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Ein Buch, das man lesen sollteEin Buch für alle Menschen
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Ein Buch, das man lesen sollte
„Die Bibel darf man nicht ernst nehmen“, erklärte ein Universitätsprofessor einer freimütigen jungen Frau.
„Haben Sie denn die Bibel schon gelesen?“ fragte sie.
Etwas betroffen mußte der Professor zugeben, daß dies nicht der Fall war.
„Wie können Sie eine solche Meinung über ein Buch vertreten, das Sie noch gar nicht gelesen haben?“
Damit traf sie den Nagel auf den Kopf. Er beschloß, die Bibel zu lesen und sich dann eine Meinung darüber zu bilden.
VON der Bibel, die aus 66 Schriften besteht, heißt es, sie sei „wahrscheinlich die einflußreichste Büchersammlung aller Zeiten“.1 Tatsächlich zeugen einige der größten Werke der Kunst, Literatur und Musik von ihrem Einfluß. Auch das Rechtswesen ist stark von ihr geprägt worden. Ihr literarischer Stil wird gerühmt, und bei vielen gebildeten Personen genießt sie hohes Ansehen. Besonders nachhaltig hat sie das Leben von Menschen aller gesellschaftlichen Schichten beeinflußt. Viele ihrer Leser sind durch sie zu bemerkenswerter Loyalität angeregt worden. Manch einer riskierte sogar sein Leben, um sie zu lesen.
Aber gleichzeitig begegnet man der Bibel äußerst skeptisch. Es gibt Menschen, die eine ganz bestimmte Meinung über sie vertreten, ohne sie je gelesen zu haben. Sie anerkennen womöglich ihren literarischen und geschichtlichen Wert, fragen sich aber, inwiefern ein Buch, das vor Jahrtausenden geschrieben wurde, in unserer modernen Welt noch von Bedeutung sein könne. Wir leben im „Informationszeitalter“. Brandneue Informationen über aktuelle Ereignisse und neuste Technologien sind jederzeit verfügbar. Und zu fast allen Herausforderungen des modernen Lebens kann ohne weiteres „fachmännischer“ Rat eingeholt werden. Könnte die Bibel wirklich Informationen enthalten, die heute noch von praktischem Wert sind?
Die vorliegende Broschüre soll diese Fragen beantworten. Sie will dem Leser keine religiösen Ansichten oder Glaubenslehren aufdrängen, sondern ihm zeigen, daß die Bibel als ein Buch, das auf die Geschichte großen Einfluß ausgeübt hat, einer Betrachtung wert ist. Wie es 1994 in einer Meldung hieß, vertreten einige Pädagogen entschieden die Ansicht, die Bibel sei in der westlichen Kultur so fest verankert, daß „jeder — ob gläubig oder nicht —, der mit den biblischen Lehren und Berichten nicht vertraut ist, kulturell ungebildet“ sei.2
Wahrscheinlich wird man als religiöser oder auch als nichtreligiöser Mensch nach der Lektüre dieser Broschüre zustimmen, daß es sich bei der Bibel zumindest um ein Buch handelt, das man lesen sollte.
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Ein Buch, das falsch dargestellt wirdEin Buch für alle Menschen
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Ein Buch, das falsch dargestellt wird
„Die Lehre von der doppelten Erdbewegung um die eigene Achse und um die Sonne sei eine Irrlehre und völlig gegen die heilige Schrift“, erklärte die Indexkongregation der katholischen Kirche in einem Dekret im Jahre 1616.1 Widerspricht die Bibel tatsächlich wissenschaftlichen Tatsachen? Oder ist sie falsch dargestellt worden?
IM Winter 1609/10 richtete Galileo Galilei sein neuentwickeltes Teleskop zum Himmel und entdeckte vier Monde, die den Planeten Jupiter umkreisen. Was er sah, zerschlug die vorherrschende Ansicht, alle Himmelskörper müßten die Erde umkreisen. Bereits 1543 hatte der polnische Astronom Nikolaus Kopernikus die Theorie aufgestellt, daß sich die Planeten um die Sonne drehen. Galilei bewies, daß es sich dabei um eine wissenschaftliche Tatsache handelte.
Für katholische Theologen war das aber Ketzerei. Seit eh und je hatte die Kirche den Standpunkt vertreten, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums.2 Diese Ansicht beruhte auf einer wörtlichen Auslegung von Bibelstellen, in denen es von der Erde heißt, sie sei „fest gegründet“ und werde „in alle Ewigkeit . . . nicht wanken“ (Psalm 104:5, Neue Jerusalemer Bibel). Man ließ Galilei nach Rom kommen, wo er von der Inquisition vorgeladen wurde. Im Verhör zwang man ihn, seine Erkenntnisse zu widerrufen, und für den Rest seines Lebens stand er unter Hausarrest.
Erst im Jahre 1992, etwa 350 Jahre nach Galileis Tod, räumte die katholische Kirche ein, daß er eigentlich im Recht war.3 Wenn aber Galilei im Recht war, war dann die Bibel im Irrtum?
Die wahre Bedeutung von Bibelpassagen ermitteln
Galilei glaubte an die Wahrhaftigkeit der Bibel. Daß seine wissenschaftlichen Entdeckungen der geltenden Interpretation bestimmter Bibelverse widersprachen, erklärte er damit, daß die Theologen diese Passagen nicht richtig verstanden. „Zwei Wahrheiten können niemals einander widersprechen“, schrieb er.4 Er gab zu bedenken, daß die präzise Ausdrucksweise der Wissenschaft der biblischen Alltagssprache keineswegs widerspreche. Aber die Theologen ließen sich nicht davon überzeugen. Sie beharrten auf dem Standpunkt, alle biblischen Aussagen über die Erde seien wörtlich zu verstehen. So verwarfen sie die Entdeckungen Galileis, und damit blieb ihnen auch die wahre Bedeutung der betreffenden biblischen Aussagen verborgen.
Wenn wir in der Bibel auf den Ausdruck „vier Ecken der Erde“ stoßen, sollte uns eigentlich schon der gesunde Menschenverstand sagen, daß die Schreiber nicht zum Ausdruck bringen wollten, die Erde sei ein buchstäbliches Viereck (Offenbarung 7:1). Die Bibel wurde in der Volkssprache geschrieben und enthält viele Metaphern. Wenn davon die Rede ist, die Erde habe „vier Ecken“, eine dauerhafte „Grundlage“, „Einstecksockel“ und einen „Eckstein“, soll das keine wissenschaftliche Beschreibung der Erde sein; offensichtlich bedienten sich die Schreiber einer bildhaften Ausdrucksweise, wie wir es auch oftmals in der Alltagssprache tuna (Jesaja 51:13; Hiob 38:6).
Der Biograph L. Geymonat schreibt in seinem Buch Galileo Galilei: „Engstirnige Theologen, die die Wissenschaft auf der Grundlage biblischer Schlußfolgerungen einschränken wollten, würden damit lediglich die Bibel selbst in Mißkredit bringen.“5 Genau das taten sie. Durch ihre Bibelauslegung auferlegten in Wirklichkeit die Theologen — nicht die Bibel — der Wissenschaft unvernünftige Zwänge.
Auch heute wird die Bibel verdreht, wenn religiöse Fundamentalisten behaupten, die Erde sei in sechs 24-Stunden-Tagen erschaffen worden (1. Mose 1:3-31). Diese Ansicht stimmt weder mit der Wissenschaft noch mit der Bibel überein. Das Wort „Tag“ hat in der Bibel wie auch in der Alltagssprache verschiedene Bedeutungen und bezeichnet Zeiteinheiten von unterschiedlicher Länge. In 1. Mose 2:4 ist von den sechs Schöpfungstagen insgesamt als von einem alles umfassenden „Tag“ die Rede. Das in der Bibel mit „Tag“ wiedergegebene hebräische Wort kann einfach „eine lange Zeit“ bedeuten.6 Es gibt also keine biblische Grundlage für die Behauptung, bei den Schöpfungstagen habe es sich um jeweils 24 Stunden gehandelt. Fundamentalisten, die etwas anderes lehren, entstellen die Bibel. (Siehe auch 2. Petrus 3:8.)
Theologen, die biblische Aussagen verdrehen, sind in der Geschichte kein Einzelfall. Betrachten wir noch einige andere Beispiele dafür, wie die Religionsgemeinschaften der Christenheit Aussagen der Bibel entstellt haben.
Von der Religion in Mißkredit gebracht
Die Taten derer, die sagen, sie hielten sich an die Bibel, schaden oft dem Ruf des Buches, das sie zu verehren vorgeben. So haben sich angebliche Christen im Namen Gottes gegenseitig hingeschlachtet. Aber die Bibel fordert Nachfolger Christi auf, ‘einander zu lieben’ (Johannes 13:34, 35; Matthäus 26:52).
In völligem Widerspruch zu der biblischen Anweisung „Kostenfrei habt ihr empfangen, kostenfrei gebt“ scheren manche Geistliche ihre Herden, indem sie ihnen ihr sauer verdientes Geld abschwatzen (Matthäus 10:8; 1. Petrus 5:2, 3).
Man darf also die Bibel keinesfalls nach den Worten und Taten derer beurteilen, die lediglich daraus zitieren oder vorgeben, danach zu leben. Ein aufgeschlossener Mensch sollte deshalb selbst herauszufinden suchen, was es mit der Bibel auf sich hat und warum sie ein solch bemerkenswertes Buch ist.
[Fußnote]
a Zum Beispiel spricht heute selbst ein nüchtern denkender Astronom davon, daß Sonne, Sterne und Sternbilder „aufgehen“ und „untergehen“, obwohl sich in Wirklichkeit die Erde bewegt.
[Bild auf Seite 4]
Zwei Teleskope Galileis
[Bild auf Seite 5]
Galilei vor den Inquisitoren
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Das am weitesten verbreitete Buch der WeltEin Buch für alle Menschen
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Das am weitesten verbreitete Buch der Welt
„Die Bibel ist das meistgelesene Buch der Geschichte. Von der Bibel sind mehr Exemplare verbreitet worden als von irgendeinem anderen Buch. Sie ist auch häufiger und in mehr Sprachen übersetzt worden als irgendein anderes Buch“ („The World Book Encyclopedia“).1
IN GEWISSER Hinsicht gleichen viele Bücher den Menschen. Sie sind nach ihrem Erscheinen vielleicht für einige Zeit populär, bis sie schließlich — von einigen Klassikern einmal abgesehen — veralten und in Vergessenheit geraten. Bibliotheken erweisen sich oft als letzte Ruhestätte für zahllose veraltete Bücher, die niemand mehr liest und die praktisch tot sind.
Aber die Bibel nimmt selbst unter den klassischen Werken eine Ausnahmestellung ein. Obwohl ihre ältesten Teile schon vor 3 500 Jahren niedergeschrieben wurden, ist sie alles andere als ein totes Buch. Sie ist mit Abstand das am weitesten verbreitete Buch der Welt.a Jedes Jahr werden etwa 60 Millionen vollständige Bibeln oder Bibelteile verbreitet. Die erste Ausgabe, die man mit beweglichen Lettern druckte, wurde etwa 1455 auf der Druckpresse des deutschen Erfinders Johannes Gutenberg hergestellt. Seither sind schätzungsweise 4 Milliarden Bibeln (Gesamtausgaben oder Auszüge) gedruckt worden. Kein anderes Buch — religiöser oder anderer Art — hat auch nur annähernd diese Zahl erreicht.
Die Bibel ist auch das meistübersetzte Buch der Geschichte. Die vollständige Bibel oder Teile davon sind in mehr als 2 100 Sprachen und Dialekte übersetzt worden.b Für mehr als 90 Prozent der Menschen ist zumindest ein Teil der Bibel in ihrer Sprache zugänglich.2 Auf diese Weise hat dieses Buch sowohl Staatsgrenzen als auch rassische und ethnische Schranken überwunden.
Statistische Angaben an sich sind vielleicht noch kein zwingender Grund, sich eingehend mit der Bibel zu befassen. Aber die Zahlen sind, was die Verbreitung und Übersetzung betrifft, immerhin beeindruckend und ein Beweis dafür, welch eine Anziehungskraft die Bibel allgemein ausübt. Das meistverkaufte und meistübersetzte Buch aller Zeiten verdient es ganz bestimmt, daß wir uns einmal damit beschäftigen.
[Fußnoten]
a Wie man annimmt, ist die am zweithäufigsten verbreitete Publikation die rot eingebundene Broschüre Zitate aus den Werken Mao Tse-tungs, von der schätzungsweise 800 Millionen Exemplare verkauft oder verbreitet worden sind.
b Die statistischen Angaben über die Anzahl der Sprachen stützen sich auf die vom Weltbund der Bibelgesellschaften veröffentlichten Zahlen.
[Bild auf Seite 6]
Die Gutenberg-Bibel in Lateinisch war das erste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch
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Wie ist das Buch bis heute erhalten geblieben?Ein Buch für alle Menschen
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Wie ist das Buch bis heute erhalten geblieben?
Bücher des Altertums hatten natürliche Feinde: Feuer, Feuchtigkeit und Schimmel. Die Bibel war gegen solche Gefahren nicht immun. Daß sie dennoch dem Zahn der Zeit widerstand und das am weitesten verbreitete Buch der Welt wurde, zeichnet sie unter den Schriften des Altertums als einzigartig aus. Ihre Geschichte verdient mehr als beiläufiges Interesse.
DIE Bibelschreiber gravierten ihre Worte weder in Stein, noch hielten sie ihre Aufzeichnungen auf Tontafeln fest. Offenbar dienten ihnen weniger haltbare Materialien wie Papyrus (aus der gleichnamigen ägyptischen Pflanze hergestellt) und Pergament (aus Tierhäuten) als Beschreibstoff.
Was geschah mit den Originalschriften? Wahrscheinlich sind die meisten schon vor langer Zeit im alten Israel zerfallen. Der Gelehrte Oscar Paret erklärt dazu: „In gleich starkem Maße sind diese beiden Beschreibstoffe [Papyrus und Leder] . . . gefährdet durch Feuchtigkeit, durch Schimmel und verschiedene Maden. Wir wissen aus täglicher Erfahrung, wie rasch Papier, ja starkes Leder im Freien oder in einem feuchten Raum zugrunde geht.“1
Wenn die Originale nicht mehr existieren, wie sind dann die Worte der Bibelschreiber bis heute erhalten geblieben?
