: Er wurde eingeladen, in Jehus Wagen mitzufahren und die Vernichtung der Baalsanbeter zu sehen. Und warum? Weil er positiv handelte; er kam heraus, um den eifernden Jehu zu begrüßen (2. Kö. 10:15, 16). Schließlich haben wir auch noch die hervorragenden Beispiele Hiskias und Josias, demütige Männer mit gebührender Achtung vor Jehovas Namen und Gesetz (19:14-19; 22:11-13). Das sind für uns ausgezeichnete, nachahmenswerte Beispiele.

      34. Was lehrt uns das zweite Buch der Könige in bezug auf die Achtung vor offiziellen Vertretern Jehovas und die Blutschuld?

      34 Jehova duldet keine Respektlosigkeit gegenüber seinen offiziellen Vertretern. Als Elisa, der Prophet Jehovas, von Übeltätern verspottet wurde, führte er schnelle Vergeltung herbei (2:23, 24). Außerdem achtet Jehova das Blut der Unschuldigen. Sein Urteil lastete schwer auf dem Haus Ahabs, nicht nur wegen der Baalsanbetung, sondern auch wegen des Blutvergießens, das damit verbunden war. Jehu wurde daher gesalbt, um „das Blut aller Knechte Jehovas [zu] rächen an der Hand Isebels“. Als das Urteil an Joram vollstreckt wurde, erinnerte sich Jehu an Jehovas Erklärung, daß es wegen ‘des Blutes Naboths und des Blutes seiner Söhne’ geschah (9:7, 26). Blutschuld, und zwar die Blutschuld Manasses, besiegelte letztlich auch Judas Untergang. Manasses Sünde bestand nicht nur in der falschen Anbetung, er füllte außerdem ‘Jerusalem von einem Ende bis zum anderen mit Blut’. Er bereute zwar später seinen bösen Lauf, aber seine Blutschuld blieb bestehen (2. Chr. 33:12, 13). Nicht einmal die gute Herrschaft Josias, der jeglichen Götzendienst ausrottete, konnte die kollektive Blutschuld auslöschen, die der Herrschaft Manasses nachhing. Jahre später, als Jehova seine Hinrichtungsstreitkräfte gegen Jerusalem heraufbrachte, wurde erklärt, dies geschehe, weil Manasse „Jerusalem mit unschuldigem Blut erfüllte, und Jehova war nicht gewillt, Vergebung zu gewähren“ (2. Kö. 21:16; 24:4). Auch Jesus zeigte, daß Jerusalem im ersten Jahrhundert u. Z. dem Untergang geweiht war, weil dessen Priester Söhne derjenigen waren, die das Blut der Propheten vergossen hatten, ‘damit alles gerechte Blut über sie komme, das auf der Erde vergossen worden ist’ (Mat. 23:29-36). Gott warnt die Welt davor, daß er unschuldiges Blut, das vergossen wurde, rächen wird, besonders das Blut „derer, die wegen des Wortes Gottes ... hingeschlachtet worden“ sind (Offb. 6:9, 10).

      35. (a) Wie wurden Elia, Elisa und Jesaja als wahre Propheten bestätigt? (b) Was sagte Petrus in Verbindung mit Elia über die Prophetie?

      35 Aus dem zweiten Buch der Könige geht auch hervor, mit welcher unfehlbaren Gewißheit Jehova seine prophetischen Gerichte erfüllt. Wir werden mit drei führenden Propheten bekannt gemacht: Elia, Elisa und Jesaja. Es wird gezeigt, auf welch bemerkenswerte Weise sich ihre Prophezeiungen erfüllten (2. Kö. 9:36, 37; 10:10, 17; 3:14, 18, 24; 13:18, 19, 25; 19:20, 32-36; 20:16, 17; 24:13). Daß Elia ein wahrer Prophet war, wird auch dadurch bestätigt, daß er mit dem Propheten Moses und dem großen Propheten, Jesus Christus, in der Umgestaltungsszene auf dem Berg erschien (Mat. 17:1-5). Petrus bezog sich auf die Herrlichkeit dieses Anlasses und sagte: „Demzufolge haben wir das prophetische Wort um so fester; und ihr tut gut daran, ihm Aufmerksamkeit zu schenken als einer Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und ein Tagesstern aufgeht, in eurem Herzen“ (2. Pet. 1:19).

      36. Warum erwies Jehova seinem Volk Barmherzigkeit, und inwiefern wird unser Vertrauen in das Königreich des Samens gestärkt?

      36 Die im zweiten Buch der Könige aufgezeichneten Ereignisse zeigen deutlich, daß Jehova alle, die die falsche Religion ausüben und vorsätzlich unschuldiges Blut vergießen, zur Vernichtung verurteilt. Trotzdem erwies Jehova seinem Volk „um seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob willen“ Gunst und Barmherzigkeit (2. Kö. 13:23). Er bewahrte die Nation „um Davids, seines Knechtes, willen“ (8:19). Denen, die sich ihm heute zuwenden, wird er die gleiche Barmherzigkeit erweisen. Eine Betrachtung des Bibelberichts und der biblischen Verheißungen läßt uns mit immer größerer Zuversicht dem Königreich des „Sohnes Davids“, Jesu Christi, des Samens der Verheißung, entgegenblicken, in dem es weder Blutvergießen noch Bosheit geben wird (Mat. 1:1; Jes. 2:4; Ps. 145:20).

      [Fußnote]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, S. 180, 325; Band 2, SALMANASSAR; TIGLATH-PILESER.

  • 13. Bibelbuch — 1. Chronika
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 13. Bibelbuch — 1. Chronika

      Schreiber: Esra

      Ort der Niederschrift: Jerusalem (?)

      Vollendung der Niederschrift: um 460 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: nach 1. Chronika 9:44: 1077—1037 v. u. Z.

      1. In welcher Hinsicht ist das erste Buch der Chronika ein wichtiger und nützlicher Bestandteil des Wortes Gottes?

      IST das erste Buch der Chronika tatsächlich nur eine trockene Aufzählung von Geschlechtsregistern? Handelt es sich lediglich um die Wiederholung der Bücher Samuel und Könige? Ganz und gar nicht! Es ist ein aufschlußreicher und wichtiger Bestandteil des Wortes Gottes — wichtig in den Tagen seiner Niederschrift, als es um die Neuordnung der Nation und ihrer Anbetung geht, und wichtig und nützlich für spätere Zeiten, so auch für uns heute, da es ein Muster festhält, wie Gott angebetet werden sollte. Das erste Buch der Chronika enthält einige der schönsten Lobpreisungen Jehovas der gesamten Bibel. Das Buch vermittelt einen wunderbaren Ausblick auf Jehovas Königreich der Gerechtigkeit, und es zu studieren ist für jeden von Nutzen, der auf dieses Königreich hofft. Juden und Christen haben die beiden Bücher der Chronika zu allen Zeiten sehr geschätzt. Der Bibelübersetzer Hieronymus hatte eine so hohe Meinung von den beiden Büchern, daß er sie als einen „Abriß des Alten Testaments“ betrachtete und die Ansicht vertrat, sie seien „von solch hoher Bedeutung und Wichtigkeit, daß derjenige, der meint, er sei mit den heiligen Schriften vertraut, und sie nicht kennt, sich nur selbst betrügt“.a

      2. Warum wurden die Bücher der Chronika geschrieben?

      2 Die beiden Bücher der Chronika waren ursprünglich offenbar ein Buch oder eine Rolle, die später aus Gründen der bequemeren Handhabung geteilt wurde. Warum wurden sie geschrieben? Betrachten wir einmal die damaligen Gegebenheiten. Etwa 77 Jahre zuvor war die Gefangenschaft in Babylon zu Ende gegangen. Die Juden hatten sich wieder in ihrem Heimatland angesiedelt. Es gab allerdings einen gefährlichen Trend, sich von der Anbetung Jehovas im wieder aufgebauten Tempel in Jerusalem abzukehren. Esra war vom König von Persien bevollmächtigt worden, Richter und Lehrer des Gesetzes Gottes (sowie des Gesetzes des Königs) zu ernennen und das Haus Jehovas zu verschönern. Genaue Geschlechtsregister waren erforderlich, um sicherzustellen, daß nur befugte Personen in der Priesterschaft dienten, und auch, um die Erbteile der Stämme zu bestätigen, von denen die Priesterschaft ihre Unterstützung erhielt. Im Hinblick auf die Prophezeiungen Jehovas bezüglich des Königreiches waren außerdem genaue und vertrauenswürdige Aufzeichnungen des Stammbaumes Judas und Davids von größter Wichtigkeit.

      3. (a) Was wollte Esra den Juden vor Augen führen? (b) Warum hob er die Geschichte Judas hervor, und wie unterstrich er die Wichtigkeit der wahren Anbetung?

      3 Es war Esras aufrichtiges Bemühen, die zurückgeführten Juden aus ihrer Gleichgültigkeit aufzurütteln und ihnen vor Augen zu führen, daß sie tatsächlich die Erben der durch einen Bund gesicherten liebenden Güte Jehovas waren. In den Büchern der Chronika lieferte er ihnen deshalb einen vollständigen Bericht über die Geschichte der Nation und die Anfänge der Menschheit, die er bis zum ersten Menschen, Adam, zurückverfolgte. Da das Königreich Davids im Mittelpunkt stand, hob er die Geschichte Judas hervor und ließ den durch und durch schlechten Bericht über das Zehnstämmereich fast völlig aus. Er beschrieb, wie die größten Könige Judas damit beschäftigt waren, den Tempel zu bauen oder wiederherzustellen, und in der Anbetung Gottes eifrig vorangingen. Außerdem wies er auf die religiösen Verfehlungen hin, die zum Sturz des Königreiches führten, hob dabei aber auch Gottes Verheißungen der Wiederherstellung hervor. Dadurch, daß er die Aufmerksamkeit auf viele Einzelheiten in Verbindung mit dem Tempel, dessen Priestern, den Leviten, den Leitern des Gesangs usw. lenkte, unterstrich er die Wichtigkeit einer reinen Anbetung. Es muß für die Israeliten sehr ermunternd gewesen sein, einen Geschichtsbericht zu besitzen, der den Grund für ihre Rückkehr aus der Gefangenschaft hervorhob — die Wiederherstellung der Anbetung Jehovas in Jerusalem.

      4. Welche Beweise sprechen dafür, daß Esra die Chronika schrieb?

      4 Was spricht dafür, daß Esra die Bücher der Chronika schrieb? Die beiden letzten Verse des zweiten Buches der Chronika entsprechen den ersten beiden Versen im Buch Esra, und das zweite Buch der Chronika endet in der Mitte eines Satzes, der in Esra 1:3 beendet wird. Der Schreiber der Bücher der Chronika muß somit auch das Buch Esra geschrieben haben. Das wird ferner dadurch gestützt, daß der Stil, die Sprache, die Ausdrucksweise und die Rechtschreibung der Bücher der Chronika und des Buches Esra übereinstimmen. Einige Ausdrücke in diesen Büchern finden sich in keinem anderen Bibelbuch. Esra muß demnach neben dem nach ihm benannten Buch auch die Bücher der Chronika geschrieben haben. Die jüdische Überlieferung stützt diese Schlußfolgerung.

      5. Über welche geistigen und weltlichen Qualifikationen verfügte Esra?

      5 Niemand war besser geeignet, diese glaubwürdige und genaue Aufzeichnung zusammenzustellen, als Esra. „Denn Esra selbst hatte sein Herz bereitgemacht, das Gesetz Jehovas zu befragen und danach zu tun und in Israel Satzung und Recht zu lehren“ (Esra 7:10). Jehova half ihm durch den heiligen Geist. Der persische Weltherrscher erkannte die Weisheit Gottes in Esra und übertrug ihm umfangreiche Staatsvollmachten im Gerichtsbezirk Juda (Esra 7:12-26). So mit göttlichen und weltlichen Vollmachten ausgestattet, konnte Esra seinen Bericht auf die besten verfügbaren Urkunden stützen.

      6. Warum können wir darauf vertrauen, daß die Bücher der Chronika zuverlässig sind?

      6 Esra war ein außergewöhnlicher Forscher. Er studierte ältere Aufzeichnungen der jüdischen Geschichte, die von zuverlässigen Propheten aus jener Zeit stammten oder von amtlichen Schriftführern und Staatsarchivaren zusammengestellt worden waren. Einige der Schriftstücke, die er zu Rate zog, waren möglicherweise Staatsurkunden von Israel und Juda, Geschlechtsregister, von Propheten verfaßte Geschichtswerke sowie Dokumente aus dem Besitz von Stammes- oder Familienhäuptern. Esra zitierte wenigstens 20 solcher Quellen.b Durch die deutliche Kennzeichnung von Zitaten räumte Esra seinen Zeitgenossen die Möglichkeit ein, seine Quellen gegebenenfalls nachzuprüfen, was ein weiteres gewichtiges Argument für die Glaubwürdigkeit und die Echtheit seiner Aufzeichnungen ist. Aus demselben Grund wie die Juden zur Zeit Esras können wir heute darauf vertrauen, daß die Bücher der Chronika zuverlässig sind.

      7. Wann wurden die Bücher der Chronika geschrieben, wer hielt sie für glaubwürdig, und welchen Zeitraum behandeln sie?

      7 Da Esra im siebten Jahr des persischen Königs Artaxerxes Longimanus (d. h. 468 v. u. Z.) „von Babylon herauf[zog]“, jedoch nichts über die bedeutungsvolle Ankunft Nehemias im Jahre 455 v. u. Z. sagt, müssen die Bücher der Chronika in der Zwischenzeit, wahrscheinlich um das Jahr 460 v. u. Z., in Jerusalem vollendet worden sein (Esra 7:1-7; Neh. 2:1-18). Die Juden der Tage Esras betrachteten die Bücher der Chronika als echten Teil der ‘ganzen Schrift, die von Gott inspiriert und nützlich ist’. Sie nannten sie Divrḗ Hajjamím, was „Die Angelegenheiten der Tage“, das heißt Geschichte der Tage oder Zeiten, bedeutet. Etwa 200 Jahre später nahmen die Übersetzer der griechischen Septuaginta auch die Bücher der Chronika als kanonisch in ihr Werk auf. Sie machten aus dem Buch zwei Teile, und da sie es für eine Ergänzung der Bücher Samuel und Könige oder der gesamten Bibel jener Zeit hielten, nannten sie es Paraleipoménōn, was „Übergangenes, Ausgelassenes“ bedeutet. Die Bezeichnung ist zwar nicht unbedingt zutreffend, aber das Vorgehen dieser Übersetzer zeigt, daß sie die Bücher der Chronika als glaubwürdige, inspirierte Bibelbücher betrachteten. In Verbindung mit der Übersetzung der lateinischen Vulgata empfahl Hieronymus: „Wir können [sie] bezeichnender Chronicon der ganzen göttlichen Geschichte nennen.“ Davon scheint der Titel „Chronika“ abgeleitet worden zu sein. Eine Chronik ist ein Bericht über Ereignisse in der Reihenfolge ihres Geschehens. Das erste Buch der Chronika befaßt sich im Anschluß an die Geschlechtsregister hauptsächlich mit der Zeit König Davids, vom Jahre 1077 v. u. Z. an bis zu seinem Tod.

      INHALT DES ERSTEN BUCHES DER CHRONIKA

      8. In welche zwei Abschnitte zerfällt das erste Buch der Chronika?

      8 Das erste Buch der Chronika zerfällt eindeutig in zwei Abschnitte: Die ersten 9 Kapitel enthalten vor allem Geschlechtsregister, und die letzten 20 Kapitel behandeln die Ereignisse der 40 Jahre vom Tod Sauls bis zum Ende der Regierungszeit Davids.

      9. Warum besteht kein Grund, ein späteres Datum für die Niederschrift der Chronika anzunehmen?

      9 Die Geschlechtsregister (1:1⁠—⁠9:44). Diese Kapitel beinhalten das Geschlechtsregister von Adam bis zur Linie Serubbabels (1:1; 3:19-24). In vielen Bibelübersetzungen wird die Linie Serubbabels bis zur zehnten Generation weitergeführt. Doch angesichts dessen, daß er im Jahre 537 v. u. Z. nach Jerusalem zurückkehrte, wäre bis 460 v. u. Z., als Esra offensichtlich seine Niederschrift beendete, gar nicht genug Zeit für so viele Generationen gewesen. Der hebräische Text ist an dieser Stelle unvollständig, so daß nicht festgelegt werden kann, in welcher Beziehung Serubbabel zu den meisten Männern stand. Es besteht somit kein Grund, deshalb ein späteres Datum für die Niederschrift der Chronika anzunehmen, wie es einige tun.

      10. (a) Welche Generationen werden zuerst aufgeführt? (b) Welches Geschlechtsregister beginnt folgerichtig mit dem zweiten Kapitel? (c) Welche weitere Aufstellung erfolgt dann, und womit endet sie?

      10 Zuerst werden die zehn Generationen von Adam bis Noah und dann die zehn Generationen bis Abraham aufgeführt. Abrahams Söhne und deren Nachkommen, die Nachkommen Esaus und Seirs, die in der Berggegend von Seir lebten, sowie frühe Könige Edoms sind verzeichnet. Vom zweiten Kapitel an beschäftigt sich der Bericht mit den Nachkommen Israels oder Jakobs, von dem ausgehend das Geschlechtsregister zunächst bis Juda und dann über zehn weitere Generationen bis David verfolgt wird (2:1-15). Diese Aufstellung erfolgt auch für die anderen Stämme, und zwar mit besonderem Bezug auf den Stamm Levi und die Hohenpriester, und sie endet mit dem Geschlechtsregister des Stammes Benjamin als Einführung für König Saul, einen Benjaminiter, mit dem der eigentliche Geschichtsbericht beginnt. Es gibt manchmal scheinbare Widersprüche zwischen Esras Geschlechtsregistern und anderen Bibeltexten. Dabei muß jedoch berücksichtigt werden, daß bestimmte Personen auch unter anderen Namen bekannt waren und daß sich aufgrund der Veränderungen der Sprache im Laufe der Zeit die Schreibweise einiger Namen ändern konnte. Durch ein sorgfältiges Studium können die meisten Fragen geklärt werden.

      11. Nenne Beispiele für weitere nützliche Informationen, die in die Aufzeichnung der Geschlechtsregister eingestreut wurden.

      11 Esra streut in seine Geschlechtsregister hier und da einige geschichtliche und geographische Informationen ein, die bestimmte Dinge verdeutlichen oder durch die gewichtige Mahnungen erteilt werden sollen. So fügt Esra beim Verzeichnis der Nachkommen Rubens folgenden bedeutsamen Aufschluß hinzu: „Und die Söhne Rubens, des Erstgeborenen Israels — denn er war der Erstgeborene; aber dafür, daß er die Lagerstätte seines Vaters entweiht hatte, wurde sein Erstgeburtsrecht den Söhnen Josephs, des Sohnes Israels, gegeben, so daß er im Geschlechtsregister nicht für das Recht des Erstgeborenen eingetragen werden sollte. Denn Juda selbst erwies sich unter seinen Brüdern als überlegen, und der zum Führer Bestimmte war aus ihm; aber das Erstgeburtsrecht gehörte Joseph“ (5:1, 2). Mit diesen wenigen Worten wird viel erklärt. Ferner erfahren wir nur in den Büchern der Chronika, daß Joab, Amasa und Abischai Neffen Davids waren, was uns hilft, verschiedene Ereignisse, in die sie verwickelt waren, zu verstehen (2:16, 17).

      12. Unter welchen Umständen stirbt Saul?

      12 Sauls Untreue führt zu seinem Tod (10:1-14). Der Bericht beginnt mit dem energischen Angriff der Philister in der Schlacht am Berg Gilboa. Drei der Söhne Sauls, Jonathan eingeschlossen, werden niedergestreckt. Dann wird Saul verwundet. Da er nicht in die Gefangenschaft der Feinde geraten will, befiehlt er seinem Waffenträger: „Zieh dein Schwert, und erstich mich damit, daß nicht diese Unbeschnittenen kommen und mich tatsächlich schimpflich behandeln.“ Als der Waffenträger dies ablehnt, begeht Saul Selbstmord. So stirbt Saul „wegen seiner Untreue, mit der er gegenüber Jehova treulos gehandelt hatte hinsichtlich des Wortes Jehovas, das er nicht gehalten hatte, und auch weil er ein Geistermedium ersuchte, sich zu erkundigen. Und bei Jehova erkundigte er sich nicht“ (10:3, 13, 14). Jehova übergibt David das Königtum.

      13. Wie wird David in seinem Königtum bestätigt?

      13 Davids Königtum bestätigt (11:1⁠—⁠12:40). Im Laufe der Zeit versammeln sich die 12 Stämme zu David nach Hebron und salben ihn zum König über ganz Israel. Er nimmt Zion ein und ‘wird immer größer und größer, denn Jehova der Heerscharen ist mit ihm’ (11:9). Starke Männer werden in verantwortliche Stellungen des Heeres eingesetzt, und durch sie rettet Jehova „mit großer Rettung“ (11:14). David erhält vereinte Unterstützung, da sich die Kriegsleute ungeteilten Herzens zusammenscharen, um ihn zum König zu machen. In Israel wird gefeiert, und es herrscht große Freude.

      14. Wie ergeht es David im Kampf gegen die Philister, und welchen glaubensstärkenden Anlaß gibt es für freudigen Gesang?

      14 David und die Lade Jehovas (13:1⁠—⁠16:36). David holt sich von den Führern der Nation das Einverständnis ein, die Bundeslade von Kirjath-Jearim, wo sie sich etwa siebzig Jahre lang befand, nach Jerusalem zu bringen. Unterwegs stirbt Usa, weil er geringschätzig die Anweisungen Jehovas außer acht läßt, und die Lade bleibt vorübergehend im Haus Obed-Edoms (4. Mo. 4:15). Die Philister machen erneut Einfälle, aber David bereitet ihnen bei Baal-Perazim und bei Gibeon zwei vernichtende Niederlagen. Auf Davids Anweisung hin halten sich die Leviten nun an die von Gott gebotene Vorgehensweise, um die Bundeslade sicher nach Jerusalem zu bringen, wo getanzt und gejubelt wird, als man sie in ein Zelt stellt, das David für sie aufgeschlagen hat. Opfer werden dargebracht, es wird gesungen, und David leistet einen Beitrag zu diesem Anlaß in Form eines Dankliedes für Jehova. Es erreicht seinen großartigen Höhepunkt in der Aussage: „Mögen die Himmel sich freuen, und möge die Erde frohlocken, und man spreche unter den Nationen: ‚Jehova selbst ist König geworden!‘ “ (16:31). Welch ein erregender, glaubensstärkender Anlaß! Später werden auf der Grundlage dieses Liedes Davids neue Lieder komponiert; eines davon ist der 96. Psalm. Ein anderes wurde in den ersten 15 Versen von Psalm 105 festgehalten.

      15. Mit welcher wunderbaren Verheißung antwortet Jehova auf Davids Wunsch, ein Haus für die vereinte Anbetung zu bauen?

      15 David und das Haus Jehovas (16:37⁠—⁠17:27). In Israel ist nun eine ungewöhnliche Situation entstanden. Die Bundeslade befindet sich in einem Zelt in Jerusalem, wo Asaph und seine Brüder Dienst leisten, während einige Kilometer nordwestlich von Jerusalem, in Gibeon, Zadok, der Hohepriester, und seine Brüder in der Stiftshütte die vorgeschriebenen Opfer darbringen. David, der stets darauf bedacht ist, die Anbetung Jehovas zu erhöhen und zu vereinen, bringt seinen Wunsch zum Ausdruck, für die Bundeslade Jehovas ein Haus zu errichten. Jehova erklärt jedoch, daß nicht er, sondern sein Sohn ihm ein Haus bauen werde und daß er „seinen Thron gewiß auf unabsehbare Zeit festigen“ und ihm liebende Güte erweisen werde wie ein Vater gegenüber seinem Sohn (17:11-13). Diese wunderbare Verheißung Jehovas — der Bund für ein ewiges Königreich — geht David sehr zu Herzen. Voller Dankbarkeit bittet er darum, Jehovas Name möge sich „als zuverlässig erweisen und groß werden bis auf unabsehbare Zeit“ und sein Segen möge auf Davids Haus ruhen (17:24).

      16. Welche Verheißung führt Jehova durch David aus, doch wie sündigt David?

      16 Davids Eroberungen (18:1⁠—⁠21:17). Durch David führt Jehova nun seine Verheißung aus, dem Samen Abrahams das gesamte Land der Verheißung zu geben (18:3). In einer schnellen Folge von Feldzügen ‘rettet Jehova David ständig’, wohin dieser auch geht (18:6). David erringt überwältigende militärische Siege über die Philister und unterwirft sie, er schlägt die Moabiter und die Zobaiter, er macht die Syrer tributpflichtig und erobert Edom, Ammon sowie Amalek. Satan reizt jedoch David, Israel zu zählen und dadurch zu sündigen. Jehova sendet zur Strafe eine Pest, macht jedoch barmherzigerweise dem Unglück auf der Dreschtenne Ornans ein Ende, nachdem es 70 000 Opfer gegeben hat.

      17. Welche Vorbereitung trifft David für den Bau des Hauses Jehovas, und wie ermutigt er Salomo?

      17 Davids Vorbereitung für den Tempel (21:18 bis 22:19). Gad übermittelt David die Anweisung eines Engels, „Jehova auf der Dreschtenne Ornans, des Jebusiters, einen Altar zu errichten“ (21:18). Nachdem David das Landstück von Ornan gekauft hat, bringt er dort gehorsam Opfer dar und ruft Jehova an, der „ihm dann durch Herabsenden von Feuer aus den Himmeln auf den Brandopferaltar“ antwortet (21:26). David folgert, daß Jehova sein Haus dort erbaut haben möchte, und er macht sich daran, den Baumaterialien schon die entsprechende Form zu geben und sie zusammenzubringen, da er sich sagt: „Salomo, mein Sohn, ist jung und zart, und das Haus, das Jehova gebaut werden soll, muß überaus großartig werden, zur schönen Auszeichnung für alle Länder. Ich will daher für ihn Vorbereitungen treffen“ (22:5). Er erklärt Salomo, daß Jehova ihm nicht erlaubt hat, das Haus zu bauen, da er ein Mann des Krieges und des Blutvergießens gewesen ist. Mit den Worten „Steh auf und handle, und möge es sich erweisen, daß Jehova mit dir ist“ fordert er seinen Sohn auf, bei diesem Unternehmen mutig und stark zu sein (22:16).

      18. Wozu wird eine Volkszählung vorgenommen?

      18 David organisiert die Anbetung Jehovas (23:1 bis 29:30). Für die Neuordnung der Dienste der Priester und Leviten wird — diesmal in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes — eine Volkszählung vorgenommen. Die Dienste der Leviten werden hier so ausführlich beschrieben wie sonst nirgendwo in der Heiligen Schrift. Dann werden die Abteilungen der Bediensteten des Königs aufgeführt.

      19. Mit welchen Worten beauftragt David Salomo, und welche Pläne übergibt er ihm? Welches hervorragende Beispiel gibt David?

      19 Kurz vor dem Ende seiner ereignisreichen Regierungszeit ruft David die Vertreter der gesamten Nation, der „Versammlung Jehovas“, zusammen (28:8). Der König erhebt sich. „Hört mich, meine Brüder und mein Volk!“ Dann spricht er zu ihnen über ‘das Haus des wahren Gottes’, an dem sein Herz hängt. In ihrer Gegenwart beauftragt er Salomo: „Und du, Salomo, mein Sohn, erkenne den Gott deines Vaters, und diene ihm mit ungeteiltem Herzen und einer Seele voller Lust; denn Jehova erforscht alle Herzen, und jede Neigung der Gedanken bemerkt er. Wenn du ihn suchst, wird er sich von dir finden lassen; wenn du ihn aber verläßt, wird er dich für immer verwerfen. Sieh nun, denn Jehova selbst hat dich erwählt, ein Haus als Heiligtum zu bauen. Sei mutig und handle“ (28:2, 9, 10, 12). Er übergibt dem jungen Salomo die ausführlichen Baupläne, die er durch Inspiration von Jehova erhalten hat, und spendet für das Bauprojekt ein ungeheures Vermögen — 3 000 Talente Gold und 7 000 Talente Silber —, das er zu diesem Zweck angesammelt hat. Angespornt durch dieses hervorragende Beispiel spenden die Fürsten und das Volk Gold im Wert von 5 000 Talenten und 10 000 Dareiken sowie Silber im Wert von 10 000 Talenten, des weiteren große Mengen Eisen und Kupfer (29:3-7).c Das Volk gibt sich der Freude über dieses Vorrecht hin.

      20. Was bildet den erhabenen Höhepunkt in Davids abschließendem Gebet?

      20 David preist Jehova dann im Gebet, wobei er anerkennt, daß diese großzügigen Gaben eigentlich gänzlich aus Gottes Hand stammen, und er bittet ihn, das Volk und Salomo weiterhin zu segnen. Den erhabenen Höhepunkt dieses abschließenden Gebetes Davids bildet der Lobpreis des Königreiches und des herrlichen Namens Jehovas: „Gesegnet seist du, o Jehova, du Gott Israels, unseres Vaters, von unabsehbarer Zeit ja bis auf unabsehbare Zeit. Dein, o Jehova, ist die Größe und die Macht und die Schönheit und die Hoheit und die Würde; denn alles in den Himmeln und auf der Erde ist dein. Dein ist das Königreich, o Jehova, der du dich auch als Haupt über alles erhebst. Der Reichtum und die Herrlichkeit sind deinetwegen, und du beherrschst alles; und in deiner Hand sind Kraft und Macht, und in deiner Hand steht es, groß zu machen und allen Stärke zu geben. Und nun, o unser Gott, wir danken dir und preisen deinen herrlichen Namen“ (29:10-13).

      21. Mit welchem erhabenen Gedanken endet das erste Buch der Chronika?

      21 Salomo wird ein zweites Mal gesalbt und setzt sich an Stelle des betagten David ‘auf den Thron Jehovas’. Nach 40jähriger Regierungszeit stirbt David „in gutem Alter, mit Tagen, Reichtum und Ehre gesättigt“ (29:23, 28). Dann beendet Esra das erste Buch der Chronika mit der Betonung des erhabenen Gedankens, daß das Königreich Davids allen Königreichen der Nationen überlegen ist.

      WIESO NÜTZLICH

      22. Wie wurden die Israeliten durch Esras erstes Buch der Chronika ermutigt?

      22 Für die Israeliten war Esras Buch von großem Nutzen. Anhand dieser Zusammenfassung ihrer Geschichte von einem neuen, optimistischen Standpunkt aus erkannten sie, daß Jehova aus Loyalität zum Königreichsbund mit König David und um seines eigenen Namens willen ihnen gegenüber in liebevoller Weise barmherzig war. So ermutigt, konnten sie die reine Anbetung Jehovas mit erneutem Eifer aufnehmen. Die Geschlechtsregister stärkten ihr Vertrauen in die Priesterschaft, die im wieder aufgebauten Tempel amtete.

      23. Inwiefern machten Matthäus, Lukas und Stephanus guten Gebrauch vom ersten Buch der Chronika?

      23 Das erste Buch der Chronika war auch für die frühchristliche Versammlung von großem Nutzen. Matthäus und Lukas konnten auf seine Geschlechtsregister zurückgreifen, um eindeutig zu beweisen, daß Jesus Christus rechtmäßig der ‘Sohn Davids’ und der Messias war (Mat. 1:1-16; Luk. 3:23-38). Stephanus sprach gegen Ende seines Schlußzeugnisses von Davids Wunsch, für Jehova ein Haus zu errichten, das Salomo schließlich baute. Dann zeigte er, daß „der Höchste ... nicht in Häusern [wohnt], die mit Händen gemacht sind“, womit er darauf hinwies, daß der Tempel der Tage Salomos weit herrlichere himmlische Dinge vorschattete (Apg. 7:45-50).

      24. Inwieweit können wir heute Davids hervorragendes Beispiel nachahmen?

      24 Wie steht es mit wahren Christen heute? Das erste Buch der Chronika sollte auch unseren Glauben stärken und vergrößern. Das hervorragende Beispiel Davids ist für uns in vieler Hinsicht nachahmenswert. Im Gegensatz zum untreuen Saul befragte er stets Jehova (1. Chr. 10:13, 14; 14:13, 14; 17:16; 22:17-19). David zeigte, daß sein ganzes Sinnen und Trachten Jehova und seiner Anbetung galt, beispielsweise dadurch, daß er die Lade Jehovas nach Jerusalem heraufbrachte, durch seine Psalmen des Lobpreises, durch seine Einteilung der Leviten für den Dienst und durch seinen Wunsch, für Jehova ein herrliches Haus zu errichten (16:23-29). Er war weder ein Nörgler, noch nahm er für sich Sondervorrechte in Anspruch; er suchte einzig den Willen Jehovas zu tun. Als Jehova den Bau seines Hauses Davids Sohn übertrug, gab David an ihn rückhaltlos alle Informationen darüber weiter und setzte seine Zeit, seine Energie und seinen Reichtum ein, um das Werk vorzubereiten, das nach seinem Tod beginnen sollte (29:3, 9). Wirklich ein hervorragendes Beispiel der Ergebenheit! (Heb. 11:32).

      25. Weshalb sollte das erste Buch der Chronika in uns Wertschätzung für den Namen Jehovas und für sein Königreich wecken?

      25 Die abschließenden Kapitel bilden einen echten Höhepunkt. Die erhabenen Worte, mit denen David Jehova pries und seinen „herrlichen Namen“ rühmte, sollten in uns Freude und Wertschätzung für unser heutiges Vorrecht auslösen, die Herrlichkeiten Jehovas und seines messianischen Königreiches bekanntmachen zu dürfen (1. Chr. 29:10-13). Mögen unser Glaube und unsere Freude stets dem Glauben und der Freude Davids entsprechen, während wir Jehova für sein ewiges Königreich danken, indem wir uns in seinem Dienst verausgaben (17:16-27). Das erste Buch der Chronika läßt das Thema der Bibel — Jehovas Königreich durch seinen Samen — schöner denn je erstrahlen, und es weckt in uns die Erwartung weiterer begeisternder Offenbarungen der Vorsätze Jehovas.

      [Fußnoten]

      a A. Clarke, Commentary, Band II, Seite 574.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 474, 475.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, TEMPEL.

  • 14. Bibelbuch — 2. Chronika
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 14. Bibelbuch — 2. Chronika

      Schreiber: Esra

      Ort der Niederschrift: Jerusalem (?)

      Vollendung der Niederschrift: um 460 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 1037—537 v. u. Z.

      1. Wann beendete Esra die Bücher der Chronika, und mit welchem Ziel?

      DA DAS erste und das zweite Buch der Chronika offensichtlich ursprünglich ein Buch waren, finden die Argumente, die im vorhergehenden Kapitel in bezug auf Hintergrund, Schreiber, Zeit der Niederschrift, Kanonizität und Glaubwürdigkeit dargelegt wurden, auf beide Bücher Anwendung. Gemäß den dargelegten Beweisen beendete Esra das zweite Buch der Chronika etwa 460 v. u. Z., wahrscheinlich in Jerusalem. Es war Esras Ziel, geschichtlichen Stoff zu bewahren, der verlorenzugehen drohte. Esra wurde durch die Hilfe des heiligen Geistes, gepaart mit seiner Fähigkeit, als Historiker Einzelheiten zu erfassen und zu sichten, befähigt, einen genauen und dauerhaften Bericht aufzuzeichnen. Er bewahrte das für die Zukunft auf, was er als geschichtliche Tatsache betrachtete. Esras Werk war höchst zeitgemäß, da es jetzt auch notwendig war, die vollständige Sammlung heiliger hebräischer Schriften zusammenzutragen, die die Jahrhunderte hindurch aufgezeichnet worden waren.

      2. Wieso gibt es keinen Grund, die Genauigkeit der Bücher der Chronika zu bezweifeln?

      2 Für die Juden der Tage Esras war Esras inspirierte Chronik äußerst nützlich. Sie wurde zu ihrer Unterweisung geschrieben und machte Mut auszuharren. Durch den Trost aus der Heiligen Schrift konnten sie Hoffnung haben. Die Juden nahmen das Buch der Chronika als Teil des Bibelkanons an. Sie wußten, daß es vertrauenswürdig war, denn sie konnten es anhand anderer inspirierter Schriften und anhand zahlreicher weltlicher von Esra zitierter Geschichtsberichte prüfen. Während sie die nichtinspirierten, weltlichen Geschichtsberichte in Vergessenheit geraten ließen, bewahrten sie die Bücher der Chronika sorgfältig auf. Die Übersetzer der Septuaginta nahmen die Bücher der Chronika als Teil der hebräischen Bibel mit auf.

      3. Wie zeigen andere Schrifttexte, daß die Bücher der Chronika glaubwürdig sind?

      3 Jesus Christus und die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften nahmen sie als glaubwürdig und inspiriert an. Jesus hatte zweifellos solche Vorfälle, wie sie in 2. Chronika 24:21 aufgezeichnet sind, im Sinn, als er Jerusalem anklagte, Jehovas Propheten und Diener zu töten und zu steinigen (Mat. 23:35; 5:12; 2. Chr. 36:16). Als Jakobus sich auf Abraham als auf den „Freund Jehovas“ bezog, nahm er vielleicht auf Esras Ausdruck in 2. Chronika 20:7 Bezug (Jak. 2:23). Überdies enthält das Buch Prophezeiungen, die sich untrüglich erfüllt haben (2. Chr. 20:17, 24; 21:14-19; 34:23-28; 36:17-20).

      4. Welche archäologischen Funde bezeugen die Echtheit des zweiten Buches der Chronika?

      4 Auch die Archäologie bezeugt die Glaubwürdigkeit des zweiten Buches der Chronika. Bei Grabungen an der Stelle des alten Babylon wurden Tontafeln gefunden, die von Nebukadnezars Herrschaft berichten. Auf einer wird „Ia-ʼu-ú-kīn, König von Ia-a-hu-du“, d. h. „Jojachin, der König von Juda“, erwähnt.a Das paßt gut zu dem Bibelbericht, der besagt, daß Jojachin im siebten Regierungsjahr Nebukadnezars gefangen nach Babylon geführt wurde.

      5. Welche Zeitspanne wird im zweiten Buch der Chronika behandelt, und warum wird die Geschichte Judas stärker herausgestellt als die des Zehn-Stämme-Königreiches?

      5 Der Bericht des zweiten Buches der Chronika verfolgt Ereignisse in Juda von der Regierungszeit Salomos, die im Jahre 1037 v. u. Z. begann, bis zum Erlaß des Cyrus aus dem Jahre 537 v. u. Z., das Haus Jehovas in Jerusalem wieder aufzubauen. In dem Geschichtsbericht über diese 500 Jahre wird auf das Zehn-Stämme-Königreich nur Bezug genommen, wenn es in die Angelegenheiten Judas verwickelt ist, und die Zerstörung dieses nördlichen Königreiches im Jahre 740 v. u. Z. wird nicht einmal erwähnt. Wieso? Weil der Priester Esra vor allem mit Jehovas Anbetung an ihrer rechtmäßigen Stätte, dem Haus Jehovas in Jerusalem, und mit dem Königreich der Linie Davids, mit dem Jehova seinen Bund gemacht hatte, beschäftigt war. Deshalb richtet Esra zur Unterstützung der wahren Anbetung und in Erwartung des Herrschers, der aus Juda kommen soll, die Aufmerksamkeit auf das südliche Königreich (1. Mo. 49:10).

      6. In welcher Hinsicht ist das zweite Buch der Chronika erbauend und anspornend?

      6 Esra schreibt einen erbauenden Bericht. Von den 36 Kapiteln des zweiten Buches der Chronika sind die ersten 9 der Regierung Salomos gewidmet und 6 davon gänzlich dem Errichten und der Einweihung des Hauses Jehovas. Salomos Versagen wird in diesem Bericht nicht erwähnt. Von den restlichen 27 Kapiteln handeln 14 von fünf Königen, die im wesentlichen Davids Beispiel ausschließlicher Ergebenheit gegenüber Jehovas Anbetung folgten: Asa, Josaphat, Jotham, Hiskia und Josia. Sogar in den anderen 13 Kapiteln ist Esra darauf bedacht, die guten Punkte der schlechten Könige hervorzuheben. Er betont immer Ereignisse, die sich auf die Wiederherstellung und Erhaltung der wahren Anbetung beziehen. Wie anspornend!

      INHALT DES ZWEITEN BUCHES DER CHRONIKA

      7. Wie macht Jehova Salomo „überaus groß“?

      7 Die Herrlichkeit der Regierung Salomos (1:1 bis 9:31). Zu Beginn des zweiten Buches der Chronika sehen wir, wie Salomo, der Sohn Davids, im Königtum an Stärke zunimmt. Jehova ist mit ihm und macht „ihn fortgesetzt überaus groß“. Als Salomo in Gibeon opfert, erscheint ihm Jehova in der Nacht und sagt: „Stelle eine Bitte! Was soll ich dir geben?“ Salomo bittet um Erkenntnis und Weisheit, um Jehovas Volk richtig regieren zu können. Wegen dieser selbstlosen Bitte verheißt Gott, Salomo nicht nur Weisheit und Erkenntnis zu geben, sondern auch Wohlstand, Reichtum und Ehre, „so, wie sie keine Könige, die vor dir waren, gehabt haben, und so, wie keiner nach dir sie haben wird“. Der Wohlstand, der in die Stadt fließt, ist so groß, daß Salomo im Laufe der Zeit „das Silber und das Gold in Jerusalem den Steinen gleich[macht]“ (1:1, 7, 12, 15).

      8. Wie geht die Arbeit am Tempel voran? Nenne einige Einzelheiten des Bauwerks.

      8 Salomo beruft Lohnarbeiter ein, um das Haus Jehovas zu bauen, und König Hiram von Tyrus wirkt mit, indem er Bauholz und einen begabten Handwerker sendet. „Im vierten Jahr seiner [Salomos] Regierung“ beginnen die Bauarbeiten, und siebeneinhalb Jahre später, im Jahre 1027 v. u. Z., werden sie beendet (3:2). Die Vorderseite des eigentlichen Tempels bildet eine große Vorhalle, die 53,40 m emporragt. Zwei gewaltige Kupfersäulen stehen vor der Vorhalle, eine mit der Bezeichnung Jachin, was „(Jehova) [be]festige (errichte fest); (Jehova) hat befestigt (gefestigt, fest errichtet)“ bedeutet, und die andere mit der Bezeichnung Boas, was anscheinend „In Stärke“ bedeutet (3:17). Das Haus an sich ist verhältnismäßig klein, 60 Ellen (26,70 m) lang, 30 Ellen (13,35 m) hoch und 20 Ellen (8,90 m) breit, aber seine Wände und seine Decke sind mit Gold überzogen; sein innerster Raum, das Allerheiligste, ist kunstvoll mit Gold geschmückt. Es enthält auch die beiden goldenen Cherube — einen auf jeder Seite des Raumes — deren Flügel hinüberreichen und sich in der Mitte berühren.

      9. Beschreibe die Ausrüstungsgegenstände und die Geräte des Vorhofs und des Tempels.

      9 Im inneren Vorhof steht ein riesiger kupferner Altar, 20 Ellen (8,90 m) im Quadrat und 10 Ellen (4,45 m) hoch. Ein weiterer auffallender Gegenstand im Vorhof ist das gegossene Meer, ein gewaltiges Kupferbecken, das auf dem Rücken von 12 kupfernen Stieren ruht, die nach außen gerichtet sind, drei in jeder Richtung. Dieses Meer faßt „dreitausend Bath-Maß“ (66 000 l) Wasser, das die Priester verwenden, um sich zu waschen (4:5). Ebenfalls im Vorhof befinden sich zehn kleine Kupferbecken, die auf verzierten kupfernen Wagen ruhen, und in deren Wasser werden die Dinge gespült, die mit Brandopfern zu tun haben. Die Becken werden aus dem gegossenen Meer gefüllt und dorthin gefahren, wo das Wasser gerade benötigt wird. Außerdem sind dort die zehn goldenen Leuchter und viele andere Geräte, einige aus Gold und einige aus Kupfer, für die Anbetung im Tempel.b

      10. Was geschieht, als die Lade in das Allerheiligste gebracht wird?

      10 Nach siebeneinhalb Jahren Arbeit wird das Haus Jehovas schließlich vollendet (1. Kö. 6:1, 38). Der Tag seiner Einweihung ist der Zeitpunkt, das Sinnbild der Gegenwart Jehovas in den innersten Raum dieses prächtigen Gebäudes zu bringen. Die Priester bringen „die Lade des Bundes Jehovas an ihren Platz, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherube“. Was geschieht dann? Als die levitischen Sänger und Musiker Jehova in vereintem Gesang preisen und ihm danken, wird das Haus mit einer Wolke erfüllt, und die Priester können nicht dastehen, um zu dienen, weil „die Herrlichkeit Jehovas“ das Haus des wahren Gottes erfüllt (2. Chr. 5:7, 13, 14). Auf diese Weise zeigt Jehova seine Anerkennung des Tempels und deutet seine Gegenwart dort an.

      11. Welches Gebet bringt Salomo dar, und worum bittet er?

      11 Für den Anlaß ist eine 3 Ellen (1,30 m) hohe kupferne Plattform gebaut worden, und sie wird im inneren Vorhof nahe dem riesigen kupfernen Altar aufgestellt. In dieser erhöhten Stellung kann Salomo von den gewaltigen Mengen gesehen werden, die sich zur Tempeleinweihung versammelt haben. Nach der wunderbaren Kundgebung der Gegenwart Jehovas durch die Wolke der Herrlichkeit kniet Salomo vor der Volksmenge nieder und bringt ein bewegendes Gebet der Danksagung und des Lobpreises dar, das eine Reihe demütiger Bitten um Vergebung und Segen enthält. Zum Abschluß bittet er: „Nun, o mein Gott, laß es sich bitte erweisen, daß deine Augen geöffnet und deine Ohren aufmerksam sind auf das Gebet hinsichtlich dieser Stätte. O Jehova Gott, weise das Angesicht deines Gesalbten nicht ab. O erinnere dich doch der liebenden Gütigkeiten gegenüber David, deinem Knecht“ (6:40, 42).

      12. Wie erhört Jehova Salomos Gebet, und welch freudigen Abschluß findet die 15tägige Feier?

      12 Erhört Jehova dieses Gebet Salomos? Sobald Salomo aufhört zu beten, kommt Feuer aus den Himmeln herab und verzehrt das Brandopfer und die Schlachtopfer, und „Jehovas Herrlichkeit selbst“ erfüllt das Haus. Das veranlaßt das ganze Volk, sich niederzuwerfen und Jehova zu danken, „denn er ist gut, denn seine liebende Güte währt auf unabsehbare Zeit“ (7:1, 3). Dann wird Jehova ein sehr großes Opfer dargebracht. Einem einwöchigen Fest der Einweihung folgen das einwöchige Fest der Einsammlung und ein Sabbat, an dem die Arbeit ruht. Nach dieser glücklichen, geistig stärkenden 15tägigen Feier entläßt Salomo das Volk nach seinen Wohnungen, freudig und von Herzen wohlgemut (7:10). Auch Jehova ist erfreut. Er bestätigt Salomo noch einmal den Königreichsbund und warnt gleichzeitig vor den schrecklichen Folgen des Ungehorsams.

      13. (a) Welche Bautätigkeit folgt nach Vollendung des Tempels? (b) Wie äußert sich die Königin von Scheba, als sie Salomos Königreich sieht?

      13 Nun betreibt Salomo in seinem ganzen Herrschaftsgebiet eine ausgedehnte Bautätigkeit, indem er nicht nur einen Palast für sich selbst baut, sondern auch befestigte Städte, Vorratsstädte, Wagenstädte und Städte für Reiter sowie alles, was er zu bauen wünscht. Es ist eine Zeit großartigen Gedeihens und Friedens, weil sowohl der König als auch das Volk auf Jehovas Anbetung bedacht sind. Sogar die Königin von Scheba hört in über 1 900 km Entfernung von dem Wohlstand und der Weisheit Salomos und unternimmt die lange, mühsame Reise, um es selbst zu sehen. Ist sie enttäuscht? Keineswegs, denn sie bekennt: „Ich schenkte ihren Worten keinen Glauben, bis ich gekommen war, damit meine eigenen Augen es sehen konnten; und siehe, nicht die Hälfte von der Fülle deiner Weisheit ist mir mitgeteilt worden. Du hast den Bericht, den ich gehört habe, übertroffen. Glücklich sind deine Männer, und glücklich sind diese deine Diener“ (9:6, 7). Kein anderer König der Erde übertrifft Salomo an Reichtum und Weisheit. Er regiert 40 Jahre lang in Jerusalem.

      14. Warum wird Israel so bald seiner Herrlichkeit beraubt?

      14 Die Regierungen Rehabeams und Abijas (10:1 bis 13:22). Die strenge und bedrückende Herrschaft durch Salomos Sohn Rehabeam bringt die nördlichen zehn Stämme unter Jerobeam so auf, daß sie sich im Jahre 997 v. u. Z. auflehnen. Die Priester und Leviten beider Königreiche stellen sich jedoch auf die Seite Rehabeams und stellen die Loyalität zum Königreichsbund über den Nationalismus. Rehabeam verläßt bald Jehovas Gesetz, und Ägyptens König Schischak marschiert ein, wobei er in Jerusalem eindringt und das Haus Jehovas seiner Schätze beraubt. Wie betrüblich, daß diese prächtig geschmückten Gebäude kaum mehr als 30 Jahre nach ihrer Errichtung ihrer Herrlichkeit beraubt werden! Der Grund: Die Nation hat „gegenüber Jehova treulos gehandelt“. Gerade noch rechtzeitig demütigt sich Rehabeam, so daß Jehova die Nation nicht vollständig verdirbt (12:2).

      15. Welche Kämpfe finden nach Rehabeams Tod statt, und warum ist Juda Israel überlegen?

      15 Bei Rehabeams Tod wird einer seiner 28 Söhne, Abija, zum König gemacht. Abijas dreijährige Regierungszeit ist von blutigem Krieg mit Israel im Norden gekennzeichnet. Juda wird an Zahl im Verhältnis von zwei zu eins übertroffen — 400 000 Soldaten gegen 800 000 unter Jerobeam. Während der anschließenden furchtbaren Kämpfe werden Israels Krieger auf weniger als die Hälfte verringert — eine halbe Million Kälberanbeter werden getötet. Die Söhne Judas erweisen sich als überlegen, weil sie sich „auf Jehova, den Gott ihrer Vorväter“, stützen (13:18).

      16. Wie erhört Jehova Asas inbrünstiges Gebet?

      16 Der gottesfürchtige König Asa (14:1⁠—⁠16:14). Abijas Thronfolger ist Asa, sein Sohn. Asa ist ein Verfechter wahrer Anbetung. Er unternimmt einen Feldzug, um das Land von der Bilderanbetung zu säubern. Juda wird jedoch von einer übermächtigen Streitmacht, von einer Million Äthiopiern, bedroht. Asa betet: „Hilf uns, o Jehova, unser Gott, denn auf dich stützen wir uns, und in deinem Namen sind wir gegen diese Menge gekommen.“ Jehova antwortet, indem er ihm einen überwältigenden Sieg gibt (14:11).

      17. Wie wird Asa ermutigt, die Anbetung in Juda zu reformieren, und wofür wird er gerügt?

      17 Der Geist Gottes kommt auf Asarja, um Asa zu sagen: „Jehova ist mit euch, solange es sich erweist, daß ihr mit ihm seid; und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen“ (15:2). Außerordentlich ermutigt, reformiert Asa die Anbetung in Juda, und das Volk macht einen Bund, wonach jeder, der nicht Jehova sucht, zu Tode gebracht werden sollte. Als jedoch Bascha, der König von Israel, Grenzen errichtet, um dem Zustrom von Israeliten nach Juda Einhalt zu tun, begeht Asa einen schwerwiegenden Fehler, indem er Ben-Hadad, den König von Syrien, dingt, gegen Israel zu kämpfen, statt sich um Hilfe an Jehova zu wenden. Deshalb rügt ihn Jehova. Trotzdem erweist sich Asas Herz „als ungeteilt alle seine Tage“ (15:17). Er stirbt in seinem 41. Regierungsjahr.

      18. (a) Wie unternimmt Josaphat einen Feldzug für die wahre Anbetung, und mit welchen Ergebnissen? (b) Wie führt sein Ehebündnis fast zum Unheil?

      18 Josaphats gute Regierung (17:1⁠—⁠20:37). Josaphat, Asas Sohn, fährt fort, gegen die Bilderanbetung zu kämpfen, und leitet einen besonderen Erziehungsfeldzug ein, bei dem Unterweiser in alle Städte Judas reisen und das Volk aus dem Buch des Gesetzes Jehovas belehren. Eine Zeit großer Wohlfahrt und des Friedens setzt ein, und Josaphat fährt fort, „voranzukommen und überaus groß zu werden“ (17:12). Aber dann verschwägert er sich mit dem bösen König Ahab von Israel und geht hinab, um ihm im Kampf gegen die wachsende syrische Macht zu helfen. Dabei hört er nicht auf Jehovas Propheten Michaja. Er kommt mit seinem Leben gerade noch davon, als Ahab in der Schlacht bei Ramoth-Gilead getötet wird. Jehovas Prophet Jehu tadelt Josaphat, weil er mit dem bösen Ahab gemeinsame Sache gemacht hat. Danach ernennt Josaphat überall im Land Richter und weist sie an, ihren Pflichten in der Furcht Gottes nachzukommen.

      19. Wie erweist es sich auf dem Höhepunkt der Regierung Josaphats, daß ‘die Schlacht Gottes ist’?

      19 Nun kommt der Höhepunkt der Regierung Josaphats. Die vereinigten Streitkräfte von Moab, Ammon und der Berggegend von Seir ziehen in überwältigender Stärke gegen Juda heran. Durch die Wildnis von En-Gedi schwärmen sie herauf. Furcht ergreift die Nation. Josaphat und ganz Juda stehen vor Jehova, sogar „ihre Kleinen, ihre Frauen und ihre Söhne“, und suchen ihn im Gebet. Jehovas Geist kommt auf Jahasiel, den Leviten, der den versammelten Scharen zuruft: „Merkt auf, ganz Juda und ihr Bewohner von Jerusalem und König Josaphat! Hier ist, was Jehova zu euch gesprochen hat: ‚Fürchtet euch nicht, noch erschreckt vor dieser großen Menge; denn nicht euer ist die Schlacht, sondern Gottes. Morgen geht gegen sie hinab. ... Jehova wird mit euch sein.‘ “ Juda bricht früh am Morgen auf und zieht mit den levitischen Sängern an der Spitze hinaus. Josaphat ermutigt sie: „Glaubt an Jehova ... Glaubt seinen Propheten, und habt so Gelingen.“ Freudig preisen die Sänger Jehova, „denn auf unabsehbare Zeit währt seine liebende Güte“ (20:13, 15-17, 20, 21). Jehova tut seine liebende Güte auf eine wunderbare Weise kund, indem er gegen die eindringenden Heere einen Hinterhalt legt, so daß sie sich gegenseitig ausrotten. Als die frohlockenden Judäer zu dem Wachtturm in der Wildnis kommen, sehen sie nur Tote — alles Leichname. Wirklich, die Schlacht ist Gottes! Bis zum Ende seiner 25jährigen Regierung wandelt Josaphat weiterhin treu vor Jehova.

      20. Welches Unheil kennzeichnet Jorams Herrschaft?

      20 Die schlechte Herrschaft Jorams, Ahasjas und Athaljas (21:1⁠—⁠23:21). Joram, Josaphats Sohn, beginnt böse, indem er alle seine Brüder tötet. Jehova verschont ihn jedoch wegen seines Bundes mit David. Edom fängt an, sich aufzulehnen. Von irgendwoher sendet Elia einen Brief, in dem er Joram mitteilt, Jehova werde seinem Hause einen schweren Schlag versetzen und er werde auf entsetzliche Weise sterben (21:12-15). Wie prophezeit, fallen die Philister und die Araber in Jerusalem ein und plündern es, und nach achtjähriger Regierungszeit stirbt der König an einer widerlichen Krankheit der Eingeweide.

      21. Welches Schlechte ereignet sich in Verbindung mit Athaljas Herrschaft in Juda, aber wie gelingt es Jehojada, den Thron Davids wiederherzustellen?

      21 Jorams einziger überlebender Sohn, Ahasja (Jehoahas), wird sein Nachfolger, aber er wird von seiner Mutter Athalja, der Tochter Ahabs und Isebels, zum Schlechten beeinflußt. Seine Herrschaft findet nach einem Jahr ein jähes Ende, als Jehu das Haus Ahabs säubert. Hierauf ermordet Athalja ihre Enkel und reißt den Thron an sich. Einer der Söhne Ahasjas überlebt jedoch. Es ist der einjährige Joas, den Jehoschabath, seine Tante, in das Haus Jehovas geschmuggelt hat. Athalja regiert sechs Jahre lang, und dann nimmt Jehoschabaths Mann, der Hohepriester Jehojada, mutig den jungen Joas und läßt ihn als einen der „Söhne Davids“ zum König ausrufen. Athalja, die zum Haus Jehovas kommt, zerreißt ihre Kleidung und schreit: „Verschwörung! Verschwörung!“, jedoch vergebens. Jehojada läßt sie aus dem Tempel werfen und zu Tode bringen (23:3, 13-15).

      22. Wie kommt es, daß Joas’ Herrschaft gut beginnt, aber schlecht endet?

      22 Die Herrschaft von Joas, Amazja und Usija beginnt gut, aber endet schlecht (24:1⁠—⁠26:23). Joas regiert 40 Jahre lang, und solange Jehojada am Leben ist und einen guten Einfluß ausüben kann, tut er recht. Er interessiert sich sogar für das Haus Jehovas und läßt es erneuern. Nachdem Jehojada gestorben ist, wird Joas jedoch von den Fürsten Judas beeinflußt, sich von der Anbetung Jehovas wegzuwenden und den heiligen Pfählen und Götzen zu dienen. Als Gottes Geist Sacharja, den Sohn Jehojadas, veranlaßt, den König zu schelten, läßt Joas den Propheten steinigen. Bald danach fällt eine kleine Streitmacht von Syrern ein, und das viel größere jüdische Heer ist nicht in der Lage, diese zur Umkehr zu veranlassen, „weil sie Jehova, den Gott ihrer Vorväter, verlassen“ haben (24:24). Nun erheben sich Joas’ eigene Diener und ermorden ihn.

      23. Welchem Muster der Untreue folgt Amazja?

      23 Amazja folgt seinem Vater Joas. Zu Anfang seiner 29jährigen Regierung handelt er gut, verliert aber später Jehovas Gunst, weil er die Götzen der Edomiter aufstellt und anbetet. „Gott [hat] beschlossen ..., dich zu verderben“, warnt ihn Jehovas Prophet (25:16). Amazja wird jedoch überheblich und fordert Israel im Norden heraus. Im Einklang mit Gottes Wort erleidet er eine demütigende Niederlage durch die Hände der Israeliten. Nach dieser Niederlage stehen Verschwörer auf und bringen ihn zu Tode.

      24. Wie wird Usijas Stärke zu seiner Schwäche, und mit welchem Ergebnis?

      24 Amazjas Sohn Usija tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Während des größeren Teils seiner 52jährigen Herrschaft regiert er gut und erlangt Ruhm als Militärgenie, als Erbauer von Türmen und als „Liebhaber des Ackerbaus“ (26:10). Er rüstet das Heer aus und läßt Kriegsmaschinen bauen. Seine Stärke wird jedoch zu seiner Schwäche. Er wird hochmütig und maßt sich an, die priesterliche Pflicht zu übernehmen, im Tempel Jehovas Räucherwerk darzubringen. Hierfür schlägt ihn Jehova mit Aussatz. Deshalb muß er abgesondert, außerhalb des Hauses Jehovas und des Hauses des Königs, wohnen, wo sein Sohn Jotham an seiner Stelle das Volk richtet.

      25. Weshalb hat Jotham Erfolg?

      25 Jotham dient Jehova (27:1-9). Anders als sein Vater, dringt Jotham „nicht in den Tempel Jehovas ein“. Statt dessen ‘tut er ständig, was recht ist in Jehovas Augen’ (27:2). Während seiner 16jährigen Regierungszeit baut er viel und schlägt einen Aufruhr der Ammoniter erfolgreich nieder.

      26. In welche beispiellosen Tiefen der Bosheit sinkt Ahas?

      26 Der böse König Ahas (28:1-27). Jothams Sohn Ahas erweist sich als einer der bösesten der 21 Könige Judas. Er geht sogar so weit, seine eigenen Söhne heidnischen Göttern als Brandschlachtopfer darzubringen. Deshalb gibt ihn Jehova der Reihe nach den Heeren von Syrien, Israel, Edom und den Philistern preis. So erniedrigt Jehova Juda, weil Ahas ‘Zuchtlosigkeit in Juda aufkommen läßt und man mit großer Untreue gegenüber Jehova handelt’ (28:19). Mit Ahas wird es immer schlimmer, er opfert den Göttern Syriens, weil die Syrer ihm im Kampf überlegen sind. Er schließt die Türen des Hauses Jehovas und ersetzt die Anbetung Jehovas durch die Anbetung heidnischer Götter. Kein bißchen zu früh endet nach 16 Jahren Ahas’ Regierung.

      27. Wie zeigt Hiskia Eifer für Jehovas Anbetung?

      27 Der treue König Hiskia (29:1⁠—⁠32:33). Hiskia, Ahas’ Sohn, regiert 29 Jahre lang in Jerusalem. Seine erste Handlung ist, die Türen des Hauses Jehovas wieder zu öffnen und auszubessern. Dann versammelt er die Priester und Leviten und gibt ihnen Anweisungen, den Tempel zu reinigen und ihn für Jehovas Dienst zu heiligen. Er erklärt, daß er einen Bund mit Jehova schließen möchte, um seine Zornglut abzuwenden. Jehovas Anbetung wird auf würdige Weise wiederaufgenommen.

      28. Welches gewaltige Festmahl hält Hiskia in Jerusalem, und wie drückt das Volk seine Freude aus?

      28 Ein gewaltiges Passah wird geplant, aber da keine Zeit bleibt, es im ersten Monat vorzubereiten, wird eine Vorkehrung des Gesetzes ausgenutzt, und es wird im zweiten Monat des ersten Jahres der Regierung Hiskias gefeiert (2. Chr. 30:2, 3; 4. Mo. 9:10, 11). Der König lädt nicht nur ganz Juda ein, zugegen zu sein, sondern auch Israel, und während einige in Ephraim, Manasse und Sebulon über die Einladung spotten, demütigen sich andere und kommen mit ganz Juda nach Jerusalem. Nach dem Passah wird das Fest der ungesäuerten Brote gefeiert. Welch freudiges siebentägiges Festmahl! Es ist tatsächlich so erbauend, daß die ganze Versammlung das Festmahl um weitere sieben Tage verlängert. Es herrscht „große Freude in Jerusalem, denn seit den Tagen Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel, war nichts dergleichen gewesen in Jerusalem“ (2. Chr. 30:26). Das geistig wiederhergestellte Volk läßt einen vernichtenden Feldzug folgen, um sowohl Juda als auch Israel vom Götzendienst zu befreien, während Hiskia seinerseits die materiellen Beiträge für die Leviten und die Tempeldienste wiedereinführt.

      29. Wie belohnt Jehova Hiskias unbeschränktes Vertrauen zu ihm?

      29 Dann fällt Sanherib, der König von Assyrien, in Juda ein und bedroht Jerusalem. Hiskia faßt Mut, bessert die Verteidigungsanlagen der Stadt aus und trotzt den Schmähungen des Feindes. Er setzt sein ganzes Vertrauen auf Jehova und betet fortwährend um Hilfe. Jehova erhört dieses Gebet des Glaubens auf dramatische Weise. Er geht daran, „einen Engel [zu senden] und ... jeden tapferen, starken Mann und Führer und Obersten im Lager des Königs von Assyrien [auszutilgen]“ (32:21). Sanherib kehrt in Schande heim. Selbst seine Götter können ihm nicht helfen, das Gesicht zu wahren, denn er wird später an ihrem Altar von seinen eigenen Söhnen ermordet (2. Kö. 19:7). Auf wunderbare Weise verlängert Jehova Hiskias Leben, und er erlangt große Reichtümer und Herrlichkeit, und ganz Juda ehrt ihn bei seinem Tod.

      30. (a) Zu welcher Bosheit kehrt Manasse zurück, aber was folgt auf seine Reue? (b) Was kennzeichnet Amons kurze Regierung?

      30 Manasse und Amon regieren schlecht (33:1-25). Hiskias Sohn Manasse kehrt zu dem bösen Lauf seines Großvaters Ahas zurück und macht all das Gute zunichte, das während Hiskias Herrschaft erreicht worden ist. Er baut die Höhen auf, errichtet die heiligen Pfähle und opfert sogar seine Söhne falschen Göttern. Schließlich bringt Jehova den König von Assyrien gegen Juda heran, und Manasse wird gefangen nach Babylon weggeführt. Dort bereut er seine Missetat. Als Jehova Barmherzigkeit zeigt, indem er ihn wieder in sein Königtum einsetzt, bemüht er sich, die Dämonenanbetung auszurotten und die wahre Religion wiederherzustellen. Als Manasse jedoch nach einer langen, 55jährigen Regierungszeit stirbt, besteigt sein Sohn Amon den Thron und tritt in böser Weise wieder für falsche Anbetung ein. Nach zwei Jahren bringen ihn seine eigenen Diener zu Tode.

      31. Welches sind die Höhepunkte der Regierung des mutigen Josia?

      31 Josia regiert mutig (34:1⁠—⁠35:27). Der jugendliche Josia, ein Sohn Amons, unternimmt einen mutigen Versuch, die wahre Anbetung wiederherzustellen. Er läßt die Altäre der Baale und die geschnitzten Bilder niederreißen und bessert das Haus Jehovas aus. Dort wird „das durch die Hand Mose übermittelte Buch des Gesetzes Jehovas“, zweifellos das ursprüngliche Exemplar, gefunden (34:14). Doch wird dem gerechten Josia gesagt, daß wegen der bereits verübten Untreue Unglück über das Land kommen werde, aber nicht zu seinen Lebzeiten. Im 18. Jahr seiner Regierung veranstaltet er eine hervorragende Passahfeier. Nach 31jähriger Herrschaft findet Josia den Tod, als er vergeblich versucht, die ägyptischen Heere daran zu hindern, auf ihrem Weg zum Euphrat durch das Land zu ziehen.

      32. Wie führen die letzten vier Könige Juda zu seinem unheilvollen Ende?

      32 Jehoahas, Jojakim, Jojachin, Zedekia und die Verwüstung Jerusalems (36:1-23). Durch die Bosheit der letzten vier judäischen Könige kommt die Nation schnell zu ihrem unheilvollen Ende. Josias Sohn Jehoahas herrscht nur drei Monate, da er von Pharao Necho von Ägypten abgesetzt wird. Er wird durch seinen Bruder Eljakim ersetzt, dessen Name auf Jojakim abgeändert wird und während dessen Herrschaft Juda von der neuen Weltmacht, Babylon, unterjocht wird (2. Kö. 24:1). Als Jojakim sich auflehnt, kommt Nebukadnezar im Jahre 618 v. u. Z. nach Jerusalem herauf, um ihn zu strafen, aber Jojakim stirbt im selben Jahr, nachdem er 11 Jahre regiert hat. Er wird durch Jojachin, seinen 18 Jahre alten Sohn, ersetzt. Nach einer Regierungszeit von kaum drei Monaten ergibt sich Jojachin Nebukadnezar und wird gefangen nach Babylon weggeführt. Nebukadnezar setzt nun einen dritten Sohn Josias, Jojachins Onkel Zedekia, auf den Thron. Zedekia regiert 11 Jahre lang auf schlechte Weise, denn er lehnt es ab, „sich ... wegen Jeremia, des Propheten, auf den Befehl Jehovas hin“ zu demütigen (2. Chr. 36:12). Die Priester und auch das Volk begehen Untreue in großem Maße, so daß sie das Haus Jehovas verunreinigen.

      33. (a) Wie beginnt die 70jährige Verwüstung, „um Jehovas ... Wort zu erfüllen“? (b) Welcher historische Erlaß ist in den beiden letzten Versen des zweiten Buches der Chronika aufgezeichnet?

      33 Schließlich lehnt sich Zedekia gegen Babylons Joch auf, und diesmal zeigt Nebukadnezar keine Barmherzigkeit. Jehovas Zorn ist groß, und es gibt keine Heilung. Jerusalem fällt, sein Tempel wird geplündert und verbrannt, und die Überlebenden der 18monatigen Belagerung werden als Gefangene nach Babylon gebracht. Juda wird verwüstet zurückgelassen. So beginnt im gleichen Jahr — 607 v. u. Z. — die Verwüstung, „um Jehovas durch den Mund Jeremias gesprochenes Wort zu erfüllen, ... um siebzig Jahre zu erfüllen“ (36:21). Der Chronist überspringt dann diese Kluft von fast 70 Jahren und zeichnet in den beiden letzten Versen den bedeutsamen Erlaß des Cyrus aus dem Jahre 537 v. u. Z. auf. Die jüdischen Gefangenen sollen freigelassen werden. Jerusalem muß wiedererstehen.

      WIESO NÜTZLICH

      34. Was wird in Esras Auswahl des Stoffs hervorgehoben, und wieso war das für die Nation nützlich?

      34 Das zweite Buch der Chronika fügt sein machtvolles Zeugnis über diese ereignisreiche Zeitspanne von 1037 bis 537 v. u. Z. demjenigen anderer Zeugen hinzu. Außerdem gibt es wertvollen ergänzenden Aufschluß, den andere kanonische Geschichtsberichte nicht enthalten, zum Beispiel in 2. Chronika, Kapitel 19, 20 und 29 bis 31. Esras Auswahl des Stoffs hob das Grundlegende und Bleibende der Geschichte der Nation hervor, wie zum Beispiel die Priesterschaft und ihren Dienst, den Tempel und den Königreichsbund. Dies war nützlich, um die Nation in der Hoffnung auf den Messias und sein Königreich zusammenzuhalten.

      35. Welche wichtigen Punkte werden in den Schlußversen des zweiten Buches der Chronika bewiesen?

      35 Die Schlußverse des zweiten Buches der Chronika (36:17-23) liefern den überzeugenden Beweis für die Erfüllung von Jeremia 25:12 und zeigen außerdem, daß von der vollständigen Verwüstung des Landes bis zur Wiederherstellung der Anbetung Jehovas in Jerusalem im Jahre 537 v. u. Z. volle 70 Jahre gezählt werden müssen. Diese Verwüstung beginnt daher 607 v. u. Z.c (Jer. 29:10; 2. Kö. 25:1-26; Esra 3:1-6).

      36. (a) Welche nachdrücklichen Ermahnungen sind im zweiten Buch der Chronika enthalten? (b) Wie stärkt es die Erwartung im Hinblick auf das Königreich?

      36 Das zweite Buch der Chronika enthält nachdrückliche Ermahnungen für solche, die in christlichem Glauben wandeln. Viele der Könige Judas haben gut begonnen, sind dann aber auf böse Wege abgeglitten. Wie eindrucksvoll veranschaulicht doch dieser historische Bericht, daß Erfolg von Treue zu Gott abhängt! Wir sollten daher „nicht von denen [sein], die zur Vernichtung zurückweichen, sondern von denen, die Glauben haben zum Lebendigerhalten der Seele“ (Heb. 10:39). Sogar der treue König Hiskia wurde hochmütig, gleich nachdem er sich von seiner Krankheit erholt hatte, und nur weil er sich schnell demütigte, konnte er dem heftigen Zorn Jehovas entgehen. Das zweite Buch der Chronika preist Jehovas wunderbare Eigenschaften und lobt seinen Namen und seine Souveränität. Der gesamte Geschichtsbericht wird vom Standpunkt ausschließlicher Ergebenheit gegenüber Jehova dargelegt. Da er auch die königliche Linie Judas betont, stärkt er unsere Erwartung, die reine Anbetung unter dem ewigen Königreich Jesu Christi, des loyalen „Sohnes Davids“, erhöht zu sehen (Mat. 1:1; Apg. 15:16, 17).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 174.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 750, 751; Band 2, TEMPEL.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 494, 498; Band 2, Seite 326.

  • 15. Bibelbuch — Esra
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 15. Bibelbuch — Esra

      Schreiber: Esra

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: um 460 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 537 bis um 467 v. u. Z.

      1. Welche Prophezeiungen garantierten den Wiederaufbau Jerusalems?

      DAS Ende der vorhergesagten 70jährigen Verwüstung Jerusalems unter Babylon näherte sich. Zwar stand Babylon in dem Ruf, seine Gefangenen niemals freizulassen, aber Jehovas Wort sollte sich als stärker erweisen denn babylonische Macht. Die Freilassung des Volkes Jehovas war abzusehen. Jehovas Tempel, der dem Erdboden gleichgemacht worden war, sollte wieder aufgebaut werden, und auf Jehovas Altar sollten wieder Sühnopfer dargebracht werden. In Jerusalem sollte wieder der Freudenruf und Lobpreis der wahren Anbeter Jehovas zu hören sein. Jeremia hatte die Dauer der Verwüstung prophezeit, und Jesaja hatte prophezeit, wie die Freilassung von Gefangenen zustande kommen sollte. Jesaja hatte sogar Cyrus von Persien als den ‘Hirten Jehovas’, der das hochmütige Babylon aus seiner Stellung als dritte Weltmacht der biblischen Geschichte stürzen würde, mit Namen genannt (Jes. 44:28; 45:1, 2; Jer. 25:12).

      2. Wann und unter welchen Umständen fiel Babylon?

      2 Dieses Unheil widerfuhr Babylon in der Nacht vom 5. Oktober 539 v. u. Z. (Gregorianischer Kalender), als der babylonische König Belsazar und die Großen seines Reiches Trinksprüche auf ihre Dämonengötter ausbrachten. Ihre heidnische Ausschweifung steigerte sich noch, als sie die heiligen Gefäße aus Jehovas Tempel benutzten, um sich zu betrinken. Wie passend es doch war, daß sich Cyrus in jener Nacht vor den Mauern Babylons befand, um die Prophezeiung zu erfüllen!

      3. Welcher Erlaß des Cyrus ermöglichte es, daß die Anbetung Jehovas genau 70 Jahre nach dem Beginn der Verwüstung wiederaufgenommen werden konnte?

      3 Das Jahr 539 v. u. Z. ist ein Schlüsseldatum, ein Datum, das sowohl mit der weltlichen als auch mit der biblischen Geschichte in Übereinstimmung gebracht werden kann. In seinem ersten Jahr als Herrscher von Babylon ließ Cyrus „einen Ruf durch sein ganzes Reich ergehen“, der die Juden ermächtigte, nach Jerusalem hinaufzugehen und das Haus Jehovas wieder aufzubauen. Der Erlaß wurde offensichtlich gegen Ende 538 v. u. Z. oder Anfang 537 v. u. Z. herausgegeben.a Ein treuer Überrest machte sich rechtzeitig auf die Reise zurück nach Jerusalem, um im ‘siebten Monat’ (Tischri oder September/Oktober) des Jahres 537 v. u. Z. den Altar aufzurichten und die ersten Opfer darzubringen — auf den Monat genau 70 Jahre nach der Verwüstung Judas und Jerusalems durch Nebukadnezar (Esra 1:1-3; 3:1-6).

      4. (a) Was ist der Rahmen des Buches Esra, und wer schrieb es? (b) Wann wurde das Buch Esra geschrieben, und welche Zeitspanne behandelt es?

      4 Wiederherstellung — das ist der Rahmen des Buches Esra. Daß von Kapitel 7, Vers 27 bis Kapitel 9 in der ersten Person erzählt wird, weist deutlich auf Esra als den Schreiber hin. Als „geschickter Abschreiber im Gesetz Mose“ und als Mann, der seinen Glauben ausgeübt und „sein Herz bereitgemacht [hatte], das Gesetz Jehovas zu befragen und danach zu tun und ... [es] zu lehren“, eignete sich Esra gut dazu, wie zuvor die Bücher Chronika, so auch diesen Geschichtsbericht aufzuzeichnen (Esra 7:6, 10). Da das Buch Esra eine Fortsetzung der Bücher der Chronika ist, nimmt man allgemein an, daß es zur gleichen Zeit, also etwa 460 v. u. Z., geschrieben wurde. Es behandelt die 70 Jahre von der Zeit an, zu der die Juden eine zerbrochene, als „[die] Söhne [des] Sterbens (Todes)“ gekennzeichnete, verstreute Nation waren, bis zur Fertigstellung des zweiten Tempels und zur Reinigung der Priesterschaft nach Esras Rückkehr nach Jerusalem (Esra 1:1; 7:7; 10:17; Ps. 102:20, Fußnote).

      5. Welche Beziehung hat das Buch Esra zum Buch Nehemia, und in welchen Sprachen wurde es geschrieben?

      5 Der hebräische Name Esra bedeutet „Hilfe“. Ursprünglich bildeten die Bücher Esra und Nehemia eine Schriftrolle (Neh. 3:32, Fußnote). Später teilten die Juden diese Schriftrolle und nannten sie „Das erste und das zweite Buch Esra“. In neuzeitlichen hebräischen Bibeln heißen die beiden Bücher Esra und Nehemia, so wie in anderen neuzeitlichen Bibeln. Ein Teil des Buches Esra (4:8⁠—⁠6:18 und 7:12-26) wurde in Aramäisch und der Rest in Hebräisch geschrieben, da Esra in beiden Sprachen bewandert war.

      6. Wodurch wird die Genauigkeit des Buches Esra bestätigt?

      6 Heute wird das Buch Esra von den meisten Gelehrten als echt angesehen. Über die Kanonizität des Buches Esra schreibt W. F. Albright in seiner Abhandlung The Bible After Twenty Years of Archaeology (Die Bibel nach zwanzig Jahren Archäologie): „Archäologische Angaben haben somit die Echtheit der Bücher Jeremia und Hesekiel, Esra und Nehemia stichhaltig und über allen Zweifel erhaben bewiesen; sie haben das traditionelle Bild der Ereignisse wie auch ihre Reihenfolge bestätigt.“

      7. Wie wird gezeigt, daß das Buch Esra wirklich ein Teil der göttlichen Aufzeichnungen ist?

      7 Wenn auch die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften das Buch Esra nicht direkt anführen noch sich unmittelbar darauf beziehen mögen, besteht doch keine Frage über seinen Platz im Kanon der Bibel. Es führt den Bericht über Jehovas Handlungsweise mit den Juden fort bis hinab zur Zeit der Zusammenstellung des hebräischen Katalogs — eine Arbeit, die gemäß der jüdischen Überlieferung größtenteils von Esra geleistet wurde. Außerdem bestätigt das Buch Esra die vielen Prophezeiungen im Hinblick auf die Wiederherstellung auf solche Weise, daß bewiesen wird, daß es tatsächlich zu den göttlichen Aufzeichnungen gehört, mit denen es auch völlig übereinstimmt. Darüber hinaus ehrt es die reine Anbetung und heiligt den großen Namen Jehovas Gottes.

      INHALT DES BUCHES ESRA

      8. Beschreibe die Folge der Ereignisse, die zum Ende der 70jährigen Verwüstung führen.

      8 Ein Überrest kehrt zurück (1:1⁠—⁠3:6). Cyrus, der König von Persien, dessen Geist Jehova erweckt, gibt für die Juden den Erlaß heraus, zurückzukehren und in Jerusalem das Haus Jehovas aufzubauen. Er spornt jene Juden, die in Babylon zurückbleiben mögen, an, freiwillig zu diesem Vorhaben beizutragen, und sorgt dafür, daß die zurückkehrenden Juden die Geräte des ursprünglichen Tempels mit zurücknehmen. Ein Führer aus dem königlichen Stamm Juda und Nachkomme König Davids, Serubbabel (Scheschbazzar), wird zum Statthalter bestimmt, um die Freigelassenen zu führen, und Jeschua (oder Josua) ist der Hohepriester (Esra 1:8; 5:2; Sach. 3:1). Ein Überrest, der 42 360 treue Diener Jehovas umfaßt hat — Männer, Frauen und Kinder inbegriffen —, macht die lange Reise. Im siebten Monat des jüdischen Kalenders haben sie sich schließlich in ihren Städten angesiedelt, und dann versammeln sie sich in Jerusalem, um im Herbst 537 v. u. Z. an der Stätte des Tempelaltars Opfer darzubringen und das Laubhüttenfest zu feiern. Auf diese Weise endet die 70jährige Verwüstung genau zur rechten Zeit.b

      9. Wie beginnt die Arbeit am Tempel, aber was geschieht in den Jahren danach?

      9 Wiederaufbau des Tempels (3:7⁠—⁠6:22). Material wird zusammengetragen, und im zweiten Jahr nach der Rückkehr wird unter Freudenrufen und unter dem Weinen der älteren Männer, die das frühere Haus gesehen haben, die Grundlage des Tempels Jehovas gelegt. Die Nachbarvölker, Widersacher, bieten sich an, beim Bau zu helfen, und geben vor, denselben Gott zu suchen, aber der jüdische Überrest lehnt jedes Bündnis mit ihnen rundweg ab. Die Widersacher versuchen von der Zeit der Regierung des Cyrus bis zur Zeit der Regierung des Darius fortwährend, die Juden zu schwächen und zu entmutigen und ihr Werk zu vereiteln. Schließlich gebieten sie in den Tagen des „Artaxerxes“ (Bardiya oder vielleicht ein Magier namens Gaumata, 522 v. u. Z.) dem Werk durch einen königlichen Befehl gewaltsam Einhalt. Dieses Verbot ist „bis zum zweiten Jahr der Regierung des Darius, des Königs von Persien“ (520 v. u. Z.), in Kraft — über 15 Jahre nach der Grundlegung (4:4-7, 24).

      10. (a) Wie dient die Ermutigung von Gottes Propheten gemeinsam mit der Weisung des Königs dazu, daß das Werk vollendet wird? (b) Welche Freude kennzeichnet die Einweihung dieses zweiten Tempels?

      10 Nun sendet Jehova seine Propheten Haggai und Sacharja, um Serubbabel und Jeschua zu erwecken, und die Bautätigkeit wird mit erneutem Eifer aufgenommen. Wieder beschweren sich die Widersacher beim König, aber das Werk geht mit unverminderter Tatkraft weiter. Darius I. (Hystaspes) bezieht sich auf den ursprünglichen Erlaß des Cyrus und ordnet an, daß das Werk ungestört fortgesetzt werde, und er gebietet sogar den Gegnern, Material zu liefern, um den Bau zu fördern. Mit unaufhörlicher Ermutigung von Jehovas Propheten vollenden die Bauleute den Tempel in weniger als fünf Jahren. Das ist im Monat Adar des sechsten Jahres des Darius oder kurz vor dem Frühling des Jahres 515 v. u. Z., und der ganze Bau hat gerade etwa 20 Jahre gedauert (6:14, 15). Das Haus Gottes wird nun mit großer Freude und passenden Opfern eingeweiht. Dann feiert das Volk das Passah und fährt fort, „das Fest der ungesäuerten Brote sieben Tage mit Freuden“ zu halten (6:22). Ja, Freude und Frohlocken kennzeichnen die Einweihung dieses zweiten Tempels zu Jehovas Lobpreis.

      11. Wie gewährt der König Esra „all sein Begehren“, und wie reagiert Esra darauf?

      11 Esra kehrt nach Jerusalem zurück (7:1⁠—⁠8:36). Fast 50 Jahre verstreichen, und wir gelangen zum Jahr 468 v. u. Z., dem siebten Jahr des persischen Königs Artaxerxes (bekannt als „Longimanus“, weil seine rechte Hand länger als seine linke war). Der König gewährt Esra, dem geschickten Abschreiber, „all sein Begehren“ hinsichtlich einer Reise nach Jerusalem, damit er dort die dringend benötigte Hilfe leiste (7:6). Dadurch, daß der König Esra bevollmächtigt, ermutigt er die Juden, mit ihm zu gehen, und er bewilligt Esra silberne und goldene Gefäße für den Gebrauch im Tempel sowie Weizen-, Wein-, Öl- und Salzvorräte. Er befreit die Priester und Tempelarbeiter von Steuern. Der König erlegt Esra die Verantwortung auf, das Volk zu belehren, und erklärt es zum schweren Vergehen, wenn jemand kein Täter des Gesetzes Jehovas und des Gesetzes des Königs wird. Aus Dankbarkeit gegenüber Jehova dafür, daß er seine liebende Güte durch den König zum Ausdruck bringt, geht Esra unverzüglich daran, den Auftrag auszuführen.

      12. Wie zeigt es sich, daß Jehova auf der Reise mit Esra und seinen Begleitern ist?

      12 Hier beginnt Esra seinen Augenzeugenbericht, indem er in der ersten Person schreibt. Er versammelt die zurückkehrenden Juden am Strom Ahawa zu abschließenden Anweisungen, und er erweitert die Gruppe von etwa 1 500 bereits versammelten erwachsenen Männern um einige Leviten. Esra erkennt, wie gefährlich ihre Reiseroute ist, bittet aber den König nicht um ein Geleit, damit es ihm nicht als Mangel an Glauben an Jehova ausgelegt werde. Statt dessen ruft er ein Fasten aus und fleht mit dem ganzen Lager zu Gott. Dieses Gebet wird erhört, und es zeigt sich, daß die Hand Jehovas auf der ganzen langen Reise auf ihnen ruht. So sind sie in der Lage, ihre Schätze (nach heutigem Wert über 43 000 000 $) sicher zum Haus Jehovas in Jerusalem zu bringen (8:26, 27 und Fußnoten).

      13. Wie geht Esra vor, um Unreinheit unter den Juden zu beseitigen?

      13 Reinigung der Priesterschaft (9:1⁠—⁠10:44). Aber nicht alles ist während der 69 Jahre gutgegangen, in denen sie in dem zurückgegebenen Land wohnen. Esra erfährt von beunruhigenden Zuständen, nämlich daß das Volk, die Priester und die Leviten mit den heidnischen Kanaanitern Mischehen eingegangen sind. Der treue Esra ist bestürzt. Er trägt Jehova die Angelegenheit im Gebet vor. Das Volk bekennt sein Unrechttun und bittet Esra, ‘stark zu sein und zu handeln’ (10:4). Er läßt die Juden die fremdländischen Frauen, die sie im Ungehorsam gegenüber Gottes Gesetz genommen haben, wegsenden, und die Unreinheit wird innerhalb von etwa drei Monaten beseitigt (10:10-12, 16, 17).

      WIESO NÜTZLICH

      14. Was zeigt das Buch Esra in bezug auf Jehovas Prophezeiungen?

      14 Das Buch Esra ist vor allem darin nützlich, daß es die unfehlbare Genauigkeit zeigt, mit der sich Jehovas Prophezeiungen erfüllen. Jeremia, der Jerusalems Verwüstung genau vorhergesagt hatte, sagte auch voraus, daß es nach 70 Jahren wiederhergestellt werde (Jer. 29:10). Gerade zur rechten Zeit zeigte Jehova seine liebende Güte, indem er sein Volk, einen treuen Überrest, wieder zurück in das Land der Verheißung brachte, damit es die wahre Anbetung fortsetze.

      15. (a) Wie diente der wieder aufgebaute Tempel Jehovas Vorsatz? (b) In welcher Hinsicht fehlte diesem Tempel die Herrlichkeit des ersten Tempels?

      15 Durch den wiederhergestellten Tempel wurde Jehovas Anbetung unter seinem Volk wieder erhöht. Der Tempel stand als Zeugnis dafür, daß Jehova auf wunderbare und barmherzige Weise die segnet, die sich ihm mit dem Wunsch zuwenden, die reine Anbetung auszuüben. Wenn es dem Tempel auch an der Herrlichkeit des Tempels Salomos fehlte, diente er doch seinem Zweck in Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen. Der materielle Glanz war nicht mehr da. Außerdem war er an geistigen Schätzen geringer, da ihm unter anderem die Bundeslade fehlte.c Auch war die Einweihung des Tempels Serubbabels mit der Einweihung des Tempels in den Tagen Salomos nicht zu vergleichen. Die Opfer an Rindern und Schafen machten nicht einmal ein Prozent der Opfer aus, die am Tempel Salomos dargebracht wurden. Weder erfüllte eine wolkenähnliche Herrlichkeit das letztere Haus, wie sie das frühere erfüllt hatte, noch kam Feuer von Jehova herab, um die Brandopfer zu verzehren. Beide Tempel dienten jedoch dem wichtigen Zweck, die Anbetung Jehovas, des wahren Gottes, zu erhöhen.

      16. Welcher andere Tempel übertrifft die irdischen Tempel an Herrlichkeit?

      16 Der von Serubbabel erbaute Tempel, die von Moses errichtete Stiftshütte und die Tempel, die von Salomo und Herodes erbaut wurden, sowie ihre Merkmale waren Vorbilder oder bildhaft. Sie waren ein Sinnbild des „wahren Zeltes, das Jehova aufschlug und nicht ein Mensch“ (Heb. 8:2). Dieser geistige Tempel ist die Vorkehrung, die getroffen wurde, damit wir uns Jehova in der Anbetung auf der Grundlage des Sühnopfers Christi nahen können (Heb. 9:2-10, 23). Jehovas großer geistiger Tempel ist von unübertrefflicher Herrlichkeit und unvergleichlich an Schönheit und Reiz; sein Glanz ist unvergänglich und übertrifft denjenigen jedes materiellen Gebäudes.

      17. Welche wertvollen Lehren sind im Buch Esra zu finden?

      17 Das Buch Esra enthält Lehren, die für Christen heute von höchstem Wert sind. Wir lesen darin, daß Jehovas Volk freiwillige Gaben für sein Werk darbringt (Esra 2:68; 2. Kor. 9:7). Es ermuntert uns, wenn wir erfahren, daß Jehova zu seinem Lobpreis immer für die Versammlungen sorgt und daß sein Segen auf ihnen ruht (Esra 6:16, 22). Wir sehen ein vortreffliches Beispiel in den Nethinim und anderen gläubigen Ausländern, die mit dem Überrest hinaufgehen und die Anbetung Jehovas ganzherzig unterstützen (2:43, 55). Man betrachte auch, wie demütig das Volk bereut, als es darauf aufmerksam gemacht wird, daß es verkehrt ist, mit heidnischen Nachbarn Mischehen einzugehen (10:2-4). Schlechter Umgang trug ihm Gottes Mißfallen ein (9:14, 15). Freudiger Eifer für Jehovas Werk brachte sein Wohlgefallen und seinen Segen mit sich (6:14, 21, 22).

      18. Wieso war die Wiederherstellung des Volkes Jehovas ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erscheinen des Messias, des Königs?

      18 Wenn auch kein König mehr auf Jehovas Thron in Jerusalem saß, weckte die Wiederherstellung die Erwartung, daß Jehova zu seiner Zeit seinen verheißenen König in der Linie Davids hervorbringen würde. Die wiederhergestellte Nation war nun in der Lage, die heiligen Aussprüche und die Anbetung Gottes bis zur Zeit des Erscheinens des Messias zu hüten. Zu wem wäre der Messias gekommen, wenn dieser Überrest nicht aus Glauben reagiert hätte und nicht in sein Land zurückgekehrt wäre? Ja, die Ereignisse im Buch Esra sind ein wichtiger Teil der Geschichte bis zur Zeit des Messias und Königs. Alles das ist für unser Studium heute äußerst nützlich.

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 482 bis 484, 489.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 332.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, TEMPEL.

  • 16. Bibelbuch — Nehemia
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 16. Bibelbuch — Nehemia

      Schreiber: Nehemia

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: nach 443 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 456 bis nach 443 v. u. Z.

      1. Welche Vertrauensstellung hatte Nehemia, und worum drehten sich seine Gedanken?

      NEHEMIA, dessen Name „Jah tröstet“ bedeutet, war ein jüdischer Diener des persischen Königs Artaxerxes (Longimanus). Er war Mundschenk beim König. Die Stellung des Mundschenken war eine Vertrauensstellung, die mit großer Ehre verbunden und auch begehrt war, denn sie gewährte Zutritt zum König, wenn er in guter Stimmung und bereit war, Gefälligkeiten zu erweisen. Nehemia gehörte indes zu den treuen ins Exil weggeführten Juden, die Jerusalem jeder persönlichen ‘Ursache zur Freude’ vorzogen (Ps. 137:5, 6). Seine Gedanken drehten sich nicht in erster Linie um Stellung und materiellen Reichtum, sondern um die Wiederherstellung der Anbetung Jehovas.

      2. Welcher traurige Zustand betrübte Nehemia, aber welche bestimmte Zeit nahte heran?

      2 Im Jahre 456 v. u. Z. hatten die, „die von der Gefangenschaft übriggeblieben“ waren, d. h. der jüdische Überrest, der nach Jerusalem zurückgekehrt war, kein Gelingen. Sie befanden sich in einem bedauerlichen Zustand (Neh. 1:3). Die Stadtmauer lag in Trümmern, und das Volk war in den Augen seiner ständigen Widersacher eine Schmach. Nehemia war betrübt. Doch für Jehova war die bestimmte Zeit gekommen, daß für die Mauer Jerusalems etwas getan werde. Feinde hin, Feinde her, Jerusalem und seine Schutzmauer mußten aufgebaut werden, um die Zeit zu kennzeichnen, die Jehova in einer Prophezeiung erwähnte, welche er Daniel im Hinblick auf das Kommen des Messias gegeben hatte (Dan. 9:24-27). Jehova lenkte daher die Ereignisse entsprechend, wobei er den treuen und eifrigen Nehemia gebrauchte, um seinen Willen auszuführen.

      3. (a) Was beweist, daß Nehemia der Schreiber des Buches Nehemia war, und wie kam es, daß es nach ihm benannt wurde? (b) Wie viele Jahre liegen zwischen dem Buch Esra und dem Buch Nehemia, und welche Zeitspanne behandelt dieses Buch?

      3 Zweifellos ist Nehemia der Schreiber des Buches, das seinen Namen trägt. Die einleitende Erklärung: „Die Worte Nehemias, des Sohnes Hachaljas“ und die Verwendung der ersten Person in seiner Niederschrift beweisen dies eindeutig (Neh. 1:1). Ursprünglich waren die Bücher Esra und Nehemia e i n Buch, das Esra genannt wurde. Später teilten die Juden das Buch in das erste und das zweite Buch Esra auf, und noch später wurde das zweite Buch Esra als Nehemia bekannt. Zwischen den abschließenden Ereignissen des Buches Esra und den einleitenden Geschehnissen des Buches Nehemia — dessen Geschichte eine Zeitspanne umfaßt, die sich vom Ende des Jahres 456 v. u. Z. bis nach 443 v. u. Z. erstreckt — liegen ungefähr 12 Jahre (1:1; 5:14; 13:6).

      4. Inwiefern stimmt das Buch Nehemia mit den übrigen Büchern der Bibel überein?

      4 Das Buch Nehemia stimmt mit den übrigen inspirierten Büchern der Bibel überein, zu der es rechtmäßig gehört. Es enthält mehrere indirekte Bezugnahmen auf das Gesetz, z. B. erwähnt es Ehebündnisse mit Ausländern (5. Mo. 7:3; Neh. 10:30), Darlehen (3. Mo. 25:35-38; 5. Mo. 15:7-11; Neh. 5:2-11) und das Laubhüttenfest (5. Mo. 31:10-13; Neh. 8:14-18). Es kennzeichnet ferner den Beginn der Erfüllung von Daniels Prophezeiung, daß Jerusalem wieder aufgebaut werden würde, aber nicht ohne Widerstand, „in der Bedrängnis der Zeiten“ (Dan. 9:25).

      5. (a) Welche Quellen bestätigen das Jahr 475 v. u. Z. als das Jahr der Thronbesteigung des Artaxerxes? (b) In welches Jahr fällt sein 20. Regierungsjahr? (c) Inwiefern stimmen die Bücher Nehemia und Lukas in bezug auf die Erfüllung der Prophezeiung Daniels über den Messias miteinander überein?

      5 Wie verhält es sich mit der Angabe des Jahres 455 v. u. Z. für Nehemias Reise nach Jerusalem, um die Stadtmauer wieder aufzubauen? Zuverlässige geschichtliche Beweise aus griechischen, persischen und babylonischen Quellen weisen auf 475 v. u. Z. als das Jahr der Thronbesteigung des Artaxerxes und auf 474 v. u. Z. als sein erstes Regierungsjahr hin.a Demnach wäre das Jahr 455 v. u. Z. sein 20. Regierungsjahr gewesen. Aus Nehemia 2:1-8 ist ersichtlich, daß Nehemia, der königliche Mundschenk, im Frühjahr jenes Jahres, im jüdischen Monat Nisan, vom König die Erlaubnis erhielt, Jerusalem, seine Mauer und seine Tore wiederherzustellen und wieder zu bauen. Nach der Prophezeiung Daniels sollten „vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und wieder zu bauen, bis zu dem Messias“ 69 Jahrwochen oder 483 Jahre vergehen. Diese Prophezeiung erfüllte sich auf bemerkenswerte Weise bei der Salbung Jesu im Jahre 29 u. Z., einem Jahr, das sich sowohl durch die Weltgeschichte als auch durch die biblische Geschichte nachweisen läßtb (Dan. 9:24-27; Luk. 3:1-3, 23). Ja, die Bücher Nehemia und Lukas stimmen auffallend mit Daniels Prophezeiung überein und beweisen dadurch, daß Jehova Gott nicht nur der Urheber wahrer Prophezeiungen ist, sondern daß er auch ihre Erfüllung veranlaßt. Das Buch Nehemia gehört tatsächlich zu den inspirierten Schriften.

      INHALT DES BUCHES NEHEMIA

      6. (a) Welcher Bericht veranlaßt Nehemia, zu Jehova zu beten, und welche Bitte gewährt ihm der König? (b) Wie reagieren die Juden auf Nehemias Plan?

      6 Nehemia nach Jerusalem gesandt (1:1⁠—⁠2:20). Nehemia ist beunruhigt über den Bericht von Hanani, der von Jerusalem nach Susa zurückgekehrt ist und die Nachricht gebracht hat, daß sich die Juden dort in einer sehr ernsten Lage befinden und daß die Mauer und die Tore immer noch in Trümmern liegen. Er fastet und betet zu Jehova, dem ‘Gott der Himmel, dem großen und furchteinflößenden Gott, der den Bund und die liebende Güte gegenüber denen bewahrt, die ihn lieben und seine Gebote halten’ (1:5). Er bekennt Israels Sünden und bittet Jehova, um seines Namens willen seines Volkes zu gedenken, wie er es Moses verheißen hat (5. Mo. 30:1-10). Als der König Nehemia nach dem Grund für sein betrübtes Angesicht fragt, schildert ihm dieser die Lage in Jerusalem und bittet um die Erlaubnis, zurückzukehren und die Stadt und ihre Mauer wieder aufzubauen. Seine Bitte wird gewährt, und er reist sofort nach Jerusalem. Nach einer nächtlichen Besichtigung der Stadtmauer, um sich mit der bevorstehenden Arbeit vertraut zu machen, eröffnet er den Juden seinen Plan und betont, daß Gottes Hand bei der Sache mit im Spiel ist. Darauf sagen sie: „Machen wir uns auf, und wir wollen bauen“ (Neh. 2:18). Als die benachbarten Samariter und andere hören, daß die Arbeit begonnen hat, fangen sie an zu spotten und zu höhnen.

      7. Wie geht das Werk voran, und welche Lage erfordert eine Reorganisation?

      7 Die Mauer wieder aufgebaut (3:1⁠—⁠6:19). Die Arbeit an der Mauer beginnt am dritten Tag des fünften Monats, und die Priester, die Fürsten und das Volk beteiligen sich gemeinsam daran. Die Stadttore und die Mauerabschnitte dazwischen werden rasch ausgebessert. Sanballat, der Horoniter, sagt spöttisch: „Was tun die hinfälligen Juden? ... Werden sie an einem Tag fertig werden?“ Und Tobija, der Ammoniter, fügt spottend hinzu: „Was sie auch bauen, wenn ein Fuchs dagegen aufstiege, würde er bestimmt ihre Steinmauer niederreißen“ (4:2, 3). Als die Mauer die Hälfte ihrer Höhe erreicht hat, werden die vereinigten Widersacher zornig und verschwören sich, heraufzukommen und gegen Jerusalem zu kämpfen. Aber Nehemia fordert die Juden auf, „Jehova, den Großen und Furchteinflößenden“, in ihrem Sinn zu behalten und für ihre Angehörigen und ihre Heimstätten zu kämpfen (4:14). Die Arbeit wird reorganisiert, um der gespannten Lage zu begegnen; einige halten Wache mit Lanzen, während andere mit ihrem Schwert an ihrer Hüfte arbeiten.

      8. Wie handhabt Nehemia die Probleme unter den Juden?

      8 Die Juden haben aber auch unter sich Probleme. Einige von ihnen treiben Wucher gegenüber ihren Mitanbetern Jehovas und übertreten dadurch Gottes Gesetz (2. Mo. 22:25). Nehemia bewirkt eine Änderung der Situation, indem er ihnen rät, nicht materialistisch zu sein, und das Volk befolgt willig seinen Rat. Wegen des schweren Dienstes, der auf dem Volk lastet, verlangt Nehemia während all der 12 Jahre seiner Statthalterschaft, von 455 bis 443 v. u. Z., nie das dem Statthalter zustehende Brot.

      9. (a) Wie begegnet Nehemia listigen Taktiken, die darauf abzielen, der Bautätigkeit ein Ende zu machen? (b) In wie vielen Tagen wird die Mauer vollendet?

      9 Nun wenden die Feinde noch listigere Taktiken an, um der Bautätigkeit ein Ende zu machen. Sie laden Nehemia ein, zu einer Besprechung herabzukommen, aber er erwidert, er habe keine Zeit, da er das große Werk, das er tue, nicht unterbrechen könne. Daraufhin beschuldigt Sanballat Nehemia der Auflehnung und der Absicht, sich in Juda zum König machen zu wollen. Er dingt heimlich einen Juden, der Nehemia in Furcht versetzen und ihn veranlassen soll, sich unrechtmäßig im Tempel zu verbergen. Nehemia läßt sich nicht einschüchtern, sondern setzt ruhig und gehorsam die ihm von Gott aufgetragene Arbeit fort. Die Mauer wird „in zweiundfünfzig Tagen“ vollendet (Neh. 6:15).

      10. (a) Wo wohnt das Volk, und welche Eintragung wird vorgenommen? (b) Was für eine Versammlung wird nun abgehalten, und worin besteht das Programm des ersten Tages?

      10 Unterweisung des Volkes (7:1⁠—⁠12:26). Die Stadt ist kaum bewohnt, und es gibt nur wenig Häuser, denn die meisten Israeliten wohnen außerhalb in ihren Stammeserbteilen. Gott beauftragt Nehemia, die Edlen und das ganze Volk zu versammeln, damit sie sich in das Geschlechtsregister eintragen. Dabei zieht er die Aufzeichnungen derer zu Rate, die aus Babylon zurückgekehrt sind. Dann wird eine achttägige Versammlung auf dem öffentlichen Platz beim Wassertor abgehalten. Esra eröffnet das Programm von einer hölzernen Bühne aus. Er segnet Jehova und liest dann von Tagesanbruch bis Mittag aus dem Buch des Gesetzes Mose vor. Andere Leviten unterstützen ihn, indem sie dem Volk das Gesetz erklären und fortfahren, ‘aus dem Buch, aus dem Gesetz des wahren Gottes, vorzulesen und dessen Sinn anzugeben; und sie machen das Vorgelesene fortlaufend verständlich’ (8:8). Nehemia spornt das Volk an, festlich zu speisen sowie sich zu freuen und die Bedeutung der Worte zu erkennen: „Die Freude Jehovas ist eure Feste“ (8:10).

      11. Welche besondere Zusammenkunft findet am zweiten Tag statt, und wieso herrscht während dieser Versammlung Freude?

      11 Am zweiten Tag der Versammlung haben die Häupter des Volkes eine besondere Zusammenkunft mit Esra, um Einsicht in das Gesetz zu gewinnen. Sie erfahren, daß das Laubhüttenfest noch in ebendiesem, dem siebten Monat gefeiert werden soll, und alle machen sich sofort daran, Hütten zu bauen für dieses Fest Jehovas. Es herrscht „sehr große Freude“, während sie sieben Tage lang in Hütten wohnen und ihnen Tag für Tag das Gesetz vorgelesen wird. Am achten Tag halten sie eine feierliche Versammlung ab, „gemäß der Vorschrift“ (Neh. 8:17, 18; 3. Mo. 23:33-36).

      12. (a) Welche Versammlung wird später im selben Monat abgehalten, und unter welchem Leitgedanken? (b) Welche Entschließung wird angenommen? (c) Was wird unternommen, um Jerusalem zu bevölkern?

      12 Am 24. Tag desselben Monats versammeln sich die Söhne Israels wieder und gehen daran, sich von allen Ausländern abzusondern. Sie hören eine besondere Vorlesung des Gesetzes und dann einen zu Herzen gehenden Rückblick über Gottes Verfahrensweise mit Israel, dargeboten von einer Gruppe von Leviten. Der Leitgedanke ist: „Erhebt euch, segnet Jehova, euren Gott, von unabsehbarer Zeit bis auf unabsehbare Zeit. Und möge man deinen herrlichen Namen segnen, der erhaben ist über alle Segnung und Lobpreisung“ (Neh. 9:5). Daraufhin bekennen sie die Sünden ihrer Vorväter und bitten demütig um den Segen Jehovas. Das geschieht in Form einer Entschließung, die durch das Siegel der Vertreter des Volkes bestätigt wird. Die ganze Gruppe kommt überein, keine Mischehen mit den Völkern des Landes einzugehen, die Sabbate zu halten und für den Unterhalt des Tempeldienstes und der Tempelarbeiter zu sorgen. Von je zehn Personen wird eine durch das Los dazu ausgewählt, ständig in Jerusalem, innerhalb der Mauer, zu wohnen.

      13. Welches Programm wird in Verbindung mit der Versammlung zur Einweihung der Mauer durchgeführt, und welche Vorkehrungen werden daraufhin getroffen?

      13 Die Mauer wird eingeweiht (12:27⁠—⁠13:3). Die Einweihung der neu erbauten Mauer ist eine Zeit des Gesangs und der Freude. Sie ist der Anlaß für eine weitere Versammlung. Nehemia stellt zwei große Danksagungs-Chöre und Umzüge auf, die in entgegengesetzter Richtung über die Mauer ziehen und schließlich im Haus Jehovas gemeinsam Opfer darbringen. Es werden Vorkehrungen für die materielle Unterstützung der Priester und Leviten getroffen, die im Tempel dienen. Eine weitere Vorlesung aus den Schriften enthüllt, daß Ammonitern und Moabitern nicht gestattet werden sollte, in die Versammlung zu kommen, und daher beginnen sie, alles Mischvolk von Israel abzusondern.

      14. Beschreibe die Unsitten, die während Nehemias Abwesenheit aufkommen, und die Schritte, die er unternimmt, um sie auszumerzen.

      14 Die Beseitigung von Unreinheit (13:4-31). Nachdem Nehemia eine Zeitlang in Babylon zugebracht hat, kehrt er nach Jerusalem zurück und stellt fest, daß unter den Juden neue Unsitten aufgekommen sind. Wie schnell sich die Dinge doch geändert haben! Der Hohepriester Eljaschib hat sogar im Vorhof des Tempels für Tobija — einen Ammoniter, der zu den Feinden Gottes gehört — einen Speisesaal hergerichtet. Nehemia verliert keine Zeit. Er wirft Tobijas Hausrat hinaus und läßt alle Speisesäle reinigen. Er stellt auch fest, daß die materiellen Beiträge für die Leviten nicht mehr entrichtet werden, so daß diese aus Jerusalem hinausgehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In der Stadt nimmt der Geschäftsgeist überhand. Der Sabbat wird nicht gehalten. Nehemia sagt zu den Juden: „Ihr fügt der Zornglut gegenüber Israel noch hinzu, indem ihr den Sabbat entweiht“ (13:18). Er verschließt die Stadttore am Sabbat, damit die Händler nicht hereinkommen können, und er schickt sie von der Stadtmauer fort. Aber es gibt noch ein schlimmeres Übel, etwas, was sie feierlich versprochen haben, nicht mehr zu tun. Sie haben fremdländische, heidnische Frauen in die Stadt gebracht. Schon reden die Nachkommen aus diesen Verbindungen nicht mehr jüdisch. Nehemia erinnert sie daran, daß Salomo wegen seiner fremdländischen Frauen sündigte. Wegen dieser Sünde jagt Nehemia den Enkel Eljaschibs, des Hohenpriesters, fort.c Dann sorgt er dafür, daß die Priester und die Leviten ihre Aufgaben wieder erfüllen.

      15. Welche demütige Bitte äußert Nehemia?

      15 Nehemia beendet sein Buch mit der bescheidenen und demütigen Bitte: „Gedenke doch meiner, o mein Gott, zum Guten!“ (13:31).

      WIESO NÜTZLICH

      16. In welcher Hinsicht ist Nehemia ein hervorragendes Beispiel für alle, die die wahre Anbetung lieben?

      16 Nehemias Gottergebenheit sollte für alle, die die wahre Anbetung lieben, ein Ansporn sein. Nehemia gab eine bevorzugte Stellung auf und wurde ein demütiger Aufseher unter Jehovas Volk. Er lehnte sogar die materielle Unterstützung ab, auf die er Anspruch gehabt hätte, und verurteilte den Materialismus offen als eine Schlinge. Eifrig suchte er die Anbetung Jehovas unter dem ganzen Volk aufrechtzuerhalten und zu fördern (5:14, 15; 13:10-13). Nehemia ist für uns insofern ein hervorragendes Beispiel, als er nicht nur völlig selbstlos, sondern auch besonnen war, ein Mann der Tat, der trotz Gefahr furchtlos für Gerechtigkeit eintrat (4:14, 19, 20; 6:3, 15). Er hatte die richtige Gottesfurcht und war darauf bedacht, den Glauben seiner Mitdiener zu stärken (13:14; 8:9). Energisch wandte er das Gesetz Jehovas an, besonders wenn es um die reine Anbetung und um die Abwehr fremdländischer Einflüsse ging — z. B. bei Ehen mit Heiden (13:8, 23-29).

      17. Inwiefern ist Nehemia auch ein Beispiel, was seine Kenntnis des Gesetzes Gottes und dessen Anwendung betrifft?

      17 Aus dem ganzen Buch geht deutlich hervor, daß sich Nehemia im Gesetz Jehovas gut auskannte, und er machte guten Gebrauch von seinen Kenntnissen. Aufgrund der Verheißung Jehovas in 5. Mose 30:1-4 und im vollen Vertrauen, daß Jehova um seinetwillen loyal handeln würde, erflehte Nehemia Gottes Segen (Neh. 1:8, 9). Er veranstaltete mehrere Versammlungen, vor allem, um die Juden mit den einstmals geschriebenen Dingen vertraut zu machen. Beim Vorlesen des Gesetzes legten Nehemia und Esra besonderen Wert darauf, dem Volk das Wort Gottes klarzumachen und es zu veranlassen, danach zu handeln (8:8, 13-16; 13:1-3).

      18. Was sollten alle Aufseher aus der durch Gebete gekennzeichneten Führerschaft Nehemias lernen?

      18 Nehemias vollständiges Vertrauen auf Jehova und seine demütigen Bitten sollten uns anspornen, die gleiche Einstellung zu entwickeln, nämlich durch unsere Gebete zu zeigen, daß wir uns von Gott abhängig fühlen. Beachtenswert ist, wie er in seinen Gebeten Gott verherrlichte, die Sünden seines Volkes bekannte und um die Heiligung des Namens Jehovas flehte (1:4-11; 4:14; 6:14; 13:14, 29, 31). Daß dieser eifrige Aufseher eine treibende Kraft unter Gottes Volk war, zeigte sich in der Bereitschaft der Juden, seiner weisen Führung zu folgen, und in der Freude, die sie darin fanden, mit ihm zusammen Gottes Willen zu tun. Er war in der Tat ein anspornendes Beispiel. Doch wie schnell schlichen sich während der Abwesenheit des weisen Aufsehers Materialismus, Verderbtheit und offenkundiger Abfall ein! Sicherlich sollte dies allen Aufsehern unter Gottes Volk heute die Notwendigkeit vor Augen führen, wachsam zu sein und eifrig auf die Interessen ihrer christlichen Brüder zu achten und sie verständnisvoll und beharrlich auf den Wegen der wahren Anbetung zu leiten.

      19. (a) Wie gebrauchte Nehemia Gottes Wort, um das Vertrauen zu den Königreichsverheißungen zu stärken? (b) Inwiefern spornt die Königreichshoffnung Gottes Diener heute an?

      19 Nehemia bewies ein unerschütterliches Vertrauen zu Gottes Wort. Er benutzte die Schriften nicht nur eifrig zum Lehren, sondern zog sie auch zu Rate, um gemäß den Geschlechtsregistern die Erbteile zu ermitteln und den Priestern und Leviten unter dem wiederhergestellten Volk Gottes ihren Dienst zuzuteilen (Neh. 1:8; 11:1 bis 12:26; Jos. 14:1 bis 21:45). Das muß für den jüdischen Überrest eine große Ermunterung gewesen sein. Es stärkte sein Vertrauen zu den großartigen Verheißungen, die in früherer Zeit im Hinblick auf den Samen und auf die größere Wiederherstellung unter Gottes Königreich gegeben worden waren. Die Hoffnung auf diese Wiederherstellung spornt Gottes Diener an, sich mutig für die Königreichsinteressen einzusetzen und auf der ganzen Erde unermüdlich die wahre Anbetung zu fördern.

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, PERSER, PERSIEN.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, SIEBZIG WOCHEN.

      c Einige jüdische Geschichtsschreiber behaupten, dieser Enkel Eljaschibs sei Manasse genannt worden und habe mit Sanballat, seinem Schwiegervater, den Tempel auf dem Berg Gerisim erbaut, der dann das samaritanische Kultzentrum geworden sei, wo er zeit seines Lebens als Priester amtiert habe. Gerisim ist der Berg, von dem Jesus gemäß Johannes 4:21 sprach (The Second Temple in Jerusalem, 1908, W. Shaw Caldecott, Seite 252—255).

  • 17. Bibelbuch — Esther
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 17. Bibelbuch — Esther

      Schreiber: Mordechai

      Ort der Niederschrift: Susa (Elam)

      Vollendung der Niederschrift: um 475 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 493 bis um 475 v. u. Z.

      1. Wovon handelt das Buch Esther?

      ES WIRD hier, kurz gesagt, von Ahasverus berichtet, dem König von Persien (nach Ansicht einiger Xerxes I.), dessen ungehorsame Frau Waschti durch die Jüdin Esther, die Cousine Mordechais, ersetzt wird. Der Agagiter Haman plant den Tod Mordechais und aller anderen Juden, wird aber an seinen eigenen Pfahl gehängt, während Mordechai zum ersten Minister befördert wird und die Juden befreit werden.

      2. (a) Warum bezweifeln einige, daß das Buch Esther von Gott inspiriert ist? (b) In welcher Form scheint der Name Gottes im Buch Esther gebraucht zu werden?

      2 Natürlich behaupten einige, das Buch Esther sei weder von Gott inspiriert noch nützlich, sondern es handle sich lediglich um eine schöne Legende. Sie stützen ihre Behauptung auf das Fehlen des Namens Gottes. Es stimmt zwar, daß Gott nicht direkt erwähnt wird, doch im hebräischen Text scheint an vier verschiedenen Stellen ein Akrostichon des Tetragrammatons vorzukommen, d. h., die Anfangsbuchstaben von vier aufeinanderfolgenden Wörtern setzen sich zu JHWH (hebräisch: יהוה) oder Jehova zusammen. Diese Anfangsbuchstaben werden in wenigstens drei alten hebräischen Handschriften besonders hervorgehoben und sind außerdem in der Massora durch rote Buchstaben gekennzeichnet. Auch in Esther 7:5 liegt offenbar ein Akrostichon des Ausspruchs Gottes „Ich werde mich erweisen“ vor. (Siehe Fußnote zu Esther 1:20; 5:4, 13; 7:7 sowie 7:5.)

      3. Welche Hinweise gibt es auf Glauben an Gott und Gebete zu ihm, und worin zeigt sich Gottes Einfluß auf die Ereignisse?

      3 Aus dem gesamten Bericht geht deutlich hervor, daß Mordechai das Gesetz Jehovas akzeptierte und befolgte. Er lehnte es ab, sich ehrerbietig vor einem Mann niederzubeugen, der wahrscheinlich ein Amalekiter war; Gott hatte nämlich die Vernichtung der Amalekiter bestimmt (Esth. 3:1, 5; 5. Mo. 25:19; 1. Sam. 15:3). Mordechais Äußerung in Esther 4:14 läßt erkennen, daß er Befreiung von Jehova erwartete und an eine göttliche Lenkung der gesamten Ereignisse glaubte. Vertrauen zu Jehova zeigte sich dadurch, daß Esther, ehe sie vor dem König erschien, drei Tage lang fastete, worin sich ihr die anderen Juden anschlossen (Esth. 4:16). Gottes Einfluß auf die Ereignisse wird auch dadurch angedeutet, daß Esther in den Augen Hegais, des Hüters der Frauen, Gunst fand, und dadurch, daß der König in einer schlaflosen Nacht die amtlichen Aufzeichnungen verlangte und feststellte, daß Mordechai für seine vergangene gute Tat nicht geehrt worden war (Esth. 2:8, 9; 6:1-3; vergleiche Sprüche 21:1). Zweifellos wird mit den Worten „die Angelegenheiten der Fastentage und ihres Hilfeschreis“ auf das Gebet Bezug genommen (Esth. 9:31).

      4. Wodurch wird das Buch Esther als glaubwürdig bestätigt?

      4 Viele Tatsachen bestätigen den Bericht als glaubwürdig. Er wurde vom jüdischen Volk akzeptiert, das das Buch einfach Meghilláh nannte, was „Rolle, Buchrolle“ bedeutet. In den hebräischen Kanon wurde es offensichtlich von Esra aufgenommen, der eine Legende bestimmt zurückgewiesen hätte. Die Juden gedenken noch heute durch das Fest der Purim oder Lose der großen Befreiung zur Zeit Esthers. Das Buch schildert persische Gewohnheiten und Bräuche lebensnah und in Übereinstimmung mit bekannten geschichtlichen Tatsachen und archäologischen Entdeckungen. Zum Beispiel wird die Art und Weise, wie die Perser einen Mann ehrten, exakt beschrieben (6:8). Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, daß die Beschreibungen des Königspalastes im Buch Esther bis in die kleinste Einzelheit genau sinda (5:1, 2).

      5. Welche genauen Angaben zeugen von der Echtheit des Berichts, und welcher Zeitspanne entspricht die Sprache?

      5 Diese Genauigkeit ist auch in dem Bericht selbst zu erkennen, da Hofbeamte und Diener gewissenhaft mit Namen aufgeführt und sogar Hamans zehn Söhne namentlich genannt werden. Die Geschlechtslinie Mordechais und Esthers wird bis auf Kisch vom Stamm Benjamin zurückverfolgt (2:5-7). Es werden amtliche Aufzeichnungen der persischen Regierung erwähnt (2:23; 6:1; 10:2). Das Buch ist in Späthebräisch geschrieben und enthält viele persische und aramäische Ausdrücke, so daß der Stil mit dem der Bücher Chronika, Esra und Nehemia übereinstimmt und völlig der Zeitspanne entspricht, in der es verfaßt wurde.

      6. (a) In welche Zeit fallen die Geschehnisse aus dem Buch Esther? (b) Was wird über den Schreiber sowie den Ort und die Zeit der Niederschrift ersichtlich?

      6 Man nimmt an, daß die Ereignisse des Buches Esther in die Blütezeit des mächtigen Perserreiches fallen und daß sie etwa 18 Jahre der Regierung des Ahasverus (Xerxes I.) umfassen. Die Zeitspanne, die sich etwa bis zum Jahr 475 v. u. Z. erstreckt, ist aus Angaben griechischer, persischer und babylonischer Quellen ersichtlich.b Mordechai, Augenzeuge und eine der Hauptpersonen in dem Bericht, war höchstwahrscheinlich der Schreiber des Buches; der genaue und detaillierte Bericht zeigt, daß der Schreiber die Ereignisse in Susa, der Burg, miterlebt haben muß.c Mordechai wird zwar in keinem anderen Buch der Bibel erwähnt, doch es steht außer Frage, daß er eine geschichtliche Person war. Interessanterweise hat man einen undatierten Keilschrifttext gefunden, der gemäß A. Ungnad auf Mardukâ (Mordechai?) als auf einen hohen Beamten am Hof von Susa während der Herrschaft Xerxes I. hinweist.d Dort in Susa schloß Mordechai zweifellos die Aufzeichnung der Ereignisse aus dem Buch Esther ab, unmittelbar nachdem sie stattfanden, das heißt um 475 v. u. Z.

      INHALT DES BUCHES ESTHER

      7. Welche kritische Lage entsteht beim Festmahl des Ahasverus, und was unternimmt der König daraufhin?

      7 Königin Waschti abgesetzt (1:1-22). Es ist das dritte Jahr der Regierung des Ahasverus. Er veranstaltet ein gewaltiges Festmahl für seine Beamten und zeigt 180 Tage lang den Reichtum und die Herrlichkeit seines Reiches. Dann gibt er für das ganze Volk in Susa ein großartiges siebentägiges Gastmahl. Zur selben Zeit veranstaltet Waschti, die Königin, ein Festessen für die Frauen. Der König rühmt sich seiner Reichtümer und seiner Herrlichkeit, und in froher Stimmung vom Wein, fordert er Waschti auf, zu kommen und dem Volk und den Fürsten ihre Schönheit zu zeigen. Königin Waschti weigert sich anhaltend. Auf den Rat der Hofbeamten, die darauf hinweisen, daß der König durch dieses schlechte Beispiel überall im Reich seinen guten Ruf verlieren kann, entläßt Ahasverus Waschti als Königin und gibt Schriftstücke heraus, gemäß denen alle Frauen „ihren Besitzern Ehre zollen“ sollen und jeder Mann „ständig als Fürst in seinem eigenen Haus“ handeln soll (1:20, 22).

      8. (a) Was führt dazu, daß Esther Königin wird? (b) Was für einen Anschlag deckt Mordechai auf, und wie wird dies schriftlich festgehalten?

      8 Esther wird Königin (2:1-23). Später bestimmt der König Beauftragte dazu, in allen 127 Provinzen des Reiches die schönsten Jungfrauen auszusuchen und sie nach Susa zu bringen, wo sie durch eine Schönheitsbehandlung auf die Vorstellung beim König vorbereitet werden sollen. Unter den ausgewählten jungen Frauen befindet sich Esther. Sie ist eine jüdische Waise, „schön von Gestalt und schön von Aussehen“, die bei ihrem Vetter Mordechai, einem Beamten in Susa, aufgewachsen ist (2:7). Esthers jüdischer Name Hadassa bedeutet „Myrte“. Hegai, der Hüter der Frauen, findet an Esther Gefallen und läßt ihr eine besondere Behandlung zukommen. Niemand weiß, daß sie Jüdin ist, denn Mordechai hat sie angewiesen, das geheimzuhalten. Die jungen Frauen werden der Reihe nach zum König gebracht. Er wählt Esther als seine neue Königin aus, und zur Feier ihrer Krönung wird ein Festmahl veranstaltet. Kurz danach hört Mordechai von einer Verschwörung, bei der es darum geht, den König zu ermorden, und läßt Esther es diesem „im Namen Mordechais“ mitteilen (2:22). Der Anschlag wird aufgedeckt, die Verschwörer werden gehängt, und in den königlichen Annalen wird eine Aufzeichnung gemacht.

      9. Wie erzürnt Mordechai Haman, und welchen königlichen Erlaß gegen die Juden erwirkt Haman?

      9 Hamans Verschwörung (3:1⁠—⁠5:14). Etwa vier Jahre vergehen. Haman, anscheinend ein Nachkomme des amalekitischen Königs Agag, den Samuel erschlug, wird erster Minister (1. Sam. 15:33). Der König erhöht ihn und befiehlt allen seinen Dienern im Tor des Königs, sich vor Haman zu verbeugen. Mordechai gehört zu ihnen. Er lehnt es jedoch ab, sich niederzuwerfen, und teilt den Dienern des Königs mit, daß er ein Jude ist. (Vergleiche 2. Mose 17:14, 16.) Haman ist wütend, und als er erfährt, daß Mordechai ein Jude ist, erkennt er die großartige Gelegenheit, Mordechai und alle anderen Juden ein für allemal loszuwerden. Das Los (Pur) wird geworfen, um einen günstigen Tag für die Vernichtung der Juden zu bestimmen. Haman nutzt seine Gunst beim König dazu, den Juden Gesetzlosigkeit vorzuwerfen und darum zu bitten, daß ihre Vernichtung schriftlich angeordnet wird. Er bietet einen Betrag von 10 000 Silbertalenten (entspricht etwa 66 060 000 $) zur Finanzierung des Gemetzels an. Der König willigt ein, und schriftliche, mit dem Siegelring des Königs versiegelte Befehle, nach denen der 13. Adar als Tag für die Ausrottung der Juden festgesetzt ist, werden ins ganze Reich versandt.

      10. Wie gehen Mordechai und Esther im Glauben an Jehovas Macht vor?

      10 Als Mordechai und alle anderen Juden von dem Gesetz hören, trauern sie in Sacktuch und Asche. Es herrscht „Fasten und Weinen und Klagen“ (Esth. 4:3). Als Esther durch Mordechai von der Notlage der Juden erfährt, zögert sie zunächst, Fürsprache einzulegen. Auf das ungeladene Erscheinen vor dem König steht die Todesstrafe. Mordechai zeigt jedoch seinen Glauben an Jehovas Macht, indem er erklärt, daß Esther, wenn sie die Juden im Stich lasse, sowieso sterben werde und „den Juden von einem anderen Ort her ... Befreiung erstehen“ werde. Kann es nicht auch sein, daß Esther „für eine Zeit wie diese“ Königin geworden ist? (4:14). Sie versteht, worum es geht, und willigt ein, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, und alle Juden in Susa fasten drei Tage lang mit ihr.

      11. Wie nutzt Esther ihre Gunst beim König, aber was plant Haman gegen Mordechai?

      11 Darauf erscheint Esther in ihrer besten königlichen Kleidung vor dem König. Sie erlangt Gunst in seinen Augen, und er hält ihr sein goldenes Zepter entgegen, wodurch er ihr Leben verschont. Sie lädt nun den König und Haman zu einem Festmahl ein. Während des Mahls drängt der König sie, ihre Bitte kundzutun, und versichert ihr, daß ihr „bis zur Hälfte des Königtums“ alles gewährt wird, was sie möchte, worauf sie die beiden zu einem weiteren Festmahl am folgenden Tag einlädt (5:6). Haman geht freudig hinaus. Aber dort im Tor des Königs ist Mordechai! Wieder ehrt er Haman nicht und erbebt nicht vor ihm. Hamans Freude wandelt sich in Zorn um. Seine Frau und seine Freunde schlagen ihm vor, einen Pfahl von 50 Ellen (22,30 m) Höhe zu errichten und vom König den Befehl zu erbitten, Mordechai daran aufzuhängen. Haman läßt den Pfahl sofort aufstellen.

      12. Welche Wende führt dazu, daß Ahasverus Mordechai ehrt und damit Haman erniedrigt?

      12 Das Blatt wendet sich (6:1⁠—⁠7:10). In der Nacht kann der König nicht schlafen. Er läßt sich das Protokollbuch bringen und daraus vorlesen und stellt fest, daß er Mordechai dafür, daß dieser ihm das Leben rettete, nicht belohnt hat. Später fragt der König, wer im Hof sei. Es ist Haman, der gekommen ist, um vom König die Vollmacht für Mordechais Hinrichtung zu verlangen. Der König fragt Haman, wie jemand, an dem der König Gefallen gefunden habe, geehrt werden solle. Haman denkt, der König habe ihn im Sinn, und umreißt ein großartiges Programm der Ehrung. Aber der König gebietet ihm: „Tu so mit Mordechai, dem Juden“ (6:10). Haman hat keine andere Wahl, als Mordechai in königliche Pracht zu kleiden, ihn auf das Pferd des Königs zu setzen, ihn auf dem öffentlichen Platz der Stadt umherzuführen und vor ihm auszurufen. Erniedrigt und trauernd eilt Haman nach Hause. Seine Frau und seine Freunde haben ihm keinen Trost zu bieten. Haman ist verloren!

      13. Was enthüllt Esther bei dem Festmahl, bei dem Haman gedemütigt wird, und was geschieht mit Haman?

      13 Nun ist es Zeit für Haman, dem Festmahl mit dem König und Esther beizuwohnen. Die Königin erklärt, sie und ihr Volk seien verkauft worden, um vernichtet zu werden. Wer hat gewagt, diese Bosheit zu begehen? Esther sagt: „Der Mann, der Widersacher und Feind, ist dieser schlechte Haman“ (7:6). Wütend erhebt sich der König und geht in den Garten hinaus. Mit der Königin allein, bittet Haman um sein Leben, und der zurückkehrende König wird noch wütender, als er Haman auf dem Ruhelager der Königin sieht. Sogleich befiehlt er, Haman an den Pfahl zu hängen, den dieser für Mordechai hat aufstellen lassen (Ps. 7:16).

      14. Wie belohnt der König Esther und Mordechai, und mit welchem schriftlichen Erlaß begünstigt er die Juden?

      14 Mordechai befördert, die Juden befreit (8:1 bis 10:3). Der König gibt Esther alle Besitztümer Hamans. Esther teilt Ahasverus ihre Verwandtschaft mit Mordechai mit, den der König dann in Hamans vorherige Stellung befördert und dem er den königlichen Siegelring gibt. Wieder riskiert Esther ihr Leben, als sie vor den König tritt und darum bittet, den schriftlichen Erlaß zur Vernichtung der Juden rückgängig zu machen. Jedoch können die ‘Gesetze von Persien und Medien’ nicht aufgehoben werden (1:19). Deshalb gibt der König Esther und Mordechai die Vollmacht, ein neues Gesetz zu schreiben und es mit dem Ring des Königs zu versiegeln. Dieser schriftliche Befehl, der auf dieselbe Weise ins ganze Reich gesandt wird wie der vorherige, gewährt den Juden das Recht, „sich zu versammeln und für ihre Seele einzutreten, die ganze Streitmacht des Volkes und des Gerichtsbezirks, die sie befeindete, Kleine und Frauen, zu vertilgen und zu töten und zu vernichten und ihre Beute zu plündern“, und zwar am selben Tag, an dem Hamans Gesetz in Kraft tritt (8:11).

      15. (a) Wie geht der Kampf aus, und welches Festmahl führt Mordechai ein? (b) In welche Stellung wird Mordechai erhoben, und wozu gebraucht er seine Macht?

      15 An dem festgesetzten Tag, dem 13. Adar, hält kein Mann vor den Juden stand. Aufgrund der Bitte Esthers an den König wird der Kampf am 14. Tag in Susa fortgesetzt. Insgesamt werden im ganzen Reich 75 000 Feinde der Juden getötet. Weitere 810 werden in Susa, der Burg, zu Tode gebracht. Zu ihnen gehören Hamans zehn Söhne, die am ersten Tag getötet und am zweiten Tag an Pfähle gehängt werden. Es wird keine Beute genommen. Am 15. Adar herrscht Ruhe, und die Juden halten Festmahl und freuen sich. Mordechai gibt den Juden jetzt schriftliche Anweisungen, dieses Festmahl des „Pur, das ist das Los“, jedes Jahr am 14. und 15. Adar zu feiern, und das tun sie bis zum heutigen Tag (9:24). Mordechai wird im Königreich erhöht und gebraucht seine Stellung als Zweiter nach König Ahasverus, ‘indem er zum Guten seines Volkes wirkt und Frieden redet zu all dessen Nachkommen’ (10:3).

      WIESO NÜTZLICH

      16. Welche göttlichen Grundsätze und wertvollen Vorbilder finden Christen im Buch Esther?

      16 Kein anderer Bibelschreiber zitiert zwar direkt aus dem Buch Esther, doch es ist vollständig in Übereinstimmung mit den übrigen inspirierten Schriften. Biblische Grundsätze, die später in den Christlichen Griechischen Schriften dargelegt werden und die für Anbeter Jehovas zu allen Zeiten gültig sind, werden darin treffend veranschaulicht. Ein Studium folgender Texte bestätigt dies nicht nur, sondern ist auch für den christlichen Glauben erbauend: Esther 4:5 — Philipper 2:4; Esther 9:22 — Galater 2:10. Die gegen die Juden vorgebrachte Anklage, sie würden die Gesetze des Königs nicht befolgen, ist dem Vorwurf gegen die ersten Christen ähnlich (Esth. 3:8, 9; Apg. 16:21; 25:7). Wahre Diener Jehovas begegnen solchen Anklagen nach dem ausgezeichneten Vorbild Mordechais, Esthers und der anderen Juden furchtlos und mit tiefem Vertrauen auf die göttliche Macht zur Befreiung (Esth. 4:16; 5:1, 2; 7:3-6; 8:3-6; 9:1, 2).

      17. Wie dienten Mordechai und Esther als Beispiel für die richtige Unterordnung unter Gott und die „obrigkeitlichen Gewalten“?

      17 Als Christen sollten wir nicht denken, unsere Lage sei anders als die Mordechais und Esthers. Auch wir leben unter den „obrigkeitlichen Gewalten“ in einer fremden Welt. Es ist unser Wunsch, gesetzestreue Bürger zu sein, in welchem Land wir auch immer leben, aber gleichzeitig wünschen wir, die richtige Grenze zu ziehen zwischen den ‘Dingen, die wir Cäsar zurückzahlen, und den Dingen, die wir Gott zurückzahlen’ (Röm. 13:1; Luk. 20:25). Mordechai, der erste Minister, und Königin Esther gaben ein gutes Beispiel für Ergebenheit und Gehorsam in ihren weltlichen Pflichten (Esth. 2:21-23; 6:2, 3, 10; 8:1, 2; 10:2). Mordechai lehnte es jedoch furchtlos ab, dem königlichen Gebot zu gehorchen, sich vor dem verachtenswerten Agagiter Haman niederzubeugen. Außerdem sorgte er dafür, daß Berufung eingelegt wurde, als Haman plante, die Juden zu vernichten (3:1-4; 5:9; 4:6-8).

      18. (a) Was beweist, daß das Buch Esther „von Gott inspiriert und nützlich“ ist? (b) Wie ermutigt es uns zur Verteidigung der Interessen des Königreiches Gottes?

      18 Alles spricht dafür, daß das Buch Esther ein Teil der Heiligen Schrift ist, die „von Gott inspiriert und nützlich“ ist. Auch ohne die direkte Erwähnung Gottes oder seines Namens liefert es uns echte Beispiele des Glaubens. Mordechai und Esther sind nicht das Phantasieprodukt eines Geschichtenerzählers, sondern sie waren wirkliche Diener Jehovas, die uneingeschränktes Vertrauen in Jehovas Macht zu retten setzten. Obwohl sie unter den „obrigkeitlichen Gewalten“ in einem fremden Land lebten, nutzten sie jedes gesetzliche Mittel, um die Interessen des Volkes Gottes und seiner Anbetung zu verteidigen. Wir können heute ihrem Beispiel folgen „in der Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ von Gottes Königreich, das Befreiung bringt (Phil. 1:7).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 693; Band 2, Seite 327—331.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, PERSER, PERSIEN.

      c McClintocks und Strongs Cyclopedia, Nachdruck 1981, Band III, Seite 310.

      d A. Ungnad: „Keilinschriftliche Beiträge zum Buch Esra und Ester“, Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft, LVIII (1940/41), Seite 240—244.

  • 18. Bibelbuch — Hiob
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 18. Bibelbuch — Hiob

      Schreiber: Moses

      Ort der Niederschrift: Wildnis

      Vollendung der Niederschrift: um 1473 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: über 140 Jahre zwischen 1657 und 1473 v. u. Z.

      1. Was bedeutet der Name Hiob, und welche Fragen beantwortet das Buch Hiob?

      EINES der ältesten Bücher der inspirierten Schriften! Ein Buch, das in höchstem Ansehen steht und oft zitiert, jedoch kaum verstanden wird. Warum wurde dieses Buch geschrieben, und welchen Wert hat es für uns heute? Die Bedeutung des Namens Hiob „Gegenstand der Feindseligkeit; Angefeindeter“ ist ein Hinweis. Ja, in diesem Buch werden zwei wichtige Fragen aufgegriffen: Warum leiden Unschuldige? Warum läßt Gott das Böse auf der Erde zu? Zur Beantwortung dieser Fragen haben wir den Bericht über Hiobs Leiden und sein treues Ausharren zur Verfügung. Dem Wunsch Hiobs gemäß ist alles niedergeschrieben worden (Hiob 19:23, 24).

      2. Was beweist, daß Hiob tatsächlich gelebt hat?

      2 Hiobs Name steht für Geduld und Ausharren. Aber hat es den Mann Hiob überhaupt gegeben? Trotz aller Anstrengungen des Teufels, dieses Vorbild der Lauterkeit aus den Seiten der Geschichte zu entfernen, ist die Antwort klar. Hiob lebte tatsächlich. Jehova nennt ihn zusammen mit seinen Zeugen Noah und Daniel, deren Existenz von Jesus Christus anerkannt wurde (Hes. 14:14, 20; vergleiche Matthäus 24:15, 37). Die alten Hebräer sahen Hiob als einen Menschen an, der wirklich gelebt hat. Der christliche Bibelschreiber Jakobus weist auf Hiobs Beispiel im Ausharren hin (Jak. 5:11). Nur ein aus dem Leben gegriffenes Vorbild, kein erfundenes, hätte Gewicht und könnte Anbeter Gottes davon überzeugen, daß man seine Lauterkeit unter allen Umständen bewahren kann. Außerdem zeugen die im Buch Hiob aufgezeichneten spannungsgeladenen und gefühlvollen Reden von der Realität der Situation.

      3. Was zeugt für die Inspiration des Buches Hiob?

      3 Daß das Buch Hiob authentisch und von Gott inspiriert ist, wird auch dadurch bewiesen, daß es die alten Hebräer stets in ihren Bibelkanon mit einbezogen, was insofern bemerkenswert ist, als Hiob selbst kein Israelit war. Neben den Bezugnahmen von Hesekiel und Jakobus wird das Buch vom Apostel Paulus zitiert (Hiob 5:13; 1. Kor. 3:19). Ein überzeugender Beweis für die Inspiration des Buches ist die erstaunliche Übereinstimmung mit erwiesenen wissenschaftlichen Tatsachen. Wie sollte bekannt sein, daß Jehova „die Erde auf[hängt] an nichts“, wenn man im Altertum doch die seltsamsten Vorstellungen darüber hatte, wie die Erde gestützt wird? (Hiob 26:7). Eine der Ansichten aus alter Zeit besagte, die Erde werde von Elefanten getragen, die auf einer riesigen Meeresschildkröte ständen. Warum kommt im Buch Hiob solcher Unsinn nicht vor? Weil Jehova, der Schöpfer, durch Inspiration die Wahrheit mitteilte. Die vielen weiteren Beschreibungen der Erde und ihrer Wunder, der wilden Tiere und der Vögel in ihrer natürlichen Umgebung sind so genau, daß nur Jehova Gott das Buch Hiob verfaßt und inspiriert haben konnte.a

      4. Wo und wann spielte sich das Drama ab, und wann war die Niederschrift des Buches Hiob vollendet?

      4 Hiob lebte in Uz, das gemäß einigen Geographen in Nordarabien liegt, und zwar in der Nähe des von den Edomitern bewohnten Gebietes und östlich des Landes, das Abrahams Nachkommenschaft verheißen worden war. Die Sabäer waren im Süden, die Chaldäer im Osten (1:1, 3, 15, 17). Die Prüfung Hiobs trug sich lange nach den Tagen Abrahams zu. Damals gab es keinen „auf der Erde [wie Hiob], einen Mann, untadelig und rechtschaffen“ (1:8). Das scheint die Zeitspanne zwischen dem Tod Josephs (1657 v. u. Z.), eines Mannes von außergewöhnlichem Glauben, und der Zeit zu sein, als Moses seinen Werdegang der Lauterkeit begann. Während sich Israel mit der Dämonenanbetung Ägyptens verunreinigte, übte Hiob die reine Anbetung aus. Überdies deuten die im ersten Kapitel des Buches Hiob erwähnten Bräuche und die Tatsache, daß Gott Hiob als wahren Anbeter akzeptierte, eher auf die patriarchalische Zeit hin als auf eine spätere Zeitspanne, von 1513 v. u. Z. an, als Gott ausschließlich mit Israel unter dem mosaischen Gesetz verkehrte (Am. 3:2; Eph. 2:12). Wenn man Hiobs langes Leben berücksichtigt, wird in dem Buch offensichtlich eine Zeitspanne zwischen 1657 v. u. Z. und 1473 v. u. Z., Moses’ Todesjahr, behandelt; es wurde von Moses irgendwann nach Hiobs Tod, während die Israeliten in der Wildnis waren, vollendet (Hiob 1:8; 42:16, 17).

      5. Was deutet an, daß Moses der Schreiber des Buches war?

      5 Warum kann man davon ausgehen, daß Moses der Schreiber war? Das entspricht den ältesten Überlieferungen sowohl der jüdischen als auch der frühchristlichen Gelehrten. Der lebhafte, echte Stil hebräischer Dichtkunst im Buch Hiob zeigt, daß es in Hebräisch, der Sprache Mose, verfaßt wurde. Es kann keine Übersetzung aus einer anderen Sprache, zum Beispiel aus dem Arabischen, sein. Auch ähneln die Prosaabschnitte stärker dem Pentateuch als irgendwelchen anderen Teilen der Bibel. Der Schreiber muß ein Israelit gewesen sein, wie im Fall Mose, weil den Juden „die heiligen Aussprüche Gottes anvertraut wurden“ (Röm. 3:1, 2). Als Moses zur Reife gelangt war, verbrachte er 40 Jahre in Midian, nicht weit von Uz entfernt, wo er den detaillierten Aufschluß für das Buch Hiob erlangen konnte. Als Moses später während Israels 40jähriger Wüstenwanderung an Hiobs Heimat vorbeizog, konnte er die abschließenden Einzelheiten erfahren und sie in dem Buch aufzeichnen.

      6. In welcher Hinsicht ist das Buch Hiob weit mehr als ein literarisches Meisterwerk?

      6 Gemäß der New Encyclopædia Britannica wird das Buch Hiob oft „zu den Meisterwerken der Weltliteratur gezählt“.b Es ist jedoch weit mehr als ein literarisches Meisterwerk. Unter den Bibelbüchern sticht das Buch Hiob dadurch hervor, daß es die Macht, Gerechtigkeit, Weisheit und Liebe Jehovas preist. Es offenbart deutlich die Hauptstreitfrage im Universum. Es erhellt viele Aussagen aus anderen Bibelbüchern, besonders aus dem ersten und zweiten Buch Mose, aus Prediger, aus dem Lukasevangelium, dem Römerbrief und der Offenbarung. (Vergleiche Hiob 1:6-12; 2:1-7 mit 1. Mose 3:15; 2. Mose 9:16; Lukas 22:31, 32; Römer 9:16-19 und Offenbarung 12:9; außerdem Hiob 1:21; 24:15; 21:23-26; 28:28 jeweils mit Prediger 5:15; 8:11; 9:2, 3; 12:13.) Das Buch Hiob liefert die Antwort auf viele Fragen des Lebens. Es gehört bestimmt zum inspirierten Wort Gottes, zu dessen Verständnis es viel Nützliches beiträgt.

      INHALT DES BUCHES HIOB

      7. In welcher Lage befindet sich Hiob zu Beginn des Buches?

      7 Einleitung zum Buch Hiob (1:1-5). Hier wird uns Hiob vorgestellt — ein Mann, „untadelig und rechtschaffen und gottesfürchtig und von Schlechtem weichend“. Hiob ist glücklich, er hat sieben Söhne und drei Töchter. Er ist ein reicher Grundbesitzer mit zahlreichen Kleinvieh- und Großviehherden. Er hat viele Diener und ist „der größte von allen Orientalen“ (1:1, 3). Doch er ist nicht materialistisch, da er sein Vertrauen nicht auf seine materiellen Besitztümer setzt. Er ist auch geistig reich, reich an guten Werken, jederzeit bereit, einem Niedergedrückten oder Notleidenden zu helfen oder jemandem ein Gewand zu geben, der eines benötigt (29:12-16; 31:19, 20). Er wird von allen geachtet. Hiob betet den wahren Gott, Jehova, an. Er lehnt es ab, sich vor der Sonne, dem Mond und den Sternen niederzubeugen wie die heidnischen Völker, und ist Jehova treu, indem er ihm gegenüber die Lauterkeit bewahrt und sich eines engen Verhältnisses zu ihm erfreut (29:7, 21-25; 31:26, 27; 29:4). Hiob dient als Priester für seine Familie; er bringt regelmäßig Brandschlachtopfer dar für den Fall, daß sie gesündigt haben.

      8. (a) Wieso stellt Satan Hiobs Lauterkeit in Frage? (b) Wie nimmt Jehova die Herausforderung an?

      8 Satan fordert Gott heraus (1:6⁠—⁠2:13). Auf wunderbare Weise wird der Vorhang der Unsichtbarkeit zurückgezogen, so daß wir einen Einblick in himmlische Dinge erhalten. Jehova führt bei einer Versammlung der Söhne Gottes den Vorsitz. Auch Satan erscheint unter ihnen. Jehova lenkt die Aufmerksamkeit auf seinen treuen Diener Hiob, aber Satan stellt Hiobs Lauterkeit in Frage und behauptet, Hiob diene Gott nur wegen des materiellen Nutzens, der ihm daraus erstehe. Wenn Gott Satan gestatte, ihm alles wegzunehmen, werde Hiob seine Lauterkeit aufgeben. Jehova nimmt die Herausforderung mit der Einschränkung an, daß Satan Hiob selbst nicht antasten darf.

      9. (a) Welche schweren Prüfungen kommen über Hiob? (b) Was beweist, daß er seine Lauterkeit bewahrt?

      9 Viele Unglücksfälle brechen über den ahnungslosen Hiob herein. Durch Beutezüge der Sabäer und Chaldäer gehen seine großen Reichtümer verloren. Seine Söhne und Töchter kommen in einem Sturm um. Diese schwere Prüfung veranlaßt Hiob nicht dazu, Gott zu fluchen oder sich von ihm abzuwenden. Vielmehr sagt er: „Der Name Jehovas sei fernerhin gesegnet!“ (1:21). Satan, der diesen Anklagepunkt fallenlassen muß und damit zum Lügner geworden ist, erscheint wieder vor Jehova und erhebt den Vorwurf: „Haut um Haut, und alles, was ein Mensch hat, wird er für seine Seele geben“ (2:4). Satan behauptet, er könne Hiob veranlassen, Gott ins Angesicht zu fluchen, wenn ihm erlaubt werde, Hiobs Körper anzutasten. Mit der Erlaubnis, alles zu tun, außer Hiob das Leben zu nehmen, bringt Satan über Hiob eine schreckliche Krankheit. Sein Fleisch wird „mit Maden und Staubklumpen bekleidet“, und sein Körper und sein Atem werden für seine Frau und seine anderen Verwandten stinkend (7:5; 19:13-20). Daß Hiob seine Lauterkeit nicht aufgegeben hat, wird durch das Drängen seiner Frau deutlich: „Hältst du noch an deiner unversehrten Lauterkeit fest? Fluche Gott und stirb!“ Er weist sie zurecht und sündigt „nicht mit seinen Lippen“ (2:9, 10).

      10. Welchen stummen „Trost“ liefert Satan?

      10 Satan bringt jetzt drei Gefährten herbei, die Hiob „trösten“ sollen. Es handelt sich um Eliphas, Bildad und Zophar. Von weitem erkennen sie Hiob nicht, aber dann beginnen sie, ihre Stimme zu erheben und zu weinen und Staub auf ihr Haupt zu streuen. Darauf sitzen sie wortlos vor ihm auf der Erde. Nach sieben Tagen und Nächten des stummen „Trostes“ bricht Hiob das Schweigen und eröffnet eine ausgedehnte Debatte mit seinen Möchtegerntröstern (2:11).

      11—13. Wie eröffnet Hiob die Debatte, welche Beschuldigung erhebt Eliphas, und wie antwortet ihm Hiob energisch?

      11 Die Debatte: erste Runde (3:1⁠—⁠14:22). Von diesem Punkt an setzt sich das Drama in großartiger hebräischer Dichtkunst fort. Hiob ruft Übles auf den Tag seiner Geburt herab und fragt sich, warum Gott ihn noch am Leben läßt.

      12 Als Erwiderung beschuldigt Eliphas Hiob mangelnder Lauterkeit. Die Rechtschaffenen gingen nie zugrunde, erklärt er. Er erinnere sich an eine nächtliche Vision, in der ihm eine Stimme gesagt habe, Gott glaube nicht an seine Diener, besonders nicht an die aus bloßem Lehm, aus dem Staub der Erde. Er deutet an, Hiobs Leiden seien auf Zucht vom Allmächtigen zurückzuführen.

      13 Hiob antwortet Eliphas energisch. Er schreit auf, wie es jedes Geschöpf unter Verfolgung und Bedrängnis tun würde. Der Tod wäre eine Erleichterung. Er macht seinen Gefährten den Vorwurf, Böses gegen ihn zu planen, und protestiert: „Unterweist mich, und ich meinerseits werde schweigen; und welchen Fehler ich begangen habe, laßt mich verstehen“ (6:24). Hiob ringt um seine eigene Gerechtigkeit vor Gott, dem „Beobachter der Menschen“ (7:20).

      14, 15. Welche Argumente hat Bildad, und warum befürchtet Hiob, seinen Rechtsfall vor Gott zu verlieren?

      14 Nun bringt Bildad seine Argumente vor, nämlich Hiobs Söhne hätten gesündigt und Hiob selbst sei nicht rechtschaffen, sonst würde Gott ihn erhören. Er weist Hiob an, auf die früheren Generationen und auf die von ihren Vätern erforschten Dinge als Anleitung zu achten.

      15 Hiob pflichtet ihm bei, daß Gott nicht ungerecht ist. Auch braucht Gott dem Menschen keine Rechenschaft abzulegen, denn er „tut [große Dinge], unerforschliche, und wunderbare Dinge ohne Zahl“ (9:10). Hiob kann gegen Jehova Gott als seinen Gegner im Rechtsstreit nicht gewinnen. Er kann nur Gottes Gunst erflehen. Und dennoch, hat es irgendeinen Nutzen, das Rechte tun zu wollen? „Einem Untadeligen, auch einem Bösen macht er ein Ende“ (9:22). Es gibt kein gerechtes Gericht auf der Erde. Hiob befürchtet, selbst bei Gott seinen Rechtsfall zu verlieren. Er benötigt einen Mittler. Er fragt, warum er versucht wird, und fleht Gott an, zu bedenken, daß er „aus Ton“ gemacht ist (10:9). Er schätzt die Güte, die Gott ihm in der Vergangenheit erwiesen hat, sagt aber, Gott werde nur noch ärgerlicher werden, falls er spreche, wenngleich er im Recht sei. Könnte er doch nur verscheiden!

      16, 17. (a) Welchen selbstzufriedenen Rat gibt Zophar? (b) Wie schätzt Hiob seine „Tröster“ ein, und welches Vertrauen bringt er zum Ausdruck?

      16 Nun schaltet sich Zophar in die Debatte ein. Er sagt im wesentlichen: Sind wir Kinder, um uns leeres Gerede anzuhören? Du sagst, du seist rein, aber spräche nur Gott, so würde er deine Schuld aufdecken. Er fragt Hiob: „Kannst du die tiefen Dinge Gottes ergründen?“ (11:7). Dann rät er Hiob, schädliche Handlungen aufzugeben, denn Segnungen würden denen zukommen, die das tun, wohingegen „die Augen der Bösen ... versagen werden“ (11:20).

      17 Hiob ruft sarkastisch aus: „In der Tat, ihr seid die Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben!“ (12:2). Er mag ein Gegenstand des Spottes sein, aber er ist ihnen nicht unterlegen. Schauten seine Gefährten die Schöpfungen Gottes an, so würden sogar diese sie etwas lehren. Stärke und praktische Weisheit sind Gott zu eigen, der alle Dinge beherrscht und sogar „die Nationen groß werden [läßt], damit er sie vernichte“ (12:23). Hiob findet Gefallen am Rechten mit Gott, was aber seine drei „Tröster“ betrifft — „ihr ... seid Lügentüncher; ihr alle seid Ärzte ohne Wert“ (13:4). Es wäre weise von ihnen zu schweigen! Er äußert sich zuversichtlich darüber, daß er im Recht sei, und ruft Gott um Erhörung an. Er geht zu dem Gedanken über, daß der „Mensch, von einer Frau geboren, ... kurzlebig und mit Erregung gesättigt“ ist (14:1). Der Mensch vergeht rasch wie eine Blüte oder ein Schatten. Man kann keinen Reinen aus einem Unreinen hervorbringen. Hiob betet, Gott möge ihn im Scheol verbergen, bis sich Gottes Zorn abwende, und fragt: „Wenn ein kräftiger Mann stirbt, kann er wieder leben?“ Als Antwort bringt er zuversichtlich die Hoffnung zum Ausdruck: „Ich [werde] warten, bis meine Ablösung kommt“ (14:13, 14).

      18, 19. (a) Wie spottet Eliphas zu Beginn der zweiten Runde der Debatte? (b) Wie betrachtet Hiob den „Trost“ seiner Gefährten, und warum blickt er zu Jehova auf?

      18 Die Debatte: zweite Runde (15:1⁠—⁠21:34). Zu Beginn der zweiten Debatte spottet Eliphas über Hiobs Erkenntnis und sagt, Hiob habe ‘seinen Bauch mit Ostwind gefüllt’ (15:2). Wieder äußert er sich verächtlich über Hiobs Anspruch auf Lauterkeit und behauptet, daß weder der sterbliche Mensch noch die Heiligen in den Himmeln in Jehovas Augen Glauben besitzen könnten. Indirekt beschuldigt er Hiob des Versuchs, sich als Gott überlegen hinzustellen, sowie der Abtrünnigkeit, der Bestechung und des Betrugs.

      19 Hiob entgegnet, seine Freunde seien ‘leidige Tröster mit windigen Worten’ (16:2, 3). Wären sie an seiner Stelle, so würde er sie nicht beschimpfen. Er wünsche dringend, gerechtfertigt zu werden, und blicke zu Jehova auf, der eine Aufzeichnung von ihm besitze und seinen Rechtsfall entscheiden werde. Hiob erkennt keine Weisheit bei seinen Gefährten. Sie nehmen ihm jede Hoffnung. Ihr „Trost“ ist so, als sage man, die Nacht sei Tag. Die einzige Hoffnung ist, ‘in den Scheol hinabzufahren’ (17:15, 16).

      20, 21. Was äußert Bildad erbittert, welchen Einspruch erhebt Hiob, und worauf setzt er sein Vertrauen?

      20 Die Debatte wird hitzig. Bildad ist jetzt erbittert, denn er meint, Hiob habe seine Freunde mit vernunftlosen Tieren verglichen. Er fragt Hiob: „Wird um deinetwillen die Erde verlassen werden?“ (18:4). Er warnt davor, daß Hiob als Beispiel für andere in eine furchtbare Schlinge geraten werde. Hiob werde keine Nachkommenschaft haben.

      21 Hiob antwortet: „Wie lange werdet ihr meine Seele ständig reizen und fortfahren, mich mit Worten zu zermalmen?“ (19:2). Er hat Angehörige und Freunde verloren, seine Frau und seine Hausgemeinschaft haben sich von ihm abgewandt, und er selbst ist nur ‘mit der Haut seiner Zähne’ entkommen (19:20). Er vertraut auf das Erscheinen eines Erlösers, der die Streitfrage zu seinen Gunsten beilegt, damit er schließlich „Gott erblicken“ wird (19:25, 26).

      22, 23. (a) Warum fühlt sich Zophar verletzt, und was sagt er über Hiobs angebliche Sünden? (b) Mit welchem vernichtenden Argument antwortet Hiob?

      22 Wie Bildad verletzt es auch Zophar, Hiobs „beschimpfende Mahnung“ anhören zu müssen (20:3). Er wiederholt, daß Hiob von seinen Sünden ereilt worden sei. Die Bösen würden immer von Gott bestraft und hätten keine Ruhe, sagt Zophar, selbst während sie sich des Wohlstands erfreuten.

      23 Hiob antwortet mit einem vernichtenden Argument: Wenn Gott die Bösen immer so bestrafe, wie kommt es dann, daß sie am Leben bleiben, alt werden und großen Reichtum ansammeln? Sie führen ein schönes Leben. Wie oft kommt Unheil über sie? Er zeigt, daß Reiche und Arme in gleicher Weise sterben. Allerdings sterbe ein Böser oft „sorgenfrei und in Ruhe“, während ein gerechter Mensch „mit bitterer Seele“ sterben mag (21:23, 25).

      24, 25. (a) Welche boshaften Verleumdungen bringt Eliphas selbstgerecht gegen Hiob vor? (b) Welches Gegenargument bringt Hiob vor, und was fragt er herausfordernd?

      24 Die Debatte: dritte Runde (22:1⁠—⁠25:6). Eliphas geht erneut grimmig zum Angriff über, indem er über Hiobs Anspruch auf Untadeligkeit vor dem Allmächtigen spottet. Er bringt boshafte Verleumdungen gegen Hiob vor, indem er behauptet, Hiob sei schlecht, habe die Armen ausgebeutet, den Hungrigen Brot vorenthalten und Witwen und vaterlose Knaben schlecht behandelt. Eliphas sagt, Hiobs Privatleben sei nicht so rein, wie er vorgebe, und das erkläre Hiobs schlimme Lage. Aber „wenn du zum Allmächtigen umkehrst“, betont Eliphas ausdrücklich, „wird [er] dich erhören“ (22:23, 27).

      25 Daraufhin widerlegt Hiob die heftige Anklage des Eliphas und sagt, daß er eine Verhandlung vor Gott wünsche, der seinen gerechten Wandel kenne. Manche bedrücken Vaterlose, Witwen und Arme und begehen Mord, Diebstahl und Ehebruch. Es geht ihnen vielleicht eine Zeitlang gut, aber sie werden ihren Lohn empfangen. Sie werden zunichte gemacht werden. „So denn nun, wer wird mich Lügen strafen?“ fragt Hiob herausfordernd (24:25).

      26. Was haben Bildad und Zophar noch zu sagen?

      26 Bildad betont darauf kurz sein Argument, daß kein Mensch vor Gott rein sein könne. Zophar nimmt an dieser dritten Runde nicht teil. Er hat nichts zu sagen.

      27. Wie preist Hiob nun die Größe des Allmächtigen?

      27 Hiobs abschließende Beweisführung (26:1 bis 31:40). Durch eine Schlußerörterung bringt Hiob seine Gefährten völlig zum Schweigen (32:12, 15, 16). Sarkastisch sagt er: „O wie sehr hast du doch einem Kraftlosen geholfen! ... Wieviel hast du den beraten, der ohne Weisheit ist“ (26:2, 3). Jedoch kann nichts, nicht einmal der Scheol, etwas vor Gottes Blick verbergen. Hiob beschreibt Gottes Weisheit, die sich durch den Weltraum, die Erde, die Wolken, das Meer und den Wind zeigt — all das hat der Mensch beobachtet. Das sind nur die Säume der Wege des Allmächtigen, kaum ein Geflüster von seiner Größe.

      28. Welche offene Aussage macht Hiob über Lauterkeit?

      28 Von seiner Unschuld überzeugt, erklärt Hiob: „Bis ich verscheide, werde ich meine unversehrte Lauterkeit nicht von mir weichen lassen!“ (27:5). Er habe nichts getan, womit er sein Unheil verdient hätte. Entgegen ihren Beschuldigungen werde Gott Lauterkeit belohnen, indem er dafür sorge, daß der von den Bösen aufgehäufte Wohlstand von den Gerechten ererbt werde.

