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Unser Lebenswandel als ErkennungsmerkmalJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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„Charakter oder Bund?“
Gleich zu Anfang wurde zwar vernünftiger biblischer Rat über das Erfordernis gegeben, Christus ähnlich zu sein, doch einige der ersten Bibelforscher legten solchen Nachdruck auf die von ihnen so genannte „Charakterentwicklung“, daß gewisse Aspekte des wahren Christentums in den Hintergrund traten. Manche waren offenbar der Meinung, eine edle Wesensart — das heißt, immer freundlich und gütig zu erscheinen, mit sanfter Stimme zu sprechen, keinerlei Zorn zu zeigen und täglich in der Bibel zu lesen — würde ihnen den Zutritt zum Himmel garantieren. Dabei übersahen sie aber, daß Christus seinen Nachfolgern ein Werk aufgetragen hatte.
Dieses Problem wurde in dem Artikel „Charakter oder Bund?“ in der Ausgabe des Wacht-Turms vom 1. Juni 1926 deutlich angesprochen.a Darin hieß es, manche seien in dem Bemühen, einen „vollkommenen Charakter“ zu entwickeln, solange sie im Fleische seien, mutlos geworden und hätten aufgegeben, während andere selbstgerecht geworden seien und dazu neigten, das Verdienst des Opfers Christi aus den Augen zu verlieren. In dem Artikel wurde zunächst der Glaube an das vergossene Blut Christi hervorgehoben und dann betont, wie wichtig es sei, ‘diese Dinge zu tun’, das heißt, im Dienste Gottes tätig zu sein, um zu beweisen, daß man ein Leben führe, das Gott gefalle (2. Pet. 1:5-10). Damals, als ein Großteil der Christenheit noch den Anspruch erhob, sich an die sittlichen Normen der Bibel zu halten, wurde durch das Betonen der Tätigkeit der Kontrast zwischen Jehovas Zeugen und der Christenheit offenkundig. Der Gegensatz wurde noch krasser, als sich alle, die Christen sein wollten, mit aktuell werdenden Fragen der Moral auseinandersetzen mußten.
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Unser Lebenswandel als ErkennungsmerkmalJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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[Kasten auf Seite 173]
„Charakterentwicklung“ — Das Resultat war nicht immer gut
In einem Bericht aus Dänemark hieß es, daß besonders unter den älteren Brüdern viele in ihrem aufrichtigen Bemühen, eine christliche Persönlichkeit anzuziehen, auch nur die leiseste Spur von Weltlichkeit vermeiden wollten, um sich des himmlischen Königreiches würdig zu erweisen. Es habe als unangebracht gegolten, während der Zusammenkünfte zu lächeln, und viele der älteren Brüder hätten nur schwarze Anzüge, schwarze Schuhe und schwarze Krawatten getragen. Oft hätten sie sich damit begnügt, ein ruhiges und friedliches Leben im Herrn zu führen. Sie seien der Meinung gewesen, es genüge, Zusammenkünfte abzuhalten, und das Predigen könne man den Kolporteuren überlassen.
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