Durch äußerst genaue Abschreiber bewahrt
Schon bald nach der Niederschrift der Originale begann man, Abschriften anzufertigen. Das Abschreiben der heiligen Schriften war im alten Israel ein richtiger Beruf (Esra 7:6; Psalm 45:1). Aber auch die Abschriften fertigte man auf verderblichem Beschreibstoff an. Schließlich mußten diese Abschriften wieder durch neue handgeschriebene Kopien ersetzt werden. Als es die Originale nicht mehr gab, bildeten die Abschriften die Grundlage für künftige Handschriften. Viele Jahrhunderte hindurch war es Brauch, handgeschriebene Kopien von Abschriften herzustellen. Ergaben sich im Laufe der Jahrhunderte durch die Fehler der Abschreiber erhebliche Veränderungen im Wortlaut der Bibel? Die Beweise sagen nein.
Die berufsmäßigen Abschreiber zeichneten sich durch große Sorgfalt aus. Sie hatten tiefe Ehrfurcht vor den Worten, die sie abzuschreiben hatten. Und sie waren äußerst genau. „Abschreiber“ ist eine Übersetzung des hebräischen Wortes ßophér, das mit Zählen und Aufzeichnen in Verbindung gebracht werden kann. Als Beispiel für die Genauigkeit der Abschreiber können uns die Massoretena dienen. Über sie schrieb der Gelehrte Thomas Hartwell Horne: „Sie . . . rechneten aus, welches der mittlere Buchstabe des Pentateuchs [der ersten fünf Bücher der Bibel] ist, welches der mittlere Satz in jedem Buch ist und wie oft jeder Buchstabe des [hebräischen] Alphabets in den gesamten Hebräischen Schriften vorkommt.“3
Geübte Abschreiber bedienten sich zum Beispiel mehrerer Prüfmethoden. Sie zählten nicht nur die Wörter des Bibeltextes, sondern auch die Buchstaben, damit sie keinen einzigen ausließen. Man stelle sich vor, welch eine Mühe es war, jeden einzelnen der 815 140 Buchstaben der Hebräischen Schriften zu zählen!4 Dieses fleißige Bemühen garantierte ein hohes Maß an Genauigkeit.
Allerdings waren die Abschreiber nicht unfehlbar. Da man jahrhundertelang immer wieder Abschriften anfertigte, erhebt sich die Frage, ob es Beweise dafür gibt, daß der Bibeltext dennoch in zuverlässiger Form erhalten geblieben ist.
Eine solide Grundlage für das Vertrauen
Wir dürfen ohne weiteres davon ausgehen, daß die Bibel bis in die heutige Zeit genau überliefert worden ist. Der Beweis sind die vorhandenen Handschriften: schätzungsweise 6 000 von den gesamten Hebräischen Schriften oder von Teilen davon sowie 5 000 von den Christlichen Griechischen Schriften. 1947 wurde eine Handschrift der Hebräischen Schriften gefunden, die belegt, mit welcher Genauigkeit Bibelabschreiber gearbeitet haben. Man hat sie als den „größten Handschriftenfund der Neuzeit“ bezeichnet.5
Anfang jenes Jahres entdeckte ein junger Beduinenhirte beim Weiden seiner Herden unweit des Toten Meeres eine Höhle. Darin fand er mehrere Tonkrüge. Die meisten waren leer. In einem fest versiegelten Krug befand sich eine Lederrolle, die sorgfältig in Leinen eingewickelt war und das gesamte Buch Jesaja enthielt. Es handelte sich um eine zwar gut erhaltene, aber abgenutzte Rolle, die erkennen ließ, daß sie repariert worden war. Der Junge ahnte damals wohl kaum, daß der alten Schriftrolle, die er in den Händen hielt, einmal weltweit Beachtung geschenkt würde.
Was ist an dieser Handschrift so bemerkenswert? Die älteste vollständige hebräische Handschrift, die 1947 zur Verfügung stand, stammte aus dem 10. Jahrhundert u. Z. Aber der neue Fund wurde in das 2. Jahrhundert v. u. Z.b datiert — also mehr als tausend Jahre früher.c Gelehrte waren sehr daran interessiert, diese Schriftrolle mit wesentlich später entstandenen Handschriften zu vergleichen.
In einer Studie verglichen Gelehrte das 53. Kapitel der Jesaja-Rolle vom Toten Meer mit dem massoretischen Text, der tausend Jahre später erstellt wurde. In dem Buch A General Introduction to the Bible heißt es über die Ergebnisse der Studie: „Von den 166 Wörtern in Jesaja 53 sind nur siebzehn Buchstaben fraglich. Bei zehn dieser Buchstaben geht es lediglich um die Schreibweise, die den Sinn nicht berührt. Bei vier weiteren Buchstaben handelt es sich um geringfügige stilistische Veränderungen, wie zum Beispiel um Konjunktionen. Die restlichen drei Buchstaben bilden das Wort ‚Licht‘, das in Vers 11 hinzugefügt worden ist und die Bedeutung nicht sonderlich beeinflußt. . . . Somit gibt es nach tausend Jahren der Überlieferung in einem Kapitel von 166 Wörtern nur e i n fragliches Wort (drei Buchstaben) — und dieses Wort verändert die Bedeutung der Textstelle nicht wesentlich.“7
Professor Millar Burrows, der sich jahrelang mit den Schriftrollen befaßte und ihren Inhalt analysierte, kam zu einem ähnlichen Schluß: „Viele Unterschiede zwischen der Jesaja-Rolle . . . und dem masoretischen Text lassen sich als Abschreibefehler erklären. Von diesen abgesehen stimmt sie im ganzen in bemerkenswerter Weise mit dem Text der mittelalterlichen Handschriften überein. Diese Übereinstimmung einer so viel älteren Handschrift gibt ein beruhigendes Zeugnis dafür, daß der überlieferte Text im großen und ganzen genau ist.“8
Auch über das Abschreiben der Christlichen Griechischen Schriften liegt ein „beruhigendes Zeugnis“ vor. Zum Beispiel wurde durch die Entdeckung des Codex Sinaiticus (eine ins 4. Jahrhundert u. Z. datierte Pergamenthandschrift) die Genauigkeit von Handschriften der Christlichen Griechischen Schriften bestätigt, die Jahrhunderte später entstanden waren. Ein Papyrusfragment des Johannesevangeliums, das im Bezirk Al Faijum (Ägypten) entdeckt wurde, hat man in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts u. Z. datiert, also weniger als 50 Jahre nach der Niederschrift des Originals. Im trockenen Sand hatte es die Jahrhunderte überdauert. Der Text stimmt mit demjenigen viel späterer Handschriften überein.9
Das vorhandene Beweismaterial bezeugt somit, daß die Abschreiber wirklich sehr genau waren. Dennoch unterliefen ihnen Fehler. Keine einzige Handschrift ist völlig makellos, auch nicht die Jesaja-Rolle vom Toten Meer. Aber Gelehrten war es möglich, solche Abweichungen vom Original zu entdecken und sie zu korrigieren.
Abschreibfehler korrigiert
Angenommen, 100 Personen würden gebeten, eine handschriftliche Kopie eines längeren Dokuments anzufertigen. Zweifellos würden zumindest einigen Abschreibern irgendwelche Fehler unterlaufen. Aber nicht alle würden dieselben Fehler machen. Stellte man uns die Aufgabe, alle 100 Abschriften äußerst sorgfältig miteinander zu vergleichen, so wären wir in der Lage, die Fehler ausfindig zu machen und den richtigen Text des Originaldokuments zu ermitteln, auch wenn wir ihn nie gesehen hätten.
Auch die Abschreiber der Bibel machten nicht alle dieselben Fehler. An Hand der buchstäblich Tausende von Bibelhandschriften, die heute zu Vergleichen herangezogen werden können, ist es Textkritikern möglich gewesen, Fehler aufzuspüren, die ursprüngliche Lesart wiederherzustellen und die nötigen Änderungen zu vermerken. Als Ergebnis ihrer gewissenhaften Forschung haben sie einen Grundtext der Bibel in den Ursprachen erstellt. In diesen Ausgaben des geläuterten hebräischen und griechischen Textes erscheinen die Wörter, auf die man sich allgemein als Urtext geeinigt hat, während in Fußnoten Textvarianten oder alternative Lesarten bestimmter Handschriften aufgeführt werden. Beim Übersetzen der Bibel in neuzeitliche Sprachen bedient man sich heute dieses von den Textkritikern geläuterten Textes.
Deshalb darf jemand, der eine moderne Bibelübersetzung zur Hand nimmt, davon überzeugt sein, daß der hebräische und griechische Text, auf den sich diese Übersetzung stützt, äußerst getreu die Worte der ursprünglichen Bibelschreiber wiedergibt.d Es ist wirklich einzigartig, wie die Bibel Tausende von Jahren überstanden hat, in denen sie immer wieder von Hand abgeschrieben wurde. Sir Frederic Kenyon, langjähriger Kustos des Britischen Museums, stellte daher fest: „Es kann nicht nachdrücklich genug versichert werden, daß der Text der Bibel im wesentlichen gesichert ist. . . . Das kann von keinem anderen alten Buch der Welt gesagt werden.“10
[Fußnoten]
a Die Massoreten (was „Herren der Überlieferung“ bedeutet) schrieben die Hebräischen Schriften ab; sie lebten vom 6. bis 10. Jahrhundert u. Z. Ihre Abschriften nennt man den massoretischen Text.2
b Die Bezeichnung „v. u. Z.“ bedeutet „vor unserer Zeitrechnung“; „u. Z.“ steht für „unsere Zeitrechnung“ oder für „A. D.“, das heißt „Anno Domini“, was „im Jahre des Herrn“ bedeutet.
c In dem Werk Textual Criticism of the Hebrew Bible von Emanuel Tov heißt es: „Mit Hilfe der Kohlenstoff-14-Methode hat man 1QIsaa [die Jesaja-Rolle vom Toten Meer] jetzt zwischen 202 und 107 v. u. Z. datiert (paläographisches Datum: 125—100 v. u. Z.) . . . Die genannte paläographische Methode, die in den letzten Jahren verbessert worden ist und die, gestützt auf einen Vergleich von Gestalt und Haltung der Buchstaben mit externen Quellen wie datierten Münzen und Inschriften, eine sichere Datierung erlaubt, hat sich als eine relativ zuverlässige Methode herausgestellt.“6
d Die einzelnen Übersetzer mögen sich natürlich mehr oder weniger streng an den hebräischen und griechischen Originaltext gehalten haben.
[Bild auf Seite 8]
Die Bibel blieb durch geschickte Abschreiber erhalten
[Bilder auf Seite 9]
Die Jesaja-Rolle vom Toten Meer (siehe abgebildetes Faksimile) ist praktisch identisch mit dem massoretischen Text, der 1 000 Jahre später erstellt wurde
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Ein Buch, das in lebenden Sprachen „spricht“Ein Buch für alle Menschen
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Ein Buch, das in lebenden Sprachen „spricht“
Wenn die Sprache ausstirbt, in der ein Buch geschrieben wurde, ist praktisch auch das Buch tot. Nur wenige Menschen können heute noch die alten Sprachen lesen, in denen die Bibel geschrieben wurde. Sie ist aber alles andere als ein totes Buch. Sie hat überlebt, weil man sie „gelehrt“ hat, die lebenden Sprachen der Menschheit zu „sprechen“. Die Übersetzer, die ihr geholfen haben, in anderen Sprachen zu „sprechen“, standen zuweilen vor anscheinend unüberwindlichen Hindernissen.
DIE Bibel zu übersetzen ist angesichts ihrer mehr als 1 100 Kapitel und 31 000 Verse eine eindrucksvolle Aufgabe. Aber im Laufe der Jahrhunderte nahmen gottesfürchtige Übersetzer gern diese Herausforderung an. Viele von ihnen waren bereit, Härten auf sich zu nehmen und für ihre Arbeit sogar zu sterben. Wie es dazu kam, daß die Bibel in die verschiedenen Sprachen übersetzt wurde, zeugt von ungewöhnlicher Beharrlichkeit und beachtlichem Einfallsreichtum. Betrachten wir nur einen kleinen Teil des überwältigenden Berichts.
Die Herausforderung für die Übersetzer
Wie läßt sich ein Buch in eine Sprache übersetzen, die keine Schriftzeichen kennt? Zahlreiche Bibelübersetzer standen gerade vor dieser Herausforderung. Zum Beispiel machte sich Wulfila im 4. Jahrhundert u. Z. daran, die Bibel ins Gotische zu übersetzen, damals eine Gegenwartssprache, die jedoch keine Schriftsprache war. Wulfila löste dieses Problem, indem er das gotische Alphabet mit seinen 27 Schriftzeichen schuf, die er weitgehend dem griechischen und dem lateinischen Alphabet entnahm. Noch vor dem Jahre 381 u. Z. hatte er fast die ganze Bibel ins Gotische übersetzt.
Im 9. Jahrhundert entstand bei Kyrillos (ursprünglich Konstantin genannt) und Methodius, zwei Griechisch sprechenden Brüdern, die hervorragende Gelehrte und Sprachkenner waren, der Wunsch, die Bibel für Slawisch sprechende Menschen zu übersetzen. Aber in der Sprache, die man als Vorläufer der heutigen slawischen Sprachen bezeichnen kann, gab es keine Schriftzeichen. Deshalb entwickelten die beiden Brüder für ihre Bibelübersetzung ein eigenes Alphabet. So konnte nun die Bibel zu vielen weiteren Menschen „sprechen“ — zur Bevölkerung der slawischen Welt.