      29. Wie beschreibt Hiob Weisheit?

      29 Der Mensch weiß, woher die Schätze der Erde (Silber, Gold, Kupfer) kommen, „die Weisheit aber — woher kommt sie?“ (28:20). Er hat unter den Lebenden nach ihr gesucht; er hat ins Meer geschaut; sie kann nicht mit Gold oder Silber gekauft werden. Gott ist derjenige, der sich auf Weisheit versteht. Er schaut bis zu den Enden der Erde und der Himmel, teilt den Wind und die Wasser aus und überwacht den Regen und die Sturmwolken. Hiob kommt zu dem Schluß: „Siehe! Die Furcht Jehovas — das ist Weisheit, und sich vom Schlechten abwenden ist Verstand“ (28:28).

      30. Welche Wiederherstellung wünscht Hiob, aber wie sieht seine gegenwärtige Lage aus?

      30 Dann legt der niedergedrückte Hiob die Geschichte seines Lebens dar. Er wünscht, daß sein früheres vertrautes Verhältnis zu Gott wiederhergestellt wird, als er sogar von den Führern der Stadt geachtet wurde. Er ist den Niedergedrückten ein Befreier gewesen und Augen dem Blinden. Sein Rat ist gut gewesen, und die Menschen haben auf seine Worte gewartet. Aber jetzt wird er, statt Ansehen zu genießen, sogar von Jüngeren verlacht, deren Väter nicht einmal geeignet waren, bei den Hunden seiner Kleinviehherde zu sein. Sie speien ihn an und widersetzen sich ihm. Jetzt in seiner größten Trübsal geben sie ihm keine Ruhe.

      31. Auf wessen Urteil vertraut Hiob, und was sagt er über den wahren Bericht aus seinem Leben?

      31 Hiob bezeichnet sich als einen Gott hingegebenen Mann und bittet, von Jehova gerichtet zu werden: „Er [wird] mich auf genauer Waage wiegen, und Gott wird meine unversehrte Lauterkeit erkennen“ (31:6). Hiob verteidigt seine Taten der Vergangenheit. Er sei weder ein Ehebrecher gewesen, noch habe er Böses gegen andere im Schilde geführt. Er habe nicht versäumt, den Notleidenden zu helfen. Er habe nicht auf materiellen Besitz vertraut, obgleich er reich gewesen sei. Er habe nicht die Sonne, den Mond und die Sterne angebetet, denn „auch das wäre ein Vergehen zur Beachtung für die Richter, denn ich hätte den wahren Gott droben verleugnet“ (31:28). Hiob fordert seinen Gegner im Rechtsstreit auf, den wahren Bericht seines Lebens anzufechten.

      32. (a) Wer redet nun? (b) Warum entbrennt Elihus Zorn gegen Hiob und dessen Gefährten, und was zwingt ihn zu sprechen?

      32 Elihu spricht (32:1⁠—⁠37:24). Inzwischen hat Elihu, ein Nachkomme von Bus, einem Sohn Nahors, und daher ein entfernter Verwandter Abrahams, der Debatte zugehört. Er hat gewartet, weil er dachte, daß die Älteren größere Kenntnis hätten. Es ist jedoch nicht das Alter, sondern der Geist Gottes, der Verständnis gibt. Elihus Zorn entbrennt, weil Hiob „eher seine eigene Seele gerechtsprach als Gott“. Noch zorniger ist er aber über die drei Gefährten Hiobs, da es von einem beklagenswerten Mangel an Weisheit zeugt, daß sie Gott für böse erklären. Elihu ist „voll von Worten“ geworden, und Gottes Geist zwingt ihn, seinen Gefühlen Luft zu machen, aber ohne Parteilichkeit oder ‘einem Erdenmenschen Titel zu verleihen’ (Hiob 32:2, 3, 18-22; 1. Mo. 22:20, 21).

      33. Was hat Hiob falsch gemacht, doch welche Gunst wird ihm Gott erweisen?

      33 Elihu spricht aufrichtig und erkennt Gott als seinen Schöpfer an. Er weist darauf hin, daß Hiob mehr an seiner eigenen als an Gottes Rechtfertigung gelegen war. Gott habe es nicht nötig gehabt, alle Worte Hiobs zu beantworten, als ob er seine Handlungen rechtfertigen müßte, und doch habe Hiob gegen Gott gestritten. Während sich Hiobs Seele jedoch dem Tode nähere, begünstige Gott ihn durch einen Boten mit den Worten: „Erlaß es ihm, in die Grube hinabzufahren! Ich habe ein Lösegeld gefunden! Sein Fleisch werde frischer als in der Jugend; er kehre zurück zu den Tagen seiner Jugendkraft“ (Hiob 33:24, 25). Die Gerechten werden wiederhergestellt werden!

      34. (a) Welche weiteren Tadel erteilt Elihu? (b) Was soll Hiob tun, statt seine eigene Gerechtigkeit zu rühmen?

      34 Elihu fordert die Weisen auf zuzuhören. Er tadelt Hiob für die Behauptung, es sei nutzlos, die Lauterkeit zu bewahren. „Fern sei es von dem wahren Gott, böse zu handeln, und vom Allmächtigen, unrecht zu handeln! Denn gemäß der Handlungsweise des Erdenmenschen wird er ihn belohnen“ (34:10, 11). Er könne den Odem des Lebens wegnehmen, und alles Fleisch werde verscheiden. Gott richte ohne Parteilichkeit. Hiob habe seine eigene Gerechtigkeit zu sehr in den Vordergrund gestellt. Er habe unbesonnen gehandelt, nicht vorsätzlich, sondern „ohne Erkenntnis“; und Gott sei langmütig mit ihm gewesen (34:35). Es müsse mehr zu Gottes Rechtfertigung gesagt werden. Gott werde seine Augen nicht von den Gerechten entfernen, sondern er werde sie tadeln. „Er wird keinen Bösen am Leben erhalten, sondern das Recht der Niedergedrückten wird er gewähren“ (36:6). Da Gott der höchste Unterweiser sei, solle Hiob Jehovas Taten rühmen.

      35. (a) Worauf soll Hiob achtgeben? (b) Wem wird Jehova Gunst erweisen?

      35 In der scheueinflößenden Atmosphäre eines sich zusammenbrauenden Sturmes spricht Elihu von den großen Dingen, die Gott tut, und von seiner Gewalt über die Naturkräfte. Zu Hiob sagt er: „Steh still, und achte auf die wunderbaren Werke Gottes“ (37:14). Er solle die vom Menschen nicht zu ergründende goldene Pracht und die furchteinflößende Würde Gottes betrachten. „Er ist erhaben an Macht, und Recht und der Gerechtigkeit Fülle wird er nicht schmälern.“ Ja, Jehova wird die beachten, die ihn fürchten, nicht diejenigen, „die in ihrem eigenen Herzen weise sind“ (37:23, 24).

      36. Wodurch belehrt Jehova selbst nun Hiob, und durch welche Fragen?

      36 Jehova antwortet Hiob (38:1⁠—⁠42:6). Hiob hatte Gott gebeten, zu ihm zu sprechen. Nun antwortet Jehova majestätisch aus dem Sturmwind. Er legt Hiob eine Reihe Fragen vor, die ihm anschaulich vor Augen führen, wie klein der Mensch und wie groß Gott ist. „Wo befandest du dich, als ich die Erde gründete? ... Wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes beifällig zu jauchzen begannen?“ (38:4, 6, 7). Das war lange vor der Zeit Hiobs. Fragen über Fragen, die Hiob nicht beantworten kann, werden gestellt. Jehova weist auf das Meer der Erde hin, auf ihr Wolkengewand, die Morgenröte, die Tore des Todes und auf Licht und Finsternis. „Hast du es erkannt, weil du um jene Zeit geboren wurdest und weil deiner Tage an Zahl viele sind?“ (38:21). Und wie steht es mit den Vorratshäusern des Schnees und des Hagels, mit dem Sturm und dem Regen und den Tautropfen, dem Eis und dem Reif, den gewaltigen Sternbildern, den Blitzen und Wolkenschichten, den vierbeinigen Tieren und den Vögeln?

      37. Durch welche weiteren Fragen wird Hiob gedemütigt, und wozu fühlt er sich gezwungen?

      37 Hiob gesteht demütig: „Siehe! Ich bin von geringer Bedeutung geworden. Was soll ich dir erwidern? Ich habe meine Hand auf meinen Mund gelegt“ (40:4). Jehova gebietet Hiob, sich der Streitfrage zu stellen. Er wirft weitere herausfordernde Fragen auf, die seine Würde, Überlegenheit und Kraft hervorheben — Eigenschaften, die sich in seiner Schöpfung widerspiegeln. Selbst der Behemoth und der Leviathan seien viel kräftiger als Hiob. Völlig gedemütigt gibt Hiob seinen falschen Standpunkt zu und räumt ein, daß er ohne Erkenntnis sprach. Jetzt, wo er Gott mit Verständnis sehe und nicht nur vom Hörensagen kenne, widerrufe er und bereue „in Staub und Asche“ (42:6).

      38. (a) Wie entscheidet Jehova über Eliphas und dessen Gefährten? (b) Welche Gunst und welchen Segen schenkt er Hiob?

      38 Jehovas Gericht und Segen (42:7-17). Jehova beschuldigt dann Eliphas und dessen zwei Gefährten, nicht wahrheitsgemäß von ihm gesprochen zu haben. Sie sollen Opfer beschaffen und Hiob für sie beten lassen. Hierauf wendet Jehova den Zustand des Gefangenseins Hiobs und segnet ihn mit doppelt soviel wie zuvor. Seine Geschwister und früheren Freunde kehren mit Gaben zu ihm zurück, und er wird mit zweimal so vielen Schafen, Kamelen, Rindern und Eselinnen wie vorher gesegnet. Er hat wieder zehn Kinder, und seine drei Töchter sind die hübschesten Frauen im ganzen Land. Sein Leben wird durch ein Wunder um 140 Jahre verlängert, so daß er vier Generationen seiner Nachkommenschaft zu sehen bekommt. Er stirbt „alt und mit Tagen gesättigt“ (42:17).

      WIESO NÜTZLICH

      39. Wie wird Jehova durch das Buch Hiob gepriesen?

      39 Das Buch Hiob preist Jehova und bezeugt seine unergründliche Weisheit und Macht (12:12, 13; 37:23). In diesem Buch wird Gott 31mal als der Allmächtige bezeichnet, öfter als in dem ganzen übrigen Teil der Heiligen Schrift. In dem Bericht wird Gottes Ewigkeit und Erhabenheit gepriesen (10:5; 36:4, 22, 26; 40:2; 42:2) sowie seine Gerechtigkeit, seine liebende Güte und seine Barmherzigkeit (36:5-7; 10:12; 42:12). Die Rechtfertigung Jehovas wird über die Rettung des Menschen erhoben (33:12; 34:10, 12; 35:2; 36:24; 40:8). Es wird gezeigt, daß Jehova, der Gott Israels, auch der Gott Hiobs ist.

      40. (a) Wie werden im Buch Hiob Gottes Schöpfungswerke gerühmt und erklärt? (b) Wie wird eine Vorschau auf Lehren der Christlichen Griechischen Schriften gegeben, und inwiefern stimmt das Buch Hiob mit ihnen überein?

      40 Das Buch Hiob rühmt und erklärt die Schöpfungswerke Gottes (38:4⁠—⁠39:30; 40:15, 19; 41:1; 35:10). Es stimmt mit der Erklärung des ersten Buches Mose überein, daß der Mensch aus dem Staub gemacht ist und daß er wieder zum Staub zurückkehrt (Hiob 10:8, 9; 1. Mo. 2:7; 3:19). Die Ausdrücke „Erlöser“, „Lösegeld“ und „wieder leben“ kommen vor, so daß eine Vorschau auf Lehren gegeben wird, die in den Christlichen Griechischen Schriften hervorgehoben werden (Hiob 19:25; 33:24; 14:13, 14). Die Propheten und christlichen Schreiber haben viele Ausdrücke aus dem Buch verwertet oder Entsprechungen dazu gefunden. Vergleiche zum Beispiel Hiob 7:17 — Psalm 8:4; Hiob 9:24 — 1. Johannes 5:19; Hiob 10:8 — Psalm 119:73; Hiob 12:25 — 5. Mose 28:29; Hiob 24:23 — Sprüche 15:3; Hiob 26:8 — Sprüche 30:4; Hiob 28:12, 13, 15-19 — Sprüche 3:13-15; Hiob 39:30 — Matthäus 24:28.c

      41. (a) Welche theokratischen Maßstäbe werden im Buch Hiob betont? (b) Worin ist Gottes Diener Hiob ein hervorragendes Beispiel für uns heute?

      41 An vielen Stellen werden Jehovas gerechte Maßstäbe kundgetan. Das Buch verurteilt ausdrücklich Materialismus (Hiob 31:24, 25), Götzendienst (31:26-28), Ehebruch (31:9-12), Schadenfreude (31:29), Ungerechtigkeit und Parteilichkeit (31:13; 32:21), Selbstsucht (31:16-21) und Unehrlichkeit (31:5). Es zeigt, daß jemand, der so handelt, nicht die Gunst Gottes und somit kein ewiges Leben erlangen kann. Elihu erweist auf beispielhafte Weise Gott tiefen Respekt und erhöht ihn; seine Bescheidenheit und seine Kühnheit und sein Mut sind vorbildlich (32:2, 6, 7, 9, 10, 18-20; 33:6, 33). Die Art, wie Hiob seiner Familie vorsteht, seine Rücksicht auf seine Familie und seine Gastfreundschaft vermitteln ebenfalls eine vortreffliche Lehre (1:5; 2:9, 10; 31:32). Jedoch denkt man bei Hiob meist an seine Bewahrung der Lauterkeit und sein geduldiges Ausharren, wodurch er ein Beispiel gab, das sich zu allen Zeiten für Gottes Diener als ein glaubensstärkendes Bollwerk erwiesen hat, besonders in unserer prüfungsreichen Zeit. „Ihr habt vom Ausharren Hiobs gehört und habt gesehen, welchen Ausgang Jehova gab, daß Jehova voll inniger Zuneigung und barmherzig ist“ (Jak. 5:11).

      42. Welche grundlegende Königreichsstreitfrage wird in dem Buch Hiob erhellt, und welche interessanten Gesichtspunkte dieser Streitfrage werden erklärt?

      42 Hiob gehörte nicht zum Samen Abrahams, dem die Königreichsverheißungen gegeben wurden, doch der Bericht über seine Lauterkeit trägt sehr zum Verständnis der Vorsätze Jehovas in bezug auf sein Königreich bei. Das Buch ist ein wichtiger Teil der göttlichen Offenbarungen, denn es enthüllt die grundlegende Streitfrage zwischen Gott und Satan, bei der es um die Lauterkeit des Menschen gegenüber Jehova als Souverän geht. Es zeigt, daß die Engel, die vor der Erde und dem Menschen erschaffen wurden, auch Zuschauer sind und daß sie sehr an der Erde und dem Ausgang der Streitfrage interessiert sind (Hiob 1:6-12; 2:1-5; 38:6, 7). Es wird auch deutlich, daß die Streitfrage schon vor Hiobs Lebzeiten bestand und daß Satan eine wirkliche Geistperson ist. Wenn Moses das Buch Hiob schrieb, dann erscheint der Ausdruck haßSsatán hier zum erstenmal im hebräischen Text der Bibel, wodurch Licht auf die Identität der „Urschlange“ geworfen wird (Hiob 1:6, Fußnote; Offb. 12:9). Das Buch beweist auch, daß Gott nicht Leid, Krankheit und Tod verursacht, und erklärt, warum die Gerechten verfolgt werden, während die Bösen und die Schlechtigkeit geduldet werden. Es zeigt, daß Jehova an der endgültigen Beilegung der Streitfrage interessiert ist.

      43. Wie müssen in Einklang mit den göttlichen Offenbarungen im Buch Hiob alle handeln, die nach Gottes Königreichssegnungen trachten?

      43 Jetzt ist die Zeit, in der alle, die unter Gottes Königreichsherrschaft leben möchten, Satan, dem „Ankläger“, durch ein Leben in Lauterkeit antworten müssen (Offb. 12:10, 11). Selbst inmitten ‘befremdender Prüfungen’ müssen diejenigen, die ihre Lauterkeit bewahren wollen, weiter darum beten, daß Gottes Name geheiligt werde und daß sein Königreich komme und Satan mitsamt seinem höhnenden Samen ausrotte. Das wird Gottes „Tag des Kampfes und des Krieges“ sein, auf den die Befreiung und die Segnungen folgen werden, an denen Hiob teilzuhaben hoffte (1. Pet. 4:12; Mat. 6:9, 10; Hiob 38:23; 14:13-15).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 57, 342, 343, 619, 665; Band 2, STRAUSS.

      b 1987, Band 6, Seite 562.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1169.

  • 19. Bibelbuch — Psalmen
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 19. Bibelbuch — Psalmen

      Schreiber: David und andere

      Vollendung der Niederschrift: um 460 v. u. Z.

      1. Was ist das Buch der Psalmen, und was enthält es?

      DIE Psalmen waren das inspirierte Liederbuch wahrer Anbeter Jehovas in alter Zeit. Sie bilden eine Sammlung von 150 geistlichen Liedern, d. h. Psalmen, die für den öffentlichen Gottesdienst, der im Tempel Jehovas in Jerusalem durchgeführt wurde, vertont und bearbeitet worden waren. Die Psalmen sind Lieder zum Lobpreis Jehovas, aber manche sind auch flehentliche Gebete um Barmherzigkeit und Hilfe sowie Äußerungen des Vertrauens und der Zuversicht. Sie fließen vor Dank und Frohlocken über sowie vor großer, ja unendlicher Freude. Einige sind ein Rückblick in frühere Zeiten, verbunden mit der Betrachtung der liebenden Güte Jehovas und seiner großen Taten. Sie sind voller Prophezeiungen, von denen sich eine ganze Reihe auf bemerkenswerte Weise erfüllt haben. Sie enthalten viel nützliche und erbauende Belehrung — alles in einer erhabenen Sprache oder einer Bildersprache, die den Leser tief ergreift. Die Psalmen sind ein erlesenes geistiges Mahl, liebevoll zubereitet und einladend aufgetragen.

      2. (a) Welche Titel hat man den Psalmen gegeben, und was bedeuten sie? (b) Was ist ein Psalm?

      2 Was bedeutet der Titel des Buches, und wer schrieb die Psalmen? In der hebräischen Bibel wird das Buch Sépher Tehillím genannt, d. h. „Buch der Lobpreisungen“ oder einfach Tehillím, also „Lobpreisungen“. Das letztgenannte hebräische Wort ist die Mehrzahlform von Tehilláh; dieses Wort bedeutet „Ein Lobpreis“ oder „Lied der Lobpreisung“ und kommt in der Überschrift des 145. Psalms vor. Die Bezeichnung „Lobpreisungen“ ist sehr passend, denn die Psalmen sind alle auf den Lobpreis Jehovas gestimmt. Der Titel „Psalmen“ stammt aus der Septuaginta, in der das Wort Psalmói — eine Bezeichnung für Lieder mit Musikbegleitung — verwendet wurde. Das Wort findet sich auch an mehreren Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften, zum Beispiel in Lukas 20:42 und Apostelgeschichte 1:20. Ein Psalm ist ein geistliches Lied oder Gedicht, das zum Lobpreis Gottes und beim Gottesdienst gesungen wurde.

      3. Was ist aus den Überschriften ersichtlich?

      3 Viele Psalmen haben eine Überschrift, und oft wird darin der Name des Schreibers genannt. Die Überschriften von 73 Psalmen enthalten den Namen Davids, „des Lieblichen der Melodien Israels“ (2. Sam. 23:1). David hat zweifellos auch Psalm 2, 72 und 95 geschrieben. (Siehe Apostelgeschichte 4:25, Psalm 72:20 und Hebräer 4:7.) Außerdem sind der 10. beziehungsweise der 71. Psalm anscheinend die Fortsetzung von Psalm 9 beziehungsweise von Psalm 70, weshalb man annimmt, daß diese Psalmen ebenfalls von David stammen. Zwölf Psalmen werden Asaph zugeschrieben; zweifellos steht Asaph als Geschlechtsname, denn in einigen dieser Psalmen werden Ereignisse aus der Zeit nach Asaph behandelt (Ps. 79; 80; 1. Chr. 16:4, 5, 7; Esra 2:41). Elf Psalmen werden direkt den Söhnen Korahs zugeschrieben (1. Chr. 6:31-38). Psalm 43 ist allem Anschein nach die Fortsetzung von Psalm 42 und kann daher gleichfalls den Söhnen Korahs zugewiesen werden. In der Überschrift von Psalm 88 werden als Schreiber nicht nur die „Söhne Korahs“, sondern auch Heman genannt, und die Überschrift von Psalm 89 bezeichnet Ethan als Schreiber. Psalm 90 wird Moses zugeschrieben, und wahrscheinlich stammt auch der 91. Psalm von ihm. Psalm 127 hat Salomo gedichtet. Über zwei Drittel der Psalmen werden also verschiedenen Schreibern zugewiesen.

      4. Welchen Zeitraum behandeln die Psalmen?

      4 Die Psalmen sind das längste Buch der Bibel. Wie aus Psalm 90, 126 und 137 hervorgeht, wurde lange daran geschrieben: mindestens von Moses an (1513 bis 1473 v. u. Z.) bis nach der Rückkehr aus Babylon und wahrscheinlich bis zur Zeit Esras (537 bis etwa 460 v. u. Z.). Die Niederschrift erstreckte sich demnach ungefähr über tausend Jahre. Doch der darin behandelte Zeitraum ist viel größer. Er beginnt mit der Zeit der Schöpfung und reicht bis zur Abfassung der letzten Psalmen. Berichtet wird darin über Jehovas Handlungsweise mit seinen Dienern.

      5. (a) Wie läßt das Buch der Psalmen Organisation erkennen? (b) Welchen weiteren Aufschluß enthalten die Überschriften? (c) Weshalb kann das Wörtchen „Sẹla“ beim Vorlesen der Psalmen übergangen werden?

      5 Das Buch der Psalmen läßt Organisation erkennen. David erwähnt „die Umzüge meines Gottes, meines Königs, in die heilige Stätte. Die Sänger gingen voran, die Saitenspieler hinter ihnen her; dazwischen waren die Tamburin schlagenden herangereiften Mädchen. In versammelten Scharen segnet Gott, Jehova“ (Ps. 68:24-26). Das erklärt, warum in den Überschriften so oft die Wendung „Dem Leiter“ vorkommt und warum man auf so viele poetische und musikalische Ausdrücke stößt. Einige Überschriften geben die Verwendung oder den Zweck des Psalms an oder enthalten musikalische Anweisungen. (Siehe die Überschrift von Psalm 6, 30, 38, 60, 88, 102 und 120.) In den Überschriften von mindestens 13 der Psalmen Davids — beispielsweise von Psalm 18 und 51 — werden kurz die Geschehnisse erwähnt, die Anlaß zur Abfassung des betreffenden Psalms gaben. Vierunddreißig Psalmen haben gar keine Überschrift. Von dem Wörtchen „Sẹla“, das 71mal im Haupttext vorkommt, nimmt man allgemein an, daß es sich dabei um einen Fachausdruck handelt, der in der Musik oder der Rezitation verwendet wurde, aber von ungewisser Bedeutung ist. Einige sind der Ansicht, daß sich das Wort entweder auf eine Pause zur stillen Andacht beim Singen oder auf eine Pause beim Singen und bei der Instrumentalmusik bezieht. Es kann daher beim Vorlesen übergangen werden.

      6. (a) In wie viele Bücher sind die Psalmen von jeher eingeteilt worden? (b) Wer gab dem Psalter seine endgültige Gestalt?

      6 Die Psalmen sind von jeher in fünf Bücher eingeteilt worden: 1. Psalm 1⁠—⁠41, 2. Psalm 42⁠—⁠72, 3. Psalm 73⁠—⁠89, 4. Psalm 90⁠—⁠106 und 5. Psalm 107⁠—⁠150. Das erste Buch hat offenbar David zusammengestellt. Offensichtlich benutzte Jehova Esra, den Priester und ‘geschickten Abschreiber im Gesetz Mose’, um dem Psalter seine endgültige Gestalt zu geben (Esra 7:6).

      7. Welches sind noch weitere Merkmale der Psalmen?

      7 Die Sammlung der Psalmen wurde nach und nach zusammengetragen, was vielleicht erklärt, warum einzelne Psalmen in mehr als einem Buch erscheinen, zum Beispiel Psalm 14 und 53; 40:13-17 und 70; 57:7-11 und 108:1-5. Jedes der fünf Bücher schließt mit einer sogenannten Doxologie, d. h. mit einem über Jehova gesprochenen Segen oder einem Lobpreis Gottes. Die ersten vier dieser Doxologien schließen Erwiderungen des Volkes ein, und die letzte umfaßt den gesamten 150. Psalm (Ps. 41:13, Fußnote).

      8. Erkläre und veranschauliche, was ein alphabetisches Akrostichon ist.

      8 Neun Psalmen sind in einem ganz besonderen Stil geschrieben; wegen ihrer alphabetischen Anordnung werden sie alphabetische Akrostichen genannt (Psalm 9, 10, 25, 34, 37, 111, 112, 119 und 145). In diesen Psalmen beginnt der erste Vers oder beginnen die Verse der ersten Strophe mit dem ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets, ʼáleph (א), der nächste Vers oder die nächsten Verse mit dem zweiten Buchstaben, bēth (ב), und so weiter — das ganze oder fast das ganze hebräische Alphabet hindurch. Diese Anordnung war vielleicht als Gedächtnisstütze gedacht, denn die Tempelsänger mußten lange Lieder — beispielsweise den Psalm 119 — im Gedächtnis behalten. Interessanterweise findet sich ein Akrostichon des Namens Jehovas in Psalm 96:11. Die erste Hälfte dieses Verses besteht im Hebräischen aus vier Wörtern, und von rechts nach links gelesen, ergeben ihre Anfangsbuchstaben das Tetragrammaton, das aus den vier hebräischen Konsonanten JHWH (יהוה) besteht.

      9. (a) Welchen Hintergrund haben viele Psalmen, weshalb sie Gemüt und Herz ansprechen? (b) Was trägt sonst noch zu ihrer Ausdruckskraft und Schönheit bei?

      9 Diese geistlichen Gedichte in lyrischer Form und in hebräischer Sprache sind ohne Reim, zeichnen sich aber durch einzigartige Schönheit des Stils und des rhythmischen Gedankenflusses aus. Sie sprechen Gemüt und Herz an. Sie schildern lebhafte Bilder. Die wunderbare Breite und Tiefe sowohl des Stoffs als auch der starken Gemütsbewegungen, die zum Ausdruck gebracht werden, sind zum Teil auf Davids vielbewegtes Leben zurückzuführen, das den Hintergrund für viele Psalmen bildet. Nur wenige Männer hatten ein an Wechselfällen so reiches Leben: als Hirte, als Einzelkämpfer gegen Goliath, als Hofmusiker, als Geächteter unter loyalen Freunden und unter Verrätern, als König und Eroberer, als liebevoller Vater, dem aber die Uneinigkeit in seiner eigenen Familie schwer zu schaffen machte, als ein Mensch, der zweimal eine schwere Sünde beging — eine bittere Erfahrung — und doch immer ein eifriger Anbeter Jehovas und ein Mensch war, der das Gesetz Jehovas liebte. Vor solch einem Hintergrund verwundert es wenig, daß in den Psalmen die gesamte Skala menschlicher Gemütsbewegungen zum Ausdruck kommt. Zur Ausdruckskraft und Schönheit der Psalmen tragen die verschiedenen Arten des Parallelismus bei, der auch gegensätzliche Gedanken zum Ausdruck bringen kann und für die hebräische Dichtung so charakteristisch ist (Ps. 1:6; 22:20; 42:1; 121:3, 4).

      10. Was beweist die Glaubwürdigkeit der Psalmen?

      10 Die Glaubwürdigkeit dieser ältesten Lieder zum Lobpreis Jehovas wird dadurch bestätigt, daß sie mit den übrigen Büchern der Heiligen Schrift vollkommen übereinstimmen. Das Buch der Psalmen wird von den Schreibern der Christlichen Griechischen Schriften viele Male zitiert (Ps. 5:9 [Röm. 3:13]; Ps. 10:7 [Röm. 3:14]; Ps. 24:1 [1. Kor. 10:26]; Ps. 50:14 [Mat. 5:33]; Ps. 78:24 [Joh. 6:31]; Ps. 102:25-27 [Heb. 1:10-12]; Ps. 112:9 [2. Kor. 9:9]). In seinem letzten Lied äußerte David die Worte: „Der Geist Jehovas war es, der durch mich redete, und sein Wort war auf meiner Zunge.“ Nachdem Samuel ihn gesalbt hatte, wurde dieser Geist über ihm wirksam (2. Sam. 23:2; 1. Sam. 16:13). Außerdem zitierten die Apostel aus den Psalmen. Petrus bezog sich auf das „Schriftwort ..., das der heilige Geist durch den Mund Davids ... vorhergesagt hatte“, und eine Anzahl von Anführungen aus den Psalmen stellt der Schreiber des Hebräerbriefes als Reden Gottes dar oder leitet sie mit den Worten ein: „... wie der heilige Geist sagt“ (Apg. 1:16; 4:25; Heb. 1:5-14; 3:7; 5:5, 6).

      11. Welche Worte Jesu sind das krönende Zeugnis für ihre Glaubwürdigkeit?

      11 Als stärksten Beweis für die Glaubwürdigkeit möchten wir zitieren, was der auferstandene Herr Jesus zu seinen Jüngern sagte: „Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete ..., daß sich alles, was im Gesetz Mose und in den PROPHETEN und Psalmen über mich geschrieben steht, erfüllen muß.“ Jesus teilte die gesamten Hebräischen Schriften auf die von den Juden anerkannte und ihnen vertraute Weise ein. Mit dem Wort Psalmen meinte er den ganzen dritten Hauptbestandteil der Heiligen Schrift, die Hagiographa (heilige Schriften), deren erstes Buch die Psalmen waren. Was er den beiden Jüngern ein paar Stunden früher auf ihrem Weg nach Emmaus gesagt hatte, als „er ihnen in allen Schriften die Dinge aus[legte], die ihn betrafen“, ist eine Bestätigung dafür (Luk. 24:27, 44).

      INHALT DER PSALMEN

      12. Wie zeigen die Psalmen gleich zu Beginn, was glücklich macht, und wie greifen sie das Königreichsthema auf?

      12 Erstes Buch (Psalm 1⁠—⁠41). Alle diese Psalmen werden mit Ausnahme von Psalm 1, 2, 10 und 33 David zugeschrieben. Psalm 1 erwähnt gleich zu Beginn den Leitgedanken, indem er den Mann glücklich preist, der seine Lust an dem Gesetz Jehovas hat und Tag und Nacht darüber nachsinnt, um es zu befolgen, ganz im Gegensatz zu den gottlosen Sündern. Das ist die erste Glücklichpreisung in den Psalmen. Psalm 2 beginnt mit einer herausfordernden Frage und dem Hinweis, daß sich alle Könige und hohen Amtspersonen der Erde „gegen Jehova und gegen seinen Gesalbten“ aufgestellt haben. Jehova verspottet sie und redet dann zu ihnen in glühendem Zorn die Worte: „Ich, ja ich, habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.“ Er wird alle, die Widerstand leisten, zerbrechen und zerschmettern. An die anderen Könige und Gebieter ergeht die Aufforderung: „Dient Jehova mit Furcht“ und anerkennt seinen Sohn, damit ihr nicht umkommt! (V. 2, 6, 11). So greifen die Psalmen gleich zu Anfang das Thema der Bibel, Gottes Königreich, auf.

      13. Was enthält dieses erste Buch vor allem?

      13 Dieses erste Buch enthält vor allem viele Bitt- und Dankgebete. In Psalm 8 wird Jehovas Größe der Winzigkeit des Menschen gegenübergestellt, und Psalm 14 legt dar, wie töricht es ist, wenn sich Menschen weigern, sich der Macht Gottes zu unterwerfen. Psalm 19 zeigt, wie die prachtvolle Schöpfung Jehovas Herrlichkeit verkündet, und die Verse 7 bis 14 würdigen den reichen Lohn, den das Halten des vollkommenen göttlichen Gesetzes bringt, das noch ausführlicher in Psalm 119 behandelt wird. Psalm 23 wird allgemein als ein Meisterwerk der gesamten Literatur anerkannt, aber noch hervorragender ist er durch die schönen, schlichten Worte, mit denen er Loyalität und Vertrauen gegenüber Jehova zum Ausdruck bringt. O daß wir alle „im Haus Jehovas für die Länge der Tage“ wohnen mögen! (23:1, 6). Psalm 37 gibt gottesfürchtigen Menschen, die unter Übeltätern leben, guten Rat, und Psalm 40 sagt, daß es eine Lust ist, den Willen Gottes zu tun — so wie David ihn tat.

      14. Was wird im zweiten Buch der Psalmen über die Erlösung gesagt, und welche Gebete Davids enthält es?

      14 Zweites Buch (Psalm 42⁠—⁠72). Dieser Teil beginnt mit acht korahitischen Psalmen. Sowohl Psalm 42 als auch Psalm 43 werden den Söhnen Korahs zugeschrieben, weil sie eigentlich nur e i n Gedicht in drei Strophen bilden, die einen wiederkehrenden Vers gemeinsam haben (42:5, 11; 43:5). Psalm 49 zeigt deutlich, daß es für den Menschen unmöglich ist, sich selbst zu erlösen, und weist auf Gott hin, der mächtig genug ist, den Menschen „aus der Hand des Scheols [zu] erlösen“. Psalm 51 ist ein Gebet, das David nach seiner schweren Sünde mit Bathseba, der Frau Urias, des Hethiters, betete und das echte Reue verrät (2. Sam. 11:1 bis 12:24). Dieses Buch schließt mit einem Psalm „über Salomo“, einem Gebet um eine friedliche Regierung und darum, daß Jehovas Segen ihn begleiten möge (Ps. 72).

      15. Was wird im dritten Buch über die Geschichte Israels gesagt, über die Gerichte Jehovas und über seinen Bund mit David?

      15 Drittes Buch (Psalm 73⁠—⁠89). Mindestens zwei dieser Psalmen — Psalm 74 und Psalm 79 — wurden nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 607 v. u. Z. verfaßt. In ihnen wird dieses große Unglück beklagt und Jehova angefleht, seinem Volk ‘um der Herrlichkeit seines Names willen’ zu helfen (79:9). Der Psalm 78 erzählt die Geschichte der Israeliten von Moses an bis zu der Zeit, als David begann, „sie zu hüten gemäß der unversehrten Lauterkeit seines Herzens“ (V. 72), und Psalm 80 weist auf Jehova, den wahren „Hirten Israels“, hin (V. 1). In Psalm 82 und 83 wird die flehentliche Bitte an Jehova gerichtet, seine Gerichte an seinen Feinden und an den Feinden seines Volkes zu vollstrecken. In diesen Bitten kommt keinerlei Rachsucht zum Ausdruck, sondern der Wunsch, „daß man deinen Namen suche, o Jehova. ... damit man erkenne, daß du, dessen Name Jehova ist, du allein, der Höchste bist über die ganze Erde“ (83:16, 18). Der letzte Psalm dieses Buches ist der 89. Psalm, in dem „Jehovas Äußerungen liebender Güte“ hervorgehoben werden, die besonders durch seinen Bund mit David zu erkennen sind. Dieser sichert dem Thron Davids einen unsterblichen Erben zu, der bis auf unabsehbare Zeit vor Jehova herrschen wird (V. 1, 34-37).

      16. Wie wird im vierten Buch Jehovas Königtum und das Festhalten an seinem Bund gepriesen?

      16 Viertes Buch (Psalm 90⁠—⁠106). Wie das dritte Buch, so enthält auch dieses 17 Psalmen. Es beginnt mit dem Gebet von Moses, das den Gegensatz zwischen dem ewigen Dasein Gottes und der kurzen Lebensspanne des sterblichen Menschen deutlich zeigt. Psalm 92 preist Jehovas überragende Eigenschaften. Dann folgt die Gruppe der großartigen Psalmen 93 bis 100, die mit dem aufrüttelnden Ruf beginnt: „Jehova selbst ist König geworden!“ Deshalb werden alle „Bewohner der Erde“ aufgefordert, ‘Jehova zu singen und seinen Namen zu segnen’. „Denn Jehova ist groß und sehr zu preisen.“ „Jehova ist groß in Zion“ (93:1; 96:1, 2, 4; 99:2). In den Psalmen 105 und 106 wird Jehova für all das Wunderbare, was er für sein Volk getan hat, gedankt und auch dafür, daß er seinen Bund mit Abraham treu gehalten hat, indem er seinen Nachkommen das Land gab, obschon sie immer wieder murrten und abtrünnig wurden.

      17. Warum ist der Psalm 104 besonders interessant, und welches Thema wird von nun an öfter wiederholt?

      17 Besonders interessant ist der Psalm 104. In diesem wird Jehova wegen der Würde und der Pracht, womit er sich bekleidet hat, gepriesen, auch wird darin seine Weisheit beschrieben, wie sie sich in seinen vielen Werken und Erzeugnissen auf der Erde zeigt. Dann erscheint zum erstenmal der Ausruf „Preiset Jah!“ und damit das Thema des ganzen Buches der Psalmen (V. 35). Die Aufforderung an wahre Anbeter, Jehovas Namen zu lobpreisen, so wie es ihm gebührt, ist im Hebräischen nur e i n Wort, halelu-Jáh oder „Halleluja“; die letztere Form ist heute weltweit bekannt. Von diesem Vers an kommt der Ausdruck 24mal vor, und eine Anzahl Psalmen beginnen und schließen damit.

      18. (a) Welcher Refrain erscheint in Psalm 107 mehrmals? (b) Was versteht man unter den sogenannten Hallelpsalmen?

      18 Fünftes Buch (Psalm 107⁠—⁠150). In Psalm 107 wird beschrieben, wie Jehova wiederholt gerettet hat; dazwischen erscheint der wohlklingende Refrain: „O möge man Jehova danken für seine liebende Güte und für seine wunderbaren Werke an den Menschensöhnen“ (V. 8, 15, 21, 31). Die Psalmen 113 bis 118 sind die sogenannten Hallelpsalmen. Gemäß der Mischna haben die Juden diese beim Passahfest, beim Wochenfest, beim Laubhüttenfest und beim Tempelweihefest gesungen.

      19. Wie unterscheiden sich die Psalmen 117 und 119 voneinander, und wodurch zeichnet sich letzterer aus?

      19 Psalm 117, der kleinste Psalm und das kürzeste aller Kapitel der Bibel, ist schlicht und doch kraftvoll. Psalm 119 ist der längste aller Psalmen und das längste aller Kapitel der Bibel; er hat insgesamt 176 Verse, die 22 alphabetische Strophen von je 8 Versen bilden. Außer zwei Versen (90 und 122) beziehen sich alle in irgendeiner Weise auf das Wort oder Gesetz Jehovas, indem sie in jeder Strophe verschiedene oder alle Ausdrücke (Gesetz, Mahnung, Befehle, Gebot, richterliche Entscheidungen) aus Psalm 19:7-14 wiederholen. Auf das Wort Gottes wird mehr als 170mal durch den einen oder anderen der folgenden 8 Ausdrücke Bezug genommen: Befehle, Bestimmung[en], Gebot[e], Gesetz, Mahnung[en], Rede[n], richterliche Entscheidung[en] und Wort[e].

      20, 21. (a) Was sind die „Lieder der Aufstiege“? (b) Wie bringen sie zum Ausdruck, daß sich David bewußt war, wie notwendig es ist, daß Gott vereint angebetet wird?

      20 Die Psalmen 120 bis 134 sind eine aus 15 „Liedern der Aufstiege“ bestehende Gruppe von Psalmen. Die Übersetzer haben diesen Ausdruck auf verschiedene Weise wiedergegeben, weil man nicht genau weiß, was er bedeutet. Einige sagen, er beziehe sich auf den erhabenen Inhalt dieser Psalmen, doch scheint es keinen triftigen Grund dafür zu geben, daß man sie über die anderen inspirierten Psalmen hinaushebt. Viele Kommentatoren vermuten, daß die Überschrift von dem Gebrauch dieser Lieder durch die Anbeter herrühre, die zu den jährlichen Festen nach Jerusalem „hinaufstiegen“; die Reise in die Hauptstadt wurde als Aufstieg betrachtet, weil die Stadt hoch oben in den Bergen Judas lag. (Vergleiche Esra 7:9.) Besonders David war sich voll bewußt, wie notwendig es war, daß sich Gottes Volk zur Anbetung vereinte. Er freute sich, die Einladung zu hören: „Zum Haus Jehovas laßt uns gehen“; und die Stämme zogen hinauf, „um dem Namen Jehovas zu danken“. Deshalb suchte er mit ganzem Herzen den Frieden, die Sicherheit und die Wohlfahrt Jerusalems, indem er betete: „Um des Hauses Jehovas, unseres Gottes, willen will ich fortfahren, Gutes für dich zu suchen“ (122:1, 4, 9).

      21 Der Psalm 132 berichtet, daß David schwor, sich keine Ruhe zu gönnen, bis er für Jehova — dessen Gegenwart durch die Bundeslade versinnbildet wurde — einen geeigneten Ruheort gefunden habe. Nachdem die Bundeslade nach Zion versetzt worden ist, wird in wundervollen, poetischen Worten gesagt, Jehova habe Zion erwählt. Er spricht: „Dies ist mein Ruheort für immer; hier werde ich wohnen, denn mich hat danach verlangt.“ Jehova anerkannte diesen Mittelpunkt der Anbetung, „denn daß dort der Segen sei, hat Jehova geboten“. „Jehova segne dich aus Zion“ (132:1-6, 13, 14; 133:3; 134:3; siehe auch Psalm 48).

      22. (a) Wie wird Jehova als der Gott, dem Lobpreis gebührt, gerühmt? (b) Wie schwillt das herrliche Thema des Psalters in den letzten Psalmen zu einem mächtigen Finale an?

      22 Der Psalm 135 rühmt Jehova als den Gott, dem Lobpreis gebührt, der alles tut, wozu er Lust hat, ganz anders als die nichtigen und eitlen Götzen, deren Hersteller ihnen gleich werden. Psalm 136 ist ein Wechsel- oder Antwortgesang, wobei jeder Vers mit den Worten endet: „Denn seine liebende Güte währt auf unabsehbare Zeit.“ Diesen Refrain hat man bei vielen Gelegenheiten gesungen (1. Chr. 16:41; 2. Chr. 5:13; 7:6; 20:21; Esra 3:11). Psalm 137 berichtet von der Sehnsucht nach Zion, die das Herz der Juden im Babylonischen Exil erfüllte, und bezeugt auch, daß sie die Lieder oder Psalmen Zions nicht vergaßen, obgleich sie fern der Heimat lebten. In Psalm 145 wird Jehovas Güte und Königtum gerühmt und gezeigt, daß er „alle [behütet], die ihn lieben, aber alle Bösen ... vertilgen“ wird (V. 20). Dann erklingt als kraftvoller Schlußakkord in den Psalmen 146 bis 150 wieder das herrliche Thema des ganzen Psalters, denn jeder dieser Psalmen beginnt und endet mit den Worten: „Preiset Jah!“ Diese Lobeshymne schwillt im 150. Psalm zu einem mächtigen Finale an, wo in den 6 Versen 13mal die ganze Schöpfung aufgefordert wird, Jehova zu preisen.

      WIESO NÜTZLICH

      23. (a) Welche lebendige Botschaft ist in den Psalmen enthalten? (b) Wie werden Jehovas Name und Souveränität verherrlicht?

      23 Schönheit und Stil der biblischen Psalmen sind so vollendet, daß man sie zu den größten Werken der Weltliteratur zählen muß. Doch sind sie nicht nur ein literarisches Meisterwerk, sondern sie sind auch eine lebendige Botschaft Jehovas, des höchsten Souveräns des ganzen Universums. Sie vermitteln ein eingehendes Verständnis der biblischen Grundlehren und besingen vor allem Jehova, den Urheber der Bibel. Sie zeigen deutlich, daß er Himmel und Erde und alles, was darin ist, gemacht hat (8:3-9; 90:1, 2; 100:3; 104:1-5, 24; 139:14). Der Name Jehovas wird in den Psalmen, wo er etwa 700mal vorkommt, wirklich hoch erhoben. Außerdem erscheint darin 43mal die abgekürzte Form „Jah“, so daß der göttliche Name durchschnittlich mehr als 5mal in jedem Psalm erwähnt wird. Überdies wird Jehova darin etwa 350mal als ʼElohím, d. h. Gott, bezeichnet. In einer Anzahl Psalmen kommt der Ausdruck „Souveräner Herr“ vor, was andeutet, daß Jehova die höchste Macht besitzt (68:20; 69:6; 71:5; 73:28; 140:7; 141:8).

      24. Was wird in den Psalmen über den sterblichen Menschen gesagt, und welcher vernünftige Rat wird gegeben?

      24 Die Psalmen sprechen von dem ewigen Gott, wogegen der Mensch sterblich und in Sünde geboren ist und einen Erlöser benötigt; sie zeigen, daß der Mensch stirbt und zu „Zermalmtem“ zurückkehrt, indem er in den Scheol, das allgemeine Grab der Menschheit, hinabfährt (6:4, 5; 49:7-20; 51:5, 7; 89:48; 90:1-5; 115:17; 146:4). Die Psalmen legen Nachdruck auf die Notwendigkeit, das Gesetz Gottes zu halten und auf Jehova zu vertrauen (1:1, 2; 62:8; 65:5; 77:12; 115:11; 118:8; 119:97, 105, 165). Sie warnen vor vermessenen Taten und „verborgenen Sünden“ (19:12-14; 131:1) und raten zum Umgang mit ehrlichen, anständigen Menschen (15:1-5; 26:5; 101:5). Sie zeigen, daß ein rechter Wandel Jehova wohlgefällig ist (34:13-15; 97:10). Das Psalmwort: „Rettung gehört Jehova“ bietet eine herrliche Hoffnung, und ein anderer Psalm sagt, daß er die Seele derer, die ihn fürchten, „vom Tod ... befreien“ wird (3:8; 33:19). Das bringt uns zum prophetischen Element in den Psalmen.

      25. (a) Wovon sind die Psalmen voll? (b) Mit welchen Psalmtexten bewies Petrus, daß Jesus der größere David ist?

      25 Die Psalmen sind voll von Prophezeiungen, die auf Jesus Christus, den „Sohn Davids“, hindeuten und auf die Rolle, die er als Jehovas Gesalbter und König spielen würdea (Mat. 1:1). Am Pfingsttag des Jahres 33 u. Z., als die Christenversammlung entstand, begannen die Apostel unter der Einwirkung des heiligen Geistes zu verstehen, wie sich diese Prophezeiungen erfüllten. An jenem Tag zitierte Petrus bei der Entwicklung des Themas seiner berühmten Ansprache wiederholt aus den Psalmen. Seine Ausführungen drehten sich um einen Mann, um „Jesus, den Nazarener“. Der zweite Teil seiner Darlegung, in der er bewies, daß Christus Jesus der größere David ist und daß Jehova Jesu Seele nicht im Hades ließ, sondern ihn von den Toten auferweckte, gründete sich fast vollständig auf Anführungen aus den Psalmen. „David [ist] nicht in die Himmel aufgefahren“, wohl aber sein Herr, wie es in Psalm 110:1 vorhergesagt wurde. Wer ist Davids Herr? Petrus kommt zum Höhepunkt seiner Rede mit der überzeugenden Antwort: „Jesus, den ihr an den Pfahl brachtet“ (Apg. 2:14-36; Ps. 16:8-11; 132:11).

      26. Welche Wirkung hatte die Rede des Petrus?

      26 Zeigte die Rede, die Petrus auf die Psalmen aufbaute, Wirkung? Die Tatsache, daß sich an jenem Tag etwa 3 000 taufen ließen und zur Christenversammlung hinzugetan wurden, spricht für sich selbst (Apg. 2:41).

      27. Wie legte „der heilige Geist“ Psalm 2 aus?

      27 Bei einer besonderen Versammlung der Jünger, kurz danach, beteten die Jünger zu Jehova, wobei sie Psalm 2:1, 2 anführten. Sie sagten, daß sich der Psalm durch den vereinten Widerstand der Herrscher gegen Gottes „heiligen Knecht Jesus ..., den ... [Gott] gesalbt“ hatte, erfüllt habe. In dem Bericht heißt es weiter: „Und sie wurden allesamt mit dem heiligen Geist erfüllt“ (Apg. 4:23-31).

      28. (a) Was zeigt Paulus in Hebräer, Kapitel 1 bis 3, anhand von Psalmtexten? (b) Was legt Paulus aufgrund von Psalm 110:4 über das melchisedeksche Priestertum dar?

      28 Nun wollen wir einen Blick auf den Hebräerbrief werfen. In den ersten beiden Kapiteln finden wir eine Anzahl Zitate aus den Psalmen über den Vorrang, den Jesus, der inthronisierte himmlische Sohn Gottes, vor den Engeln hat. Paulus weist auf Psalm 22:22 und andere Texte hin, um zu zeigen, daß Jesus eine Versammlung von „Brüdern“ hat, die ein Teil des Samens Abrahams und „Mitgenossen der himmlischen Berufung“ sind (Heb. 2:10-13, 16; 3:1). Von Hebräer 6:20 an und im ganzen 7. Kapitel schreibt der Apostel über die weitere Aufgabe Jesu, nämlich „für immer Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks“ zu sein. Das bezieht sich auf Gottes eidgebundene Verheißung in Psalm 110:4, die Paulus immer wieder anführt, um den Vorrang des Priestertums Jesu vor dem aaronischen Priestertum zu beweisen. Paulus erklärt, Jesus Christus sei aufgrund eines Eidschwurs Jehovas Priester — nicht auf der Erde, sondern im Himmel — und er sei „ein Priester für immer“, d. h., der Nutzen seines Priesterdienstes wird ewig sein (Heb. 7:3, 15-17, 23-28).

      29. Wessen Ergebenheit, die in den Psalmen erwähnt und in Hebräer 10:5-10 erklärt wird, sollten wir uns zum Vorbild nehmen?

      29 Ferner wird in Hebräer 10:5-10 über Jesus gesagt, daß er genau verstand, welchen Opferweg er gemäß dem Willen Gottes gehen sollte, und daß er entschlossen war, diesen Willen auszuführen. Das stützt sich auf die Worte Davids in Psalm 40:6-8. Es ist für uns alle von größtem Nutzen, über diese vorbildliche Ergebenheit nachzudenken und sie nachzuahmen, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen. (Siehe auch Psalm 116:14-19.)

      30. Wie wurde in den Psalmen Jesu Opferweg im einzelnen vorhergesagt, und inwiefern muß das ein Trost für ihn gewesen sein?

      30 Der Weg, den Jesus einschlug und der im Martyrium am Pfahl gipfelte, war in den Psalmen erstaunlich genau vorausgesagt worden; zum Beispiel, daß man ihm Essig zu trinken gab und Lose über seine äußeren Kleider warf, die grausame Behandlung seiner Hände und Füße, der Spott und der bitteren Seelenqualen entspringende peinvolle Schrei: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mat. 27:34, 35, 43, 46; Ps. 22:1, 7, 8, 14-18; 69:20, 21). Wie aus Johannes 19:23-30 zu erkennen ist, muß Jesus sogar in diesen Stunden viel Trost und Anleitung aus den Psalmen empfangen haben, denn er wußte, daß sich alle diese Schrifttexte bis zur letzten Einzelheit erfüllen mußten. Jesus wußte auch, daß die Psalmen von seiner Auferstehung und Erhöhung sprachen. Zweifellos dachte er an all das, als er in der letzten Nacht vor seinem Tod die „Lobgesänge“ bzw. die Psalmen anstimmte und mit seinen Jüngern sang (Mat. 26:30).

      31. Was wird in den Psalmen in bezug auf den Königreichssamen und die Versammlung Jesu vorausgesagt?

      31 In den Psalmen wird somit deutlich gezeigt, daß Christus Jesus der „Sohn Davids“ ist, der Königreichssame, der jetzt als König und Priester im himmlischen Zion erhöht ist. Aus Platzgründen ist es nicht möglich, alle in den Christlichen Griechischen Schriften angeführten Psalmtexte, die sich an diesem Gesalbten Jehovas erfüllt haben, zu erwähnen, aber einige weitere Beispiele seien noch angeführt: Ps. 78:2 — Mat. 13:31-35; Ps. 69:4 — Joh. 15:25; Ps. 118:22, 23 — Mar. 12:10, 11 und Apg. 4:11; Ps. 34:20 — Joh. 19:33, 36; Ps. 45:6, 7 — Heb. 1:8, 9. In den Psalmen wird auch die Versammlung wahrer Nachfolger Jesu vorausgesagt — nicht ihre einzelnen Glieder, sondern als Gruppe —, deren Glieder aus allen Nationen Gottes Gunst erlangt haben und die das Werk der Lobpreisung des Namens Jehovas verrichten (Ps. 117:1 — Röm. 15:11; Ps. 68:18 — Eph. 4:8-11; Ps. 95:7-11 — Heb. 3:7, 8; 4:7).

      32. (a) Was läßt ein Studium der Psalmen bezüglich der Rechtfertigung Jehovas und bezüglich seiner Vorsätze in Verbindung mit dem Königreich erkennen? (b) Wie sollten wir, wenn wir Wertschätzung für sein Königtum haben, unsere Loyalität und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen?

      32 Das Studium der Psalmen trägt viel zu einem Verständnis der Königsherrschaft bei, die Jehova Gott zu seiner Verherrlichung und Rechtfertigung durch den verheißenen Samen und Königreichserben ausübt. Mögen wir immer zu jenen Loyalgesinnten gehören, die in ‘der herrlichen Pracht der Würde Jehovas’ frohlocken. Im 145. Psalm, der die Überschrift trägt „Ein Lobpreis, von David“, wird von ihnen gesagt: „Von der Herrlichkeit deines Königtums werden sie sprechen, und von deiner Macht werden sie reden, um den Menschensöhnen seine Machttaten bekanntzumachen und die Herrlichkeit der Pracht seines Königtums. Dein Königtum ist ein Königtum für alle unabsehbaren Zeiten, und deine Herrschaft währt durch alle sich folgenden Generationen hindurch“ (Ps. 145:5, 11-13). Die Pracht des aufgerichteten Königreiches Gottes unter Christus wird heute in Einklang mit dem prophetischen Psalm den Menschensöhnen aller Nationen kundgetan. Wie dankbar sollten wir für dieses Königreich und seinen König sein! Einen würdigen Abschluß der Psalmen bilden die Worte: „Alles, was atmet — es preise Jah. Preiset Jah!“ (150:6).

      [Fußnote]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, PSALMEN (BUCH).

  • 20. Bibelbuch — Sprüche
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 20. Bibelbuch — Sprüche

      Redner: Salomo, Agur, Lemuel

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: um 717 v. u. Z.

      1. Welche Weisheit ist in dem Buch der Sprüche zu finden?

      ALS Salomo, der Sohn Davids, im Jahre 1037 v. u. Z. König von Israel wurde, betete er zu Jehova um „Weisheit und Erkenntnis“, um ‘dieses große Volk richten zu können’. Als Antwort gab ihm Jehova ‘Erkenntnis und Weisheit und ein verständiges Herz’ (2. Chr. 1:10-12; 1. Kö. 3:12; 4:30, 31). Die Folge war, daß Salomo „dreitausend Sprüche reden“ konnte (1. Kö. 4:32). Etwas von dieser gesprochenen Weisheit wurde im Bibelbuch Sprüche aufgezeichnet. Da Salomos Weisheit in Wirklichkeit die Weisheit war, „die Gott in sein Herz gelegt hatte“, studieren wir beim Studium der Sprüche die Weisheit Jehovas (1. Kö. 10:23, 24). Diese Sprüche fassen ewige Wahrheiten zusammen. Sie sind heute genauso zeitgemäß wie damals, als sie zum erstenmal geäußert wurden.

      2. Wieso war Salomos Zeit dazu geeignet, die göttliche Anleitung, die in den Sprüchen zu finden ist, zur Verfügung zu stellen?

      2 Die Regierung Salomos war eine passende Zeit dafür, daß diese göttliche Anleitung zur Verfügung gestellt wurde. Von Salomo hieß es, er ‘sitze auf dem Thron Jehovas’. Das theokratische Königreich Israel war auf seinem Höhepunkt, und Salomo wurde unvergleichliche „königliche Würde“ gegeben (1. Chr. 29:23, 25). Es war eine Zeit des Friedens und der Fülle, eine Zeit der Sicherheit (1. Kö. 4:20-25). Jedoch selbst unter jener theokratischen Herrschaft gab es noch persönliche Probleme und Schwierigkeiten aufgrund menschlicher Unvollkommenheiten. Es ist verständlich, daß sich die Leute an den weisen König Salomo wandten, damit er ihnen bei der Lösung ihrer Probleme half (1. Kö. 3:16-28). Während er in diesen vielen Fällen Urteile sprach, äußerte er Sprichwörter, die zu den vielen Lebensumständen paßten, die Tag für Tag eintraten. Diese kurzen, aber eindrucksvollen Sprichwörter wurden von denen sehr geschätzt, die in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu leben wünschten.

      3. Wie wurden die Sprüche zusammengestellt?

      3 In dem Bericht wird nicht gesagt, daß Salomo die Sprüche selbst geschrieben habe. Es wird jedoch gesagt, er habe Sprüche ‘geredet’ und „er stellte Erwägungen und gründliche Nachforschungen an, damit er viele Sprüche in gute Form bringe“, wodurch er sein Interesse daran zeigte, die Sprüche für den späteren Gebrauch zu bewahren (1. Kö. 4:32; Pred. 12:9). Zur Zeit Davids und Salomos waren in den Verzeichnissen von Hofbeamten Sekretäre aufgeführt (2. Sam. 20:25; 2. Kö. 12:10). Wir wissen nicht, ob diese Schreiber an Salomos Hof seine Sprüche aufschrieben und sammelten, aber die Äußerungen von Herrschern seines Ansehens wurden immer hochgeachtet und normalerweise aufgezeichnet. Man ist sich allgemein darin einig, daß das Buch eine aus anderen Sammlungen zusammengestellte Sammlung ist.

      4. (a) Wie wird das Buch der Sprüche allgemein eingeteilt? (b) Von wem stammt der größte Teil der Sprüche?

      4 Das Buch der Sprüche kann in folgende fünf Abschnitte eingeteilt werden: 1. die Kapitel 1⁠—⁠9, die mit den Worten beginnen: „Die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids“; 2. die Kapitel 10⁠—⁠24, die als „Sprüche Salomos“ beschrieben sind; 3. die Kapitel 25⁠—⁠29 mit den Anfangsworten: „Auch dies sind die Sprüche Salomos, die die Männer Hiskias, des Königs von Juda, übertragen haben“; 4. das Kapitel 30, eingeführt als „die Worte Agurs, des Sohnes Jakes“, und 5. das Kapitel 31, das „die Worte Lemuels, des Königs, die gewichtige Botschaft, mit der ihn seine Mutter zurechtwies“, enthält. Von Salomo stammt somit der größte Teil der Sprüche. Wer Agur und Lemuel waren, weiß man nicht genau. Einige Kommentatoren vermuten, Lemuel sei ein anderer Name für Salomo gewesen.

      5. Wann wurden die Sprüche geschrieben und zusammengestellt?

      5 Wann wurden die Sprüche geschrieben und zusammengestellt? Der größere Teil wurde zweifellos während der Regierungszeit Salomos (1037—998 v. u. Z.) niedergeschrieben, vor seinem Abweichen. Weil man sich nicht sicher ist, wer Agur und Lemuel waren, ist es nicht möglich, ihr Schriftmaterial zu datieren. Da eine der Sammlungen in der Regierungszeit Hiskias (745—717 v. u. Z.) zusammengestellt wurde, kann die endgültige Sammlung nicht vor seiner Regierung abgeschlossen worden sein. Wurden auch die beiden letzten Teile unter König Hiskias Aufsicht gesammelt? Die Antwort gibt eine erklärende Fußnote zu Sprüche 31:31 in der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen: „Einige Ausgaben des hebr. Textes weisen ein Trigrammaton auf. Es sind die drei Buchstaben Chēth, Sájin, Qōph (חזק), die als König Hiskias Unterschrift unter der Arbeit seiner Abschreiber besagen sollten, daß die Arbeit vollendet worden war.“

      6. Was ist ein Spruch, und wieso ist der hebräische Titel dieses Buches passend?

      6 In hebräischen Bibeln wurde das Buch zuerst nach seinem Anfangswort, mischlḗ, benannt, was „Sprüche“ bedeutet. mischlḗ ist der Plural Status constructus des hebräischen Substantivs maschál, von dem man allgemein annimmt, es stamme von einem Wurzelwort, das „gleich sein“ oder „zu vergleichen“ bedeutet. Diese Ausdrücke beschreiben gut den Inhalt des Buches, denn Sprüche sind kernige Redensarten, in denen oft Bilder oder Vergleiche gebraucht werden, die den Hörer zum Nachdenken anregen sollen. Die Sprüche sind wegen ihrer knappen Form interessant, und man kann ihnen leicht folgen; außerdem kann man sie in dieser Form leicht lehren, lernen und sich merken. Der Gedanke bleibt haften.

      7. Was ist über den Stil der Sprüche zu sagen?

      7 Der Stil in dem Buch ist ebenfalls höchst interessant. Das Buch ist in poetischem Hebräisch geschrieben. Der größte Teil des Buches ist als parallele Dichtung gegliedert. Die Zeilen- oder Versenden müssen sich dabei nicht reimen oder gleich klingen. Die Poesie besteht darin, daß rhythmische Zeilen parallele Gedanken oder Vorstellungen vermitteln. Ihre Schönheit und ihre belehrende Kraft liegen in diesem Gedankenrhythmus. Ob die Gedanken nun sinnverwandt oder gegensätzlich sind, durch die Parallele soll der Gedanke erweitert, die Vorstellung vergrößert und die Bedeutung klargemacht werden. Beispiele für sinnverwandte Parallelismen sind in Sprüche 11:25; 16:18 und 18:15 zu finden, Beispiele für gegensätzliche Parallelismen, von denen es mehr gibt, in Sprüche 10:7, 30; 12:25; 13:25 und 15:8. Das Ende des Buches ist anders aufgebaut (Spr. 31:10-31). Diese 22 Verse sind so angeordnet, daß sie im Hebräischen jeweils mit dem nächsten Buchstaben des Alphabets anfangen. Das ist der akrostichische Stil, der auch in einer Anzahl Psalmen gebraucht wird. An Schönheit ist dieser Stil in alten Schriften ohnegleichen.

      8. Wie bezeugten die ersten Christen die Glaubwürdigkeit des Buches der Sprüche?

      8 Die Glaubwürdigkeit des Buches der Sprüche zeigt sich auch dadurch, daß sich die ersten Christen häufig auf das Buch stützten, wenn sie Verhaltensregeln aufstellten. Jakobus war offensichtlich mit den Sprüchen gut vertraut und verwandte ihre Grundsätze, als er vortrefflichen Rat über den christlichen Lebenswandel gab. (Vergleiche Sprüche 14:29; 17:27 mit Jakobus 1:19, 20; Sprüche 3:34 mit Jakobus 4:6; Sprüche 27:1 mit Jakobus 4:13, 14.) Aus den Sprüchen wird auch an folgenden Stellen direkt zitiert: Römer 12:20 — Sprüche 25:21, 22; Hebräer 12:5, 6 — Sprüche 3:11, 12; 2. Petrus 2:22 — Sprüche 26:11.

      9. Wie stimmen die Sprüche mit der übrigen Bibel überein?

      9 Außerdem sind die Sprüche mit der übrigen Bibel in Übereinstimmung, was beweist, daß sie zur „ganzen Schrift“ gehören. Vergleicht man sie mit dem Gesetz Mose, der Lehre Jesu und den Schriften der Jünger und Apostel Jesu, so fällt die Übereinstimmung der Gedanken auf. (Siehe Sprüche 10:16 — 1. Korinther 15:58 und Galater 6:8, 9; Sprüche 12:25 — Matthäus 6:25; Sprüche 20:20 — 2. Mose 20:12 und Matthäus 15:4.) Selbst wenn Punkte berührt werden wie die Zubereitung der Erde als Wohnstätte für den Menschen, stimmen die Gedanken mit denen anderer Bibelschreiber überein (Spr. 3:19, 20; 1. Mo. 1:6, 7; Hiob 38:4-11; Ps. 104:5-9).

      10, 11. Was zeugt ferner von der göttlichen Inspiration des Buches?

      10 Die göttliche Inspiration des Buches wird auch durch seine wissenschaftliche Genauigkeit bezeugt, sei es, daß der Spruch nun Grundsätze der Chemie, der Medizin oder der Gesundheit enthält. Sprüche 25:20 spricht offenbar von Säure-Alkali-Reaktionen. Sprüche 31:4, 5 stimmt mit modernen wissenschaftlichen Entdeckungen überein, daß Alkohol die Denkvorgänge trübt. Auch sagen viele Ärzte und Ernährungswissenschaftler, daß Honig gesund ist, was an den Spruch erinnert: „Mein Sohn, iß Honig, denn er ist gut“ (Spr. 24:13). Heutige Beobachtungen über psychosomatische Zusammenhänge sind nicht neu, denn schon in den Sprüchen heißt es: „Ein Herz, das freudig ist, tut Gutes als Heiler“ (17:22; 15:17).

      11 Tatsächlich behandeln die Sprüche jedes menschliche Bedürfnis und jede menschliche Situation so eingehend, daß eine Autorität erklärte: „Es gibt keine Beziehung im Leben, zu der die passende Unterweisung fehlt, keine gute oder böse Neigung ohne ihren besonderen Anreiz oder ihre besondere Berichtigung. Das menschliche Bewußtsein wird überall in unmittelbare Beziehung zu Gott gebracht, ... und der Mensch wandelt in der Gegenwart seines Schöpfers und Richters ... In diesem alten Buch finden sich alle Arten der menschlichen Natur, und obgleich sie vor dreitausend Jahren skizziert wurden, sind sie noch immer so naturgetreu, als würden sie jetzt nach ihren lebenden Vertretern gezeichnet“ (Smith’ Dictionary of the Bible, 1890, Band III, Seite 2616).

      INHALT DER SPRÜCHE

      12. (a) Aus welchem zusammenhängenden Gedicht besteht der erste Abschnitt der Sprüche? (b) Was lehrt es im Hinblick auf Weisheit und menschliches Verhalten? (c) Wieso ist Sprüche 1:7 für das gesamte Buch typisch?

      12 Der erste Abschnitt (1:1⁠—⁠9:18). Dieser ist ein zusammenhängendes Gedicht aus kurzen Vorträgen, als spräche ein Vater zu einem Sohn. Es behandelt das Bedürfnis nach Weisheit, die das Herz oder das ganze Innere leiten und das Begehren lenken soll. Es zeigt den Wert der Weisheit und ihre Segnungen, Glück, Lieblichkeit, Frieden und Leben (1:33; 3:13-18; 8:32-35), und es stellt dies dem Mangel an Weisheit und seinen Folgen gegenüber: Leiden und schließlich Tod (1:28-32; 7:24-27; 8:36). Es betrachtet die zahllosen Lebenslagen und Wechselfälle des Lebens und gewährt ein grundlegendes Studium menschlichen Verhaltens sowie der unmittelbaren und späteren Folgen dieses Verhaltens. Die Worte in Sprüche 1:7 sind typisch für das gesamte Buch: „Die Furcht Jehovas ist der Anfang der Erkenntnis.“ Alle Handlungen sollen zeigen, daß Jehova berücksichtigt wird. Ständig wird die Notwendigkeit wiederholt, Gottes Gesetze nicht zu vergessen, sich eng an seine Gebote zu halten und sie nicht zu verlassen.

      13. Nenne die auffallenden Fäden, die diesen Abschnitt der Sprüche durchlaufen.

      13 Die auffallenden Fäden, die den Stoff dieses ersten Abschnitts durchlaufen, sind praktische Weisheit, Erkenntnis, die Furcht Jehovas, Zucht und Unterscheidungsvermögen. Es wird vor schlechtem Umgang gewarnt, davor, die Zucht Jehovas zu verwerfen, und vor unrechten Beziehungen zu fremden Frauen (1:10-19; 3:11, 12; 5:3-14; 7:1-27). Zweimal wird die Weisheit beschrieben, als sei sie auf öffentlichen Plätzen, also erreichbar, verfügbar (1:20, 21; 8:1-11). Sie wird personifiziert und spricht bittend zu den Unerfahrenen; sie wirft sogar etwas Licht auf die Erschaffung der Erde (1:22-33; 8:4-36). Welch ein erstaunliches Buch! Dieser Abschnitt schließt mit seinem Anfangsthema ab, daß „die Furcht Jehovas ... der Weisheit Anfang“ ist (9:10). Durchweg wird darin bewiesen, daß die Anerkennung Jehovas auf allen unseren Wegen und das Festhalten an seiner Gerechtigkeit der Weg des Lebens ist und uns vor so vielem Unerwünschten schützen kann.

      14. Welche gegensätzlichen Parallelismen lassen die nützlichen Lehren der Sprüche hervortreten?

      14 Der zweite Abschnitt (10:1⁠—⁠24:34). Hier finden wir viele vorzügliche, voneinander unabhängige Grundsätze, die uns in verschiedenen Lebenslagen weise handeln lassen. Dieser Abschnitt lehrt uns, die Weisheit richtig anzuwenden, mit dem Ziel, das Glück zu vergrößern und das Leben angenehmer zu machen. Die Gegensätze in den Parallelismen lassen diese Lehren deutlich hervortreten. Hier folgt eine Aufstellung einiger Themen, die allein in den Kapiteln 10, 11 und 12 betrachtet werden:

      Liebe im Gegensatz zu Haß

      Weisheit im Gegensatz zu Torheit

      Ehrlichkeit im Gegensatz zu Betrug

      Treue im Gegensatz zu Verleumdung

      Wahrheit im Gegensatz zu Falschheit

      Freigebigkeit im Gegensatz zum Zurückhalten

      Fleiß im Gegensatz zu Lässigkeit

      Wandeln in unversehrter Lauterkeit im Gegensatz zu verdrehten Wegen

      guter Rat im Gegensatz zu keiner geschickten Lenkung

      tüchtige Ehefrau im Gegensatz zu schändlicher Ehefrau

      Gerechtigkeit im Gegensatz zu Bosheit

      Bescheidenheit im Gegensatz zu Vermessenheit

      Betrachtet man diese Aufstellung in Verbindung mit dem täglichen Leben, so kommt man unweigerlich zu der Überzeugung, daß die Sprüche wirklich ein nützliches Buch sind.

      15. Führe einige Beispiele der Vielfalt menschlicher Situationen an, die in den Sprüchen behandelt werden.

      15 In dem Rest dieses Abschnittes (13:1⁠—⁠24:34) werden wir weiterhin an Jehovas Maßstäbe erinnert, so daß wir Einsicht und Unterscheidungsvermögen haben können. Eine Liste der behandelten großen Vielfalt menschlicher Situationen zeigt, welch erschöpfende Abhandlung in diesem Buch enthalten ist. Der biblische Rat über folgende Dinge ist äußerst nützlich: Verstellung, Vermessenheit, Worthalten, Klugheit, Umgang, Kindererziehung, Ansicht des Menschen über das, was recht ist, Langsamsein zum Zorn, Niedergedrückten Gunst erweisen, Betrug, Gebet, Spott, Zufriedensein mit dem Lebensnotwendigen, Stolz, ungerechter Gewinn, Bestechung, Streit, Selbstbeherrschung, Alleinsein, Schweigen, Parteilichkeit, Gezänk, Demut, Luxus, Sorge für Vater und Mutter, berauschende Getränke, Betrug, Eigenschaften einer Ehefrau, Geschenke, Borgen, Leihen, Freundlichkeit, Vertrauen, Eigentumsgrenzen, Aufbau der Hausgemeinschaft, Neid, Vergeltung, Nichtiges, milde Antwort, Nachsinnen und wahre Gefährten. Wirklich ein Reichtum an Rat, dem man sich zuwenden kann, um Anleitung in bezug auf alltägliche Angelegenheiten zu erhalten. Einige halten eine Anzahl dieser Punkte vielleicht für unwichtig, doch wir können hieran erkennen, daß die Bibel sogar auf scheinbar geringe Bedürfnisse eingeht. Darin sind die Sprüche unermeßlich wertvoll.

      16. Welcher erbauende Rat wird in dem dritten Abschnitt der Sprüche gegeben?

      16 Der dritte Abschnitt (25:1⁠—⁠29:27). Es wird erbauender Rat gegeben in bezug auf Ehre, Geduld, Feinde, den Umgang mit Unvernünftigen, Spaßhaben, Schmeichelei, Eifersucht, von einem Freund verursachte Wunden, Hunger, Verleumdung, das Nachkommen seiner Verantwortung, Zinsen, Bekennen, die Folgen böser Herrschaft, Anmaßung, die Segnungen gerechter Herrschaft, Vergehen von Kindern, Behandlung von Dienern, Einsicht und Vision.

      17. (a) Welche „gewichtige Botschaft“ übermittelt Agur? (b) Welche verschiedenen Gruppen von je vier Dingen beschreibt er?

      17 Der vierte Abschnitt (30:1-33). Dies ist „die gewichtige Botschaft“, die Agur zugesprochen wird. Nachdem der Schreiber demütig zugegeben hat, wie unwichtig er ist, bezieht er sich auf die Unfähigkeit des Menschen, etwas wie die Erde und die Dinge darauf zu erschaffen. Er bezeichnet Gottes Wort als geläutert und als einen Schild. Er bittet darum, daß das lügnerische Wort von ihm entfernt und ihm weder Reichtum noch Armut gegeben werde. Er beschreibt eine unreine, stolze und habgierige Generation, die Übles auf ihre Eltern herabruft. Vier Dinge, die nicht „Genug!“ gesagt haben, werden zusammen mit vier Dingen genannt, die zu schwierig sind, um erkannt zu werden (30:15, 16). Die schamlose Selbstfreisprechung einer Ehebrecherin wird erwähnt. Dann werden vier Dinge beschrieben, unter denen es die Erde nicht aushalten kann, vier kleine, instinktiv weise Dinge und vier Dinge, die sich in ihrer Fortbewegung auszeichnen. Durch passende Vergleiche macht der Schreiber darauf aufmerksam, daß „das Herauspressen von Zorn ... Gezänk hervor[bringt]“ (30:33).

      18. Was hat König Lemuel über (a) eine schlechte Frau und (b) eine tüchtige Ehefrau zu sagen?

      18 Der fünfte Abschnitt (31:1-31). Dies ist eine weitere „gewichtige Botschaft“, und zwar des Königs Lemuel. Sie ist in zwei Stilarten geschrieben. Der erste Teil bespricht, daß eine schlechte Frau Verderben über jemand bringen kann, weist warnend darauf hin, wie berauschendes Getränk das Recht verdrehen kann, und fordert gerechtes Gericht. Das Akrostichon in dem letzteren Teil ist der vollendeten Beschreibung einer tüchtigen Ehefrau gewidmet. Es schildert ihren Wert in einigen Einzelheiten und weist darauf hin, daß man ihr vertraut und daß ihr Besitzer sie als großen Lohn betrachtet. Zu ihren Eigenschaften gehört, daß sie arbeitsam ist, früh aufsteht, überlegt einkauft sowie freundlich zu den Armen ist, Voraussicht übt und mit Weisheit redet. Sie ist auch wachsam, wird von ihren Kindern geachtet und von ihrem Ehemann gepriesen. Vor allem fürchtet sie Jehova.

      WIESO NÜTZLICH

      19. Wie geben die Sprüche selbst ihren nützlichen Zweck bekannt?

      19 Der nützliche Zweck der Sprüche wird in den Anfangsversen erklärt: „Damit man Weisheit und Zucht erkennt, um die Reden des Verstandes zu erfassen, um die Zucht anzunehmen, welche Einsicht verleiht, Gerechtigkeit und Recht und Rechtschaffenheit, um den Unerfahrenen Klugheit zu geben, einem jungen Mann Erkenntnis und Denkvermögen“ (1:2-4). In Übereinstimmung mit diesem erklärten Zweck hebt das Buch Erkenntnis, Weisheit und Verständnis hervor, die alle auf ihre besondere Weise nützlich sind.

      20. Was haben die Sprüche über Erkenntnis zu sagen?

      20 1. Erkenntnis ist das große Bedürfnis des Menschen, denn es ist für den Menschen nicht gut, in Unwissenheit zu geraten. Man kann sich niemals genaue Erkenntnis aneignen, ohne Jehova zu fürchten, denn Erkenntnis beginnt mit dieser Furcht. Erkenntnis ist auserlesenem Gold vorzuziehen. Warum? Durch Erkenntnis werden die Gerechten befreit; sie hält uns davon zurück, aus Übereile zu sündigen. Wie dringend wir doch nach ihr suchen müssen, sie uns aneignen müssen! Sie ist kostbar. Daher „neige dein Ohr, und höre die Worte der Weisen, damit du dein Herz auf meine Erkenntnis richtest“ (22:17; 1:7; 8:10; 11:9; 18:15; 19:2; 20:15).

      21. Welches ist die göttliche Lehre im Hinblick auf Weisheit?

      21 2. Weisheit, die Fähigkeit, Erkenntnis richtig zum Lobpreis Jehovas zu gebrauchen, ist „das Erste“. Erwirb sie. Ihr Quell ist Jehova. Lebengebende Weisheit beginnt damit, Jehova Gott zu erkennen und zu fürchten — das ist das große Geheimnis der Weisheit. Fürchte daher Gott, nicht den Menschen. Die personifizierte Weisheit läßt einen Aufruf ergehen, indem sie alle auffordert, ihre Wege zu berichtigen. Die Weisheit ruft laut mitten auf den Straßen. Jehova fordert alle Unerfahrenen und diejenigen, denen es an Herz mangelt, auf, einen neuen Weg einzuschlagen und sich mit dem Brot der Weisheit zu nähren. Dann werden sie in der Furcht Jehovas glücklich sein, auch wenn sie nur wenig besitzen. Die Segnungen der Weisheit sind zahlreich, sie nützt uns sehr. Weisheit und Erkenntnis — dies sind vorbereitende Grundlagen für die Art Denkvermögen, die uns schützen wird. So nützlich und angenehm, wie Honig ist, ist auch die Weisheit. Sie ist wertvoller als Gold; sie ist ein Baum des Lebens. Ohne Weisheit kommen Menschen ums Leben, denn Weisheit erhält das Leben; sie bedeutet Leben (4:7; 1:7, 20-23; 2:6, 7, 10, 11; 3:13-18, 21-26; 8:1-36; 9:1-6, 10; 10:8; 13:14; 15:16, 24; 16:16, 20-24; 24:13, 14).

      22. Welchen Schutz bietet Verständnis?

      22 3. Neben Erkenntnis und Weisheit ist Verständnis lebensnotwendig; daher gilt: „Mit allem, was du erwirbst, erwirb Verständnis.“ Verständnis ist die Fähigkeit, eine Sache in ihren Zusammenhängen zu sehen; es bedeutet Unterscheidungsvermögen, immer mit Gott im Sinn, denn der Mensch kann sich nicht auf sein eigenes Verständnis stützen. Es ist deshalb völlig unmöglich, Verständnis oder Unterscheidungsvermögen zu haben, wenn man Jehova Widerstand leistet. Um uns Verständnis anzueignen, müssen wir eifrig danach suchen wie nach einem verborgenen Schatz. Wir brauchen Erkenntnis, um etwas zu verstehen. Die Suche nach Erkenntnis, die der Verständige unternimmt, wird belohnt, und Weisheit steht vor seinem Angesicht. Er ist vor den unzähligen Fallgruben dieser Welt geschützt, wie zum Beispiel vor den zahllosen schlechten Menschen, die versuchen könnten, jemanden dazu zu verführen, mit ihnen auf dem Weg der Finsternis zu wandeln. Dank sei Jehova Gott — dem Quell der lebengebenden Erkenntnis, Weisheit und des Verständnisses! (4:7; 2:3, 4; 3:5; 15:14; 17:24; 19:8; 21:30).

      23. Welcher weise Rat wird im folgenden besprochen werden?

      23 Das Buch der Sprüche bietet seinem Zweck entsprechend eine Fülle von nützlichem, weisem, inspiriertem Rat, der uns hilft, Verständnis zu erwerben und das Herz zu behüten, „denn aus ihm sind die Quellen des Lebens“ (4:23). Es folgt eine Auswahl des weisen Rates, auf den im ganzen Buch Nachdruck gelegt wird.

      24. Was wird über den Bösen und den Gerechten gesagt?

      24 Der Böse dem Gerechten gegenübergestellt: Der Böse wird auf seinen gekrümmten Wegen gefangen werden, und seine Schätze werden ihn am Tag des Zornausbruchs nicht retten. Der Gerechte hat Aussicht auf Leben, und er wird von Jehova belohnt werden (2:21, 22; 10:6, 7, 9, 24, 25, 27-32; 11:3-7, 18-21, 23, 30, 31; 12:2, 3, 7, 28; 13:6, 9; 14:2, 11; 15:3, 8, 29; 29:16).

      25. Wie warnen die Sprüche vor Unsittlichkeit?

      25 Sittliche Reinheit ist notwendig: Salomo warnt ständig vor Unsittlichkeit. Ehebrecher werden Plage sowie Unehre empfangen, und ihre Schmach wird nicht ausgelöscht werden. „Gestohlene Wasser“ mögen einem Jugendlichen süß erscheinen, aber die Prostituierte sinkt zum Tod hinab und nimmt ihre unerfahrenen Opfer mit sich. Denen, die in die tiefe Grube der Unsittlichkeit fallen, kündigt Jehova Strafe an (2:16-19; 5:1-23; 6:20-35; 7:4-27; 9:13-18; 22:14; 23:27, 28).

      26. Was wird über Selbstbeherrschung gesagt?

      26 Selbstbeherrschung ist nötig: Trunkenheit und Schlemmerei werden verurteilt. Alle, die Gottes Wohlgefallen haben möchten, müssen beim Essen und Trinken mäßig sein (20:1; 21:17; 23:21, 29-35; 25:16; 31:4, 5). Wer langsam ist zum Zorn, hat Fülle von Unterscheidungsvermögen und ist größer als ein Starker, der eine Stadt einnimmt (14:17, 29; 15:1, 18; 16:32; 19:11; 25:15, 28; 29:11, 22). Selbstbeherrschung wird auch benötigt, um Neid und Eifersucht zu vermeiden, die Fäulnis für das Gebein sind (14:30; 24:1; 27:4; 28:22).

      27. (a) Was ist unweiser Gebrauch der Rede? (b) Warum ist der weise Gebrauch unserer Lippen und unserer Zunge lebenswichtig?

      27 Weiser und unweiser Gebrauch der Rede: Verkehrte Rede, der Verleumder, der falsche Zeuge und der Fälscher werden bloßgestellt werden, denn sie sind für Jehova etwas Abscheuliches (4:24; 6:16-19; 11:13; 12:17, 22; 14:5, 25; 17:4; 19:5, 9; 20:17; 24:28; 25:18). Spricht jemandes Mund Gutes, so ist er ein Quell des Lebens; aber der Mund des Törichten führt dessen plötzliches Verderben herbei. „Tod und Leben sind in der Macht der Zunge, und wer sie liebt, wird ihren Fruchtertrag essen“ (18:21). Verleumdung, trügerische Rede, Schmeichelei und übereilte Worte werden verurteilt. Wahrheit zu reden, um Gott zu ehren, ist der Weg der Weisheit (10:11, 13, 14; 12:13, 14, 18, 19; 13:3; 14:3; 16:27-30; 17:27, 28; 18:6-8, 20; 26:28; 29:20; 31:26).

      28. Welchen Schaden stiftet Stolz, aber welche Wohltaten ergeben sich aus Demut?

      28 Stolz ist töricht und Demut notwendig: Der Stolze erhöht sich auf eine Stufe, auf der er in Wirklichkeit gar nicht steht, so daß er stürzt. Jehova verabscheut die, die stolzen Herzens sind, aber Demütigen gibt er Weisheit, Herrlichkeit, Reichtum und Leben (3:7; 11:2; 12:9; 13:10; 15:33; 16:5, 18, 19; 18:12; 21:4; 22:4; 26:12; 28:25, 26; 29:23).

      29. Wie ist Faulheit anzusehen, und von welchem Wert ist Fleiß?

      29 Fleiß, nicht Faulheit: Der Faule wird auf vielerlei Weise beschrieben. Er sollte zur Ameise gehen, um eine Lehre zu erhalten und weise zu werden. Aber dem Fleißigen wird es gutgehen (1:32; 6:6-11; 10:4, 5, 26; 12:24; 13:4; 15:19; 18:9; 19:15, 24; 20:4, 13; 21:25, 26; 22:13; 24:30-34; 26:13-16; 31:24, 25).

      30. Wie betonen die Sprüche den richtigen Umgang?

      30 Richtiger Umgang: Es ist töricht, mit denen Umgang zu pflegen, die Jehova nicht fürchten, mit Bösen oder Unvernünftigen, mit hitzigen Menschen, Klatschmäulern oder Schlemmern. Besser ist es, sich Weisen anzuschließen, dann wird man noch weiser werden (1:10-19; 4:14-19; 13:20; 14:7; 20:19; 22:24, 25; 28:7).

      31. Was ist der weise Rat im Hinblick auf Zurechtweisung?

      31 Zurechtweisung ist notwendig: „Wen Jehova liebt, den weist er zurecht“, und diejenigen, die diese Zucht beachten, sind auf dem Weg zu Herrlichkeit und Leben. Wer Zurechtweisung haßt, wird zu Unehre gelangen (3:11, 12; 10:17; 12:1; 13:18; 15:5, 31-33; 17:10; 19:25; 29:1).

      32. Wie werden Frauen auf vortreffliche Weise ermahnt, gute Ehefrauen zu sein?

      32 Guter Rat für eine Ehefrau: Wiederholt warnen die Sprüche vor einer streitsüchtigen und schändlich handelnden Ehefrau. Die verständige, tüchtige gottesfürchtige Ehefrau hat das Gesetz liebender Güte auf ihrer Zunge; jeder, der eine solche Ehefrau findet, erlangt Wohlwollen von Jehova (12:4; 18:22; 19:13, 14; 21:9, 19; 27:15, 16; 31:10-31).

      33. Welcher nützliche Rat über Kindererziehung wird gegeben?

      33 Kindererziehung: Lehre die Kinder regelmäßig Gottes Gebote, damit sie ‘nicht vergessen’. Ziehe sie von früher Kindheit an in der Unterweisung Jehovas auf. Spare, wenn nötig, nicht mit der Rute; als ein Ausdruck der Liebe geben die Rute und die Zurechtweisung einem Knaben Weisheit. Väter und Mütter, die ihre Kinder gemäß Gottes Weg großziehen, werden weise Kinder haben, die ihnen Freude und viel Wonne bereiten (4:1-9; 13:24; 17:21; 22:6, 15; 23:13, 14, 22, 24, 25; 29:15, 17).

      34. Welchen Nutzen hat es, die Verantwortung auf sich zu nehmen, anderen zu helfen?

      34 Die Verantwortung, anderen zu helfen: Dies wird in den Sprüchen oft betont. Der Weise muß zum Nutzen anderer Erkenntnis verbreiten. Man muß auch freigebig sein, besonders gegenüber denen, die wenig haben; dadurch leiht man tatsächlich Jehova, der bestimmt dafür erstatten wird (11:24-26; 15:7; 19:17; 24:11, 12; 28:27).

      35. Welchen Rat geben uns die Sprüche, wobei sie direkt zum Kern unserer Probleme kommen?

      35 Auf Jehova vertrauen: Die Sprüche kommen zum Kern unserer Probleme, indem sie uns raten, unser ganzes Vertrauen auf Gott zu setzen. Wir müssen auf all unseren Wegen Jehova beachten. Ein Mensch kann seinen Weg planen, aber Jehova muß seine Schritte lenken. Der Name Jehovas ist ein starker Turm, in den der Gerechte hineinläuft und in dem er Schutz findet. Hoffe auf Jehova, und laß dich von seinem Wort leiten (3:1, 5, 6; 16:1-9; 18:10; 20:22; 28:25, 26; 30:5, 6).

      36. Von welchen Gesichtspunkten aus können die Sprüche als zeitgemäß, anwendbar und nützlich beschrieben werden?

      36 Wie nützlich zum Lehren und zur Erziehung ist doch das Buch der Sprüche, sowohl für uns selbst als auch für andere! Keine Seite menschlicher Beziehungen scheint übersehen worden zu sein. Sondert sich jemand von denen ab, die mit ihm Gott anbeten? (18:1). Kommt jemand in einer hohen Stellung zu Schlußfolgerungen, bevor er beide Seiten einer Angelegenheit angehört hat? (18:17). Spielt jemand gefährliche Streiche? (26:18, 19). Neigt jemand dazu, parteiisch zu sein? (28:21). Der Händler in seinem Laden, der Landwirt auf seinem Feld, Ehemann, Ehefrau und Kind — sie alle empfangen nützliche Unterweisung. Eltern wird geholfen, die vielen versteckten Schlingen für die Jugend aufzudecken. Weise können die Unerfahrenen belehren. Die Sprüche sind praktisch, wo wir auch immer leben; die Unterweisung und der Rat des Buches veralten nie. „Das Buch der Sprüche“, sagte einmal der amerikanische Pädagoge William Lyon Phelps, „ist zeitgemäßer als die Zeitung von heute morgen.“a Das Buch der Sprüche ist zeitgemäß, praktisch und nützlich zum Lehren, weil es von Gott inspiriert ist.

      37. Wieso stimmen die Sprüche mit den Lehren des größeren Salomo überein?

      37 Das Buch der Sprüche, das größtenteils von Salomo stammt, ist nützlich zum Richtigstellen der Dinge und wendet daher Menschen dem allmächtigen Gott zu. Das tat auch Jesus Christus, von dem in Matthäus 12:42 gesagt wird, er sei „mehr als Salomo“.

      38. Auf welche Weise fördern die Sprüche unsere Wertschätzung für Gottes Königreich und dessen gerechte Grundsätze?

      38 Wie dankbar können wir doch sein, daß Jehova diesen überaus Weisen als Königreichssamen ausgewählt hat! Sein Thron wird „durch Gerechtigkeit fest errichtet“, und zwar für eine friedliche Herrschaft, die sogar weit herrlicher sein wird als diejenige König Salomos. Über jene Königreichsherrschaft wird gesagt werden: „Liebende Güte und Wahrhaftigkeit — sie behüten den König; und durch liebende Güte hat er seinen Thron gestützt.“ Dadurch wird eine ewige gerechte Regierung für die Menschheit erschlossen werden, über die die Sprüche auch sagen: „Wo ein König die Geringen in Wahrhaftigkeit richtet, wird sein Thron für alle Zeit fest errichtet sein.“ Somit erkennen wir freudig an, daß die Sprüche nicht nur unseren Pfad zu Erkenntnis, Weisheit und Verständnis sowie zu ewigem Leben beleuchten, sondern, was noch wichtiger ist, Jehova als den Quell wahrer Weisheit rühmen, die er durch Christus Jesus, den Königreichserben, austeilt. Die Sprüche tragen viel zu unserer Wertschätzung für Gottes Königreich und für die gerechten Grundsätze bei, gemäß denen es jetzt herrscht (Spr. 25:5; 16:12; 20:28; 29:14).

      [Fußnote]

      a Treasury of the Christian Faith, 1949, herausgegeben von Stuber und Clark, Seite 48.

  • 21. Bibelbuch — Prediger
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 21. Bibelbuch — Prediger

      Schreiber: Salomo

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: vor 1000 v. u. Z.

      1. Zu welchem erhabenen Zweck wurde das Buch Prediger geschrieben?

      DAS Buch Prediger wurde für einen erhabenen Zweck geschrieben. Als Führer eines Jehova hingegebenen Volkes trug Salomo die Verantwortung, seine Untertanen in der Treue gegenüber ihrer Hingabe zusammenzuhalten. Diese Aufgabe suchte er mit Hilfe des weisen Rates im Buch Prediger zu erfüllen.

      2. Inwiefern kommt dieser Zweck in der hebräischen Bezeichnung des Buches treffender zum Ausdruck als in seiner griechischen Bezeichnung?

      2 In Prediger 1:1 bezeichnet er sich selbst als ‘der Versammler’. Das hebräische Wort dafür ist Qohéleth, und in der hebräischen Bibel trägt das Buch diesen Namen. Die Septuaginta gibt den Titel mit Ekklēsiastḗs wieder, was „Mitglied einer Ekklesia (Versammlung)“ bedeutet und wovon die Bezeichnung „Ecclesiastes“ herkommt. Qohéleth wird jedoch treffender mit „Der Versammler“ übersetzt, und diese Bezeichnung paßt auch besser für Salomo. Sie läßt Salomos Absicht beim Schreiben des Buches erkennen.

      3. In welchem Sinne war Salomo ein Versammler?

      3 In welchem Sinne war König Salomo ein Versammler, und welchem Zweck diente das Versammeln? Er war ein Versammler seines Volkes, der Israeliten, und ihrer Gefährten, der zeitweilig Ansässigen. Sie alle versammelte er zur Anbetung seines Gottes, Jehova. Zuvor hatte er den Tempel Jehovas in Jerusalem gebaut und hatte bei dessen Einweihung alle zur Anbetung Gottes zusammengerufen oder versammelt (1. Kö. 8:1). Nun suchte er mit Hilfe des Buches Prediger sein Volk zu lohnenden Werken zu versammeln, hinweg von den nichtigen, fruchtlosen Werken dieser Welt (Pred. 12:8-10).

      4. Was beweist, daß Salomo der Schreiber war?

      4 Obwohl Salomo nicht namentlich erwähnt wird, weisen verschiedene Stellen überzeugend auf ihn als den Schreiber hin. Der Versammler stellt sich als der „Sohn Davids“ vor und „war König über Israel in Jerusalem“. Das konnte sich nur auf König Salomo beziehen, denn seine Nachfolger in Jerusalem herrschten lediglich über Juda. Der Versammler schreibt ferner: „Ich selbst habe sehr an Weisheit zugenommen, mehr als irgend jemand, der sich vor mir in Jerusalem befand, und mein Herz, es hat sehr viel Weisheit und Erkenntnis gesehen“ (1:1, 12, 16). Das war bei Salomo der Fall. In Prediger 12:9 heißt es: „Er stellte Erwägungen und gründliche Nachforschungen an, damit er viele Sprüche in gute Form bringe.“ König Salomo konnte 3 000 Sprüche reden (1. Kö. 4:32). Prediger 2:4-9 berichtet von dem Bauprogramm des Schreibers, von seinen Weingärten, Gärten und Parkanlagen, dem von ihm angelegten Bewässerungssystem, seinen Knechten und Mägden, dem Silber und dem Gold, das er sich anhäufte, und weiteren Errungenschaften. All das traf auf Salomo zu. Als die Königin von Scheba die Weisheit und den Wohlstand Salomos sah, sagte sie: „Nicht die Hälfte ist mir mitgeteilt worden“ (1. Kö. 10:7).

      5. Wo und wann muß das Buch Prediger geschrieben worden sein?

      5 Das Buch kennzeichnet Jerusalem als den Ort der Niederschrift, wenn es darin heißt, der Versammler sei König „in Jerusalem“ gewesen. Die Niederschrift dürfte in die Zeit vor dem Jahr 1000 v. u. Z. gefallen sein, als bereits ein beträchtlicher Teil der 40jährigen Regierungszeit Salomos abgelaufen war und er sich mit den zahlreichen in dem Buch angeführten Arbeiten befaßt hatte, aber noch bevor er zum Götzendienst abfiel. Bis dahin konnte er sich umfassende Kenntnisse von den Beschäftigungen dieser Welt und deren Streben nach materiellen Vorteilen angeeignet haben. Damals stand er noch in Gottes Gunst und unter seiner Inspiration.

      6. Welche Einwände wurden in bezug auf die Inspiration des Buches erhoben, und wie kann man sie widerlegen?

      6 Wie können wir sicher sein, daß das Buch Prediger „von Gott inspiriert“ ist? Manche mögen seine Inspiration anzweifeln, weil kein einziges Mal der göttliche Name Jehova vorkommt. Aber zweifellos verteidigt es die wahre Anbetung Gottes, und es enthält mehrmals den Ausdruck ha-ʼElohím, „der [wahre] Gott“. Jemand mag auch einwenden, daß in den anderen Bibelbüchern nicht direkt aus dem Buch Prediger zitiert wird. Die in dem Buch dargelegten Lehren und die darin aufgestellten Grundsätze stehen jedoch völlig im Einklang mit dem restlichen Teil der Heiligen Schrift. Clarkes Commentary, Band III, Seite 799 bemerkt: „Sowohl die jüdische als auch die christliche Kirche haben stets anerkannt, daß das mit Koheleth oder Prediger betitelte Buch unter der Inspiration des Allmächtigen geschrieben wurde; es galt als ein rechtmäßiger Teil des heiligen Kanons.“

      7. Aufgrund welcher Lebensumstände eignete sich Salomo ganz besonders dazu, das Buch Prediger zu schreiben?

      7 In der Weisheit der Welt bewanderte Bibelkritiker haben behauptet, das Buch Prediger sei nicht von Salomo geschrieben worden und sei auch kein echter Teil der „ganzen Schrift“. Die Sprache und die Lebensweisheit des Buches, so sagen sie, gehörten einer späteren Zeit an. Sie übersehen, daß Salomo infolge des fortschreitenden Ausbaus des Außenhandels und der Industrie sowie durch reisende Amtspersonen und sonstige Kontakte mit der Außenwelt einen Schatz an Wissen erlangt haben muß (1. Kö. 4:30, 34; 9:26-28; 10:1, 23, 24). F. C. Cook schreibt in seinem Werk Bible Commentary, Band IV, Seite 622: „Die täglichen Beschäftigungen und auserwählten Bestrebungen des großen hebräischen Königs müssen ihn weit aus dem Bereich des gewöhnlichen hebräischen Lebens und Denkens und der hebräischen Alltagssprache hinausgeführt haben.“

      8. Was ist der stärkste Beweis für die Kanonizität des Buches?

      8 Sind aber andere Quellen wirklich erforderlich, um die Kanonizität des Buches Prediger zu beweisen? Eine Untersuchung des Buches selbst offenbart nicht nur seine innere Harmonie, sondern auch seine Übereinstimmung mit den übrigen Schriften der Bibel, von der es tatsächlich ein Teil ist.

      INHALT DES BUCHES PREDIGER

      9. Was stellt der Versammler in bezug auf die Beschäftigungen der Menschensöhne fest?

      9 Die Nichtigkeit der Lebensweise des Menschen (1:1⁠—⁠3:22). Schon in den einleitenden Worten kommt das Thema des Buches zum Ausdruck: „ ,Die größte Nichtigkeit!‘ hat der Versammler gesagt, ‚die größte Nichtigkeit! Alles ist Nichtigkeit!‘ “ Wozu ist die mühevolle Arbeit des Menschen nütze? Generationen kommen und gehen, die Naturkreisläufe auf der Erde wiederholen sich, und es gibt „nichts Neues unter der Sonne“ (1:2, 3, 9). Der Versammler hat sein Herz darauf gerichtet, Weisheit hinsichtlich der unglückbringenden Beschäftigungen der Menschensöhne zu suchen und zu erforschen; aber er stellt fest, daß alles, was Weisheit und Narrheit, besondere Leistungen und harte Arbeit, Essen und Trinken betrifft, „Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind“ ist. Zuletzt ‘haßt er das Leben’ — ein Leben voller Unglück und materialistischer Bestrebungen (1:14; 2:11, 17).

      10. Was ist Gottes Gabe, doch welche Zufälligkeit widerfährt dem sündigen Menschen?

      10 Für alles gibt es eine bestimmte Zeit — ja, Gott hat ‘alles schön gemacht zu seiner Zeit’. Er wünscht, daß sich seine Geschöpfe des Lebens auf der Erde erfreuen. „Ich habe erkannt, daß es nichts Besseres für sie gibt, als sich zu freuen und zeitlebens Gutes zu tun, und auch, daß jeder Mensch essen und trinken und Gutes sehen sollte für all seine harte Arbeit. Es ist die Gabe Gottes.“ Aber leider widerfährt der sündigen Menschheit dieselbe Zufälligkeit wie den Tieren: „Wie der eine stirbt, so stirbt der andere; und sie alle haben nur e i n e n Geist, so daß es keine Überlegenheit des Menschen gegenüber dem Tier gibt, denn alles ist Nichtigkeit“ (3:1, 11-13, 19).

      11. Welche weisen Ratschläge gibt der Versammler dem gottesfürchtigen Menschen?

      11 Weiser Rat für die, die Gott fürchten (4:1 bis 7:29). Salomo preist die Toten glücklich, weil sie frei sind von ‘all den Taten der Bedrückung, die unter der Sonne begangen werden’. Dann beschreibt er weitere nichtige und unglückbringende Tätigkeiten. Auch gibt er den weisen Rat: „Zwei sind besser als einer ... Und eine dreifache Schnur kann nicht so schnell entzweigerissen werden“ (4:1, 2, 9, 12). Er erteilt vortrefflichen Rat darüber, wie Gottes Volk sich versammeln sollte: „Behüte deine Füße, wann immer du zum Haus des wahren Gottes gehst; und möge es eher ein Herzunahen zum Hören sein.“ Sei nicht hastig, wenn du vor Gott redest; laß ‘deine Worte sich als wenige erweisen’, und bezahle, was du Gott gelobst. „Den wahren Gott fürchte.“ Wenn die Armen bedrückt werden, denk daran: „Jemand, der höher ist als der Hohe, wacht, und da sind die, die hoch über ihnen sind.“ Der Schlaf des einfachen Dieners ist süß, bemerkt Salomo, aber der Reiche hat zu viele Sorgen, als daß er schlafen könnte. Dessenungeachtet ist er nackt zur Welt gekommen und kann für all seine harte Arbeit nichts aus der Welt hinaustragen (5:1, 2, 4, 7, 8, 12, 15).

      12. Welcher Rat wird erteilt, was die ernsten Fragen des Lebens und den Vorteil der Weisheit gegenüber dem Geld anbelangt?

      12 Einem Mann mag Reichtum und Herrlichkeit zuteil werden, aber von welchem Nutzen wäre es für ihn, „tausend Jahre zweimal durchlebt“ zu haben, wenn er nicht gesehen hätte, was gut ist? Es ist besser, sich die ernsten Fragen über Leben und Tod zu Herzen zu nehmen, als sich unter die Unvernünftigen „im Haus der Freude“ zu begeben; ja, es ist besser, von einem Weisen gescholten zu werden. Denn wie das knisternde „Geräusch von Dornen unter dem Topf, so ist das Lachen des Unvernünftigen“. Weisheit ist von Vorteil. „Denn Weisheit dient zum Schutz, ebenso wie Geld zum Schutz dient; aber der Vorteil der Erkenntnis ist, daß die Weisheit ihre Besitzer am Leben erhält.“ Warum hat dann der Weg der Menschheit Unglück gezeitigt? „Der wahre Gott [hat] den Menschen rechtschaffen gemacht ..., sie aber haben viele Pläne ausgesucht“ (6:6; 7:4, 6, 12, 29).

      13. Was rät der Versammler, was lobt er, und was sagt er über den Ort, wohin der Mensch geht?

      13 Die e i n e Zufälligkeit für alle (8:1⁠—⁠9:12). „Halte dich an den Befehl des Königs“, rät der Versammler, aber er stellt fest, daß „sich das Herz der Menschensöhne in ihnen völlig darauf gerichtet [hat], Schlechtes zu tun“, weil das Urteil über ein schlechtes Werk nicht eilends vollzogen wurde (8:2, 11). Er selbst lobt die Freude, aber da ist noch ein anderes Unglück. Alle Arten von Menschen gehen denselben Weg — zu den Toten. Die Lebenden wissen, daß sie sterben werden, „was aber die Toten betrifft, sie sind sich nicht des geringsten bewußt ... Alles, was deine Hand zu tun findet, das tu mit all deiner Kraft, denn es gibt weder Wirken noch Planen, noch Erkenntnis, noch Weisheit in dem Scheol, dem Ort, wohin du gehst“ (9:5, 10).

      14. (a) Welche praktischen Weisheiten hebt der Versammler hervor? (b) Was ist der Abschluß der Sache?

      14 Praktische Weisheit und des Menschen Pflicht (9:13⁠—⁠12:14). Der Versammler spricht von weiteren unglücklichen Dingen, wie zum Beispiel ‘Torheit in vielen hohen Stellungen’. Überdies äußert er viele Sprüche von praktischer Weisheit, und er erklärt, daß sogar „Jugend und die Blüte des Lebens ... Nichtigkeit [sind]“ — es sei denn, man achtet auf wahre Weisheit. Er sagt: „Gedenke nun deines großen Schöpfers in den Tagen deines Jünglingsalters.“ Andernfalls bringt einen das Greisenalter lediglich zum Staub der Erde zurück, begleitet von den Worten des Versammlers: „Die größte Nichtigkeit! ... alles ist Nichtigkeit.“ Er selbst hat das Volk ständig Erkenntnis gelehrt, denn „die Worte der Weisen sind wie Ochsenstacheln“, die zu rechten Werken anspornen. Aber von weltlicher Weisheit sagt er warnend: „Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und sich ihnen viel zu widmen ist ermüdend für das Fleisch.“ Dann bringt der Versammler das Buch zu seinem großartigen Höhepunkt, indem er alles, was er über Nichtigkeit und Weisheit besprochen hat, zusammenfaßt: „Der Abschluß der Sache, nachdem man alles gehört hat, ist: Fürchte den wahren Gott, und halte seine Gebote. Denn das ist des Menschen ganze Pflicht. Denn der wahre Gott selbst wird jederlei Werk ins Gericht über alles Verborgene bringen im Hinblick darauf, ob es gut ist oder böse“ (10:6; 11:1, 10; 12:1, 8-14).

      WIESO NÜTZLICH

      15. Wie unterscheidet Salomo zwischen unglücklichen Beschäftigungen und lohnenden Werken?

      15 Weit davon entfernt, pessimistisch zu sein, enthält das Buch Prediger eine Fülle von leuchtenden Kleinoden göttlicher Weisheit. Unter den vielen Werken, die Salomo als Nichtigkeit bezeichnet, führt er weder den Bau des Tempels Jehovas auf dem Berg Moria in Jerusalem an noch die reine Anbetung Jehovas. Gottes Gabe des Lebens bezeichnet er nicht als Nichtigkeit, sondern zeigt, daß sie zur Freude des Menschen und dazu dienen sollte, Gutes zu tun (3:12, 13; 5:18-20; 8:15). Unglückbringend sind die Beschäftigungen, bei denen Gott außer acht gelassen wird. Ein Vater mag Reichtum für seinen Sohn aufhäufen, aber ein Unheil zerstört alles, und nichts bleibt für ihn übrig. Weit besser wäre es, für ein bleibendes Erbe geistigen Reichtums zu sorgen. Es ist schlimm, wenn jemand Überfluß hat, aber außerstande ist, sich dessen zu erfreuen. Alle, die im weltlichen Sinne reich sind, werden vom Unglück eingeholt, wenn sie bei ihrem Tod mit leeren Händen „dahingehen“ (5:13-15; 6:1, 2).

      16. Inwiefern stimmt das Buch Qohéleth oder Prediger mit den Lehren Jesu überein?

      16 In Matthäus 12:42 gebrauchte Christus Jesus für sich selbst den Ausdruck „mehr als Salomo“. Stimmen denn die Worte Salomos in seinem Buch Qohéleth — da Salomo Jesus darstellte — mit den Lehren Jesu überein? Es gibt zahlreiche Parallelen. Zum Beispiel unterstrich Jesus das gewaltige Ausmaß des Wirkens Gottes, als er sagte: „Mein Vater hat bis jetzt fortwährend gewirkt, und ich wirke fortwährend“ (Joh. 5:17). Auch Salomo erwähnt Gottes Werke: „Und ich sah das ganze Werk des wahren Gottes, wie die Menschen das Werk, das unter der Sonne getan worden ist, nicht herausfinden können; wie sehr die Menschen auch ständig hart arbeiten, um es zu suchen, finden sie es doch nicht heraus. Und selbst wenn sie sagen sollten, sie seien weise genug, es zu erkennen, würden sie es nicht herausfinden können“ (Pred. 8:17).

      17. Welche weiteren Parallelen finden sich in den Worten Jesu und Salomos?

      17 Sowohl Jesus als auch Salomo ermunterten treue Anbeter, sich zu versammeln (Mat. 18:20; Pred. 4:9-12; 5:1). Was Jesus über den „Abschluß des Systems der Dinge“ und die „bestimmten Zeiten der Nationen“ sagte, steht im Einklang mit Salomos Feststellung: „Für alles gibt es eine bestimmte Zeit, ja eine Zeit für jede Angelegenheit unter den Himmeln“ (Mat. 24:3; Luk. 21:24; Pred. 3:1).

      18. Welche mit Salomos Worten übereinstimmenden Warnungen erteilen Jesus und seine Jünger?

      18 Vor allem stimmen Jesus und seine Jünger insofern mit Salomo überein, als sie vor den Fallgruben des Materialismus warnen. Weisheit ist der wahre Schutz, weil sie „ihre Besitzer am Leben erhält“, erklärt Salomo. „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden“, erklärt Jesus (Pred. 7:12; Mat. 6:33). In Prediger 5:10 heißt es: „Wer nur Silber liebt, wird mit Silber nicht gesättigt werden, noch jemand, der Reichtum liebt, mit Einkünften. Auch das ist Nichtigkeit.“ Ganz ähnlichen Rat gibt Paulus in 1. Timotheus 6:6-19: „Die Geldliebe ist eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten.“ Solche Parallelstellen finden sich auch noch zu anderen biblischen Lehrpunkten (Pred. 3:17 — Apg. 17:31; Pred. 4:1 — Jak. 5:4; Pred. 5:1, 2 — Jak. 1:19; Pred. 6:12 — Jak. 4:14; Pred. 7:20 — Röm. 3:23; Pred. 8:17 — Röm. 11:33).

      19. Mit welcher beglückenden Aussicht können wir uns heute zur Anbetung Jehovas versammeln?

      19 Die Königreichsherrschaft von Gottes geliebtem Sohn Jesus Christus, der dem Fleische nach ein Nachkomme des weisen Königs Salomo war, wird eine neue irdische Gesellschaft hervorbringen (Offb. 21:1-5). Was Salomo als Anleitung für diejenigen schrieb, die in seinem Vorbildkönigreich seine Untertanen waren, ist für alle, die jetzt ihre Hoffnung auf Gottes Königreich unter Christus Jesus setzen, von grundlegender Bedeutung. Unter der Herrschaft des Königreiches werden die Menschen nach denselben weisen, vom Versammler dargelegten Grundsätzen leben und sich für immer eines glücklichen Lebens, der Gabe Gottes, erfreuen. Jetzt ist die Zeit, sich zur Anbetung Jehovas zu versammeln, um unter seinem Königreich die Freuden des Lebens in vollem Maße genießen zu können (Pred. 3:12, 13; 12:13, 14).

  • 22. Bibelbuch — Das Hohelied
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 22. Bibelbuch — Das Hohelied

      Schreiber: Salomo

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: um 1020 v. u. Z.

      1. Inwiefern ist das Hohelied das „Lied der Lieder“?

      „DIE Welt war des Tages nicht würdig, an dem Israel dieses erhabene Lied gegeben wurde.“ So drückte der jüdische „Rabbi“ Akiba, der im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte, seine Wertschätzung für das Hohelied Salomos aus.a Der Titel des Buches ist eine Zusammenziehung der Anfangsworte: „Das erhabenste Lied [Hohelied, Lu], das Salomos ist“. Gemäß dem hebräischen Wort-für-Wort-Text ist es das „Lied der Lieder“, was höchste Vorzüglichkeit andeutet, ähnlich wie der Ausdruck „Himmel der Himmel“ die höchsten Himmel bezeichnet (5. Mo. 10:14). Es ist keine Sammlung von Liedern, sondern ein einziges Lied, „ein Lied von äußerster Vollkommenheit, eines der besten, die es gab oder die je verfaßt wurden“b.

      2. (a) Wer war der Schreiber des Hohenliedes, welche Fähigkeiten hatte er, und warum könnte man das Buch als das Lied von einer unglücklichen Liebe bezeichnen? (b) Wo und wann wurde das Buch geschrieben?

      2 König Salomo von Jerusalem war der Schreiber des Liedes, wie dessen Einleitung bestätigt. Er war überaus befähigt, dieses prächtige Muster hebräischer Dichtkunst zu schreiben (1. Kö. 4:32). Es handelt sich um ein idyllisches Gedicht voller Bedeutung, eine Schilderung von Schönheit in leuchtenden Farben. Das fällt besonders dem Leser auf, der sich den orientalischen Rahmen vergegenwärtigen kann (Hoh. 4:11, 13; 5:11; 7:4). Der Anlaß für die Niederschrift war einzigartig: Mit all seiner Weisheit, seiner gewaltigen Macht und seinem glanzvollen materiellen Reichtum, den sogar die Königin von Scheba bewunderte, konnte der große König Salomo ein einfaches Mädchen vom Land, in das er sich verliebte, nicht beeindrucken. Wegen ihrer beharrlichen Liebe zu einem Hirtenjungen zog der König den kürzeren. Das Buch könnte deshalb auch mit Recht „Das Lied von der unglücklichen Liebe Salomos“ genannt werden. Jehova Gott inspirierte ihn, dieses Lied zum Nutzen künftiger Bibelleser zu verfassen. Salomo schrieb es in Jerusalem, vielleicht um 1020 v. u. Z., einige Jahre nach der Vollendung des Tempels. Zur Zeit der Niederschrift hatte er bereits „sechzig Königinnen und achtzig Nebenfrauen“. Im Vergleich dazu waren es am Ende seiner Regierungszeit „siebenhundert Frauen, Fürstinnen, und dreihundert Nebenfrauen“ (Hoh. 6:8; 1. Kö. 11:3).

      3. Welche Beweise gibt es für die Kanonizität des Hohenliedes?

      3 Die Kanonizität des Hohenliedes war in der alten Zeit völlig unbestritten. Schon lange vor unserer Zeitrechnung galt es als wesentlicher, inspirierter Teil des hebräischen Kanons. Es wurde in die Septuaginta aufgenommen, und Josephus bezog es in seinen Katalog der heiligen Bücher mit ein. Für seine Kanonizität existieren daher dieselben Beweise, wie sie gewöhnlich auch für jedes andere Buch der Hebräischen Schriften angeführt werden.

      4. (a) Spricht das Fehlen des Wortes „Gott“ im Hohenlied gegen seine Kanonizität? (b) Warum nimmt es zu Recht einen einzigartigen Platz im Bibelkanon ein?

      4 Einige haben jedoch die Kanonizität des Buches angezweifelt, weil Gott darin nicht erwähnt wird. Daß nichts über Gott gesagt wird, spricht aber ebensowenig gegen die Echtheit des Buches, wie das Vorhandensein des Wortes „Gott“ an sich schon seine Echtheit beweisen würde. Der göttliche Name kommt vor, und zwar in seiner abgekürzten Form in Kapitel 8, Vers 6, wo die Liebe als „die Flamme Jahs“ bezeichnet wird. Das Buch bildet ohne Zweifel einen Teil der Schriften, die Jesus Christus anerkannte, als er sagte: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr denkt, daß ihr durch sie ewiges Leben haben werdet“ (Joh. 5:39). Auch die eindrucksvolle Schilderung der vorzüglichen Eigenschaft gegenseitiger Liebe, wie sie im geistigen Sinne zwischen Christus und seiner „Braut“ besteht, entspricht dem einzigartigen Platz des Hohenliedes im Bibelkanon (Offb. 19:7, 8; 21:9).

      INHALT DES HOHENLIEDES

      5. (a) Wie kann man feststellen, welche Personen auftreten? (b) Welches ergreifende Thema hat das Drama?

      5 Der Stoff des Buches wird in Form mehrerer Gespräche dargeboten. Die Sprecher wechseln ständig: König Salomo von Jerusalem, ein Hirte, seine geliebte Sulamith, ihre Brüder, Hofdamen („Töchter Jerusalems“) und Frauen von Jerusalem („Töchter Zions“) (Hoh. 1:5-7; 3:5, 11). Die Sprechenden sind an dem zu erkennen, was sie von sich selbst sagen oder was zu ihnen gesagt wird. Das Drama spielt in der Nähe von Sunem oder Sulem, wo Salomo mit seiner Hofgesellschaft lagert. Es hat ein ergreifendes Thema — die Liebe eines Mädchens vom Land, aus dem Dorf Sunem, zu seinem Gefährten, einem Hirten.

      6. Welches Gespräch findet zwischen dem Mädchen und den Hofdamen des Lagers Salomos statt?

      6 Die Sulamith in Salomos Lager (1:1-14). Das Mädchen erscheint in den königlichen Zelten, wohin Salomo es gebracht hat, aber ihr liegt nur daran, ihren geliebten Hirten zu sehen. Voller Sehnsucht nach dem Geliebten spricht sie laut, als wäre er anwesend. Die Hofdamen, die dem König aufwarten, die „Töchter Jerusalems“, schauen die Sulamith wegen ihrer schwärzlichen Hautfarbe neugierig an. Sie erklärt, daß die Sonne auf sie niederbrannte, während sie sich um die Weingärten ihrer Brüder kümmerte. Dann redet sie zu ihrem Geliebten, als wäre sie frei, und fragt, wo sie ihn finden kann. Die Hofdamen fordern sie auf, hinauszugehen und ihre Kleinviehherde bei den Zelten der Hirten zu weiden.

      7. Was für ein Angebot macht Salomo, doch mit welchem Erfolg?

      7 Salomo tritt auf. Er möchte sie nicht gehen lassen. Er preist ihre Schönheit und verspricht, sie mit „Ringen aus Gold“ und mit „silbernen Kügelchen“ zu schmücken. Aber die Sulamith lehnt sein Angebot ab und läßt ihn wissen, daß die einzige Liebe, die sie empfinden kann, ihrem Geliebten gilt (1:11).

      8. Wie wird das Mädchen von seinem Geliebten ermuntert? Wonach sehnt es sich?

      8 Der geliebte Hirte erscheint (1:15⁠—⁠2:2). Der Geliebte der Sulamith verschafft sich Eingang in Salomos Lager und ermuntert sie. Er versichert ihr, daß er sie liebt. Die Sulamith sehnt sich nach der Nähe ihres Liebsten und nach dem anspruchslosen Vergnügen, mit ihm vereint draußen auf den Feldern und in den Wäldern zu leben.

      9. Wie wird die Schönheit der Sulamith von ihr selbst und von ihrem Geliebten beurteilt?

      9 Die Sulamith ist ein bescheidenes Mädchen. „Nur ein Safran der Küstenebene bin ich“, sagt sie. Doch für ihren geliebten Hirten ist sie unvergleichlich: „Wie eine Lilie unter dornigem Unkraut, so ist meine Gefährtin unter den Töchtern“ (2:1, 2).

      10. Woran erinnert sich die Sulamith bezüglich ihrer Liebe?

      10 Das Mädchen sehnt sich nach seinem Hirten (2:3⁠—⁠3:5). Wieder von ihrem Geliebten getrennt, zeigt die Sulamith, daß sie ihn mehr schätzt als irgendeinen anderen. Zu den Töchtern Jerusalems sagt sie, sie stünden unter Eid, nicht zu versuchen, in ihr eine unerwünschte Liebe zu einem anderen zu wecken. Die Sulamith erinnert sich an die Zeit, als ihr Hirte auf ihren Ruf antwortete und sie im Frühling zu den Hügeln einlud. Sie sieht ihn auf die Berge steigen und vor Freude springen. Sie hört, wie er ihr zuruft: „Steh auf, komm, o meine Gefährtin, meine Schöne, und komm mit.“ Ihre Brüder indes, die sich ihrer Besonnenheit nicht sicher waren, wurden zornig und hielten sie mit der Bewachung der Weingärten beschäftigt. „Mein Liebster ist mein, und ich bin sein“, erklärt sie und bittet inständig, er möge an ihre Seite eilen (2:13, 16).

      11. An welchen Eid erinnert die Sulamith die Töchter Jerusalems erneut?

      11 Die Sulamith beschreibt ihren unfreiwilligen Aufenthalt in Salomos Lager. Nachts im Bett sehnt sie sich nach ihrem Hirten. Wieder erinnert sie die Töchter Jerusalems daran, daß sie unter Eid stehen, keine unerwünschte Liebe in ihr zu wecken.

      12. Wie ermuntert ihr Geliebter sie weiterhin, als Salomo sie nach Jerusalem mitnimmt?

      12 Die Sulamith in Jerusalem (3:6⁠—⁠5:1). Salomo kehrt in königlichem Glanz nach Jerusalem zurück, und das Volk bewundert sein Gefolge. In dieser entscheidenden Stunde verläßt der geliebte Hirte die Sulamith nicht. Er folgt seiner Gefährtin, die verschleiert ist, und nimmt Verbindung mit ihr auf. Er stärkt seine Geliebte mit innigen Liebkosungen. Sie teilt ihm mit, daß sie frei werden und die Stadt verlassen möchte, und da gerät er außer sich vor Liebe: „Du bist ganz und gar schön, o meine Gefährtin“ (4:7). Schon ein flüchtiger Anblick von ihr läßt sein Herz schneller schlagen. Ihre Liebkosungen sind besser als Wein, ihr Duft ist wie der des Libanon, und ihre Haut ist wie ein Paradies von Granatäpfeln. Sie lädt ihren Liebsten ein, in „seinen Garten“ zu kommen, und er nimmt die Einladung an. Freundliche Frauen Jerusalems ermuntern sie: „Eßt, o Gefährten! Trinkt, und werdet trunken von Liebkosungen!“ (4:16; 5:1).

      13. Welchen Traum hat das Mädchen, und wie beschreibt sie den Hofdamen ihren Geliebten?

      13 Der Traum des Mädchens (5:2⁠—⁠6:3). Die Sulamith erzählt den Hofdamen von einem Traum, in dem sie es klopfen hört. Ihr Liebster ist draußen und bittet sie um Einlaß. Aber sie ist im Bett. Als sie schließlich aufsteht, um die Tür zu öffnen, ist er in der Nacht verschwunden. Sie geht hinaus, ihm nach, aber er ist nicht zu finden. Die Wächter mißhandeln sie. Sie sagt den Hofdamen, wenn sie ihren Geliebten sähen, seien sie verpflichtet, ihm mitzuteilen, daß sie krank vor Liebe sei. Die Hofdamen fragen, was an ihm denn so Besonderes sei. Da gibt sie eine ausgezeichnete Beschreibung ihres Liebsten; er ist „blendend und rötlich, der Hervorragendste aus zehntausend“ (5:10). Als die Hofdamen sich nach seinem Aufenthaltsort erkundigen, sagt sie, er sei inmitten der Gärten hüten gegangen.

      14. Warum scheitert das Bemühen Salomos trotz all seiner Künste?

      14 Salomos letzte Annäherungsversuche (6:4 bis 8:4). König Salomo nähert sich der Sulamith. Wieder sagt er ihr, wie schön sie sei, anmutiger als „sechzig Königinnen und achtzig Nebenfrauen“, aber sie weist ihn ab (6:8). Sie ist nur hier, weil ein Dienstauftrag sie in die Nähe seines Lagers geführt hat. ‘Was seht ihr an mir?’ fragt sie. Salomo nimmt ihre harmlose Frage als Anlaß, von Fuß bis Kopf ihre Schönheit zu preisen, aber das Mädchen widersteht all seinen Künsten. Mutig erklärt sie ihre Ergebenheit gegenüber ihrem Hirten und ruft sehnsüchtig nach ihm. Zum dritten Mal erinnert sie die Töchter Jerusalems daran, daß sie unter einem Eid stehen, nicht gegen ihren Willen Liebe in ihr zu wecken. Salomo läßt sie nach Hause gehen. Sein Bemühen, die Liebe der Sulamith zu gewinnen, ist gescheitert.

      15. (a) Mit welcher Bitte kehrt das Mädchen zu seinen Brüdern zurück? (b) Inwiefern hat ausschließliche Ergebenheit den Sieg errungen?

      15 Die Sulamith kehrt zurück (8:5-14). Ihre Brüder sehen sie kommen, doch ist sie nicht allein. Sie ‘lehnt sich an ihren Liebsten’. Sie erinnert sich, wie sie ihren Geliebten unter einem Apfelbaum traf, und bringt die Unerschütterlichkeit ihrer Liebe zu ihm zum Ausdruck. Es wird erwähnt, wie sich ihre Brüder um sie sorgten, als sie noch „eine kleine Schwester“ war, aber nun erklärt sie, daß sie sich als eine reife und standhafte Frau erwiesen hat (8:8). Mögen ihre Brüder jetzt ihrer Heirat zustimmen. König Salomo soll ruhig seinen Reichtum haben! Sie ist mit ihrem einen Weingarten zufrieden, denn sie ist jemandem in ausschließlicher Liebe zugetan. In ihrem Fall ist die Liebe so stark wie der Tod, und deren Gluten sind wie die „Flamme Jahs“. Das Beharren auf ausschließlicher Ergebenheit — „so unnachgiebig wie der Scheol“ — hat den Sieg errungen und hat zu dem herrlichen Höhepunkt der Vereinigung mit ihrem geliebten Hirten geführt (8:5, 6).

      WIESO NÜTZLICH

      16. Welche wertvollen Lehren kann man aus dem Lied ziehen?

      16 Welche Lehren enthält dieses Lied der Liebe, aus denen der Mensch Gottes heute Nutzen ziehen kann? Treue, Loyalität und Lauterkeit hinsichtlich göttlicher Grundsätze werden hervorgehoben. Das Lied zeigt die Schönheit der Tugend und der Unschuld einer Person, die wahre Liebe bekundet. Es lehrt, daß echte Liebe unüberwindlich, unauslöschlich ist und nicht erkauft werden kann. Christlichen jungen Männern und Frauen sowie Ehemännern und Ehefrauen ist dieses vorzügliche Beispiel der Lauterkeit von Nutzen, wenn Versuchungen und Verlockungen an sie herantreten.

      17. (a) Wie zeigt Paulus, daß das Hohelied zur Unterweisung der Christenversammlung geschrieben wurde? (b) Wieso dachte er vermutlich an dieses Lied, als er an die Korinther und an die Epheser schrieb? (c) Welche interessanten Vergleiche ergeben sich aus inspirierten Schriften des Johannes?

      17 Aber auch für die Christenversammlung als Ganzes ist dieses inspirierte Lied sehr nützlich. Die Christen des ersten Jahrhunderts erkannten es als Teil der inspirierten Schriften an, und einer von ihnen schrieb: „Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Röm. 15:4). Es ist gut möglich, daß derselbe inspirierte Schreiber, Paulus, an die ausschließliche Liebe der Sulamith zu ihrem Hirten dachte, als er an die Christenversammlung schrieb: „Denn mit gottgemäßem Eifer bin ich euretwegen eifersüchtig; denn ich persönlich habe euch e i n e m Mann zur Ehe versprochen, um euch als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen.“ Paulus verglich auch Christi Liebe zur Versammlung mit der Liebe eines Mannes zu seiner Frau (2. Kor. 11:2; Eph. 5:23-27). Jesus Christus ist nicht nur der vortreffliche Hirte der Versammlung, er ist auch ihr König, der seinen gesalbten Nachfolgern die unbeschreibliche Freude der „Hochzeit“ mit ihm in den Himmeln in Aussicht stellt (Offb. 19:9; Joh. 10:11).

      18. Wie können gesalbte Nachfolger Christi Jesu aus dem Beispiel der Sulamith einen Nutzen ziehen?

      18 Bestimmt können die gesalbten Nachfolger Christi Jesu aus dem Beispiel der Sulamith einen großen Nutzen ziehen. Auch sie müssen in ihrer Liebe loyal sein und dürfen sich vom Materialismus und vom Prunk der Welt nicht verführen lassen. Sie müssen ihre Lauterkeit unerschütterlich bewahren, bis sie die Belohnung empfangen. Sie richten den Sinn willig auf die Dinge droben und ‘suchen zuerst das Königreich’. Gern nehmen sie die Liebkosungen Jesu Christi, ihres Hirten, entgegen. Es macht sie überglücklich, zu wissen, daß dieser Liebste, wenn auch unsichtbar, an ihrer Seite ist und sie bittet, Mut zu fassen und die Welt zu besiegen. In ihrer unauslöschlichen Liebe zu ihrem Hirten und König — einer Liebe, so stark wie „die Flamme Jahs“ — werden sie siegen und in dem herrlichen Königreich der Himmel als Miterben mit ihm vereint werden. Dadurch wird der Name Jahs geheiligt werden (Mat. 6:33; Joh. 16:33).

      [Fußnoten]

      a Die Mischna (Jadajim 3:5).

      b Clarkes Commentary, Band III, Seite 841.

  • 23. Bibelbuch — Jesaja
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 23. Bibelbuch — Jesaja

      Schreiber: Jesaja

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: nach 732 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: um 778 bis nach 732 v. u. Z.

      1. Wie war die Lage im Nahen Osten und insbesondere in Israel und Juda im achten Jahrhundert v. u. Z.?

      DER drohende Schatten des grausamen assyrischen Herrschers hing schwer über den größeren und kleineren Reichen des Nahen Ostens. Überall in dem Gebiet redete man darüber, sich zu verschwören und zu verbünden (Jes. 8:9-13). Das abgefallene Israel im Norden sollte dieser internationalen Intrige bald zum Opfer fallen, während Judas Könige im Süden unsicher regierten (2. Kö., Kap. 15 bis 21). Neue Kriegswaffen wurden entwickelt und eingesetzt, was zu dem Schrecken der Epoche beitrug (2. Chr. 26:14, 15). Wo konnte man Schutz und Rettung finden? Das Volk und die Priester in dem kleinen Königreich Juda hatten zwar den Namen Jehovas auf den Lippen, aber ihr Herz wandte sich weit ab in andere Richtungen, zuerst nach Assyrien und dann hinab nach Ägypten (2. Kö. 16:7; 18:21). Der Glaube an Jehovas Macht schwand. Wo nicht offen Götzendienst getrieben wurde, herrschte eine heuchlerische Anbetung vor, die auf Förmlichkeit beruhte und nicht auf wahrer Gottesfurcht.

      2. (a) Wer beantwortete den Aufruf, für Jehova zu sprechen, und wann? (b) Was ist am Namen dieses Propheten bedeutsam?

      2 Wer würde denn für Jehova sprechen? Wer würde seine rettende Macht verkündigen? „Hier bin ich! Sende mich“, antwortete Jesaja bereitwillig, der schon vorher prophezeit hatte. Es war um das Jahr 778 v. u. Z., das Jahr, in dem der aussätzige König Usija starb (Jes. 6:1, 8). Der Name Jesaja bedeutet „Rettung von Jehova“, also dasselbe wie der Name Jesus („Jehova ist Rettung“), nur in umgekehrter Reihenfolge geschrieben. Von Anfang bis Ende wird in der Prophezeiung Jesajas hervorgehoben, daß Jehova Rettung ist.

      3. (a) Was ist über Jesaja bekannt? (b) In welcher Zeitspanne prophezeite er, und welche weiteren Propheten lebten zu seiner Zeit?

      3 Jesaja war der Sohn des Amoz — nicht zu verwechseln mit Amos, einem anderen Propheten aus Juda (1:1). Die Heilige Schrift schweigt über seine Geburt und seinen Tod, obwohl er gemäß der jüdischen Überlieferung von dem bösen König Manasse zersägt wurde. (Vergleiche Hebräer 11:37.) Seine Schriften zeigen, daß er sich mit seiner Frau, einer Prophetin, und wenigstens zwei Söhnen, die prophetische Namen hatten, in Jerusalem aufhielt (Jes. 7:3; 8:1, 3). Er diente während der Zeit von wenigstens vier Königen Judas: Usija, Jotham, Ahas und Hiskia; offensichtlich begann er seinen Dienst um 778 v. u. Z. (als Usija starb oder vielleicht früher) und fuhr damit wenigstens bis nach 732 v. u. Z. (Hiskias 14. Regierungsjahr) fort, diente also mindestens 46 Jahre. Ohne Zweifel hatte er bis zum letzteren Zeitpunkt seine Prophezeiung auch schriftlich niedergelegt (Jes. 1:1; 6:1; 36:1). Weitere Propheten seiner Tage waren Micha in Juda und im Norden Hosea und Oded (Mi. 1:1; Hos. 1:1; 2. Chr. 28:6-9).

      4. Was zeigt an, daß Jesaja der Schreiber des Buches war?

      4 Daß Jehova Jesaja gebot, prophetische Urteilssprüche niederzuschreiben, wird durch Jesaja 30:8 gestützt: „Nun komm, schreibe es bei ihnen auf eine Tafel, und zeichne es sogar in ein Buch ein, damit es für einen künftigen Tag dient, zu einem Zeugnis bis auf unabsehbare Zeit.“ Die jüdischen Rabbis der alten Zeit anerkannten Jesaja als den Schreiber des Buches und betrachteten es als das erste Buch der Großen Propheten (Jesaja, Jeremia und Hesekiel).

      5. Wodurch wird die Einheit des Buches Jesaja bezeugt?

      5 Einige haben zwar darauf hingewiesen, der veränderte Stil des Buches ab Kapitel 40 deute auf einen anderen Schreiber oder einen „zweiten Jesaja“ hin, doch der Themenwechsel dürfte den veränderten Stil hinreichend erklären. Es gibt viele Beweise dafür, daß Jesaja das gesamte Buch geschrieben hat, das seinen Namen trägt. Die Einheit des Buches wird zum Beispiel durch den Ausdruck „der Heilige Israels“ angedeutet, der in den Kapiteln 1 bis 39 12mal und in den Kapiteln 40 bis 66 13mal vorkommt, insgesamt 25mal, wohingegen er in den ganzen übrigen Hebräischen Schriften nur 6mal erscheint. Auch der Apostel Paulus bezeugt die Einheit des Buches, indem er aus allen Teilen der Prophezeiung zitiert und das ganze Werk einem Schreiber zuspricht — Jesaja. (Vergleiche Römer 10:16, 20; 15:12 mit Jesaja 53:1; 65:1; 11:1.)

      6. Inwiefern liefert die Jesaja-Rolle vom Toten Meer den überzeugenden Beweis, (a) daß unsere Bibeln heute der ursprünglichen inspirierten Niederschrift entsprechen und (b) daß das gesamte Buch von dem einen Jesaja geschrieben wurde?

      6 Interessanterweise wurden von 1947 an nicht weit von Chirbet Qumran in der Nähe der Nordwestküste des Toten Meeres einige alte Urkunden aus dem Dunkel der Höhlen herausgebracht. Es waren die Schriftrollen vom Toten Meer, zu denen die Prophezeiung Jesajas gehörte. Sie ist wunderschön geschrieben — in gut erhaltenem Hebräisch aus der Zeit vor den Massoreten — und ist etwa 2000 Jahre alt; sie datiert aus der Zeit gegen Ende des zweiten Jahrhunderts v. u. Z. Ihr Text ist somit ungefähr tausend Jahre älter als die älteste existierende Handschrift des massoretischen Textes, auf die sich neuzeitliche Übersetzungen der Hebräischen Schriften gründen. Es gibt einige geringfügige Abweichungen in der Rechtschreibung und auch Unterschiede im grammatischen Aufbau, doch die Lehre weicht nicht vom massoretischen Text ab. Das ist ein überzeugender Beweis dafür, daß unsere heutigen Bibeln die ursprüngliche inspirierte Botschaft Jesajas enthalten. Überdies widerlegen diese alten Schriftrollen die Behauptungen der Kritiker über zwei „Jesajas“, da das Kapitel 40 in der letzten Zeile der Schriftspalte beginnt, die das Kapitel 39 enthält, und der Anfangssatz in der nächsten Spalte beendet wird. Somit wußte der Abschreiber offensichtlich nichts von irgendeinem angeblichen Wechsel des Schreibers oder von irgendeiner Teilung in dem Buch an dieser Stelle.a

      7. Welche Fülle von Beweisen gibt es im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit des Buches Jesaja?

      7 Es gibt eine Fülle von Beweisen für die Glaubwürdigkeit des Buches Jesaja. Abgesehen von Moses wird kein anderer Prophet von den christlichen Bibelschreibern häufiger angeführt. Ebenso gibt es eine Fülle geschichtlicher und archäologischer Beweise, die das Buch als echt bestätigen, wie zum Beispiel die geschichtlichen Aufzeichnungen der assyrischen Herrscher, darunter auch Sanheribs sechseckiges Prisma, auf dem er seinen eigenen Bericht der Belagerung Jerusalems wiedergibtb (Jes., Kap. 36 und 37). Der Trümmerhaufen, der einst Babylon war, zeugt immer noch von der Erfüllung von Jesaja 13:17-22.c Jeder einzelne der Tausende von Juden, die aus Babylon zurückzogen — befreit durch einen König, dessen Name, Cyrus, von Jesaja fast 200 Jahre vorher aufgeschrieben worden war —, war ein lebendiges Zeugnis. Es ist gut möglich, daß diese prophetische Schrift später Cyrus gezeigt wurde, denn als er den jüdischen Überrest befreite, sagte er, daß Jehova ihn dazu beauftragt habe (Jes. 44:28; 45:1; Esra 1:1-3).

      8. Wie wird die Inspiration durch das Eintreffen der messianischen Prophezeiungen bewiesen?

      8 Hervorragend in dem Buch Jesaja sind die messianischen Prophezeiungen. Die Voraussagen, die in Jesu Leben eingetroffen sind, sind so zahlreich, daß Jesaja „der Evangelisten-Prophet“ genannt worden ist. In Kapitel 53, das lange Zeit „ein Kapitel des Geheimnisses“ war — nicht nur für den äthiopischen Eunuchen, auf den in Apostelgeschichte, Kapitel 8 Bezug genommen wird, sondern auch für das jüdische Volk als Ganzes —, wird die Jesus zuteil gewordene Behandlung so lebhaft vorausgesagt wie in einem Augenzeugenbericht. Die Erfüllungen der Prophezeiungen dieses bemerkenswerten Kapitels des Buches Jesaja sind in den Christlichen Griechischen Schriften aufgezeichnet, wie der folgende Vergleich zeigt: V. 1 — Johannes 12:37, 38; V. 2 — Johannes 19:5-7; V. 3 — Markus 9:12; V. 4 — Matthäus 8:16, 17; V. 5 — 1. Petrus 2:24; V. 6 — 1. Petrus 2:25; V. 7 — Apostelgeschichte 8:32, 35; V. 8 — Apostelgeschichte 8:33; V. 9 — Matthäus 27:57-60; V. 10 — Hebräer 7:27; V. 11 — Römer 5:18; V. 12 — Lukas 22:37. Wer außer Gott könnte der Quell solch genauer Vorhersagen sein?

      INHALT DES BUCHES JESAJA

      9. In welche Abschnitte gliedert sich der Inhalt des Buches Jesaja?

      9 Die ersten sechs Kapitel zeigen den Schauplatz Juda und Jerusalem und berichten von Judas Schuld bei Jehova und von Jesajas Beauftragung. Die Kapitel 7 bis 12 handeln von drohenden feindlichen Übergriffen und von der Verheißung auf Erleichterung durch den von Jehova beauftragten Friedefürsten. Die Kapitel 13 bis 35 enthalten eine Reihe von Aussprüchen gegen viele Nationen und die Vorhersage, daß Jehova für die Rettung sorgen wird. In den Kapiteln 36 bis 39 werden geschichtliche Ereignisse der Regierung Hiskias beschrieben. Die übrigen Kapitel, 40 bis 66, haben die Freilassung aus Babylon, die Rückkehr des jüdischen Überrests und die Wiederherstellung Zions zum Thema.

      10. (a) Warum fordert Jesaja die Nation auf, die Dinge richtigzustellen? (b) Was prophezeit er für den Schlußteil der Tage?

      10 Jesajas Botschaft „hinsichtlich Judas und Jerusalems“ (1:1⁠—⁠6:13). Sieh, wie er dort in Jerusalem in Sacktuch und Sandalen steht und ausruft: Diktatoren! Volk! Hört! Eure Nation ist von Kopf bis Fuß krank, und ihr habt Jehova ermüdet mit euren zum Gebet erhobenen blutbefleckten Händen. Kommt, stellt die Dinge mit ihm richtig, damit scharlachrote Sünden weiß wie Schnee werden mögen. Im Schlußteil der Tage wird der Berg des Hauses Jehovas erhaben sein, und alle Nationen werden zu ihm strömen, um belehrt zu werden. Sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Jehova wird hoch erhaben und geheiligt sein. Aber gegenwärtig bringen Israel und Juda, obwohl als erlesener Weinstock gepflanzt, Trauben der Gesetzlosigkeit hervor. Sie machen Gutes böse und Böses gut, denn sie sind weise in ihren eigenen Augen.

      11. Welche Vision empfing Jesaja zusammen mit seinem Auftrag?

      11 „[Ich] sah ... indes Jehova auf einem hohen und erhabenen Thron sitzen“, sagt Jesaja. Zusammen mit der Vision ergeht Jehovas Auftrag: „Geh, und du sollst zu diesem Volk sprechen: ‚Hört immer wieder.‘ “ Wie lange? „Bis die Städte tatsächlich krachend in Trümmer zusammenstürzen“ (6:1, 9, 11).

      12. (a) Wie wurden Jesaja und seine Söhne als prophetische Zeichen gebraucht? (b) Welche hervorragende Verheißung wird in Jesaja, Kapitel 9 gegeben?

      12 Drohende feindliche Übergriffe und Verheißung auf Erleichterung (7:1⁠—⁠12:6). Jehova gebraucht Jesaja und dessen Söhne als prophetische ‘Zeichen und Wunder’, um zu zeigen, daß zuerst die Verbindung von Syrien und Israel gegen Juda fehlschlagen wird, Juda aber nach einiger Zeit in Gefangenschaft gehen und nur ein Überrest zurückkehren wird. Eine Herangereifte wird schwanger werden und einen Sohn gebären. Sein Name? Immanuel („Mit uns ist Gott“). Die gegen Juda verbündeten Feinde sollen achtgeben. „Gürtet euch, und werdet zerschmettert!“ Es wird schwere Zeiten geben, aber dann wird über Gottes Volk ein großes Licht aufleuchten. Denn ein Kind ist ihm geboren worden, „und sein Name wird genannt werden: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Ewigvater, Fürst des Friedens“ (7:14; 8:9, 18; 9:6).

      13. (a) Was hat der anmaßende Assyrer zu erwarten? (b) Wie wird sich die Herrschaft des „Reises“ aus Isai auswirken?

      13 „Ha, der Assyrer“, ruft Jehova, „die Rute für meinen Zorn.“ Nachdem Gott diese Rute gegen eine „abtrünnige Nation“ gebraucht hat, wird er den anmaßenden Assyrer selbst niederschlagen. Später wird „nur ein Überrest ... zurückkehren“ (10:5, 6, 21). Sieh jetzt einen Sproß, ein Reis aus dem Stumpf Isais (des Vaters Davids). Dieses „Reis“ wird in Gerechtigkeit herrschen, und durch diesen Herrscher wird es für die ganze Schöpfung Freude geben ohne Schaden oder Verderben, „denn die Erde wird bestimmt erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken“ (11:1, 9). Er ist ein Signal für die Nationen, und es geht für den zurückkehrenden Überrest eine Landstraße von Assyrien aus. Es wird beim Wasserschöpfen aus den Quellen der Rettung Frohlocken geben, und man wird Jehova Melodien spielen.

      14. Welcher Niedergang wird für Babylon vorhergesagt?

      14 Den Untergang Babylons verkünden (13:1 bis 14:27). Jesaja blickt nun über die Tage des Assyrers hinaus in die Zeit, wo Babylon auf seinem Höhepunkt ist. Horch! Das Geräusch eines zahlreichen Volkes, das Getöse von Königreichen, von versammelten Nationen! Jehova mustert das Kriegsheer. Es ist ein schwarzer Tag für Babylon. Erstaunte Gesichter glühen, und Herzen zerschmelzen. Die erbarmungslosen Meder werden Babylon, „die Zierde der Königreiche“, stürzen. Es soll „Generation um Generation“ eine unbewohnte Einöde und ein Platz wildlebender Tiere werden (13:19, 20). Die Toten im Scheol werden aufgeweckt, um den König von Babylon zu empfangen. Maden werden sein Lager und Würmer seine Decke. Welch ein Niedergang für diesen ‘Glänzenden, den Sohn der Morgenröte’! (14:12). Er trachtete danach, seinen Thron zu erheben, ist aber ein weggeworfener Leichnam geworden, während Jehova Babylon mit dem Besen der Ausrottung wegfegt. Kein Name, kein Überrest, kein Nachwuchs, keine Nachkommenschaft soll übrigbleiben!

      15. Über welche internationalen Verwüstungen prophezeit Jesaja?

      15 Internationale Verwüstungen (14:28⁠—⁠23:18). Jesaja verweist nun auf Philistäa, das am Mittelmeer liegt, und dann auf Moab, südöstlich des Toten Meeres. Er richtet seine Prophezeiung an das syrische Damaskus, nördlich von Israel, dann an Äthiopien im Süden und schließlich an Ägypten weiter unten am Nil, wobei Gottes Gerichte den ganzen Weg entlang Verwüstung anrichten. Er berichtet davon, daß der assyrische König Sargon, der Vorgänger Sanheribs, den Befehlshaber Tartan gegen die Philisterstadt Aschdod, westlich von Jerusalem, schickt. Zu dieser Zeit wird Jesaja geboten, sich auszuziehen und drei Jahre lang ohne Obergewand und barfuß zu gehen. Auf diese Weise schildert er lebhaft, wie nichtig es ist, auf Ägypten und Äthiopien zu vertrauen, die „mit entblößtem Gesäß“ vom Assyrer gefangen weggeführt werden sollen (20:4).

      16. Welche Unglücksfälle werden für Babylon, Edom und die Ausgelassenen Jerusalems sowie für Sidon und Tyrus gesehen?

      16 Ein Wächter sieht von seinem Wachtturm aus den Fall Babylons und seiner Götter, und er sieht Unglück für Edom. Jehova selbst spricht Jerusalems ausgelassene Bevölkerung an, die sagt: „Man esse und trinke, denn morgen werden wir sterben.“ ‘Sterben sollt ihr’, sagt Jehova (22:13, 14). Auch die Schiffe von Tarschisch sollen heulen, und Sidon soll beschämt sein, denn Jehova hat gegen Tyrus den Rat gegeben, „all die Geehrten der Erde mit Verachtung zu behandeln“ (23:9).

      17. Welches Gericht und welche Wiederherstellung werden für Juda vorhergesagt?

      17 Jehovas Gericht und Rettung (24:1⁠—⁠27:13). Aber blicke nun nach Juda! Jehova leert das Land. Volk und Priester, Knecht und Herr, Käufer und Verkäufer — alle müssen gehen, denn sie haben Gottes Gesetze umgangen und den auf unabsehbare Zeit dauernden Bund gebrochen. Aber zu seiner Zeit wird er den Gefangenen seine Aufmerksamkeit zuwenden und sie wieder sammeln. Er ist eine Festung und Zuflucht. Er wird auf seinem Berg ein Festmahl bereiten und den Tod für immer verschlingen sowie die Tränen von allen Gesichtern abwischen. „Das ist unser Gott“, wird gesagt werden. „Das ist Jehova“ (25:9). Juda hat eine Stadt mit Rettung als Mauern. Dauernden Frieden gibt es für die, die auf Jehova vertrauen, „denn in Jah, Jehova, ist der FELS unabsehbarer Zeiten“. Aber der Böse „wird ... einfach nicht Gerechtigkeit lernen“ (26:4, 10). Jehova wird seine Widersacher erschlagen, aber er wird Jakob wiederherstellen.

      18, 19. (a) Welche Wehe und Freuden werden für Ephraim und Zion ausgerufen? (b) In welcher Eigenschaft wird Jehova sein Volk retten und regieren?

      18 Gottes heftiger Zorn und seine Segnungen (28:1 bis 35:10). Wehe den Trunkenbolden Ephraims, deren „Zierde der Schönheit“ vergehen muß! Aber Jehova wird „wie eine Krone der Zierde und wie ein Kranz der Schönheit für die von seinem Volk Übriggebliebenen werden“ (28:1, 5). Die Prahler Jerusalems wenden sich jedoch an eine Lüge als Zuflucht statt an den erprobten und kostbaren Grundstein in Zion. Eine Sturzflut wird sie alle hinwegwaschen. Jerusalems Propheten schlafen, und Gottes Buch ist für sie versiegelt. Sie nahen sich mit den Lippen, aber die Herzen sind weit entfernt von ihm. Doch wird der Tag kommen, an dem die Tauben die Worte des Buches hören werden. Die Blinden werden sehen und die Sanftmütigen frohlocken.

      19 Wehe denen, die nach Ägypten hinabgehen, um Zuflucht zu finden! Dieses rebellische Volk wünscht glatte, trügerische Visionen. Es wird abgeschnitten werden, aber Jehova wird einen Überrest wiederherstellen. Dieser wird seinen großen Unterweiser sehen und seine Bilder zerstreuen und sie „Nichts als Schmutz!“ nennen (30:22). Jehova ist Jerusalems wahrer Verteidiger. Ein König wird in Gerechtigkeit zusammen mit seinen Fürsten herrschen. Er wird Frieden, Ruhe und Sicherheit bis auf unabsehbare Zeit herbeiführen. Treulosigkeit wird die Friedensboten veranlassen, bitterlich zu weinen, aber der Majestätische, Jehova, ist für sein eigenes Volk Richter, Satzungsgeber und König, und er selbst wird es retten. Kein Bewohner wird dann sagen: „Ich bin krank“ (33:24).

      20. Welcher heftige Zorn soll gegen die Nationen ausbrechen, aber welcher Segen erwartet den wiederhergestellten Überrest?

      20 Jehovas heftiger Zorn muß gegen die Nationen ausbrechen. Leichname werden stinken, und Berge werden von Blut zerfließen. Edom muß verwüstet werden. Aber für Jehovas Zurückgekaufte wird die Wüstenebene blühen, und „die Herrlichkeit Jehovas, die Pracht unseres Gottes“, wird erscheinen (35:2). Die Blinden, die Tauben und die Stummen werden geheilt werden, und der Weg der Heiligkeit wird für die von Jehova Erlösten bereitet werden, während sie mit Frohlocken nach Zion zurückkehren.

      21. Welche Verhöhnungen schleudert der Assyrer Jerusalem entgegen?

      21 In Hiskias Tagen veranlaßt Jehova Assyrien zur Rückkehr (36:1⁠—⁠39:8). Ist Jesajas Ermahnung, auf Jehova zu vertrauen, anwendbar? Hält sie der Erprobung stand? Im 14. Jahr der Regierung Hiskias zieht Sanherib von Assyrien gleich dem Schwung einer Sense durch Palästina und versucht mit einem Teil seiner Truppen, Jerusalem einzuschüchtern. Sein hebräisch sprechender Wortführer Rabschake schleudert dem Volk, das sich an den Mauern der Stadt aufgestellt hat, höhnende Fragen entgegen: ‘Was ist eure Zuversicht? Ägypten? Ein geknickter Rohrstab! Jehova? Es gibt keinen Gott, der von dem König von Assyrien befreien kann!’ (36:4, 6, 18, 20). Im Gehorsam gegenüber dem König gibt das Volk keine Antwort.

      22. Wie erhört Jehova Hiskias Gebet, und wie erfüllt er Jesajas Prophezeiung?

      22 Hiskia betet zu Jehova um Rettung um seines Namens willen, und Jehova antwortet durch Jesaja, er werde seinen Haken in die Nase des Assyrers legen und ihn auf dem Weg zurückführen, den er gekommen sei. Ein Engel erschlägt 185 000 Assyrer, und Sanherib eilt nach Hause zurück, wo ihn später seine eigenen Söhne in seinem heidnischen Tempel ermorden.

      23. (a) Was veranlaßt Hiskia, einen Psalm für Jehova zu verfassen? (b) Welche Leichtsinnigkeit begeht er, und zu welcher Prophezeiung Jesajas führt das?

      23 Hiskia wird sterbenskrank. Jedoch läßt Jehova durch ein Wunder den von der Sonne hervorgerufenen Schatten zurückweichen als Zeichen dafür, daß Hiskia geheilt werden wird, und Hiskias Leben wird um 15 Jahre verlängert. Aus Dankbarkeit verfaßt er einen schönen Psalm zum Lobpreis Jehovas. Als der König von Babylon Boten sendet, die ihm heuchlerisch zu seiner Genesung gratulieren, zeigt Hiskia ihnen leichtsinnigerweise die königlichen Schätze. Infolgedessen prophezeit Jesaja, daß eines Tages alles in Hiskias Haus nach Babylon weggeführt werden wird.

      24. (a) Welche Botschaft des Trostes ruft Jehova aus? (b) Lassen sich die Götter der Nationen an Größe mit Jehova vergleichen, und zu welchem Zeugnis fordert Jehova auf?

      24 Jehova tröstet seine Zeugen (40:1⁠—⁠44:28). Das erste Wort von Kapitel 40 („Tröstet“) beschreibt passend den Rest des Buches Jesaja. Eine Stimme in der Wildnis ruft aus: „Bahnt den Weg Jehovas!“ (40:1, 3). Es gibt eine gute Botschaft für Zion. Jehova hütet seine Herde und trägt die jungen Lämmer in seinem Busen. Aus hohen Himmeln blickt er hinab auf den Kreis der Erde. Womit kann er an Größe verglichen werden? Er gibt den Erschöpften und Ermüdeten, die auf ihn hoffen, Stärke und dynamische Kraft. Er erklärt, daß die gegossenen Bilder Wind und Unwirklichkeit sind. Sein Auserwählter wird wie ein Bund für die Völker und ein Licht der Nationen sein, um blinde Augen zu öffnen. Jehova sagt zu Jakob: „Ich selbst habe dich geliebt.“ Und dem Sonnenaufgang, dem Sonnenuntergang, dem Norden und dem Süden ruft er zu: ‘Gebt her! Bringt meine Söhne und meine Töchter zurück’ (43:4, 6). Bei tagendem Gericht fordert er die Götter der Nationen auf, Zeugen zu stellen, die beweisen sollen, daß sie Götter sind. Die Israeliten sind Jehovas Zeugen, sein Knecht, und sie bezeugen, daß er Gott ist und Befreiung bewirkt. Jeschurun („Rechtschaffener, Redlicher“, Israel) verheißt er seinen Geist, und dann beschämt er die Hersteller von nichtssehenden, nichtswissenden Bildern. Jehova ist der Rückkäufer seines Volkes; Jerusalem wird wieder bewohnt und sein Tempel wieder aufgebaut werden.

      25. Was sollen die Menschen durch Jehovas Gerichte über Babylon und dessen falsche Götter erfahren?

      25 Rache an Babylon (45:1⁠—⁠48:22). Um Israels willen bestimmt Jehova Cyrus dazu, Babylon zu besiegen. Die Menschen werden zu der Einsicht gezwungen, daß Jehova allein Gott ist, der Schöpfer der Himmel, der Erde und des Menschen darauf. Er verspottet Babylons Götter, Bel und Nebo, denn nur er kann von Anfang an den Ausgang kundtun. Die jungfräuliche Tochter Babylon soll im Staub sitzen, entthront und nackt, und die Menge ihrer Ratgeber wird wie Stoppeln verbrannt werden. Jehova sagt den israelitischen Götzenanbetern, deren Nacken wie Eisen und deren Stirn wie Kupfer ist, daß sie Frieden, Gerechtigkeit und Wohlergehen haben könnten, wenn sie auf ihn hörten, aber ‘es gibt keinen Frieden für die Bösen’ (48:4, 22).

      26. Wie wird Zion getröstet werden?

      26 Zion getröstet (49:1⁠—⁠59:21). Jehova gibt seine Diener als Licht der Nationen und ruft denen zu, die in Finsternis sind: „Kommt heraus!“ (49:9). Zion wird getröstet werden, und seine Wildnis wird wie Eden, der Garten Jehovas, werden und mit Frohlocken, Freude, Danksagung und der Stimme der Melodie überfließen. Jehova wird die Himmel in Rauch aufgehen, die Erde sich wie ein Kleid abnutzen und ihre Bewohner sterben lassen, als wären sie nur Stechmücken. Warum daher das Schmähen sterblicher Menschen fürchten? Der bittere Kelch, den Jerusalem getrunken hat, muß jetzt an die Nationen gehen, die Jerusalem mit Füßen getreten haben.

      27. Welche gute Botschaft wird für Zion ausgerufen, und was wird im Hinblick auf ‘Jehovas Knecht’ prophezeit?

      27 ‘Wach auf, o Zion, und erheb dich aus dem Staub!’ Sieh den Boten, der mit guter Botschaft über die Berge springt und Zion zuruft: „Dein Gott ist König geworden!“ (52:1, 2, 7). Verlaßt den unreinen Ort, und haltet euch rein, die ihr Jehova dient. Der Prophet beschreibt jetzt ‘Jehovas Knecht’ (53:11). Er ist ein verachteter, gemiedener Mann, der unsere Schmerzen trägt und doch als von Gott geschlagen angesehen wird. Er wird für unsere Übertretungen durchstochen, aber er heilt uns durch seine Wunden. Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, verübt er keine Gewalttat und redet keinen Trug. Er gibt seine Seele als Schuldopfer, um die Vergehungen vieler Menschen zu tragen.

      28. Wie wird der kommende gesegnete Zustand Zions beschrieben, und in Verbindung mit welchem Bund?

      28 Als ehelicher Besitzer sagt Jehova, Zion solle wegen seiner kommenden Fruchtbarkeit vor Freude jubeln. Wenn auch niedergedrückt und sturmbewegt, wird es doch eine Stadt mit Grundlagen aus Saphiren, Zinnen aus Rubinen und Toren aus feurigglühenden Steinen werden. Ihre Söhne, die Jehova belehrt hat, werden sich überströmenden Friedens erfreuen, und keine gegen sie gebildete Waffe wird erfolgreich sein. „Heda, all ihr Durstigen!“ ruft Jehova. Wenn sie kommen, wird er mit ihnen einen ‘Bund schließen in bezug auf die liebenden Gütigkeiten gegenüber David’; er wird den Völkerschaften einen Führer und Gebieter als Zeugen geben (55:1-4). Gottes Gedanken sind unendlich höher als die des Menschen, und sein Wort wird bestimmt Erfolg haben. Eunuchen, die sein Gesetz halten, werden ungeachtet ihrer Nationalität einen Namen erhalten, der besser ist als Söhne und Töchter. Jehovas Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt werden.

      29. Was sagt Jehova den Götzendienern, aber was sichert er seinem Volk zu?

      29 Als der Hohe und Erhabene, dessen Name heilig ist, sagt Jehova den sextollen Götzendienern, er werde nicht bis auf unabsehbare Zeit mit Israel streiten. Ihr frommes Fasten dient der Bemäntelung ihrer Bosheit. Die Hand Jehovas ist nicht zu kurz, um zu retten, noch ist sein Ohr zu schwer, um zu hören, sondern „eure Vergehungen sind das geworden, was zwischen euch und eurem Gott eine Scheidung verursacht“, sagt Jesaja (59:2). Darum hoffen sie auf Licht, aber tappen in der Finsternis. Andererseits gibt Jehovas Geist, der auf seinem treuen Bundesvolk ruht, die Gewähr, daß sein Wort im Mund aller künftigen Generationen dieses Volkes sein wird und nicht davon weggenommen werden kann.

