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Die Bibel — Doch nur ein Buch von Menschen?Der Wachtturm 1986 | 1. April
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Ja, es gab eine Zeit, wo kaum jemand bezweifelte, daß die Bibel Gottes Wort ist. Auch für die katholische Kirche stand dies außer Frage.
Heute verhält es sich jedoch anders. Die Bibel, das meistverkaufte Buch aller Zeiten, wird nur noch von wenigen gelesen, und noch weniger wenden das, was sie sagt, in ihrem Leben an. Typisch für die Ansicht vieler ist folgende Äußerung des Schriftstellers James Barr: „Meine Darstellung zeigt, daß die biblische Überlieferung ein von Menschen geschaffenes Werk ist. Es sind menschliche Glaubensaussagen ... Die richtige Bezeichnung für die Bibel wäre ‚Das Wort Israels‘, ‚Das Wort einiger führender Urchristen‘“ (The Bible in the Modern World von James Barr).
Wie kam es zu diesem Wandel in der Einstellung zur Bibel? Ist sie Gottes Wort, oder enthält sie lediglich die Gedanken irgendwelcher Menschen? Spielt das denn in unserem verweltlichten 20. Jahrhundert überhaupt eine Rolle?
Spielt es eine Rolle?
Um die Antwort auf die letzte Frage vorwegzunehmen: Es spielt eine Rolle. Warum? Nun, die Bibel wird als ein Buch beschrieben, das ‘eine Leuchte für unseren Fuß und ein Licht für unseren Pfad’ sein soll (Psalm 119:105). Gerade heute haben wir ein solches Licht bitter nötig. Unser schöner Planet wird ruiniert. Millionen Menschen hungern. Kaum jemand blickt noch mit Zuversicht in die Zukunft, da bereits die Existenz des ganzen Menschengeschlechts bedroht ist. Die Bibel möchte uns durch diese schwierigen Zeiten hindurch in eine sichere und glückliche Zukunft führen. Wenn sie wirklich das Wort Gottes ist, dann ist sie genau das, was wir benötigen.
Warum wird sie dennoch von vielen angezweifelt? Die Antwort auf diese Frage wird uns eine Hilfe sein, herauszufinden, ob dieses Buch wirklich das Wort Gottes ist.
Was ist mit dem Glauben geschehen?
Im 17. und 18. Jahrhundert fiel der beinahe selbstverständliche Glaube an die Bibel einer veränderten Geisteshaltung zum Opfer. In jener Zeit kamen in Europa der Skeptizismus und das Freidenkertum auf. Die bestehenden Herrschafts- und Wirtschaftssysteme, die bis dahin gültigen Vorstellungen von der Natur, der Religion, ja einfach alles wurde in Frage gestellt. Die Bibel war davon nicht ausgenommen.
Pierre Bayle, ein ehemaliger Katholik, äußerte im 17. Jahrhundert offen seine Zweifel an der Bibel, indem er vor allem ihre Chronologie und ihre Geschichtlichkeit in Frage zog. Andere übernahmen seine Denkweise, und im 19. Jahrhundert erlebte der Skeptizismus in Form der Bibelkritik eine Blütezeit. Die Bibelkritiker behaupteten, die Bibel sei nicht das, wofür sie gehalten werde. Ihrer Meinung nach stammte der Pentateuch nicht von Moses, sondern sei relativ spät in der jüdischen Geschichte aus zahlreichen Aufzeichnungen zusammengestellt worden, die erst Jahrhunderte nach Moses entstanden seien. Prophezeiungen müßten nach ihrer Erfüllung niedergeschrieben worden sein. Somit habe das Buch Jesaja mehrere Schreiber und sei im Laufe mehrerer Jahrhunderte entstanden. Und das Buch Daniel sei erst um das Jahr 165 v. u. Z. geschrieben worden.
Wie sich die Bibelkritik auswirkte, zeigen die Äußerungen des deutschen Bibelgelehrten David Friedrich Strauß. „Sind wir noch Christen? Nein, zumindest nicht diejenigen unter uns, die von der Bibelkritik gefesselt sind, denn wir können die Bibel nicht mehr als das Wort Gottes akzeptieren“ (Religion and the Rise of Scepticism von Franklin L. Baumer).
