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  • Die Herstellung biblischer Literatur für das Predigtwerk
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • Die ersten Bibelforscher mit Literatur versorgen

      Einer der ersten Artikel, die C. T. Russell verfaßte, wurde 1876 im Bible Examiner veröffentlicht, den George Storrs aus Brooklyn (New York) herausgab. Nachdem sich Bruder Russell mit N. H. Barbour aus Rochester (New York) zusammengetan hatte, stellte Russell Geld zur Verfügung für die Herausgabe des Buches Three Worlds (Drei Welten) und des Blattes Herald of the Morning. Er wurde Mitherausgeber des Blattes und benutzte 1877 die Druckerei des Herald, um die Broschüre The Object and Manner of Our Lord’s Return (Der Zweck und die Art und Weise der Wiederkunft unseres Herrn) herauszubringen. Bruder Russell war in Glaubensfragen und in Geschäftsangelegenheiten bewandert, aber im Schriftsetzen und Umbrechen kannte sich Barbour besser aus.

      Als N. H. Barbour jedoch den sündensühnenden Wert des Loskaufsopfers Jesu Christi leugnete, löste Bruder Russell seine Verbindungen zu ihm. Daher war er auf kommerzielle Druckereien angewiesen, als er 1879 mit der Herausgabe von Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi begann.

      Im folgenden Jahr wurde das erste Traktat einer umfangreichen Serie, die den Zweck hatte, Menschen für biblische Wahrheiten zu interessieren, zur Herausgabe vorbereitet. Diese Arbeit nahm schon bald enorme Ausmaße an. Um sie zu bewältigen, wurde am 16. Februar 1881 Zion’s Watch Tower Tract Society gegründet mit W. H. Conley als Präsidenten und C. T. Russell als Schriftführer und Schatzmeister. Es wurden Vorkehrungen getroffen, daß kommerzielle Betriebe in verschiedenen Städten in Pennsylvanien, New York und Ohio sowie in Großbritannien druckten. 1884 wurde Zion’s Watch Tower Tract Societya mit C. T. Russell als Präsidenten gesetzlich eingetragen, und wie aus ihren Statuten hervorging, handelte es sich nicht nur um eine Verlagsgesellschaft. Ihr eigentliches Ziel war religiöser Natur; sie wurde zur „Verbreitung biblischer Wahrheiten in verschiedenen Sprachen“ gegründet.

      Mit welchem Eifer dieses Ziel doch verfolgt wurde! 1881 wurden innerhalb von vier Monaten 1 200 000 Traktate mit insgesamt 200 000 000 Seiten herausgegeben. (Viele dieser „Traktate“ waren eigentlich kleine Bücher.) Danach stieg die Produktion von Bibeltraktaten, die kostenlos verbreitet wurden, schnell auf zigmillionen Jahr für Jahr. Die Traktate wurden in ungefähr 30 Sprachen gedruckt und nicht nur in Amerika verbreitet, sondern auch in Europa, Südafrika, Australien und anderswo.

      Ein anderer Aspekt der Tätigkeit tat sich auf, als Bruder Russell 1886 das Buch Der göttliche Plan der Zeitalter vollendete, das erste einer sechsbändigen Serie, die er persönlich schrieb. Er bediente sich der Tower Publishing Companyb zum Herausgeben der ersten vier Bände dieser Serie (1886—1897) sowie von Traktaten und vom Wacht-Turm in den Jahren 1887 bis 1898. Im Laufe der Zeit wurden der Schriftsatz und der Umbruch von den Brüdern im Bibelhaus in Pittsburgh gemacht. Um die Ausgaben niedrig zu halten, kauften sie auch das Papier zum Drucken. Für das eigentliche Drucken und Binden vergab Bruder Russell oft Aufträge an mehrere Firmen. Er plante sorgfältig und orderte lange genug im voraus, um günstige Preise zu erzielen. Vom Erscheinen des ersten Buches, das C. T. Russell verfaßt hatte, bis 1916 wurden insgesamt 9 384 000 Exemplare der sechs Bände hergestellt und verbreitet.