Im 16. Jahrhundert ging William Tyndale daran, die Bibel aus den Ursprachen ins Englische zu übersetzen, stieß dabei aber auf den erbitterten Widerstand der Kirche und des Staates. Tyndale, der in Oxford studiert hatte, wollte eine Übersetzung schaffen, die ein „Junge hinter dem Pflug“ verstehen konnte.1 Aber um das zu verwirklichen, mußte er nach Deutschland fliehen, wo er 1526 sein englisches „Neues Testament“ drucken ließ. Als Exemplare davon nach England geschmuggelt wurden, war die Obrigkeit so sehr darüber empört, daß sie begann, diese Ausgaben öffentlich zu verbrennen. Später wurde Tyndale verraten. Vor seiner Hinrichtung — man erdrosselte ihn und verbrannte danach seinen Leichnam — sagte er mit lauter Stimme: „Herr, öffne dem König von England die Augen!“2
Das Übersetzen der Bibel ging weiter; die Übersetzer waren nicht aufzuhalten. Bis zum Jahre 1800 hatte man zumindest Teile der Bibel „gelehrt“, in 68 Sprachen zu „sprechen“. Als Bibelgesellschaften gegründet wurden, besonders die Britische und Ausländische Bibelgesellschaft im Jahre 1804, „sprach“ die Bibel bald in weiteren Sprachen. Hunderte junge Männer meldeten sich, um als Missionare ins Ausland zu gehen. Viele von ihnen nahmen sich in erster Linie vor, die Bibel zu übersetzen.
Die Sprachen Afrikas gelernt
Im Jahre 1800 gab es in Afrika nur etwa ein Dutzend Schriftsprachen. Hunderte andere Sprachen, die gesprochen wurden, mußten warten, bis jemand ein Schriftsystem für sie erfand. Die Missionare kamen und lernten die Sprachen ohne Sprachlehrbuch oder Wörterbuch. Sie bemühten sich, eine Schrift zu entwickeln, und brachten dann den Menschen bei, diese zu lesen. Dadurch wollten sie es der Bevölkerung ermöglichen, eines Tages die Bibel in der eigenen Sprache zu lesen.3
Einer dieser Missionare war der Schotte Robert Moffat. 1821 eröffnete er im Alter von 25 Jahren eine Mission unter der Tswana sprechenden Bevölkerung Südafrikas. Um ihre Sprache zu erlernen, für die es keine Schriftzeichen gab, mischte er sich unter die Menschen, reiste bisweilen ins Landesinnere und lebte bei dem Volk. Später berichtete er: „Die Leute waren freundlich, aber wegen meiner Ungeschicklichkeit in der Sprache brachen sie oft in schallendes Gelächter aus. Kein einziges Mal korrigierte jemand ein Wort oder einen Satz von mir, ohne zuvor das Gehörte äußerst wirklichkeitsnah nachzuahmen, sehr zur Belustigung anderer.“4 Moffat gab nicht auf. Schließlich beherrschte er die Sprache und entwickelte eine Schrift dafür.
Moffat hatte acht Jahre unter den Tswana gearbeitet, als er 1829 die Übersetzung des Lukasevangeliums vollendete. Damit er es drucken lassen konnte, reiste er etwa 960 Kilometer auf dem Ochsenkarren an die Küste und von dort mit dem Schiff weiter nach Kapstadt. Der Gouverneur erlaubte ihm, eine staatliche Druckpresse zu benutzen, aber Moffat mußte den Text selbst setzen und die Presse selbst bedienen. 1830 konnte er schließlich das Evangelium veröffentlichen. Zum ersten Mal war es den Tswana möglich, einen Teil der Bibel in ihrer Sprache zu lesen. 1857 war die Übersetzung der ganzen Bibel in Tswana abgeschlossen.
Später schilderte Moffat, wie die Bevölkerung reagierte, als sie das Lukasevangelium erhielt. Er schrieb: „Ich kenne Leute, die Hunderte von Meilen gekommen sind, um Exemplare des Lukasevangeliums zu holen. . . . Ich habe gesehen, wie sie Exemplare des Lukasevangeliums erhielten und darüber in Tränen ausbrachen, sie sich an die Brust drückten und vor Dankbarkeit weinten. Nicht nur einem mußte ich sagen: ‚Deine Bücher werden durch deine Tränen Schaden nehmen.‘ “5
Aufopfernde Übersetzer wie Moffat gaben vielen Afrikanern erstmals die Möglichkeit, schriftlich miteinander zu kommunizieren, wenn auch einige von ihnen zunächst gar nicht einsahen, daß sie eine Schriftsprache benötigten. Die Übersetzer waren allerdings davon überzeugt, daß sie der afrikanischen Bevölkerung mit der Bibel in ihrer eigenen Sprache ein noch wertvolleres Geschenk machten. Mittlerweile „spricht“ die Bibel (oder Teile davon) in mehr als 600 afrikanischen Sprachen.
Die Sprachen Asiens gelernt
Während die Übersetzer in Afrika bemüht waren, für die dort gesprochenen Sprachen Schriftsysteme zu entwickeln, standen Übersetzer auf der anderen Seite der Erdkugel vor einem ganz anderen Hindernis: Sprachen mit komplizierten Schriftzeichen. Diese Herausforderung ergab sich beim Übersetzen der Bibel in die asiatischen Sprachen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gingen William Carey und Joshua Marshman nach Indien und erlernten mehrere der dortigen Schriftsprachen. Mit der Unterstützung von William Ward, einem Drucker, stellten sie Übersetzungen zumindest von Teilen der Bibel in nahezu 40 Sprachen her.6 Über William Carey schrieb der Autor J. Herbert Kane: „Er entwickelte einen wohlklingenden, flüssigen umgangssprachlichen Stil [des Bengali], wodurch er die alte klassische Form der Sprache ersetzte und sie für den modernen Leser verständlicher und ansprechender gestaltete.“7
Adoniram Judson, geboren und aufgewachsen in den Vereinigten Staaten, reiste nach Burma und begann 1817 mit dem Übersetzen der Bibel ins Burmesische. Wie schwierig es ist, eine orientalische Sprache so weit zu erlernen, daß man die Bibel übersetzen kann, beschreibt er folgendermaßen: „Wenn wir uns die Sprache eines Volkes auf der anderen Seite der Erde aneignen müssen, dessen Gedanken sich in ganz anderen Bahnen bewegen als die unsrigen und dessen Ausdrucksregeln demzufolge alle neu für uns sind, wenn wir Buchstaben und Wörter vorfinden, die nicht die geringste Ähnlichkeit haben mit denen irgendeiner Sprache, die wir kennen, wenn wir kein Wörterbuch und keinen Dolmetscher haben und dabei gewisse Kenntnisse der Sprache erwerben müssen, ehe wir die Unterstützung eines einheimischen Lehrers in Anspruch nehmen können — so ist das wirklich Arbeit!“8
Für Judson waren es etwa 18 Jahre gewissenhafte Arbeit. Der letzte Teil der Bibel in Burmesisch wurde 1835 gedruckt. Sein Aufenthalt in Burma kam ihn jedoch teuer zu stehen. Während er an der Übersetzung arbeitete, klagte man ihn der Spionage an, weshalb er fast zwei Jahre in einem mit Mücken verseuchten Gefängnis zubringen mußte. Kaum war er wieder frei, starben seine Frau und seine kleine Tochter an Fieber.
Im Jahre 1807 kam Robert Morrison als 25jähriger nach China und machte sich an die äußerst schwierige Aufgabe, die Bibel in eine der kompliziertesten Schriftsprachen zu übersetzen: Chinesisch. Seine Chinesischkenntnisse waren sehr begrenzt, denn er hatte erst zwei Jahre zuvor mit dem Studium dieser Sprache begonnen. Außerdem geriet Morrison durch sein Vorhaben mit dem chinesischen Gesetz in Konflikt, das Chinas Isolation aufrechterhalten sollte. Chinesen war es unter Androhung der Todesstrafe untersagt, Ausländern Sprachunterricht zu erteilen. Wer als Ausländer die Bibel ins Chinesische übersetzen wollte, machte sich eines Kapitalverbrechens schuldig.
Unerschrocken, doch vorsichtig setzte Morrison das Studium der Sprache fort und erlernte sie recht schnell. Nach zwei Jahren wurde er von der Ostindischen Kompanie als Übersetzer angestellt. Tagsüber war er für die Kompanie tätig, aber im geheimen arbeitete er an seiner Bibelübersetzung, ständig in Gefahr, entdeckt zu werden. 1814, sieben Jahre nach seiner Ankunft in China, waren die Christlichen Griechischen Schriften druckreif.9 Fünf Jahre später vollendete er mit der Unterstützung von William Milne die Hebräischen Schriften.
Es war eine gewaltige Leistung: Die Bibel konnte jetzt in der Sprache „sprechen“, die von mehr Menschen gesprochen wird als irgendeine andere Sprache in der Welt. Dank fähiger Übersetzer folgten noch Übersetzungen in weitere asiatische Sprachen. Heute sind Teile der Bibel in mehr als 500 asiatischen Sprachen erhältlich.
Warum mühten sich Männer wie Tyndale, Moffat, Judson und Morrison jahrelang ab — einige riskierten sogar ihr Leben —, ein Buch für Menschen zu übersetzen, die sie nicht kannten und die mitunter gar keine Schriftsprache hatten? Bestimmt nicht, weil sie auf Ehre oder finanziellen Gewinn bedacht waren. Sie glaubten, daß die Bibel Gottes Wort ist und zu den Menschen, und zwar zu allen Menschen, in deren eigener Sprache „sprechen“ sollte.
Unabhängig davon, ob die Bibel für uns das Wort Gottes ist oder nicht, sind wir uns wahrscheinlich darin einig, daß eine solche aufopferungsvolle Einstellung, wie sie jene Übersetzer hatten, in der heutigen Welt etwas äußerst Seltenes ist. Verdient nicht ein Buch, das Menschen zu derartiger Selbstlosigkeit anregt, daß wir es eingehender prüfen?
[Übersicht auf Seite 12]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
Anzahl der Sprachen, in denen Teile der Bibel seit 1800 gedruckt worden sind
68 107 171 269 367 522 729 971 1 199 1 762 2 123
1800 1900 1995
[Bild auf Seite 10]
Tyndale beim Übersetzen der Bibel
[Bild auf Seite 11]
Robert Moffat
[Bild auf Seite 12]
Adoniram Judson
[Bild auf Seite 13]
Robert Morrison
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Was das Buch enthältEin Buch für alle Menschen
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Was das Buch enthält
Wer zum ersten Mal eine Bibliothek betritt, ist womöglich von der Vielzahl der Bücher verwirrt. Erklärt man ihm aber einigermaßen, wie die Bücher angeordnet sind, so weiß er bald, wo er etwas finden kann. Auch in der Bibel finden wir uns eher zurecht, wenn wir wissen, wie ihr Inhalt angeordnet ist.
DAS Wort „Bibel“ ist von dem griechischen Wort biblía abgeleitet, das „Papyrusrollen“ oder „Bücher“ bedeutet.1 Die Bibel ist eigentlich eine Sammlung — eine Bibliothek — von 66 einzelnen Büchern, die im Verlauf von 1 600 Jahren, von 1513 v. u. Z. bis 98 u. Z., geschrieben wurden.
Die ersten 39 Bücher, etwa drei Viertel des Inhalts der Bibel, sind als die Hebräischen Schriften bekannt, da sie fast ausschließlich in dieser Sprache geschrieben wurden. Diese Bücher kann man in drei Gruppen unterteilen: 1. die geschichtlichen Bücher (1. Mose bis Esther [17]), 2. die poetischen Bücher (Hiob bis Hohelied [5]) und 3. die prophetischen Bücher (Jesaja bis Maleachi [17]). Die Hebräischen Schriften behandeln die Frühgeschichte der Erde und der Menschheit sowie die Geschichte der Nation Israel von ihrer Gründung bis ins 5. Jahrhundert v. u. Z.
Die restlichen 27 Bücher sind als die Christlichen Griechischen Schriften bekannt, denn sie wurden in Griechisch geschrieben, der damaligen internationalen Sprache. Man ordnete sie nach ihren Themen folgendermaßen an: 1. die 5 geschichtlichen Bücher (die Evangelien und die Apostelgeschichte), 2. die 21 Briefe und 3. die Offenbarung. Die Christlichen Griechischen Schriften rücken die Lehren und die Tätigkeit Jesu Christi und seiner Jünger des 1. Jahrhunderts u. Z. in den Mittelpunkt.
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Ist das Buch vertrauenswürdig?Ein Buch für alle Menschen
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Ist das Buch vertrauenswürdig?
„Ich finde mehr sichere Kennzeichen von Echtheit an der Bibel als an irgendeinem weltlichen Geschichtsbuch“ (Sir Isaac Newton, bekannter englischer Wissenschaftler).1
IST dieses Buch — die Bibel — vertrauenswürdig? Ist darin von Menschen die Rede, die wirklich gelebt haben, von Orten, die es tatsächlich gab, und von Ereignissen, die wirklich eingetreten sind? Wenn dem so ist, dann müßten Beweise dafür zu finden sein, daß die Bibel von gewissenhaften, ehrlichen Personen geschrieben wurde. Und solche Beweise gibt es. Viele wurden durch Ausgrabungen freigelegt, doch noch mehr sind in dem Buch selbst zu finden.
Beweismaterial ausgegraben
Durch die Entdeckung alter Artefakte, die man in biblischen Ländern ausgegraben hat, ist die geschichtliche und geographische Genauigkeit der Bibel bestätigt worden. Betrachten wir nur einige dieser von Archäologen zutage geförderten Beweise.
David, ein mutiger junger Hirte, der König von Israel wurde, ist Bibellesern kein Unbekannter. Sein Name kommt in der Bibel 1 138mal vor, und der Ausdruck „Haus Davids“, mit dem häufig das Herrschergeschlecht gemeint ist, erscheint 25mal (1. Samuel 16:13; 20:16). Bis vor kurzem gab es jedoch keinen außerbiblischen Beweis dafür, daß David wirklich gelebt hat. War er nur eine fiktive Gestalt?
Eine Gruppe Archäologen unter der Leitung von Professor Avraham Biran machte 1993 eine erstaunliche Entdeckung, über die im Israel Exploration Journal berichtet wurde. Auf einem alten Schutthügel im nördlichen Teil Israels, Tel Dan genannt, legten sie einen Basaltblock frei. In diesen Stein waren unter anderem die Worte „Haus Davids“ und „König von Israel“ eingemeißelt.2 Die Inschrift, die ins 9. Jahrhundert v. u. Z. datiert wird, soll Teil eines Siegesdenkmals gewesen sein, das die Aramäer errichteten, die Feinde Israels waren und östlich davon lebten. Warum ist diese alte Inschrift so bedeutsam?