Das neue Zeitalter brachte auch neue wissenschaftliche Entdeckungen mit sich. Einige davon stützten die Bibel, andere schienen ihr jedoch zu widersprechen. Nicht wenige wurden daher zu der Annahme verleitet, die Bibel sei nicht mehr zeitgemäß. In dieser Meinung wurden viele Mitte des 19. Jahrhunderts noch bestärkt, als die Evolutionstheorie aufkam — eine Theorie, die dem Schöpfungsbericht der Genesis völlig widersprach. Diese Theorie wurde von den meisten Wissenschaftlern und den Bibelkritikern begeistert aufgenommen. Heute wird sie sogar von vielen Geistlichen akzeptiert und in den Schulen als Tatsache gelehrt.
Bedeutet das alles, daß die Wissenschaft die Bibel in irgendeiner Hinsicht widerlegt hat? Oder hat die Bibelkritik bewiesen, daß die Bibel nicht das Wort Gottes ist?
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Die Bibel ist das Wort GottesDer Wachtturm 1986 | 1. April
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Die Bibel ist das Wort Gottes
KONNTEN die Wissenschaft und die Bibelkritik tatsächlich den Beweis erbringen, daß die Bibel nicht das Wort Gottes ist? Nur allzuleicht könnte man zu dieser Ansicht verleitet werden, denn selbst Kirchenmänner sind ohne weiteres bereit, schwarz auf weiß zu erklären, daß die Bibel unwissenschaftlich sei. Und die Bibelkritik genießt so hohes Ansehen, daß sie an theologischen Seminaren gelehrt wird. Was zeigen aber die Tatsachen?
Die Bibel und die Bibelkritik
Die Bibelkritik hat bis heute noch keinen konkreten Beweis für ihre Theorien geliefert. Keine der vermeintlichen Quellen des Pentateuchs oder des Buches Jesaja ist je gefunden worden. Es sind jedoch alte Fragmente des Bibelbuches Daniel entdeckt worden, die erkennen lassen, daß das Buch einige Jahre nach der von den Bibelkritikern angenommenen Zeit der Niederschrift bereits in hohem Ansehen stand.
Ein Professor der Theologie erklärte: „Auch nicht in einem einzigen Fall kann bewiesen werden, daß Bibelbücher auf die von der Bibelkritik beschriebene betrügerische Weise entstanden sind. Eine solche Behauptung aufzustellen ist leicht, wesentlich schwerer ist es allerdings, sie auch zu beweisen“ (Biblical Criticism von Wick Broomall). Ein Archäologe schrieb: „Nun kann gar nicht genug hervorgehoben werden, daß es im Alten Orient überhaupt kaum einen Beweis für dokumentarische oder literarische Fälschung gibt“ (Von der Steinzeit zum Christentum von W. F. Albright). Die Bibelkritik gedeiht zwar weiterhin, aber nicht etwa, weil sie sich als richtig erwiesen hätte, sondern weil sie so gut zu der heutigen verweltlichten Denkweise paßt.
Die Bibel und die Wissenschaft
Ist die Bibel in irgendeiner Hinsicht durch die Wissenschaft widerlegt worden? Manchmal mag es so ausgesehen haben. Zum Beispiel gewann man im 18. Jahrhundert neue Erkenntnisse über den Aufbau der Erde, und man kam zu dem Schluß, daß unser Planet bereits sehr alt sein muß. Viele Religionsvertreter behaupteten zu jener Zeit jedoch, die Erde bestehe gemäß der Bibel erst 6 000 Jahre. Hier schien eine Lehre der Bibel eindeutig widerlegt worden zu sein. In Wirklichkeit wird in der Bibel nirgendwo gesagt, wie alt die Erde ist. Das Problem war lediglich aufgrund eines falschen Verständnisses auf seiten der Religionsvertreter entstanden.
Die ersten Worte der Bibel lauten: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mose 1:1). Diese Erklärung, daß es einen Anfang gab, deckt sich mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft. Gemäß der Bibel folgte eine Zeit, wo die Erde „formlos und wüst“ war, unbewohnt und unbewohnbar (1. Mose 1:2). Nach Ansicht von Geologen, die sich mit der Frühgeschichte der Erde beschäftigen, ist das zu einer bestimmten Zeit tatsächlich der Fall gewesen. Die Bibel beschreibt anschließend, wie die Meere und die Landmassen entstanden. Die Pflanzen erschienen, dann Meeresbewohner, Vögel, schließlich Landtiere, und zuletzt kam der Mensch ins Dasein. Im großen und ganzen deckt sich das mit den Erkenntnissen, die die Wissenschaftler durch die Erforschung der geologischen Formationen gewonnen haben; auch auf die allgemeine Reihenfolge, in der die Lebensformen erschienen sind, trifft dies zu (1. Mose 1:1-28).