      30. Wie macht Jehova Zion schön, und durch welche neuen Namen wird das veranschaulicht?

      30 Jehova macht Zion schön (60:1⁠—⁠64:12). „Steh auf, o Frau, leuchte, denn ... die Herrlichkeit Jehovas selbst ist über dir aufgeleuchtet.“ Dagegen umhüllt dichtes Dunkel die Erde (60:1, 2). Zu jener Zeit wird die Stadt Zion ihre Augen erheben und strahlen, und ihr Herz wird beben, wenn sie die Reichtümer der Nationen auf einer wogenden Menge von Kamelen auf sich zukommen sieht. Wie Wolken fliegender Tauben werden sie in Scharen zu ihr kommen. Ausländer werden ihre Mauern bauen, Könige werden ihr dienen, und ihre Tore werden nie geschlossen werden. Ihr Gott soll zu ihrer Schönheit werden, und er wird schnell aus e i n e m ein Tausend und aus dem Geringen eine mächtige Nation machen. Gottes Diener ruft aus, daß Jehovas Geist auf ihm sei und ihn dazu gesalbt habe, diese gute Botschaft kundzutun. Zion wird in „Mein Gefallen ist an ihr“ (Hephzibah) umbenannt, und ihr Land wird „Als Frau zu eigen“ (Beula) genannt (62:4, Fußnoten). Es ergeht die Weisung, die Landstraße, die von Babylon zurückführt, aufzuschütten und in Zion ein Signal zu erheben.

      31. Wer kommt von Edom, und welches Gebet spricht Gottes Volk?

      31 Aus Bozra in Edom kommt jemand in blutroten Kleidern. In seinem Zorn hat er Menschen in einem Weintrog zertreten, so daß ihr Blut herausspritzte. Jehovas Volk fühlt in hohem Maße seinen unreinen Zustand und bringt ein ergreifendes Gebet dar, indem es sagt: ‘O Jehova, du bist unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer. Zürne nicht über die Maßen, o Jehova. Wir alle sind dein Volk’ (64:8, 9).

      32. Worüber kann Jehovas eigenes Volk im Gegensatz zu denen frohlocken, die Jehova verlassen?

      32 „Neue Himmel und eine neue Erde“ (65:1 bis 66:24). Die Menschen, die Jehova wegen Göttern des „Glücks“ und des „Schicksals“ verlassen haben, werden hungern und Schande erleiden (5:11). Gottes eigene Diener werden sich an Fülle erfreuen. Siehe! Jehova schafft neue Himmel und eine neue Erde. Welche Freudigkeit und welches Frohlocken sind doch in Jerusalem und unter seinem Volk zu finden! Häuser werden gebaut und Weingärten gepflanzt werden, während Wolf und Lamm einträchtig weiden. Es wird weder Schaden noch Verderben geben.

      33. Welche Freude, Herrlichkeit und Beständigkeit werden für diejenigen vorhergesagt, die Jerusalem lieben?

      33 Die Himmel sind Jehovas Thron und die Erde der Schemel seiner Füße; welches Haus können Menschen daher für ihn bauen? Eine Nation soll an e i n e m Tag geboren werden, und alle, die Jerusalem lieben, sollen sich freuen, während Jehova der Stadt Frieden zuwendet gleich einem Strom. Gegen seine Feinde wird er wie ein Feuer kommen — Wagen wie ein Sturmwind erstatten mit lauter Grimm und Feuerflammen seinen Zorn gegen alles ungehorsame Fleisch. Boten werden hinausgehen zu allen Nationen und zu entfernten Inseln, um von seiner Herrlichkeit zu berichten. Seine neuen Himmel und seine neue Erde sollen beständig sein. Ebenso sollen auch die, die ihm dienen, und ihre Nachkommen bestehenbleiben. Sonst gibt es nur den ewigen Tod.

      WIESO NÜTZLICH

      34. Nenne einige lebendige Veranschaulichungen, die Jesajas Botschaft noch mehr Kraft verleihen.

      34 Das prophetische Buch Jesaja ist in jeder Hinsicht eine äußerst nützliche Gabe von Jehova Gott. Von diesem Buch gehen die erhabenen Gedanken Gottes aus (Jes. 55:8-11). Für Redner, die über biblische Wahrheiten sprechen, ist das Buch Jesaja eine Fundgrube lebendiger Veranschaulichungen, die so treffend sind wie Jesu Gleichnisse. Jesaja prägt uns nachhaltig ein, wie töricht der Mann ist, der denselben Baum sowohl als Brennmaterial als auch zur Herstellung eines Götzen zur Anbetung verwendet. Er vermittelt uns das Unbehagen des Mannes auf einem Ruhelager, das zu kurz und dessen Laken zu schmal ist, und er läßt uns das tiefe Schlafen der Propheten hören, die wie stumme Hunde sind — zu faul zum Bellen. Wenn wir selbst, wie Jesaja uns ermahnt, ‘im Buch Jehovas forschen und laut lesen’, können wir die machtvolle Botschaft richtig einschätzen, die das Buch Jesaja für uns heute hat (44:14-20; 28:20; 56:10-12; 34:16).

      35. Wie konzentriert Jesaja die Aufmerksamkeit auf das Königreich des Messias und auf den Vorläufer, Johannes den Täufer?

      35 Die Prophezeiung konzentriert sich insbesondere auf Gottes Königreich in den Händen des Messias. Jehova ist der höchste König, und er ist es, der uns rettet (33:22). Aber wie verhält es sich mit dem Messias? Was der Engel Maria in bezug auf das Kind ankündigte, das geboren werden würde, zeigte, daß sich Jesaja 9:6, 7 erfüllen sollte, indem ihr Sohn den Thron Davids empfangen ‘und er für immer als König über das Haus Jakob regieren und sein Königreich kein Ende haben würde’ (Luk. 1:32, 33). Aus Matthäus 1:22, 23 geht hervor, daß Jesu Geburt durch eine Jungfrau eine Erfüllung von Jesaja 7:14 war, und Jesus wird als „Immanuel“ identifiziert. Etwa 30 Jahre später kam Johannes der Täufer und predigte, daß sich „das Königreich der Himmel ... genaht“ habe. Alle vier Evangelienschreiber führen Jesaja 40:3 an, um zu zeigen, daß dieser Johannes derjenige war, ‘der in der Wildnis rief’ (Mat. 3:1-3; Mar. 1:2-4; Luk. 3:3-6; Joh. 1:23). Bei seiner Taufe wurde Jesus der Messias, der Gesalbte Jehovas — das Reis oder die Wurzel Isais —, der über die Nationen herrschen sollte. Auf ihn müssen sie in Erfüllung von Jesaja 11:1, 10 ihre Hoffnung setzen (Röm. 15:8, 12).

      36. Durch welche bedeutsamen vorhergesagten Einzelheiten wird der Messias, der König, deutlich kenntlich gemacht?

      36 Schau, wie Jesaja fortfährt, den Messias, den König, kenntlich zu machen! Jesus las seinen Auftrag aus einer Jesaja-Buchrolle vor, um zu zeigen, daß er Jehovas Gesalbter war, und dann begann er, „die gute Botschaft vom Königreich Gottes [zu] verkündigen, denn“, so sagte er, „dazu bin ich ausgesandt worden“ (Luk. 4:17-19, 43; Jes. 61:1, 2). Die vier Evangelien sind voller Einzelheiten über Jesu irdischen Dienst und seine Todesart, die in Jesaja, Kapitel 53 vorhergesagt sind. Obwohl die Juden die gute Botschaft vom Königreich hörten und Jesu wunderbare Werke sahen, verstanden sie sie nicht wegen ihres ungläubigen Herzens. Dadurch erfüllte sich Jesaja 6:9, 10; 29:13 und 53:1 (Mat. 13:14, 15; Joh. 12:38-40; Apg. 28:24-27; Röm. 10:16; Mat. 15:7-9; Mar. 7:6, 7). Jesus war für sie ein Stein des Anstoßes, aber er wurde der Grundeckstein, den Jehova in Zion legte und auf dem er in Erfüllung von Jesaja 8:14 und 28:16 sein geistiges Haus aufbaut (Luk. 20:17; Röm. 9:32, 33; 10:11; 1. Pet. 2:4-10).

      37. Wie zitierten Jesu Apostel das Buch Jesaja, und wie wandten sie es an?

      37 Die Apostel Jesu Christi machten weiterhin guten Gebrauch von Jesajas Prophezeiung, indem sie sie auf den Dienst anwandten. Zum Beispiel zitiert Paulus aus Jesaja, als er zeigt, daß Prediger benötigt werden, um den Glauben zu fördern, und sagt: „Wie lieblich sind die Füße derer, die gute Botschaft guter Dinge verkünden!“ (Röm. 10:15; Jes. 52:7; siehe auch Römer 10:11, 16, 20, 21). Auch Petrus führt Jesaja an, als er zeigt, daß die gute Botschaft bleibt: „Denn ‚alles Fleisch ist wie Gras, und all seine Herrlichkeit ist wie des Grases Blüte; das Gras verdorrt, und die Blume fällt ab, aber das von Jehova Gesagte bleibt für immer‘. Nun, das ist das ‚Gesagte‘, was euch als gute Botschaft verkündigt worden ist“ (1. Pet. 1:24, 25; Jes. 40:6-8).

      38. Welches herrliche Königreichsthema wird in Jesaja ausgemalt, das später auch von anderen Bibelschreibern aufgenommen wird?

      38 Jesaja malt die Königreichshoffnung für die Zukunft herrlich aus. Siehe! Es sind die ‘neuen Himmel und eine neue Erde’, in denen ‘ein König für Gerechtigkeit regieren wird’ und Fürsten für Recht herrschen werden. Welch ein Grund zur Freudigkeit und zum Frohlocken! (65:17, 18; 32:1, 2). Wieder nimmt Petrus die frohe Botschaft Jesajas auf: „Doch gibt es neue Himmel und eine neue Erde, die wir gemäß ... [Gottes] Verheißung erwarten, und in diesen wird Gerechtigkeit wohnen“ (2. Pet. 3:13). Dieses wunderbare Königreichsthema erreicht in den letzten Kapiteln der Offenbarung seine ganze Herrlichkeit (Jes. 66:22, 23; 25:8; Offb. 21:1-5).

      39. Auf welche großartige Hoffnung weist Jesaja hin?

      39 Während also das Buch Jesaja scharfe Drohungen gegen Jehovas Feinde und gegen diejenigen enthält, die heuchlerisch vorgeben, seine Diener zu sein, weist es in begeisterten Tönen auf die großartige Hoffnung des Königreiches des Messias hin, durch das Jehovas großer Name geheiligt werden wird. Es trägt viel dazu bei, die wunderbaren Wahrheiten von Jehovas Königreich zu erklären und unsere Herzen zu erquicken in freudiger Erwartung „der von ihm bewirkten Rettung“ (Jes. 25:9; 40:28-31).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1330 bis 1332.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 957; Band 2, SANHERIB.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 324.

  • 24. Bibelbuch — Jeremia
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 24. Bibelbuch — Jeremia

      Schreiber: Jeremia

      Orte der Niederschrift: Juda und Ägypten

      Vollendung der Niederschrift: 580 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 647—580 v. u. Z.

      1. Wann und von wem wurde Jeremia beauftragt?

      DER Prophet Jeremia lebte in gefährlichen und stürmischen Zeiten. Jehova beauftragte ihn im Jahre 647 v. u. Z., dem 13. Regierungsjahr des gottesfürchtigen Königs Josia von Juda. Bei Ausbesserungsarbeiten am Haus Jehovas wurde das Buch des Gesetzes Jehovas gefunden, und es wurde dem König vorgelesen. Er setzte sich nach Kräften dafür ein, dem Gesetz Geltung zu verschaffen, konnte aber den Abfall zum Götzendienst bestenfalls vorübergehend aufhalten. Josias Großvater Manasse, der 55 Jahre lang regiert hatte, und sein Vater Amon, der nach einer Regierungszeit von nur 2 Jahren ermordet worden war, hatten beide böse gehandelt. Sie hatten das Volk zu unreinen Ausschweifungen und grausigen Riten ermuntert, so daß es sich daran gewöhnt hatte, der „Himmelskönigin“ zu räuchern und Dämonengöttern Menschenopfer darzubringen. Manasse hatte Jerusalem mit unschuldigem Blut angefüllt (Jer. 1:2; 44:19; 2. Kö. 21:6, 16, 19-23; 23:26, 27).

      2. Was war Jeremias Aufgabe, und welche ereignisreichen Jahre umfassen seine Prophezeiungen?

      2 Jeremias Aufgabe war nicht leicht. Er sollte als Jehovas Prophet die Verwüstung Judas und Jerusalems vorhersagen sowie das Niederbrennen des großartigen Tempels Jehovas und die Gefangenschaft seines Volkes — fast unglaubliche Verhängnisse. Er sollte 40 Jahre lang, u. a. während der Regierung der schlechten Könige Jehoahas, Jojakim, Jojachin (Konja) und Zedekia, in Jerusalem prophezeien (Jer. 1:2, 3). Später sollte er in Ägypten wegen der Götzendienereien der dort lebenden jüdischen Flüchtlinge prophezeien. Er vollendete sein Buch 580 v. u. Z. Die von Jeremia behandelte Zeit ist somit ein ereignisreicher Abschnitt von 67 Jahren (Jer. 52:31).

      3. (a) Wie wurden die Kanonizität und die Glaubwürdigkeit des Buches Jeremia in vorchristlicher Zeit bewiesen? (b) Welches weitere Zeugnis hierüber findet sich in den Christlichen Griechischen Schriften?

      3 Im Hebräischen lauten der Name des Propheten und die Bezeichnung seines Buches Jirmejáh oder Jirmejáhu, was vielleicht „Jehova erhöht“ oder „Jehova löst (lockert) [wahrscheinlich vom Mutterschoß]“ bedeutet. Das Buch kommt in allen Katalogen der Hebräischen Schriften vor, und seine Kanonizität wird allgemein anerkannt. Die dramatische Erfüllung einiger Prophezeiungen zu Lebzeiten Jeremias bestätigt vollständig die Glaubwürdigkeit des Buches. Überdies wird in den Christlichen Griechischen Schriften mehrmals auf Jeremia namentlich Bezug genommen (Mat. 2:17, 18; 16:14; 27:9). Daß Jesus das Buch Jeremia studiert hatte, ist klar ersichtlich, da er die Ausdrucksweise von Jeremia 7:11 mit der von Jesaja 56:7 verband, als er den Tempel reinigte (Mar. 11:17; Luk. 19:46). Wegen Jesu Freimut und Mut hielten ihn einige für Jeremia (Mat. 16:13, 14). Paulus nimmt in Hebräer 8:8-12 und 10:16, 17 auf Jeremias Prophezeiung eines neuen Bundes Bezug (Jer. 31:31-34) und führt Jeremia 9:24 an, als er sagt: „Wer sich rühmt, rühme sich in Jehova“ (1. Kor. 1:31). Eine noch kraftvollere Anwendung von Jeremias Veranschaulichung des Niedergangs Babylons (Jer. 51:63, 64) ist in Offenbarung 18:21 zu finden.

      4. Wie unterstützt die Archäologie den Bericht?

      4 Archäologische Funde unterstützen ebenfalls den Bericht in Jeremia. Zum Beispiel ist in einer babylonischen Chronik davon die Rede, daß Nebukadnezar (Nebukadrezar) 617 v. u. Z. Jerusalem erobert, den König (Jojachin) abgesetzt und einen König seiner Wahl (Zedekia) eingesetzt hat (24:1; 29:1, 2; 37:1).a

      5. (a) Was ist über Jeremia selbst bekannt? (b) Was kann bezüglich seines Schreibstils gesagt werden?

      5 Von keinem anderen Propheten aus alter Zeit, Moses ausgenommen, besitzen wir eine so vollständige Lebensbeschreibung wie von Jeremia. Jeremia erzählt viel über sich selbst, wie er empfindet und was ihn bewegt, was verrät, daß er freimütig, unerschrocken und mutig war, aber auch demütig und feinfühlig. Er war nicht nur Prophet, sondern auch Priester, stellte Schriften zusammen und war ein genauer Geschichtsschreiber. Jeremia war der Sohn des Priesters Hilkija aus Anathoth, einer Priesterstadt, die nördlich von Jerusalem „im Land Benjamin“ lag (1:1). Sein Schreibstil ist deutlich, direkt und leicht zu verstehen. Das Buch enthält viele Veranschaulichungen und bildliche Darstellungen; es ist teils in Prosa, teils in Poesie geschrieben.

      INHALT DES BUCHES JEREMIA

      6. Wie ist der Inhalt der Prophezeiung geordnet?

      6 Der Stoff ist nicht chronologisch geordnet, sondern thematisch. Somit wechseln in dem Bericht häufig die Zeit und die äußeren Umstände. Im Kapitel 52 wird schließlich die Verwüstung Jerusalems und Judas rein sachlich in Einzelheiten beschrieben. Dadurch wird nicht nur die Erfüllung eines großen Teils der Prophezeiungen gezeigt, sondern auch der Rahmen für das Buch der Klagelieder geliefert, das folgt.

      7. Wie wurde Jeremia ein Prophet, und was sichert Jehova ihm zu?

      7 Jehova beauftragt Jeremia (1:1-19). Wird Jeremia beauftragt, weil er ein Prophet sein wollte oder weil er aus einer priesterlichen Familie kam? Jehova selbst erklärt: „Bevor ich dich im Mutterleib bildete, kannte ich dich, und bevor du dann aus dem Mutterschoß hervorkamst, heiligte ich dich. Zum Propheten für die Nationen machte ich dich.“ Es ist ein Auftrag von Jehova. Ist Jeremia bereit zu gehen? Demütig bringt er die Entschuldigung vor: „Ich bin nur ein Knabe.“ Jehova sichert ihm zu: „Siehe, ich habe meine Worte in deinen Mund gelegt. Sieh, ich habe dich an diesem Tag über die Nationen und über die Königreiche bestellt, um auszurotten und niederzureißen und zu vernichten und abzubrechen, zu bauen und zu pflanzen.“ Jeremia darf sich nicht fürchten. „Sie werden gewiß gegen dich kämpfen, aber sie werden nicht die Oberhand über dich gewinnen, denn ,ich bin mit dir‘, ist der Ausspruch Jehovas, ‚um dich zu befreien‘ “ (1:5, 6, 9, 10, 19).

      8. (a) Worin ist Jerusalem treulos gewesen? (b) Wie wird Jehova Unglück bringen?

      8 Jerusalem, eine untreue Ehefrau (2:1⁠—⁠6:30). Welche Botschaft enthält das Wort Jehovas an Jeremia? Jerusalem hat seine erste Liebe vergessen. Die Stadt hat Jehova, den Quell lebendigen Wassers, verlassen und sich fremden Göttern prostituiert. Sie hat sich aus einer auserlesenen roten Edelrebe in „die entarteten Schößlinge eines fremdländischen Weinstocks“ verwandelt (2:21). Ihre Rocksäume sind mit Blut der Seelen armer Unschuldiger befleckt worden. Selbst die Prostituierte Israel hat sich als gerechter erwiesen als Juda. Gott fordert diese abtrünnigen Söhne auf zurückzukehren, weil er ihr ehelicher Besitzer ist. Aber sie sind wie eine treulose Ehefrau. Sie können zurückkehren, wenn sie ihre abscheulichen Dinge beseitigen und ihr Herz beschneiden. „Richtet ein Signal auf nach Zion hin“, denn Jehova wird aus dem Norden ein Unglück bringen (4:6). Zusammenbruch auf Zusammenbruch! Wie ein Löwe aus seinem Dickicht, wie ein versengender Wind durch die Wildnis, mit Wagen wie ein Sturmwind, so wird Jehovas Scharfrichter kommen.

      9. (a) Welches Wort hat Jeremia für das störrische Jerusalem? (b) Von welchem Nutzen sind ihre Friedensrufe?

      9 Geh und streife durch Jerusalem. Was siehst du? Nur Übertretungen und Untreue! Das Volk hat Jehova verleugnet, und sein Wort in Jeremias Mund muß zu Feuer werden, um die Menschen wie Holzstücke zu verzehren. So, wie sie Jehova verlassen haben, um einem fremdländischen Gott zu dienen, wird er sie Fremden in einem fremden Land dienen lassen. Störrische Menschen! Sie haben Augen, können aber nicht sehen, und Ohren, können aber nicht hören. Wie entsetzlich! Propheten und Priester prophezeien tatsächlich in Falschheit, „und mein eigenes Volk hat es so geliebt“, sagt Jehova (5:31). Unglück nähert sich aus dem Norden, doch „von ihrem Geringsten selbst bis zu ihrem Größten macht jeder ungerechten Gewinn für sich“. Sie sagen: „ ‚Da ist Frieden! Da ist Frieden!‘, wenn kein Frieden da ist“ (6:13, 14). Aber plötzlich wird der Verheerer kommen. Jehova hat Jeremia zu einem Metallprüfer unter ihnen gemacht, aber da ist nichts als Schlacke und verworfenes Silber. Sie sind durch und durch schlecht.

      10. Warum muß Jerusalem dasselbe Geschick treffen wie Silo und Ephraim?

      10 Warnung, daß Tempel kein Schutz ist (7:1 bis 10:25). Das Wort Jehovas ergeht an Jeremia, und er soll am Tempeltor eine Erklärung abgeben. Den Hineingehenden ruft er zu: ‘Ihr rühmt euch des Tempels Jehovas, aber was tut ihr? Ihr bedrückt den Vaterlosen und die Witwe, vergießt unschuldiges Blut, geht anderen Göttern nach, stehlt, mordet, begeht Ehebruch, schwört falsch und opfert dem Baal! Heuchler! Ihr habt Jehovas Haus zu einer „bloßen Räuberhöhle“ gemacht. Erinnert euch an das, was Jehova Silo tat. Er wird eurem Haus, o Juda, dasselbe tun, und er wird euch wegwerfen, genauso wie er Ephraim (Israel) im Norden wegwarf’ (Jer. 7:4-11; 1. Sam. 2:12-14; 4:12-22).

      11. Warum ist es nutzlos, für Juda zu beten?

      11 Es ist nutzlos, für Juda zu beten. Das Volk macht sogar Opferkuchen für die „Himmelskönigin“! Wahrlich, „das ist die Nation, deren Volk der Stimme Jehovas, seines Gottes, nicht gehorcht hat und nicht Zucht angenommen hat. Die Treue ist entschwunden“ (Jer. 7:18, 28). Juda hat in Jehovas Haus abscheuliche Dinge aufgestellt und seine Söhne und Töchter auf den Höhen des Tophet im Tal Hinnom verbrannt. Siehe! Es wird „das Tal des Tötens“ genannt werden, und ihre Leichname werden Speise für Vögel und vierfüßige Tiere werden (7:32). Freude und Frohlocken müssen in Juda und Jerusalem aufhören.

      12. Was soll Juda und die von ihm angenommenen Götter statt des erwarteten Friedens ereilen?

      12 Sie hofften auf Frieden und Heilung, aber siehe, Schrecken! Wegen ihres Starrsinns werden sie zerstreut und ausgerottet werden und wehklagen. ‘Jehova ist der lebendige Gott und der König auf unabsehbare Zeit.’ Was die Götter anbelangt, die die Himmel und die Erde nicht gemacht haben, so ist kein Geist in ihnen. Sie sind Nichtigkeit und ein Spottwerk, und sie werden zugrunde gehen (10:10-15). Jehova wird die Bewohner der Erde hinausschleudern. Horch! Ein großes Stampfen aus dem Land des Nordens, das die Städte Judas verwüsten soll. Der Prophet gibt zu: ‘Es steht nicht beim Erdenmenschen, seinen Schritt zu richten’, und er betet um Zurechtweisung, damit er nicht zunichte gemacht wird (10:23).

      13. Warum wird Jeremia verboten, für Juda zu beten, und wie stärkt Jehova Jeremia in einer Stunde der Gefahr?

      13 Die Bundbrüchigen verflucht (11:1⁠—⁠12:17). Juda hat den Worten seines Bundes mit Jehova nicht gehorcht. Es ist zwecklos, für das Volk um Hilfe zu rufen. Jeremia darf nicht für Juda beten, weil Jehova ein gegen diesen einst üppigen Olivenbaum „entbrennendes Feuer angezündet“ hat (11:16). Als sich die Einwohner von Anathoth, Jeremias Mitbürger, verschwören, ihn zu vernichten, wendet sich der Prophet um Kraft und Hilfe an Jehova. Jehova verheißt Rache an Anathoth. Jeremia fragt: „Wie kommt es, daß der Weg der Bösen Gelingen gehabt hat?“ Jehova versichert ihm: ‘Ich will die ungehorsame Nation ausreißen und vernichten’ (12:1, 17).

      14. (a) Durch welche Veranschaulichungen zeigt Jehova, daß Jerusalem unverbesserlich und das Gericht gegen Jerusalem unumstößlich ist? (b) Wozu führt es, daß Jeremia Jehovas Worte ißt?

      14 Jerusalem unverbesserlich und verurteilt (13:1 bis 15:21). Jeremia erzählt, wie Jehova ihm gebot, einen leinenen Gürtel um seine Hüften zu legen und diesen dann in einem zerklüfteten Felsen am Euphrat zu verbergen. Als Jeremia kam, um ihn auszugraben, war er verdorben. „Er taugte zu gar nichts.“ Auf diese Weise veranschaulichte Jehova seinen Entschluß, „den Stolz Judas und den großen Stolz Jerusalems“ zugrunde zu richten (13:7, 9). Er wird sie in ihrer Trunkenheit gegeneinanderschlagen, wie große mit Wein gefüllte Krüge. „Kann ein Kuschit seine Haut ändern? Oder ein Leopard seine Flecken?“ (13:23). Ebenso ist Jerusalem unverbesserlich. Jeremia darf für diese Menschen nicht beten. Selbst wenn Moses und Samuel vor Jehova träten, um sich für sie zu verwenden, würde er nicht hören, denn er hat beschlossen, Jerusalem der Vernichtung zu weihen. Jehova stärkt Jeremia gegen seine Schmäher. Jeremia findet und ißt Jehovas Worte, was zu ‘Frohlocken und zur Freude des Herzens’ führt (15:16). Es ist nicht die Zeit für leeres Scherzen, sondern dafür, auf Jehova zu vertrauen, der verheißen hat, Jeremia zu einer befestigten kupfernen Mauer gegen das Volk zu machen.

      15. (a) Wie ernst sind die Zeiten, und durch welches Gebot verleiht Jehova dieser Tatsache Nachdruck? (b) Wie werden die Menschen Jehovas Namen kennenlernen, und weshalb täuscht ihn ihre Sünde nicht?

      15 Jehova wird Fischer und Jäger senden (16:1 bis 17:27). Angesichts der drohenden Verwüstung gebietet Jehova Jeremia: „Du sollst dir keine Frau nehmen, und du sollst keine Söhne und Töchter bekommen an diesem Ort“ (16:2). Es ist weder die Zeit, mit den Menschen zu trauern, noch die Zeit, Festmähler zu halten, denn Jehova ist im Begriff, sie aus dem Land zu schleudern. Dann kündigt Jehova auch an, ‘Fischer zu senden, um nach ihnen zu fischen, und Jäger, um sie zu jagen’, und dadurch, daß er all das vollbringt, ‘werden sie erkennen müssen, daß sein Name Jehova ist’ (16:16, 21). Die Sünde Judas ist mit einem eisernen Griffel, ja mit einer diamantenen Spitze in das Herz des Volkes eingraviert. „Das Herz ist verräterischer als sonst irgend etwas und ist heillos“, aber Jehova kann das Herz erforschen. Niemand kann ihn täuschen. Diejenigen, die abfallen, „haben Jehova, den Quell lebendigen Wassers, verlassen“ (17:9, 13). Wenn Juda den Sabbattag nicht heiligen wird, wird Jehova seine Tore und Türme mit Feuer verzehren.

      16. Was veranschaulicht Jehova durch den Töpfer und dessen Tongefäße?

      16 Der Töpfer und der Ton (18:1⁠—⁠19:15). Jehova gebietet Jeremia, zum Haus des Töpfers hinabzugehen. Dort beobachtet er, wie der Töpfer ein mißlungenes Tongefäß umformt und daraus ein anderes Gefäß macht, wie es ihm gefällt. Jehova erklärt dann, er selbst sei der Töpfer des Hauses Israel und habe die Macht, niederzureißen oder aufzubauen. Dann beauftragt er Jeremia, einen Töpferkrug zum Tal Hinnom mitzunehmen und dort Unglück von Jehova aus zu verkünden, weil die Menschen den Ort mit unschuldigem Blut erfüllt haben, indem sie ihre Söhne als Ganzbrandopfer dem Baal im Feuer verbrannt haben. Danach soll Jeremia den Krug zerbrechen, als Zeichen dafür, daß Jehova Jerusalem und das Volk Juda zerbrechen wird.

      17. Welche schmerzliche Erfahrung macht Jeremia, bringt diese ihn aber zum Schweigen?

      17 Kein Aufgeben unter Verfolgung (20:1-18). Der durch Jeremias freimütiges Predigen aufgebrachte Tempelbeauftragte Paschhur legt Jeremia eine Nacht lang in den Stock. Gleich nach seiner Freilassung sagt Jeremia Paschhurs Gefangenschaft und Tod in Babylon voraus. Jeremia denkt daran aufzugeben, denn er ist betrübt, weil er mit Hohn und Spott überschüttet wurde. Er kann jedoch nicht schweigen. Das Wort Jehovas wird ‘in seinem Herzen wie ein brennendes Feuer, eingeschlossen in seinen Gebeinen’, so daß er gezwungen ist zu reden. Obwohl er den Tag seiner Geburt verflucht, ruft er aus: „Singt Jehova! Preiset Jehova! Denn er hat die Seele des Armen aus der Hand der Übeltäter befreit“ (20:9, 13).

      18. Worüber unterrichtet Jeremia Zedekia?

      18 Jehovas heftiger Zorn gegen die Herrscher (21:1⁠—⁠22:30). Jeremia unterrichtet Zedekia auf dessen Frage über Jehovas Zorn gegen die Stadt: Der König von Babylon wird sie belagern, und sie wird durch Pest, Schwert, Hungersnot und Feuer vernichtet werden. Schallum (Jehoahas) wird im Exil sterben, Jojakim wird das Begräbnis eines Esels bekommen, und sein Sohn Konja (Jojachin) wird aus Juda hinausgeschleudert werden und in Babylon sterben.

      19. Was prophezeit Jeremia im Hinblick auf einen „gerechten Sproß“, und was wird durch die zwei Körbe Feigen veranschaulicht?

      19 Hoffnung auf einen „gerechten Sproß“ (23:1 bis 24:10). Jehova verheißt, daß die falschen Hirten durch wirkliche Hirten ersetzt werden und ein „gerechter Sproß“ aus dem Geschlecht Davids hervorkommen wird, ein König, der „gewiß regieren und mit Verständigkeit handeln und Recht und Gerechtigkeit üben [wird] im Land“. Sein Name? „Er [wird] genannt werden ...: Jehova ist unsere Gerechtigkeit.“ Er wird den zerstreuten Überrest sammeln (23:5, 6). Hätten die Propheten in der Gruppe der Vertrauten Jehovas gestanden, so hätten sie das Volk dazu veranlaßt, zu hören und von seinem schlechten Weg umzukehren. Statt dessen, so sagt Jehova, „[lassen sie] mein Volk umherirren ... wegen ihrer Lügen“ (23:22, 32). „Siehe, zwei Körbe Feigen.“ Jeremia gebraucht die guten und die schlechten Feigen, um einen treuen Überrest zu veranschaulichen, der in Gottes Gunst in sein Land zurückkehrt, sowie eine weitere Klasse, die zu ihrem verheerenden Ende kommt (24:1, 5, 8-10).

      20. Wie gebraucht Jehova Babylon als seinen Diener, aber was wird dann sein Geschick sein?

      20 Jehovas Rechtsstreit mit den Nationen (25:1-38). Dieses Kapitel ist eine Zusammenfassung der Gerichte, die ausführlicher in den Kapiteln 45 bis 49 erscheinen. Durch drei parallele Prophezeiungen verkündet Jehova nun Unglück für alle Nationen auf der Erde. Zuerst wird Nebukadrezar als Jehovas Diener identifiziert, der Juda und die umliegenden Nationen verwüsten soll, „und diese Nationen werden dem König von Babylon siebzig Jahre dienen müssen“. Dann wird Babylon an der Reihe sein, und es wird ‘zu wüsten Einöden auf unabsehbare Zeit’ werden (25:1-14).

      21. Wer muß den Becher des Zornes Jehovas trinken? Mit welchem Ergebnis?

      21 Die zweite Prophezeiung ist die Vision vom Becher des Grimmweins Jehovas. Jeremia muß diesen Becher den Nationen bringen, und „sie sollen trinken und hin und her schwanken und wie Unsinnige handeln“, und zwar wegen der Vernichtung, die Jehova über sie bringt. Zuerst nach Jerusalem und Juda! Dann weiter nach Ägypten, zurück nach Philistäa, hinüber nach Edom, hinauf nach Tyrus, in nahe und ferne Länder und zu ‘allen anderen Königreichen der Erde, die auf der Oberfläche des Erdbodens sind; und der König von Scheschach selbst wird nach ihnen trinken’. Sie sollen ‘trinken und sich erbrechen und fallen’. Keiner wird verschont werden (25:15-29).

      22. Durch welches große Unglück wird sich Jehovas Zornglut äußern?

      22 In der dritten Prophezeiung steigt Jeremia zu großartigen dichterischen Höhen empor. „Jehova wird aus der Höhe brüllen ... gegen alle Bewohner der Erde.“ Ein Lärm, ein Unglück, ein großer Sturm! „Und die von Jehova Erschlagenen werden schließlich an jenem Tag gewiß von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde sein.“ Kein Trauern, keine Beerdigungen. Sie werden wie Dünger auf dem Erdboden sein. Die falschen Hirten werden zusammen mit den Majestätischen ihrer Herde geschlachtet werden. Es gibt für sie kein Entkommen. Horch, wie sie heulen! Jehova selbst „verheert ihre Weide ... wegen seiner Zornglut“ (25:30-38).

      23. (a) Welcher Plan wird gegen Jeremia geschmiedet? Wie verteidigt er sich, und auf welche Rechtsbeispiele wird Bezug genommen, um ihn zu entlasten? (b) Wie stellt Jeremia die kommende babylonische Knechtschaft dar, und welche Prophezeiung im Hinblick auf Hananja bewahrheitet sich?

      23 Jeremia gerechtfertigt (26:1⁠—⁠28:17). Die Herrscher und das Volk verschwören sich, Jeremia zu Tode zu bringen. Jeremia trägt seine Verteidigung vor. Das Wort, das er gesprochen hat, ist das Wort Jehovas. Wenn sie ihn töten, töten sie einen Unschuldigen. Das Urteil: nicht schuldig. Die älteren Männer bringen die Rechtsbeispiele der Propheten Micha und Urija zur Sprache und vergleichen sie mit Jeremias Verhaltensweise. Jehova gebietet Jeremia dann, Bande und Joche zu machen, sie auf seinen Hals zu legen und sie dann den Nationen ringsherum als Zeichen dafür zu senden, daß sie dem König von Babylon drei Herrschergenerationen lang dienen müssen. Hananja, einer der falschen Propheten, widersetzt sich Jeremia. Er erklärt, das Joch Babylons werde innerhalb von zwei Jahren zerbrochen werden, und stellt dies dadurch dar, daß er das hölzerne Joch zerbricht. Jehova unterstreicht seine Prophezeiung, indem er Jeremia eiserne Joche machen und vorhersagen läßt, daß Hananja im selben Jahr sterben müsse. Hananja stirbt.

      24. (a) Welche Botschaft sendet Jeremia den nach Babylon Weggeführten? (b) Mit wem wird Jehova einen neuen Bund schließen, und wie wird sich dieser als großartiger erweisen als der frühere Bund?

      24 Trost für die ins Babylonische Exil Weggeführten (29:1⁠—⁠31:40). Jeremia schreibt denen, die mit Jechonja (Jojachin) ins Exil nach Babylon gebracht worden waren: Laßt euch dort nieder, denn bevor euch Jehova zurückbringt, kommen 70 Jahre Exil. Jehova gebietet Jeremia, über ihre Rückkehr folgendes in ein Buch zu schreiben: Jehova wird ihr Joch zerbrechen, und „sie werden gewiß Jehova, ihrem Gott, und David, ihrem König, dienen, den ich [Jehova] für sie erwecken werde“ (30:9). Rahel soll ihre Stimme vom Weinen zurückhalten, denn ihre Söhne „werden gewiß aus dem Land des Feindes zurückkehren“ (31:16). Und dann eine beruhigende Erklärung von Jehova: Er wird mit den Häusern Juda und Israel einen neuen Bund schließen, einen weit großartigeren als den Bund, den sie gebrochen haben. Jehova wird sein Gesetz tief ins Innere, auf ihre Herzen, schreiben. „Und ich will ihr Gott werden, und sie selbst werden mein Volk werden.“ Vom Geringsten bis zum Größten werden sie alle Jehova kennen, und er wird ihre Vergehung vergeben (31:31-34). Ihre Stadt wird wieder aufgebaut werden als etwas Heiliges für Jehova.

      25. Wie wird die Gewißheit der Wiederherstellung Israels betont, und welche Botschaft bringt das Wort Jehovas?

      25 Jehovas Bund mit David sicher (32:1⁠—⁠34:22). Während Nebukadrezars Endbelagerung von Jerusalem befindet sich Jeremia in Haft. Als Zeichen, daß Jehova Israel bestimmt wiederherstellen wird, kauft Jeremia jedoch in Anathoth ein Feld und verwahrt die Urkunden in einem irdenen Gefäß. Das Wort Jehovas bringt jetzt eine gute Botschaft: Juda und Jerusalem werden sich wieder freuen, und Jehova wird sich an seinen Bund mit David halten. Aber Zedekia soll gewarnt sein, daß der König von Babylon diese Stadt mit Feuer verbrennen wird und er selbst nach Babylon in die Gefangenschaft gehen wird. Wehe den Sklavenhaltern, die einwilligten, ihre Sklaven freizulassen, die aber ihren Bund gebrochen haben!

      26. Welche Verheißung gibt Jehova den Rechabitern, und warum?

      26 Jehovas Verheißung für Rechab (35:1-19). In den Tagen König Jojakims sendet Jehova Jeremia zu den Rechabitern. Diese nahmen beim ersten Herannahen der Babylonier in Jerusalem Zuflucht. Jeremia bietet ihnen Wein zu trinken an. Sie lehnen ihn wegen eines über 250 Jahre alten Gebotes ihres Vorfahren Jonadab ab. In der Tat, ein auffallender Gegensatz zu dem untreuen Lauf Judas. Jehova verheißt ihnen: „Es wird von Jonadab, dem Sohn Rechabs, kein Mann davon abgeschnitten werden, vor mir zu stehen allezeit“ (35:19).

      27. Wodurch wird es nötig, das Buch der Prophezeiungen Jeremias nochmals zu schreiben?

      27 Jeremia schreibt das Buch nochmals (36:1-32). Jehova weist Jeremia an, alle Worte seiner bisherigen Prophezeiungen niederzuschreiben. Jeremia diktiert sie Baruch, der sie dann an einem Fastentag im Haus Jehovas laut vorliest. König Jojakim läßt die Rolle holen, und als er einen Teil gehört hat, zerreißt er sie zornig und wirft sie ins Feuer. Er befiehlt, Jeremia und Baruch zu verhaften, aber Jehova verbirgt sie und fordert Jeremia auf, ein Duplikat der Rolle zu schreiben.

      28. (a) Welche Prophezeiungen äußert Jeremia beharrlich? (b) Wie steht Ebed-Melechs Lauf im Gegensatz zu dem der Fürsten?

      28 Jerusalems letzte Tage (37:1⁠—⁠39:18). Nun wird wieder aus der Regierungszeit Zedekias berichtet. Der König bittet Jeremia, für Juda zu Jehova zu beten. Der Prophet weigert sich, indem er sagt, Jerusalems Untergang sei gewiß. Jeremia versucht, nach Anathoth zu gehen, aber er wird als Überläufer ergriffen, geschlagen und viele Tage eingesperrt. Zedekia läßt ihn dann holen. Gibt es ein Wort von Jehova? Natürlich! „In die Hand des Königs von Babylon wirst du gegeben werden!“ (37:17). Die Fürsten sind erzürnt, weil Jeremia beharrlich den Untergang prophezeit, deshalb werfen sie ihn in eine schlammige Zisterne. Ebed-Melech, der Äthiopier, ein Eunuch im Haus des Königs, verwendet sich freundlicherweise für ihn, so daß Jeremia vor einem langsamen Tod bewahrt wird, aber er bleibt im Wachthof in Haft. Wieder ruft Zedekia Jeremia zu sich, hört aber nur: ‘Ergib dich dem König von Babylon, oder mache dich auf deine Gefangenschaft und auf die Zerstörung Jerusalems gefaßt!’ (38:17, 18).

      29. Welches Unglück ereilt nun Jerusalem, aber wie ergeht es Jeremia und Ebed-Melech?

      29 Die Belagerung Jerusalems dauert 18 Monate, und dann wird die Stadt im 11. Jahr Zedekias erbrochen. Der König flieht mit seinem Heer, wird aber eingeholt. Seine Söhne und die Vornehmen werden vor seinen Augen erschlagen, und er wird geblendet und in Fesseln nach Babylon gebracht. Die Stadt wird verbrannt und in Trümmer gelegt, und alle, außer ein paar Armen, werden nach Babylon ins Exil geführt. Auf Nebukadrezars Anweisung wird Jeremia aus dem Hof freigelassen. Vor seiner Freilassung erzählt er Ebed-Melech von Jehovas Verheißung, ihn zu befreien, ‘weil er auf Jehova vertraut habe’ (39:18).

      30. Wie versäumen die übriggebliebenen Leute, Jeremias Rat zu beachten, und welches vernichtende Urteil macht Jeremia in Ägypten bekannt?

      30 Schlußereignisse in Mizpa und in Ägypten (40:1⁠—⁠44:30). Jeremia bleibt in Mizpa mit Gedalja, den die Babylonier zum Statthalter über das übriggebliebene Volk gemacht haben. Nach zwei Monaten wird Gedalja ermordet. Die Leute suchen Jeremias Rat, und er übermittelt ihnen Gottes Wort: ‘Jehova wird euch nicht aus diesem Land ausreißen. Fürchtet euch nicht wegen des Königs von Babylon. Wenn ihr jedoch nach Ägypten hinabgeht, werdet ihr sterben!’ Sie gehen nach Ägypten hinab und nehmen Jeremia und Baruch mit sich. Im ägyptischen Tachpanhes verkündet Jeremia Jehovas vernichtendes Urteil: Der König von Babylon wird seinen Thron in Ägypten errichten. Es ist sinnlos, daß Israel die Götter Ägyptens anbetet und wieder der „Himmelskönigin“ opfert. Haben die Israeliten vergessen, wie Jehova Jerusalem wegen seines Götzendienstes verwüstete? Jehova wird im Land Ägypten Unglück über sie bringen, und sie werden nicht nach Juda zurückkehren. Als Zeichen gibt Jehova Pharao Hophra in die Hand seiner Feinde.

      31. Welche Zusicherung wird Baruch gegeben?

      31 Baruchs Los (45:1-5). Als Baruch Jeremias wiederholte Prophezeiungen des Verderbens hört, ist er betrübt. Ihm wird gesagt, er sollte zuerst an Jehovas Werk des Aufbauens und des Niederreißens denken, statt für sich „ständig nach großen Dingen“ zu suchen (45:5). Er wird durch all das Unglück hindurch gerettet werden.

      32. Gegen wen wird das „Schwert Jehovas“ kommen?

      32 Jehovas Schwert gegen die Nationen (46:1 bis 49:39). Jeremia berichtet von Babylons Siegen über Ägypten bei Karkemisch und anderswo. Obwohl die Nationen ausgerottet werden, wird Jakob bestehenbleiben, jedoch wird es nicht ungestraft bleiben. Das „Schwert Jehovas“ wird gegen die Philister kommen, gegen das stolze Moab und das prahlende Ammon, gegen Edom und Damaskus, Kedar und Hazor (47:6). Der Bogen Elams wird zerbrochen werden.

      33. (a) Was wird mit dem goldenen Becher, mit Babylon, geschehen? (b) Wie muß daher Gottes Volk handeln?

      33 Jehovas Schwert gegen Babylon (50:1⁠—⁠51:64). Jehova sagt im Hinblick auf Babylon: Erzählt es unter den Nationen. Verhehlt nichts. Babylon ist eingenommen, und seine Götter sind beschämt worden. Flieht aus Babylon. Dieser Schmiedehammer, der die Nationen der ganzen Erde zerschmettert hat, ist selbst zerbrochen worden. „O ,Vermessenheit‘ “, Bedrücker des gefangenen Israels und Judas, du sollst wissen, daß Jehova der Heerscharen ihr Rückkäufer ist. Babylon wird ein Versteck heulender Tiere werden. „So wie bei der Umkehrung Sodoms und Gomorras ... wird dort kein Mensch wohnen“ (50:31, 40). Babylon ist ein goldener Becher in Jehovas Hand gewesen, um die Nationen trunken zu machen, aber plötzlich ist es gefallen, so daß es selbst zerbrochen ist. Heult über Babylon, ihr Menschen. Jehova hat den Geist der Könige der Meder erweckt, um es zu verderben. Die starken Männer Babylons haben aufgehört zu kämpfen. Sie sind wie Frauen geworden. Die Tochter Babylon wird niedergetreten werden, fest wie eine Dreschtenne. „Sie sollen einen auf unabsehbare Zeit dauernden Schlaf schlafen, aus dem sie nicht mehr erwachen werden.“ Das Meer ist heraufgekommen und hat Babylon mit einer Menge Wellen bedeckt. „Geht aus ihrer Mitte hinaus, mein Volk, und jeder sorge für das Entrinnen seiner Seele vor der Zornglut Jehovas“ (51:39, 45). Geschrei ist zu hören und ein großes Krachen aus Babylon. Babylons Kriegswaffen müssen zerschmettert werden, denn Jehova ist ein Gott der Vergeltung. Ganz sicher wird er vergelten.

      34. Durch welches Zeichen wird Babylons Fall veranschaulicht?

      34 Jeremia gebietet Seraja: ‘Geh nach Babylon, und lies diese Worte der Prophezeiung gegen Babylon laut vor. Dann binde einen Stein an das Buch, und wirf es mitten in den Euphrat.’ „Und du sollst sagen: ‚Auf diese Weise wird Babylon versinken und nie wieder aufstehen wegen des Unglücks, das ich über sie bringe‘ “ (51:61-64).

      35. Welcher Bericht folgt jetzt?

      35 Bericht über den Sturz Jerusalems (52:1-34). Diese Beschreibung ist fast gleichlautend mit der vorher in 2. Könige 24:18-20; 25:1-21, 27-30 behandelten.

      WIESO NÜTZLICH

      36. (a) Welches Beispiel für mutigen Eifer gibt uns Jeremia? (b) In welcher Hinsicht sind auch Baruch, die Rechabiter und Ebed-Melech vortreffliche Beispiele für uns?

      36 Diese inspirierte Prophezeiung ist im ganzen genommen erbauend und nützlich. Betrachte das mutige Beispiel des Propheten selbst. Er war furchtlos, als er einem gottlosen Volk eine unbeliebte Botschaft verkündete. Er verschmähte die Gesellschaft der Bösen. Er anerkannte die Dringlichkeit der Botschaft Jehovas, indem er sich ganzherzig dem Werk Jehovas hingab und niemals aufgab. Er empfand Gottes Wort wie ein Feuer in seinen Gebeinen, und es war das Frohlocken und die Freude seines Herzens (Jer. 15:16-20; 20:8-13). Seien wir immer so eifrig für das Wort Jehovas! Unterstützen auch wir Gottes Diener loyal, so wie Baruch Jeremia unterstützte! Der aufrichtige Gehorsam der Rechabiter ist ebenfalls ein glänzendes Beispiel für uns, ebenso Ebed-Melechs freundliche Rücksicht gegenüber dem verfolgten Propheten (36:8-19, 32; 35:1-19; 38:7-13; 39:15-18).

      37. Wie stärkt eine Betrachtung des Buches Jeremia den Glauben an Jehovas Fähigkeit zu prophezeien?

      37 Das Wort Jehovas, das an Jeremia erging, erfüllte sich mit erstaunlicher Genauigkeit. Das stärkt bestimmt den Glauben an Jehovas Fähigkeit zu prophezeien. Betrachten wir zum Beispiel die Erfüllung der Prophezeiungen, die Jeremia selbst miterlebte, wie die Gefangenschaft Zedekias und die Zerstörung Jerusalems (21:3-10; 39:6-9), die Entthronung des Königs Schallum (Jehoahas) und seinen Tod in der Gefangenschaft (Jer. 22:11, 12; 2. Kö. 23:30-34; 2. Chr. 36:1-4), die Gefangennahme König Konjas (Jojachins) und seine Verschleppung nach Babylon (Jer. 22:24-27; 2. Kö. 24:15, 16) und den Tod des falschen Propheten Hananja innerhalb eines Jahres (Jer. 28:16, 17). Alle diese Prophezeiungen und noch weitere erfüllten sich genauso, wie Jehova es vorhergesagt hatte. Auch spätere Propheten und Diener Jehovas fanden Jeremias Prophezeiung maßgebend und nützlich. Daniel erkannte zum Beispiel aus den Schriften Jeremias, daß die Verwüstung Jerusalems 70 Jahre dauern mußte, und Esra lenkte am Ende der 70 Jahre die Aufmerksamkeit auf die Erfüllung der Worte Jeremias (Dan. 9:2; 2. Chr. 36:20, 21; Esra 1:1; Jer. 25:11, 12; 29:10).

      38. (a) Welcher Bund, auf den sich auch Jesus bezog, wird in Jeremias Prophezeiung hervorgehoben? (b) Welche Königreichshoffnung wird ausgerufen?

      38 Als Jesus die Feier des Abendmahls des Herrn einführte, wies er seine Jünger auf die Erfüllung der Prophezeiung Jeremias über den neuen Bund hin. So bezog er sich auf „den neuen Bund kraft meines Blutes“, wodurch ihre Sünden vergeben und sie als Jehovas geistige Nation versammelt wurden (Luk. 22:20; Jer. 31:31-34). Die Geistgezeugten, die in den neuen Bund gebracht worden sind, sind diejenigen, die Christus in einen Bund für das Königreich aufnimmt, damit sie mit ihm im Himmel regieren (Luk. 22:29; Offb. 5:9, 10; 20:6). Auf dieses Königreich wird in Jeremias Prophezeiung mehrfach Bezug genommen. Mitten in all den Drohungen gegen das untreue Jerusalem wies Jeremia auf diesen Hoffnungsstrahl hin: „ ‚Siehe! Es kommen Tage‘, ist der Ausspruch Jehovas, ,da will ich David einen gerechten Sproß erwecken. Und ein König wird gewiß regieren und mit Verständigkeit handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land.‘ “ Ja, ein König, der „Jehova ist unsere Gerechtigkeit“ genannt wird (Jer. 23:5, 6).

      39. Welche Zusicherung gibt die von Jeremia vorhergesagte Rückkehr eines Überrestes aus Babylon?

      39 Wieder spricht Jeremia von einer Wiederherstellung: „Und sie werden gewiß Jehova, ihrem Gott, und David, ihrem König, dienen, den ich für sie erwecken werde“ (30:9). Schließlich spricht er von dem guten Wort, das Jehova im Hinblick auf Israel und Juda geredet hat und das besagt, daß „in jenen Tagen und zu jener Zeit ... [Jehova] für David einen gerechten Sproß sprossen lassen“ wird, damit sein Same sich mehre und ein „[Sohn] als König auf seinem Thron“ regiere (33:15, 21). So sicher, wie ein Überrest aus Babylon zurückkehrte, wird das Königreich dieses gerechten „Sprosses“ Recht und Gerechtigkeit auf der ganzen Erde ausüben (Luk. 1:32).

      [Fußnote]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 326; NEBUKADNEZAR.

  • 25. Bibelbuch — Klagelieder
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 25. Bibelbuch — Klagelieder

      Schreiber: Jeremia

      Ort der Niederschrift: bei Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: 607 v. u. Z.

      1. Wieso ist der Name des Buches der Klagelieder passend?

      DIESES Buch der inspirierten Schriften trägt bestimmt einen passenden Namen. Es enthält eine Wehklage, die tiefen Kummer über ein unheilvolles Ereignis in der Geschichte des auserwählten Volkes Gottes zum Ausdruck bringt: die Zerstörung Jerusalems durch den babylonischen König Nebukadnezar im Jahre 607 v. u. Z. Im Hebräischen wird dieses Buch nach seinem Anfangswort, ʼĒcháh!, benannt, das „O wie!“ bedeutet. Die Übersetzer der Septuaginta nannten es Thrḗnoi, „Klagelieder“, „Wehklagen“. Im babylonischen Talmud heißt es Qinṓth, was „Klagelieder“, „Elegien“ bedeutet. Hieronymus, der in Latein schrieb, nannte es Lamentationes.

      2. Wo sind die Klagelieder in der Bibel zu finden?

      2 In deutschen Bibelübersetzungen folgt das Buch der Klagelieder auf Jeremia, während es im hebräischen Kanon gewöhnlich zusammen mit dem Hohenlied Salomos und den Büchern Ruth, Prediger und Esther — einer kleinen Gruppe, die insgesamt als die fünf Mehgillṓth (Rollen) bekannt ist — in den Hagiographa oder Schriften zu finden ist. In einigen neuzeitlichen hebräischen Bibeln steht es zwischen den Büchern Ruth und Prediger oder Esther und Prediger; doch in alten Abschriften soll es wie in den heutigen Bibeln nach Jeremia gestanden haben.

      3, 4. Was beweist, daß sie von Jeremia geschrieben wurden?

      3 In dem Buch selbst wird der Schreiber nicht genannt. Dennoch besteht so gut wie kein Zweifel darüber, daß es Jeremia war. Die Septuaginta enthält dazu folgendes Vorwort: „Und es geschah, nachdem Israel gefangengenommen und Jerusalem verwüstet worden war, daß sich Jeremia weinend setzte und dieses Klagelied über Jerusalem klagte und sprach ...“ Hieronymus hielt diese Worte für unecht und ließ sie in seiner Übersetzung weg. Doch sowohl die jüdische Tradition als auch die Peschitta, die Vulgata, das Targum Jonathan, der babylonische Talmud usw. schreiben die Klagelieder Jeremia zu.

      4 Einige Kritiker haben versucht, zu beweisen, daß Jeremia die Klagelieder nicht geschrieben hat. In dem Werk A Commentary on the Holy Bible werden jedoch als Beweis dafür, daß er der Schreiber war, folgende Gründe angeführt: „Die lebendigen Schilderungen Jerusalems in Kap. 2 und 4, die offensichtlich aus der Feder eines Augenzeugen stammen, ebenso das tiefe Mitgefühl, das in den Gedichten durchweg zum Ausdruck kommt, sowie das prophetische Element, der Stil, die Ausdrucksweise und das Gedankengut — das alles ist für Jeremia sehr bezeichnend.“a Die Bücher Klagelieder und Jeremia enthalten viele ähnlich lautende Wendungen, wie der Ausdruck ‘Augen fließen von Wasser [Tränen]’, der tiefen Kummer verrät (Klag. 1:16; 2:11; 3:48, 49; Jer. 9:1; 13:17; 14:17), und die Worte des Abscheus vor den Propheten und Priestern wegen ihrer Verderbtheit (Klag. 2:14; 4:13, 14; Jer. 2:34; 5:30, 31; 14:13, 14). Die Stellen Jeremia 8:18-22 und 14:17, 18 zeigen, daß Jeremia ohne weiteres in der Lage war, einen düsteren Stil wie den der Klagelieder zu schreiben.

      5. Welche Schlußfolgerung ermöglicht es, die Zeit der Niederschrift zu ermitteln?

      5 Man stimmt allgemein darin überein, daß die Klagelieder kurz nach dem Fall Jerusalems (607 v. u. Z.) geschrieben wurden. Die Schrecken der Belagerung und Einäscherung der Stadt waren noch frisch in Jeremias Gedächtnis, und sein Schmerz kommt deutlich zum Ausdruck. Nach den Worten eines Kommentators wird an keiner bestimmten Stelle nur eine einzige Facette des Kummers völlig beleuchtet, sondern jede kehrt in den verschiedenen Gedichten immer und immer wieder. Dann sagt er: „Dieser Aufruhr der Gedanken ... ist einer der stärksten Beweise dafür, daß das Buch kurz nach den Ereignissen und den dadurch hervorgerufenen Gemütsbewegungen, die es wiedergeben will, entstanden ist.“b

      6. Was ist an dem Stil und dem Aufbau des Buches der Klagelieder besonders interessant?

      6 Der Aufbau der Klagelieder ist für den Erforscher der Bibel sehr interessant. Das Buch besteht aus fünf Kapiteln, d. h. aus fünf lyrischen Gedichten. Die ersten vier sind Akrostichen, bei denen jeder Vers der Reihe nach mit einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnt. Das dritte Kapitel hat 66 Verse, so daß 3 aufeinanderfolgende Verse mit demselben Buchstaben anfangen, bevor der nächste Buchstabe folgt. Das fünfte Gedicht ist nicht akrostichisch, obwohl es 22 Verse hat.

      7. Welchen Kummer bringt Jeremia zum Ausdruck, aber welche Hoffnung ist immer noch vorhanden?

      7 Das Buch der Klagelieder bringt den überwältigenden Kummer über die Belagerung, die Einnahme und die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar zum Ausdruck, und es ist wegen seiner lebendigen und mitleiderregenden Schilderungen in der Literatur unübertroffen. Der Schreiber äußert großen Kummer über die Verwüstung, das Elend und die Verwirrung, die er vor Augen hat. Hungersnot, Schwert und andere Greuel haben schreckliche Leiden über die Stadt gebracht — und das alles als unmittelbare Strafe von Gott für die Sünden des Volkes, der Propheten und der Priester. Die Hoffnung auf Jehova und der Glaube an ihn sind jedoch immer noch vorhanden, und an ihn richten sich die Gebete um eine Wiederherstellung.

      INHALT DER KLAGELIEDER

      8. Welche Verwüstung wird im ersten Gedicht beschrieben, aber wie äußert sich das personifizierte Jerusalem?

      8 „O wie ist es gekommen, daß sie einsam sitzt, die Stadt, die an Volk so zahlreich war!“ Mit diesen Worten beginnt die Wehklage des ersten Gedichts. Die Tochter Zion war eine Fürstin, aber ihre Liebhaber haben sie verlassen, und ihr Volk ist ins Exil gegangen. Ihre Tore sind verödet. Jehova hat sie wegen der Menge ihrer Übertretungen bestraft. Sie hat ihre Pracht verloren. Ihre Widersacher haben über ihren Zusammenbruch gelacht. Sie ist auf wunderliche Weise hinabgegangen und hat keinen Tröster, und ihr übriggebliebenes Volk ist hungrig. Sie (das personifizierte Jerusalem) fragt: „Gibt es irgendeinen Schmerz gleich meinem Schmerz?“ Sie streckt ihre Hände aus und sagt: „Jehova ist gerecht, denn gegen seinen Mund habe ich rebelliert“ (1:1, 12, 18). Sie ruft Jehova an und bittet ihn, über ihre frohlockenden Feinde das gleiche Unglück zu bringen, das er über sie gebracht hat.

      9. (a) Wer hat dieses Unglück über die Stadt Jerusalem gebracht? (b) Was sagt Jeremia über den Spott, der auf sie gehäuft wurde, und über die schrecklichen Zustände in der Stadt?

      9 „O wie umwölkt Jehova in seinem Zorn die Tochter Zion!“ Das zweite Gedicht zeigt, daß Jehova die Schönheit Israels auf die Erde hinabgeworfen hat. Er hat Fest und Sabbat vergessen lassen, und seinen Altar und sein Heiligtum hat er verstoßen. Welche mitleiderregenden Anblicke sich doch in Jerusalem bieten! Jeremia ruft aus: „Meine Augen sind in lauter Tränen vergangen. Meine Eingeweide sind in Gärung. Zur Erde verschüttet ist meine Leber wegen des Zusammenbruchs der Tochter meines Volkes“ (2:11). Womit soll er die Tochter Jerusalem vergleichen? Wie soll er die Tochter Zion trösten? Ihre eigenen Propheten haben sich als wertlos und unbefriedigend erwiesen. Jetzt wird sie von Vorübergehenden verlacht: „Ist das die Stadt, von der man zu sagen pflegte: ‚Sie ist der Schönheit Vollkommenheit, ein Frohlocken für die ganze Erde.‘ “ (2:15)? Ihre Feinde haben ihren Mund aufgetan und gepfiffen; sie haben mit den Zähnen geknirscht und gesagt: ‘Dies ist der Tag, auf den wir gehofft haben, sie zu verschlingen.’ Ihre Kinder verschmachten vor Hunger, und Frauen essen ihre eigenen Nachkommen. Leichname liegen auf der Straße umher. „Am Tag des Zornes Jehovas gab es tatsächlich keinen Entronnenen oder Überlebenden“ (2:16, 22).

      10. Welche Eigenschaften Gottes erwähnt Jeremia als Grundlage für eine Hoffnung?

      10 In den 66 Versen des dritten Gedichts wird Zions Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit hervorgehoben. Anhand mehrerer Sinnbilder zeigt der Prophet, daß Jehova Gefangenschaft und Verwüstung gebracht hat. In seiner traurigen Lage bittet der Schreiber Gott, seiner Trübsal zu gedenken, und bringt seinen Glauben an Jehovas liebende Güte und seine Erbarmungen zum Ausdruck. Drei aufeinanderfolgende Verse beginnen mit „Gut“ und zeigen, daß es angebracht ist, auf die von Jehova kommende Rettung zu warten (3:25-27). Jehova hat Kummer verursacht, er wird jedoch auch Barmherzigkeit erweisen. Aber noch hat er seinem Volk trotz des Bekenntnisses, sich rebellisch benommen zu haben, nicht vergeben; er hat seine Gebete behindert und es „zu bloßem Abschaum und Kehricht“ gemacht (3:45). Unter bitteren Tränen erinnert sich der Prophet, daß seine Feinde nach ihm jagten wie nach einem Vogel. Doch Jehova nahte sich ihm in der Grube und sagte: „Fürchte dich nicht.“ Er bittet Jehova, das Schmähen der Feinde zu vergelten: „Du wirst ihnen nachjagen im Zorn und sie vertilgen unter den Himmeln Jehovas hinweg“ (3:57, 66).

      11. Auf welch verschiedene Weise ist Jehovas Zornglut auf Zion ausgegossen worden, und warum?

      11 „O wie trübe wird das glänzende Gold, das gute Gold!“ (4:1). Im vierten Gedicht wird die dahingeschwundene Herrlichkeit des Tempels Jehovas beklagt, dessen Steine auf die Straßen verschüttet werden. Die kostbaren Söhne Zions haben wie irdene Krüge nur noch geringen Wert. Es gibt weder Wasser noch Brot, und die, die in Luxus aufgezogen wurden, „mußten Aschenhaufen umarmen“ (4:5). Die Strafe ist sogar größer als die Strafe für die Sünde Sodoms. Die Nasiräer, die einst „reiner als Schnee“ und „weißer als Milch“ waren, sind „dunkler als Schwärze“ geworden, und ihre Haut ist eingeschrumpft (4:7, 8). Es ist besser, vom Schwert erschlagen worden zu sein, als zu einer Zeit, in der Frauen ihre eigenen Kinder kochten, zu verhungern. Jehova hat seine Zornglut ausgegossen. Das Unglaubliche ist geschehen — der Widersacher ist in die Tore der Stadt Jerusalem gekommen. Warum? „Wegen der Sünden ihrer Propheten, der Vergehungen ihrer Priester“, die gerechtes Blut vergossen (4:13). Das Angesicht Jehovas ist ihnen nicht zugewandt. Doch die Vergehung der Tochter Zion ist zu ihrem Ende gekommen, und sie wird nicht wieder ins Exil weggeführt werden. Nun ist es an dir, Tochter Edom, den bitteren Becher Jehovas zu trinken!

      12. Welche demütige Bitte wird im fünften Gedicht geäußert?

      12 Das fünfte Gedicht beginnt mit der Bitte an Jehova, seines verwaisten Volkes zu gedenken. Die Bewohner Jerusalems werden als die Sprechenden dargestellt. Ihre Vorväter haben gesündigt, und die Vergehung ihrer Vorväter müssen sie nun tragen. Lediglich Knechte herrschen über sie, und sie leiden Hungerqualen. Das Frohlocken ihres Herzens hat aufgehört, und ihr Reigentanz hat sich in Trauer verwandelt. Ihr Herz ist krank. Demütig sagen sie zu Jehova: „Was dich betrifft, o Jehova, auf unabsehbare Zeit wirst du ... sitzen. Dein Thron währt Generation um Generation.“ Sie rufen aus: „Führe uns zurück, o Jehova, zu dir, und wir wollen zurückkehren. Bringe uns neue Tage wie vor alters. Doch du hast uns ganz bestimmt verworfen. Du hast uns überaus gezürnt“ (5:19-22).

      WIESO NÜTZLICH

      13. Welche Zuversicht kommt in den Klageliedern zum Ausdruck, doch wieso sind sie auch insofern nützlich, als sie auf Gottes Strenge aufmerksam machen?

      13 Das Buch der Klagelieder bringt Jeremias völliges Vertrauen zu Gott zum Ausdruck. In seinem tiefen Kummer über die vernichtende Niederlage und ohne jede Hoffnung auf Trost von menschlicher Seite sieht der Prophet der Rettung durch Jehova, den großen Gott des Universums, entgegen. Die Klagelieder sollten alle wahren Anbeter Gottes zum Gehorsam und zur Bewahrung der Lauterkeit anspornen; gleichzeitig dienen sie aber denen, die den größten Namen und das, wofür er steht, außer acht lassen, als ernste Warnung. Keine andere zerstörte Stadt wurde je mit solch mitleiderregenden, ergreifenden Worten beklagt. Ohne Zweifel sind die Klagelieder auch insofern nützlich, als sie zeigen, mit welcher Strenge Gott gegen die vorgeht, die rebellisch, halsstarrig und reuelos bleiben.

      14. Auf die Erfüllung welcher göttlichen Warnungen und Prophezeiungen wird in den Klageliedern hingewiesen, und inwiefern stimmt das Buch mit anderen inspirierten Schriften überein?

      14 Die Klagelieder sind ferner nützlich, weil sie auf die Erfüllung mehrerer göttlicher Warnungen und Prophezeiungen hinweisen (Klag. 1:2 — Jer. 30:14; Klag. 2:15 — Jer. 18:16; Klag. 2:17 — 3. Mo. 26:17; Klag. 2:20 — 5. Mo. 28:53). Sie sind auch ein untrügliches Zeugnis für die Erfüllung von 5. Mose 28:63-65. Darüber hinaus enthält das Buch mehrere Bezugnahmen auf andere Teile der heiligen Schriften (Klag. 2:15 — Ps. 48:2; Klag. 3:24 — Ps. 119:57). Die Worte aus Klagelieder 1:5 und 3:42 werden durch Daniel 9:5-14 bestätigt, wo gezeigt wird, daß das Unglück wegen der Übertretungen des Volkes gekommen war.

      15. Auf welche „neuen Tage“ weisen die Klagelieder hin?

      15 Wahrhaft erschütternd ist der beklagenswerte Zustand Jerusalems. Dennoch klingt aus den Klageliedern das Vertrauen, daß Jehova liebende Güte und Barmherzigkeit zeigen, ja daß er Zions gedenken und es zurückführen wird (Klag. 3:31, 32; 4:22). Sie bringen die Hoffnung auf „neue Tage“ zum Ausdruck, auf Tage wie vor alters, als die Könige David und Salomo in Jerusalem regierten. Jehovas Bund mit David für ein ewiges Königreich besteht immer noch. „Seine Erbarmungen werden gewiß kein Ende nehmen. Sie sind jeden Morgen neu.“ Und sie werden denen, die Jehova lieben, weiterhin erwiesen, bis alle unter seiner gerechten Königreichsherrschaft Lebenden dankbar ausrufen werden: „Jehova ist mein Teil“ (5:21; 3:22-24).

      [Fußnoten]

      a Herausgegeben von J. R. Dummelow, 1952, Seite 483.

      b Norman K. Gottwald, Studies in the Book of Lamentations, 1954, Seite 31.

  • 26. Bibelbuch — Hesekiel
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 26. Bibelbuch — Hesekiel

      Schreiber: Hesekiel

      Ort der Niederschrift: Babylon

      Vollendung der Niederschrift: um 591 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 613 bis um 591 v. u. Z.

      1. In welchen Verhältnissen lebten die Juden im Exil in Babylon, und welche weiteren Prüfungen standen ihnen nun bevor?

      IM Jahre 617 v. u. Z. übergab Jojachin, der König von Juda, Jerusalem an Nebukadnezar, der dann die Vornehmen des Landes und die Schätze des Hauses Jehovas sowie die Schätze des Königshauses nach Babylon mitnahm. Zu den Gefangenen gehörten die Königsfamilie und die Fürsten, die tapferen und mächtigen Männer, die Handwerker und die Bauleute sowie Hesekiel, der Sohn Busis, des Priesters (2. Kö. 24:11-17; Hes. 1:1-3). Schweren Herzens hatten diese ins Exil weggeführten Israeliten ein Land mit Hügeln, Quellen und Tälern verlassen. Nun befanden sie sich nach einer beschwerlichen Reise in einem weithin ebenen Land. Sie wohnten am Strom Kebar, mitten in einem mächtigen Reich, umgeben von einem Volk, das fremde Bräuche und einen heidnischen Kult pflegte. Nebukadnezar gestattete den Israeliten, ihre eigenen Häuser zu haben, Diener zu halten und Handel zu treiben (Hes. 8:1; Jer. 29:5-7; Esra 2:65). Wenn sie arbeitsam waren, konnten sie zu Wohlstand kommen. Würden ihnen die babylonische Religion und der Materialismus zum Fallstrick werden? Würden sie weiterhin gegen Jehova rebellieren? Würden sie ihr Exil als von ihm kommende Züchtigung annehmen? Im Land ihres Exils würden ihnen also weitere Prüfungen bevorstehen.

      2. (a) Welche drei Propheten traten in den kritischen Jahren vor der Zerstörung Jerusalems besonders hervor? (b) Wie wird Hesekiel bezeichnenderweise angesprochen, und was bedeutet sein Name? (c) In welchen Jahren prophezeite Hesekiel, und was ist über sein Leben und seinen Tod bekannt?

      2 In diesen kritischen Jahren vor der Zerstörung Jerusalems brauchten weder Jehova noch die Israeliten ohne die Dienste eines Propheten auszukommen. Jeremia wirkte von Jerusalem aus, Daniel war am Hof des Königs von Babylon, und Hesekiel diente den im Exil lebenden Juden in Babylonien als Prophet. Hesekiel war Priester und Prophet — ein Vorrecht, das auch Jeremia genoß und später ebenso Sacharja (Hes. 1:3). Hesekiel wird in seinem Buch über 90mal als „Menschensohn“ angesprochen, etwas, was beim Studium seiner Prophezeiungen der Beachtung wert ist, denn Jesus wird in den Christlichen Griechischen Schriften ebenfalls nahezu 80mal als „Menschensohn“ bezeichnet (Hes. 2:1; Mat. 8:20). Der Name Hesekiel (hebräisch: Jechesqéʼl) bedeutet „Gott stärkt“. Im fünften Jahr des Exils Jojachins (613 v. u. Z.) wurde Hesekiel von Jehova zum Propheten bestimmt. Wir lesen, daß er im 27. Jahr des Exils, also 22 Jahre später, immer noch tätig war (Hes. 1:1, 2; 29:17). Er war verheiratet, aber seine Frau starb an dem Tag, an dem Nebukadnezar mit der letzten Belagerung Jerusalems begann (24:2, 18). Wann und wie Hesekiel starb, ist nicht bekannt.

      3. Wieso kann gesagt werden, daß Hesekiel der Schreiber des nach ihm benannten Buches ist, und wodurch wird dessen Kanonizität und Glaubwürdigkeit bestätigt?

      3 Daß Hesekiel der Schreiber des nach ihm benannten Buches ist und dieses zu Recht im Bibelkanon enthalten ist, bezweifelt niemand. Es wurde zur Zeit Esras in den Kanon aufgenommen und erscheint auch in den Katalogen der frühchristlichen Zeit, vor allem in dem des Origenes. Seine Glaubwürdigkeit wird auch durch die auffallende Ähnlichkeit zwischen seinen symbolischen Darstellungen und denen des Buches Jeremia und der Offenbarung bestätigt (Hes. 24:2-12 — Jer. 1:13-15; Hes. 23:1-49 — Jer. 3:6-11; Hes. 18:2-4 — Jer. 31:29, 30; Hes. 1:5, 10 — Offb. 4:6, 7; Hes. 5:17 — Offb. 6:8; Hes. 9:4 — Offb. 7:3; Hes. 2:9; 3:1 — Offb. 10:2, 8-10; Hes. 23:22, 25, 26 — Offb. 17:16; 18:8; Hes. 27:30, 36 — Offb. 18:9, 17-19; Hes. 37:27 — Offb. 21:3; Hes. 48:30-34 — Offb. 21:12, 13; Hes. 47:1, 7, 12 — Offb. 22:1, 2).

      4. Durch welche dramatischen Ereignisse haben sich Hesekiels Prophezeiungen erfüllt?

      4 Ein weiterer Beweis für die Glaubwürdigkeit ist die dramatische Erfüllung der Prophezeiungen Hesekiels gegen die Nachbarvölker Tyrus, Ägypten und Edom. Er sagte z. B. voraus, daß Tyrus verwüstet werde, und das erfüllte sich teilweise, als Nebukadnezar die Stadt nach 13jähriger Belagerung einnahm (Hes. 26:2-21). Doch dieser Kampf führte nicht zu ihrem vollständigen Untergang. Gemäß Jehovas Urteilsspruch sollte sie jedoch vollständig zerstört werden. Er hatte durch Hesekiel vorhersagen lassen: „Ich will seinen Staub von ihm abkratzen und es zu einer glänzenden kahlen Oberfläche eines zerklüfteten Felsens machen. ... deine Steine und dein Holzwerk und deinen Staub werden sie direkt mitten ins Wasser legen“ (26:4, 12). Das alles erfüllte sich mehr als 250 Jahre später, als Alexander der Große gegen die Inselstadt Tyrus zog. Seine Soldaten scharrten die Trümmer der zerstörten Festlandstadt zusammen und warfen sie ins Meer, so daß ein etwa 800 Meter langer Damm zur Inselstadt hinaus entstand. Mit raffiniert gebauten Belagerungsmaschinen stürmten sie dann die etwa 45 Meter hohe Mauer und nahmen die Stadt im Jahre 332 v. u. Z. ein. Tausende wurden getötet, und weitere Tausende wurden in die Sklaverei verkauft. Wie Hesekiel ebenfalls vorausgesagt hatte, wurde Tyrus zu einer ‘kahlen Oberfläche eines zerklüfteten Felsens, zu einem Trockenplatz für Schleppnetze’ (26:14)a. Die treulosen Edomiter auf der gegenüberliegenden Seite des Landes der Verheißung wurden — wie Hesekiel vorhergesagt hatte — ebenfalls vertilgt (25:12, 13; 35:2-9).b Selbstverständlich erwiesen sich auch Hesekiels Prophezeiungen über die Zerstörung Jerusalems und die Wiederherstellung Israels als zutreffend (17:12-21; 36:7-14).

      5. Wie reagierten die Juden auf die ersten Prophezeiungen Hesekiels?

      5 In den ersten Jahren seiner prophetischen Laufbahn rief Hesekiel Gottes unabänderliche Urteilssprüche gegen das untreue Jerusalem aus und warnte die im Exil lebenden Juden vor dem Götzendienst (14:1-8; 17:12-21). Diese zeigten jedoch keine echte Reue. Ihre verantwortlichen Männer pflegten Hesekiel um Rat zu fragen, aber sie schenkten den Botschaften Jehovas, die Hesekiel ihnen übermittelte, keine Aufmerksamkeit. Sie gaben ihren Götzendienst und ihre materialistische Handlungsweise nicht auf. Der Verlust ihres Tempels, ihrer heiligen Stadt und ihres Königshauses war für sie ein fürchterlicher Schock gewesen, hatte aber nur bei einigen bewirkt, daß sie sich demütigten und bereuten (Ps. 137:1-9).

      6. Was wird in Hesekiels späteren Prophezeiungen betont, und wie wird die Heiligung des Namens Jehovas hervorgehoben?

      6 Hesekiels Prophezeiungen der späteren Jahre betonten die Hoffnung auf eine Wiederherstellung. Außerdem wurden dadurch Judas Nachbarvölker, die über dessen Untergang frohlockt hatten, zur Rede gestellt. Ihre Demütigung und die Wiederherstellung Israels sollten Jehova vor ihren Augen heiligen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Gefangenschaft und die Wiederherstellung folgendem Zweck dienen sollten: „Israel ... und die Nationen werden erkennen müssen, daß ich Jehova bin“ (Hes. 39:7, 22). Die Heiligung des Namens Jehovas wird im ganzen Buch hervorgehoben, denn über 60mal kommt darin der Ausspruch vor: „Du wirst [oder: ihr werdet; sie werden] erkennen müssen, daß ich Jehova bin“ (6:7, Fußnote).

      INHALT DES BUCHES HESEKIEL

      7. In welche drei Abschnitte gliedert sich das Buch Hesekiel?

      7 Das Buch gliedert sich in drei Abschnitte. Der erste, Kapitel 1 bis 24, enthält Warnungen vor der unabwendbaren Zerstörung Jerusalems. Der zweite, Kapitel 25 bis 32, umfaßt Prophezeiungen, die verschiedenen heidnischen Völkern den Untergang ankündigen. Der letzte Abschnitt, Kapitel 33 bis 48, besteht aus Wiederherstellungsprophezeiungen und gipfelt in der Vision von einem neuen Tempel und einer neuen heiligen Stadt. Die meisten Prophezeiungen sind chronologisch und thematisch geordnet.

      8. Was sieht Hesekiel in seiner ersten Vision?

      8 Jehova beauftragt Hesekiel als Wächter (1:1 bis 3:27). In seiner ersten Vision (613 v. u. Z.) sieht Hesekiel einen vom Norden kommenden stürmischen Wind und eine Wolkenmasse sowie zuckendes Feuer. Aus ihm kommen vier geflügelte lebende Geschöpfe hervor, von denen jedes ein Menschengesicht, ein Löwengesicht, ein Stiergesicht und ein Adlergesicht hat. Ihr Aussehen ist wie brennende Kohlen, und jedes wird von einem Rad begleitet, das sich gleichsam inmitten eines Rades von furchterregender Höhe befindet, dessen Felgen voll Augen sind. Sie bewegen sich einheitlich in jede Richtung. Über den Häuptern der lebenden Geschöpfe ist das Gleichnis einer Ausdehnung, und oberhalb der Ausdehnung ist ein Thron, auf dem „das Aussehen des Gleichnisses der Herrlichkeit Jehovas“ ist (1:28).

      9. Was schließt Hesekiels Auftrag alles ein?

      9 Jehova gebietet dem am Boden liegenden Hesekiel: „Menschensohn, stell dich auf deine Füße.“ Dann bestimmt er ihn zum Propheten für Israel und für die rebellischen Nationen ringsum. Ob sie hören oder nicht, ist unwichtig. Sie werden wenigstens wissen, daß ein Prophet des Herrn Jehova in ihrer Mitte war. Jehova läßt Hesekiel eine Buchrolle essen, die in seinem Mund so süß wird wie Honig. Er sagt zu ihm: „Menschensohn, zu einem Wächter habe ich dich für das Haus Israel gemacht“ (2:1; 3:17). Hesekiel muß die Warnung gewissenhaft verkünden, sonst wird er sterben.

      10. Was muß Hesekiel zu einem Zeichen für Israel darstellen?

      10 Darstellung der Belagerung Jerusalems (4:1 bis 7:27). Jehova gebietet Hesekiel, in einen Ziegelstein eine Skizze von Jerusalem einzuritzen. Zu einem Zeichen für Israel muß Hesekiel eine Belagerung darstellen. Um der Sache Nachdruck zu verleihen, soll er sich vor dem Ziegelstein 390 Tage auf seine linke Seite und 40 Tage auf seine rechte Seite legen und sich von einer sehr kargen Kost ernähren. Daß Hesekiel diese Szene tatsächlich ganz durchspielt, geht aus seiner inständigen Bitte an Jehova hervor, einen anderen Brennstoff zum Kochen benutzen zu dürfen (4:9-15).

      11. (a) Wie veranschaulicht Hesekiel das unglückliche Ende der Belagerung? (b) Warum wird es keine Befreiung geben?

      11 Um das unglückliche Ende der Belagerung zu veranschaulichen, läßt Jehova Hesekiel sein Haar und seinen Bart scheren. Ein Drittel davon muß er verbrennen, ein Drittel mit einem Messer zerhauen und ein Drittel in den Wind streuen. Demnach wird am Ende der Belagerung ein Teil der Bewohner Jerusalems durch Hungersnot und Pest und ein Teil durch das Schwert sterben, während die übrigen unter die Nationen zerstreut werden. Jehova wird die Stadt zu etwas Verwüstetem machen. Warum? Weil sie ihn mit ihrem verwerflichen und abscheulichen Götzendienst gekränkt hat. Mit Reichtum kann man keine Befreiung erkaufen. Am Tag des Zornausbruchs Jehovas werden die Bewohner Jerusalems ihr Silber auf die Straßen werfen, „und sie werden erkennen müssen, daß ich Jehova bin“ (7:27).

      12. Welche Abscheulichkeiten sieht Hesekiel in seiner Vision von dem abtrünnigen Jerusalem?

      12 Hesekiels Vision vom abtrünnigen Jerusalem (8:1⁠—⁠11:25). Es ist jetzt das Jahr 612 v. u. Z. In einer Vision wird Hesekiel nach dem entfernten Jerusalem gebracht, wo er die Abscheulichkeiten sieht, die im Tempel Jehovas geschehen. Im Vorhof befindet sich ein abscheuliches Sinnbild, das Jehova zur Eifersucht reizt. Hesekiel durchbohrt die Wand und sieht, wie 70 ältere Männer vor einer Wand anbeten, in die Darstellungen von widerlichen Tieren und mistigen Götzen eingeritzt sind. Sie entschuldigen sich mit den Worten: „Jehova sieht uns nicht. Jehova hat das Land verlassen“ (8:12). Am Nordtor beweinen Frauen den heidnischen Gott Tammuz. Das ist aber noch nicht alles. Unmittelbar am Eingang des Tempels sind 25 Männer zu sehen, die, mit dem Rücken gegen den Tempel, die Sonne anbeten. Sie entweihen Jehova unverhohlen; doch er wird bestimmt in seinem Grimm handeln.

      13. Welche Befehle führen der mit Linnen bekleidete Mann und die sechs bewaffneten Männer aus?

      13 Jetzt erscheinen sechs Männer mit Waffen zum Zerschlagen in ihren Händen. Unter ihnen ist ein siebter Mann, mit Linnen bekleidet und mit dem Tintenfaß eines Sekretärs ausgerüstet. Jehova sagt zu diesem Mann, er solle mitten durch die Stadt gehen und ein Kennzeichen an die Stirn der Menschen anbringen, die seufzen und stöhnen über die Abscheulichkeiten, die mitten in der Stadt verübt werden. Dann befiehlt er den sechs Männern, hinter ihm herzugehen und jeden, „Greis, Jüngling und Jungfrau und Kleinkind und Frauen“, zu töten, an dem kein Kennzeichen ist. Das tun sie, und sie fangen damit bei den alten Männern vor dem Haus an. Der mit Linnen bekleidete Mann berichtet: „Ich habe getan, wie du mir geboten hast“ (9:6, 11).

      14. Was läßt die Vision schließlich in bezug auf Jehovas Herrlichkeit und seine Strafgerichte erkennen?

      14 Wiederum sieht Hesekiel die Herrlichkeit Jehovas, die sich über die Cherube erhebt. Ein Cherub nimmt von den Feuerkohlen zwischen dem Räderwerk und gibt sie dem mit Linnen bekleideten Mann, der sie dann über die Stadt streut. Den Zerstreuten Israels verheißt Jehova, sie zusammenzubringen und ihnen einen neuen Geist zu geben. Was soll aber aus den verwerflichen Anbetern falscher Götter in Jerusalem werden? „Auf ihr Haupt werde ich gewiß ihren eigenen Weg bringen“, sagt Jehova (11:21). Hesekiel sieht, wie sich die Herrlichkeit Jehovas über die Stadt erhebt. Danach erzählt er den im Exil lebenden Juden alles, was er in der Vision gesehen hat.

      15. Wie stellt Hesekiel des weiteren dar, daß die Bewohner Jerusalems mit Sicherheit in die Gefangenschaft geführt werden?

      15 Weitere in Babylon gegebene Prophezeiungen über Jerusalem (12:1⁠—⁠19:14). Hesekiel spielt in einer weiteren symbolischen Darstellung eine Rolle. Bei Tag bringt er sein Exilgepäck aus seinem Haus, und bei Nacht geht er dann mit bedecktem Gesicht durch ein Loch in der Wand, d. h. in der Stadtmauer, hinaus. Er erklärt, dies sei ein Vorzeichen: „Ins Exil, in die Gefangenschaft werden sie gehen“ (12:11). Die unverständigen Propheten, die nach ihrem eigenen Geist wandeln, schreien: „ ‚Es ist Frieden!‘, wenn kein Frieden da ist“ (13:10). Selbst wenn Noah, Daniel und Hiob in Jerusalem wären, so könnten sie keine Seele retten, außer sich selbst.

      16. Wie wird die Nutzlosigkeit Jerusalems veranschaulicht? Warum wird es aber eine Wiederherstellung geben?

      16 Die Stadt gleicht einem nutzlosen Weinstock. Aus dem Holz können weder Stangen noch Pflöcke gemacht werden. Beide Enden hat das Feuer verzehrt, und die Mitte davon ist versengt worden — zu nichts mehr zu gebrauchen. Wie untreu und nutzlos Jerusalem doch geworden ist! Aus dem Land der Kanaaniter stammend, wurde es wie ein verlassenes Kleinkind von Jehova aufgenommen. Er zog es groß und schloß mit ihm einen Ehebund. Er machte es schön, „zur königlichen Stellung tauglich“ (16:13). Aber es ist zu einer Prostituierten geworden, die sich den vorüberziehenden Nationen preisgibt. Es hat deren Bilder angebetet, und seine eigenen Söhne hat es im Feuer verbrannt. Schließlich wird es von diesen Nationen, seinen Liebhabern, vernichtet werden. Es ist schlimmer als seine Schwestern Sodom und Samaria. Dessenungeachtet wird Jehova, der barmherzige Gott, Sühne für Jerusalem leisten und es gemäß seinem Bund wiederherstellen.

      17. Was zeigt Jehova durch das Rätsel vom Adler und vom Weinstock?

      17 Jehova gibt dem Propheten ein Rätsel auf und deutet es dann auch. Es veranschaulicht, daß sich Jerusalem vergeblich an Ägypten um Hilfe wendet. Ein großer Adler (Nebukadnezar) kommt und reißt den Wipfel (Jojachin) einer hohen Zeder ab und bringt ihn nach Babylon; an seiner Stelle pflanzt er einen Weinstock (Zedekia). Der Weinstock wendet seine Zweige einem anderen Adler (Ägypten) zu. Hat er aber Gelingen? Er wird samt den Wurzeln ausgerissen. Jehova selbst wird einen zarten Schößling von dem hochragenden Wipfel der Zeder nehmen und ihn auf einen hohen und erhabenen Berg verpflanzen. Dort wird dieser zu einer majestätischen Zeder heranwachsen, unter der „alle Vögel jeglichen Gefieders“ wohnen werden. Alle werden erkennen müssen, daß Jehova es getan hat (17:23, 24).

      18. (a) Welche Grundsätze legt Jehova durch seine Zurechtweisung der im Exil lebenden Juden dar? (b) Welches Strafgericht erwartet die Könige von Juda?

      18 Jehova weist die im Exil lebenden Juden zurecht, weil sie das Sprichwort gebrauchen: „Die Väter sind es, die unreife Trauben essen, aber die Zähne der Söhne sind es, die stumpf werden.“ Nein, „die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben“ (18:2, 4). Der Gerechte wird am Leben bleiben. Jehova hat kein Gefallen am Tod des Bösen. Er möchte, daß sich der Böse von seinen schlechten Wegen abwendet und am Leben bleibt. Die Könige von Juda sind Ägypten und Babylon wie junge Löwen in die Falle gegangen. Ihre Stimme wird „nicht mehr gehört ... auf den Bergen Israels“ (19:9).

      19. (a) Auf welche Hoffnung weist Hesekiel trotz der bevorstehenden Vernichtung hin? (b) Wie veranschaulicht er die Untreue Israels und Judas und die Folge davon?

      19 Strafankündigungen gegen Jerusalem (20:1 bis 23:49). Inzwischen schreibt man das Jahr 611 v. u. Z. Wiederum kommen die Ältesten der im Exil lebenden Juden zu Hesekiel, um Jehova zu befragen. Was sie hören, ist ein Rückblick auf Israels lange Geschichte — seine rebellische Handlungsweise und seinen verwerflichen Götzendienst — sowie ein warnender Hinweis darauf, daß Jehova nach einem Schwert verlangt hat, um an Israel sein Urteil zu vollstrecken. Er wird Jerusalem „in Trümmer, Trümmer, Trümmer“ legen. Doch welch herrliche Hoffnung! Jehova wird das Königtum („die Krone“) festhalten, bis der kommt, der „das gesetzliche Recht“ hat; ihm wird er es geben (21:26, 27). Hesekiel hält Rückschau auf die Abscheulichkeiten, die in Jerusalem, der ‘mit Blutschuld beladenen Stadt’, verübt worden sind. Das Haus Israel ist wie „Schaumschlacke“ geworden und soll in Jerusalem zusammengebracht und dort wie in einem Ofen geschmolzen werden (22:2, 18). Die Untreue Samarias (Israels) und Judas wird durch zwei Schwestern veranschaulicht. Samaria als Ohola gibt sich als Prostituierte den Assyrern preis und wird von ihren Liebhabern vernichtet. Juda als Oholiba zieht daraus keine Lehre, sondern treibt es noch schlimmer; sie gibt sich zuerst Assyrien als Prostituierte preis und dann Babylon. Sie wird gänzlich vernichtet werden, „und ihr werdet erkennen müssen, daß ich der Souveräne Herr Jehova bin“ (23:49).

      20. Womit wird die belagerte Stadt Jerusalem verglichen, und durch welches eindrucksvolle Zeichen weist Jehova auf sein Strafgericht an ihr hin?

      20 Die letzte Belagerung Jerusalems beginnt (24:1-27). Man schreibt das Jahr 609 v. u. Z. Jehova teilt Hesekiel mit, daß der König von Babylon an diesem dem zehnten Tag des zehnten Monats mit der Belagerung Jerusalems begonnen hat. Er vergleicht die ummauerte Stadt mit einem Kochtopf mit weiter Öffnung, in dem ihre auserlesenen Bewohner das Fleisch sind. Er soll erhitzt werden. Die Unreinheit des abscheulichen Götzendienstes Jerusalems soll ausgekocht werden. An diesem Tag stirbt Hesekiels Frau; aber dem Gebot Jehovas gehorchend, trauert er nicht. Das soll ein Zeichen dafür sein, daß das Volk die Zerstörung Jerusalems nicht betrauern soll, da es sich dabei um ein Strafgericht Jehovas handelt, aufgrund dessen alle erkennen werden müssen, wer er ist. Jehova wird einen Entronnenen senden, der sie von der Zerstörung des ‘schönen Gegenstandes ihres Frohlockens’ benachrichtigen soll; bis dieser aber kommt, soll Hesekiel nicht mehr mit den Exilierten reden (24:25).

      21. Wie werden die Nationen Jehova erkennen müssen und die Rache verspüren, die er über sie bringt?

      21 Prophezeiungen gegen die Nationen (25:1 bis 32:32). Jehova sieht voraus, daß sich die umliegenden Nationen über Jerusalems Untergang freuen und diesen zum Anlaß nehmen werden, Schmach auf den Gott Judas zu bringen. Sie werden nicht ungestraft davonkommen. Ammon wird den Orientalen gegeben, ebenso Moab. Edom wird zu einer verwüsteten Stätte gemacht, und an den Philistern werden große Rachetaten vollzogen. Sie alle „werden erkennen müssen, daß ich Jehova bin, wenn ich meine Rache über sie bringe“, spricht Jehova (25:17).

      22. Was wird besonders über Tyrus gesagt, und wie wird Jehova in Verbindung mit Sidon geheiligt werden?

      22 Tyrus wird besonders erwähnt. Es ist stolz auf seinen blühenden Handel und gleicht deshalb einem schönen Schiff inmitten der Meere, aber es wird bald zerbrochen in den Tiefen der Wasser liegen. „Ich bin Gott“, rühmt sich sein Führer (28:9). Jehova läßt seinen Propheten ein Totenklagelied über den König von Tyrus erheben: Als schöner gesalbter Cherub befand er sich in Eden, dem Garten Gottes, aber Jehova wird ihn als entweiht von seinem Berg entfernen, und er wird ein Feuer aus dessen Innerem hervorgehen lassen, das ihn verzehren wird. Jehova wird nach seinen eigenen Worten auch dadurch geheiligt werden, daß er das höhnende Sidon vernichtet.

      23. Was wird Ägypten erkennen müssen, und wie wird es dazu kommen?

      23 Nun fordert Jehova Hesekiel auf, sein Gesicht gegen Ägypten und den Pharao zu richten und gegen sie zu prophezeien. „Mein Nil gehört mir, und ich — ich habe ihn mir gemacht“, rühmt sich Pharao (29:3). Er und die Ägypter, die an ihn glauben, werden ebenfalls erkennen müssen, daß Jehova Gott ist, und die Lehre wird ihnen in Form einer 40jährigen Verwüstung erteilt werden. Hier fügt Hesekiel eine Information ein, die ihm eigentlich erst später, im Jahre 591 v. u. Z., gegeben wurde. Jehova wird Nebukadnezar Ägypten als Entgelt für seinen Dienst geben, den er in dem erfolgreichen Kampf gegen Tyrus geleistet hat. (Nebukadnezar machte in Tyrus sehr wenig Beute, da die Tyrier mit dem größten Teil ihres Reichtums in ihre Inselstadt entkamen.) In einem Totenklagelied macht Hesekiel bekannt, daß Nebukadnezar den Stolz Ägyptens verheeren wird und daß auch „sie erkennen müssen, daß ich Jehova bin“ (32:15).

      24. (a) Welche Verantwortung hat Hesekiel als Wächter? (b) Welche Botschaft verkündet Hesekiel den Exilierten nach Empfang der Nachricht von Jerusalems Fall? (c) Auf welche Segensverheißung wird im 34. Kapitel hingewiesen?

      24 Wächter für die Exilierten; Wiederherstellung vorhergesagt (33:1⁠—⁠37:28). Jehova spricht mit Hesekiel erneut über seine Wächterpflichten. Das Volk sagt: „Der Weg Jehovas ist nicht recht ausgerichtet.“ Hesekiel muß ihnen daher klarmachen, daß sie auf dem verkehrten Weg sind (33:17). Nun schreibt man das Jahr 607 v. u. Z., den Fünften des zehnten Monats.c Ein Entronnener trifft aus Jerusalem ein und teilt dem Propheten mit: „Die Stadt ist geschlagen worden!“ (33:21). Hesekiel, der jetzt wieder sprechen kann, weist die Exilierten darauf hin, daß jede Hoffnung auf eine Befreiung Judas vergeblich ist. Die Juden kommen zwar zu Hesekiel, um das Wort Jehovas zu hören, aber er ist für sie wie ein Sänger, der Liebeslieder singt, wie einer mit einer schönen Stimme und der ein Saiteninstrument gut spielt. Sie schenken seinem Wort keine Aufmerksamkeit. Wenn es aber wahr wird, werden sie erkennen, daß ein Prophet in ihrer Mitte war. Hesekiel tadelt die falschen Hirten, die die Herde im Stich gelassen haben, um sich selbst zu weiden. Jehova, der vollkommene Hirte, wird die zerstreuten Schafe zusammenbringen und sie auf eine fette Weide auf den Bergen Israels führen. Dort wird er über sie e i n e n Hirten erwecken, ‘ja seinen Knecht David’ (34:23). Jehova selbst wird ihr Gott werden. Er wird mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, und Regengüsse des Segens wird er über sie ausgießen.

      25. (a) Warum und wie wird Jehova das Land wie Eden machen? (b) Was wird durch die Vision von den verdorrten Gebeinen und durch die von den zwei Stäben veranschaulicht?

      25 Hesekiel sagt wiederum die Verwüstung der Berggegend Seir (Edom) voraus. Die verwüsteten Stätten Israels werden dagegen wieder aufgebaut, denn es wird Jehova leid tun um seinen heiligen Namen, und er wird ihn vor den Augen der Nationen heiligen. Er wird seinem Volk ein neues Herz und einen neuen Geist geben, und dessen Land wird wieder „wie der Garten Eden“ werden (36:35). Nun hat Hesekiel eine Vision von Israel, das als ein Tal voller verdorrter Gebeine dargestellt wird. Hesekiel prophezeit über die Gebeine. Durch ein Wunder erhalten sie Fleisch, beginnen zu atmen und kommen wieder zum Leben. Genauso wird Jehova die Grabstätten der Gefangenschaft in Babylon öffnen und Israel wieder in sein Land zurückführen. Hesekiel nimmt zwei Stäbe, die die beiden Häuser Israel, Juda und Ephraim, darstellen. In seiner Hand werden sie zu e i n e m Stab. So wird Israel, wenn es von Jehova zurückgeführt wird, durch einen Bund des Friedens unter seinem Knecht „David“ vereint werden (37:24).

      26. Warum greift Gog von Magog an, und mit welchem Ergebnis?

      26 Der Angriff Gogs von Magog auf das wiederhergestellte Israel (38:1⁠—⁠39:29). Dann erfolgt ein Einfall aus einer neuen Richtung. Durch den Frieden und den Wohlstand des wiederhergestellten Volkes Jehovas herausgefordert, wird Gog von Magog einen wilden Angriff unternehmen. Er wird heranstürmen, um es zu verschlingen. Zu dieser Zeit wird sich Jehova im Feuer seines Zornausbruchs aufmachen. Er wird das Schwert eines jeden gegen dessen Bruder richten und wird Pest und Blut und einen strömenden Regen mit Hagelsteinen über sie kommen lassen sowie Feuer und Schwefel. Sie werden zugrunde gehen und erkennen, daß Jehova „der Heilige in Israel“ ist (39:7). Mit den zerstörten Kriegsgeräten der Feinde wird sein Volk Feuer machen, und die Gebeine wird es im „Tal der Menge Gogs“ begraben (39:11). Aasfressende Vögel und andere Tiere werden das Fleisch der Erschlagenen fressen und ihr Blut trinken. Von nun an werden die Israeliten in Sicherheit wohnen, ohne jemand, der sie aufschreckt, und Jehova wird seinen Geist auf sie ausgießen.

      27. Was sieht Hesekiel bei einem visionären Besuch des Landes Israel, und wie erscheint Gottes Herrlichkeit?

      27 Hesekiels Tempelvision (40:1⁠—⁠48:35). Man schreibt nun das Jahr 593 v. u. Z. Es ist das 14. Jahr nach der Zerstörung des Tempels Salomos, und die Reumütigen unter den Exilierten brauchen Ermunterung und Hoffnung. Jehova bringt Hesekiel in einer Vision in das Land Israel und setzt ihn auf einem sehr hohen Berg nieder. Hier sieht Hesekiel in einer Vision einen Tempel und den „Bau einer Stadt ... gegen Süden“. Ein Engel sagt zu ihm: „Teile alles, was du siehst, dem Hause Israel mit“ (40:2, 4). Dann zeigt er Hesekiel alle Einzelheiten des Tempels und seiner Vorhöfe, wobei er die Mauern, die Tore, die Wachstuben, die Speiseräume und den Tempel selbst, samt dem Heiligen und dem Allerheiligsten, mißt. Er nimmt Hesekiel mit zum Osttor. „Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam aus östlicher Richtung, und seine Stimme war wie die Stimme ausgedehnter Wasser; und die Erde selbst leuchtete wegen seiner Herrlichkeit“ (43:2). Der Engel unterrichtet Hesekiel ausführlich über das Haus (den Tempel), über den Altar und seine Schlachtopfer, über die Rechte und Pflichten der Priester, der Leviten und des Vorstehers sowie über die Verteilung des Landes.

      28. Was sieht Hesekiel in der Vision in bezug auf den Strom, der von dem Haus hervorkommt, und was wird über die Stadt und ihren Namen geoffenbart?

      28 Der Engel bringt Hesekiel zurück zum Eingang des Hauses. Hier sieht der Prophet Wasser unter der Schwelle des Hauses nach Osten zu hervorkommen, von der südlichen Seite des Altars. Es beginnt als ein Rinnsal, das immer mehr anschwillt, bis es ein Wildbach ist. Dann fließt es ins Tote Meer, die Fische darin kommen zum Leben, und man betreibt Fischerei dort. Auf dieser und auf jener Seite des Wildbachs stehen Bäume, die den Menschen zur Speise und zur Heilung dienen. Dann werden in der Vision die Erbteile der 12 Stämme angeführt, wobei der ansässige Fremdling und der Vorsteher nicht übersehen werden. Auch die heilige Stadt im Süden mit ihren nach den 12 Stämmen benannten Toren wird beschrieben. Sie soll einen herrlichen Namen erhalten: „Jehova selbst ist dort“ (48:35).

      WIESO NÜTZLICH

      29. Inwiefern zogen die im Exil lebenden Juden aus Hesekiels Prophezeiung Nutzen?

      29 Die Aussprüche, Visionen und Verheißungen, die Jehova Hesekiel gab, wurden den im Exil lebenden Juden genau übermittelt. Viele verhöhnten und verspotteten zwar den Propheten, doch einige glaubten ihm, was ihnen sehr von Nutzen war. Sie wurden durch die Wiederherstellungsverheißungen gestärkt. Im Gegensatz zu anderen Nationen, die in Gefangenschaft geraten waren, behielten die Juden ihre nationale Identität bei, und im Jahre 537 v. u. Z. führte Jehova, wie er vorhergesagt hatte, einen Überrest zurück (Hes. 28:25, 26; 39:21-28; Esra 2:1; 3:1). Sie bauten das Haus Jehovas wieder auf und führten dort die wahre Anbetung wieder ein.

      30. Welche Grundsätze im Buch Hesekiel sind für uns heute von Nutzen?

      30 Die im Buch Hesekiel dargelegten Grundsätze sind auch für uns heute von unschätzbarem Wert. Abfall und Götzendienst, gepaart mit einer rebellischen Handlungsweise, führen zwangsläufig zum Verlust der Gunst Jehovas (Hes. 6:1-7; 12:2-4, 11-16). Jeder wird für seine eigene Sünde zur Rechenschaft gezogen, wer sich aber von seinem falschen Weg abwendet, dem wird Jehova vergeben. Es wird ihm Barmherzigkeit erwiesen, und er wird am Leben bleiben (18:20-22). Gottes Diener müssen wie Hesekiel treue Wächter sein, selbst wenn es für sie schwierig ist und sie verspottet und geschmäht werden. Wir dürfen die Bösen nicht ungewarnt sterben lassen, weil sonst ihr Blut über unser Haupt kommt (3:17; 33:1-9). Die Hirten des Volkes Gottes tragen die schwere Verantwortung, sich um die Herde zu kümmern (34:2-10).

      31. Welche Prophezeiungen Hesekiels sagen das Kommen des Messias voraus?

      31 Von besonderer Bedeutung sind im Buch Hesekiel die Prophezeiungen über den Messias. Er ist es, von dem gesagt wird, er habe „das gesetzliche Recht“ auf den Thron Davids und ihm werde es gegeben. An zwei Stellen wird er als „mein Knecht David“ bezeichnet, ferner wird er „Hirte“, „König“ und „Vorsteher“ genannt (21:27; 34:23, 24; 37:24, 25). Da David schon lange tot war, muß Hesekiel von demjenigen gesprochen haben, der sowohl Davids Sohn als auch Davids Herr sein sollte (Ps. 110:1; Mat. 22:42-45). Wie Jesaja, so spricht auch Hesekiel vom Pflanzen eines zarten Schößlings, den Jehova erhöhen wird (Hes. 17:22-24; Jes. 11:1-3).

      32. Wie läßt sich Hesekiels Tempelvision mit der Vision von der „heiligen Stadt“ aus der Offenbarung vergleichen?

      32 Es ist interessant, Hesekiels Vision vom Tempel mit der in der Offenbarung geschilderten Vision von der „heiligen Stadt Jerusalem“ zu vergleichen (Offb. 21:10). Es sind einige Unterschiede festzustellen, z. B. steht Hesekiels Tempel für sich, gegen den Norden der Stadt, wohingegen bei der Stadt aus der Offenbarung Jehova selbst der Tempel ist. Doch in beiden Fällen ist die Rede vom Strom des Lebens, von den Bäumen, die jeden Monat Früchte tragen und deren Blätter zur Heilung sind, sowie von der Gegenwart der Herrlichkeit Jehovas. Jede Vision trägt dazu bei, die Wertschätzung für Jehovas Königtum und für seine Rettungsvorkehrung zugunsten derer zu fördern, die ihm heiligen Dienst darbringen (Hes. 43:4, 5 — Offb. 21:11; Hes. 47:1, 8, 9, 12 — Offb. 22:1-3).

      33. Was betont Hesekiel besonders, und was werden alle erleben, die Jehova jetzt durch ihre Lebensweise heiligen?

      33 Das Buch Hesekiel betont, daß Jehova heilig ist. Es läßt erkennen, daß die Heiligung des Namens Jehovas wichtiger ist als irgend etwas anderes. „ ‚Ich werde meinen großen Namen gewiß heiligen, ... und die Nationen werden erkennen müssen, daß ich Jehova bin‘, ist der Ausspruch des Souveränen Herrn Jehova.“ Wie die Prophezeiung zeigt, wird er seinen Namen dadurch heiligen, daß er alle, die diesen Namen entheiligen — auch Gog von Magog —, vernichten wird. Alle, die Jehova jetzt durch ihre Lebensweise heiligen, d. h., die ihn so anbeten, wie er es verlangt, sind weise. Ihnen wird der Strom, der von seinem Tempel hervorkommt, zur Heilung und zu ewigem Leben sein. Außergewöhnlich an Herrlichkeit und von überwältigender Schönheit ist die Stadt, die „Jehova selbst ist dort“ genannt wird (Hes. 36:23; 38:16; 48:35).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 531; TYRUS.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 590, 591.

      c Nach dem massoretischen Text traf der Entronnene aus Jerusalem im 12. Jahr ein; nach anderen Handschriften war es jedoch im „elften Jahr“, und dementsprechend wird der Text in der Einheitsübersetzung, der Lutherbibel und der Zürcher Bibel wiedergegeben.

  • 27. Bibelbuch — Daniel
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 27. Bibelbuch — Daniel

      Schreiber: Daniel

      Ort der Niederschrift: Babylon

      Vollendung der Niederschrift: um 536 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 618 bis um 536 v. u. Z.

      1. Was für eine Art Geschichte ist im Buch Daniel enthalten, und was hebt sie hervor?

      HEUTE, wo alle Nationen der Erde am Rand des Verderbens stehen, weist das Buch Daniel auf prophetische Botschaften von großer Tragweite hin. Anders als die Bibelbücher Samuel, Könige und Chronika, die auf Augenzeugenberichten der Geschichte von Gottes Vorbildkönigreich (der davidischen Dynastie) beruhen, befaßt sich das Buch Daniel mit den Nationen der Welt und enthält Visionen von dem Machtkampf der großen Dynastien von Daniels Zeit an bis in die „Zeit des Endes“. Es ist geradezu im voraus geschriebene Weltgeschichte. Sie steigert sich zu einem fesselnden Höhepunkt, wenn sie zeigt, was „im Schlußteil der Tage“ eintritt. Wie einst Nebukadnezar müssen die Nationen heute ihr Lehrgeld für die Erkenntnis bezahlen, „daß der Höchste der Herrscher ist im Königreich der Menschheit“ und daß er es schließlich dem einen, der „wie ein Menschensohn“ ist, gibt, dem Messias und Führer, Christus Jesus (Dan. 12:4; 10:14; 4:25; 7:13, 14; 9:25; Joh. 3:13-16). Wenn wir uns eingehend mit den prophetischen Erfüllungen des inspirierten Buches Daniel befassen, werden wir es noch mehr schätzen, daß Jehova Prophezeiungen zu äußern vermag und seinem Volk Schutz und Segen zusichert (2. Pet. 1:19).

      2. Wodurch wird bestätigt, daß Daniel tatsächlich gelebt hat, und in welcher ereignisreichen Zeitspanne prophezeite er?

      2 Das Buch ist nach seinem Schreiber genannt. „Daniel“ (hebräisch: Danijjéʼl) bedeutet „Mein Richter ist Gott“. Hesekiel, ein Zeitgenosse Daniels, bestätigt, daß Daniel tatsächlich gelebt hat, indem er ihn zusammen mit Noah und Hiob nennt (Hes. 14:14, 20; 28:3). Daniel datiert den Anfang seines Buches in das ‘dritte Jahr des Königtums Jojakims, des Königs von Juda’. Das war 618 v. u. Z., Jojakims drittes Jahr als Vasallenkönig Nebukadnezars.a Daniel hatte prophetische Visionen bis zum dritten Jahr des Cyrus, etwa 536 v. u. Z. (Dan. 1:1; 2:1; 10:1, 4). Daniels Lebenszeit ist wirklich ein ereignisreicher Zeitabschnitt. Seine Kindheit verbrachte er unter Gottes Königreich in Juda. Dann wurde er als jugendlicher Fürst mit seinen vornehmen jüdischen Gefährten nach Babylon gebracht, wo er den Aufstieg und den Fall jener dritten Weltmacht der biblischen Geschichte miterlebte. Daniel lebte so lange, daß er als Regierungsbeamter in der vierten Weltmacht, Medo-Persien, diente. Er muß nahezu hundert Jahre gelebt haben.

      3. Wodurch wird die Kanonizität und die Glaubwürdigkeit des Buches Daniel bewiesen?

      3 Das Buch Daniel gehörte von jeher zu dem jüdischen Katalog inspirierter Schriften. Unter den Fragmenten der kanonischen Bücher, die bei den Schriftrollen vom Toten Meer gefunden wurden, von denen einige aus der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts v. u. Z. stammen, befanden sich auch Fragmente des Buches Daniel. Ein noch wichtigerer Beweis für die Glaubwürdigkeit des Buches sind jedoch die Bezugnahmen in den Christlichen Griechischen Schriften. Jesus erwähnt Daniel ausdrücklich in seiner Prophezeiung über den „Abschluß des Systems der Dinge“, in der er verschiedentlich aus dem Buch zitiert (Mat. 24:3; siehe auch Dan. 9:27; 11:31 und 12:11 — Mat. 24:15 und Mar. 13:14; Dan. 12:1 — Mat. 24:21; Dan. 7:13, 14 — Mat. 24:30).

      4, 5. Wie hat die Archäologie die „Bibelkritik“ vollständig widerlegt?

      4 Bibelkritiker haben zwar die historische Genauigkeit des Buches Daniel in Frage gestellt, aber im Laufe der Jahre sind ihre Behauptungen durch archäologische Funde völlig widerlegt worden. Zum Beispiel äußerten sich diese Kritiker geringschätzig über Daniels Erklärung, daß Belsazar zu der Zeit König in Babylon gewesen sei, als Nabonid nach allgemeiner Annahme Herrscher war (Dan. 5:1). Die Archäologie hat jetzt unzweifelhaft festgestellt, daß Belsazar wirklich gelebt hat und daß er in den letzten Jahren der babylonischen Weltmacht Nabonids Mitherrscher war. Zum Beispiel bestätigt ein Keilschrifttext, der als „Strophengedicht von den Freveltaten Nabonids“ bezeichnet wird, eindeutig, daß Belsazar königliche Gewalt in Babylon ausübte, und es wird erklärt, wie er Nabonids Mitregent wurde.b Andere Keilschrifttexte stützen die Ansicht, daß Belsazar königliche Funktionen ausübte. Auf einer Tafel, die in das 12. Jahr des Nabonid datiert wird, ist ein Eid zu finden, der im Namen Nabonids, des Königs, und Belsazars, des Sohnes des Königs, geleistet wurde, was zeigt, daß Belsazar den gleichen Rang einnahm wie sein Vater.c Das erklärt interessanterweise, weshalb Belsazar Daniel anbot, ihn zum ‘Dritten im Königreich’ zu machen, wenn er die Handschrift an der Wand deuten könnte. Nabonid würde als der Erste betrachtet werden, Belsazar als der Zweite, und Daniel würde dann zum dritten Herrscher ausgerufen (5:16, 29). Ein Forscher sagt: „Keilschriftliche Hinweise auf Belsazar haben so viel Licht auf die Rolle geworfen, die er spielte, daß sein Platz in der Geschichte deutlich geoffenbart dasteht. Es gibt viele Texte, die anzeigen, daß Belsazar Nabonid an Stellung und Ansehen fast gleichkam. Die Doppelherrschaft während des größten Teils der letzten neubabylonischen Regierung ist eine feststehende Tatsache. Nabonid übte an seinem Hof in Tema, das in Arabien liegt, höchste Macht aus, während Belsazar als Mitregent in der Heimat mit Babylon als dem Zentrum seines Einflusses amtierte. Es ist offensichtlich, daß Belsazar kein schwacher Vizekönig war, denn er war mit dem ‚Königtum‘ betraut.“d

      5 Einige haben versucht, Daniels Berichte vom Feuerofen (Kapitel 3) zu bezweifeln. Sie sagen, dies sei eine legendäre Erdichtung. In einem alten babylonischen Brief heißt es auszugsweise: „So spricht Rîm-Sin dein Herr: Weil er den Sklavenburschen in den Ofen geworfen hat, werft den Sklaven in den Ofen.“ Interessanterweise bezieht sich G. R. Driver darauf und sagt, daß diese Bestrafung „in der Geschichte der drei heiligen Männer vorkommt (Dan. III 6, 15, 19-27)“.e

      6. Aus welchen zwei Teilen besteht das Buch?

      6 Die Juden rechneten das Buch Daniel nicht zu den Propheten, sondern zu den Schriften. Jedoch folgt die deutsche Bibel der Katalogordnung der Septuaginta und der Vulgata, indem sie das Buch Daniel zwischen die Großen und die Kleinen Propheten einordnet. Das Buch hat zwei Teile. Der erste, die Kapitel 1 bis 6, gibt in zeitlicher Reihenfolge die Erfahrungen Daniels und seiner Gefährten im Staatsdienst von 617 bis 538 v. u. Z. wieder (Dan. 1:1, 21). Der zweite Teil, der die Kapitel 7 bis 12 umfaßt, ist von Daniel selbst als dem Schriftführer in der ersten Person geschrieben und beschreibt persönliche Visionen und Unterredungen mit Engeln, die Daniel von etwa 553 v. u. Z.f bis um 536 v. u. Z. hatte (7:2, 28; 8:2; 9:2; 12:5, 7, 8). Zusammen bilden die zwei Teile das eine übereinstimmende Buch Daniel.

      INHALT DES BUCHES DANIEL

      7. Was führt dazu, daß Daniel und seine Gefährten in den babylonischen Staatsdienst eintreten?

      7 Vorbereitung auf den Staatsdienst (1:1-21). Im Jahre 617 v. u. Z. kommt Daniel mit den gefangenen Juden nach Babylon. Die heiligen Geräte aus dem Tempel in Jerusalem werden ebenfalls mitgebracht, um in einem heidnischen Schatzhaus aufbewahrt zu werden. Daniel und seine drei hebräischen Gefährten gehören zu den jüdischen Jünglingen fürstlicher Herkunft, die für einen dreijährigen Schulungskurs im Palast des Königs ausgewählt werden. Daniel ist in seinem Herzen entschlossen, sich nicht mit des Königs heidnischen Delikatessen und seinem Wein zu verunreinigen, und schlägt eine zehntägige Probe mit einer Gemüsekost vor. Die Probe fällt zugunsten Daniels und seiner Gefährten aus, und Gott gibt ihnen Erkenntnis und Weisheit. Nebukadnezar ermächtigt die vier dazu, als Ratgeber vor ihm zu stehen. Der letzte Vers des ersten Kapitels, der vielleicht lange nach der Niederschrift des vorangegangenen Teils hinzugefügt worden ist, deutet an, daß Daniel, etwa 80 Jahre nachdem er ins Exil weggeführt worden war, noch im königlichen Dienst stand, was etwa im Jahre 538 v. u. Z. war.

      8. Welchen Traum und welche Deutung enthüllt Gott Daniel, und wie zeigt Nebukadnezar seine Wertschätzung?

      8 Traum von dem schrecklichen Bild (2:1-49). Im zweiten Jahr seines Königtums (wahrscheinlich von der Zerstörung Jerusalems im Jahre 607 v. u. Z. an gerechnet) wird Nebukadnezar durch einen Traum beunruhigt. Seine Magie treibenden Priester sind unfähig, ihm den Traum und dessen Deutung mitzuteilen. Er bietet ihnen große Geschenke an, aber sie beteuern, daß keiner außer den Göttern dem König die Sache, nach der er frage, erklären könne. Der König befiehlt ergrimmt, die weisen Männer zu Tode zu bringen. Da die vier Hebräer ebenfalls von diesem Befehl betroffen sind, bittet Daniel um Zeit, um den Traum zu offenbaren. Daniel und seine Gefährten beten zu Jehova um Führung. Jehova offenbart Daniel den Traum und dessen Bedeutung, wonach er vor den König tritt und sagt: „Es existiert ein Gott in den Himmeln, der ein Offenbarer von Geheimnissen ist, und er hat König Nebukadnezar bekanntgegeben, was im Schlußteil der Tage geschehen soll“ (2:28). Daniel schildert den Traum. Er handelt von einem riesenhaften Standbild. Das Haupt ist aus Gold, seine Brust und seine Arme sind aus Silber, sein Bauch und seine Oberschenkel aus Kupfer und seine Beine aus Eisen, während die Füße teils aus Eisen und teils aus Ton sind. Ein Stein trifft und zermalmt das Standbild und wird zu einem großen Berg, der die ganze Erde füllt. Was ist die Bedeutung all dessen? Daniel tut kund, daß der König von Babylon das Haupt aus Gold ist. Nach seinem Königreich werde ein zweites, ein drittes und ein viertes Königreich folgen. Schließlich „wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird ... Es wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und selbst wird es für unabsehbare Zeiten bestehen“ (2:44). Aus Dankbarkeit und Wertschätzung preist der König den Gott Daniels als einen „Gott der Götter“ und macht Daniel „zum Herrscher über den ganzen Gerichtsbezirk Babylon und zum Oberpräfekten über alle Weisen Babylons“. Daniels drei Gefährten werden zu Verwaltern im Königreich eingesetzt (2:47, 48).

      9. Welche Folgen hat es, daß die drei Hebräer freimütig gegen die Bilderanbetung auftreten?

      9 Drei Hebräer überleben den Feuerofen (3:1-30). Nebukadnezar errichtet ein mächtiges Standbild aus Gold, 60 Ellen (27 Meter) hoch, und befiehlt den Herrschern des Reiches, sich zu seiner Einweihung zu versammeln. Beim Klang besonderer Musik sollen alle niederfallen und das Bild anbeten. Wer das nicht tut, soll in den brennenden Feuerofen geworfen werden. Es wird gemeldet, daß sich Daniels drei Gefährten, Schadrach, Meschach und Abednego, nicht gefügt hätten. Sie werden vor den wütenden König gebracht, wo sie freimütig bezeugen: „Unser Gott, dem wir dienen, [kann uns] befreien. ... Das Bild aus Gold, das du aufgerichtet hast, werden wir nicht anbeten“ (3:17, 18). Im Zorn befiehlt der König, den Ofen 7mal mehr als üblich zu heizen und die drei Hebräer zu binden und sie hineinzuwerfen. Die Urteilsvollstrecker werden dabei von der Feuerflamme getötet. Nebukadnezar erschrickt. Was sieht er dort in dem Ofen? Vier Männer wandeln unversehrt mitten im Feuer, und „das Aussehen des vierten gleicht dem eines Sohnes der Götter“ (3:25). Der König fordert die drei Hebräer auf, aus dem Feuer herauszutreten. Sie kommen heraus, unversengt, nicht einmal der Geruch des Feuers ist an ihnen. Zufolge ihres mutigen Eintretens für die wahre Anbetung ruft Nebukadnezar Freiheit der Anbetung für die Juden im ganzen Reich aus.

      10. Welchen erschreckenden Traum über „sieben Zeiten“ hat Nebukadnezar, und erfüllt er sich an ihm?

      10 Traum von den „sieben Zeiten“ (4:1-37). Dieser Traum erscheint in dem Bericht als Daniels Abschrift einer Staatsurkunde Babylons. Sie wurde von dem gedemütigten Nebukadnezar geschrieben. Nebukadnezar erkennt zuerst die Macht und das Königreich des höchsten Gottes an. Dann erzählt er einen erschreckenden Traum und wie sich dieser an ihm erfüllte. Er sah einen Baum, der bis zum Himmel reichte und für alles Fleisch Obdach und Nahrung lieferte. Ein Wächter rief aus: ‘Haut den Baum um. Beschlagt seinen Wurzelstock mit Eisen und Kupfer. Laßt sieben Zeiten darüber vergehen, und es wird bekannt sein, daß der Höchste der Herrscher im Königreich der Menschheit ist und darüber den niedrigsten der Menschen setzt’ (4:14-17). Daniel deutete den Traum, indem er kundtat, daß der Baum Nebukadnezar darstellte. Die Erfüllung dieses prophetischen Traumes ließ nicht lange auf sich warten. Als sich der König überaus stolz äußerte, wurde er von Wahnsinn befallen und lebte dann sieben Jahre lang wie ein Tier auf dem Feld. Danach wurde seine geistige Gesundheit wiederhergestellt, und er erkannte Jehovas Oberhoheit an.

      11. Bei welchem Gelage sieht Belsazar die verhängnisvolle Handschrift, wie deutet Daniel sie, und wie erfüllt sie sich?

      11 Belsazars Gastmahl: Handschrift gedeutet (5:1-31). Es ist die verhängnisvolle Nacht vom 5. Oktober 539 v. u. Z. König Belsazar, der Sohn Nabonids, veranstaltet als Mitregent von Babylon ein großes Gastmahl für tausend seiner Großen. Unter der Einwirkung von Wein verlangt der König die goldenen und silbernen Gefäße aus dem Tempel Jehovas, und aus diesen trinken Belsazar und seine Gäste in ihrer Ausschweifung, wobei sie ihre heidnischen Götter preisen. Augenblicklich erscheint eine Hand und schreibt eine mysteriöse Botschaft an die Wand. Der König ist erschrocken. Seine Weisen können die Schrift nicht deuten. Schließlich wird Daniel hereingebracht. Der König bietet ihm an, ihn zum Dritten im Königreich zu machen, wenn er die Schrift lesen und deuten könne, aber Daniel sagt, er solle seine Geschenke für sich behalten. Dann macht er die Schrift und ihre Bedeutung bekannt: „MENE, MENE, TEKEL und PARSIN ... Gott hat die Tage deines Königreiches gezählt und ihm ein Ende gemacht ..., du bist auf der Waage gewogen und als zu leicht befunden worden ..., dein Königreich ist geteilt und den Medern und den Persern gegeben worden“ (5:25-28). In derselben Nacht wird Belsazar getötet, und Darius, der Meder, empfängt das Königreich.

      12. Wie wird ein Anschlag gegen Daniel vereitelt, und welchen Erlaß gibt Darius dann heraus?

      12 Daniel in der Löwengrube (6:1-28). Hohe Beamte in der Regierung des Darius sinnen auf Unheil gegen Daniel, und sie bewirken, daß der König ein Gesetz verabschiedet, wonach es für 30 Tage verboten ist, an irgendeinen Gott oder Menschen außer dem König eine Bitte zu richten. Jeder, der nicht gehorcht, soll den Löwen vorgeworfen werden. Daniel weigert sich, dieses Gesetz, das seine Anbetung beeinträchtigt, zu befolgen, und wendet sich im Gebet an Jehova. Er wird in die Löwengrube geworfen. Durch ein Wunder verschließt Jehovas Engel das Maul der Löwen, und am nächsten Morgen ist der König froh, Daniel unversehrt vorzufinden. Die Feinde werden jetzt den Löwen zum Fraß vorgeworfen, und der König gibt einen Erlaß heraus, wonach der Gott Daniels als „der lebendige Gott“ zu fürchten ist (6:26). Daniel hat im Staatsdienst weiter Gelingen bis in die Regierungszeit des Cyrus.

      13. Welche Vision hat Daniel in einem Traum in bezug auf vier Tiere und die Herrschaft des Königreiches?

      13 Visionen von den Tieren (7:1⁠—⁠8:27). Wir kehren zum „ersten Jahr Belsazars“ zurück, dessen Regierung offenbar 553 v. u. Z. begann. Daniel hat selbst einen Traum, den er in Aramäisch aufzeichnet.g Er sieht der Reihe nach vier riesige und schreckliche Tiere. Das vierte ist ungewöhnlich stark, und ein kleines Horn steigt zwischen seinen anderen Hörnern auf und redet „großtönende Dinge“ (7:8). Der Alte an Tagen erscheint und setzt sich. „Tausend Tausende“ dienen ihm. Einer „wie ein Menschensohn“ kommt vor ihn, und diesem wird „Herrschaft und Würde und Königtum gegeben, damit die Völker, Völkerschaften und Sprachen alle ihm dienen sollten“ (7:10, 13, 14). Daniel wird dann die Deutung der Vision von den vier Tieren mitgeteilt. Sie stellen vier Könige oder Königreiche dar. Zwischen den zehn Hörnern des vierten Tieres steigt ein kleines Horn auf. Es wird mächtig und führt Krieg gegen die Heiligen. Jedoch schreitet das himmlische Gericht ein, um „das Königreich und die Herrschaft und die Größe der Königreiche unter allen Himmeln ... dem Volk der Heiligen des Allerhöchsten“ zu geben (7:27).

      14. Welche Vision hat Daniel von einem Ziegenbock und einem zweihörnigen Widder? Wie erklärt Gabriel sie?

      14 Zwei Jahre später, lange vor Babylons Fall, sieht Daniel eine weitere Vision, die er in Hebräisch aufzeichnet. Ein Ziegenbock mit einem auffälligen Horn zwischen seinen Augen kämpft mit einem stolzen Widder, der zwei Hörner hat, und überwindet ihn. Das große Horn des Ziegenbocks wird zerbrochen, vier kleinere Hörner kommen hervor, und aus einem von diesen kommt ein kleines Horn, das groß wird, so daß es sogar das Heer des Himmels herausfordert. Eine Zeitspanne von 2 300 Tagen wird vorhergesagt, die vergehen soll, bis die heilige Stätte „in ihren rechten Zustand gebracht“ würde (8:14). Gabriel erklärt Daniel die Vision. Der Widder steht für die Könige von Medien und Persien. Der Ziegenbock ist der König von Griechenland, dessen Königreich in vier Königreiche zerbrochen werden soll. Später wird ein König grimmigen Gesichts „gegen den Fürsten der Fürsten“ aufstehen. Da die Vision noch „für viele Tage“ ist, muß Daniel sie einstweilen geheimhalten (8:25, 26).

      15. Was veranlaßt Daniel, zu Jehova zu beten, und was macht Gabriel jetzt im Hinblick auf „siebzig Wochen“ bekannt?

      15 Der Messias, der Führer, vorhergesagt (9:1-27). Im ‘ersten Jahr des Darius von den Medern’ untersucht Daniel die Prophezeiung Jeremias. Daniel erkennt, daß sich die vorhergesagte 70jährige Verwüstung Jerusalems ihrem Abschluß nähert, und bekennt im Gebet zu Jehova seine eigenen Sünden und diejenigen Israels (Dan. 9:1-4; Jer. 29:10). Gabriel erscheint, um bekanntzugeben, daß es „siebzig Wochen“ geben wird, „um die Übertretung zu beendigen und der Sünde ein Ende zu bereiten und für Vergehung Sühne zu leisten“. Der Messias, der Führer, wird am Ende von 69 Wochen kommen und anschließend abgeschnitten werden. Der Bund wird bis zum Ende der 70. Woche für die vielen in Kraft behalten werden, und schließlich soll es Verwüstung und eine Ausrottung geben (Dan. 9:24-27).

      16. Unter welchen Umständen erscheint Daniel erneut ein Engel?

      16 Norden gegen Süden, Michael steht auf (10:1 bis 12:13). Es ist ‘das dritte Jahr des Cyrus’ und somit um 536 v. u. Z., nicht lange nach der Rückkehr der Juden nach Jerusalem. Nach einem dreiwöchigen Fasten befindet sich Daniel am Ufer des Hiddekel (Dan. 10:1, 4; 1. Mo. 2:14). Ihm erscheint ein Engel und erklärt, daß der ‘Fürst von Persien’ seinem Kommen zu Daniel widerstanden habe, daß aber „Michael, einer der ersten Fürsten“, ihm geholfen habe. Er teilt jetzt Daniel eine Vision mit, die für den ‘Schlußteil der Tage’ ist (Dan. 10:13, 14).

      17. Welchen prophetischen Geschichtsbericht über den König des Nordens und den König des Südens zeichnet Daniel jetzt auf?

      17 Zu Anfang dieser fesselnden Vision ist von der persischen Dynastie und einem künftigen Kampf mit Griechenland die Rede. Ein mächtiger König wird aufstehen und mit ausgedehnter Herrschaft herrschen, aber sein Königreich wird in vier Teile zerbrochen werden. Schließlich wird es zwei lange Königslinien geben, wobei der König des Südens dem König des Nordens feindlich gegenübersteht. Der Machtkampf wird hin und her wogen. Diese unverbesserlich schlechten Könige werden anhaltend an einem Tisch Lüge reden. „Zur bestimmten Zeit“ wird der Krieg wieder aufflammen. Das Heiligtum Gottes soll entheiligt werden, und „das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, wird an seiner Stelle aufgestellt werden (11:29-31). Der König des Nordens wird Verwunderliches gegen den Gott der Götter reden und dem Gott der Festungen Herrlichkeit geben. Wenn sich der König des Südens „in der Zeit des Endes“ auf Zusammenstöße mit dem König des Nordens einläßt, wird der König des Nordens viele Länder überfluten und auch „in das Land der Zierde“ eindringen. Bestürzt über Berichte aus dem Osten und dem Norden, wird er hervorstürmen und „seine Palastzelte zwischen dem großen Meer und dem heiligen Berg der ‚Zierde‘ aufpflanzen“. So wird er „zu seinem Ende kommen müssen, und es wird für ihn keinen Helfer geben“ (11:40, 41, 45).

      18. Was folgt, während Michael ‘zugunsten der Söhne des Volkes Gottes’ steht?

      18 Die großartige Vision geht weiter: Michael wird ‘zugunsten der Söhne des Volkes Gottes’ stehen. Eine in der Menschheitsgeschichte noch nicht dagewesene „Zeit der Bedrängnis“ soll eintreten, aber wer in dem Buch geschrieben gefunden wird, wird entrinnen. Viele werden aus dem Staub zu ewigem Leben erwachen, „und die, die Einsicht haben, werden leuchten wie der Glanz der Ausdehnung“. Sie werden viele zur Gerechtigkeit führen. Daniel soll das Buch „bis zur Zeit des Endes“ versiegeln. „Wie lange wird es bis zum Ende der wunderbaren Dinge sein?“ Der Engel erwähnt Zeitabschnitte von dreieinhalb Zeiten, 1 290 Tagen und 1 335 Tagen und daß nur ‘die, die Einsicht haben, es verstehen werden’. Glücklich sind sie! Schließlich gibt der Engel Daniel die ermutigende Verheißung, daß er ruhen und zu seinem Los „am Ende der Tage“ aufstehen werde (12:1, 3, 4, 6, 10, 13).

      WIESO NÜTZLICH

      19. Welche vortrefflichen Beispiele der Lauterkeit und des vertrauensvollen Gebets zu Jehova sind im Buch Daniel zu finden?

      19 Wer in einer fremden Welt seine Lauterkeit bewahren will, tut gut daran, das vortreffliche Beispiel Daniels und seiner drei Gefährten zu betrachten. Ungeachtet wie böse die Drohung war, fuhren sie fort, nach göttlichen Grundsätzen zu leben. Als ihr Leben in Gefahr war, handelte Daniel „mit Rat und verständigem Sinn“ und mit Achtung vor der obrigkeitlichen Gewalt des Königs (2:14-16). Als die drei Hebräer gezwungen wurden, sich zu entscheiden, zogen sie den brennenden Feuerofen einer götzendienerischen Handlung vor, und Daniel wollte lieber in die Löwengrube geworfen werden als sein Vorrecht aufgeben, zu Jehova zu beten. Jedesmal gewährte Jehova seinen Schutz (3:4-6, 16-18, 27; 6:10, 11, 23). Daniel selbst liefert ein glänzendes Beispiel dafür, daß man sich vertrauensvoll im Gebet an Jehova wenden sollte (2:19-23; 9:3-23; 10:12).

      20. Welche Visionen sind hinsichtlich der Weltmächte aufgezeichnet, und wieso ist es glaubensstärkend, sie heute zu betrachten?

      20 Daniels Visionen zu untersuchen ist spannend und glaubensstärkend zugleich. Betrachte zuerst die vier Visionen hinsichtlich der Weltmächte: 1. Eine Vision ist die von dem schrecklichen Bild, dessen Haupt aus Gold die babylonische Königsdynastie von Nebukadnezar an darstellt. Danach stehen drei andere Königreiche auf, die durch die weiteren Teile des Bildes dargestellt werden. Dies sind die Königreiche, die von dem „Stein“ zermalmt werden, der seinerseits zu einem „Königreich“ wird, „das nie zugrunde gerichtet werden wird“, Gottes Königreich (2:31-45). 2. Es folgen Daniels eigene Visionen. Die erste handelt von den vier Tieren, die „vier Könige“ darstellen. Diese gleichen einem Löwen, einem Bären, einem Leoparden mit vier Köpfen und einem Tier mit großen Zähnen aus Eisen und mit zehn Hörnern, denen später ein kleines Horn folgt (7:1-8, 17-28). 3. Dann folgt die Vision von dem Widder (Medo-Persien), dem Ziegenbock (Griechenland) und dem kleinen Horn (8:1-27). 4. Schließlich wird die Vision von dem König des Südens und dem König des Nordens beschrieben. Daniel 11:5-19 schildert genau die Rivalität zwischen der ägyptischen und der seleukidischen Seitenlinie des Griechischen Reiches nach Alexanders Tod im Jahre 323 v. u. Z. Ab Vers 20 verfolgt die Prophezeiung weiter den Lauf der Nachfolgenationen des Südens und des Nordens. Jesu Bezugnahme auf ‘das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht’ (11:31), in seiner Prophezeiung über das Ende des Systems der Dinge zeigt, daß dieser Machtkampf der zwei „Könige“ bis zum endgültigen „Abschluß des Systems der Dinge“ andauert (Mat. 24:3). Wie tröstend ist doch die Zusicherung in der Prophezeiung, daß in der „Zeit der Bedrängnis ..., wie eine solche nicht herbeigeführt worden ist, seitdem eine Nation entstanden ist, bis zu jener Zeit“, Michael aufstehen wird, um gottlose Nationen zu beseitigen und der gehorsamen Menschheit Frieden zu bringen! (Dan. 11:20 bis 12:1).

      21. Wie erfüllte sich Daniels Prophezeiung von den „siebzig Wochen“ auf bemerkenswerte Weise?

      21 Dann gibt es noch Daniels Prophezeiung von den „siebzig Wochen“. Nach 69 Wochen sollte der ‘Messias, der Führer’, erscheinen. Bemerkenswerterweise vergingen nach dem „Ausgehen des Wortes“, Jerusalem wieder zu bauen — von Artaxerxes in seinem 20. Jahr erlassen und von Nehemia ausgeführt —, 483 Jahre (69 mal 7 Jahre), bis Jesus von Nazareth im Jordan getauft und mit heiligem Geist gesalbt wurde, wodurch er der Christus oder der Messias (das heißt der Gesalbte) wurde.h Das war im Jahre 29 u. Z. Danach kam, wie Daniel ferner vorhersagte, eine ‘Ausrottung’, als Jerusalem im Jahre 70 u. Z. verwüstet wurde (Dan. 9:24-27; Luk. 3:21-23; 21:20).

      22. Welche Lehre ziehen wir aus der Demütigung Nebukadnezars?

      22 In Nebukadnezars Traum von dem gefällten Baum wird, wie in Daniel, Kapitel 4 aufgezeichnet, berichtet, daß der König von Jehova Gott gedemütigt wurde, als er sich seiner Leistungen rühmte und auf seine eigene Macht vertraute. Er wurde gezwungen, wie ein Tier des Feldes zu leben, bis er anerkannte, „daß der Höchste der Herrscher ist im Königreich der Menschheit und daß er es gibt, wem er will“ (4:32). Ahmen wir heute Nebukadnezar nach, indem wir uns unserer Leistungen rühmen und auf die Macht von Menschen vertrauen, so daß Gott uns strafen müßte, oder erkennen wir weise an, daß er der Herrscher im Königreich der Menschheit ist, und vertrauen wir auf sein Königreich?

      23. (a) Wie wird die Königreichshoffnung im ganzen Buch Daniel betont? (b) Wozu sollte uns dieses prophetische Buch ermuntern?

      23 Die Königreichshoffnung wird im ganzen Buch Daniel auf Glauben einflößende Weise betont. Jehova Gott wird als der höchste Souverän dargestellt, der ein Königreich aufrichtet, das niemals zugrunde gerichtet werden wird und das alle anderen Königreiche zermalmt (2:19-23, 44; 4:25). Selbst die heidnischen Könige Nebukadnezar und Darius waren gezwungen, Jehovas Oberhoheit anzuerkennen (3:28, 29; 4:2, 3, 37; 6:25-27). Jehova wird als der Alte an Tagen gerühmt und verherrlicht, der die Königreichsstreitfrage entscheidet, und einer „wie ein Menschensohn“ erhält die ewige „Herrschaft und Würde und Königtum ..., damit die Völker, Völkerschaften und Sprachen alle ihm dienen sollten“. Mit Christus Jesus, dem „Menschensohn“, werden „die Heiligen des Allerhöchsten“ an dem Königreich teilhaben (Dan. 7:13, 14, 18, 22; Mat. 24:30; Offb. 14:14). Er ist Michael, der große Fürst, der seine Königreichsmacht ausübt, um alle Königreiche der gegenwärtigen alten Welt zu zermalmen und ihnen ein Ende zu bereiten (Dan. 12:1; 2:44; Mat. 24:3, 21; Offb. 12:7-10). Das Verständnis dieser Prophezeiungen und Visionen sollte gerechtigkeitsliebende Menschen ermuntern, sich anzustrengen und im Worte Gottes umherzustreifen, um die wahrhaft „wunderbaren Dinge“ von Gottes Königreichsvorsätzen zu entdecken, die uns durch das inspirierte und nützliche Buch Daniel geoffenbart werden (Dan. 12:2, 3, 6).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1386.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 347.

      c George A. Barton, Archaeology and the Bible, 1949, Seite 483.

      d The Yale Oriental Series · Researches, Band XV, 1929.

      e Archiv für Orientforschung, Band 18, 1957/58, Seite 129.

      f Belsazar begann offensichtlich im 3. Regierungsjahr des Nabonid, als Mitregent zu regieren. Da man annimmt, daß Nabonid im Jahre 556 v. u. Z. zu regieren begann, war das dritte Jahr seiner Herrschaft und „das erste Jahr Belsazars“ offenbar das Jahr 553 v. u. Z. (Daniel 7:1; siehe Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 347; Band 2, NABONID).

      g Daniel 2:4b bis 7:28 wurde in Aramäisch geschrieben, wohingegen das übrige des Buches in Hebräisch geschrieben wurde.

      h Nehemia 2:1-8; siehe auch Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, SIEBZIG WOCHEN.

  • 28. Bibelbuch — Hosea
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 28. Bibelbuch — Hosea

      Schreiber: Hosea

      Ort der Niederschrift: Samaria (Bezirk)

      Vollendung der Niederschrift: nach 745 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: vor 804 bis nach 745 v. u. Z.

      1, 2. (a) Wie werden die letzten 12 Bücher der Hebräischen Schriften manchmal genannt? (b) Was ist über Hosea bekannt, und womit befassen sich seine Prophezeiungen?

      DIE letzten 12 Bücher der Hebräischen Schriften werden allgemein als die „Kleinen Propheten“ bezeichnet. In der hebräischen Bibel bilden sie e i n Buch und werden „Die Zwölf“ genannt. Wahrscheinlich faßte man sie auf diese Weise zusammen, damit sie erhalten blieben, denn eine einzelne kleine Rolle hätte leicht verlorengehen können. Wie jedes dieser 12 Bücher, so ist auch das erste nach seinem Schreiber, Hosea, benannt, dessen Name eine Kurzform von Hoschaja ist, was „Gerettet von Jah“, „Jah hat gerettet“ bedeutet.

      2 Abgesehen davon, daß Hosea der Sohn Beeris war, enthüllt das nach ihm benannte Buch wenig über seine Person. Seine Prophezeiungen befassen sich fast ausschließlich mit Israel, wogegen Juda nur beiläufig genannt wird. Jerusalem wird überhaupt nicht erwähnt, wogegen Ephraim, Israels vorherrschender Stamm, 37mal und Samaria, die Hauptstadt Israels, 6mal namentlich angeführt werden.

      3. Wie lange prophezeite Hosea, und welche Propheten lebten zur gleichen Zeit?

      3 Aus dem ersten Vers des Buches erfahren wir, daß Hosea ungewöhnlich lange als Prophet Jehovas wirkte — von der Zeit gegen Ende der Regierung Jerobeams II. von Israel bis in die Regierungszeit Hiskias von Juda, d. h. von spätestens 804 v. u. Z. bis nach 745 v. u. Z., also mindestens 59 Jahre. Er wirkte somit noch einige Jahre während der Regierung Jerobeams II. und derjenigen Hiskias. Zur gleichen Zeit waren andere treue Propheten Jehovas tätig: Amos, Jesaja, Micha und Oded (Am. 1:1; Jes. 1:1; Mi. 1:1; 2. Chr. 28:9).

      4. Welche Zitate und die Erfüllung welcher Prophezeiungen bestätigen die Glaubwürdigkeit des Buches Hosea?

      4 Die Glaubwürdigkeit der Prophezeiungen Hoseas wird durch mehrere Zitate in den Christlichen Griechischen Schriften bestätigt. Jesus selbst zitierte Hosea 10:8, als er Jerusalem verurteilte: „Dann wird man anfangen, zu den Bergen zu sagen: ‚Fallt über uns!‘ und zu den Hügeln: ‚Bedeckt uns!‘ “ (Luk. 23:30). Dieselbe Stelle wird teilweise in Offenbarung 6:16 angeführt. Matthäus zitierte Hosea 11:1: „Aus Ägypten rief ich meinen Sohn“, um zu zeigen, daß sich diese Prophezeiung erfüllt hatte (Mat. 2:15). Hoseas Prophezeiung über die Wiederherstellung ganz Israels erfüllte sich dadurch, daß viele aus dem Zehnstämmereich sich Juda anschlossen, bevor dieses in die Gefangenschaft geführt wurde, und ihre Nachkommen befanden sich unter denen, die nach dem Exil zurückkehrten (Hos. 1:11; 2. Chr. 11:13-17; 30:6-12, 18, 25; Esra 2:70). Seit der Zeit Esras hat das Buch Hosea im hebräischen Kanon als ‘das durch Hosea ergangene Wort Jehovas’ seinen rechtmäßigen Platz gehabt (Hos. 1:2).

      5. Worin bestand die Untreue, für die Jehova Israel bestrafte?

      5 Warum sandte Jehova Hosea als seinen Propheten nach Israel? Wegen der Untreue des Volkes und weil es sich mit Baalskult verunreinigt und so den Bund Jehovas gebrochen hatte. Im Land der Verheißung waren die Israeliten ein ackerbautreibendes Volk geworden; gleichzeitig machten sie sich aber nicht nur die Lebensweise der Kanaaniter zu eigen, sondern auch ihre Religion, die Anbetung des Baal, eines Gottes, der die Fortpflanzungskräfte der Natur symbolisierte. Zur Zeit Hoseas hatte sich die Nation Israel vollständig von der Anbetung Jehovas abgewandt, und sie führte Kulthandlungen durch, die mit Ausschweifung, Trunkenheit und unsittlichem Verkehr mit Tempelprostituierten verbunden waren. Sie schrieb ihren Wohlstand Baal zu. Sie war Jehova gegenüber nicht loyal und seiner nicht würdig. Sie mußte deshalb in Zucht genommen werden. Jehova wollte ihr zeigen, daß ihr materieller Wohlstand nicht von Baal kam. Er sandte deshalb Hosea, um sie wissen zu lassen, was es bedeuten würde, nicht zu bereuen. Nach dem Tod Jerobeams II. brach für Israel die schlimmste Zeit an, eine Schreckensherrschaft, die bis zur assyrischen Gefangenschaft (740 v. u. Z.) dauerte und während deren mehrere Herrscher ermordet wurden. In dieser Zeit kämpften zwei Parteien gegeneinander, von denen sich die eine mit Ägypten und die andere mit Assyrien verbünden wollte. Keine von beiden vertraute auf Jehova.

      6. Was verrät Hoseas Schreibstil?

      6 Hoseas Stil ist ausdrucksstark. Er gebraucht oft eine sanfte, gefühlvolle Sprache und betont immer wieder Jehovas Güte und Barmherzigkeit. Er geht auf das geringste Anzeichen von Reue, das er bemerkt, näher ein. Gelegentlich ist seine Sprache schroff und impulsiv. Den fehlenden Rhythmus macht er durch Stärke und Kraft wett. Er bringt ein starkes Empfinden zum Ausdruck und geht schnell von einem Gedanken zu einem anderen über.

      7. Was wird durch Gomers Untreue und ihre spätere Rückkehr veranschaulicht?

      7 Zu Beginn seiner Prophetenlaufbahn wurde Hosea geboten, „eine Frau der Hurerei“ zu nehmen (1:2). Ohne Zweifel verfolgte Jehova damit einen bestimmten Zweck. Israel war für Jehova wie eine Ehefrau, die untreu geworden war und Hurerei trieb. Dennoch wollte er seinem Volk seine Liebe beweisen und versuchen, es zurückzugewinnen. Hoseas Frau Gomer konnte in dieser Beziehung treffend als Veranschaulichung dienen. Es heißt, sie sei nach der Geburt des ersten Kindes untreu geworden und habe die anderen Kinder anscheinend als Ehebrecherin geboren (2:5-7). Das ist dem Bericht zu entnehmen, der besagt, daß sie „ihm [Hosea] ... einen Sohn geboren“ habe, wogegen in Verbindung mit der Geburt der anderen beiden Kinder der Prophet nicht erwähnt wird (1:3, 6, 8). Aus Kapitel 3, Vers 1-3 scheint hervorzugehen, daß Hosea Gomer wieder zurücknahm, und zwar indem er sie wie eine Sklavin kaufte; dementsprechend nahm Jehova auch sein Volk zurück, als es seinen ehebrecherischen Lauf bereute.

      8. Welche Namen werden in dem Buch abwechselnd gebraucht?

      8 Das nördliche Zehnstämmereich Israel, an das die Worte der Prophezeiung Hoseas hauptsächlich gerichtet waren, wurde auch Ephraim genannt, nach dem Namen des im Reiche vorherrschenden Stammes. Die Namen Israel und Ephraim werden im Buch Hosea abwechselnd gebraucht.

      INHALT DES BUCHES HOSEA

      9. Was deuten die Namen der Kinder Gomers in bezug auf Jehovas Verfahrensweise mit Israel an?

      9 Israels ehebrecherische Handlungsweise veranschaulicht (1:1⁠—⁠3:5). Hoseas „Frau der Hurerei“ gebiert dem Propheten einen Sohn, Jesreel. Später hat sie zwei weitere Kinder, eine Tochter, Lo-Ruhama, was „[Ihr wurde] keine Barmherzigkeit erwiesen“ bedeutet, und einen Sohn, Lo-Ammi, was „Nicht mein Volk“ bedeutet. Durch diese beiden Namen wollte Jehova nicht nur andeuten, daß er „dem Hause Israel nicht wieder Barmherzigkeit erweisen“ werde, sondern wollte auch hervorheben, daß er ganz Israel als sein Volk verworfen habe (1:2, 6, 9). Doch die Söhne Judas und Israels sollen als „Söhne des lebendigen Gottes“ zu einer Einheit zusammengebracht werden, unter e i n Haupt, „denn groß wird der Tag von Jesreel sein“ (1:10, 11). Wenn Gottes Volk von dem Baalskult, den es in ehebrecherischer Weise treibt, gereinigt ist, wird es zu Jehova zurückkehren und ihn als seinen Mann anerkennen (2:16). Jehova wird Israel in Sicherheit wohnen lassen und sich auf unabsehbare Zeit mit ihm verloben, in Gerechtigkeit, in Recht, in liebender Güte, in Erbarmungen und in Treue. In Übereinstimmung mit dem Namen Jesreel (was „Gott wird [Samen] säen“ bedeutet) verheißt Jehova: „Ich werde sie mir gewiß wie Samen in die Erde säen, ... und ich will zu denen, die nicht mein Volk sind, sprechen: ‚Du bist mein Volk‘; und sie ihrerseits werden sagen: ‚Du bist mein Gott‘ “ (2:23). Wie eine Frau, die ihren Ehebruch bereut, werden die „Söhne Israels umkehren und Jehova, ihren Gott, und David, ihren König, gewiß suchen“ (3:5).

      10. Was wird es mit sich bringen, daß die Nation die Erkenntnis verworfen hat?

      10 Prophetische Urteilssprüche gegen Ephraim (und Juda) (4:1⁠—⁠14:9). Der erste Vers des 4. Kapitels gibt den Rahmen für die nachfolgenden prophetischen Warnungen: „Jehova hat einen Rechtsfall mit den Bewohnern des Landes, denn es ist keine Wahrheit und keine liebende Güte und keine Gotteserkenntnis im Land.“ Was wird dieser Zustand mit sich bringen? „Weil du selbst sogar die Erkenntnis verworfen hast, werde ich auch dich verwerfen, so daß du mir nicht als Priester dienst; und weil du ständig das Gesetz deines Gottes vergißt, werde ich deine Söhne vergessen, ja ich“, sagt Jehova (4:1, 6). Der Geist der Hurerei hat Israel veranlaßt abzuirren. Das hurerische Israel und das hurerische Juda werden zur Rechenschaft gezogen werden; sie werden aber Jehova suchen, wenn sie „in Bedrängnis“ sind (5:15).

      11. Worum bittet Hosea das Volk eindringlich, aber weshalb wird über dieses ein Wehe ausgesprochen?

      11 Hosea bittet das Volk eindringlich: „Laßt uns doch zu Jehova umkehren, denn er ... wird uns heilen.“ Jehova hat an liebender Güte und Gotteserkenntnis mehr Gefallen als an Schlachtopfern und Brandopfern; Ephraims und Judas liebende Güte ist jedoch „wie der Tau, der früh vergeht“ (6:1, 4). Ephraim ist „wie eine einfältige Taube ohne Herz“. Die Ephraimiter wenden sich lieber an Ägypten und Assyrien um Hilfe als an Jehova (7:11). Ein Wehe wird über sie ausgesprochen. Warum? Sie treiben sich fortwährend umher, planen ständig Böses, übertreten Jehovas Bund und verstoßen gegen sein Gesetz. „Denn Wind säen sie ständig, und Sturmwind werden sie ernten“ (8:7). Jehova wird ihrer Vergehung gedenken und die Aufmerksamkeit auf ihre Sünden richten. „Sie werden Flüchtlinge unter den Nationen werden“ (9:17). Israel ist ein verwildernder Weinstock, dessen Herz heuchlerisch geworden ist. Statt Samen in Gerechtigkeit zu säen und gemäß liebender Güte zu ernten, hat Israel Bosheit gepflügt und Ungerechtigkeit geerntet. „Aus Ägypten rief ich meinen Sohn“, erinnert Jehova Israel (11:1). Ja, er liebte Israel, als es noch ein Knabe war, aber es hat ihn mit Lügen und mit Trug umringt. Jehova rät ihm: „Zu deinem Gott solltest du umkehren, indem du liebende Güte und Recht bewahrst, und hoffe beständig auf deinen Gott“ (12:6).

      12. (a) Was faßt Hosea im 13. Kapitel zusammen? (b) Welche Wiederherstellung wird verheißen?

      12 Im 13. Kapitel faßt Hosea alles zusammen: was aus Israels anfänglichem Versprechen geworden ist, Jehovas liebevolle Fürsorge, auch Israels Vergeßlichkeit und daß es sich schließlich gegen Jehova wandte. Jehova erklärt: „Ich gab dir dann einen König in meinem Zorn, und ich werde ihn wegnehmen in meinem Zornausbruch“ (13:11). Aber danach wird es eine Wiederherstellung geben: „Von der Hand des Scheols werde ich sie erlösen; vom Tod werde ich sie zurückholen. Wo sind deine Stacheln, o Tod? Wo ist deine vernichtende Gewalt, o Scheol?“ (13:14). Doch dem rebellischen Samaria wird es schrecklich ergehen.

      13. Mit welcher Bitte endet das Buch Hosea, und wer wird auf den Wegen Jehovas wandeln?

      13 Das Buch schließt mit der herzbewegenden Bitte: „Kehre doch zurück, o Israel, zu Jehova, deinem Gott, denn du bist in deinem Vergehen gestrauchelt.“ Israel sollte Vergebung suchen und die jungen Stiere seiner Lippen opfern. Jehova werde ihm Barmherzigkeit und Liebe erweisen. Er werde für Israel wie erfrischender Tau werden, und es werde wie die Lilie und der Olivenbaum blühen. Der Weise und Verständige werde diese Dinge verstehen: „Denn die Wege Jehovas sind gerade, und die Gerechten sind es, die darauf wandeln werden; aber die Übertreter, sie werden darauf straucheln“ (14:1-6, 9).

      WIESO NÜTZLICH

      14. Welche Prophezeiungen Hoseas haben sich beachtenswert genau erfüllt?

      14 Das Buch Hosea stärkt den Glauben an Jehovas inspirierte Prophezeiungen. Alles, was Hosea über Israel und Juda prophezeit hatte, erfüllte sich. Die Nation Israel wurde von ihren Liebhabern aus den götzendienerischen Nachbarvölkern im Stich gelassen und erntete von Assyrien im Jahre 740 v. u. Z. den vernichtenden Sturmwind (Hos. 8:7-10; 2. Kö. 15:20; 17:3-6, 18). Hosea hatte jedoch vorhergesagt, daß Jehova Juda Barmherzigkeit erweisen und es retten werde, aber nicht durch eine Streitmacht. Das erfüllte sich, als der Engel Jehovas 185 000 Assyrer erschlug, die Jerusalem bedroht hatten (Hos. 1:7; 2. Kö. 19:34, 35). Dennoch galt der Urteilsspruch in Hosea 8:14 auch Juda: „Und ich werde gewiß Feuer in seine Städte senden, und es soll die Wohntürme von einer jeden verzehren.“ Diese Vorhersage erfüllte sich auf furchtbare Weise, als Nebukadnezar in den Jahren 609 bis 607 v. u. Z. Juda und Jerusalem verwüstete (Jer. 34:6, 7; 2. Chr. 36:19). Die vielen Prophezeiungen Hoseas über die Wiederherstellung erfüllten sich, als Jehova Juda und Israel zusammenbrachte und sie im Jahre 537 v. u. Z. „aus dem Land“ ihres Exils „hinaufzogen“ (Hos. 1:10, 11; 2:14-23; 3:5; 11:8-11; 13:14; 14:1-9; Esra 2:1; 3:1-3).

      15. Wie wenden Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften Anführungen aus dem Buch Hosea an?

      15 Eine Betrachtung der von den Schreibern der Christlichen Griechischen Schriften angeführten Texte aus Hoseas Prophezeiungen ist für uns ebenfalls äußerst nützlich. In einer Abhandlung über die Auferstehung wendet Paulus zum Beispiel Hosea 13:14 geschickt an: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1. Kor. 15:55). Die unverdiente Güte, die Jehova den Gefäßen der Barmherzigkeit erweist, betont Paulus, indem er aus Hosea 1:10 und 2:23 zitiert: „Es ist so, wie er auch in Hosea sagt: ‚Die nicht mein Volk sind, will ich „mein Volk“ nennen und sie, die Nichtgeliebte, „Geliebte“; und an dem Ort, wo zu ihnen gesagt wurde: „Ihr seid nicht mein Volk“, dort werden sie „Söhne des lebendigen Gottes“ genannt werden‘ “ (Röm. 9:25, 26). Petrus umschreibt diese Textstellen aus Hosea mit den Worten: „Denn einst wart ihr kein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; ihr wart die, denen keine Barmherzigkeit erwiesen worden war, seid jetzt aber die, denen Barmherzigkeit erwiesen worden ist“ (1. Pet. 2:10).

      16. Welche Worte Hoseas wiederholte Jesus, um zu zeigen, welche Art von Anbetung Jehova verlangt?

      16 Hoseas Prophezeiungen erfüllten sich also nicht nur durch die Rückkehr eines Überrests in den Tagen Serubbabels, sondern sie erfüllen sich auch dadurch, daß Jehova in seiner Barmherzigkeit einen geistigen Überrest versammelt, dessen Glieder zu ‘geliebten Söhnen des lebendigen Gottes’ werden. Durch Inspiration erfuhr Hosea, was von diesen verlangt wird — keine mit feierlichen Zeremonien verbundene, zum Schein gepflegte Anbetung, sondern das, was den Worten aus Hosea 6:6 (die Jesus gemäß Matthäus 9:13 und 12:7 wiederholte) entspricht: „An liebender Güte habe ich Gefallen gefunden und nicht am Schlachtopfer; und an der Erkenntnis Gottes mehr als an Ganzbrandopfern.“

      17. (a) Was müssen alle tun, die durch geistigen Ehebruch zu Fall gekommen sind? (b) Welche freudige Königreichsverheißung enthält das Buch Hosea?

      17 Die Veranschaulichung, die durch die ehebrecherische Frau im Leben Hoseas so deutlich Wirklichkeit wurde, zeigt, daß Jehova diejenigen verabscheut, die ihm den Rücken kehren und sich dem Götzendienst und der Anbetung falscher Götter zuwenden und dadurch geistigen Ehebruch begehen. Alle, die in ihrem Vergehen gestrauchelt sind, müssen aufrichtig bereuen und zu Jehova zurückkehren und müssen ‘die jungen Stiere ihrer Lippen darbieten’ (Hos. 14:2; Heb. 13:15). Sie können sich mit dem Überrest der geistigen Söhne Israels an der Erfüllung der Königreichsverheißung aus Hosea 3:5 freuen: „Danach werden die Söhne Israels umkehren und Jehova, ihren Gott, und David, ihren König, gewiß suchen; und sie werden tatsächlich bebend zu Jehova und zu seiner Güte kommen im Schlußteil der Tage.“

  • 29. Bibelbuch — Joel
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 29. Bibelbuch — Joel

      Schreiber: Joel

      Ort der Niederschrift: Juda

      Vollendung der Niederschrift: um 820 v. u. Z. (?)