      Die Herausgabe biblischer Literatur endete nicht mit dem Tod Bruder Russells. Im darauffolgenden Jahr wurde der siebte Band der Schriftstudien gedruckt. Er wurde am 17. Juli 1917 für die Bethelfamilie freigegeben. Die Nachfrage war so groß, daß die Gesellschaft Ende des Jahres Bestellungen für 850 000 Exemplare in Englisch bei kommerziellen Druckereien und Buchbindereien aufgegeben hatte. In Europa wurden anderssprachige Ausgaben hergestellt. Außerdem wurden in jenem Jahr 38 Millionen Traktate gedruckt.

      Doch 1918, während eines Zeitabschnitts heftiger Verfolgung, als die führenden Vertreter der Gesellschaft zu Unrecht im Gefängnis saßen, wurde das Hauptbüro (das seinen Sitz in Brooklyn [New York] hatte) aufgelöst. Die Druckplatten wurden zerstört. Die wenigen verbliebenen Mitarbeiter und das Büro zogen wieder nach Pittsburgh, und zwar ins dritte Geschoß eines Gebäudes in der Federal Street 119. War damit die Herstellung von biblischer Literatur beendet?

      Sollten sie selbst drucken?

      Nachdem der Präsident der Gesellschaft, J. F. Rutherford, und seine Gefährten aus dem Gefängnis entlassen worden waren, versammelten sich die Bibelforscher 1919 in Cedar Point (Ohio). Sie dachten über das nach, was Gott im vorhergehenden Jahr zugelassen hatte und was sein Wort darüber anzeigte, was sie in Zukunft tun sollten. Es wurde bekanntgegeben, daß eine neue Zeitschrift, Das Goldene Zeitalter, herausgegeben würde, und zwar als ein Mittel, das auf Gottes Königreich als einzige Hoffnung für die Menschheit hinweist.

      Wie schon in der Vergangenheit beauftragte die Gesellschaft eine kommerzielle Firma mit dem Drucken. Doch die Zeiten hatten sich geändert. Es gab Arbeitskämpfe in der Druckindustrie und Schwierigkeiten auf dem Papiermarkt. Etwas Verläßlicheres war nötig. Die Brüder beteten darum und hielten Ausschau nach der Führung des Herrn.

      Wo sollten die Büros der Gesellschaft überhaupt ihren Sitz haben? Sollte das Hauptbüro wieder nach Brooklyn verlegt werden? Der Vorstand der Gesellschaft erwog die Angelegenheit, und es wurde ein Komitee ernannt, das die Situation prüfen sollte.

      Bruder Rutherford wies C. A. Wise, den Vizepräsidenten der Gesellschaft, an, nach Brooklyn zu gehen, um sich um die Wiedereröffnung des Bethels zu kümmern und Räumlichkeiten zu mieten, in denen die Gesellschaft mit dem Drucken beginnen konnte. Bruder Rutherford, der gern wissen wollte, welchen Weg Gott segnen würde, sagte: „Geh und stell fest, ob es der Wille des Herrn ist, daß wir nach Brooklyn zurückkehren.“

      „Wie soll ich denn feststellen, ob der Herr will, daß wir zurückkehren?“ fragte Bruder Wise.

      „Wir mußten 1918 von Brooklyn nach Pittsburgh zurück, weil wir keine Kohlen bekommen konnten“,c antwortete Bruder Rutherford. „Dann sollen jetzt die Kohlen den Ausschlag geben. Du gehst hin und bestellst Kohlen.“

      „Was meinst du, wieviel Tonnen ich bestellen soll, damit wir Bescheid wissen?“

      „Wir wollen sichergehen“, empfahl Bruder Rutherford. „Bestelle 500 Tonnen!“

      Genau das tat Bruder Wise. Und mit welchem Ergebnis? Als er bei den Behörden seinen Antrag stellte, erhielt er eine Bescheinigung zum Bezug von 500 Tonnen Kohle — genug, um den Bedarf für einige Jahre zu decken. Doch wohin damit? Man machte einen großen Teil des Kellers im Bethel zum Kohlenkeller.