In einem Artikel der Zeitschrift Biblical Archaeology Review hieß es, gestützt auf einen Bericht von Professor Biran und seinem Kollegen Professor Joseph Naveh: „Zum ersten Mal wurde damit der Name David in einer außerbiblischen alten Inschrift gefunden.“3a An der Inschrift ist noch etwas anderes beachtenswert. Der Ausdruck „Haus Davids“ erscheint als e i n Wort. Der Sprachwissenschaftler Professor Anson Rainey erklärt, daß „ein Trennungszeichen . . . häufig weggelassen wird, vor allem wenn es sich dabei um einen allgemein bekannten Eigennamen handelt. ‚Das Haus Davids‘ war Mitte des 9. Jahrhunderts v. u. Z. ohne Zweifel ein solcher politischer und geographischer Eigenname.“5 Somit waren König David und sein Herrschergeschlecht in der Welt des Altertums offensichtlich gut bekannt.
Hat Ninive, die in der Bibel erwähnte große Stadt Assyriens, wirklich existiert? Noch im 19. Jahrhundert zogen einige Bibelkritiker das in Zweifel. Aber 1849 legte Sir Austen Henry Layard in Kujundschik die Ruinen des Palastes von König Sanherib frei. Wie es sich herausstellte, gehörte dieser Ort zum alten Ninive. So wurden die Kritiker in dieser Hinsicht zum Verstummen gebracht. Aber diese Ruinen hatten noch mehr auszusagen. An den Wänden eines gut erhaltenen Raumes war dargestellt, wie eine stark befestigte Stadt eingenommen wurde und Gefangene dem König der Eroberer vorgeführt wurden. Über dem König ist die Inschrift zu sehen: „Sanherib, König der Welt, König von Assyrien, saß auf seinem Thron und musterte die Beute aus Lachis“.6
Dieses Wandrelief mit der Inschrift ist im Britischen Museum zu besichtigen. Es entspricht dem Bibelbericht über die Einnahme der judäischen Stadt Lachisch durch Sanherib, von der in 2. Könige 18:13, 14 die Rede ist. Layard schrieb über die Bedeutung des Fundes: „Wer hätte es vor diesen Entdeckungen für wahrscheinlich oder möglich gehalten, unter dem Erd- und Schutthaufen an der Stelle Ninives die Geschichte des Krieges zwischen Hiskia [König von Juda] und Sanherib zu finden, die — niedergeschrieben zu ebenjener Zeit, da Sanherib ihn führte — den Bibelbericht sogar bis in alle Einzelheiten bestätigt?“7
Archäologen haben viele weitere Artefakte ausgegraben, die die Genauigkeit der Bibel belegen: Töpferwaren, Trümmer von Bauwerken, Tontafeln, Münzen, Urkunden, Denkmäler und Inschriften. Ausgräber legten die chaldäische Stadt Ur frei, wo Abraham gewohnt hatte, eine Stadt, die eine Handelsmetropole und ein religiöses Zentrum war8 (1. Mose 11:27-31). Die Nabonid-Chronik, die im 19. Jahrhundert entdeckt wurde, beschreibt den Sturz Babylons durch Cyrus den Großen im Jahre 539 v. u. Z., worüber in Daniel, Kapitel 5 berichtet wird.9 Im alten Thessalonich fand man auf einem Torbogen eine Inschrift (Bruchstücke davon werden im Britischen Museum aufbewahrt) mit den Namen von Stadtvorstehern, die als „Politarchen“ bezeichnet werden — ein Wort, das in der klassischen griechischen Literatur nicht vorkommt, aber vom Bibelschreiber Lukas gebraucht wurde (Apostelgeschichte 17:6, Fußnote).10 Wie schon in vielen anderen Einzelheiten war Lukas auch an dieser Stelle äußerst genau. (Vergleiche Lukas 1:3.)
Archäologen sind sich allerdings untereinander nicht immer einig, und sie stimmen auch nicht immer mit der Bibel überein. Dessenungeachtet enthält die Bibel selbst genügend stichhaltige Beweise dafür, daß sie vertrauenswürdig ist.
Offenheit in den Aussagen
Von ehrlichen Historikern würde man erwarten, daß sie nicht nur über Siege berichten (wie in der Inschrift über die Einnahme Lachischs durch Sanherib), sondern auch über Niederlagen; nicht nur über Erfolge, sondern auch über Fehlschläge; nicht nur über Stärken, sondern auch über Schwächen. Aber nur wenige weltgeschichtliche Aufzeichnungen lassen eine solche Ehrlichkeit erkennen.
Über die assyrischen Historiker schreibt Daniel D. Luckenbill: „Öfter wird deutlich, daß es die königliche Eitelkeit verlangte, die geschichtliche Genauigkeit zu opfern.“11 Diese „königliche Eitelkeit“ zeigt sich in den Annalen des assyrischen Königs Assurnasirpal, der sich mit den Worten rühmte: „Ich bin königlich, ich bin edel, ich bin erhaben, ich bin mächtig, ich bin geehrt, ich bin herrlich, ich bin hervorragend, ich bin stark, ich bin tapfer, ich bin kühn wie ein Löwe, und ich bin ein Held!“12 Würden wir alles, was wir in diesen Annalen lesen, als geschichtlich zuverlässig ansehen?
Im Gegensatz dazu bewiesen die Bibelschreiber eine erfrischende Offenheit. Moses, der Führer Israels, berichtete unverhohlen sowohl über die Sünden seines Bruders Aaron, seiner Schwester Mirjam, seiner beiden Neffen Nadab und Abihu und die Sünden seines Volkes als auch über seine eigenen Fehler (2. Mose 14:11, 12; 32:1-6; 3. Mose 10:1, 2; 4. Mose 12:1-3; 20:9-12; 27:12-14). Die schwerwiegenden Fehler König Davids wurden nicht zugedeckt, sondern schriftlich festgehalten, und das zu einer Zeit, in der David als König herrschte (2. Samuel, Kapitel 11 und 24). Matthäus, der das gleichnamige Evangelium schrieb, berichtet, daß sich die Apostel (zu denen er gehörte) über ihre persönliche Stellung stritten und Jesus in der Nacht seiner Verhaftung verließen (Matthäus 20:20-24; 26:56). Die Schreiber der Briefe in den Christlichen Griechischen Schriften gaben offen zu, daß es in einigen frühen Christenversammlungen Probleme gab, zum Beispiel geschlechtliche Unmoral und Uneinigkeit. Und sie nahmen kein Blatt vor den Mund, als sie diese Probleme ansprachen (1. Korinther 1:10-13; 5:1-13).
Solche freimütigen, offenen Berichte lassen ein aufrichtiges Interesse an der Wahrheit erkennen. Wenn die Bibelschreiber bereit waren, Unvorteilhaftes über ihre Angehörigen, ihr Volk und sogar über sich selbst zu berichten, haben wir dann nicht allen Grund, ihren Schriften zu vertrauen?
In Einzelheiten genau
Die Glaubwürdigkeit einer Zeugenaussage vor Gericht ist häufig an Nebensächlichkeiten zu erkennen. Werden durch eine Aussage unbedeutende Einzelheiten bestätigt, kann das anzeigen, daß das Zeugnis genau und zuverlässig ist, während schwerwiegende Abweichungen eine Aussage als eine Erfindung entlarven mögen. Allerdings kann sich auch ein übergenauer Bericht, bei dem sich selbst die letzte Kleinigkeit wunderbar einfügt, als ein falsches Zeugnis herausstellen.
Was ist diesbezüglich über das „Zeugnis“ der Bibelschreiber zu sagen? Ihre Aufzeichnungen weisen eine bemerkenswerte Harmonie auf. Selbst in unwesentlichen Einzelheiten stimmen sie überein. Aber diese Harmonie ist nicht sorgfältig ausgeklügelt, was den Verdacht einer Absprache nahelegen würde. Die Übereinstimmung ist keiner erkennbaren Absicht zuzuschreiben, sondern ergibt sich eher zufällig. Betrachten wir einige Beispiele.
Der Bibelschreiber Matthäus schrieb: „Und als Jesus in das Haus des Petrus kam, sah er dessen Schwiegermutter fieberkrank daniederliegen“ (Matthäus 8:14). Matthäus erwähnt hier eine interessante, aber unwesentliche Einzelheit: Petrus war verheiratet. Diese unbedeutende Tatsache wird durch Paulus bestätigt, der schrieb: „Hätte ich nicht das Recht, eine christliche Ehefrau auf meine Reisen mitzunehmen, wie es die anderen Apostel tun . . . und auch Petrusb?“ (1. Korinther 9:5, Die Bibel in heutigem Deutsch). Der Zusammenhang läßt erkennen, daß sich Paulus gegen ungerechtfertigte Kritik verteidigte (1. Korinther 9:1-4). Die Tatsache, daß Petrus verheiratet war, hat Paulus also nicht deshalb angeführt, weil er die Genauigkeit des Matthäusevangeliums stützen wollte, sondern nur beiläufig.
Alle vier Schreiber der Evangelien — Matthäus, Markus, Lukas und Johannes — berichten darüber, daß in der Nacht, als Jesus verraten wurde, einer seiner Jünger ein Schwert zog und damit einen Sklaven des Hohenpriesters schlug und ihm das Ohr abhieb. Nur im Johannesevangelium wird eine scheinbar unwichtige Einzelheit erwähnt: „Der Name des Sklaven war Malchus“ (Johannes 18:10, 26). Warum nennt nur Johannes den Namen des Mannes? Einige Verse weiter wird auf eine unbedeutende Tatsache verwiesen, die sonst nirgendwo erscheint: Johannes war „dem Hohenpriester bekannt“. Auch der Hausgemeinschaft des Hohenpriesters war er bekannt; die Diener kannten ihn, und er kannte sie (Johannes 18:15, 16). Es ist also ganz natürlich, daß Johannes den Verwundeten mit Namen nennt, wohingegen die anderen Evangelienschreiber, für die er ein Fremder war, es nicht tun.
Bisweilen fehlen in einem Bericht bestimmte Einzelheiten, die aber anderswo ganz nebenbei erwähnt werden. Matthäus berichtet zum Beispiel über Jesu Verhör vor dem Sanhedrin und erwähnt, daß Anwesende „ihm Backenstreiche [gaben] und sprachen: ‚Prophezeie uns, du Christus: Wer ist es, der dich schlug?‘ “ (Matthäus 26:67, 68). Wieso forderten sie Jesus auf, zu „prophezeien“, wer ihn geschlagen hätte, wenn doch der Schläger vor ihm stand? Matthäus geht nicht darauf ein. Aber zwei andere Evangelienschreiber führen die fehlende Einzelheit an: Jesu Verfolger verhüllten sein Gesicht, bevor sie ihm Backenstreiche gaben (Markus 14:65; Lukas 22:64). Matthäus war in seinem Bericht nicht so sehr daran gelegen, alles bis ins letzte Detail zu erwähnen.
Im Johannesevangelium wird davon berichtet, daß sich eine große Menschenmenge einfand, um Jesu Lehren zu lauschen. Gemäß dem Bericht sagte Jesus, als er die Volksmenge sah, „zu Philippus: ‚Wo sollen wir Brote kaufen, damit diese essen können?‘ “ (Johannes 6:5). Warum fragte Jesus von allen anwesenden Jüngern ausgerechnet Philippus, wo sie Brot kaufen könnten? Der Schreiber gibt darüber keine Auskunft. Aber im Parallelbericht erwähnt Lukas, daß sich das in der Nähe von Bethsaida zutrug, einer Stadt am Nordufer des Galiläischen Meeres, und an einer früheren Stelle des Johannesevangeliums heißt es: „Philippus nun war aus Bethsaida“ (Johannes 1:44; Lukas 9:10). Jesus fragte also logischerweise jemand, dessen Heimatort in der Nähe lag. Die Übereinstimmung in den Einzelheiten ist wirklich bemerkenswert, jedoch völlig unbeabsichtigt.
In einigen Fällen unterstreicht das Fehlen bestimmter Einzelheiten sogar noch die Glaubwürdigkeit der Bibelschreiber. Der Schreiber von 1. Könige berichtet zum Beispiel von einer großen Dürre in Israel. Sie war so groß, daß der König für seine Pferde und Maultiere nicht genug Wasser und Weide fand, um sie am Leben zu erhalten (1. Könige 17:7; 18:5). Im gleichen Bericht ist aber davon die Rede, daß der Prophet Elia so viel Wasser (das in Verbindung mit einem Opfer verwendet werden sollte) zu sich auf den Karmel bringen ließ, daß damit ein Graben gefüllt werden konnte, der sich um ein Gebiet von wahrscheinlich 1 000 Quadratmetern zog (1. Könige 18:33-35). Woher stammte in der Dürre all das Wasser? Der Schreiber von 1. Könige machte sich nicht die Mühe, das zu erklären. Aber jeder, der in Israel wohnte, wußte, daß der Karmel an der Küste des Mittelmeeres liegt, was später noch aus einer beiläufigen Bemerkung hervorgeht (1. Könige 18:43). Meerwasser stand also ohne weiteres zur Verfügung. Wenn in diesem sonst so genauen Buch einfach Erdichtetes als Tatsache hingestellt worden wäre, warum hätte dann der Schreiber, der in diesem Fall ein schlauer Fälscher gewesen wäre, einen solchen Stolperstein im Text belassen?
Kann man also der Bibel vertrauen? Archäologen haben genügend Artefakte ausgegraben, die bestätigen, daß in der Bibel von Menschen, Orten und Ereignissen die Rede ist, die es tatsächlich gegeben hat. Noch überzeugender sind sogar die Beweise in der Bibel selbst. Freimütige Schreiber verschonten niemand — nicht einmal sich selbst — und berichteten die unumstößlichen Tatsachen. Die innere Harmonie der Schriften einschließlich der unbeabsichtigten Übereinstimmungen verleiht dem „Zeugnis“ den deutlichen Klang der Wahrheit. Mit solch „sicheren Kennzeichen von Echtheit“ ist die Bibel tatsächlich ein vertrauenswürdiges Buch.
[Fußnoten]
a Wie Professor André Lemaire nach dieser Entdeckung berichtete, ergab die Wiederherstellung einer beschädigten Zeile des Mesa-Steins, einer 1868 entdeckten Stele, daß darauf ebenfalls das „Haus Davids“ erwähnt wird.4
b In anderen Übersetzungen ist hier von „Kephas“ (der entsprechende semitische Name für „Petrus“) die Rede (Johannes 1:42).
