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Die Peschitta: Sie wirft Licht auf die frühe Übersetzung der BibelDer Wachtturm 2014 | 1. September
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Die zweite Handschrift, die bis heute erhalten geblieben ist, wird als Sinai-Syrer bezeichnet. Ihre Entdeckung ist den beiden abenteuerlustigen Zwillingsschwestern zu verdanken. Agnes Smith Lewis hatte zwar keinen Universitätsabschluss, beherrschte aber acht Sprachen — darunter auch Syrisch. 1892 machte sie im Katharinenkloster eine bemerkenswerte Entdeckung.
In einer dunklen Kammer fand sie eine syrische Handschrift. Sie berichtet: „Sie sah fürchterlich aus, denn sie war sehr schmutzig und die Seiten klebten fast alle zusammen, da sie [seit Jahrhunderten] nicht umgeblättert worden waren“. Es handelte sich um eine Palimpsest-Handschrift.a Der Originaltext war entfernt und die Seiten mit einem syrischen Text über heilige Frauen neu beschrieben worden. Agnes Smith Lewis entdeckte jedoch Teile des überschriebenen Textes, sowie die Bezeichnungen „von Matthäus“, „von Markus“ und „von Lukas“ am oberen Blattrand. Was sie in den Händen hielt, war ein fast vollständiger syrischer Kodex der vier Evangelien! Bibelgelehrte nehmen heute an, dass dieser Kodex aus dem späten 4. Jahrhundert stammt.
Neben den griechischen Handschriften wie dem Codex Sinaiticus und dem Codex Vaticanus zählt der Sinai-Syrer zu den wichtigsten biblischen Manuskripten, die bisher gefunden wurden. Man geht davon aus, dass es sich sowohl beim Cureton-Syrer als auch beim Sinai-Syrer um Abschriften der frühen syrischen Übersetzung der Evangelien handelt, die wohl im späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert entstanden ist.
GOTTES WORT BESTEHT FÜR IMMER
Sind diese Handschriften für Erforscher der Bibel auch heute noch von Interesse? Auf jeden Fall! Da wäre zum Beispiel der sogenannte lange Schluss des Markusevangeliums, der in einigen Übersetzungen auf Markus 16:8 folgt. Man findet ihn etwa im Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert und in der Vulgata. Die zwei maßgeblichen griechischen Manuskripte aus dem 4. Jahrhundert jedoch — der Codex Sinaiticus und der Codex Vaticanus — enden beide mit Markus 16:8. Gleiches gilt für den Sinai-Syrer, was dafür spricht, dass der lange Schluss erst später hinzugefügt wurde und ursprünglich kein Teil des Markusevangeliums war.
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