      Der Ausgang dieses Tests wurde als unmißverständlicher Hinweis auf den Willen Gottes angesehen. Anfang Oktober 1919 nahmen die Brüder erneut ihre Tätigkeit in Brooklyn auf.

      Sollten sie jetzt selbst drucken? Sie bemühten sich, eine Rotationsmaschine für den Zeitschriftendruck zu kaufen, aber ihnen wurde gesagt, daß es in den Vereinigten Staaten überhaupt nur ein paar gebe und daß es viele Monate dauern würde, bis sie eine bekämen. Dennoch waren sie zuversichtlich, daß der Herr eine Möglichkeit eröffnen würde, wenn es sein Wille war. Und das tat er!

      Nur wenige Monate nachdem sie nach Brooklyn zurückgekehrt waren, gelang es ihnen, eine Rotationspresse zu kaufen. Sie mieteten drei Stockwerke in einem Gebäude, das acht Häuserblocks vom Bethel entfernt lag, in der Myrtle Avenue 35. Anfang 1920 hatte die Gesellschaft ihre eigene Druckerei — zwar klein, aber gut ausgestattet. Brüder mit ausreichender Erfahrung im Bedienen der Maschinen stellten sich zur Verfügung, um bei der Arbeit zu helfen.

      In jenem Jahr begann man, den Wacht-Turm auf der Presse der Gesellschaft zu drucken, und zwar beginnend mit der Ausgabe vom 1. Februar. Ab April wurde auch Das Goldene Zeitalter in der eigenen Druckerei hergestellt. Ende des Jahres konnte im Wacht-Turm voll Freude berichtet werden: „Während des größeren Teils des Jahres wurde alle Arbeit am WACHT-TURM, am GOLDENEN ZEITALTER und an vielen Broschüren von geweihten Männern vollbracht; nur ein Beweggrund hat ihre Handlungen geleitet, und dieser Beweggrund ist Liebe zum Herrn und zu seiner Gerechtigkeit. ... Wenn andere Zeitungen oder Zeitschriften ihr Erscheinen wegen Papiermangels oder Arbeitskämpfen vorübergehend einstellen mußten, ging die Produktion unserer Publikationen problemlos weiter.“

      Der Platz in der Druckerei war ziemlich begrenzt, aber es wurde erstaunlich viel geleistet. Von jeder Ausgabe des Wacht-Turms druckte man normalerweise 60 000 Exemplare. Aber auch Das Goldene Zeitalter wurde dort gedruckt, und im ersten Jahr war die Zeitschrift vom 29. September eine Sonderausgabe. Darin wurden diejenigen entlarvt, die an der Verfolgung der Bibelforscher in den Jahren 1917 bis 1920 beteiligt gewesen waren. Vier Millionen Exemplare wurden gedruckt. Einer der Drucker sagte später: „Alle, außer dem Koch, mußten bei der Herstellung dieser Ausgabe mithelfen.“

      Als die Rotationspresse einige Monate in Gebrauch war, fragte Bruder Rutherford die Brüder, ob sie auch Broschüren auf dieser Maschine drucken könnten. Anfangs schien es nicht möglich zu sein. Die Hersteller der Druckpresse sagten, es ginge nicht. Aber die Brüder versuchten es und hatten Erfolg. Sie konstruierten einen Falzapparat und verringerten auf diese Weise die Anzahl der für diese Arbeit notwendigen Arbeiter von 12 auf 2. Wie war ihr Erfolg zu erklären? „Erfahrung und der Segen des Herrn“, so faßte es der Druckereiaufseher zusammen.