[Bild auf Seite 15]
Das Fragment von Tel Dan
[Bild auf Seite 16, 17]
Assyrisches Wandrelief, das die Belagerung von Lachisch darstellt — erwähnt in 2. Könige 18:13, 14
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Stimmt das Buch mit der Wissenschaft überein?Ein Buch für alle Menschen
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Stimmt das Buch mit der Wissenschaft überein?
Die Religion hat die Wissenschaft nicht immer gerade als Freund betrachtet. In früheren Jahrhunderten widerstanden Theologen mitunter neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die ihre Bibelauslegung zu gefährden schienen. Ist die Wissenschaft aber wirklich bibelfeindlich?
WENN die Bibelschreiber die wissenschaftlichen Ansichten vertreten hätten, die zu ihrer Zeit allgemein verbreitet waren, wäre ein Buch mit krassen wissenschaftlichen Irrtümern entstanden. Aber das, was sie schrieben, verrät keine unwissenschaftlichen Vorstellungen. Ganz im Gegenteil! Sie hielten Aussagen fest, die nicht nur wissenschaftlich genau waren, sondern auch den damals anerkannten Vorstellungen völlig widersprachen.
Welche Form hat die Erde?
Diese Frage hat Menschen jahrtausendelang beschäftigt. Im Altertum war man allgemein der Ansicht, die Erde sei flach. Die Babylonier glaubten zum Beispiel, das Universum sei ein Kasten oder ein Raum, dessen Boden die Erde bilde. Wedische Priester Indiens stellten sich die Erde als eine flache Scheibe vor, die nur auf einer Seite bewohnt sei. Ein Naturvolk in Asien hatte die Vorstellung, die Erde sei ein riesiges Tablett.
Schon im 6. Jahrhundert v. u. Z. stellte der griechische Philosoph Pythagoras die Theorie auf, die Erde müsse eine Kugel sein, da auch der Mond und die Sonne kugelförmig seien. Dem stimmte Aristoteles (4. Jahrhundert v. u. Z.) zu, indem er erklärte, die Kugelform der Erde werde durch die Mondfinsternisse bewiesen. Der Erdschatten auf dem Mond sei schließlich rund.
Aber die Vorstellung von einer flachen, nur auf der Oberseite bewohnten Erde verschwand nicht vollständig. Einige konnten die logische Schlußfolgerung, daß es, wenn die Erde rund sei, Antipodena geben müßte, einfach nicht akzeptieren. Lactantius, ein christlicher Apologet des 4. Jahrhunderts u. Z., spottete besonders über diesen Gedanken. Er argumentierte: „Könnte jemand so unvernünftig sein, zu glauben, es gebe Menschen, deren Fußspuren über ihren Köpfen sind . . . die Feldfrüchte und Bäume würden nach unten wachsen, der Regen, der Schnee und der Hagel würden nach oben fallen?“2
Die Vorstellung von Antipoden war für einige Theologen ein Dilemma. Wenn es Antipoden gebe, so besagten bestimmte Theorien, könnten sie keine Verbindung zu bekannten Menschen haben, weil entweder das Meer für eine Überquerung zu groß sei oder eine unpassierbare heiße Zone um den Äquator liege. Woher sollten die Antipoden also stammen? Einige Theologen glaubten angesichts dieser verwirrenden Auffassungen lieber, es könne keine Antipoden geben, und Lactantius argumentierte sogar, die Erde könne überhaupt keine Kugel sein.
Dennoch setzte sich die Vorstellung von der kugelförmigen Erde durch und wurde schließlich weithin akzeptiert. Aber erst mit dem Anbruch des Raumfahrtzeitalters im 20. Jahrhundert war es Menschen möglich, weit genug in den Weltraum vorzudringen, um mit eigenen Augen die Bestätigung dafür zu erhalten, daß die Erde eine Kugel ist.b
Und welcher Standpunkt wird in der Bibel zu dieser strittigen Frage vertreten? Im 8. Jahrhundert v. u. Z., als die Vorstellung von einer flachen Erde vorherrschte, das heißt, Jahrhunderte bevor griechische Philosophen die Theorie von einer kugelförmigen Erde aufstellten und Tausende von Jahren bevor Menschen die Erde vom Weltraum aus als Kugel sahen, machte der hebräische Prophet Jesaja die bestechend einfache Aussage: „Da ist EINER, der über dem Kreis der Erde wohnt“ (Jesaja 40:22). Das hier mit „Kreis“ wiedergegebene hebräische Wort chugh kann auch mit „Kugel“ übersetzt werden.3 In anderen Bibelübersetzungen steht „Erdkugel“ (Douay Version) oder „Erdenrund“ (Pattloch-Bibel).c
Der Bibelschreiber Jesaja griff nicht auf die mythischen Vorstellungen zurück, die man damals von der Erde hatte. Die von ihm festgehaltene Aussage wurde durch fortschreitende wissenschaftliche Entdeckungen nicht zum Wanken gebracht.
Worauf ruht die Erde?
Den Menschen früherer Zeiten stellten sich auch noch andere verwirrende Fragen über den Kosmos: Worauf ruht die Erde? Was hält die Sonne, den Mond und die Sterne in ihrer Stellung? Sie kannten noch nicht das später von Isaac Newton formulierte universelle Gravitationsgesetz, über das er im Jahre 1687 eine Abhandlung veröffentlichte. Sich Himmelskörper vorzustellen, die frei im Raum schweben — so etwas war ihnen völlig fremd. In ihren Erklärungen werden daher die Erde und die anderen Himmelskörper oft von stofflichen Objekten oder Substanzen gestützt.
Von Inselbewohnern stammte wahrscheinlich die in alter Zeit vertretene Auffassung, die Erde sei von Wasser umgeben und schwimme darin. Die Hindus wiederum stellten sich vor, die Erde habe mehrere Grundlagen — eine über der anderen. Nach ihrer Vorstellung ruhte die Erde auf vier Elefanten, die auf einer Riesenschildkröte standen, diese stand auf einer riesigen Schlange, und die zusammengeringelte Schlange schwamm im kosmischen Meer. Empedokles, ein griechischer Philosoph des 5. Jahrhunderts v. u. Z., glaubte, die Erde ruhe auf einem Wirbel, der die Bewegung der Himmelskörper verursache.
Die Ansichten des Aristoteles übten mit den größten Einfluß aus. Er stellte zwar die Theorie auf, die Erde sei eine Kugel, doch bestritt er, daß sie im leeren Raum hänge. In seiner Abhandlung Über den Himmel widerlegte er die Vorstellung, die Erde ruhe auf Wasser, und führte aus: „Auch das Wasser bleibt ja seiner Natur nach nicht schweben, sondern braucht eine Unterlage.“4 Worauf „lag“ also die Erde? Aristoteles lehrte, die Sonne, der Mond und die Sterne befänden sich auf der Oberfläche von festen, durchsichtigen Sphären. Eine Sphäre umschließe die nächste, wobei die unbewegliche Erde den Mittelpunkt bilde. Während die Sphären rotierten, eine in der anderen, würden sich die Objekte darauf — Sonne, Mond und Planeten — über den Himmel bewegen.
Die Erklärung des Aristoteles erschien logisch. Wie sollten die Himmelskörper in ihrer Stellung bleiben, wenn sie nicht an irgend etwas befestigt waren? Die Ansichten des hochgeachteten Aristoteles wurden 2 000 Jahre lang als Tatsachen gelehrt. Gemäß der New Encyclopædia Britannica erreichten seine Lehren im 16. und 17. Jahrhundert in den Augen der Kirche „den Status eines religiösen Dogmas“.5
Nach der Erfindung des Teleskops begannen Astronomen die Theorie des Aristoteles anzuzweifeln. Eine Erklärung erhielten sie aber erst durch Sir Isaac Newtons Aussage, daß die Planeten im leeren Raum mittels einer unsichtbaren Kraft auf ihren Umlaufbahnen gehalten werden: durch die Gravitation. Das erschien unglaublich, und mehreren Kollegen Newtons fiel es schwer, sich den Raum als eine große Leere vorzustellen, weitgehend frei von Materie.d6
Was sagt die Bibel zu dieser Frage? Seit nahezu 3 500 Jahren heißt es darin unmißverständlich, daß die Erde „an nichts“ aufgehängt ist (Hiob 26:7). Das im hebräischen Originaltext an dieser Stelle gebrauchte Wort für „nichts“ (belimáh) bedeutet wörtlich „ohne (= nicht) etw[as]“.7 In der Contemporary English Version steht dafür der Ausdruck „an leerem Raum“.
Die meisten Menschen stellten sich damals die Erde keineswegs als einen Planeten vor, der „an leerem Raum“ hing. Aber der Bibelschreiber zeichnete eine Aussage auf, die nicht nur seiner Zeit weit voraus, sondern auch wissenschaftlich korrekt war.
Stimmt die Bibel mit medizinischen Erkenntnissen überein?
Durch die moderne Medizin wissen wir heute vieles über die Ausbreitung und Verhütung von Krankheiten. Im 19. Jahrhundert führten die Fortschritte auf medizinischem Gebiet dazu, daß man keimtötende Maßnahmen ergriff, durch größere Reinlichkeit auf die Verringerung von Infektionen bedacht war. Die Ergebnisse sprachen für sich. Es gab daraufhin viel weniger Infektionen und Fälle von vorzeitigem Tod.
Die Ärzte im Altertum verfügten weder über ein umfassendes Wissen darüber, wie sich Krankheiten ausbreiten, noch war ihnen bewußt, welche Bedeutung der Hygiene bei der Verhütung von Krankheiten zukommt. Es verwundert daher nicht, daß viele ihrer Heilmethoden im Vergleich zu den heutigen geradezu barbarisch anmuten.
Einer der ältesten medizinischen Texte ist der Papyros Ebers, eine Zusammenstellung von medizinischem Wissen der alten Ägypter aus der Zeit um 1550 v. u. Z. Diese Schriftrolle enthält etwa 700 Heilmittel für die unterschiedlichsten Leiden, „von Krokodilbissen bis Zehennagelschmerzen“.8 In dem Werk The International Standard Bible Encyclopaedia heißt es, daß „das medizinische Wissen dieser Ärzte rein empirisch und völlig unwissenschaftlich war und größtenteils auf Magie beruhte“.9 Zwar waren die meisten Heilmittel lediglich unwirksam, allerdings gab es auch einige, die äußerst gefährlich waren. In einem Rezept zur Wundbehandlung wurde empfohlen, ein Gemisch aus Menschenkot und verschiedenen anderen Substanzen aufzutragen.10
Der Text mit den medizinischen Heilmitteln der Ägypter wurde etwa zur selben Zeit aufgezeichnet wie die ersten Bücher der Bibel, die unter anderem das mosaische Gesetz enthielten. Moses, der im Jahre 1593 v. u. Z. geboren wurde, wuchs in Ägypten auf (2. Mose 2:1-10). Als Mitglied der Hausgemeinschaft des Pharaos wurde er „in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen“ (Apostelgeschichte 7:22). Er kannte die „Ärzte“ Ägyptens (1. Mose 50:1-3). Zeugen seine Aufzeichnungen davon, daß er sich von deren unwirksamen und gefährlichen Heilmethoden beeinflussen ließ?
Nein. Im Gegenteil, das mosaische Gesetz enthielt Hygienevorschriften, die ihrer Zeit weit voraus waren. Zum Beispiel verlangte ein für Militärlager geltendes Gesetz, Exkremente außerhalb des Lagers zu vergraben (5. Mose 23:13). Das war eine äußerst fortschrittliche Präventivmaßnahme. Dadurch wurde das Wasser nicht verschmutzt, und man war vor der Bakterienruhr geschützt, die durch Fliegen übertragen wird, sowie vor anderen Durchfallerkrankungen, die in Ländern mit beklagenswerten hygienischen Verhältnissen immer noch jedes Jahr Millionen Menschenleben fordern.
Das mosaische Gesetz enthielt auch noch weitere Hygienevorschriften, die die Israeliten vor der Ausbreitung von Infektionskrankheiten schützten. Wer eine ansteckende Krankheit hatte oder jemand, bei dem Verdacht auf eine solche Krankheit bestand, kam in Quarantäne (3. Mose 13:1-5). Kleider und Gefäße, die mit einem Tier in Berührung kamen, das (möglicherweise an einer Krankheit) verendet war, mußten entweder vor erneutem Gebrauch gewaschen oder sie mußten vernichtet werden (3. Mose 11:27, 28, 32, 33). Jeder, der eine Leiche berührte, galt als unrein und mußte sich einer Reinigung unterziehen, die ein Bad und das Waschen seiner Kleider einschloß. An den sieben Tagen seiner Unreinheit sollte er es vermeiden, andere Personen zu berühren (4. Mose 19:1-13).
Diese Reinheitsgesetze verraten eine Weisheit, wie sie die Ärzte der damaligen Nachbarnationen nicht aufwiesen. Tausende von Jahren bevor die Mediziner schließlich entdeckten, wie sich Krankheiten ausbreiten, machte die Bibel vernünftige Verhütungsmaßnahmen zur Vorschrift. Kein Wunder, daß Moses zu seiner Zeit von den Israeliten sagen konnte, daß sie im allgemeinen ein Alter von 70 bis 80 Jahren erreichten (Psalm 90:10).e
Daß die hier erwähnten biblischen Aussagen wissenschaftlich genau sind, wird wahrscheinlich jeder anerkennen. Allerdings enthält die Bibel auch Aussagen, die sich wissenschaftlich nicht beweisen lassen. Steht sie deshalb aber unbedingt im Widerspruch zur Wissenschaft?
Das Unbeweisbare akzeptieren
Eine Aussage, die nicht bewiesen werden kann, muß deshalb noch nicht falsch sein. Wissenschaftliche Beweisführungen können dadurch an ihre Grenzen stoßen, daß man nicht genügend Beweismaterial zutage fördern kann oder Einzelheiten nicht richtig zu interpretieren weiß. Aber es gibt auch gewisse Tatsachen, die nicht bewiesen werden können, weil keine Beweise erhalten geblieben sind, das Beweismaterial noch verborgen oder unentdeckt ist oder weil die Fähigkeiten und Sachkenntnisse der Wissenschaftler nicht ausreichen, um zu einem unbestreitbaren Ergebnis zu kommen. Könnte das nicht auch auf bestimmte biblische Aussagen zutreffen, für die es keine greifbaren, voneinander unabhängigen Beweise gibt?