      1. Welche dramatischen Ereignisse bilden die Höhepunkte der Prophezeiung Joels?

      UNAUFHALTSAM verwüstet ein Insektenschwarm das Land. Feuer vor ihm und eine Flamme hinter ihm vervollständigen die Verheerung. Überall herrscht Hungersnot. Die Sonne verwandelt sich in Finsternis und der Mond in Blut, denn der große und furchteinflößende Tag Jehovas ist nahe. Jehova gebietet, die Sichel anzulegen und die Nationen zur Vernichtung zusammenzubringen. Einige werden jedoch „sicher davonkommen“ (Joel 2:32). Da sich Joels Prophezeiung mit diesen dramatischen Ereignissen befaßt, ist sie für uns von besonderem Interesse und von großem Nutzen.

      2. Was wissen wir über Joel und über den Hintergrund seiner Prophezeiung?

      2 Das Buch wird als „das Wort Jehovas, das an Joel, den Sohn Pethuels, erging“, eingeführt. Über Joel selbst teilt die Bibel nichts weiter mit. Die prophetische Botschaft steht im Vordergrund und nicht deren Schreiber. Der Name „Joel“ (hebräisch: Jōʼél) bedeutet wahrscheinlich „Jehova ist Gott“. Daß Joel mit Jerusalem, dessen Tempel und den Einzelheiten des Tempeldienstes persönlich vertraut war, deutet darauf hin, daß er sein Buch in Jerusalem oder in Juda schrieb (Joel 1:1, 9, 13, 14; 2:1, 15, 16, 32).

      3. Aus welchen Gründen wird für die Prophezeiung ein Datum um das Jahr 820 v. u. Z. angenommen?

      3 Wann wurde das Buch Joel geschrieben? Man kann es nicht mit Sicherheit sagen. Gelehrte nennen verschiedene Daten, angefangen von der Zeit vor 800 v. u. Z. bis um 400 v. u. Z. Die Schilderung von Jehovas Gericht an den Nationen in der Tiefebene Josaphat läßt vermuten, daß Joel seine Prophezeiung irgendwann nach dem großen Sieg schrieb, den Jehova zugunsten König Josaphats von Juda bewirkte, also nachdem Josaphat 936 v. u. Z. König geworden war (Joel 3:2, 12; 2. Chr. 20:22-26). Der Prophet Amos zitierte vielleicht aus dem Text des Buches Joel. Das würde bedeuten, daß Joels Prophezeiung vor derjenigen des Amos geschrieben wurde, der irgendwann zwischen 829 und 804 v. u. Z. zu prophezeien begann (Joel 3:16; Am. 1:2). Auch die Stellung des Buches zwischen Hosea und Amos im hebräischen Kanon läßt auf einen frühen Zeitpunkt schließen. Deshalb wird für Joels Prophezeiung ein Datum um das Jahr 820 v. u. Z. angenommen.

      4. Welche Beweise gibt es für die Echtheit des Buches Joel?

      4 Die Echtheit der Prophezeiung wird durch Zitate und Bezugnahmen darauf in den Christlichen Griechischen Schriften bewiesen. Am Pfingsttag erwähnte Petrus den „Propheten Joel“ und wandte eine seiner Prophezeiungen an. Paulus zitierte dieselbe Prophezeiung und zeigte, wie sie sich an Juden und Nichtjuden erfüllte (Joel 2:28-32; Apg. 2:16-21; Röm. 10:13). Joels Prophezeiungen gegen Nachbarnationen gingen alle in Erfüllung. Die bedeutende Stadt Tyrus wurde von Nebukadnezar belagert, und später wurde die Inselstadt von Alexander dem Großen zerstört. Philistäa ging ebenfalls zugrunde. Edom wurde zu einer Wildnis (Joel 3:4, 19). Die Juden stellten die Kanonizität des Buches Joel nie in Frage. Sie reihten es an zweiter Stelle unter die sogenannten Kleinen Propheten ein.

      5. Inwiefern ist die Prophezeiung von bemerkenswerter Ausdruckskraft?

      5 Joel schreibt in einem lebendigen und ausdrucksvollen Stil. Er gebraucht Wiederholungen um des Nachdrucks willen sowie treffende Vergleiche. Heuschrecken werden als eine Nation, als ein Volk und als ein Heer bezeichnet. Ihre Zähne sind wie die Zähne von Löwen, ihr Aussehen ist wie das Aussehen von Rossen, und ihr Geräusch gleicht dem Geräusch der Wagen eines zur Schlacht aufgestellten Heeres. In The Interpreter’s Bible wird eine Autorität auf dem Gebiet der Heuschreckenbekämpfung wie folgt zitiert: „Joels Schilderung eines Heuschreckeneinfalls ist in bezug auf die anschauliche Genauigkeit der Einzelheiten unübertroffen.“a Hören wir nun, wie Joel über den furchteinflößenden Tag Jehovas prophezeit.

      INHALT DES BUCHES JOEL

      6. Welche schreckliche Vision sieht Joel zu Beginn?

      6 Einfallende Insekten verheeren das Land; Tag Jehovas nahe (1:1⁠—⁠2:11). Welch eine schreckliche Vision des Unglücks Joel sieht! Ein vernichtender Einfall von Raupen, Heuschrecken, kriechenden, ungeflügelten Heuschrecken und Kakerlaken. Weinstöcke und Feigenbäume sind abgeschält, und im Land geht der Hunger um. Für das Haus Jehovas gibt es weder Getreide- noch Trankopfer. Joel fordert die Priester und Diener Gottes auf zu bereuen. „Ach über den Tag!“ ruft er aus. „Denn der Tag Jehovas ist nahe, und wie eine Verheerung vom Allmächtigen wird er kommen!“ (1:15). Tiere irren umher. Flammen haben das Weideland und die Bäume verzehrt, und die Wildnis ist durch Feuer ausgetrocknet.

      7. Wie wird der Einmarsch der Streitmacht Jehovas beschrieben?

      7 Laßt das Alarmsignal erschallen! „Blast das Horn in Zion, und erhebt ein Kriegsgeschrei auf meinem heiligen Berg“ (2:1). Der Tag Jehovas ist nahe, ein Tag der Finsternis und des dichten Dunkels. Siehe, ein zahlreiches und mächtiges Volk! Es verwandelt das edengleiche Land in eine öde Wüstenei, nichts entrinnt. Wie Pferde rennen sie, und sie verursachen ein Geräusch wie von Wagen auf den Berggipfeln. Einem Volk in Schlachtordnung gleich, stürmen sie in die Stadt und steigen auf Mauern, auf Häuser und durch Fenster. Das Land erbebt, und die Himmel wanken. Jehova führt das Kommando über diese zahlreiche Streitmacht. „Der Tag Jehovas ist groß und sehr furchteinflößend, und wer kann ihn aushalten?“ (2:11).

      8. (a) Wie nur kann man gegen die einfallenden Insekten ankämpfen? (b) Womit Ersatz zu leisten, verheißt Jehova?

      8 Zu Jehova umkehren; Geist soll ausgegossen werden (2:12-32). Man kann jedoch etwas tun, um gegen den Einmarsch anzukämpfen. Jehova gibt den Rat: „Kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen ... zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider; und kehrt um zu Jehova, eurem Gott“ (2:12, 13). Das Blasen eines Horns ruft das Volk zu einer feierlichen Versammlung. Wenn es zu Jehova zurückkehrt, wird er „für sein Land eifern und wird seinem Volk Mitleid erweisen“ (2:18). Segnungen und Vergebung stehen bevor, und der Eindringling wird weichen müssen. Es ist eine Zeit, zu frohlocken und sich zu freuen und nicht furchtsam zu sein, denn es wird Früchte und Getreide, neuen Wein und Öl geben. Jehova wird Ersatz leisten für die Jahre, die von seiner großen Heuschreckenstreitmacht gefressen wurden. Er verheißt: „Ihr werdet gewiß essen, essen und satt werden, und ihr werdet ganz bestimmt den Namen Jehovas, eures Gottes, preisen, der so wunderbar mit euch gehandelt hat“ (2:26). Die Menschen werden erkennen, daß Jehova allein ihr Gott ist in der Mitte Israels.

      9. Welche zu Herzen gehende Prophezeiung schließt sich an?

      9 „Und danach soll es geschehen, daß ich meinen Geist auf Fleisch von jeder Art ausgießen werde“, erklärt Jehova, „und eure Söhne und eure Töchter werden tatsächlich prophezeien. Was eure alten Männer betrifft, Träume werden sie haben. Was eure jungen Männer betrifft, Visionen werden sie sehen. Und sogar auf die Knechte und auf die Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.“ Vor dem Kommen des Tages Jehovas wird es furchteinflößende Zeichen an Sonne und Mond geben. Doch einige werden überleben. „Es soll geschehen, daß jeder, der den Namen Jehovas anruft, sicher davonkommen wird“ (2:28-32).

      10. Was soll in der Tiefebene Josaphat geschehen?

      10 Die Nationen werden in der „Tiefebene Josaphat“ gerichtet (3:1-21). Jehova wird die Gefangenen Judas und Jerusalems zurückführen. Die Nationen werden versammelt werden; Tyrus, Sidon und Philistäa wird es teuer zu stehen kommen, daß sie Jehovas Volk geschmäht und es zu Sklaven gemacht haben. Hören wir, wie Jehova die Nationen herausfordert: „Heiligt Krieg! Weckt die starken Männer auf! Laßt sie heranrücken! Laßt sie heraufkommen, alle Kriegsmänner!“ (3:9). Mögen sie Pflugscharen zu Schwertern schmieden und zur Tiefebene Josaphat (was „Jehova ist Richter“ bedeutet) heraufkommen. Jehovas Befehl ertönt: „Legt eine Sichel an, denn die Ernte ist reif geworden. ... Die Kelterkufen fließen tatsächlich über; denn ihre Schlechtigkeit ist ausnehmend groß geworden. Mengen, Mengen sind in der Tiefebene der Entscheidung, denn nahe ist der Tag Jehovas“ (3:13, 14). Sonne und Mond verfinstern sich. Jehova brüllt aus Zion, so daß Himmel und Erde erbeben, aber für sein eigenes Volk erweist er sich als eine Zuflucht und eine Festung. Sie werden erkennen müssen, daß er Jehova, ihr Gott, ist.

      11. Wie beschreibt Joel die darauf folgenden Segnungen von Jehova?

      11 Welch eine paradiesische Fülle wird „an jenem Tag“ zu sehen sein! (3:18). Die Berge werden von Wein triefen, die Hügel werden von Milch fließen, und in den Flußbetten wird reichlich Wasser strömen. Ein erfrischender Quell wird vom Haus Jehovas ausgehen. Ägypten und Edom, die in Juda unschuldiges Blut vergossen haben, werden zu wüsten Einöden werden, aber Juda und Jerusalem werden auf unabsehbare Zeit bewohnt werden, „und Jehova wird in Zion weilen“ (3:21).

      WIESO NÜTZLICH

      12. Welche prophetische Bedeutung des Buches Joel hob Petrus zu Pfingsten hervor?

      12 Kommentatoren haben Joel als einen „Propheten der Düsterkeit“ dargestellt. Vom Standpunkt des Volkes Gottes aus betrachtet, ist er jedoch der Verkündiger einer herrlichen Botschaft der Befreiung. Der Apostel Paulus unterstreicht diesen Gedanken, wenn er in Römer 10:13 schreibt: „Denn ‚jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden‘ “ (Joel 2:32). Zu Pfingsten 33 u. Z. erfüllte sich Joels Prophezeiung auf eindrucksvolle Weise. Damals erklärte Petrus unter Inspiration, daß die Ausgießung des Geistes Gottes auf die Jünger Christi eine Erfüllung der Prophezeiung Joels war (Apg. 2:1-21; Joel 2:28, 29, 32). Petrus wies nachdrücklich auf die prophetische Bedeutung der Worte Joels hin: „Und jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden“ (Apg. 2:21, 39, 40).

      13. (a) Welche auffallende Gemeinsamkeit besteht zwischen dem Buch Joel und der Offenbarung? (b) Welche Parallelen zu Joel sind in anderen Prophezeiungen zu finden?

      13 Die von Joel geschilderte Heuschreckenplage ist derjenigen auffallend ähnlich, die in Offenbarung, Kapitel 9 vorhergesagt wird. Auch hier wird die Sonne verfinstert. Die Heuschrecken gleichen zur Schlacht gerüsteten Pferden, erzeugen ein Geräusch wie von Wagen und haben Zähne wie Löwen (Joel 2:4, 5, 10; 1:6; Offb. 9:2, 7-9). Joels Prophezeiung in Joel 2:31 besagt, daß sich die Sonne in Finsternis verwandeln wird. Von einem solchen Ereignis ist auch in Jesaja 13:9, 10 und in Offenbarung 6:12-17 die Rede sowie in Matthäus 24:29, 30, wo Jesus zeigt, daß sich die Prophezeiung auf die Zeit bezieht, wenn er als der Menschensohn mit Macht und großer Herrlichkeit kommt. In Maleachi 4:5 werden anscheinend die Worte aus Joel 2:11 aufgegriffen: „Der Tag Jehovas ist groß und sehr furchteinflößend.“ Ähnliche Beschreibungen dieses ‘Tages der Finsternis und des dichten Dunkels’ finden sich außerdem in Joel 2:2 und in Zephanja 1:14, 15.

      14. Welche Stellen im Buch Joel verherrlichen die Souveränität Jehovas und seine liebende Güte?

      14 Die Prophetie der Offenbarung lenkt den Blick auf den „großen Tag“ des göttlichen Zorns (Offb. 6:17). Joel prophezeit ebenfalls von dieser Zeit. Er zeigt, daß diejenigen, die Jehova um Schutz und Befreiung anrufen, ‘sicher davonkommen werden’, wenn der große „Tag Jehovas“ über die Nationen kommt. „Jehova wird eine Zuflucht sein für sein Volk.“ Eine Wohlfahrt wie im Garten Eden wird einkehren: „Und es soll geschehen an jenem Tag, daß die Berge von süßem Wein triefen werden, und die Hügel, sie werden von Milch fließen, und sogar alle Flußbetten Judas werden von Wasser fließen. Und ein Quell wird vom Haus Jehovas ausgehen.“ Mit diesen beglückenden Verheißungen über die Wiederherstellung verherrlicht Joel auch die Souveränität Jehovas Gottes. Gestützt auf die große Barmherzigkeit Jehovas, fordert er die, die aufrichtigen Herzens sind, dringend auf: „Kehrt um zu Jehova, eurem Gott, denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte.“ Allen, die diesem inspirierten Aufruf folgen, werden ewige Segnungen zuteil (Joel 2:1, 32; 3:16, 18; 2:13).

      [Fußnote]

      a 1956, Band VI, Seite 733.

  • 30. Bibelbuch — Amos
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 30. Bibelbuch — Amos

      Schreiber: Amos

      Ort der Niederschrift: Juda

      Vollendung der Niederschrift: um 804 v. u. Z.

      1. Wer war Amos?

      ALS Jehova Amos rief und ihn zu seiner eigenen Nation Juda sowie zu dem nördlichen Königreich Israel sandte, um zu prophezeien, war er weder ein Prophet noch der Sohn eines Propheten, sondern ein Schafzüchter und Maulbeerfeigenritzer. Er zählte zu den Propheten, auf die in 2. Könige 17:13, 22, 23 Bezug genommen wird. Er stammte aus Tekoa in Juda, das etwa 16 Kilometer südlich von Jerusalem und etwa eine Tagereise von der südlichen Grenze des Zehn-Stämme-Königreiches Israel entfernt liegt (Am. 1:1; 7:14, 15).

      2. Wie kann ermittelt werden, wann Amos prophezeite?

      2 Im ersten Vers seiner Prophezeiung heißt es, daß er seine Prophetenlaufbahn in den Tagen Usijas, des Königs von Juda, und Jerobeams (II.), des Sohnes des Joas, des Königs von Israel, begann, zwei Jahre vor einem ungewöhnlichen Erdbeben. Demnach fällt die Prophezeiung in die 26jährige Zeitspanne von 829 bis um 804 v. u. Z., in der sich die Regierungszeiten dieser beiden Könige überschnitten. Der Prophet Sacharja erwähnt das verheerende Erdbeben in den Tagen Usijas, als die Menschen vor Furcht flohen (Sach. 14:5). Gemäß dem jüdischen Geschichtsschreiber Josephus sei ein Erdbeben eingetreten, als Usija in vermessener Weise versucht habe, im Tempel Räucherwerk darzubringen. Das Erdbeben, das Amos erwähnte, scheint sich jedoch früher in der Regierungszeit Usijas ereignet zu haben.

      3. (a) Wieso war die unheilvolle Botschaft zeitgemäß? (b) Wie rühmte Amos Jehovas Souveränität?

      3 Der Name Amos bedeutet „Getragen“ oder „Die Last tragend“. Als Amos Israel und Juda (und auch zahlreichen heidnischen Nationen) unheilvolle Botschaften brachte, überbrachte er auch eine tröstliche Botschaft von der Wiederherstellung des Volkes Jehovas. Es gab allen Grund, eine unheilvolle Last in Israel auszusprechen. Wohlstand, luxuriöses Leben und Zügellosigkeit waren an der Tagesordnung. Das Gesetz Jehovas hatten die Menschen vergessen. Ihr scheinbares Gedeihen machte sie gegenüber der Tatsache blind, daß sie wie überreifes Obst schon in Fäulnis übergegangen waren, die schließlich zur Vernichtung führt. Amos prophezeite, daß in nur ein paar Jahren das Zehn-Stämme-Königreich ins Exil jenseits von Damaskus gehen würde. Hierbei rühmte er die Gerechtigkeit und Souveränität Jehovas, den er 21mal als den ‘Souveränen Herrn’ bezeichnet (Am. 1:8).

      4. Welche Prophezeiung bezeugte durch ihre Erfüllung die Glaubwürdigkeit des Buches Amos?

      4 Die Erfüllung dieser Prophezeiung sowie weiterer Prophezeiungen bezeugt die Glaubwürdigkeit des Buches Amos. Der Prophet sagte auch voraus, daß die feindlichen Nationen rund um Israel — die Syrer, die Philister, die Tyrier, die Edomiter, die Ammoniter und die Moabiter — alle vom Feuer der Vernichtung verzehrt würden. Es ist geschichtlich erwiesen, daß jedes dieser feindlichen Bollwerke mit der Zeit zerbrochen wurde. Die Wege Judas und Israels waren noch verwerflicher, weil diese Nationen Jehova verließen, um die falsche Anbetung auszuüben. Als letztes Bollwerk Israels fiel die befestigte Stadt Samaria im Jahre 740 v. u. Z., nachdem sie vom assyrischen Heer unter Salmanassar (V.) belagert worden war (2. Kö. 17:1-6). Die Nation Juda zog aus dem, was ihrer Schwesternation widerfuhr, keine Lehre und wurde somit im Jahre 607 v. u. Z. vernichtet.

      5. Wie bestätigt die Archäologie den Bericht in Amos?

      5 Amos verurteilte Israel wegen seiner luxuriösen Lebensweise, weil die Reichen die Armen übervorteilten, um ihre „Elfenbeinhäuser“ zu bauen, in denen sie ihre Gäste fürstlich bewirteten (Am. 3:15; 5:11, 12; 6:4-7). Archäologen haben Beweise für diesen Wohlstand freigelegt. Bei Ausgrabungen in Samaria sind zahlreiche Gegenstände aus Elfenbein gefunden worden. Das Werk Encyclopedia of Archaeological Excavations in the Holy Land sagt darüber: „Es können zwei Hauptgruppen unterschieden werden: 1. Tafeln, geschnitzt in Hochrelief, ... 2. Tafeln, geschnitzt in Flachrelief, verziert mit Einlegearbeiten aus Edelsteinen, farbigem Glas, Goldauflagen usw. ... Die Elfenbeinarbeiten gelten als Werke phönizischer Kunst, und sie wurden wahrscheinlich als Einlegearbeiten für die Palasteinrichtung der israelitischen Könige verwendet. In der Bibel werden das von Ahab erbaute ‚Elfenbeinhaus‘ erwähnt (1. Könige 22:39) und die ‚Ruhebetten aus Elfenbein‘, die in den Zurechtweisungen des Amos (6:4) für das Luxusleben stehen, das man in Samaria führte.“a

      6. Wodurch wird die Glaubwürdigkeit des Buches Amos endgültig bewiesen?

      6 Das Buch Amos gehört ohne Zweifel in den Bibelkanon. Seine Glaubwürdigkeit wird dadurch endgültig bewiesen, daß Stephanus drei Verse in Apostelgeschichte 7:42, 43 umschreibt und Jakobus in Apostelgeschichte 15:15-18 aus dem Buch zitiert (Am. 5:25-27; 9:11, 12).

      INHALT DES BUCHES AMOS

      7. Welche Nationen warnt Amos vor Jehovas Gerichten?

      7 Gerichte gegen die Nationen (1:1⁠—⁠2:3). „Jehova — aus Zion wird er brüllen“ (1:2). Amos geht dazu über, vor Jehovas feurigen Gerichten gegen die Nationen zu warnen. Damaskus (Syrien) hat Gilead mit eisernen Dreschwerkzeugen gedroschen. Gasa (Philistäa) und Tyrus haben israelitische Gefangene an Edom übergeben. In Edom selbst haben Barmherzigkeit und Bruderliebe gefehlt. Ammon ist in Gilead eingefallen. Moab hat die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt. Jehovas Hand ist gegen all diese Nationen, und er sagt: „Ich [werde] es nicht abwenden“ (1:3, 6, 8, 9, 11, 13; 2:1).

      8. Wieso wird Jehovas Gericht auch gegen Juda und Israel verkündet?

      8 Gericht gegen Juda und Israel (2:4-16). Auch von Juda wird Jehova seinen Zorn nicht abwenden. Es hat sich vergangen, indem es ‘das Gesetz Jehovas verworfen’ hat (2:4). Und Israel? Jehova vertilgte die furchtbaren Amoriter für die Israeliten und gab ihnen das gute Land. Er erweckte Nasiräer und Propheten unter ihnen, aber sie veranlaßten die Nasiräer, ihr Gelübde zu brechen, und befahlen den Propheten: „Ihr sollt nicht prophezeien“ (2:12). Deshalb läßt Jehova ihre Grundlagen wie einen mit frisch geschnittenem Getreide beladenen Wagen schwanken. Und ihre Starken, sie werden nackt fliehen.

      9. Wodurch wird bewiesen, daß Jehova gesprochen hat, und gegen wen prophezeit Amos vor allem?

      9 Die Abrechnung mit Israel (3:1⁠—⁠6:14). Durch treffende Veranschaulichungen betont Amos, daß sein Prophezeien an sich beweist, daß Jehova gesprochen hat. „Denn der Souveräne Herr Jehova wird kein Ding tun, es sei denn, er habe seine vertrauliche Sache seinen Knechten, den Propheten, geoffenbart. ... Der Souveräne Herr Jehova selbst hat geredet! Wer wird nicht prophezeien?“ (3:7, 8). Amos prophezeit vor allem gegen die in Samaria wohnenden luxusliebenden Plünderer. Jehova wird sie von ihren prächtigen Ruhebetten herunterreißen, und ihre Elfenbeinhäuser werden zugrunde gehen.

      10. Woran erinnert Jehova Israel, und welcher unheilvolle Tag soll herbeikommen?

      10 Jehova zählt seine Züchtigungen und Zurechtweisungen Israels auf. Fünfmal erinnert er die Israeliten: „Ihr kehrtet nicht zu mir um.“ Daher, o Israel, „mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen“ (4:6-12). Amos stimmt ein prophetisches Klagelied an: „Die Jungfrau Israel ist gefallen; sie kann nicht wieder aufstehen. Sie ist auf ihrem eigenen Boden verlassen worden; niemand richtet sie auf“ (5:2). Jedoch fordert Jehova, der Schöpfer wunderbarer Dinge im Himmel und auf der Erde, Israel weiterhin auf, nach ihm zu suchen und am Leben zu bleiben. Ja, „sucht das Gute und nicht das Böse, damit ihr am Leben bleibt“ (5:4, 6, 14). Was wird der Tag Jehovas aber für die Israeliten bedeuten? Es wird ein unheilvoller Tag sein. Wie ein Sturzbach wird er sie ins Exil jenseits von Damaskus spülen, und die elfenbeingeschmückten Häuser, in denen sie sich zu Gastmählern rekelten, werden in Trümmer gelegt werden.

      11. Aufgrund welcher Befugnis besteht Amos darauf, gegen Israel zu prophezeien?

      11 Amos prophezeit trotz Gegnerschaft (7:1-17). Jehova zeigt seinem Propheten ein mitten im Volk Israel angelegtes Senkblei. Er wird Israel nicht mehr entschuldigen. Er wird die Heiligtümer Israels verwüsten und gegen das Haus Jerobeams (II.) mit einem Schwert aufstehen. Amazja, der Priester von Bethel, läßt Jerobeam ausrichten: „Amos hat sich ... gegen dich verschworen“ (7:10). Amazja sagt Amos, er möge nach Juda gehen, um zu prophezeien. Amos macht seine Befugnis deutlich, indem er erwidert: „Jehova nahm mich dann hinter der Kleinviehherde weg, und Jehova sagte darauf zu mir: ‚Geh, prophezeie meinem Volk Israel‘ “ (7:15). Amos sagt dann für Amazja und dessen Hausgemeinschaft Unglück voraus.

      12. Welche Hungersnot wird für Israel vorhergesagt, aber mit welcher großartigen Verheißung schließt die Prophezeiung?

      12 Bedrückung, Strafe und Wiederherstellung (8:1 bis 9:15). Jehova zeigt Amos einen Korb Sommerfrüchte. Er verurteilt Israels Bedrückung der Armen und schwört „bei Jakobs HOHEIT“, daß die Israeliten aufgrund ihrer schlechten Werke werden trauern müssen. „ ‚Siehe! Es kommen Tage‘, ist der Ausspruch des Souveränen Herrn Jehova, ‚und ich will einen Hunger in das Land senden, einen Hunger, nicht nach Brot, und einen Durst, nicht nach Wasser, sondern die Worte Jehovas zu hören‘ “ (8:7, 11). Sie werden fallen und nicht mehr aufstehen. Jehovas Hand wird sie ergreifen, ob sie hinab in den Scheol graben oder zu den Himmeln aufsteigen. Die Sünder seines Volkes werden durch das Schwert sterben. Dann folgt eine großartige Verheißung. „An jenem Tag werde ich die Hütte Davids aufrichten, die verfallen ist, und ich werde gewiß ihre Breschen ausbessern ..., und ich werde sie bestimmt aufbauen wie in den Tagen der Vorzeit“ (9:11). Die aus der Gefangenschaft Zurückgekehrten werden so erfolgreich werden, daß der Pflüger den Schnitter einholen wird, bevor dieser seine Rekordernten einsammeln kann. Diese Segnungen von Jehova werden anhalten.

      WIESO NÜTZLICH

      13. Wie können uns heute Amos’ Warnungen zugute kommen?

      13 Heute kann es Bibellesern zum Nutzen gereichen, wenn sie beachten, warum Amos Israel, Juda und ihren nächsten Nachbarn die Warnungen verkündete. Diejenigen, die das Gesetz Jehovas verwerfen, die Armen betrügen und unterdrücken, habgierig und unsittlich sind und Götzendienst treiben, können Jehovas Wohlgefallen nicht haben. Aber denen, die sich davon abwenden und bereuen, vergibt Jehova, und ihnen erweist er Barmherzigkeit. Es ist weise, sich von dem verderblichen Umgang mit dieser bösen Welt zu trennen und Jehovas Ermahnung zu beachten: „Sucht nach mir, und bleibt am Leben“ (5:4, 6, 14).

      14. Zogen die Juden zur Zeit des Stephanus aus dem, woran er sie erinnerte, Nutzen?

      14 Vor seinem Tod als Märtyrer zitierte Stephanus den Propheten Amos. Er erinnerte die Juden daran, daß der Götzendienst mit fremdländischen Göttern wie Moloch und Rephan dazu geführt hatte, daß Israel in Gefangenschaft geriet. Zogen jene Juden Nutzen daraus, daß sie Amos’ Worte hörten? Nein! Vor Wut steinigten sie Stephanus und beschworen so für sich weiteres Unheil herauf, das bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. eintreten sollte (Am. 5:25-27; Apg. 7:42, 43).

      15. Welche Prophezeiungen der Wiederherstellung sind nützlich zu betrachten?

      15 Es ist nützlich, die Erfüllung der vielen Prophezeiungen aus dem Buch Amos zu betrachten, und zwar nicht nur der Prophezeiungen, die sich durch die Bestrafung Israels, Judas und anderer Nationen erfüllten, sondern auch der Prophezeiungen der Wiederherstellung. Im Einklang mit Jehovas Wort durch Amos kehrten die Gefangenen Israels im Jahre 537 v. u. Z. zurück, um ihre verödeten Städte zu bauen und zu bewohnen und ihre Weinberge zu pflanzen und Gärten anzulegen (Am. 9:14; Esra 3:1).

      16. Wie wies Jakobus auf eine Erfüllung von Amos 9:11, 12 in Verbindung mit der Christenversammlung hin?

      16 In den Tagen der Apostel trat jedoch eine herrliche und erbauende Erfüllung der Prophezeiung des Amos ein. Als Jakobus die Einsammlung von Nichtisraeliten in die Christenversammlung bespricht, macht er unter Inspiration deutlich, daß dies in der Prophezeiung in Amos 9:11, 12 vorhergesagt worden sei. Er weist darauf hin, daß sich das ‘Aufbauen der Hütte Davids, die verfallen ist’, an der Christenversammlung erfüllt, „damit die, die von den Menschen übrigbleiben, zusammen mit Leuten aus allen Nationen, Leuten, die nach meinem Namen genannt sind, Jehova ernstlich suchen, spricht Jehova“. Hier war tatsächlich die biblische Stütze für die neue Entwicklung, wie sie von Simon Petrus berichtet worden war — daß Gott aus den Nationen „ein Volk für seinen Namen“ herausnahm (Apg. 15:13-19).

      17. Welche Wohlfahrt und Beständigkeit sagte Amos in Verbindung mit Gottes Königreich voraus?

      17 Jesus Christus, das Haupt dieser Christenversammlung, wird an anderer Stelle als der „Sohn Davids“ kenntlich gemacht, der den „Thron Davids, seines Vaters“, erbt und für immer herrscht (Luk. 1:32, 33; 3:31). Somit weist Amos’ Prophezeiung auf die Erfüllung des Bundes mit David hinsichtlich eines Königreiches hin. Die Schlußworte des Buches Amos vermitteln eine wunderbare Vision von überfließender Wohlfahrt zur Zeit des Aufrichtens der „Hütte Davids“; sie unterstreichen aber auch die Beständigkeit des Königreiches Gottes: „ ‚Und ich werde sie gewiß auf ihrem Boden pflanzen, und sie werden nicht mehr aus ihrem Boden herausgerissen werden, den ich ihnen gegeben habe‘, hat Jehova, dein Gott, gesagt.“ Auf der Erde wird es eine Fülle ewiger Segnungen geben, wenn Jehova die „Hütte Davids“ wieder völlig aufrichtet (Am. 9:13-15).

      [Fußnote]

      a Jerusalem 1978, Seite 1046.

  • 31. Bibelbuch — Obadja
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 31. Bibelbuch — Obadja

      Schreiber: Obadja

      Vollendung der Niederschrift: um 607 v. u. Z.

      1. Was zeigt, daß die Botschaft wichtig ist und nicht der Bote?

      IN NUR 21 Versen verkündet das Buch Obadja — das kürzeste Buch der Hebräischen Schriften — ein Gericht Gottes, das zum Ende einer Nation führte, sowie den schließlichen Triumph des Königreiches Gottes. Die einleitenden Worte lauten schlicht: „Die Vision Obadjas“. Über Zeit und Ort seiner Geburt, über seine Stammeszugehörigkeit und sein Leben im einzelnen wird nichts mitgeteilt. Zweifellos ist nicht die Person des Propheten wichtig, sondern die Botschaft, und das mit gutem Grund, denn sie ist, wie Obadja selbst erklärte, ‘ein Bericht von Jehova’.

      2. Auf welches Land konzentriert sich Obadjas Prophezeiung, und warum wiegten sich seine Bewohner in Sicherheit?

      2 Der Bericht lenkt die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf Edom. Das Land Edom, auch als das Gebirge Seir bekannt, erstreckt sich südlich des Toten Meeres entlang der Araba und ist ein zerklüftetes Gebiet mit hohen Bergen und tiefen Schluchten. An manchen Stellen erreicht der Gebirgszug östlich der Araba eine Höhe von 1 700 Metern. Der Bezirk Teman war wegen der Weisheit und wegen des Mutes seines Volkes berühmt. Aufgrund des natürlichen Schutzes, den das Land Edom bot, wiegten sich seine Bewohner in Sicherheit und wurden stolz.a

      3. Hatten die Edomiter gegenüber Israel wie Brüder gehandelt?

      3 Die Edomiter waren Nachkommen Esaus, des Bruders Jakobs. Jakobs Name war auf Israel abgeändert worden, und so waren sie eng mit den Israeliten verwandt, ja man betrachtete sie sogar als ‘Brüder’ (5. Mo. 23:7). Edoms Verhalten war jedoch alles andere als brüderlich. Kurz bevor die Israeliten das Land der Verheißung betraten, sandte Moses zum König von Edom und bat um die Erlaubnis, friedlich durch sein Land zu ziehen. Aber die Edomiter wiesen die Bitte feindselig ab und besiegelten ihre Absage mit einer Zurschaustellung ihrer Macht (4. Mo. 20:14-21). Obwohl sie von David unterworfen wurden, verschworen sie sich später, in den Tagen Josaphats, mit Ammon und Moab gegen Juda, lehnten sich gegen König Joram, den Sohn Josaphats, auf, nahmen israelitische Gefangene aus Gasa und Tyrus in Gewahrsam und fielen in den Tagen von König Ahas in Juda ein, um noch mehr Gefangene wegzuführen (2. Chr. 20:1, 2, 22, 23; 2. Kö. 8:20-22; Am. 1:6, 9; 2. Chr. 28:17).

      4. (a) Welche gemeine Handlungsweise bildet offenbar die Grundlage für Obadjas Strafankündigung gegen Edom? (b) Was läßt erkennen, daß das Buch sehr wahrscheinlich 607 v. u. Z. geschrieben wurde?

      4 Diese Feindseligkeit erreichte im Jahre 607 v. u. Z. einen Höhepunkt, als Jerusalem von den babylonischen Horden verwüstet wurde. Die Edomiter sahen nicht nur billigend zu, sondern sie spornten die Eroberer sogar noch an, die Verwüstung zu vervollständigen. „Leg es bloß! Leg es bloß bis auf den Grund darin!“ riefen sie (Ps. 137:7). Als man Lose über die Beute warf, waren sie unter denen, die die Beute teilten, und als jüdische Entronnene das Land verlassen wollten, versperrten ihnen die Edomiter den Weg und lieferten sie dem Feind aus. Diese Gewalttätigkeit zur Zeit der Zerstörung Jerusalems ist offensichtlich die Grundlage der von Obadja aufgezeichneten Strafankündigung, und ohne Zweifel erfolgte die Niederschrift, während Edoms gemeine Handlungsweise noch frisch im Sinn war (Ob. 11, 14). Da Edom anscheinend innerhalb von fünf Jahren nach der Zerstörung Jerusalems von Nebukadnezar eingenommen und geplündert wurde, muß das Buch schon vorher entstanden sein; 607 v. u. Z. gilt als der wahrscheinlichste Zeitpunkt.

      5. (a) Wodurch wird die Echtheit und Zuverlässigkeit des Buches Obadja bewiesen? (b) Inwiefern entsprach Obadja den Erfordernissen eines wahren Propheten, und weshalb ist sein Name passend?

      5 Obadjas Prophezeiung gegen Edom hat sich in allen Einzelheiten erfüllt. Sie erreicht in folgenden Worten ihren Höhepunkt: „Das Haus Esau [soll] zu Stoppeln [werden]; und sie sollen sie in Brand setzen und sie verzehren. Und es wird für das Haus Esau kein Überlebender dasein; denn Jehova selbst hat es geredet“ (V. 18). Edom lebte durch das Schwert und starb durch das Schwert, und seine Nachkommen sind verschwunden. Somit erweist sich das Buch als echt und als zuverlässig. Obadja besaß alle Merkmale eines wahren Propheten: Er redete im Namen Jehovas, seine Prophezeiung ehrte Jehova, und sie erfüllte sich, wie die Geschichte dann zeigte. Sein Name bedeutet passenderweise „Diener (Knecht) Jehovas“.

      INHALT DES BUCHES OBADJA

      6. Was sagt Jehova über Edom, und von wo wird er es herunterholen?

      6 Gericht über Edom (V. 1-16). Auf Anweisung Jehovas macht Obadja seine Vision bekannt. Die Nationen werden aufgerufen, vereint gegen Edom Krieg zu führen. „Macht euch auf, und laßt uns gegen dasselbe aufstehen zur Schlacht“, gebietet Gott. Mit den anschließenden Worten wendet er sich an Edom selbst und beurteilt dessen Einstellung. Edom ist bloß eine kleine Nation, es wird verachtet, und dennoch ist es vermessen. In seiner Behausung inmitten hoher zerklüfteter Felsen fühlt es sich sicher und vertraut darauf, daß niemand es herunterholen kann. Dessenungeachtet erklärt Jehova, selbst wenn Edom so hoch oben wie der Adler wohnen und sich sogar zwischen den Sternen einnisten würde, würde er es von dort herunterholen. Für Edom naht die Zeit der Bestrafung (V. 1).

      7. In welchem Ausmaß soll Edom geplündert werden?

      7 Was soll mit Edom geschehen? Würden Diebe darin auf Raub ausgehen, so würden sie nur mitnehmen, was sie wollten. Selbst Traubenleser würden etwas Nachlese übriglassen. Aber den Söhnen Esaus steht Schlimmeres bevor. Ihre Schätze werden vollständig geplündert werden. Edoms Verbündete werden sich gegen Edom wenden. Wie jemand ohne Unterscheidungsvermögen werden seine einstigen engen Freunde es in einem Netz fangen. Die wegen ihrer Weisheit bekannten Männer Edoms und seine für ihre Tapferkeit bekannten Krieger werden in der Zeit des Unglücks keine Hilfe sein.

      8. Warum wird Edom so schwer bestraft?

      8 Aber wieso diese schwere Strafe? Weil die Edomiter an den Söhnen Jakobs, ihren Brüdern, gewalttätig gehandelt haben. Sie haben sich gefreut, als Jerusalem fiel, und haben sogar zusammen mit den Eindringlingen die Beute aufgeteilt. Edom wird streng verurteilt, so als ob Obadja gerade Zeuge der gemeinen Taten geworden wäre: Du hättest dich nicht über die Bedrängnis deines Bruders freuen sollen. Du hättest die Flucht seiner Entronnenen nicht behindern und sie nicht dem Feind ausliefern sollen. Jehovas Tag der Abrechnung ist nahe, und du wirst zur Rechenschaft gezogen werden. Geradeso, wie du getan hast, wird man dir tun.

      9. Welche Wiederherstellung wird verheißen?

      9 Wiederherstellung des Hauses Jakob (V. 17-21). Im Gegensatz dazu naht für das Haus Jakob die Zeit der Wiederherstellung. Menschen werden zum Berg Zion zurückkehren. Sie werden das Haus Esau verzehren, wie Feuer Stoppeln verzehrt. Sie werden das Land im Süden, den Negeb, in Besitz nehmen sowie die Berggegend von Esau und die Schephela; im Norden werden sie das Land von Ephraim und Samaria und das Gebiet bis nach Zarephath besitzen; im Osten werden sie Gilead bekommen. Das stolze Edom soll zu bestehen aufhören, Jakob soll wiederhergestellt werden, und „das Königtum soll Jehovas werden“ (V. 21).

      WIESO NÜTZLICH

      10. In welchen anderen Prophezeiungen wurde der Untergang Edoms vorhergesagt, und warum ist es nützlich, diese zusammen mit dem Buch Obadja zu betrachten?

      10 Um anzuzeigen, daß sich diese Gerichtsbotschaft gegen Edom mit Sicherheit erfüllen würde, ließ Jehova durch andere Propheten ähnliche Aussprüche verkünden. Bemerkenswert sind unter anderem Joel 3:19; Amos 1:11, 12; Jesaja 34:5-7; Jeremia 49:7-22; Hesekiel 25:12-14; 35:2-15. Die früheren Aussprüche betreffen offensichtlich feindselige Handlungen in der Vergangenheit, während die späteren offenbar Edom wegen seines unverzeihlichen Verhaltens, als die Babylonier Jerusalem eroberten, anklagen, worüber auch Obadja schreibt. Wenn wir untersuchen, wie das angekündigte Unheil Edom ereilte, wird der Glaube an Jehovas Fähigkeit gestärkt, Ereignisse vorherzusagen. Außerdem wird das Vertrauen zu Jehova als dem Gott, der seinen erklärten Vorsatz stets verwirklicht, vertieft (Jes. 46:9-11).

      11, 12. (a) Wie gewannen die, die mit Edom „im Frieden“ waren, schließlich die Oberhand darüber? (b) Wie wurde Edom schrittweise „weggetilgt ... auf unabsehbare Zeit“?

      11 Obadja hatte prophezeit, daß gerade die Männer, die „im Bund“ oder „im Frieden“ mit Edom seien, die Oberhand darüber gewinnen würden (Ob. 7). Babylons Frieden mit Edom war nur von kurzer Dauer. Im sechsten Jahrhundert v. u. Z. wurde Edom von babylonischen Streitkräften unter Nabonid eingenommen.b Dennoch hoffte Edom ein Jahrhundert nach dem Einmarsch Nabonids immer noch zuversichtlich darauf, seine frühere Stellung wiederzuerlangen. Darüber heißt es in Maleachi 1:4: „Weil Edom ständig spricht: ‚Wir sind zerschlagen worden, aber wir werden zurückkehren und die verwüsteten Orte aufbauen‘, hat Jehova der Heerscharen dies gesagt: ‚Sie ihrerseits werden bauen; aber ich meinerseits werde niederreißen.‘ “ Trotz der Bemühungen Edoms, wieder emporzukommen, hatten sich bis zum vierten Jahrhundert v. u. Z. die Nabatäer im Lande niedergelassen. Aus dem eigenen Land verdrängt, wohnten die Edomiter nun im südlichen Teil Judäas, der dann Idumäa genannt wurde. Es ist ihnen nie gelungen, das Land Seir zurückzuerobern.

      12 Wie Josephus berichtet, wurden die übriggebliebenen Edomiter im zweiten Jahrhundert v. u. Z. von dem jüdischen König Johannes Hyrkanus I. unterjocht. Sie wurden zur Beschneidung gezwungen, erhielten einen jüdischen Statthalter und gingen allmählich im Judentum auf. Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. durch die Römer verschwand ihr Name aus der Geschichte.c Es war so, wie Obadja es vorhergesagt hatte: „Du wirst weggetilgt werden müssen auf unabsehbare Zeit. ... Und es wird für das Haus Esau kein Überlebender dasein“ (Ob. 10, 18).

      13. Wie erging es den Juden im Gegensatz zu den Edomitern?

      13 Im Gegensatz zu der Verödung Edoms kehrten die Juden 537 v. u. Z. unter der Statthalterschaft Serubbabels in ihre Heimat zurück, wo sie den Tempel in Jerusalem wieder aufbauten und sich im Land niederließen.

      14. (a) Welche Warnung kann man aus dem Untergang Edoms ableiten? (b) Was sollten alle, so wie Obadja, anerkennen, und warum?

      14 Es ist daher offenkundig, daß Stolz und Vermessenheit ins Unglück führen. Möge der Untergang Edoms allen, die stolz sich selbst erhöhen und sich daran weiden, wenn Gottes Diener hart bedrängt werden, eine Warnung sein. Mögen sie wie Obadja anerkennen, daß ‘das Königtum Jehovas werden soll’. Die, die gegen Jehova und sein Volk kämpfen, werden völlig weggetilgt werden auf unabsehbare Zeit, Jehovas erhabenes Königreich aber und sein ewiges Königtum werden dann für immer gerechtfertigt sein (V. 21).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 587, 588.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 590.

      c Jüdische Altertümer, 13. Buch, Kap. 9, Abs. 1; 15. Buch, Kap. 7, Abs. 9.

  • 32. Bibelbuch — Jona
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 32. Bibelbuch — Jona

      Schreiber: Jona

      Vollendung der Niederschrift: um 844 v. u. Z.

      1. Welche Fragen werden in dem Buch Jona beantwortet, und was zeigt es in bezug auf Jehovas Barmherzigkeit?

      JONA — Auslandsmissionar des neunten Jahrhunderts v. u. Z. Wie betrachtete er seinen Auftrag von Jehova? Welche neuen Erfahrungen machte er dabei? Waren die Menschen in dem ihm zugeteilten Gebiet empfänglich? Wie erfolgreich war sein Predigen? Der dramatische Bericht des Buches Jona beantwortet diese Fragen. Die prophetischen Aufzeichnungen, die zu einer Zeit gemacht wurden, als Jehovas auserwählte Nation den Bund mit ihm gebrochen hatte und in heidnischen Götzendienst verfallen war, zeigen, daß Gottes Barmherzigkeit nicht auf irgendeine einzelne Nation beschränkt ist, nicht einmal auf Israel. Überdies preist der Bericht Jehovas Barmherzigkeit und liebende Güte, die im Gegensatz stehen zu dem Mangel an Barmherzigkeit, Geduld und Glauben, der so oft bei unvollkommenen Menschen beobachtet werden kann.

      2. Was ist über Jona bekannt, und um welches Jahr prophezeite er?

      2 Der Name Jona (hebräisch: Jōnáh) bedeutet „Taube“. Er war der Sohn des Propheten Amittai aus Gath-Hepher in Galiläa im Gebiet Sebulon. In 2. Könige 14:23-25 steht, daß Jerobeam, der König Israels, die Grenze der Nation ausdehnte gemäß dem Wort, das Jehova durch Jona geredet hatte. Das würde die Zeit, in der Jona prophezeite, auf etwa 844 v. u. Z. festsetzen, das Jahr des Amtsantritts Jerobeams II. von Israel, also viele Jahre bevor Assyrien mit Ninive als Hauptstadt Israel zu beherrschen begann.

      3. Was beweist, daß der Bericht Jonas glaubwürdig ist?

      3 Es steht außer Frage, daß der gesamte Bericht Jonas glaubwürdig ist. Der „Vervollkommner unseres Glaubens, Jesus“, bezog sich auf Jona als auf eine wirkliche Person und deutete zwei der prophetischen Geschehnisse aus dem Buch Jona, wodurch er zeigte, daß das Buch wahre Prophezeiungen enthält (Heb. 12:2; Mat. 12:39-41; 16:4; Luk. 11:29-32). Die Juden haben das Buch Jona immer unter ihre kanonischen Bücher eingeordnet, und sie betrachten es als geschichtlich. Jonas Offenheit, mit der er seine Fehler und Schwächen beschreibt, ohne den geringsten Versuch, sie zu beschönigen, kennzeichnet den Bericht ebenfalls als echt.

      4. Was für ein Fisch könnte Jona verschlungen haben? Doch was zu wissen genügt uns?

      4 Was ist über den „großen Fisch“ zu sagen, der Jona verschlang? Es sind viele Vermutungen darüber geäußert worden, was für ein Fisch dies gewesen sein könnte. Der Pottwal ist durchaus imstande, einen Menschen ganz zu verschlingen, ebenso der große Weißhai. In der Bibel wird einfach erklärt: „Nun bestellte Jehova einen großen Fisch, um Jona zu verschlingen“ (Jona 1:17). Um was für einen Fisch es sich gehandelt hat, wird nicht gesagt. Man kann nicht genau angeben, ob es ein Pottwal war oder ein großer Weißhai oder ein anderes, unbekanntes Meerestier.a Die Aussage der Bibel, daß es ein „großer Fisch“ war, genügt zu unserer Information.

      INHALT DES BUCHES JONA

      5. Wie reagiert Jona auf seinen Auftrag, und welche Folgen hat seine Reaktion?

      5 Jona wird beauftragt, nach Ninive zu gehen, läuft aber davon (1:1-16). „Und das Wort Jehovas begann an Jona, den Sohn Amittais, zu ergehen und lautete: ‚Mach dich auf, geh nach Ninive, der großen Stadt, und ruf gegen sie aus, daß ihre Schlechtigkeit vor mich heraufgekommen ist‘ “ (1:1, 2). Sagt Jona dieser Auftrag zu? Überhaupt nicht. Er läuft davon und nimmt ein Schiff in die entgegengesetzte Richtung, nach Tarschisch, möglicherweise eine Bezeichnung für Spanien. Jonas Schiff gerät in einen großen Sturm. Aus Furcht rufen die Seeleute um Hilfe, „jeder zu seinem Gott“, während Jona im Laderaum des Schiffes schläft (1:5). Nachdem sie Jona aufgeweckt haben, werfen sie Lose und versuchen zu ermitteln, wer für ihre mißliche Lage verantwortlich ist. Das Los fällt auf Jona. Jetzt gibt er sich ihnen als ein Hebräer, ein Anbeter Jehovas, zu erkennen und bekennt, daß er vor einer Aufgabe davonläuft, die ihm Gott gegeben hat. Er fordert sie auf, ihn ins Meer zu werfen. Nach weiteren Anstrengungen, das Schiff durchzubringen, werfen sie Jona schließlich über Bord. Das Meer hört auf zu wüten.

      6. Welches Erlebnis hat Jona mit dem „großen Fisch“?

      6 Von einem „großen Fisch“ verschlungen (1:17 bis 2:10). „Nun bestellte Jehova einen großen Fisch, um Jona zu verschlingen, so daß Jona schließlich drei Tage und drei Nächte im Innern des Fisches war“ (1:17). Er betet aus dem Innern des Fisches inbrünstig zu Jehova. „Aus dem Bauch des Scheols“ schreit er um Hilfe und erklärt, daß er bezahlen will, was er gelobt hat, denn die „Rettung gehört Jehova“ (2:2, 9). Auf Jehovas Gebot hin speit der Fisch Jona auf das trockene Land aus.

      7. Wie wirkungsvoll ist Jonas Predigen in Ninive?

      7 Predigen in Ninive (3:1⁠—⁠4:11). Jehova wiederholt sein Gebot, das er Jona gegeben hatte. Jona weicht seinem Auftrag nicht mehr aus, sondern er geht nach Ninive. Dort geht er durch die Straßen der Stadt und ruft aus: „Nur noch vierzig Tage, und Ninive wird umgekehrt werden“ (3:4). Sein Predigen zeigt Wirkung. Eine Welle der Reue flutet durch Ninive, und seine Einwohner beginnen, an Gott zu glauben. Der König verkündet, daß Mensch und Haustier fasten und in Sacktuch gekleidet sein müssen. Jehova verschont barmherzigerweise die Stadt.

      8. Wie reagiert Jona auf Jehovas Barmherzigkeit gegenüber der Stadt, und wie stellt Jehova die Inkonsequenz des Propheten bloß?

      8 Das ist mehr, als Jona ertragen kann. Er sagt Jehova, er habe die ganze Zeit gewußt, daß Jehova barmherzig sein würde, und deshalb sei er nach Tarschisch davongelaufen. Er wünscht sich zu sterben. Jona ist zutiefst verstimmt und setzt sich östlich der Stadt nieder, um abzuwarten, was geschehen wird. Jehova bestellt eine Flaschenkürbispflanze, die als Schattenspender über seinem verärgerten Propheten aufgehen soll. Jonas Freude darüber ist nur von kurzer Dauer. Am nächsten Morgen bestellt Jehova einen Wurm, der die Pflanze stechen soll, damit sie keinen behaglichen Schutz mehr spendet. Danach ist Jona einem sengenden Ostwind und der glühendheißen Sonne ausgesetzt. Wieder wünscht er zu sterben. Selbstgerecht verteidigt er seinen Zorn. Jehova weist ihn auf seine Inkonsequenz hin: Jona tat es um die Flaschenkürbispflanze leid, aber er ist zornig, weil es Jehova jetzt um die große Stadt Ninive leid tut.

      WIESO NÜTZLICH

      9. Welche Haltung und welche Verhaltensweise Jonas sollten eine Warnung für uns sein?

      9 Jonas Handlungsweise und die Folgen sollten eine Warnung für uns sein. Er lief vor einer Arbeit davon, mit der ihn Gott beauftragt hatte; er hätte sich der Aufgabe widmen und darauf vertrauen sollen, daß Gott ihn stützte (Jona 1:3; Luk. 9:62; Spr. 14:26; Jes. 6:8). Als er in die falsche Richtung ging, zeigte er eine negative Haltung, indem er sich den Seeleuten gegenüber nicht offen als ein Anbeter ‘Jehovas, des Gottes der Himmel’, zu erkennen gab. Er hatte seinen Freimut verloren (Jona 1:7-9; Eph. 6:19, 20). Jonas Ichbezogenheit führte dazu, daß er Jehovas Barmherzigkeit gegenüber Ninive als eine persönliche Beleidigung betrachtete; er suchte das Gesicht zu wahren, indem er zu Jehova sagte, er habe die ganze Zeit gewußt, daß es so ausgehen werde. Warum hatte er ihn also als Propheten ausgesandt? Jona wurde wegen dieser geringschätzigen, klagenden Haltung getadelt; daher sollten wir aus seiner Erfahrung lernen und Jehovas Barmherzigkeit oder seine Verfahrensweise nicht kritisieren (Jona 4:1-4, 7-9; Phil. 2:13, 14; 1. Kor. 10:10).

      10. Wie werden Jehovas liebende Güte und Barmherzigkeit in dem Buch Jona veranschaulicht?

      10 Die Schilderung der großartigen Eigenschaften Jehovas — liebende Güte und Barmherzigkeit  — überschattet alles andere im Buch Jona. Jehova erwies Ninive liebende Güte, indem er seinen Propheten sandte, um vor der nahe bevorstehenden Vernichtung zu warnen, und er war bereit, Barmherzigkeit zu erweisen, falls die Stadt bereute — eine Barmherzigkeit, durch die Ninive über 200 Jahre weiterbestehen konnte bis zur Zerstörung durch die Meder und Babylonier um 632 v. u. Z. Er erwies Jona Barmherzigkeit, indem er ihn aus dem sturmgepeitschten Meer errettete und indem er die Kürbispflanze beschaffte, „um ihn von seinem unglücklichen Zustand zu befreien“. Dadurch, daß Jehova die schützende Kürbispflanze wachsen ließ und sie dann wegnahm, zeigte er Jona, daß er nach eigenem Ermessen Barmherzigkeit und liebende Güte erweisen wird (Jona 1:2; 3:2-4, 10; 2:10; 4:6, 10, 11).

      11. Was ist „das Zeichen Jonas“?

      11 In Matthäus 12:38-41 sagte Jesus den religiösen Führern, daß das einzige Zeichen, das ihnen gegeben werde, „das Zeichen Jonas“ sei. Nach drei Tagen und drei Nächten im „Bauch des Scheols“ ging Jona und predigte in Ninive, wodurch er den Niniviten ein „Zeichen“ wurde (Jona 1:17; 2:2; 3:1-4). Ebenso verbrachte Jesus Teile von drei Tagen im Grab und wurde auferweckt. Als seine Jünger von diesem Ereignis Zeugnis ablegten, wurde Jesus für jene Generation zu einem Zeichen. Gemäß dem jüdischen Verfahren der Zeitmessung und den Tatsachen bei der Erfüllung kommen im Fall Jesu für diese Zeitspanne von „drei Tagen und drei Nächten“ weniger als drei volle Tage in Betracht.b

      12. (a) Was sagt Jesus ferner über die Niniviten und die Juden seiner Generation? (b) Wie erschien „mehr als Jona“, und in welcher Verbindung steht dies mit Jehovas Königreich und mit Rettung?

      12 Jesus stellte in dem gleichen Gespräch die Reue der Niniviten der Herzenshärte und offenen Ablehnung gegenüber, die ihm die Juden während seines Dienstes entgegenbrachten, indem er sagte: „Männer von Ninive werden im Gericht mit dieser Generation aufstehen und werden sie verurteilen; denn sie bereuten auf das hin, was Jona predigte, doch siehe, hier ist mehr als Jona.“ (Siehe auch Matthäus 16:4 und Lukas 11:30, 32.) Was meinte Jesus mit den Worten „mehr als Jona“? Er nahm auf sich selbst als auf den größten aller Propheten Bezug, als den von Jehova zum Predigen Gesandten: „Bereut, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht“ (Mat. 4:17). Dennoch verwarfen die meisten Juden jener Generation „das Zeichen Jonas“. Wie ist es heute? Obwohl die meisten Jehovas Warnungsbotschaft nicht beachten, haben viele Tausende auf der ganzen Erde die großartige Gelegenheit, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu hören, die zuerst von Jesus, dem „Menschensohn“, gepredigt wurde. Wie die reumütigen Niniviten, die durch Jonas Predigen gesegnet wurden, können auch sie an Jehovas großzügiger und barmherziger Vorkehrung für ein verlängertes Leben teilhaben, denn die „Rettung gehört Jehova“ (Jona 2:9).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1389, 1390.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, TAG.

  • 33. Bibelbuch — Micha
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 33. Bibelbuch — Micha

      Schreiber: Micha

      Ort der Niederschrift: Juda

      Vollendung der Niederschrift: vor 717 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: um 777—717 v. u. Z.

      1. Was für ein Mensch war Micha?

      STELL dir einen reifen Menschen vor, der Jehova viele Jahre treu gedient hat. Stell dir einen freimütigen Menschen vor, der zu den Herrschern seiner Nation sagen konnte: „Die ihr das Gute haßt und das Böse liebt, ... ihr, die ihr auch den Organismus meines Volkes gegessen habt und ihnen direkt die Haut abgestreift ... habt.“ Stell dir einen demütigen Menschen vor, der alle Ehre für seine kraftvollen Äußerungen Jehova gab, durch dessen Geist er redete. Würdest du dich nicht über die Bekanntschaft eines solchen Menschen freuen? Welch eine Fülle an Informationen und gutem Rat er doch vermitteln könnte! Ein solcher Mann war der Prophet Micha. In dem Buch, das seinen Namen trägt, ist sein vorzüglicher Rat für uns immer noch zugänglich (Mi. 3:2, 3, 8).

      2. Was ist über Micha und über die Zeitspanne seines Prophezeiens bekannt?

      2 Wie bei vielen der Propheten wird auch über Micha in seinem Buch nur wenig gesagt; wichtig war die Botschaft. Der Name Micha ist eine Kurzform von Michael (was „Wer ist wie Gott?“ bedeutet) oder von Michaja (was „Wer ist wie Jehova?“ bedeutet). Micha diente als Prophet während der Regierungszeiten von Jotham, Ahas und Hiskia (777—717 v. u. Z.) und war daher ein Zeitgenosse der Propheten Jesaja und Hosea (Jes. 1:1; Hos. 1:1). Die Zeitspanne, während deren er prophezeite, ist nicht genau bekannt; sie umfaßte jedoch höchstens 60 Jahre. Seine Prophezeiungen über den Sturz Samarias müssen vor der Zerstörung der Stadt im Jahre 740 v. u. Z. geäußert und die gesamte Niederschrift muß gegen Abschluß der Regierungszeit Hiskias im Jahre 717 v. u. Z. vollendet worden sein (Mi. 1:1). Micha war ein Prophet vom Lande, aus Morescheth, einem südwestlich von Jerusalem gelegenen Dorf in der fruchtbaren Schephela. Daß er mit dem Landleben vertraut war, zeigt sich in der Art der Veranschaulichungen, mit denen er in seinen Botschaften wichtige Punkte hervorhebt (2:12; 4:12, 13; 6:15; 7:1, 4, 14).

      3. In welcher bedeutsamen Zeit diente Micha, und warum ließ Jehova ihn als Prophet dienen?

      3 Micha lebte in einer gefährlichen und bedeutsamen Zeit. Sich überstürzende Ereignisse kündeten das Ende der Königreiche Israel und Juda an. In Israel wucherten Sittenverfall und Götzendienst, und das führte — offenbar zu Lebzeiten Michas — zur Vernichtung der Nation durch Assyrien. Obwohl Juda während der Herrschaft Jothams tat, was recht war, wandelte es während der rebellischen Herrschaft des Ahas in den schlechten Wegen Israels, kehrte dann aber während der Herrschaft Hiskias wieder davon um. Jehova erweckte Micha, um sein Volk nachdrücklich vor dem zu warnen, was er über sie bringen würde. Michas Prophezeiungen waren eine Bestätigung der Prophezeiungen Jesajas und Hoseas (2. Kö. 15:32 bis 20:21; 2. Chr., Kap. 27 bis 32; Jes. 7:17; Hos. 8:8; 2. Kor. 13:1).

      4. Welche Beweise gibt es für die Echtheit des Buches Micha?

      4 Für die Echtheit des Buches Micha gibt es zahlreiche Beweise. Die Juden haben es stets zum hebräischen Kanon gerechnet. In Jeremia 26:18, 19 wird direkt auf Michas Worte Bezug genommen: „Zion [wird] als bloßes Feld umgepflügt werden, und Jerusalem, es wird zu nichts als Trümmerhaufen werden“ (Mi. 3:12). Diese Prophezeiung hat sich im Jahre 607 v. u. Z. genau erfüllt, als der König von Babylon Jerusalem vollständig zerstörte, „um Verderben zu verursachen“ (2. Chr. 36:19). Eine ähnliche Prophezeiung über Samaria, daß es zu einem „Trümmerhaufen des Feldes“ werden würde, erfüllte sich ebenfalls (Mi. 1:6, 7). Samaria wurde im Jahre 740 v. u. Z. von den Assyrern zerstört, als sie das nördliche Königreich Israel in die Gefangenschaft führten (2. Kö. 17:5, 6). Später, im vierten Jahrhundert v. u. Z., eroberte Alexander der Große die Stadt, und im zweiten Jahrhundert v. u. Z. wurde sie von den Juden unter Johannes Hyrkanus I. verwüstet. Über diese letzte Zerstörung Samarias heißt es in The New Westminster Dictionary of the Bible, 1970, auf Seite 822: „Der Sieger riß es nieder und versuchte, alle Anzeichen dafür, daß jemals eine befestigte Stadt auf dem Hügel gestanden hatte, zu beseitigen.“

      5. Wie bezeugt die Archäologie, daß sich Michas Prophezeiungen erfüllt haben?

      5 Auch archäologische Funde zeigen deutlich, daß sich Michas Prophezeiung erfüllt hat. Assyrische Annalen erwähnen die Zerstörung Samarias durch die Assyrer. Zum Beispiel rühmt sich der assyrische König Sargon: „Ich belagerte und eroberte Samaria.“a Allerdings scheint in Wirklichkeit Sargons Vorgänger, Salmanassar V., die Eroberung vollendet zu haben. Von ihm heißt es in einer babylonischen Chronik: „Šulmânuašarid ... zerstörte die Stadt Šamaraʼin [Samaria].“b Über die von Micha vorhergesagte Invasion in Juda während der Herrschaft Hiskias gibt Sanherib einen ausführlichen Bericht (Mi. 1:6, 9; 2. Kö. 18:13). An der Wand seines Palastes in Ninive ließ er ein großes vierteiliges Relief anbringen, das die Eroberung von Lachisch darstellt. Und auf seinem Prisma erklärt er: „Sechsundvierzig seiner festen ummauerten Städte [der Städte Hiskias] ... belagerte ich ... 200 150 Leute ... führte ich aus ihnen heraus ... Ihn selbst schloß ich wie einen Käfigvogel in Jerusalem, seiner Residenz, ein.“ Sanherib beschreibt auch den Tribut, den Hiskia an ihn entrichtete, übertreibt aber in bezug auf die Menge. Das Unheil, das über seine Truppen kam, läßt er unerwähntc (2. Kö. 18:14-16; 19:35).

      6. Wieso kann die Inspiration des Buches nicht im geringsten bezweifelt werden?

      6 Über jeden Zweifel erhaben wird die Inspiration des Buches durch die bemerkenswerte Prophezeiung in Micha 5:2 bewiesen, wo der Geburtsort des Messias vorausgesagt wird (Mat. 2:4-6). Ferner gibt es Stellen, die in Texten der Christlichen Griechischen Schriften eine Entsprechung haben (Mi. 7:6, 20; Mat. 10:35, 36; Luk. 1:72, 73).

      7. Was ist über das Ausdrucksvermögen Michas zu sagen?

      7 Micha stammte zwar aus einem Landgebiet Judas, doch mangelte es ihm keineswegs an Ausdrucksvermögen. Sein Buch enthält einige der vortrefflichsten Äußerungen des Wortes Gottes. Kapitel 6 ist in eindrucksvoller Wechselrede geschrieben. Unvermittelte Übergänge fesseln die Aufmerksamkeit des Lesers, da Micha schnell von einem Punkt zum anderen überwechselt, vom Fluch zum Segen und wieder zum Fluch (Mi. 2:10, 12; 3:1, 12; 4:1). Es fehlt nicht an lebendiger bildhafter Rede: Wenn Jehova hervortritt, sollen „die Berge ... unter ihm zerschmelzen, und die Tiefebenen, sie werden sich spalten wie das Wachs vor dem Feuer, wie Gewässer, die einen Abhang hinabgegossen werden“ (1:4; siehe auch 7:17).

      8. Was schließt jeder der drei Teile des Buches Micha ein?

      8 Das Buch läßt sich in drei Teile aufgliedern. Jeder Teil beginnt mit „Hört“ und schließt Verweise, Strafankündigungen und Segensverheißungen ein.

      INHALT DES BUCHES MICHA

      9. Auf welche Weise sollen Samaria und Juda bestraft werden?

      9 Teil 1 (1:1⁠—⁠2:13). Jehova kommt aus seinem Tempel, um die Stadt Samaria wegen ihres Götzendienstes zu bestrafen. Er wird sie zu einem „Trümmerhaufen“ machen, „ihre Steine ins Tal hinabschütten“ und ihre gehauenen Bilder zerschlagen. Es wird keine Heilung für sie geben. Auch Juda ist schuldig, und darum wird eine Invasion „zum Tor Jerusalems“ kommen. Die Schädliches planen, werden verurteilt. Sie werden wehklagen: „Wir sind ganz bestimmt verheert worden!“ (1:6, 12; 2:4).

      10. Wie wird die Aufmerksamkeit auf Jehovas Barmherzigkeit gelenkt?

      10 Unvermittelt wird die Aufmerksamkeit auf Jehovas Barmherzigkeit gelenkt, als der Prophet im Namen Jehovas erklärt: „Ich werde Jakob ganz bestimmt sammeln ... Zur Einheit werde ich sie bringen wie eine Kleinviehherde in die Hürde, wie eine Herde inmitten ihrer Weide; sie werden lärmen vor Menschen“ (2:12).

      11. (a) Welche schweren Beschuldigungen werden gegen die Herrscher von Jakob und Israel erhoben? (b) Wie anerkennt Micha den Quell seiner Kühnheit?

      11 Teil 2 (3:1⁠—⁠5:15). Micha fährt fort: „Hört bitte, ihr Häupter Jakobs und ihr Befehlshaber des Hauses Israel.“ Gegen diese werden schwere Beschuldigungen erhoben, weil sie ‘das Gute hassen und das Böse lieben’ und weil sie die Menschen bedrücken. Sie haben sogar „ihre Knochen zerschlagen“ (3:1-3). Zu derselben Gruppe gehören auch die falschen Propheten, die keine zuverlässige Anleitung bieten, sondern Gottes Volk umherirren lassen. Diese Botschaft zu verkünden erfordert mehr als menschliche Kühnheit. Aber Micha erklärt zuversichtlich: „Ich selbst [bin] mit Kraft erfüllt worden, mit dem Geist Jehovas und des Rechts und der Macht, um Jakob seine Auflehnung mitzuteilen und Israel seine Sünde“ (3:8). Michas Verurteilung der blutschuldigen Herrscher erreicht in folgenden Worten einen Höhepunkt: „Ihre eigenen Häupter richten lediglich um eine Bestechung, und ihre Priester, sie unterweisen bloß um einen Kaufpreis, und ihre eigenen Propheten treiben Wahrsagerei nur um Geld“ (3:11). Deshalb wird Zion wie ein Feld umgepflügt werden, und Jerusalem wird zu nichts weiter als einem Trümmerhaufen werden.

      12. Welche erhebende Prophezeiung weist auf den „Schlußteil der Tage“ hin?

      12 Wieder wechselt unverhofft das Thema. Die Prophezeiung wendet sich dem „Schlußteil der Tage“ zu und beschreibt auf erhebende Weise, wie die Anbetung Jehovas auf seinem Berg wiederhergestellt wird (4:1). Viele Nationen werden hinaufziehen, um Jehovas Wege kennenzulernen, denn sein Gesetz und sein Wort werden von Zion und von Jerusalem ausgehen. Sie werden den Krieg nicht mehr lernen, vielmehr wird jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum sitzen. Man wird sich nicht fürchten. Jedes Volk mag seinem Gott nachfolgen, wahre Anbeter aber werden im Namen Jehovas, ihres Gottes, wandeln, und er wird immerdar als König über sie regieren. Zuerst muß Zion jedoch ins Exil nach Babylon gehen. Erst bei der Wiederherstellung Zions wird Jehova dessen Feinde zu Staub zermahlen.

      13. Was für ein Herrscher wird aus Bethlehem kommen, und womit werden „die Übriggebliebenen Jakobs“ zu vergleichen sein?

      13 Nun kündigt Micha an, daß der Herrscher in Israel, „dessen Ursprung aus frühen Zeiten ist“, aus Bethlehem-Ephratha kommen wird. Er wird als ‘Hirte in der Stärke Jehovas’ regieren und groß sein, nicht nur in Israel, sondern „bis an die Enden der Erde“ (5:2, 4). Der eindringende Assyrer wird nur für kurze Zeit Erfolg haben, denn er wird zur Umkehr veranlaßt werden, und sein eigenes Land wird verwüstet werden. „Die Übriggebliebenen Jakobs“ werden unter den Menschen wie „Tau von Jehova“ sein und wie ein Löwe an Mut unter den Nationen (5:7). Jehova wird die falsche Anbetung ausrotten und an den ungehorsamen Nationen Rache üben.

      14. (a) Mit welcher Veranschaulichung beginnt Teil 3 des Buches Micha? (b) Welchen Forderungen Jehovas nachzukommen hat das Volk Israel versäumt?

      14 Teil 3 (6:1⁠—⁠7:20). Es folgt eine eindrucksvolle Gerichtsszene in Form eines Zwiegesprächs. Jehova hat einen „Rechtsfall“ mit Israel, und er ruft sogar die Hügel und die Berge als Zeugen auf (6:1). Er fordert die Israeliten auf, gegen ihn zu zeugen, und erinnert sie an die gerechten Taten, die er zu ihren Gunsten gewirkt hat. Was verlangt Jehova vom Erdenmenschen? Nicht eine Menge Tieropfer, sondern daß man ‘Recht übt und Güte liebt und bescheiden wandelt mit seinem Gott’ (6:8). Gerade daran fehlt es in Israel. An die Stelle von Recht und Güte sind die „falsche Waage“, Gewalttätigkeit, Falschheit und Betrügereien getreten (6:11). Statt bescheiden mit Gott zu wandeln, folgt man den bösen Ratschlägen und dem Götzendienst von Omri und Ahab, die in Samaria regierten.

      15. (a) Worüber klagt der Prophet? (b) Wie kommt das Buch Micha zu einem passenden Abschluß?

      15 Der Prophet beklagt den Sittenverfall unter seinem Volk. Selbst ihr „Rechtschaffenster ist schlimmer als eine Dornhecke“ (7:4). Man verübt Treulosigkeit unter engen Freunden und innerhalb von Hausgemeinschaften. Dennoch verliert Micha nicht den Mut. „Nach Jehova werde ich ständig Ausschau halten. Ich will eine wartende Haltung gegenüber dem Gott meiner Rettung bekunden. Mein Gott wird mich hören“ (7:7). Micha ermahnt andere, sich nicht darüber zu freuen, daß Jehova sein Volk bestraft, denn es wird befreit werden. Jehova wird sein Volk hüten und nähren und ihm „wunderbare Dinge zeigen“, die die Nationen in Schrecken versetzen werden (7:15). Zum Schluß seines Buches läßt Micha die Bedeutung seines Namens anklingen, indem er Jehova wegen seiner herrlichen liebenden Güte preist. Ja, ‘wer ist ein Gott wie Jehova’ (7:18)?

      WIESO NÜTZLICH

      16. (a) Wie hat sich Michas Prophezeiung in den Tagen Hiskias als nützlich erwiesen? (b) Welche eindringlichen Ermahnungen enthält sie für unsere Zeit?

      16 Vor fast 2 700 Jahren erwies sich das, was Micha prophezeite, als äußerst ‘nützlich zum Zurechtweisen’, denn König Hiskia von Juda war für seine Botschaft empfänglich und führte die Nation zur Reue und zu Reformen im religiösen Bereich (Mi. 3:9-12; Jer. 26:18, 19; vgl. 2. Kö. 18:1-4). Heute ist diese inspirierte Prophezeiung von noch größerem Nutzen. Mögen alle, die sich als Anbeter Gottes bekennen, Michas offene Warnungen vor falscher Religion, Götzenanbetung, Lügen und Gewalttätigkeit hören! (Mi. 1:2; 3:1; 6:1). Paulus bekräftigt diese Warnungen in 1. Korinther 6:9-11, wo er sagt, daß wahre Christen reingewaschen worden sind und daß niemand, der sich solchen Gewohnheiten hingibt, Gottes Königreich erben wird. Mit einfachen, klaren Worten weist Micha 6:8 auf Jehovas Forderung hin, daß der Mensch in Recht, Güte und Bescheidenheit mit ihm wandeln soll.

      17. Wie ermuntert das Buch Micha diejenigen, die Gott unter Verfolgung und unter Schwierigkeiten dienen?

      17 Micha überbrachte seine Botschaft einem Volk, das so unter sich entzweit war, daß ‘eines Mannes Feinde seine Hausgenossen waren’. Wahre Christen predigen oft unter ähnlichen Verhältnissen; einige werden sogar von ihren Angehörigen verraten und heftig verfolgt. Sie müssen stets geduldig auf Jehova, den ‘Gott ihrer Rettung’, warten (Mi. 7:6, 7; Mat. 10:21, 35-39). Die, die sich mutig auf Jehova verlassen, werden unter Verfolgung oder in einer schwierigen Zuteilung so wie einst Micha „mit Kraft erfüllt ..., mit dem Geist Jehovas“, um seine Botschaft bekanntzumachen. Micha prophezeite, daß besonders die „Übriggebliebenen Jakobs“ einen solchen Mut offenbaren würden. Sie würden „wie ein Löwe“ sein „unter den Nationen, inmitten vieler Völker“, und dennoch erfrischend wie Tau und wie Regenschauer von Jehova. Bei dem Überrest Israels (Jakobs), der ein Teil der Christenversammlung des ersten Jahrhunderts wurde, waren diese Eigenschaften zweifellos deutlich zu erkennen (Mi. 3:8; 5:7, 8; Röm. 9:27; 11:5, 26).

      18. Welche Prophezeiung Michas weist auf die Herrschaft des Königreiches Gottes unter Christus Jesus hin?

      18 Die Geburt Jesu in Bethlehem, durch die sich Michas Prophezeiung erfüllte, bestätigt nicht nur die göttliche Inspiration des Buches, sondern zeigt außerdem, daß der Kontext des Verses prophetisch auf das Kommen des Königreiches Gottes unter Christus Jesus hinweist. Jesus ist derjenige, der aus Bethlehem (Haus des Brotes) mit lebengebenden Segnungen für alle erscheint, die Glauben an sein Opfer ausüben. Er ist es, der ‘in der Stärke Jehovas als Hirte wirkt’, groß wird und unter der wiederhergestellten, vereinten Herde Gottes Frieden herbeiführt bis an die Enden der Erde (Mi. 5:2, 4; 2:12; Joh. 6:33-40).

      19. (a) Wie werden die, die im „Schlußteil der Tage“ leben, ermuntert und im Glauben gestärkt? (b) Wie preist Micha die Souveränität Jehovas?

      19 Sehr ermunternd ist Michas Prophezeiung über den „Schlußteil der Tage“, eine Zeit, in der „viele Nationen“ Unterweisung von Jehova suchen. „Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht werden sie das Schwert erheben, Nation gegen Nation, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen. Und sie werden tatsächlich sitzen, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und da wird niemand sein, der sie aufschreckt; denn der Mund Jehovas der Heerscharen selbst hat es geredet.“ Sie geben jede Form der falschen Anbetung auf und versichern wie Micha: „Wir ... unsererseits werden im Namen Jehovas, unseres Gottes, wandeln auf unabsehbare Zeit, ja immerdar.“ Durch die Vorschau auf diese bedeutsamen Ereignisse flößt Michas Prophezeiung wirklich Glauben ein. Sie zeichnet sich auch dadurch aus, daß sie Jehova als den ewigen Souverän und König preist. Wie begeisternd sind doch die Worte: „Jehova wird tatsächlich als König über sie regieren auf dem Berg Zion, von nun an und bis auf unabsehbare Zeit.“ (Mi. 4:1-7; 1. Tim. 1:17)!

      [Fußnoten]

      a James B. Pritchard, Die Archäologie und das Alte Testament, Seite 143.

      b Altorientalische Texte zum Alten Testament, herausgegeben von H. Greßmann, 1926, Seite 359.

      c James B. Pritchard, Die Archäologie und das Alte Testament, Seite 161; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, SANHERIB.

  • 34. Bibelbuch — Nahum
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 34. Bibelbuch — Nahum

      Schreiber: Nahum

      Ort der Niederschrift: Juda

      Vollendung der Niederschrift: vor 632 v. u. Z.

      1. Was ist vom alten Ninive bekannt?

      „DER prophetische Spruch gegen Ninive“ (Nah. 1:1). Mit diesen ominösen Worten beginnt Nahum seine Prophezeiung. Warum kündigt er dieser Stadt den Untergang an? Was ist über das alte Ninive bekannt? Nahum faßt die Geschichte der Stadt in die drei Worte zusammen: „Stadt des Blutvergießens“ (3:1). Zwei Ruinenhügel am Ostufer des Tigris, gegenüber der heutigen Stadt Mosul (in Nordirak), markieren die Lage Ninives. Diese alte Stadt war durch Mauern und Wallgräben stark befestigt und war die Reichshauptstadt Assyriens in der letzten Zeit seiner Geschichte. Die Stadt wurde jedoch schon zur Zeit Nimrods, des ‘gewaltigen Jägers im Widerstand gegen Jehova’, gegründet. Nimrod „zog ... nach Assyrien aus und machte sich daran, Ninive zu bauen“ (1. Mo. 10:​9-11). Somit hatte Ninive keinen guten Anfang. Berühmt wurde es besonders gegen Ende des Assyrischen Reiches unter der Regierung Sargons, Sanheribs, Esar-Haddons und Assurbanipals. Es wurde reich durch das, was bei Kriegen und Eroberungen erbeutet wurde, und berüchtigt, weil seine Herrscher ihre vielen Kriegsgefangenen so grausam und unmenschlich behandelten.a C. W. Ceram schreibt auf Seite 283 des Buches Götter, Gräber und Gelehrte (1959): „Ninive wurde ins Bewußtsein der Menschen geprägt durch kaum etwas anderes als Mord, Plünderung, Unterdrückung, Schändung der Schwachen, Krieg und Schrecknis jeder Art, durch eine blutige Folge von Herrschern, die nur durch Terror regierten, selten Zeit hatten, eines natürlichen Todes zu sterben, und dann abgelöst wurden von noch Schlimmeren.“

      2. Was für eine Religion hatte Ninive?

      2 Was ist über Ninives Religion zu sagen? Die Zahl der in dieser Stadt verehrten Götter war groß; viele davon hatte man aus Babylon eingeführt. Ninives Herrscher riefen diese Götter um Hilfe an, wenn sie auszogen, um zu vernichten und auszurotten, und die habgierigen Priester stachelten zu Eroberungsfeldzügen an, weil sie sich einen reichen Anteil an der Beute versprachen. In seinem Buch Ancient Cities (1886, Seite 25) schreibt W. B. Wright: „Sie verehrten die Kraft und beteten nur vor gigantischen Götzen aus Stein — Löwen und Stiere —, deren massige Glieder, Adlerflügel und Menschenköpfe Symbole für Kraft, Mut und Sieg waren. Die Nation widmete sich dem Kriegshandwerk, und die Priester schürten unaufhörlich den Krieg. Sie bezogen ihren Unterhalt größtenteils aus der Kriegsbeute, von der ihnen stets ein bestimmter Teil zuging, ehe andere ihren Anteil erhielten; denn dieses Volk von Plünderern war außerordentlich religiös.“

      3. (a) Wieso ist die Bedeutung des Namens Nahum passend? (b) Wann hat er prophezeit?

      3 Nahums Prophezeiung ist zwar kurz, aber ihr Inhalt ist von großem Interesse. Alles, was wir von dem Propheten selbst wissen, ist im ersten Vers enthalten: „Das Buch der Vision Nahums, des Elkoschiters“. Sein Name (hebräisch: Nachúm) bedeutet „Tröster“. Seine Botschaft war für Ninive bestimmt kein Trost, für Gottes wahres Volk dagegen bedeutete sie, daß es mit Gewißheit und für immer von einem unversöhnlichen und mächtigen Feind befreit würde. Sie ist auch tröstlich, weil Nahum die Sünden seines eigenen Volkes nicht erwähnt. Obwohl man nicht bestimmt weiß, wo Elkosch lag, ist es wahrscheinlich, daß die Prophezeiung in Juda niedergeschrieben wurde (Nah. 1:15). Als Nahum seine Prophezeiung niederschrieb, lag die Eroberung Ninives — es wurde im Jahre 632 v. u. Z. zerstört — noch in der Zukunft, und er vergleicht Ninives Untergang mit dem Geschick No-Amons (Theben [Ägypten]), das nicht lange zuvor erobert worden war (3:8). Somit muß Nahum seine Prophezeiung irgendwann zwischen diesen Ereignissen geschrieben haben.

      4. In welchem Stil ist das Buch Nahum geschrieben?

      4 Das Buch hat einen klaren Stil. Es enthält keine überflüssigen Wörter. Sein Realismus und die in der Rede zum Ausdruck kommende Energie zeigen, daß es ein Teil der inspirierten Schriften ist. Nahum zeichnet sich durch einen anschaulichen, empfindsamen und spannenden Stil aus sowie durch würdevolle Ausdrucksweise, Klarheit der Bildersprache und lebendige, eindrucksvolle Redewendungen (1:2-8, 12-14; 2:4, 12; 3:1-5, 13-15, 18, 19). Der größte Teil des ersten Kapitels ist offenbar ein alphabetisches Gedicht (1:8, Fußnote). Daß Nahum nur e i n Thema behandelt, gibt seinem Stil mehr Farbe. Er empfindet tiefsten Abscheu gegen den tückischen Feind Israels. Er sieht nichts als Ninives Untergang.

      5. Wodurch wird die Glaubwürdigkeit der Prophezeiung Nahums bewiesen?

      5 Nahums Prophezeiung hat sich bis ins einzelne erfüllt, was als Beweis für ihre Glaubwürdigkeit gewertet werden kann. Wer sonst als ein Prophet Jehovas hätte es zur Zeit Nahums gewagt, vorherzusagen, daß die stolze Hauptstadt der assyrischen Weltmacht bei den ‘Toren der Ströme’ erbrochen, daß ihr Palast aufgelöst und sie selbst „Leere und Öde und eine verwüstete Stadt“ würde? (2:6-10). Die Ereignisse, die folgten, zeigen, daß die Prophezeiung tatsächlich von Gott inspiriert war. In den Annalen des babylonischen Königs Nabupolassar wird die Eroberung Ninives durch die Meder und die Babylonier wie folgt beschrieben: „Sie ... [verwandelten] die Stadt in einen Trümmer- und Sch[utthügel ...].“b So vollständig war die Vernichtung Ninives, daß man jahrhundertelang nicht mehr wußte, wo es gelegen hatte. Einige Bibelkritiker spotteten sogar über diese Aussage der Bibel und behaupteten, es habe Ninive nie gegeben.

      6. Was hat man vom alten Ninive freigelegt, was die Genauigkeit der Prophezeiung Nahums beweist?

      6 Man hat Ninive jedoch entdeckt, was ein weiterer Beweis für die Glaubwürdigkeit des Buches Nahum ist. Im 19. Jahrhundert wurde mit den Ausgrabungen begonnen. Man schätzte, daß Millionen Tonnen Erde bewegt werden müßten, wollte man Ninive vollständig ausgraben. Was hat man bis jetzt von Ninive freigelegt? Vieles, was die Genauigkeit der Prophezeiung Nahums beweist. Ninives Denkmäler und Inschriften zum Beispiel bezeugen seine Grausamkeit. Man fand auch Reste von geflügelten Stier- und Löwenkolossen. Es ist nicht verwunderlich, daß Nahum von Ninive sagte, es sei „das Lager der Löwen“ (2:11).c

      7. Was beweist die Kanonizität des Buches Nahum?

      7 Das Buch Nahum wird von den Juden als zu den inspirierten Schriften gehörend anerkannt — ein Beweis für seine Kanonizität. Es ist mit den übrigen Büchern der Bibel völlig in Übereinstimmung. Der Prophet spricht im Namen Jehovas, und die Prophezeiung ist ein beredtes Zeugnis für Jehovas Eigenschaften und seine Souveränität.

      INHALT DES BUCHES NAHUM

      8. Welches Geschick wird Ninive angekündigt, aber welche gute Botschaft erhält Juda?

      8 Prophetischer Spruch Jehovas gegen Ninive (1:1-15). „Jehova ist ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert und Rache nimmt.“ Mit diesen Worten leitet der Prophet den ‘prophetischen Spruch gegen Ninive’ ein (1:1, 2). Wie doch Jehova, obschon er langsam zum Zorn ist, durch Wind und Sturm Rache nimmt! Berge beben, Hügel zerschmelzen, die Erde wird emporgehoben. Wer kann angesichts seiner Zornglut standhalten? Dennoch ist Jehova eine Feste für die, die bei ihm Zuflucht suchen. Doch Ninive ist zum Untergang verurteilt. Es wird durch eine Flut ausgerottet werden, und „die Bedrängnis wird nicht ein zweites Mal erstehen“ (1:9). Jehova wird Ninives Namen und seine Götter wegtilgen. Er wird es begraben. Wie erfrischend dagegen ist die gute Botschaft für Juda! Was besagt sie? Ein Verkündiger des Friedens fordert Juda auf, seine Feste zu feiern und seine Gelübde zu bezahlen, denn der Feind, der „Nichtsnutz“, ist dem Untergang geweiht. „In seiner Gesamtheit wird er bestimmt weggetilgt werden“ (1:15).

      9. Welche prophetische Vorschau erhalten wir von der Niederwerfung Ninives?

      9 Vorschau auf Ninives Zerstörung (2:1⁠—⁠3:19). Nahum fordert Ninive spöttisch auf, sich gegen den herannahenden Zerstreuer zu stärken. Jehova wird das Seinige, ‘den Stolz Jakobs und Israels’, wieder sammeln. Siehst du nun den Schild und die karmesinrote Kleidung seiner (des Zerstreuers) Männer von leistungsfähiger Kraft und die funkelnden Eisenbeschläge seiner Kriegswagen „an dem Tag, an dem er sich bereit macht“? Auf den Straßen „fahren die Kriegswagen ständig wie toll“, wie Blitze eilen sie (2:2-4). Nun folgt eine prophetische Schilderung der Schlacht. Die Niniviten straucheln und eilen, die Mauer zu verteidigen, aber vergeblich. Die Tore der Ströme öffnen sich, der Palast löst sich auf, und die Sklavinnen stöhnen und schlagen sich aufs Herz. Den fliehenden Männern wird befohlen stillzustehen, aber keiner kehrt um. Die Stadt wird geplündert und verwüstet. Herzen zerschmelzen. Wo ist jetzt das Lager der Löwen? Der Löwe hat seine Höhle mit Raub für seine Jungen gefüllt, aber Jehova erklärt: „Siehe! Ich bin gegen dich“ (2:13). Ja, Jehova wird Ninives Kriegsapparat verbrennen, ein Schwert senden, das Ninives junge Löwen verzehren wird, und seinen Raub von der Erde wegtilgen.

      10. Als was wird Ninive bloßgestellt, und wie wird sein Untergang weiter beschrieben?

      10 „Wehe der Stadt des Blutvergießens. ... voll von Trug und Raub.“ Hörst du den Peitschenknall und das Rädergerassel? Siehst du das galoppierende Pferd, den hüpfenden Wagen, den Reiter zu Roß, die Flamme des Schwertes und den Blitz des Speeres — und dann die schwere Masse von Leichnamen? „Da ist kein Ende der Leichen“ (3:1, 3). Und wieso? Weil die Stadt Ninive Nationen mit ihrer Prostitution und Familien mit ihren Zaubereien umgarnt hat. Ein zweites Mal erklärt Jehova: „Siehe! Ich bin gegen dich“ (3:5). Ninive wird als eine Ehebrecherin bloßgestellt und wird verheert werden, es wird ihr nicht besser ergehen als No-Amon (Theben), das von Assyrien in Gefangenschaft geführt wurde. Ihre Festungen sind wie reife Feigen, die, „wenn sie geschüttelt werden, gewiß in den Mund eines Essenden fallen“ (3:12). Ihre Krieger sind wie Frauen. Nichts kann Ninive vor dem Feuer und dem Schwert bewahren. Seine Wächter werden entfliehen wie ein Heuschreckenschwarm, wenn die Sonne aufleuchtet, und sein Volk wird zerstreut werden. Der König von Assyrien wird wissen, daß es keine Erleichterung und für diese Katastrophe keine Heilung gibt. Alle, die den Bericht hören, werden in die Hände klatschen, denn alle haben unter der Schlechtigkeit Assyriens gelitten.

      WIESO NÜTZLICH

      11. Welche wesentlichen biblischen Grundsätze werden in dem Buch Nahum veranschaulicht?

      11 In der Prophezeiung Nahums werden einige wesentliche biblische Grundsätze veranschaulicht. Durch die Anfangsworte der Vision wird die Begründung für das zweite der Zehn Gebote Gottes wiederholt: „Jehova ist ein Gott, der ausschließliche Ergebenheit fordert.“ Unmittelbar danach weist Nahum darauf hin, daß Jehova mit Sicherheit „Rache an seinen Widersachern“ nimmt. Die Grausamkeit und der Stolz Assyriens sowie seine heidnischen Götter konnten das Gericht Jehovas nicht abwenden. Wir können zuversichtlich sein, daß Jehova zu seiner Zeit ebenso allen Bösen die verdiente Strafe zumessen wird. „Jehova ist langsam zum Zorn und groß an Kraft, und keineswegs wird sich Jehova davon zurückhalten zu strafen.“ So werden Jehovas Gerechtigkeit und seine Souveränität vor dem Hintergrund der Ausrottung des mächtigen Assyrien gepriesen. Von Ninive konnte gesagt werden: „Leere und Öde und eine verwüstete Stadt“ (1:2, 3; 2:10).

      12. Welche Wiederherstellung kündigt Nahum an, und wie ist seine Prophezeiung mit der Königreichshoffnung in Verbindung zu bringen?

      12 Nahum erklärt, Ninive werde ‘in seiner Gesamtheit weggetilgt’; dagegen kündigt er an, daß der ‘Stolz Jakobs und Israels’ wiederhergestellt werden wird. Jehova läßt seinem Volk die frohe Nachricht zukommen: „Siehe! Auf den Bergen die Füße dessen, der gute Botschaft bringt, dessen, der Frieden verkündigt.“ Diese Botschaft des Friedens steht im Zusammenhang mit Gottes Königreich. Wieso wissen wir das? Weil Jesaja dieselben Worte gebraucht, zu denen er aber noch hinzufügt: „... der gute Botschaft von etwas Besserem bringt, der Rettung verkündigt, der zu Zion spricht: ‚Dein Gott ist König geworden!‘ “ (Nah. 1:15; 2:2; Jes. 52:7). Der Apostel Paulus wendet in Römer 10:15 diese Worte auf die christlichen Prediger der guten Botschaft an, die Jehova aussendet. Sie verkündigen die „gute Botschaft vom Königreich“ (Mat. 24:14). Der Bedeutung seines Namens getreu, spendet Nahum denen viel Trost, die nach dem Frieden und der Rettung trachten, die Gottes Königreich bringen wird. Sie werden bestimmt erkennen, daß ‘Jehova gut ist, eine Feste am Tag der Bedrängnis für die, die Zuflucht bei ihm suchen’ (Nah. 1:7).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 219.

      b Altorientalische Texte zum Alten Testament, herausgegeben von Hugo Greßmann, 1926, Seite 364; Klammern vom Verfasser; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 958.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 955.

  • 35. Bibelbuch — Habakuk
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 35. Bibelbuch — Habakuk

      Schreiber: Habakuk

      Ort der Niederschrift: Juda

      Vollendung der Niederschrift: um 628 v. u. Z. (?)

      1. Welche erhabenen Wahrheiten werden in der Prophezeiung Habakuks hervorgehoben?

      HABAKUK ist ein weiterer der sogenannten Kleinen Propheten der Hebräischen Schriften. Seine Vision und sein prophetischer Spruch sind von Gott inspiriert und daher keineswegs von geringer Bedeutung für Gottes Volk. Seine ermunternde und stärkende Prophezeiung hilft Dienern Gottes, in schweren Zeiten standhaft zu bleiben. Das Buch Habakuk hebt zwei erhabene Wahrheiten hervor: Jehova Gott ist der Souverän des Universums, und der Gerechte lebt durch seinen Glauben. Außerdem dient es Gegnern der Diener Gottes und denen, die heuchlerisch vorgeben, Gottes Volk zu sein, als Warnung. Es verrät einen beispielhaften starken Glauben an Jehova, dem aller Lobpreis gebührt.

      2. Welche Angaben werden über Habakuk, den Schreiber, gemacht?

      2 Das Buch Habakuk beginnt mit den Worten: „Der prophetische Spruch, den Habakuk, der Prophet, in einer Vision schaute“ (Hab. 1:1). Wer war der Prophet Habakuk (hebräisch: Chavaqqúq), dessen Name „Innige Umarmung“ bedeutet? Über seine Eltern, seine Stammeszugehörigkeit, sein Leben und seinen Tod werden keine Angaben gemacht. Ob er ein levitischer Tempelmusiker war, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, wenn dies auch aus der am Ende des Buches erscheinenden Unterschrift „Dem Leiter auf meinen Saiteninstrumenten“ abgeleitet worden ist.

      3. Aufgrund welcher Verhältnisse in Juda kann die Zeit der Niederschrift des Buches Habakuk ermittelt werden?

      3 Wann äußerte Habakuk seine prophetischen Sprüche? Die obenerwähnte Unterschrift und die Worte „Jehova ... ist in seinem heiligen Tempel“ zeigen an, daß der Tempel in Jerusalem noch stand (2:20). Diese Tatsache und die Botschaft der Prophezeiung lassen darauf schließen, daß diese nicht lange vor der Zerstörung Jerusalems (607 v. u. Z.) geäußert wurde. Aber wie viele Jahre vorher? Es muß nach der Regierung des gottesfürchtigen Königs Josia (659—629 v. u. Z.) gewesen sein. Die Prophezeiung selbst liefert den Schlüssel, indem sie eine Tätigkeit vorhersagt, das heißt etwas, was man in Juda nicht glauben wird, obwohl davon erzählt wird. Was denn? Gott wird die Chaldäer (Babylonier) erwecken, um das treulose Juda zu bestrafen (1:5, 6). Das würde auf den Beginn der Regierung des götzendienerischen Königs Jojakim passen, denn damals nahmen der Unglaube und die Ungerechtigkeit in Juda überhand. Jojakim war von Pharao Necho auf den Thron erhoben worden, und Juda befand sich im Einflußbereich Ägyptens. Unter diesen Umständen hielt man eine Invasion der Babylonier für unmöglich. Im Jahre 625 v. u. Z. besiegte Nebukadnezar aber Pharao Necho in der Schlacht bei Karkemisch und brach die Macht Ägyptens. Demnach muß die Prophezeiung vor diesem Ereignis geäußert worden sein. Die Anzeichen deuten also auf den Beginn der Regierung Jojakims (628 v. u. Z.) hin. Somit war Habakuk ein Zeitgenosse Jeremias.

      4. Was beweist, daß das Buch Habakuk von Gott inspiriert ist?

      4 Wieso wissen wir, daß das Buch Habakuk von Gott inspiriert ist? Alte Kataloge der Hebräischen Schriften bestätigen dessen Kanonizität. Sie führen es zwar nicht namentlich an, aber in ihren Hinweisen auf die zwölf „Kleinen Propheten“ wird es offensichtlich mitgerechnet, denn ohne Habakuk wären es nicht zwölf. Der Apostel Paulus erkannte die Prophezeiung als zu den inspirierten Schriften gehörend an, denn er zitierte die Worte aus Habakuk 1:5 und bezeichnete sie als etwas, „was in den PROPHETEN gesagt ist“ (Apg. 13:40, 41). In seinen Briefen nahm er verschiedentlich auf das Buch Habakuk Bezug. Die Erfüllung der Aussprüche Habakuks gegen Juda und Babylon kennzeichnet ihn unbestreitbar als einen wahren Propheten Jehovas, in dessen Namen und zu dessen Verherrlichung er redete.

      5. Fasse den Inhalt des Buches Habakuk kurz zusammen.

      5 Das Buch Habakuk besteht aus drei Kapiteln. Die ersten zwei sind ein Gespräch zwischen dem Schreiber und Jehova. Sie berichten über die Stärke der Chaldäer sowie über den Kummer, den die babylonische Nation zu erwarten hat, von der gesagt wird, daß sie mehrt, was nicht ihr eigen ist, üblen Gewinn macht für ihr Haus, eine Stadt durch Blutvergießen baut und ein geschnitztes Bild anbetet. Das dritte Kapitel handelt von der herrlichen Größe Jehovas am Tag der Schlacht; der kraftvolle, lebhafte und dramatische Stil dieses Kapitels ist ohnegleichen. Es ist ein Gebet in Form von Klageliedern, und man hat es als „eines der großartigsten und herrlichsten [Gedichte] im ganzen Bereich der hebräischen Dichtkunst“ bezeichnet.a

      INHALT DES BUCHES HABAKUK

      6. Welcher Zustand herrscht in Juda, und welche erstaunliche Tätigkeit wird Jehova deshalb vollführen?

      6 Der Prophet schreit zu Jehova (1:1⁠—⁠2:1). Wegen der Treulosigkeit in Juda sind in Habakuk Fragen aufgestiegen. „Wie lange, o Jehova, soll ich um Hilfe schreien, und du hörst nicht?“ fragt er. „Warum sind Verheerung und Gewalttat vor mir?“ (1:2, 3). Das Gesetz wird kraftlos, der Böse umgibt den Gerechten, und das Recht kommt verdreht hervor. Deswegen wird Jehova eine Tätigkeit vollführen, die Staunen erregen wird, etwas, was man „nicht glauben [wird], obwohl davon erzählt wird“. Er ‘erweckt die Chaldäer’! Die Vision, die Jehova von dieser schnell heranrückenden grimmigen Nation übermittelt, ist in der Tat schrecklich. Es ist eine Nation, die nur auf Gewalttat aus ist und die Gefangene sammelt „so wie Sand“ (1:5, 6, 9). Nichts wird ihr im Weg stehen, nicht einmal Könige und hohe Amtspersonen, denn sie lacht über sie alle. Jeden befestigten Platz nimmt sie ein. All das ist zu einem Gericht und zu einer Zurechtweisung gesetzt und kommt von Jehova, dem „Heiligen“ (1:12). Habakuk wartet gespannt darauf, daß Gott redet.

      7. Wie tröstet Jehova Habakuk?

      7 Die Vision von dem fünffachen Wehe (2:2-20). Jehova antwortet: „Schreib die Vision auf, und leg sie deutlich auf Tafeln dar.“ Selbst wenn sie zu säumen scheint, so wird sie sich ganz bestimmt bewahrheiten. Jehova tröstet Habakuk mit den Worten: „Was ... den Gerechten betrifft, durch seinen treuen Glauben wird er am Leben bleiben“ (2:2, 4). Der anmaßende Feind wird sein Ziel nicht erreichen, obwohl er Nationen und Völker zu sich versammelt. Gerade sie sind es, die gegen ihn den Spruch anheben werden, dessen fünf Teile je mit einem Wehe beginnen:

      8, 9. Gegen was für Personen ist das fünffache Wehe der Vision gerichtet?

      8 „Wehe dem, der mehrt, was nicht sein eigen ist.“ Er selbst wird zum Raub werden. „Wegen des Vergießens von Menschenblut und der Gewalttat an der Erde“ wird er ausgeplündert werden (2:6, 8). „Wehe dem, der üblen Gewinn macht für sein Haus.“ Weil er viele Völker weggetilgt hat, werden selbst die Steine und das Holzwerk seines Hauses schreien (2:9). „Wehe dem, der eine Stadt durch Blutvergießen baut.“ Seine Völker werden sich nur fürs Feuer und für nichts abmühen, erklärt Jehova. „Denn die Erde wird erfüllt sein mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Jehovas, wie die Wasser selbst das Meer bedecken“ (2:12, 14).

      9 ‘Wehe dem, der seinen Gefährten im Zorn betrunken macht, um dann seine Schamteile anzuschauen.’ Jehova wird ihn aus dem Becher seiner Rechten trinken lassen, und ‘wegen des Vergießens von Menschenblut und wegen der an der Erde verübten Gewalttat’ wird er Schande statt Herrlichkeit über den Betreffenden bringen. Von welchem Nutzen ist ein geschnitztes Bild dem, der es gemacht hat — sind diese wertlosen Götter nicht stumm? (2:15, 17). „Wehe dem, der zum Holzstück spricht: ‚O erwache doch!‘, zu einem stummen Stein: ‚O wach auf! Er selbst wird Unterweisung geben.‘!“ Im Gegensatz zu diesen leblosen Göttern ist „Jehova ... in seinem heiligen Tempel. Bewahre Schweigen vor ihm, ganze Erde!“ (2:19, 20).

      10. Von welch furchteinflößendem Tun war Jehovas Erscheinen am Tag der Schlacht begleitet?

      10 Jehova am Tag der Schlacht (3:1-19). In einem ernsten Gebet erinnert Habakuk auf anschauliche Weise an Jehovas furchteinflößendes Tun. Bei seinem Erscheinen ‘bedeckte seine Würde die Himmel und wurde die Erde mit seinem Lobpreis erfüllt’ (3:3). Sein Glanz war wie das Licht, und die Pest ging fortwährend vor ihm her. Er stand still und erschütterte die Erde, so daß die Nationen hüpften und die ewigwährenden Berge zerschmettert wurden. Wie ein mächtiger Krieger ritt Jehova mit aufgedecktem Bogen einher, und seine Wagen waren Rettung. Berge und die Wassertiefe erbebten. Sonne und Mond blieben stehen, wie Licht fuhren seine Pfeile dahin, und der Blitz seines Speeres flammte auf, während Jehova die Erde durchschritt und die Nationen in seinem Zorn drosch. Er zog aus zur Rettung seines Volkes und seines Gesalbten und um das Fundament des Bösen bloßzulegen — „bis zum Hals“ (3:13).

      11. Wie wirkt sich die Vision auf Habakuk aus, aber wozu ist er entschlossen?

      11 Diese Vision von der Macht des früheren Wirkens Jehovas und seiner bevorstehenden welterschütternden Tätigkeit überwältigte den Propheten. „Ich hörte es, und mein Leib begann zu beben; bei dem Schall zitterten meine Lippen; Fäulnis begann in meine Gebeine zu dringen; und in meinem Zustand erbebte ich, daß ich ruhig warten sollte auf den Tag der Bedrängnis, auf sein Herankommen für das Volk, daß er es überfalle“ (3:16). Doch ganz gleich, wie schlecht die ihm bevorstehenden Zeiten sein mögen — keine Blüte am Feigenbaum, kein Ertrag an den Weinstöcken, kein Kleinvieh in der Hürde —, Habakuk ist entschlossen, in Jehova zu frohlocken und in dem Gott seiner Rettung zu jubeln. Er schließt sein Lied, das seine aufgewühlten Gefühle zum Ausdruck bringt, mit den Worten ab: „Jehova, der Souveräne Herr, ist meine leistungsfähige Kraft; und er wird meine Füße denen der Hindinnen gleichmachen, und auf meine Höhen wird er mich treten lassen“ (3:19).

      WIESO NÜTZLICH

      12. Wie wandte Paulus Habakuk 2:4 nutzbringend an?

      12 Der Apostel Paulus, der erkannt hatte, daß Habakuks Prophezeiung nützlich zum Lehren ist, führte Kapitel 2, Vers 4 dreimal an. An die Christen in Rom schrieb er, daß die gute Botschaft Gottes Kraft zur Rettung ist für jeden, der Glauben hat, und fügte hinzu: „Denn in ihr wird Gottes Gerechtigkeit aufgrund des Glaubens und zum Glauben geoffenbart, so wie geschrieben steht: ‚Der Gerechte aber — durch Glauben wird er leben.‘ “ In seinem Brief an die Galater unterstrich er den Gedanken, daß Segen durch Glauben kommt: „Daß ... durch Gesetz niemand bei Gott gerechtgesprochen wird, ist offenkundig, denn ‚der Gerechte wird zufolge des Glaubens leben‘.“ Auch in seinem Brief an die Hebräer schrieb Paulus, daß Christen einen lebendigen Glauben haben müssen, einen Glauben, der die Seele am Leben erhält, und wiederum bezog er sich auf die Worte Jehovas an Habakuk. Er führt jedoch nicht nur die Worte Habakuks an: „Mein Gerechter ... wird zufolge des Glaubens leben“, sondern auch den Zusatz, der gemäß der Septuaginta wie folgt lautet: „Wenn er zurückweicht, so hat meine Seele kein Gefallen an ihm.“ Zusammenfassend sagt Paulus dann: „[Wir sind] von denen, die Glauben haben zum Lebendigerhalten der Seele“ (Röm. 1:17; Gal. 3:11; Heb. 10:38, 39).

      13. Was wird durch die genaue Erfüllung der Prophezeiungen Habakuks gegen Juda und Babylon im Hinblick auf Gottes Gerichte hervorgehoben?

      13 Habakuks Prophezeiung ist heute für Christen, die leistungsfähige Kraft benötigen, äußerst nützlich. Sie lehrt sie, auf Gott zu vertrauen. Sie ist ferner nützlich, um andere vor den Gerichten Gottes zu warnen. Sie ist eine eindringliche Warnung, die folgende Lehre enthält: Niemand sollte denken, die Gerichte Gottes würden zu lange säumen; sie werden „sich ganz bestimmt bewahrheiten“ (Hab. 2:3). Die Prophezeiung über die Zerstörung Judas durch Babylon hat sich genau bewahrheitet, und Babylon selbst wurde erobert, als die Meder und Perser die Stadt im Jahre 539 v. u. Z. einnahmen. Welch ernste Mahnung, den Worten Gottes zu glauben! Der Apostel Paulus hielt es daher für nützlich, Habakuk anzuführen, als er die damaligen Juden davor warnte, sich vom Glauben abzuwenden: „Seht daher zu, daß das nicht über euch komme, was in den PROPHETEN gesagt ist: ‚Seht es, ihr Verächter, und wundert euch darüber, und schwindet dahin; denn ich wirke ein Werk in euren Tagen, ein Werk, das ihr gewiß nicht glauben werdet, auch wenn es euch jemand im einzelnen erzählt‘ “ (Apg. 13:40, 41; Hab. 1:5, LXX). Die ungläubigen Juden beachteten die Worte des Paulus ebensowenig, wie sie der Warnung Jesu vor der Zerstörung Jerusalems geglaubt hatten; sie mußten für ihren Unglauben büßen, als die Heere Roms Jerusalem im Jahre 70 u. Z. verwüsteten (Luk. 19:41-44).

      14. (a) Inwiefern werden Christen heute durch Habakuks Prophezeiung ebenfalls ermuntert, einen starken Glauben zu bewahren? (b) Welche Zuversicht können gerechtigkeitsliebende Menschen gemäß dieser Prophezeiung jetzt haben?

      14 Heute werden Christen durch Habakuks Prophezeiung ebenfalls ermuntert, einen starken Glauben zu bewahren, während sie in einer mit Gewalttat erfüllten Welt leben. Die Prophezeiung hilft ihnen, ihre Mitmenschen zu lehren und die häufig gestellte Frage zu beantworten: Wird Gott an den Bösen Rache nehmen? Man beachte wiederum die Worte der Prophezeiung: „Harre ihrer; denn sie wird sich ganz bestimmt bewahrheiten. Sie wird sich nicht verspäten“ (Hab. 2:3). Ganz gleich, was die Erde noch erschüttern mag, ruft sich der gesalbte Überrest der Königreichserben Habakuks Worte über Jehovas Rachetaten der Vergangenheit ins Gedächtnis: „Du zogst aus zur Rettung deines Volkes, um deinen Gesalbten zu retten“ (3:13). Jehova ist tatsächlich von alters her ihr „Heiliger“ und der „Fels“ gewesen, der die Ungerechten zurechtweisen und denen, die er liebevoll umarmt, Leben geben wird. Alle, die Gerechtigkeit lieben, können sich über sein Königreich und seine Souveränität freuen und sagen: „Ich meinerseits will in Jehova frohlocken; ich will jubeln in dem Gott meiner Rettung. Jehova, der Souveräne Herr, ist meine leistungsfähige Kraft“ (1:12; 3:18, 19).

      [Fußnote]

      a The Book of the Twelve Minor Prophets, 1868, E. Henderson, Seite 285.

  • 36. Bibelbuch — Zephanja
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 36. Bibelbuch — Zephanja

      Schreiber: Zephanja

      Ort der Niederschrift: Juda

      Vollendung der Niederschrift: vor 648 v. u. Z.

      1. (a) Inwiefern war die Botschaft Zephanjas zeitgemäß? (b) Wieso war die Bedeutung seines Namens für die damalige Situation passend?

      DIE Botschaft, die der Prophet Zephanja zu Beginn der Regierung König Josias von Juda (659—629 v. u. Z.) verkündigte, muß bei den Einwohnern Jerusalems Bestürzung hervorgerufen haben, denn damals war die Baalsanbetung weit verbreitet, und die „Priester fremdländischer Götter“ gingen in dieser unreinen Anbetung führend voran. Zephanja war zwar möglicherweise ein Nachkomme König Hiskias und kam somit aus dem Königshaus Judas, doch er mißbilligte sehr die Zustände, die unter dem Volk herrschten (Zeph. 1:1, 4). Seine Botschaft war eine Gerichtsbotschaft. Gottes Volk war ungehorsam geworden, und nur Jehova war in der Lage, es zur reinen Anbetung zurückzubringen und es zu segnen, damit es „zum Namen und zum Lobpreis ... unter allen Völkern der Erde“ werden konnte (3:20). Zephanja wies darauf hin, daß man nur durch göttliches Eingreifen „am Tag des Zornes Jehovas geborgen werden“ könne (2:3). Wie passend ist doch der Name Zephanjáh (hebräisch), der „Verborgen (Aufbewahrt) hat Jah“ bedeutet!

      2. Inwiefern trugen Zephanjas Bemühungen Frucht, aber warum nur vorübergehend?

      2 Zephanjas Bemühungen trugen Frucht. König Josia, der im Alter von acht Jahren den Thron bestiegen hatte, fing im 12. Jahr seiner Regierung an, ‘Jerusalem und Juda zu reinigen’. Er rottete die falsche Anbetung aus, besserte „das Haus Jehovas“ aus und setzte die Passahfeier wieder ein (2. Chr., Kap. 34, 35). König Josias Reformen waren jedoch nicht von Dauer, denn ihm folgten drei Söhne und ein Enkel auf den Thron, die taten, „was böse war in den Augen Jehovas“ (2. Chr. 36:1-12). Dadurch erfüllten sich folgende Worte Zephanjas: „Ich [will] die Aufmerksamkeit auf die Fürsten richten ... und auf die Söhne des Königs und ... diejenigen, die das Haus ihrer Herren mit Gewalttat und Trug füllen“ (Zeph. 1:8, 9).

      3. Wann und wo prophezeite Zephanja, und welche zwei Aspekte hat die in dem Buch enthaltene Botschaft?

      3 Das zuvor Gesagte läßt erkennen, daß „das Wort Jehovas“ anscheinend einige Zeit vor dem Jahr 648 v. u. Z., dem 12. Jahr Josias, „an Zephanja erging“. Aus dem ersten Vers geht hervor, daß er seine Botschaft in Juda verkündigte, aber auch seine genauen Kenntnisse von den Örtlichkeiten und den Bräuchen in Jerusalem deuten darauf hin, daß er in Juda wohnte. Die in dem Buch enthaltene Botschaft hat zwei Aspekte: Es sind darin Drohworte und Tröstungen zu finden. Der größte Teil des Buches handelt vom Tag Jehovas, einem bevorstehenden Tag des Schreckens, aber es wird auch vorhergesagt, daß Jehova ein demütiges Volk wiederherstellen wird, das „wirklich Zuflucht nehmen [wird] zum Namen Jehovas“ (1:1, 7-18; 3:12).

      4. Was beweist, daß das Buch Zephanja glaubwürdig und von Gott inspiriert ist?

      4 Es entbehrt jeder Grundlage, die Glaubwürdigkeit dieses prophetischen Buches anzuzweifeln. Jerusalem wurde im Jahre 607 v. u. Z., über 40 Jahre nach Zephanjas Vorhersage, zerstört. Das wird nicht nur durch die Geschichte bestätigt, sondern auch aus der Bibel selbst geht hervor, daß sich Zephanjas Prophezeiungen genau erfüllten. Kurz nach der Zerstörung Jerusalems schrieb Jeremia das Buch der Klagelieder, in dem er von den Schrecken berichtete, die er selbst miterlebt und noch deutlich in Erinnerung hatte. Wenn man verschiedene Passagen miteinander vergleicht, erhält man die Bestätigung, daß Zephanjas Botschaft tatsächlich „von Gott inspiriert“ ist. Zephanja weist warnend darauf hin, daß Reue notwendig ist, „ehe die Zornglut Jehovas über euch kommt“, während Jeremia auf etwas Bezug nimmt, was bereits geschehen ist, wenn er sagt: „Jehova hat ... seine Zornglut ausgegossen“ (Zeph. 2:2; Klag. 4:11). Zephanja sagt vorher, daß Jehova „die Menschen in Bedrängnis bringen [will], und sie werden gewiß wie Blinde einhergehen ... Und ihr Blut wird tatsächlich verschüttet werden wie Staub“ (Zeph. 1:17). Jeremia spricht davon als von einer vollendeten Tatsache: „Sie sind wie blind auf den Straßen umhergeirrt. Sie sind mit Blut befleckt worden“ (Klag. 4:14; vergleiche auch Zephanja 1:13 mit Klagelieder 5:2; Zephanja 2:8, 10 mit Klagelieder 1:9, 16 und 3:61).

      5. Wie bestätigt die Geschichte die genaue Erfüllung der Prophezeiung Zephanjas?

      5 Die Geschichte berichtet ebenfalls von der Vernichtung der Heidennationen Moab, Ammon und Assyrien, einschließlich dessen Hauptstadt Ninive — genauso wie Zephanja es auf Gottes Anweisung hin vorausgesagt hatte. So, wie der Prophet Nahum Ninives Zerstörung vorhergesagt hatte (Nah. 1:1; 2:10), erklärte auch Zephanja, Jehova werde „Ninive zu einer wüsten Einöde machen, zu einer wasserlosen Gegend wie die Wildnis“ (Zeph. 2:13). Die Stadt wurde völlig zerstört, denn nur 200 Jahre später bezeichnete der Historiker Herodot den Tigris als den „Fluß“, „an dem früher die Stadt Ninive gelegen hatte“.a Etwa im Jahre 150 u. Z. schrieb der griechische Schreiber Lukian, daß „keine Spur mehr davon übriggeblieben“ sei.b In dem Werk The New Westminster Dictionary of the Bible (1970), Seite 669 heißt es, daß den eindringenden Heeren „das plötzliche Ansteigen des Tigris sehr zugute kam, denn dadurch wurde ein großer Teil der Stadtmauer weggeschwemmt, und der Ort konnte nicht mehr verteidigt werden. ... Ninive wurde so vollständig verwüstet, daß es in griechischen und römischen Zeiten fast zu einer Sage wurde. Doch während der ganzen Zeit lag ein Teil der Stadt unter Erdhügeln, anscheinend Schutt, begraben.“ Auf Seite 627 desselben Werkes wird gezeigt, daß auch Moab, wie prophezeit, vernichtet wurde: „Nebukadnezar unterjochte die Moabiter.“ Josephus berichtet von der Unterjochung Ammons.c Die Moabiter und die Ammoniter hörten schließlich als Volk zu bestehen auf.

      6. Wieso nimmt das Buch einen rechtmäßigen Platz im Bibelkanon ein?

      6 Die Juden haben dem Buch Zephanja stets seinen rechtmäßigen Platz im Kanon der inspirierten Schriften eingeräumt. Das, was Zephanja im Namen Jehovas verkündete, hat sich auf bemerkenswerte Weise erfüllt, wodurch Jehova gerechtfertigt worden ist.

      INHALT DES BUCHES ZEPHANJA

      7. Was wird der große Tag Jehovas für seine Feinde bedeuten?

      7 Der Tag Jehovas ist nahe (1:1-18). Das Buch beginnt mit einer Gerichtsbotschaft. „ ‚Ich werde ganz bestimmt allem, was sich auf der Oberfläche des Erdbodens befindet, ein Ende machen‘ ist der Ausspruch Jehovas“ (1:2). Weder Menschen noch Tiere können entrinnen. Alle werden umkommen: Baalsanbeter, Priester fremdländischer Götter, diejenigen, die auf den Dächern die Himmel anbeten, die Jehovas Anbetung mit der Anbetung Malkams vermischen, die sich von Jehova zurückziehen oder die ihn nicht suchen wollen. Der Prophet gebietet: „Bewahre Schweigen vor dem Souveränen Herrn Jehova; denn der Tag Jehovas ist nahe“ (1:7). Jehova hat selbst ein Schlachtopfer bereitet. Fürsten, Gewalttätige, Betrüger und die im Herzen Gleichgültigen — alle werden ausfindig gemacht werden. Ihr Reichtum und ihr Besitztum werden zu einem Nichts werden. Der große Tag Jehovas ist nahe. Es ist ein „Tag des Zornausbruchs, ein Tag der Bedrängnis und Angst, ein Tag des Sturms und der Verödung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und dichten Dunkels“. Das Blut derer, die gegen Jehova sündigen, wird wie Staub ausgeschüttet werden. „Weder ihr Silber noch ihr Gold wird sie am Tag des Zornausbruchs Jehovas befreien können.“ Das Feuer seines Eifers wird die ganze Erde verzehren (1:15, 18).

      8. (a) Wie kann man Schutz finden? (b) Welche Wehe werden den Nationen angekündigt?

      8 Jehova suchen; Nationen sollen vernichtet werden (2:1-15). Ehe dieser Tag wie Spreu vorübergeht, mögen die Sanftmütigen ‘Jehova suchen sowie Gerechtigkeit und Sanftmut’. Wahrscheinlich können sie „am Tag des Zornes Jehovas geborgen werden“ (2:3). Jehova fährt mit einem Wehe über das Land der Philister fort, das später zu einem „Gebiet für die Übriggebliebenen des Hauses Juda“ werden soll. Das stolze Moab und das stolze Ammon werden wie Sodom und Gomorra verwüstet werden, „weil sie geschmäht und ständig großgetan haben gegen das Volk Jehovas der Heerscharen“. Ihre Götter werden mit ihnen umkommen (2:7, 10). Jehovas „Schwert“ wird auch die Äthiopier schlagen. Und was wird mit dem im Norden gelegenen Assyrien und seiner Hauptstadt Ninive geschehen? Es wird eine dürre Wildnis und eine Wohnstätte für wilde Tiere werden, ja ein „Gegenstand des Entsetzens“, so daß „jeder, der daran vorübergeht“, vor Staunen „pfeifen“ wird (2:12, 15).

      9. (a) Warum gibt es ein Wehe für Jerusalem, und welche richterliche Entscheidung hat Jehova über die Nationen getroffen? (b) Mit welcher wunderbaren Verheißung wird die Prophezeiung zum Abschluß gebracht?

      9 Das rebellische Jerusalem wird zur Rechenschaft gezogen; ein demütiger Überrest wird gesegnet (3:1-20). Es gibt auch ein Wehe für die rebellische und bedrückende Stadt Jerusalem. Ihre Fürsten, „brüllende Löwen“, und ihre Propheten, „Männer der Treulosigkeit“, haben nicht auf Jehova, den Gott Jerusalems, vertraut. Er wird schonungslos Rechenschaft fordern. Werden ihre Bewohner Jehova fürchten und Zucht annehmen? Nein, denn ‘sie handeln rasch, all ihre Taten verderbt zu machen’ (3:3, 4, 7). Jehova hat die richterliche Entscheidung getroffen, die Nationen zu versammeln und die ganze Glut seines Zorns über sie auszugießen, und die gesamte Erde wird durch das Feuer seines Eifers verzehrt werden. Doch dann folgt eine wunderbare Verheißung. Jehova wird „die Sprache der Völker in eine reine Sprache umwandeln, damit sie alle den Namen Jehovas anrufen, um ihm Schulter an Schulter zu dienen“ (3:9). Die hochmütig Frohlockenden werden beseitigt werden, aber ein demütiger, gerecht handelnder Überrest wird im Namen Jehovas Zuflucht finden. In Zion sind Freuden- und Beifallsrufe zu hören, und es herrscht Freude und Frohlocken, denn Jehova, der König Israels, befindet sich inmitten des Volkes. Es ist nicht an der Zeit, furchtsam zu sein und die Hände erschlaffen zu lassen, weil Jehova Rettung bringen und aus Liebe zur Nation und aus Freude über sie frohlocken wird. „ ‚Denn ich werde euch zum Namen und zum Lobpreis machen unter allen Völkern der Erde, wenn ich eure Gefangenen vor euren Augen zurückkehren lasse‘, hat Jehova gesprochen“ (3:20).

      WIESO NÜTZLICH

      10. Von welchem Nutzen war die Prophezeiung in den Tagen König Josias?

      10 König Josia beachtete Zephanjas warnende Botschaft und zog daraus viel Nutzen. Er leitete einschneidende religiöse Reformen ein. Dadurch kam auch das Buch des Gesetzes zum Vorschein, das verlorengegangen war, als das Haus Jehovas baufällig wurde. Josia war tief betrübt, als ihm aus dem Buch vorgelesen wurde, was die Folgen des Ungehorsams sein würden; ein weiterer Zeuge, Moses, bestätigte also, was Zephanja die ganze Zeit über prophezeit hatte. Josia demütigte sich nun vor Jehova Gott, woraufhin dieser ihm verhieß, daß die vorhergesagte Zerstörung nicht in seinen Tagen kommen werde (5. Mo., Kap. 28 bis 30; 2. Kö. 22:8-20). Das Land blieb vom Unheil verschont. Aber nicht lange, denn Josias Söhne folgten nicht dem guten Beispiel ihres Vaters. Doch für Josia und sein Volk hatte es sich in der Tat als sehr nützlich erwiesen, daß sie das „Wort Jehovas, das an Zephanja“ ergangen war, beachtet hatten (Zeph. 1:1).

      11. (a) Inwiefern stimmt Zephanja mit den Ratschlägen überein, die in der Bergpredigt und in dem Brief des Paulus an die Hebräer gegeben werden? (b) Wieso sagt Zephanja: „Wahrscheinlich könnt ihr ... geborgen werden.“?

      11 Jesus, Gottes größter Prophet, bestätigte in seiner berühmten Bergpredigt Zephanja als wahren Propheten Gottes, denn er sagte etwas, was dem Rat aus Zephanja, Kapitel 2, Vers 3 auffallend ähnlich ist. Dort heißt es: „Sucht Jehova, all ihr Sanftmütigen der Erde ... Sucht Gerechtigkeit, sucht Sanftmut.“ Jesu Ermahnung lautete: „So fahrt denn fort, zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen“ (Mat. 6:33). Diejenigen, die zuerst Gottes Königreich suchen, müssen sich vor der Gleichgültigkeit hüten, auf die Zephanja warnend hinwies, als er von denen sprach, „die sich davon zurückziehen, Jehova zu folgen, und die Jehova nicht gesucht haben und ihn nicht befragt haben“ und „die in ihrem Herzen sprechen: ‚Jehova wird nicht Gutes tun, und er wird nicht Böses tun‘ “ (Zeph. 1:6, 12). Paulus spricht in seinem Brief an die Hebräer ebenfalls von einem kommenden Gerichtstag und warnt davor zurückzuweichen. Dann fügt er hinzu: „Wir nun sind nicht von denen, die zur Vernichtung zurückweichen, sondern von denen, die Glauben haben zum Lebendigerhalten der Seele“ (Heb. 10:30, 37-39). Nicht zu denen, die aufgeben oder keine Wertschätzung haben, sondern zu denjenigen, die sanftmütig sind und ernsthaft Jehova im Glauben suchen, sagt der Prophet: „Wahrscheinlich könnt ihr am Tag des Zornes Jehovas geborgen werden.“ Wieso „wahrscheinlich“? Weil jemandes endgültige Rettung von seiner Handlungsweise abhängt (Mat. 24:13). Außerdem werden wir so daran erinnert, daß wir nicht auf Jehovas Barmherzigkeit pochen können. Zephanjas Prophezeiung läßt keinen Zweifel daran, daß jener Tag über die Ahnungslosen plötzlich hereinbrechen wird (Zeph. 2:3; 1:14, 15; 3:8).

      12. Aus welchem Grund können gemäß den Worten Zephanjas diejenigen, die ‘Jehova suchen’, Mut fassen?

      12 Es handelt sich also um eine Botschaft, durch die für diejenigen, die gegen Jehova sündigen, Vernichtung angekündigt wird, aber Segnungen für diejenigen, die reumütig ‘Jehova suchen’. Diese können Mut fassen, denn gemäß den Worten Zephanjas ‘ist der König Israels, Jehova, in ihrer Mitte’. Es ist für Zion nicht an der Zeit, furchtsam zu sein und die Hände erschlaffen zu lassen. Es ist eine Zeit, in der es auf Jehova vertrauen muß. „Als ein Starker wird er retten. Er wird mit Freuden über dich frohlocken. Er wird schweigen in seiner Liebe. Er wird sich über dich freuen mit Jubelrufen.“ Glücklich ist auch, wer im Vertrauen darauf, daß Jehova ihn liebevoll beschützen und ewig segnen wird, ‘zuerst das Königreich sucht’ (3:15-17).

      [Fußnoten]

      a McClintocks und Strongs Cyclopedia, 1981, Nachdruck, Band VII, Seite 112.

      b C. W. Ceram, Götter, Gräber und Gelehrte, 1959, Seite 303.

      c Flavius Josephus, Jüdische Altertümer, 10. Buch, Kapitel 9, Absatz 7.

  • 37. Bibelbuch — Haggai
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 37. Bibelbuch — Haggai

      Schreiber: Haggai

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: 520 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 112 Tage (520 v. u. Z.)

      1, 2. Welcher Aufschluß wird über den Propheten Haggai gegeben, und inwiefern diente seine Botschaft einem doppelten Zweck?

      SEIN Name war Haggai. Er war ein Prophet, ein „Bote Jehovas“ (Hag. 1:13). Aber woher stammte er? Wer war er? Haggai ist der zehnte der sogenannten Kleinen Propheten, und er war der erste der drei Propheten, die nach der Rückkehr der Juden in ihre Heimat (im Jahre 537 v. u. Z.) tätig waren; die beiden anderen waren Sacharja und Maleachi. Haggais Name (hebräisch: Chaggáj) bedeutet „(An einem) Fest (geboren)“. Das mag andeuten, daß er an einem Festtag geboren wurde.

      2 Die jüdische Tradition läßt den vernünftigen Schluß zu, daß Haggai in Babylon geboren wurde und mit Serubbabel und dem Hohenpriester Josua nach Jerusalem zurückkehrte. Haggai wirkte Seite an Seite mit dem Propheten Sacharja, und aus Esra 5:1 und 6:14 geht hervor, daß beide die Söhne des Exils anspornten, die Tempelbauarbeiten wiederaufzunehmen. Haggai war in doppelter Hinsicht ein Prophet Jehovas: Er ermahnte die Juden, ihre Pflichten gegenüber Gott zu erfüllen, und sagte unter anderem das Erschüttern aller Nationen voraus (Hag. 2:6, 7).

      3. Was zeigt, daß die Juden den Zweck ihrer Rückkehr aus dem Exil nicht erkannt hatten?

      3 Warum beauftragte Jehova Haggai? Aus folgendem Grund: Im Jahre 537 v. u. Z. hatte Cyrus die Verordnung erlassen, die den Juden gestattete, in ihre Heimat zurückzukehren, um das Haus Jehovas wieder aufzubauen. Doch jetzt, im Jahre 520 v. u. Z., war der Tempel noch längst nicht vollendet. Während all dieser Jahre hatten sich die Juden durch feindlichen Widerstand, durch ihre Gleichgültigkeit und durch materialistisches Streben davon abhalten lassen, den eigentlichen Zweck ihrer Rückkehr zu erfüllen (Esra 1:1-4; 3:10-13; 4:1-24; Hag. 1:4).

      4. Was hatte die Arbeiten am Tempel behindert, aber was geschah, als Haggai zu prophezeien begann?

      4 Kaum war der Grund des Tempels gelegt (536 v. u. Z.) — so zeigt der Bericht —, da „schwächte das Volk des Landes die Hände des Volkes von Juda ständig und schreckte sie vom Bauen ab und dingte Ratgeber gegen sie, um ihren Rat zu vereiteln“ (Esra 4:4, 5). Schließlich erreichten die nichtjüdischen Gegner im Jahre 522 v. u. Z., daß die Arbeit offiziell verboten wurde. Im zweiten Jahr der Regierung des persischen Königs Darius Hystaspis (520 v. u. Z.) begann dann Haggai zu prophezeien, und das spornte die Juden an, die Tempelbauarbeiten wiederaufzunehmen. Daraufhin sandten die benachbarten Statthalter an Darius einen Brief mit der Bitte, in der Angelegenheit das entscheidende Wort zu sprechen. Darius erneuerte die Verordnung des Cyrus und unterstützte die Juden, nicht ihre Feinde.

      5. Was beweist, daß das Buch Haggai zum Bibelkanon gehört?

      5 Daß die Prophezeiung Haggais zum hebräischen Kanon gehört, ist von den Juden nie in Frage gestellt worden; das geht auch aus Esra 5:1 (ebenso aus Esra 6:14) hervor, wo gesagt wird, daß Haggai „im Namen des Gottes Israels“ prophezeite. Paulus bestätigt ebenfalls, daß Haggais Prophezeiung zu der ‘ganzen von Gott inspirierten Schrift’ gehört, denn in Hebräer 12:26 zitiert er daraus: „Jetzt aber hat er verheißen und gesagt: ‚Noch einmal will ich nicht nur die Erde in Bewegung bringen, sondern auch den Himmel‘ “ (Hag. 2:6).

      6. Woraus besteht die Prophezeiung Haggais, und was zeigt, daß der Name Jehovas darin besonders betont wird?

      6 Haggais Prophezeiung besteht aus vier Botschaften, die im Verlauf von 112 Tagen bekanntgemacht wurden. Seine Sprache ist einfach und direkt, und besonders auffallend ist seine Betonung des Namens Jehovas. In den 38 Versen erwähnt er den Namen Jehovas 35mal — 14mal in dem Ausdruck „Jehova der Heerscharen“. Er läßt keinen Zweifel daran, daß seine Botschaft von Jehova ist: „Und Haggai, der Bote Jehovas, sprach gemäß Jehovas Auftrag an den Boten weiter zum Volk, indem er sagte: ‚Ich bin mit euch‘ ist der Ausspruch Jehovas“ (Hag. 1:13).

      7. Wozu ermunterte Haggai die Juden, und um welches Thema dreht sich seine Botschaft?

      7 Haggai lebte in einer bedeutungsvollen Zeit in der Geschichte des Volkes Gottes, und seine Tätigkeit war von größtem Nutzen. Er vernachlässigte seine Aufgabe als Prophet nicht im geringsten; er nahm den Juden gegenüber kein Blatt vor den Mund. Er sagte ihnen geradeheraus, daß sie jetzt nicht mehr zögern sollten, sondern etwas tun müßten. Es war an der Zeit, das Haus Jehovas wieder aufzubauen und die reine Anbetung wiederherzustellen, sofern sie von Jehova gesegnet werden wollten. Das Thema der Botschaft Haggais dreht sich darum, daß man Jehova, dem wahren Gott, dienen und das tun muß, was er gebietet, wenn man seine Segnungen genießen möchte.

      INHALT DES BUCHES HAGGAI

      8. Warum werden die Juden von Jehova in materieller Hinsicht nicht mehr gesegnet?

      8 Die erste Botschaft (1:1-15). Sie ist an den Statthalter Serubbabel und den Hohenpriester Josua gerichtet, aber vor den Ohren des Volkes. Das Volk hat gesagt: „Die Zeit ist nicht gekommen, die Zeit des Hauses Jehovas, daß es gebaut wird.“ Jehova stellt durch Haggai die tiefgründige Frage: „Ist es für euch selbst die Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus wüst liegt?“ (1:2, 4). Sie haben in materieller Hinsicht viel gesät, aber es hat ihnen, was Nahrung und Kleidung betrifft, wenig Nutzen gebracht. „Richtet euer Herz auf eure Wege!“ ermahnt Jehova sie (1:7). Es ist höchste Zeit, Bauholz herbeizubringen und das Haus zu bauen, damit Jehova verherrlicht werde. Ihre eigenen Häuser pflegen die Juden gut, aber das Haus Jehovas liegt wüst. Darum hat Jehova den Tau des Himmels und den Ertrag des Feldes zurückgehalten, und den Menschen und seine Mühe segnet er nicht mehr.

      9. Wodurch rüttelt Jehova die Juden auf, ans Werk zu gehen?

      9 Endlich haben sie es begriffen! Haggai hat nicht vergeblich prophezeit. Die Regierenden und das Volk beginnen, „auf die Stimme Jehovas, ihres Gottes, ... zu hören“. Anstelle von Menschenfurcht tritt die Furcht Jehovas. Er gibt ihnen durch seinen Boten Haggai die Zusicherung: „Ich bin mit euch“ (1:12, 13). Jehova erweckt den Geist des Statthalters, den Geist des Hohenpriesters und den Geist der Übriggebliebenen seines Volkes. Genau 23 Tage nachdem Haggai zu prophezeien begonnen hat, gehen sie trotz des Verbots der persischen Regierung ans Werk.

      10. Was denken einige Juden über den Tempel, den sie bauen, doch was verheißt Jehova?

      10 Die zweite Botschaft (2:1-9). Weniger als einen Monat nach der Wiederaufnahme der Bautätigkeit äußert Haggai seine zweite inspirierte Botschaft. Sie ist an Serubbabel, Josua und die Übriggebliebenen des Volkes gerichtet. Anscheinend finden einige der aus dem Exil zurückgekehrten Juden, die noch den Tempel Salomos gesehen hatten, daß der jetzige Tempel im Vergleich dazu nichts ist. Doch was sagt Jehova der Heerscharen? „Seid stark ... und arbeitet. ... Denn ich bin mit euch“ (2:4). Jehova erinnert sie an den Bund, den er mit ihnen geschlossen hat, und sagt, sie sollten sich nicht fürchten. Er stärkt sie durch die Verheißung, daß er alle Nationen erschüttern, ihre begehrenswerten Dinge hereinkommen lassen und sein Haus mit Herrlichkeit füllen werde. Die Herrlichkeit dieses späteren Hauses soll sogar größer sein als die des früheren, und an dieser Stätte wird er Frieden geben.

      11. (a) Durch welchen Vergleich weist Haggai auf das Versäumnis der Priester hin? (b) Wie hat es sich ausgewirkt?

      11 Die dritte Botschaft (2:10-19). Zwei Monate und drei Tage später wendet sich Haggai an die Priester. Damit sie begreifen, was er sagen will, benutzt er einen Vergleich: Kann heiliges Fleisch, das ein Priester trägt, andere Speisen, die er berührt, heilig machen? Die Antwort lautet nein. Wird jemand, der etwas Unreines — beispielsweise eine Leiche — berührt, dadurch unrein? Die Antwort lautet ja. Dann wendet Haggai den Vergleich an. Das Volk des Landes ist unrein, weil es die reine Anbetung vernachlässigt. Was immer sie opfern, ist in Jehovas Augen unrein. Deswegen hat er ihre mühevolle Arbeit nicht mehr gesegnet, ja er hat ihnen Getreidebrand, Mehltau und Hagel geschickt. Sie sollen ihre Wege ändern. Dann wird Jehova sie segnen.

      12. Was besagt Haggais letzte Botschaft an Serubbabel?

      12 Die vierte Botschaft (2:20-23). Haggai richtet diese Botschaft am selben Tag aus wie die dritte, aber sie ist an Serubbabel gerichtet. Erneut spricht Jehova vom ‘Erschüttern der Himmel und der Erde’, doch diesmal geht er noch weiter, indem er von der vollständigen Vernichtung der Königreiche der Nationen spricht. Viele werden niedersinken, „jeder durch das Schwert seines Bruders“ (2:21, 22). Haggai schließt seine Prophezeiung mit Jehovas Verheißung ab, Serubbabel zu segnen.

      WIESO NÜTZLICH

      13. Welchen unmittelbaren Nutzen hatte die prophetische Tätigkeit Haggais?

      13 Die vier Botschaften, die Jehova durch Haggai übermitteln ließ, waren für die Juden damals nützlich. Sie wurden dadurch angespornt, sich unverzüglich an die Arbeit zu machen, und in viereinhalb Jahren war der Tempel vollendet, was zur Folge hatte, daß die wahre Anbetung in Israel gefördert wurde (Esra 6:14, 15). Jehova segnete ihre eifrige Tätigkeit. Während die Arbeiten am Tempel im Gange waren, forschte Darius, der König von Persien, in den Staatsurkunden nach und bestätigte den Erlaß des Cyrus. Der Tempelbau wurde also mit seiner Unterstützung vollendet (Esra 6:1-13).

      14. Welcher weise Rat Haggais gilt auch für unsere Zeit?

      14 Die Prophezeiung enthält auch weisen Rat für unsere Zeit. Inwiefern? Sie unterstreicht die Notwendigkeit, die Interessen der Gottesanbetung den eigenen Interessen voranzustellen (Hag. 1:2-8; Mat. 6:33). Außerdem läßt sie deutlich erkennen, daß Selbstsucht völlig sinnlos ist, daß es keinen Zweck hat, materialistische Interessen zu verfolgen; der Frieden und der Segen Jehovas — sie machen reich (Hag. 1:9-11; 2:9; Spr. 10:22). Die Prophezeiung betont ferner, daß der Dienst für Gott an sich nicht rein macht, es sei denn, er ist rein und wird mit ganzer Seele verrichtet; er darf nicht durch einen unsauberen Lebenswandel befleckt sein (Hag. 2:10-14; Kol. 3:23; Röm. 6:19). Sie zeigt außerdem, daß Gottes Diener keine Pessimisten sein dürfen, die sich nach der „guten alten Zeit“ zurücksehnen, sondern daß sie vorwärtsblicken, ‘ihr Herz auf ihre Wege richten’ und bestrebt sein müssen, Jehova zu verherrlichen. Dann wird Jehova mit ihnen sein (Hag. 2:3, 4; 1:7, 8, 13; Phil. 3:13, 14; Röm. 8:31).

      15. Wozu führt gemäß dem Buch Haggai eifriger Gehorsam?

      15 Sobald die Juden die Tempelarbeiten wiederaufnahmen, wurden sie von Jehova gesegnet, und sie hatten Gelingen. Hindernisse verschwanden. Der Bau wurde in verhältnismäßig kurzer Zeit vollendet. Furchtlose, eifrige Tätigkeit für Jehova wird immer belohnt. Schwierigkeiten, ob wirkliche oder vermeintliche, können durch Mut und Glauben überwunden werden. Gehorsam gegenüber dem „Wort Jehovas“ führt zu Ergebnissen (Hag. 1:1).

      16. Welche Verbindung besteht zwischen der Prophezeiung Haggais und der Königreichshoffnung, und wozu sollte sie uns heute anspornen?

      16 Was ist zu der Prophezeiung zu sagen, daß ‘Jehova die Himmel und die Erde erschüttern wird’? Der Apostel Paulus wendet Haggai 2:6 wie folgt an: „Jetzt aber hat er [Gott] verheißen und gesagt: ‚Noch einmal will ich nicht nur die Erde in Bewegung bringen, sondern auch den Himmel.‘ Der Ausdruck nun ‚noch einmal‘ zeigt die Beseitigung der Dinge an, die erschüttert werden, nämlich der Dinge, die gemacht worden sind, damit die Dinge, die nicht erschüttert werden, bleiben mögen. Darum, da wir ein Königreich empfangen sollen, das nicht erschüttert werden kann, mögen wir fernerhin unverdiente Güte haben, durch die wir Gott auf annehmbare Weise heiligen Dienst darbringen können, mit Gottesfurcht und Scheu. Denn unser Gott ist auch ein verzehrendes Feuer“ (Heb. 12:26-29). Haggai zeigt, daß durch das Erschüttern ‘der Thron von Königreichen umgestürzt und die Stärke der Königreiche der Nationen vertilgt wird’ (Hag. 2:21, 22). Paulus, der diese Prophezeiung anführt, sagt dagegen, daß Gottes Königreich „nicht erschüttert werden kann“. Im Gedanken an die Königreichshoffnung wollen wir ‘stark sein und arbeiten’, indem wir Gott heiligen Dienst darbringen. Denken wir auch daran, daß die Nationen, bevor Jehova sie umstürzt, erregt werden, damit etwas Kostbares aus ihnen herauskommt, etwas, was überleben wird: „ ‚Ich will alle Nationen erschüttern, und die begehrenswerten Dinge aller Nationen sollen hereinkommen; und ich will dieses Haus mit Herrlichkeit füllen‘, hat Jehova der Heerscharen gesprochen“ (2:4, 7).

  • 38. Bibelbuch — Sacharja
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 38. Bibelbuch — Sacharja

      Schreiber: Sacharja

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: 518 v. u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 520—518 v. u. Z.

      1. Wie sah es am Tempel in Jerusalem aus, als Sacharja zu prophezeien anfing?

      DIE Bauarbeiten ruhten. So sah es am Tempel Jehovas in Jerusalem aus, als Sacharja zu prophezeien anfing. Salomo baute zu seiner Zeit den Tempel in 7 1/2 Jahren (1. Kö. 6:37, 38); die repatriierten Juden hingegen waren schon 17 Jahre wieder in Jerusalem, und der Tempelbau war noch lange nicht vollendet. Als Artaxerxes (entweder Bardiya oder Gaumata) gebot, das Bauen zu unterlassen, wurden die Arbeiten ganz eingestellt. Aber dann kamen sie trotz des offiziellen Verbots wieder in Gang. Jehova gebrauchte Haggai und Sacharja, um die Juden aufzurütteln und sie zu veranlassen weiterzubauen, bis die Arbeit vollendet wäre (Esra 4:23, 24; 5:1, 2).

      2. Warum erschien den Juden die Aufgabe wie ein großer Berg, aber worauf lenkte Sacharja ihre Aufmerksamkeit?

      2 Die vor ihnen liegende Aufgabe erschien ihnen wie ein großer Berg (Sach. 4:6, 7). Sie waren wenige, die Gegner aber zahlreich; zwar hatten sie einen Fürsten aus der Linie Davids, Serubbabel, aber sie hatten keinen König, sondern Fremde herrschten über sie. Wie leicht war es da, schwach und egozentrisch zu werden, während die Verhältnisse einen starken Glauben und Tatkraft erforderten. Sacharja wurde dazu gebraucht, ihre Aufmerksamkeit auf Gottes gegenwärtige Vorsätze und sogar auf die noch großartigeren zukünftigen Vorsätze zu lenken und sie so für die Aufgabe zu stärken, die es zu bewältigen galt (8:9, 13). Sie sollten nicht so sein wie ihre undankbaren Vorväter (1:5, 6).

      3. (a) Wie wird Sacharja kenntlich gemacht, und wieso ist sein Name passend? (b) Wann hat Sacharja prophezeit, und wann hat er die Prophezeiung niedergeschrieben?

      3 Wer war Sacharja? In der Bibel werden etwa 30 verschiedene Personen mit dem Namen Sacharja erwähnt. Der Schreiber des Buches, das diesen Namen trägt, wird jedoch als ‘Sacharja, der Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos, der Prophet’ kenntlich gemacht (Sach. 1:1; Esra 5:1; Neh. 12:12, 16). Sein Name (hebräisch: Secharjáh) bedeutet „Erinnert hat sich Jehova“. Das Buch Sacharja macht sehr deutlich, daß „Jehova der Heerscharen“ sich seines Volkes erinnert, um wegen seines Namens gut an ihm zu handeln (Sach. 1:3). Nach den in dem Buch erwähnten Zeitangaben umfaßt der behandelte Zeitraum mindestens zwei Jahre. „Im achten Monat, im zweiten Jahr des Darius“ (Oktober/November 520 v. u. Z.), wurde die Arbeit am Tempel wiederaufgenommen, und Sacharja begann zu prophezeien (1:1). Das Buch erwähnt auch ‘das vierte Jahr des Königs Darius, den vierten Tag des neunten Monats, das heißt des Monats Kislew’ (ungefähr der 1. Dezember 518 v. u. Z.) (7:1). Daher prophezeite Sacharja zweifellos in den Jahren 520—518 v. u. Z. und schrieb seine Prophezeiung auch in dieser Zeit nieder (Esra 4:24).

      4, 5. (a) Warum sagte Sacharja die Zerstörung von Tyrus lange nach der Belagerung jener Stadt durch Nebukadnezar voraus? (b) Durch die Erfüllung welcher besonderen Prophezeiungen wird die Inspiration des Buches überzeugend bewiesen?

      4 Leser des Buches Sacharja finden genügend Beweise für seine Glaubwürdigkeit. Ein Beispiel ist Tyrus. Der babylonische König Nebukadnezar zerstörte Tyrus, nachdem er es 13 Jahre lang belagert hatte. Das bedeutete jedoch nicht das völlige Ende von Tyrus. Sacharja sagte viele Jahre danach die völlige Zerstörung von Tyrus voraus. Es war die Inselstadt Tyrus, die Alexander der Große eroberte, nachdem er seinen berühmten Damm gebaut hatte; er verbrannte sie ohne Erbarmen und erfüllte so die etwa zweihundert Jahre zuvor geäußerte Prophezeiung Sacharjasa (Sach. 9:2-4).

      5 Der überzeugendste Beweis für die göttliche Inspiration des Buches sind jedoch seine messianischen Prophezeiungen, die sich an Christus Jesus erfüllt haben. Man vergleiche Sacharja 9:9 mit Matthäus 21:4, 5 und Johannes 12:14-16; Sacharja 12:10 mit Johannes 19:34-37; Sacharja 13:7 mit Matthäus 26:31 und Markus 14:27. Außerdem beachte man die Ähnlichkeiten zwischen Sacharja 8:16 und Epheser 4:25; Sacharja 3:2 und Judas 9; zwischen Sacharja 14:5 und Judas 14. Wahrlich, die Harmonie in Gottes Wort ist wunderbar!

      6. (a) Was erklärt den veränderten Stil vom 9. Kapitel des Buches Sacharja an? (b) Was kann der Grund dafür gewesen sein, daß Matthäus die Worte aus Sacharja „Jeremia“ zuschrieb?

      6 Einige Bibelkritiker behaupten, daß der Stil ab Kapitel 9 so anders sei, daß Sacharja unmöglich der Schreiber sein könne. Der veränderte Stil ist jedoch ohne weiteres mit dem ganz anderen Stoff, der darin behandelt wird, zu erklären. Während die ersten acht Kapitel Dinge zum Thema haben, die für das Volk der Tage Sacharjas wichtig waren, schaut der Prophet in den Kapiteln 9 bis 14 in eine ferne Zukunft. Einige haben gefragt, wieso es komme, daß Matthäus aus Sacharja zitiere, aber die Worte Jeremia zuschreibe (Mat. 27:9; Sach. 11:12). Es scheint, daß Jeremia manchmal als das erste Buch der späteren Propheten angesehen wurde (anstatt Jesaja wie in unseren heutigen Bibeln); mithin kann Matthäus, als er sich auf Sacharja als „Jeremia“ bezog, dem jüdischen Brauch gefolgt sein, eine ganze Abteilung der Heiligen Schrift mit dem Namen des ersten Buches der Abteilung zu bezeichnen. Jesus sprach von den „Psalmen“ und meinte damit alle Bücher, die als die „Schriften“ bekannt sind (Luk. 24:44).b

      7. Wie ist das Buch Sacharja angeordnet?

      7 Bis zum Kapitel 6, Vers 8 besteht das Buch aus einer Reihe von acht Visionen — ähnlich den Visionen Daniels und Hesekiels —, die sich im allgemeinen auf die Wiederherstellung des Tempels beziehen. Dann folgen prophetische Sprüche und Prophezeiungen über die wahre Anbetung, die Wiederherstellung und den Tag, an dem Jehova Krieg führt.

      INHALT DES BUCHES SACHARJA

      8. Was zeigt die Vision von den vier Reitern in bezug auf Jerusalem und die Nationen?

      8 Erste Vision: die vier Reiter (1:1-17). „Kehrt um zu mir ..., und ich werde zu euch umkehren“, sagt Jehova und fragt dann: „Was jedoch meine Worte und meine Bestimmungen betrifft, die ich meinen Knechten, den Propheten, gebot, erreichten sie nicht eure Väter?“ (1:3, 6). Das Volk gibt zu, daß es den ihm gebührenden Lohn empfangen hat. Nun hat Sacharja seine erste Vision. In der Nacht stehen vier Reiter zwischen Bäumen nahe bei Jerusalem. Sie sind vom Besichtigen der ganzen Erde zurückgekehrt, die sie ruhig und sorglos vorgefunden haben. Aber Jehovas Engel, der sie befragt, ist über die Verhältnisse in Jerusalem beunruhigt. Jehova erklärt, daß er mit großem Zorn gegen die Nationen erzürnt sei, die zu Zions Unglück geholfen hätten, auch sagt er, daß er „gewiß zu Jerusalem mit Erbarmungen umkehren“ werde. Sein eigenes Haus wird darin gebaut werden, und seine Städte „werden noch von Gutem überfließen“ (1:16, 17).

      9. Wie erklärt Jehova die Vision von den Hörnern und den Handwerkern?

      9 Zweite Vision: die Hörner und die Handwerker (1:18-21). Sacharja sieht die vier Hörner, die Juda, Israel und Jerusalem versprengten. Dann zeigt ihm Jehova vier Handwerker und erklärt, daß diese kommen würden, um die Hörner der Nationen niederzuwerfen, die sich gegen Juda erheben.

      10. Welche Rolle spielt Jehova bei Jerusalems Wohlfahrt?

      10 Dritte Vision: Jerusalems Wohlfahrt (2:1-13). Man sieht einen Mann, der Jerusalem mißt. Die Stadt wird mit Ausdehnung gesegnet werden, und Jehova wird für sie eine Mauer von Feuer ringsum und Herrlichkeit in ihrer Mitte werden. „Heda, Zion! Entrinne“, ruft er aus und fügt die Warnung hinzu: „Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an“ (2:7, 8). Zion wird sich freuen, weil Jehova in seiner Mitte weilt, und viele Nationen werden sich Jehova anschließen. Allem Fleisch wird geboten, Schweigen vor Jehova zu bewahren, „denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Wohnung“ (2:13).

      11. Wie wird der Hohepriester Josua gerechtfertigt, und wie soll er handeln?

      11 Vierte Vision: Josuas Freispruch (3:1-10). Dem Propheten wird Josua, der Hohepriester, vor Gericht stehend, gezeigt, wobei Satan ihm widersteht und der Engel Jehovas Satan schilt. Ist Josua nicht „ein aus dem Feuer herausgerissenes Holzscheit“? (3:2). Josua wird für rein erklärt, und seine beschmutzten Kleider werden gegen saubere „Festkleider“ ausgetauscht. Er wird gedrängt, auf Jehovas Wegen zu wandeln, der ‘seinen Knecht Sproß kommen läßt’ und vor Josua einen Stein legt, auf dem sieben Augen sind (3:4, 8).

      12. Welche Ermunterung und welche Zusicherung werden in Verbindung mit dem Tempelbau gegeben?

      12 Fünfte Vision: der Leuchter und die Olivenbäume (4:1-14). Der Engel weckt Sacharja und läßt ihn einen goldenen Leuchter mit sieben Lampen sehen, und links und rechts davon steht je ein Olivenbaum. Er hört folgendes Wort Jehovas an Serubbabel: ‘Nicht durch eine Streitmacht noch durch Kraft, sondern durch Gottes Geist’. Ein „großer Berg“ wird vor Serubbabel eingeebnet, und der Hauptstein des Tempels wird hervorgebracht werden unter dem Zuruf: „Wie lieblich! Wie lieblich!“ Serubbabel hat die Grundlage des Tempels gelegt, und Serubbabel wird das Werk beenden. Die sieben Lampen sind Jehovas Augen, die ‘auf der ganzen Erde umherschweifen’ (4:6, 7, 10). Die beiden Olivenbäume sind die zwei Gesalbten Jehovas.

      13—15. Was sieht Sacharja in der Vision von der fliegenden Buchrolle, vom Epha-Maß und von den vier Wagen?

      13 Sechste Vision: die fliegende Buchrolle (5:1-4). Sacharja sieht eine fliegende Buchrolle, etwa 9 m lang und 4,50 m breit. Der Engel erklärt, daß dies der Fluch sei, der wegen aller Diebe und aller, die im Namen Jehovas falsch schwören, ausgehe.

      14 Siebte Vision: das Epha-Maß (5:5-11). Von einem Epha-Maß (etwa 22 l) wird der Deckel abgehoben, worauf eine Frau namens „Bosheit“ zu sehen ist. Sie wird in das Epha zurückgeworfen, das dann von zwei Frauen, die Flügel haben, himmelwärts gehoben und nach Schinar (Babylon) getragen wird, wo die Bosheit ‘auf ihren rechten Platz niedergesetzt wird’ (5:8, 11).

      15 Achte Vision: die vier Wagen (6:1-8). Zwischen zwei Kupferbergen kommen vier Wagen mit Pferden von unterschiedlicher Farbe hervor. Es sind die vier Geister der Himmel. Auf das Gebot des Engels hin ziehen sie auf der Erde umher.

      16. Was wird über den „Sproß“ prophezeit?

      16 Der Sproß; unaufrichtiges Fasten (6:9⁠—⁠7:14). Jehova weist Sacharja nun an, dem Hohenpriester Josua eine prächtige Krone auf das Haupt zu setzen. Er spricht prophetisch von dem „Sproß“, der den Tempel Jehovas bauen und als Priester auf seinem Thron herrschen wird (6:12).

      17. Was wünscht Jehova in bezug auf Anbetung, und was widerfährt denen, die seinen Worten widerstehen?

      17 Zwei Jahre nachdem Sacharja zu prophezeien begonnen hat, trifft eine Abordnung aus Bethel ein, um die Priester, die zum Tempel gehörten, zu fragen, ob man weiterhin in bestimmten Monaten weinen und fasten sollte. Durch Sacharja fragt Jehova das Volk und die Priester, ob sie wirklich aufrichtig fasten würden. Was Jehova wünscht, ist ‘Gehorsam, wahres Recht, liebende Güte und Erbarmungen’ (7:7, 9). Weil sie seinen prophetischen Worten mit störrischen Schultern und einem Herzen wie Schmirgelstein widerstehen, wird er sie im Sturm unter alle Nationen schleudern.

      18. Welch herrliche Verheißungen über eine Wiederherstellung gibt Jehova?

      18 Wiederherstellung; „zehn Männer“ (8:1-23). Jehova verkündet, er wolle zu Zion zurückkehren und in Jerusalem weilen, das „die Stadt der Wahrhaftigkeit“ genannt werden wird. Auf ihren öffentlichen Plätzen werden wieder alte Leute sitzen, und Kinder werden dort spielen. Das ist für Jehova, den wahrhaftigen und gerechten Gott, nicht zu schwierig. Jehova verheißt dem Überrest seines Volkes die Saat des Friedens und sagt: „Fürchtet euch nicht. Mögen eure Hände stark sein“ (8:3, 13). Folgende Dinge sollen sie tun: die Wahrheit miteinander reden und mit Wahrheit richten, in ihrem Herzen nicht Unglück planen und falschen Eid nicht lieben. Nun, die Zeit wird kommen, da die Bewohner vieler Städte einander bestimmt auffordern werden, allen Ernstes hinzugehen, um Jehova zu suchen, und „zehn Männer“ aus allen Sprachen werden „den Rocksaum eines Mannes ergreifen, der ein Jude ist“, und mit Gottes Volk gehen (8:23).

      19. Welche scharfen prophetischen Sprüche folgen, aber was wird über den König von Jerusalem gesagt?

      19 Prophetische Sprüche gegen Nationen, treulose Hirten (9:1⁠—⁠11:17). Der zweite Teil des Buches — die Kapitel 9 bis 14 — enthält keine Visionen, sondern ist in dem üblicheren prophetischen Stil geschrieben. Er beginnt mit einem scharfen prophetischen Spruch gegen verschiedene Städte, auch gegen Tyrus, die Stadt auf der Felseninsel. Jerusalem wird geboten, zu frohlocken und im Triumph zu jauchzen, denn: „Siehe! Dein König selbst kommt zu dir. Er ist gerecht, ja gerettet, demütig und auf einem Esel reitend“ (9:9). Er wird die Kriegswagen und den Kriegsbogen wegtilgen und zu den Nationen Frieden reden, auch wird er bis an die Enden der Erde herrschen. Jehova wird für sein Volk gegen Griechenland kämpfen und es retten. „Denn o wie groß seine Güte ist und wie groß seine Schönheit ist!“ (9:17). Jehova, der den Regen gibt, verurteilt die Wahrsager und die treulosen Hirten. Er wird das Haus Juda überlegen machen und diejenigen von Ephraim gleich einem starken Mann. Was die Erlösten betrifft, „ihr Herz wird frohlocken in Jehova ..., und in seinem Namen werden sie wandeln“ (10:7, 12).

      20. Was wird mit den Stäben „Lieblichkeit“ und „Verbindung“ dargestellt?

      20 Sacharja wird jetzt angewiesen, die Herde zu hüten, die von Hirten, die kein Mitleid kennen, zur Tötung bestimmt ist, die sagen: „Jehova sei gesegnet, während ich Reichtum erlangen werde“ (11:5). Der Prophet nimmt zwei Stäbe und nennt sie „Lieblichkeit“ und „Verbindung“ (11:7). Er zerbricht den Stab „Lieblichkeit“ und symbolisiert so einen gebrochenen Bund. Dann fordert er seinen Lohn, und sie wiegen ihm 30 Silberstücke dar. Jehova befiehlt Sacharja, den Lohn in den Schatz zu werfen, und sagt sarkastisch: „... den majestätischen Wert, den ich von ihnen wertgeachtet worden bin“ (11:13). Nun haut der Prophet den Stab „Verbindung“ in Stücke, um die Brüderschaft zwischen Juda und Israel zu brechen. Ein Schwert wird über die treulosen Hirten kommen, die die Schafe Jehovas vernachlässigt haben.

      21. (a) Wie richtet Jehova diejenigen, die gegen Jerusalem kämpfen? (b) Was wird zerstreut und was geläutert?