      Die Gesellschaft nahm jedoch nicht nur in Brooklyn eine Druckerei in Betrieb. Ein Büro in Michigan beaufsichtigte Arbeiten in einigen Fremdsprachen. Um für das Nötige in Verbindung mit dieser Arbeit zu sorgen, installierte die Gesellschaft 1921 eine Linotype-Setzmaschine, Druckpressen und andere notwendige Ausrüstungsgegenstände in Detroit (Michigan). Dort wurde Literatur in Polnisch, Russisch, Ukrainisch und anderen Sprachen gedruckt.

      Im gleichen Jahr gab die Gesellschaft das Buch Die Harfe Gottes heraus, das so geschrieben war, daß es sich für Neulinge auf dem Gebiet des Bibelstudiums gut eignete. Bis zum Jahre 1921 hatte die Gesellschaft noch nicht versucht, Bücher in eigener Regie zu drucken und zu binden. Sollten sich die Brüder bemühen, auch diese Arbeit selbst in die Hand zu nehmen? Wiederum suchten sie die Führung des Herrn.

      Gott hingegebene Brüder drucken und binden Bücher

      Der Wacht-Turm hatte 1920 berichtet, daß viele Kolporteure gezwungen waren, ihren Dienst aufzugeben, weil Drucker und Buchbinder nicht in der Lage waren, die Aufträge der Gesellschaft zu erfüllen. Die Brüder im Hauptbüro überlegten, daß sie ein größeres Zeugnis von Gottes Vorsatz in bezug auf die Menschheit geben könnten, wenn sie von kommerziellen Produzenten mit all ihren Arbeitskämpfen unabhängig wären. Wenn sie ihre Bücher selbst druckten und bänden, wäre es auch für Gegner schwieriger, das Werk zu behindern. Und sie hofften, im Laufe der Zeit die Kosten für die Bücher senken zu können und sie so der Öffentlichkeit leichter verfügbar zu machen.

      Das aber erforderte mehr Platz und Maschinen, und die Brüder müßten neue Fertigkeiten erlernen. Würden sie das schaffen? Robert J. Martin, der Druckereiaufseher, erinnerte daran, daß Jehova in Moses’ Tagen ‘Bezalel und Oholiab mit Weisheit des Herzens erfüllt hatte zur Ausführung aller Arbeit’, die zur Errichtung der heiligen Stiftshütte notwendig gewesen war (2. Mo. 35:30-35). Mit diesem Bibelbericht im Sinn war Bruder Martin davon überzeugt, daß Jehova alles Notwendige tun würde, damit seine Diener Literatur herstellen könnten, um das Königreich zu verkündigen.

      Nach sorgfältiger Erwägung unter Gebet kristallisierten sich präzise Pläne heraus. Zurückblickend auf das Geschehene, schrieb Bruder Martin später an Bruder Rutherford: „Der größte Tag war jedoch der, an dem Du fragtest, ob es eigentlich einen stichhaltigen Grund gäbe, daß wir nicht auch unsere Bücher selbst drucken und binden könnten. Das war ein atemraubender Gedanke; denn er bedeutete die Einrichtung einer vollständigen Setzerei, einer galvanischen Anlage, Druckerei und Buchbinderei, das Arbeiten mit einer ganzen Anzahl unbekannter Maschinen, mit Maschinen, von deren Existenz wir überhaupt noch nichts wußten, und die Notwendigkeit, ein Dutzend Handwerke zu erlernen. Aber es schien der beste Ausweg zu sein, den Kriegspreisen, die für die Bücher verlangt wurden, auszuweichen.

      Du mietetest das sechs Stock hohe Gebäude in der Concord Street 18 (zwei Stockwerke wurden von anderen Mietern genutzt), und am 1. März 1922 zogen wir ein. Du kauftest einen vollständigen Maschinenpark zum Setzen, Galvanisieren, Drucken und Binden, das meiste neu, einiges gebraucht, und wir machten uns ans Werk.