Zum Beispiel kann die Aussage der Bibel über die Existenz eines unsichtbaren, von Geistpersonen bewohnten Bereichs wissenschaftlich weder bewiesen noch widerlegt werden. Dasselbe trifft auf die in der Bibel erwähnten Wunder zu. Für die weltweite Flut der Tage Noahs liegen ebenfalls nicht genügend eindeutige geologische Beweise vor, die auch den letzten Menschen zufriedenstellen würden (1. Mose, Kapitel 7). Muß das heißen, daß es die Sintflut überhaupt nicht gegeben hat? Zeit und Veränderungen können geschichtliche Ereignisse in tiefes Dunkel hüllen. Könnte es beispielsweise nicht sein, daß durch geotektonische Aktivität im Verlauf von Tausenden von Jahren viele Beweise für die Sintflut verlorengegangen sind?
Die Bibel enthält zugegebenermaßen Aussagen, die weder durch verfügbare greifbare Beweise bestätigt noch widerlegt werden können. Sollte uns das aber überraschen? Die Bibel ist kein wissenschaftliches Lehrbuch. Sie enthält jedoch die Wahrheit. Wir haben bereits überzeugende Beweise dafür betrachtet, daß ihre Schreiber ehrliche und vertrauenswürdige Menschen waren. Und wenn sie von Dingen sprechen, die wissenschaftliche Themen berühren, sind ihre Aussagen genau und völlig frei von den „wissenschaftlichen“ Theorien des Altertums, die sich als reine Mythen erwiesen haben. Die Wissenschaft ist also keineswegs bibelfeindlich. Wir haben somit allen Grund, die Aussagen der Bibel unvoreingenommen zu erwägen.
[Fußnoten]
a „Antipoden (griech., ‚Gegenfüßler‘), die Bewohner zweier einander diametral gegenüberstehender Orte der Erde. Ihre Füße sind einander zugekehrt“ (Meyers Großes Konversations-Lexikon).1
b Die Erde ist genaugenommen ein Sphäroid, das an den Polen leicht abgeflacht ist.
c Übrigens erscheint nur ein kugelförmiger Gegenstand von allen Seiten rund. Eine flache Scheibe würde häufiger wie eine Ellipse aussehen, nicht wie ein Kreis.
d Zur Zeit Newtons war unter anderem die Ansicht weit verbreitet, das Universum sei mit einer Flüssigkeit, einer kosmischen „Suppe“, gefüllt und Wirbel oder Strudel darin würden den Umlauf der Planeten bewirken.
e Im Jahre 1900 betrug die Lebenserwartung in vielen europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten weniger als 50 Jahre. Seither ist sie nicht nur dank des medizinischen Fortschritts in der Bekämpfung von Krankheiten, sondern auch auf Grund einer besseren Hygiene und besserer Lebensbedingungen erheblich angestiegen.
[Herausgestellter Text auf Seite 21]
Eine Aussage, die nicht bewiesen werden kann, muß deshalb noch nicht falsch sein
[Bild auf Seite 18]
Tausende von Jahren bevor Menschen die Erde vom Weltraum aus als Kugel sahen, sprach die Bibel vom „Kreis der Erde“
[Bilder auf Seite 20]
Sir Isaac Newton erklärte, daß die Planeten durch die Gravitation auf ihren Umlaufbahnen gehalten werden
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Ein nützliches Buch für das heutige LebenEin Buch für alle Menschen
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Ein nützliches Buch für das heutige Leben
Bücher sind als Ratgeber in der heutigen Welt sehr beliebt. Sie veralten jedoch mit der Zeit und werden schon bald revidiert oder ersetzt. Wie steht es in dieser Hinsicht mit der Bibel? Ihre Niederschrift wurde vor fast 2 000 Jahren vollendet. Aber ihre ursprüngliche Botschaft ist noch nie verbessert oder aktualisiert worden. Könnte ein solches Buch dann überhaupt nützliche Anleitung für uns heute enthalten?
MANCH einer verneint diese Frage. „Niemand würde ein Chemielehrbuch aus dem Jahre 1924 für den heutigen Chemieunterricht empfehlen“, schrieb Dr. Eli S. Chesen als Begründung dafür, weshalb er die Bibel für veraltet hält.1 Und auf den ersten Blick könnte man meinen, seine Argumentation sei stichhaltig. Seit der Niederschrift der Bibel haben die Menschen schließlich viel über psychische Gesundheit und menschliches Verhalten gelernt. Wie könnte also ein so altes Buch überhaupt einen Bezug zu unserem heutigen Leben haben?
Zeitlose Grundsätze
Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber die grundlegenden Bedürfnisse des Menschen sind nach wie vor dieselben. Von jeher haben die Menschen das Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung. Sie möchten glücklich sein und ein sinnvolles Leben führen. Sie benötigen Rat darüber, wie man mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten fertig wird, eine erfolgreiche Ehe führt und wie man Kindern gute moralische und ethische Werte einprägt. Die Bibel enthält Rat, der auf diese grundlegenden Bedürfnisse eingeht (Prediger 3:12, 13; Römer 12:10; Kolosser 3:18-21; 1. Timotheus 6:6-10).
Der Rat der Bibel zeugt von einer genauen Kenntnis der menschlichen Natur. Betrachten wir einige der spezifischen, zeitlosen Grundsätze, die für das heutige Leben nützlich sind.
Nützliche Anleitung für die Ehe
Die Familie ist, wie es in der Zeitschrift UN Chronicle hieß, „die älteste und grundlegendste Einheit der menschlichen Gesellschaft, das entscheidendste Bindeglied zwischen den Generationen“. Dieses „entscheidendste Bindeglied“ ist jedoch in besorgniserregendem Ausmaß in Verfall begriffen. „In der heutigen Welt“, so die UN Chronicle, „stehen viele Familien vor beängstigenden Herausforderungen, die ihre Funktionstüchtigkeit, ja ihren Fortbestand bedrohen.“2 Welchen Rat bietet die Bibel der Familie als Überlebenshilfe?
Vor allem hat die Bibel viel darüber zu sagen, wie Mann und Frau in der Ehe miteinander umgehen sollten. Wie es darin heißt, sind Ehemänner „verpflichtet, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst, denn kein Mensch hat je sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es“ (Epheser 5:28, 29). Und eine Ehefrau sollte „tiefen Respekt vor ihrem Mann haben“ (Epheser 5:33).
Überlegen wir einmal, was es bedeutet, diesen biblischen Rat zu befolgen. Ein Mann, der seine Frau ‘wie seinen eigenen Leib’ liebt, behandelt sie nicht gehässig oder brutal. Er schlägt sie weder buchstäblich, noch mißhandelt er sie verbal oder emotional; statt dessen erweist er ihr dieselbe Ehre und Rücksicht wie sich selbst (1. Petrus 3:7). Seine Frau fühlt sich daher in der Ehe geliebt und geborgen. Er gibt auf diese Weise seinen Kindern ein gutes Beispiel darin, wie Frauen behandelt werden sollten. Eine Frau wiederum, die vor ihrem Mann „tiefen Respekt“ hat, beraubt ihn nicht seiner Würde, indem sie ihn ständig kritisiert oder herabsetzt. Weil sie ihn respektiert, hat er das Gefühl, daß man ihm vertraut, ihn akzeptiert und schätzt.
Ist dieser Rat in unserer modernen Welt noch anwendbar? Interessanterweise kommen Familientherapeuten zu ähnlichen Ergebnissen. Die Leiterin einer Familienberatungsstelle bemerkte: „Die stabilsten Familien, die ich kennengelernt habe, sind die, bei denen zwischen Mutter und Vater ein inniges, liebevolles Verhältnis besteht. . . . Dieses innige grundlegende Verhältnis scheint den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit einzuflößen.“3
Im Verlauf der Jahre hat sich die biblische Anleitung für die Ehe als weit zuverlässiger erwiesen als der Rat zahlloser wohlmeinender Familienberater. Schließlich ist es noch nicht allzulang her, daß Fachleute die Ehescheidung als schnelle und einfache Lösung für eine unglückliche Ehe propagiert haben. Heute fordern viele von ihnen dazu auf, eine Ehe, wenn irgend möglich, aufrechtzuerhalten. Aber zu diesem Wandel kam es erst, als schon viel Schaden angerichtet worden war.
Die Bibel enthält dagegen zuverlässigen und ausgewogenen Rat zum Thema Ehe. Sie räumt ein, daß bestimmte außergewöhnliche Umstände eine Scheidung zulassen (Matthäus 19:9). Gleichzeitig verurteilt sie aber eine Scheidung aus nichtigen Gründen (Maleachi 2:14-16). Auch eheliche Untreue verurteilt sie (Hebräer 13:4). Man geht mit der Ehe eine Verpflichtung ein, wie folgende Aussage der Bibel zeigt: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen, und er soll fest zu seiner Frau haltena, und sie sollen e i n Fleisch werden“ (1. Mose 2:24; Matthäus 19:5, 6).
Der biblische Rat für die Ehe ist heute ebenso zeitgemäß, wie er es zur Zeit der Niederschrift der Bibel war. Wenn Mann und Frau einander mit Liebe und Respekt begegnen und ihre Ehe als Verhältnis betrachten, das ausschließlich zwischen ihnen beiden besteht, sind die Chancen am größten, daß die Ehe bestehenbleibt — und damit die Familie.
Nützliche Anleitung für Eltern
Noch vor wenigen Jahrzehnten dachten viele Eltern, beeinflußt durch „moderne Vorstellungen“ von der Kindererziehung, es sei „verboten zu verbieten“.8 Sie befürchteten, sie könnten ihre Kinder frustrieren und in ihrem Innersten verletzen, wenn sie ihnen irgendwelche Einschränkungen auferlegten. Wohlmeinende Ratgeber in Fragen der Kindererziehung rieten Eltern, ihren Kindern höchstens eine sehr milde Zurechtweisung zu erteilen. Aber viele dieser Experten stellen heute wieder Überlegungen bezüglich einer strengeren Erziehung an, und besorgte Eltern möchten sich auf diesem Gebiet gern Klarheit verschaffen.
Der Rat der Bibel zur Kindererziehung war dagegen schon immer eindeutig und vernünftig. Bereits vor nahezu 2 000 Jahren wurde darin die Aussage festgehalten: „Ihr, Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie weiterhin auf in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ (Epheser 6:4). Das mit „Zucht“ wiedergegebene griechische Substantiv bedeutet „Erziehung, Bildung“.9 Die Bibel sagt, daß diese „Zucht“ oder Erziehung ein Beweis der elterlichen Liebe ist (Sprüche 13:24). Kinder brauchen eindeutige moralische Richtlinien und einen geschulten Sinn für Recht und Unrecht, um sich entfalten zu können. Diese Art der Erziehung ist für sie ein Beweis, daß sich ihre Eltern um sie kümmern und daran interessiert sind, was aus ihnen wird.
Die Ausübung der elterlichen Autorität — „die Rute der Zucht“ — darf aber nie zu einem Mißbrauch führen (Sprüche 22:15; 29:15).b Eltern wird in der Bibel warnend gesagt: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht (durch übertriebene Strenge), damit sie nicht verschüchtert werden“ (Kolosser 3:21, Albrecht). Wie die Bibel einräumt, ist die körperliche Züchtigung gewöhnlich nicht die wirksamste Lehrmethode. In Sprüche 17:10 heißt es: „Ein Scheltwort dringt tiefer ein bei einem Verständigen als hundert Schläge bei einem Unvernünftigen.“ Außerdem empfiehlt die Bibel vorbeugende Erziehung. In 5. Mose 11:19 werden Eltern aufgefordert, ihren Kindern bei unterschiedlichen Gelegenheiten moralische Werte einzuprägen. (Siehe auch 5. Mose 6:6, 7.)
Der zeitlose biblische Rat für Eltern ist unmißverständlich. Kinder benötigen konsequente und liebevolle Erziehung. Wie die Erfahrung zeigt, führt dieser Rat wirklich zum Erfolg.c
Schranken überwinden, die Menschen trennen
Heute sind die Menschen durch rassische, nationale und ethnische Schranken getrennt. Solche künstlichen Mauern haben dazu beigetragen, daß in Kriegen in der ganzen Welt unschuldige Menschen hingeschlachtet wurden. Geht man von der Vergangenheit aus, dann ist kaum damit zu rechnen, daß sich Männer und Frauen unterschiedlicher Rasse und Nationalität einmal als Gleichgestellte betrachten und sich entsprechend behandeln werden. „Die Lösung liegt in unserem Herzen“, sagte ein afrikanischer Staatsmann.11 Aber Menschenherzen zu ändern ist nicht leicht. Beachten wir jedoch, wie die Botschaft der Bibel Herzen anspricht und den Gedanken der Gleichheit fördert.
Die biblische Lehre, daß Gott „aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht“ hat, schließt jegliche Vorstellung von einer rassischen Überlegenheit aus (Apostelgeschichte 17:26). Sie zeigt, daß es in Wirklichkeit nur e i n e Rasse gibt: das Menschengeschlecht. Außerdem fordert uns die Bibel auf: „Werdet Nachahmer Gottes“, und von Gott wird gesagt, daß er „nicht parteiisch ist, sondern daß für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Epheser 5:1; Apostelgeschichte 10:34, 35). Diese Erkenntnis wirkt vereinigend auf Menschen, die die Bibel ernst nehmen und sich wirklich bemühen, nach ihren Lehren zu leben. Ja, sie wirkt im tiefsten Innern, indem sie das Herz beeinflußt und von Menschen errichtete Schranken beseitigt. Betrachten wir ein Beispiel.
Als Hitler in Europa Krieg führte, weigerte sich e i n e Gruppe von Christen — Jehovas Zeugen — standhaft, sich am Töten unschuldiger Menschen zu beteiligen. Sie ‘erhoben das Schwert nicht’ gegen ihren Nächsten. Diesen Standpunkt bezogen sie, weil sie Gott gefallen wollten (Jesaja 2:3, 4; Micha 4:3, 5). Sie glaubten wirklich, was die Bibel lehrt: daß keine Nation und keine Rasse besser ist als eine andere (Galater 3:28). Wegen ihrer friedliebenden und neutralen Haltung kamen sie ins Konzentrationslager; sie zählten zu den ersten Insassen (Römer 12:18).