      21 Jehova führt Krieg, wird König (12:1⁠—⁠14:21). Ein weiterer prophetischer Spruch beginnt. Jehova wird Jerusalem zu einer Schale machen, die bewirkt, daß die Völker zu taumeln beginnen, und zu einem Laststein, an dem sich alle, die ihn aufheben, wund reißen. Er wird alle Nationen vertilgen, die gegen Jerusalem kommen. Über das Haus Davids wird Jehova den Geist der Gunst und flehentlicher Bitten ausgießen, und alle werden auf den schauen, den sie durchstochen haben, und um ihn klagen „wie bei der Klage um einen einzigen Sohn“ (12:10). Jehova der Heerscharen verkündet, daß er alle Götzen und falschen Propheten wegtilgen werde; die eigenen Eltern eines solchen Propheten müssen ihn verwunden, so daß er beschämt sein Amtsgewand ablegt. Der mit Jehova verbundene Hirte soll geschlagen und die Herde soll zerstreut werden, aber Jehova wird einen „dritten Teil“ läutern, damit dieser seinen Namen anruft. Jehova wird sagen: „Es ist mein Volk“, und es wird antworten: „Jehova ist mein Gott“ (13:9).

      22. Was widerfährt den Nationen und Jerusalem an dem ‘Jehova gehörenden Tag’?

      22 „Siehe! Es kommt ein Tag, der Jehova gehört.“ Alle Nationen werden Jerusalem angreifen, und die Hälfte der Stadt wird ins Exil gehen, und ein Überrest wird zurückbleiben. Dann wird Jehova ausziehen und gegen jene Nationen Krieg führen „wie am Tag seiner Kriegführung, am Tag des Kampfes“ (14:1, 3). Der Berg der Olivenbäume, östlich von Jerusalem, wird sich von Osten nach Westen spalten, wodurch ein Tal der Zuflucht entsteht. An jenem Tag werden lebendige Wasser von Jerusalem aus nach Osten und nach Westen fließen, im Sommer und im Winter, und „Jehova wird König werden über die ganze Erde“ (14:9). Während Jerusalem in Sicherheit ist, wird Jehova diejenigen strafen, die Krieg gegen Jerusalem führen. Ihr Fleisch, ihre Augen und ihre Zunge werden verwesen, während sie auf ihren Füßen stehen. Verwirrung wird unter ihnen entstehen. Die Hand eines jeden wird sich gegen die seines Nächsten erheben. Diejenigen, die von all den Nationen übrigbleiben, sollen dann „von Jahr zu Jahr hinaufziehen, um sich vor dem König, Jehova der Heerscharen, niederzubeugen“ (14:16).

      WIESO NÜTZLICH

      23. Inwiefern ist die Prophezeiung Sacharjas glaubensstärkend?

      23 Es lohnt sich, die Prophezeiung Sacharjas zu lesen und darüber nachzusinnen, denn dadurch erlangt man glaubensstärkende Erkenntnis. Sacharja lenkt mehr als 50mal die Aufmerksamkeit auf „Jehova der Heerscharen“, der für sein Volk kämpft, es beschützt und es nach Bedarf mit Kraft erfüllt. Als Widerstand, so groß wie ein Berg, die Vollendung des Tempels in Gefahr brachte, erklärte Sacharja: „Dies ist das Wort Jehovas an Serubbabel und lautet: , „Nicht durch eine Streitmacht noch durch Kraft, sondern durch meinen Geist“, hat Jehova der Heerscharen gesagt. Wer bist du, o großer Berg? Vor Serubbabel wirst du zu ebenem Land werden.‘ “ Der Tempel wurde mit der Hilfe des Geistes Jehovas vollendet. Auch heute verflüchtigen sich Hindernisse, wenn man im Glauben an Jehova gegen sie angeht. Es ist so, wie Jesus zu seinen Jüngern sagte: „Wenn ihr Glauben habt von der Größe eines Senfkorns, werdet ihr zu diesem Berg sagen: ‚Rück von hier nach dort!‘, und er wird wegrücken, und nichts wird euch unmöglich sein“ (Sach. 4:6, 7; Mat. 17:20).

      24. Wie wird Loyalität in Sacharja, Kapitel 13 veranschaulicht?

      24 In Kapitel 13, Vers 2 bis 6 veranschaulicht Sacharja die Loyalität, die bis heute ein Kennzeichen der Organisation Jehovas gewesen ist. Sie muß gegenüber jeder menschlichen Beziehung — zum Beispiel gegenüber nahen Verwandten — vorrangig sein. Sollte ein naher Verwandter im Namen Jehovas Falschheit prophezeien, das heißt, sollte er der Königreichsbotschaft widersprechen und versuchen, andere in der Versammlung des Volkes Gottes in seinem Sinne zu beeinflussen, so müssen seine Angehörigen irgendwelche Maßnahmen, die das Rechtskomitee der Versammlung trifft, loyal unterstützen. Die gleiche Haltung muß man gegenüber einem vertrauten Genossen, der Lügen prophezeit, einnehmen, damit er wegen seiner verkehrten Handlungsweise beschämt wird und es ihm im Herzen weh tut.

      25. Wie identifiziert die Prophezeiung Sacharjas in Verbindung mit anderen Schrifttexten den Messias, den „Sproß“, und sein Amt als Hoherpriester und König unter Jehova?

      25 Wie in einem der einleitenden Absätze gezeigt wurde, hat Sacharja genau vorhergesagt, daß Jesus als König, „demütig und auf einem Esel reitend“, in Jerusalem einziehen würde, daß er für „dreißig Silberstücke“ verraten würde, daß seine Jünger zu jener Zeit zerstreut würden und daß ein Soldat ihn am Pfahl mit einem Speer durchstechen würde (Sach. 9:9; 11:12; 13:7; 12:10). Die Prophezeiung spricht auch von einem, dessen Name „Sproß“ ist und der den Tempel Jehovas bauen wird. Vergleicht man damit Jesaja 11:1-10; Jeremia 23:5 und Lukas 1:32, 33, so erkennt man, daß es sich bei dem Sproß um Jesus Christus handelt, der „für immer als König über das Haus Jakob regieren“ wird. Sacharja beschreibt den „Sproß“ als einen „Priester auf seinem Thron“. Das stimmt mit den Worten des Apostels Paulus überein: „Jesus ... [ist] für immer Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks geworden“ sowie: „Er hat sich zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln gesetzt“ (Sach. 6:12, 13; Heb. 6:20; 8:1). Somit weist die Prophezeiung auf den „Sproß“, den Hohenpriester und König, hin, der sich zur Rechten Gottes, der in den Himmeln ist, gesetzt hat, während sie gleichzeitig Jehova als den souveränen Herrscher über alles verkündet: „Und Jehova wird König werden über die ganze Erde. An jenem Tag wird sich Jehova als e i n e r erweisen und sein Name als e i n e r“ (Sach. 14:9).

      26. Auf welchen herrlichen „Tag“ nimmt Sacharja wiederholt Bezug?

      26 Auf diese Zeit bezieht sich der Prophet, der die Redewendung „an jenem Tag“ ungefähr 20mal gebraucht und sogar seine Prophezeiung damit abschließt. Wenn man die Texte, in denen die Redewendung vorkommt, nachliest, sieht man, daß es der Tag sein wird, an dem Jehova die Namen der Götzen wegtilgen und die falschen Propheten entfernen wird (13:2, 4). Es ist der Tag, an dem Jehova gegen die angreifenden Nationen Krieg führt und in ihren Reihen Verwirrung verbreitet, während er sie ausrottet und das ‘Tal seiner Berge’ als Zufluchtsort für sein eigenes Volk schafft (14:1-5, 13; 12:8, 9). Ja, „Jehova, ihr Gott, wird sie an jenem Tag bestimmt retten wie die Kleinviehherde seines Volkes“, und einer wird dem anderen zurufen, während sie unter dem Weinstock und dem Feigenbaum sitzen (Sach. 9:16; 3:10; Mi. 4:4). An diesem herrlichen Tag wird Jehova der Heerscharen inmitten seines Volkes weilen, und „lebendige Wasser [werden] von Jerusalem ausgehen“. Diese Worte Sacharjas weisen auf Dinge hin, die sich „an jenem Tag“ ereignen werden, und sie kündigen einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ an, die in Verbindung mit dem Königreich verheißen worden sind (Sach. 2:11; 14:8; Offb. 21:1-3; 22:1).

      27. Wie lenkt die Prophezeiung Sacharjas die Aufmerksamkeit auf die Heiligung des Namens Jehovas?

      27 „Wer hat den Tag kleiner Dinge verachtet?“ fragt Jehova. Die Wohlfahrt soll auf der ganzen Erde sein: „Viele Völker und mächtige Nationen werden tatsächlich kommen, um Jehova der Heerscharen in Jerusalem zu suchen“, und „zehn Männer aus allen Sprachen der Nationen ergreifen, ja sie werden tatsächlich den Rocksaum eines Mannes ergreifen, der ein Jude ist, indem sie sagen: ‚Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott mit euch ist.‘ “ „An jenem Tag“ wird sogar auf den Schellen des Pferdes stehen: „Heiligkeit gehört Jehova!“ Diese herzerquickenden Prophezeiungen zu betrachten ist sehr nützlich, denn sie zeigen, daß der Name Jehovas tatsächlich durch seinen königlichen Samen geheiligt werden wird (Sach. 4:10; 8:22, 23; 14:20).

      [Fußnoten]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 531, TYRUS.

      b Encyclopaedia Judaica, 1973, Band 4, Spalte 828; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1094, 1095.

  • 39. Bibelbuch — Maleachi
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 39. Bibelbuch — Maleachi

      Schreiber: Maleachi

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: nach 443 v. u. Z.

      1. Woraus geht deutlich hervor, daß Maleachi für Jehova eiferte?

      WER war Maleachi? Über seine Abstammung oder sein Leben gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Aus dem Inhalt seiner Prophezeiung geht jedoch ziemlich deutlich hervor, daß er Jehova Gott bedingungslos ergeben war, seinen Namen verteidigte und die reine Anbetung unterstützte und daß er starken Unwillen gegenüber denen empfand, die zwar vorgaben, Gottes Interessen zu vertreten, die aber nur ihre eigenen Interessen im Sinn hatten. Der Name Jehovas wird in den vier Kapiteln der Prophezeiung Maleachis 48mal erwähnt.

      2. Was bedeutet möglicherweise Maleachis Name, und wann hat Maleachi anscheinend gelebt?

      2 Sein Name lautet im Hebräischen Malʼachí, was möglicherweise „Mein Bote“ bedeutet. In den Hebräischen Schriften und in der Septuaginta ist das Buch Maleachi das letzte der zwölf Kleinen Propheten und ist somit auch zeitlich richtig eingeordnet. Gemäß der Überlieferung der Großen Synagoge lebte er nach den Propheten Haggai und Sacharja und war ein Zeitgenosse Nehemias.

      3. Wieso wissen wir, daß die Prophezeiung Maleachis nach 443 v. u. Z. geschrieben wurde?

      3 Wann wurde die Prophezeiung geschrieben? Die Niederschrift erfolgte während der Verwaltung durch einen Statthalter, also in der Zeit des Wiederaufbaus Jerusalems nach der 70jährigen Verwüstung Judas (Mal. 1:8). Wer war aber der Statthalter? Da der Tempeldienst erwähnt wird — allerdings ohne Bezugnahme auf den Tempelbau —, muß die Prophezeiung nach der Zeit des Statthalters Serubbabel, während dessen Amtsperiode der Tempel vollendet wurde, niedergeschrieben worden sein. Die Heilige Schrift nennt nur einen weiteren Statthalter aus dieser Zeit, und zwar Nehemia. Trifft die Prophezeiung auf die Tage Nehemias zu? Von dem Wiederaufbau Jerusalems und seiner Mauer wird im Buch Maleachi nichts erwähnt; somit kommt die anfängliche Zeit der Statthalterschaft Nehemias nicht in Frage. Es wird jedoch viel über die Sünden der Priesterschaft gesagt, was den Zuständen entspricht, die bestanden, als Nehemia ein zweites Mal nach Jerusalem kam, und zwar nachdem König Artaxerxes ihn im Jahre 443 v. u. Z., in seinem 32. Regierungsjahr, nach Babylon abberufen hatte (Mal. 2:1; Neh. 13:6). Übereinstimmende Passagen in den Büchern Maleachi und Nehemia deuten darauf hin, daß sich die Prophezeiung auf ebendiese Zeit bezieht (Mal. 2:4-8, 11, 12 — Neh. 13:11, 15, 23-26; Mal. 3:8-10 — Neh. 13:10-12).

      4. Wodurch wird bewiesen, daß das Buch Maleachi glaubwürdig und inspiriert ist?

      4 Das Buch Maleachi ist von den Juden immer als glaubwürdig anerkannt worden. Zitate daraus in den Christlichen Griechischen Schriften, von denen mehrere erkennen lassen, daß sich Maleachis Prophezeiung erfüllte, beweisen, daß das Buch inspiriert ist und zu dem von der Christenversammlung anerkannten Kanon der Hebräischen Schriften gehörte (Mal. 1:2, 3 — Röm. 9:13; Mal. 3:1 — Mat. 11:10, Luk. 1:76 und 7:27; Mal. 4:5, 6 — Mat. 11:14, 17:10-13, Mar. 9:11-13 und Luk. 1:17).

      5. Welcher schlechte geistige Zustand gab zu Maleachis Prophezeiung Anlaß?

      5 Aus Maleachis Prophezeiung geht hervor, daß der religiöse Eifer und die religiöse Begeisterung, die die Propheten Haggai und Sacharja zur Zeit des Wiederaufbaus des Tempels erweckt hatten, völlig abgeflaut waren. Die Priester waren nachlässig, stolz und selbstgerecht geworden. Tempeldienste wurden nur zum Schein verrichtet. Da die Israeliten dachten, Gott sei an ihnen nicht interessiert, versäumten sie es, den Zehnten zu zahlen und Opfer darzubringen. Sie hatten ihre ganze Hoffnung auf Serubbabel gesetzt, waren aber enttäuscht worden; auch der Messias war nicht gekommen, wie einige es erwartet hatten. Um den geistigen Zustand der Juden war es schlecht bestellt. Wie konnten sie ermuntert werden? Welcher Grund zur Hoffnung bestand? Wie konnte dem Volk geholfen werden, seinen wahren Zustand zu erkennen? Wie konnte es veranlaßt werden, wieder Gerechtigkeit zu üben? Die Prophezeiung Maleachis gibt die Antwort darauf.

      6. Was ist über den Stil Maleachis zu sagen?

      6 Maleachi hat eine direkte Art zu schreiben, und er hat einen ausdrucksvollen Stil. Zuerst stellt er eine These auf, und dann geht er auf die Einwände derer ein, an die er sich gewandt hat. Schließlich kommt er auf seine ursprüngliche These wieder zurück und verteidigt sie. Das untermauert und belebt seine Argumentation. Maleachis Stil zeichnet sich nicht durch erhabene Schönheit aus, sondern er verwendet einen knappen Stil mit überzeugenden Argumenten.

      INHALT DES BUCHES MALEACHI

      7. Wem gegenüber bringt Jehova seine Liebe zum Ausdruck und wem gegenüber seinen Haß?

      7 Jehovas Gebot für die Priester (1:1⁠—⁠2:17). Jehova bringt zuerst zum Ausdruck, daß er sein Volk liebt. Er hat Jakob geliebt und Esau gehaßt. Edom kann ruhig versuchen, seine verwüsteten Orte wieder aufzubauen; Jehova wird sie niederreißen, und sie werden „das Gebiet der Bosheit“ und das von Jehova öffentlich verurteilte Volk genannt werden, denn Jehova wird ‘über dem Gebiet Israels hochgepriesen’ werden (1:4, 5).

      8. Auf welche Weise haben die Priester den Tisch Jehovas verunreinigt, und warum wird ein Fluch über sie kommen?

      8 Nun spricht Jehova unmittelbar die ‘Priester an, die seinen Namen verachten’. Da sie sich zu rechtfertigen suchen, weist Jehova auf ihre blinden, lahmen und kranken Opfer hin und fragt: Wird etwa der Statthalter solche Opfergaben billigen? Jehova hat ebenfalls keinen Gefallen an ihnen. Sein Name soll unter den Nationen erhöht werden, aber diese Männer entheiligen ihn, indem sie sagen: „Der Tisch Jehovas ist etwas Verunreinigtes.“ Ein Fluch wird über sie kommen, denn auf arglistige Weise sind sie durch das Darbringen wertloser Opfer der Bezahlung ihrer Gelübde ausgewichen. „ ‚Denn ich bin ein großer König‘, hat Jehova der Heerscharen gesagt, ‚und mein Name wird furchteinflößend sein unter den Nationen‘ “ (1:6, 12, 14).

      9. Was haben die Priester nicht getan, und wie haben sie Jehovas Heiligkeit entweiht?

      9 Jehova gibt jetzt den Priestern ein Gebot, indem er sagt, daß er einen Fluch über sie und ihre Segnungen senden werde, wenn sie sich diesen Rat nicht zu Herzen nähmen. Er wird den Mist ihrer Feste auf ihre Gesichter streuen, weil sie den Bund Levis nicht gehalten haben. „Denn die Lippen eines Priesters sind es, die Erkenntnis bewahren sollten, und das Gesetz sollte man aus seinem Mund suchen; denn er ist der Bote Jehovas der Heerscharen“ (2:7). Maleachi bekennt die große Sünde Israels und Judas. Sie sind treulos miteinander umgegangen und haben die Heiligkeit Jehovas, ihres Vaters und Schöpfers, entweiht, indem sie die Tochter eines fremdländischen Gottes zur Braut genommen haben. Jehova haben sie aufs äußerste ermüdet. Sie haben sogar gefragt: „Wo ist der Gott des Rechts?“ (2:17).

      10. Was tut der Herr, wenn er als Richter zu seinem Tempel kommt?

      10 Der wahre Herr und der Bote (3:1-18). Die Prophezeiung erreicht nun mit den Worten „Jehovas der Heerscharen“ einen Höhepunkt. Sie lauten: „Siehe! Ich sende meinen Boten, und er soll einen Weg vor mir bahnen. Und plötzlich wird zu SEINEM Tempel kommen der wahre Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, an dem ihr Gefallen habt. Siehe! Er wird gewiß kommen“ (3:1). Als Läuterer wird er die Söhne Levis reinigen und ein schneller Zeuge gegen die Bösen sein, die ihn nicht gefürchtet haben. Jehova ändert sich nicht, und weil sie Söhne Jakobs sind, wird er barmherzig sein und zu ihnen umkehren, vorausgesetzt, daß sie zu ihm umkehren.

      11. Wie sollen die Söhne Jakobs nun Gott prüfen, und welche Segnungen wird das zur Folge haben?

      11 Sie haben Gott beraubt, aber nun sollen sie ihn ruhig prüfen, indem sie ihren Zehnten in das Vorratshaus bringen, damit in seinem Haus Speise ist; und sie können darauf vertrauen, daß er aus den Schleusen der Himmel ein Übermaß an Segen ausschütten wird. Sie werden ein Land des Wohlgefallens und werden von allen Nationen glücklich gepriesen werden. ‘Ihre Worte waren stark gegen Jehova gewesen’, aber einige Juden haben ihm Aufmerksamkeit geschenkt und ihm zugehört. „Ein Gedenkbuch begann vor ihm geschrieben zu werden für diejenigen, die Jehova fürchten, und für diejenigen, die an seinen Namen denken“ (3:16). An dem Tag, an dem Jehova ein besonderes Eigentum hervorbringen wird, werden sie bestimmt sein werden.

      12. Was wird im Hinblick auf Jehovas furchteinflößenden Tag verheißen?

      12 Der große und furchteinflößende Tag Jehovas (4:1-6). An diesem bevorstehenden Tag werden die Bösen verzehrt werden, so daß weder Wurzel noch Zweig übriggelassen werden wird. Aber für diejenigen, die Jehovas Namen fürchten, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufleuchten, und sie werden geheilt werden. Jehova ermahnt sie, des Gesetzes Mose zu gedenken. Er verheißt, vor seinem großen und furchteinflößenden Tag Elia, den Propheten, zu senden. „Und er soll das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne wieder den Vätern, damit ich nicht komme und die Erde tatsächlich mit dem Vernichtungsbann schlage“ (4:6).

      WIESO NÜTZLICH

      13. Was sagt Maleachi über (a) Jehovas Barmherzigkeit und Liebe, (b) die Verantwortung derer, die Gottes Wort lehren, (c) diejenigen, die Gottes Gesetzen und Grundsätzen zuwiderhandeln?

      13 Das Buch Maleachi hilft uns, Jehovas unveränderliche Grundsätze sowie seine Barmherzigkeit und Liebe zu verstehen. Zu Anfang wird darin Gottes große Liebe zu seinem Volk „Jakob“ hervorgehoben. Er sagte zu den Söhnen Jakobs: „Ich bin Jehova; ich habe mich nicht geändert.“ Trotz ihrer großen Bosheit war er bereit, zu seinem Volk umzukehren, wenn es zu ihm umkehren würde. Er ist wirklich ein barmherziger Gott! (Mal. 1:2; 3:6, 7; Röm. 11:28; 2. Mo. 34:6, 7). Jehova betont im Buch Maleachi, daß die Lippen eines Priesters „Erkenntnis bewahren sollten“. Alle, die die Aufgabe haben, das Wort Gottes zu lehren, sollten diesem Gedanken Beachtung schenken und sich vergewissern, daß sie genaue Erkenntnis vermitteln (Mal. 2:7; Phil. 1:9-11; vergleiche Jakobus 3:1). Jehova duldet keine Heuchler, die beweisen wollen, daß ‘Schlechtes zu tun in den Augen Jehovas gut’ ist. Niemand sollte glauben, er könne Jehova dadurch betrügen, daß er das Darbringen eines Opfers für diesen großen König lediglich vortäuscht (Mal. 2:17; 1:14; Kol. 3:23, 24). Jehova wird ein schneller Zeuge gegen alle sein, die seinen gerechten Gesetzen und Grundsätzen zuwiderhandeln; niemand kann erwarten, nach einer schlechten Handlungsweise ungestraft davonzukommen. Jehova wird ihn richten (Mal. 3:5; Heb. 10:30, 31). Die Gerechten können völlig darauf vertrauen, daß Jehova sich an ihre Taten erinnern und sie belohnen wird. Sie sollten wie Jesus dem Gesetz Mose Aufmerksamkeit schenken, denn vieles daraus hat sich an Jesus erfüllt (Mal. 3:16; 4:4; Luk. 24:44, 45).

      14. (a) Worauf weist das Buch Maleachi besonders hin? (b) Wie hat sich Maleachi 3:1 im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung erfüllt?

      14 Als das letzte Buch der inspirierten Hebräischen Schriften weist das Buch Maleachi auf Ereignisse in Verbindung mit dem Kommen des Messias hin, dessen Erscheinen mehr als 400 Jahre später der Grund war, warum die Christlichen Griechischen Schriften aufgezeichnet wurden. Gemäß Maleachi 3:1 sagt Jehova der Heerscharen: „Siehe! Ich sende meinen Boten, und er soll einen Weg vor mir bahnen.“ Der betagte Sacharja erklärte unter Inspiration, daß sich diese Worte an seinem Sohn Johannes dem Täufer erfüllen würden (Luk. 1:76). Jesus Christus bestätigte dies ebenfalls durch die Worte: „[Es] ist kein Größerer erweckt worden als Johannes der Täufer; doch jemand, der ein Geringerer ist im Königreich der Himmel, ist größer als er.“ Johannes war in Übereinstimmung mit der Vorhersage Maleachis gesandt worden, ‘einen Weg zu bereiten’; so gehörte er nicht zu denen, mit denen Jesus später einen Bund für ein Königreich machte (Mat. 11:7-12; Luk. 7:27, 28; 22:28-30).

      15. Wer ist der in der Prophezeiung Maleachis erwähnte „Elia“?

      15 Gemäß Maleachi 4:5, 6 hat Jehova dann folgendes verheißen: „Siehe! Ich sende euch Elia, den Propheten.“ Wer ist dieser „Elia“? Jesus und der Engel, der Sacharja erschienen ist, wenden diese Worte auf Johannes den Täufer an und zeigen, daß ebendieser „alle Dinge wiederherstellen“ und ‘ein zubereitetes Volk für Jehova bereitmachen wird’, das den Messias empfangen soll. Maleachi sagt aber auch, daß „Elia“ der Vorläufer „des großen und furchteinflößenden Tages Jehovas“ sei, und weist so auf eine künftige Erfüllung, auf einen künftigen Tag des Gerichts, hin (Mat. 17:11; Luk. 1:17; Mat. 11:14; Mar. 9:12).

      16. Auf welchen gesegneten Tag weist Maleachi hin, und wozu ermuntert er uns?

      16 Jehova der Heerscharen blickt jenem Tag erwartungsvoll entgegen, denn er sagt: „Vom Aufgang der Sonne selbst bis zu ihrem Untergang wird mein Name groß sein unter den Nationen ... Denn ich bin ein großer König, ... und mein Name wird furchteinflößend sein unter den Nationen.“ Er ist in der Tat furchteinflößend, denn ‘der Tag brennt wie der Ofen, und alle Vermessenen und alle, die Böses tun, sollen wie Stoppeln werden’. Doch glücklich sind diejenigen, die Jehovas Namen fürchten, denn ihnen „wird bestimmt die Sonne der Gerechtigkeit aufleuchten mit Heilung in ihren Flügeln“. Diese Worte lenken die Aufmerksamkeit auf die schöne Zeit, wenn die gehorsamen Glieder der Menschheitsfamilie vollständig geheilt sein werden, und zwar geistig, emotionell, verstandesmäßig und physisch (Offb. 21:3, 4). Dadurch, daß Maleachi auf diesen herrlichen und gesegneten Tag hinweist, ermuntert er uns, unsere Opfer mit ganzem Herzen in Jehovas Haus zu bringen. „ ‚Stellt mich bitte darin auf die Probe‘, hat Jehova der Heerscharen gesprochen, ‚ob ich euch nicht die Schleusen der Himmel öffnen und tatsächlich Segen über euch ausschütten werde, bis kein Bedarf mehr ist‘ “ (Mal. 1:11, 14; 4:1, 2; 3:10).

      17. Mit welcher Aufforderung zum Optimismus werden Maleachis warnende Worte gemildert?

      17 Im letzten Buch der Propheten ist zwar ebenfalls der warnende Hinweis darauf zu finden, daß ‘die Erde mit dem Vernichtungsbann geschlagen wird’, aber es gibt auch Anlaß zum Optimismus und zur Freude, denn Jehova richtet folgende Worte an sein Volk: „Alle Nationen werden euch glücklich preisen müssen, denn ihr selbst werdet ein Land des Wohlgefallens werden“ (Mal. 4:6; 3:12).

  • 40. Bibelbuch — Matthäus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 40. Bibelbuch — Matthäus

      Schreiber: Matthäus

      Ort der Niederschrift: Palästina

      Vollendung der Niederschrift: um 41 u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 2 v. u. Z. bis 33 u. Z.

      1. (a) Welche Verheißung hat Jehova der Menschheit seit Eden vor Augen gehalten? (b) Wie wurde die Hoffnung auf den Messias unter den Juden fest gegründet?

      SEIT der Auflehnung in Eden hat Jehova der Menschheit die tröstende Verheißung vor Augen gehalten, daß er alle, die Gerechtigkeit lieben, durch den Samen seiner „Frau“ befreien wird. Er wollte, daß dieser Same oder Messias aus der Nation Israel hervorging. Im Laufe der Jahrhunderte inspirierte er hebräische Schreiber dazu, viele Prophezeiungen niederzuschreiben, die deutlich machten, daß der Same der Herrscher des Königreiches Gottes sein wird, der für die Heiligung des Namens Jehovas sorgen und diesen für immer von der Schmach, die darauf gebracht worden ist, befreien wird. Diese Propheten ließen, was den Samen betrifft, viele Einzelheiten erkennen, unter anderem auch, daß er Jehova rechtfertigen und Befreiung von Furcht, Bedrückung, Sünde und Tod bringen wird. Mit der Vollendung der Hebräischen Schriften war die Hoffnung auf den Messias unter den Juden fest gegründet.

      2. Inwiefern waren beim Erscheinen des Messias die Umstände für die Verbreitung der guten Botschaft ideal?

      2 In der Zwischenzeit hatte sich die Weltbühne verändert. Als Vorbereitung für das Erscheinen des Messias hatte Gott die Nationen auf geschickte Weise gelenkt, und so waren die Umstände ideal, um die Botschaft von jenem Ereignis weit und breit bekanntzumachen. Die fünfte Weltmacht, Griechenland, hatte für eine gemeinsame Sprache gesorgt, so daß sich die Nationen untereinander verständigen konnten. Rom, die sechste Weltmacht, hatte von sich abhängige Nationen zu einem einzigen Weltreich zusammengeschweißt und Straßen gebaut, damit alle Teile des Reiches erreicht werden konnten. Viele Juden lebten überall in diesem Reich zerstreut, weshalb auch andere von der jüdischen Messiaserwartung hörten. Und nun, mehr als 4 000 Jahre nach der Verheißung in Eden, war der Messias erschienen. Der lang erwartete verheißene Same war gekommen. Die bis dahin wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit nahmen ihren Verlauf, während der Messias hier auf der Erde den Willen seines Vaters treu ausführte.

      3. (a) Wie sorgte Jehova dafür, daß ausführliche Berichte über das Leben Jesu verfaßt wurden? (b) Was ist das Besondere an jedem Evangelium, und weshalb sind alle vier Evangelien notwendig?

      3 Wieder war es an der Zeit, inspirierte Schriften zu verfassen, in denen diese bedeutsamen Ereignisse schriftlich festgehalten wurden. Jehova inspirierte durch seinen Geist vier treue Männer zum Schreiben unabhängiger Berichte und lieferte dadurch eine vierfache Bestätigung, daß Jesus der Messias, der verheißene Same und König, war; außerdem werden uns durch diese Berichte Einzelheiten aus seinem Leben sowie über seinen Dienst, seinen Tod und seine Auferstehung übermittelt. Die Berichte werden Evangelien genannt; das Wort „Evangelium“ bedeutet „gute Botschaft“. Die vier Evangelien sind zwar Parallelberichte und behandeln oft dieselben Geschehnisse, sind aber nicht nur Abschriften voneinander. Die ersten drei werden oft als synoptisch bezeichnet, was „Zusammenschau“ bedeutet, denn vieles, was sie über das Leben Jesu auf der Erde berichten, deckt sich mit den Berichten der anderen. Doch jeder der vier Schreiber — Matthäus, Markus, Lukas und Johannes — hat seinen eigenen Bericht über Christus verfaßt. Jeder hat sein eigenes Thema, verfolgt ein bestimmtes Ziel, gibt seine eigene Persönlichkeit zu erkennen und hat einen speziellen Leserkreis im Sinn. Je mehr wir in den Schriften der Evangelisten forschen, desto deutlicher erkennen wir, daß jedes dieser vier inspirierten Bibelbücher bestimmte Merkmale aufweist und daß sie voneinander unabhängige, sich ergänzende und miteinander übereinstimmende Berichte über das Leben Jesu Christi sind.

      4. Was ist über den Schreiber des ersten Evangeliums bekannt?

      4 Der erste, der die gute Botschaft über den Christus niederschrieb, war Matthäus. Sein Name ist wahrscheinlich eine Kurzform des hebräischen Namens „Mattithja“, der „Gabe Jehovas“ bedeutet. Matthäus war einer der von Jesus ausgewählten zwölf Apostel. Während der Herr durch das ganze Land Palästina zog, um Gottes Königreich zu verkündigen und die Menschen zu belehren, war Matthäus durch ein vertrautes Verhältnis eng mit ihm verbunden. Bevor Matthäus ein Jünger Jesu wurde, war er ein Steuereinnehmer — ein Beruf, der von den Juden aufs tiefste verabscheut wurde, denn durch die Steuereinnehmer wurden sie ständig daran erinnert, daß sie nicht frei waren, sondern unter der Herrschaft des kaiserlichen Rom standen. Matthäus wurde auch Levi genannt und war der Sohn des Alphäus. Er nahm die Einladung Jesu, ihm zu folgen, bereitwillig an (Mat. 9:9; Mar. 2:14; Luk. 5:27-32).

      5. Wie kann nachgewiesen werden, daß Matthäus der Schreiber des ersten Evangeliums war?

      5 Matthäus wird in dem Evangelium, das man ihm zuschreibt, zwar nicht als der Schreiber genannt, doch aus dem Zeugnis früher Kirchenhistoriker geht deutlich hervor, daß er es geschrieben hat. Wahrscheinlich läßt es sich bei keinem anderen Buch aus alter Zeit so klar und eindeutig nachweisen, wer der Schreiber war, wie beim Matthäusevangelium. Von der Zeit des Papias von Hierapolis an (Anfang des 2. Jahrhunderts u. Z.) gab es eine Reihe früher Zeugen, die bestätigten, daß Matthäus dieses Evangelium geschrieben hat und daß es ein glaubwürdiger Teil des Wortes Gottes ist. In der Cyclopedia von McClintock und Strong heißt es diesbezüglich: „Sowohl Justin der Märtyrer als auch der Verfasser des Briefes an Diognet (siehe Ottos Werk Justinus Martyr, Bd. ii) sowie Hegesippus, Irenäus, Tatian, Athenagoras, Theophilos, Clemens, Tertullian und Origenes zitieren Stellen aus dem Matthäusevangelium. Nicht nur aufgrund des Inhalts, sondern auch aufgrund der Art und Weise, wie sie zitieren — so, als stützten sie sich ganz beruhigt auf eine anerkannte Autorität, wobei sie nicht den geringsten Zweifel erkennen lassen —, können wir es als erwiesen ansehen, daß das Buch, das wir in den Händen haben, nicht plötzlich auf irgendeine Weise abgeändert wurde.“a Da Matthäus ein Apostel war und somit Gottes Geist auf ihm ruhte, können wir überzeugt sein, daß das, was er schrieb, zuverlässig ist.

      6, 7. (a) Wann und in welcher Sprache wurde das Matthäusevangelium ursprünglich geschrieben? (b) Woraus geht hervor, daß es vorwiegend für die Juden geschrieben wurde? (c) Wie oft kommt der Name Jehova im Matthäusevangelium nach der Neuen-Welt-Übersetzung vor, und warum?

      6 Matthäus schrieb seinen Bericht in Palästina. Das genaue Jahr ist nicht bekannt, aber Subskriptionen am Ende einiger Handschriften (alle stammen aus der Zeit nach dem 10. Jahrhundert u. Z.) geben das Jahr 41 u. Z. an. Nachweislich schrieb Matthäus sein Evangelium ursprünglich in dem gemeinverständlichen Hebräisch seiner Zeit und übersetzte es später ins Griechische. Hieronymus sagte in seinem Werk De viris inlustribus (Über berühmte Männer), Kapitel III folgendes: „MATTHÄUS, der auch Levi ist und der von einem Zöllner zu einem Apostel wurde, verfaßte zuerst ein Evangelium von Christus in Judäa in der hebräischen Sprache und in [hebräischen] Schriftzeichen zum Nutzen derer aus der Beschneidung, die geglaubt hatten.“b Hieronymus fügte hinzu, daß der hebräische Text dieses Evangeliums bis in seine Tage (4. und 5. Jahrhundert u. Z.) in der Bibliothek, die Pamphilus in Cäsarea zusammengetragen hatte, erhalten geblieben war.

      7 Eusebius zitiert Origenes, der zu Beginn des 3. Jahrhunderts in seinem Kommentar zu den Evangelien folgendes schrieb: „Zuerst wurde das Evangelium nach Matthäus ... für die Gläubigen aus dem Judentum in hebräischer Sprache geschrieben.“c Das im Matthäusevangelium enthaltene Geschlechtsregister läßt erkennen, daß das Buch ursprünglich für die Juden geschrieben wurde, denn die gesetzliche Abstammungslinie Jesu beginnt mit Abraham, und es wird häufig auf die Hebräischen Schriften Bezug genommen, die auf das Kommen des Messias hinweisen. Es ist vernünftig, anzunehmen, daß Matthäus den göttlichen Namen „Jehova“ in Form des Tetragrammatons gebrauchte, wenn er Passagen aus den Hebräischen Schriften zitierte, in denen der Name vorkam. Deshalb ist im Matthäusevangelium in der Neuen-Welt-Übersetzung der Name Jehova 18mal zu finden, so wie in der ursprünglich von F. Delitzsch angefertigten hebräischen Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert. Es ist anzunehmen, daß Matthäus über den Namen Gottes genauso dachte wie Jesus und daß er sich nicht aufgrund eines abergläubischen Brauchs der Juden davon abhalten ließ, den Namen zu verwenden (Mat. 6:9; Joh. 17:6, 26).

      8. Inwiefern ist aus dem Inhalt des Matthäusevangeliums zu erkennen, daß der Schreiber ein Steuereinnehmer war?

      8 Da Matthäus ein Steuereinnehmer gewesen war, machte er natürlich, wenn es um Geld, Zahlen oder Werte ging, genaue Angaben (Mat. 17:27; 26:15; 27:3). Er war Gott sehr dankbar dafür, daß er ihm Barmherzigkeit erwiesen hatte und daß er, ein verachteter Steuereinnehmer, ein Diener der guten Botschaft und ein Vertrauter Jesu werden durfte. Deshalb ist Matthäus der einzige Evangelist, der davon berichtet, daß Jesus wiederholt betonte, daß außer Opfern Barmherzigkeit erforderlich ist (9:9-13; 12:7; 18:21-35). Matthäus wurde durch die unverdiente Güte, die Jehova ihm zuteil werden ließ, sehr ermuntert, und deshalb schrieb er auch eine der trostreichsten Äußerungen Jesu nieder: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin mild gesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (11:28-30). Wie erquickend waren doch diese liebevollen Worte für den ehemaligen Steuereinnehmer, der von seinen Landsleuten zweifellos nichts weiter als Beleidigungen zu hören bekam!

      9. Welches Thema und welcher Stil kennzeichnen das Matthäusevangelium?

      9 Matthäus hob besonders hervor, daß das Thema der Lehre Jesu „das Königreich der Himmel“ war (4:17). Für ihn war Jesus der Prediger und der König. Er verwendete den Ausdruck „Königreich“ so häufig (über 50mal), daß sein Evangelium das Königreichsevangelium genannt werden könnte. Matthäus war bei der Wiedergabe der öffentlichen Vorträge und Predigten Jesu mehr an dem logischen Aufbau gelegen als an der genauen chronologischen Reihenfolge. Da er in den ersten 18 Kapiteln das Königreichsthema unterstrich, mußte er von der chronologischen Reihenfolge abweichen. Die letzten zehn Kapitel (19 bis 28) sind jedoch im großen und ganzen chronologisch aufgebaut, aber auch das Königreichsthema wird weiterhin betont.

      10. Wieviel Prozent des Matthäusevangeliums sind in keinem der anderen drei Evangelien zu finden, und welche Zeitspanne behandelt das Buch?

      10 Zweiundvierzig Prozent des Matthäusevangeliums sind in keinem der anderen drei Evangelien zu finden.d Dazu gehören mindestens die folgenden zehn Gleichnisse oder Veranschaulichungen: das Unkraut auf dem Feld (13:24-30), der verborgene Schatz (13:44), die Perle von hohem Wert (13:45, 46), das Schleppnetz (13:47-50), der unbarmherzige Sklave (18:23-35), die Arbeiter und der Denar (20:1-16), der Vater und seine zwei Kinder (21:28-32), die Hochzeit des Königssohns (22:1-14), die zehn Jungfrauen (25:1-13) und die Talente (25:14-30). Das Buch beginnt mit der Geburt Jesu im Jahre 2 v. u. Z. und endet mit dem Bericht darüber, daß er mit seinen Jüngern kurz vor seiner Himmelfahrt im Jahre 33 u. Z. zusammenkam.

      INHALT DES MATTHÄUSEVANGELIUMS

      11. (a) Womit beginnt logischerweise das Evangelium, und welche frühen Ereignisse werden erzählt? (b) Auf die Erfüllung welcher Prophezeiungen lenkt Matthäus unter anderem die Aufmerksamkeit?

      11 Jesus und die Botschaft vom „Königreich der Himmel“ werden eingeführt (1:1⁠—⁠4:25). Matthäus beginnt logischerweise mit dem Geschlechtsregister Jesu, denn er will dessen gesetzliches Recht als Erbe Abrahams und Davids nachweisen. Das fesselt die Aufmerksamkeit des jüdischen Lesers. Dann folgt der Bericht über Jesu übernatürliche Empfängnis, über seine Geburt in Bethlehem, über den Besuch der Astrologen, über die von dem wütenden Herodes veranlaßte Tötung aller Knaben in Bethlehem im Alter von zwei Jahren und darunter, über die Flucht Josephs und Marias mit dem kleinen Kind nach Ägypten und über ihre spätere Rückkehr, um in Nazareth zu wohnen. Matthäus ist darauf bedacht, die Aufmerksamkeit auf die Erfüllung der Prophezeiungen zu lenken, um zu beweisen, daß Jesus der vorhergesagte Messias ist (Mat. 1:23 — Jes. 7:14; Mat. 2:1-6 — Mi. 5:2; Mat. 2:13-18 — Hos. 11:1 und Jer. 31:15; Mat. 2:23 — Jes. 11:1, Fußnote).

      12. Was geschieht bei Jesu Taufe und unmittelbar danach?

      12 Matthäus überspringt nun in seinem Bericht fast 30 Jahre. Johannes der Täufer predigt in der Wildnis von Judäa: „Bereut, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht“ (Mat. 3:2). Er tauft die reumütigen Juden im Jordan und warnt die Pharisäer und die Sadduzäer vor der bevorstehenden Strafe Gottes. Jesus kommt von Galiläa und läßt sich taufen. Unverzüglich kommt Gottes Geist auf ihn herab, und eine Stimme aus den Himmeln sagt: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (3:17). Jesus wird dann in die Wildnis geführt, wo er nach einem 40tägigen Fasten von Satan, dem Teufel, versucht wird. Dreimal weist er Satan durch Zitate aus Gottes Wort zurück und sagt schließlich: „Geh weg, Satan! Denn es steht geschrieben: ,Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm allein sollst du heiligen Dienst darbringen‘ “ (4:10).

      13. Welcher aufrüttelnde Feldzug wird nun in Galiläa gestartet?

      13 „Bereut, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht.“ Diesen aufrüttelnden Ruf läßt jetzt der gesalbte Jesus in Galiläa ergehen. Er fordert vier Fischer auf, ihre Netze zu verlassen und ihm nachzufolgen, um „Menschenfischer“ zu werden. Mit ihnen reist er „in ganz Galiläa umher, ... [lehrt] in ihren Synagogen und ... [predigt] die gute Botschaft vom Königreich und ... [heilt] jede Art von Leiden und jede Art von Gebrechen unter dem Volk“ (4:17, 19, 23).

      14. Welche Glücklichpreisungen erwähnt Jesus in seiner Bergpredigt, und was sagt er über Gerechtigkeit?

      14 Die Bergpredigt (5:1⁠—⁠7:29). Jesus folgen immer mehr Menschen, und so geht er auf einen Berg, setzt sich und fängt an, seine Jünger zu lehren. Er eröffnet seinen begeisternden Vortrag mit neun ‘Glücklichpreisungen’: Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt sind, sowie die Trauernden und die Mildgesinnten, solche, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die Barmherzigen, diejenigen, die reinen Herzens sind, die Friedsamen, solche, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, sowie diejenigen, die geschmäht werden und über die man Lügen redet. „Freut euch, und springt vor Freude, da euer Lohn groß ist in den Himmeln.“ Er bezeichnet seine Jünger als „das Salz der Erde“ und „das Licht der Welt“ und erklärt, was Gerechtigkeit ist, eine Gerechtigkeit, die in scharfem Gegensatz zum Formalismus der Schriftgelehrten und der Pharisäer steht, die aber erforderlich ist, um in das Königreich der Himmel eingehen zu können. „Ihr sollt demnach vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (5:12-14, 48).

      15. Was sagt Jesus über das Beten und das Königreich?

      15 Jesus warnt vor heuchlerischen Gaben und Gebeten. Er lehrt seine Jünger beten; sie sollen um die Heiligung des Namens seines Vaters, um das Kommen seines Königreiches und um ihren täglichen Lebensunterhalt beten. In der ganzen Predigt stellt Jesus das Königreich in den Vordergrund. Er warnt seine Nachfolger davor, sich wegen materiellen Reichtums Sorgen zu machen oder ausschließlich dafür zu arbeiten, da der Vater ihre wirklichen Bedürfnisse kenne. „So fahrt denn fort“, sagt er, „zuerst das Königreich und SEINE Gerechtigkeit zu suchen, und alle diese anderen Dinge werden euch hinzugefügt werden“ (6:33).

      16. (a) Welchen Rat gibt Jesus in bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen, und was sagt er im Hinblick auf diejenigen, die dem Willen Gottes gehorchen, und solche, die es nicht tun? (b) Welche Wirkung hat seine Predigt?

      16 Der Herr gibt in bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen folgenden Rat: „Alles daher, was ihr wollt, daß euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun.“ Nur wenige, nämlich diejenigen, die den Willen seines Vaters tun, werden den Weg des Lebens finden. Die Täter der Gesetzlosigkeit werden an ihren Früchten zu erkennen sein, und sie werden verworfen werden. Jesus vergleicht denjenigen, der seinen Worten gehorcht, mit „einem verständigen Mann ..., der sein Haus auf den Felsen baute“. Welche Wirkung hat der Vortrag auf die zuhörende Volksmenge? Sie ist „über seine Art zu lehren höchst erstaunt“, denn er lehrt „wie einer, der Gewalt hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten“ (7:12, 24-29).

      17. Wie zeigt Jesus seine Gewalt als Messias, und wie bringt er sein tiefes Mitgefühl für den Zustand der Volksmengen zum Ausdruck?

      17 Vermehrtes Predigen des Königreiches (8:1 bis 11:30). Jesus vollbringt viele Wunder, indem er Aussätzige, Gelähmte und von Dämonen Besessene heilt. Er hat sogar Gewalt über den Wind und die Wellen, was daraus zu erkennen ist, daß er einen Sturm beschwichtigt; außerdem auferweckt er ein Mädchen von den Toten. Jesus hat großes Mitleid mit den Volksmengen, denn er sieht, wie sie zerschunden sind und umhergestoßen werden „wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Daher sagt er zu seinen Jüngern: „Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet daher den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte aussende“ (9:36-38).

      18. (a) Welche Anweisung und welche Ermahnung gibt Jesus seinen Aposteln? (b) Warum spricht er über „diese Generation“ ein Wehe aus?

      18 Jesus wählt die zwölf Apostel aus und erteilt ihnen einen Auftrag. Er gibt ihnen bestimmte Anweisungen darüber, wie sie den Auftrag erledigen sollen, und hebt die Hauptlehre hervor, über die sie mit den Menschen sprechen sollen: „Während ihr hingeht, predigt, indem ihr sagt: ,Das Königreich der Himmel hat sich genaht.‘ “ Er ermahnt sie auf eine Weise, die Weisheit und Liebe verrät, denn er sagt: „Kostenfrei habt ihr empfangen, kostenfrei gebt.“ „Erweist euch vorsichtig wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben.“ Sie werden gehaßt und verfolgt werden, sogar von nahen Verwandten, aber Jesus erinnert sie an folgendes: „Wer seine Seele findet, wird sie verlieren, und wer seine Seele verliert um meinetwillen, wird sie finden“ (10:7, 8, 16, 39). Sie machen sich auf den Weg, um in den ihnen zugeteilten Städten zu lehren und zu predigen. Jesus gibt Johannes den Täufer als den vor ihm her gesandten Boten, den verheißenen „Elia“, zu erkennen, aber „diese Generation“ nimmt weder Johannes an noch ihn, den Menschensohn (11:14, 16). Daher wehe dieser Generation und den Städten, die seine machtvollen Werke gesehen, aber nicht bereut haben! Doch diejenigen, die seine Jünger werden, werden Erquickung für ihre Seelen finden.

      19. Wie prangert Jesus die Pharisäer öffentlich an, als sie seine Handlungsweise am Sabbat in Frage stellen?

      19 Die Pharisäer werden widerlegt und öffentlich angeprangert (12:1-50). Die Pharisäer versuchen in Verbindung mit der Sabbatfrage, etwas an Jesus auszusetzen, aber er widerlegt ihre Anklagen, greift sie an und verurteilt ihre Heuchelei scharf. Er sagt zu ihnen: „Otternbrut, wie könnt ihr Gutes reden, wenn ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (12:34). Kein Zeichen wird ihnen gegeben werden als das Zeichen Jonas, des Propheten: Der Menschensohn wird drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.

      20. (a) Warum redet Jesus in Gleichnissen? (b) Welche Königreichsgleichnisse äußert er nun?

      20 Sieben Königreichsgleichnisse (13:1-58). Warum redet Jesus in Gleichnissen? Seinen Jüngern erklärt er: „Euch ist es gewährt, die heiligen Geheimnisse des Königreiches der Himmel zu verstehen, jenen Leuten aber ist es nicht gewährt.“ Er preist sie glücklich, weil sie sehen und hören. Die Unterweisung, die er ihnen dann zuteil werden läßt, erquickt sie sehr. Nachdem er ihnen das Gleichnis vom Sämann erklärt hat, erzählt er weitere Gleichnisse: das vom Unkraut auf dem Feld, das vom Senfkorn, vom Sauerteig, vom verborgenen Schatz, von der Perle von hohem Wert und vom Schleppnetz; in allen wird irgend etwas geschildert, was mit dem „Königreich der Himmel“ zu tun hat. Die Leute nehmen jedoch an Jesus Anstoß. Darauf Bezug nehmend, sagt er: „Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, ausgenommen in seinem Heimatgebiet und in seinem eigenen Haus“ (13:11, 57).

      21. (a) Welche Wunder wirkt Jesus, und als wer wird er dadurch identifiziert? (b) In welcher Vision sahen einige seiner Apostel den Menschensohn in seinem Königreich kommen?

      21 Der weitere Dienst und weitere Wunder des „Christus“ (14:1⁠—⁠17:27). Jesus ist von dem Bericht über die Enthauptung Johannes’ des Täufers, die der rückgratlose Herodes Antipas befohlen hat, in seinem Innersten betroffen. Er speist durch ein Wunder über 5 000 Personen; wandelt auf dem Meer; weist weitere Kritik seitens der Pharisäer zurück, die, wie er sagt, ‘das Gebot Gottes um ihrer Überlieferung willen übertreten’; heilt von Dämonen Besessene, „Lahme, Krüppel, Blinde, Stumme und viele andere“ und speist nochmals mehr als 4 000 Personen mit sieben Broten und ein paar kleinen Fischen (15:3, 30). Petrus identifiziert Jesus auf dessen Frage hin mit den Worten: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Jesus lobt Petrus und sagt: „Auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen“ (16:16, 18). Dann fängt Jesus an, von seinem herannahenden Tod und von seiner Auferstehung am dritten Tag zu sprechen. Aber er verheißt auch, daß einige seiner Jünger „den Tod überhaupt nicht schmecken werden, bis sie zuerst den Menschensohn in seinem Königreich kommen sehen“ (16:28). Sechs Tage später werden Petrus, Jakobus und Johannes von Jesus mit auf einen hohen Berg genommen, um ihn in Herrlichkeit umgestaltet zu sehen. In einer Vision erblicken sie Moses und Elia, die sich mit ihm unterhalten, und hören eine Stimme aus dem Himmel sagen: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe, hört auf ihn!“ Nachdem sie vom Berg heruntergekommen sind, sagt ihnen Jesus, daß der verheißene „Elia“ bereits gekommen sei, und sie erkennen, daß er von Johannes dem Täufer spricht (17:5, 12).

      22. Welchen Rat erteilt Jesus hinsichtlich des Vergebens?

      22 Jesus gibt seinen Jüngern Rat (18:1-35). Während Jesus und seine Jünger in Kapernaum sind, spricht er zu ihnen über Demut, über die große Freude, ein verirrtes Schaf wiederzufinden, und über das Schlichten von Streitfällen zwischen Brüdern. Petrus fragt: ‘Wievielmal soll ich meinem Bruder vergeben?’ Jesus antwortet: „Ich sage dir: Nicht bis zu siebenmal, sondern: Bis zu siebenundsiebzigmal.“ Um diesem Grundsatz Nachdruck zu verleihen, erzählt er das Gleichnis von dem Sklaven, dessen Herr ihm eine Schuld von 60 Millionen Denaren erließ. Der Sklave ließ später einen Mitsklaven wegen einer Schuld von nur 100 Denaren einsperren, woraufhin der unbarmherzige Sklave ebenfalls den Gefängniswärtern übergeben wurde.e Abschließend sagt Jesus dann: „In gleicher Weise wird mein himmlischer Vater auch mit euch verfahren, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder aus eurem Herzen heraus vergebt“ (18:22, 35).

      23. Was sagt Jesus über die Scheidung und den Weg, der zum Leben führt?

      23 Die letzten Tage des Dienstes Jesu (19:1⁠—⁠22:46). Die Ereignisse überschlagen sich fast, und die Lage spitzt sich zu, denn die Schriftgelehrten und die Pharisäer werden über den Dienst Jesu immer wütender. Sie wollen ihm in Verbindung mit einer Scheidungssache eine Falle stellen, aber es gelingt ihnen nicht; Jesus zeigt, daß Hurerei der einzige biblische Scheidungsgrund ist. Ein reicher junger Mann wendet sich mit der Frage an ihn, wie er ewiges Leben erhalten könne; als er jedoch erfährt, daß er all seinen Besitz verkaufen und ein Nachfolger Jesu sein muß, geht er betrübt hinweg. Nachdem Jesus die Veranschaulichung von den Arbeitern und dem Denar erzählt hat, spricht er wieder über seinen Tod und seine Auferstehung. Er sagt: „Der Menschensohn [ist] nicht gekommen ..., um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele als ein Lösegeld im Austausch gegen viele zu geben“ (20:28).

      24. Welche Auseinandersetzungen hat Jesus in der letzten Woche seines menschlichen Lebens mit religiösen Gegnern, und wie reagiert er auf ihre Fragen?

      24 Nun beginnt die letzte Woche des Lebens Jesu als Mensch. Im Triumph zieht er als ‘König auf dem Füllen eines Esels’ in Jerusalem ein (21:4, 5). Er reinigt den Tempel von den Geldwechslern und anderen Profitmachern. Der Haß seiner Feinde steigert sich, als er zu ihnen sagt: „Die Steuereinnehmer und die Huren [werden] vor euch in das Königreich Gottes eingehen“ (21:31). Seine treffenden Gleichnisse vom Weingarten und vom Hochzeitsfest verfehlen nicht ihre Wirkung. Er beantwortet geschickt die Frage der Pharisäer bezüglich der Steuern, indem er sagt: „Zahlt ... Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott“ (22:21). Auch durch eine Fangfrage der Sadduzäer läßt er sich nicht beirren, und er verteidigt die Auferstehungshoffnung. Wieder kommen die Pharisäer mit einer Frage zu ihm, einer Frage, die das Gesetz betrifft, und Jesus erklärt ihnen, daß das größte Gebot darin besteht, Jehova über alles zu lieben, und das zweite darin, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst. Jesus fragt sie dann: ‘Wie kann der Christus Davids Sohn und auch sein Herr sein?’ Keiner weiß darauf eine Antwort, und danach wagt es niemand mehr, ihn zu befragen (22:45, 46).

      25. Auf welche Weise verurteilt Jesus die Schriftgelehrten und die Pharisäer aufs schärfste?

      25 ‘Wehe euch, Heuchler!’ (23:1⁠—⁠24:2). Als Jesus zu den Volksmengen im Tempel spricht, verurteilt er die Schriftgelehrten und die Pharisäer wiederum aufs schärfste. Nicht nur sie selbst haben sich für den Eingang ins Königreich disqualifiziert, sondern sie wenden auch alle möglichen Tricks an, um andere am Hineingehen zu hindern. Sie sind wie getünchte Gräber, von außen zwar schön, aber innen völlig verdorben und schlecht. Abschließend spricht Jesus folgendes Urteil über Jerusalem: „Euer Haus wird euch verödet überlassen“ (23:38). Beim Verlassen des Tempels sagt er dessen Zerstörung vorher.

      26. Was ist gemäß den Worten Jesu das prophetische Zeichen seiner Gegenwart in königlicher Herrlichkeit?

      26 Jesus gibt das ‘Zeichen seiner Gegenwart’ (24:3 bis 25:46). Auf dem Ölberg befragen ihn seine Jünger über ‘das Zeichen seiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge’. In Erwiderung weist Jesus auf eine Zeit der Kriege hin — ‘Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich’ — sowie auf Lebensmittelknappheit, Erdbeben, zunehmende Gesetzlosigkeit, das weltweite Predigen ‘dieser guten Botschaft vom Königreich’, die Einsetzung des ‘treuen und verständigen Sklaven’ und auf viele weitere Merkmale des kombinierten Zeichens, das ‘die Ankunft des Menschensohns in seiner Herrlichkeit, der sich auf seinen Thron der Herrlichkeit setzen’ wird, kennzeichnen soll (24:3, 7, 14, 45-47; 25:31). Jesus beendet diese wichtige Prophezeiung mit den Gleichnissen von den zehn Jungfrauen und den Talenten, die erkennen lassen, daß den Wachsamen und Treuen ein erfreulicher Lohn in Aussicht steht, und mit dem Gleichnis von den Schafen und Böcken, aus dem hervorgeht, daß ziegenbockähnliche Menschen „in die ewige Abschneidung weggehen, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (25:46).

      27. Welche Ereignisse finden an Jesu letztem Tag auf der Erde statt?

      27 Ereignisse des letzten Tages Jesu (26:1⁠—⁠27:66). Nach der Passahfeier setzt Jesus in Gegenwart seiner treuen Apostel etwas Neues ein. Er lädt sie ein, von ungesäuertem Brot zu essen — einem Sinnbild seines Leibes — und Wein zu trinken — ein Sinnbild seines Blutes. Dann gehen sie nach Gethsemane, wo Jesus betet. Judas kommt mit einer bewaffneten Volksmenge dorthin und verrät Jesus mit einem heuchlerischen Kuß. Jesus wird zum Hohenpriester gebracht, und der Oberpriester und der gesamte Sanhedrin suchen nach falschen Zeugen, die gegen Jesus aussagen sollen. Wie von Jesus vorausgesagt, verleugnet ihn Petrus, als er auf die Probe gestellt wird. Judas hat Gewissensbisse und wirft das Geld, das er aufgrund des Verrats erhalten hat, in den Tempel; von dort geht er weg, um sich zu erhängen. Am Morgen wird Jesus vor den römischen Statthalter Pilatus geführt. Unter dem Druck des von den Priestern aufgehetzten Pöbels, der schreit: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder“, liefert Pilatus Jesus aus, damit er an den Pfahl gebracht werde. Die Soldaten des Statthalters machen sich über Jesu Königswürde lustig und führen ihn dann hinaus nach Golgotha, wo er zwischen zwei Räubern an den Pfahl gebracht wird. Über seinem Haupt bringen sie ein Schild an, auf dem geschrieben steht: „Dieser ist Jesus, der König der Juden“ (27:25, 37). Nach qualvollen Stunden stirbt Jesus schließlich gegen drei Uhr nachmittags und wird dann in die neue Gedächtnisgruft gelegt, die Joseph von Arimathia gehört. Es war der ereignisreichste Tag der Geschichte!

      28. Mit welcher hocherfreulichen Botschaft bringt Matthäus seinen Bericht zum Höhepunkt, und mit welchem Auftrag schließt er ab?

      28 Jesu Auferstehung und seine letzte Anweisung (28:1-20). Matthäus bringt jetzt seinen Bericht mit einer hocherfreulichen Botschaft zum Höhepunkt. Der verstorbene Jesus ist auferstanden — er lebt wieder! Früh am ersten Tag der Woche kommen Maria Magdalene und „die andere Maria“ zur Gruft und hören, wie der Engel diese beglückende Nachricht bekanntgibt (28:1). Als Bestätigung erscheint ihnen Jesus selbst. Die Feinde versuchen, seine Auferstehung zu vertuschen, indem sie die Soldaten, die an der Gruft Wache standen, sogar bestechen, damit sie sagen: „Seine Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen.“ In Galiläa hat Jesus später eine weitere Zusammenkunft mit seinen Jüngern. Welche Anweisung gibt er ihnen vor seinem Weggang? Die folgende: „Geht ... hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Würden sie in diesem Predigtwerk angeleitet werden? Die letzte Äußerung Jesu, die Matthäus aufgezeichnet hat, gibt ihnen die Zusicherung: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Abschluß des Systems der Dinge“ (28:13, 19, 20).

      WIESO NÜTZLICH

      29. (a) Wieso ist das Matthäusevangelium eine gute Überleitung von den Hebräischen zu den Griechischen Schriften? (b) Welches Vorrecht, das Jesus genoß, steht für Christen heute noch offen?

      29 Das Buch Matthäus, das erste der vier Evangelien, ist wirklich eine gute Überleitung von den Hebräischen Schriften zu den Christlichen Griechischen Schriften. Unmißverständlich identifiziert es den Messias und König des verheißenen Königreiches Gottes, läßt deutlich erkennen, was man tun muß, um sein Nachfolger zu werden, und umreißt das bevorstehende Werk seiner Nachfolger auf der Erde. Zuerst zog Johannes der Täufer aus, dann Jesus und schließlich seine Jünger, um zu predigen: „Das Königreich der Himmel hat sich genaht.“ Und Jesu Gebot hat bis zum Abschluß des Systems der Dinge Gültigkeit, denn er sagte: „Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.“ Ja, es war und ist noch immer ein großartiges Vorrecht, an diesem Königreichswerk, das einschließt, ‘aus Menschen aller Nationen Jünger zu machen’, einen Anteil zu haben und dem Beispiel des Herrn zu folgen (3:2; 4:17; 10:7; 24:14; 28:19).

      30. Welcher besondere Teil des Evangeliums hat wegen seines praktischen Werts Anerkennung gefunden?

      30 Das Matthäusevangelium ist wirklich eine „gute Botschaft“. Sein inspirierter Inhalt war für diejenigen eine „gute Botschaft“, die das, was darin geschrieben stand, im 1. Jahrhundert u. Z. beachteten, und Jehova Gott hat dafür gesorgt, daß das Buch als „gute Botschaft“ bis heute erhalten geblieben ist. Selbst Nichtchristen mußten die Macht dieses Evangeliums anerkennen, zum Beispiel der Hinduführer Mohandas (Mahatma) Gandhi, der sagte: „Schöpft auf jeden Fall tief aus dem Brunnen, den ihr mit der Bergpredigt erhalten habt ... Denn die Lehren der Bergpredigt sind auf jeden von uns abgezielt.“f

      31. Wer hat wirkliche Wertschätzung für den Rat, der im Matthäusevangelium zu finden ist, bekundet, und wieso ist es nützlich, dieses Evangelium immer wieder aufmerksam zu lesen?

      31 Aber die Probleme der ganzen Welt bestehen weiterhin, auch die Probleme des Teils, der christlich zu sein behauptet. Nur eine kleine Minderheit wahrer Christen schätzt die Bergpredigt und auch die anderen vernünftigen Ratschläge, die in der guten Botschaft nach Matthäus enthalten sind, hoch ein, liest sie aufmerksam und wendet sie an, was für sie von unschätzbarem Nutzen ist. Es ist gut, Jesu nützliche Belehrungen immer wieder sorgfältig zu lesen; er sprach davon, wie man wahres Glück findet, von der Moral und der Ehe, von der Macht der Liebe, von Gebeten, die für Gott annehmbar sind, von geistigen Werten, die im Gegensatz zu materiellen Werten stehen, davon, daß man zuerst das Königreich suchen und heilige Dinge achten sollte, sowie von der Wachsamkeit und dem Gehorsam. In Matthäus, Kapitel 10 sind Jesu Dienstanweisungen für diejenigen aufgezeichnet, die beginnen, die gute Botschaft vom „Königreich der Himmel“ zu predigen. Die vielen Gleichnisse Jesu enthalten lebenswichtige Lehren für alle, die ‘Ohren haben zu hören’. Seine Prophezeiungen, beispielsweise seine detaillierte Vorhersage des ‘Zeichens seiner Gegenwart’, lassen uns voller Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blicken (5:1⁠—⁠7:29; 10:5-42; 13:1-58; 18:1⁠—⁠20:16; 21:28⁠—⁠22:40; 24:3⁠—⁠25:46).

      32. (a) Veranschauliche, wie durch die Erfüllung von Prophezeiungen bewiesen wird, daß Jesus der Messias war. (b) Welche Gewißheit gibt uns heute die Erfüllung dieser Prophezeiungen?

      32 Im Matthäusevangelium wird die Erfüllung vieler Prophezeiungen beschrieben. Um zu zeigen, daß sie sich erfüllt haben, wird oft aus den inspirierten Hebräischen Schriften zitiert. Dadurch, daß sich die Voraussagen bewahrheitet haben, wird untrüglich bewiesen, daß Jesus der Messias ist, denn es wäre völlig unmöglich gewesen, alle Einzelheiten im voraus zu planen. Vergleiche zum Beispiel Matthäus 13:14, 15 mit Jesaja 6:9, 10, Matthäus 21:42 mit Psalm 118:22, 23 und Matthäus 26:31, 56 mit Sacharja 13:7. Die Erfüllung dieser Prophezeiungen gibt uns außerdem die Gewißheit, daß auch alle von Matthäus aufgezeichneten prophetischen Aussprüche Jesu zur gegebenen Zeit wahr werden, während Jehovas wunderbare Vorsätze in Verbindung mit dem „Königreich der Himmel“ verwirklicht werden.

      33. Wieso können gerechtigkeitsliebende Personen jetzt frohlocken?

      33 Wie genau hat Gott doch das Leben des Königs des Königreiches vorhergesagt, ja bis in alle Einzelheiten! Wie genau und wahrheitsgetreu hat doch der inspirierte Schreiber Matthäus die Erfüllung dieser Prophezeiungen aufgezeichnet! Wenn gerechtigkeitsliebende Personen über die erfüllten Prophezeiungen und die Verheißungen nachdenken, die im Buch Matthäus zu finden sind, können sie über ihre Hoffnung wirklich frohlocken, denn sie wissen, daß Jehova das ‘Königreich der Himmel’ als Werkzeug benutzt, um seinen Namen zu heiligen. Ebendieses Königreich, in dem Jesus Christus regiert, bringt den Mildgesinnten und geistig Hungrigen „in der Wiedererschaffung, wenn sich der Menschensohn auf seinen Thron der Herrlichkeit setzt“, unzählige Segnungen, ja es vermittelt ihnen ein Leben in Glück (Mat. 19:28). All das beinhaltet die anspornende gute Botschaft „nach Matthäus“.

      [Fußnoten]

      a 1981, Nachdruck, Band V, Seite 895.

      b Die Übersetzung erfolgte nach dem lateinischen Text, der von E. C. Richardson in der Serie „Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur“, Band 14, Leipzig 1896, Seite 8, 9 herausgegeben und veröffentlicht worden ist.

      c Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte, 6. Buch, Kapitel 25, Seite 299.

      d Introduction of the Study of the Gospels, 1896, B. F. Westcott, Seite 201.

      e In den Tagen Jesu war ein Denar ein Tagelohn; demnach entsprachen 100 Denare etwa einem Drittel des Lohnes, den jemand in einem Jahr erhielt. Sechzig Millionen Denare kämen dem Arbeitslohn von Tausenden von Personen gleich, den sie in ihrem ganzen Leben bekommen hätten (Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 553, 554).

      f C. F. Andrews, Mahatma Gandhi’s Ideas, 1930, Seite 96.

  • 41. Bibelbuch — Markus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 41. Bibelbuch — Markus

      Schreiber: Markus

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 60—65 u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 29—33 u. Z.

      1. Was ist über Markus und seine Familie bekannt?

      ALS Jesus in Gethsemane verhaftet wurde und die Apostel flohen, folgte ihm „ein gewisser junger Mann, der ein Kleid aus feiner Leinwand auf dem bloßen Leib trug“. Die Volksmenge wollte auch ihn ergreifen, doch er „ließ sein leinenes Kleid zurück und entfloh nackt“. Dieser junge Mann wird allgemein für Markus gehalten. In der Apostelgeschichte wird er als „Johannes, der den Beinamen Markus hatte“, bezeichnet. Möglicherweise kam er aus einer wohlhabenden Familie in Jerusalem, denn sie hatte ein eigenes Haus und eigene Diener. Seine Mutter, Maria, war ebenfalls eine Christin, und die frühe Versammlung benutzte Marias Heim als Versammlungsort. Nachdem Petrus durch einen Engel aus dem Gefängnis befreit worden war, ging er in ihr Haus, wo sich die Brüder versammelt hatten (Mar. 14:51, 52; Apg. 12:12, 13).

      2, 3. (a) Wodurch wurde Markus zweifellos angespornt, den Missionardienst aufzunehmen? (b) Wie kam es, daß er Gemeinschaft mit anderen Missionaren hatte, besonders mit Petrus und Paulus?

      2 Der Missionar Barnabas, ein Levit von Zypern, war der Cousin des Markus (Apg. 4:36; Kol. 4:10). Als Barnabas in Verbindung mit einer Hilfsaktion bei einer Hungersnot mit Paulus nach Jerusalem kam, lernte Markus auch Paulus kennen. Durch die Gemeinschaft mit solchen eifrigen reisenden Dienern in der Versammlung wurde zweifellos in Markus der Wunsch geweckt, den Missionardienst aufzunehmen. Er begleitete dann Paulus und Barnabas auf ihrer ersten Missionsreise als Gehilfe. Aus irgendeinem Grund verließ Markus sie jedoch in Perge (Pamphylien) und kehrte nach Jerusalem zurück (Apg. 11:29, 30; 12:25; 13:5, 13). Deswegen wollte Paulus ihn auf der zweiten Missionsreise nicht mitnehmen, was zu einem Bruch zwischen Paulus und Barnabas führte. Paulus nahm dann Silas mit, während Barnabas mit Markus, seinem Cousin, nach Zypern segelte (Apg. 15:36-41).

      3 Markus bewährte sich im Dienst und wurde nicht nur für Barnabas eine wertvolle Hilfe, sondern später auch für den Apostel Petrus und den Apostel Paulus. Als dieser sich das erste Mal in Rom in Gefangenschaft befand, war Markus bei ihm (um 60—61 u. Z.) (Philem. 1, 24). Zwischen den Jahren 62 und 64 u. Z. hielt sich Markus bei Petrus in Babylon auf (1. Pet. 5:13). Im Jahre 65 u. Z. war Paulus wahrscheinlich wieder in Rom in Gefangenschaft, und in einem Brief bat er Timotheus, Markus mitzubringen, „denn er ist mir für den Dienst nützlich“ (2. Tim. 1:8; 4:11). An dieser Stelle wird Markus im Bibelbericht das letzte Mal erwähnt.

      4—6. (a) Wie konnte Markus die genauen Einzelheiten kennen, die er in seinem Evangelium schildert? (b) Was läßt darauf schließen, daß er mit Petrus in enger Verbindung stand? (c) Führe aus dem Evangelium Beispiele an, die die Charaktermerkmale des Petrus erkennen lassen.

      4 Die Abfassung des kürzesten der Evangelien wird ebendiesem Markus zugeschrieben. Er war ein Mitarbeiter der Apostel Jesu und hatte selbst sein Leben in den Dienst der guten Botschaft gestellt. Aber er gehörte nicht zu den 12 Aposteln und war kein direkter Gefährte Jesu gewesen. Woher kannte er die genauen Einzelheiten, die seinen Bericht über den Dienst Jesu von Anfang bis Ende wirklich lebendig machen? Gemäß den ältesten Überlieferungen von Papias, Origenes und Tertullian erhielt Markus seine Informationen von Petrus, mit dem er in enger Verbindung stand.a Petrus bezeichnete ihn sogar als „mein Sohn“ (1. Pet. 5:13). Von sozusagen allem, was Markus aufzeichnete, war Petrus Augenzeuge gewesen; es ist also möglich, daß Markus vieles, was er erwähnte, aber in den anderen Evangelien fehlt, von ihm erfahren hatte. Zum Beispiel spricht Markus von den „Lohnarbeitern“, die für Zebedäus arbeiteten, davon, daß ein Aussätziger Jesus inständig, „ja kniefällig“ bat, daß ein Mann, der unter der Macht eines Dämons stand, sich ‘mit Steinen zerschlug’ und daß Jesus auf dem Ölberg, „dem Tempel gegenüber“, saß, als er seine Prophezeiung über das ‘Kommen des Menschensohnes mit großer Macht und Herrlichkeit’ äußerte (Mar. 1:20, 40; 5:5; 13:3, 26).

      5 Petrus war selbst ein gefühlvoller Mensch und konnte deshalb die Empfindungen und Gemütsbewegungen Jesu erkennen und sie Markus beschreiben. Daher kommt es, daß Markus häufig von Jesu Gefühlen und Reaktionen berichtet, zum Beispiel, daß er „sie ringsum mit Zorn [anblickte] ..., tief betrübt“, daß er ‘tief seufzte’ und daß er ‘tief mit seinem Geist seufzte’ (3:5; 7:34; 8:12). Markus beschreibt auch die Empfindungen Jesu dem reichen jungen Vorsteher gegenüber, denn in seinem Evangelium ist zu lesen, daß er „Liebe zu ihm [empfand]“ (10:21). Und welche Wärme kommt doch in dem Bericht zum Ausdruck, wenn es darin heißt, daß Jesus ein kleines Kind nicht nur mitten unter die Jünger stellte, sondern es auch „in seine Arme [schloß]“ und daß er bei einer anderen Gelegenheit „die Kinder in seine Arme [schloß]“! (9:36; 10:13-16).

      6 Der Schreibstil des Markus — gefühlsbetont, lebendig, eindringlich, kraftvoll und anschaulich — spiegelt einige Charaktermerkmale des Petrus wider. Man hat den Eindruck, daß Markus die Ereignisse nicht schnell genug erzählen kann. Immer wieder begegnet man beispielsweise dem Wort „sogleich“, wodurch die Geschichte in dramatischem Stil fortgesetzt wird.

      7. Inwiefern unterscheidet sich das Markusevangelium vom Matthäusevangelium?

      7 Obwohl Markus Zugang zum Matthäusevangelium hatte und nur 7 Prozent seines Berichts in den anderen Evangelien nicht enthalten sind, wäre es ein Fehler, zu glauben, Markus hätte einfach das Matthäusevangelium zusammengefaßt und ein paar besondere Einzelheiten hinzugefügt. Während Matthäus Jesus als den verheißenen Messias und König darstellte, behandelt Markus Jesu Leben und seine Werke von einem anderen Gesichtswinkel aus. Er schildert Jesus als den wunderwirkenden Sohn Gottes, den siegenden Retter. Markus legt mehr Nachdruck auf die Taten Christi als auf seine Predigten und seine Lehren. Nur verhältnismäßig wenige Gleichnisse und nur eines der von Jesus geführten längeren Gespräche hat er niedergeschrieben, und die Bergpredigt hat er ganz ausgelassen. Aus diesem Grund ist das Markusevangelium kürzer, obwohl es genausoviel Handlung enthält wie die anderen. Markus nimmt auf mindestens 19 Wunder besonders Bezug.

      8. Was zeigt, daß das Markusevangelium offensichtlich für die Römer geschrieben wurde?

      8 Während Matthäus sein Evangelium für die Juden schrieb, hatte Markus offensichtlich beim Schreiben vornehmlich die Römer im Sinn. Wieso wissen wir das? Markus erwähnt das Gesetz Mose nur dann, wenn er von einem Gespräch berichtet, das sich darauf bezog; außerdem läßt er das Geschlechtsregister Jesu aus. Das Evangelium Christi stellt er als von weltumfassender Bedeutung dar. Jüdische Bräuche und Lehren, mit denen nichtjüdische Leser eventuell nicht vertraut waren, erklärt er kurz (2:18; 7:3, 4; 14:12; 15:42), und aramäische Ausdrücke übersetzt er (3:17; 5:41; 7:11, 34; 14:36; 15:22, 34). Wenn er geographische Bezeichnungen oder Pflanzen aus Palästina erwähnt, macht er dazu nähere Angaben (1:5, 13; 11:13; 13:3). Den Wert jüdischer Münzen gibt er in römischem Geld an (12:42, Fußnote). Er verwendet mehr lateinische Wörter als die anderen Evangelienschreiber, z. B. speculator (Leibwächter), praetorium (Palast des Statthalters) und centurio (Offizier) (6:27; 15:16, 39).

      9. Wo und wann wurde das Markusevangelium geschrieben, und wodurch wird seine Glaubwürdigkeit bekräftigt?

      9 Da Markus zweifellos in erster Linie für die Römer schrieb, fertigte er seine Niederschrift höchstwahrscheinlich in Rom an. Die ältesten Überlieferungen und der Inhalt des Buches lassen die Schlußfolgerung zu, daß es während der ersten oder der zweiten Gefangenschaft des Apostels Paulus in Rom abgefaßt wurde, also in den Jahren 60 bis 65 u. Z. In diesen Jahren hielt sich Markus wenigstens einmal, wenn nicht zweimal, in Rom auf. Alle führenden Autoritäten des 2. und 3. Jahrhunderts bestätigen Markus als den Schreiber. Das Evangelium war bereits um die Mitte des 2. Jahrhunderts unter den Christen in Umlauf. Dadurch, daß es in allen alten Verzeichnissen der Christlichen Griechischen Schriften vorkommt, wird seine Glaubwürdigkeit bekräftigt.

      10. Wie sind der lange und der kurze Schluß des Markusevangeliums zu betrachten, und warum?

      10 Der lange und der kurze Schluß — sie folgen manchmal nach Kapitel 16, Vers 8 — können nicht als authentisch angesehen werden. Sie fehlen in den meisten alten Handschriften, beispielsweise in der Sinaitischen Handschrift und der Vatikanischen Handschrift 1209. Eusebius und Hieronymus, Gelehrte aus dem 4. Jahrhundert, stimmen darin überein, daß der authentische Bericht mit den Worten abschließt: „Sie fürchteten sich.“ Die anderen Schlüsse wurden wahrscheinlich deshalb hinzugefügt, damit das Markusevangelium nicht so abrupt zum Abschluß kommt.

      11. (a) Woran ist die Wahrhaftigkeit des Markusevangeliums zu erkennen, und welche Gewalt wird hervorgehoben? (b) Inwiefern ist der Bericht des Markus eine „gute Botschaft“, und welche Zeitspanne wird darin behandelt?

      11 Die Wahrhaftigkeit des von Markus abgefaßten Berichts ist daran zu erkennen, daß er nicht nur mit den anderen Evangelien völlig übereinstimmt, sondern auch mit allen übrigen Büchern der Heiligen Schrift, vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung. Jesus wird außerdem immer wieder als jemand dargestellt, der Gewalt hat; diese kommt nicht nur in seiner Rede zum Ausdruck, sondern er übt sie auch über die Naturkräfte aus, über Satan und die Dämonen, über Krankheit und Leiden, ja selbst über den Tod. Markus eröffnet seinen Bericht mit den eindrucksvollen Worten: „Anfang der guten Botschaft über Jesus Christus“. Der Bericht über das Kommen Jesu und seinen Dienst ist eine „gute Botschaft“, und deshalb ist das Studium des Markusevangeliums für alle Leser ohne Zweifel nützlich. Die von Markus beschriebenen Ereignisse behandeln eine Zeitspanne, die im Frühjahr des Jahres 29 u. Z. beginnt und im Frühjahr des Jahres 33 u. Z. endet.

      INHALT DES MARKUSEVANGELIUMS

      12. Welche Ereignisse werden in den ersten 13 Versen des Markusevangeliums beschrieben?

      12 Die Taufe und die Versuchung Jesu (1:1-13). Zu Beginn der guten Botschaft identifiziert Markus Johannes den Täufer. Dieser ist der vorhergesagte Bote, der gesandt ist, um auszurufen: „Bereitet den Weg Jehovas, macht seine Straßen gerade.“ Von demjenigen, der bald kommen würde, sagt Johannes der Täufer: ‘Er ist stärker als ich.’ Ja, dieser wird nicht mit Wasser taufen, sondern mit heiligem Geist. Jesus kommt nun von Nazareth in Galiläa, und Johannes tauft ihn. Der Geist kommt wie eine Taube auf Jesus herab, und es ist eine Stimme aus den Himmeln zu hören, die sagt: „Du bist mein Sohn, der geliebte; an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (1:3, 7, 11). Jesus wird von Satan in der Wildnis versucht, und Engel dienen ihm. Alle diese dramatischen Ereignisse werden in den ersten 13 Versen des Markusevangeliums beschrieben.

      13. Auf welcherlei Weise zeigt Jesus frühzeitig seine Gewalt als „der Heilige Gottes“?

      13 Jesus beginnt seinen Dienst in Galiläa (1:14 bis 6:6). Nach der Verhaftung des Johannes predigt Jesus die gute Botschaft Gottes in Galiläa. Welch eine überraschende Botschaft! „Das Königreich Gottes hat sich genaht. Bereut und glaubt an die gute Botschaft“ (1:15). Er fordert Simon, Andreas, Jakobus und Johannes auf, ihre Fischernetze zu verlassen und seine Jünger zu werden. Am Sabbat beginnt er in der Synagoge in Kapernaum zu lehren. Die Leute sind erstaunt, denn er lehrt „wie einer, der Gewalt hat, und nicht wie die Schriftgelehrten“. Als Beweis seiner Gewalt, über die er als „der Heilige Gottes“ verfügt, treibt er einen unreinen Geist aus einem Besessenen aus und heilt Simons Schwiegermutter, die an Fieber erkrankt war. Diese Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, und bis zum Abend hat sich „die ganze Stadt“ vor Simons Haus versammelt. Jesus heilt viele Kranke und treibt zahlreiche Dämonen aus (1:22, 23, 33).

      14. Wie beweist Jesus, daß er Gewalt hat, Sünden zu vergeben?

      14 Jesus weist mit folgenden Worten auf seinen Auftrag hin: „Damit ich ... predige“ (1:38). Er predigt in ganz Galiläa. Überall, wohin er geht, treibt er Dämonen aus und heilt Kranke, unter anderem auch einen Aussätzigen und einen Gelähmten, zu dem er spricht: „Deine Sünden sind vergeben.“ Einige der Schriftgelehrten denken bei sich: ‘Das ist Lästerung. Wer kann Sünden vergeben, ausgenommen einer, Gott?’ Jesus, der ihre Gedanken erkennt, beweist, „daß der Menschensohn Gewalt hat, ... Sünden zu vergeben“, indem er den Gelähmten auffordert, aufzustehen und nach Hause zu gehen. Daraufhin verherrlichen die Leute Gott. Als Levi (Matthäus), ein Steuereinnehmer, sein Jünger wird, sagt Jesus zu den Schriftgelehrten: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ Er offenbart sich als „Herr auch des Sabbats“ (2:5, 7, 10, 17, 28).

      15. Was sagt Jesus über diejenigen, die seine Wunder nicht anerkennen, und welche Worte äußert er über die Familienbande?

      15 Jesus bildet nun die Gruppe der 12 Apostel. Seine Verwandten bringen ihm etwas Widerstand entgegen, und dann klagen ihn einige Schriftgelehrte aus Jerusalem an, Dämonen durch den Herrscher der Dämonen auszutreiben. „Wie kann Satan den Satan austreiben?“ fragt Jesus sie und gibt ihnen den warnenden Hinweis: „Wer ... gegen den heiligen Geist lästert, erlangt niemals Vergebung, sondern ist ewiger Sünde schuldig.“ Während der Diskussion kommen seine Mutter und seine Brüder und suchen ihn, was ihn veranlaßt zu sagen: „Wer immer den Willen Gottes tut, dieser ist mir Bruder und Schwester und Mutter“ (3:23, 29, 35).

      16. Was lehrt Jesus in Gleichnissen über das „Königreich Gottes“?

      16 Jesus beginnt, „das heilige Geheimnis des Königreiches Gottes“ in Gleichnissen zu lehren. Er spricht von dem Mann, der sät, wobei der Samen auf verschiedene Bodenarten (sie veranschaulichen die unterschiedlichen Arten von Hörern des Wortes) fällt, und von der Lampe, die von ihrem Leuchter aus scheint. In einem anderen Gleichnis sagt Jesus, das Königreich Gottes sei wie ein Mensch, der Samen auf den Erdboden werfe: „Von selbst bringt die Erde allmählich Frucht hervor, zuerst den Grashalm, dann den Stengelkopf, schließlich das volle Korn in der Ähre“ (4:11, 28). Außerdem erzählt er das Gleichnis von dem Senfkorn, das zwar die winzigste aller Samenarten ist, aber groß wird und starke Zweige treibt, die Schutz bieten.

      17. Wie beweisen Jesu Wunder das Ausmaß seiner Gewalt?

      17 Während Jesus mit seinen Jüngern das Galiläische Meer überquert, bewirkt er durch ein Wunder, daß sich ein heftiger Sturmwind legt; er gebietet dem stürmischen Meer: „Schweig! Sei still!“ (4:39), und es wird ruhig. Auf der anderen Seite des Meeres, im Land der Gerasener, treibt Jesus eine „Legion“ Dämonen aus einem einzigen Mann aus und erlaubt ihnen, in eine Herde von etwa 2 000 Schweinen zu fahren, die dann über einen Steilhang stürmen und im Meer ertrinken (5:8-13). Danach fährt Jesus an das gegenüberliegende Ufer zurück. Eine Frau wird von einem Blutfluß geheilt — 12 Jahre ist er unheilbar gewesen —, nur weil sie das äußere Gewand Jesu anrührt, als er auf dem Weg ist, die 12jährige Tochter des Jairus aufzuerwecken. Ja, der Menschensohn hat Gewalt über Leben und Tod! Die Leute in seinem Heimatgebiet stellen seine Gewalt jedoch in Frage. Er wundert sich über ihren Unglauben, ‘zieht aber weiter im Kreis in die Dörfer ringsum und lehrt’ (6:6).

      18. (a) Wie wird Jesu Dienst ausgedehnt? (b) Was veranlaßt Jesus, zu lehren und Wunder zu wirken?

      18 Galiläischer Dienst ausgedehnt (6:7⁠—⁠9:50). Die Zwölf werden je zwei und zwei ausgesandt, und es wird ihnen die Anweisung und die Gewalt gegeben zu predigen, zu lehren, Menschen zu heilen sowie Dämonen auszutreiben. Der Name Jesu wird wohlbekannt; einige denken, er sei der auferweckte Johannes der Täufer. Diese Möglichkeit beunruhigt Herodes, denn während seiner Geburtstagsfeier wurde Johannes enthauptet. Die Apostel kehren von ihrer Predigtreise zurück und erstatten Jesus über ihre Tätigkeit Bericht. Eine große Volksmenge folgt Jesus durch Galiläa, und es ‘ergreift ihn Mitleid mit ihnen, denn sie sind wie Schafe ohne einen Hirten’. Daher fängt er an, sie viele Dinge zu lehren (6:34). Auf liebevolle Weise beschafft er auch materielle Speise und speist 5 000 Männer mit fünf Broten und zwei Fischen. Als kurz danach die Jünger in ihrem Boot auf dem Weg nach Bethsaida gegen einen Sturm ankämpfen, kommt er, auf dem Meer schreitend, auf sie zu und beruhigt den Wind. Kein Wunder, daß selbst seine Jünger „überaus erstaunt“ sind! (6:51).

      19, 20. (a) Welchen Verweis erteilt Jesus den Schriftgelehrten und den Pharisäern? (b) Welche Umstände führen dazu, daß auch Petrus getadelt wird?

      19 In dem Bezirk Genezareth diskutiert Jesus mit den Schriftgelehrten und Pharisäern aus Jerusalem über das Einnehmen eines Mahls mit ungewaschenen Händen, und er erteilt ihnen einen Verweis, weil sie ‘das Gebot Gottes aufgeben und an der Überlieferung der Menschen festhalten’. Er sagt, nicht durch das, was von außen her in einen Menschen hineingehe, werde dieser verunreinigt, sondern durch das, was aus seinem Inneren, aus dem Herzen, herauskomme, nämlich durch „schädliche Überlegungen“ (7:8, 21). Er geht nach Norden in die Gegenden von Tyrus und Sidon und wirkt für eine Nichtjüdin ein Wunder, indem er aus der Tochter einer syrophönizischen Frau einen Dämon austreibt.

      20 Zurück in Galiläa empfindet Jesus wiederum Mitleid mit der ihm folgenden Volksmenge, und er speist 4 000 Menschen mit sieben Broten und ein paar kleinen Fischen. Er warnt seine Jünger vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes, aber sie verstehen noch nicht, was er damit meint. Dann ein weiteres Wunder: die Heilung eines Blinden in Bethsaida. In einem Gespräch auf dem Weg zu den Dörfern in Cäsarea Philippi sagt Petrus voller Überzeugung, daß Jesus der „Christus“ sei, erhebt dann aber heftig Einspruch, als Jesus von den herannahenden Leiden und dem Tod des Menschensohnes spricht. Dafür wird er von Jesus getadelt: „Tritt hinter mich, Satan, weil du nicht Gottes Gedanken denkst, sondern die der Menschen“ (8:29, 33). Jesus ermahnt seine Jünger, ihm um der guten Botschaft willen beständig zu folgen; falls sie sich seiner schämen, wird er sich ihrer schämen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters erscheint.

      21. (a) Wer sieht „das Königreich Gottes, schon in Macht gekommen“, und wie? (b) Auf welche Weise hebt Jesus hervor, daß man das Königreich an die erste Stelle setzen soll?

      21 Sechs Tage später dürfen Petrus, Jakobus und Johannes auf einem hohen Berg „das Königreich Gottes, schon in Macht gekommen“, sehen, während sie Jesus in Herrlichkeit umgestaltet erblicken (9:1). Jesus beweist erneut seine Gewalt, indem er einen stummen Geist aus einem Jungen austreibt, und ein zweites Mal redet er von seinen bevorstehenden Leiden und seinem Tod. Er gibt seinen Jüngern den Rat, sich durch nichts daran hindern zu lassen, ins Leben einzugehen. Läßt dich deine Hand straucheln? Hau sie ab! Dein Fuß? Hau ihn ab! Dein Auge? Wirf es weg! Es ist weit besser, verstümmelt in das Königreich Gottes einzugehen, als heil in die Gehenna geworfen zu werden.

      22. Welcher Rat bildet den Höhepunkt des Dienstes Jesu in Peräa?

      22 Der Dienst in Peräa (10:1-52). Dann kommt Jesus an die Grenzen von Judäa und „jenseits des Jordan“ (nach Peräa). Mehrere Pharisäer befragen ihn nun über die Scheidung, und er benutzt die Gelegenheit, göttliche Grundsätze für die Ehe festzulegen. Ein reicher junger Mann stellt ihm die Frage, wie er ewiges Leben erben könne, doch als er hört, daß er, um einen Schatz im Himmel zu haben, seinen Besitz verkaufen und Jesu Nachfolger werden muß, ist er betrübt. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Es ist leichter für ein Kamel, durch ein Nadelöhr hindurchzugehen, als für einen Reichen, in das Königreich Gottes einzugehen.“ Diejenigen, die um der guten Botschaft willen alles aufgegeben haben, ermuntert er, indem er ihnen für die Gegenwart ein Hundertfaches verheißt, „unter Verfolgungen, und in dem kommenden System der Dinge ewiges Leben“ (10:1, 25, 30).

      23. Welches Gespräch ergibt sich auf dem Weg nach Jerusalem, und welches Wunder wirkt Jesus?

      23 Jesus und die Zwölf machen sich nun auf den Weg nach Jerusalem. Ein drittes Mal spricht er mit ihnen über die ihm bevorstehenden Leiden und auch über seine Auferstehung. Er fragt sie, ob sie denselben Becher trinken könnten, den er trinke, worauf er zu ihnen sagt: „Wer immer unter euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Als sie Jericho verlassen, ruft ein blinder Bettler vom Wegesrand aus: „Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!“ Jesus gibt dem Blinden das Augenlicht wieder; und das ist die letzte von Markus berichtete Wunderheilung Jesu (10:44, 47, 48).

      24, 25. (a) Was tut Jesus, wodurch er seine Gewalt beweist? (b) Mit welchen Argumenten antwortet er seinen Gegnern? (c) Welche Warnung gibt Jesus der Volksmenge, und wen erwähnt er lobend seinen Jüngern gegenüber?

      24 Jesus in und um Jerusalem (11:1⁠—⁠15:47). Nun überstürzen sich die Ereignisse förmlich. Jesus reitet auf einem Füllen in die Stadt, und die Menschen jubeln ihm als König zu. Am nächsten Tag reinigt er den Tempel. Die Oberpriester und die Schriftgelehrten bekommen Angst vor ihm und trachten ihm nach dem Leben. „Mit welcher Befugnis tust du diese Dinge?“ fragen sie (11:28). Jesus stellt ihnen geschickt eine Gegenfrage und erzählt das Gleichnis von den Weingärtnern, die den Erben des Weingartens töteten. Sie wissen genau, was er damit sagen will, und verlassen ihn.

      25 Dann schicken sie einige der Pharisäer, um ihn durch eine Frage, die das Zahlen der Steuer betrifft, zu fangen. Er verlangt einen Denar und fragt: „Wessen Bild und Aufschrift ist dies?“ Sie erwidern: „Cäsars.“ Jesus sagt dann: „Zahlt Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott.“ Kein Wunder, daß sie über ihn staunen! (12:16, 17). Nun versuchen die Sadduzäer, die nicht an die Auferstehung glauben, ihn durch die Frage zu fangen: ‘Wessen Ehefrau wird eine Frau, die nacheinander sieben Ehemänner hatte, in der Auferstehung sein?’ Jesus erwidert unverzüglich, daß diejenigen, die von den Toten auferstehen, „wie Engel in den Himmeln“ sein würden, denn sie würden nicht heiraten (12:19-23, 25). „Welches Gebot ist das erste von allen?“ fragt einer der Schriftgelehrten. Jesus antwortet: „Das erste ist: ‚Höre, o Israel: Jehova, unser Gott, ist e i n Jehova, und du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Sinn und mit deiner ganzen Kraft.‘ Das zweite ist dieses: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘ “ (12:28-31). Danach wagt niemand mehr, ihn zu befragen. Jesus hat sich wiederum als der vollkommene Lehrer erwiesen. Die große Volksmenge hört ihm gern zu, und Jesus warnt sie vor den wichtigtuerischen Schriftgelehrten. Seinen Jüngern gegenüber erwähnt er dann lobend die arme Witwe, die mehr in den Tempelschatzkasten legte als alle anderen, denn ihre zwei kleinen Münzen waren ‘alles, was sie hatte, ihr ganzer Lebensunterhalt’ (12:44).

      26. Welches ist das einzige von Markus aufgezeichnete lange Gespräch, und mit welchen ermahnenden Worten endet Jesus?

      26 Als Jesus auf dem Ölberg sitzt, dem Tempel gegenüber, und er mit vier seiner Jünger allein ist, spricht er mit ihnen von dem „Zeichen“ des Abschlusses dieser Dinge. (Das ist das einzige von Markus aufgezeichnete lange Gespräch, und es entspricht dem Gespräch in Matthäus, Kapitel 24 und 25.) Jesus endet mit folgenden ermahnenden Worten: „Von jenem Tag oder der Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel im Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater. Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wacht beständig“ (13:4, 32, 37).

      27. Beschreibe die Ereignisse, die zu Jesu Verrat in Gethsemane führen.

      27 Im nahe gelegenen Bethanien salbt eine Frau Jesus mit kostbarem wohlriechendem Öl. Einige erheben Einspruch, dies sei eine Verschwendung, aber Jesus erklärt, es sei eine vortreffliche Tat als Vorbereitung für sein Begräbnis. Zur bestimmten Zeit versammeln sich Jesus und die Zwölf in der Stadt zum Passah. Er sagt, wer ihn verraten werde, setzt das Gedächtnismahl mit seinen treuen Jüngern ein, und sie begeben sich zum Ölberg. Auf dem Weg weist Jesus sie darauf hin, daß sie alle zum Straucheln gebracht würden. „Ich nicht“, protestiert Petrus. Aber Jesus sagt zu ihm: „Selbst du wirst mich ... diese Nacht, bevor ein Hahn zweimal kräht, dreimal verleugnen.“ Als sie die Stelle erreichen, die Gethsemane genannt wird, zieht sich Jesus zurück, um zu beten, und er fordert seine Jünger auf zu wachen. Sein Gebet gipfelt in den Worten: „Abba, Vater, alle Dinge sind dir möglich; entferne diesen Becher von mir. Doch nicht, was ich will, sondern was du willst.“ Dreimal kehrt Jesus zu seinen Jüngern zurück, und dreimal findet er sie schlafend, ja „zu einer solchen Zeit, wie diese es ist“! (14:29, 30, 36, 41). Aber die Stunde ist gekommen! Siehe, der Verräter!

      28. Unter welchen Umständen wird Jesus verhaftet und dann vor den Hohenpriester gebracht?

      28 Judas nähert sich Jesus und küßt ihn. Das ist für die bewaffneten Männer der Oberpriester das Zeichen, Jesus zu verhaften. Sie bringen ihn zum Hof des Hohenpriesters, wo viele Personen falsches Zeugnis gegen ihn ablegen, aber ihre Zeugenaussagen stimmen nicht überein. Jesus selbst schweigt. Schließlich befragt ihn der Hohepriester: „Bist du der Christus, der Sohn des Gesegneten?“ Jesus erwidert: „Ich bin es.“ „Lästerung!“ schreit der Hohepriester, und sie alle verurteilen ihn als des Todes schuldig (14:61-64). Unten im Hof hat Petrus Jesus dreimal verleugnet. Ein Hahn kräht ein zweites Mal, und Petrus, der sich an Jesu Worte erinnert, bricht zusammen und weint.

      29. Was berichtet Markus über Jesu letztes Verhör und seine Hinrichtung, und was zeigt, daß das Königreich zur Debatte stand?

      29 Sogleich beim Morgengrauen berät sich der Sanhedrin und schickt Jesus gebunden zu Pilatus. Dieser erkennt bald, daß Jesus kein Verbrecher ist, und versucht, ihn freizulassen. Weil der von den Oberpriestern angestachelte Pöbel darauf besteht, liefert Pilatus Jesus schließlich aus, damit er an den Pfahl geschlagen werde. Zu diesem Zweck wird er dann nach Golgotha (was „Schädelstätte“ bedeutet) gebracht. Man befestigt über ihm eine Inschrift mit der gegen ihn erhobenen Anklage: „Der König der Juden“. Vorübergehende schmähen ihn: „Andere hat er gerettet; sich selbst kann er nicht retten!“ Um Mittag (die sechste Stunde) bricht über das ganze Land eine Finsternis herein, die bis 15 Uhr anhält. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ ruft dann Jesus mit lauter Stimme und stirbt. Als ein Offizier all das sieht, sagt er: „Bestimmt war dieser Mensch Gottes Sohn.“ Joseph von Arimathia, der zwar dem Sanhedrin angehört, aber an das Königreich Gottes glaubt, bittet Pilatus um Jesu Leib und legt diesen in eine Gruft, die in einen Felsen gehauen wurde (15:22, 26, 31, 34, 39).

      30. Was geschieht am ersten Tag der Woche an der Gruft?

      30 Ereignisse nach Jesu Tod (16:1-8). Sehr früh am ersten Tag der Woche gehen drei Frauen hinaus zur Gruft. Zu ihrer Überraschung stellen sie fest, daß der große Stein am Eingang weggewälzt ist. Ein ‘junger Mann’, der in der Gruft sitzt, erklärt ihnen, daß Jesus auferweckt worden sei (16:5). Er befinde sich nicht mehr hier, sondern gehe ihnen nach Galiläa voraus. Zitternd vor Angst, fliehen sie von der Gruft.

      WIESO NÜTZLICH

      31. (a) Wie bezeugt Markus, daß Jesus der Messias ist? (b) Wodurch wird Jesus als derjenige gekennzeichnet, der als Sohn Gottes Gewalt empfangen hatte, und was hob er hervor?

      31 Durch diese lebendige Schilderung Jesu Christi konnten von frühchristlichen Zeiten an bis jetzt alle Leser des Markusevangeliums feststellen, daß sich viele Prophezeiungen der Hebräischen Schriften, die im Hinblick auf den Messias gemacht wurden, erfüllt haben. Der gesamte von Markus aufgezeichnete Bericht über den eifrigen Dienst Jesu — von dem anfänglichen Zitat: „Siehe! Ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her“ bis zu Jesu schmerzlichen Worten am Pfahl: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ — stimmt mit dem überein, was in den Hebräischen Schriften vorhergesagt wurde (Mar. 1:2; 15:34; Mal. 3:1; Ps. 22:1). Darüber hinaus wird Jesus durch seine Wunder und seine anderen erstaunlichen Werke, seine gesunde Lehre, seine Art, etwas einwandfrei zu widerlegen, sein völliges Vertrauen auf das Wort und den Geist Jehovas und dadurch, daß er die Schafe liebevoll hütete, als derjenige gekennzeichnet, der als der Sohn Gottes kam, als jemand, der von Jehova Gewalt empfangen hatte. Deshalb lehrte er „wie einer, der Gewalt hat“, und er hob hervor, daß sein wichtigstes Werk hier auf der Erde das Predigen der „guten Botschaft Gottes“ war, einer Botschaft, die davon handelte, daß „das Königreich Gottes ... sich genaht“ hatte. Sein Lehren hat sich für diejenigen, die ihm Beachtung geschenkt haben, als von unschätzbarem Nutzen erwiesen (Mar. 1:22, 14, 15).

      32. Wievielmal gebraucht Markus den Ausdruck „Königreich Gottes“, und welches sind einige der maßgebenden Grundsätze, die er für diejenigen darlegt, die durch das Königreich Leben erlangen wollen?

      32 Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Euch ist das heilige Geheimnis des Königreiches Gottes gegeben worden.“ Markus gebraucht den Ausdruck „Königreich Gottes“ 14mal, und er legt viele maßgebende Grundsätze für diejenigen dar, die durch das Königreich Leben erlangen würden. Jesus erklärte: „Wer ... seine Seele um meinetwillen und um der guten Botschaft willen verliert, wird sie retten.“ Alles, was uns in dem Bemühen, Leben zu erlangen, hinderlich ist, muß beseitigt werden: „Es ist besser für dich, einäugig in das Königreich Gottes einzugehen, als mit zwei Augen in die Gehenna geworfen zu werden.“ Jesus äußerte auch folgende Worte: „Wer immer das Königreich Gottes nicht aufnimmt wie ein kleines Kind, wird bestimmt nicht in dasselbe eingehen“ und: „Wie schwierig wird es für die sein, die Geld haben, in das Königreich Gottes einzugehen!“ Er sagte, derjenige, der erkenne, daß das Halten der zwei großen Gebote weit mehr wert sei als alle Ganzbrandopfer und Schlachtopfer, sei „nicht fern vom Königreich Gottes“. Diese und andere Königreichslehren des Markusevangeliums sind ernste Mahnungen fürs tägliche Leben (4:11; 8:35; 9:43-48; 10:13-15, 23-25; 12:28-34).

      33. (a) Wie können wir aus dem Markusevangelium Nutzen ziehen? (b) Zu welchem Lauf sollte uns das Buch anspornen, und warum?

      33 Die gute Botschaft „nach Markus“ kann vielleicht in ein oder zwei Stunden vollständig durchgelesen werden, wobei dem Leser auf spannende und eindrucksvolle Weise ein kurzer Überblick über den Dienst Jesu gegeben wird. Diesen inspirierten Bericht ohne Unterbrechung zu lesen sowie ihn näher zu untersuchen und darüber nachzusinnen ist immer nützlich. Das Markusevangelium ist heute für verfolgte Christen genauso wertvoll wie im ersten Jahrhundert, denn wahre Christen leben jetzt in „kritischen Zeiten ..., mit denen man schwer fertig wird“, und benötigen eine inspirierte Anleitung, wie sie in dem Bericht über Jesus Christus, das Beispiel für uns, zu finden ist. Lies ihn, und laß dich durch seine dramatische Handlung begeistern und dazu anspornen, den Fußstapfen Jesu, des Hauptvermittlers und Vervollkommners unseres Glaubens, mit derselben unbesiegbaren Freude zu folgen, die er bekundete (2. Tim. 3:1; Heb. 12:2). Ja, erlebe Jesus als einen Mann der Tat, sei durchdrungen von seinem Eifer, und ahme seine kompromißlose Integrität und seinen kompromißlosen Mut nach, den er trotz Prüfungen und Widerstand bewies. Schöpfe aus diesem inhaltsreichen Teil der inspirierten Schriften Trost. Möge dir das Markusevangelium in dem Bemühen, ewiges Leben zu erlangen, von Nutzen sein!

      [Fußnote]

      a Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, MARKUSEVANGELIUM.

  • 42. Bibelbuch — Lukas
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 42. Bibelbuch — Lukas

      Schreiber: Lukas

      Ort der Niederschrift: Cäsarea

      Vollendung der Niederschrift: um 56—58 u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 3 v. u. Z. bis 33 u. Z.

      1. Wodurch zeichnet sich das Lukasevangelium aus?

      DAS Lukasevangelium stammt von einem scharfsinnigen und gutherzigen Mann. Diesen beiden vortrefflichen Eigenschaften und der Leitung des Geistes Gottes ist es zuzuschreiben, daß ein Bericht entstand, der sowohl genau als auch von Wärme und Gefühl durchdrungen ist. In der Einleitung sagt Lukas: „Auch ich [beschloß], weil ich allen Dingen von Anbeginn genau nachgegangen bin, sie dir ... in logischer Reihenfolge zu schreiben.“ Seine ausführliche und äußerst genaue Darlegung bestätigt diese Behauptung voll und ganz (Luk. 1:3).

      2, 3. Welche außerbiblischen und welche biblischen Beweise deuten auf den Arzt Lukas als den Schreiber dieses Evangeliums hin?

      2 Lukas wird zwar in dem Bericht nirgends namentlich erwähnt, aber antike Schriftsteller stimmen darin überein, daß er der Schreiber war. Im Muratorischen Fragment (um 170 u. Z.) wird dieses Evangelium auf Lukas zurückgeführt, und Schriftsteller des 2. Jahrhunderts wie Irenäus und Klemens von Alexandria erkannten es an. Auch der Inhalt selbst weist eindeutig auf Lukas hin. Von Paulus wird er „Lukas, der geliebte Arzt“, genannt (Kol. 4:14), und sein Werk ist so geschickt aufgebaut, wie man es von einem gebildeten Mann wie einem Arzt erwarten würde. Seine vortreffliche Ausdrucksweise und der reichhaltige Wortschatz — der größer ist als der der drei anderen Evangelisten zusammengenommen — ermöglichten eine äußerst sorgfältige und umfassende Behandlung seines höchst wichtigen Themas. Seinen Bericht vom verlorenen Sohn halten einige für die beste Kurzgeschichte, die je geschrieben wurde.

      3 Lukas gebraucht mehr als 300 medizinische Ausdrücke oder Wörter, die er vom medizinischen Standpunkt aus verwendet, die die anderen Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften (wenn überhaupt) nicht in diesem Sinne gebrauchen.a Zum Beispiel verwendet Lukas in Verbindung mit Aussatz nicht immer den gleichen Ausdruck wie die anderen. Für sie ist Aussatz einfach Aussatz, aber für den Arzt gibt es verschiedene Stadien des Aussatzes. So spricht Lukas zum Beispiel von einem „Mann, voll von Aussatz“. Lazarus bezeichnet er als einen Mann, „der voller Geschwüre war“. Keiner der anderen Evangelisten berichtet, daß die Schwiegermutter des Petrus ‘hohes Fieber’ hatte (5:12; 16:20; 4:38). Die anderen drei berichten zwar auch, daß Petrus dem Sklaven des Hohenpriesters das Ohr abhieb, aber nur Lukas erwähnt, daß Jesus ihn heilte (22:51). Es ist typisch für einen Arzt, von einer Frau zu sagen: „[Sie hatte] achtzehn Jahre lang einen Geist der Schwachheit ..., und sie war zusammengekrümmt und unfähig, sich selbst überhaupt aufzurichten.“ Und wer außer „Lukas, der geliebte Arzt“, hätte so eingehend beschrieben, wie der Samariter einem Mann Erste Hilfe leistete, indem er „ihm seine Wunden [verband], wobei er Öl und Wein auf sie goß“? (13:11; 10:34).

      4. Wann wurde das Lukasevangelium wahrscheinlich geschrieben, und welche Umstände sprechen für diese Ansicht?

      4 Wann hat Lukas sein Evangelium geschrieben? Aus Apostelgeschichte 1:1 geht hervor, daß der Schreiber der Apostelgeschichte (ebenfalls Lukas) vorher schon „den ersten Bericht“, das Evangelium, verfaßt hatte. Die Apostelgeschichte wurde sehr wahrscheinlich um das Jahr 61 u. Z. vollendet, als Lukas mit Paulus in Rom war, wo dieser auf sein Berufungsverfahren vor Cäsar wartete. Demnach müßte Lukas sein Evangelium um 56 bis 58 u. Z. in Cäsarea geschrieben haben, nachdem er mit Paulus am Ende der dritten Missionsreise des Apostels von Philippi zurückgekehrt war, das heißt in den zwei Jahren, in denen Paulus dort im Gefängnis darauf wartete, wegen seiner Berufung nach Rom gebracht zu werden. Da sich Lukas während dieser Zeit in Palästina aufhielt, war es ihm gut möglich, in bezug auf das Leben und den Dienst Jesu ‘allen Dingen von Anbeginn genau nachzugehen’. Somit entstand das Lukasevangelium wahrscheinlich vor dem Markusevangelium.

      5. Welchen Quellen mag Lukas „genau nachgegangen“ sein, um die Einzelheiten aus dem Leben Jesu zu erfahren?

      5 Lukas war bekanntlich kein Augenzeuge der Ereignisse, über die er in seinem Evangelium berichtet, da er nicht zu den Zwölfen gehörte und vielleicht sogar erst nach Jesu Tod gläubig wurde. Er war jedoch ein treuer Gefährte des Paulus auf dessen Missionsreisen (2. Tim. 4:11; Philem. 24). Daher lassen seine Aufzeichnungen erwartungsgemäß den Einfluß des Paulus erkennen, was ein Vergleich ihrer beiden Berichte über das Abendmahl des Herrn in Lukas 22:19, 20 und 1. Korinther 11:23-25 deutlich erkennen läßt. Außerdem hätte Lukas das Matthäusevangelium als Quellenmaterial benutzen können. Um ‘allen Dingen genau nachzugehen’, hätte er auch Augenzeugen der Ereignisse aus dem Leben Jesu persönlich befragen können, zum Beispiel die noch lebenden Jünger, ja sogar vielleicht Maria, die Mutter Jesu. Wir können überzeugt sein, daß er nichts unversucht ließ, um die Einzelheiten aus zuverlässigen Quellen zusammenzutragen.

      6. Wieviel Prozent des Lukasevangeliums kommen in keinem anderen Evangelium vor, und für wen schrieb Lukas? Warum antwortest du so?

      6 Eine Prüfung der vier Evangelien macht deutlich, daß die Schreiber nicht einfach die Erzählungen voneinander wiederholt und auch nicht beabsichtigt haben, diesen äußerst wichtigen Bibelbericht lediglich durch mehrere Zeugnisse zu bestätigen. Der Bericht des Lukas ist sehr individuell gestaltet. Insgesamt 59 Prozent seines Evangeliums kommen in keinem anderen vor. Er erwähnt mindestens sechs bedeutende Wunder, die in den anderen Evangelien nicht erwähnt werden, und mehr als doppelt so viele Gleichnisse. Ein Drittel seines Evangeliums widmet er der Erzählung und zwei Drittel der wörtlichen Rede. Sein Evangelium ist das längste der vier Evangelien. Matthäus schrieb vorwiegend für die Juden und Markus für nichtjüdische Leser, vor allem für die Römer. Das Lukasevangelium war an den ‘vortrefflichsten Theophilus’ gerichtet und durch ihn auch an andere, Juden und Nichtjuden (Luk. 1:3, 4). Um seinem Bericht einen allgemeinen Charakter zu verleihen, führt Lukas das Geschlechtsregister Jesu im Gegensatz zu Matthäus (der hauptsächlich für die Juden schrieb) nicht nur bis auf Abraham zurück, sondern bis auf ‘Adam, den Sohn Gottes’. Er zitiert die prophetischen Worte Simeons, daß Jesus das Mittel „zur Beseitigung des Schleiers von den Nationen“ sein werde, und erwähnt auch, daß ‘alles Fleisch Gottes Mittel zur Rettung sehen werde’ (3:38; 2:29-32; 3:6).

      7. Welche überzeugenden Beweise gibt es für die Glaubwürdigkeit des Lukasevangeliums?

      7 Lukas erweist sich in seinem ganzen Evangelium als hervorragender Erzähler; seine Aufzeichnungen sind wohlgeordnet und genau. Die Genauigkeit und der Wahrheitsgehalt der Schriften des Lukas sind ein überzeugender Beweis für ihre Glaubwürdigkeit. Ein Jurist schrieb einmal: „Während in Romanen, Legenden und Falschaussagen das Geschehen stets an einen entfernten Ort und in eine unbestimmte Zeit verlegt wird — ein Verstoß gegen die Grundregel des guten Plädoyers, die wir als Anwälte lernen mußten, nämlich: ‚Aus der Aussage müssen Zeit und Ort hervorgehen‘ —, erfahren wir aus den biblischen Erzählungen ganz genau, wann und wo sich das Geschehen abspielte.“b Als Beweis zitierte er Lukas 3:1, 2: „Im fünfzehnten Jahr der Regierung des Tiberius Cäsar, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war und Herodes Bezirksherrscher von Galiläa, sein Bruder Philippus aber Bezirksherrscher des Landes Ituräa und Trachonitis und Lysanias Bezirksherrscher von Abilene, in den Tagen des Oberpriesters Annas und des Kaiphas, erging Gottes Ausspruch an Johannes, den Sohn Sacharjas, in der Wildnis.“ Hier stellt man keine vagen Anhaltspunkte über Zeit oder Ort fest, sondern Lukas nennt nicht weniger als sieben Staatsbeamte, so daß wir erkennen können, wann Johannes und Jesus ihren Dienst begonnen haben.

      8. Wie zeigt Lukas „genau“, wann Jesus geboren ist?

      8 Lukas gibt uns auch zwei Anhaltspunkte, die uns helfen festzustellen, wann Jesus geboren wurde, indem er laut Lukas 2:1, 2 sagt: „In jenen Tagen nun ging eine Verordnung von Cäsar Augustus aus, daß die ganze bewohnte Erde eingeschrieben werde (diese erste Einschreibung fand statt, als Quirinius Statthalter von Syrien war).“ Zu dieser Zeit gingen Joseph und Maria nach Bethlehem hinauf, um sich einschreiben zu lassen, und während ihres Aufenthalts dort wurde Jesus geboren.c Wir können nicht anders als dem Kommentator zustimmen, der sagt: „Es ist eines der entscheidendsten Kriterien für den Geschichtssinn des Lukas, daß es ihm stets gelungen ist, vollkommen genau zu sein.“d Wir müssen den Anspruch des Lukas, „allen Dingen von Anbeginn genau nachgegangen“ zu sein, für berechtigt anerkennen.

      9. Welche von Lukas aufgezeichnete Prophezeiung Jesu erfüllte sich im Jahre 70 u. Z. auf bemerkenswerte Weise?

      9 Lukas weist ferner darauf hin, daß sich die Prophezeiungen der Hebräischen Schriften an Jesus Christus genau erfüllt haben. Er führt das inspirierte Zeugnis Jesu hierüber an (24:27, 44). Außerdem gibt er die Prophezeiungen Jesu über künftige Ereignisse genau wieder, und viele davon haben sich bereits in allen Einzelheiten erfüllt. Zum Beispiel wurde Jerusalem — wie von Jesus vorausgesagt — von einem Belagerungswerk aus Spitzpfählen umgeben und fand im Jahre 70 u. Z. ein schreckliches Ende (Luk. 19:43, 44; 21:20-24; Mat. 24:2). Der Historiker Flavius Josephus, der auf römischer Seite ein Augenzeuge der Belagerung war, bestätigt, daß das Gelände auf eine Entfernung von 16 Kilometern kahlgeschlagen wurde, um Pfähle zu beschaffen, daß der Belagerungswall 7,2 Kilometer lang war, daß viele Frauen und Kinder verhungerten, mehr als 1 000 000 Juden umkamen und 97 000 gefangengenommen wurden. Bis auf den heutigen Tag ist auf dem Titusbogen in Rom der römische Triumphzug mit der Kriegsbeute aus dem Tempel von Jerusalem zu sehen.e Wir können überzeugt sein, daß sich noch weitere von Lukas aufgezeichnete inspirierte Prophezeiungen ebenso genau erfüllen werden.

      INHALT DES LUKASEVANGELIUMS

      10. Was hatte Lukas beschlossen?

      10 Einleitung (1:1-4). Lukas berichtet, er sei allen Dingen von Anfang an genau nachgegangen und habe beschlossen, sie in logischer Reihenfolge niederzuschreiben, damit der ‘vortrefflichste Theophilus die Gewißheit dieser Dinge völlig erkenne’ (1:3, 4).

      11. Welche freudigen Ereignisse werden im ersten Kapitel des Lukasevangeliums berichtet?

      11 Die ersten Lebensjahre Jesu (1:5⁠—⁠2:52). Ein Engel erscheint dem betagten Priester Sacharja mit der erfreulichen Nachricht von der bevorstehenden Geburt eines Sohnes, den er Johannes nennen soll. Doch bis zur Geburt des Jungen wird Sacharja nicht sprechen können. Wie verheißen, wird seine Frau Elisabeth schwanger, obwohl sie ebenfalls „an Jahren schon vorgerückt“ ist. Etwa sechs Monate später erscheint der Engel Gabriel Maria und sagt ihr, sie werde durch die „Kraft des Höchsten“ empfangen und einen Sohn gebären, der Jesus genannt werden solle. Maria besucht Elisabeth und erklärt nach einer freudigen Begrüßung strahlend: „Meine Seele verherrlicht Jehova, und mein Geist kann sich nicht zurückhalten, über Gott, meinen Retter, zu frohlocken.“ Sie spricht von Jehovas heiligem Namen und von seiner großen Barmherzigkeit gegenüber denen, die ihn fürchten. Nach der Geburt des Johannes wird Sacharjas Zunge gelöst, und er spricht ebenfalls von Gottes Barmherzigkeit und weist darauf hin, daß Johannes ein Prophet sein wird, der den Weg Jehovas bereiten wird (1:7, 35, 46, 47).

      12. Was wird über die Geburt und die Kindheit Jesu gesagt?

      12 Zur gegebenen Zeit wird Jesus in Bethlehem geboren, und ein Engel kündigt diese „gute Botschaft großer Freude“ Hirten an, die bei Nacht ihre Herden bewachen. Jesus wird, wie im Gesetz vorgeschrieben, beschnitten, und als ihn dann seine Eltern im Tempel ‘Jehova darstellen’, reden der betagte Simeon und die Prophetin Anna über das Kind. In Nazareth ‘wächst Jesus heran und erstarkt, er wird mit Weisheit erfüllt, und Gottes Gunst bleibt weiterhin auf ihm’ (2:10, 22, 40). Als Zwölfjähriger versetzt Jesus bei einem Besuch in Jerusalem die Lehrer durch sein Verständnis und seine Antworten in Erstaunen.

      13. Was predigt Johannes, und was geschieht bei der Taufe Jesu und unmittelbar danach?

      13 Vorbereitung für den Dienst (3:1⁠—⁠4:13). Im 15. Jahr der Regierung des Tiberius Cäsar ergeht Gottes Ausspruch an Johannes, den Sohn Sacharjas, und er beginnt, „die Taufe als Symbol der Reue zur Vergebung von Sünden“ zu predigen, damit „alles Fleisch ... Gottes Mittel zur Rettung“ sehe (3:3, 6). Als alles Volk im Jordan getauft wird, wird auch Jesus getauft, und während er betet, kommt der heilige Geist auf ihn herab, und sein Vater bekundet vom Himmel her sein Wohlgefallen. Jesus Christus ist jetzt etwa 30 Jahre alt. (Sein Geschlechtsregister wird von Lukas angegeben.) Nach seiner Taufe wird er vom Geist 40 Tage lang in der Wildnis umhergeführt, wo der Teufel ihn vergeblich versucht und sich danach „bis zu einer anderen passenden Zeit“ zurückzieht (4:13).

      14. Wo macht Jesus seinen Auftrag klar, worin besteht dieser, und wie reagieren seine Zuhörer?

      14 Anfänge des Dienstes Jesu, vorwiegend in Galiläa (4:14⁠—⁠9:62). In der Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth macht Jesus seinen Auftrag klar, indem er die Prophezeiung aus Jesaja 61:1, 2 vorliest und auf sich anwendet: „Jehovas Geist ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, um den Armen gute Botschaft zu verkünden, er hat mich ausgesandt, um den Gefangenen Freilassung zu predigen und den Blinden Wiederherstellung des Augenlichts, um die Zerschlagenen als Freigelassene wegzusenden, um Jehovas annehmbares Jahr zu predigen“ (4:18, 19). Während er weiterredet, wandelt sich die anfängliche Freude seiner Zuhörer über seine Worte in Zorn um, und sie versuchen, ihn umzubringen. Daher zieht er nach Kapernaum um, wo er viele Menschen heilt. Die Volksmengen folgen ihm und suchen ihn zurückzuhalten, aber er sagt: „Auch anderen Städten muß ich die gute Botschaft vom Königreich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich ausgesandt worden“ (4:43). So predigt er dann in den Synagogen von Judäa.

      15. Beschreibe, wie Petrus, Jakobus und Johannes sowie Matthäus berufen werden.

      15 In Galiläa bewirkt Jesus für Simon (auch Petrus genannt), Jakobus und Johannes einen wunderbaren Fischfang. Er sagt zu Simon: „Von nun an wirst du Menschen lebendig fangen.“ Daher verlassen sie alles und folgen ihm. Jesus fährt fort, zu beten und zu lehren, und ‘Jehovas Kraft ist für ihn da, um zu heilen’ (5:10, 17). Er beruft Levi (Matthäus), einen verachteten Steuereinnehmer. Dieser ehrt Jesus mit einem großen Gastmahl, bei dem auch „eine große Menge Steuereinnehmer“ zugegen ist (5:29). Das führt zur ersten einer Anzahl von Auseinandersetzungen mit den Pharisäern, die sie so wütend machen, daß sie beschließen, etwas gegen Jesus zu unternehmen.

      16. (a) Was tut Jesus, bevor er die 12 Apostel auswählt? (b) Welche Gedanken hebt Lukas in seiner Wiedergabe einer Predigt hervor, die der Bergpredigt entspricht?

      16 Nachdem Jesus eine ganze Nacht im Gebet zu Gott zugebracht hat, wählt er aus seinen Jüngern 12 Apostel aus. Weitere Heilungen folgen. Dann hält er die in Lukas 6:20-49 aufgezeichnete Predigt, die einer verkürzten Form der Bergpredigt aus Matthäus, Kapitel 5 bis 7 entspricht. Jesus macht folgende Gegenüberstellung: „Glücklich seid ihr Armen, denn euer ist das Königreich Gottes. Doch wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt bereits euren vollen Trost“ (6:20, 24). Er ermahnt seine Zuhörer, ihre Feinde zu lieben, barmherzig zu sein, sich im Geben zu üben und aus dem guten Schatz des Herzens Gutes hervorzubringen.

      17. (a) Welche Wunder vollbringt Jesus danach? (b) Wie beantwortet Jesus den Boten Johannes’ des Täufers die Frage, ob er der Messias sei?

      17 Als Jesus nach Kapernaum zurückkehrt, erreicht ihn die Bitte eines Offiziers, einen leidenden Sklaven zu heilen. Der Offizier hält sich nicht für würdig, Jesus unter seinem Dach zu haben, und bittet ihn, von seinem Aufenthaltsort aus ‘ein Wort zu sprechen’. Daraufhin wird der Sklave geheilt, und Jesus fühlt sich zu der Bemerkung veranlaßt: „Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich so großen Glauben gefunden“ (7:7, 9). Zum ersten Mal auferweckt Jesus einen Toten, den einzigen Sohn einer Witwe von Nain, weil er „von Mitleid mit ihr bewegt“ wird (7:13). Als sich die Botschaft über Jesus in ganz Judäa verbreitet, läßt Johannes der Täufer ihn vom Gefängnis aus fragen: „Bist du der Kommende?“ Jesus gibt den Boten zur Antwort: „Geht hin, berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde erhalten das Augenlicht, Lahme gehen umher, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird die gute Botschaft erzählt. Und glücklich ist, wer nicht Anstoß an mir nimmt“ (7:19, 22, 23).

      18. Welche Gleichnisse äußert Jesus, welche Werke vollbringt er und welche Ermahnungen erteilt er, während er fortfährt, das Königreich zu predigen?

      18 Begleitet von den Zwölfen, geht Jesus ‘von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf, wobei er predigt und die gute Botschaft vom Königreich Gottes verkündigt’. Er erzählt das Gleichnis vom Sämann und schließt dann seine Rede mit den Worten ab: „Gebt daher acht, wie ihr zuhört; denn wer immer hat, dem wird mehr gegeben werden, wer immer aber nicht hat, dem wird auch noch das, was er zu haben meint, weggenommen werden“ (8:1, 18). Jesus vollbringt weitere erstaunliche Werke und Wunder. Er gibt auch den Zwölfen Gewalt über die Dämonen und die Macht, Krankheiten zu heilen, und er sendet sie aus, „das Königreich Gottes zu predigen und zu heilen“. Durch ein Wunder speist Jesus 5 000. Er wird auf dem Berg umgestaltet, und am folgenden Tag heilt er einen von einem Dämon besessenen Knaben, den die Jünger nicht heilen konnten. Zu denen, die ihm folgen möchten, sagt er mahnend: „Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Schlafsitze, der Menschensohn aber hat keine Stätte, wo er sein Haupt niederlegen kann.“ Um für das Königreich Gottes tauglich zu sein, muß man seine Hand an den Pflug legen und darf nicht zurückblicken (9:2, 58).

      19. Durch welches Gleichnis veranschaulicht Jesus wahre Nächstenliebe?

      19 Jesu späterer Dienst in Judäa (10:1⁠—⁠13:21). Jesus sendet 70 weitere in „die Ernte“ aus, und sie kehren voll Freude über den Erfolg ihres Dienstes zurück. Während Jesus predigt, fragt ihn ein Mann, der beweisen möchte, daß er gerecht ist: „Wer ist in Wirklichkeit mein Nächster?“ Jesus antwortet mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Ein Mann, der von Räubern geschlagen und halb tot am Straßenrand liegengelassen worden ist, wird weder von einem vorbeigehenden Priester noch von einem Leviten beachtet. Ein verachteter Samariter dagegen hält an, behandelt sorgsam seine Wunden, hebt ihn auf sein eigenes Tier, bringt ihn in eine Herberge und gibt dem Wirt Geld, damit er für ihn sorge. Ja, der, „der ihm gegenüber barmherzig handelte“, hat sich als Nächster erwiesen (10:2, 29, 37).

      20. (a) Welche Lehre erteilt Jesus in Verbindung mit Martha und Maria? (b) Wie weist er auf die Wichtigkeit des Gebets hin?

      20 Jesus erteilt Martha in ihrem Haus einen milden Tadel, weil sie zu sehr um ihre Hausarbeiten besorgt ist; zu Maria, die sich niedergesetzt hat und seinem Wort lauscht, sagt er jedoch lobend, sie habe das bessere Teil erwählt. Er lehrt seine Jünger das Mustergebet und prägt ihnen auch die Notwendigkeit ein, beim Beten beharrlich zu sein, indem er sagt: „Bittet unablässig, und es wird euch gegeben werden; sucht fortwährend, und ihr werdet finden.“ Später treibt er Dämonen aus und erklärt die für glücklich, „die das Wort Gottes hören und es bewahren“. Bei einem Essen kommt es zwischen ihm und den Pharisäern wegen des Gesetzes zu einer Auseinandersetzung, und er spricht ein Wehe über sie aus, weil sie „den Schlüssel der Erkenntnis“ weggenommen haben (11:9, 28, 52).

      21. Wie warnt Jesus vor Habsucht, und wozu fordert er seine Jünger auf?

      21 Während Jesus wieder bei der Volksmenge ist, tritt jemand mit der Bitte an ihn heran: „Sag meinem Bruder, daß er die Erbschaft mit mir teile.“ Jesus trifft den Kern des Problems, indem er erwidert: „Haltet eure Augen offen, und hütet euch vor jeder Art von Habsucht, denn wenn jemand auch in Fülle hat, kommt doch sein Leben nicht aus den Dingen, die er besitzt.“ Danach führt er das Gleichnis von dem Reichen an, der seine Vorratshäuser abbrach, um größere zu bauen, dann aber in derselben Nacht starb und seinen Reichtum anderen zurücklassen mußte. Jesus sagt kurz und bündig: „So ergeht es dem Menschen, der Schätze für sich aufhäuft, aber nicht reich ist Gott gegenüber.“ Nachdem er seine Jünger aufgefordert hat, zuerst Gottes Königreich zu suchen, sagt er zu ihnen: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Königreich zu geben.“ Als er am Sabbat eine Frau heilt, die 18 Jahre lang krank gewesen ist, gerät er mit seinen Gegnern erneut in Konflikt, aber sie werden beschämt (12:13, 15, 21, 32).

      22. Durch welche treffenden Gleichnisse unterweist Jesus seine Zuhörer über das Königreich?

      22 Jesu späterer Dienst, vorwiegend in Peräa (13:22 bis 19:27). Jesus gebraucht anschauliche Gleichnisse, um seine Zuhörer auf das Königreich Gottes hinzuweisen. Er zeigt, daß Personen, die nach Ansehen und Ehre streben, erniedrigt werden. Wer ein Gastmahl veranstaltet, sollte die Armen einladen, die ihm nicht vergelten können; er wird glücklich sein, und es wird ihm „in der Auferstehung der Gerechten vergolten werden“. Als nächstes erzählt Jesus das Gleichnis von dem Mann, der ein großartiges Abendessen veranstaltet. Die Geladenen entschuldigen sich einer nach dem anderen: Einer hat ein Feld gekauft, ein anderer einige Rinder, und ein dritter hat eben eine Frau geheiratet. In seinem Zorn läßt der Hausherr „die Armen und Krüppel und Blinden und Lahmen“ hereinbringen; er sagt, keiner von denen, die zuerst eingeladen gewesen seien, würde von seinem Essen auch nur „kosten“ (14:14, 21, 24). Er äußert das Gleichnis vom verlorenen Schaf, das gefunden wird, und fügt dann hinzu: „Ich sage euch, daß so im Himmel mehr Freude über einen einzigen Sünder sein wird, der bereut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Reue nicht bedürfen“ (15:7). Bei dem Gleichnis von der Frau, die ihr Haus fegt, um eine einzige Drachme wiederzufinden, geht es um einen ähnlichen Punkt.f

      23. Was wird durch das Gleichnis vom verlorenen Sohn veranschaulicht?

      23 Danach spricht Jesus von dem verlorenen Sohn, der seinen Vater bat, ihm seinen Anteil des Eigentums zu geben, und der dann alles verschwendete, „indem er ein ausschweifendes Leben führte“. Als er in bittere Not geriet, kam er zur Besinnung und kehrte im Vertrauen auf die Barmherzigkeit seines Vaters nach Hause zurück. Sein Vater, von Mitleid bewegt, „lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn zärtlich“. Er gab ihm ein schönes Gewand und ließ ein großes Festmahl bereiten, und „sie fingen an, fröhlich zu sein“. Doch der ältere Bruder war darüber empört. Gütig wies ihn sein Vater zurecht: „Kind, du bist immer bei mir gewesen, und alles, was mein ist, ist dein; aber wir mußten einfach fröhlich sein und uns freuen, denn dieser dein Bruder war tot und kam zum Leben, und er war verloren und wurde gefunden“ (15:13, 20, 24, 31, 32).

      24. Welche Wahrheiten unterstreicht Jesus in dem Gleichnis vom reichen Mann und von Lazarus sowie in dem vom Pharisäer und vom Steuereinnehmer?

      24 Als die geldliebenden Pharisäer das Gleichnis von dem ungerechten Verwalter hören, verhöhnen sie die Lehre Jesu, aber er sagt: „Ihr seid es, die sich vor Menschen selbst gerechtsprechen, aber Gott kennt euer Herz; denn was bei den Menschen hoch ist, ist etwas Abscheuliches in Gottes Augen“ (16:15). Durch das Gleichnis vom reichen Mann und von Lazarus zeigt er, wie groß die Kluft zwischen den von Gott Begünstigten und den von ihm Mißbilligten ist. Jesus macht die Jünger darauf aufmerksam, daß es Ursachen zum Straucheln geben wird. „Doch wehe dem, durch den sie entstehen!“ Er spricht von Schwierigkeiten, die auftreten werden, wenn „der Menschensohn geoffenbart wird“. „Denkt an Lots Frau“, ermahnt er sie (17:1, 30, 32). Durch ein Gleichnis gibt er die Zusicherung, daß Gott ganz gewiß zugunsten derer handeln wird, die „Tag und Nacht zu ihm schreien“ (18:7). Durch ein weiteres Gleichnis tadelt er die Selbstgerechten: Ein Pharisäer, der im Tempel betet, dankt Gott, daß er nicht ist wie andere Menschen. Ein Steuereinnehmer, der in einiger Entfernung steht und nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben will, betet: „O Gott, sei mir, einem Sünder, gnädig.“ Wie denkt Jesus darüber? Er erklärt den Steuereinnehmer für gerechter als den Pharisäer, „denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (18:13, 14). Als Jesus in Jericho bei dem Steuereinnehmer Zachäus zu Gast ist, erzählt er das Gleichnis von den zehn Minen, durch das er zeigt, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen es führt, wenn man anvertrautes Gut treu gebraucht oder es einfach vergräbt.

      25. Wie beginnt Jesus den letzten Abschnitt seines Dienstes, und welche warnende Prophezeiung äußert er?

      25 Abschließender öffentlicher Dienst in und um Jerusalem (19:28⁠—⁠23:25). Als Jesus auf einem Füllen in Jerusalem einreitet und die Menge der Jünger ihn als den begrüßt, „der als der König im Namen Jehovas kommt“, fordern ihn die Pharisäer auf, es seinen Jüngern zu verbieten. Jesus erwidert: „Wenn diese stumm blieben, würden die Steine schreien“ (19:38, 40). Er äußert seine denkwürdige Prophezeiung von der Zerstörung der Stadt Jerusalem, wobei er darauf hinweist, daß man sie mit Spitzpfählen umgeben, sie bedrängen und sie samt ihren Kindern zu Boden schmettern werde, ja daß kein Stein auf dem anderen gelassen werde. Jesus lehrt das Volk im Tempel, verkündet die gute Botschaft und beantwortet durch treffende Gleichnisse und stichhaltige Argumente die spitzfindigen Fragen der Oberpriester, der Schriftgelehrten und der Sadduzäer. Er schildert auf eindrucksvolle Weise das große Zeichen des Endes, wobei er wiederum erwähnt, daß Jerusalem von Heeren umlagert werde. Die Menschen werden ohnmächtig werden aus Furcht vor den Dingen, die kommen werden; doch wenn diese Dinge geschehen, sollen sich seine Nachfolger ‘aufrichten und ihre Häupter emporheben, weil ihre Befreiung naht’. Sie sollen wach bleiben, damit es ihnen gelingt, all dem zu entgehen, was geschehen soll (21:28).

      26. (a) Welche Bündnisse führt Jesus ein, und womit verbindet er sie? (b) Wie wird Jesus in seiner Prüfung gestärkt, und welchen Verweis erteilt er bei seiner Festnahme?

      26 Es ist jetzt der 14. Nisan 33 u. Z. Jesus hält das Passah und macht dann seine treuen Apostel mit dem „neuen Bund“ bekannt, indem er ihn mit dem sinnbildlichen Mahl verbindet, das sie immer wieder zur Erinnerung an ihn durchführen sollten. Des weiteren sagt er zu ihnen: „Ich mache einen Bund mit euch, so wie mein Vater einen Bund mit mir gemacht hat, für ein Königreich“ (22:20, 29). Während Jesus in jener Nacht am Ölberg betet, erscheint ihm ein Engel vom Himmel und stärkt ihn. Als er jedoch in sorgenvolle Erregung gerät, betet er noch inbrünstiger; sein Schweiß wird wie Blutstropfen, die zur Erde fallen. Jetzt spitzt sich die Situation zu, denn Judas, der Verräter, führt einen Pöbelhaufen heran, um Jesus festzunehmen. Die Jünger rufen: „Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?“ Einer von ihnen haut dem Sklaven des Hohenpriesters sogar das Ohr ab, aber Jesus weist sie zurecht und heilt den verwundeten Mann (22:43, 44, 49).

      27. (a) Worin versagt Petrus? (b) Welche Anklagen werden gegen Jesus erhoben, und unter welchen Umständen wird er verhört und verurteilt?

      27 Jesus wird zum Haus des Hohenpriesters gebracht, um verhört zu werden. In der Kühle der Nacht mischt sich Petrus mitten unter die Menge, die bei einem Feuer sitzt. Dreimal wird er beschuldigt, ein Nachfolger Jesu zu sein, und dreimal leugnet er es. Dann kräht der Hahn. Der Herr wendet sich um und blickt Petrus an, und Petrus erinnert sich, daß Jesus dies vorhergesagt hatte; er geht hinaus und weint bitterlich. Nachdem Jesus in den Saal des Sanhedrins geschleppt worden ist, wird er Pilatus vorgeführt, wo man ihn anklagt, die Nation aufzuwiegeln, indem er das Zahlen von Steuern verbiete und sage, „er selbst sei Christus, ein König“. Als Pilatus erfährt, daß Jesus ein Galiläer ist, sendet er ihn zu Herodes, der zu der Zeit zufällig in Jerusalem ist. Herodes und seine Wachmannschaften treiben Spott mit Jesus und senden ihn zur Verurteilung vor einer rasenden Volksmenge zu Pilatus zurück. Pilatus ‘übergibt Jesus ihrem Willen’ (23:2, 25).

      28. (a) Was verheißt Jesus dem Dieb, der Glauben an ihn bekundet? (b) Was berichtet Lukas über den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung Jesu?

      28 Jesu Tod, Auferstehung und Himmelfahrt (23:26 bis 24:53). Jesus wird zwischen zwei Übeltätern an einen Pfahl geschlagen. Der eine verhöhnt ihn, der andere aber bekundet Glauben und bittet ihn, seiner in seinem Königreich zu gedenken. Jesus versichert ihm: „Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein“ (23:43). Dann bricht eine ungewöhnliche Finsternis herein, der Vorhang des Heiligtums wird in der Mitte von oben bis unten zerrissen, und Jesus ruft laut: „Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an.“ Hierauf verscheidet er; sein Leib wird herabgenommen und in eine in den Felsen gehauene Gruft gelegt. Am ersten Tag der Woche gehen die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen sind, zur Gruft, können aber seinen Leib nicht finden. Wie er vorhergesagt hat, ist er am dritten Tag auferstanden (23:46).

      29. Mit welchem erfreulichen Bericht endet das Lukasevangelium?

      29 Ohne erkannt zu werden, erscheint Jesus zweien seiner Jünger auf dem Weg nach Emmaus; er spricht von seinen Leiden und legt ihnen die Schriften aus. Plötzlich erkennen sie ihn, aber er verschwindet. Jetzt sagen sie: „Brannte nicht unser Herz, als er auf dem Weg zu uns redete, als er uns die Schriften völlig erschloß?“ Sie kehren eilends nach Jerusalem zurück, um es den anderen Jüngern mitzuteilen. Während sie noch von diesen Dingen reden, erscheint Jesus in ihrer Mitte. Sie können es vor lauter Freude und Verwunderung nicht glauben. Dann ‘öffnet er ihnen den Sinn völlig’, damit sie die Bedeutung all der Dinge, die geschehen sind, anhand der Schriften begreifen. Lukas schließt sein Evangelium mit einer Beschreibung der Himmelfahrt Jesu ab (24:32, 45).

      WIESO NÜTZLICH

      30, 31. (a) Wie stärkt Lukas die Überzeugung, daß die Hebräischen Schriften von Gott inspiriert sind? (b) Welche Worte Jesu zitiert er, um dies zu bestätigen?

      30 Das Lukasevangelium stärkt das Vertrauen seiner Leser zu Gottes Wort und festigt ihren Glauben, so daß sie den Angriffen einer feindlichen Welt standhalten können. Lukas führt viele Beispiele dafür an, daß sich die Hebräischen Schriften genau erfüllt haben. Er zeigt, daß Jesus seinen Auftrag klar und deutlich aus dem Buch Jesaja herleitete, und Lukas gebraucht dies anscheinend als Thema seines ganzen Evangeliums (Luk. 4:17-19; Jes. 61:1, 2). Das war eine der Gelegenheiten, bei denen Jesus aus den Propheten zitierte. In anderen Fällen führte er das Gesetz an, zum Beispiel, als er die drei Versuchungen des Teufels zurückwies, oder die Psalmen, wie in dem Fall, als er seine Gegner fragte: „Wie kommt es, daß man sagt, der Christus sei Davids Sohn?“ Der Bericht des Lukas enthält viele weitere Zitate aus den Hebräischen Schriften (Luk. 4:4, 8, 12; 20:41-44; 5. Mo. 8:3; 6:13, 16; Ps. 110:1).

      31 Als Jesus, wie in Sacharja 9:9 vorhergesagt, auf einem Füllen in Jerusalem einritt, jubelte die Volksmenge ihm zu, wobei sie den Text aus Psalm 118:26 auf ihn anwandte (Luk. 19:35-38). In einem Fall werden in nur zwei Versen des Lukasevangeliums sechs Einzelheiten erwähnt, die in den Hebräischen Schriften über den schmachvollen Tod und die Auferstehung Jesu vorhergesagt wurden (Luk. 18:32, 33; Ps. 22:7; Jes. 50:6; 53:5-7; Jona 1:17). Letztendlich führte Jesus den Jüngern nach seiner Auferstehung die Bedeutung der gesamten Hebräischen Schriften deutlich vor Augen. „Er sagte nun zu ihnen: ‚Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, daß sich alles, was im Gesetz Mose und in den PROPHETEN und Psalmen über mich geschrieben steht, erfüllen muß.‘ Dann öffnete er ihnen den Sinn völlig, damit sie die Schriften begriffen“ (Luk. 24:44, 45). Wie die ersten Jünger Jesu Christi können auch wir ein besseres Verständnis und einen starken Glauben erlangen, wenn wir auf die Erfüllung der Hebräischen Schriften achten, die Lukas und die anderen Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften so genau erklärten.

      32. Wie hebt Lukas in seinem Bericht das Königreich hervor, und mit welchen Worten zeigt er, wie wir zum Königreich eingestellt sein sollten?

      32 In seinem ganzen Bericht weist Lukas seine Leser wiederholt auf das Königreich Gottes hin. Vom Beginn des Buches — wo erwähnt wird, daß der Engel Maria verhieß, daß das Kind, das sie gebären werde, ‘für immer als König über das Haus Jakob regieren und sein Königreich kein Ende haben werde’ — bis zu den letzten Kapiteln, wo Jesus davon spricht, daß er die Apostel in den Bund für das Königreich aufnehmen werde, hebt Lukas die Königreichshoffnung hervor (1:33; 22:28, 29). Er weist darauf hin, daß Jesus im Predigen des Königreiches führend voranging und daß er auch die 12 Apostel und später die 70 aussandte, um dieses Werk zu tun (4:43; 9:1, 2; 10:1, 8, 9). Ausschließliche Ergebenheit ist erforderlich, um in das Königreich einzugehen; das wird durch folgende Worte Jesu deutlich hervorgehoben: „Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber geh hin, und verkündige das Königreich Gottes weit und breit“ und: „Niemand, der seine Hand an einen Pflug gelegt hat und nach den Dingen blickt, die dahinten sind, ist für das Königreich Gottes tauglich“ (9:60, 62).

      33. Führe Beispiele an, die zeigen, daß Lukas Nachdruck auf das Gebet legte. Was können wir daraus lernen?

      33 Lukas legt besonderen Nachdruck auf das Gebet. Sein Evangelium ist in dieser Beziehung hervorragend. Es wird darin berichtet, daß die Menge betete, während Sacharja im Tempel war, daß Johannes der Täufer als Antwort auf Gebete um ein Kind geboren wurde und daß die Prophetin Anna Tag und Nacht betete. Es wird gezeigt, daß Jesus betete, als er getauft wurde, daß er die ganze Nacht im Gebet verharrte, bevor er die Zwölf auswählte, und daß er während der Umgestaltung betete. Jesus ermahnte seine Jünger, ‘allezeit zu beten und nicht nachzulassen’, und veranschaulichte dies durch das Gleichnis von der Witwe, die sich mit ihrer Bitte immer wieder an einen Richter wandte, bis er ihr Recht widerfahren ließ. Nur Lukas spricht davon, daß die Jünger Jesus baten, sie beten zu lehren, und daß der Engel Jesus stärkte, als dieser auf dem Ölberg betete, und nur Lukas schrieb die Worte des letzten Gebets Jesu nieder: „Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an“ (1:10, 13; 2:37; 3:21; 6:12; 9:28, 29; 18:1-8; 11:1; 22:39-46; 23:46). Das Gebet ist heute eine ebenso wichtige Vorkehrung zur Stärkung derer, die Gottes Willen tun, wie zu der Zeit, als Lukas sein Evangelium niederschrieb.

      34. Welche Eigenschaften Jesu, an denen sich Christen ein Beispiel nehmen können, hebt Lukas hervor?

      34 Lukas war ein scharfer Beobachter, er schrieb einen fließenden, anschaulichen Stil und legte die Lehren Jesu lebendig und mit Wärme dar. Die Liebe, Güte und Barmherzigkeit Jesu sowie sein Erbarmen mit den Schwachen, Bedrückten und Unterjochten stehen in krassem Gegensatz zu der nüchternen, förmlichen, engstirnigen und heuchlerischen Religion der Schriftgelehrten und Pharisäer (4:18; 18:9). Jesus ist stets bereit, Arme, Gefangene, Blinde und Zerschlagene zu ermuntern und ihnen zu helfen, wodurch er denen, die sich bemühen, ‘seinen Fußstapfen genau nachzufolgen’, ein vortreffliches Beispiel gibt (1. Pet. 2:21).

      35. Warum sollten wir Jehova für das Lukasevangelium wirklich dankbar sein?

      35 So, wie Jesus, der vollkommene, wunderwirkende Sohn Gottes, sich liebevoll um seine Jünger und um alle aufrichtiggesinnten Menschen kümmerte, sollten auch wir bestrebt sein, unseren Dienst aus Liebe durchzuführen, ja, „wegen des innigen Erbarmens unseres Gottes“ (Luk. 1:78). Hierzu ist das Lukasevangelium tatsächlich eine große Hilfe und sehr nützlich. Wir können Jehova wirklich dafür dankbar sein, daß er Lukas, den „geliebten Arzt“, inspirierte, diesen genauen, glaubensstärkenden und ermutigenden Bericht niederzuschreiben, der auf die Rettung durch das Königreich unter Jesus Christus, „Gottes Mittel zur Rettung“, hinweist (Kol. 4:14; Luk. 3:6).

      [Fußnoten]

      a W. K. Hobart, The Medical Language of Luke, 1954, Seite xi—xxviii.

      b I. H. Linton, A Lawyer Examines the Bible, 1943, Seite 38.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 615.

      d A. Rendle Short, Modern Discovery and the Bible, 1955, Seite 211.

      e Geschichte des Jüdischen Krieges, 5. Buch, Kap. 12, Abs. 1 bis 4; 6. Buch, Kap. 9, Abs. 3; siehe ferner Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 751, 752.

      f Eine Drachme war eine griechische Silbermünze, die ein Gewicht von 3,4 g oder 0,109 Feinunzen hatte.

  • 43. Bibelbuch — Johannes
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 43. Bibelbuch — Johannes

      Schreiber: Apostel Johannes

      Ort der Niederschrift: Ephesus oder in der Nähe

      Vollendung der Niederschrift: um 98 u. Z.

      Behandelter Zeitraum: nach Vorrede: 29—33 u. Z.

      1. Was zeigt die Heilige Schrift in bezug auf den trauten Umgang des Johannes mit Jesus?

      DIE Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas waren schon über 30 Jahre in Umlauf, und die Christen des 1. Jahrhunderts schätzten sie als die Werke von Männern, die vom heiligen Geist inspiriert waren. Nun, da sich das Jahrhundert dem Ende zuneigte und die Zahl derer, die mit Jesus zusammengewesen waren, immer kleiner wurde, mag sehr wohl die Frage aufgestiegen sein: Gab es noch etwas zu berichten? Gab es noch jemanden, der aus der Erinnerung kostbare Einzelheiten aus der Dienstzeit Jesu einfügen konnte? Ja, es gab noch jemand. Der hochbetagte Johannes wurde durch seinen Umgang mit Jesus ungewöhnlich gesegnet. Er war offenbar einer der Jünger von Johannes dem Täufer, die als erste mit dem Lamm Gottes bekannt wurden, und einer der ersten vier, die der Herr einlud, ihn ständig im Dienst zu begleiten (Joh. 1:35-39; Mar. 1:16-20). Er hatte während der ganzen Dienstzeit Jesu vertrauten Umgang mit ihm und war der Jünger, den „Jesus liebte“, der beim letzten Passah am Busen Jesu lag (Joh. 13:23; Mat. 17:1; Mar. 5:37; 14:33). Er war bei der herzzerreißenden Hinrichtungsszene zugegen, als Jesus seine leibliche Mutter seiner Fürsorge anvertraute, und er war es, der Petrus vorauslief, als sie zur Gruft eilten, um sich zu vergewissern, ob der Bericht, Jesus sei auferstanden, der Wahrheit entsprach (Joh. 19:26, 27; 20:2-4).

      2. Wie wurde Johannes ausgerüstet und befähigt, sein Evangelium zu schreiben, und zu welchem Zweck wurde es geschrieben?

      2 Gereift durch fast 70 Jahre aktiven Dienst und erfüllt von den Visionen, die er kürzlich in seiner Gefangenschaft auf der einsamen Insel Patmos hatte, sowie von den Betrachtungen, die er dort anstellte, war Johannes gut dafür ausgerüstet, von Dingen zu schreiben, die er lange in seinem Herzen bewahrt hatte. Durch heiligen Geist wurde er jetzt befähigt, sich an viele der kostbaren, lebengebenden Worte zu erinnern und sie schriftlich niederzulegen, damit jeder, der sie liest, ‘glauben kann, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit er, weil er glaubt, durch Jesu Namen Leben hat’ (Joh. 20:31).

      3, 4. Welches ist der außerbiblische und welches der biblische Beweis (a) für die Kanonizität des Evangeliums und (b) dafür, daß Johannes das Evangelium geschrieben hat?

      3 Die Christen des frühen 2. Jahrhunderts betrachteten Johannes als den Schreiber dieses Evangeliums und behandelten es auch als unbestrittenen Teil des Kanons der inspirierten Schriften. Klemens von Alexandria, Irenäus, Tertullian und Origenes, die alle im späten 2. und frühen 3. Jahrhundert gelebt haben, bezeugen, daß Johannes das Evangelium geschrieben hat. Überdies finden sich im Evangelium selbst viele Beweise dafür, daß es von Johannes ist. Der Schreiber war offensichtlich ein Jude und kannte die Bräuche der Juden und ihr Land bestens (2:6; 4:5; 5:2; 10:22, 23). Schon die Vertrautheit mit den Umständen, über die er berichtet, zeigt an, daß er nicht nur ein Apostel war, sondern zu dem engeren Kreis der drei Männer gehörte — Petrus, Jakobus und Johannes —, die Jesus bei besonderen Gelegenheiten begleiteten (Mat. 17:1; Mar. 5:37; 14:33). Von diesen scheidet Jakobus (der Sohn des Zebedäus) aus, weil er um das Jahr 44 u. Z. — lange bevor dieses Evangelium geschrieben wurde — von Herodes Agrippa I. umgebracht wurde (Apg. 12:2). Petrus scheidet aus, weil er in Johannes 21:20-24 zusammen mit dem Schreiber erwähnt wird.

      4 In diesen abschließenden Versen wird von dem Schreiber gesagt, er sei der Jünger, „den Jesus liebte“; dieser und ähnliche Ausdrücke werden in dem Evangelium mehrmals gebraucht, der Name des Apostels Johannes aber wird nie erwähnt. In dem Text wird angeführt, daß Jesus über ihn sagte: „Wenn es mein Wille ist, daß er bleibe, bis ich komme, was geht das dich an?“ (Joh. 21:20, 22). Das deutet an, daß der Jünger, von dem die Rede war, Petrus und die anderen Apostel lange überleben würde. All das paßt auf den Apostel Johannes. Es ist von Interesse, daß Johannes, nachdem er die Offenbarungsvision vom Kommen Jesu erhalten hatte, jene bemerkenswerte Prophezeiung mit den Worten abschließt: „Amen! Komm, Herr Jesus“ (Offb. 22:20).

      5. Wann soll Johannes sein Evangelium geschrieben haben?

      5 Aus den Schriften des Johannes selbst geht nicht hervor, wann er sein Evangelium schrieb, es wird aber allgemein angenommen, daß er es tat, nachdem er aus der Verbannung auf der Insel Patmos zurückgekehrt war (Offb. 1:9). Der römische Kaiser Nerva (96—98 u. Z.) rief viele zurück, die sein Vorgänger, Domitian, gegen Ende seiner Regierung verbannt hatte. Johannes soll, nachdem er um das Jahr 98 u. Z. sein Evangelium geschrieben hatte, im Jahre 100 u. Z., im dritten Jahr des Kaisers Trajan, in Ephesus friedlich entschlafen sein.

      6. Was beweist, daß das Johannesevangelium außerhalb Palästinas, in oder nahe bei Ephesus, geschrieben wurde?

      6 Aus den Worten des Irenäus, die der Historiker Eusebius (um 260—342 u. Z.) zitiert, geht hervor, daß Ephesus oder die nahe Umgebung als Ort der Niederschrift in Frage kommt: „Endlich hat Johannes, der Schüler des Herrn, der auch an dessen Brust geruht, während seines Aufenthaltes in Ephesus in Asien sein Evangelium herausgegeben.“a Daß das Evangelium außerhalb Palästinas geschrieben wurde, wird dadurch bewiesen, daß an vielen Stellen die Gegner Jesu mit dem Allgemeinbegriff „Juden“ und nicht als „Pharisäer“, „Oberpriester“ usw. benannt werden (Joh. 1:19; 12:9). Auch das Meer von Galiläa wird noch mit dem bekannteren, dem römischen Namen „Meer von Tiberias“ bezeichnet (6:1; 21:1). Zum besseren Verständnis für Nichtjuden gibt Johannes zusätzliche Erklärungen zu den jüdischen Festen (6:4; 7:2; 11:55). Patmos, der Ort seiner Verbannung, lag in der Nähe von Ephesus, und daß er die Versammlung von Ephesus kannte sowie die anderen Versammlungen Kleinasiens zeigen die Kapitel 2 und 3 der Offenbarung.

      7. Von welcher Bedeutung ist der Papyrus Rylands 457?

      7 Die Echtheit des Johannesevangeliums wird durch wichtige Handschriftenfunde, die im 20. Jahrhundert gemacht wurden, bestätigt. So hat man in Ägypten ein Bruchstück des Johannesevangeliums gefunden — jetzt als Papyrus Rylands 457 (P52) bekannt —, das Johannes 18:31-33, 37, 38 enthält und in der John Rylands Library in Manchester (England) aufbewahrt wird.b Über die Richtigkeit der Tradition, wonach Johannes gegen Ende des 1. Jahrhunderts das Evangelium geschrieben habe, schrieb Sir Frederic Kenyon in seinem Buch The Bible and Modern Scholarship, 1949, Seite 21: „So klein es [P52] auch ist, genügt es doch, zu beweisen, daß eine Handschrift dieses Evangeliums in den Jahren 130 bis 150 n. Chr. wahrscheinlich bereits in der Provinz Ägypten, wo man sie nun gefunden hat, in Umlauf war. Selbst wenn man nur die Mindestzeit berücksichtigt, in der das Werk von seinem Entstehungsort nach Ägypten gelangte, käme dadurch das Datum der Abfassung immer noch so nahe an das überlieferte Datum heran — das letzte Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts —, daß kein Grund mehr bestünde, die Überlieferung anzuzweifeln.“

      8. (a) Was ist an der Einleitung des Johannesevangeliums bemerkenswert? (b) Welchen Beweis liefert es dafür, daß Jesu Dienstzeit dreieinhalb Jahre dauerte?

      8 Das Johannesevangelium ist wegen seiner Einleitung bemerkenswert, denn darin wird das Wort, das „im Anfang bei GOTT“ war, als derjenige offenbart, durch den alle Dinge ins Dasein kamen (1:2). Nachdem Johannes das kostbare Verhältnis, das zwischen Vater und Sohn besteht, kundgetan hat, beginnt er, meisterhaft Werke und Reden Jesu zu beschreiben, besonders vom Gesichtspunkt der innigen Liebe aus, die in Gottes großer Einrichtung alles zusammenhält. Dieser Bericht über das irdische Leben Jesu behandelt die Zeitspanne 29—33 u. Z., und Johannes ist sorgsam darauf bedacht, die vier Passahfeste zu erwähnen, die Jesus während seiner Dienstzeit feierte; so kann genau berechnet werden, daß Jesu Dienstzeit dreieinhalb Jahre dauerte. Drei dieser Passahfeste werden als solche erwähnt (2:13; 6:4; 12:1; 13:1). Eines wird als „ein Fest der Juden“ bezeichnet; aus dem Zusammenhang geht jedoch hervor, daß es stattfand, nachdem Jesus gesagt hatte, es seien „noch vier Monate ..., ehe die Ernte kommt“, woraus man schließen kann, daß mit dem Fest das Passah gemeint ist, denn die Ernte begann ungefähr um die Zeit des Passahs (4:35; 5:1).c

      9. Was zeigt, daß das Johannesevangelium die andern Evangelien ergänzt, umfaßt es jedoch alle fehlenden Einzelheiten der Dienstzeit Jesu?

      9 Die gute Botschaft „nach Johannes“ ist zum größten Teil eine Ergänzung der anderen Evangelien; 92 Prozent dessen, was Johannes schrieb, sind neu, sind Dinge, die in den anderen drei Evangelien nicht berichtet werden. Dennoch schließt Johannes mit den Worten: „Es gibt tatsächlich noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wenn diese jemals bis in alle Einzelheiten aufgeschrieben würden, so könnte — denke ich — selbst die Welt die geschriebenen Buchrollen nicht fassen“ (21:25).

      INHALT DES JOHANNESEVANGELIUMS

      10. Was sagt Johannes über „das WORT“?

      10 Vorrede: Einführung des „WORTES“ (1:1-18). Großartig in ihrer Schlichtheit sind die Worte des Johannes, daß im Anfang „das WORT ... bei GOTT“ war, daß das Leben durch ihn war, daß er „das Licht der Menschen“ wurde und daß Johannes (der Täufer) von ihm Zeugnis ablegte (1:1, 4). Das Licht war in der Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht. Diejenigen, die ihn aufnahmen, wurden Kinder Gottes, weil sie aus Gott geboren wurden. Das GESETZ wurde durch Moses gegeben, aber „die unverdiente Güte und die Wahrheit sind durch Jesus Christus gekommen“ (1:17).

      11. Als was wird Jesus von Johannes dem Täufer identifiziert, und als was erkennen ihn die Jünger des Johannes an?

      11 Das „Lamm Gottes“ wird den Menschen vorgestellt (1:19-51). Johannes der Täufer bekennt, daß er nicht der Christus ist, und er sagt, es komme einer hinter ihm her, dem den Riemen seiner Sandale zu lösen er nicht würdig sei. Am nächsten Tag, als Johannes Jesus auf sich zukommen sieht, sagt er von ihm, dieser sei „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“ (1:27, 29). Dann macht er zwei seiner Jünger mit Jesus bekannt; einer von ihnen, Andreas, führt seinen Bruder Petrus zu Jesus. Auch Philippus und Nathanael erkennen Jesus als den ‘Sohn Gottes, den König Israels’, an (1:49).