      Eine der großen Druckereien, die bisher viel Arbeit für uns getan hatte, hörte von unserem Unternehmen, und ihr Direktor kam, um uns zu besuchen. Er sah unsere neue Einrichtung und bemerkte sehr schlau: ‚Sie haben hier eine erstklassige Druckerei-Anlage, aber niemand, der etwas davon versteht und damit umzugehen weiß. In sechs Monaten wird das ganze Ding Schrott sein, und Sie werden sich überzeugt haben, daß die Leute, die für den Druck Ihrer Bücher in Frage kommen, die sind, die sie immer gedruckt haben und deren Sache es auch ist.‘

      Das klang ja ganz logisch, aber er vergaß den Herrn. Und der Herr ist immer mit uns gewesen. Als wir mit der Buchbinderei beginnen wollten, schickte uns der Herr einen Bruder, der sein Leben lang Buchbinder gewesen war. Er war uns eine große Hilfe; denn er war zu jener Zeit das, was wir am nötigsten brauchten. Mit seinem Beistand und dem Geiste des Herrn, der mit den Brüdern war, die sich bemühten zu lernen, dauerte es nicht lange, und wir stellten Bücher her.“

      Da in dem Gebäude in der Concord Street genug Platz war, wurde der Druckereibetrieb in Detroit mit dem in Brooklyn zusammengelegt. Während des zweiten Jahres in diesen Räumlichkeiten produzierten die Brüder außer Zeitschriften, Traktaten und Handzetteln 70 Prozent der benötigten Bücher und Broschüren. Die wachsende Arbeit machte es im darauffolgenden Jahr erforderlich, auch die beiden noch nicht genutzten Stockwerke des Gebäudes in Beschlag zu nehmen.

      Könnte die Buchproduktion beschleunigt werden? Extra zu diesem Zweck hatten die Brüder eine Druckmaschine in Deutschland bauen und nach Amerika verfrachten lassen, die sie 1926 in Betrieb nahmen. Das war ihres Wissens die erste Rotationspresse, die in Amerika zum Drucken von Büchern benutzt wurde.

      Die Bibelforscher druckten allerdings nicht nur in Amerika.

      Die Anfänge des Druckens in anderen Ländern

      Bruder Russell ließ in Großbritannien bereits 1881 bei kommerziellen Betrieben drucken. In Deutschland geschah das 1903, in Griechenland 1906, in Finnland 1910 und 1913 sogar in Japan. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurden große Mengen Bücher, Broschüren, Zeitschriften und Traktate in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland und Polen gedruckt sowie kleinere Mengen in Brasilien und Indien.

      Die Gesellschaft begann 1920, in Brooklyn die Zeitschriften selbst zu drucken, und im selben Jahr wurden Vorbereitungen getroffen, auch unsere Brüder in Europa einen Teil dieser Arbeit tun zu lassen. In der Schweiz hatte eine Gruppe von Brüdern in Bern eine Druckerei eingerichtet. Es war ihr eigener Betrieb. Doch sie alle waren Bibelforscher, und sie stellten für die Gesellschaft zu niedrigen Kosten Literatur in einigen europäischen Sprachen her. Im Laufe der Zeit erwarb die Gesellschaft das Eigentumsrecht für diese Druckerei und vergrößerte sie. Wegen der schweren wirtschaftlichen Notlage in den verarmten Ländern Europas stellte man dort riesige Mengen Literatur zur kostenlosen Verbreitung her. Ende der 20er Jahre wurden Publikationen in über einem Dutzend Sprachen von dieser Druckerei versandt.