Damit soll nicht gesagt werden, daß die Bibel völlig mit dem übereinstimmt, was in wissenschaftlichen Lehrbüchern steht. Doch es gibt so viel Übereinstimmendes, daß man sich fragen muß: Woher wußten die Schreiber der Bibel das alles? Angesichts der primitiven naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in der damaligen Zeit müssen sie es aus einer anderen Quelle erfahren haben — ein starker Beweis dafür, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist. Wie verhält es sich aber, wenn wissenschaftliche Theorien der Bibel widersprechen? Sollte man es dann stets für selbstverständlich halten, daß die Bibel im Unrecht und die Wissenschaft im Recht ist? Es gibt genügend Beispiele dafür, daß die Wissenschaft hin und wieder auf einem Irrweg sein kann.
Die Evolutionstheorie steht natürlich in krassem Gegensatz zu den Aussagen der Bibel. Bemerkenswert ist, wie schnell diese Theorie bei den Wissenschaftlern Anklang fand, nachdem Charles Darwin sein Buch Die Entstehung der Arten herausgegeben hatte. Sie wurde akzeptiert, noch bevor überhaupt Zeit war, die in dem Buch aufgestellten Hypothesen zu prüfen oder in den Fossilurkunden nach Beweisen zu suchen. Warum? Der Evolutionist Hoimar v. Ditfurth gab freimütig zu: „Naturwissenschaft ist, bis auf den heutigen Tag, sozusagen per definitionem, der Versuch, einmal zu sehen, wie weit man mit der Erklärung von Mensch und Natur kommt, ohne ein ‚Wunder‘ zu Hilfe zu nehmen“ (Wir sind nicht nur von dieser Welt). Überrascht es da noch, daß die Evolutionstheorie bei den Wissenschaftlern so großen Anklang findet und man viel Zeit und Mühe darauf verwendet, sie zu beweisen, aber kaum versucht, sie zu widerlegen? Die einzige — für sie unvorstellbare — Alternative, die Schöpfung, wäre ein Wunder.
In Wirklichkeit wird für jeden, der Wundern unvoreingenommen gegenübersteht, durch die Schöpfung vieles auf ganz logische Weise verständlich, was die Wissenschaftler nicht erklären können, wie zum Beispiel der Ursprung des Lebens, des Denkens, der Intelligenz und des menschlichen Sittlichkeitsempfindens.
Ein Buch, das Macht besitzt
Die Bibel selbst weist warnend darauf hin, daß zwischen der allgemein anerkannten Weisheit der Welt und den Lehren der Bibel ein Konflikt bestehen würde (1. Korinther 1:22, 23; 3:19). Da jedoch Wissen, das auf menschlichem Forschen und Philosophieren beruht, keineswegs als gesichert gelten kann, sollte uns dieser Konflikt nicht überraschen. Und es sollte uns auch nicht beunruhigen, wenn gewisse populäre Theorien der Bibel widersprechen. Die Bibel lenkt unseren Blick in eine ganz andere Richtung, um zu beweisen, daß sie wirklich das Wort Gottes ist.
Die Bibel ist zum Beispiel ein Buch der Prophezeiungen (2. Petrus 1:19-21). Bibelkritiker behaupten, diese Prophezeiungen seien erst nach dem jeweiligen Ereignis aufgezeichnet worden. Doch in vielen Fällen ist das absolut unmöglich. Prophezeiungen über Jesus, die Jahrhunderte vor seiner Geburt geäußert wurden, erfüllten sich bis in jede Einzelheit. (Siehe z. B. Jesaja 53:1-12; Daniel 9:24-27.) Jesu eigene Prophezeiungen über die Zerstörung Jerusalems trafen ganz genau ein. Und die Voraussagen Jesu und des Apostels Paulus über die letzten Tage lesen sich wie die heutige Tageszeitung (Matthäus 24; Markus 13; Lukas 21; 2. Timotheus 3:1-5). Da es Menschen bekanntlich noch nie gelungen ist, exakte Aussagen über die Zukunft zu machen, sind die biblischen Prophezeiungen ein gewichtiges Argument dafür, daß die Bibel von einer höheren Quelle stammt.
Ein weiterer eindrucksvoller Beweis geht aus ihrer Aussage hervor: „Das Wort Gottes ist lebendig und übt Macht aus“ (Hebräer 4:12). Diese Macht war im Verlauf der Geschichte bei den vielen Menschen deutlich zu sehen, die Leiden und sogar den Tod auf sich nahmen für das Recht, die Bibel zu lesen oder mit anderen über ihren Inhalt zu sprechen. Keine andere Veröffentlichung hat die Menschen so sehr zum Guten beeinflußt wie die Bibel, wenn sie in Demut und mit Verstand gelesen wurde. Sie macht aus Gewalttätern friedliche Menschen, ja sie kann jemandes Persönlichkeit völlig verändern (Micha 4:3, 4; Epheser 4:24). Beachte, was die Bibel zum Beispiel bei Luiz bewirkt hat.