      12. (a) Welches ist Jesu erstes Wunder? (b) Was tut er, als er sich während seiner Dienstzeit zum ersten Passah in Jerusalem befindet?

      12 Jesu Wunder beweisen, daß er der „Heilige Gottes“ ist (2:1⁠—⁠6:71). Jesus vollbringt sein erstes Wunder in Kana in Galiläa, indem er bei einem Hochzeitsfest Wasser in den besten Wein verwandelt. Dies ist der „Anfang seiner Zeichen, ... und seine Jünger glaubten an ihn“ (2:11). Jesus geht hinauf nach Jerusalem zum Passah. Als er im Tempel Händler und Geldwechsler vorfindet, nimmt er eine Peitsche und treibt sie so energisch hinaus, daß seine Jünger darin eine Erfüllung der Prophezeiung erkennen: „Der Eifer um dein Haus wird mich verzehren“ (Joh. 2:17; Ps. 69:9). Er sagt voraus, daß der Tempel seines Leibes abgebrochen und in drei Tagen wieder aufgerichtet werden wird.

      13. (a) Was muß man gemäß den Worten Jesu tun, wenn man Leben erlangen möchte? (b) Was sagt Johannes der Täufer über sich und sein Verhältnis zu Jesus?

      13 Der ängstliche Nikodemus kommt nachts zu Jesus. Er bekennt, daß Jesus von Gott gesandt ist, und Jesus sagt zu ihm, daß man aus Wasser und Geist geboren werden müsse, um in das Königreich Gottes einzugehen. Um Leben zu erlangen, muß man an den vom Himmel gekommenen Menschensohn glauben. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe“ (Joh. 3:16). Das Licht, das in die Welt gekommen ist, steht im Gegensatz zur Finsternis, „wer aber das tut, was wahr ist, kommt zum Licht“, sagt Jesus abschließend. Nun erfährt Johannes der Täufer, daß Jesus in Judäa wirkt, und er erklärt, er selbst sei nicht der Christus, doch „der Freund des Bräutigams“ sei „hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams“ (3:21, 29). Jesus muß fortan zunehmen, Johannes aber muß abnehmen.

      14. Was erklärt Jesus der samaritischen Frau in Sychar, und was ergibt sich aus seinem Predigen dort?

      14 Jesus geht wieder weg nach Galiläa. Unterwegs setzt er sich, staubbedeckt und „von der Wanderung ermüdet“, an Jakobs Quelle in Sychar nieder, um auszuruhen, während seine Jünger in der Stadt Lebensmittel kaufen (4:6). Es ist Mittag, um die sechste Stunde. Eine Samariterin kommt, um Wasser zu schöpfen, und Jesus bittet sie, ihm etwas zu trinken zu geben. Dann beginnt er, obwohl er müde ist, über das „Wasser“ zu sprechen, das wirklich erfrischt und denen ewiges Leben vermittelt, die Gott „mit Geist und Wahrheit“ anbeten. Die Jünger kehren zurück und drängen ihn zu essen, worauf Jesus sagt: „Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende.“ Er verbringt zwei weitere Tage in jener Gegend, worauf viele der Samariter zu der Überzeugung kommen, daß „dieser bestimmt der Retter der Welt ist“ (4:24, 34, 42). Als Jesus Kana in Galiläa erreicht, heilt er den Sohn eines Vornehmen, ohne sein Krankenbett aufzusuchen.

      15. Welche Beschuldigungen werden gegen Jesus in Jerusalem erhoben, aber was antwortet er seinen Kritikern?

      15 Jesus geht wieder nach Jerusalem hinauf zu einem Fest der Juden. Er heilt am Sabbat einen Kranken, was heftige Kritik hervorruft. Jesus entgegnet: „Mein Vater hat bis jetzt fortwährend gewirkt, und ich wirke fortwährend“ (5:17). Die Führer der Juden behaupten nun, Jesus habe nicht nur das Sabbatgesetz übertreten, sondern auch noch gelästert, indem er sich Gott gleichgemacht habe. Jesus antwortet, daß der Sohn gar nichts aus sich selbst tun kann, sondern gänzlich vom Vater abhängig ist. Er äußert die erstaunlichen Worte, daß „alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, seine Stimme hören und herauskommen werden“ zu einer Auferstehung. Zu seiner ungläubigen Zuhörerschaft sagt Jesus jedoch: „Wie könnt ihr glauben, wenn ihr voneinander Ehre annehmt und nicht die Ehre sucht, die vom alleinigen Gott kommt?“ (5:28, 29, 44).

      16. (a) Was lehrt Jesus in bezug auf die Speise und das Leben? (b) Mit welchen Worten bringt Petrus die Überzeugung der Apostel zum Ausdruck?

      16 Als Jesus ein Wunder wirkt, indem er 5 000 Männer mit fünf Broten und zwei kleinen Fischen speist, wollen ihn die Leute ergreifen, um ihn zum König zu machen, aber er zieht sich auf einen Berg zurück. Später tadelt er sie, weil sie sich um die „Speise, die vergeht“, bemühen. Sie sollten vielmehr „für die Speise, die für das ewige Leben bleibt“, wirken. Er weist darauf hin, daß man am Brot des Lebens teilhat, wenn man an ihn, den Sohn, glaubt, und fügt hinzu: „Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst.“ Viele seiner Jünger nehmen Anstoß und verlassen ihn. Jesus fragt die Zwölf: „Ihr wollt doch nicht etwa auch weggehen?“, worauf Petrus erwidert: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes bist“ (6:27, 53, 67-69). Aber Jesus, der weiß, daß Judas ihn verraten wird, sagt, daß einer von ihnen ein Verleumder sei.

      17. Wie wirkt sich das, was Jesus am Laubhüttenfest im Tempel lehrt, aus?

      17 „Das Licht“ steht im Gegensatz zur Finsternis (7:1⁠—⁠12:50). Jesus geht heimlich nach Jerusalem hinauf und beginnt, als das Laubhüttenfest zur Hälfte vorbei ist, öffentlich im Tempel zu lehren. Die Leute streiten sich, ob er wirklich der Christus ist. Jesus sagt: „Ich [bin] nicht aus eigenem Antrieb gekommen, sondern der mich gesandt hat, besteht wirklich, ... und jener hat mich ausgesandt.“ Bei einer anderen Gelegenheit ruft er der Volksmenge zu: „Wenn jemand durstig ist, komme er zu mir und trinke.“ Die Beamten, die beauftragt worden sind, Jesus festzunehmen, kehren mit leeren Händen zurück und berichten den Priestern: „Nie hat ein anderer Mensch auf diese Weise geredet.“ Wütend antworten die Priester, daß keiner der Vorsteher an ihn glaube und daß auch kein Prophet aus Galiläa erweckt werde (7:28, 29, 37, 46).

      18. Welche Beschuldigungen bringen die Juden gegen Jesus vor, und was antwortet er?

      18 In einer weiteren Rede sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt.“ Auf die gehässigen Beschuldigungen, er sei ein lügnerischer Zeuge, er sei außerehelich geboren und er sei ein Samariter und von Dämonen besessen, erwidert Jesus überzeugend: „Wenn ich mich selbst verherrliche, ist meine Herrlichkeit nichts. Mein Vater ist es, der mich verherrlicht.“ Als er erklärt: „Ehe Abraham ins Dasein kam, bin ich gewesen“, machen die Juden einen weiteren Versuch, Jesus zu töten (8:12, 54, 58). Frustriert befragen sie später einen Mann, dessen Sehkraft Jesus durch ein Wunder wiederhergestellt hat, dann ‘werfen sie ihn hinaus’.

      19. (a) Was sagt Jesus über sein Verhältnis zu seinem Vater und über die Betreuung seiner Schafe? (b) Was antwortet er den Juden, als sie ihn bedrohen?

      19 Wieder spricht Jesus zu den Juden, diesmal über den vortrefflichen Hirten, der seine Schafe beim Namen ruft und seine Seele zugunsten der Schafe hingibt, ‘damit sie Leben in Fülle haben’. Er sagt: „Ich habe andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind; auch diese muß ich bringen, und sie werden auf meine Stimme hören, und sie werden e i n e Herde werden unter e i n e m Hirten“ (10:10, 16). Er erklärt den Juden, daß niemand die Schafe aus der Hand seines Vaters reißen kann, auch sagt er, daß er und sein Vater eins sind. Wieder versuchen sie, ihn zu steinigen. Als sie ihn beschuldigen zu lästern, erinnert er sie daran, daß in den Psalmen von gewissen Mächtigen auf der Erde gesagt wird, sie seien „Götter“, wogegen er von sich nur gesagt habe, er sei Gottes Sohn (Ps. 82:6). Er fordert sie auf, wenigstens seinen Werken zu glauben (Joh. 10:34).

      20. (a) Welches große Wunder vollbringt Jesus nun? (b) Wozu führt das?

      20 Aus Bethanien, nahe bei Jerusalem, wird ihm berichtet, daß Lazarus, der Bruder Marias und Marthas, krank ist. Als Jesus dort eintrifft, ist Lazarus schon gestorben und bereits vier Tage in der Gruft. Jesus vollbringt ein überaus großes Wunder: Er ruft Lazarus ins Leben zurück, was viele veranlaßt, an Jesus zu glauben. Das hat eine besondere Zusammenkunft des Sanhedrins zur Folge, wo der Hohepriester Kaiphas die Prophezeiung ausspricht, daß Jesus dazu bestimmt sei, für die Nation zu sterben. Während die Oberpriester und Pharisäer Rat halten, um Jesus zu töten, zieht er sich vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurück.

      21. (a) Wie reagieren das Volk und die Pharisäer auf Jesu Einzug in Jerusalem? (b) Welche Veranschaulichung gebraucht Jesus in Verbindung mit seinem Tod und dessen Zweck, und was legt er seinen Zuhörern ans Herz?

      21 Sechs Tage vor dem Passah kommt Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem wieder nach Bethanien, wo er Gast im Hause des Lazarus ist. Dann, am Tag nach dem Sabbat, am 9. Nisan, zieht er, auf einem jungen Esel sitzend, unter den Jubelrufen einer großen Volksmenge in Jerusalem ein; und die Pharisäer sagen zueinander: „Ihr richtet gar nichts aus. Seht! Die Welt ist ihm nachgelaufen.“ Jesus gibt anhand eines Vergleichs mit einem Weizenkorn zu verstehen, daß er sterben muß, damit ewiges Leben als Frucht hervorgebracht wird. Er bittet den Vater, seinen (des Vaters) Namen zu verherrlichen, worauf eine Stimme vom Himmel sagt: „Ich habe ihn verherrlicht und will ihn wieder verherrlichen.“ Jesus fordert seine Zuhörer auf, die Finsternis zu meiden und im Licht zu wandeln, ja „Söhne des Lichts“ zu werden. Während die Mächte der Finsternis auf ihn eindringen, fordert er das Volk eindringlich auf, an ihn, der „als ein Licht in die Welt gekommen“ ist, zu glauben (12:19, 28, 36, 46).

      22. Welches Beispiel gibt Jesus beim Passahmahl, und wie lautet das neue Gebot?

      22 Abschiedsgespräche Jesu mit den treuen Aposteln (13:1⁠—⁠16:33). Während das Abendmahl des Passahs mit den Zwölfen seinen Fortgang nimmt, steht Jesus auf, legt seine äußeren Kleider beiseite, nimmt ein Tuch und ein Becken und fängt an, den Jüngern die Füße zu waschen. Petrus erhebt Einwände, aber Jesus sagt, daß auch er sich die Füße waschen lassen müsse. Jesus ermahnt die Jünger, sich an seiner Demut ein Beispiel zu nehmen, denn „ein Sklave ist nicht größer als sein Herr“. Er spricht vom Verräter und entläßt dann Judas. Nachdem Judas hinausgegangen ist, fängt Jesus an, mit den anderen vertraulich zu sprechen. „Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe, daß auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (13:16, 34, 35).

      23. Mit welcher Hoffnung tröstet Jesus seine Nachfolger, und welchen Helfer verheißt er ihnen?

      23 Jesus tröstet seine Nachfolger in dieser entscheidenden Stunde mit ermunternden Worten. Sie müssen Glauben an Gott ausüben und auch an ihn. Im Hause seines Vaters gibt es viele Wohnungen, und er wird wiederkommen und sie zu sich heimnehmen. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“, erklärt er. „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Tröstend sagt er zu seinen Nachfolgern, wenn sie Glauben ausübten, würden sie größere Werke tun als er, auch würde er ihnen alles gewähren, um was sie in seinem Namen bitten würden, damit sein Vater verherrlicht würde. Er verheißt ihnen einen anderen Helfer, „den Geist der Wahrheit“, der sie alle Dinge lehren und sie an alles erinnern werde, was er ihnen gesagt habe. Sie sollten sich darüber freuen, daß er weggehe zu seinem Vater, denn ‘der Vater sei größer als er’ (14:6, 17, 28).

      24. Was sagt Jesus über das Verhältnis der Apostel zu ihm und zu seinem Vater, und welche Segnungen hat es für sie?

      24 Jesus erklärt, er sei der wahre Weinstock und sein Vater sei der Weingärtner. Er fordert die Jünger auf, in Gemeinschaft mit ihm zu bleiben, und sagt: „Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr fortwährend viel Frucht tragt und euch als meine Jünger erweist“ (15:8). Und wie wird ihre Freude vollgemacht? Dadurch, daß sie einander so lieben, wie er sie geliebt hat. Er nennt sie Freunde. Welch kostbares Verhältnis! Die Welt wird sie hassen, wie sie ihn gehaßt hat, und sie wird sie verfolgen, aber Jesus wird den Helfer senden, damit dieser Zeugnis über ihn ablege und seine Jünger in die ganze Wahrheit leite. Ihr gegenwärtiger Kummer wird sich in Freude verwandeln, denn er wird sie wiedersehen, und niemand wird ihre Freude von ihnen nehmen. Tröstend sind seine Worte: „Der Vater selbst hat Zuneigung zu euch, weil ihr Zuneigung zu mir gehabt und geglaubt habt, daß ich als Vertreter des Vaters ausgegangen bin.“ Allerdings würden sie zerstreut werden, aber Jesus sagt zu ihnen: „Ich habe euch diese Dinge gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt. In der Welt habt ihr Drangsal, doch faßt Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (16:27, 33).

      25. (a) Was erkennt Jesus seinem Vater gegenüber im Gebet an? (b) Was erbittet er in bezug auf sich selbst, seine Jünger und diejenigen, die durch ihr Wort Glauben ausüben werden?

      25 Jesu Gebet für seine Jünger (17:1-26). Im Gebet erkennt Jesus seinem Vater gegenüber an: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortgesetzt Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über den, den du ausgesandt hast, Jesus Christus.“ Jesus, der das ihm aufgetragene Werk auf der Erde beendet hat, bittet nun darum, an der Seite seines Vaters mit der Herrlichkeit verherrlicht zu werden, die er hatte, ehe die Welt war. Er hat seinen Jüngern den Namen des Vaters kundgemacht und bittet den Vater, ‘um seines Namens willen’ über sie zu wachen. Er bittet den Vater nicht darum, sie aus der Welt wegzunehmen, sondern darum, sie vor dem, der böse ist, zu schützen und sie durch sein Wort der Wahrheit zu heiligen. Jesus betet auch für diejenigen, die das Wort dieser Jünger hören und an ihn glauben würden, „damit sie alle eins seien, so wie du, Vater, in Gemeinschaft bist mit mir und ich in Gemeinschaft bin mit dir, daß auch sie in Gemeinschaft mit uns seien, damit die Welt glaube, daß du mich ausgesandt hast“. Er bittet darum, daß auch diese mit ihm an seiner himmlischen Herrlichkeit teilhaben mögen; er hat ihnen den Namen des Vaters bekanntgegeben, damit seine Liebe in ihnen bleibe (17:3, 11, 21).

      26. Was sagt das Evangelium über Jesu Festnahme und Verhöre?

      26 Christus vor Gericht und seine Hinrichtung (18:1⁠—⁠19:42). Jesus und seine Jünger suchen nun einen Garten auf der anderen Seite des Kidrontals auf. Dorthin kommt Judas mit einer Abteilung Soldaten und verrät Jesus; dieser läßt sich widerstandslos gefangennehmen. Petrus jedoch verteidigt ihn mit dem Schwert und wird dafür getadelt: „Sollte ich den Becher, den der Vater mir gegeben hat, nicht unter allen Umständen trinken?“ (18:11). Jesus wird gebunden zu Annas, dem Schwiegervater des Hohenpriesters Kaiphas, geführt. Johannes und Petrus folgen Jesus; Johannes verschafft beiden Zutritt zum Hof des Hohenpriesters, wo Petrus dreimal leugnet, Christus zu kennen. Jesus wird zuerst von Annas verhört; dieser schickt ihn weiter zu Kaiphas. Darauf wird Jesus dem römischen Statthalter Pilatus vorgeführt; die Juden verlangen lautstark, daß Jesus zum Tod verurteilt wird.

      27. (a) Welche Fragen in bezug auf Königtum und Gewalt werden von Pilatus aufgeworfen, und was antwortet Jesus? (b) Was sagen die Juden, wer ihr König sei?

      27 Auf die Frage des Pilatus: „Bist du ein König?“ erwidert Jesus: „Du selbst sagst, daß ich ein König bin. Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (18:37). Pilatus, der keine Schuld an Jesus findet, will ihn freilassen, denn es war Brauch, am Passah einen Gefangenen freizugeben, aber die Juden fordern, daß er den Räuber Barabbas freilasse. Pilatus läßt Jesus geißeln, und wieder versucht er, ihn zu retten, aber die Juden schreien: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm! ... denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.“ Auf den Hinweis des Pilatus, daß er Gewalt habe, ihn an den Pfahl zu bringen, entgegnet Jesus: „Du hättest gar keine Gewalt über mich, wenn sie dir nicht von oben her gewährt worden wäre.“ Wieder schreien die Juden: „Weg mit ihm! Weg mit ihm! An den Pfahl mit ihm! ... Wir haben keinen König außer Cäsar.“ Nun liefert Pilatus Jesus zur Hinrichtung aus (19:6, 7, 11, 15).

      28. Was geht auf Golgotha vor sich, und welche Prophezeiungen erfüllen sich dort?

      28 Jesus wird „zur sogenannten Schädelstätte, die auf hebräisch Golgotha genannt wird“, geführt und zwischen zwei anderen Männern an den Pfahl gehängt. Über ihm läßt Pilatus den Titel „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“ in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache anbringen, so daß ihn jedermann sehen und lesen kann (19:17, 19). Jesus vertraut seine Mutter der Fürsorge des Johannes an, und nachdem er etwas sauren Wein empfangen hat, ruft er aus: „Es ist vollbracht!“ Dann neigt er sein Haupt und stirbt (19:30). In Erfüllung der Prophezeiungen losen die Soldaten, die Jesus hingerichtet haben, um sein Gewand, unterlassen es, ihm die Beine zu brechen, und ein Soldat stößt ihm mit einem Speer in die Seite (Joh. 19:24, 32-37; Ps. 22:18; 34:20; 22:17; Sach. 12:10). Später bereiten Joseph von Arimathia und Nikodemus den Leib für das Begräbnis vor und legen ihn in eine neue Gedächtnisgruft in der Nähe.

      29. (a) Wie erscheint der auferstandene Jesus seinen Jüngern? (b) Was sagt Jesus in seinen abschließenden Worten zu Petrus?

      29 Christus erscheint nach seiner Auferstehung (20:1⁠—⁠21:25). Johannes schließt seine Beweisführung dafür, daß Jesus der Christus ist, mit dem frohen Bericht über die Auferstehung Jesu ab. Maria Magdalene findet die Gruft leer vor; Petrus und ein anderer Jünger (Johannes) laufen zum Grab, sehen aber nur die Binden und das Kopftuch liegen. Maria, die in der Nähe der Gruft geblieben ist, spricht mit zwei Engeln und schließlich, wie sie meint, mit dem Gärtner. Als er sagt: „Maria!“, erkennt sie sogleich, daß es Jesus ist. Dann erscheint Jesus seinen Jüngern bei verschlossenen Türen, und er spricht von der Kraft, die sie durch heiligen Geist empfangen würden. Thomas, der nicht zugegen gewesen ist, will nicht glauben, aber acht Tage später erscheint Jesus erneut und erbringt den Beweis, worauf Thomas ausruft: „Mein Herr und mein Gott!“ (20:16, 28). Tage später erscheint Jesus seinen Jüngern wieder, diesmal am Meer von Tiberias; er verhilft ihnen zu einem wunderbaren Fischfang und frühstückt dann mit ihnen. Dreimal fragt er Petrus, ob er ihn liebe. Als Petrus ihm beteuert, daß er ihn liebe, sagt Jesus mit Nachdruck: „Weide meine Lämmer.“ „Hüte meine Schäflein.“ „Weide meine Schäflein.“ Darauf sagt er voraus, durch was für eine Todesart Petrus Gott verherrlichen werde. Petrus fragt, was mit Johannes geschehen würde; Jesus antwortet: „Wenn es mein Wille ist, daß er bleibe, bis ich komme, was geht das dich an?“ (21:15-17, 22).

      WIESO NÜTZLICH

      30. Was zeigt, daß Johannes besonderen Wert auf die Eigenschaft der Liebe legt?

      30 Das Evangelium „nach Johannes“, packend in seiner Offenheit und überzeugend in seiner genauen, bewegenden Schilderung des WORTES, das Christus wurde, vermittelt ein klares Bild dieses gesalbten Sohnes Gottes, seiner Reden und seiner Taten. Der Schreibstil und der Wortschatz des Johannes sind zwar einfach, was zeigt, daß er ein ‘ungelehrter und gewöhnlicher’ Mensch war, aber in seiner Ausdrucksweise steckt eine enorme Kraft (Apg. 4:13). Zu dem höchsten Gipfel steigt sein Evangelium empor, indem es die innige Liebe zwischen Vater und Sohn sowie das gesegnete, liebevolle Verhältnis, zu dem man gelangt, wenn man in Einheit mit ihnen ist, kundtut. Johannes gebraucht die Wörter „Liebe“ und „geliebt“ öfter als die drei anderen Evangelien zusammengenommen.

      31. Welches Verhältnis wird im ganzen Johannesevangelium besonders betont, und wodurch erreicht es seinen Höhepunkt?

      31 Welch herrliches Verhältnis bestand doch im Anfang zwischen dem Wort und Gott, dem Vater! Durch göttliche Vorsehung „wurde das WORT Fleisch und weilte unter uns; und wir schauten seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie einem einziggezeugten Sohn vom Vater her gehört; und er war voll unverdienter Güte und Wahrheit“ (Joh. 1:14). Wie Johannes schreibt, betont Jesus immer wieder sein Verhältnis zum Vater: Unterordnung durch bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters (4:34; 5:19, 30; 7:16; 10:29, 30; 11:41, 42; 12:27, 49, 50; 14:10). Diese innige Beziehung erreicht in dem ergreifenden Gebet, das in Johannes, Kapitel 17 aufgezeichnet ist, ihren herrlichen Höhepunkt. Darin berichtet Jesus seinem Vater, daß er das Werk vollendet habe, das er ihm auf der Erde zu tun gegeben habe, und fügt hinzu: „Und nun, Vater, verherrliche mich an deiner Seite mit der Herrlichkeit, die ich an deiner Seite hatte, ehe die Welt war“ (17:5).

      32. Mit welchen Ausdrücken weist Jesus auf sein Verhältnis zu seinen Jüngern hin, und wie zeigt er, daß er der einzige Weg ist, auf dem der Menschheit die Segnungen des Lebens zufließen?

      32 Was ist über das Verhältnis Jesu zu seinen Jüngern zu sagen? Jesu Funktion als einziger Weg, auf dem diesen und der ganzen Menschheit die Segnungen Gottes zufließen, wird immer wieder in den Vordergrund gerückt (14:13, 14; 15:16; 16:23, 24). Von Jesus heißt es, er sei „das Lamm Gottes“, „das Brot des Lebens“, „das Licht der Welt“, „der vortreffliche Hirte“, „die Auferstehung und das Leben“, „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ und „der wahre Weinstock“ (1:29; 6:35; 8:12; 10:11; 11:25; 14:6; 15:1). Anhand des Gleichnisses vom „wahren Weinstock“ weist Jesus auf die wunderbare Gemeinschaft seiner wahren Nachfolger mit ihm hin, aber auch mit dem Vater. Indem sie viel Frucht tragen, werden sie seinen Vater verherrlichen. „Wie der Vater mich geliebt hat und ich euch geliebt habe, bleibt in meiner Liebe“, empfiehlt Jesus (15:9).

      33. Was ist der Zweck seines Dienstes, wie Jesus in seinem Gebet zum Ausdruck bringt?

      33 Inbrünstig bittet er Jehova darum, daß alle seine geliebten Jünger und auch die, ‘die durch ihr Wort an ihn glauben’, mit seinem Vater und mit ihm eins sein mögen, geheiligt durch das Wort der Wahrheit. Der hohe Zweck des irdischen Dienstes Jesu wird in den Schlußworten seines Gebets, das er an seinen Vater richtet, wunderschön zum Ausdruck gebracht: „Ich habe ihnen deinen Namen bekanntgegeben und werde ihn bekanntgeben, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in Gemeinschaft mit ihnen“ (17:20, 26).

      34. Welchen guten Rat gab Jesus, um zu zeigen, wie die Welt zu besiegen ist?

      34 Obwohl Jesus seine Jünger in der Welt zurückließ, ließ er sie nicht ohne einen Helfer, „den Geist der Wahrheit“. Ferner gab er ihnen zeitgemäßen Rat über ihr Verhältnis zur Welt und zeigte ihnen, wie sie die Welt als „Söhne des Lichts“ besiegen können (14:16, 17; 3:19-21; 12:36). „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger“, sagte Jesus, „und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Dagegen sagte er zu den Söhnen der Finsternis: „Ihr seid aus eurem Vater, dem Teufel, und nach den Begierden eures Vaters wünscht ihr zu tun ... Er stand in der Wahrheit nicht fest, weil die Wahrheit nicht in ihm ist.“ Laßt uns daher entschlossen sein, stets in der Wahrheit festzustehen, ja „den Vater mit Geist und Wahrheit [anzubeten]“ und aus den Worten Jesu Kraft zu schöpfen: „Faßt Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (8:31, 32, 44; 4:23; 16:33).

      35. (a) Was bezeugt Jesus in bezug auf Gottes Königreich? (b) Warum haben wir Grund, glücklich und dankbar zu sein, daß wir das Johannesevangelium haben?

      35 Alles das hat auch eine Beziehung zu Gottes Königreich. Jesus bezeugte, als er verhört wurde: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher.“ Auf die Frage des Pilatus entgegnete er: „Du selbst sagst, daß ich ein König bin. Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (18:36, 37). Glücklich sind die, die zuhören, und die, die „wiedergeboren“ werden, um in das ‘Königreich Gottes einzugehen’ und in Gemeinschaft mit dem König zu sein. Glücklich sind die „anderen Schafe“, die auf die Stimme dieses Hirten und Königs hören und Leben erlangen. Wir können für das Johannesevangelium wirklich dankbar sein, denn es wurde geschrieben, „damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, durch seinen Namen Leben habt“ (3:3, 5; 10:16; 20:31).

      [Fußnoten]

      a Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte, herausgegeben von H. Kraft, 1967, V, VIII, 4, Seite 250.

      b Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 323.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 1342, 1343.

  • 44. Bibelbuch — Apostelgeschichte
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 44. Bibelbuch — Apostelgeschichte

      Schreiber: Lukas

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 61 u. Z.

      Behandelter Zeitraum: 33 bis um 61 u. Z.

      1, 2. (a) Welche geschichtlichen Ereignisse und Tätigkeiten werden in der Apostelgeschichte beschrieben? (b) Welche Zeitspanne behandelt das Buch?

      LUKAS berichtet im 42. Buch der inspirierten Schriften über das Leben, die Tätigkeit und den Dienst Jesu und seiner Nachfolger bis zur Zeit der Himmelfahrt Jesu. Mit den geschichtlichen Aufzeichnungen im 44. Buch der Bibel, Apostelgeschichte, wird der Bericht über das frühe Christentum fortgesetzt. Wir erfahren, wie zufolge der Wirksamkeit des heiligen Geistes die Versammlung gegründet wurde und wie zuerst unter den Juden und dann unter Menschen aller Nationen ein immer größeres Zeugnis gegeben wurde. Die ersten 12 Kapitel befassen sich hauptsächlich mit der Tätigkeit des Petrus, die restlichen 16 Kapitel mit der Tätigkeit des Paulus. Lukas hatte vertrauten Umgang mit Paulus und begleitete ihn oft auf seinen Reisen.

      2 Das Buch ist an Theophilus gerichtet. Da er als „vortrefflichster“ bezeichnet wird, hatte er möglicherweise eine Amtsstellung inne, oder es handelt sich einfach um einen Ausdruck der Hochachtung (Luk. 1:3). Der Bericht stellt eine genaue geschichtliche Abhandlung über die Gründung und das Wachstum der Christenversammlung dar. Er beginnt damit, daß Jesus nach seiner Auferstehung mehrmals seinen Jüngern erschien, und behandelt dann wichtige Ereignisse der Zeit von 33 bis etwa 61 u. Z., im ganzen also ungefähr 28 Jahre.

      3. Wer schrieb die Apostelgeschichte, und wann wurde die Niederschrift vollendet?

      3 Seit alter Zeit gilt der Schreiber des Lukasevangeliums auch als Schreiber der Apostelgeschichte. Beide Bücher sind an Theophilus gerichtet. Dadurch, daß Lukas die abschließenden Ereignisse seines Evangeliums in den Anfangsversen der Apostelgeschichte wiederholt, schafft er eine Verbindung, die die beiden Berichte als das Werk desselben Schreibers kennzeichnet. Lukas vollendete die Apostelgeschichte wahrscheinlich um das Jahr 61 u. Z., gegen Ende von zwei Jahren, während deren er sich als Begleiter des Apostels Paulus in Rom aufhielt. Da die Ereignisse bis zu jenem Jahr aufgezeichnet sind, kann die Niederschrift nicht vorher vollendet worden sein, und offenbar wurde sie spätestens in jenem Jahr vollendet, da anscheinend hinsichtlich der Berufung des Paulus auf Cäsar noch keine Entscheidung gefallen war.

      4. Was beweist, daß die Apostelgeschichte kanonisch und vertrauenswürdig ist?

      4 Von frühster Zeit an haben Bibelgelehrte die Apostelgeschichte als kanonisch anerkannt. Teile des Buches finden sich in einigen der ältesten erhaltenen Papyrushandschriften der Griechischen Schriften, vor allem in den Handschriften Michigan 1571 (P38) aus dem 3. oder 4. Jahrhundert u. Z. und Chester-Beatty I (P45) aus dem 3. Jahrhundert. Beide lassen erkennen, daß die Apostelgeschichte schon früh zusammen mit anderen Büchern der inspirierten Schriften im Umlauf war und somit zum Kanon gehörte. Das Buch wurde von Lukas so geschrieben, daß es dieselbe bemerkenswerte Genauigkeit aufweist, die, wie bereits erwähnt, auch sein Evangelium kennzeichnet. Sir William M. Ramsay rechnet den Schreiber der Apostelgeschichte zu den „historischen Schriftstellern ersten Ranges“, und was das bedeutet, erklärt er wie folgt: „Die erste und wesentliche Eigenschaft des großen Historikers ist Wahrheit. Was er sagt, muß glaubwürdig sein.“a

      5. Wie wurde die Genauigkeit der Berichterstattung des Lukas bestätigt?

      5 Um die Genauigkeit der Berichterstattung zu veranschaulichen, die für die Schriften des Lukas so bezeichnend ist, zitieren wir Edwin Smith, einen britischen Flottillenchef im Mittelmeerbereich während des ersten Weltkriegs. In der Zeitschrift The Rudder, Ausgabe vom März 1947, schrieb er: „Die alten Schiffe wurden nicht, wie die jetzigen, in der Weise gesteuert, daß am Heck an einem Schaft ein einziges Ruder eingehängt war, sondern das geschah mit zwei großen Rudern oder Paddeln, je eines zu beiden Seiten am Heck. Deshalb erwähnt St. Lukas sie in der Mehrzahl [Apg. 27:40]. ... Bei unserer Untersuchung haben wir gesehen, daß jede von St. Lukas gemachte Aussage über die Bewegungen dieses Schiffes, von der Zeit an, wo es Schönhafen verließ, bis zu seiner Strandung auf Malta, durch äußere, unabhängige Beweise genauester und befriedigendster Art als wahr erwiesen ist und daß seine Darlegungen über die Zeit, während deren das Schiff auf hoher See war, mit der zurückgelegten Strecke übereinstimmen, und schließlich noch, daß seine Schilderung des Ortes, wo sie eintrafen, dem entspricht, wie dieser Ort wirklich aussieht. Aus alledem geht hervor, daß Lukas diese Seereise tatsächlich, wie geschildert, mitgemacht hat, und es erweist ihn zudem als einen Menschen, dessen Beobachtungen und Darlegungen als höchst zuverlässig und glaubwürdig gelten dürfen.“b

      6. Nenne Beispiele archäologischer Funde, die die Genauigkeit der Apostelgeschichte bestätigen.

      6 Auch archäologische Funde bestätigen die Genauigkeit des Berichts von Lukas. Zum Beispiel hat man bei Ausgrabungen in Ephesus den Tempel der Artemis sowie das alte Theater freigelegt, wo die Epheser gegen den Apostel Paulus wüteten (Apg. 19:27-41). Man hat Inschriften entdeckt, aus denen hervorgeht, daß Lukas die Beamten von Thessalonich richtigerweise mit dem Titel „Stadtvorsteher“ bezeichnete (17:6, 8). Zwei maltesische Inschriften zeigen außerdem, daß Lukas den Publius zu Recht den „Ersten“ von Malta nannte (28:7).c

      7. Inwiefern kennzeichnen die übermittelten Reden die Apostelgeschichte als einen Tatsachenbericht?

      7 Ferner unterscheiden sich alle von Lukas aufgezeichneten Reden im Stil und im Aufbau: Reden von Petrus, Stephanus, Kornelius, Tertullus, Paulus und anderen. Selbst die Reden, die Paulus vor verschiedenen Zuhörerschaften hielt, sind, dem jeweiligen Anlaß entsprechend, unterschiedlich im Stil. Demnach hat Lukas nur das übermittelt, was er selbst gehört hatte oder was ihm andere Augenzeugen berichtet hatten. Er schrieb keine Romane.

      8. Was sagt die Heilige Schrift über Lukas und seinen Umgang mit Paulus?

      8 Über das persönliche Leben des Lukas ist recht wenig bekannt. Er war selbst kein Apostel, hatte aber Verbindung zu den Aposteln (Luk. 1:1-4). Paulus erwähnt Lukas dreimal mit Namen (Kol. 4:10, 14; 2. Tim. 4:11; Philem. 24). Lukas war jahrelang der ständige Begleiter des Paulus und wurde von ihm „der geliebte Arzt“ genannt. Der Bericht wechselt mehrmals zwischen „sie“ und „wir“, was darauf hindeutet, daß Lukas mit Paulus während dessen zweiter Missionsreise in Troas war, daß er wahrscheinlich in Philippi zurückblieb, bis Paulus einige Jahre später wieder dorthin kam, und daß er sich dann Paulus erneut anschloß und ihn auf seiner Reise nach Rom begleitete, wo Paulus vor Gericht erscheinen sollte (Apg. 16:8, 10; 17:1; 20:4-6; 28:16).

      INHALT DER APOSTELGESCHICHTE

      9. Was wird den Jüngern zur Zeit der Himmelfahrt Jesu mitgeteilt?

      9 Ereignisse bis Pfingsten (1:1-26). Lukas eröffnet diesen zweiten Bericht mit der Ankündigung des auferstandenen Jesus, daß seine eifrigen Jünger in heiligem Geist getauft würden. Wird das Königreich in jener Zeit wiederhergestellt? Nein, aber sie werden Kraft empfangen und „bis zum entferntesten Teil der Erde“ Zeugen sein. Als Jesus emporgehoben wird und ihren Blicken entschwindet, sagen zwei in Weiß gekleidete Männer zu ihnen: „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, in derselben Weise“ (1:8, 11).

      10. (a) Welche bemerkenswerten Dinge ereignen sich am Pfingsttag? (b) Welche Erklärung gibt Petrus, und was ist das Ergebnis?

      10 Der denkwürdige Pfingsttag (2:1-42). Die Jünger sind alle in Jerusalem versammelt. Plötzlich erfüllt ein Geräusch wie von einem starken Wind das Haus. Zungen wie von Feuer lassen sich auf den Anwesenden nieder. Sie werden mit heiligem Geist erfüllt und beginnen in verschiedenen Sprachen über „die großen Dinge Gottes“ zu reden (2:11). Die Zuschauer sind höchst erstaunt. Nun steht Petrus auf und ergreift das Wort. Er erklärt, daß sich durch die Ausgießung des Geistes die Prophezeiung Joels erfüllt hat (2:28-32) und daß Jesus Christus, der auferweckt und zur Rechten Gottes erhöht worden ist, ‘das ausgegossen hat, was sie sehen und hören’. Etwa 3 000, denen es wie ein Stich durchs Herz geht, nehmen das Wort an und werden getauft (2:33).

      11. Wie segnet Jehova das Predigtwerk?

      11 Das Zeugnis nimmt zu (2:43⁠—⁠5:42). Jehova fährt fort, solche zu ihnen hinzuzufügen, die gerettet werden. Vor dem Tempel treffen Petrus und Johannes einen Gelähmten, der noch nie in seinem Leben gehen konnte. „Im Namen Jesu Christi, des Nazareners, geh umher!“ gebietet Petrus. Sogleich beginnt der Mann, ‘umherzugehen und zu springen und Gott zu preisen’. Danach fordert Petrus die Menschen auf, zu bereuen und umzukehren, „so daß Zeiten der Erquickung von der Person Jehovas kommen mögen“. Darüber verärgert, daß Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu lehren, nehmen die religiösen Führer sie fest. Dennoch wachsen die Reihen der Gläubigen auf etwa 5 000 Männer an (3:6, 8, 19).

      12. (a) Was antworten die Jünger, als man ihnen gebietet, mit dem Predigen aufzuhören? (b) Wofür werden Ananias und Sapphira bestraft?

      12 Am nächsten Tag werden Petrus und Johannes vor die jüdischen Vorsteher gebracht und verhört. Petrus bezeugt freimütig, daß Rettung nur durch Jesus Christus kommt, und als man ihnen gebietet, ihre Predigttätigkeit einzustellen, erwidern Petrus und auch Johannes: „Ob es in den Augen Gottes gerecht ist, eher auf euch zu hören als auf Gott, urteilt selbst. Wir aber, wir können nicht aufhören, von den Dingen zu reden, die wir gesehen und gehört haben“ (4:19, 20). Sie werden freigelassen, und alle Jünger fahren fort, das Wort Gottes mit Freimut zu reden. Wegen der besonderen Umstände legen sie ihren materiellen Besitz zusammen und verteilen ihn gemäß den Bedürfnissen. Ein gewisser Ananias aber und Sapphira, seine Frau, verkaufen ein Stück Land und täuschen vor, den gesamten Erlös abzugeben, während sie insgeheim einen Teil des Preises zurückbehalten. Petrus stellt sie bloß, und sie fallen tot um, weil sie gegenüber Gott und dem heiligen Geist ein falsches Spiel getrieben haben.

      13. Wessen werden die Apostel beschuldigt, was entgegnen sie, und womit fahren sie fort?

      13 Erneut werfen die aufgebrachten religiösen Führer die Apostel ins Gefängnis, aber diesmal läßt Jehovas Engel sie frei. Am nächsten Tag werden sie wieder vor den Sanhedrin gebracht und beschuldigt, ‘Jerusalem mit ihrer Lehre zu erfüllen’. Sie entgegnen: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen.“ Obwohl man sie auspeitscht und ihnen droht, weigern sie sich aufzuhören und ‘fahren jeden Tag im Tempel und von Haus zu Haus ununterbrochen fort, zu lehren und die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkündigen’ (5:28, 29, 42).

      14. Wie kommt es zum Märtyrertod des Stephanus?

      14 Märtyrertod des Stephanus (6:1⁠—⁠8:1a). Stephanus ist einer der sieben Männer, die durch heiligen Geist dazu ernannt werden, Speise an Tische auszuteilen. Überdies gibt er kraftvoll für die Wahrheit Zeugnis und verteidigt den Glauben mit einem solchen Eifer, daß seine wütenden Gegner ihn vor den Sanhedrin bringen lassen und ihn der Lästerung beschuldigen. In seiner Verteidigungsrede spricht Stephanus zunächst von der Langmut Jehovas gegenüber Israel. Furchtlos, redegewandt kommt er dann zum Kern der Sache: ‘Ihr Halsstarrigen, ständig widersteht ihr dem heiligen Geist, ihr, die ihr das GESETZ empfingt, wie es von Engeln übermittelt wurde, es aber nicht gehalten habt’ (7:51-53). Das ist für sie unerträglich! Sie stürmen auf ihn los, treiben ihn aus der Stadt hinaus und steinigen ihn. Saulus schaut billigend zu.

      15. Was wird durch die Verfolgung bewirkt, und welche Erfahrungen macht Philippus beim Predigen?

      15 Verfolgung; Bekehrung des Saulus (8:1b—9:30). Durch die Verfolgung, die an jenem Tag gegen die Versammlung in Jerusalem einsetzt, werden alle, ausgenommen die Apostel, im ganzen Land zerstreut. Philippus geht nach Samaria, wo viele das Wort Gottes annehmen. Petrus und Johannes werden von Jerusalem dorthin gesandt, damit die Gläubigen „durch Händeauflegen der Apostel“ heiligen Geist empfangen (8:18). Darauf führt ein Engel den Philippus südwärts zur Straße von Jerusalem nach Gasa, wo er einen zum äthiopischen Königshof gehörenden Eunuchen trifft, der in seinem Wagen fährt und dabei im Buch Jesaja liest. Philippus erschließt ihm die Bedeutung der Prophezeiung und tauft ihn.

      16. Wie geht die Bekehrung des Saulus vor sich?

      16 Inzwischen macht sich Saulus, der „immer noch Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn“ schnaubt, auf, um diejenigen festzunehmen, die in Damaskus ‘zum WEG gehören’. Plötzlich umblitzt ihn ein Licht vom Himmel, und er fällt geblendet zu Boden. Eine Stimme aus dem Himmel sagt zu ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Nachdem er drei Tage in Damaskus zugebracht hat, dient ihm ein Jünger namens Ananias. Saulus erhält das Augenlicht wieder, läßt sich taufen und wird mit heiligem Geist erfüllt, so daß er ein eifriger und fähiger Prediger der guten Botschaft wird (9:1, 2, 5). Mit dieser erstaunlichen Wende der Ereignisse wird der Verfolger zum Verfolgten und muß um seines Lebens willen zuerst aus Damaskus und dann aus Jerusalem fliehen.

      17. Wie erreicht die gute Botschaft unbeschnittene Nichtjuden?

      17 Die gute Botschaft erreicht unbeschnittene Nichtjuden (9:31⁠—⁠12:25). Die Versammlung ‘tritt nun in eine Zeitspanne des Friedens ein und wird erbaut; und da sie in der Furcht Jehovas wandelt und den Trost des heiligen Geistes hat, mehrt sie sich beständig’ (9:31). In Joppe weckt Petrus die geliebte Tabitha (Dorkas) von den Toten auf, und dort ergeht an ihn der Ruf, nach Cäsarea zu kommen, wo ihn ein Offizier namens Kornelius erwartet. Er predigt dem Kornelius und dessen Hausgemeinschaft, sie glauben, und der heilige Geist wird auf sie ausgegossen. Petrus tauft sie — die ersten unbeschnittenen Nichtjuden, die sich bekehren —, denn er hat verstanden, „daß Gott nicht parteiisch ist, sondern daß für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“. Später erklärt Petrus diese neue Entwicklung den Brüdern in Jerusalem, worauf sie Gott verherrlichen (10:34, 35).

      18. (a) Was geschieht danach in Antiochia? (b) Wie kommt plötzlich Verfolgung auf, aber wird ihr Zweck erreicht?

      18 Während sich die gute Botschaft weiterhin schnell ausbreitet, lehren Barnabas und Saulus in Antiochia eine ziemlich große Volksmenge, ‘und es ist zuerst in Antiochia, daß die Jünger durch göttliche Vorsehung Christen genannt werden’ (11:26). Wieder bricht Verfolgung aus. Herodes Agrippa I. läßt Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert töten. Außerdem läßt er Petrus ins Gefängnis werfen, aber der Engel Jehovas befreit Petrus ein weiteres Mal, und der böse Herodes hat das Nachsehen. Weil er es versäumt, Gott die Ehre zu geben, wird er von Würmern zerfressen und stirbt. Das Wort Jehovas indessen ‘wächst weiterhin und breitet sich aus’ (12:24).

      19. Wohin führt die erste Missionsreise den Apostel Paulus, und was wird erreicht?

      19 Die erste Missionsreise des Paulus mit Barnabas (13:1⁠—⁠14:28).d Barnabas und „Saulus, der auch Paulus heißt“, werden durch heiligen Geist ausgesondert und von Antiochia weggesandt (13:9). Auf der Insel Zypern werden viele gläubig, einschließlich des Prokonsuls Sergius Paulus. Dann machen sie eine Rundreise durch sechs oder mehr Städte auf dem kleinasiatischen Festland, und überall geschieht in etwa dasselbe: Eine deutliche Spaltung entsteht zwischen denen, die die gute Botschaft freudig annehmen, und den halsstarrigen Gegnern, die mit Steinen werfende Pöbelrotten gegen Jehovas Boten hetzen. Nachdem Paulus und Barnabas in den neugegründeten Versammlungen Ernennungen älterer Männer vorgenommen haben, kehren sie nach Antiochia in Syrien zurück.

      20. Durch welchen Beschluß wird die Beschneidungsfrage geklärt?

      20 Beschneidungsfrage geklärt (15:1-35). Wegen des großen Zustroms von Nichtjuden erhebt sich die Frage, ob diese beschnitten werden sollen. Paulus und Barnabas bringen diese Streitfrage vor die Apostel und die älteren Männer in Jerusalem, wo der Jünger Jakobus den Vorsitz führt und veranlaßt, daß der einmütig gefaßte Beschluß in einem formellen Schreiben bekanntgegeben wird: „Der heilige Geist und wir selbst haben es für gut befunden, euch keine weitere Bürde aufzuerlegen als folgende notwendigen Dinge: euch von Dingen zu enthalten, die Götzen geopfert wurden, sowie von Blut und von Erwürgtem und von Hurerei“ (15:28, 29). Durch diesen Brief ermuntert, freuen sich die Brüder in Antiochia.

      21. (a) Wer begleitet Paulus auf seiner zweiten Missionsreise? (b) Von welchen Ereignissen ist der Besuch in Mazedonien gekennzeichnet?

      21 Erweiterter Dienst während der zweiten Reise des Paulus (15:36⁠—⁠18:22).e „Nach einigen Tagen“ segeln Barnabas und Markus nach Zypern ab, während Paulus und Silas sich aufmachen und durch Syrien und Kleinasien ziehen (15:36). In Lystra gesellt sich der junge Timotheus zu Paulus, und sie reisen weiter nach Troas am Ägäischen Meer. Hier sieht Paulus in einer Vision einen Mann, der ihn inständig bittet: „Komm herüber nach Mazedonien, und hilf uns!“ (16:9). Lukas schließt sich Paulus an, und sie nehmen ein Schiff nach Philippi, der bedeutendsten Stadt Mazedoniens, wo Paulus und Silas ins Gefängnis geworfen werden. Das führt dazu, daß der Gefängnisaufseher gläubig wird und sich taufen läßt. Nach ihrer Freilassung geht es weiter nach Thessalonich, und dort bilden die eifersüchtigen Juden eine Pöbelrotte gegen sie. Daher senden die Brüder Paulus und Silas nachts nach Beröa weg. Hier offenbaren die Juden eine edle Gesinnung, indem sie ‘das Wort mit der größten Bereitwilligkeit aufnehmen und täglich in den Schriften sorgfältig forschen’, um Bestätigungen für das Gehörte zu finden (17:11). Paulus läßt Silas und Timotheus bei dieser neuen Versammlung, so wie er Lukas in Philippi zurückgelassen hat, und begibt sich weiter südwärts nach Athen.

      22. Welche Wirkung hat die meisterhafte Rede des Paulus auf dem Areopag?

      22 In dieser Stadt der Götzen verspotten hochmütige epikureische und stoische Philosophen Paulus als einen „Schwätzer“ und als einen „Verkündiger ausländischer Gottheiten“, und sie bringen ihn zum Areopag oder Marshügel hinauf. In meisterhafter Rede führt Paulus Gründe dafür an, warum man den wahren Gott suchen sollte, den ‘Herrn des Himmels und der Erde’, der mit Gewißheit ein gerechtes Gericht herbeiführen wird durch den, den er von den Toten auferweckt hat. Als er auf die Auferstehung zu sprechen kommt, spaltet sich seine Zuhörerschaft; einige werden jedoch gläubig (17:18, 24).

      23. Wie verläuft die Tätigkeit in Korinth?

      23 Der nächste Aufenthalt ist Korinth. Paulus wohnt bei Aquila und Priscilla und übt mit ihnen das Zeltmacherhandwerk aus. Weil man sich seinem Predigen widersetzt, sieht er sich gezwungen, die Synagoge zu verlassen und seine Zusammenkünfte nebenan in der Wohnung des Titius Justus abzuhalten. Krispus, der Synagogenvorsteher, wird gläubig. Nachdem Paulus 18 Monate in Korinth zugebracht hat, reist er mit Aquila und Priscilla nach Ephesus; dort trennt er sich von ihnen, erreicht Antiochia in Syrien und beendet damit seine zweite Missionsreise.

      24, 25. (a) Was ist aus Ephesus zu berichten, als Paulus seine dritte Reise beginnt? (b) Welcher Aufruhr kennzeichnet das Ende des dreijährigen Aufenthalts von Paulus in Ephesus?

      24 Paulus besucht Versammlungen wieder; dritte Reise (18:23⁠—⁠21:26).f Ein Jude namens Apollos kommt von Alexandria (Ägypten) nach Ephesus und spricht in der Synagoge freimütig über Jesus. Allerdings halten es Aquila und Priscilla für notwendig, sein Lehren zu berichtigen, bevor er nach Korinth weiterfährt. Paulus ist jetzt unterwegs auf seiner dritten Reise, und im Laufe der Zeit kommt er nach Ephesus. Als er erfährt, daß die Gläubigen hier mit der Taufe des Johannes getauft worden sind, erklärt er ihnen die Taufe im Namen Jesu. Dann tauft er etwa 12 Männer, und als er ihnen die Hände auflegt, empfangen sie den heiligen Geist.

      25 Während des dreijährigen Aufenthalts von Paulus in Ephesus ‘wächst das Wort Jehovas fortwährend mit Macht und gewinnt die Oberhand’, und viele geben die Anbetung der Artemis, der Schutzgöttin der Stadt, auf (19:20). Erzürnt wegen des zu erwartenden Geschäftsrückgangs, versetzen die Hersteller von Silberschreinen die Stadt in einen solchen Aufruhr, daß es erst nach Stunden gelingt, den Pöbel zu zerstreuen. Bald darauf reist Paulus nach Mazedonien und Griechenland ab und besucht dort die Gläubigen.

      26. (a) Welches Wunder wirkt Paulus in Troas? (b) Welchen Rat gibt er den Aufsehern von Ephesus?

      26 Paulus bleibt drei Monate in Griechenland, bevor er über Mazedonien zurückkehrt, wo sich ihm Lukas wieder anschließt. Sie setzen über nach Troas, und während Paulus dort bis spät in die Nacht eine Ansprache hält, schläft ein junger Mann ein und fällt aus einem Fenster im dritten Stock. Er wird tot aufgehoben, aber Paulus bringt ihn wieder zum Leben. Am nächsten Tag brechen Paulus und seine Gruppe nach Milet auf, wo Paulus auf seinem Weg nach Jerusalem haltmacht, um mit den älteren Männern von Ephesus zusammenzukommen. Er läßt sie wissen, daß sie sein Angesicht nicht mehr sehen werden. Wie dringend ist es daher, daß sie die Führung übernehmen und die Herde Gottes hüten, ‘in welcher sie der heilige Geist zu Aufsehern ernannt hat’! Paulus erinnert sie an das Beispiel, das er ihnen gegeben hat, und ermahnt sie, wach zu bleiben und sich für die Brüder zu verausgaben (20:28). Obwohl man ihm davon abrät, Jerusalem zu betreten, läßt er sich nicht aufhalten. Seine Begleiter beruhigen sich mit den Worten: „Der Wille Jehovas geschehe“ (21:14). Als Paulus Jakobus und den älteren Männern berichtet, wie Gott seinen Dienst unter den Nationen gesegnet hat, herrscht große Freude.

      27. Wie wird Paulus im Tempel empfangen?

      27 Paulus festgenommen, vor Gericht (21:27 bis 26:32). Paulus wird im Tempel in Jerusalem gesehen und feindselig empfangen. Juden aus Asien hetzen die ganze Stadt gegen ihn auf, und in letzter Minute befreien ihn römische Soldaten.

      28. (a) Welche Frage wirft Paulus vor dem Sanhedrin auf, und was ist die Folge? (b) Wohin wird er dann gesandt?

      28 Weshalb denn dieser Tumult? Wer ist dieser Paulus? Was hat er sich zuschulden kommen lassen? Das möchte der verwirrte Militärbefehlshaber gern erfahren. Weil Paulus das römische Bürgerrecht besitzt, entgeht er der Peitschfolter, und man bringt ihn vor den Sanhedrin. Das Gericht besteht teils aus Pharisäern, teils aus Sadduzäern. Paulus wirft daher die Frage der Auferstehung auf, und die Folge ist, daß sie gegeneinander Partei ergreifen. Als der Zwiespalt immer größer wird, müssen die römischen Soldaten Paulus aus der Mitte des Sanhedrins herausreißen, damit er nicht in Stücke gerissen wird. Bei Nacht wird er, von einer stattlichen Schutzwache begleitet, heimlich zu Statthalter Felix nach Cäsarea gesandt.

      29. Welche Gerichtsverhandlungen, in denen man Paulus des Aufruhrs beschuldigt, werden nacheinander geführt, und auf wen beruft er sich?

      29 Als die Ankläger des Paulus ihn vor Felix des Aufruhrs beschuldigen, verteidigt er sich geschickt. Aber Felix zögert die Entscheidung hinaus in der Hoffnung, für die Freilassung des Paulus Bestechungsgeld zu erhalten. Zwei Jahre vergehen. Porcius Festus folgt Felix als Statthalter, und eine neue Gerichtsverhandlung wird angeordnet. Wieder werden schwere Beschuldigungen erhoben, und wieder erklärt Paulus, daß er unschuldig ist. Aber um Gunst bei den Juden zu finden, bietet sich Festus an, den Fall noch einmal in Jerusalem aufzurollen. Daher sagt Paulus: „Ich berufe mich auf Cäsar!“ (25:11). Einige Zeit verstreicht. Schließlich macht Herodes Agrippa II. bei Festus einen Höflichkeitsbesuch, und Paulus wird erneut in den Gerichtssaal gebracht. Das Zeugnis, das er gibt, ist so kraftvoll und überzeugend, daß Agrippa nicht umhinkann, zu ihm zu sagen: „In kurzem würdest du mich überreden, ein Christ zu werden“ (26:28). Agrippa erkennt außerdem, daß Paulus unschuldig ist und freigelassen werden könnte, wenn er sich nicht auf Cäsar berufen hätte.

      30. Was erlebt Paulus auf seiner Reise, bis er Malta erreicht?

      30 Paulus geht nach Rom (27:1⁠—⁠28:31).g Paulus und andere Gefangene werden für den ersten Teil ihrer Reise nach Rom auf ein Schiff gebracht. Gegenwind verlangsamt ihre Fahrt. Im Hafen von Myra wechseln sie das Schiff. Als man Schönhafen auf Kreta erreicht, empfiehlt Paulus, dort zu überwintern, aber die Mehrheit rät auszulaufen. Kaum sind sie in See gestochen, da erfaßt sie ein Sturmwind und treibt sie erbarmungslos vor sich her. Nach zwei Wochen bricht ihr Schiff schließlich auf einer Sandbank vor der Küste Maltas in Stücke. Wie Paulus ihnen versichert hat, bleiben alle 276 Passagiere am Leben. Die Bewohner von Malta bekunden eine außergewöhnliche Menschenfreundlichkeit, und während jenes Winters heilt Paulus viele von ihnen durch die wunderbare Macht des Geistes Gottes.

      31. Wie wird Paulus bei seiner Ankunft in Rom empfangen, und welcher Tätigkeit widmet er sich dort?

      31 Im nächsten Frühjahr trifft Paulus in Rom ein, und die Brüder kommen ihm draußen auf der Landstraße entgegen. Als Paulus sie erblickt, ‘dankt er Gott und faßt Mut’. Er ist immer noch ein Gefangener, aber es wird ihm gestattet, unter der Aufsicht eines Soldaten in seinem eigenen gemieteten Haus zu wohnen. Lukas beschließt seinen Bericht mit der Feststellung, daß Paulus alle, die zu ihm hereinkamen, freundlich aufnahm, ‘ihnen das Königreich Gottes predigte und sie ungehindert und mit dem größten Freimut der Rede die Dinge lehrte, die den Herrn Jesus Christus betrafen’ (28:15, 31).

      WIESO NÜTZLICH

      32. Wie bezeugte Petrus vor und zu Pfingsten die Glaubwürdigkeit der Hebräischen Schriften?

      32 Wie die Evangelienberichte, so bestätigt auch die Apostelgeschichte die Glaubwürdigkeit und die Inspiration der Hebräischen Schriften. Kurz vor Pfingsten wies Petrus auf die Erfüllung zweier Prophezeiungen hin, die „der heilige Geist durch den Mund Davids über Judas vorhergesagt hatte“ (Apg. 1:16, 20; Ps. 69:25; 109:8). Auch der erstaunten Volksmenge, die zu Pfingsten zusammenkam, teilte Petrus mit, daß sie in Wirklichkeit die Erfüllung einer Prophezeiung erlebte: „Dies ist das, was durch den Propheten Joel gesagt wurde“ (Apg. 2:16-21; Joel 2:28-32; vergleiche auch Apostelgeschichte 2:25-28, 34, 35 mit Psalm 16:8-11 und 110:1).

      33. Wie zeigten Petrus, Philippus, Jakobus und Paulus, daß die Hebräischen Schriften inspiriert sind?

      33 Um eine andere Volksmenge außerhalb des Tempels zu überzeugen, bezog sich Petrus erneut auf die Hebräischen Schriften, indem er zuerst Moses zitierte und dann sagte: „Und alle Propheten, ja von Samuel an und die nachfolgenden, so viele geredet haben, haben auch diese Tage deutlich verkündet.“ Später führte Petrus vor dem Sanhedrin Psalm 118:22 an, als er zeigte, daß Christus — der Stein, den sie verworfen hatten — das „Haupt der Ecke“ geworden war (Apg. 3:22-24; 4:11). Philippus erklärte dem äthiopischen Eunuchen, wie sich die Prophezeiung aus Jesaja 53:7, 8 erfüllt hatte, und nachdem der Eunuch erleuchtet worden war, bat er demütig darum, getauft zu werden (Apg. 8:28-35). Ferner versicherte Petrus, als er zu Kornelius über Jesus sprach: „Ihn betreffend legen alle Propheten Zeugnis ab“ (10:43). Als die Beschneidungsfrage erörtert wurde, bekräftigte Jakobus seine Entscheidung, indem er sagte: „Damit stimmen die Worte der PROPHETEN überein, so wie geschrieben steht“ (15:15-18). Der Apostel Paulus stützte sich auf dieselben Quellen (26:22; 28:23, 25-27). Die Tatsache, daß die Jünger und ihre Zuhörer die Hebräischen Schriften bereitwillig als einen Teil des Wortes Gottes annahmen, drückt jenen Schriften das Siegel göttlicher Inspiration und Anerkennung auf.

      34. Was offenbart die Apostelgeschichte über die Christenversammlung, und ist es heute anders?

      34 Die Apostelgeschichte ist überaus nützlich, weil sie zeigt, wie die Christenversammlung gegründet wurde und unter der Macht des heiligen Geistes wuchs. In dem spannenden Bericht ist überall Gottes Segen, der Ausdehnung bewirkte, erkennbar sowie der Freimut und die Freude der ersten Christen, ihre kompromißlose Haltung angesichts von Verfolgung und ihre Dienstbereitschaft, wie sie z. B. durch die Reaktion des Paulus zum Ausdruck kam, als er in den Auslandsdienst und nach Mazedonien gerufen wurde (4:13, 31; 15:3; 5:28, 29; 8:4; 13:2-4; 16:9, 10). Die gleichen Merkmale hat die Christenversammlung heute. Sie ist durch Liebe, Einheit und gemeinsame Interessen verbunden, während sie unter der Leitung des heiligen Geistes von den ‘großen Dingen Gottes’ redet (2:11, 17, 45; 4:34, 35; 11:27-30; 12:25).

      35. Welche Hinweise enthält die Apostelgeschichte, wie man beim Zeugnisgeben vorgehen sollte, und welche Eigenschaft im Dienst wird betont?

      35 Das Buch der Apostelgeschichte enthält genaue Hinweise, wie Christen beim Verkünden des Königreiches Gottes vorgehen sollten. Paulus war darin ein Vorbild. Er sagt: „Ich [hielt] mich nicht davon zurück ..., euch alles, was nützlich war, kundzutun und euch öffentlich und von Haus zu Haus zu lehren.“ Und er fügt hinzu: „Ich [legte] gründlich Zeugnis ab.“ Dieses Thema — ‘gründliches Zeugnisgeben’ — begegnet uns im ganzen Buch. In den letzten Abschnitten tritt es auf eindrucksvolle Weise in den Vordergrund. Dort wird die ganzherzige, selbst durch Fesseln nicht geschwächte Hingabe des Paulus gegenüber seiner Predigt- und Lehrtätigkeit mit den Worten bestätigt: „Und er erklärte ihnen die Sache, indem er von dem Königreich Gottes gründlich Zeugnis ablegte und sie sowohl anhand des Gesetzes Mose als auch der PROPHETEN von morgens bis abends in bezug auf Jesus zu überzeugen suchte.“ Mögen wir bei unserer Königreichstätigkeit stets ebenso zielstrebig sein! (20:20, 21; 28:23; 2:40; 5:42; 26:22).

      36. Welcher praktische Rat des Paulus ist heute für Aufseher sehr wichtig?

      36 Der Vortrag, den Paulus vor den Aufsehern von Ephesus hielt, enthält viel praktischen Rat für Aufseher von heute. Da Aufseher durch heiligen Geist ernannt worden sind, ist es äußerst wichtig, daß sie ‘auf sich selbst und auf die ganze Herde achtgeben’, indem sie sie mit Zartgefühl hüten und sie vor bedrückenden Wölfen schützen, die ihre Vernichtung suchen. Das ist keine leichte Aufgabe. Aufseher müssen wach bleiben und sich selbst an dem Wort der unverdienten Güte Gottes erbauen. Während sie angestrengt arbeiten, um den Schwachen beizustehen, sollen sie „die Worte des Herrn Jesus im Sinn behalten ..., der selbst gesagt hat: ‚Beglückender ist Geben als Empfangen‘ “ (20:17-35).

      37. Durch welche taktvolle Beweisführung machte Paulus auf dem Areopag seinen Hauptpunkt verständlich?

      37 Auch die übrigen Vorträge des Paulus zeichnen sich durch die klare Darlegung biblischer Grundsätze aus. Da ist zum Beispiel die klassische Argumentation seiner Ansprache vor den Stoikern und Epikureern auf dem Areopag. Zuerst verweist er auf die Altarinschrift „Einem unbekannten Gott“. Davon ausgehend, erklärt er, daß der eine wahre Gott, der Herr des Himmels und der Erde, der aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht hat, „einem jeden von uns nicht fern ist“. Dann zitiert er die Worte ihrer Dichter: „Denn wir sind auch sein Geschlecht“ und zeigt, daß es unvernünftig ist, anzunehmen, man habe seinen Ursprung in leblosen Götzen aus Gold, Silber oder Stein. So beweist Paulus taktvoll die Souveränität des lebendigen Gottes. Erst in seinen abschließenden Worten wirft er die Streitfrage der Auferstehung auf, und selbst dann erwähnt er Christus nicht mit Namen. Er hat seinen Hauptpunkt — daß der eine wahre Gott der höchste Souverän ist — verständlich gemacht, und infolgedessen wurden einige gläubig (17:22-34).

      38. Welche Segnungen ergeben sich aus der Art des Studiums, zu der in der Apostelgeschichte ermuntert wird?

      38 Die Apostelgeschichte ermuntert zu fortgesetztem, fleißigem Studium der „ganzen Schrift“. Als Paulus erstmals in Beröa predigte, nahmen dort die Juden „das Wort mit der größten Bereitwilligkeit auf, indem sie täglich in den Schriften sorgfältig forschten, ob sich diese Dinge so verhielten“, und deshalb wurde ihnen das Lob zuteil, „edler gesinnt“ zu sein (17:11). Die Schriften in Verbindung mit der mit Geist erfüllten Versammlung Jehovas eifrig zu erforschen trägt heute die gleichen Segnungen ein wie damals — Überzeugtheit und einen starken Glauben. Durch ein solches Studium kann man zu einem klaren Verständnis der göttlichen Grundsätze gelangen. Eine hervorragende Aufzählung einiger dieser Grundsätze wurde in Apostelgeschichte 15:29 festgehalten. Hier machte die leitende Körperschaft der Apostel und älteren Brüder in Jerusalem bekannt, daß das geistige Israel sich zwar nicht beschneiden lassen mußte, daß aber Götzendienst, Blut und Hurerei eindeutig verboten waren.

      39. (a) Wie wurden die Jünger gestärkt, so daß sie unter Verfolgung standhalten konnten? (b) Mit welchen Worten gaben sie freimütig Zeugnis? War ihr Zeugnis wirkungsvoll?

      39 Jene ersten Jünger studierten wirklich die inspirierten Schriften und konnten, so wie es nötig war, daraus zitieren und sie anwenden. Durch genaue Erkenntnis und durch Gottes Geist wurden sie gestärkt, so daß sie unter schwerer Verfolgung standhalten konnten. Petrus und Johannes gaben allen treuen Christen ein Beispiel, als sie freimütig zu den gegnerischen Vorstehern sagten: „Ob es in den Augen Gottes gerecht ist, eher auf euch zu hören als auf Gott, urteilt selbst. Wir aber, wir können nicht aufhören, von den Dingen zu reden, die wir gesehen und gehört haben.“ Und als man sie abermals vor den Sanhedrin stellte, der ihnen „ausdrücklich befohlen“ hatte, nicht mehr weiter aufgrund des Namens Jesu zu lehren, sagten sie unmißverständlich: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen.“ In Verbindung mit dieser furchtlosen Äußerung erhielten die Vorsteher ein vortreffliches Zeugnis. Daraufhin gab der berühmte Gesetzeslehrer Gamaliel seine wohlbekannte Erklärung zugunsten der Religionsfreiheit ab, weshalb die Apostel dann freigelassen wurden (4:19, 20; 5:28, 29, 34, 35, 38, 39).

      40. Inwiefern spornt uns die Apostelgeschichte an, für das Königreich gründlich Zeugnis abzulegen?

      40 Jehovas herrliches Königreichsvorhaben, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel zieht, tritt in der Apostelgeschichte besonders stark hervor. Zu Beginn wird gezeigt, wie Jesus während der 40 Tage vor seiner Himmelfahrt „von den Dingen über das Königreich Gottes redete“. Auf die Frage nach der Wiederherstellung des Königreiches antwortete Jesus seinen Jüngern, daß sie zuerst seine Zeugen sein sollten bis zum entferntesten Teil der Erde (1:3, 6, 8). Unerschrocken und mit Freimut predigten sie, ausgehend von Jerusalem, das Königreich. Verfolgung führte zur Steinigung des Stephanus und zerstreute viele von den Jüngern in neue Gebiete (7:59, 60). Es wird berichtet, daß Philippus „die gute Botschaft vom Königreich Gottes“ mit gutem Erfolg in Samaria verkündigte und daß Paulus und die mit ihm Verbundenen „das Königreich“ in Asien, Korinth, Ephesus und Rom bekanntmachten. Alle diese ersten Christen waren leuchtende Vorbilder unerschütterlichen Vertrauens auf Jehova und seinen stärkenden Geist (8:5, 12; 14:5-7, 21, 22; 18:1, 4; 19:1, 8; 20:25; 28:30, 31). Ihren unbezwingbaren Mut und Eifer zu betrachten und zu sehen, wie Jehova ihre Bemühungen reichlich segnete, ist für uns ein wunderbarer Ansporn, in Treue ‘vom Königreich Gottes gründlich Zeugnis abzulegen’ (28:23).

      [Fußnoten]

      a Paulus in der Apostelgeschichte, 1898, Seite 3.

      b Zitiert in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. Oktober 1947, Seite 6, 7; siehe auch Erwachet! vom 22. Juli 1971, Seite 27, 28.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 181, 653, 654; Band 2, Seite 748.

      d Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 747.

      e Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 747.

      f Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 747.

      g Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 750.

  • 45. Bibelbuch — Römer
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 45. Bibelbuch — Römer

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Korinth

      Vollendung der Niederschrift: um 56 u. Z.

      1. Was bespricht Paulus in seinem Brief an die Römer?

      AUS der Apostelgeschichte haben wir erfahren, wie Paulus, früher ein heftiger Verfolger jüdischer Christen, ein eifriger Apostel Christi für die nichtjüdischen Nationen wurde. Mit dem Römerbrief beginnen in der Bibel die 14 Bücher, die dieser ehemalige Pharisäer — nun ein treuer Diener Gottes —, vom heiligen Geist inspiriert, niederschrieb. Als Paulus den Römerbrief schrieb, hatte er schon zwei lange Predigtreisen bewältigt und befand sich bereits auf der dritten. Er hatte fünf andere inspirierte Briefe geschrieben: den ersten und den zweiten Thessalonicherbrief, den Galaterbrief und den ersten und den zweiten Korintherbrief. Doch es scheint passend zu sein, daß der Römerbrief in unseren neuzeitlichen Bibeln den anderen Briefen vorangestellt ist, da er ausführlich die neue Gleichheit zwischen Juden und Nichtjuden bespricht, den beiden Gruppen, denen Paulus predigte. Darin wird ein Wendepunkt in Gottes Verfahrensweise mit seinem Volk erklärt und gezeigt, daß in den inspirierten Hebräischen Schriften schon lange vorhergesagt worden war, daß die gute Botschaft auch den Nichtjuden verkündet würde.

      2. (a) Welche Schwierigkeiten bespricht Paulus im Römerbrief? (b) Was wird durch diesen Brief einwandfrei nachgewiesen?

      2 Paulus, der Tertius als Sekretär gebrauchte, verbindet eine schnell aufeinanderfolgende Beweisführung und eine erstaunliche Anzahl von Anführungen aus den Hebräischen Schriften zu einem der überzeugendsten Bücher der Christlichen Griechischen Schriften. Er erörtert mit bemerkenswert schöner Sprache die Schwierigkeiten, die auftraten, als sich im ersten Jahrhundert die Christenversammlungen sowohl aus Juden als auch aus Griechen zusammensetzten. Hatten die Juden Vorrang, weil sie Abrahams Nachkommen waren? Hatten reife Christen, die sich nicht mehr an das mosaische Gesetz hielten, das Recht, schwächere jüdische Brüder, die noch an alten Bräuchen festhielten, zum Straucheln zu bringen? In diesem Brief weist Paulus einwandfrei nach, daß Juden und Nichtjuden vor Gott gleich sind und daß Menschen nicht durch das mosaische Gesetz gerechtgesprochen werden, sondern durch Glauben an Jesus Christus und durch Gottes unverdiente Güte. Gleichzeitig fordert Gott von Christen, sich den verschiedenen Gewalten, unter denen sie sich befinden, gebührend unterzuordnen.

      3. Wie nahm die Versammlung in Rom ihren Anfang, und was könnte erklären, warum Paulus dort so viele kannte?

      3 Wie nahm die Versammlung in Rom ihren Anfang? Spätestens von der Zeit der Einnahme Jerusalems durch Pompejus im Jahre 63 v. u. Z. an gab es in Rom eine ziemlich große jüdische Gemeinde. In Apostelgeschichte 2:10 wird besonders erwähnt, daß einige jener Juden zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z. in Jerusalem waren, wo sie die gute Botschaft, die gepredigt wurde, hörten. Die bekehrten Besucher blieben in Jerusalem, um von den Aposteln zu lernen, und später kehrten sie zweifellos an ihren Wohnort, u. a. nach Rom, zurück, einige wahrscheinlich, als in Jerusalem die Verfolgung ausbrach (Apg. 2:41-47; 8:1, 4). Außerdem reisten die Menschen jener Zeit viel. Das könnte erklären, warum Paulus so viele aus der Versammlung in Rom gut kannte; einige von ihnen hatten vielleicht die gute Botschaft in Griechenland oder in Asien gehört, wo Paulus ebenfalls gepredigt hatte.

      4. (a) Welchen Aufschluß enthält der Römerbrief über die Versammlung in dieser Stadt? (b) Worauf deutet die Anwesenheit von Aquila und Priscilla in Rom hin?

      4 Der erste zuverlässige Aufschluß über diese Versammlung ist in dem Brief des Paulus enthalten. Daraus ist klar ersichtlich, daß die Versammlung sowohl aus jüdischen als auch aus nichtjüdischen Christen bestand und daß ihr Eifer zu loben war. Er sagt ihnen: „In der ganzen Welt [wird] von eurem Glauben gesprochen“ und: „Euer Gehorsam ist allen bekanntgeworden“ (Röm. 1:8; 16:19). Sueton, ein Schriftsteller des 2. Jahrhunderts, berichtet, daß die Juden während der Herrschaft des Claudius (41—54 u. Z.) aus Rom verbannt wurden. Später kehrten sie jedoch zurück, was durch die Anwesenheit von Aquila und Priscilla in Rom bewiesen wird. Diesen beiden Juden war Paulus in Korinth begegnet. Sie hatten Rom zur Zeit des Erlasses des Claudius verlassen, waren aber wieder in Rom, als Paulus der dortigen Versammlung schrieb (Apg. 18:2; Röm. 16:3).

      5. Welche Tatsachen bestätigen die Glaubwürdigkeit des Römerbriefes?

      5 Die Glaubwürdigkeit des Briefes steht außer Zweifel. Wie die Einleitung besagt, hat „Paulus, ein Sklave Jesu Christi und zu einem Apostel berufen“, ihn „an alle die, die als Geliebte Gottes, zu Heiligen Berufene in Rom sind“, geschrieben (Röm. 1:1, 7). Seine Beurkundung durch äußere Beweise gehört zu den frühesten, die es für die Christlichen Griechischen Schriften gibt. Petrus verwendet in seinem ersten Brief, der wahrscheinlich sechs bis acht Jahre später geschrieben wurde, so viele ähnliche Ausdrücke, daß nicht wenige Gelehrte meinen, er müsse bereits eine Abschrift des Römerbriefes gesehen haben. Der Römerbrief wurde eindeutig als ein Teil der Schriften des Paulus betrachtet, und Klemens von Rom, Polykarp von Smyrna und Ignatius von Antiochien, die alle im späten ersten und frühen zweiten Jahrhundert u. Z. lebten, zitierten ihn als Brief des Paulus.

      6. Wie bezeugt ein Papyrus aus alter Zeit die Kanonizität des Römerbriefes?

      6 Der Römerbrief ist zusammen mit acht weiteren Briefen des Paulus in einem Kodex enthalten, in dem Papyrus Chester Beatty II (P46). Sir Frederic Kenyon schrieb über diesen frühen Kodex: „Hier haben wir somit eine nahezu vollständige Handschrift der Paulinischen Briefe, die offensichtlich gegen Anfang des dritten Jahrhunderts geschrieben wurden.“a Die griechischen Bibelpapyri Chester Beatty sind älter als das bekannte Sinaitische Manuskript und das Vatikanische Manuskript Nr. 1209, die beide aus dem vierten Jahrhundert u. Z. stammen und ebenfalls den Römerbrief enthalten.

      7. Welchen Beweis gibt es in bezug auf Ort und Zeit der Niederschrift des Römerbriefes?

      7 Wann und wo wurde der Römerbrief geschrieben? Bibelkommentatoren sind sich darüber einig, daß dieser Brief in Griechenland — höchstwahrscheinlich in Korinth — geschrieben wurde, als Paulus dort gegen Ende seiner dritten Missionsreise einige Monate lang zu Besuch war. Der innere Beweis deutet auf Korinth hin. Paulus schrieb den Brief in Gajus’ Haus, der zur dortigen Versammlung gehörte, und empfiehlt den Brüdern Phöbe aus der benachbarten Versammlung in Kenchreä, dem Seehafen von Korinth. Offenbar brachte Phöbe diesen Brief nach Rom (Röm. 16:1, 23; 1. Kor. 1:14). In Römer 15:23 schrieb Paulus: „Ich [habe] in diesen Gegenden kein unberührtes Gebiet mehr“, und im folgenden Vers gibt er zu verstehen, daß er beabsichtigt, sein Missionswerk nach Westen auszudehnen, nach Spanien. Anfang des Jahres 56 u. Z., gegen Ende seiner dritten Reise, konnte er sehr wohl so schreiben.

      INHALT DES RÖMERBRIEFES

      8. (a) Was sagt Paulus über seinen Auftrag? (b) Wie zeigt er, daß sowohl Juden als auch Griechen Gottes Zorn verdienen?

      8 Gottes Unparteilichkeit gegenüber Juden und Nichtjuden (1:1⁠—⁠2:29). Was sagt der inspirierte Paulus den Römern? In seinen Anfangsworten weist er sich als Apostel aus, der von Christus dazu erwählt worden ist, „Glaubensgehorsam“ unter den Nationen zu lehren. Er äußert seinen innigen Wunsch, die Heiligen in Rom zu besuchen, um Ermunterungen auszutauschen und unter ihnen die gute Botschaft zu verkündigen, die „Gottes Kraft zur Rettung [ist] für jeden, der Glauben hat“. Wie vor langem geschrieben worden ist, wird der Gerechte „durch Glauben“ leben (1:5, 12, 16, 17). Sowohl Juden als auch Griechen verdienen, wie er zeigt, Gottes Zorn. Die Gottlosigkeit des Menschen ist unentschuldbar, weil Gottes ‘unsichtbare Eigenschaften ... seit Erschaffung der Welt deutlich gesehen werden’ (1:20). Dennoch erheben die Nationen törichterweise gemachte Dinge zu Göttern. Aber die Juden sollten die Nationen nicht streng richten, denn auch sie haben sich der Sünde schuldig gemacht. Beide Gruppen werden gemäß ihren Taten gerichtet werden, weil Gott nicht parteiisch ist. Der entscheidende Umstand ist nicht die fleischliche Beschneidung; „der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung ist die des Herzens“ (2:29).

      9. (a) Worin sind die Juden anderen überlegen, doch welche Bibeltexte führt Paulus an, um zu zeigen, daß alle unter der Sünde sind? (b) Wie wird ein Mensch daher gerechtgesprochen, und welches Beispiel stützt diese Schlußfolgerung?

      9 Durch Glauben werden alle gerechtgesprochen (3:1⁠—⁠4:25). „Worin besteht denn die Überlegenheit des Juden?“ Sie ist groß, denn den Juden wurden Gottes heilige Aussprüche anvertraut. Doch sind „alle, Juden wie auch Griechen, unter der Sünde“, und niemand ist „gerecht“ in Gottes Augen. Um diesen Punkt zu beweisen, werden sieben Zitate aus den Hebräischen Schriften angeführt (Röm. 3:1, 9-18; Ps. 14:1-3; 5:9; 140:3; 10:7; Spr. 1:16; Jes. 59:7, 8; Ps. 36:1). Das Gesetz stellt die Sündhaftigkeit des Menschen bloß, daher „wird durch Gesetzeswerke kein Fleisch ... gerechtgesprochen werden“. Doch durch Gottes unverdiente Güte und die Befreiung durch ein Lösegeld werden sowohl Juden als auch Griechen „ohne Gesetzeswerke durch Glauben gerechtgesprochen“ (Röm. 3:20, 28). Paulus untermauert diese Behauptung mit dem Beispiel Abrahams, der als gerecht betrachtet wurde, und zwar nicht aufgrund von Werken oder aufgrund der Beschneidung, sondern wegen seines beispielhaften Glaubens. Auf diese Weise wurde Abraham nicht nur der Vater der Juden, sondern der Vater „all derer ..., die Glauben haben“ (4:11).

      10. (a) Wie kam es, daß der Tod als König regiert? (b) Was hat sich aus Christi Gehorsam ergeben, aber welche Warnung ergeht in bezug auf Sünde?

      10 Nicht mehr Sklaven der Sünde, sondern der Gerechtigkeit durch Christus (5:1⁠—⁠6:23). Durch den einen Menschen, Adam, kam die Sünde in die Welt, und die Sünde brachte den Tod mit sich, und so hat sich „der Tod zu allen Menschen verbreitet ..., weil sie alle gesündigt hatten“ (5:12). Der Tod regierte als König von Adam bis auf Moses. Als das Gesetz durch Moses gegeben wurde, strömte die Sünde über, und der Tod regierte weiterhin. Aber Gottes unverdiente Güte strömt jetzt noch mehr über, und durch Christi Gehorsam werden viele zu ewigem Leben gerechtgesprochen. Doch ist dies kein Freibrief für ein Leben in Sünde. Die in Christus Getauften müssen hinsichtlich der Sünde tot sein. Ihre alte Persönlichkeit ist an den Pfahl gebracht worden, und sie leben ihr Leben hinsichtlich Gottes. Die Sünde ist nicht mehr Herr über sie, sondern sie werden Sklaven der Gerechtigkeit zur Heiligkeit. „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod, die Gabe aber, die Gott gibt, ist ewiges Leben durch Christus Jesus, unseren Herrn“ (6:23).

      11. (a) Wie veranschaulicht Paulus die Befreiung der christlichen Juden vom Gesetz? (b) Was wurde durch das Gesetz offenkundig, und in welchem Widerstreit befindet sich der Christ?

      11 Tot gegenüber dem Gesetz, lebendig durch den Geist in Gemeinschaft mit Christus (7:1⁠—⁠8:39). Paulus zeigt anhand des Beispiels einer Ehefrau, die an ihren Ehemann, solange er lebt, gebunden ist, die aber, wenn er stirbt, frei ist, einen anderen zu heiraten, wie durch Christi Opfer christliche Juden gegenüber dem Gesetz zu Toten gemacht wurden und frei wurden, um dem Christus zu gehören und für Gott Frucht zu bringen. Das heilige Gesetz ließ die Sünde noch offenkundiger werden, und die Sünde brachte den Tod. Die Sünde, die in unserem fleischlichen Leib wohnt, kämpft gegen unsere guten Absichten. Es ist so, wie Paulus sagt: „Denn das Gute, das ich wünsche, tue ich nicht, sondern das Schlechte, das ich nicht wünsche, das treibe ich.“ Daher „vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt“ (7:19, 20).

      12. Wie werden einige zu Miterben mit Christus, und worin sind diese vollständig siegreich?

      12 Was kann den Menschen aus diesem elenden Zustand retten? Gott kann diejenigen, die dem Christus angehören, durch seinen Geist lebendig machen. Sie sind an Sohnes Statt angenommen und gerechtgesprochen worden, werden Erben Gottes und Miterben mit Christus und werden verherrlicht. Zu ihnen sagt Paulus: „Wenn Gott für uns ist, wer wird gegen uns sein? Wer wird uns von der Liebe des Christus trennen?“ Niemand! Jubelnd erklärt er: „Wir [gehen] vollständig siegreich hervor durch ihn, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, noch Engel, noch Regierungen, noch Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, noch Mächte, noch Höhe, noch Tiefe, noch irgendeine andere Schöpfung imstande sein wird, uns von Gottes Liebe zu trennen, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (8:31, 35, 37-39).

      13. (a) Wer gehört gemäß der Prophezeiung zu dem wirklichen Israel Gottes, und gemäß welchem göttlichen Grundsatz ist dies der Fall? (b) Warum versagte das fleischliche Israel, aber was ist zur Rettung nötig?

      13 „Israel“ durch Glauben und durch Gottes Barmherzigkeit gerettet (9:1⁠—⁠10:21). Paulus bringt „großen Kummer“ über seine Mitisraeliten zum Ausdruck, erkennt aber an, daß nicht das ganze fleischliche Israel wirklich „Israel“ ist, da Gott die Befugnis hat, als Söhne zu erwählen, wen er will. Wie es durch Gottes Verfahrensweise mit Pharao und durch das Gleichnis vom Töpfer gezeigt wird, „hängt es ... nicht von dem ab, der wünscht, noch von dem, der läuft, sondern von Gott, der barmherzig ist“ (9:2, 6, 16). Er beruft „nicht nur aus den Juden ..., sondern auch aus den Nationen“ Söhne, wie Hosea vor langer Zeit vorhergesagt hat (Hos. 2:23). Israel versagte, weil es Gottes Gunst „nicht durch Glauben, sondern gleichsam durch Werke“ zu erlangen suchte und weil es über Christus, den „Fels des Ärgernisses“, strauchelte (Röm. 9:24, 32, 33). Zwar hatten die Israeliten „Eifer für Gott ..., aber nicht gemäß genauer Erkenntnis“. Christus ist das Ende des Gesetzes für diejenigen, die Glauben üben zur Gerechtigkeit. Um jedoch gerettet zu werden, muß man öffentlich erklären, „daß Jesus Herr ist“, sowie Glauben üben, „daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat“ (10:2, 9). Prediger werden ausgesandt, damit Menschen aller Nationen hören, glauben und den Namen Jehovas anrufen, um gerettet zu werden.

      14. Was veranschaulicht Paulus durch den Olivenbaum?

      14 Gleichnis vom Olivenbaum (11:1-36). Aufgrund unverdienter Güte ist ein Überrest des natürlichen Israel auserwählt worden, weil aber die Mehrheit strauchelte, „wird Menschen von den Nationen Rettung zuteil“ (11:11). Paulus gebraucht das Gleichnis von einem Olivenbaum und zeigt, daß wegen des Unglaubens des fleischlichen Israel Nichtjuden eingepfropft wurden. Dennoch sollten sich Nichtjuden nicht über die Verwerfung Israels freuen, da Gott, wenn er die untreuen natürlichen Zweige nicht verschonte, auch nicht die wilden Olivenzweige verschonen wird, die aus den Nationen eingepfropft worden sind.

      15. Was schließt es ein, sich Gott als ein lebendiges Schlachtopfer darzustellen?

      15 Den Sinn neugestalten; die obrigkeitlichen Gewalten (12:1⁠—⁠13:14). Stellt eure Leiber Gott als ein lebendiges Schlachtopfer dar, rät Paulus. „Formt euch nicht mehr nach diesem System der Dinge, sondern werdet durch die Neugestaltung eures Sinnes umgewandelt.“ Seid nicht hochmütig. Der Leib Christi hat wie ein menschlicher Leib viele Glieder, die verschiedene Funktionen haben, aber sie arbeiten in Einheit zusammen. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Überlaßt Jehova die Rache. Besiegt „das Böse stets mit dem Guten“ (12:2, 21).

      16. Wie müssen sich Christen gegenüber der Obrigkeit und anderen verhalten?

      16 Seid den obrigkeitlichen Gewalten untertan; es ist die Anordnung Gottes. Fahrt fort, Gutes zu tun, und seid niemandem irgend etwas schuldig, außer einander zu lieben. Die Rettung nähert sich, legt daher „die Werke, die zur Finsternis gehören“, ab, und legt „die Waffen des Lichts“ an (13:12). Wandelt anständig, nicht gemäß den Begierden des Fleisches.

      17. Was wird im Hinblick auf das Richten und das Erbauen der Schwachen geraten?

      17 Heißt alle unparteiisch willkommen, ohne zu richten (14:1⁠—⁠15:33). Ertragt diejenigen, die sich von bestimmten Speisen enthalten oder Festtage beobachten, weil ihr Glaube schwach ist. Richtet weder euren Bruder, noch bringt ihn durch das, was ihr eßt und trinkt, zum Straucheln, da Gott der Richter aller ist. Strebt nach Frieden und nach erbauenden Dingen, und tragt die Schwächen der anderen.

      18. (a) Welche weiteren Zitate führt Paulus an, um zu zeigen, daß Gott Nichtjuden annimmt? (b) Wie nutzt Paulus Gottes unverdiente Güte?

      18 „Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden“, schreibt der Apostel, und er führt vier weitere Zitate aus den Hebräischen Schriften an als endgültigen Beweis dafür, daß die inspirierten Propheten lange zuvor vorhergesagt hatten, Gottes Verheißungen würden sich auch auf nichtjüdische Nationen erstrecken (Röm. 15:4, 9-12; Ps. 18:49; 5. Mo. 32:43; Ps. 117:1; Jes. 11:1, 10). „Darum“, so ermahnt sie Paulus, „heißt einander willkommen, so wie der Christus auch uns im Hinblick auf die Herrlichkeit Gottes willkommen geheißen hat“ (Röm. 15:7). Paulus bringt Wertschätzung zum Ausdruck für die ihm von Gott verliehene unverdiente Güte, ein öffentlicher Diener für die Nationen zu sein und sich „an dem heiligen Werk der guten Botschaft Gottes“ beteiligen zu dürfen. Er sucht immer neue Gebiete zu erschließen, statt „auf der Grundlage eines anderen Menschen“ zu bauen. Und das ist noch nicht alles, denn er plant, nachdem er Beiträge nach Jerusalem gebracht hat, eine noch größere Predigtreise nach dem entfernten Spanien zu unternehmen und auf dem Weg dorthin seinen geistigen Brüdern in Rom ein ‘volles Maß des Segens Christi’ zu bringen (15:16, 20, 29).

      19. Mit welchen Grüßen und mit welcher Ermahnung schließt der Brief?

      19 Abschließende Grüße (16:1-27). Paulus sendet persönliche Grüße an 26 namentlich genannte Glieder der Versammlung in Rom sowie an andere und ermahnt sie, Personen zu meiden, die Spaltungen hervorrufen, und „weise ... [zu sein] in bezug auf das, was gut ist, aber unschuldig in bezug auf das, was übel ist“. Alles ist zu Gottes Herrlichkeit „durch Jesus Christus immerdar. Amen“ (16:19, 27).

      WIESO NÜTZLICH

      20. (a) Welchen logischen Grund liefert der Römerbrief für den Glauben an Gott? (b) Wie werden Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit veranschaulicht, und zu welchem Ausruf wird Paulus dadurch veranlaßt?

      20 Der Römerbrief liefert eine logische Grundlage für den Glauben an Gott, indem darin erklärt wird, daß „seine unsichtbaren Eigenschaften ... seit Erschaffung der Welt deutlich gesehen [werden], da sie durch die gemachten Dinge wahrgenommen werden, ja seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit“. Aber darüber hinaus preist er weiterhin Gottes Gerechtigkeit und macht seine große Barmherzigkeit und unverdiente Güte bekannt. Dies wird uns treffend vor Augen geführt durch das Gleichnis vom Olivenbaum, in den wilde Zweige eingepfropft werden, wenn die natürlichen Zweige abgehauen werden. In Anbetracht dieser Strenge und Güte Gottes ruft Paulus aus: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege!“ (1:20; 11:33).

      21. Wie zeigt der Römerbrief die weitere Entfaltung des heiligen Geheimnisses Gottes?

      21 In diesem Zusammenhang zeigt der Römerbrief die weitere Entfaltung des heiligen Geheimnisses Gottes. In der Christenversammlung gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Nichtjuden, sondern Menschen aus allen Nationen können an Jehovas unverdienter Güte durch Jesus Christus teilhaben. „Bei Gott gibt es keine Parteilichkeit.“ „Der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung ist die des Herzens durch Geist und nicht durch ein geschriebenes Recht.“ „Da ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn da ist derselbe Herr über alle, der reich ist gegenüber allen, die ihn anrufen.“ Ihnen allen wird der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet und nicht Werke (2:11, 29; 10:12; 3:28).

      22. Welchen praktischen Rat enthält der Römerbrief im Hinblick auf den Umgang mit Personen außerhalb der Versammlung?

      22 Der praktische Rat in diesem Brief an die Christen in Rom ist gleichermaßen für Christen heute nützlich, die ähnlichen Problemen in einer für sie fremden Welt begegnen müssen. Christen werden ermahnt, „mit allen Menschen Frieden“ zu halten, auch mit denen außerhalb der Versammlung. Jede Seele muß „den obrigkeitlichen Gewalten untertan“ sein, denn sie sind von Gott angeordnet und ein Gegenstand der Furcht, nicht für diejenigen, die das Gesetz beobachten, sondern für diejenigen, die Schlechtes tun. Christen sollen gesetzestreu und untertan sein, nicht nur wegen der Furcht vor Strafe, sondern wegen des christlichen Gewissens, und sollen daher ihre Steuern bezahlen, ihre Abgaben leisten, ihren Verpflichtungen nachkommen, niemandem irgend etwas schuldig sein, ‘außer einander zu lieben’. Liebe erfüllt das Gesetz (12:17-21; 13:1-10).

      23. Wie betont Paulus die Wichtigkeit der öffentlichen Erklärung, und welches Beispiel gibt er hinsichtlich der Vorbereitung auf den Dienst?

      23 Paulus betont das öffentliche Zeugnis. Während man mit dem Herzen Glauben zur Gerechtigkeit übt, legt man mit dem Mund eine öffentliche Erklärung zur Rettung ab. „Jeder, der den Namen Jehovas anruft, wird gerettet werden.“ Damit dies jedoch geschehen kann, müssen Prediger ausgehen und „gute Botschaft guter Dinge verkünden“. Freude ist unser Teil, wenn wir unter diesen Predigern sind, deren Schall jetzt „bis zu den äußersten Enden der bewohnten Erde“ ausgegangen ist! (10:13, 15, 18). Mögen wir doch in Vorbereitung auf dieses Predigtwerk versuchen, mit den inspirierten Schriften ebenso vertraut zu werden, wie Paulus es war, denn an dieser einen Stelle (10:11-21) reiht er ein Zitat aus den Hebräischen Schriften an das andere (Jes. 28:16; Joel 2:32; Jes. 52:7; 53:1; Ps. 19:4; 5. Mo. 32:21; Jes. 65:1, 2). Aus gutem Grund konnte er sagen: „Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Röm. 15:4).

      24. Was rät Paulus in der Absicht, Eifer und Freude innerhalb der Versammlung zu fördern?

      24 Über den Umgang miteinander innerhalb der Christenversammlung wird überaus praktischer Rat gegeben. Alle, ganz gleich, aus welchem nationalen, rassischen oder gesellschaftlichen Milieu sie kommen, müssen ihren Sinn neugestalten, um Gott heiligen Dienst darzubringen gemäß seinem ‘guten und annehmbaren und vollkommenen Willen’ (11:17-22; 12:1, 2). Der gesamte Rat des Paulus in Römer 12:3-16 ist sehr vernünftig und anwendbar. Er ist tatsächlich eine ausgezeichnete Ermahnung, Eifer, Demut und innige Zuneigung unter allen in der Christenversammlung zu fördern. In den abschließenden Kapiteln fordert Paulus alle nachdrücklich dazu auf, wachsam zu sein und diejenigen zu meiden, die Spaltungen verursachen, aber er spricht auch von der Freude und der gegenseitigen Erquickung, die sich aus dem guten Umgang in der Versammlung ergeben (16:17-19; 15:7, 32).

      25. (a) Welche rechte Ansicht und welches weitere Verständnis enthält der Römerbrief im Hinblick auf Gottes Königreich? (b) In welcher Hinsicht sollte uns das Studium des Römerbriefes nützen?

      25 Als Christen müssen wir weiterhin darüber wachen, wie wir miteinander umgehen. „Denn das Königreich Gottes bedeutet nicht Essen und Trinken, sondern bedeutet Gerechtigkeit und Frieden und Freude mit heiligem Geist“ (14:17). Diese Gerechtigkeit, dieser Frieden und diese Freude sind besonders das Teil der „Miterben mit Christus“, die mit ihm in dem himmlischen Königreich „mitverherrlicht“ werden sollen. Beachten wir auch, wie der Römerbrief auf einen weiteren Schritt in der Erfüllung der in Eden gegebenen Königreichsverheißung hinweist, indem er sagt: „Der Gott, der Frieden gibt, wird seinerseits den Satan in kurzem unter euren Füßen zermalmen“ (Röm. 8:17; 16:20; 1. Mo. 3:15). Seien wir, da wir an diese großartigen Wahrheiten glauben, weiterhin mit aller Freude und mit allem Frieden erfüllt, und möge unsere Hoffnung überströmen. Seien wir entschlossen, mit dem Königreichssamen siegreich zu sein, denn wir sind überzeugt, daß weder etwas oben im Himmel noch unten auf der Erde, „noch irgendeine andere Schöpfung imstande sein wird, uns von Gottes Liebe zu trennen, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (8:39; 15:13).

      [Fußnote]

      a Our Bible and the Ancient Manuscripts, 1958, Seite 188.

  • 46. Bibelbuch — 1. Korinther
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 46. Bibelbuch — 1. Korinther

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Ephesus

      Vollendung der Niederschrift: um 55 u. Z.

      1. Was für eine Stadt war Korinth in den Tagen des Paulus?

      KORINTH war „eine ruhmreiche und der Ausschweifung ergebene Stadt, in der sich die Laster des Morgen- und des Abendlandes begegneten“.a Da die Stadt auf dem schmalen Isthmus zwischen dem Peloponnes und dem griechischen Festland lag, beherrschte sie den Landweg zum Festland. In den Tagen des Apostels Paulus wurde ihre Einwohnerzahl von etwa 400 000 nur von Rom, Alexandria und dem in Syrien gelegenen Antiochia übertroffen. Im Osten von Korinth befand sich das Ägäische Meer und im Westen der Golf von Korinth und das Ionische Meer. Somit lag Korinth, die Hauptstadt der Provinz Achaia, mit seinen zwei Häfen, Kenchreä und Lechaion, an einem für den Handel strategisch wichtigen Punkt. Es war auch ein Zentrum griechischer Gelehrsamkeit. „Sein Reichtum“, so heißt es, „war so berühmt, daß er sprichwörtlich war; dasselbe kann von der Verdorbenheit und der Ruchlosigkeit seiner Bewohner gesagt werden.“b Zu den heidnischen religiösen Bräuchen gehörte auch der Kult der Aphrodite (sie entspricht der römischen Venus). Die sexuelle Ausschweifung in Korinth war durch den dort ausgeübten Kult bedingt.

      2. Wie wurde die Versammlung in Korinth gegründet, und welche Beziehung bestand also zwischen ihr und Paulus?

      2 In diese blühende, aber vom Sittenverfall gekennzeichnete Metropole der römischen Welt reiste der Apostel Paulus um das Jahr 50 u. Z. Während seines 18monatigen Aufenthalts wurde dort eine Christenversammlung gegründet (Apg. 18:1-11). Wie sehr Paulus diese Gläubigen, denen er als erster die gute Botschaft über Christus verkündigt hatte, doch liebte! In seinem Brief erinnerte er sie an die geistige Bindung, die zwischen ihm und ihnen bestand, wenn er sagte: „Obwohl ihr zehntausend Erzieher in Christus haben mögt, habt ihr bestimmt nicht viele Väter; denn in Christus Jesus bin ich durch die gute Botschaft euer Vater geworden“ (1. Kor. 4:15).

      3. Wieso fühlte sich Paulus bewogen, seinen ersten Brief an die Korinther zu schreiben?

      3 Als Paulus auf seiner dritten Missionsreise unterwegs war, schrieb er seinen ersten Brief an die Christen in Korinth, weil er um ihr geistiges Wohl sehr besorgt war. Seit seinem Aufenthalt in Korinth waren inzwischen einige Jahre ins Land gezogen. Es war um das Jahr 55 u. Z., und Paulus befand sich in Ephesus. Anscheinend hatte er von der verhältnismäßig neuen Versammlung in Korinth einen Brief erhalten, der beantwortet werden mußte. Außerdem hatten Paulus beunruhigende Berichte erreicht (1. Kor. 7:1; 1:11; 5:1; 11:18). Sie bedrückten den Apostel so sehr, daß er erst im ersten Vers des siebten Kapitels auf die Fragen in ihrem Brief einging. Besonders wegen der Dinge, die ihm über seine Glaubensbrüder in Korinth berichtet worden waren, fühlte er sich gedrängt, ihnen zu schreiben.

      4. Was beweist, daß Paulus den Brief von Ephesus aus schrieb?

      4 Aber wieso wissen wir, daß Paulus den ersten Korintherbrief von Ephesus aus schrieb? Zum einen beendet der Apostel seinen Brief mit Grüßen, unter anderem auch mit Grüßen von Aquila und Priska (Priscilla) (16:19). Aus Apostelgeschichte 18:18, 19 geht hervor, daß sie von Korinth nach Ephesus übergewechselt waren. Da Aquila und Priscilla dort wohnten und Paulus sie in die abschließenden Grüße des ersten Korintherbriefes mit einbezog, muß er sich, als er den Brief schrieb, in Ephesus aufgehalten haben. Zum anderen wird die Frage eindeutig durch die Worte des Paulus aus 1. Korinther 16:8 geklärt. Er sagt dort: „Doch bleibe ich in Ephesus bis zum Pfingstfest.“ Somit wurde der erste Korintherbrief von Paulus in Ephesus geschrieben, anscheinend gegen Ende seines dortigen Aufenthalts.

      5. Wodurch wird die Glaubwürdigkeit der Korintherbriefe bewiesen?

      5 Die Glaubwürdigkeit des ersten und auch des zweiten Korintherbriefes kann nicht bestritten werden. Die Briefe wurden von den ersten Christen, die sie in ihre Sammlungen mit einbezogen, Paulus zugeschrieben und als kanonisch anerkannt. Ja es heißt, daß in einem von Rom nach Korinth gesandten Brief, der um das Jahr 95 u. Z. datiert ist und erster Klemensbrief genannt wird, wenigstens sechsmal auf den ersten Korintherbrief angespielt und daraus zitiert wird. Anscheinend bezog sich der Schreiber auf den ersten Korintherbrief, als er die Empfänger seines Briefes aufforderte: „Nehmt den Brief des seligen Apostels Paulus!“c Auch Justin der Märtyrer, Athenagoras, Irenäus und Tertullian zitieren direkt aus dem ersten Korintherbrief. Es gibt sichere Beweise dafür, daß ein Korpus oder eine Sammlung der Paulusbriefe, einschließlich des ersten und zweiten Briefes an die Korinther, „im letzten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts zusammengetragen und veröffentlicht wurde“.d

      6. Mit welchen Problemen hatte die Versammlung in Korinth zu kämpfen, und woran war Paulus besonders interessiert?

      6 Durch den ersten Brief des Paulus an die Korinther erhalten wir einen Einblick in die Versammlung in Korinth. Diese Christen hatten mit Problemen zu kämpfen, und aufgeworfene Fragen mußten geklärt werden. Innerhalb der Versammlung herrschte Zwietracht, denn einige folgten Menschen nach. Ein unerhörter Fall von sexueller Unmoral war vorgekommen. Mehrere lebten in religiös geteilten Hausgemeinschaften. Sollten sie bei ihrem ungläubigen Ehegefährten bleiben, oder sollten sie sich trennen? Und was war zu dem Essen von Fleisch zu sagen, das Götzen geopfert worden war? Konnte man davon essen? Die Korinther benötigten Rat, wie sie ihre Zusammenkünfte — auch die Feier des Abendmahls des Herrn — durchführen sollten. Welche Stellung sollten die Frauen in der Versammlung einnehmen? Dann befanden sich unter den Korinther Christen noch diejenigen, die die Auferstehung leugneten. Es gab also Probleme genug. Der Apostel Paulus war besonders daran interessiert, die Korinther in geistiger Hinsicht wiederherzustellen.

      7. Mit welcher Einstellung sollten wir den ersten Korintherbrief betrachten, und warum?

      7 Da zu den Verhältnissen im alten Korinth — Wohlstand und Zügellosigkeit — sowie zu den Zuständen innerhalb der dortigen Versammlung eine neuzeitliche Parallele gezogen werden kann, sollten wir dem unter göttlicher Inspiration niedergeschriebenen bewährten Rat des Paulus Beachtung schenken. Was Paulus sagte, ist für unsere heutigen Tage so bedeutungsvoll, daß sich eine aufmerksame Betrachtung seines ersten Briefes an seine geliebten Brüder und Schwestern in Korinth tatsächlich als nützlich erweisen wird. Versetzen wir uns daher einmal im Geiste in die damalige Zeit zurück und begeben uns in Gedanken in das alte Korinth. Bestimmt sannen die Korinther Christen über die an sie gerichteten eindringlichen und aufrüttelnden inspirierten Worte des Paulus nach, und wir sollten ihrem Beispiel folgen.

      INHALT DES ERSTEN KORINTHERBRIEFES

      8. (a) Wie stellt Paulus die Torheit des Sektierertums in der Versammlung bloß? (b) Was ist gemäß den Worten des Paulus notwendig, um die Dinge Gottes zu verstehen?

      8 Paulus stellt Sektierertum bloß, ermahnt zur Einheit (1:1⁠—⁠4:21). Paulus bringt den Korinthern gegenüber gute Wünsche zum Ausdruck. Doch was sagt er über die Spaltungen und die Streitigkeiten unter ihnen? „Der Christus besteht geteilt“ (1:13). Der Apostel ist dankbar, daß er nur wenige von ihnen getauft hat, so daß sie nicht sagen können, sie seien in seinem Namen getauft worden. Paulus predigt Christus am Pfahl, was den Juden eine Ursache zum Straucheln ist und den Nationen Torheit. Aber Gott hat das Törichte und das Schwache der Welt auserwählt, um die Weisen und das Starke zu beschämen. Daher bedient sich Paulus nicht einer übertriebenen Redekunst, sondern durch seine Worte läßt er die Brüder den Geist und die Kraft Gottes erkennen, damit ihr Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe. Wir reden die von Gottes Geist geoffenbarten Dinge, sagt Paulus, „denn der Geist erforscht alle Dinge, selbst die tiefen Dinge Gottes“. Diese können von dem physischen Menschen nicht verstanden werden, sondern nur von dem Geistesmenschen (2:10).

      9. Durch welche Beweisführung zeigt Paulus, daß sich niemand der Menschen rühmen sollte?

      9 Die Korinther folgen Menschen nach — einige Apollos, einige Paulus. Wer aber sind diese? Nur Diener, durch die die Korinther gläubig geworden sind. Weder die Pflanzenden sind etwas noch die Begießenden, denn „Gott ... hat es fortwährend wachsen lassen“, und sie sind seine „Mitarbeiter“. Die Feuerprobe wird zum Vorschein bringen, wessen Werke dauerhaft sind. Paulus sagt zu den Korinthern: „Ihr [seid] Gottes Tempel“, in dem sein Geist wohnt. „Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott.“ Deshalb soll sich niemand der Menschen rühmen, denn alle Dinge gehören tatsächlich Gott (3:6, 9, 16, 19).

      10. Warum haben die Korinther keinen Grund, sich zu rühmen, und welche Schritte unternimmt Paulus, um die Angelegenheit in Ordnung zu bringen?

      10 Paulus und Apollos sind demütige Verwalter der heiligen Geheimnisse Gottes, und Verwalter sollten als treu erfunden werden. Wer sind die Brüder in Korinth, daß sie sich rühmen, und was haben sie, das sie nicht empfangen haben? Sind sie reich geworden, haben sie als Könige zu herrschen begonnen, und sind sie verständig und stark geworden, während die Apostel, die sowohl Engeln als auch Menschen ein Schauspiel geworden sind, noch töricht und schwach, der Abschaum aller Dinge, sind? Paulus schickt Timotheus, damit dieser ihnen hilft, sich an die Methoden des Apostels in Verbindung mit Christus zu erinnern und seine Nachahmer zu werden. Wenn Jehova es will, wird Paulus selbst binnen kurzem kommen und nicht nur die Reden derer kennenlernen, die aufgeblasen sind, sondern auch ihre Kraft.

      11. Welcher Fall von Unsittlichkeit ist unter den Korinthern vorgekommen, was muß unternommen werden, und wieso?

      11 Die Versammlung rein erhalten (5:1⁠—⁠6:20). Ein empörender Fall von Unsittlichkeit unter den Korinthern ist berichtet worden. Ein Mann hat die Frau seines Vaters genommen. Er muß dem Satan übergeben werden, weil ein wenig Sauerteig die ganze Masse durchsäuert. Sie sollen keinen Umgang mit jemand haben, der zwar Bruder genannt wird, aber böse ist.

      12. (a) Was sagt Paulus darüber, daß man einander vor Gericht bringt? (b) Warum äußert er die Worte: „Flieht vor der Hurerei.“?

      12 Die Korinther haben sich sogar gegenseitig vor Gericht gebracht. Wäre es nicht besser, übervorteilt zu werden? Sind sie angesichts dessen, daß sie die Welt und Engel richten werden, nicht in der Lage, jemand unter sich zu finden, der zwischen Brüdern richten kann? Außerdem sollten sie rein sein, denn Hurer, Götzendiener und ähnliche werden Gottes Königreich nicht erben. Einige von ihnen gehörten zu dieser Art Personen, aber sie sind reingewaschen und geheiligt worden. „Flieht vor der Hurerei“, sagt Paulus. „Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Auf jeden Fall verherrlicht Gott in dem aus euch bestehenden Leibe“ (6:18, 20).

      13. (a) Warum rät Paulus einigen zu heiraten? Was sollten sie, wenn sie einmal verheiratet sind, aber tun? (b) Inwiefern tut der Ledige „besser“?

      13 Rat über Ehelosigkeit und Ehe (7:1-40). Paulus beantwortet eine Frage hinsichtlich der Ehe. Wegen der weitverbreiteten Hurerei mag die Ehe für einen Mann oder eine Frau ratsam sein, und solche, die verheiratet sind, sollten einander nicht die ehelichen Rechte entziehen. Es ist für die Unverheirateten und für die Witwen gut, wie Paulus ledig zu bleiben, doch wenn sie keine Selbstbeherrschung haben, mögen sie heiraten. Sind sie aber einmal verheiratet, dann sollten sie auch zusammenbleiben. Selbst wenn jemand einen ungläubigen Ehepartner hat, sollte der Gläubige nicht weggehen, denn auf diese Weise besteht die Möglichkeit, daß der Gläubige den ungläubigen Ehegefährten rettet. Was die Beschneidung und die Sklaverei betrifft, sollte jeder mit dem Stand zufrieden sein, in dem er berufen wurde, und er sollte in diesem Stand bleiben. Der Verheiratete ist geteilt, weil er seinem Ehepartner gefallen möchte, wohingegen der Ledige nur um die Dinge des Herrn besorgt ist. Wer heiratet, sündigt nicht, wer aber nicht heiratet, ‘tut besser’ (7:38).

      14. Was sagt Paulus über „Götter“ und „Herren“, doch wann ist es weise, auf Speise zu verzichten, die Götzen geopfert worden ist?

      14 Alle Dinge um der guten Botschaft willen tun (8:1⁠—⁠9:27). Was ist zu Speise zu sagen, die Götzen geopfert worden ist? Ein Götze ist nichts. Es gibt viele „Götter“ und „Herren“ in der Welt, aber für den Christen gibt es nur „e i n e n GOTT, den Vater“, und „e i n e n Herrn, Jesus Christus“ (8:5, 6). Doch vielleicht erregt man Anstoß bei jemand, der beobachtet, daß man Fleisch ißt, das Götzen geopfert worden ist. Paulus rät, daß man unter diesen Umständen auf das Fleisch verzichten sollte, damit man seinen Bruder nicht zum Straucheln bringt.

      15. Wie verhält sich Paulus im Dienst?

      15 Um des Dienstes willen versagt sich Paulus vieles. Als Apostel hat er das Recht, „mittels der guten Botschaft [zu] leben“, doch er macht von seiner Befugnis keinen Gebrauch. Aber es ist ihm die Notwendigkeit auferlegt zu predigen; ja er sagt sogar: „Wehe mir, wenn ich die gute Botschaft nicht verkündigte!“ Auf diese Weise hat er sich zum Sklaven aller gemacht und ist „Menschen von allen Arten alles geworden“, damit er „auf jeden Fall einige rette“, indem er alle Dinge „um der guten Botschaft willen“ tut. Er bezwingt seinen Leib, damit er den Wettkampf und die unvergängliche Krone gewinnt und sich nicht, nachdem er anderen gepredigt hat, „selbst irgendwie als unbewährt“ erweist (9:14, 16, 19, 22, 23, 27).

      16. (a) Was hinsichtlich der „Vorväter“ sollten sich Christen eine Warnung sein lassen? (b) Wie können Christen, was den Götzendienst anbelangt, alle Dinge zur Verherrlichung Gottes tun?

      16 Warnung vor schädlichen Dingen (10:1-33). Was ist über die „Vorväter“ zu sagen? Sie waren unter der Wolke und wurden in Moses getauft. Die meisten von ihnen erlangten nicht Gottes Anerkennung, sondern wurden in der Wildnis niedergestreckt. Wieso? Sie begehrten schädliche Dinge. Christen sollten sich das eine Warnung sein lassen und keinen Götzendienst und keine Hurerei treiben, Jehova nicht auf die Probe stellen und nicht murren. Wer denkt, er stehe, sollte zusehen, daß er nicht falle. Die Versuchung wird kommen, aber Gott wird nicht zulassen, daß seine Diener über ihr Vermögen versucht werden; er wird einen Ausweg schaffen, damit sie sie ertragen können. „Darum“, so schreibt Paulus, „flieht vor dem Götzendienst“ (10:1, 14). Wir können nicht am Tisch Jehovas und am Tisch der Dämonen teilhaben. Wer indes bei jemand zu Hause ißt, sollte sich nicht erkundigen, woher das Fleisch stammt. Werden wir aber von jemand in Kenntnis gesetzt, daß es Götzen geopfert worden ist, so sollten wir um seines Gewissens willen nicht davon essen. Paulus schreibt: „Tut alles zur Verherrlichung Gottes“ (10:31).

      17. (a) Welchen Grundsatz legt Paulus hinsichtlich der Leitung durch ein Haupt dar? (b) Wie verbindet er das Problem der Spaltung in der Versammlung mit einer Besprechung des Abendmahls des Herrn?

      17 Leitung durch ein Haupt; das Abendmahl des Herrn (11:1-34). „Werdet meine Nachahmer, so wie ich Christi Nachahmer bin“, sagt Paulus und legt den göttlichen Grundsatz der Leitung durch ein Haupt ausführlich dar: Das Haupt der Frau ist der Mann, das Haupt des Mannes ist Christus, das Haupt Christi ist Gott. Deshalb sollte die Frau „ein Zeichen der Befugnis“ auf ihrem Kopf haben, wenn sie in der Versammlung betet oder prophezeit. Paulus kann die Korinther nicht loben, denn es bestehen Spaltungen unter ihnen, wenn sie zusammenkommen. Wie können sie in diesem Zustand würdig am Abendmahl des Herrn teilnehmen? Er hält einen Rückblick auf Jesu Einsetzung der Feier zum Gedächtnis an seinen Tod. Jeder muß sich selbst genau prüfen, bevor er von dem Brot und dem Wein nimmt, damit er nicht ein Gericht über sich bringt, weil er versäumt, „den Leib“ zu unterscheiden (11:1, 10, 29).

      18. (a) Weshalb sollte es keine Spaltung im Leib geben, auch wenn es verschiedene Gaben und Dienstämter gibt? (b) Inwiefern sticht die Liebe hervor?

      18 Geistige Gaben; Liebe und ihr Zweck (12:1 bis 14:40). Es gibt verschiedene Gaben des Geistes, doch es ist derselbe Geist, es gibt verschiedene Dienstämter und Wirkungen, doch es ist derselbe Herr und derselbe Gott. Ebenso hat der eine geeinte Leib Christi viele Glieder, und wie beim menschlichen Leib benötigt jedes Glied das andere. Gott hat jedes Glied am Leib gesetzt, wie es ihm gefallen hat, und es hat seine Arbeit zu tun, „damit keine Spaltung im Leib sei“ (12:25). Diejenigen, die sich der Gaben des Geistes bedienen, sind ohne die Liebe nichts. Liebe ist langmütig und gütig, nicht eifersüchtig, bläht sich nicht auf. Sie freut sich nur mit der Wahrheit. „Die Liebe versagt nie“ (13:8). Geistige Gaben, zum Beispiel das Prophezeien und das Zungenreden, werden weggetan werden, aber der Glaube, die Hoffnung und die Liebe bleiben. Von diesen ist die Liebe die größte.

      19. Welchen Rat erteilt Paulus hinsichtlich der Erbauung der Versammlung sowie einer gewissen Ordnung innerhalb der Versammlung?

      19 „Jagt der Liebe nach“, ermahnt Paulus die Korinther. Mit Hilfe der geistigen Gaben sollte die Versammlung in Liebe erbaut werden. Aus diesem Grund ist das Prophezeien dem Zungenreden vorzuziehen. Paulus würde lieber fünf Worte mit Verstand reden, um andere zu lehren, als zehntausend in einer unbekannten Sprache. Zungen dienen als Zeichen für Ungläubige, aber das Prophezeien ist für die Gläubigen. In diesen Angelegenheiten sollten die Christen in Korinth nicht „kleine Kinder“ an Verständnisvermögen sein. Was Frauen betrifft, sie sollten in der Versammlung untertan sein. „Laßt ... alle Dinge anständig und nach Anordnung geschehen“ (14:1, 20, 40).

      20. (a) Welchen Beweis erbringt Paulus bezüglich Christi Auferstehung? (b) In welcher Reihenfolge findet die Auferstehung statt, und welche Feinde müssen niedergeworfen werden?

      20 Die Gewißheit der Auferstehungshoffnung (15:1 bis 16:24). Der auferstandene Christus erschien Kephas, den Zwölfen, mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, Jakobus, allen Aposteln und als letztem von allen Paulus. ‘Ist Christus nicht auferweckt worden’, schreibt Paulus, ‘so ist unser Predigen und unser Glaube vergeblich’ (15:14). Die Auferstehung findet in der richtigen Reihenfolge statt: Christus, der Erstling, und danach die, die ihm angehören, während seiner Gegenwart. Schließlich übergibt Christus das Königreich seinem Vater, nachdem alle Feinde unter seine Füße gelegt worden sind. Selbst der Tod, der letzte Feind, soll zunichte gemacht werden. Was würde es Paulus nützen, ständig Todesgefahren ausgesetzt zu sein, wenn es keine Auferstehung gäbe?

      21. (a) Wie werden diejenigen, die Gottes Königreich erben sollen, auferweckt? (b) Welches heilige Geheimnis offenbart Paulus, und was sagt er in bezug auf den Sieg über den Tod?

      21 Wie aber sollen die Toten auferweckt werden? Damit sich eine Pflanze entwickeln kann, muß das ausgesäte Samenkorn absterben. Mit der Auferstehung verhält es sich ähnlich. „Es wird gesät ein physischer Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib. ... Fleisch und Blut [können] Gottes Königreich nicht erben“ (15:44, 50). Paulus sagt ein heiliges Geheimnis: Nicht alle werden im Tod entschlafen, sondern zur Zeit der letzten Posaune werden sie in einem Augenblick verwandelt werden. Wenn das, was sterblich ist, Unsterblichkeit anzieht, wird der Tod für immer verschlungen sein. „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ Aus tiefstem Herzen ruft Paulus aus: „Gott aber sei Dank, denn er gibt uns den Sieg durch unseren Herrn Jesus Christus!“ (15:55, 57).

      22. Welchen abschließenden Rat und welche abschließende Ermahnung gibt Paulus?

      22 Zum Abschluß erteilt Paulus den Christen in Korinth Rat über das regelmäßige Sammeln von Beiträgen, die zur Unterstützung bedürftiger Brüder nach Jerusalem gesandt werden können. Er teilt ihnen mit, daß er auf dem Weg von Mazedonien zu ihnen kommen werde, und deutet an, daß sie auch mit dem Besuch von Timotheus und Apollos rechnen könnten. „Bleibt wach“, ermahnt sie Paulus. „Steht fest im Glauben, benehmt euch wie Männer, werdet stark. Laßt alle eure Angelegenheiten mit Liebe geschehen“ (16:13, 14). Paulus sendet Grüße von den Versammlungen in Asien; dann schreibt er eigenhändig einen abschließenden Gruß und bringt seine Liebe zum Ausdruck.

      WIESO NÜTZLICH

      23. (a) Wie veranschaulicht Paulus die unheilvollen Folgen verkehrter Begierden und der Selbstsicherheit? (b) Worauf stützt Paulus seinen Rat hinsichtlich des Abendmahls des Herrn und der Speisen vom Fleischmarkt?

      23 Dieser Brief des Apostels Paulus ist sehr nützlich, denn er vermittelt uns ein besseres Verständnis der Hebräischen Schriften, die darin oft zitiert werden. Im zehnten Kapitel weist Paulus darauf hin, daß die Israeliten unter Moses aus einem geistigen Felsen tranken, der den Christus bedeutete (1. Kor. 10:4; 4. Mo. 20:11). Dann nimmt er auf die unheilvollen Folgen des Begehrens schädlicher Dinge Bezug, indem er die Israeliten unter Moses als Beispiel anführt, und fügt hinzu: „Diese Dinge nun widerfuhren ihnen fortgesetzt als Vorbilder, und sie sind zur Warnung für uns geschrieben worden, auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind.“ Mögen wir nie so selbstsicher werden, daß wir denken, wir könnten nicht fallen! (1. Kor. 10:11, 12; 4. Mo. 14:2; 21:5; 25:9). Wiederum zieht er, um etwas zu veranschaulichen, das Gesetz heran. Er weist auf die Gemeinschaftsschlachtopfer in Israel hin, um zu zeigen, wie die Teilnehmer am Abendmahl des Herrn würdig am Altar Jehovas teilhaben sollten. Als Stütze für seine Aussage, daß man alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft werde, ruhig essen könne, führt er Psalm 24:1 an und sagt: „Jehova gehört die Erde und das, was sie erfüllt“ (1. Kor. 10:18, 21, 26; 2. Mo. 32:6; 3. Mo. 7:11-15).

      24. In Verbindung mit welchen weiteren Angelegenheiten führt Paulus die Hebräischen Schriften als Stütze für seine Argumente an?

      24 Als Paulus den Vorzug der „Dinge, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“, und die Nichtigkeit der „Überlegungen der Weisen“ dieser Welt zeigt, macht er wieder Gebrauch von den Hebräischen Schriften (1. Kor. 2:9; 3:20; Jes. 64:4; Ps. 94:11). Um seinen Anweisungen im Kapitel 5 über den Gemeinschaftsentzug Nachdruck zu verleihen, führt er Jehovas Gesetz an, in dem es heißt, ‘daß das Böse aus der Mitte des Volkes weggeschafft werden sollte’ (5. Mo. 17:7). Und als Paulus über sein Recht spricht, mittels des Dienstes zu leben, bezieht er sich erneut auf das Gesetz Mose, das besagte, daß Arbeitstieren das Maul nicht verbunden werden dürfe, um sie am Fressen zu hindern, und daß die Leviten während ihres Dienstes im Tempel ihren Anteil vom Altar empfangen sollten (1. Kor. 9:8-14; 5. Mo. 25:4; 18:1).

      25. Was können wir unter anderem aus dem ersten Korintherbrief lernen, das uns zum Nutzen gereicht?

      25 Die inspirierte Unterweisung, die im ersten Brief des Paulus an die Christen in Korinth enthalten ist, ist äußerst nützlich. Sinne über den Rat nach, den Paulus denen gibt, die Spaltungen verursachen, und denen, die Menschen nachfolgen (Kapitel 1⁠—⁠4). Erinnere dich an den Fall von Unsittlichkeit und daran, daß Paulus die Notwendigkeit der Tugend und der Reinheit innerhalb der Versammlung hervorhebt (Kapitel 5 und 6). Laß auch seine inspirierten Ratschläge bezüglich der Ehelosigkeit, der Ehe und der Trennung nicht außer acht (Kapitel 7). Denke darüber nach, was der Apostel über Speisen sagt, die Götzen geopfert worden sind, und wie er uns auf kraftvolle Weise davor warnt, andere zum Straucheln zu bringen und dem Götzendienst zu verfallen (Kapitel 8⁠—⁠10). Dann belehrt er uns darüber, wie man in der rechten Weise Untertänigkeit bekundet, behandelt die Gaben des Geistes und — was sehr von Nutzen ist — bespricht die Vorzüglichkeit der Liebe, einer Eigenschaft, die von Bestand ist und nie versagt. Außerdem hebt der Apostel die Notwendigkeit der Ordnung in den christlichen Zusammenkünften hervor (Kapitel 11⁠—⁠14). Welch eindrucksvolle Verteidigung der Auferstehungslehre er doch unter Inspiration niederschrieb! (Kapitel 15). Diese und weitere Gedanken sind im ersten Korintherbrief zu finden; deshalb ist er auch für die Christen der heutigen Zeit nützlich.

      26. (a) Welches lange vorhergesagte Werk führt der auferstandene Christus durch, wenn er als König herrscht? (b) Wozu ermahnt uns Paulus im Hinblick auf die Auferstehungshoffnung?

      26 Der Brief vertieft auf bemerkenswerte Weise unser Verständnis des wunderbaren Themas der Bibel, das sich um Gottes Königreich dreht. Er enthält einen eindringlichen und warnenden Hinweis darauf, daß ungerechte Personen nicht ins Königreich eingehen werden, und es werden viele Laster aufgeführt, die jemanden für das Königreich untauglich machen würden (1. Kor. 6:9, 10). Was aber am wichtigsten ist: In dem Brief wird die Beziehung zwischen der Auferstehung und dem Königreich Gottes erklärt. Außerdem wird gezeigt, daß Christus, „der Erstling“ der Auferstehung, „regieren [muß], bis Gott alle Feinde unter seine Füße gelegt hat“. Wenn er dann alle Feinde, auch den Tod, niedergeworfen hat, übergibt „er seinem Gott und Vater das Königreich ..., so daß Gott allen alles sei“. Schließlich wird Christus gemäß der in Eden gemachten Königreichsverheißung mit seinen auferstandenen geistigen Brüdern den Kopf der Schlange zermalmen. Ja, die Auferstehungsaussicht derer, die mit Christus Jesus im himmlischen Königreich Unverweslichkeit erlangen sollen, ist wirklich großartig. Im Hinblick auf ebendiese Auferstehungshoffnung ermahnt Paulus die Korinther: „Darum, meine geliebten Brüder, werdet standhaft, unbeweglich, und seid allezeit reichlich beschäftigt im Werk des Herrn, da ihr wißt, daß eure mühevolle Arbeit in Verbindung mit dem Herrn nicht vergeblich ist“ (1. Kor. 15:20-28, 58; 1. Mo. 3:15; Röm. 16:20).

      [Fußnoten]

      a H. H. Halley, Halley’s Bible Handbook, 1988, Seite 593.

      b Smith’s Dictionary of the Bible, 1863, Band 1, Seite 353.

      c Die Apostolischen Väter, herausgegeben von J. A. Fischer, Der Klemens-Brief, 1. Auflage, 1956, Seite 85.

      d The Interpreter’s Bible, Band 9, 1954, Seite 356.

  • 47. Bibelbuch — 2. Korinther
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 47. Bibelbuch — 2. Korinther

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Mazedonien

      Vollendung der Niederschrift: um 55 u. Z.

      1, 2. (a) Was führte dazu, daß Paulus seinen zweiten Brief an die Korinther schrieb? (b) Von wo aus schrieb Paulus, und worüber war er besorgt?

      ES WAR jetzt wahrscheinlich Spätsommer oder Frühherbst des Jahres 55 u. Z. In der Christenversammlung in Korinth gab es immer noch einige Dinge, die dem Apostel Paulus Sorge bereiteten. Seit er seinen ersten Brief an die Korinther geschrieben hatte, waren erst einige Monate vergangen. Inzwischen war Titus nach Korinth gesandt worden, um bei der Sammlung zu helfen, die dort für die Heiligen in Judäa durchgeführt wurde, und möglicherweise auch, um die Reaktion der Korinther auf den ersten Brief zu beobachten (2. Kor. 8:1-6; 2:13). Wie hatten sie den Brief aufgenommen? Welch ein Trost für Paulus doch die Nachricht war, daß der Brief sie betrübt und zur Reue bewegt hatte! Mit diesem guten Bericht war Titus zu Paulus, während er in Mazedonien war, zurückgekehrt, und nun floß das Herz des Apostels vor Liebe zu seinen Mitgläubigen in Korinth über (7:5-7; 6:11).

      2 Paulus schrieb daher erneut an die Korinther. Sein erfrischender und kraftvoller zweiter Brief entstand in Mazedonien und wurde anscheinend von Titus überbracht (9:2, 4; 8:16-18, 22-24). Was Paulus unter anderem zum Schreiben veranlaßte, war seine Sorge wegen der „superfeinen Apostel“, die es unter den Korinthern gab und die er auch als „falsche Apostel, betrügerische Arbeiter“ beschrieb (11:5, 13, 14). Das geistige Wohl der verhältnismäßig jungen Versammlung war gefährdet, und man zog die Befugnis des Paulus als Apostel in Frage. Sein zweiter Brief nach Korinth entsprach somit einem dringenden Bedürfnis.

      3, 4. (a) Bei welchen Gelegenheiten besuchte Paulus Korinth? (b) Von welchem Nutzen ist der zweite Korintherbrief für uns heute?

      3 Bemerkenswert ist folgende Äußerung des Paulus: „Das ist das dritte Mal, daß ich bereit bin, zu euch zu kommen“ (2. Kor. 12:14; 13:1). Er hatte geplant, sie ein zweites Mal zu besuchen, als er seinen ersten Brief schrieb. Diese „zweite Gelegenheit zur Freude“ kam jedoch nicht zustande, obwohl er sich bereit machte (1. Kor. 16:5; 2. Kor. 1:15). Paulus war also vorher nur einmal dort gewesen, und zwar 18 Monate lang in den Jahren 50—52 u. Z., als die Christenversammlung in Korinth gegründet wurde (Apg. 18:1-18). Später allerdings verwirklichte Paulus seinen Wunsch, Korinth noch einmal zu besuchen. Während eines dreimonatigen Aufenthalts in Griechenland — wahrscheinlich im Jahre 56 u. Z. — verbrachte er zumindest einige Zeit in Korinth, und dort schrieb er seinen Brief an die Römer (Röm. 16:1, 23; 1. Kor. 1:14).

      4 Zusammen mit dem ersten Korintherbrief und den anderen Paulinischen Briefen wurde der zweite Korintherbrief immer als authentischer Teil des Bibelkanons angesehen. Wieder können wir einen Blick in die Versammlung in Korinth werfen und einen Nutzen ziehen aus den inspirierten Worten des Paulus, die als Ermahnung sowohl für jene Versammlung als auch für uns gegeben worden sind.

      INHALT DES ZWEITEN KORINTHERBRIEFES

      5. (a) Was schreibt Paulus über Trost? (b) Was ist durch Christus geschehen, was unsere Zuversicht stärkt?

      5 Hilfe von dem „Gott allen Trostes“ (1:1⁠—⁠2:11). Die einleitenden Grußworte des Paulus beziehen Timotheus mit ein. Dann sagt Paulus: „Gesegnet sei ... der Vater inniger Erbarmungen und der Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Drangsal“, damit wir wiederum andere zu trösten vermögen. Paulus und seine Gefährten haben unter stärkstem Druck gestanden, ihr Leben war in Gefahr, aber Gott hat sie befreit. Die Korinther können ebenfalls helfen, indem sie für sie beten. Paulus schreibt ihnen in der Zuversicht, aufrichtig zu sein, und im Vertrauen auf Gottes unverdiente Güte. Gottes Verheißungen sind durch Jesus zum „Ja“ geworden, und Gott hat die, die Christus angehören, gesalbt und ihnen „das Unterpfand für das, was kommen soll, nämlich den Geist“, in ihr Herz gegeben (1:3, 4, 20, 22).

      6. Was sollte gemäß dem Rat des Paulus für den ausgeschlossenen, nun aber reumütigen Übeltäter getan werden?

      6 Anscheinend ist der Mann, von dem Paulus im fünften Kapitel seines ersten Briefes schrieb, aus der Versammlung entfernt worden. Aber er hat bereut und ist bekümmert. Paulus fordert daher die Korinther auf, dem Bereuenden aufrichtig zu vergeben und ihre Liebe zu ihm zu bestätigen.

      7. Was sagt Paulus von sich selbst und von den Korinthern, und was versichert er?

      7 Als Diener des neuen Bundes befähigt (2:12 bis 6:10). Paulus sagt von sich selbst und von den Christen in Korinth, daß sie sich in einem Triumphzug mit Christus befinden. (Die Korinther waren mit dem angenehmen Geruch von Weihrauch vertraut, der damals während der Umzüge siegreicher Heere den Weg entlang verbrannt wurde.) Es besteht ein starker Gegensatz zwischen dem „Geruch“ eines Christen für die, die Leben erlangen, und dem „Geruch“ für die, die umkommen. „Wir hausieren nicht mit dem Wort Gottes“, versichert Paulus (2:16, 17).

      8. (a) Was für Empfehlungsschreiben haben Paulus und seine Mitarbeiter als Diener Gottes? (b) Inwiefern ist der Dienst des neuen Bundes vorzüglicher?

      8 Paulus und seine Mitarbeiter benötigen keine Urkunden, keine geschriebenen Empfehlungsbriefe an die Korinther oder von ihnen. Die Gläubigen in Korinth sind selbst Empfehlungsbriefe, geschrieben „durch uns als Diener“ und eingeschrieben nicht auf Tafeln aus Stein, sondern „auf Tafeln von Fleisch, auf Herzen“, erklärt Paulus. Gott hat die Diener des neuen Bundes hinreichend befähigt. Das geschriebene Recht diente dem Tod; es war nur etwas Zeitweiliges, und seine Herrlichkeit war vergänglich. Die Dienstleistung des Geistes hingegen führt zum Leben, ist von Bestand und ist überströmend an Herrlichkeit. Wenn „Moses gelesen wird“, liegt ein Schleier auf den Herzen der Söhne Israels, aber wenn eine Umkehr zu Jehova erfolgt, wird der Schleier entfernt, und sie werden „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit in dasselbe Bild umgewandelt“ (3:3, 15, 18).

      9. Wie beschreibt Paulus den Schatz des Dienstes?

      9 Paulus fährt fort: ‘Wir haben diesen Dienst entsprechend der uns erwiesenen Barmherzigkeit. Wir haben uns von hinterhältigen Dingen losgesagt und haben Gottes Wort nicht verfälscht, sondern wir haben uns selbst durch das Kundmachen der Wahrheit empfohlen. Wenn die gute Botschaft verhüllt ist, so liegt es daran, daß der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat. Unsere Herzen werden jedoch mit der herrlichen Erkenntnis Gottes durch das Angesicht Christi erleuchtet. Wie groß doch dieser Schatz ist! Wir haben ihn in irdenen Gefäßen, damit die Kraft, die über das Normale hinausgeht, Gottes sei. Unter Verfolgung und Bedrängnis, ja selbst angesichts des Todes üben wir Glauben aus und lassen nicht nach, denn die gegenwärtig herrschende Drangsal bewirkt für uns eine Herrlichkeit, die an Gewicht immer mehr alles Maß übertrifft und ewig dauert. Darum halten wir unseren Blick auf die Dinge gerichtet, die man nicht sieht’ (4:1-18).

      10. (a) Was sagt Paulus von denen, die in Gemeinschaft mit Christus sind? (b) Wie empfiehlt sich Paulus als Diener Gottes?

      10 ‘Wir wissen’, schreibt Paulus, ‘daß wir statt unseres irdischen Hauses ein ewiges Haus in den Himmeln haben werden. In der Zwischenzeit drängen wir im Glauben voran und sind guten Mutes. Obwohl fern von Christus, suchen wir für ihn annehmbar zu sein’ (5:1, 7-9). Die, die in Gemeinschaft mit Christus sind, sind „eine neue Schöpfung“ und haben einen Dienst der Versöhnung. Sie sind „Gesandte an Christi Statt“ (5:17, 20). Auf jede Weise empfiehlt sich Paulus als ein Diener Gottes. Wie? ‘Durch das Ausharren in vielem — in Drangsalen, bei Schlägen, bei mühevollen Arbeiten, in schlaflosen Nächten —, durch sittliche Reinheit, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe, durch wahrhaftige Rede, durch Gottes Kraft, als Armer, der aber viele reich macht, als jemand, der nichts hat und doch alles besitzt’ (6:4-10).

      11. Welchen Rat und welche Warnung erteilt Paulus?

      11 „Die Heiligkeit in der Furcht Gottes vervollkommnen“ (6:11⁠—⁠7:16). Paulus teilt den Korinthern mit: ‘Unser Herz ist für euch weit geworden.’ Auch sie sollten in ihrer innigen Zuneigung weit werden. Doch nun kommt eine Warnung. „Laßt euch nicht in ein ungleiches Joch mit Ungläubigen spannen“ (6:11, 14). Welche Gemeinschaft besteht zwischen Licht und Finsternis oder zwischen Christus und Belial? Als ein Tempel eines lebendigen Gottes müssen sie sich absondern und aufhören, das Unreine anzurühren. Paulus sagt: „Laßt uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und Geistes, indem wir die Heiligkeit in der Furcht Gottes vervollkommnen“ (7:1).

      12. Warum freut sich Paulus über den Bericht aus Korinth?

      12 Ferner erklärt Paulus: „Ich bin mit Trost erfüllt, ich fließe über vor Freude in all unserer Trübsal“ (7:4). Weshalb? Nicht nur wegen der Gegenwart des Titus, sondern auch wegen des guten Berichts aus Korinth über die Sehnsucht der Brüder, ihre Trauer und ihren Eifer für Paulus. Er erkennt, daß sein erster Brief vorübergehend Traurigkeit verursacht hat, aber er freut sich, daß die Korinther im Hinblick auf Reue zur Rettung traurig gemacht wurden. Er lobt sie für ihre Zusammenarbeit mit Titus.

      13. (a) Welche Beispiele der Freigebigkeit erwähnt Paulus? (b) Von welchen Grundsätzen bezüglich des Gebens spricht Paulus?

      13 Freigebigkeit wird belohnt (8:1⁠—⁠9:15). Im Zusammenhang mit Beiträgen für die bedürftigen „Heiligen“ erwähnt Paulus das Beispiel der Mazedonier, die trotz ihrer tiefen Armut über ihr tatsächliches Vermögen hinaus freigebig waren. Nun hofft er, dieselbe Art des Gebens auch bei den Korinthern zu sehen als Beweis der Echtheit ihrer Liebe zum Herrn Jesus Christus, der arm wurde, damit sie reich würden. Dieses Geben gemäß dem, was sie haben, wird zu einem Ausgleich führen, so daß wer viel hat, nicht zuviel haben wird, und wer wenig hat, nicht zuwenig. Titus und andere werden in Verbindung mit dieser Liebesgabe zu ihnen gesandt. Paulus hat die Freigebigkeit und Bereitwilligkeit der Korinther gerühmt, und er wünscht nicht, daß sie ihr reichliches Geben zu ihrer Beschämung unvollendet lassen. Ja, „wer reichlich sät, wird auch reichlich ernten“. Möge es von Herzen kommen, denn „Gott liebt einen fröhlichen Geber“. Er vermag auch seine unverdiente Güte ihnen gegenüber überströmen zu lassen und sie für jede Art von Freigebigkeit zu bereichern. „Dank sei Gott für seine unbeschreibliche freie Gabe!“ (9:1, 6, 7, 15).

      14. Mit welchen Argumenten verteidigt Paulus sein Apostelamt?

      14 Paulus verteidigt sein Apostelamt (10:1⁠—⁠13:14). Paulus gibt zu, daß er der Erscheinung nach gering ist. Aber der von Christen geführte Krieg erfolgt nicht gemäß dem Fleisch; ihre Waffen sind geistig, „machtvoll durch Gott“, um Vernunftschlüsse umzustoßen, die der Erkenntnis Gottes widersprechen (10:4). Einige, die die Dinge nur nach ihrem äußerlichen Wert ansehen, sagen, die Briefe des Apostels seien gewichtig, aber seine Rede sei verächtlich. Mögen sie einsehen, daß die Taten des Paulus genauso sein werden wie seine Worte im Brief. Die Korinther sollten erkennen, daß Paulus sich nicht dessen rühmt, was im Gebiet eines anderen erreicht worden ist. Er hat ihnen die gute Botschaft persönlich überbracht. Überdies: Wenn gerühmt werden soll, so möge es ein Rühmen in Jehova sein.

      15. (a) Welche Veranschaulichungen gebraucht Paulus in seiner Stellungnahme gegen die falschen Apostel? (b) Wie hat sich Paulus bewährt?

      15 Paulus ist sich seiner Verantwortung bewußt, die Versammlung in Korinth als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen. Es besteht die Gefahr, daß ihr Sinn verdorben werden könnte, so wie Eva durch die List der Schlange verführt wurde. Paulus nimmt daher nachdrücklich gegen die „superfeinen Apostel“ der Versammlung in Korinth Stellung (11:5). Sie sind falsche Apostel. Satan selbst nimmt immer wieder die Gestalt eines Engels des Lichts an, weshalb es nicht verwundert, daß seine Diener ebenso handeln. Wie aber stehen sie im Vergleich zu Paulus da, wenn es darum geht, Diener Christi zu sein? Paulus hat vieles erduldet: Gefängnishaft, Schläge, dreimal Schiffbruch, zahlreiche Gefahren, oft Schlaflosigkeit und Mangel an Nahrung. Dennoch hat er nie die Bedürfnisse der Versammlungen aus den Augen verloren und ist stets in Glut geraten, wenn jemand zum Straucheln gebracht wurde.

      16. (a) Wessen könnte sich Paulus rühmen, doch warum spricht er eher von seinen Schwachheiten? (b) Welche Beweise für sein Apostelamt hat Paulus erbracht?

      16 Wenn also jemand Grund zum Rühmen hat, so ist es Paulus. Könnten die anderen sogenannten Apostel in Korinth davon berichten, ins Paradies entrückt worden zu sein und unaussprechliche Dinge gehört zu haben? Paulus spricht jedoch von seinen Schwachheiten. Damit er sich nicht überhebt, ist ihm „ein Dorn ins Fleisch“ gegeben worden. Paulus hat inständig darum gebeten, daß er entfernt werde, aber es wurde ihm gesagt: „Meine unverdiente Güte genügt dir.“ Paulus rühmt sich eher hinsichtlich seiner Schwachheiten, damit „die Kraft des Christus“ gleich einem Zelt über ihm bleibe (12:7, 9). Nein, Paulus hat sich nicht als geringer erwiesen als die „superfeinen Apostel“, und die Korinther haben die Beweise seines Apostelamts gesehen, die er unter ihnen „durch alles Ausharren und durch Zeichen und Wunder und Machttaten“ erbracht hat. Er sucht nicht die Dinge, die sie besitzen, genausowenig wie Titus und seine anderen Mitarbeiter, die er gesandt hat, sie übervorteilt haben (12:11, 12).

      17. Welche letzten Ermahnungen gibt Paulus den Korinthern?

      17 Alles soll zu ihrer Erbauung dienen. Indes drückt Paulus die Befürchtung aus, daß er in Korinth, wenn er dort eintrifft, einige vorfinden wird, die ihre Werke des Fleisches nicht bereut haben. Er warnt die Sünder im voraus, daß er passende Maßnahmen ergreifen und keinen schonen werde, und er rät allen in der Versammlung, immer wieder zu prüfen, ob sie im Glauben sind in Gemeinschaft mit Jesus Christus. Paulus und Timotheus werden für sie zu Gott beten. Paulus lädt sie ein, sich zu freuen und wieder zur Einheit zu gelangen, damit der Gott der Liebe und des Friedens mit ihnen sein möge. Abschließend richtet er ihnen die Grüße der Heiligen aus und wünscht ihnen geistige Segnungen.

      WIESO NÜTZLICH

      18. Welche rechte Einstellung zum Dienst sollten Christen bekunden?

      18 Wie anspornend und ermunternd es doch ist, zu sehen, welche Wertschätzung Paulus im zweiten Korintherbrief für den christlichen Dienst zum Ausdruck bringt! Mögen wir dieselbe Einstellung bekunden wie er. Der von Gott hinreichend befähigte christliche Diener hausiert nicht mit dem Wort Gottes, sondern dient in Aufrichtigkeit. Was ihn empfiehlt, ist die Frucht, die er im Dienst hervorbringt, und keine geschriebene Urkunde. Der Dienst ist tatsächlich herrlich, aber das ist kein Grund für ihn, aufgeblasen zu sein. Als unvollkommene Menschen haben Gottes Diener diesen Schatz des Dienstes in zerbrechlichen irdenen Gefäßen, damit offenbar wird, daß die Kraft von Gott stammt. Darum ist Demut erforderlich, wenn Menschen das wunderbare Vorrecht, Diener Gottes zu sein, annehmen möchten. Welch unverdiente Güte von Gott es doch ist, als „Gesandte an Christi Statt“ dienen zu dürfen! Die Ermahnung des Paulus, „nicht die unverdiente Güte Gottes anzunehmen und ihren Zweck zu verfehlen“, ist daher sehr passend (2:14-17; 3:1-5; 4:7; 5:18-20; 6:1).

      19. Aufgrund welcher Merkmale war Paulus ein leuchtendes Vorbild für christliche Diener Gottes heute, besonders für Aufseher?

      19 Paulus gab christlichen Dienern Gottes zweifellos ein hervorragendes Beispiel. Er schätzte und studierte die Hebräischen Schriften, und wiederholt zitierte er daraus, spielte darauf an und wandte sie an (2. Kor. 6:2, 16-18; 7:1; 8:15; 9:9; 13:1; Jes. 49:8; 3. Mo. 26:12; Jes. 52:11; Hes. 20:41; 2. Sam. 7:14; Hos. 1:10). Überdies war er als Aufseher sehr um die Herde besorgt und sagte: „Ich für meinen Teil will mich sehr gern verbrauchen und völlig verbraucht werden für eure Seelen.“ Paulus verausgabte sich zugunsten der Brüder, wie der Bericht deutlich zeigt (2. Kor. 12:15; 6:3-10). Er arbeitete hart und unermüdlich, indem er in der Versammlung in Korinth lehrte, ermahnte und Dinge richtigstellte. Er warnte deutlich vor der Gemeinschaft mit der Finsternis und gebot den Korinthern: „Laßt euch nicht in ein ungleiches Joch mit Ungläubigen spannen.“ Weil er sich liebevoll um sie sorgte, wünschte er nicht, daß ihr Sinn verdorben würde, so „wie die Schlange Eva durch ihre List verführte“, und deshalb ermahnte er sie herzlich: „Prüft immer wieder, ob ihr im Glauben seid, bewährt euch immer wieder.“ Er spornte sie zu christlicher Freigebigkeit an, indem er sie wissen ließ, daß ‘Gott einen fröhlichen Geber liebt’. Paulus dankte Gott von ganzem Herzen für seine unbeschreibliche freie Gabe. Die Brüder in Korinth waren wirklich in Liebe in sein Herz, eine Tafel von Fleisch, eingeschrieben, und sein hingebungsvoller Dienst zu ihren Gunsten war in jeder Hinsicht das, was einen eifrigen, hellwachen Aufseher kennzeichnen sollte. Welch ein leuchtendes Vorbild für uns heute! (6:14; 11:3; 13:5; 9:7, 15; 3:2).

      20. (a) Wodurch lenkt Paulus unser Denken in die rechte Richtung? (b) Auf welche herrliche Hoffnung weist der zweite Korintherbrief hin?

      20 Der Apostel Paulus lenkt unser Denken in die rechte Richtung, wenn er auf den „Vater inniger Erbarmungen und ... Gott allen Trostes“ als den wahren Quell der Kraft in Zeiten der Prüfung hinweist. Er ist es, der „uns tröstet in all unserer Drangsal“, damit wir ausharren können und Rettung in seiner neuen Welt erlangen. Paulus weist auch auf die herrliche Hoffnung hin — ein „Bau von Gott ..., ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges in den Himmeln“ — und sagt: „Wenn somit jemand in Gemeinschaft mit Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; die alten Dinge sind vergangen, siehe, neue Dinge sind ins Dasein gekommen.“ Der zweite Korintherbrief enthält in der Tat wunderbare Worte der Zuversicht für die, die wie Paulus das himmlische Königreich erben werden (1:3, 4; 5:1, 17).

  • 48. Bibelbuch — Galater
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 48. Bibelbuch — Galater

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Korinth oder Antiochia in Syrien

      Vollendung der Niederschrift: um 50—52 u. Z.

      1. Welche Versammlungen werden im Galaterbrief angesprochen, und wie und wann wurden sie gegründet?

      DIE Versammlungen von Galatien, an die sich Paulus gemäß Galater 1:2 wandte, schlossen anscheinend Antiochia in Pisidien, Ikonion, Lystra und Derbe ein — Orte in verschiedenen Gebieten, aber alle in dieser römischen Provinz. Apostelgeschichte, Kapitel 13 und 14 berichtet über die erste Missionsreise von Paulus und Barnabas durch diese Gegend, die zur Gründung der Versammlungen von Galatien führte. In diesen Versammlungen gab es Juden und Nichtjuden, und zweifellos gehörten Kelten oder Gallier dazu. Das war kurz nach dem Besuch des Paulus in Jerusalem um 46 u. Z. (Apg. 12:25).

      2. (a) Wozu führte die zweite Reise des Paulus durch Galatien, aber was geschah danach? (b) Wie setzte Paulus inzwischen seine Reise fort?

      2 Im Jahre 49 u. Z. begaben sich Paulus und Silas auf die zweite Missionsreise des Paulus durch Galatien, die dazu führte, daß ‘die Versammlungen im Glauben befestigt wurden und von Tag zu Tag an Zahl zunahmen’ (Apg. 16:5; 15:40, 41; 16:1, 2). Jedoch folgten ihnen falsche Lehrer auf den Fersen, die für den Judaismus eintraten und einige Glieder der Versammlungen Galatiens zu dem Glauben überredeten, die Beschneidung und die Beachtung des Gesetzes Mose seien ein wesentlicher Bestandteil des Christentums. Inzwischen war Paulus an Mysien vorbei nach Mazedonien und Griechenland weitergereist und schließlich nach Korinth gelangt, wo er sich mehr als 18 Monate bei den Brüdern aufhielt. Im Jahre 52 u. Z. reiste er dann über Ephesus nach Antiochia in Syrien, seinem Ausgangsort, und kam dort im selben Jahr an (Apg. 16:8, 11, 12; 17:15; 18:1, 11, 18-22).

      3. Von wo aus und wann könnte der Galaterbrief geschrieben worden sein?

      3 Wo und wann schrieb Paulus den Brief an die Galater? Zweifellos schrieb er ihn, sobald er von der Tätigkeit der Anhänger des Judaismus erfuhr. Das konnte in Korinth, Ephesus oder Antiochia in Syrien gewesen sein. Sein 18monatiger Aufenthalt in Korinth in den Jahren 50—52 u. Z. bot genug Zeit, daß ihn die Nachricht von Galatien aus erreichen konnte. Ephesus ist unwahrscheinlich, da er dort auf seiner Rückreise nur kurz verweilte. Doch dann verbrachte er „einige Zeit“ — anscheinend im Sommer des Jahres 52 u. Z. — an seinem Ausgangsort, Antiochia in Syrien, und da es zwischen dieser Stadt und Kleinasien gute Verbindungswege gab, ist es möglich, daß er zu dieser Zeit den Bericht über die Anhänger des Judaismus erhielt und seinen Brief an die Galater von Antiochia in Syrien aus schrieb (Apg. 18:23).

      4. Was sagt Galater über das Apostelamt des Paulus?

      4 Der Brief beschreibt Paulus als einen „Apostel, weder von Menschen noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater“. Er enthüllt auch vieles über das Leben und das Apostelamt des Paulus und zeigt, daß er als Apostel in Einklang mit den Aposteln in Jerusalem wirkte und sogar seine Befugnis ausübte, indem er Petrus, einen anderen Apostel, zurechtwies (Gal. 1:1, 13-24; 2:1-14).

      5. Was spricht für die Glaubwürdigkeit und Kanonizität des Galaterbriefes?

      5 Was spricht für die Glaubwürdigkeit und Kanonizität des Galaterbriefes? Irenäus, Klemens von Alexandria, Tertullian und Origenes erwähnen ihn namentlich in ihren Schriften. Außerdem ist er in folgenden bedeutenden Bibelhandschriften enthalten: Codex Sinaiticus, Codex Alexandrinus, Codex Vaticanus (Hs. 1209), Codex Ephraemi Syri rescriptus, Codex Bezae und Papyrus Chester Beatty II (P46). Auch ist er völlig in Übereinstimmung mit den übrigen Büchern der Griechischen Schriften sowie mit den Hebräischen Schriften, auf die er häufig Bezug nimmt.

      6. (a) Welche zwei Punkte werden im Galaterbrief bewiesen? (b) Was war an der Niederschrift des Briefes ungewöhnlich, und was wird hervorgehoben?

      6 In seinem kraftvollen, energischen Brief „an die Versammlungen von Galatien“ beweist Paulus, (1.) daß er ein echter Apostel ist (was die Anhänger des Judaismus anzweifelten) und (2.) daß man durch Glauben an Jesus Christus gerechtgesprochen wird, nicht durch Gesetzeswerke, weshalb die Beschneidung für Christen unnötig ist. Obwohl Paulus seine Briefe gewöhnlich durch einen Gehilfen schreiben ließ, schrieb er den Galaterbrief in ‘großen Buchstaben mit seiner eigenen Hand’ (6:11). Der Inhalt des Bibelbuches war sowohl für Paulus als auch für die Galater von größter Wichtigkeit. Es hebt Wertschätzung für die Freiheit hervor, die wahre Christen durch Jesus Christus haben.

      INHALT DES GALATERBRIEFES

      7, 8. (a) Was sagt Paulus über die gute Botschaft? (b) Wie wurde Paulus als Apostel für die Unbeschnittenen anerkannt, und wie ließ er seine Befugnis in Verbindung mit Kephas erkennen?

      7 Paulus verteidigt sein Apostelamt (1:1⁠—⁠2:14). Nachdem Paulus die Versammlungen in Galatien begrüßt hat, äußert er sich verwundert darüber, daß sie sich so schnell zu einer andersartigen guten Botschaft haben abbringen lassen, und er betont: „Selbst wenn wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als gute Botschaft verkündigen sollte außer dem, was wir euch als gute Botschaft verkündigt haben, er sei verflucht.“ Die gute Botschaft, die er verkündigt habe, sei nicht etwas Menschliches, noch sei er darüber, „außer durch Offenbarung Jesu Christi“, belehrt worden. Früher hatte Paulus als eifriger Verfechter des Judentums die Versammlung Gottes verfolgt, aber dann berief ihn Gott durch seine unverdiente Güte, damit er den Nationen die gute Botschaft über seinen Sohn verkündigte. Erst drei Jahre nach seiner Bekehrung ging er nach Jerusalem hinauf, und dort sah er von den Aposteln nur Petrus; auch traf er Jakobus, den Bruder des Herrn. Er war den Versammlungen Judäas persönlich nicht bekannt, obwohl sie von ihm hörten und ‘begannen, Gott seinetwegen zu verherrlichen’ (1:8, 12, 24).

      8 Nach 14 Jahren ging Paulus wieder nach Jerusalem hinauf und erklärte persönlich die gute Botschaft, die er predigte. Von seinem Gefährten Titus wurde nicht einmal die Beschneidung verlangt, obwohl er ein Grieche war. Als Jakobus, Kephas und Johannes sahen, daß Paulus mit der guten Botschaft für die Unbeschnittenen betraut war, so wie Petrus die gute Botschaft für die Beschnittenen hatte, gaben sie Paulus und Barnabas die rechte Hand der Mitteilhaberschaft, damit sie zu den Nationen gingen, während sie selbst zu den Beschnittenen gingen. Als Kephas nach Antiochia kam und aus Furcht vor der Gruppe der Beschnittenen nicht den geraden Weg „gemäß der Wahrheit der guten Botschaft“ wandelte, wies ihn Paulus vor allen zurecht (2:14).

      9. Wodurch wird der Christ gerechtgesprochen?

      9 Gerechtgesprochen durch Glauben, nicht durch Gesetz (2:15⁠—⁠3:29). Wir Juden wissen, folgert Paulus, „daß ein Mensch nicht zufolge von Gesetzeswerken gerechtgesprochen wird, sondern nur durch Glauben gegenüber Christus Jesus“. Er lebe jetzt in Gemeinschaft mit Christus und lebe durch Glauben, um den Willen Gottes zu tun. „Wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, ist Christus tatsächlich umsonst gestorben“ (2:16, 21).

      10. Worauf kommt es an, um Gottes Segen zu erhalten, und was war der Zweck des Gesetzes?

      10 Sind die Galater so unverständig zu glauben, daß sie das, was sie angefangen haben, indem sie den Geist durch Glauben empfingen, vollenden können, indem sie Gott durch Gesetzeswerke dienen? Das Hören durch Glauben zählt, wie bei Abraham, der „Glauben in Jehova setzte, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet“. Nun werden gemäß der Verheißung Gottes „die, die am Glauben festhalten, zusammen mit dem glaubenstreuen Abraham gesegnet“. Sie sind durch Christi Tod am Pfahl vom Fluch des Gesetzes befreit worden. Christus ist der Same Abrahams, und das 430 Jahre später gegebene Gesetz hebt die Verheißung über diesen Samen nicht auf. Was war dann der Zweck des Gesetzes? Es war „unser Erzieher ..., der zu Christus führt, damit wir zufolge des Glaubens gerechtgesprochen werden könnten“. Nun sind wir nicht mehr unter dem Erzieher, auch gibt es keinen Unterschied zwischen Jude und Grieche; denn alle sind e i n e r in Gemeinschaft mit Christus Jesus und sind „wirklich Abrahams Same, Erben hinsichtlich einer Verheißung“ (3:6, 9, 24, 29).

      11. (a) Welche Befreiung lassen die Galater außer acht? (b) Wie veranschaulicht Paulus die Freiheit des Christen?

      11 In christlicher Freiheit feststehen (4:1⁠—⁠6:18). Gott sandte seinen Sohn, um die unter Gesetz zu befreien, damit sie „die Annahme an Sohnes Statt empfangen könnten“ (4:5). Warum also zur Sklaverei der schwachen und armseligen elementaren Dinge zurückkehren? Da die Galater jetzt Tage und Monate und Zeitabschnitte und Jahre beobachten, fürchtet Paulus, seine Arbeit für sie sei umsonst. Bei seinem ersten Besuch nahmen sie Paulus wie einen Engel Gottes auf. Ist er nun ihr Feind geworden, weil er ihnen die Wahrheit sagt? Diejenigen, die unter dem Gesetz sein wollen, sollen hören, was das Gesetz sagt: Abraham erhielt zwei Söhne durch zwei Frauen. Die eine Frau, die Magd Hagar, entspricht der Nation des fleischlichen Israel, die durch den mosaischen Gesetzesbund an Jehova gebunden ist — der Bund, der Kinder der Sklaverei hervorbringt. Sara hingegen, die freie Frau, entspricht dem Jerusalem droben, von dem Paulus sagt: „[Es] ist frei, und es ist unsere Mutter.“ „Was sagt die Schrift?“ fragt Paulus. Folgendes: „Der Sohn der Magd soll keinesfalls Erbe sein mit dem Sohn der Freien.“ Und wir sind nicht Kinder einer Magd, „sondern der Freien“ (4:30, 31).

      12. (a) Wie müssen die Galater nun wandeln? (b) Welchen wichtigen Gegensatz führt Paulus an?