      Zur gleichen Zeit zeigte sich in Rumänien großes Interesse an der Königreichsbotschaft. Obwohl unser Werk dort heftig bekämpft wurde, errichtete die Gesellschaft in Cluj eine Druckerei, um die Kosten für die Literatur zu senken und sie den wahrheitshungrigen Menschen in Rumänien und den Nachbarländern leichter zugänglich zu machen. 1924 konnten in dieser Druckerei außer den Zeitschriften und Broschüren fast eine viertel Million gebundene Bücher in Rumänisch und Ungarisch hergestellt werden. Der Verantwortliche für das dortige Werk ging jedoch mit dem ihm Anvertrauten treulos um, und durch sein Verhalten verlor die Gesellschaft ihren Grundbesitz und die Ausrüstung. Trotzdem taten treue Brüder in Rumänien weiterhin alles, was in ihrer Macht stand, um anderen die Wahrheit aus der Bibel zu übermitteln.

      In Deutschland strömten nach dem Ersten Weltkrieg die Leute scharenweise in die Zusammenkünfte der Bibelforscher. Aber die Menschen in Deutschland befanden sich wirtschaftlich in großen Schwierigkeiten. Um biblische Literatur für sie erschwinglich zu machen, begann die Gesellschaft, auch dort selbst zu drucken. 1922 wurde in Barmen erstmals auf Flachformpressen gedruckt; die eine stand auf dem Treppenabsatz im Bethel und die andere im Holzschuppen. Im Jahr darauf zogen die Brüder nach Magdeburg in besser geeignete Räumlichkeiten. Dort hatten sie schöne Gebäude, es kamen noch welche hinzu, und man installierte Druck- und Buchbindereimaschinen. Ende 1925 wurde berichtet, daß die Produktionskapazität dieser Anlage mindestens so groß würde wie die der Maschinen, die damals im Hauptbüro in Brooklyn in Betrieb waren.

      Die Brüder fingen mit dem Drucken meistens klein an. Auch auf Korea traf das zu, wo die Gesellschaft 1922 eine kleine Druckerei eingerichtet hatte, um Literatur sowohl in Koreanisch als auch in Japanisch und Chinesisch zu produzieren. Einige Jahre später schaffte man die Ausrüstung nach Japan.

      Im Jahre 1924 wurden in Kanada und Südafrika kleinere Druckerzeugnisse hergestellt. 1925 stellte man eine kleine Druckpresse in Australien auf und eine weitere in Brasilien. Schon bald verwendeten die Brüder in Brasilien ihre Ausrüstung, um die portugiesische Ausgabe des Wacht-Turms zu drucken. Das Zweigbüro der Gesellschaft in England erhielt seine erste Druckereiausrüstung im Jahre 1926. Der geistige Hunger demütiger Menschen in Spanien wurde dadurch gestillt, daß 1929 Der Wacht-Turm dort auf einer kleinen Presse gedruckt wurde. Zwei Jahre später begann im Keller des Zweigbüros in Finnland eine Druckmaschine zu laufen.

      Inzwischen vergrößerte sich die Weltzentrale.

      Die eigene Druckerei der Weltzentrale

      Seit 1920 hatte die Gesellschaft Räumlichkeiten für die Druckerei in Brooklyn gemietet. Sogar das Gebäude, das sie ab 1922 benutzte, war in keinem guten Zustand. Wenn die Rotationsmaschine im Keller lief, zitterte das ganze Haus. Außerdem wurde mehr Platz gebraucht, um das immer größer werdende Werk zu verrichten. Die Brüder kamen zu dem Schluß, daß die vorhandenen Geldmittel besser verwendet werden würden, wenn sie ein eigenes Druckereigebäude hätten.

      Ein Stück Land, nur ein paar Häuserblocks vom Bethel entfernt, schien ein äußerst wünschenswerter Platz zu sein, daher bemühten sie sich darum. Es stellte sich heraus, daß der pharmazeutische Betrieb Squibb sie überbot; doch als die Firma Squibb auf dem Grundstück bauen wollte, mußte sie 1 167 Pfeiler einrammen, um ein festes Fundament zu erhalten. (Jahre später kaufte die Watch Tower Society diese Gebäude mitsamt dem soliden Fundament von der Firma Squibb.) Wie dem auch sei, das Land, das die Gesellschaft 1926 kaufte, hatte einen Boden mit großer Belastbarkeit, auf dem man bauen konnte.