Aber nicht alle, die behaupteten, sich an die Bibel zu halten, bezogen diese Stellung. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Martin Niemöller, ein deutscher protestantischer Geistlicher: „Wer Gott hier verantwortlich machen will, der kennt Gottes Wort nicht, oder will es nicht kennen. . . . man kann mit gleichem Recht daran erinnern, daß sich christliche Kirchen Jahrhunderte hindurch immer aufs neue dazu hergegeben haben, Kriege, Truppen und Waffen zu segnen und daß sie in ganz unchristlicher Weise für die Vernichtung der Kriegsgegner gebetet haben. Alles das ist unsere Schuld und die Schuld unserer Väter, aber gewiß nicht Gottes Schuld. — Und zumal wir Christen von heute stehen beschämt da vor einer sogenannten Sekte wie der der ernsten Bibelforscher [Jehovas Zeugen], die zu Hunderten und Tausenden ins Konzentrationslager und in den Tod gegangen sind, weil sie den Kriegsdienst ablehnten und sich weigerten, auf Menschen zu schießen.“12
Bis auf den heutigen Tag sind Jehovas Zeugen dafür bekannt, daß sie eine Bruderschaft bilden, in der Araber und Juden, Kroaten und Serben, Hutu und Tutsi vereinigt sind. Die Zeugen müssen aber zugeben, daß diese Einheit nicht zustande kommt, weil sie bessere Menschen wären, sondern weil sie sich durch die Kraft der biblischen Botschaft motivieren lassen (1. Thessalonicher 2:13).
Nützliche Anleitung, die der geistigen Gesundheit dient
Die körperliche Gesundheit eines Menschen wird häufig durch seine geistig-seelische Verfassung beeinflußt. Wissenschaftliche Studien haben zum Beispiel die schädliche Wirkung des Zorns bestätigt. „Das verfügbare Beweismaterial deutet überwiegend darauf hin, daß reizbare Personen wesentlich anfälliger sind für eine Herzkranzgefäßerkrankung (sowie für andere Krankheiten), und zwar aus den verschiedensten Gründen, wie zum Beispiel wegen geringer Sozialkontakte, einer übersteigerten körperlichen Reaktion auf Ärger und eines starken Hangs zu einem gesundheitlich schädlichen Verhalten“, heißt es in dem von Dr. Redford Williams, Leiter der Abteilung Verhaltensforschung am Duke University Medical Center, und seiner Frau Virginia Williams verfaßten Buch Anger Kills (Zorn tötet).13
Jahrtausende vor solchen wissenschaftlichen Studien wurde in der Bibel in einfachen, aber klaren Worten davon gesprochen, daß zwischen unserem emotionalen Zustand und unserer körperlichen Gesundheit ein Zusammenhang besteht: „Ein gelassenes Herz ist das Leben des fleischlichen Organismus, Eifersucht aber ist Fäulnis für das Gebein“ (Sprüche 14:30; 17:22). Die Bibel rät wohlweislich: „Steh ab vom Zorn, und laß den Grimm“ und: „Sei nicht eilig in deinem Geist, gekränkt zu werden [„dich zu ärgern“, Lutherbibel, 1984]“ (Psalm 37:8; Prediger 7:9).
Die Bibel enthält auch vernünftigen Rat, wie man Zorn beherrschen kann. In Sprüche 19:11 lesen wir zum Beispiel: „Eines Menschen Einsicht verlangsamt sicherlich seinen Zorn, und es ist für ihn etwas Schönes, Übertretung zu übergehen.“ Das Verb, von dem das hebräische Wort für „Einsicht“ abgeleitet wird, lenkt die Aufmerksamkeit darauf, den Grund für etwas zu erkennen.14 Ein weiser Rat lautet: „Erst denken, dann handeln.“ Wer sich bemüht, die Gründe zu verstehen, weshalb jemand auf eine bestimmte Weise redet oder handelt, wird toleranter und ärgert sich nicht so leicht (Sprüche 14:29).
Ein anderer praktischer Rat ist in Kolosser 3:13 zu finden, wo es heißt: „Fahrt fort, einander zu ertragen und einander bereitwillig zu vergeben.“ Kleinere Unstimmigkeiten sind im Leben nicht zu vermeiden. Die Aufforderung „Fahrt fort, einander zu ertragen“ bedeutet, etwas zu tolerieren, was uns an anderen nicht unbedingt gefällt. „Vergeben“ heißt, keinen Groll mehr zu hegen. Bestimmt ist es besser, eine Verbitterung zu verscheuchen, als sie zu nähren. Ärger zu hegen macht die Sache für uns nur noch schwerer. (Siehe den Kasten „Nützliche Anleitung für zwischenmenschliche Beziehungen“.)
Für Rat und Anleitung stehen heute zahlreiche Quellen zur Verfügung. Aber die Bibel ist wirklich einzigartig. Was sie rät, ist keineswegs reine Theorie und ist für uns nie zum Schaden. Ihre Weisheit ist erwiesenermaßen „sehr zuverlässig“ (Psalm 93:5). Und die Bibel enthält zeitlosen Rat. Obwohl ihre Niederschrift vor fast 2 000 Jahren abgeschlossen wurde, ist das, was sie uns rät, immer noch anwendbar und uneingeschränkt gültig, ungeachtet dessen, welche Hautfarbe wir haben oder in welchem Land wir leben. Die Worte der Bibel üben auch Macht aus, eine Macht, die Menschen zum Besseren verändert (Hebräer 4:12). Wer dieses Buch liest und seine Grundsätze anwendet, kann seine Lebensqualität verbessern.
[Fußnoten]
a Das mit „fest zu . . . halten“ übersetzte hebräische Wort daváq vermittelt den Sinn von „liebend jemand anhängen“.4 Das in Matthäus 19:5 gebrauchte entsprechende griechische Wort ist von einem Wort abgeleitet, das „leimen“, „fest verbinden“ bedeutet.5
b In biblischen Zeiten verstand man unter einer „Rute“ (hebräisch: schévet) einen „Stab“ oder „Stock“, wie ihn ein Hirte verwendete.10 In diesem Zusammenhang steht die Rute der Autorität nicht für rohe Gewalt, sondern für liebevolle Anleitung. (Vergleiche Psalm 23:4.)
c Siehe die Kapitel „Sein Kind von frühester Kindheit an erziehen“, „Jugendlichen helfen, sich zu entfalten“, „Ist ein rebellisches Kind im Haus?“ und „Die Familie vor verderblichen Einflüssen schützen“ in dem Buch Das Geheimnis des Familienglücks, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.
[Herausgestellter Text auf Seite 24]
Die Bibel bietet eindeutigen, vernünftigen Rat für das Familienleben
[Kasten auf Seite 23]
Merkmale einer intakten Familie
In einer umfassenden Befragung bat eine Pädagogin und Familienberaterin vor mehreren Jahren mehr als 500 professionelle Familienberater, die Merkmale zu beschreiben, die ihnen in „intakten“ Familien aufgefallen waren. Zu den am häufigsten erwähnten Merkmalen zählten interessanterweise solche, die schon längst in der Bibel empfohlen werden.
Den ersten Platz nahm gute Kommunikation ein einschließlich wirkungsvoller Methoden, Meinungsverschiedenheiten beizulegen. Wie die Autorin schrieb, die die Befragung machte, ist es in intakten Familien üblich, daß „man nicht zu Bett geht, wenn man noch auf einen anderen böse ist“.6 Die Bibel rät allerdings schon seit mehr als 1 900 Jahren: „Seid erzürnt, und doch sündigt nicht; laßt die Sonne nicht über eurer gereizten Stimmung untergehen“ (Epheser 4:26). In biblischer Zeit rechnete man den Tag von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang. Folglich gab die Bibel, schon lange bevor moderne Familienberater tätig wurden, den klugen Rat, Unstimmigkeiten so schnell wie möglich beizulegen, noch bevor der Tag endet und ein neuer beginnt.
In intakten Familien „werden brisante Themen nicht unmittelbar vor dem Weggehen oder Zubettgehen zur Sprache gebracht“, stellte die Autorin fest. „Immer wieder hörte ich die Worte: ‚zur rechten Zeit‘.“7 Dadurch bestätigen diese Familien unwissentlich den biblischen Spruch, der vor mehr als 2 700 Jahren aufgezeichnet wurde: „Wie goldene Äpfel in Silberziselierungen ist ein Wort, geredet zur rechten Zeit dafür“ (Sprüche 15:23; 25:11). Mit dieser bildhaften Ausdrucksweise wird vielleicht auf goldene Ornamente in der Gestalt von Äpfeln auf gravierten Silbertabletts angespielt — etwas außergewöhnlich Schönes und sehr Geschätztes in biblischer Zeit. Dieses Bild betont, wie schön und von welchem Wert Worte sind, die zur rechten Zeit geäußert werden. Unter Belastung sind die rechten Worte zur rechten Zeit von unschätzbarem Wert (Sprüche 10:19).
[Kasten auf Seite 26]
Nützliche Anleitung für zwischenmenschliche Beziehungen
„Seid erregt, doch sündigt nicht. Sprecht euch aus in eurem Herzen auf eurem Bett, und bleibt still“ (Psalm 4:4). In den meisten Fällen, die kleinere Vergehen betreffen, dürfte es vernünftig sein, sich mit Äußerungen zurückzuhalten und so eine emotionelle Konfrontation zu vermeiden.
„Da ist einer, der gedankenlos redet wie mit Schwertstichen, aber die Zunge der Weisen ist Heilung“ (Sprüche 12:18). Wir sollten erst denken, bevor wir reden. Gedankenlose Worte können andere verletzen und Freundschaften zerstören.
„Eine Antwort, wenn milde, wendet Grimm ab, aber ein Wort, das Schmerz verursacht, läßt Zorn aufkommen“ (Sprüche 15:1). Mit Milde zu reagieren erfordert zwar Selbstbeherrschung, aber so können Probleme häufig gelöst und friedliche Beziehungen gefördert werden.
„Der Anfang eines Streites ist, wie wenn einer Gewässer losläßt; ehe also der Zank ausgebrochen ist, zieh dich zurück“ (Sprüche 17:14). Falls eine provozierende Situation entsteht, sollten wir uns lieber entfernen, bevor wir selbst in Wut geraten.
„Sei nicht schnell, dich zu ärgern; denn Ärger ruht im Herzen des Toren“ (Prediger 7:9, „Lutherbibel“, 1984). Den Taten gehen meistens Gefühle voraus. Wer sich schnell ärgert, ist töricht, denn seine Empfindungen mögen vorschnelle Äußerungen oder Handlungen auslösen.
[Bild auf Seite 25]
Zeugen Jehovas zählten zu den ersten Insassen der Konzentrationslager
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Ein Buch der ProphetieEin Buch für alle Menschen
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Ein Buch der Prophetie
Die Menschen sind an der Zukunft interessiert. Sie suchen zuverlässige Voraussagen zu vielen Themen, angefangen von Wettervorhersagen bis hin zu wirtschaftlichen Prognosen. Wenn sie sich aber nach solchen Vorhersagen richten, werden sie nicht selten enttäuscht. In der Bibel stehen viele Vorhersagen oder Prophezeiungen. Wie genau sind diese? Handelt es sich dabei um Geschichte, die im voraus geschrieben wurde? Oder wird hier Geschichte als Prophezeiung ausgegeben?
DER römische Staatsmann Cato (234—149 v. u. Z.) soll gesagt haben, er wundere sich, daß ein Wahrsager nicht lachen müsse, wenn er einen anderen Wahrsager sehe.1 Ja, bis heute sind viele Menschen gegenüber Wahrsagern und Astrologen äußerst skeptisch eingestellt. Die Voraussagen dieser Leute sind oft sehr vage formuliert und lassen die unterschiedlichsten Auslegungen zu.
Wie verhält es sich aber mit den biblischen Prophezeiungen? Besteht in ihrem Fall Grund zur Skepsis? Oder ist eine Vertrauensgrundlage vorhanden?
Nicht einfach kluge Mutmaßungen
Gutunterrichtete Menschen mögen versuchen, auf Grund offenkundiger Trends ein möglichst genaues Zukunftsbild zu malen, doch haben sie nicht immer recht. In dem Buch Der Zukunftsschock heißt es: „Jede Gesellschaft sieht sich nicht nur einer Folge wahrscheinlicher Zukünfte, sondern auch einer Skala möglicher Zukünfte und einem Konflikt hinsichtlich wünschenswerter Zukünfte gegenüber.“ Weiter wird gesagt: „Natürlich kann niemand die Zukunft hundertprozentig ‚kennen‘. Wir können lediglich unsere Schätzungen systematisieren, fundieren und versuchen, ihren Wahrscheinlichkeitsgrad festzustellen.“2
Aber die Bibelschreiber stellten nicht nur den „Wahrscheinlichkeitsgrad“ von „Schätzungen“ hinsichtlich der Zukunft fest. Und man kann ihre Voraussagen auch nicht als obskure Äußerungen abtun, die eine Vielzahl von Auslegungen zulassen. Ganz im Gegenteil. Viele ihrer Prophezeiungen wurden außerordentlich klar formuliert und sagten oft ungewöhnlich präzis direkt das Gegenteil dessen voraus, was man erwartet hätte. Greifen wir einmal das heraus, was die Bibel über die alte Stadt Babylon vorhersagte.
Sie sollte ‘mit dem Besen der Vertilgung hinweggefegt’ werden
Das alte Babylon war „das Juwel der Königreiche“ (Jesaja 13:19, Die Bibel in heutigem Deutsch). Diese weitangelegte Stadt lag strategisch günstig an der Handelsstraße, die vom Persischen Golf zum Mittelmeer führte. Dadurch war sie ein Umschlagplatz für den Handel zwischen Ost und West, sowohl zur See als auch auf dem Land.
Im 7. Jahrhundert v. u. Z. schien Babylon als Hauptstadt des Babylonischen Reiches uneinnehmbar zu sein. Die Stadt war beiderseits des Euphrat gebaut worden. Das Wasser des Flusses wurde sowohl in einen breiten, tiefen Graben geleitet, der die Stadt umgab, als auch in ein Netz von Kanälen. Zusätzlich wurde die Stadt durch ein doppeltes Mauersystem mit zahlreichen Verteidigungstürmen geschützt. Kein Wunder, daß sich ihre Bewohner sicher fühlten.