      12 Beschneidung oder Unbeschnittenheit bedeutet nichts, erklärt Paulus, sondern Glaube, der durch Liebe wirksam ist, zählt. Das gesamte Gesetz ist in dem Ausspruch erfüllt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Wandelt beständig durch den Geist, denn „wenn ihr vom Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter Gesetz“. In bezug auf die Werke des Fleisches warnt Paulus im voraus, „daß die, die solche Dinge treiben, Gottes Königreich nicht erben werden“. In krassem Gegensatz dazu beschreibt er die Frucht des Geistes, gegen die es kein Gesetz gibt, und fügt hinzu: „Wenn wir durch den Geist leben, laßt uns auch weiterhin durch den Geist ordentlich wandeln“ und Ichsucht und Neid meiden (5:14, 18, 21, 25).

      13. Wie wird das Gesetz des Christus erfüllt, und was ist entscheidend?

      13 Wenn ein Mensch einen Fehltritt tut, bevor er es gewahr wird, müssen die geistig Befähigten versuchen, ihn „im Geist der Milde wieder zurechtzubringen“. Christen erfüllen das Gesetz des Christus dadurch, daß sie einander die Bürden tragen, aber jeder soll seine eigene Last tragen, indem er sein eigenes Werk erprobt. Man wird ernten, was man sät, entweder Verderben vom Fleisch oder ewiges Leben vom Geist. Diejenigen, die von den Galatern die Beschneidung verlangen, wollen nur Menschen gefallen und der Verfolgung entgehen. Entscheidend ist nicht Beschneidung oder Unbeschnittenheit, sondern eine neue Schöpfung. Frieden und Barmherzigkeit komme über die, die nach dieser Regel des Benehmens ordentlich wandeln, ja über das „Israel Gottes“ (6:1, 16).

      WIESO NÜTZLICH

      14. Welches Beispiel gab Paulus Aufsehern?

      14 Der Brief an die Galater offenbart, wie Paulus von einem schlimmen Verfolger zu einem wachsamen Apostel für die Nationen wurde, der stets bereit war, sich für die Interessen seiner Brüder einzusetzen (1:13-16, 23; 5:7-12). Paulus gab ein Beispiel dafür, daß ein Aufseher Probleme schnell anpacken und falsches Denken durch logische biblische Argumente unterbinden soll (1:6-9; 3:1-6).

      15. Wieso war der Brief für die Versammlungen von Galatien nützlich, und was ist für Christen auch heute maßgebend?

      15 Der Brief war für die Versammlungen von Galatien nützlich, da er die Freiheit in Christus deutlich darlegte und diejenigen, die die gute Botschaft verdrehten, bloßstellte. Er führte ihnen vor Augen, daß man durch Glauben gerechtgesprochen wird und daß die Beschneidung nicht mehr für die Rettung notwendig ist (2:16; 3:8; 5:6). Durch die Abschaffung solcher fleischlichen Unterscheidungen waren Juden und Heiden in der einen Versammlung geeint. Die Freiheit vom Gesetz durfte nicht als Anlaß für die Begierden des Fleisches dienen, denn nach wie vor galt der Grundsatz: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Er ist auch heute für Christen maßgebend (5:14).

      16. Welche glaubensstärkenden Erklärungen der Hebräischen Schriften sind im Galaterbrief zu finden?

      16 Den Galatern wurde durch den Brief des Paulus in vielen Lehrfragen geholfen, da aussagekräftige Veranschaulichungen aus den Hebräischen Schriften angeführt wurden. Er gab die inspirierte Deutung von Jesaja 54:1-6 an und kennzeichnete die Frau Jehovas als „das Jerusalem droben“. Er erklärte das „symbolische Drama“ von Hagar und Sara und zeigte, daß die Erben der Verheißungen Gottes diejenigen sind, die durch Christus frei gemacht worden sind, und nicht die, die in der Sklaverei des Gesetzes bleiben (Gal. 4:21-26; 1. Mo. 16:1-4, 15; 21:1-3, 8-13). Es wurde deutlich gemacht, daß der Gesetzesbund den abrahamischen Bund nicht aufhob, sondern zu ihm hinzugefügt wurde. Auch wies der Gesetzesbund darauf hin, daß zwischen dem Schließen der beiden Bündnisse 430 Jahre lagen, was für die Zeitrechnung der Bibel wichtig ist (Gal. 3:17, 18, 23, 24). Diese Aufzeichnungen sind bewahrt worden, um uns heute im christlichen Glauben zu festigen.

      17. (a) Wer wird im Galaterbrief kenntlich gemacht? (b) Welche nützlichen Ermahnungen werden den Königreichserben und ihren Mitarbeitern gegeben?

      17 Äußerst wichtig ist, daß im Galaterbrief unmißverständlich der Same des Königreiches kenntlich gemacht wird, dem alle Propheten entgegenblickten. „Nun wurden die Verheißungen Abraham und seinem Samen zugesagt ..., welcher Christus ist.“ Von denen, die durch Glauben an Christus Jesus zu Söhnen Gottes werden, wird gesagt, daß sie in diesen Samen an Kindes Statt aufgenommen werden. „Wenn ihr Christus angehört, seid ihr wirklich Abrahams Same, Erben hinsichtlich einer Verheißung“ (3:16, 29). Folgende nützlichen Ermahnungen aus dem Galaterbrief sollten von diesen Königreichserben und denen, die mit ihnen hart arbeiten, beachtet werden: ‘Steht fest in der Freiheit, für die Christus euch frei gemacht hat!’ ‘Laßt nicht nach, das zu tun, was vortrefflich ist, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.’ ‘Wirkt das Gute, besonders gegenüber denen, die uns im Glauben verwandt sind’ (5:1; 6:9, 10).

      18. Welche abschließende deutliche Warnung ist in Galater zu finden?

      18 Schließlich wird die deutliche Warnung gegeben, daß diejenigen, die die Werke des Fleisches ausüben, „Gottes Königreich nicht erben werden“. Alle sollten sich völlig von dem weltlichen Schmutz und Streit abwenden und ihr Herz ganz darauf richten, die Frucht des Geistes hervorzubringen, die „Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Glauben, Milde, Selbstbeherrschung“ ist (5:19-23).

  • 49. Bibelbuch — Epheser
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 49. Bibelbuch — Epheser

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 60/61 u. Z.

      1. Wann und unter welchen Umständen schrieb Paulus den Brief an die Epheser?

      STELL dir vor, du bist im Gefängnis. Du befindest dich dort, weil man dich wegen deiner eifrigen Tätigkeit als christlicher Missionar verfolgt hat. Jetzt kannst du nicht mehr reisen und kannst die Versammlungen nicht mehr besuchen, um sie zu stärken. Was tust du nun? Könntest du denen, die durch deine Predigttätigkeit Christen geworden sind, nicht einen Brief schreiben? Fragen sie sich nicht möglicherweise, wie es dir geht, und sollten sie nicht vielleicht ermuntert werden? So ist es. Du beginnst also zu schreiben. Somit tust du genau das, was der Apostel Paulus tat, als er um die Jahre 59 bis 61 u. Z. zum erstenmal in Rom gefangengehalten wurde. Er hatte sich auf Cäsar berufen, und obwohl er unter Bewachung stand, während er auf das Gerichtsverfahren wartete, genoß er eine gewisse Freiheit, die es ihm erlaubte, sich zu betätigen. Paulus schrieb seinen Brief „an die Epheser“ wahrscheinlich im Jahre 60 oder 61 u. Z. von Rom aus und ließ ihn durch Tychikus, der von Onesimus begleitet wurde, überbringen (Eph. 6:21; Kol. 4:7-9).

      2, 3. Was beweist eindeutig, daß Paulus der Schreiber des Epheserbriefes war, wodurch gleichzeitig dessen Kanonizität bestätigt wird?

      2 Paulus gibt sich durch das erste Wort als der Schreiber zu erkennen, und an vier Stellen bezeichnet er sich direkt oder indirekt als „der Gefangene Christi Jesu“ (Eph. 1:1; 3:1, 13; 4:1; 6:20). Argumente dagegen, daß Paulus den Brief geschrieben hat, haben sich nicht als stichhaltig erwiesen. Der Chester-Beatty-Papyrus II (P46), der um das Jahr 200 u. Z. geschrieben worden sein soll, besteht aus 86 Blättern, die zu einem Kodex gehören, der die Briefe des Paulus enthält, unter anderem auch den Epheserbrief, was zeigt, daß dieser damals den Briefen des Paulus zugeordnet wurde.

      3 Frühe Kirchenschriftsteller bestätigen, daß dieser Brief von Paulus geschrieben wurde und „an die Epheser“ gerichtet war. Irenäus aus dem zweiten Jahrhundert u. Z. bezog sich zum Beispiel mit folgenden Worten auf Epheser 5:30: „Der heilige Paulus sagt im Brief an die Epheser, wir seien Glieder seines Leibes.“ Klemens von Alexandria, der zur gleichen Zeit lebte, führte Epheser 5:21 an und berichtet: „Deshalb schreibt er auch in dem Brief an die Epheser: Seid einander untertan in der Furcht Gottes.“ Origenes, der in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts u. Z. schrieb, nahm mit folgenden Worten auf Epheser 1:4 Bezug: „Aber auch der Apostel gebraucht im Brief an die Epheser dieselbe Ausdrucksweise, wenn er schreibt: der uns vor der Grundlegung der Welt auserwählt hat.“a Eusebius, ein Kenner der frühchristlichen Geschichte (um 260—340 u. Z.), rechnete den Epheserbrief zum Bibelkanon, und die meisten anderen Kirchenschriftsteller bezogen sich auf den Epheserbrief als einen Teil der inspirierten Schriften.b

      4. Was hat einige vermuten lassen, daß der Epheserbrief an eine andere Versammlung gerichtet gewesen sei, doch was spricht dafür, daß Ephesus der Bestimmungsort war?

      4 Im Chester-Beatty-Papyrus (P46), in der Vatikanischen Handschrift 1209 und in der Sinaitischen Handschrift fehlen die Worte „in Ephesus“ in Kapitel 1, Vers 1, und so geht der Bestimmungsort des Briefes nicht daraus hervor. Dieser Umstand und das Fehlen von Grüßen an Einzelpersonen in Ephesus (obwohl Paulus dort drei Jahre lang hart gearbeitet hatte) hat einige vermuten lassen, daß der Brief wahrscheinlich an eine andere Versammlung gerichtet war oder daß es sich dabei höchstens um ein Rundschreiben an die Versammlungen in Kleinasien handelte, zu denen Ephesus gehörte. Doch die meisten anderen Handschriften enthalten die Worte „in Ephesus“, und wie bereits erwähnt, erkannten die frühen Kirchenschriftsteller diesen Brief als einen Brief an die Epheser an.

      5. Wofür war Ephesus in den Tagen des Paulus bekannt?

      5 Einige Hintergrundinformationen werden uns helfen, den Zweck dieses Briefes zu verstehen. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung war Ephesus bekannt für sein Zauberwesen, seine magischen Künste, seine Sterndeutung und die Verehrung der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis.c Um das Standbild der Göttin war ein prächtiger Tempel errichtet worden, der als eines der Sieben Weltwunder galt. Ausgrabungen, die im 19. Jahrhundert vorgenommen wurden, haben gezeigt, daß der Tempel auf einer Plattform stand, die etwa 73 m breit und 127 m lang war. Der Tempel selbst maß ungefähr 50 m mal 105 m und hatte 100 Marmorsäulen von etwa 17 m Höhe. Das Dach war mit großen weißen Marmorplatten gedeckt. Statt mit Mörtel sollen die Fugen zwischen den Marmorblöcken mit Gold ausgefüllt gewesen sein. Der Tempel zog Touristen aus aller Welt an, und Hunderttausende von Besuchern strömten zu den Festen in die Stadt. Der Verkauf von kleinen Silberschreinen der Artemis an die Pilger als Andenken war für die Silberschmiede von Ephesus ein einträgliches Geschäft.

      6. Was tat Paulus alles in Ephesus?

      6 Auf seiner zweiten Missionsreise machte Paulus in Ephesus kurz halt, um zu predigen, und ließ dann Aquila und Priscilla dort zurück, damit sie das Werk fortsetzten (Apg. 18:18-21). Auf seiner dritten Missionsreise kehrte Paulus zurück und blieb etwa drei Jahre dort, wobei er den „WEG“ predigte und viele darüber belehrte (Apg. 19:8-10; 20:31). Paulus arbeitete hart, während er in Ephesus war. A. E. Bailey schreibt in seinem Buch Daily Life in Bible Times: „Pauli allgemeine Gewohnheit war es, von Sonnenaufgang bis 11 Uhr vormittags in seinem Handwerk zu arbeiten (Apg. 20:34, 35), der Stunde, zu der Tyrannus sein Lehren beendet hatte, dann von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags in dem Saal zu predigen, mit Gehilfen Besprechungen abzuhalten, ... dann schließlich einen Evangelisierungsfeldzug von Haus zu Haus durchzuführen, der von 4 Uhr nachmittags bis spät in die Nacht dauerte (Apg. 20:20, 21, 31). Man fragt sich, wann er noch Zeit zum Essen und zum Schlafen fand“ (1943, Seite 308).

      7. Wozu führte die eifrige Predigttätigkeit des Paulus?

      7 Im Verlauf dieser eifrigen Predigttätigkeit stellte Paulus die Verwendung von Bildern bei der Anbetung bloß. Das erregte die Wut derer, die die Bilder herstellten und verkauften, zum Beispiel des Silberschmieds Demetrius, und in dem Aufruhr, der dadurch entstand, mußte Paulus schließlich die Stadt verlassen (Apg. 19:23 bis 20:1).

      8. In welcher Hinsicht war der Brief des Paulus an die Epheser sehr zeitgemäß?

      8 Während sich Paulus in Gefangenschaft befindet, denkt er über die Schwierigkeiten nach, denen die Versammlung in Ephesus — umgeben von heidnischen Anbetern und im Schatten des eindrucksvollen Tempels der Artemis — ausgesetzt ist. Für diese gesalbten Christen ist die Veranschaulichung, durch die Paulus ihnen zeigt, daß sie zu „einem heiligen Tempel“ zusammengefügt worden sind, den Jehova durch seinen Geist bewohnt, gerade das richtige (Eph. 2:21). Daß ihnen das „heilige Geheimnis“ geoffenbart wurde, nämlich Gottes Verwaltung (seine Verfahrensweise beim Verwalten der Angelegenheiten seines Haushalts), unter der er durch Jesus Christus Einheit und Frieden wiederherstellen wird, war für sie ohne Zweifel sehr ermunternd und tröstend (1:9, 10). Paulus betont die Vereinigung von Juden und Nichtjuden durch Christus. Er mahnt zum Einssein, zur Einheit. Das alles läßt nicht nur den Zweck und den Wert dieses Briefes erkennen, sondern weist auch eindeutig auf seine Inspiration hin.

      INHALT DES EPHESERBRIEFES

      9. Wie hat Gott seine Liebe überströmen lassen, und worum betet Paulus?

      9 Gottes Vorsatz, durch Christus Einheit herbeizuführen (1:1⁠—⁠2:22). Der Apostel Paulus sendet den Christen in Ephesus Grüße. Sie sollen Gott wegen der Herrlichkeit seiner unverdienten Güte segnen, denn er hat sie auserwählt, damit sie in Gemeinschaft mit Jesus Christus seien, durch den sie die Befreiung durch Lösegeld mittels seines Blutes haben. Außerdem hat Gott seine Liebe auf sie überströmen lassen, indem er ihnen das heilige Geheimnis seines Willens bekanntmachte. Denn er hat sich vorgenommen, durch eine Verwaltung „in dem Christus wieder alle Dinge zusammenzubringen“, in ihm, in dessen Gemeinschaft sie auch zu Erben eingesetzt worden sind (1:10). Als im voraus gegebenes Unterpfand hierfür sind sie mit heiligem Geist versiegelt worden. Paulus betet darum, daß sie von der Hoffnung, zu der sie berufen worden sind, fest überzeugt sein und sich dessen bewußt werden mögen, daß Gott ihnen gegenüber die gleiche Macht wirken läßt, die er wirken ließ, als er Christus auferweckte und ihn hoch über jede Regierung und Gewalt setzte und ihn zum Haupt über alle Dinge für die Versammlung machte.

      10. Wie sind die Epheser „Mitbürger der Heiligen“ geworden?

      10 Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat sie in seiner großen Liebe lebendig gemacht, obwohl sie in ihren Verfehlungen und Sünden tot waren, und hat sie mitsitzen lassen „in den himmlischen Örtern in Gemeinschaft mit Christus Jesus“ (2:6). Das alles haben sie nicht eigenen Werken zu verdanken, sondern unverdienter Güte und dem Glauben. Christus ist ihr Frieden, denn er hat die Zwischenwand — das Gesetz der Gebote, das Heiden und Juden voneinander abzäunte — abgebrochen. Nun haben beide Völker durch Christus den Zutritt zum Vater. Daher sind die Epheser nicht mehr Fremde, sondern sie sind „Mitbürger der Heiligen“ und wachsen zu einem heiligen Tempel, den Jehova durch den Geist bewohnen wird (2:19).

      11. Worin besteht das „heilige Geheimnis“, und worum betet Paulus für die Epheser?

      11 ‘Das heilige Geheimnis des Christus’ (3:1-21). Gott hat nun seinen heiligen Aposteln und Propheten das ‘heilige Geheimnis des Christus’ geoffenbart, „nämlich daß Leute von den Nationen Miterben sein sollten und Miteinverleibte sowie Mitgenossen der Verheißung mit uns in Gemeinschaft mit Christus Jesus durch die gute Botschaft“ (3:4, 6). Durch Gottes unverdiente Güte ist Paulus ein Diener der guten Botschaft geworden, um den unergründlichen Reichtum des Christus zu verkündigen und die Menschen sehen zu lassen, wie das heilige Geheimnis verwaltet wird. Durch die Versammlung wird die überaus mannigfaltige Weisheit Gottes bekanntgemacht. Deswegen betet Paulus darum, daß sie durch Gottes Geist mit Kraft gestärkt werde, damit sie die Liebe Christi, die die Erkenntnis übersteigt, völlig erkenne und sich bewußt werde, daß Gott „mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken“ (3:20).

      12. (a) Wie sollten Christen wandeln, und warum? (b) Welche Gaben hat Christus gegeben, und zu welchem Zweck? (c) Was bedeutet es, „die neue Persönlichkeit“ anzuziehen?

      12 Die „neue Persönlichkeit“ anziehen (4:1⁠—⁠5:20). Christen sollten ihrer Berufung würdig wandeln, in Demut, in Langmut und Liebe, das vereinigende Band des Friedens bewahrend. Denn da ist nur e i n Geist, e i n e Hoffnung, e i n Glaube und „e i n Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist“ (4:6). Deshalb hat Christus, der ‘e i n e Herr’, Propheten, Evangeliumsverkündiger, Hirten und Lehrer gegeben, „im Hinblick auf das Zurechtbringen der Heiligen, für das Dienstwerk, für die Erbauung des Leibes des Christus“. Weiter schreibt Paulus: „Die Wahrheit redend, laßt uns in allen Dingen durch Liebe in den hineinwachsen, der das Haupt ist, Christus“ — als ein harmonisch zusammengefügter Leib, in dem alle Glieder zusammenwirken (4:5, 12, 15). Die alte Persönlichkeit, die sich durch Unmoral, nutzlose Gedanken und Unwissenheit auszeichnet, sollte abgelegt werden, und ein jeder sollte in der Kraft, die seinen Sinn antreibt, erneuert werden und „die neue Persönlichkeit anziehen ..., die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit und Loyalität geschaffen worden ist“. Da alle zueinander gehören, sollten sie die Wahrheit reden und von Zorn, Diebstahl, faulen Worten und boshafter Bitterkeit abstehen, ja sie sollten Gottes heiligen Geist nicht betrüben. Statt dessen sollten sie ‘gütig zueinander werden, voll zarten Erbarmens, einander bereitwillig vergebend, so wie auch Gott ihnen durch Christus bereitwillig vergeben hat’ (4:24, 32).

      13. Was muß man tun, um ein Nachahmer Gottes zu werden?

      13 Alle sollten Nachahmer Gottes werden. Hurerei, Unreinheit und Habgier sollten unter ihnen nicht einmal erwähnt werden, denn Personen, die solche Dinge treiben, haben kein Erbe im Königreich. Paulus ermahnt die Epheser mit den Worten: „Fahrt fort, als Kinder des Lichts zu wandeln.“ „Wacht ... streng darüber, wie ihr wandelt, ... indem ihr die gelegene Zeit ... auskauft, weil die Tage böse sind.“ Ja, sie sollten ‘weiterhin wahrnehmen, was der Wille Jehovas ist’, und ihm mit Lobpreisungen Dank sagen (5:8, 15-17).

      14. Wozu sind Ehemänner und Ehefrauen einander gegenüber verpflichtet?

      14 Richtige Unterwürfigkeit; christliche Kriegführung (5:21⁠—⁠6:24). Die Frauen sollten ihren Männern untertan sein, wie die Versammlung dem Christus untertan ist, und die Männer sollten ihre Frauen weiterhin lieben, „wie auch der Christus die Versammlung geliebt“ hat. Auch „sollte die Frau tiefen Respekt vor ihrem Mann haben“ (5:25, 33).

      15. Welchen Rat gibt Paulus Kindern und Eltern, Sklaven und Herren, und was sagt er über die Waffenrüstung des Christen?

      15 Die Kinder sollten in Frieden und Eintracht mit ihren Eltern leben, ihnen gehorchen und die gottgemäße Zucht annehmen. Sklaven und Herren sollten sich ebenfalls so verhalten, daß sie Gott gefallen, denn der Herr aller ist „in den Himmeln ..., und bei ihm gibt es keine Parteilichkeit“. Schließlich sollten alle „Kraft im Herrn und in der Macht seiner Stärke“ erwerben und die vollständige Waffenrüstung Gottes anlegen, damit sie dem Teufel standhalten können. „Vor allem nehmt den großen Schild des Glaubens“ und „das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort.“ Sie sollten weiterhin beten und wachbleiben. Paulus bittet sie, auch für ihn zu beten, damit er mit allem Freimut der Rede „das heilige Geheimnis der guten Botschaft“ bekanntmachen könne (6:9, 10, 16, 17, 19).

      WIESO NÜTZLICH

      16. Auf welche Fragen enthält der Epheserbrief eine anwendbare Antwort, und was wird über die Persönlichkeit gesagt, die Gott gefällt?

      16 Der Brief an die Epheser berührt fast jeden Lebensbereich eines Christen. Da bedrückende Probleme und die Kriminalität gegenwärtig in der ganzen Welt überhandnehmen, ist der gesunde, praktische Rat des Paulus für alle, die ein gottgefälliges Leben führen möchten, wirklich von Nutzen. Wie sollten sich die Kinder gegenüber ihren Eltern und Eltern gegenüber ihren Kindern verhalten? Welche Verpflichtungen hat ein Mann gegenüber seiner Frau und eine Frau gegenüber ihrem Mann? Was müssen die Glieder der Versammlung tun, um inmitten einer bösen Welt in Liebe vereint zu bleiben und die christliche Reinheit zu bewahren? Alle diese Fragen beantwortet Paulus durch seinen Rat. Des weiteren zeigt er, was es bedeutet, die neue christliche Persönlichkeit anzuziehen. Das Studium des Epheserbriefes wird jeden eindeutig erkennen lassen, welche Art von Persönlichkeit Gott gefällt und „nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit und Loyalität geschaffen worden ist“ (Eph. 4:24-32; 6:1-4; 5:3-5, 15-20, 22-33).

      17. Was ist dem Epheserbrief in bezug auf die Unterstützung der Versammlungsvorkehrungen zu entnehmen?

      17 Aus dem Brief geht ferner hervor, weshalb in der Versammlung Ernennungen und Zuteilungen vorgenommen werden, nämlich „im Hinblick auf das Zurechtbringen der Heiligen, für das Dienstwerk, für die Erbauung des Leibes des Christus“, zur Förderung der Reife. Der Christ, der diese Versammlungsvorkehrungen völlig unterstützt, kann „durch Liebe in den hineinwachsen, der das Haupt ist, Christus“ (Eph. 4:12, 15).

      18. Was wird über das „heilige Geheimnis“ und einen geistigen Tempel deutlich gesagt?

      18 Der Epheserbrief war für die frühe Christenversammlung auch von großem Nutzen, weil er ihr ein genaues Verständnis von „dem heiligen Geheimnis des Christus“ vermittelte. Es wurde darin deutlich gemacht, daß nicht nur gläubige Juden, sondern auch „Leute von den Nationen“ dazu berufen werden sollten, „Miterben [zu] sein ... und Miteinverleibte sowie Mitgenossen der Verheißung ... in Gemeinschaft mit Christus Jesus durch die gute Botschaft“. Die Zwischenwand, das „GESETZ der Gebote“, das Heiden und Juden voneinander abgezäunt hatte, war aufgehoben worden, und durch das Blut Christi waren nun alle Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes geworden. In krassem Gegensatz zu dem heidnischen Tempel der Artemis wurden sie in Gemeinschaft mit Christus Jesus zu einer Stätte für Gott aufgebaut, „zu einem heiligen Tempel für Jehova“, den er durch den Geist bewohnen wird (Eph. 3:4, 6; 2:15, 21).

      19. Welche Hoffnung und Ermunterung vermittelt der Epheserbrief auch heute noch?

      19 In Verbindung mit dem „heiligen Geheimnis“ sprach Paulus auch von einer „Verwaltung ..., nämlich in dem Christus wieder alle Dinge zusammenzubringen, die Dinge in den Himmeln [diejenigen, die auserwählt wurden, um im himmlischen Königreich zu sein] und die Dinge auf der Erde [diejenigen, die auf der Erde im Herrschaftsbereich des Königreiches leben werden]“. Dadurch wird Gottes herrlicher Vorsatz, Frieden und Einheit wiederherzustellen, in den Vordergrund gerückt. In diesem Zusammenhang betete Paulus darum, daß die Epheser — deren Augen ihres Herzens erleuchtet worden waren — die Hoffnung, zu der Gott sie berufen hatte, richtig begreifen und erkennen mögen, „welches der Reichtum der Herrlichkeit ist, den er als Erbe für die Heiligen bereithält“. Diese Worte müssen die Hoffnung der Epheser sehr gestärkt haben. Der inspirierte Brief an die Epheser ist auch heute noch glaubensstärkend für die Versammlung, damit ‘wir mit all der Fülle, die Gott gibt, erfüllt sein mögen’ (Eph. 1:9-11, 18; 3:19).

      [Fußnoten]

      a C. E. Stowe, Origin and History of the Books of the Bible, 1868, Seite 357.

      b New Bible Dictionary, zweite Auflage, 1986, herausgegeben von J. D. Douglas, Seite 175.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 201, 202.

  • 50. Bibelbuch — Philipper
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 50. Bibelbuch — Philipper

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 60/61 u. Z.

      1. (a) Von wem hörten die Philipper die gute Botschaft? (b) Welche geschichtlichen Daten über die Stadt Philippi sind von Interesse?

      ALS der Apostel Paulus in einer Vision aufgefordert wurde, die gute Botschaft in Mazedonien zu verkündigen, gehorchten er und seine Gefährten, Lukas, Silas und der junge Timotheus, sofort. Von Troas in Kleinasien aus segelten sie nach Neapolis, und von dort machten sie sich sogleich auf nach der ca. 15 km entfernten, landeinwärts gelegenen Stadt Philippi, wobei sie einen Bergpaß überwinden mußten. Die Stadt wird von Lukas als „die bedeutendste Stadt des Bezirks Mazedonien“ beschrieben (Apg. 16:12). Sie wurde nach dem mazedonischen König Philipp II. (dem Vater Alexanders des Großen), der die Stadt 356 v. u. Z. eroberte, Philippi genannt. Später wurde sie von den Römern eingenommen. Bei Philippi kam es im Jahre 42 v. u. Z. zu entscheidenden Schlachten, durch die die Stellung Oktavians, des späteren Augustus Cäsar, gestärkt wurde. Zum Gedächtnis an den Sieg machte er Philippi zu einer römischen Kolonie.

      2. Welchen Erfolg hatte Paulus bei seiner Predigttätigkeit in Philippi, und welches waren die Begleitumstände der Versammlungsgründung in Philippi?

      2 Paulus pflegte, wenn er das erstemal in eine Stadt kam, zuerst den Juden zu predigen. Doch als er um das Jahr 50 u. Z. nach Philippi kam, stellte er fest, daß es hier nur wenige Juden gab und sie anscheinend keine Synagoge hatten, denn sie versammelten sich zum Gebet an einem Flußufer außerhalb der Stadt. Die Predigt des Paulus trug schnell Früchte, und zu den ersten, die sich bekehrten, gehörte Lydia, eine Händlerin, die zum jüdischen Glauben übergetreten war. Sie nahm die Wahrheit über den Christus bereitwillig an und bestand darauf, daß die Reisenden ihre Gäste waren. „Sie nötigte uns dazu“, schreibt Lukas. Doch schon bald kam es zu einer Verfolgung; Paulus und Silas wurden mit Ruten geschlagen und dann ins Gefängnis geworfen. Während sie im Gefängnis saßen, ereignete sich ein Erdbeben; der Gefängnisaufseher und seine Angehörigen wurden, nachdem sie Paulus und Silas angehört hatten, gläubig. Am nächsten Tag wurden Paulus und Silas aus dem Gefängnis freigelassen, worauf sie sich zu den Brüdern im Haus Lydias begaben und diesen Mut zusprachen, bevor sie die Stadt verließen. Paulus erinnerte sich stets lebhaft an die Drangsale, die mit der Gründung der neuen Versammlung in Philippi verbunden gewesen waren (Apg. 16:9-40).

      3. Welche Kontakte hatte Paulus später mit der Versammlung in Philippi?

      3 Ein paar Jahre später, auf seiner dritten Missionsreise, konnte Paulus die Versammlung in Philippi wieder besuchen. Dann, etwa zehn Jahre nach der Versammlungsgründung, wurde er durch ein Geschenk von den Brüdern in Philippi, durch das ihre große Liebe zu Paulus zum Ausdruck kam, dazu bewogen, ihnen den inspirierten Brief zu schreiben, der uns in der Heiligen Schrift unter dem Namen jener geliebten Versammlung erhalten geblieben ist.

      4. Wie läßt sich der Schreiber identifizieren, und was beweist die Glaubwürdigkeit des Briefes?

      4 Aus dem ersten Vers dieses Briefes geht hervor, daß Paulus der Schreiber ist. Das wird auch von den meisten Bibelkommentatoren anerkannt, und zwar mit gutem Grund. Polykarp (69 [?] bis 155 [?] u. Z.) erwähnt in seinem Brief an die Philipper, daß Paulus ihnen geschrieben habe. Frühe Bibelkommentatoren wie Ignatius, Irenäus, Tertullian und Klemens von Alexandria führen den Brief als von Paulus stammend an. Er wird in dem Muratorischen Fragment, das im 2. Jahrhundert entstand, und in allen anderen frühen Kanonverzeichnissen aufgeführt; ferner ist er neben acht anderen Paulinischen Briefen im Papyrus Chester Beatty II (P46) enthalten, das, wie man annimmt, um 200 u. Z. entstanden ist.

      5. Was weist auf Rom als den Ort der Niederschrift hin?

      5 Ort und Zeit der Niederschrift lassen sich mit ziemlicher Sicherheit nachweisen. Als Paulus den Brief schrieb, wurde er von Angehörigen der Leibgarde des römischen Kaisers bewacht, und es boten sich ihm viele Möglichkeiten, über seinen christlichen Glauben zu sprechen. Er schloß seinen Brief mit Grüßen der Gläubigen vom Hause Cäsars. Diese Tatsachen deuten alle auf Rom als den Ort hin, von dem aus der Brief abgesandt wurde (Phil. 1:7, 13, 14; 4:22; Apg. 28:30, 31).

      6. Wie läßt sich die Zeit der Niederschrift des Philipperbriefes ermitteln?

      6 Wann wurde der Brief geschrieben? Offenbar war Paulus bereits längere Zeit in Rom gewesen, so daß die kaiserliche Prätorianergarde und viele andere erfahren konnten, daß er als Christ in Haft war und auch die Gründe dafür. Ferner war genügend Zeit verstrichen, daß Epaphroditus aus Philippi (rund 1 000 km entfernt) mit einem Geschenk für Paulus nach Rom kommen konnte, daß Nachricht von der Krankheit des Epaphroditus wieder zurück nach Philippi und die Äußerung des Kummers hierüber von Philippi nach Rom gelangen konnte (Phil. 2:25-30; 4:18). Da Paulus vermutlich um 59 bis 61 u. Z. das erstemal in Rom in Haft war, schrieb er diesen Brief sehr wahrscheinlich um 60 oder 61 u. Z., ein Jahr oder mehr nach seiner Ankunft in Rom.

      7. (a) Welches Band bestand zwischen Paulus und den Philippern, und was veranlaßte ihn zu schreiben? (b) Was für ein Brief ist der Philipperbrief?

      7 Die erlittenen Wehen, als diese Kinder in Philippi durch das Wort der Wahrheit hervorgebracht wurden, ihre Zuneigung und Freigebigkeit, die sich darin zeigte, daß sie Paulus auf seinen vielen mühevollen Reisen Dinge für seinen Bedarf zukommen ließen, und Jehovas außergewöhnlicher Segen auf der ersten Missionstätigkeit in Mazedonien — all das trug dazu bei, daß ein starkes Band der Liebe zwischen Paulus und den Brüdern in Philippi entstand. Ihre gütige Gabe, ihre besorgte Erkundigung nach Epaphroditus und die Ausbreitung der guten Botschaft in Rom veranlaßten Paulus, ihnen einen herzlichen und liebevollen Brief zu schreiben, der sie erbauen und ermuntern sollte.

      INHALT DES PHILIPPERBRIEFES

      8. (a) Wie drückt Paulus sein Vertrauen und seine Zuneigung zu den Brüdern in Philippi aus? (b) Was sagt Paulus über seine Fesseln, und wozu ermahnt er die Philipper?

      8 Verteidigung und Förderung der guten Botschaft (1:1-30). Paulus und Timotheus senden Grüße, und Paulus dankt Gott für den Beitrag, den die Philipper „vom ersten Tag an bis zu diesem Augenblick“ zur guten Botschaft geleistet haben. Er ist zuversichtlich, daß sie ihr gutes Werk zur Vollendung bringen werden, denn sie sind mit ihm Teilhaber an der unverdienten Güte, eingeschlossen die ‘Verteidigung und gesetzliche Befestigung der guten Botschaft’. Er sehnt sich mit inniger Zuneigung nach ihnen allen und sagt: „Um das bete ich weiterhin, daß eure Liebe noch mehr und mehr überströme ..., damit ihr euch der wichtigeren Dinge vergewissern mögt“ (1:5, 7, 9, 10). Paulus läßt sie wissen, daß seine „Angelegenheiten ... zur Förderung der guten Botschaft ausgeschlagen sind“, indem seine Fesseln öffentlich bekanntgeworden und die Brüder ermuntert worden sind, das Wort Gottes furchtlos zu reden. Wenn es auch für Paulus Gewinn ist, jetzt zu sterben, weiß er doch, daß es um ihres Fortschrittes und ihrer Freude willen notwendiger ist, daß er bleibt. Er ermahnt sie, sich auf eine der guten Botschaft würdige Weise zu betragen, denn er möchte, ob er zu ihnen kommt oder nicht, hören, daß sie weiter in e i n e m Geist kämpfen und sich ‘in keiner Hinsicht von ihren Gegnern erschrecken lassen’ (1:12, 28).

      9. Wie können die Philipper die Gesinnung Christi bewahren?

      9 Dieselbe Gesinnung wie Christus bewahren (2:1-30). Paulus fordert die Philipper auf, demütig zu sein, ‘nicht nur die eigenen Dinge in ihrem Interesse im Auge zu behalten, sondern auch persönlich Interesse für die der anderen zu zeigen’. Sie sollten dieselbe Gesinnung wie Christus Jesus haben, der sich, obwohl er in Gottesgestalt existierte, entäußerte, um Mensch zu werden, und sich gehorsam bis zum Tod erniedrigte. Aus diesem Grund hat Gott ihn erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über jedem anderen Namen ist. Paulus sagt mahnend: „Fahrt fort ..., mit Furcht und Zittern eure eigene Rettung zu bewirken.“ „Tut weiterhin alles ohne Murren und Widerreden“, und klammert „euch mit festem Griff an das Wort des Lebens“ (2:4, 12, 14, 16). Er hofft, Timotheus zu ihnen zu senden, und er hat die Zuversicht, daß auch er selbst in kurzem kommen werde. Einstweilen schickt er ihnen Epaphroditus, der von seiner Krankheit genesen ist, so daß sie sich wieder freuen können.

      10. Wie ist Paulus dem Ziel entgegengejagt, und welche Ermahnung erteilt er?

      10 ‘Dem Ziel entgegenjagen’ (3:1⁠—⁠4:23). ‘Wir mit der wirklichen Beschneidung’, sagt Paulus, ‘müssen uns vor den Hunden in acht nehmen, vor denen, die das Fleisch verstümmeln.’ Wenn jemand denkt, er habe Gründe, auf das Fleisch zu vertrauen, so hätte Paulus noch viel mehr Gründe, und seine Vergangenheit als beschnittener Jude und als Pharisäer beweist es. Doch all das hat er ‘wegen des alles übertreffenden Wertes der Erkenntnis Christi Jesu, seines Herrn’, als Verlust betrachtet. Durch die Gerechtigkeit, die durch Glauben kommt, hofft er, „zu der Früh-Auferstehung von den Toten“ zu gelangen (3:2, 3, 8, 11). Daher fährt Paulus fort: „Die Dinge vergessend, die dahinten sind, und mich nach den Dingen ausstreckend, die vor mir sind, jage ich dem Ziel entgegen, dem Preis der Berufung Gottes nach oben durch Christus Jesus.“ Laßt uns, so viele von uns reif sind, dieselbe Gesinnung haben. Es gibt manche, deren Gott der Bauch ist, deren Sinn nach Dingen auf der Erde steht und deren Ende Vernichtung ist, aber „was uns betrifft“, versichert Paulus, „unser Bürgerrecht besteht in den Himmeln“ (3:13, 14, 20).

      11. (a) Was sollte erwogen und in die Tat umgesetzt werden? (b) Was schreibt Paulus über die Freigebigkeit der Philipper?

      11 ‘Freut euch im Herrn’, schreibt Paulus ermunternd, ‘und laßt eure Vernünftigkeit allen Menschen bekanntwerden. Erwägt weiterhin alles, was wahr, alles, was von ernsthaftem Interesse ist, alles, was gerecht, keusch und liebenswert ist, worüber gut gesprochen wird, was tugendhaft und lobenswert ist. Setzt in die Tat um, was ihr gelernt und angenommen habt und was ihr gehört und in Verbindung mit mir gesehen habt, und der Gott des Friedens wird mit euch sein’ (4:4-9). Paulus freut sich sehr, daß die Philipper in so hochherziger Weise an ihn dachten, obwohl er stark ist für alles „durch den, der ... Kraft verleiht“. Er dankt ihnen herzlich für ihre Gabe. Im Anfang seiner Verkündigung der guten Botschaft in Mazedonien haben sie im Geben alle andern übertroffen. Gott seinerseits wird all ihre „Bedürfnisse nach dem Maße seines Reichtums in Herrlichkeit durch Christus Jesus völlig befriedigen“ (4:13, 19). Er sendet Grüße von allen Heiligen, auch von denen aus dem Hause Cäsars.

      WIESO NÜTZLICH

      12. Wie können wir heute gleich den Brüdern in Philippi Gottes Wohlgefallen erlangen und unseren Brüdern zur Freude werden?

      12 Wie nützlich der Philipperbrief doch für uns ist! Bestimmt möchten wir Jehova wohlgefallen und von unseren christlichen Aufsehern ebenso gelobt werden, wie die Versammlung in Philippi von Paulus gelobt wurde. Das ist möglich, wenn wir das vortreffliche Beispiel der Philipper nachahmen und die liebevollen Ratschläge des Paulus beherzigen. Wir sollten freigebig sein wie die Philipper, unseren Brüdern helfen, wenn sie in Not sind, und an der Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft teilhaben (Phil. 1:3-7). Wir sollten fortfahren, ‘in e i n e m Geist festzustehen und mit e i n e r Seele Seite an Seite für den Glauben der guten Botschaft zu streiten’, indem wir als „Lichtspender“ inmitten einer verkehrten und verdrehten Generation leuchten. Wenn wir diese Dinge tun und alles, was von ernsthaftem Interesse ist, weiterhin erwägen, mögen wir für unsere Brüder eine Freude werden, wie die Philipper Freude und Krone des Apostels Paulus geworden waren (1:27; 2:15; 4:1, 8).

      13. Worin können wir alle Paulus nachahmen?

      13 „Werdet vereint meine Nachahmer“, sagt Paulus. Worin sollten wir ihn nachahmen? Fürs erste darin, daß wir unter allen Umständen selbstgenügsam sind. Paulus hatte gelernt, ohne zu murren, sich den Umständen anzupassen — er mochte Überfluß haben oder Mangel leiden —, damit er weiterhin eifrig und mit Freuden Gott dienen konnte. Ferner sollten alle Paulus auch darin nachahmen, daß sie treuen Brüdern gegenüber innige Zuneigung bekunden. Welche Zuneigung und Freude spricht doch aus seinen Worten, mit denen er sich über den Dienst des Timotheus und des Epaphroditus äußerte! Und wie sehr fühlte er sich mit seinen Brüdern in Philippi verbunden, die er mit den Worten „meine geliebten und ersehnten Brüder, meine Freude und Krone“ anredete! (Phil. 3:17; 4:1, 11, 12; 2:19-30).

      14. Welchen vortrefflichen Rat gibt der Brief den Philippern in bezug auf das Ziel, ewiges Leben zu erlangen, und in bezug auf das Königreich, und an wen ist der Brief insbesondere gerichtet?

      14 Worin kann man Paulus noch nachahmen? Darin, daß man ‘dem Ziel entgegenjagt’. Jeder, der seinen Sinn auf „alles, was von ernsthaftem Interesse ist“, gerichtet hält, ist an Jehovas wunderbarer Einrichtung im Himmel und auf der Erde brennend interessiert, worin jede Zunge offen anerkennen wird, „daß Jesus Christus Herr ist zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“. Im Philipperbrief werden alle, die die Hoffnung haben, in Verbindung mit Gottes Königreich ewiges Leben zu erlangen, auf vortreffliche Weise ermuntert, diesem Ziel entgegenzujagen. Allerdings ist der Philipperbrief in erster Linie an die gerichtet, deren „Bürgerrecht ... in den Himmeln“ besteht und die sehnlich darauf warten, „seinem [Christi] Leib der Herrlichkeit gleichförmig“ zu werden. Mögen diese alle ‘die Dinge vergessen, die dahinten sind, und sich nach den Dingen ausstrecken, die vor ihnen sind’, und den Apostel Paulus nachahmen, indem sie ‘dem Ziel entgegenjagen, dem Preis der Berufung nach oben’, nämlich ihrem herrlichen Erbe im Königreich der Himmel (Phil. 4:8; 2:10, 11; 3:13, 14, 20, 21).

  • 51. Bibelbuch — Kolosser
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 51. Bibelbuch — Kolosser

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 60/61 u. Z.

      1. Wo lag Kolossä?

      ZWEI Männer ließen Ephesus hinter sich und reisten ostwärts durch Kleinasien den Mäander (Menderes) entlang. Als sie nach Phrygien kamen, an die Stelle, wo der Lykos, ein Nebenfluß des Mäander, in diesen mündet, schwenkten sie nach Südosten und folgten dem Lykos durch das von Bergen umschlossene Tal. Ihren Augen bot sich ein herrlicher Anblick: saftige grüne Weiden mit großen Schafherden. (Wollerzeugnisse waren für jene Gegend eine Haupteinkommensquelle.a) Die beiden Männer reisten weiter talaufwärts und kamen an der reichen Stadt Laodicea vorbei, die rechts von ihnen lag und der Hauptort eines der römischen Gerichtsbezirke war. Links vom Fluß konnten sie Hierapolis sehen, berühmt wegen seiner Tempel und heißen Quellen. In beiden Städten sowie in der Kleinstadt Kolossä, etwa 10 km weiter talaufwärts, gab es Christenversammlungen.

      2. (a) Wer waren die beiden Abgesandten, die von Paulus nach Kolossä geschickt wurden? (b) Was ist über die Versammlung in Kolossä bekannt?

      2 Das Ziel der Reisenden war Kolossä. Beide Männer waren Christen. Mindestens einer kannte die Gegend gut, weil er von Kolossä war. Dieser hieß Onesimus und war ein Sklave, der zu seinem Herrn, einem Glied der dortigen Christenversammlung, zurückkehrte. Begleitet wurde Onesimus von Tychikus, einem freien Mann. Beide waren Abgesandte des Apostels Paulus; er hatte ihnen einen Brief an die „treuen Brüder in Gemeinschaft mit Christus in Kolossä“ mitgegeben. Soweit wir wissen, hatte Paulus Kolossä nie besucht. Wahrscheinlich wurde die Versammlung, die hauptsächlich aus Nichtjuden bestand, von Epaphras gegründet, der unter ihnen angestrengt gearbeitet hatte, sich aber jetzt bei Paulus in Rom aufhielt (Kol. 1:2, 7; 4:12).

      3. Was geht aus dem Kolosserbrief über den Schreiber sowie die Zeit und den Ort der Niederschrift hervor?

      3 Wie aus den Eingangs- und den Schlußworten hervorgeht, hat der Apostel Paulus diesen Brief geschrieben (Kol. 1:1; 4:18). Der Briefschluß zeigt auch, daß er ihn als Gefangener schrieb. Das wäre die Zeit seiner ersten Haft in Rom gewesen, 59—61 u. Z., als er eine Anzahl ermunternder Briefe schrieb. Der Brief an die Kolosser wurde zusammen mit dem Brief an Philemon übersandt (Kol. 4:7-9; Philem. 10, 23). Offenbar wurde er etwa zur selben Zeit wie der Epheserbrief geschrieben, da er in vielen Gedanken und Redewendungen mit diesem übereinstimmt.

      4. Wodurch wird die Echtheit des Briefes bezeugt?

      4 Es gibt keine Gründe, die Glaubwürdigkeit des Kolosserbriefes anzuzweifeln. Er ist mit anderen Paulinischen Briefen im Papyrus Chester Beatty II (P46), der aus der Zeit um 200 u. Z. stammt, enthalten, was zeigt, daß er von den ersten Christen als ein Brief des Paulus anerkannt wurde. Seine Echtheit wird von denselben frühen Gewährsleuten bezeugt, die auch die Glaubwürdigkeit der anderen Paulinischen Briefe bezeugen.

      5. (a) Was veranlaßte Paulus, an die Kolosser zu schreiben? (b) Was wird in dem Brief betont?

      5 Was veranlaßte Paulus, den Kolossern einen Brief zu schreiben? Zum einen wurde er durch die Rückkehr des Onesimus nach Kolossä dazu bewogen und zum andern durch das, was Epaphras, der kurz zuvor zu Paulus gekommen war, über die Zustände in Kolossä berichtet hatte (Kol. 1:7, 8; 4:12). Der dortigen Christenversammlung drohte eine bestimmte Gefahr. Die Religionen jener Zeit waren in Auflösung begriffen, und ständig wurden durch Verschmelzen von Bestandteilen alter Religionen neue gebildet. Heidnische Philosophien über Askese, Spiritismus, Götzendienst und Aberglauben waren im Umlauf, und diese, zusammen mit jüdischen Lehren über die Enthaltsamkeit von Speisen und die Beobachtung bestimmter Tage, mögen einige in der Versammlung beeinflußt haben. Was auch immer die Schwierigkeiten gewesen sein mögen, so waren sie anscheinend groß genug, daß sich Epaphras veranlaßt fühlte, die lange Reise nach Rom zu unternehmen, um Paulus aufzusuchen. Daß die Versammlung als Ganzes jedoch nicht unmittelbar in Gefahr war, zeigt der ermunternde Bericht des Epaphras über ihre Liebe und ihre Standhaftigkeit. Als Paulus den Bericht hörte, schrieb er den Brief an die Versammlung Kolossä, in dem er sich entschieden für die genaue Erkenntnis und die reine Anbetung einsetzte. Der Brief hob die von Gott stammende Überlegenheit Christi hervor im Gegensatz zu der heidnischen Philosophie, der Anbetung von Engeln und den jüdischen Überlieferungen.

      INHALT DES KOLOSSERBRIEFES

      6. (a) Worum betet Paulus für die Kolosser? (b) Was bespricht Paulus bezüglich Jesu Stellung und Dienst in Verbindung mit der Versammlung?

      6 Habt Glauben an Christus, das Haupt der Versammlung (1:1⁠—⁠2:12). Nach dem Eingangsgruß, in dem Timotheus und der Schreiber, Paulus, erwähnt werden, dankt Paulus für den Glauben der Kolosser an Christus und für ihre Liebe. Sie haben die unverdiente Güte Gottes kennengelernt, weil ihnen Epaphras die gute Botschaft gepredigt hat. Seitdem Paulus den Bericht über sie gehört hat, hat er nicht aufgehört, darum zu beten, daß sie „in aller Weisheit und in geistigem Verständnis mit der genauen Erkenntnis seines Willens“ erfüllt werden mögen, ‘damit sie Jehovas würdig wandeln’ und ‘völlig ausharren und mit Freuden langmütig sind’ (1:9-11). Der Vater hat sie befreit und in das „Königreich des Sohnes seiner Liebe“ versetzt, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist und durch den und für den alle Dinge erschaffen worden sind. Er ist das Haupt der Versammlung und der Erstgeborene von den Toten. Gott befand es für gut, durch Jesu Blut alle Dinge wieder mit sich zu versöhnen, auch die einst entfremdeten Kolosser, ‘vorausgesetzt natürlich, daß sie im Glauben verbleiben’ (1:13, 23).

      7. Was predigt Paulus, und zu welchem Zweck?

      7 Paulus freut sich, die Leiden des Christus zugunsten der Versammlung zu ergänzen, deren Diener er wurde, damit er in ihrem Interesse das Wort Gottes bezüglich ‘des heiligen Geheimnisses, des Reichtums der Herrlichkeit, den seinen Heiligen bekanntzugeben es Gott gefallen hat’, in vollem Maße predigen kann. „Er [Christus] ist es, den wir öffentlich bekannt machen“, sagt Paulus, „indem wir ... ernstlich ermahnen und ... in aller Weisheit lehren, damit wir jeden Menschen in Gemeinschaft mit Christus in Vollständigkeit darstellen können“ (1:26-28).

      8. Warum führt Paulus einen Kampf um seine Brüder?

      8 Der Kampf, den Paulus um die Kolosser, die Laodicener und andere führt, dient dazu, daß sie getröstet und in Liebe harmonisch zusammengefügt werden mögen, im Hinblick darauf, daß sie ‘eine genaue Erkenntnis des heiligen Geheimnisses Gottes, nämlich Christus, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis sorgsam verborgen sind’, erlangen. Er will nicht, daß sie durch überredende Argumente betört werden, sondern sie sollen vielmehr weiterhin in Gemeinschaft mit Christus wandeln, „verwurzelt und erbaut in ihm und im Glauben befestigt“. Dann schreibt Paulus warnend: „Seht zu, daß nicht jemand da sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und leeren Trug gemäß der Überlieferung der Menschen“ (2:2, 3, 7, 8).

      9. Vor welcher Form der Anbetung warnt Paulus, und warum sollten sich die Kolosser nicht dem Gesetz unterwerfen?

      9 Werdet Tote in bezug auf die Werke des Fleisches, werdet aber lebendig in bezug auf Christus (2:13⁠—⁠3:17). Obwohl sie in ihren Verfehlungen und in ihrem unbeschnittenen Zustand tot waren, hat Gott sie zusammen mit Christus lebendig gemacht, indem er die handschriftliche Urkunde des Gesetzes, die gegen die Juden war, ausgelöscht hat. ‘Daher möge sie niemand richten’ in bezug auf das Gesetz mit dessen Bestimmungen, das nur ein Schatten der Wirklichkeit (Christus) ist. Wenn sie außerdem zusammen mit Christus gegenüber den elementaren Dingen der Welt abgestorben sind, warum unterwerfen sie sich den Verordnungen: „Faß nicht an noch koste, noch berühre“ gemäß den Geboten und Lehren von Menschen? Eine auffällige selbstauferlegte Form der Anbetung, Scheindemut, eine strenge Behandlung des Leibes — das alles ist im Kampf gegen die Begierden des Fleisches von keinem Wert (2:16, 21).

      10. Wie kann man weiterhin die Dinge droben suchen und mit der „neuen Persönlichkeit“ gekleidet sein?

      10 Paulus fordert sie vielmehr auf: „Sucht weiterhin die Dinge, die droben sind, wo der Christus zur Rechten Gottes sitzt. Haltet euren Sinn auf die Dinge droben gerichtet, nicht auf die Dinge auf der Erde.“ Das kann man dadurch tun, daß man die alte Persönlichkeit abstreift und die neue Persönlichkeit anzieht, die durch genaue Erkenntnis keinen Unterschied nach dem Fleisch macht zwischen Jude und Grieche, „sondern Christus [ist] alles und in allen“. Es bedeutet, sich „als Gottes Auserwählte“ mit der innigen Zuneigung des Erbarmens, mit Güte, Demut, Milde und Langmut zu kleiden. Der Apostel schreibt: „So, wie Jehova euch bereitwillig vergeben hat, so tut auch ihr. Außer allen diesen Dingen aber kleidet euch mit Liebe, denn sie ist ein vollkommenes Band der Einheit.“ Alles, was sie in Wort oder in Werk tun, sollten sie „im Namen des Herrn Jesus“ tun, indem sie „Gott, dem Vater, durch ihn“ danken (3:1, 2, 11-14, 17).

      11. (a) Welcher Rat wird über die Beziehungen der Familienglieder zueinander und über andere Beziehungen gegeben? (b) Mit welchen Grüßen schließt der Brief?

      11 Beziehungen zu anderen (3:18⁠—⁠4:18). In der Familie seien die Frauen den Männern untertan, die Männer sind verpflichtet, ihre Frauen zu lieben, die Kinder müssen den Eltern gehorchen, und die Väter dürfen ihre Kinder nicht reizen. Die Sklaven müssen ihren Herren gehorsam sein, und zwar in der Furcht Jehovas, und die Herren sollen ihre Sklaven gerecht behandeln. Alle sollen im Gebet verharren und fortfahren, in Weisheit gegenüber den Außenstehenden zu wandeln. Tychikus und Onesimus werden ihnen über die Lage des Paulus und seiner Mitarbeiter für das Königreich Gottes persönlich berichten. Sie senden den Kolossern Grüße, und Paulus grüßt auch die Brüder in Laodicea und bittet darum, daß die von ihm gesandten Briefe ausgetauscht werden. Paulus schreibt zum Schluß einen Gruß mit eigener Hand: „Fahrt fort, meiner Fesseln zu gedenken. Die unverdiente Güte sei mit euch“ (4:18).

      WIESO NÜTZLICH?

      12. Welch erquickende Wahrheiten enthält der Kolosserbrief, und von welchem Nutzen waren sie für die Versammlung?

      12 Wir können uns vorstellen, daß sich die Nachricht von der Ankunft der beiden Brüder aus Rom unter den Brüdern in Kolossä wie ein Lauffeuer verbreitete. Erwartungsvoll werden sie sich versammelt haben — möglicherweise im Haus des Philemon —, um zu erfahren, was Paulus geschrieben hat (Philem. 2). Welch erquickende Wahrheiten enthielt doch der Brief über die Stellung Christi und über die Notwendigkeit einer genauen Erkenntnis! Wie deutlich wurden menschliche Philosophien und jüdische Überlieferungen von dem ihnen nicht gebührenden Platz gerückt und der Frieden und das Wort des Christus hervorgehoben! Der Brief enthielt Nahrung für Sinn und Herz aller Glieder der Versammlung — Aufseher, Ehemänner, Ehefrauen, Väter, Kinder, Herren, Sklaven. Bestimmt konnten Philemon und Onesimus den Rat gut gebrauchen, da sie ja ihr Herr-Sklave-Verhältnis erneuerten. Welch vorzügliche Hinweise wurden den Aufsehern gegeben, damit sie die Herde zur rechten Lehre zurückbringen konnten! Wie doch die Worte des Paulus die Wertschätzung der Kolosser für ihr Vorrecht steigerten, mit ganzer Seele zu arbeiten als für Jehova! Und der erbauende Rat für die Kolosser, sich von versklavenden Gedanken und Bräuchen der Welt zu befreien, ist eine Botschaft, die auch der heutigen Versammlung gilt (Kol. 1:9-11, 17, 18; 2:8; 3:15, 16, 18-25; 4:1).

      13. Was schreibt Paulus über gefällige Worte, das Gebet und die christliche Gemeinschaft?

      13 Ein ausgezeichneter Rat für christliche Diener Gottes wird in Kolosser 4:6 gegeben: „Eure Rede sei stets gefällig, mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr jedem zu antworten habt.“ Gefällige Worte der Wahrheit werden das Interesse aufrichtiger Personen erregen und sich für sie als von bleibendem Nutzen erweisen. Auch wird ein Christ, wenn er, erfüllt mit tiefer Dankbarkeit, betet und dabei wach ist, von Jehova reich gesegnet werden: „Verharrt im Gebet, indem ihr darin wach bleibt mit Danksagung.“ Und welche Freude, Erbauung und Erquickung findet man in der christlichen Gemeinschaft! „Lehrt und ermahnt einander weiterhin ernstlich“, sagt Paulus, „Jehova singend in eurem Herzen“ (Kol. 4:2; 3:16). Beschäftigt man sich weiter mit dem Kolosserbrief, so findet man noch viele Kostbarkeiten — Belehrungen, die gut und praktisch sind.

      14. (a) Welche Wirklichkeit wird im Kolosserbrief hervorgehoben? (b) Wie wird die Königreichshoffnung betont?

      14 Über das Halten des Gesetzes heißt es in dem Brief: „Diese Dinge sind ein Schatten der künftigen Dinge, aber die Wirklichkeit gehört dem Christus“ (Kol. 2:17). Diese Wirklichkeit des Christus wird im Kolosserbrief besonders hervorgehoben. Darin wird häufig von der herrlichen Hoffnung gesprochen, die in den Himmeln für die aufbehalten ist, die in Gemeinschaft mit Christus sind (Kol. 1:5, 27; 3:4). Sie können dankbar sein, daß der Vater sie schon von der Gewalt der Finsternis befreit und sie „in das Königreich des Sohnes seiner Liebe versetzt“ hat. So sind sie Untertanen dessen geworden, der „das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung“, ist; „denn durch ihn sind alle anderen Dinge in den Himmeln und auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, erschaffen worden, es seien Throne oder Herrschaften oder Regierungen oder Gewalten“. Er ist hervorragend befähigt, im Königreich Gottes gerecht zu regieren. Daher ermahnt Paulus die gesalbten Christen: „Wenn ihr aber mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht weiterhin die Dinge, die droben sind, wo der Christus zur Rechten Gottes sitzt“ (Kol. 1:12-16; 3:1).

      [Fußnote]

      a The New Westminster Dictionary of the Bible, 1970, Seite 181; siehe auch das Bibel-Lexikon, herausgegeben von Herbert Haag, 1982, Seite 967.

  • 52. Bibelbuch — 1. Thessalonicher
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 52. Bibelbuch — 1. Thessalonicher

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Korinth

      Vollendung der Niederschrift: um 50 u. Z.

      1. (a) Wie kam es zur Niederschrift des ersten Briefes an die Thessalonicher? (b) Wann wurde er geschrieben, und als was gilt er somit?

      ES WAR um das Jahr 50 u. Z., als der Apostel Paulus auf seiner zweiten Predigtreise die mazedonische Stadt Thessalonich besuchte und dort eine Christenversammlung gründete. Innerhalb eines Jahres — während seines Aufenthalts in Korinth in Begleitung von Silvanus (dem Silas der Apostelgeschichte) und Timotheus — fühlte sich Paulus veranlaßt, seinen ersten Brief an die Thessalonicher zu schreiben, um sie zu trösten und im Glauben zu erbauen. Das dürfte gegen Ende des Jahres 50 u. Z. gewesen sein. Dieser Brief ist offenbar der erste Brief des Paulus, der in den Bibelkanon aufgenommen wurde, und ist außerdem — wahrscheinlich mit Ausnahme des Matthäusevangeliums — das als erstes niedergeschriebene Buch der Christlichen Griechischen Schriften.

      2. Was zeigt, wer der Schreiber von 1. Thessalonicher war, und welche Beweise gibt es für die Echtheit des Briefes?

      2 Die Beweise für die Echtheit und Unversehrtheit des Briefes sind überwältigend. Paulus nennt sich selbst mit Namen und identifiziert sich so als der Schreiber. Der Inhalt des Buches steht mit den übrigen Teilen des inspirierten Wortes im Einklang (1. Thes. 1:1; 2:18). In zahlreichen frühen Katalogen der inspirierten Schriften wie etwa im Muratorischen Fragment wird der Brief direkt erwähnt.a Viele von den frühen Kirchenschriftstellern, z. B. Irenäus (zweites Jahrhundert u. Z.), zitieren aus 1. Thessalonicher oder spielen darauf an; Irenäus nennt den Brief mit Namen. Der erste Thessalonicherbrief ist ferner im Chester-Beatty-Papyrus II (P46) aus der Zeit um 200 u. Z. enthalten, und ein weiterer Papyrus aus dem dritten Jahrhundert (P30), jetzt in Ghent (Belgien), enthält Bruchstücke sowohl aus dem ersten als auch aus dem zweiten Brief an die Thessalonicher.b

      3, 4. Wozu hatte der frühere, erfolgreiche Dienst des Paulus in Thessalonich geführt?

      3 Ein Blick auf die kurze Geschichte der Versammlung in Thessalonich vor der Niederschrift dieses Briefes läßt erkennen, warum Paulus um die Brüder in jener Stadt sehr besorgt war. Die Versammlung war von Anfang an heftig verfolgt und bekämpft worden. In Apostelgeschichte, Kapitel 17 berichtet Lukas von der Ankunft des Paulus und des Silas in Thessalonich, „wo es eine Synagoge der Juden gab“. Ihnen predigte Paulus an drei Sabbaten, indem er sich mit ihnen anhand der Schriften unterredete, und anscheinend hielt er sich noch länger in Thessalonich auf, denn er hatte genügend Zeit, sein Handwerk auszuüben und vor allen Dingen eine Versammlung zu gründen und zu organisieren (Apg. 17:1; 1. Thes. 2:9; 1:6, 7).

      4 In Apostelgeschichte 17:4-7 werden die Auswirkungen der Predigttätigkeit des Apostels Paulus in Thessalonich anschaulich beschrieben. Auf den Erfolg seines christlichen Dienstes eifersüchtig, organisierten die Juden eine Pöbelrotte und brachten die Stadt in Aufruhr. Sie überfielen das Haus Jasons, schleppten ihn und andere Brüder zu den Stadtvorstehern und schrien: „Diese, die die bewohnte Erde aufgewiegelt haben, sind auch hier anwesend, und Jason hat sie gastfreundlich aufgenommen. Und alle diese handeln gegen die Verordnungen Cäsars, indem sie sagen, ein anderer sei König, Jesus.“ Erst als Jason und die anderen eine Bürgschaft geleistet hatten, wurden sie freigelassen. Paulus und Silas wurden den Brüdern in der Versammlung zuliebe sowie zu ihrer eigenen Sicherheit bei Nacht nach Beröa weggesandt. Aber die Versammlung in Thessalonich war nun gegründet.

      5. Wie zeigte Paulus, daß er um die Versammlung in Thessalonich besorgt und liebevoll an ihr interessiert war?

      5 Als die Juden Paulus nach Beröa folgten, ihren hitzigen Widerstand gegen ihn fortsetzten und seine dortige Predigttätigkeit zu unterbinden suchten, zog er weiter nach Athen in Griechenland. Indessen wünschte er sehnlich zu erfahren, wie es seinen Brüdern in Thessalonich in ihrer Drangsal erging. Zweimal versuchte er, zu ihnen zurückzukehren, aber jedesmal ‘versperrte Satan ihm den Weg’ (1. Thes. 2:17, 18). Tief besorgt um die junge Versammlung und sich ihrer Drangsal schmerzlich bewußt, sandte Paulus Timotheus nach Thessalonich zurück, damit er die Brüder tröste und sie im Glauben befestige. Als Timotheus mit seinem bewegenden Bericht wiederkehrte, war Paulus über die Nachricht von ihrer Treue und Lauterkeit inmitten heftiger Verfolgung überglücklich. Durch ihr Beispiel waren sie mittlerweile für Gläubige überall in Mazedonien und Achaia zu einem Vorbild geworden (1:6-8; 3:1-7). Paulus war Jehova Gott für ihr treues Ausharren dankbar, aber er erkannte auch, daß sie weiterhin Rat und Anleitung benötigen würden, während sie an Reife zunahmen. Daher schrieb Paulus seinen ersten Brief an die Thessalonicher, als er zusammen mit Timotheus und Silvanus in Korinth war.

      INHALT DES ERSTEN THESSALONICHERBRIEFES

      6. Wofür lobt Paulus die Thessalonicher?

      6 Die Thessalonicher ein Vorbild für andere Gläubige (1:1-10). Paulus beginnt seinen Brief an die Thessalonicher mit einem herzlichen Lob für ihr Glaubenswerk, ihre liebevolle anstrengende Arbeit und ihr Ausharren aufgrund der Hoffnung. Die gute Botschaft, die unter ihnen gepredigt wurde, ist nicht allein mit Worten ergangen, sondern ‘auch mit Kraft und starker Überzeugung’. Die Thessalonicher haben das Wort „mit der Freude des heiligen Geistes“ angenommen, haben das Beispiel nachgeahmt, das ihnen gegeben wurde, und sind für alle Gläubigen in Mazedonien, Achaia und darüber hinaus selbst ein Vorbild geworden. Sie haben sich vollständig von ihren Götzen abgewandt, „um wie Sklaven einem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn von den Himmeln her zu erwarten“ (1:5, 6, 9, 10).

      7. Wie haben sich Paulus und seine Gefährten, als sie bei den Thessalonichern waren, verhalten, und wozu haben sie sie ermahnt?

      7 Paulus liebevoll um die Thessalonicher besorgt (2:1⁠—⁠3:13). Nachdem Paulus und seine Gefährten in Philippi schmählich behandelt worden waren, brachten sie den Freimut auf, den Thessalonichern zu predigen. Das haben sie nicht als Menschengefällige, als Schmeichler oder als solche getan, die Ehre von Menschen suchen. Im Gegenteil, Paulus sagt: „Wir wurden in eurer Mitte sanft, wie wenn eine nährende Mutter ihre eigenen Kinder hegt und pflegt. Da wir also eine innige Zuneigung zu euch haben, hat es uns wohlgefallen, euch nicht nur an der guten Botschaft Gottes teilhaben zu lassen, sondern auch an unseren eigenen Seelen, weil ihr uns lieb geworden wart“ (2:7, 8). Wie ein Vater seine Kinder, so haben sie die Thessalonicher fortgesetzt ermahnt, weiterhin des Gottes würdig zu wandeln, der sie zu seinem Königreich und zu seiner Herrlichkeit berufen hat.

      8. Wodurch sind die Thessalonicher für Paulus zum Frohlocken geworden, und worum betet er sie betreffend?

      8 Paulus lobt sie, weil sie die gute Botschaft bereitwillig als das angenommen haben, was sie ist — „das Wort Gottes“. Sie sind nicht die einzigen, die von den eigenen Landsleuten verfolgt wurden: Ebenso sind auch die ersten Gläubigen in Judäa von den Juden verfolgt worden. Zweimal hatte Paulus vor, persönlich zu ihnen zu kommen, da ihm ihr Wohl am Herzen liegt, aber Satan hat ihn daran gehindert. Die Brüder in Thessalonich sind für Paulus und seine Mitarbeiter eine Krone des Frohlockens, ihre „Herrlichkeit und Freude“ (2:13, 20). Als Paulus es nicht länger ertragen konnte, ohne eine Nachricht von ihnen zu sein, sandte er Timotheus nach Thessalonich, um ihren Glauben zu stärken und sie zu trösten. Nun ist Timotheus — zum Trost und zur Freude des Apostels — mit der guten Botschaft über ihr geistiges Wohlergehen und ihre Liebe zurückgekehrt. Paulus sagt Gott Dank und betet darum, daß der Herr sie zunehmen lassen, sie in der Liebe zueinander überströmend machen möge und daß ihre Herzen „untadelig in Heiligkeit“ sein mögen vor Gott, dem Vater, bei der Gegenwart des Herrn Jesus (3:13).

      9. Wozu ermahnt Paulus die Thessalonicher, was die Heiligung und die Liebe zueinander anbelangt?

      9 In Heiligung und Ehre dienen (4:1-12). Paulus lobt die Thessalonicher für ihren gottgefälligen Wandel und ermahnt sie, in noch vollerem Maße damit fortzufahren. Jeder „wisse, wie er von seinem eigenen Gefäß in Heiligung und Ehre Besitz ergreife, nicht in gierigen sexuellen Gelüsten“. Keiner sollte diesbezüglich auf die Rechte seines Bruders übergreifen. Denn Gott hat sie „nicht mit der Erlaubnis zur Unreinheit berufen, sondern in Verbindung mit der Heiligung. So mißachtet denn der, der Mißachtung bekundet, nicht einen Menschen, sondern Gott“ (4:4, 5, 7, 8). Paulus lobt die Thessalonicher, weil sie einander Liebe erweisen, und er ermahnt sie, dies weiterhin in noch vollerem Maße zu tun und sich zum Ziel zu setzen, ein stilles Leben zu führen und sich um ihre eigenen Geschäfte zu kümmern und mit ihren Händen zu arbeiten. Denn sie müssen „im Hinblick auf die Außenstehenden“ anständig wandeln (4:12).

      10. Welche Einstellung sollten die Brüder hinsichtlich derer haben, die im Tod entschlafen sind?

      10 Die Auferstehungshoffnung (4:13-18). Hinsichtlich der im Tode Schlafenden dürfen die Brüder nicht betrübt sein wie die, die keine Hoffnung haben. Wenn sie den Glauben haben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott durch Jesus auch andere auferwecken, die im Tod entschlafen sind. Der Herr wird bei seiner Gegenwart mit gebietendem Zuruf vom Himmel herabkommen, „und die in Gemeinschaft mit Christus Verstorbenen werden zuerst auferstehen“. Danach werden die Überlebenden „in Wolken entrückt werden zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft“ und werden allezeit beim Herrn sein (4:16, 17).

      11. Warum sollten die Thessalonicher wach bleiben, und worin sollten sie fortfahren?

      11 Wach bleiben, während Jehovas Tag näher rückt (5:1-28). „Jehovas Tag ... kommt wie ein Dieb in der Nacht.“ Wenn die Menschen sagen: „Frieden und Sicherheit!“, wird plötzliche Vernichtung sie überfallen. Mögen die Thessalonicher daher als „Söhne des Lichts und Söhne des Tages“ wach bleiben; mögen sie besonnen bleiben, „angetan mit dem Brustpanzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf Rettung“ (5:2, 3, 5, 8). Die Zeit erfordert es, daß sie fortfahren, einander zu trösten und zu erbauen. Möge ein jeder denen, die unter ihnen hart arbeiten und ihnen vorstehen, „über die Maßen Achtung ... zollen in Liebe“. Andererseits ist es nötig, die Unordentlichen zurechtzuweisen, die Schwachen zu stärken und gegenüber allen langmütig zu sein. Paulus fügt hinzu: „Jagt allezeit dem Guten nach gegeneinander und allen anderen gegenüber“ (5:13, 15).

      12. Welche grundlegenden Ratschläge erteilt Paulus noch, und wie beschließt er seinen Brief an die Thessalonicher?

      12 Nun gibt Paulus noch einige grundlegende Ratschläge: ‘Freut euch allezeit. Betet unablässig, und sagt Dank für alles. Bewahrt das Feuer des Geistes. Habt Respekt vor prophetischen Äußerungen. Vergewissert euch aller Dinge, und haltet an dem fest, was vortrefflich ist. Von jeder Art Bosheit haltet euch fern’ (5:16-22). Dann betet er darum, daß der Gott des Friedens sie völlig heilige und daß sie bei der Gegenwart des Herrn Jesus Christus an Geist, Seele und Leib untadelig seien. Er beschließt den Brief mit herzlichen Worten der Ermunterung und mit der feierlichen Anweisung, den Brief allen Brüdern vorzulesen.

      WIESO NÜTZLICH

      13. Welches vorzügliche Beispiel hatten Paulus und seine Gefährten gegeben, und wie wirkt es sich aus, wenn man in der Versammlung willig Liebe bekundet?

      13 In diesem Brief bekundet Paulus einen Geist liebevoller Besorgtheit um seine Brüder. Er und seine Mitdiener hatten ein vorzügliches Beispiel der innigen Zuneigung gegeben, indem sie ihre geliebten Brüder in Thessalonich nicht nur an der guten Botschaft Gottes, sondern auch an ihren eigenen Seelen teilhaben ließen. Mögen alle Aufseher bemüht sein, solche Bande der Liebe zu ihren Versammlungen zu knüpfen. Diese Liebe wird alle anspornen, einander Liebe zu erweisen, so wie Paulus sagte: „Möge der Herr euch außerdem zunehmen lassen, ja euch überströmend machen in der Liebe zueinander und zu allen, ebenso wie wir auch euch gegenüber sind.“ Solche Liebe, wie Gottes Volk sie willig bekundet, ist sehr erbauend. Sie befestigt Herzen, macht sie „untadelig in Heiligkeit vor unserem Gott und Vater bei der Gegenwart unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen“. Durch ihre Liebe unterscheiden sich Christen von einer verderbten, unsittlichen Welt und können so in Heiligkeit und Heiligung wandeln und Gott gefallen (3:12, 13; 2:8; 4:1-8).

      14. Inwiefern ist 1. Thessalonicher ein ausgezeichnetes Beispiel für taktvolles, liebevolles Ratgeben?

      14 Der erste Brief an die Thessalonicher ist ein ausgezeichnetes Beispiel für taktvolles, liebevolles Ratgeben in der Christenversammlung. Die Brüder in Thessalonich waren zwar eifrig und treu, aber in mancher Hinsicht mußten sie zurechtgebracht werden. Dennoch lobte Paulus die Brüder jeweils wegen ihrer guten Eigenschaften. Als er sie beispielsweise vor sittlicher Unreinheit warnte, lobte er sie zuerst, weil sie gottgefällig wandelten, und forderte sie dann auf, es „in noch vollerem Maße“ zu tun, indem jeder sein Gefäß in Heiligung und Ehre bewahre. Nach einem Lob für ihre brüderliche Liebe ermahnte er sie ferner, weiterhin „in noch vollerem Maße“ Liebe zu bekunden, sich um ihre eigenen Geschäfte zu kümmern und vor den Außenstehenden ein anständiges Leben zu führen. Taktvoll wies Paulus seine Brüder an, „dem Guten nach[zujagen] gegeneinander und allen anderen gegenüber“ (4:1-7, 9-12; 5:15).

      15. Woraus geht hervor, daß Paulus während seines Aufenthalts in Thessalonich eifrig die Königreichshoffnung predigte, und welchen vortrefflichen Rat gab er in diesem Zusammenhang?

      15 Viermal erwähnt Paulus die „Gegenwart“ Jesu Christi. Anscheinend waren die neubekehrten Christen in Thessalonich sehr an dieser Lehre interessiert. Während seines Aufenthalts in ihrer Stadt hatte Paulus zweifellos freimütig über Gottes Königreich in den Händen Christi gepredigt. Das geht aus der Anklage hervor, die man gegen Paulus und seine Gefährten vorbrachte: „Alle diese handeln gegen die Verordnungen Cäsars, indem sie sagen, ein anderer sei König, Jesus“ (Apg. 17:7; 1. Thes. 2:19; 3:13; 4:15; 5:23). Die Brüder in Thessalonich hatten ihre Hoffnung auf das Königreich gesetzt, und da sie Glauben gegenüber Gott hatten, erwarteten sie „seinen Sohn von den Himmeln her ..., den er von den Toten auferweckt hat, nämlich Jesus“, der sie von dem kommenden Zorn befreien würde. Ebenso müssen alle, die heute auf Gottes Königreich hoffen, den vortrefflichen Rat des ersten Thessalonicherbriefes beachten, in der Liebe überströmend zu sein, und zwar mit einem befestigten und untadeligen Herzen, damit sie ‘weiterhin des Gottes würdig wandeln mögen, der sie zu seinem Königreich und zu seiner Herrlichkeit beruft’ (1. Thes. 1:8, 10; 3:12, 13; 2:12).

      [Fußnoten]

      a Siehe die Tabelle „Hervorragende frühe Kanonverzeichnisse der Christlichen Griechischen Schriften“ auf Seite 303.

      b Der Text des Neuen Testaments von Kurt und Barbara Aland, Seite 108, 109.

  • 53. Bibelbuch — 2. Thessalonicher
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 53. Bibelbuch — 2. Thessalonicher

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Korinth

      Vollendung der Niederschrift: um 51 u. Z.

      1. Was läßt erkennen, wann und wo der zweite Thessalonicherbrief geschrieben wurde, und was gab Anlaß dazu?

      DER zweite Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher folgte kurz auf den ersten. Wir wissen, daß er bald nach dem ersten Brief geschrieben worden sein muß, und zwar ebenfalls von Korinth aus, denn dieselben Brüder — Silvanus und Timotheus — senden zusammen mit Paulus wieder Grüße an die Versammlung in Thessalonich. Sie waren reisende Diener der frühen Christenversammlung, und es wird nirgends etwas davon gesagt, daß die drei nach diesem gemeinsamen Aufenthalt in Korinth je wieder zusammenkamen (2. Thes. 1:1; Apg. 18:5, 18). Der Stoff und die Art der Darlegung lassen erkennen, daß Paulus es für dringend notwendig hielt, die Versammlung wegen eines Irrtums, dem sie verfallen war, umgehend zurechtzuweisen.

      2. Wodurch wird die Glaubwürdigkeit des zweiten Thessalonicherbriefes bezeugt?

      2 Die Glaubwürdigkeit des zweiten Thessalonicherbriefes ist ebensogut bezeugt wie die des ersten. Auch dieser Brief wird sowohl von Irenäus (zweites Jahrhundert u. Z.) als auch von anderen frühen Schriftstellern angeführt, beispielsweise von Justin dem Märtyrer (ebenfalls aus dem zweiten Jahrhundert), der sich offenbar auf 2. Thessalonicher 2:3 bezieht, wenn er vom „Menschen der Gesetzlosigkeit [Sünde]“ spricht. Außerdem wird der zweite Thessalonicherbrief in denselben frühen Katalogen aufgeführt wie der erste. Im Chester-Beatty-Papyrus II (P46) fehlt er zwar, aber ziemlich sicher enthielten ihn die ersten zwei der sieben Blätter, die nach dem ersten Thessalonicherbrief fehlen.

      3, 4. (a) Welches Problem war in der Thessalonicher Versammlung entstanden? (b) Wann und wo wurde der Brief geschrieben, und was wollte Paulus damit erreichen?

      3 Was bezweckte Paulus mit diesem Brief? Aus den Worten, mit denen er die Thessalonicher ermahnte, ersehen wir, daß einige in der Versammlung behaupteten, die Gegenwart des Herrn stehe nahe bevor, daß diese Spekulanten ihre Theorie eifrig predigten und dadurch nicht wenig Unruhe in der Versammlung hervorriefen. Allem Anschein nach benutzten einige dies sogar als Entschuldigung dafür, daß sie nicht arbeiteten, um für ihren Unterhalt zu sorgen (2. Thes. 3:11). In seinem ersten Brief hatte Paulus die Gegenwart des Herrn erwähnt, und als dann der Brief vorgelesen wurde, griffen diese Spekulanten die Worte des Paulus wahrscheinlich sofort auf und mißdeuteten sie völlig. Es könnte aber auch sein, daß ein angeblich von Paulus stammender Brief in dem Sinne ausgelegt wurde, daß „der Tag Jehovas hier sei“ (2:1, 2).

      4 Vermutlich hatte Paulus einen Bericht über diese Situation erhalten, vielleicht vom Überbringer seines ersten Briefes, und nun war ihm sehr daran gelegen, die Ansichten seiner Brüder, zu denen er eine innige Zuneigung hatte, zu korrigieren. Deshalb sandte er im Jahre 51 u. Z. zusammen mit seinen zwei Gefährten von Korinth aus einen Brief an die Versammlung in Thessalonich. Darin berichtigte er nicht nur die falsche Ansicht über Christi Gegenwart, sondern er ermunterte die Brüder auch herzlich und ermahnte sie, in der Wahrheit festzustehen.

      INHALT DES ZWEITEN THESSALONICHERBRIEFES

      5. Wofür danken Paulus und seine Gefährten Gott, welche Gewißheit geben sie, und wofür beten sie?

      5 Die Offenbarung des Herrn Jesus (1:1-12). Paulus und seine Gefährten danken Gott dafür, daß der Glaube der Thessalonicher überaus wächst und ihre Liebe zueinander zunimmt. Ihr Ausharren und ihr Glaube in all ihren Verfolgungen sind ein Beweis des gerechten Gerichts Gottes und dafür, daß sie des Königreiches für würdig erachtet werden. Gott wird denen mit Drangsal vergelten, die der Versammlung Drangsal bereiten, und denen, die leiden, wird er Erleichterung verschaffen „bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit seinen mächtigen Engeln ... zu der Zeit, da er kommt, um verherrlicht zu werden in Verbindung mit seinen Heiligen“ (1:7, 10). Paulus und seine Gefährten beten allezeit für die Thessalonicher, daß Gott sie seiner (Gottes) Berufung für würdig erachte und damit der Name des Herrn Jesus in ihnen verherrlicht werde und sie in Gemeinschaft mit ihm.

      6. Was muß vor dem Tag Jehovas kommen, und wie?

      6 Vor der Gegenwart Jesu soll der Abfall kommen (2:1-12). Die Brüder sollten sich nicht aufregen lassen durch irgendeine Botschaft, die besagt, daß der Tag Jehovas hier sei. „Er wird nicht kommen, es sei denn, der Abfall komme zuerst und der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn der Vernichtung, werde geoffenbart.“ Sie kennen jetzt „das, was als ein Hemmnis wirkt“, doch das Geheimnis dieser Gesetzlosigkeit ist bereits am Werk. Wenn das erwähnte Hemmnis beseitigt sein wird, „dann allerdings wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Geist seines Mundes und zunichte machen wird durch das Offenbarwerden seiner Gegenwart“. Die Gegenwart des Gesetzlosen ist gemäß der Wirksamkeit des Satans mit Machttaten und mit Trug; und denen, die die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, läßt Gott eine Wirksamkeit des Irrtums zugehen, damit sie der Lüge glauben (2:3, 6, 8).

      7. Wie können die Brüder feststehen und Schutz vor dem finden, der böse ist?

      7 Steht fest im Glauben (2:13⁠—⁠3:18). Paulus fährt mit den Worten fort: „Wir ... sind verpflichtet, Gott allezeit für euch, von Jehova geliebte Brüder, zu danken, weil Gott euch von Anfang an zur Rettung erwählte, indem er euch mit Geist und durch euren Glauben an die Wahrheit heiligte.“ Zu diesem Zweck wurde ihnen die gute Botschaft verkündigt. Sie sollten daher feststehen und sich weiterhin an die Überlieferungen halten, die sie gelehrt worden waren, damit Jesus Christus und der Vater, der ihnen in seiner Liebe ewigen Trost und ewige Hoffnung gegeben hat, sie „in jedem guten Werk und Wort befestigen“ mögen (2:13, 17). Paulus bittet die Brüder, für sie zu beten, damit „das Wort Jehovas ständig schnell laufe und verherrlicht werde“ (3:1). Der Herr, der treu ist, wird sie befestigen und sie vor dem, der böse ist, bewahren, und Paulus betet darum, daß der Herr fortfahren möge, ihre Herzen zur Liebe Gottes hinzulenken und zum Ausharren um des Christus willen.

      8. Welche ernste Ermahnung wird erteilt, und in welcher Beziehung sind Paulus und seine Gefährten für die Thessalonicher ein Vorbild geworden?

      8 Dann folgt die ernste Ermahnung: „Nun geben wir euch Weisung, Brüder, im Namen des Herrn Jesus Christus, euch von jedem Bruder zurückzuziehen, der unordentlich und nicht nach der Überlieferung wandelt, die ihr von uns empfangen habt“ (3:6). Der Apostel erinnert sie daran, daß er und seine Missionargefährten für sie ein Vorbild geworden sind, indem sie Nacht und Tag angestrengt gearbeitet haben, um ihnen nicht zur Last zu fallen, und so können sie ihnen mit Recht die Weisung geben: „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“ Doch nun hören sie von Personen, die unordentlich sind, nicht arbeiten und sich in fremde Angelegenheiten einmischen. Diese Leute sollen sich ihr Brot selbst verdienen (2. Thes. 3:10; 1. Thes. 4:11).

      9. Was sagt Paulus über die Forderung, das Rechte zu tun, sowie über die Beschämung der Ungehorsamen, und wie schließt er seinen Brief ab?

      9 Die Brüder sollten nicht nachlassen, das Rechte zu tun. Wenn aber einer von ihnen dem Brief des Paulus nicht gehorcht, dann sollte die Versammlung ihn bezeichnet halten und keinen Umgang mehr mit ihm haben, damit er beschämt werde, dennoch sollte man ihn weiterhin als einen Bruder ermahnen. Paulus betet darum, daß der Herr des Friedens ihnen „fortwährend auf jede Weise Frieden“ gebe, und schließt seinen Brief mit eigenhändigen Grüßen ab (2. Thes. 3:16).

      WIESO NÜTZLICH

      10. Welche Hauptlehren und Grundsätze werden im zweiten Thessalonicherbrief behandelt?

      10 Dieser kurze inspirierte Brief an die Thessalonicher berührt eine ganze Anzahl christlicher Wahrheiten, die zu betrachten nützlich ist. Denken wir zum Beispiel an folgende Hauptlehren und Grundsätze: Jehova ist der Gott der Rettung, und er heiligt durch Geist und durch den Glauben an die Wahrheit (2:13); der Christ muß leiden, um des Königreiches Gottes für würdig erachtet zu werden (1:4, 5); Christen sollen zur Zeit der Gegenwart des Herrn Jesus Christus zu ihm hin versammelt werden (2:1); Jehova wird an denen, die der guten Botschaft nicht gehorchen, ein gerechtes Gericht vollziehen (1:5-8); die Berufenen werden in Gemeinschaft mit Christus Jesus gemäß der unverdienten Güte Gottes verherrlicht werden (1:12); sie werden durch die Verkündigung der guten Botschaft berufen (2:14); der Glaube ist ein wesentliches Erfordernis (1:3, 4, 10, 11; 2:13; 3:2); es ist angebracht, daß ein Diener Gottes für seinen Unterhalt arbeitet; wer nicht arbeitet, kann träge werden und beginnen, sich in Dinge einzumischen, die ihn nichts angehen (3:8-12); die Liebe Gottes ist mit Ausharren verbunden (3:5). Welch eine Fülle glaubensstärkender Belehrungen in einem so kurzen inspirierten Brief!

      11. Welche wichtigen Belehrungen und welche Gewißheit werden in Verbindung mit dem Königreich vermittelt?

      11 In diesem Brief brachte Paulus sein tiefes Interesse am geistigen Wohl seiner Brüder und an der Einheit und dem Gedeihen der Versammlung in Thessalonich zum Ausdruck. Er berichtigte ihre Ansicht über den Zeitpunkt des Tages Jehovas, indem er sie darauf hinwies, daß zuerst „der Mensch der Gesetzlosigkeit“ erscheinen müsse, der sich „in den Tempel DES GOTTES“ niedersetzen und von sich öffentlich behaupten werde, „daß er ein Gott sei“. Doch alle, die „des Königreiches Gottes für würdig erachtet“ werden, können die völlige Gewißheit haben, daß der Herr Jesus zur bestimmten Zeit vom Himmel her geoffenbart und in flammendem Feuer Rache nehmen wird „zu der Zeit, da er kommt, um verherrlicht zu werden in Verbindung mit seinen Heiligen und an jenem Tag staunend betrachtet zu werden in Verbindung mit all denen, die Glauben ausgeübt haben“ (2:3, 4; 1:5, 10).

  • 54. Bibelbuch — 1. Timotheus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 54. Bibelbuch — 1. Timotheus

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Mazedonien

      Vollendung der Niederschrift: um 61—64 u. Z.

      1, 2. (a) Worin unterscheidet sich die Haft des Paulus, die in der Apostelgeschichte beschrieben wird, von der, über die im zweiten Timotheusbrief berichtet wird? (b) Wann wurde der erste Timotheusbrief anscheinend geschrieben, warum antwortest du so?

      AUS Lukas’ letzten Worten seines Berichts über das Leben des Paulus in der Apostelgeschichte geht hervor, daß Paulus in Rom auf die Entscheidung des Cäsars wartete. Paulus wohnte in seinem eigenen gemieteten Haus und predigte allen, die zu ihm hereinkamen, das Königreich Gottes „ungehindert und mit dem größten Freimut der Rede“ (Apg. 28:30, 31). Doch in seinem zweiten Brief an Timotheus schreibt Paulus: „Ich [erleide] Ungemach bis zu Fesseln wie ein Übeltäter“, und er spricht davon, daß sein Tod bevorstehe (2. Tim. 2:9; 4:6-8). Welch ein Unterschied! Das erstemal wurde er als ehrenhafter Gefangener behandelt, das zweitemal als Verbrecher. Was geschah zwischen 61 u. Z., als Lukas die Lage des Paulus am Ende seines zweijährigen Aufenthalts in Rom beschrieb, und der Zeit, als Paulus Timotheus seine Lage schilderte — offenbar kurz vor seinem Tod?

      2 Die Schwierigkeit, die Niederschrift der Briefe des Paulus an Timotheus und Titus in der von der Apostelgeschichte behandelten Zeitspanne unterzubringen, hat einige Bibelkommentatoren zu der Annahme veranlaßt, Cäsar habe zugunsten des Paulus entschieden und er sei um das Jahr 61 u. Z. freigelassen worden. In dem Werk The New Westminster Dictionary of the Bible heißt es: „Der abschließende Vers der Apostelgeschichte stimmt mit dieser Ansicht besser überein [daß Paulus nach zweijähriger Haft entlassen wurde] als mit der Annahme, daß die beschriebene Haft mit der Verurteilung und der Hinrichtung des Apostels endete. Lukas schreibt ausdrücklich, daß ihn niemand in seiner Tätigkeit behinderte, was sicherlich den Eindruck vermittelt, daß das Ende seiner Tätigkeit nicht nahe bevorstand.“a Der erste Timotheusbrief wurde somit in der Zeit zwischen der Freilassung des Paulus aus seiner ersten Gefangenschaft in Rom und der zweiten oder etwa 61—64 u. Z. geschrieben.

      3, 4. (a) Was tat Paulus offenbar, als er aus der Haft entlassen wurde? (b) Von wo aus schrieb er den ersten Timotheusbrief?

      3 Offenbar nahm Paulus, als er aus der Haft entlassen wurde, seine Missionstätigkeit zusammen mit Timotheus und Titus wieder auf. Ob Paulus je nach Spanien gelangte, wie einige annehmen, ist nicht sicher. Klemens von Rom schrieb (um 95 u. Z.), daß Paulus „bis zum äußersten Westen“ vorgedrungen sei, was auch Spanien hätte einschließen können.b

      4 Von wo aus schrieb Paulus seinen ersten Brief an Timotheus? Wie aus 1. Timotheus 1:3 hervorgeht, ordnete Paulus an, daß sich Timotheus bestimmter Versammlungsangelegenheiten in Ephesus annehmen sollte, während er selbst nach Mazedonien reiste. Von hier aus schrieb er anscheinend den Brief an Timotheus, der sich in Ephesus befand.

      5. Wodurch wird die Glaubwürdigkeit der Timotheusbriefe bezeugt?

      5 Seit frühester Zeit gilt Paulus als Schreiber der beiden Timotheusbriefe, auch wurden die Briefe stets zu den inspirierten Schriften gerechnet. Damit stimmen alle frühchristlichen Schriftsteller, darunter Polykarp, Ignatius und Klemens von Rom, überein, auch werden die Briefe in den Verzeichnissen der ersten Jahrhunderte als Schriften des Paulus erwähnt. In einem maßgeblichen Werk heißt es: „Es gibt wenige Schriften des N[euen] T[estaments], die besser bezeugt sind ... Einwände gegen die Glaubwürdigkeit müssen daher als moderne Ansichten angesehen werden, die den schlagenden Beweisen der frühchristlichen Kirche widersprechen.“c

      6. (a) Aus welchen Gründen schrieb Paulus den ersten Timotheusbrief? (b) Was machte Timotheus für seine Aufgabe geeignet, und was beweist, daß er reif war und gute Arbeit geleistet hatte?

      6 Paulus schrieb den ersten Brief an Timotheus, um bestimmte organisatorische Anordnungen für die Versammlung zu geben. Ferner mußte er Timotheus vor falschen Lehren warnen und ihn ermahnen, die Brüder zu stärken, damit sie „der fälschlich so genannten ‚Erkenntnis‘ “ widerstehen konnten (1. Tim. 6:20). In der Handelsstadt Ephesus gab es genügend Verlockungen zum Materialismus und zur „Geldliebe“, daher war es angebracht, auch hierüber Rat zu erteilen (6:10). Timotheus war durch Erfahrung und Schulung bestimmt sehr gut für diese Aufgabe geeignet. Er hatte einen griechischen Vater und eine gottesfürchtige Mutter jüdischer Herkunft. Man weiß nicht genau, wann Timotheus zum erstenmal mit dem Christentum in Berührung kam. Als Paulus auf seiner zweiten Missionsreise Lystra besuchte — wahrscheinlich spät im Jahre 49 u. Z. oder zu Beginn des Jahres 50 u. Z. —, stand Timotheus (vielleicht so um die Zwanzig) „bei den Brüdern in Lystra und Ikonion in gutem Ruf“. Paulus wünschte deshalb, daß Timotheus Silas und ihn auf der Reise begleitete (Apg. 16:1-3). Timotheus wird in 11 der 14 Briefe des Paulus sowie in der Apostelgeschichte namentlich erwähnt. Paulus kümmerte sich immer in väterlicher Weise um ihn und schickte ihn mehrmals in verschiedene Versammlungen, um ihnen zu dienen, was bewies, daß Timotheus als Missionar gute Arbeit geleistet hatte und verantwortungsvollen Aufgaben völlig gewachsen war (1. Tim. 1:2; 5:23; 1. Thes. 3:2; Phil. 2:19).

      INHALT DES ERSTEN TIMOTHEUSBRIEFES

      7. Warum ermuntert Paulus Timotheus, in Ephesus zu bleiben?

      7 Ermahnung zum Glauben und zu einem guten Gewissen (1:1-20). Paulus begrüßt Timotheus als „ein echtes Kind im Glauben“ und ermuntert ihn dann, in Ephesus zu bleiben. Er soll diejenigen zurechtweisen, die eine „andere Lehre“ lehren, was eher zu nutzlosen Fragen führt als zu einer Darreichung des Glaubens. Paulus schreibt, das Ziel dieses Auftrags sei „Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben“. Er fügt hinzu: „Indem einige von diesen Dingen abgewichen sind, haben sie sich eitlem Gerede zugewandt“ (1:2, 3, 5, 6).

      8. Was wird dadurch betont, daß Paulus Barmherzigkeit erwiesen wurde, und welchen vortrefflichen Kriegszug soll Timotheus fortsetzen?

      8 Allerdings war Paulus früher ein Lästerer und ein Verfolger, aber die unverdiente Güte des Herrn ist „über die Maßen überströmend geworden mit Glauben und Liebe, die in Verbindung mit Christus Jesus sind“, so daß ihm Barmherzigkeit erwiesen wurde. Er stand unter den Sündern an erster Stelle; und somit wurde er ein Beweis der Langmut Christi Jesu, der „in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten“. Wahrlich, würdig ist der König der Ewigkeit, Ehre und Herrlichkeit für immer zu empfangen! Paulus gebietet Timotheus, den vortrefflichen Kriegszug fortzusetzen und „den Glauben und ein gutes Gewissen“ zu bewahren. Er darf nicht die nachahmen, die „an ihrem Glauben Schiffbruch erlitten haben“, wie zum Beispiel Hymenäus und Alexander, die Paulus wegen Lästerung gezüchtigt hat (1:14, 15, 19).

      9. (a) Welche Gebete sollen dargebracht werden, und warum? (b) Was wird über die Frauen in der Versammlung gesagt?

      9 Anweisungen für die Anbetung und die Organisation in der Versammlung (2:1⁠—⁠6:2). Gebete sollen in bezug auf Menschen von allen Arten dargebracht werden, auch in bezug auf die, die in hoher Stellung sind, damit die Christen friedlich und in Gottergebenheit leben können. Es ist der Wille Gottes, des Retters, daß „alle Arten von Menschen gerettet werden und zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn da ist e i n Gott und e i n Mittler zwischen Gott und Menschen, ein Mensch, Christus Jesus, der sich selbst als ein entsprechendes Lösegeld für alle hingegeben hat“ (2:4-6). Paulus wurde zum Apostel und Lehrer dieser Dinge eingesetzt. Er will, daß die Männer beten und dabei loyal sind und daß die Frauen sich bescheiden und vernünftig kleiden, wie es sich für die, die Gott verehren, ziemt. Eine Frau soll in Stille lernen und darf nicht Gewalt über einen Mann ausüben, „denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva“ (2:13).

      10. Welches sind die Voraussetzungen für Aufseher und Dienstamtgehilfen, und warum schreibt Paulus diese Dinge?

      10 Der Mann, der danach strebt, ein Aufseher zu werden, begehrt vortreffliche Arbeit. Paulus zählt nun die Voraussetzungen für Aufseher und Dienstamtgehilfen auf. Ein Aufseher muß „untadelig sein, Mann e i n e r Ehefrau, mäßig in den Gewohnheiten, gesunden Sinnes, ordentlich, gastfreundlich, lehrfähig, kein lärmender Trinker, kein Schläger, sondern vernünftig, nicht streitsüchtig, nicht geldliebend, ein Mann, der seinem eigenen Haushalt in vortrefflicher Weise vorsteht, der die Kinder mit allem Ernst in Unterwürfigkeit hält ...; nicht ein Neubekehrter, ... er [muß] auch ein vortreffliches Zeugnis von Außenstehenden haben“ (3:2-7). Ähnliche Erfordernisse gelten für Dienstamtgehilfen; diese sollen zuerst auf ihre Eignung geprüft werden und erst dann dienen. Paulus schreibt diese Dinge, damit Timotheus weiß, wie er sich in der Versammlung Gottes, die „eine Säule und Stütze der Wahrheit“ ist, zu benehmen hat (3:15).

      11. (a) Welche Schwierigkeiten werden später auftreten? (b) Worauf soll Timotheus achtgeben, und warum?

      11 In späteren Zeiten werden die Lehren von Dämonen bewirken, daß einige vom Glauben abfallen. Heuchlerische Menschen, die Lügen reden, werden verbieten zu heiraten und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat, damit man sie mit Danksagung genieße. Als vortrefflicher Diener muß Timotheus unwahre Geschichten und „Altweibergeschwätz“ zurückweisen. Andererseits soll er sich üben mit Gottergebenheit als seinem Ziel. „Dafür arbeiten wir hart und strengen uns an“, schreibt Paulus, „weil wir unsere Hoffnung auf einen lebendigen Gott gesetzt haben, der ein Retter aller Arten von Menschen ist, besonders von treuen.“ Timotheus muß daher fortfahren, dieses zu gebieten und zu lehren. Keiner soll auf seine Jugend herabblicken; er soll vielmehr ein Vorbild im Wandel und in gottgefälligem Dienst werden. In diesen Dingen soll er aufgehen, auch soll er ständig auf sich selbst und auf sein Lehren achtgeben, denn dadurch, daß er bei diesen Dingen bleibt, wird er ‘sowohl sich selbst als auch die retten, die auf ihn hören’ (4:7, 10, 16).

      12. Wie lautet die Ermahnung in bezug auf das Verhalten gegenüber Witwen und anderen in der Versammlung?

      12 Paulus ermahnt Timotheus zu richtigem Verhalten gegenüber Einzelpersonen: Ältere Männer soll er wie Väter behandeln, jüngere Männer wie Brüder, ältere Frauen wie Mütter, jüngere Frauen wie Schwestern. Die wirklichen Witwen sollen angemessen unterstützt werden. Wenn es jedoch möglich ist, soll die Familie einer Witwe für sie sorgen. Das nicht zu tun würde bedeuten, den Glauben zu verleugnen. Wenn eine Witwe wenigstens 60 Jahre alt ist, kann sie in die Liste eingetragen werden, vorausgesetzt, man gibt ihr „das Zeugnis vortrefflicher Werke“ (5:10). Dagegen sollen jüngere Witwen, die sich von ihren sexuellen Regungen beherrschen lassen, abgewiesen werden. Anstatt umherzulaufen und zu schwatzen, sollen sie heiraten und Kinder gebären und dem Gegner keinen Anlaß zur Beschimpfung geben.

      13. Wie sollen die älteren Männer behandelt werden, wie ist mit Personen, die Sünde treiben, zu verfahren, und welche Verantwortung haben die Sklaven?

      13 Die älteren Männer, die in vortrefflicher Weise als Vorsteher dienen, sollen doppelter Ehre für würdig gehalten werden, „besonders die, die hart arbeiten in Wort und Lehre“ (5:17). Eine Anklage gegen einen älteren Mann darf nicht angenommen werden, außer aufgrund der Aussage von zwei oder drei Zeugen. Personen, die Sünde treiben, sollen vor den Augen aller zurechtgewiesen werden, doch das muß ohne Vorurteil oder Voreingenommenheit geschehen. Die Sklaven müssen ihre Besitzer achten und ihnen guten Dienst leisten, besonders Brüdern, die „Gläubige und Geliebte“ sind (6:2).

      14. Was schreibt Paulus über Stolz und die Geldliebe in Verbindung mit „Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit“?

      14 Rat über „Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit“ (6:3-21). Wer den gesunden Worten nicht zustimmt, ist vor Stolz aufgeblasen und ist geistig krank wegen Streitfragen, die zu heftigen Wortwechseln um Kleinigkeiten führen. „Gottergebenheit zusammen mit Selbstgenügsamkeit“ ist dagegen ein Mittel zu großem Gewinn. Man sollte zufrieden sein, wenn man Lebensunterhalt und Bedeckung hat. Wer entschlossen ist, reich zu werden, gerät in eine Schlinge, was in die Vernichtung führt, und die Geldliebe ist „eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten“. Paulus fordert Timotheus, einen Menschen Gottes, auf, vor diesen Dingen zu fliehen, christlichen Tugenden nachzujagen, den vortrefflichen Kampf des Glaubens zu kämpfen und ‘das ewige Leben fest zu ergreifen’ (6:6, 10, 12). Er muß das Gebot „auf fleckenlose und untadelige Weise“ bis zum Offenbarwerden des Herrn Jesus Christus halten. Die Reichen sollten „ihre Hoffnung nicht auf unsicheren Reichtum ... setzen, sondern auf Gott“, damit sie das wirkliche Leben fest ergreifen. Paulus schließt, indem er Timotheus ermahnt, das ihm anvertraute Gut der Lehre zu behüten und sich von befleckenden Reden sowie von den „Widersprüchen der fälschlich so genannten ‚Erkenntnis‘ “ abzuwenden (6:14, 17, 20).

      WIESO NÜTZLICH

      15. Mit welchen Worten wird vor Theorien und Streitfragen gewarnt?

      15 Dieser Brief enthält eine ernste Warnung für alle, die sich mit nichtigen Theorien und philosophischen Streitfragen beschäftigen. „Debatten über Worte“ werden mit Stolz in Verbindung gebracht und sollen gemieden werden, denn sie behindern, wie Paulus schreibt, das christliche Wachstum und rufen eher „Fragen zur Nachforschung“ hervor, „als etwas von Gott darzureichen, was mit Glauben in Verbindung ist“ (6:3-6; 1:4). Diese Wortwechsel sind im Verein mit den Werken des Fleisches „der gesunden Lehre entgegengesetzt ..., gemäß der herrlichen guten Botschaft des glücklichen Gottes“ (1:10, 11).

      16. Welchen Rat gibt Paulus über Materialismus?

      16 Offenbar benötigten die Christen in der geldgierigen Stadt Ephesus Rat darüber, wie sie gegen den Materialismus und dessen Ablenkungen ankämpfen konnten. Und Paulus gab ihnen diesen Rat. In der Welt werden die Worte des Paulus oft zitiert: „Die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen“, doch wie wenige beherzigen seine Worte. Wahre Christen dagegen müssen diesen Rat stets beherzigen. Er bedeutet Leben für sie. Sie müssen vor der Schlinge des schädlichen Materialismus fliehen und sollen ihre Hoffnung „nicht auf unsicheren Reichtum ... setzen, sondern auf Gott, der uns alle Dinge reichlich darbietet zum Genuß“ (6:6-12, 17-19).

      17. Welchen Rat, den Paulus Timotheus gibt, sollten alle eifrigen jungen Diener Gottes von heute beherzigen?

      17 Der Brief des Paulus zeigt, daß Timotheus ein vortreffliches Beispiel dafür war, wie ein junger Christ sein sollte. Obschon noch verhältnismäßig jung an Jahren, besaß er doch geistige Reife. Er war bestrebt, die Eignung für das Amt eines Aufsehers zu erwerben, und er wurde bei der Ausübung der Vorrechte, die er genoß, reich gesegnet. Aber wie alle eifrigen jungen Diener Gottes heute mußte er über diese Dinge nachsinnen und darin aufgehen, um weitere Fortschritte zu machen. Für alle, die Freude daran finden, als Christ Fortschritte zu machen, ist der Rat des Paulus angebracht: „Gib beständig acht auf dich selbst und auf dein Lehren. Bleibe bei diesen Dingen, denn dadurch, daß du dies tust, wirst du sowohl dich selbst als auch die retten, die auf dich hören“ (4:15, 16).

      18. Welche Ordnung in der Versammlung wird klar umrissen, und was zeigt, daß Paulus die Hebräischen Schriften als Autorität anerkannte?

      18 Dieser inspirierte Brief flößt Wertschätzung für göttliche Anordnungen ein. Er zeigt, wie sowohl Männer als Frauen zur Aufrechterhaltung der theokratischen Ordnung in der Versammlung beitragen können (2:8-15). Ferner spricht er über die Voraussetzungen, die Aufseher und Dienstamtgehilfen erfüllen müssen. Somit zeigt der heilige Geist an, welche Anforderungen diejenigen erfüllen müssen, die in besonderen Stellungen dienen. In dem Brief werden zudem alle getauften männlichen Diener Gottes ermuntert, sich zu bemühen, diesem Maßstab zu entsprechen, heißt es doch darin: „Wenn jemand nach dem Amt eines Aufsehers strebt, begehrt er vortreffliche Arbeit“ (3:1-13). Auf passende Weise wird auch das richtige Verhalten des Aufsehers gegenüber den verschiedenen Altersgruppen und gegenüber beiden Geschlechtern in der Versammlung besprochen, ebenso das Behandeln von Anklagen aufgrund von Zeugenaussagen. Paulus, der nachdrücklich betont, daß die älteren Männer, die in Wort und Lehre hart arbeiten, doppelter Ehre für würdig zu halten seien, beruft sich dabei zweimal auf die Hebräischen Schriften als Autorität: „Denn das Schriftwort sagt: ‚Du sollst einem Stier, wenn er das Getreide ausdrischt, das Maul nicht verbinden‘ und: ‚Der Arbeiter ist seines Lohnes würdig‘ “ (1. Tim. 5:1-3, 9, 10, 19-21, 17, 18; 5. Mo. 25:4; 3. Mo. 19:13).

      19. Wie wird die Königreichshoffnung in den Vordergrund gerückt, und wozu werden die Christen deshalb ermahnt?

      19 Nachdem Paulus all diese vortrefflichen Ratschläge gegeben hat, fügt er hinzu, daß das Gebot auf fleckenlose und untadelige Weise zu halten sei ‘bis zum Offenbarwerden des Herrn Jesus Christus als König derer, die als Könige regieren, und Herr derer, die als Herren herrschen’. Nach der Erwähnung der Königreichshoffnung schließt der Brief ab, indem die Christen eindringlich ermahnt werden, „Gutes zu wirken, reich zu sein an vortrefflichen Werken, freigebig zu sein, bereit zu teilen, indem sie für sich sichere Schätze sammeln als vortreffliche Grundlage für die Zukunft, damit sie das wirkliche Leben fest ergreifen“ (1. Tim. 6:14, 15, 18, 19). Die vortrefflichen Belehrungen, die der erste Timotheusbrief enthält, sind in der Tat von großem Nutzen.

      [Fußnoten]

      a 1970, herausgegeben von H. S. Gehman, Seite 721.

      b Die apostolischen Väter. Die zwei Clemensbriefe, erklärt von D. Rudolf Knopf im Handbuch zum Neuen Testament, Ergänzungsband, Tübingen 1920, Seite 52.

      c New Bible Dictionary, zweite Ausgabe, 1986, herausgegeben von J. D. Douglas, Seite 1203.

  • 55. Bibelbuch — 2. Timotheus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 55. Bibelbuch — 2. Timotheus

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 65 u. Z.

      1. Welche Verfolgung flammte um das Jahr 64 u. Z. in Rom auf, und anscheinend aus welchem Grund?

      WIEDER war Paulus Gefangener in Rom. Bei dieser zweiten Haft waren die Bedingungen jedoch viel härter als bei der ersten. Es war um das Jahr 65 u. Z. Im Juli des Jahres 64 u. Z. hatte in Rom ein großer Brand gewütet und hatte in 10 der 14 Regionen der Stadt gewaltigen Schaden angerichtet. Gemäß dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus vermochte Kaiser Nero nicht, „die Schande [zu] bannen, daß man glaubte, der Brand sei befohlen worden. Also schob Nero, um diesem Gerede ein Ende zu machen, die Schuld auf andere und bestrafte sie mit den ausgesuchtesten Martern. Es waren jene Leute, die das Volk wegen ihrer (angeblichen) Schandtaten haßte und mit dem Namen ‚Christen‘ belegte. ... Sie [eine gewaltige Menge Menschen] wurden weniger der Brandstiftung als des Hasses gegen das ganze Menschengeschlecht überführt. Bei der Hinrichtung wurde auch noch Spott mit ihnen getrieben, indem sie in Tierhäute gesteckt und von wilden Hunden zerfleischt wurden. Andere wurden ans Kreuz geschlagen oder, zum Feuertode bestimmt, nach Einbruch der Dunkelheit als nächtliche Fackeln verbrannt. Für dieses Schauspiel hatte Nero seinen eigenen Park hergegeben ... Daher wurde mit jenen Menschen ... doch Mitleid rege, als würden sie nicht dem Gemeinwohl, sondern der Grausamkeit eines einzelnen geopfert.“a

      2. Unter welchen Verhältnissen schrieb Paulus den zweiten Timotheusbrief, und warum spricht er anerkennend von Onesiphorus?

      2 Wahrscheinlich um die Zeit dieser heftigen Verfolgungswelle befand sich Paulus erneut als Gefangener in Rom. Diesmal war er mit Ketten gebunden. Er rechnete nicht mit einer Freilassung, sondern wartete nur noch auf das endgültige Gerichtsurteil und auf seine Hinrichtung. Nur wenige kamen, um ihn zu besuchen. Tatsächlich lief jeder, der sich offen als Christ bekannte, Gefahr, festgenommen und zu Tode gemartert zu werden. Deshalb konnte Paulus von seinem Besucher aus Ephesus anerkennend schreiben: „Der Herr gewähre dem Hause des Onesiphorus Barmherzigkeit, denn oft hat er mir Erquickung verschafft, und er hat sich meiner Ketten nicht geschämt. Im Gegenteil, als er sich in Rom befand, suchte er fleißig nach mir und fand mich“ (2. Tim. 1:16, 17). Ungeachtet seines herannahenden Todes bezeichnete sich Paulus als „ein Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen gemäß der Verheißung des Lebens, das in Gemeinschaft mit Christus Jesus zu finden ist“ (1:1). Paulus wußte, daß ihm Leben in Gemeinschaft mit Christus in Aussicht stand. Von Jerusalem bis Rom und vielleicht sogar bis nach Spanien hin hatte er in vielen bedeutenden Städten der bekannten Welt gepredigt (Röm. 15:24, 28). Er hatte den Lauf in Treue vollendet (2. Tim. 4:6-8).

      3. Wann wurde der zweite Timotheusbrief geschrieben, und welchen Nutzen haben Christen bis heute daraus gezogen?

      3 Paulus schrieb den Brief wahrscheinlich um das Jahr 65 u. Z., unmittelbar vor seinem Martyrium. Timotheus war vermutlich noch in Ephesus, denn Paulus hatte ihn ermuntert, dort zu bleiben (1. Tim. 1:3). Nun richtete Paulus an Timotheus zweimal die dringende Bitte, schnell zu ihm zu kommen; außerdem bat er Timotheus, Markus sowie den Mantel und die Buchrollen mitzubringen, die Paulus in Troas zurückgelassen hatte (2. Tim. 4:9, 11, 13, 21). Dieser in einer so schwierigen Zeit verfaßte Brief war für Timotheus ein kraftvoller Ansporn und hat seither wahre Christen aller Epochen angespornt und erbaut.

      4. Welche Beweise gibt es für die Echtheit und für die Kanonizität des zweiten Timotheusbriefes?

      4 Die Beweise für die Echtheit und für die Kanonizität des zweiten Timotheusbriefes wurden bereits in Verbindung mit dem ersten Timotheusbrief besprochen. Frühe Schriftsteller und Kommentatoren, einschließlich Polykarp im zweiten Jahrhundert u. Z., haben den zweiten Timotheusbrief anerkannt und verwendet.

      INHALT DES ZWEITEN TIMOTHEUSBRIEFES

      5. Was für ein Glaube wohnt in Timotheus, und was soll er dennoch weiterhin tun?

      5 ‘Sich an das Muster gesunder Worte halten’ (1:1 bis 3:17). Paulus läßt Timotheus wissen, daß er ihn allezeit in seinen Gebeten erwähnt und sich danach sehnt, ihn zu sehen. Er erinnert sich an den „ungeheuchelten Glauben“, der in Timotheus ist und der zuerst in seiner Großmutter Lois und in seiner Mutter Eunike wohnte. Timotheus soll die Gabe, die in ihm ist, wie ein Feuer anfachen, ‘denn Gott hat nicht einen Geist der Feigheit gegeben, sondern den der Kraft und der Liebe und des gesunden Sinnes’. Möge er sich daher nicht schämen, für die gute Botschaft Zeugnis zu geben und Ungemach zu erleiden, weil Gottes unverdiente Güte durch das Offenbarwerden des Retters, Christus Jesus, klar ersichtlich geworden ist. Timotheus soll sich weiterhin an das „Muster gesunder Worte“ halten, die er von Paulus gehört hat, und es als vortreffliches anvertrautes Gut behüten (1:5, 7, 13).

      6. Welchen Rat gibt Paulus über das Lehren, und wie kann Timotheus ein bewährter Arbeiter und ein ehrenhaftes Gefäß sein?

      6 Die Dinge, die Timotheus von Paulus gelernt hat, möge er „treuen Menschen“ anvertrauen, „die ihrerseits hinreichend befähigt sein werden, andere zu lehren“. Er sollte sich als ein vortrefflicher Soldat Christi Jesu erweisen. Ein Soldat verwickelt sich nicht in Geschäfte. Wer bei Wettspielen gekrönt wird, kämpft überdies nach den Regeln. Um Unterscheidungsvermögen zu erlangen, soll Timotheus beständig an die Worte des Paulus denken. Das Wesentliche, woran er sich und andere erinnern soll, ist, daß „Jesus Christus von den Toten auferweckt wurde und aus dem Samen Davids war“ und daß der Lohn für die Auserwählten, die ausharren, Rettung und ewige Herrlichkeit in Gemeinschaft mit Christus sein wird, d. h. Mitherrschaft mit ihm als Könige. Timotheus wird aufgefordert, sein Äußerstes zu tun, um sich Gott als ein bewährter Arbeiter darzustellen, der leere Reden meidet, die verletzen, was heilig ist, und die sich wie Gangrän ausbreiten. Wie man in einem großen Haus ein ehrenhaftes Gefäß von einem unehrenhaften getrennt hält, so ermahnt Paulus Timotheus: „Fliehe vor den Begierden, die der Jugend eigen sind, jage aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen.“ Der Sklave des Herrn muß gegen alle sanft und lehrfähig sein und mit Milde unterweisen (2:2, 8, 22).

      7. Woraus kann man schließen, daß die inspirierten Schriften „in den letzten Tagen“ besonders nützlich sind?

      7 „In den letzten Tagen“ werden kritische Zeiten dasein, mit denen man schwer fertig wird. Es wird Menschen geben, deren zur Schau getragene Gottergebenheit sich als unecht erweist, Menschen, die „allezeit lernen und doch niemals imstande sind, zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit zu kommen“. Timotheus aber ist der Lehre des Paulus, seinem Lebenswandel und seinen Verfolgungen, aus denen der Herr ihn befreit hat, genau gefolgt. „Tatsächlich“, schreibt Paulus, „werden alle, die in Gemeinschaft mit Christus Jesus in Gottergebenheit leben wollen, auch verfolgt werden.“ Dessenungeachtet soll Timotheus bei den Dingen bleiben, die er von Kindheit an gelernt hat und die ihn weise zu machen vermögen zur Rettung; denn „die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“ (3:1, 7, 12, 16).

      8. Was legt Paulus Timotheus ans Herz, und worüber frohlockt Paulus in diesem Zusammenhang?

      8 Den Dienst völlig durchführen (4:1-22). Paulus gebietet Timotheus, mit einem Geist der Dringlichkeit ‘das Wort zu predigen’ (4:2). Die Zeit kommt, da man die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich falschen Lehrern zuwenden wird. Möge Timotheus dagegen besonnen bleiben, ‘das Werk eines Evangeliumsverkündigers verrichten, seinen Dienst völlig durchführen’. Da Paulus erkennt, daß sein Tod nahe bevorsteht, frohlockt er, weil er den vortrefflichen Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt hat. Zuversichtlich blickt er nun dem Lohn, der „Krone der Gerechtigkeit“, entgegen (4:5, 8).

      9. Welche Zuversicht bezüglich der Kraft des Herrn bringt Paulus zum Ausdruck?

      9 Paulus drängt Timotheus, schnell zu ihm zu kommen, und gibt ihm Anweisungen für die Reise. Bei seiner ersten Verteidigung haben ihn alle verlassen, aber der Herr hat ihm Kraft eingeflößt, damit die Verkündigung unter den Nationen völlig durchgeführt werde. Ja, Paulus ist zuversichtlich, daß der Herr ihn von jedem bösen Werk befreien und ihn für sein himmlisches Königreich retten wird.

      WIESO NÜTZLICH

      10. (a) Welcher besondere Nutzen der „ganzen Schrift“ wird im zweiten Timotheusbrief hervorgehoben, und was zu werden, sollten Christen bemüht sein? (b) Welchen Einfluß sollte man meiden, und wie ist dies möglich? (c) Welcher dringende Bedarf besteht weiterhin?

      10 „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich.“ Nützlich wozu? Paulus gibt uns die Antwort in seinem zweiten Brief an Timotheus: „Zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk“ (3:16, 17). Somit wird in diesem Brief der Nutzen für das „Lehren“ hervorgehoben. Alle, die heute Gerechtigkeit lieben, werden den Wunsch haben, den in dem Brief enthaltenen weisen Rat zu beachten, indem sie sich bemühen, Lehrer des Wortes Gottes zu werden, und indem sie ihr Äußerstes tun, um sich als Gottes bewährte Arbeiter zu erweisen, die ‘das Wort der Wahrheit recht handhaben’. Wie in Ephesus in den Tagen des Timotheus, so gibt es auch in unserer Zeit Personen, die sich mit ‘törichten und einfältigen Streitfragen’ abgeben und die „allezeit lernen und doch niemals imstande sind, zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit zu kommen“. Sie verwerfen die „gesunde Lehre“ zugunsten von Lehrern, die ihnen so, wie es ihrem selbstsüchtigen Wunsch entspricht, die Ohren kitzeln (2:15, 23; 3:7; 4:3, 4). Um diesem unreinen weltlichen Einfluß zu entgehen, muß man ‘sich weiterhin mit Glauben und Liebe an das Muster gesunder Worte halten’. Überdies besteht sowohl innerhalb als auch außerhalb der Versammlung ein dringender und ständig steigender Bedarf an Menschen, die wie Timotheus, der „Mensch Gottes“, „hinreichend befähigt sein werden, andere zu lehren“. Glücklich sind alle, die dieser Verantwortung nachkommen und ‘befähigt werden, mit Milde zu lehren’, und die das Wort „mit aller Langmut und Kunst des Lehrens“ predigen (1:13; 2:2, 24, 25; 4:2).

      11. Welcher Rat wird mit Bezug auf die Jüngeren gegeben?

      11 Paulus erwähnt, daß Timotheus die heiligen Schriften aufgrund der liebevollen Unterweisung von Lois und Eunike „von frühester Kindheit an“ kannte. Die Worte „von frühester Kindheit an“ machen auch für die heutige Zeit deutlich, wann man damit beginnen sollte, Kinder aus der Bibel zu belehren. Was ist jedoch zu tun, wenn der ursprüngliche Feuereifer in späteren Jahren nachläßt? Paulus rät, das Feuer im Geist „der Kraft und der Liebe und des gesunden Sinnes“ wieder anzufachen und einen ungeheuchelten Glauben zu bewahren. „In den letzten Tagen“, so sagt er, würden kritische, von Gesetzlosigkeit und Irrlehren überschattete Zeiten dasein. Darum müssen besonders junge Leute, aber auch alle anderen ‘in allen Dingen besonnen bleiben und ihren Dienst völlig durchführen’ (3:15; 1:5-7; 3:1-5; 4:5).

      12. (a) Wie lenkt Paulus die Aufmerksamkeit auf den Königreichssamen, und welche Hoffnung bringt er zum Ausdruck? (b) Wie können Gottes Diener heute die gleiche Gesinnung haben wie Paulus?

      12 Der Preis ist den Kampf wert (2:3-7). In diesem Zusammenhang lenkt Paulus die Aufmerksamkeit auf den Königreichssamen, wenn er sagt: „Erinnere dich daran, daß Jesus Christus von den Toten auferweckt wurde und aus dem Samen Davids war, gemäß der guten Botschaft.“ Paulus hegte die Hoffnung, mit diesem Samen in Gemeinschaft zu bleiben. Später in seinem Brief triumphiert er angesichts seiner bevorstehenden Hinrichtung: „Fortan ist mir die Krone der Gerechtigkeit aufbehalten, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag als Lohn geben wird, doch nicht nur mir, sondern auch all denen, die sein Offenbarwerden geliebt haben“ (2:8; 4:8). Wie glücklich doch alle sind, die auf viele Jahre treuen Dienstes zurückblicken und in diese Worte mit einstimmen können! Dazu ist es jedoch erforderlich, jetzt in Lauterkeit zu dienen, das Offenbarwerden Jesu Christi zu lieben und dieselbe Zuversicht zu bekunden wie Paulus, der schrieb: „Der Herr wird mich von jedem bösen Werk befreien und wird mich für sein himmlisches Königreich retten. Ihm sei die Herrlichkeit für immer und ewig. Amen“ (4:18).

      [Fußnote]

      a Annalen des Tacitus, 1974, übersetzt von Carl Hoffmann, Buch XV, Abs. 44.

  • 56. Bibelbuch — Titus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 56. Bibelbuch — Titus

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Mazedonien (?)

      Vollendung der Niederschrift: um 61—64 u. Z.

      1. (a) Welch schwierige Aufgabe hatte Titus zu erfüllen? (b) In welcher Umgebung waren die Versammlungen Kretas entstanden, und was mußten die Christen auf Kreta tun?

      „PAULUS, ein Sklave Gottes und ein Apostel Jesu Christi ... an Titus, ein echtes Kind gemäß einem gemeinsamen Glauben“ (Tit. 1:1, 4). So beginnt der Brief des Paulus an seinen Mitarbeiter und langjährigen Gefährten Titus, den er auf der Insel Kreta zurückgelassen hatte, um die Versammlungen besser zu organisieren. Titus hatte eine schwierige Aufgabe zu erfüllen. Kreta, das vor langer Zeit der Wohnort des „Vaters der Götter und Menschen“ gewesen sein soll, gab auch Anlaß zu der Redensart „gegen Kreta kretisieren“, was bedeutet, „einen Schelm überlisten“.a Die Lügenhaftigkeit der Kreter war sprichwörtlich, so daß Paulus die Worte ihres eigenen Propheten anführen konnte, der gesagt hatte: „Kreter sind immer Lügner, schädliche wilde Tiere, unbeschäftigte Fresser“ (1:12). Die Kreter zur Zeit des Paulus sind auch wie folgt beschrieben worden: „Dieses Volk war wankelmütig, unaufrichtig und streitsüchtig; es war in ungewöhnlichem Maße habgierig, ausschweifend, unehrlich und trunksüchtig; und die Juden, die sich unter ihnen angesiedelt hatten, übertrafen die Einheimischen offenbar noch an Unsittlichkeit.“b In einer solchen Umgebung waren die Versammlungen Kretas entstanden; daher war es für die Gläubigen besonders notwendig, „Gottlosigkeit und weltliche Begierden von ... [sich] zu weisen und ... mit gesundem Sinn und Gerechtigkeit und Gottergebenheit zu leben“, wie Paulus sie ermahnte (2:12).

      2, 3. (a) Welche Beziehungen hatte Paulus zu Titus? (b) Von wo aus schrieb Paulus wahrscheinlich den Titusbrief, und welchen Zweck verfolgte er damit?

      2 Der Titusbrief selbst gibt wenig Aufschluß über die Beziehungen des Paulus zu Titus. Doch aus den Bezugnahmen auf Titus in anderen Paulinischen Briefen gewinnt man viel Aufschluß. Titus, ein Grieche, begleitete Paulus oft, und wenigstens einmal ging er mit ihm nach Jerusalem (Gal. 2:1-5). Paulus schreibt: „Er ist ein Teilhaber mit mir und ein Mitarbeiter.“ Titus wurde von Paulus nach Korinth gesandt, nachdem dieser von Ephesus aus seinen ersten Brief an die Korinther geschrieben hatte. Während sich Titus in Korinth aufhielt, half er bei der Sammlung mit, die für die Brüder in Jerusalem durchgeführt wurde; später kehrte er auf Anweisung des Paulus nach Korinth zurück, um die Sammlung zu vollenden. Als Titus nach dem Zusammentreffen mit Paulus in Mazedonien wieder nach Korinth reiste, diente er als Überbringer des zweiten Briefes des Paulus an die Korinther (2. Kor. 8:16-24; 2:13; 7:5-7).

      3 Paulus war in den letzten Jahren seines Dienstes — nach seiner Entlassung aus der ersten Haft in Rom — wieder mit Timotheus und Titus zusammen. Offenbar schloß das Dienst auf Kreta, in Griechenland und in Mazedonien ein. Es wird berichtet, daß Paulus schließlich nach Nikopolis in Nordwestgriechenland ging. Dort wurde er, wie vermutet wird, festgenommen und nach Rom gebracht, wo er hingerichtet wurde. Paulus hatte Titus auf Kreta zurückgelassen, damit er „die Dinge berichtigen ... [möge], die mangelhaft waren, und von Stadt zu Stadt Ernennungen älterer Männer [vornehme]“, wie Paulus ihm Weisung gegeben hatte. Paulus scheint den Brief, kurze Zeit nachdem er Titus auf Kreta zurückgelassen hatte, geschrieben zu haben — höchstwahrscheinlich aus Mazedonien (Tit. 1:5; 3:12; 1. Tim. 1:3; 2. Tim. 4:13, 20). Mit diesem Brief hat Paulus wahrscheinlich einen ähnlichen Zweck verfolgt wie mit dem ersten Timotheusbrief, nämlich seinen Mitarbeiter zu ermuntern und ihm bei der Erfüllung seiner Aufgaben durch seine Autorität Rückhalt zu verleihen.

      4. Wann muß der Titusbrief geschrieben worden sein, und was beweist seine Echtheit?

      4 Paulus muß diesen Brief irgendwann zwischen seiner ersten und seiner zweiten Gefangenschaft in Rom geschrieben haben oder etwa zwischen 61 und 64 u. Z. Die Beweise für die Echtheit des Titusbriefes sind dieselben wie für die um die gleiche Zeit verfaßten Briefe an Timotheus. Diese drei Briefe des Paulus werden oft als die „Pastoralbriefe“ bezeichnet. Der Schreibstil ist ähnlich. Sowohl Irenäus als auch Origenes zitieren aus dem Titusbrief, und viele weitere frühchristliche Schriftsteller bezeugen ebenfalls die Kanonizität des Briefes. Er findet sich im Codex Sinaiticus und im Codex Alexandrinus. In der John-Rylands-Bibliothek wird das Papyrus-Fragment P32 aufbewahrt, ein Kodexblatt aus dem dritten Jahrhundert u. Z., das Titus 1:11-15 und 2:3-8 enthält.c Es besteht kein Zweifel, daß der Brief zu den inspirierten Schriften gehört.

      INHALT DES TITUSBRIEFES

      5. (a) Welche Voraussetzungen für Aufseher betont Paulus, und warum sind sie notwendig? (b) Warum muß Titus mit Strenge zurechtweisen, und was wird über befleckte Personen gesagt?

      5 Aufseher sollen durch die gesunde Lehre ermahnen (1:1-16). Nach der herzlichen Anrede legt Paulus die Voraussetzungen für Aufseher dar. Er betont, daß ein Aufseher „frei von Anklage“ sein muß, daß er das Gute lieben, gerecht und loyal sein muß, ein Mann, der „am zuverlässigen Wort“ festhält, „was seine Kunst des Lehrens betrifft, damit er imstande sei, durch die gesunde Lehre sowohl zu ermahnen als auch die Widersprechenden zurechtzuweisen“. Das ist notwendig im Hinblick auf die „Sinnesbetörer“, die sogar ganze Haushalte um unehrlichen Gewinnes willen untergraben. Daher muß Titus fortfahren, „sie mit Strenge zurechtzuweisen, damit sie im Glauben gesund seien und jüdischen Fabeln ... keine Aufmerksamkeit schenken“. Befleckte Personen mögen öffentlich erklären, Gott zu kennen, aber sie verleugnen ihn durch ihre Werke des Ungehorsams (1:6-10, 13, 14).

      6. Was schreibt Paulus über den christlichen Wandel?

      6 Mit gesundem Sinn, Gerechtigkeit und Gottergebenheit leben (2:1⁠—⁠3:15). Die betagten Männer sollten ernsthaft und die betagten Frauen sollten ehrerbietig sein. Die jungen Frauen sollten ihre Männer und ihre Kinder lieben und sich ihren Männern unterwerfen, „damit vom Wort Gottes nicht lästerlich geredet werde“. Die jüngeren Männer sollten sich als ein Vorbild vortrefflicher Werke und gesunder Rede erweisen. Sklaven sollten ihren Besitzern untertan sein und „volle, gute Treue“ an den Tag legen. Gottes unverdiente Güte, die zur Rettung führt, ist offenbar geworden und fördert einen gesunden Sinn, Gerechtigkeit und Gottergebenheit in denen, die Gott durch Christus Jesus gereinigt hat, „ein Volk“ zu sein, „das insbesondere sein eigen ist, eifrig für vortreffliche Werke“ (2:5, 10, 14).

      7. Was unterstreicht Paulus in Verbindung mit Untertänigkeit, Rettung und vortrefflichen Werken?

      7 Paulus unterstreicht die Notwendigkeit, Regierungen untertan und gehorsam zu sein sowie „allen Menschen gegenüber alle Milde an den Tag [zu] legen“. Paulus und seine Mitchristen waren einst so schlecht wie andere Menschen. Nicht zufolge von eigenen Werken, sondern aufgrund der Güte, Liebe und Barmherzigkeit Gottes sind sie durch heiligen Geist gerettet worden und sind Erben einer Hoffnung auf ewiges Leben geworden. Daher sollten alle, die Gott glauben, „ihren Sinn darauf gerichtet halten, unaufhörlich vortreffliche Werke zu tun“. Sie sollten törichte Streitfragen und Zank wegen des Gesetzes meiden, und einen Menschen, der eine Sekte fördert, nach einer ersten und zweiten ernsten Ermahnung abweisen. Paulus bittet Titus, zu ihm nach Nikopolis zu kommen, und nachdem er noch Anweisungen für Missionare gegeben hat, betont er wiederum die Notwendigkeit vortrefflicher Werke, um nicht ohne Frucht zu sein (3:2, 7, 8).

      WIESO NÜTZLICH

      8. Was rät Paulus in dem Brief an Titus, was für uns heute ‘vortrefflich und nützlich’ ist, und wieso?

      8 Die Christen auf Kreta lebten inmitten von Lügnern sowie von korrupten und habgierigen Menschen. Sollten sie mit der Masse gehen, oder sollten sie entscheidende Schritte unternehmen und sich vollständig von ihr trennen, um Jehova Gott als ein geheiligtes Volk zu dienen? Durch Titus führte Paulus den Kretern vor Augen, daß sie „ihren Sinn darauf gerichtet halten [sollten], unaufhörlich vortreffliche Werke zu tun“, und er fügte hinzu: „Diese Dinge sind vortrefflich und den Menschen nützlich.“ Auch heute, in einer Welt, die in einem Sumpf der Lügenhaftigkeit und der unehrlichen Praktiken steckt, ist es für wahre Christen „vortrefflich und ... nützlich“ zu lernen, „unaufhörlich vortreffliche Werke zu tun“ und im Dienst für Gott viel Frucht zu tragen (3:8, 14). Das vernichtende Urteil des Paulus über die Unsittlichkeit und Bosheit, die die Versammlungen auf Kreta bedrohten, ist eine Warnung für uns heute, da ‘die unverdiente Güte Gottes uns unterweist, Gottlosigkeit und weltliche Begierden von uns zu weisen und inmitten dieses gegenwärtigen Systems der Dinge mit gesundem Sinn und Gerechtigkeit und Gottergebenheit zu leben’. Christen sollten auch „bereit ... sein für jedes gute Werk“, den Regierungen gehorchen und ein gutes Gewissen bewahren (2:11, 12; 3:1).

      9. Wie wird die Wichtigkeit, das Rechte zu lehren, betont, besonders als Verpflichtung eines Aufsehers?

      9 Die Worte aus Titus 1:5-9 ergänzen 1. Timotheus 3:2-7, indem gezeigt wird, was der heilige Geist von Aufsehern fordert. Nachdrücklich wird erklärt, daß der Aufseher ‘am zuverlässigen Wort festhalten’ und in der Versammlung ein Lehrer sein muß. Wie notwendig das doch ist, um alle zur Reife zu bringen! Die Wichtigkeit, das Rechte zu lehren, wird im Titusbrief mehrmals betont. Paulus ermahnt Titus, „weiterhin das [zu reden], was sich für die gesunde Lehre ziemt“. Die betagten Frauen sollen „Lehrerinnen des Guten“ sein, und die Sklaven sollen ‘die Lehre ihres Retters, Gottes, in allen Dingen schmücken’ (Tit. 1:9; 2:1, 3, 10). Paulus betont, wie wichtig es ist, daß Titus als Aufseher mit Festigkeit und Furchtlosigkeit lehrt, indem er schreibt: „Fahre fort, diese Dinge zu reden und zu ermahnen und mit voller Befehlsgewalt zurechtzuweisen.“ Und über die, die nicht gehorchen, schreibt er: „Fahre fort, sie mit Strenge zurechtzuweisen, damit sie im Glauben gesund seien.“ Somit ist der Brief des Paulus an Titus vor allem „nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (Tit. 2:15; 1:13; 2. Tim. 3:16).

      10. Wozu ermuntert uns der Titusbrief, und welche beglückende Hoffnung regt er an?

      10 Der Titusbrief steigert unsere Wertschätzung für die unverdiente Güte Gottes und ermuntert uns, uns von der Gottlosigkeit der Welt abzuwenden, „während wir auf die beglückende Hoffnung und das Offenbarwerden der Herrlichkeit des großen Gottes und des Retters von uns, Christus Jesus, warten“. Wenn die, die durch Christus Jesus gerechtgesprochen worden sind, so handeln, können sie „Erben ... gemäß einer Hoffnung auf ewiges Leben“ im Königreich Gottes werden (Tit. 2:13; 3:7).

      [Fußnoten]

      a Cyclopedia von McClintock und Strong, 1981, Nachdruck, Band II, Seite 564; The New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge, 1958, Band III, Seite 306.

      b Cyclopedia von McClintock und Strong, 1981, Nachdruck, Band X, Seite 442.

      c Kurt und Barbara Aland, Der Text des Neuen Testaments, 1982, Seite 108.

  • 57. Bibelbuch — Philemon
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 57. Bibelbuch — Philemon

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 60/61 u. Z.

      1. Welches sind einige der Merkmale des Philemonbriefes?

      DIESER taktvolle, herzliche Brief des Paulus ist auch heute für Christen äußerst nützlich. Er ist der kürzeste der Briefe, die uns vom „Apostel für die Nationen“ erhalten geblieben sind, und unter den übrigen Bibelbüchern sind nur der zweite und der dritte Johannesbrief noch kürzer. Außerdem ist er der einzige „Privatbrief“ des Paulus, denn er war nicht an eine Versammlung oder an einen verantwortlichen Aufseher gerichtet, sondern an eine Privatperson, und er befaßte sich nur mit dem speziellen Problem, das Paulus diesem christlichen Bruder — Philemon, einem offenbar wohlhabenden Mann, der in der phrygischen Stadt Kolossä im Herzen Kleinasiens wohnte — unterbreiten wollte (Röm. 11:13).

      2. Was war die Veranlassung und der Zweck des Philemonbriefes?

      2 Der Zweck des Briefes ist klar: Während seiner ersten Haft in Rom (59—61 u. Z.) konnte Paulus sozusagen ungehindert das Königreich Gottes predigen. Einer seiner Zuhörer war Onesimus, ein entlaufener Sklave aus dem Hause Philemons, eines Freundes des Paulus. Durch die Predigt des Paulus wurde Onesimus Christ, und Paulus beschloß mit der Zustimmung des Onesimus, diesen zu Philemon zurückzuschicken. Zu dieser Zeit schrieb Paulus auch einen Brief an die Versammlung in Ephesus und einen an die Versammlung in Kolossä. In beiden Briefen gab er christlichen Sklaven und Sklavenbesitzern guten Rat über richtiges Benehmen in ihrem Verhältnis zueinander (Eph. 6:5-9; Kol. 3:22 bis 4:1). Außer diesen Briefen aber schrieb Paulus einen Brief an Philemon, in dem er sich persönlich für Onesimus verwandte. Es war ein eigenhändig geschriebener Brief — etwas Ungewöhnliches für Paulus (Philem. 19). Doch dadurch erhielt der Brief eine persönliche Note, was der Bitte des Paulus noch mehr Gewicht verlieh.

      3. Wann wurde der Philemonbrief höchstwahrscheinlich geschrieben, und wer hat ihn überbracht?

      3 Der Brief wurde höchstwahrscheinlich um 60/61 u. Z. geschrieben, da Paulus anscheinend lange genug in Rom gepredigt hatte, um Personen zum Glauben zu bekehren. Und weil er im Vers 22 die Hoffnung ausdrückt, freigelassen zu werden, können wir schlußfolgern, daß er den Brief einige Zeit nach Beginn seiner Haft geschrieben hat. Die drei Briefe — einer an Philemon, einer an die Versammlung in Ephesus und einer an die Versammlung in Kolossä — wurden anscheinend von Tychikus und Onesimus überbracht (Eph. 6:21, 22; Kol. 4:7-9).

      4. Wie wird bewiesen, wer den Philemonbrief geschrieben hat, und was bezeugt seine Echtheit?

      4 Im ersten Vers des Philemonbriefes erscheint der Name des Paulus, was zeigt, daß er der Schreiber des Briefes ist. Das wurde auch von Origenes und Tertullian anerkannt.a Die Echtheit des Briefes wird ferner dadurch bezeugt, daß er zusammen mit anderen Paulinischen Briefen im Muratorischen Fragment aus dem zweiten Jahrhundert u. Z. aufgeführt wird.

      INHALT DES PHILEMONBRIEFES

      5. (a) Mit welchen Grüßen und welchem Lob fängt der Brief an? (b) Was schreibt Paulus an Philemon über dessen Sklaven Onesimus?

      5 Onesimus ‘als mehr denn ein Sklave’ zu seinem Herrn zurückgeschickt (V. 1-25). Paulus sendet herzliche Grüße an Philemon, an Apphia, „unsere Schwester“, an Archippus, „unseren Mitkämpfer“, und an die Versammlung in Philemons Haus. Er erwähnt lobend Philemons (der Name bedeutet „Liebevoll“) Glauben an den Herrn Jesus und seine Liebe gegenüber den Heiligen. Berichte über Philemons Liebe haben Paulus viel Freude bereitet und großen Trost gebracht. Paulus, ein betagter Mann und ein Gefangener, äußert sich nun mit großem Freimut der Rede über sein „Kind“ Onesimus, „dessen Vater“ er wurde, während er in Fesseln war. Onesimus (der Name bedeutet „Nützlich“, „Ersprießlich“) war für Philemon früher nicht nützlich, jetzt aber ist er sowohl für Philemon als auch für Paulus nützlich (V. 2, 10).

      6. Worum bittet Paulus in bezug auf Onesimus, und mit welch taktvoller Begründung?

      6 Der Apostel würde Onesimus gern behalten, damit er ihm in der Haft diene, aber er möchte es nicht ohne Philemons Zustimmung tun. Daher schickt er ihn zurück, „nicht mehr als einen Sklaven, sondern als mehr denn einen Sklaven, als einen geliebten Bruder“. Paulus bittet darum, Onesimus freundlich aufzunehmen, und zwar so, wie er Paulus aufnehmen würde. Wenn Onesimus Philemon irgendein Unrecht angetan hat, so möge das Konto des Paulus damit belastet werden, denn „du [schuldest] mir ... sogar dich selbst“, schreibt Paulus an Philemon (V. 16, 19). Paulus hofft, daß er bald freigelassen wird und Philemon besuchen kann. Er schließt mit Grüßen.

      WIESO NÜTZLICH

      7. Was zeigt in Verbindung mit Onesimus, daß Paulus an seiner hohen Berufung als Apostel festhielt?

      7 Wie dieser Brief zeigt, predigte Paulus keinen „religiösen Sozialismus“. Er versuchte nicht, die bestehende Ordnung und ihre Einrichtungen, wie zum Beispiel die Sklaverei, zu beseitigen. Nicht einmal christliche Sklaven befreite er eigenmächtig; so schickte er den entlaufenen Sklaven Onesimus zu Philemon, seinem Herrn, zurück, was bedeutete, daß er von Rom bis Kolossä über 1 400 km weit reisen mußte. Paulus hielt somit an seiner hohen Berufung als ein Apostel fest und handelte streng nach seinem göttlichen Auftrag, ‘das Königreich Gottes zu predigen und die Dinge zu lehren, die den Herrn Jesus Christus betreffen’ (Apg. 28:31; Philem. 8, 9).

      8. Wie wird im Philemonbrief die Anwendung christlicher Grundsätze veranschaulicht?

      8 Der Brief an Philemon ist aufschlußreich, zeigt er doch, welche Liebe und Einheit unter den Christen des ersten Jahrhunderts bestand. Aus dem Brief erfahren wir auch, daß die ersten Christen einander „Bruder“ und „Schwester“ nannten (Philem. 2, 20). Außerdem führt er den heutigen Christen vor Augen, wie christliche Grundsätze unter christlichen Brüdern anzuwenden sind. Bei Paulus sehen wir große Bruderliebe, Achtung vor privatrechtlichen Verhältnissen und vor dem Eigentum eines anderen, Feingefühl und eine lobenswerte Demut. Paulus versuchte nicht, Philemon aufgrund der Befugnis, die er als führender Aufseher in der Christenversammlung besaß, zu zwingen, Onesimus zu vergeben, sondern er berief sich demütig auf die christliche Liebe und seine persönliche Freundschaft mit ihm. Aufseher von heute können aus der taktvollen Art, wie Paulus Philemon seine Bitte vorbrachte, lernen.

      9. Welch vortreffliches Beispiel, aus dem die heutigen Christen lernen können, würde Philemon geben, wenn er die Bitte des Paulus erfüllte?

      9 Paulus erwartete offensichtlich, daß Philemon seine Bitte erfüllte. Tat Philemon das, so setzte er die Worte Jesu aus Matthäus 6:14 und die Worte des Paulus aus Epheser 4:32 in die Praxis um. Auch von heutigen Christen kann erwartet werden, daß sie gegenüber einem Bruder, der sich gegen sie vergangen hat, gütig sind und ihm vergeben. Wenn es Philemon möglich war, einem Sklaven, der sein Eigentum war und den er nach dem Gesetz beliebig mißhandeln durfte, zu vergeben, sollte es für Christen von heute noch leichter sein, einem Bruder, der sich gegen sie vergangen hat, zu vergeben.

      10. Was zeigt deutlich, daß der Geist Gottes bei der Abfassung des Philemonbriefes wirksam war?

      10 Der Brief an Philemon läßt deutlich die Wirksamkeit des Geistes Jehovas erkennen. Das ist in der meisterhaften Art und Weise zu sehen, in der Paulus ein sehr heikles Problem behandelte. Es zeigt sich auch in dem von Paulus bekundeten Einfühlungsvermögen, in seiner innigen Zuneigung und seinem Vertrauen zu einem Mitchristen. Außerdem wird das durch die Tatsache bewiesen, daß der Philemonbrief wie die übrigen Briefe der Heiligen Schrift christliche Grundsätze lehrt, die christliche Einheit fördert und die Liebe und den Glauben preist, die unter den „Heiligen“ überströmen, die auf Gottes Königreich hoffen und in deren Verhalten sich die liebende Güte Jehovas widerspiegelt (V. 5).

      [Fußnote]

      a The International Standard Bible Encyclopedia, herausgegeben von G. W. Bromiley, Band 3, 1986, Seite 831.

  • 58. Bibelbuch — Hebräer
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 58. Bibelbuch — Hebräer

      Schreiber: Paulus

      Ort der Niederschrift: Rom

      Vollendung der Niederschrift: um 61 u. Z.

      1. In Übereinstimmung mit welchem Auftrag schrieb Paulus den Brief an die Hebräer?

      PAULUS ist am besten als der Apostel „für die Nationen“ bekannt. Beschränkte sich aber sein Dienst nur auf die Nichtjuden? Keineswegs! Kurz bevor Paulus getauft und zu seinem Werk beauftragt wurde, sagte der Herr Jesus zu Ananias: „Dieser Mann [Paulus] ist mir ein auserwähltes Gefäß, um meinen Namen sowohl zu den Nationen als auch zu Königen und den Söhnen Israels zu tragen“ (Apg. 9:15; Gal. 2:8, 9). Der Hebräerbrief wurde tatsächlich in Übereinstimmung mit dem Auftrag geschrieben, den Paulus erhalten hatte und der darin bestand, den Namen Jesu zu den Söhnen Israels zu tragen.

      2. Wie können Argumente, die dagegen erhoben werden, daß Paulus den Hebräerbrief geschrieben hat, widerlegt werden?

      2 Einige Kritiker bezweifeln jedoch, daß Paulus den Hebräerbrief geschrieben hat. Man wendet unter anderem ein, daß der Name des Paulus in dem Brief nicht vorkomme. Doch das sollte kein Hindernis sein, denn in vielen anderen kanonischen Büchern wird der Schreiber auch nicht namentlich erwähnt, ist aber oft aus dem Inhalt zu erkennen. Darüber hinaus nehmen manche an, Paulus habe seinen Namen in dem Brief an die hebräischen Christen in Judäa absichtlich verschwiegen, weil dieser bei den dortigen Juden zu einem Gegenstand des Hasses gemacht worden sei (Apg. 21:28). Auch die Abweichung des Stils von dem der anderen Briefe des Paulus ist kein stichhaltiges Argument dagegen, daß er der Schreiber des Hebräerbriefes war. Ganz gleich, ob sich Paulus an Heiden, Juden oder Christen richtete, bewies er stets, daß er es verstand, ‘Menschen von allen Arten alles zu werden’. In diesem Fall legte er als Jude seine Argumente den Juden dar, Argumente, die sie völlig erkennen und verstehen konnten (1. Kor. 9:22).

      3. Wie beweist die Bibel, daß Paulus den Hebräerbrief schrieb und daß er dabei in erster Linie an die Juden dachte?

      3 Der Inhalt des Briefes spricht eindeutig dafür, daß Paulus ihn geschrieben hat. Der Schreiber befand sich in Italien und war mit Timotheus zusammen. Das trifft auf Paulus zu (Heb. 13:23, 24). Außerdem ist die Lehre kennzeichnend für Paulus, obwohl die Argumente vom jüdischen Gesichtspunkt aus dargelegt werden, um die aus hebräischen Christen bestehende Versammlung, an die der Brief gerichtet war, anzusprechen. In Clarkes Commentary (Band 6, Seite 681) wird diesbezüglich über den Hebräerbrief gesagt: „Daß der Brief an gebürtige Juden gerichtet war, beweist sein ganzer Aufbau. Wäre er an Nichtjuden geschrieben worden, so hätte nicht einmal jeder zehntausendste das Argument verstehen können, weil sie mit dem jüdischen System nicht vertraut waren, was aber der Schreiber dieses Briefes allgemein voraussetzt.“ Daraus erklärt sich auch der Unterschied des Stils dieses Briefes im Vergleich zu dem der anderen Briefe des Paulus.

      4. Welche weiteren Tatsachen beweisen, daß Paulus den Hebräerbrief geschrieben hat?

      4 Die Entdeckung des Chester-Beatty-Papyrus II (P46) um das Jahr 1930 lieferte weitere Beweise dafür, daß Paulus der Schreiber war. Sir Frederic Kenyon, der bekannte britische Textkritiker, sagte über diesen Papyruskodex, der nur etwa eineinhalb Jahrhunderte nach dem Tod des Paulus geschrieben wurde: „Es ist bemerkenswert, daß der Hebräerbrief unmittelbar nach dem Römerbrief eingeordnet ist (eine bisher fast beispiellose Anordnung), was zeigt, daß zu der frühen Zeit, als diese Handschrift angefertigt wurde, kein Zweifel an ihrer paulinischen Urheberschaft bestand.“a Über dieselbe Frage wird in der Cyclopedia von McClintock und Strong treffend gesagt: „Es gibt keine wesentlichen Beweise — weder außerbiblische noch biblische — zugunsten eines anderen Verfassers dieses Briefes außer zugunsten des Paulus.“b

      5. Inwiefern beweist der Inhalt des Hebräerbriefes, daß er inspiriert ist?

      5 Abgesehen davon, daß die ersten Christen den Hebräerbrief anerkannten, beweist auch sein Inhalt, daß er „von Gott inspiriert“ ist. Der Leser wird immer wieder auf Prophezeiungen aus den Hebräischen Schriften hingewiesen, wobei zahlreiche Stellen aus diesen Schriften angeführt werden und gezeigt wird, daß sie sich alle an Christus Jesus erfüllten. Allein im ersten Kapitel werden nicht weniger als sieben Zitate aus den Hebräischen Schriften verwendet, um den Gedanken zu erläutern, daß der Sohn jetzt den Engeln überlegen ist. Das Wort und der Name Jehovas werden verherrlicht, indem auf Jesus als den Hauptvermittler des Lebens und auf Gottes Königreich unter Christus als die einzige Hoffnung der Menschheit hingewiesen wird.

      6. Was lassen die Tatsachen in bezug auf Ort und Zeit der Niederschrift des Hebräerbriefes erkennen?

      6 Was die Zeit der Niederschrift betrifft, so ist bereits gezeigt worden, daß Paulus den Brief schrieb, als er in Italien war. Am Schluß des Briefes schreibt er: „Nehmt zur Kenntnis, daß unser Bruder Timotheus freigelassen worden ist, mit dem ich euch, wenn er recht bald kommt, sehen werde“ (13:23). Das scheint anzudeuten, daß Paulus seine baldige Freilassung aus dem Gefängnis erwartete und hoffte, sich Timotheus anzuschließen, der ebenfalls eingesperrt gewesen, aber bereits auf freien Fuß gesetzt worden war. Deshalb vermutet man als Jahr der Niederschrift das letzte Jahr der ersten Gefangenschaft des Paulus in Rom — 61 u. Z.

      7. Welcher Art von Widerstand waren die Judenchristen in Jerusalem ausgesetzt, und was benötigten sie?

      7 Die Zeit des Endes des jüdischen Systems der Dinge war für die hebräischen Christen in Judäa, besonders für die in Jerusalem, eine harte, prüfungsreiche Zeit. Mit der zunehmenden Ausbreitung der guten Botschaft wuchs die erbitterte und fanatische Feindseligkeit der Juden gegen die Christen. Nur wenige Jahre zuvor hatte das Auftreten des Paulus in Jerusalem einen Tumult hervorgerufen, in dessen Verlauf die religiösen Juden schrien: „Weg von der Erde mit einem solchen Menschen, denn es gehörte sich nicht, daß er lebte!“ Mehr als 40 Juden hatten sich mit einem Fluch gebunden, indem sie sagten, sie würden weder essen noch trinken, bis sie Paulus beseitigt hätten, und er mußte bei Nacht unter dem Schutz schwerbewaffneter Soldaten nach Cäsarea gebracht werden (Apg. 22:22; 23:12-15, 23, 24). In dieser Atmosphäre von religiösem Fanatismus und Christenhaß mußte die Versammlung leben, predigen und am Glauben festhalten. Die Christen mußten eine gutfundierte Erkenntnis und ein Verständnis darüber haben, inwiefern Christus das Gesetz erfüllt hatte, um sie davon abzuhalten, wieder zum Judentum zurückzukehren und wieder das mosaische Gesetz zu halten mit seinen Tieropfern — was jetzt alles nur noch ein leeres Zeremoniell war.

      8. Wieso war Paulus vortrefflich ausgerüstet, den Brief an die Hebräer zu schreiben, und welche Argumente führte er an?

      8 Niemand konnte besser verstehen, was es bedeutete, dem Druck und der Verfolgung standzuhalten, denen die Judenchristen ausgesetzt waren, als der Apostel Paulus. Niemand war besser ausgerüstet, sie mit schlagkräftigen Argumenten gegen die jüdische Tradition zu versehen, als Paulus, der ehemalige Pharisäer. Aufgrund seiner umfassenden Kenntnis des mosaischen Gesetzes, die er zu den Füßen Gamaliels erlangt hatte, erbrachte er den unanfechtbaren Beweis dafür, daß Christus die Erfüllung des Gesetzes, seiner Satzungen und seiner Opfer ist. Er wies darauf hin, daß diese durch weit herrlichere Wirklichkeiten ersetzt worden sind, die unter einem neuen und besseren Bund unschätzbar größere Segnungen mit sich bringen. In scharfsinniger Weise führte er eine Reihe eindeutiger, überzeugender Beweise an. Das Ende des Gesetzesbundes und die Einsetzung des neuen Bundes, die Überlegenheit des Priestertums Christi gegenüber dem aaronischen Priestertum, der wahre Wert des Opfers Christi im Vergleich zu den Opfern von Stieren und Ziegenböcken, Christi Eingang in den Himmel, die Gegenwart Jehovas, statt in ein irdisches Zelt — all diese auffallend neuen Lehren, die den ungläubigen Juden so sehr verhaßt waren, wurden den hebräischen Christen in diesem Brief mit einer solchen Fülle von Beweisen aus den Hebräischen Schriften dargelegt, daß jeder vernünftige Jude hätte überzeugt werden müssen.

      9. In welcher Hinsicht wurde der Hebräerbrief eine wirkungsvolle Waffe, und wieso war er ein Beweis der Liebe des Paulus?

      9 Dieser Brief rüstete die hebräischen Christen einerseits mit einer neuen, wirkungsvollen Waffe aus, mit der sie den feindseligen Juden den Mund stopfen konnten, andererseits enthielt er aber auch eine überzeugende Beweisführung, die ihnen half, ehrliche Juden, die Gottes Wahrheit suchten, zu gewinnen und zu bekehren. Der Brief verrät die tiefe Liebe des Paulus zu den hebräischen Christen und seinen brennenden Wunsch, ihnen in ihrer großen Not praktische Hilfe zu leisten.

      INHALT DES HEBRÄERBRIEFES

      10. Was wird in den einleitenden Worten des Hebräerbriefes über die Stellung Christi gesagt?

      10 Die erhöhte Stellung Christi (1:1⁠—⁠3:6). Die einleitenden Worte lenken die Aufmerksamkeit auf Christus: „Gott, der vor langem bei vielen Gelegenheiten und auf vielerlei Weise durch die Propheten zu unseren Vorvätern geredet hat, hat am Ende dieser Tage durch einen Sohn zu uns geredet.“ Dieser Sohn ist der eingesetzte Erbe aller Dinge und der Widerschein der Herrlichkeit seines Vaters. Nachdem er eine Reinigung für unsere Sünden herbeigeführt hat, „setzte er sich zur Rechten der Majestät in den Höhen“ (1:1-3). Paulus führt einen Schrifttext nach dem anderen an, um zu beweisen, daß Jesus den Engeln überlegen ist.

      11. (a) Warum rät Paulus, den gehörten Dingen mehr als die gewöhnliche Aufmerksamkeit zu schenken? (b) Was vermag Jesus aufgrund seiner Erfahrungen und seiner erhöhten Stellung zu tun?

      11 Paulus schreibt: „Es [ist] nötig, daß wir den Dingen ... mehr als die gewöhnliche Aufmerksamkeit schenken.“ Warum? Weil, wie Paulus argumentiert, schon für den Ungehorsam gegenüber dem ‘durch Engel geredeten Wort’ strenge Vergeltung geübt wurde, „wie werden wir entrinnen, wenn wir eine so große Rettung vernachlässigt haben, die ja durch unseren Herrn verkündigt zu werden begann“? Gott hatte den „Menschensohn“ ein wenig unter Engel erniedrigt, doch nun sehen wir diesen Jesus „wegen des Erleidens des Todes mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes unverdiente Güte für jedermann den Tod schmecke“ (2:1-3, 6, 9). Bevor Gott viele Söhne zur Herrlichkeit führte, machte er diesen Hauptvermittler ihrer Rettung „durch Leiden vollkommen“. Dieser ist es, der den Teufel zunichte macht und alle befreit, „die aus Todesfurcht ihr Leben lang der Sklaverei unterworfen waren“. Demzufolge ist Jesus „ein barmherziger und treuer Hoherpriester“ geworden. Und da er selbst litt, als er auf die Probe gestellt wurde, kann er wunderbarerweise „denen zu Hilfe kommen, die auf die Probe gestellt werden“ (2:10, 15, 17, 18). Deshalb wird Jesus einer größeren Herrlichkeit für würdig erachtet als Moses.