Luiz war in dem brasilianischen Gefängnis, in dem er inhaftiert ist, als äußerst gefährlich bekannt. Ein Zeuge Jehovas, der den Mitgefangenen von Luiz predigte, konnte auch mit ihm sprechen. Die Worte der Bibel hatten bei ihm eine so nachhaltige Wirkung, daß er schon nach kurzer Zeit ein ganz anderer Mensch wurde (Kolosser 3:9, 10). Früher hat niemand gewagt, ihm zu widersprechen, aber heute ist er zu jedem freundlich und zollt auch dem Gefängnispersonal den gebührenden Respekt. Nachdem die Bibel jetzt fünf Jahre auf seine Persönlichkeit eingewirkt hat, spricht Luiz mit seinen Mitgefangenen über das, was er gelernt hat, und er darf sogar außerhalb des Gefängnisses predigen.
Ein anderes Beispiel ist Wayne, der in den Vereinigten Staaten lebt. Er führte ein zügelloses, unmoralisches Leben und nahm Drogen. Nach seiner Heirat trieb sein schlechter Lebenswandel schließlich auch seine Frau zur Unmoral. Sie führten eine schlechte Ehe. Als sie vor der Scheidung standen, gelang es einem Zeugen Jehovas, Wayne zu zeigen, was die Bibel über Verantwortung und Liebe in der Familie sagt (Epheser 4:22-24; 5:22, 28). Ihm konnte geholfen werden, die Ursache seiner Probleme zu erkennen. (Siehe 1. Korinther 15:33.) Schließlich war es ihm möglich, seine Denkweise zu ändern. Das half auch seiner Frau, Änderungen vorzunehmen. Und heute sind sie eine beispielhafte, glückliche Familie — dank der Bibel.
Zum Schluß wollen wir noch von Elena berichten. Diese junge Argentinierin litt unter Depressionen. Der Psychiater, bei dem sie Hilfe suchte, sagte ihr, sie könne ihre Probleme durch sexuelle Promiskuität lösen. Sie verfiel der Unmoral, beschäftigte sich mit Spiritismus und wurde eine starke Raucherin. Elena ließ zwei Abtreibungen vornehmen. Doch dann begann sie sich für Jehovas Zeugen zu interessieren, die ihr halfen, ihr Leben nach der Bibel auszurichten. Nach und nach konnte sie mit Hilfe der Bibel ihre schlechten Praktiken aufgeben, und sie lernte den Schöpfer, Jehova Gott, und seinen Sohn, Jesus Christus, kennen. Mit Bezug auf Jehova und Jesus Christus sagt Elena heute: „Ich verdiene die guten Dinge überhaupt nicht, die ich von ihnen erhalte, und aus diesem Grund möchte ich immer mehr über die Barmherzigkeit und Liebe sprechen, die sie uns erweisen.“
Wie diese wenigen Beispiele zeigen, kann die Bibel eine äußerst hilfreiche Kraft in unserem Leben sein. Luiz, Wayne und Elena erhielten Hilfe, als Jehovas Zeugen sie mit der Bibel bekannt machten und ihnen zeigten, wie man das anwendet, was sie sagt. Weltweit gibt es heute über drei Millionen dieser Zeugen. Viele von ihnen haben in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen gemacht, doch sie alle haben — gestützt auf die Bibel — radikale Änderungen in ihrem Leben vorgenommen. Das Ergebnis?
Diese drei Millionen Christen bilden eine Gemeinschaft, in der die großen Probleme, die heute die Zukunft des Menschengeschlechts bedrohen, bereits gelöst sind. Trennend wirkender Nationalstolz oder Stammesdünkel gibt es unter ihnen nicht. Mit Hilfe der Bibel bemühen sie sich, Vorurteile in bezug auf Rasse oder gesellschaftliche Stellung zu überwinden. Und sie haben gelernt, miteinander in Frieden zu leben, wodurch sich in kleinem Maßstab bereits eine der bemerkenswertesten Prophezeiungen der Bibel erfüllt (Jesaja 11:6-9).
Die Existenz einer solchen Gruppe ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, daß die Bibel wirklich das Wort Gottes ist.
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