Doch im 8. Jahrhundert v. u. Z., noch bevor Babylon den Höhepunkt seines Ruhms erlangte, sagte der Prophet Jesaja voraus, Babylon werde ‘mit dem Besen der Vertilgung hinweggefegt’ (Jesaja 13:19; 14:22, 23). Jesaja beschrieb auch, auf welche Weise Babylon fallen würde. Die Eroberer würden seine Ströme „austrocknen“, die das Wasser für die Gräben der Verteidigungsanlage lieferten, so daß die Stadt leichter einzunehmen wäre. Jesaja nannte sogar den Namen des Eroberers: „Cyrus“ — ein mächtiger persischer König, dem zugesichert wurde, „ihm die Türen zu öffnen und kein Tor verschlossen zu halten“ (Jesaja 44:27 bis 45:2, Einheitsübersetzung).
Das waren kühne Voraussagen. Erfüllten sie sich jedoch? Die Geschichte gibt die Antwort.
„Ohne Kampf“
200 Jahre nachdem Jesaja seine Prophezeiung aufgezeichnet hatte, schlug das medo-persische Heer unter dem Befehl Cyrus’ des Großen in der Nacht vom 5. Oktober 539 v. u. Z. in der Nähe von Babylon sein Lager auf. Aber die Babylonier fühlten sich sicher. Wie der griechische Historiker Herodot (5. Jahrhundert v. u. Z.) berichtet, verfügten sie über Lebensmittel für sehr viele Jahre.3 Außerdem boten ihnen der Euphrat und die mächtigen Mauern Babylons Schutz. Dennoch zogen gemäß der Chronik des Nabonid noch in jener Nacht „die Truppen des Kurǎs [Cyrus] ohne Kampf in Babylon ein“.4 Wie war das möglich?
In der Stadt feierte man, wie Herodot schreibt, „ein Fest, tanzte und war guter Dinge“.5 Draußen hatte Cyrus jedoch das Wasser des Euphrat abgeleitet. Als der Wasserspiegel sank, wateten seine Soldaten, bis zu den Schenkeln im Wasser, das Flußbett entlang. Sie passierten die mächtigen Mauern und drangen, so Herodot, durch die „zum Fluß führenden Tore“ in die Stadt ein — Tore, die man unvorsichtigerweise offengelassen hatte.6 (Vergleiche Daniel 5:1-4; Jeremia 50:24; 51:31, 32.) Der plötzliche Sturz Babylons durch Cyrus wird auch von anderen Historikern wie zum Beispiel Xenophon (ca. 431 bis 352 v. u. Z.) bestätigt sowie durch Keilschrifttafeln, die von Archäologen gefunden wurden.7
So erfüllte sich Jesajas Prophezeiung über Babylon. Oder war es am Ende gar keine Prophezeiung? Könnte es sein, daß die Aufzeichnung erst im nachhinein erfolgte? Diese Frage könnte man durchaus auch im Falle anderer biblischer Prophezeiungen stellen.
Als Prophezeiung ausgegebene Geschichte?
Wenn die biblischen Propheten — Jesaja eingeschlossen — einfach die Geschichte umgeschrieben hätten, damit sie wie eine Prophezeiung aussah, dann wären diese Männer nichts anderes als schlaue Betrüger gewesen. Was hätte sie aber zu diesem Betrug bewogen? Wahre Propheten ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß sie unbestechlich waren (1. Samuel 12:3; Daniel 5:17). Und wir haben bereits überzeugende Beweise dafür betrachtet, daß die Bibelschreiber (viele von ihnen waren Propheten) vertrauenswürdige Männer waren, die sogar eigene peinliche Fehler bereitwillig zugaben. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß solche Männer die Neigung hatten, durch einen ausgeklügelten Betrug bereits Geschehenes als Prophetie hinzustellen.
Dabei sollte man noch etwas anderes berücksichtigen. In vielen biblischen Prophezeiungen wird das Volk, zu dem der Prophet selbst gehörte, einschließlich der Priester und der Herrscher, schonungslos verurteilt. Jesaja prangerte zum Beispiel den bedauerlichen moralischen Zustand seiner israelitischen Zeitgenossen — der Führer und des Volkes — an (Jesaja 1:2-10). Andere Propheten deckten mit Nachdruck die Sünden der Priester auf (Zephanja 3:4; Maleachi 2:1-9). Man kann sich nur schwer vorstellen, warum sie Prophezeiungen hätten erfinden sollen, in denen ihr eigenes Volk aufs denkbar schärfste getadelt wurde, und warum die Priester einen solchen Schwindel gedeckt hätten.
Übrigens, wie gelang den Propheten — wenn sie nichts weiter als Schwindler waren — eine solche Fälschung? Beim Volk Israel wurde das Lesen und Schreiben gefördert. Kinder wurden schon von klein auf darin unterwiesen (5. Mose 6:6-9). Man ermunterte zum persönlichen Lesen der heiligen Schriften (Psalm 1:2). In den Synagogen wurde der Allgemeinheit allwöchentlich am Sabbat daraus vorgelesen (Apostelgeschichte 15:21). Daß eine ganze Nation, die lesen und schreiben konnte und in den Schriften gut bewandert war, durch einen solchen Schwindel hätte hinters Licht geführt werden können, erscheint ziemlich unwahrscheinlich.
Zur Prophezeiung Jesajas über den Sturz Babylons ist außerdem noch mehr zu sagen. Sie enthält nämlich eine Einzelheit, die nicht erst nach der Erfüllung hätte aufgezeichnet werden können.
„Sie wird niemals bewohnt werden“
Was sollte aus der Stadt Babylon nach ihrem Sturz werden? Jesaja prophezeite folgendes: „Sie wird niemals bewohnt werden, noch wird sie Generation um Generation verweilen. Und nicht wird dort der Araber sein Zelt aufschlagen, und keine Hirten werden ihre Kleinviehherden dort lagern lassen“ (Jesaja 13:20). Die Voraussage, daß eine so günstig gelegene Stadt für immer unbewohnt sein sollte, muß höchst befremdend geklungen haben. Könnte Jesaja seine Worte erst dann aufgezeichnet haben, als Babylon bereits nicht mehr bewohnt war?
Nachdem Cyrus die Stadt eingenommen hatte, war sie noch jahrhundertelang bewohnt, wenngleich sie keine bedeutende Rolle mehr spielte. Man beachte, daß sich unter den Schriftrollen vom Toten Meer auch eine Abschrift des ganzen Buches Jesaja befand, die ins 2. Jahrhundert v. u. Z. datiert worden ist. Etwa zu der Zeit, als diese Abschrift angefertigt wurde, übernahmen die Parther die Herrschaft über Babylon. Und im 1. Jahrhundert u. Z. gab es in Babylon sogar noch eine jüdische Siedlung, die der Bibelschreiber Petrus besuchte (1. Petrus 5:13). Bis dahin hatte die Jesaja-Rolle, die man am Toten Meer gefunden hat, bereits fast 200 Jahre existiert. Babylon war also im 1. Jahrhundert u. Z. immer noch nicht vollständig unbewohnt, aber das Buch Jesaja war schon lange vorhanden.a
Babylon wurde, wie vorhergesagt, schließlich „zu Steinhaufen“ (Jeremia 51:37). Gemäß Hieronymus (4. Jahrhundert u. Z.), einem hervorragenden Kenner des Hebräischen, war Babylon in seinen Tagen ein Jagdrevier, das „Tiere jeder Art“ durchstreiften.9 Bis heute ist es immer noch verödet.
Jesaja hat nie erlebt, daß Babylon unbewohnt war. Aber die Ruinen dieser einst mächtigen Stadt zirka 80 Kilometer südlich von Bagdad, im heutigen Irak, sind stumme Zeugen dafür, daß sich seine Worte erfüllten: „Sie wird niemals bewohnt werden.“ Durch einen Wiederaufbau Babylons als Touristenattraktion könnten zwar Besucher angelockt werden, aber mit Babylons „Nachwuchs und Nachkommenschaft“ ist es ein für allemal vorbei (Jesaja 13:20; 14:22, 23).
Der Prophet Jesaja äußerte also keine unbestimmten Voraussagen, die man auf irgendein künftiges Ereignis hätte beziehen können, noch schrieb er die Geschichte um, damit sie wie eine Prophezeiung aussah. Man müßte sich fragen: Warum hätte ein Schwindler es riskieren sollen, etwas zu „prophezeien“, worauf er absolut keinen Einfluß hatte, nämlich daß das mächtige Babylon nie wieder bewohnt werden würde?
Diese Prophezeiung über den Niedergang Babylons ist nur e i n Beispiel für die Voraussagen der Bibel.b Viele Menschen sehen in der Erfüllung der biblischen Prophezeiungen ein Anzeichen dafür, daß die Bibel aus einer Quelle stammen muß, die über dem Menschen steht. Wahrscheinlich stimmen wir zu, daß dieses Buch der Prophetie es zumindest verdient, daß wir uns näher damit befassen. Eines steht fest: Die unzweideutigen, sachlichen und präzisen Prophezeiungen der Bibel sind etwas ganz anderes als die verschwommenen oder sensationellen Voraussagen heutiger Wahrsager.
[Fußnoten]
a Es liegen stichhaltige Beweise dafür vor, daß die Bücher der Hebräischen Schriften — das Buch Jesaja eingeschlossen — schon lange vor dem 1. Jahrhundert u. Z. geschrieben wurden. Der Historiker Josephus (1. Jahrhundert u. Z.) wies darauf hin, daß der Kanon der Hebräischen Schriften lange vor seiner Zeit festgelegt worden war.8 Außerdem hatte man mit der Arbeit an der Septuaginta, einer Übersetzung der Hebräischen Schriften ins Griechische, im 3. Jahrhundert v. u. Z. begonnen und war im 2. Jahrhundert v. u. Z. damit fertig.
b Weitere biblische Prophezeiungen und die historischen Tatsachen, die ihre Erfüllung bezeugen, werden in dem von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegebenen Buch Die Bibel — Gottes oder Menschenwort? (Seite 117—33) besprochen.
[Herausgestellter Text auf Seite 28]
Waren die Bibelschreiber wahre Propheten oder schlaue Betrüger?
[Bild auf Seite 29]
Die Ruinen des alten Babylon
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Ein Buch für Sie?Ein Buch für alle Menschen
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Ein Buch für Sie?
„Des vielen Büchermachens ist kein Ende“, sagte Salomo vor etwa 3 000 Jahren (Prediger 12:12). Diese Feststellung gilt heute immer noch. Jedes Jahr werden außer den klassischen Standardwerken Tausende neuer Bücher gedruckt. Weshalb sollte man angesichts einer so großen Auswahl ausgerechnet die Bibel lesen?
VIELE Menschen lesen Bücher zur Unterhaltung oder um sich zu informieren oder möglicherweise auch aus beiden Gründen. So kann es auch beim Lesen der Bibel sein. Ihre Lektüre kann erbauen und unterhalten. Aber damit nicht genug. Die Bibel ist eine einzigartige Quelle des Wissens (Prediger 12:9, 10).
Sie beantwortet Fragen, mit denen sich Menschen schon seit eh und je beschäftigt haben, Fragen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Viele Menschen fragen sich: Woher stammen wir? Was ist der Sinn unseres Lebens? Wie können wir ein glückliches Leben führen? Wird es auf der Erde immer Leben geben? Was bringt uns die Zukunft?
Wie das gesamte hier behandelte Beweismaterial deutlich zeigt, ist die Bibel genau und zuverlässig. Wir haben bereits gesehen, inwiefern uns ihr praktischer Rat helfen kann, heute ein sinnvolles und glückliches Leben zu führen. Da sie zufriedenstellende Antworten auf Gegenwartsfragen enthält, verdienen es gewiß auch ihre Antworten auf Fragen über die Vergangenheit und ihre Prophezeiungen hinsichtlich der Zukunft, daß man sich eingehend damit befaßt.
Wie man den größten Nutzen daraus zieht
Manch einer, der anfing, die Bibel zu lesen, hörte damit auf, als er auf schwerverständliche Teile stieß. Wer diese Erfahrung gemacht hat, sollte vielleicht einige hilfreiche Tips berücksichtigen.
Man suche sich eine zuverlässige Übersetzung in der Gegenwartssprache aus, wie zum Beispiel die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrifta. Einige beginnen mit dem Lesen der Evangelien, das heißt mit den Berichten über das Leben Jesu, dessen weise Lehren, wie sie beispielsweise in der Bergpredigt zu finden sind, eine genaue Kenntnis der menschlichen Natur erkennen lassen und uns zeigen, wie man sein Los im Leben verbessern kann. (Siehe Matthäus, Kapitel 5 bis 7.)
Sehr aufschlußreich ist neben dem Lesen der Bibel auch ein thematisches Studium. Dabei wird untersucht, was die Bibel zu bestimmten Fragen zu sagen hat. Möglicherweise ist man überrascht, zu erfahren, was die Bibel in Wirklichkeit zu Themen aussagt wie Seele, Himmel, Erde, Leben, Tod und Gottes Königreich — was das Königreich ist und was es tun wird.b Jehovas Zeugen bieten ein thematisches Bibelstudium an, das kostenlos durchgeführt wird. Näheres darüber können Sie erfahren, wenn Sie sich an die Herausgeber dieser Broschüre wenden. Die entsprechende Anschrift finden Sie auf Seite 2.
Viele Menschen sind nach dem Prüfen der Beweise zu dem Schluß gelangt, daß die Bibel von Gott stammt. Sein Name lautet gemäß der Heiligen Schrift „Jehova“ (Psalm 83:18). Vielleicht sind Sie, lieber Leser, immer noch nicht völlig davon überzeugt, daß die Bibel göttlichen Ursprungs ist. Was spricht aber dagegen, es einmal selbst nachzuprüfen? Wenn Sie die Bibel kennenlernen, über ihren Inhalt nachdenken und vielleicht selbst erfahren, von welchem praktischen Wert ihre zeitlose Weisheit ist, gelangen gewiß auch Sie zu der Erkenntnis, daß die Bibel wirklich ein Buch für alle Menschen ist — auch für Sie.
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