      12. Welche Handlungsweise müssen Christen meiden, wenn sie in Gottes Ruhe eingehen wollen?

      12 Durch Glauben und Gehorsam in Gottes Ruhe eingehen (3:7⁠—⁠4:13). Die Untreue der Israeliten sollte vor allem Christen ein warnendes Beispiel sein, so daß sie niemals ‘ein böses Herz des Unglaubens entwickeln, indem sie sich von dem lebendigen Gott zurückziehen’ (Heb. 3:12; Ps. 95:7-11). Die Israeliten, die aus Ägypten ausgezogen waren, gingen wegen ihres Ungehorsams und ihres Unglaubens nicht in Gottes Ruhe oder Sabbat ein — die Zeit, in der er von seiner schöpferischen Tätigkeit in Verbindung mit der Erde ruht. Paulus erklärt: „Also verbleibt dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe. Denn wer in Gottes Ruhe eingegangen ist, hat auch selbst von seinen eigenen Werken geruht, so wie Gott von seinen eigenen.“ Niemand sollte das Beispiel des Ungehorsams der Israeliten nachahmen. „Denn das Wort Gottes ist lebendig und übt Macht aus und ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert ... und ist imstande, die Gedanken und Absichten des Herzens zu beurteilen“ (Heb. 4:9, 10, 12).

      13. (a) Wie wurde Christus ein „Priester für immer“, der für die ewige Rettung verantwortlich ist? (b) Warum spornt Paulus die Hebräer an, zur Reife voranzudrängen?

      13 Reife Ansicht über die Überlegenheit des Priestertums Christi (4:14⁠—⁠7:28). Paulus spornt die Hebräer an, an dem Bekenntnis zu Jesus, dem großen Hohenpriester, der durch die Himmel gegangen ist, festzuhalten, damit sie Barmherzigkeit erlangen mögen. Der Christus verherrlichte sich nicht selbst, sondern der Vater sagte: „Du bist Priester für immer nach der Weise Melchisedeks“ (Heb. 5:6; Ps. 110:4). Zunächst wurde Christus für die Stellung des Hohenpriesters vollkommen gemacht, indem er durch Leiden Gehorsam lernte, um so für die ewige Rettung all derer verantwortlich zu werden, die ihm gehorchen. Paulus hat „viel zu sagen, und es ist schwer zu erklären“, denn die Hebräer sind noch Unmündige, die Milch benötigen, obwohl sie eigentlich Lehrer sein sollten. „Die feste Speise ... gehört reifen Menschen, denen, die ihr Wahrnehmungsvermögen durch Gebrauch geübt haben zur Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht.“ Der Apostel spornt sie an, ‘zur Reife voranzudrängen’ (Heb. 5:11, 14; 6:1).

      14. Wie können Gläubige die Verheißung ererben, und wodurch ist ihre Hoffnung begründet worden?

      14 Es ist unmöglich, diejenigen, die das Wort Gottes gekannt haben, aber abgefallen sind, wieder zur Reue zu beleben, „da sie den Sohn Gottes für sich aufs neue an den Pfahl bringen und ihn der öffentlichen Schande aussetzen“. Nur durch Glauben und Geduld können die Gläubigen die Verheißung ererben, die Abraham gegeben wurde — eine Verheißung, die durch zwei unveränderliche Dinge sicher und fest ist: durch Gottes Wort und durch seinen Eid. Ihre Hoffnung, die wie ein „Anker für die Seele ... sowohl sicher als auch fest ist“, beruht darauf, daß sich Jesus als Vorläufer und als Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks „hinter den Vorhang“ begeben hat (6:6, 19).

      15. Was zeigt, daß das Priestertum Jesu, das nach der Weise Melchisedeks ist, vorzüglicher ist als das Priestertum Levis?

      15 Dieser Melchisedek war sowohl „König von Salem“ als auch „Priester Gottes, des Höchsten“. Ihm zahlte sogar das Familienhaupt Abraham Zehnten, und durch ihn tat dies auch Levi, der noch in den Lenden Abrahams war. Der Segen, den Abraham von Melchisedek empfing, erstreckte sich somit ebenso auf den noch ungeborenen Levi, was zeigte, daß das levitische Priestertum geringer war als das Priestertum Melchisedeks. Hätte übrigens die Notwendigkeit für einen anderen Priester, einen „nach der Weise Melchisedeks“, bestanden, wenn Vollkommenheit durch das levitische Priestertum Aarons gekommen wäre? Mit dem Wechsel des Priestertums trat „notwendigerweise auch ein Wechsel des Gesetzes ein“ (7:1, 11, 12).

      16. Warum ist das Priestertum Jesu vorzüglicher als das Priestertum unter dem Gesetz?

      16 Das Gesetz machte tatsächlich nichts vollkommen, sondern erwies sich als schwach und unwirksam. Da seine Priester dem Tod unterworfen waren, gab es viele Priester, da aber Jesus „für immer am Leben bleibt, hat [er] sein Priestertum ohne irgendwelche Nachfolger inne. Demzufolge kann er auch die vollständig retten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immerdar lebt, um für sie einzutreten“. Dieser Hohepriester, Jesus, ist „loyal, arglos, unbefleckt, getrennt von den Sündern“, wogegen die vom Gesetz eingesetzten Hohenpriester schwach waren und zuerst für ihre eigenen Sünden Opfer darbringen mußten, bevor sie für andere eintreten konnten. Deshalb setzt das Wort des göttlichen Eidschwurs „einen Sohn ein, der für immer vollkommen gemacht worden ist“ (7:24-26, 28).

      17. In welcher Hinsicht ist der neue Bund vorzüglicher?

      17 Die Überlegenheit des neuen Bundes (8:1 bis 10:31). Jesus wird als „der Mittler eines entsprechend besseren Bundes“ dargestellt, „der aufgrund besserer Verheißungen gesetzlich festgelegt worden ist“ (8:6). Paulus zitiert den vollen Wortlaut von Jeremia 31:31-34 und zeigt, daß den in den neuen Bund Aufgenommenen die Gesetze Gottes in ihren Sinn und in ihr Herz geschrieben werden, daß alle Jehova erkennen werden und daß Jehova „ihrer Sünden bestimmt nicht mehr gedenken“ wird. Durch diesen „neuen Bund“ ist der frühere (der Gesetzesbund) veraltet und „dem Verschwinden nahe“ (Heb. 8:12, 13).

      18. Welchen Vergleich stellt Paulus zwischen den Opfern der beiden Bündnisse an?

      18 Paulus bezeichnet die jährlichen Schlachtopfer, die im Zelt des früheren Bundes dargebracht wurden, als „rechtliche Erfordernisse, die ... bis zu der bestimmten Zeit der Richtigstellung der Dinge auferlegt“ worden waren. Als jedoch Christus als Hoherpriester kam, kam er nicht mit dem Blut von Ziegenböcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut. Das von Moses gesprengte Tierblut machte den früheren Bund rechtskräftig und reinigte das Vorbildzelt, doch für die himmlischen Wirklichkeiten waren in Verbindung mit dem neuen Bund bessere Schlachtopfer notwendig. „Denn Christus begab sich nicht an eine mit Händen gemachte heilige Stätte, die ein Abbild der Wirklichkeit ist, sondern in den Himmel selbst, um nun vor der Person Gottes für uns zu erscheinen.“ Auch braucht Christus nicht wie der Hohepriester Israels jedes Jahr Schlachtopfer darzubringen, denn „nun ... hat er sich beim Abschluß der Systeme der Dinge ein für allemal offenbar gemacht zur Beseitigung der Sünde durch das Opfer seiner selbst“ (9:10, 24, 26).

      19. (a) Wozu war das Gesetz nicht in der Lage, und warum nicht? (b) Worin besteht Gottes Wille, was die Heiligung betrifft?

      19 Zusammenfassend sagt Paulus, „da das GESETZ einen Schatten der künftigen guten Dinge“ habe, könnten die fortgesetzt dargebrachten Schlachtopfer das „Bewußtsein von Sünden“ nicht verdrängen. Jesus kam jedoch in die Welt, um Gottes Willen zu tun, und „durch den besagten ‚Willen‘ “, erklärt Paulus, „sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt worden“. Darum sollen die Hebräer an der öffentlichen Erklärung ihres Glaubens ohne Wanken festhalten und „aufeinander achten zur Anreizung zur Liebe und zu vortrefflichen Werken“, indem sie ihr Zusammenkommen nicht versäumen. Wenn sie weiterhin willentlich sündigen, nachdem sie die genaue Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, „bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig“ (10:1, 2, 10, 24, 26).

      20. (a) Was ist Glaube? (b) Welche anschaulichen Beispiele des Glaubens führt Paulus an?

      20 Der Glaube erklärt und veranschaulicht (10:32 bis 12:3). Paulus sagt nun den Hebräern: „Gedenkt indes weiterhin der früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, einen großen Kampf unter Leiden erduldet habt.“ Sie sollen ihren Freimut der Rede nicht wegwerfen, der eine große Belohnung mit sich bringt, sondern sollen ausharren, damit sie die Erfüllung der Verheißung empfangen, und „Glauben haben zum Lebendigerhalten der Seele“ — ja, Glauben, das ist das, was notwendig ist. Zunächst erklärt Paulus den Begriff: „Der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht.“ In einem begeisternden Kapitel führt er dann in kurzen Worten nacheinander anschauliche Beispiele von Menschen aus alter Zeit an, die durch Glauben lebten, wirkten, kämpften, ausharrten und Erben der Gerechtigkeit wurden. „Durch Glauben“ wartete Abraham, der mit Isaak und Jakob in Zelten wohnte, auf „die Stadt, die wahre Grundlagen hat“, deren Erbauer Gott ist. „Durch Glauben“ blieb Moses standhaft, „als sähe er den Unsichtbaren“. „Was soll ich noch mehr sagen?“ fragt Paulus. „Denn die Zeit wird mir fehlen, wenn ich weitererzähle von Gideon, Barak, Simson, Jephtha, David wie auch von Samuel und den anderen Propheten, die durch Glauben Königreiche niederkämpften, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten.“ Andere wurden durch Verspottungen, Geißelungen, Fesseln und Folterungen auf die Probe gestellt, nahmen aber die Befreiung nicht an, „damit sie eine bessere Auferstehung erlangen könnten“. In der Tat, „die Welt war ihrer nicht würdig“. Sie alle erlangten durch ihren Glauben Zeugnis, haben aber die Erfüllung der Verheißung noch nicht empfangen. „Da wir denn“, fährt Paulus fort, „von einer so großen Wolke von Zeugen umgeben sind, so laßt uns auch allen Ballast und die uns leicht umstrickende Sünde ablegen, und laßt uns in dem vor uns liegenden Wettlauf mit Ausharren laufen, während wir unseren Blick auf den Hauptvermittler und Vervollkommner unseres Glaubens, Jesus, gerichtet halten“ (10:32, 39; 11:1, 8, 10, 27, 32, 33, 35, 38; 12:1, 2).

      21. (a) Wie können Christen im Kampf des Glaubens ausharren? (b) Welchen gewichtigeren Grund, auf die göttliche Warnung zu hören, führt Paulus an?

      21 Ausharren im Kampf des Glaubens (12:4-29). Paulus ermahnt die hebräischen Christen, im Glaubenskampf auszuharren, denn Jehova züchtigt sie wie Söhne. Jetzt ist es an der Zeit, die schlaff gewordenen Hände und Knie zu stärken und weiterhin gerade Bahn für ihre Füße zu machen. Sie müssen streng darüber wachen, daß weder eine giftige Wurzel aufsprießt, noch daß es zu einer Befleckung kommt, die ihre Verwerfung zur Folge haben könnte, wie dies bei Esau der Fall war, der heilige Dinge nicht schätzte. Die furchterregende Schaustellung am buchstäblichen Berg — das flammende Feuer, die Wolke und die Stimme — bewog Moses zu sagen: „Ich bin voll Furcht und Zittern.“ Aber die hebräischen Christen haben sich etwas viel Scheueinflößenderem genaht — dem Berg Zion und dem himmlischen Jerusalem, Myriaden von Engeln, der Versammlung der Erstgeborenen und Gott, dem Richter aller, und Jesus, dem Mittler eines neuen und besseren Bundes. Heute besteht noch mehr Grund, auf die göttliche Warnung zu hören. Zu Moses’ Zeiten erschütterte Gottes Stimme die Erde, jetzt aber hat Gott verheißen, nicht nur die Erde, sondern auch den Himmel in Bewegung zu setzen. Paulus macht dies deutlich mit den Worten: „Darum, da wir ein Königreich empfangen sollen, das nicht erschüttert werden kann, mögen wir ... Gott auf annehmbare Weise heiligen Dienst darbringen ..., mit Gottesfurcht und Scheu. Denn unser Gott ist auch ein verzehrendes Feuer“ (12:21, 28, 29).

      22. Mit welchem erbauenden Rat schließt Paulus seinen Brief an die Hebräer?

      22 Verschiedene Ermahnungen an die Gläubigen (13:1-25). Abschließend gibt Paulus erbauenden Rat: Die brüderliche Liebe bleibe, die Gastfreundschaft vergeßt nicht, die Ehe sei ehrbar unter allen, bleibt frei von Geldliebe, gehorcht denen, die unter euch die Führung übernehmen, und laßt euch nicht durch fremde Lehren fortreißen. Laßt uns schließlich „durch ihn [Jesus] ... Gott allezeit ein Schlachtopfer der Lobpreisung darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die eine öffentliche Erklärung für seinen Namen abgeben“ (13:15).

      WIESO NÜTZLICH

      23. Welche Argumente bringt Paulus in bezug auf das Gesetz vor, und wie untermauert er seine Beweisführung?

      23 Der Hebräerbrief ist ein unanfechtbares Meisterwerk der rechtlichen Verteidigung, vollkommen gestaltet und reichlich mit Beweisen aus den Hebräischen Schriften untermauert. Die verschiedenen Merkmale des mosaischen Gesetzes — der Bund, das Blut, der Mittler, das Zelt der Anbetung, das Priestertum, die Opfergaben — werden angeführt, und es wird gezeigt, daß sie nichts weiter waren als ein Muster, das Gott schuf, um auf weit größere künftige Dinge hinzuweisen, die alle in Christus Jesus und seinem Opfer gipfelten — der Erfüllung des Gesetzes. Nach den Worten des Paulus ist das Gesetz, das „veraltet ist und alt wird, dem Verschwinden nahe“. Jesus Christus dagegen „ist derselbe gestern und heute und immerdar“ (8:13; 13:8; 10:1). Wie sehr sich die Hebräer beim Lesen dieses Briefes doch gefreut haben müssen!

      24. Welche Vorkehrung, die für uns heute von unermeßlichem Nutzen ist, wird uns im Hebräerbrief vor Augen geführt?

      24 Von welchem Nutzen ist dies aber für uns heute, die wir unter ganz anderen Umständen leben? Können wir, die wir nicht unter Gesetz sind, aus der Argumentation des Paulus irgendwelchen Nutzen ziehen? Ganz bestimmt. Sie führt uns die großartige Vorkehrung des neuen Bundes vor Augen, die auf der Verheißung an Abraham beruht, daß sich durch seinen Samen alle Familien der Erde segnen werden. Darin besteht unsere Hoffnung auf Leben, unsere einzige Hoffnung — die Erfüllung der Verheißung Jehovas, durch Abrahams Samen, Jesus Christus, alle Familien der Erde zu segnen. Wir sind zwar nicht unter Gesetz, aber als Nachkommen Adams sind wir in Sünde geboren und benötigen einen barmherzigen Hohenpriester, einen, der über ein rechtskräftiges Sündopfer verfügt und der sich direkt in den Himmel, die Gegenwart Jehovas, begeben und dort für uns Fürsprache einlegen kann. Er ist der Hohepriester, der uns zum Leben in Jehovas neuer Welt führen und der mit unseren Schwachheiten mitfühlen kann, da er „in allem auf die Probe gestellt worden ist wie wir selbst“, ja der uns einlädt, uns „mit Freimut der Rede dem Thron der unverdienten Güte [zu nahen], damit wir Barmherzigkeit erlangen und unverdiente Güte finden mögen als Hilfe zur rechten Zeit“ (4:15, 16).

      25. Wie wendet Paulus die Hebräischen Schriften an, wodurch wir ein besseres Verständnis erlangen?

      25 Darüber hinaus finden wir im Brief des Paulus an die Hebräer begeisternde Beweise dafür, daß sich Prophezeiungen, die vor langer Zeit in den Hebräischen Schriften aufgezeichnet worden sind, später in wunderbarer Weise erfüllten. All das dient uns heute zur Unterweisung und zum Trost. Zum Beispiel wendet Paulus im Hebräerbrief die Worte der Königreichsprophezeiung aus Psalm 110:1 fünfmal auf Jesus Christus als den Königreichssamen an, der „sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt“ hat, fortan wartend, „bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt würden“ (Heb. 12:2; 10:12, 13; 1:3, 13; 8:1). Ferner führt Paulus Psalm 110:4 an, um zu erklären, welch wichtiges Amt der Sohn Gottes als „Priester für immer nach der Weise Melchisedeks“ bekleidet. Wie einst Melchisedek, der nach dem Bibelbericht „ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister ist und weder einen Anfang der Tage noch ein Ende des Lebens hat“, so ist Jesus sowohl König als auch „Priester für immer“, und er wird allen, die sich seiner Herrschaft gehorsam unterstellen, den ewigen Nutzen seines Loskaufsopfers zukommen lassen (Heb. 5:6, 10; 6:20; 7:1-21). Auf denselben König-Priester wendet Paulus Psalm 45:6, 7 an: „Gott ist dein Thron für immer und ewig, und das Zepter deines Königreiches ist das Zepter der Geradheit. Du hast Gerechtigkeit geliebt, und du hast Gesetzlosigkeit gehaßt. Darum hat dich Gott, dein Gott, mit dem Öl des Frohlockens gesalbt, mehr als deine Mitgenossen“ (Heb. 1:8, 9). Dadurch, daß Paulus Texte aus den Hebräischen Schriften zitiert und zeigt, wie sie sich an Christus Jesus erfüllt haben, sehen wir, wie die einzelnen Teile des göttlichen Musters zueinander passen, was zu unserem Verständnis beiträgt.

      26. Inwiefern werden wir durch den Hebräerbrief ermuntert, in dem Wettlauf mit Glauben und Ausharren zu laufen?

      26 Wie aus dem Hebräerbrief deutlich hervorgeht, blickte Abraham erwartungsvoll dem Königreich entgegen, der „Stadt, die wahre Grundlagen hat, deren Bildner und Erbauer Gott ist“ — der Stadt, die „zum Himmel gehört“. „Durch Glauben“ strebte er nach dem Königreich und nahm große Opfer auf sich, um dessen Segnungen durch „eine bessere Auferstehung“ zu erlangen. Welch vorzügliches Beispiel haben uns doch Abraham und all die anderen Männer und Frauen des Glaubens der „so großen Wolke von Zeugen“ gegeben, die Paulus im 11. Kapitel des Hebräerbriefes beschreibt! Beim Lesen dieses Berichts frohlockt und springt unser Herz vor Freude aus Wertschätzung für das Vorrecht und die Hoffnung, die wir wie jene treuen Bewahrer der Lauterkeit haben. Wir werden deshalb ermuntert, „in dem vor uns liegenden Wettlauf mit Ausharren [zu] laufen“ (11:8, 10, 16, 35; 12:1).

      27. Welche herrlichen Aussichten in Verbindung mit dem Königreich werden im Hebräerbrief hervorgehoben?

      27 Mit einem Zitat aus Haggais Prophezeiung weist Paulus auf folgende göttliche Verheißung hin: „Noch einmal will ich nicht nur die Erde in Bewegung bringen, sondern auch den Himmel“ (Heb. 12:26; Hag. 2:6). Gottes Königreich unter Christus Jesus, dem Samen, wird jedoch für immer bestehen. „Darum, da wir ein Königreich empfangen sollen, das nicht erschüttert werden kann, mögen wir fernerhin unverdiente Güte haben, durch die wir Gott auf annehmbare Weise heiligen Dienst darbringen können, mit Gottesfurcht und Scheu.“ Dieser begeisternde Bericht gibt uns die Zusicherung, daß Christus ein zweites Mal erscheint, „getrennt von Sünde ... und für die, die ihn zu ihrer Rettung ernstlich erwarten“. Daher laßt uns durch ihn „Gott allezeit ein Schlachtopfer der Lobpreisung darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die eine öffentliche Erklärung für seinen Namen abgeben“. Möge der erhabene Name Jehovas durch seinen König-Priester, Jesus Christus, für immer geheiligt werden! (Heb. 12:28; 9:28; 13:15).

      [Fußnoten]

      a The Story of the Bible, 1964, Seite 90.

      b Nachdruck 1981, Band IV, Seite 147.

  • 59. Bibelbuch — Jakobus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 59. Bibelbuch — Jakobus

      Schreiber: Jakobus

      Ort der Niederschrift: Jerusalem

      Vollendung der Niederschrift: vor 62 u. Z.

      1. Wieso erhebt sich die Frage, ob Jakobus das Buch schrieb, das seinen Namen trägt?

      „ER IST von Sinnen.“ So dachten Jesu Verwandte ihn betreffend. Während seines irdischen Dienstes „übten [seine Brüder] tatsächlich keinen Glauben an ihn aus“, und Jakobus wurde, ebenso wie Joseph, Simon und Judas, nicht zu den ersten Jüngern Jesu gerechnet (Mar. 3:21; Joh. 7:5; Mat. 13:55). Aus welchen Gründen kann dann gesagt werden, daß Jakobus, der Halbbruder Jesu, das Bibelbuch schrieb, das seinen Namen trägt?

      2. Was beweist, daß Jesu Halbbruder der Schreiber des Jakobusbriefes war?

      2 Der Bibelbericht zeigt, daß der auferstandene Jesus Jakobus erschien, und das gab ihm zweifellos die Gewißheit, daß Jesus der Messias war (1. Kor. 15:7). Apostelgeschichte 1:12-14 besagt, daß sich Maria und die Brüder Jesu bereits vor Pfingsten mit den Aposteln zum Gebet in einem Obersaal in Jerusalem versammelten. Aber schrieb nicht einer von den Aposteln namens Jakobus den Brief? Nein, denn zu Beginn weist sich der Schreiber nicht als ein Apostel, sondern als ‘ein Sklave des Herrn Jesus Christus’ aus. Außerdem bezeichnet sich Judas in den ähnlich lautenden Anfangsworten des Judasbriefes als „ein Sklave Jesu Christi, aber ein Bruder des Jakobus“ (Jak. 1:1; Jud. 1). Es liegt klar auf der Hand, daß Jakobus und Judas, die fleischlichen Halbbrüder Jesu, die Schreiber der nach ihnen benannten Bibelbücher waren.

      3. Weshalb war Jakobus als Schreiber geeignet?

      3 Jakobus eignete sich vorzüglich dazu, der Christenversammlung in einem Brief Rat zu erteilen. Als ein Aufseher der Versammlung in Jerusalem war er sehr geachtet. Paulus erwähnt „Jakobus, den Bruder des Herrn“, zusammen mit Kephas und Johannes als „Säulen“ in der Versammlung (Gal. 1:19; 2:9). Die hervorragende Stellung des Jakobus kann man daran erkennen, daß Petrus nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis sogleich ‘Jakobus und die Brüder’ benachrichtigen ließ. Und diente nicht Jakobus als Wortführer der ‘Apostel und der älteren Männer’, als Paulus und Barnabas nach Jerusalem reisten und um eine Entscheidung bezüglich der Beschneidung baten? Übrigens beginnt sowohl diese Entscheidung als auch der Brief des Jakobus mit dem Wort „Grüße!“ — ein zusätzlicher Hinweis auf einen gemeinsamen Schreiber (Apg. 12:17; 15:13, 22, 23; Jak. 1:1).

      4. Was läßt darauf schließen, daß der Jakobusbrief kurz vor 62 u. Z. geschrieben wurde?

      4 Von dem Geschichtsschreiber Josephus erfahren wir, daß der Hohepriester Ananus (Ananias), ein Sadduzäer, für die Steinigung des Jakobus verantwortlich war. Das war nach dem Tod des römischen Statthalters Festus um 62 u. Z. und noch ehe Albinus dessen Nachfolge antrat.a Aber wann schrieb Jakobus seinen Brief? Jakobus richtete seinen Brief von Jerusalem aus an „die zwölf Stämme, die überall zerstreut sind“ (wörtlich: „denen in der Zerstreuung“) (Jak. 1:1, Fußnote). Damit das Christentum nach der Ausgießung des heiligen Geistes im Jahre 33 u. Z. sich ausbreiten konnte und die in dem Brief erwähnten beunruhigenden Zustände sich entwickeln konnten, war Zeit erforderlich. Des weiteren läßt der Brief erkennen, daß die Christen keine kleinen Gruppen mehr waren, sondern daß sie zu Versammlungen organisiert waren, in denen reife „ältere Männer“ für die Schwachen beten und ihnen beistehen konnten. Außerdem war genügend Zeit verstrichen, so daß sich ein gewisses Maß an Selbstzufriedenheit und Formalismus hatte einschleichen können (2:1-4; 4:1-3; 5:14; 1:26, 27). Jakobus schrieb daher seinen Brief höchstwahrscheinlich zu einem späten Zeitpunkt, vielleicht kurz vor 62 u. Z., falls der Bericht des Josephus über die Ereignisse, die mit dem Tod des Festus zusammenhingen, sowie die Quellen, die den Tod des Festus um das Jahr 62 u. Z. datieren, verläßlich sind.

      5. Welche Beweise gibt es für die Echtheit des Jakobusbriefes?

      5 Was die Echtheit des Jakobusbriefes anbelangt, so ist er in der Vatikanischen Handschrift 1209, in der Sinaitischen Handschrift und in der Alexandrinischen Handschrift wie auch in wenigstens zehn alten Katalogen aus der Zeit vor dem Konzil in Karthago (397 u. Z.) enthalten.b Er wurde von frühen Kirchenschriftstellern oftmals zitiert. Zwischen dem, was Jakobus schrieb, und dem übrigen Teil der inspirierten Schriften besteht ganz offensichtlich eine starke innere Harmonie.

      6. (a) Aufgrund welcher Zustände fühlte sich Jakobus gedrängt, seinen Brief zu schreiben? (b) Wie ergänzt Jakobus die Ausführungen des Paulus über den Glauben, ohne ihnen zu widersprechen?

      6 Warum schrieb Jakobus diesen Brief? Eine sorgfältige Betrachtung des Briefes offenbart, daß innere Zustände zu Schwierigkeiten unter den Brüdern geführt hatten. Christliche Maßstäbe wurden gelockert, ja sogar mißachtet, so daß einige wegen ihrer Freundschaft mit der Welt in geistiger Hinsicht zu Ehebrecherinnen geworden waren. Darauf erpicht, scheinbare Widersprüche zu finden, haben einige behauptet, der Jakobusbrief, der zum Glauben in Verbindung mit Werken ermuntere, mache die Schriften des Paulus ungültig, in denen von der Rettung durch Glauben und nicht durch Werke die Rede sei. Aus dem Zusammenhang geht jedoch hervor, daß Jakobus von dem Glauben spricht, der sich in Werken und nicht nur in Worten äußert, während Paulus eindeutig Gesetzeswerke meint. In Wirklichkeit ergänzt Jakobus die Ausführungen des Paulus, indem er einen Schritt weiter geht und erklärt, wie der Glaube offenbar gemacht wird. Der Rat des Jakobus ist äußerst nützlich, weil die alltäglichen Probleme eines Christen behandelt werden.

      7. Wie ahmt Jakobus die Lehrmethoden Jesu nach, und mit welchem Ergebnis?

      7 Veranschaulichungen aus dem Alltag — z. B. in Verbindung mit Tieren, Schiffen, Landwirten und der Pflanzenwelt — beleben die Ausführungen des Jakobus über Glauben, Geduld und Ausharren. Daß er auf diese Weise die erfolgreichen Lehrmethoden Jesu nachahmt, verleiht seinem Rat großen Nachdruck. Der Brief beeindruckt auch insofern, als Jakobus klar erkennt, von welchen Beweggründen Menschen angetrieben werden.

      INHALT DES JAKOBUSBRIEFES

      8. Wozu führt geduldiges Ausharren, und wozu führt dagegen unrechte Begierde?

      8 Geduldig ausharren als „Täter des Wortes“ (1:1-27). Jakobus beginnt mit Worten der Ermunterung: „Erachtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Prüfungen geratet.“ Durch geduldiges Ausharren erlangt man Vollständigkeit. Wenn es jemandem an Weisheit fehlt, so sollte er Gott unablässig darum bitten — nicht indem er zweifelt und einer vom Wind umhergetriebenen Meereswoge gleicht, sondern im Glauben. Der Demütige wird erhöht werden, aber der Reiche wird dahinwelken wie eine Blume, die vergeht. Glücklich ist der Mann, der die Prüfung erduldet, denn er wird „die Krone des Lebens empfangen, die Jehova denen verheißen hat, die ihn beständig lieben“. Gott versucht den Menschen nicht mit üblen Dingen, um ihn zu Fall zu bringen. Jemandes eigene unrechte Begierde ist es, die befruchtet wird und Sünde gebiert, und die Sünde bringt dann Tod hervor (1:2, 12, 22).

      9. Wie wirkt es sich aus, „Täter des Wortes“ zu sein, und welche Form der Anbetung ist für Gott annehmbar?

      9 Woher kommen alle guten Gaben? Vom „Vater der himmlischen Lichter”, der sich nie verändert. „Weil er es gewollt hat“, sagt Jakobus, „hat er uns durch das Wort der Wahrheit hervorgebracht, damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien.“ Christen sollten daher schnell sein zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn, und sie sollten alle Unsauberkeit und Schlechtigkeit ablegen und die Einpflanzung des Wortes der Rettung annehmen. „Werdet ... Täter des Wortes und nicht bloß Hörer.“ Denn wer in das mit einem Spiegel vergleichbare Gesetz der Freiheit hineinschaut und dabei bleibt, „wird glücklich sein, indem er es tut“. Wenn jemand seine Zunge nicht zügelt, ist seine Form der Anbetung nichtig, aber „die Form der Anbetung, die vom Standpunkt unseres Gottes und Vaters aus rein und unbefleckt ist, ist diese: nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu sehen und sich selbst von der Welt ohne Flecken zu bewahren“ (1:17, 18, 22, 25, 27).

      10. (a) Was für Unterschiede zu machen sollte man vermeiden? (b) Wie hängen Werke mit Glauben zusammen?

      10 Glaube durch rechte Werke vollkommen gemacht (2:1-26). Die Brüder machen Unterschiede, indem sie die Reichen vor den Armen bevorzugen. Aber ‘hat Gott nicht diejenigen, die hinsichtlich der Welt arm sind, dazu auserwählt, reich im Glauben und Erben des Königreiches zu sein’? Sind nicht die Reichen Bedrücker? Die Brüder sollten dem königlichen Gesetz „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ nachkommen und Parteilichkeit vermeiden. Mögen sie auch Barmherzigkeit üben, denn wer sich, was das Gesetz betrifft, in einem einzigen Punkt vergeht, vergeht sich in allen. Glaube ohne Werke ist ebenso bedeutungslos, wie zu einem bedürftigen Bruder oder zu einer bedürftigen Schwester zu sagen: ‘Halte dich warm und wohlgenährt’, aber keine praktische Hilfe zu leisten. Kann man Glauben ohne Werke zeigen? Wurde nicht Abrahams Glaube durch seine Werke vollkommen gemacht, als er Isaak auf dem Altar darbrachte? Auch Rahab, die Hure, wurde „durch Werke gerechtgesprochen“. Somit ist der Glaube ohne Werke tot (2:5, 8, 16, 19, 25).

      11. (a) Welche als Warnung dienenden Vergleiche gebraucht Jakobus für die Zunge? (b) Wie äußern sich Weisheit und Verständnis?

      11 Die Zunge beherrschen, um Weisheit zu lehren (3:1-18). Die Brüder sollten nicht übereilt Lehrer werden, damit sie kein schwereres Gericht empfangen. Jeder strauchelt oft. Wie man mit einem Zaum den Körper eines Pferdes lenkt und mit einem kleinen Steuerruder ein großes Schiff, so hat jenes kleine Glied, die Zunge, große Macht. Sie ist wie ein Feuer, das eine große Waldung in Brand setzen kann. Wilde Tiere lassen sich leichter zähmen als die Zunge. Mit ihr segnen Menschen Jehova, verfluchen aber ihre Mitmenschen. Das ist nicht richtig. Spendet eine Quelle bitteres und süßes Wasser zugleich? Kann ein Feigenbaum Oliven hervorbringen, ein Weinstock Feigen, Salzwasser Süßwasser? Jakobus fragt: „Wer ist weise und verständig unter euch?“ Möge er seine Werke mit Sanftmut zeigen, nicht streitsüchtig sein und nicht in animalischer Weise gegen die Wahrheit prahlen. Denn „die Weisheit von oben ... ist vor allem keusch, dann friedsam, vernünftig, zum Gehorchen bereit, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, nicht parteiische Unterschiede machend, nicht heuchlerisch“ (3:13, 17).

      12. (a) Welche Mißstände bestehen in der Versammlung, und was ist die Ursache? (b) Welches Verhalten sollte man meiden und welche Eigenschaft pflegen, um Jehovas Anerkennung zu erlangen?

      12 Sinnliches Vergnügen und Freundschaft mit der Welt meiden (4:1-17). „Woher kommen ... Streitigkeiten unter euch?“ Jakobus beantwortet seine Frage selbst: „Von euren Begierden nach sinnlichem Vergnügen.“ Einige haben verkehrte Beweggründe. Diejenigen, die Freunde der Welt sein wollen, sind „Ehebrecherinnen“ und werden zu Feinden Gottes. Daher die Ermahnung: „Widersteht dem Teufel, und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen.“ Jehova erhöht die Demütigen. Deshalb sollen die Brüder aufhören, einander zu richten. Und weil niemand weiß, ob er am nächsten Tag noch am Leben sein wird, sollten sie sagen: „Wenn Jehova will, werden wir leben und auch dies oder jenes tun.“ Stolz ist böse, und zu wissen, was recht ist, und es nicht zu tun ist Sünde (4:1, 4, 7, 8, 15).

      13. (a) Warum kommt Bedrängnis über die Reichen? (b) Wie weist Jakobus darauf hin, daß man geduldig sein und ausharren muß, und was bewirken diese Eigenschaften?

      13 Glücklich, die in Gerechtigkeit ausharren! (5:1-20). ‘Weint und heult, ihr Reichen!’ ruft Jakobus aus. ‘Der Rost eures Reichtums wird ein Zeugnis gegen euch sein. Jehova der Heerscharen hat die Hilferufe der Schnitter, die ihr beraubt habt, gehört. Ihr habt in Luxus und sinnlichem Vergnügen gelebt und habt den Gerechten verurteilt und ermordet.’ Angesichts der Nähe der Gegenwart des Herrn sollten die Brüder jedoch Geduld üben wie der Landwirt, der seine Ernte abwartet, und sich an das Beispiel der Propheten halten, „die im Namen Jehovas geredet haben“. Glücklich sind, die ausgeharrt haben! Die Brüder sollten sich an das Ausharren Hiobs und an den Ausgang erinnern, den Jehova gab, „daß Jehova voll inniger Zuneigung und barmherzig ist“ (5:1-6, 10, 11).

      14. Welcher Rat über Sündenbekenntnis und Gebet wird abschließend gegeben?

      14 Mögen sie aufhören zu schwören. Ihr „Ja bedeute ja“ und ihr „Nein nein“. Sie sollten offen ihre Sünden bekennen und füreinander beten. Wie Elias Gebete beweisen, ‘hat das Flehen eines Gerechten viel Kraft’. Wenn jemand von der Wahrheit weg in die Irre geführt worden ist, so wird der, der ihn zur Umkehr bringt, „seine Seele vom Tod retten und eine Menge von Sünden bedecken“ (5:12, 16, 20).

      WIESO NÜTZLICH

      15. Wie macht Jakobus von den Hebräischen Schriften Gebrauch? Nenne Beispiele.

      15 Jakobus erwähnt den Namen Jesus nur zweimal (1:1; 2:1). Aber wie ein sorgfältiger Vergleich seines Briefes mit der Bergpredigt zeigt, weist Jakobus oft auf die praktische Anwendung der Lehren des Herrn hin. Überdies erscheint der Name Jehovas 13mal (Neue-Welt-Übersetzung), und es wird betont, daß Jehovas Verheißungen für Christen, die den Glauben bewahren, eine Belohnung bedeuten (4:10; 5:11). Während Jakobus seinen praktischen Rat entfaltet, verwendet er wiederholt Veranschaulichungen und treffende Zitate aus den Hebräischen Schriften. Mit den Ausdrücken „nach dem Schriftwort“, „das Schriftwort wurde erfüllt“ und „die Schrift ... sagt“ bezeichnet er die Quelle, und dann wendet er die Schrifttexte auf die christliche Lebensweise an (2:8, 23; 4:5). Jakobus erteilt klaren Rat, stärkt den Glauben an Gottes Wort als ein harmonisches Ganzes und verweist dabei treffend auf Abrahams Glaubenswerke, auf Rahabs Kundgebung des Glaubens durch Werke, auf Hiobs treues Ausharren und auf Elias Vertrauen in Verbindung mit dem Gebet (Jak. 2:21-25; 5:11, 17, 18; 1. Mo. 22:9-12; Jos. 2:1-21; Hiob 1:20-22; 42:10; 1. Kö. 17:1; 18:41-45).

      16. Welchen Rat erteilt Jakobus, wovor warnt er, und woher kommt diese praktische Weisheit?

      16 Unschätzbar ist der Rat des Jakobus, Täter des Wortes und nicht bloß Hörer zu sein, fortwährend durch gerechte Werke Glauben zu bekunden, am Erdulden von mancherlei Prüfungen Freude zu finden, Gott unablässig um Weisheit zu bitten, sich ihm jederzeit im Gebet zu nahen und dem königlichen Gesetz nachzukommen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Jak. 1:22; 2:24; 1:2, 5; 4:8; 5:13-18; 2:8). Er warnt nachdrücklich davor, Irrtum zu lehren, die Zunge auf schädliche Weise zu gebrauchen, Klassenunterschiede in der Versammlung zu machen, nach sinnlichem Vergnügen zu verlangen und auf vergänglichen Reichtum zu vertrauen (3:1, 8; 2:4; 4:3; 5:1, 5). Jakobus erklärt deutlich, daß Freundschaft mit der Welt geistigem Ehebruch und Feindschaft mit Gott gleichkommt, und er definiert die praktische Form der Anbetung, die in Gottes Augen rein ist: „Nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu sehen und sich selbst von der Welt ohne Flecken zu bewahren“ (4:4; 1:27). Eine solche Fülle an praktischem und leichtverständlichem Rat ist genau das, was von dieser „Säule“ der frühen Christenversammlung erwartet werden konnte (Gal. 2:9). Seine freundliche Botschaft dient weiterhin als Wegweiser für Christen in unserer turbulenten Zeit, denn sie ist „Weisheit von oben“, die die „Frucht der Gerechtigkeit“ hervorbringen hilft (3:17, 18).

      17. Aus welchem triftigen Grund sollte man in treuen Werken ausharren?

      17 Jakobus wollte seinen Brüdern helfen, ihr Ziel — Leben in Gottes Königreich — zu erreichen. Daher spornt er sie an: „Übt auch ihr Geduld; befestigt euer Herz, denn die Gegenwart des Herrn hat sich genaht.“ Sie sind glücklich, wenn sie die Prüfung erdulden, weil Gottes Anerkennung bedeutet, daß sie „die Krone des Lebens empfangen, die Jehova denen verheißen hat, die ihn beständig lieben“ (5:8; 1:12). Gottes Verheißung der Krone des Lebens — entweder unsterbliches Leben in den Himmeln oder ewiges Leben auf der Erde — wird somit als triftiger Grund dafür angegeben, warum man in treuen Werken ausharren sollte. Zweifellos werden durch diesen wunderbaren Brief alle ermuntert, dem Ziel entgegenzustreben, dem ewigen Leben im Himmel oder in Jehovas neuer Welt, über die sein Königreichssame, unser Herr Jesus Christus, regieren wird (2:5).

      [Fußnoten]

      a Jüdische Altertümer, 20. Buch, Kap. 9, Abs. 1; Webster’s New Biographical Dictionary, 1983, Seite 350.

      b Siehe Tabelle, Seite 303.

  • 60. Bibelbuch — 1. Petrus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 60. Bibelbuch — 1. Petrus

      Schreiber: Petrus

      Ort der Niederschrift: Babylon

      Vollendung der Niederschrift: um 62—64 u. Z.

      1. Warum hatten die Christen Prüfungen zu erdulden, und wieso war der erste Petrusbrief zeitgemäß?

      DA DIE ersten Christen weit und breit die Vorzüglichkeiten Gottes verkündeten, nahm das Königreichswerk im ganzen Römischen Reich zu. Doch kamen Mißverständnisse hinsichtlich dieser eifrigen Gruppe auf. Ihre Religion war von Jerusalem und von den Juden ausgegangen, und einige verwechselten die Christen mit den politisch ausgerichteten jüdischen Eiferern, die sich gegen das römische Joch auflehnten und den örtlichen Statthaltern ständig Schwierigkeiten bereiteten. Überdies waren die Christen insofern anders, als sie sich weigerten, dem Kaiser zu opfern oder sich an den heidnischen religiösen Zeremonien jener Tage zu beteiligen. Man widersprach ihnen, und sie mußten um des Glaubens willen viele Prüfungen erdulden. Zur rechten Zeit und in weiser Voraussicht, die von göttlicher Inspiration zeugt, schrieb Petrus seinen ersten Brief, in dem er die Christen ermunterte festzustehen und ihnen Rat erteilte, wie sie sich unter Nero, dem damaligen Cäsar, verhalten sollten. In Anbetracht des Verfolgungssturms, der fast unmittelbar darauf losbrach, erwies sich dieser Brief als höchst zeitgemäß.

      2. Was beweist, daß Petrus der Schreiber des Briefes war, der seinen Namen trägt, und an wen war der Brief gerichtet?

      2 Daß Petrus der Schreiber war, geht aus den Anfangsworten hervor. Außerdem verweisen Irenäus, Klemens von Alexandria, Origenes und Tertullian auf den Brief und nennen Petrus als Schreiber.a Die Echtheit des ersten Petrusbriefes ist ebenso gut bezeugt wie die Echtheit anderer inspirierter Briefe. Eusebius berichtet, daß die Ältesten der Kirche ihn uneingeschränkt gebrauchten; zur Zeit des Eusebius (um 260 bis 342 u. Z.) stand die Echtheit des Briefes außer Frage. Auch Ignatius, Hermas und der Barnabasbrief aus dem frühen zweiten Jahrhundert nehmen darauf Bezug.b Der erste Petrusbrief ist mit den übrigen inspirierten Schriften der Bibel völlig in Übereinstimmung, und er stellte für die jüdischen und die nichtjüdischen Christen, die als ‘zeitweilig Ansässige zerstreut in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien’ — Gegenden Kleinasiens — lebten, eine machtvolle Botschaft dar (1. Pet. 1:1).

      3. Welche Hinweise haben wir, wann der erste Petrusbrief geschrieben wurde?

      3 Wann wurde der Brief geschrieben? Sein Tenor läßt erkennen, daß den Christen Prüfungen von seiten der Heiden oder unbekehrter Juden widerfuhren, daß aber die Verfolgungskampagne, die Nero 64 u. Z. in Gang setzte, noch nicht begonnen hatte. Offenbar schrieb Petrus den Brief kurz davor, wahrscheinlich zwischen 62 und 64 u. Z. Dieser Schluß wird durch den Umstand erhärtet, daß Markus noch bei Petrus war. Während der ersten Haft des Paulus in Rom (um 59—61 u. Z.) war Markus bei Paulus, sollte aber nach Kleinasien reisen; und zur Zeit der zweiten Haft des Paulus (um 65 u. Z.) war Markus im Begriff, sich Paulus wieder in Rom anzuschließen (1. Pet. 5:13; Kol. 4:10; 2. Tim. 4:11). In der Zwischenzeit konnte er gut bei Petrus in Babylon gewesen sein.

      4, 5. (a) Wodurch wird die Behauptung widerlegt, Petrus habe seinen ersten Brief in Rom geschrieben? (b) Was zeigt, daß das buchstäbliche Babylon Ort der Niederschrift war?

      4 Wo wurde der erste Petrusbrief geschrieben? Bibelkommentatoren sind sich wohl in bezug auf die Echtheit, die Kanonizität, den Schreiber und die ungefähre Zeit der Niederschrift einig, aber über den Ort der Niederschrift gehen ihre Meinungen auseinander. Petrus’ eigenen Worten zufolge schrieb er seinen ersten Brief in Babylon (1. Pet. 5:13). Einige behaupten zwar, er habe aus Rom geschrieben und „Babylon“ sei ein Geheimname für Rom gewesen. Die Beweise sprechen jedoch nicht für diese Ansicht. In der Bibel finden sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß mit Babylon Rom gemeint war. Da Petrus seinen Brief an Christen im buchstäblichen Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien richtete, muß er auch mit Babylon den buchstäblichen Ort dieses Namens gemeint haben (1:1). Petrus hatte guten Grund, sich in Babylon aufzuhalten. Er war mit der ‘guten Botschaft für die Beschnittenen’ betraut, und in Babylon gab es eine zahlreiche jüdische Bevölkerung (Gal. 2:7-9). Die Encyclopaedia Judaica weist in Verbindung mit der Entstehung des babylonischen Talmuds auf die „großen Akademien Babylons“ hin, die der Judaismus dort während unserer Zeitrechnung unterhielt.c

      5 In den inspirierten Schriften einschließlich der beiden Petrusbriefe wird nicht erwähnt, daß Petrus nach Rom gegangen sei. Paulus spricht von seinem eigenen Aufenthalt in Rom, sagt aber nie, daß auch Petrus dort gewesen sei. Warum erwähnt er Petrus nicht, obwohl er in seinem Brief an die Römer 35 Namen nennt und an 26 mit Namen aufgeführte Personen Grüße sendet? Ganz einfach, weil Petrus damals nicht dort war (Röm. 16:3-15). Das „Babylon“, wo Petrus seinen ersten Brief schrieb, war daher offensichtlich das buchstäbliche Babylon an den Ufern des Euphrat in Mesopotamien.

      INHALT DES ERSTEN PETRUSBRIEFES

      6. Von welcher Hoffnung schreibt Petrus, und auf welcher Grundlage ist die „neue Geburt“ zu dieser Hoffnung möglich?

      6 Die neue Geburt zu einer lebendigen Hoffnung durch Christus (1:1-25). Zu Beginn lenkt Petrus die Aufmerksamkeit seiner Leser auf die „neue Geburt zu einer lebendigen Hoffnung“ und auf das unverwelkliche Erbe, das in den Himmeln für sie aufbehalten ist, gemäß der Barmherzigkeit Gottes durch die Auferstehung Jesu Christi. Daher freuen sich die „Auserwählten“ sehr, obwohl sie durch mancherlei Prüfungen betrübt worden sind, damit die geprüfte Echtheit ihres Glaubens „bei der Offenbarung Jesu Christi als eine Ursache zum Lobpreis und zur Herrlichkeit und Ehre erfunden werde“. Die Propheten in alter Zeit und sogar Engel haben, was diese Rettung betrifft, Nachfrage gehalten. Darum sollen die Auserwählten ihren Sinn zur Tätigkeit gürten und ihre Hoffnung auf diese unverdiente Güte setzen; sie sollen heilig werden in ihrem ganzen Wandel. Ist das nicht angebracht angesichts ihrer Befreiung — einer Befreiung, nicht mit vergänglichen Dingen, sondern „mit kostbarem Blut gleich dem eines makellosen und fleckenlosen Lammes, nämlich Christi“? Ihre „neue Geburt“ kommt durch das Wort Jehovas, das Wort des lebendigen und bleibenden Gottes, das für immer bleibt und ihnen als gute Botschaft verkündigt worden ist (1:1, 3, 7, 19, 23).

      7. (a) Als was werden Christen aufgebaut, und zu welchem Zweck? (b) Was für einen Wandel sollen sie als zeitweilig Ansässige führen?

      7 Einen vortrefflichen Wandel unter den Nationen führen (2:1⁠—⁠3:22). Als lebendige Steine werden Christen zu einem geistigen Haus aufgebaut. Sie bringen geistige Schlachtopfer dar, für Gott annehmbar durch Jesus Christus, den Grundeckstein, der für die Ungehorsamen ein Stein des Anstoßes geworden ist. Die, die Glauben ausüben, sind „eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation“ geworden, ‘um die Vorzüglichkeiten dessen weit und breit zu verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat’. Mögen sie sich als zeitweilig Ansässige unter den Nationen fleischlicher Begierden enthalten und einen vortrefflichen Wandel führen. Mögen sie sich „jeder menschlichen Schöpfung“ unterwerfen, sei es einem König, sei es seinen Statthaltern. Ja, mögen sie ‘Menschen von allen Arten ehren, Liebe zur ganzen Bruderschaft haben, Gottesfurcht haben, den König ehren’. Ebenso seien Knechte ihren Besitzern untertan, und zwar mit einem guten Gewissen, indem sie ausharren, wenn sie ungerechterweise leiden. Auch Christus hat, obwohl er ohne Sünde war, Beschimpfung und Leiden erduldet und hat „ein Beispiel“ hinterlassen, damit wir seinen Fußstapfen genau nachfolgen können (2:9, 13, 17, 21).

      8. (a) Welche vernünftigen Ermahnungen ergehen an Ehefrauen und Ehemänner? (b) Was ist nötig, um ein gutes Gewissen vor Gott zu erlangen?

      8 Unterordnung ist auch für Ehefrauen wichtig. Sie mögen durch einen keuschen Wandel, verbunden mit tiefem Respekt, sogar ihre ungläubigen Ehemänner ohne ein Wort gewinnen. Ihre Sorge sollte nicht ihr äußerlicher Schmuck sein, sondern — wie im Fall der gehorsamen Sara — „die verborgene Person des Herzens im unvergänglichen Gewand des stillen und milden Geistes, der in den Augen Gottes von großem Wert ist“. Ehemänner sollten ihre Frauen als ‘schwächere Gefäße’, die „mit ihnen Erben der unverdienten Gunst des Lebens“ sind, ehren. Alle Christen sollten brüderliche Liebe bekunden. „Wer das Leben lieben ... möchte, der ... wende sich ... ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen Jehovas sind auf die Gerechten gerichtet.“ Statt sich vor Menschen zu fürchten, sollten sie stets bereit sein, ihre Hoffnung zu verteidigen. Es ist besser, für Gutestun zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für Übeltun. „Ja, auch Christus ist ein für allemal hinsichtlich Sünden gestorben, ein Gerechter für Ungerechte, damit er euch zu Gott führe, er, der im Fleische zu Tode gebracht, aber im Geiste lebendig gemacht wurde.“ Noahs Glaube, der sich durch den Bau der Arche zeigte, brachte ihm und seiner Familie Rettung. Dementsprechend werden die gerettet, die sich aufgrund des Glaubens an den auferstandenen Christus Gott hingeben, sich als Symbol dieses Glaubens taufen lassen und weiterhin Gottes Willen tun. Ihnen schenkt Gott ein gutes Gewissen (3:4, 7, 10-12, 18).

      9. Welche Gesinnung sollten Christen haben, und das trotz welcher Tatsache?

      9 Sich als Christ trotz Leiden freuen, den Willen Gottes zu tun (4:1⁠—⁠5:14). Christen sollten dieselbe Gesinnung wie Christus haben, indem sie dafür leben, nur den Willen Gottes und nicht mehr den Willen der Nationen zu tun, auch wenn die Nationen lästerlich von ihnen reden, weil sie ihren Lauf „zu demselben Tiefstand der Ausschweifung“ nicht mit ihnen fortsetzen. Da sich das Ende aller Dinge genaht hat, sollten sie gesunden Sinnes sein, im Gebet verharren, inbrünstige Liebe zueinander haben und alles zur Verherrlichung Gottes tun. Sie sollten sich durch die feurigen Prüfungen, die ihnen widerfahren, nicht befremden lassen, sondern sich vielmehr als Teilhaber an den Leiden des Christus freuen. Indes möge niemand als Übeltäter leiden. Da das Gericht beim Hause Gottes anfängt, mögen „die, die gemäß dem Willen Gottes leiden, weiterhin ihre Seelen, während sie Gutes tun, einem treuen Schöpfer anbefehlen“ (4:4, 19).

      10. Was wird älteren und was wird jüngeren Männern geraten, und mit welcher kraftvollen Zusicherung endet der erste Petrusbrief?

      10 Die älteren Männer sollen die Herde Gottes freiwillig, ja voll Eifer hüten. Wenn sie Vorbilder für die Herde sind, ist ihnen die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit beim Offenbarwerden des Oberhirten gewiß. Mögen jüngere Männer den älteren Männern untertan sein, und mögen alle demütig sein, „denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber erweist er unverdiente Güte“. Mögen sie im Glauben feststehen und wegen des ‘brüllenden Löwen’, des Teufels, wachsam sein. Petrus bringt seine Ermahnungen zum Abschluß mit einer weiteren kraftvollen Zusicherung: „Aber nachdem ihr eine kleine Weile gelitten habt, wird der Gott aller unverdienten Güte, der euch zu seiner ewigen Herrlichkeit in Gemeinschaft mit Christus berufen hat, eure Schulung selbst beenden, er wird euch befestigen, er wird euch stärken. Ihm sei die Macht immerdar. Amen“ (5:5, 8, 10, 11).

      WIESO NÜTZLICH

      11. Inwiefern stimmt der Rat des Petrus für Aufseher mit Jesu Rat und dem Rat des Paulus überein?

      11 Der erste Petrusbrief enthält nützlichen Rat für Aufseher. In Übereinstimmung mit Jesu eigenem Rat in Johannes 21:15-17 und dem Rat des Paulus in Apostelgeschichte 20:25-35 zeigt Petrus, daß die Arbeit eines Aufsehers ein Hirtenwerk ist, das selbstlos, freiwillig und mit Eifer getan werden soll. Der Aufseher ist ein Unterhirte, der unter dem „Oberhirten“, Jesus Christus, dient und ihm für die Herde Gottes Rechenschaft schuldet, für deren Interessen er als Vorbild mit aller Demut sorgen muß (5:2-4).

      12. (a) Welche relative Unterordnung gebührt Herrschern und Besitzern? (b) Wozu mahnt Petrus bezüglich der Unterordnung der Frau und der Autorität des Mannes als Haupt? (c) Welche christliche Eigenschaft wird überall in dem Brief hervorgehoben?

      12 Petrus berührt in seinem Brief noch viele weitere Bereiche christlicher Unterordnung, und er gibt ausgezeichneten Rat. In 1. Petrus 2:13-17 wird dazu aufgefordert, sich Herrschern, wie etwa einem König und Statthaltern, in rechter Weise zu unterwerfen. Damit ist jedoch nur eine relative Unterordnung gemeint, Unterordnung um des Herrn willen, gepaart mit „Gottesfurcht“, da Christen Sklaven Gottes sind. Hausknechte werden ermahnt, ihren Besitzern untertan zu sein und auszuharren, wenn sie „wegen des Gewissens vor Gott“ leiden müssen. Auch Ehefrauen erhalten unschätzbaren Rat bezüglich der Unterordnung gegenüber ihren Männern, selbst wenn diese ungläubig sind. Ihr keuscher, respektvoller Wandel ist „in den Augen Gottes von großem Wert“ und kann sogar bewirken, daß ihre Männer für die Wahrheit gewonnen werden. Zur Verdeutlichung führt Petrus hier die treue Unterordnung Saras gegenüber Abraham als Beispiel an (1. Pet. 2:17-20; 3:1-6; 1. Mo. 18:12). Andererseits sollten Ehemänner beim Ausüben ihrer Autorität als Haupt in angemessener Weise auf das „schwächere Gefäß“ Rücksicht nehmen. Immer noch das gleiche Thema betreffend, mahnt Petrus: „Ebenso ihr jüngeren Männer, seid den älteren Männern untertan.“ Und dann unterstreicht er die Notwendigkeit, demütig zu sein — eine christliche Eigenschaft, die überall in seinem Brief betont wird (1. Pet. 3:7-9; 5:5-7; 2:21-25).

      13. (a) Wie erklärt Petrus in seinem Brief den Zweck, zu dem Gott die Christenversammlung herausgerufen hat? (b) Auf welches beglückende Erbe weist Petrus hin, und wer erlangt es?

      13 Zu einer Zeit, als feurige Prüfungen und Verfolgungen wiederaufzuflammen begannen, sorgte Petrus für Stärkung und Ermunterung. Sein Brief ist wirklich von unschätzbarem Wert für alle, denen heute solche Prüfungen widerfahren. Man beachte, daß er sich auf die Hebräischen Schriften stützt, indem er die Worte Jehovas zitiert: „Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin“ (1. Pet. 1:16; 3. Mo. 11:44). An einer späteren Stelle, wo er sich ebenfalls mehrmals auf andere inspirierte Schriften bezieht, erklärt er, daß die Christenversammlung als ein geistiges Haus aus lebendigen Steinen auf Christus als Grundlage aufgebaut wird. Und zu welchem Zweck? Petrus antwortet: „Ihr ... seid ‚ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum besonderen Besitz, damit ihr die Vorzüglichkeiten‘ dessen ‚weit und breit verkündet‘, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat“ (1. Pet. 2:4-10; Jes. 28:16; Ps. 118:22; Jes. 8:14; 2. Mo. 19:5, 6; Jes. 43:21; Hos. 1:10; 2:23). Dieser „königlichen Priesterschaft“, der allgemeinen Priesterschaft, die aus der gesamten heiligen Nation Gottes besteht, gilt die Königreichsverheißung, auf die Petrus hinweist: ‘ein unvergängliches und unbeflecktes und unverwelkliches Erbe’, „die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit“, ‘ewige Herrlichkeit in Gemeinschaft mit Christus’. Und so werden diese Personen sehr ermuntert, sich weiterhin zu freuen, damit sie sich „auch während der Offenbarung seiner Herrlichkeit mit Frohlocken freuen“ können (1. Pet. 1:4; 5:4, 10; 4:13).

      [Fußnoten]

      a McClintocks und Strongs Cyclopedia, 1981, Nachdruck, Band VIII, Seite 15.

      b New Bible Dictionary, 2. Auflage, 1986, herausgegeben von J. D. Douglas, Seite 918.

      c Jerusalem 1971, Band 15, Spalte 755.

  • 61. Bibelbuch — 2. Petrus
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 61. Bibelbuch — 2. Petrus

      Schreiber: Petrus

      Ort der Niederschrift: Babylon (?)

      Vollendung der Niederschrift: um 64 u. Z.

      1. Welche Tatsachen beweisen, daß Petrus der Schreiber des zweiten Petrusbriefes war?

      ALS Petrus seinen zweiten Brief abfaßte, war er sich bewußt, daß sein Tod nahe bevorstand. Er hatte den sehnlichen Wunsch, seine Mitchristen daran zu erinnern, wie wichtig genaue Erkenntnis ist, und ihnen so zu helfen, in ihrem Dienst standhaft zu bleiben. Besteht irgendein Grund, zu bezweifeln, daß der Apostel Petrus der Schreiber des zweiten Briefes war, der nach ihm benannt ist? Der Brief selbst beseitigt jeden möglichen Zweifel. Der Schreiber bezeichnet sich als „Simon Petrus, ein Sklave und Apostel Jesu Christi“ (2. Pet. 1:1). Er spricht von diesem Brief als ‘dem zweiten Brief, den ich euch schreibe’ (3:1). Er sagt, daß er Augenzeuge der Umgestaltung Jesu Christi war — ein Vorrecht, an dem Petrus zusammen mit Jakobus und Johannes teilhatte —, und er schreibt davon mit der Begeisterung eines Augenzeugen (1:16-21). Außerdem erwähnt er, daß sein Tod von Jesus vorhergesagt wurde (2. Pet. 1:14; Joh. 21:18, 19).

      2. Was spricht für die Kanonizität des zweiten Petrusbriefes?

      2 Einige Kritiker weisen jedoch auf den unterschiedlichen Stil der beiden Briefe hin und zögern deswegen, den zweiten Brief als das Werk des Petrus anzuerkennen. Aber das sollte eigentlich kein Problem sein, denn das Thema und der Zweck der Briefe sind verschieden. Überdies schrieb Petrus seinen ersten Brief „durch Silvanus, einen treuen Bruder“, und falls Silvanus beim Formulieren der Sätze etwas Freiheit erhielt, könnte dies den Unterschied im Stil der beiden Briefe erklären, da Silvanus an der Niederschrift des zweiten Briefes anscheinend nicht beteiligt war (1. Pet. 5:12). Die Kanonizität des Briefes ist auch deshalb angezweifelt worden, weil er „bei den Kirchenvätern schwach bezeugt“ sei. Die Tabelle „Bedeutende frühe Kataloge der Christlichen Griechischen Schriften“ zeigt jedoch, daß mehrere Autoritäten vor dem dritten Konzil von Karthago den zweiten Petrusbrief als Teil des Bibelkatalogs betrachteten.a

      3. Wann und wo wurde der Brief anscheinend geschrieben, und an wen ist er gerichtet?

      3 Wann wurde der zweite Petrusbrief geschrieben? Höchstwahrscheinlich um 64 u. Z. in Babylon oder dessen Umgebung, und zwar kurz nach der Niederschrift des ersten Briefes. Allerdings gibt es dafür keine direkten Beweise, besonders was den Ort betrifft. Zur Zeit der Niederschrift waren die meisten der Briefe des Paulus in den Versammlungen im Umlauf. Petrus kannte sie, betrachtete sie als von Gott inspiriert und stellte sie den „übrigen Schriften“ gleich. Der zweite Petrusbrief ist an die gerichtet, „die einen Glauben als ein Vorrecht gleich dem unsrigen erlangt haben“, und das schließt sowohl diejenigen ein, an die der erste Brief gerichtet war, als auch andere, denen Petrus gepredigt hatte. So, wie der erste Brief in vielen Gebieten im Umlauf war, so fand auch der zweite Brief allgemeine Verbreitung (2. Pet. 3:15, 16; 1:1; 3:1; 1. Pet. 1:1).

      INHALT DES ZWEITEN PETRUSBRIEFES

      4. (a) Wie sollten die Brüder danach streben, hinsichtlich genauer Erkenntnis fruchtbar zu sein, und was wird ihnen verheißen? (b) Wodurch wird das prophetische Wort um so sicherer, und warum sollte man ihm Beachtung schenken?

      4 Die Berufung zum himmlischen Königreich festmachen (1:1-21). Gleich zu Beginn zeigt sich Petrus liebevoll besorgt um diejenigen, „die einen Glauben ... erlangt haben“. Er wünscht, daß ihnen „durch eine genaue Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn“, unverdiente Güte und Frieden gemehrt werden. Gott hat ihnen die „kostbaren und überaus großen Verheißungen“ geschenkt, durch die sie Teilhaber an der göttlichen Natur werden können. Mögen sie daher durch ihr ernsthaftes Bemühen zu ihrem Glauben Tugend, Erkenntnis, Selbstbeherrschung, Ausharren, Gottergebenheit, brüderliche Zuneigung und Liebe darreichen. Wenn diese Eigenschaften in ihnen überströmen, werden sie nie untätig oder ohne Frucht hinsichtlich genauer Erkenntnis sein. Die Brüder sollen ihr Äußerstes tun, ihre Berufung und Auserwählung sowie ihren Eingang in das ewige Königreich ihres Herrn festzumachen. Da Petrus weiß, daß ‘das Ablegen seiner Hütte nahe bevorsteht’, ist er geneigt, sie an diese Dinge zu erinnern, damit sie sie nach seinem Weggang erwähnen können. Petrus war Augenzeuge der herrlichen Größe Christi auf dem heiligen Berg. Damals ergingen „von der großartigen Herrlichkeit“ folgende Worte an Jesus: „Dieser ist mein Sohn, mein geliebter, an dem ich selbst Wohlgefallen gefunden habe.” Deshalb ist das prophetische Wort um so sicherer, und man sollte ihm Beachtung schenken; denn es entspringt nicht dem Willen eines Menschen, „sondern Menschen redeten von Gott aus, wie sie von heiligem Geist getrieben wurden“ (1:1, 2, 4, 14, 17, 21).

      5. Wie warnt Petrus vor falschen Lehrern, und anhand welcher eindrucksvollen Beispiele zeigt er, daß Gottes Gerichte an solchen Menschen unabwendbar sind?

      5 Nachdrückliche Warnung vor falschen Lehrern (2:1-22). Falsche Propheten und Lehrer werden verderbliche Sekten einführen, einen zügellosen Wandel fördern und Schmach auf die Wahrheit bringen. Aber ihre Vernichtung schlummert nicht. Gott hielt sich nicht davon zurück, die Engel, die gesündigt hatten, zu bestrafen, in den Tagen Noahs eine Sintflut herbeizuführen und Sodom und Gomorra einzuäschern. Doch den Prediger Noah und den gerechten Lot befreite er. Somit „weiß [Jehova] Menschen von Gottergebenheit aus der Prüfung zu befreien, Ungerechte aber für den Tag des Gerichts zu ihrer Abschneidung aufzubehalten“. Denn diese sind verwegen, eigenwillig, vernunftlosen Tieren gleich und unwissend; sie reden lästerlich, ergötzen sich an trügerischen Lehren, sind ehebrecherisch und habsüchtig und lieben wie Bileam den Lohn des Unrechttuns. Sie verheißen Freiheit und sind doch selbst Sklaven des Verderbens. Es wäre für sie besser gewesen, den Pfad der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, denn es ist ihnen ergangen, wie das Sprichwort sagt: „Der Hund ist zum eigenen Gespei zurückgekehrt und die gebadete Sau zum Wälzen im Schlamm“ (2:9, 22).

      6. (a) Warum schreibt Petrus, und was sagt er über Gottes Verheißung? (b) Wie müssen sich Christen, im Gegensatz zu Spöttern, als wachsam erweisen?

      6 Den Tag Jehovas fest im Sinn behalten (3:1-18). Petrus schreibt, um das klare Denkvermögen der Christen aufzuwecken, damit sie der zuvor geredeten Worte gedenken. In den letzten Tagen werden Spötter kommen und sagen: „Wo ist diese seine [Christi] verheißene Gegenwart?“ Ihrer Kenntnis entgeht, daß Gott in alter Zeit eine Welt durch Wasser vernichtete und daß „durch dasselbe Wort ... die Himmel und die Erde, die jetzt sind, aufgespart [sind] für das Feuer“ und „aufbehalten [sind] für den Tag des Gerichts und der Vernichtung der gottlosen Menschen“. Bei Jehova sind tausend Jahre wie e i n Tag. Deshalb „ist [Jehova] hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam“, sondern er ist geduldig und will nicht, daß irgend jemand vernichtet werde. Christen sollen daher über ihren Wandel wachen und Taten der Gottergebenheit wirken, während sie die Gegenwart des Tages Jehovas erwarten und fest im Sinn behalten, durch welchen Tag die Himmel im Feuer aufgelöst werden und die Elemente vor Gluthitze zerschmelzen werden. Doch wird es gemäß Gottes Verheißung „neue Himmel und eine neue Erde“ geben (3:4, 7, 9, 13).

      7. Welche Anstrengungen sollten Christen unternehmen, da sie diese Dinge im voraus wissen?

      7 Darum sollten sie ihr Äußerstes tun, „um schließlich von ihm fleckenlos und makellos und in Frieden erfunden zu werden“. Sie sollten die Geduld ihres Herrn als Rettung betrachten, so wie auch der geliebte Paulus ihnen schrieb. Da sie diese Dinge im voraus wissen, sollten sie sich hüten, um nicht aus ihrem eigenen festen Stand zu fallen. „Nein“, schließt Petrus ab, „sondern wachst weiterhin in der unverdienten Güte und an Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Ihm sei die Herrlichkeit sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit“ (3:14, 18).

      WIESO NÜTZLICH

      8. (a) Wie bezeugt Petrus die Inspiration sowohl der Hebräischen als auch der Griechischen Schriften? (b) Von welchem Nutzen ist es für uns, an der genauen Erkenntnis festzuhalten?

      8 Wie wichtig doch genaue Erkenntnis ist! Petrus selbst flicht in seine Ausführungen genaue Erkenntnis mit ein, die er aus den Hebräischen Schriften erworben hat. Er bezeugt, daß diese vom heiligen Geist inspiriert wurden: „Denn Prophetie wurde niemals durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern Menschen redeten von Gott aus, wie sie von heiligem Geist getrieben wurden.“ Auch Paulus, so erklärt er, ist Weisheit ‘verliehen’ worden (1:21; 3:15). All diese inspirierten Schriften zu betrachten und an der genauen Erkenntnis festzuhalten ist für uns von größtem Nutzen. Es hilft uns, niemals selbstzufrieden zu werden wie diejenigen, die gemäß der Darlegung des Petrus sagen: „Alle Dinge [gehen] genauso weiter wie von Anfang der Schöpfung an“ (3:4). Außerdem werden wir nicht auf falsche Lehrer hereinfallen, wie Petrus sie im zweiten Kapitel seines Briefes schildert. Vielmehr sollten wir beständig über die Ermahnungen von Petrus und den anderen Bibelschreibern nachdenken. Sie helfen uns, „in der Wahrheit befestigt“ zu bleiben und geduldig und standhaft weiterhin „in der unverdienten Güte und an Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus“ zu wachsen (1:12; 3:18).

      9. Uns worum ernsthaft zu bemühen, werden wir angespornt, und warum?

      9 Als Hilfe, um an der ‘genauen Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn’, zuzunehmen, empfiehlt Petrus, sich ernsthaft um die christlichen Eigenschaften zu bemühen, die in Kapitel 1, Vers 5 bis 7 aufgeführt sind. In Vers 8 fügt er hinzu: „Denn wenn diese Dinge in euch vorhanden sind und überströmen, so werden sie euch daran hindern, entweder untätig oder ohne Frucht zu sein hinsichtlich der genauen Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus.“ Das ist wirklich ein hervorragender Ansporn, in unseren kritischen Tagen als Gottes Diener eifrig tätig zu sein (1:2).

      10. (a) Auf welche Verheißungen weist Petrus hin, und wozu mahnt er in Verbindung damit? (b) Welche Zusicherung gibt Petrus hinsichtlich der Königreichsprophezeiungen?

      10 Wie wichtig es doch ist, sich aufs äußerste anzustrengen, um tatsächlich an den „kostbaren und überaus großen Verheißungen“ Jehovas Gottes teilhaben zu dürfen! Darum ermahnt Petrus die gesalbten Christen, den Blick auf das Königreichsziel gerichtet zu halten, indem er sagt: „Tut ... euer Äußerstes, eure Berufung und Auserwählung festzumachen; denn wenn ihr diese Dinge beständig tut, werdet ihr auf keinen Fall jemals fehlgehen. In der Tat, auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Königreich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich dargereicht werden.“ Dann lenkt Petrus die Aufmerksamkeit auf die großartige Königreichsherrlichkeit Jesu, von der er bei der Umgestaltungsvision Augenzeuge geworden war, und er fügt hinzu: „Demzufolge haben wir das prophetische Wort um so fester.“ Ja, jede Prophezeiung über das großartige Königreich Jehovas wird sich mit Sicherheit erfüllen. Und so wiederholen wir voll Zuversicht die Worte, die Petrus aus der Prophezeiung Jesajas zitierte: „Es [gibt] neue Himmel und eine neue Erde, die wir gemäß seiner Verheißung erwarten, und in diesen wird Gerechtigkeit wohnen“ (2. Pet. 1:4, 10, 11, 19; 3:13; Jes. 65:17, 18).

      [Fußnote]

      a Siehe Tabelle auf Seite 303.

  • 62. Bibelbuch — 1. Johannes
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 62. Bibelbuch — 1. Johannes

      Schreiber: Apostel Johannes

      Ort der Niederschrift: Ephesus oder in der Nähe

      Vollendung der Niederschrift: um 98 u. Z.

      1. (a) Welche Eigenschaft durchdringt die Schriften des Johannes, doch was zeigt, daß er nicht sentimental war? (b) Wieso waren seine drei Briefe zeitgemäß?

      JOHANNES, der geliebte Apostel Jesu Christi, hatte eine starke Liebe zur Gerechtigkeit. Das trug dazu bei, daß er gut verstand, wie Jesus dachte und empfand. Es überrascht daher nicht, daß das Thema Liebe seine Schriften beherrscht. Johannes war jedoch nicht sentimental, denn Jesus sprach von ihm als einem der „Donnersöhne [Boanerges]“ (Mar. 3:17). Er schrieb seine drei Briefe genaugenommen zur Verteidigung der Wahrheit und Gerechtigkeit, denn der vom Apostel Paulus vorhergesagte Abfall war offenbar geworden. Die drei Johannesbriefe waren wirklich zeitgemäß, denn sie wappneten die ersten Christen gegen die Übergriffe „dessen, der böse ist“ (2. Thes. 2:3, 4; 1. Joh. 2:13, 14; 5:18, 19).

      2. (a) Wodurch wird angezeigt, daß die Briefe des Johannes viel später geschrieben wurden als die Bücher Matthäus und Markus und die Briefe der Missionare? (b) Wann und wo scheinen die Briefe geschrieben worden zu sein?

      2 Nach dem Inhalt zu urteilen, gehören diese Briefe zu einem viel späteren Zeitabschnitt als die Evangelien von Matthäus und Markus und auch als die Briefe der Missionare Petrus und Paulus. Die Zeiten hatten sich geändert. Nirgendwo wird auf den Judaismus Bezug genommen — die große Gefahr für die Versammlungen in ihren Anfängen —, und es scheint keine einzige unmittelbare Anführung aus den Hebräischen Schriften zu geben. Andererseits spricht Johannes über „die letzte Stunde“ und das Erscheinen ‘vieler Antichristen’ (1. Joh. 2:18). Mit Ausdrücken wie „meine Kindlein“ und „der ältere Mann“ bezeichnet er seine Leser und sich selbst (1. Joh. 2:1, 12, 13, 18, 28; 3:7, 18; 4:4; 5:21; 2. Joh. 1; 3. Joh. 1). All dies deutet auf einen späten Zeitpunkt für seine drei Briefe hin. Auch scheint 1. Johannes 1:3, 4 anzuzeigen, daß das Johannesevangelium etwa zur selben Zeit geschrieben wurde. Es wird allgemein angenommen, daß der Apostel Johannes seine drei Briefe kurz vor seinem Tod (um 98 u. Z.) in der Umgebung von Ephesus geschrieben hat.

      3. (a) Was bezeugt die Glaubwürdigkeit des ersten Johannesbriefes und daß Johannes ihn geschrieben hat? (b) Welcher Text wurde später hinzugefügt, aber wodurch wird bewiesen, daß er unecht ist?

      3 Daß der erste Johannesbrief tatsächlich vom Apostel Johannes geschrieben wurde, ist aus der starken Ähnlichkeit mit dem vierten Evangelium zu ersehen, das er unverkennbar geschrieben hat. Zum Beispiel leitet er den Brief dadurch ein, daß er sich als einen Augenzeugen beschreibt, der „das Wort des Lebens ... das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbar gemacht wurde“, gesehen hat — Ausdrücke, die den einleitenden Worten des Evangeliums des Johannes auffallend ähneln. Seine Glaubwürdigkeit wird durch das Muratorische Fragment und durch Schreiber aus dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wie Irenäus, Polykarp und Papias bezeugt.a Gemäß Eusebius (ca. 260 bis 342 u. Z.) wurde die Echtheit des ersten Johannesbriefes nie in Frage gezogen.b Jedoch ist zu beachten, daß in einigen älteren Übersetzungen zum Kapitel 5 am Ende des Verses 7 und zu Anfang des Verses 8 folgende Worte hinzugefügt worden sind: „Im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist; und diese drei sind eins. Und drei sind, die Zeugnis geben auf Erden“ (Allioli-Bibel). Aber dieser Zusatz findet sich in keiner der frühen griechischen Handschriften und soll offensichtlich die Dreieinigkeitslehre stützen. In den meisten neuzeitlichen Übersetzungen, sowohl in katholischen als auch in protestantischen, fehlen diese Worte im Haupttext (1. Joh. 1:1, 2).c

      4. Vor wem sucht Johannes seine Mitchristen zu schützen, und welche Irrlehren widerlegt er?

      4 Johannes schreibt, um seine „Geliebten“, seine „Kindlein“, vor den falschen Lehren der ‘vielen Antichristen’ zu schützen, die von ihnen ausgegangen sind und die versuchen, sie von der Wahrheit abzubringen (2:7, 18). Diese abtrünnigen Antichristen waren vielleicht von der griechischen Philosophie beeinflußt, zu der der frühe Gnostizismus gehörte, dessen Anhänger behaupteten, besondere mystische Kenntnis von Gott zu haben.d Johannes, der einen festen Stand gegen Abtrünnigkeit einnimmt, behandelt drei Themen ausführlich: Sünde, Liebe und den Antichristen. Seine Erklärungen über Sünde und zur Unterstützung des Schlachtopfers Jesu für Sünden zeigen an, daß diese Antichristen selbstgerecht behaupteten, ohne Sünde zu sein und Jesu Loskaufsopfer nicht zu benötigen. Ihre egoistische „Erkenntnis“ hatte sie selbstsüchtig und lieblos gemacht, was Johannes bloßstellt, während er beständig wahre christliche Liebe betont. Überdies bekämpft Johannes offensichtlich ihre Irrlehre, indem er erläutert, daß Jesus der Christus ist, daß er ein vormenschliches Dasein hatte und daß er im Fleisch als der Sohn Gottes kam, um gläubigen Menschen die Rettung zu ermöglichen (1:7-10; 2:1, 2; 4:16-21; 2:22; 1:1, 2; 4:2, 3, 14, 15). Johannes brandmarkt diese falschen Lehrer deutlich als „Antichristen“ und zeigt verschiedene Arten, wie die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels zu erkennen sind (2:18, 22; 4:3).

      5. Woraus geht hervor, daß der erste Johannesbrief für die gesamte Christenversammlung bestimmt war?

      5 Da keine besondere Versammlung angesprochen wird, war der Brief offenbar für die ganze christliche Bruderschaft bestimmt. Auch das Fehlen einer einleitenden Begrüßung und eines Grußes am Ende weist darauf hin. Einige haben diese Schrift sogar als Abhandlung bezeichnet und nicht als Brief. Durchweg wird der Plural gebraucht, was zeigt, daß der Schreiber seine Worte eher an eine Gruppe als an eine Einzelperson richtete.

      INHALT DES ERSTEN JOHANNESBRIEFES

      6. Welchen Vergleich stellt Johannes zwischen denen an, die im Licht wandeln, und denen, die in der Finsternis sind?

      6 Im Licht wandeln, nicht in der Finsternis (1:1 bis 2:29). „Wir [schreiben] diese Dinge“, sagt Johannes, „damit wir Freude in vollem Maße haben.“ Da „Gott Licht ist“, haben nur diejenigen, die „im Licht wandeln“, „mit ihm teil“ und miteinander. Sie sind durch „das Blut Jesu, seines Sohnes“, von Sünde gereinigt. Andererseits führen sich diejenigen selbst irre, die „in der Finsternis weiterwandeln“ und die behaupten: „Wir haben keine Sünde“, und die Wahrheit ist nicht in ihnen. Wenn sie ihre Sünden bekennen, wird Gott treu sein und ihnen vergeben (1:4-8).

      7. (a) Wie zeigt jemand, daß er Gott kennt und liebt? (b) Wie wird erklärt, wer der Antichrist ist?

      7 Jesus Christus wird als „ein Sühnopfer“ für Sünden, ein „Helfer beim Vater“ kenntlich gemacht. Wer behauptet, Gott zu kennen, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner. Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht, aber wer seinen Bruder haßt, wandelt in der Finsternis. Johannes rät nachdrücklich, nicht die Welt und die Dinge in der Welt zu lieben, denn er sagt: „Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.“ Viele Antichristen sind gekommen, und „sie sind von uns ausgegangen“, erklärt Johannes, aber „sie sind nicht von unserer Art gewesen“. Der Antichrist ist der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist. Er leugnet sowohl den Vater als auch den Sohn. Mögen die „Kindlein“ bei dem bleiben, was sie von Anfang an gelernt haben, damit sie „in Gemeinschaft mit dem Sohn und in Gemeinschaft mit dem Vater bleiben“, gemäß der von ihm empfangenen Salbung, die wahr ist (2:1, 2, 15, 18, 19, 24).

      8. (a) Was unterscheidet die Kinder Gottes von denen des Teufels? (b) Wie haben die „Kindlein“ Liebe kennengelernt, und worauf müssen sie ständig ihr Herz überprüfen?

      8 Kinder Gottes treiben nicht Sünde (3:1-24). Wegen der Liebe des Vaters werden sie „Kinder Gottes“ genannt, und bei Christi Offenbarwerden sollen sie ihm gleich sein und „ihn so sehen, wie er ist“. Sünde ist Gesetzlosigkeit, und wer in Gemeinschaft mit Christus bleibt, treibt nicht Sünde. Wer fortgesetzt Sünde begeht, stammt vom Teufel, dessen Werke der Sohn Gottes abbrechen wird. Die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind folgendermaßen zu erkennen: Diejenigen, die von Gott stammen, haben Liebe zueinander, aber diejenigen, die von dem stammen, der böse ist, sind wie Kain, der seinen Bruder haßte und erschlug. Johannes sagt den „Kindlein“, daß sie die Liebe kennengelernt haben, weil „jener seine Seele“ für sie „hingegeben hat“, und er ermahnt sie, ‘die Tür der Gefühle innigen Erbarmens’ nicht vor ihren Brüdern zu ‘verschließen’. Sie sollen „lieben, nicht mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit“. Um festzustellen, ob sie „aus der Wahrheit stammen“, müssen sie überprüfen, was in ihrem Herzen ist, und sehen, ob sie „die Dinge tun, die in seinen [Gottes] Augen wohlgefällig sind“. Sie müssen sein Gebot halten, nämlich „an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben“. So werden sie wissen, daß sie in Gemeinschaft mit ihm bleiben und er mit ihnen durch seinen Geist (3:1, 2, 16-19, 22, 23).

      9. (a) Woraufhin müssen die inspirierten Äußerungen geprüft werden? (b) Wodurch wird die Verpflichtung, einander zu lieben, betont?

      9 In Gemeinschaft mit Gott einander lieben (4:1 bis 5:21). Die inspirierten Äußerungen müssen geprüft werden. Äußerungen, die leugnen, daß Christus im Fleische kam, ‘stammen nicht von Gott’, sondern vom Antichristen. Sie stammen von der Welt und sind in Gemeinschaft mit ihr, aber die inspirierte Äußerung der Wahrheit ist von Gott. Johannes sagt: ‘Gott ist Liebe’ und: „Die Liebe besteht in dieser Hinsicht nicht darin, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat und seinen Sohn als ein Sühnopfer für unsere Sünden gesandt hat.“ Wie groß ist daher die Verpflichtung, einander zu lieben! Mit denjenigen, die andere lieben, bleibt Gott in Gemeinschaft, und so ist die Liebe vollkommen gemacht worden, daß sie „Freimut der Rede haben“ und die Furcht ausgetrieben wird. „Was uns betrifft“, sagt Johannes, „so lieben wir, weil er uns zuerst geliebt hat.“ „Der, der Gott liebt, [liebe] auch seinen Bruder“ (4:3, 8, 10, 17, 19, 21).

      10. (a) Wie können die Kinder Gottes die Welt besiegen, und welche Zuversicht haben sie? (b) Wie müssen sie gegenüber Sünde und Götzendienst eingestellt sein?

      10 Als Kinder Gottes Liebe zu zeigen bedeutet, seine Gebote zu halten, und das hat zur Folge, daß ihr Glaube die Welt besiegt. Im Hinblick auf diejenigen, die an den Sohn Gottes glauben, gibt Gott Zeugnis, daß er ihnen „ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn“. So können sie zuversichtlich sein, daß er sie erhören wird, worum auch immer sie ihn gemäß seinem Willen bitten. Alle Ungerechtigkeit ist Sünde, doch gibt es eine Sünde, die nicht den Tod nach sich zieht. Jeder aus Gott Geborene treibt keine Sünde. Zwar liegt „die ganze Welt ... in der Macht dessen, der böse ist, ... aber ... der Sohn Gottes [ist] gekommen“, und er hat seine Jünger „verstandesmäßig befähigt“, den wahren Gott zu erkennen, mit dem sie jetzt „durch seinen Sohn Jesus Christus“ in Gemeinschaft sind. Auch müssen sie sich vor Götzen hüten (5:11, 19, 20).

      WIESO NÜTZLICH

      11. Wie können Christen heute gegen Antichristen und weltliche Begierden ankämpfen?

      11 Ebenso wie im ausgehenden ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gibt es auch heute ‘viele Antichristen’, vor denen wahre Christen gewarnt werden müssen. Diese wahren Christen müssen an der „Botschaft“ festhalten, ‘die sie von Anfang an gehört haben, einander zu lieben’, und müssen in Gemeinschaft mit Gott und der wahren Lehre bleiben, indem sie mit Freimut der Rede Gerechtigkeit üben (2:18; 3:11; 2:27-29). Wichtig ist auch die Warnung vor der ‘Begierde des Fleisches und der Begierde der Augen und der auffälligen Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat’, diesen materialistischen, weltlichen Übeln, denen die meisten, die sich als Christen ausgeben, zum Opfer gefallen sind. Wahre Christen meiden die Welt und ihre Begierde, da sie wissen, daß derjenige, der „den Willen Gottes tut, [immerdar] bleibt“. Wie nützlich ist es doch in diesem Zeitalter der weltlichen Begierde, des Sektierertums und des Hasses, Gottes Willen aus den inspirierten Schriften kennenzulernen und ihn zu tun! (2:15-17).

      12. Welche Gegensätze macht der erste Johannesbrief zu unserem Nutzen deutlich, und wie können wir die Welt besiegen?

      12 Es ist zu unserem Nutzen, daß der erste Johannesbrief die Gegensätze deutlich macht zwischen dem Licht, das vom Vater ausgeht, und der Finsternis des Bösen, die die Wahrheit zerstört, zwischen den lebengebenden Lehren Gottes und den trügerischen Lügen des Antichristen, zwischen der Liebe, die die ganze Versammlung derer durchdringt, die in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn sind, und dem mörderischen Haß, wie Kain ihn hatte, der in denen ist, die „von uns ausgegangen [sind], ... damit offenbar gemacht werde, daß nicht alle von unserer Art sind“ (2:19; 1:5-7; 2:8-11, 22-25; 3:23, 24, 11, 12). Da wir dieses Verständnis haben, sollte es unser glühender Wunsch sein, ‘die Welt zu besiegen’. Und wie können wir das tun? Durch starken Glauben und durch „die Liebe zu Gott“, was bedeutet, seine Gebote zu halten (5:3, 4).

      13. (a) Wie wird die Liebe Gottes als eine Triebkraft hervorgehoben? (b) Von welcher Art sollte die Liebe des Christen sein, und zu welcher Gemeinschaft sollte sie führen?

      13 „Die Liebe zu Gott“ — wie wunderbar wird diese Triebkraft in dem ganzen Brief hervorgehoben! Im Kapitel 2 finden wir den scharfen Gegensatz zwischen der Liebe zur Welt und der Liebe zum Vater. Später werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß „Gott Liebe ist“ (4:8, 16). Und wie sich diese Liebe durch Taten äußert! Sie fand ihren großartigen Ausdruck darin, daß der Vater „seinen Sohn als Retter der Welt ausgesandt hat“ (4:14). Dies sollte in unserem Herzen eine auf Wertschätzung beruhende, furchtlose Liebe entfachen, und zwar im Einklang mit den Worten des Apostels: „Was uns betrifft, so lieben wir, weil er uns zuerst geliebt hat“ (4:19). Unsere Liebe sollte so sein wie die des Vaters und des Sohnes — eine tätige, aufopferungsvolle Liebe. Ebenso, wie Jesus seine Seele für uns hingab, „sind [wir] verpflichtet, unsere Seele für unsere Brüder hinzugeben“, ja die Tür unserer Gefühle innigen Erbarmens zu öffnen, um unsere Brüder nicht nur mit Worten zu lieben, sondern „in Tat und Wahrheit“ (3:16-18). Wie der Johannesbrief deutlich zeigt, verbindet ebendiese Liebe, gepaart mit der wahren Erkenntnis Gottes, diejenigen, die weiter mit Gott wandeln, zu einer unverbrüchlichen Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn (2:5, 6). Zu den Königreichserben, die in diesem gesegneten Band der Liebe vereint sind, sagt Johannes: „Und wir sind in Gemeinschaft mit dem Wahrhaftigen durch seinen Sohn Jesus Christus. Dies ist der wahre Gott und ewiges Leben“ (5:20).

      [Fußnoten]

      a The International Standard Bible Encyclopedia, Band 2, 1982, herausgegeben von G. W. Bromiley, Seite 1095, 1096.

      b The Ecclesiastical History, III, XXIV, 17.

      c Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 844, 845.

      d New Bible Dictionary, zweite Auflage, 1986, herausgegeben von J. D. Douglas, Seite 426, 604.

  • 63. Bibelbuch — 2. Johannes
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 63. Bibelbuch — 2. Johannes

      Schreiber: Apostel Johannes

      Ort der Niederschrift: Ephesus oder in der Nähe

      Vollendung der Niederschrift: um 98 u. Z.

      1. An wen könnte der zweite Johannesbrief gerichtet gewesen sein?

      DER zweite Brief des Johannes ist kurz — er könnte auf einen einzigen Papyrusbogen geschrieben worden sein —, aber er ist inhaltsreich. Er ist „an die auserwählte edle Frau und ihre Kinder“ gerichtet. Da „Kyria“ (griechisch für „Herrin“, „edle Frau“) damals ein Eigenname war, sind einige Bibelgelehrte der Meinung, der Brief sei an eine Einzelperson mit diesem Namen gerichtet gewesen. Andere dagegen nehmen an, daß Johannes an eine Christenversammlung schrieb und sie als „die auserwählte edle Frau“ bezeichnete. Das könnte er getan haben, um mögliche Verfolger zu verwirren. In diesem Fall müßten die im letzten Vers erwähnten Grüße der „Kinder deiner Schwester“ die Grüße einer anderen Versammlung gewesen sein. Somit war der zweite Brief kein allgemeines Rundschreiben wie der erste, sondern war offensichtlich an eine Einzelperson oder an eine bestimmte Versammlung gerichtet (V. 1).

      2. (a) Was deutet darauf hin, daß der Apostel Johannes der Schreiber des zweiten Johannesbriefes war? (b) Was läßt vermuten, daß der Brief um das Jahr 98 u. Z. in Ephesus oder in dessen Umgebung geschrieben wurde, und wodurch wird seine Glaubwürdigkeit bestätigt?

      2 Es besteht kein Grund zu bezweifeln, daß Johannes den Brief geschrieben hat. Der Schreiber nennt sich „der ältere Mann“. Diese Bezeichnung ist für Johannes nicht nur passend wegen seines vorgerückten Alters, sondern auch, weil er als eine der „Säulen“ (Gal. 2:9) und als der letzte noch lebende Apostel tatsächlich ein „älterer Mann“ in der Christenversammlung war. Er war bekannt und brauchte seinen Lesern nicht besonders vorgestellt zu werden. Auch die Ähnlichkeit des Stils dieses Briefes mit dem Stil seines ersten Briefes und des Johannesevangeliums deutet auf Johannes als den Schreiber hin. Wie der erste Brief, so scheint auch der zweite um das Jahr 98 u. Z. in Ephesus oder in dessen Umgebung geschrieben worden zu sein. In McClintocks und Strongs Cyclopedia heißt es über den zweiten und den dritten Johannesbrief: „Aufgrund der allgemeinen Ähnlichkeit der beiden Briefe ist anzunehmen, daß sie kurz nach dem ersten Brief aus Ephesus geschrieben wurden. In beiden werden die Grundsätze, die im ersten Brief eingehend dargelegt wurden, auf Einzelfälle des Verhaltens angewandt.“a Irenäus, der im zweiten Jahrhundert lebte, bestätigte die Glaubwürdigkeit des Briefes, indem er ihn anführte, und sein Zeitgenosse, Klemens von Alexandria, erkannte ihn ebenfalls an.b Die Johannesbriefe sind auch im Muratorischen Fragment aufgeführt.

      3. Warum schrieb Johannes diesen Brief?

      3 Johannes schrieb diesen Brief aus dem gleichen Grund wie den ersten: wegen des Angriffs auf den christlichen Glauben durch falsche Lehrer. Er wollte seine Leser vor diesen Leuten warnen, damit sie sie erkennen und sich von ihnen fernhalten konnten, während sie weiterhin in der Wahrheit wandelten und einander liebten.

      INHALT DES ZWEITEN JOHANNESBRIEFES

      4. Warum mahnt Johannes insbesondere zur gegenseitigen Liebe, und wie sollen diejenigen, die der Lehre Christi vorausdrängen, behandelt werden?

      4 Liebt einander; weist Abtrünnige ab (V. 1-13). Zunächst erwähnt Johannes, daß er die „auserwählte edle Frau und ihre Kinder“ in Wahrheit liebt und sich freut, unter ihnen einige gefunden zu haben, die in der Wahrheit wandeln, wie der Vater es geboten hat. Sie sollen einander lieben und weiterhin nach den Geboten Gottes wandeln. Viele Betrüger und Antichristen sind in die Welt ausgegangen, die das Kommen Jesu Christi im Fleische nicht bekennen. Wer der Lehre Christi vorausdrängt, hat Gott nicht, wer aber in dieser Lehre bleibt, „hat sowohl den Vater als auch den Sohn“. Jemand, der diese Lehre nicht bringt, sollte weder ins Haus aufgenommen noch gegrüßt werden. Johannes hätte ihnen noch vieles zu schreiben, aber er hofft, statt dessen zu ihnen zu kommen und mit ihnen von Angesicht zu Angesicht zu reden, damit sie Freude „in vollem Maße“ haben mögen (V. 9, 12).

      WIESO NÜTZLICH

      5. (a) Welche Situation entstand in den Tagen des Johannes und ist auch heute zu beobachten? (b) Wie können wir beweisen, daß wir die gleiche Wertschätzung für die Einheit der Versammlung haben wie Johannes?

      5 Anscheinend gab es in den Tagen des Johannes — so wie heute — einige, denen die leichtverständlichen, einfachen Lehren Christi nicht genügten. Sie wünschten mehr: etwas, was ihrem eigenen Ich schmeicheln würde, etwas, was sie erhöhen und auf die gleiche Stufe wie weltliche Philosophen stellen würde, und es machte ihnen nichts aus, die Christenversammlung zu verseuchen und Spaltungen hervorzurufen, um ihre selbstsüchtigen Ziele zu erreichen. Johannes schätzte die Harmonie in der Versammlung, die auf Liebe und auf der richtigen Lehre in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn beruht. Wir sollten heute den gleichen Wert auf die Einheit innerhalb der Versammlung legen und keinen Umgang mit Personen haben, die abgefallen sind und eine Lehre angenommen haben, die über das hinausgeht, was wir durch die inspirierten Schriften empfangen haben, ja wir sollten sie nicht einmal grüßen. Wenn wir weiterhin nach den Geboten Gottes wandeln und die Freude, die unter wahren Christen zu finden ist, in vollem Maße haben, wird „unverdiente Güte ... mit uns sein, Barmherzigkeit und Frieden von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, mit Wahrheit und Liebe“ (V. 3). Im zweiten Johannesbrief wird der Segen einer solchen christlichen Einheit eindeutig hervorgehoben.

      [Fußnoten]

      a Nachdruck 1981, Band IV, Seite 955.

      b New Bible Dictionary, zweite Auflage, 1986, herausgegeben von J. D. Douglas, Seite 605.

  • 64. Bibelbuch — 3. Johannes
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 64. Bibelbuch — 3. Johannes

      Schreiber: Apostel Johannes

      Ort der Niederschrift: Ephesus oder in der Nähe

      Vollendung der Niederschrift: um 98 u. Z.

      1. Wer war der Empfänger des dritten Johannesbriefes, und was ist über ihn bekannt?

      DER Empfänger dieses Briefes war Gajus, ein treuer Christ, den Johannes in Wahrheit liebte. Den Namen Gajus gab es zur Zeit der frühen Christenversammlung häufig. Er erscheint in anderen Teilen der Christlichen Griechischen Schriften viermal und bezieht sich auf wenigstens drei, wahrscheinlich aber vier verschiedene Männer (Apg. 19:29; 20:4; Röm. 16:23; 1. Kor. 1:14). Es steht uns keine Mitteilung zur Verfügung, aus der eindeutig hervorginge, daß der Gajus, an den Johannes schrieb, einer dieser anderen war. Über Gajus wissen wir nur, daß er einer Christenversammlung angehörte, daß er ein besonderer Freund des Johannes war und daß der Brief an ihn persönlich gerichtet war, weshalb er in der Duform geschrieben ist.

      2. Wer war der Verfasser des dritten Johannesbriefes, und wann und wo wurde er geschrieben?

      2 Da die Anfangsworte und die Grüße am Schluß mit denen des zweiten Johannesbriefes fast identisch sind und sich der Schreiber wieder als „der ältere Mann“ bezeichnet, ist es ganz sicher, daß der Apostel Johannes auch diesen Brief schrieb (2. Joh. 1). Die Ähnlichkeit des Inhalts und der Ausdrucksweise deutet ferner an, daß er, wie die beiden anderen Briefe, in oder nahe bei Ephesus um das Jahr 98 u. Z. geschrieben wurde. Wegen seiner Kürze haben die frühchristlichen Schriftsteller selten daraus zitiert, aber er ist wie der zweite Johannesbrief in alten Verzeichnissen der inspirierten Schriften zu finden.a

      3. Wofür bedankt sich Johannes im dritten Johannesbrief, und welche Vorstellung vermittelt er von der engen Verbindung, die innerhalb der Bruderschaft der ersten Christen bestand?

      3 In seinem Brief dankt Johannes Gajus für die Gastfreundschaft, die er reisenden Brüdern erwies, und er erwähnt die Schwierigkeiten mit einem gewissen ehrgeizigen Diotrephes. Demetrius, von dem er kurz spricht, war offenbar der Überbringer des Briefes. Es ist daher möglich, daß Johannes ihn gesandt hatte und daß er auf seiner Reise auf die Gastfreundschaft des Gajus angewiesen war. Der Brief sollte bewirken, daß Gajus ihn aufnahm. Was schon von Gajus gesagt wurde, gilt auch für Diotrephes und Demetrius: Wir wissen nur das über sie, was in dem Brief gesagt wird. Doch der Brief vermittelt uns eine gewisse Vorstellung von der engen Verbindung, die innerhalb der internationalen Bruderschaft bestand. So pflegten sie zum Beispiel die, die „zugunsten seines Namens“ reisten, gastfreundlich aufzunehmen, obschon diese ihrem Gastgeber persönlich nicht bekannt sein mochten (V. 7).

      INHALT DES DRITTEN JOHANNESBRIEFES

      4. Wofür lobt Johannes Gajus, welches widerspenstige Verhalten verurteilt er, und welchen guten Rat erteilt er?

      4 Der Apostel rät zu Gastfreundschaft und guten Werken (V. 1-14). Johannes freut sich zu hören, daß Gajus immer noch „in der Wahrheit“ wandelt. Er lobt ihn für die treue Arbeit, die er leistet, indem er für Brüder, die zu Besuch kommen, liebevoll sorgt. „Wir [sind] verpflichtet“, sagt Johannes, „solche Personen gastfreundlich aufzunehmen, damit wir zu Mitarbeitern in der Wahrheit werden.“ Johannes hatte vorher an die Versammlung geschrieben, aber Diotrephes, der den Ersten spielen will, nimmt von Johannes oder von anderen nichts mit Respekt an. Wenn Johannes kommt, wird er ihn wegen seines ‘Schwatzens mit bösen Worten’ zur Rechenschaft ziehen. Dem geliebten Gajus wird geraten, ‘nicht das Böse nachzuahmen, sondern das Gute’. Demetrius wird als ein lobenswertes Beispiel angeführt. Johannes möchte Gajus noch viele Dinge schreiben, aber er hofft, ihn bald von Angesicht zu Angesicht zu sehen (V. 4, 8, 10, 11).

      WIESO NÜTZLICH

      5. (a) Wie erwies sich Johannes als ein vorbildlicher Aufseher, und welche Eigenschaften sollten weiterhin bekundet werden? (b) Warum sprach Johannes so unverblümt in bezug auf Diotrephes? (c) Wonach sollten wir heute eifrig streben und somit in Einklang mit welchem von Johannes dargelegten Grundsatz handeln?

      5 Der Apostel Johannes erwies sich als ein vorbildlicher Aufseher, indem er eifrig darauf bedacht war, die Versammlung vor Einflüssen zu schützen, die sie vergiften könnten. Lobenswert war die Liebe und die Gastfreundschaft, die die Versammlung bekundete, und sie war verpflichtet, das weiterhin zu tun, damit die Brüder der Versammlung sowie „fremde“ (Personen, die bis dahin ihren christlichen Gastgebern persönlich nicht bekannt gewesen waren), die zu ihnen kamen, gemeinsam zu „Mitarbeitern in der Wahrheit“ wurden (V. 5, 8). Diotrephes jedoch hatte hohe Augen, etwas, was Jehova haßt, und er hatte keinen Respekt vor theokratischer Autorität, ja er schwatzte mit bösen Worten über den Apostel Johannes (Spr. 6:16, 17). Er stand der von der Versammlung geübten christlichen Gastfreundschaft im Wege. Es ist daher nicht verwunderlich, daß Johannes dieses Übel so unverblümt anprangerte und sich freimütig für echte christliche Liebe in der Versammlung einsetzte. Wir sollten heute ebenso eifrig danach streben, demütig zu sein, in der Wahrheit zu wandeln und gottgefällige Liebe und Freigebigkeit zu üben, in Einklang mit dem von Johannes dargelegten Grundsatz: „Wer Gutes tut, stammt von Gott. Wer Böses tut, hat Gott nicht gesehen“ (3. Joh. 11).

      [Fußnote]

      a Siehe die Tabelle „Hervorragende frühe Kanonverzeichnisse der Christlichen Griechischen Schriften“, Seite 303.

  • 65. Bibelbuch — Judas
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 65. Bibelbuch — Judas

      Schreiber: Judas

      Ort der Niederschrift: Palästina (?)

      Vollendung der Niederschrift: um 65 u. Z.

      1. Welche Zustände innerhalb der Versammlung veranlaßten Judas, seinen kernigen Brief zum Nutzen seiner Brüder zu schreiben?

      DIE christlichen Brüder des Judas waren in Gefahr. In der Zeit nach dem Tod und der Auferstehung Christi Jesu hatten sich fremde Elemente in die Christenversammlung eingeschlichen. Wie der Apostel Paulus etwa 14 Jahre früher warnend vorhergesagt hatte, war der Feind eingedrungen, um den Glauben zu untergraben (2. Thes. 2:3). Wie konnten die Brüder auf diese Gefahr hingewiesen und zur Wachsamkeit aufgefordert werden? Der Judasbrief mit seinen treffenden, kernigen und freimütigen Ausführungen gab die Antwort. In den Versen 3 und 4 legte Judas seinen Standpunkt deutlich dar: ‘Ich fand es für notwendig, euch zu schreiben, weil sich gewisse Leute eingeschlichen haben, gottlose Menschen, welche die unverdiente Güte unseres Gottes zu einer Entschuldigung für Zügellosigkeit verkehren.’ Die eigentlichen Grundlagen, die gesunde Lehre und die Moral, waren in Gefahr. Judas fühlte sich gedrängt, für die Interessen seiner Brüder zu kämpfen, damit sie ihrerseits einen harten Kampf für den Glauben führen könnten.

      2. (a) Wer war Judas? (b) Welches Verhältnis zu Jesus schätzte Judas am meisten?

      2 Doch wer war Judas? In der Einleitung heißt es über den Schreiber des Briefes: „Judas, ein Sklave Jesu Christi, aber ein Bruder des Jakobus, an die Berufenen“. War Judas ein Apostel, da zwei der ursprünglichen 12 Apostel Jesu Judas hießen? (Luk. 6:16). Judas selbst bezeichnet sich nicht als Apostel, und wenn er die Apostel erwähnt, spricht er von ihnen in der dritten Person („sie“), schließt sich also offensichtlich aus (Jud. 17, 18). Außerdem nennt er sich „ein Bruder des Jakobus“, womit er anscheinend den Schreiber des Jakobusbriefes meint, der ein Halbbruder Jesu war (V. 1). Als eine der „Säulen“ der Versammlung in Jerusalem war dieser Jakobus gut bekannt, weshalb Judas sich als sein Bruder bezeichnet. Folglich war Judas ebenfalls ein Halbbruder Jesu, und er wird auch als solcher angeführt (Gal. 1:19; 2:9; Mat. 13:55; Mar. 6:3). Doch Judas nutzte seine fleischliche Verwandtschaft mit Jesus nicht zu seinem Vorteil aus, sondern legte demütig Nachdruck auf seine geistige Verwandtschaft als „Sklave Jesu Christi“ (1. Kor. 7:22; 2. Kor. 5:16; Mat. 20:27).

      3. Wodurch wird die Glaubwürdigkeit des Judasbriefes bestätigt?

      3 Die Glaubwürdigkeit dieses Bibelbuches wird durch die Angaben im Muratorischen Fragment aus dem zweiten Jahrhundert u. Z. bestätigt. Außerdem wurde es von Klemens von Alexandria (zweites Jahrhundert u. Z.) als kanonisch anerkannt. Origenes bezeichnete es als ein Werk „von nur wenigen Zeilen, aber voll heilsamer Worte göttlicher Gnade“.a Auch Tertullian betrachtete es als echt. Es gehört also zweifellos zu den inspirierten Schriften.

      4. Was für ein Brief ist der Judasbrief, wo wurde er wahrscheinlich geschrieben, und vermutlich wann?

      4 Judas schreibt „an die Berufenen“, ohne eine bestimmte Versammlung oder Einzelperson zu nennen, was bedeutet, daß sein Brief ein allgemeines Schreiben ist, das an alle Christen weitergegeben werden sollte. Als Ort der Niederschrift kommt am ehesten Palästina in Frage, obwohl es nicht ausdrücklich gesagt wird. Auch die Zeit der Niederschrift läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Immerhin muß die Christenversammlung schon eine geraume Zeit bestanden haben, denn Judas lenkt die Aufmerksamkeit auf „die Worte ..., die von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus zuvor geredet worden sind“, und führt dann offensichtlich 2. Petrus 3:3 an (Jud. 17, 18). Darüber hinaus besteht zwischen dem Judasbrief und dem zweiten Kapitel des zweiten Petrusbriefes eine starke Ähnlichkeit. Das läßt darauf schließen, daß Judas etwa um dieselbe Zeit schrieb wie Petrus, denn beide waren in großer Sorge wegen der Gefahr, die der Versammlung drohte. Deshalb nimmt man an, daß der Brief um das Jahr 65 u. Z. geschrieben wurde. Diese Annahme wird auch dadurch gestützt, daß Judas weder den Einmarsch des Cestius Gallus in Jerusalem zur Niederwerfung des jüdischen Aufstandes im Jahre 66 u. Z. erwähnt noch den Fall der Stadt im Jahre 70 u. Z. Er weist in seinem Brief auf bestimmte göttliche Gerichte hin, die an Sündern vollzogen worden waren, und logischerweise hätte er, sofern Jerusalem bereits gefallen gewesen wäre, diesen Gerichtsvollzug zur Bekräftigung seiner Argumentation erwähnt, und das um so mehr, als Jesus dieses Ereignis vorhergesagt hatte (Jud. 5-7; Luk. 19:41-44).

      INHALT DES JUDASBRIEFES

      5. (a) Warum findet Judas es für notwendig, den Berufenen zu schreiben, sie sollten „einen harten Kampf für den Glauben ... führen“? (b) Welche warnenden Beispiele führt Judas an?

      5 Warnung vor Hurerei und davor, Herrschaft zu mißachten (V. 1-16). Nach herzlichen Grüßen an die „Berufenen“ schreibt Judas, er habe die Absicht gehabt, ihnen „über unsere gemeinsame Rettung“ zu schreiben, doch nun finde er es für notwendig, sie zu ermahnen, „einen harten Kampf für den Glauben zu führen“. Wieso? Weil sich gottlose Menschen eingeschlichen haben, die Gottes unverdiente Güte zu einer Entschuldigung für Zügellosigkeit verkehren und sich, wie Judas sagt, „gegenüber unserem alleinigen Besitzer und Herrn, Jesus Christus, als falsch erweisen“ (V. 1, 3, 4). Judas erinnert sie daran, daß Jehova zwar ein Volk aus Ägypten rettete, später aber „die vernichtete, die keinen Glauben bekundeten“. Auch hat Jehova die Engel, die ihre rechte Wohnstätte verließen, „für das Gericht des großen Tages“ aufbehalten. Ebenso wurden die Städte Sodom und Gomorra und ihre Nachbarstädte dadurch, daß sie für immer bestraft wurden, ein warnendes Beispiel für die, die ‘über die Maßen Hurerei begehen und dem Fleisch zu unnatürlichem Gebrauch nachgehen’ (V. 5-7).

      6. Wie handeln gottlose Menschen, und auf welche Weise veranschaulicht Judas die Verkehrtheit und den Ausgang ihrer Handlungsweise?

      6 Heutzutage „beflecken“ gottlose Menschen in gleicher Weise „das Fleisch und mißachten die Herrschaft und reden lästerlich über Herrliche“. Aber selbst der Erzengel Michael redete nicht in lästernden Worten mit dem Teufel, als er sich mit ihm wegen des Leibes Mose auseinandersetzte, sondern sagte einfach: „Jehova schelte dich.“ Doch diese Menschen reden lästerlich und fahren fort, sich wie vernunftlose Tiere zu verderben. Sie sind den Weg Kains, Bileams und des rebellischen Korah gegangen. Sie gleichen Felsenriffen, die unter dem Wasser verborgen sind, wasserlosen Wolken, fruchtlosen, zweimal abgestorbenen und entwurzelten Bäumen sowie wilden Wogen, die ihre Schande ausschäumen, und Sternen ohne festgesetzte Bahn. Ihnen ist „für immer die Schwärze der Finsternis aufbehalten“ (V. 8, 9, 13). Henoch prophezeite, daß Jehova an diesen Gottlosen das Gericht vollziehen wird. Es sind Personen, die murren und sich beklagen und aus eigennützigen Motiven Persönlichkeiten bewundern.

      7. (a) Was sagten die Apostel warnend über Spötter? (b) Was sollten die „Geliebten“ angesichts der Hoffnung auf ewiges Leben für sich und für andere tun?

      7 Rat darüber, wie man in Gottes Liebe bleiben kann (V. 17-25). Judas erinnert die Brüder an die Worte der Apostel des Herrn Jesus Christus, die wiederholt sagten, daß es ‘in der letzten Zeit Spötter geben wird, die gemäß ihren eigenen Begierden nach gottlosen Dingen vorgehen werden’. Diese Unruhestifter sind „animalische Menschen, die keine geistige Gesinnung haben“. Die „Geliebten“ sollten sich daher am Glauben erbauen und sich in Gottes Liebe bewahren, während sie „mit der Aussicht auf ewiges Leben“ auf die Barmherzigkeit Christi warten. Andererseits sollten sie denen, die Zweifel haben, Barmherzigkeit erweisen und Hilfe leisten. Judas schließt ab, indem er „Gott, unserem Retter“, das heißt dem, der sie vor dem Straucheln behüten kann, durch den Herrn Jesus Christus Herrlichkeit zuschreibt (V. 18-21, 25).

      WIESO NÜTZLICH

      8. Wie gebrauchte Judas die inspirierten Schriften und das „Buch der Natur“, um seine Brüder zu ermahnen?

      8 Judas selbst fand die inspirierten Schriften nützlich, um die „Geliebten“ zu warnen, zu ermahnen, zu ermuntern, zu belehren und zurechtzuweisen. Um die grobe Sünde der gottlosen Eindringlinge bloßzustellen, führte er anschauliche Beispiele aus den Hebräischen Schriften an — wie etwa die abtrünnigen Israeliten, die Engel, die sündigten, und die Bewohner von Sodom und Gomorra —, die zeigen, daß alle, die ähnlichen Lastern frönen, eine ähnliche Strafe erleiden werden. Er verglich verderbte Menschen mit vernunftlosen Tieren und sagte, sie würden den Pfad Kains gehen, sie stürzten sich in den Irrtum Bileams und würden wie Korah wegen ihrer rebellischen Rede zugrunde gehen. Auch dem „Buch der Natur“ entnahm Judas anschauliche Bilder. Sein freimütiger Brief ist zu einem Bestandteil der „ganzen Schrift“ geworden und sollte wie die übrigen Bibelbücher erforscht werden, da er den Weg zu einem rechten Verhalten „in der letzten Zeit“ weist (Jud. 17, 18, 5-7, 11-13; 4. Mo. 14:35-37; 1. Mo. 6:4; 18:20, 21; 19:4, 5, 24, 25; 4:4, 5, 8; 4. Mo. 22:2-7, 21; 31:8; 16:1-7, 31-35).

      9. Warum sind die Warnungen des Judas immer noch zeitgemäß, und in welchen Bereichen müssen sich Christen weiterhin erbauen?

      9 Widerstand und Prüfungen von außen hatten die Ausbreitung des Christentums nicht aufhalten können, doch nun bestand für die Brüder die Gefahr, von innen heraus verderbt zu werden. Unter der Oberfläche verborgene Felsenriffe drohten die ganze Versammlung zugrunde zu richten. Da Judas erkannte, daß sich diese Gefahr noch verheerender auswirken konnte, forderte er die Brüder dringend auf, „einen harten Kampf für den Glauben zu führen“. Sein Brief ist heute genauso zeitgemäß wie damals. Die gleiche Warnung ist auch in unserer Zeit angebracht. Es ist weiterhin notwendig, für den Glauben zu kämpfen und ihn zu bewahren, Unmoral auszumerzen, Zweiflern Barmherzigkeit zu erweisen und ihnen zu helfen, indem man sie, wenn möglich, „aus dem Feuer reißt“. Im Interesse der sittlichen Lauterkeit und um in geistiger Hinsicht aktiv zu bleiben und die wahre Anbetung zu fördern, müssen Christen sich weiterhin an ihrem allerheiligsten Glauben erbauen, zu rechten Grundsätzen stehen und sich Gott im Gebet nahen. Sie müssen auch die richtige Achtung vor der „Herrschaft“ haben, indem sie die von Gott verliehene Autorität innerhalb der Christenversammlung respektieren (Jud. 3, 23, 8).

      10. (a) Wie sollte die Versammlung gegen animalische Menschen vorgehen, und was wird das bewirken? (b) Welcher Lohn steht den Königreichserben in Aussicht, und in welcher Hinsicht stimmen sie Judas bei?

      10 „Animalische Menschen, die keine geistige Gesinnung haben“, werden nicht in Gottes Königreich eingehen, gefährden aber andere, die auf dem Weg zum ewigen Leben sind (Jud. 19; Gal. 5:19-21). Die Versammlung muß vor solchen Personen gewarnt werden und muß sich ihrer entledigen. Auf diese Weise werden den Geliebten gegenüber „Barmherzigkeit und Frieden und Liebe“ gemehrt werden, und sie bewahren sich in Gottes Liebe, ‘während sie mit der Aussicht auf ewiges Leben auf die Barmherzigkeit ihres Herrn Jesus Christus warten’. Gott, der Retter, wird die Königreichserben „vor seiner Herrlichkeit mit großer Freude makellos“ hinstellen. Sicherlich stimmen diese Judas bei, der Gott durch Jesus Christus „Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt“ zuschrieb (Jud. 2, 21, 24, 25).

      [Fußnote]

      a B. M. Metzger, The Canon of the New Testament, 1987, Seite 138.

  • 66. Bibelbuch — Offenbarung
    „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
    • 66. Bibelbuch — Offenbarung

      Schreiber: Apostel Johannes

      Ort der Niederschrift: Patmos

      Vollendung der Niederschrift: um 96 u. Z.

      1. (a) Womit stimmen Gottes Diener bezüglich der symbolischen Darstellungen der Offenbarung überein? (b) Warum steht die Offenbarung richtigerweise am Schluß der Bibel?

      SOLLEN die symbolischen Darstellungen der Offenbarung erschrecken? Weit davon entfernt! Die Erfüllung der Prophezeiung mag die Bösen in Schrecken versetzen, aber Gottes treue Diener stimmen mit den einleitenden Worten und der abschließenden Erklärung des Engels überein: „Glücklich der, der laut liest, und diejenigen, die die Worte dieser Prophezeiung hören.“ „Glücklich ist jeder, der die Worte der Prophezeiung dieser Buchrolle hält“ (Offb. 1:3; 22:7). Obwohl Johannes die Offenbarung vor den vier anderen seiner inspirierten Bücher schrieb, steht sie in der Sammlung der 66 inspirierten Bücher, aus denen die Bibel besteht, richtigerweise am Schluß, weil sie den Leser weit in die Zukunft blicken läßt. Sie vermittelt ein umfassendes Bild des Vorsatzes Gottes bezüglich der Menschen und bringt das großartige Thema der Bibel — die Heiligung des Namens Jehovas und die Rechtfertigung seiner Souveränität durch das Königreich unter Christus, dem verheißenen Samen — zu einem herrlichen Höhepunkt.

      2. Wie erhielt Johannes die Offenbarung, und wieso ist der Name des Buches treffend?

      2 Nach dem einleitenden Vers ist dies „eine Offenbarung von Jesus Christus, die Gott ihm gab ... Und er sandte seinen Engel aus und legte sie durch ihn in Zeichen seinem Sklaven Johannes dar.“ Johannes war somit nur der Schreiber, nicht der Urheber der Offenbarung. Er ist daher nicht der Offenbarer, auch ist das Buch keine Offenbarung des Johannes (1:1). Da Gott in der Offenbarung seinen wunderbaren Vorsatz für die Zukunft seinem Sklaven entschleiert, ist ihr griechischer Name treffend, denn er lautet Apokálypsis (Apokalypse) und bedeutet „Enthüllung“ oder „Entschleierung“.

      3. Wie zeigt die Offenbarung, wer der Schreiber namens Johannes war, und wie wird das durch frühchristliche Historiker gestützt?

      3 Wer war dieser Johannes, der im ersten Kapitel als Schreiber der Offenbarung genannt wird? Es wird gesagt, daß er sowohl ein Sklave Jesu Christi als auch ein Bruder und Teilhaber an der Drangsal war und daß er auf der Insel Patmos in Verbannung lebte. Er war seinen ersten Lesern offensichtlich gut bekannt, weshalb eine weitere Identifizierung nicht nötig war. Es muß sich um den Apostel Johannes handeln. Diese Schlußfolgerung wird von den meisten frühchristlichen Historikern gestützt. Papias, der in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts schrieb, war der Meinung, das Buch sei apostolischen Ursprungs. Justin der Märtyrer, der im zweiten Jahrhundert lebte, schrieb in seinem Dialog mit dem Juden Tryphon (LXXXI): „Ferner hat einer, der bei uns war, Johannes hieß und zu den Aposteln Christi gehörte, in einer Offenbarung prophezeit.“a Irenäus sagt ausdrücklich, daß der Apostel Johannes der Schreiber war, auch Klemens von Alexandria und Tertullian (spätes zweites und frühes drittes Jahrhundert) bestätigen das. Origenes, ein hervorragender Bibelgelehrter des dritten Jahrhunderts, schrieb: „Johannes endlich, der an der Brust Jesu gelegen, hinterließ e i n Evangelium ... Er schrieb die Apokalypse.“b

      4. (a) Was erklärt den unterschiedlichen Stil der Offenbarung, verglichen mit den anderen Schriften des Johannes? (b) Was beweist, daß die Offenbarung echt ist und zu den inspirierten Schriften gehört?

      4 Die Tatsache, daß in den anderen Schriften des Johannes so viel Nachdruck auf Liebe gelegt wird, bedeutet nicht, daß Johannes die eindrucksvolle, dynamische Offenbarung nicht geschrieben haben könnte. Er und sein Bruder Jakobus waren einmal so empört über die Leute in einem Dorf der Samariter, daß sie Feuer vom Himmel herabrufen wollten. Darum erhielten sie auch den Beinamen „Boanerges“, das heißt „Donnersöhne“ (Mar. 3:17; Luk. 9:54). Die Verschiedenheit im Stil sollte keine Schwierigkeiten bereiten, wenn man bedenkt, daß der Inhalt der Offenbarung ein ganz anderer ist. Was Johannes in diesen Visionen sah, war einmalig, so etwas hatte er noch nie gesehen. Die völlige Übereinstimmung der Offenbarung mit den übrigen prophetischen Schriften beweist unzweifelhaft, daß sie echt ist und zum inspirierten Wort Gottes gehört.

      5. Wann schrieb Johannes die Offenbarung, und unter welchen Umständen?

      5 Gemäß den frühesten Zeugnissen schrieb Johannes die Offenbarung um 96 u. Z., ungefähr 26 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems oder gegen Ende der Regierungszeit des Kaisers Domitian. Das bestätigt Irenäus in seinem Werk Fünf Bücher gegen alle Häresien (V, xxx), in dem er über die Offenbarung schreibt: „Denn sie wurde auch nicht vor langer Zeit geschaut, sondern fast in unserem Zeitalter, am Ende der Regierung des Domitian.“c Sowohl Eusebius als Hieronymus stimmen mit diesem Zeugnis überein. Domitian war ein Bruder des Titus, der die römischen Truppen befehligte, die Jerusalem zerstörten. Als Titus starb, wurde Domitian Kaiser, 15 Jahre vor der Niederschrift der Offenbarung. Er forderte, als Gott verehrt zu werden, und nahm den Titel Dominus et Deus noster an („Unser Herr und Gott“).d Der Kaiserkult störte die Leute nicht, die falsche Götter verehrten, den ersten Christen dagegen war es unmöglich mitzumachen; sie weigerten sich, ihrem Glauben in dieser Sache zuwiderzuhandeln. Gegen Ende der Herrschaft Domitians (81—96 u. Z.) wurden die Christen heftig verfolgt. Man nimmt an, daß Johannes von Domitian nach Patmos verbannt wurde. Als Domitian im Jahre 96 u. Z. ermordet wurde, folgte ihm ein toleranterer Kaiser auf den Thron — Nerva, der Johannes schließlich freiließ. Johannes empfing die Visionen, die er niederschrieb, in der Zeit, als er auf Patmos verbannt war.

      6. Als was sollten wir die Offenbarung sehen, und wie ist sie gegliedert?

      6 Wir müssen uns dessen bewußt sein, daß das, was Johannes sah und was er den Versammlungen schreiben sollte, keine Reihe von beziehungslosen, wahllos aufgezeichneten Visionen war. Nein, die gesamte Offenbarung, von Anfang bis Ende, gibt ein zusammenhängendes Bild kommender Dinge, indem sie von einer Vision zur anderen übergeht, bis Gottes Vorsätze in Verbindung mit dem Königreich am Abschluß der Visionen völlig enthüllt sind. Wir sollten daher das Buch der Offenbarung als ein Ganzes sehen, bestehend aus miteinander in Verbindung stehenden, übereinstimmenden Teilen, das den Leser von der Zeit des Johannes an weit in die Zukunft blicken läßt. Nach den einleitenden Versen (Offb. 1:1-9) gliedert es sich in 16 Visionen: (1) 1:10⁠—⁠3:22; (2) 4:1⁠—⁠5:14; (3) 6:1-17; (4) 7:1-17; (5) 8:1⁠—⁠9:21; (6) 10:1⁠—⁠11:19; (7) 12:1-17; (8) 13:1-18; (9) 14:1-20; (10) 15:1 bis 16:21; (11) 17:1-18; (12) 18:1⁠—⁠19:10; (13) 19:11-21; (14) 20:1-10; (15) 20:11⁠—⁠21:8; (16) 21:9⁠—⁠22:5. Auf diese Visionen folgt ein zur Tat anspornender Schluß, in dem Jehova, Jesus, der Engel und Johannes zu Wort kommen und ihren letzten Beitrag als die Hauptbeteiligten bei der Übermittlung der Offenbarung leisten (22:6-21).

      INHALT DER OFFENBARUNG

      7. Was sagt Johannes über den Ursprung der Offenbarung, und woran ist er nach eigenen Worten ein Teilhaber mit den Gliedern der sieben Versammlungen?

      7 Die Einleitung (1:1-9). Johannes erklärt, daß Gott der Urheber der Offenbarung ist und daß ein Engel sie übermittelt hat; darauf richtet er das Wort an die Glieder der sieben Versammlungen im Bezirk Asien. Jesus Christus hat sie „zu einem Königtum, zu Priestern für seinen Gott und Vater“, Jehova Gott, den Allmächtigen, gemacht. Johannes erinnert sie daran, daß er als Verbannter auf der Insel Patmos ein Teilhaber mit ihnen „an der Drangsal und am Königreich und am Ausharren in Gemeinschaft mit Jesus“ ist (1:6, 9).

      8. (a) Was zu tun, wird Johannes angewiesen? (b) Wen sieht er inmitten der Leuchter, und was sagt dieser?

      8 Die Botschaften an die sieben Versammlungen (1:10⁠—⁠3:22). Zu Beginn der ersten Vision befindet sich Johannes durch Inspiration am Tag des Herrn. Eine starke Stimme wie von einer Trompete sagt, er solle das, was er sehe, in eine Buchrolle schreiben und es an die sieben Versammlungen senden: in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodicea. Als Johannes sich der Stimme zuwendet, sieht er „jemanden gleich einem Menschensohn“ inmitten von sieben Leuchtern, der sieben Sterne in seiner rechten Hand hat. Dieser sagt, er sei „der Erste und der Letzte“, der, der ein Toter wurde, doch jetzt für immer und ewig lebt und die Schlüssel des Todes und des Hades hat. Es handelt sich daher um den auferstandenen Jesus Christus. Er erklärt: „Die sieben Sterne bedeuten die Engel der sieben Versammlungen, und die sieben Leuchter bedeuten sieben Versammlungen“ (1:13, 17, 20).

      9. Welches Lob und welchen Rat erhalten die Versammlungen in Ephesus, Smyrna, Pergamon und Thyatira?

      9 Johannes wird angewiesen, dem Engel der Versammlung in Ephesus zu schreiben, sie habe zwar mühevolle Arbeit geleistet, ausgeharrt und sich geweigert, schlechte Menschen zu ertragen, aber sie habe ihre erste Liebe verlassen und solle deshalb bereuen und die früheren Taten vollbringen. Der Versammlung in Smyrna wird gesagt, sie sei reich trotz Drangsal und Armut und solle sich nicht fürchten: „Erweise dich als treu selbst bis in den Tod, und ich will dir die Krone des Lebens geben.“ Die Versammlung in Pergamon, die da wohnt, „wo der Thron des Satans ist“, hält weiterhin an dem Namen Christi fest, hat aber Abtrünnige in ihrer Mitte, und diese müssen bereuen; wenn sie es nicht tun, wird Christus mit dem langen Schwert seines Mundes mit ihnen Krieg führen. ‘Die Liebe, der Glaube, der Dienst und das Ausharren’ der Versammlung in Thyatira sind bekannt, doch duldet sie „das Weib Isebel“. Die Treuen aber, die an dem festhalten, was sie haben, werden „Gewalt über die Nationen“ empfangen (2:10, 13, 19, 20, 26).

      10. Welche Botschaften werden an die Versammlungen in Sardes, Philadelphia und Laodicea gesandt?

      10 Die Versammlung in Sardes steht in dem Ruf, lebendig zu sein, ist aber tot, weil ihre Taten vor Gott nicht für völlig ausgeführt befunden worden sind. Indessen wird der Name derer, die siegen, keinesfalls aus dem Buch des Lebens ausgelöscht werden. Die Versammlung in Philadelphia hat Christi Wort bewahrt, daher verheißt Christus, die Versammlung „vor der Stunde der Erprobung“ zu bewahren, „die über die ganze bewohnte Erde kommen soll“. Christus wird den, der siegt, zu einer Säule im Tempel seines Gottes machen. Er sagt: „Ich will den Namen meines Gottes und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, ... und diesen meinen neuen Namen auf ihn schreiben.“ Christus nennt sich „der Anfang der Schöpfung Gottes“ und sagt der Versammlung in Laodicea, daß sie weder heiß noch kalt sei und er sie aus seinem Mund ausspeien werde. Die Glieder dieser Versammlung sind stolz auf ihren Reichtum, in Wirklichkeit sind sie jedoch arm, blind und nackt. Sie benötigen weiße äußere Gewänder, ferner benötigen sie Augensalbe, damit sie sehen. Christus wird kommen und mit jedem essen, der ihm die Tür öffnet. Wer siegt, dem wird Christus gewähren, mit ihm auf seinem Thron zu sitzen, so wie er sich mit seinem Vater auf dessen Thron gesetzt hat (3:10, 12, 14).

      11. Welche herrliche Vision erhält nun Johannes?

      11 Die Vision von Jehovas Heiligkeit und Herrlichkeit (4:1⁠—⁠5:14). In der zweiten Vision wird der Leser vor den prächtigen Thron Jehovas im Himmel versetzt. Der Anblick ist von strahlender Schönheit wie glitzernde kostbare Juwelen. Rings um den Thron sitzen 24 Älteste, die Kronen tragen. Vier lebende Geschöpfe schreiben Jehova Heiligkeit zu, und er wird als der angebetet, der würdig ist, „die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu empfangen“, weil er der Schöpfer aller Dinge ist (4:11).

      12. Wer allein ist würdig, die mit sieben Siegeln versehene Buchrolle zu öffnen?

      12 Der, „der auf dem Thron sitzt“, hält eine mit sieben Siegeln versehene Buchrolle in der Hand. Aber wer ist würdig, die Buchrolle zu öffnen? Würdig ist nur „der Löwe, der vom Stamm Juda ist, die Wurzel Davids“. Er, der auch „das Lamm, das geschlachtet wurde“, ist, nimmt die Buchrolle aus der Hand Jehovas (5:1, 5, 12).

      13. Was sieht Johannes alles in Verbindung mit dem Öffnen der ersten sechs Siegel?

      13 Das Lamm öffnet sechs Siegel der Buchrolle (6:1⁠—⁠7:17). Nun beginnt die dritte Vision. Das Lamm geht daran, die Siegel zu öffnen. Zuerst zieht ein Reiter auf einem weißen Pferd aus, „siegend und um seinen Sieg zu vollenden“. Dann nimmt der Reiter auf einem feuerfarbenen Pferd den Frieden von der Erde weg, und ein anderer auf einem schwarzen Pferd teilt Getreide in Rationen zu. Auf einem fahlen Pferd reitet der Tod, und der Hades folgt dicht hinter ihm. Das fünfte Siegel wird geöffnet, und man sieht die, „die wegen des Wortes Gottes ... hingeschlachtet worden waren“; sie fordern, daß ihr Blut gerächt werde (6:2, 9). Beim Öffnen des sechsten Siegels ereignet sich ein großes Erdbeben, Sonne und Mond werden verfinstert, und die Mächtigen der Erde verlangen von den Bergen, daß sie über sie fallen und sie vor Jehova und vor dem Zorn des Lammes verbergen.

      14. Was sieht Johannes dann bezüglich der Sklaven Gottes und einer großen Volksmenge, die niemand zählen kann?

      14 Nun beginnt die vierte Vision. Vier Engel halten die vier Winde der Erde zurück, bis die Sklaven Gottes an ihrer Stirn versiegelt sind. Ihre Zahl beträgt 144 000. Danach sieht Johannes eine aus allen Nationen stammende Volksmenge, die niemand zählen konnte, vor Gott und dem Lamm stehen, denen sie die Rettung zuschreibt; auch bringt sie Tag und Nacht in Gottes Tempel Dienst dar. Das Lamm ‘hütet sie und leitet sie zu Wasserquellen des Lebens’ (7:17).

      15. Was folgt auf das Öffnen des siebten Siegels?

      15 Das siebte Siegel wird geöffnet (8:1⁠—⁠12:17). Es herrscht Stille im Himmel. Dann werden den sieben Engeln sieben Trompeten gegeben. Die ersten sechs Trompetenstöße bilden die fünfte Vision.

      16. (a) Wovon wird das Blasen der ersten fünf Trompeten, das nacheinander erfolgt, begleitet, und worin besteht das erste der drei Wehe? (b) Was kündet das Blasen der sechsten Trompete an?

      16 Während die ersten drei Trompeten nacheinander geblasen werden, trifft Unheil die Erde, das Meer und die Flüsse und Wasserquellen. Beim Blasen der vierten Trompete wird ein Drittel der Sonne, des Mondes und der Sterne verfinstert. Beim Ertönen der fünften läßt ein Stern vom Himmel zur Plage werdende Heuschrecken frei, die diejenigen angreifen, „die das Siegel Gottes nicht an ihrer Stirn haben“. Das ist „das eine Wehe“, und zwei weitere Wehe kommen. Die sechste Trompete kündet das Losbinden von vier Engeln an, die darangehen zu töten. „Zwei Myriaden mal Myriaden“ Reiter bringen weiteres Unheil sowie Tod über die Menschen, aber diese bereuen ihre bösen Taten trotzdem nicht (9:4,12, 16).

      17. Welche Ereignisse gipfeln in der Ankündigung, daß das zweite Wehe vorbei ist?

      17 Beim Beginn der sechsten Vision kommt ein anderer starker Engel vom Himmel herab und sagt: „In den Tagen der Stimme des siebten Engels ... wird das heilige Geheimnis Gottes gemäß der guten Botschaft“ vollendet sein. Johannes erhält eine kleine Buchrolle, die er essen soll. In seinem Mund ist sie „süß ... wie Honig“, aber seinen Bauch macht sie bitter (10:7, 9). Zwei Zeugen, mit Sacktuch bekleidet, prophezeien 1 260 Tage; dann werden sie von dem wilden Tier, „das aus dem Abgrund heraufsteigt“, getötet, und ihre Leichname werden dreieinhalb Tage lang „auf der breiten Straße der großen Stadt“ liegen gelassen. Die Bewohner der Erde freuen sich über sie, es befällt sie jedoch Furcht, als Gott sie zum Leben erweckt. In jener Stunde ereignet sich ein großes Erdbeben. „Das zweite Wehe ist vorbei“ (11:7, 8, 14).

      18. Welche wichtige Ankündigung ergeht beim Blasen der siebten Trompete, und wofür ist jetzt die bestimmte Zeit?

      18 Nun bläst der siebte Engel seine Trompete. Stimmen im Himmel kündigen an: „Das Königreich der Welt ist das Königreich unseres Herrn und seines Christus geworden.“ Die „vierundzwanzig Ältesten“ beten Gott an und danken ihm, aber die Nationen werden zornig. Es ist Gottes bestimmte Zeit, die Toten zu richten und seinen Heiligen den Lohn zu geben und „die zu verderben, die die Erde verderben“. Sein Tempelheiligtum wird geöffnet, und die Lade seines Bundes wird darin gesehen (11:15, 16, 18).

      19. Welches Zeichen wird im Himmel gesehen, welcher Krieg wird dort geführt, und wie geht er aus?

      19 Unmittelbar nach der Ankündigung der Aufrichtung des Königreiches wird in der siebten Vision „ein großes Zeichen“ im Himmel gesehen. Es ist eine Frau, die „einen Sohn, einen Männlichen“, gebiert, „der alle Nationen mit eisernem Stab hüten soll“. „Ein großer, feuerfarbener Drache“ steht da, bereit, das Kind zu verschlingen, aber das Kind wird zu Gottes Thron entrückt. Michael führt gegen den Drachen Krieg und schleudert die ‘Urschlange, die Teufel und Satan genannt wird’, zur Erde. Für die Erde ist es ein Wehe. Der Drache verfolgt die Frau und zieht dann aus, um mit den Übriggebliebenen des Samens der Frau Krieg zu führen (12:1, 3, 5, 9, 12; 8:13).

      20. Welche zwei wilden Tiere erscheinen dann in der Vision, und wie werden die Menschen auf der Erde von ihnen beeinflußt?

      20 Das wilde Tier aus dem Meer (13:1-18). In der achten Vision wird nun ein wildes Tier gezeigt mit sieben Köpfen und zehn Hörnern, das aus dem Meer aufsteigt. Seine Macht erhält es vom Drachen. Einer seiner Köpfe ist wie zum Tode geschlachtet, doch es wird geheilt, und die ganze Erde bewundert das Tier. Es äußert Lästerungen gegen Gott und führt mit den Heiligen Krieg. Doch siehe da, Johannes sieht noch ein wildes Tier. Dieses steigt aus der Erde auf. Es hat zwei Hörner gleich einem Lamm, fängt aber an, wie ein Drache zu reden. Es führt die Bewohner der Erde irre und beredet sie, dem ersten wilden Tier ein Bild zu machen. Alle werden getötet, die sich nicht zwingen lassen, das Bild anzubeten. Ohne das Kennzeichen oder die Zahl des wilden Tieres kann niemand kaufen oder verkaufen. Seine Zahl ist 666.

      21. Wen sieht Johannes auf dem Berg Zion stehen, womit erscheinen die Engel, und was verkünden sie, und wie wird der Weinstock der Erde beseitigt?

      21 Die „ewige gute Botschaft“ und damit zusammenhängende Botschaften (14:1-20). Etwas ganz anderes, etwas Erfreuliches, sieht Johannes in der neunten Vision: Auf dem Berg Zion steht das Lamm und mit ihm 144 000, die den Namen des Lammes und den des Vaters auf ihrer Stirn geschrieben tragen. „Sie singen gleichsam ein neues Lied vor dem Thron“, und sie sind „als Erstlinge aus den Menschen für Gott und für das Lamm erkauft“ worden. Ein anderer Engel erscheint in der Mitte des Himmels mit einer ewigen guten Botschaft, „um sie als frohe Nachricht“ jeder Nation zu verkünden, indem er sagt: „Fürchtet Gott, und gebt ihm die Ehre.“ Und noch ein anderer Engel gibt bekannt: „Babylon die Große ist gefallen.“ Ein anderer, ein dritter, verkündet, daß alle, die das wilde Tier und sein Bild anbeten, von dem Grimm Gottes trinken werden. Einer „gleich einem Menschensohn“ legt seine Sichel an, und ein anderer Engel legt ebenfalls seine Sichel an, erntet den Weinstock der Erde ab und schleudert ihn in „die große Kelter des Grimmes Gottes“. Als die Kelter außerhalb der Stadt getreten wird, kommt Blut heraus bis an die Zäume der Pferde, „tausendsechshundert Stadien [etwa 296 km] weit“ (14:3, 4, 6-8, 14, 19, 20).

      22. (a) Von wem wird nun Jehova verherrlicht, und warum? (b) Wohin werden die sieben Schalen des Grimmes Gottes ausgegossen, und welche welterschütternden Entwicklungen folgen?

      22 Die Engel mit den sieben letzten Plagen (15:1 bis 16:21). Die zehnte Vision beginnt mit einem erneuten Einblick in die himmlischen Höfe. Alle, die über das wilde Tier gesiegt haben, verherrlichen Jehova, den „König der Ewigkeit“, wegen seiner großen und wunderbaren Werke. Sieben Engel kommen aus dem Heiligtum im Himmel heraus, und sieben goldene Schalen voll des Grimmes Gottes werden ihnen gegeben. Die ersten sechs werden zur Erde hin, in das Meer, die Flüsse und die Wasserquellen sowie auf die Sonne, den Thron des wilden Tieres und auf den Strom Euphrat ausgegossen, so daß sein Wasser vertrocknet und so für „die Könige vom Sonnenaufgang“ der Weg bereitet wird. Durch dämonische Äußerungen werden ‘die Könige der ganzen bewohnten Erde zum Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen’, in Har-Magedon, versammelt. Die siebte Schale wird auf die Luft ausgegossen, und inmitten von erschreckenden Naturerscheinungen spaltet sich die große Stadt in drei Teile, die Städte der Nationen fallen, und Babylon empfängt den ‘Becher mit dem Wein des Grimmes des Zorns Gottes’ (15:3; 16:12, 14, 19).

      23. (a) Wie wird Gottes Gericht an Babylon der Großen vollstreckt? (b) Von welchen Ankündigungen und welcher Wehklage wird ihr Fall begleitet, und welcher freudige Lobpreis erschallt im Himmel?

      23 Gottes Gericht über Babylon; die Hochzeit des Lammes (17:1⁠—⁠19:10). Die 11. Vision beginnt. Siehe! Es ist Gottes Gericht über „Babylon die Große, die Mutter der Huren“, „mit der die Könige der Erde Hurerei begingen“. Trunken vom Blut der Heiligen, reitet sie ein scharlachfarbenes wildes Tier, das sieben Köpfe und zehn Hörner hat. Dieses Tier „war, ist aber nicht und ist doch daran, aus dem Abgrund heraufzusteigen“. Seine zehn Hörner kämpfen mit dem Lamm, aber weil es „Herr der Herren und König der Könige“ ist, besiegt das Lamm sie. Die zehn Hörner wenden sich gegen die Hure und fressen sie auf. Als die 12. Vision beginnt, ruft ein anderer Engel, dessen Herrlichkeit die Erde erleuchtet: „Sie ist gefallen! Babylon die Große ist gefallen.“ Dem Volk Gottes wird geboten, aus ihr hinauszugehen, damit es an ihren Plagen keinen Anteil hat. Die Könige und andere Mächtige der Erde weinen über sie und sagen: „Wie schade, wie schade, du große Stadt, Babylon, du starke Stadt, denn in e i n e r Stunde ist dein Gericht gekommen!“ Ihr großer Reichtum ist verwüstet worden. Wie ein großer Mühlstein, der ins Meer geschleudert wird, so ist Babylon mit Schwung hinabgeschleudert worden, und es wird nie wieder gefunden werden. Endlich ist das Blut der Heiligen Gottes gerächt worden! Viermal erschallt im Himmel der Ruf: „Preiset Jah!“ Preiset Jah, weil er das Gericht an der großen Hure vollzogen hat. Preiset Jah, weil Jehova als König zu regieren begonnen hat. Freut euch und frohlockt, denn „die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht“ (17:2, 5, 8, 14; 18:2, 10; 19:1, 3, 4, 6, 7).

      24. (a) Was ist das Ergebnis des Krieges, den das Lamm führt? (b) Was geschieht in den tausend Jahren, und was geschieht, wenn diese zu Ende sind?

      24 Das Lamm führt Krieg in Gerechtigkeit (19:11 bis 20:10). In der 13. Vision zieht der „König der Könige und Herr der Herren“ vor den himmlischen Heeren her in einen gerechten Krieg. Könige und Starke werden Futter für die Aasvögel des Himmels, und das wilde Tier und der falsche Prophet werden lebendig in den Feuersee geschleudert, der mit Schwefel brennt (19:16). Als die 14. Vision beginnt, ist ein Engel zu sehen, der ‘aus dem Himmel herabkommt mit dem Schlüssel des Abgrundes und einer großen Kette in seiner Hand’. Der Drache, „die Urschlange, welche der Teufel und der Satan ist“, wird ergriffen und für tausend Jahre gebunden. Alle, die an der ersten Auferstehung teilhaben, werden „Priester Gottes und des Christus sein und werden als Könige die tausend Jahre mit ihm regieren“. Danach wird Satan losgelassen werden, und er wird ausziehen, um die Nationen der Erde irrezuführen, doch er wird samt seinem Anhang in den Feuersee geschleudert werden (20:1, 2, 6).

      25. Welche spannende Vision folgt, und wer wird diese Dinge erben?

      25 Gerichtstag und die Herrlichkeit des Neuen Jerusalem (20:11⁠—⁠22:5). Nun folgt die spannende 15. Vision. Die Toten, die Großen und die Kleinen, werden vor Gottes großem weißem Thron gerichtet. Der Tod und der Hades werden in den Feuersee geschleudert, der „den zweiten Tod“ bedeutet, und mit ihnen wird jeder dorthin geschleudert, der nicht im Buch des Lebens eingeschrieben gefunden wird. Das Neue Jerusalem kommt aus dem Himmel herab, und Gott wohnt bei den Menschen und wischt jede Träne von ihren Augen ab. Es gibt keinen Tod, keine Trauer, kein Geschrei und keinen Schmerz mehr. Ja, Gott sagt, er „mache alle Dinge neu“, und er bekräftigt seine Verheißung mit den Worten: „Schreibe, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.“ Alle, die siegen, werden diese Dinge erben, nicht aber die Feiglinge, die Ungläubigen und die, die unsittlich leben oder Spiritismus ausüben oder Götzendienst treiben (20:14; 21:1, 5).

      26. (a) Welche Beschreibung wird von dem Neuen Jerusalem gegeben? (b) Welche lebenerhaltenden Dinge sind in der Stadt zu sehen, und woher stammt ihr Licht?

      26 In der 16. und letzten Vision sieht Johannes „die Frau des Lammes“, das Neue Jerusalem mit seinen 12 Toren und seinen 12 Grundsteinen, auf denen die Namen der zwölf Apostel geschrieben stehen. Die Stadt ist quadratisch, und ihre erhabene Pracht wird durch Jaspis, Gold und Perlen dargestellt. Der Tempel dieser Stadt sind Jehova und das Lamm, auch sind sie ihr Licht. Nur die, die in des Lammes Buchrolle des Lebens eingeschrieben sind, dürfen in sie eingehen (21:9). Ein kristallklarer Strom von Wasser des Lebens fließt vom Thron die breite Straße der Stadt hinab, und auf beiden Seiten stehen Bäume des Lebens, die jeden Monat neue Fruchternten hervorbringen und deren Blätter zur Heilung dienen. Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein, und die Sklaven Gottes werden sein Angesicht sehen. „Jehova Gott wird ihnen Licht geben. Und sie werden für immer und ewig als Könige regieren“ (22:5).

      27. (a) Welche Zusicherung erhält Johannes in bezug auf die Prophezeiung? (b) Mit welcher dringlichen Einladung und Warnung schließt die Offenbarung ab?

      27 Der Schluß (22:6-21). Folgende Zusicherung wird gegeben: „Diese Worte sind zuverlässig und wahr.“ Glücklich sind alle, die die Worte der Prophezeiung halten. Als Johannes diese Dinge gehört und gesehen hat, fällt er nieder, um den Engel anzubeten, doch der sagt mahnend, er soll nur Gott anbeten. Die Worte der Prophezeiung sollen nicht versiegelt werden, „denn die bestimmte Zeit ist nahe“. Glücklich sind die, die Eingang in die Stadt erlangen, denn draußen sind die Unreinen und „jeder, der einer Lüge zuneigt und sie verübt“. Jesus sagt, daß er dieses Zeugnis durch seinen Engel an die Versammlungen gesandt habe und daß er „die Wurzel und der Sproß Davids und der hellglänzende Morgenstern“ sei. „Und der Geist und die Braut sagen fortwährend: ‚Komm!‘ Und jeder, der es hört, sage: ‚Komm!‘ Und jeder, den dürstet, komme; jeder, der wünscht, nehme Wasser des Lebens kostenfrei.“ Niemand möge zu den Worten dieser Prophezeiung etwas hinzufügen oder davon wegnehmen, sonst wird sein Teil „von den Bäumen des Lebens und aus der heiligen Stadt“ weggenommen (22:6, 10, 15-17, 19).

      WIESO NÜTZLICH

      28. Welche Beispiele zeigen, daß die Offenbarung den im ersten Buch der Bibel begonnenen Bericht beendet?

      28 Welch einen herrlichen Abschluß bildet die Offenbarung für die Sammlung der 66 inspirierten Bücher der Bibel! Nichts ist ausgelassen worden. Es gibt keine Ungewißheit. Jetzt sehen wir deutlich nicht nur den Anfang, sondern auch den glanzvollen Abschluß. Das letzte Buch der Bibel beendet den im ersten Buch begonnenen Bericht. In 1. Mose 1:1 wird beschrieben, wie Gott den materiellen Himmel und die materielle Erde erschuf, und in Offenbarung 21:1-4 werden ein neuer Himmel und eine neue Erde beschrieben sowie die zahllosen Segnungen, die der Menschheit zufließen werden, über die auch in Jesaja 65:17, 18; 66:22 und 2. Petrus 3:13 prophezeit wird. Dem ersten Menschen wurde gesagt, wenn er ungehorsam wäre, müßte er ganz bestimmt sterben, den gehorsamen Menschen aber hat Gott ebenso bestimmt verheißen, daß ‘der Tod nicht mehr sein wird’ (1. Mo. 2:17; Offb. 21:4). Nachdem die Schlange die ersten Menschen verführt hatte, sagte Gott voraus, daß ihr Kopf zermalmt werden würde, und in der Offenbarung wird gezeigt, wie die Urschlange, welche der Teufel und der Satan ist, schließlich in die Vernichtung geschleudert wird (1. Mo. 3:1-5, 15; Offb. 20:10). Der ungehorsame Mensch wurde von dem Baum des Lebens, der in Eden stand, vertrieben, für gehorsame Menschen dagegen sind symbolische Bäume des Lebens „zur Heilung der Nationen“ vorhanden (1. Mo. 3:22-24; Offb. 22:2). Von Eden ging ein Strom aus, um den Garten zu bewässern, und die Offenbarung zeigt, daß ein sinnbildlicher, lebengebender und lebenerhaltender Strom vom Thron Gottes ausgeht. Das stimmt mit der früher von Hesekiel empfangenen Vision überein, auch erinnert es an die Worte Jesu bezüglich einer Wasserquelle, „die hervorsprudelt, um ewiges Leben zu vermitteln“ (1. Mo. 2:10; Offb. 22:1, 2; Hes. 47:1-12; Joh. 4:13, 14). Der erste Mann und die erste Frau wurden aus Gottes Gegenwart vertrieben, die Treuen, die siegen, werden jedoch sein Angesicht sehen (1. Mo. 3:24; Offb. 22:4). Sich mit diesen begeisternden Visionen der Offenbarung zu beschäftigen ist tatsächlich von großem Nutzen.

      29. (a) Wie bringt die Offenbarung die Prophezeiungen über Babylon miteinander in Verbindung? (b) Welche Ähnlichkeiten kann man zwischen den Visionen vom Königreich sowie von den Tieren im Buch Daniel und in der Offenbarung feststellen?

      29 Man beachte auch, wie die Offenbarung die Prophezeiungen über das verderbte Babylon miteinander in Verbindung bringt. Jesaja hatte, lange ehe das buchstäbliche Babylon fiel, seine Eroberung vorausgesehen, und er hatte erklärt: „Sie ist gefallen! Babylon ist gefallen“ (Jes. 21:9). Auch Jeremia prophezeite gegen Babylon (51:6-12). Die Offenbarung jedoch spricht von einem sinnbildlichen Babylon, von ‘Babylon der Großen, der Mutter der Huren und der abscheulichen Dinge der Erde’. Auch dieses Babylon muß gestürzt werden, und in einer Vision sieht Johannes den Sturz. Er schreibt: „Sie ist gefallen! Babylon die Große ist gefallen“ (Offb. 17:5; 18:2). Man wird sich an die Vision Daniels von einem Königreich erinnern, das von Gott aufgerichtet wird, das die anderen Königreiche zermalmen, selbst aber für „unabsehbare Zeiten“ bestehen wird. Nun beachte man, wie das mit der himmlischen Verkündigung in der Offenbarung übereinstimmt: „Das Königreich der Welt ist das Königreich unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird für immer und ewig als König regieren“ (Dan. 2:44; Offb. 11:15). Daniel sah in der Vision ‘einen wie ein Menschensohn, der mit den Wolken des Himmels kam, um eine bleibende Herrschaft und um Würde und Königtum zu empfangen’; so wird auch in der Offenbarung Jesus Christus als „Der Herrscher über die Könige der Erde“ beschrieben und als der, der „mit den Wolken“ kommt, außerdem wird gesagt, „jedes Auge wird ihn sehen“ (Dan. 7:13, 14; Offb. 1:5, 7). Ferner kann man bestimmte Ähnlichkeiten zwischen den Tieren, die Daniel in seinen Visionen sah, und den Tieren in der Offenbarung feststellen (Dan. 7:1-8; Offb. 13:1-3; 17:12). Die Offenbarung eignet sich in der Tat für ein umfangreiches und glaubensstärkendes Studium.

      30. (a) Welches vollständige Bild gibt die Offenbarung von der Heiligung des Namens Jehovas durch das Königreich? (b) Was wird in Verbindung mit Heiligkeit betont, und auf wen wirkt es sich aus?

      30 Welch eine wunderbare Vision vermittelt uns die Offenbarung von den vielen Aspekten des Königreiches Gottes! Es ist eine klare Darstellung von dem, was die Propheten vor alters sowie Jesus und seine Jünger über das Königreich sagten. Sie gibt uns ein vollständiges Bild von der Heiligung des Namens Jehovas durch das Königreich: „Heilig, heilig, heilig ist Jehova Gott, der Allmächtige.“ Er ist würdig, „die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu empfangen“. Ja, er nimmt seine große Macht an sich und beginnt durch Christus „als König zu regieren“. Mit welchem Eifer der königliche Sohn, der „König der Könige und Herr der Herren“, die Nationen schlägt und „die Weinkelter des Grimmes des Zorns Gottes, des Allmächtigen“, tritt! Als das großartige Thema der Bibel, die Heiligung Jehovas, allmählich den Höhepunkt erreicht, wird betont, daß alles, was bei der Verwirklichung der Königreichsvorsätze eine Rolle spielt — auch jeder einzelne —, heilig sein muß. Das Lamm, Jesus Christus, der „den Schlüssel Davids hat“, wird als der Heilige bezeichnet; von den Engeln des Himmels heißt es ebenfalls, sie seien heilig. Alle, die an der ersten Auferstehung teilhaben, werden „glücklich und heilig“ genannt, und es wird betont, daß „etwas Unheiliges und jeder, der Abscheuliches ... verübt“, keinesfalls in „die heilige Stadt Jerusalem“ eingehen wird. Alle, die durch das Blut des Lammes erkauft und zu einem ‘Königtum und zu Priestern für unseren Gott’ gemacht wurden, werden somit nachdrücklich aufgefordert, an ihrer Heiligkeit vor Jehova festzuhalten. Auch die „große Volksmenge“ muß ‘ihre langen Gewänder waschen und sie im Blut des Lammes weiß machen’, damit sie heiligen Dienst darbringen kann (Offb. 4:8, 11; 11:17; 19:15, 16; 3:7; 14:10; 20:6; 21:2, 10, 27; 22:19; 5:9, 10; 7:9, 14, 15).

      31. Auf welche Besonderheiten des Königreiches werden wir nur in der Offenbarung aufmerksam gemacht?

      31 Die Vision von dem großartigen und heiligen Königreich Gottes bewirkt — wenn wir gewisse Besonderheiten bemerken, auf die nur in der Offenbarung aufmerksam gemacht wird —, daß es in unserem Sinn eine feste Form erhält. Die Offenbarung enthält die vollständige Vision von den Königreichserben, die mit dem Lamm auf dem Berg Zion stehen und ein neues Lied singen, das nur sie meistern können. Nur in der Offenbarung steht die Zahl derer, die von der Erde erkauft worden sind und die in das Königreich eingehen — 144 000 —, und nur in der Offenbarung steht, daß diese Zahl aus den 12 sinnbildlichen Stämmen des geistigen Israel versiegelt wird. Nur in der Offenbarung wird gezeigt, daß diese ‘Priester und Könige’, die mit Christus an der ersten Auferstehung teilhaben, auch mit ihm „die tausend Jahre“ regieren werden. Nur in der Offenbarung wird die gesamte „heilige Stadt, das Neue Jerusalem“, mit ihrem strahlenden Glanz geschildert und gesagt, daß Jehova und das Lamm ihr Tempel sind, ferner wird gezeigt, daß sie 12 Tore und 12 Grundsteine hat und daß die Könige darin für immer durch das ewige Licht, das Jehova über sie ausstrahlt, regieren (14:1, 3; 7:4-8; 20:6; 21:2, 10-14, 22; 22:5).

      32. (a) Wie faßt die Vision vom „neuen Himmel“ und von der ‘heiligen Stadt, dem Neuen Jerusalem’, alles zusammen, was über den Königreichssamen vorhergesagt wurde? (b) Welche Segnungen werden den Menschen auf der Erde durch das Königreich ganz sicher zuteil?

      32 Es kann wirklich gesagt werden, daß die Vision vom „neuen Himmel“ und von der ‘heiligen Stadt, dem Neuen Jerusalem’, alles zusammenfaßt, was die Heilige Schrift schon in alter Zeit über den Königreichssamen vorhergesagt hat. Abraham freute sich auf einen Samen, durch den sich ‘alle Familien des Erdbodens bestimmt segnen würden’, und auf „die Stadt, die wahre Grundlagen hat, deren Bildner und Erbauer Gott ist“. In der Vision der Offenbarung wird nun diese Stadt des Segens deutlich als „neuer Himmel“ identifiziert — eine neue Regierung, Gottes Königreich, bestehend aus dem Neuen Jerusalem (der Braut Christi) und ihrem Bräutigam. Zusammen werden sie eine gerechte Regierung über die ganze Erde bilden. Jehova verheißt den treuen Menschen, daß sie als „seine Völker“ in einem glücklichen, sündenlosen Zustand ohne Tod leben werden wie der Mensch in Eden, bevor er sich gegen Gott auflehnte. Und um der Verheißung Nachdruck zu verleihen, wird in der Offenbarung zweimal gesagt, daß Gott „jede Träne von ihren Augen abwischen“ wird (1. Mo. 12:3; 22:15-18; Heb. 11:10; Offb. 7:17; 21:1-4).

      33. (a) Welch wunderbare Gesamtvision enthält die Offenbarung von der Verwirklichung der göttlichen Vorsätze? (b) Wie hat sich die „ganze Schrift“ als „von Gott inspiriert und nützlich“ erwiesen, und weshalb ist es jetzt wichtig, das Wort Gottes zu studieren und ihm zu gehorchen?

      33 Welch ein großartiger Abschluß der inspirierten Schriften! Wie wunderbar doch diese „Dinge“ sind, „die in kurzem geschehen sollen“! (Offb. 1:1). Der Name Jehovas, des Gottes der „inspirierten Äußerungen der Propheten“, ist dann geheiligt (Offb. 22:6). Die in den Schriften von 16 Jahrhunderten enthaltenen Prophezeiungen haben sich erfüllt, und die Glaubenswerke, die in Tausenden von Jahren getan wurden, sind belohnt worden. Die „Urschlange“ ist tot, ihr Heer ist vernichtet, und das Böse gibt es nicht mehr (12:9). Das Königreich Gottes herrscht zum Lobpreis Gottes als ein ‘neuer Himmel’. In alle Ewigkeit wird die Menschheit auf einer wiederhergestellten Erde gesegnet werden, die, wie Gott es gemäß dem ersten Kapitel der Bibel vorhatte, mit Menschen gefüllt und von ihnen unterworfen sein wird (1. Mo. 1:28). Die ganze Schrift hat sich tatsächlich als „von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ erwiesen. Sie diente Jehova dazu, Glaubensmenschen bis zu dieser wunderbaren Zeit Anleitung zu geben, sie völlig tauglich zu machen und vollständig auszurüsten. Deshalb ist es jetzt wichtig, daß du diese Schriften studierst, um deinen Glauben zu stärken. Gehorche ihren Geboten, damit du von Gott gesegnet wirst. Halte dich an sie, und gehe den geraden Pfad, der zu ewigem Leben führt. Wenn du so handelst, kannst du ebenso zuversichtlich sein wie der Schreiber des letzten Buches der Bibel, der es mit den Worten abschließt: „Amen! Komm, Herr Jesus“ (2. Tim. 3:16; Offb. 22:20).

      34. Wie können wir jetzt überaus große Freude haben, und warum?

      34 Wie überaus groß kann unsere Freude jetzt sein, wenn wir dem „Königreich unseres Herrn und seines Christus“ — dem Samen — zujubeln, durch das der unvergleichliche Name ‘Jehovas Gottes, des Allmächtigen’, bis in alle Ewigkeit geheiligt wird (Offb. 11:15, 17).

      [Fußnoten]

      a Justin der Märtyrer, Dialog mit dem Juden Tryphon, übersetzt von Philipp Haeser, LXXXI, 4.

      b Eusebius, Kirchengeschichte, herausgegeben von H. Kraft, 1967, VI, xxv, 9, 10.

      c Irenäus, Fünf Bücher gegen alle Häresien, übersetzt von H. Hayd, 1872, Seite 333.

      d Sueton, Kaiserbiographien (Domitian, XIII).

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