      Im Februar 1927 zogen die Brüder in ihr nagelneues Gebäude in der Adams Street 117 in Brooklyn. Dort hatten sie fast doppelt soviel Platz wie vorher. Das Gebäude war gut geplant, der Arbeitsablauf verlief von den oberen Stockwerken abwärts durch die verschiedenen Abteilungen bis zur Versandabteilung im Erdgeschoß.

      Damit war das Wachstum jedoch noch nicht abgeschlossen. Innerhalb von zehn Jahren mußte die Druckerei erweitert werden, und weitere Vergrößerungen sollten später erfolgen. Außer den Millionen von Zeitschriften und Broschüren, die jedes Jahr gedruckt wurden, produzierte man 10 000 gebundene Bücher pro Tag. 1942, als zu diesen Büchern auch vollständige Bibeln gehörten, leistete die Watch Tower Society wiederum Pionierarbeit auf einem für die Druckindustrie neuen Gebiet. Die Brüder experimentierten so lange, bis sie das dünne Bibeldruckpapier auf der Rotationspresse verarbeiten konnten — andere Drucker versuchten das erst Jahre später.

      Während hohe Auflagen produziert wurden, übersah man doch nicht Gruppen mit besonderen Bedürfnissen. Schon 1910 halfen ein Bibelforscher in Boston (Massachusetts) und einer in Kanada mit, die Literatur der Gesellschaft in Blindenschrift zu übertragen. 1924 stellte die Gesellschaft in einem Büro in Logansport (Indiana) Publikationen für die Blinden her. Weil die Veröffentlichungen in Brailleschrift damals nur wenig Widerhall fanden, wurde die Arbeit daran 1936 eingestellt, und man legte Nachdruck darauf, Blinden durch Schallplatten sowie durch persönliche Aufmerksamkeit zu helfen. Später, im Jahre 1960, stellte man wieder Literatur in Blindenschrift her — diesmal in größerer Vielfalt, und sie fand immer mehr Anklang.

  • Die Herstellung biblischer Literatur für das Predigtwerk
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • [Kasten/Bild auf Seite 585]

      Beweis für Jehovas Geist

      „Der Erfolg beim Drucken von Büchern und Bibeln auf Rotationsmaschinen, die von Personen mit wenig oder gar keiner Erfahrung bedient wurden [und das zu einer Zeit, als andere das noch nicht taten], ist ein Beweis für Jehovas Aufsicht und die Führung seines Geistes“, sagte Charles Fekel. Bruder Fekel wußte genau, wovon er sprach, denn er hatte über ein halbes Jahrhundert lang einen Anteil an der Entwicklung der Druckarbeiten im Hauptbüro der Gesellschaft. Die letzten Jahre seines Lebens diente er als ein Mitglied der leitenden Körperschaft.

      [Bild]

      Charles Fekel

  • Die Herstellung biblischer Literatur für das Predigtwerk
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • [Kasten/Bilder auf Seite 581]

      Schriftsetzen

      Zuerst wurde jeder Buchstabe mit der Hand gesetzt

      Südafrika

      Von 1920 bis in die 80er Jahre waren Linotype-Setzmaschinen in Gebrauch

      Vereinigte Staaten

  • Die Herstellung biblischer Literatur für das Predigtwerk
    Jehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
    • [Kasten/Bilder auf Seite 582]

      Plattenherstellung

      Von den 20er bis zu den 80er Jahren wurden Bleiplatten für den Buchdruck hergestellt

      [Bilder]

      1. Gesetzte Zeilen für die zu druckende Seite wurden in sogenannte Schließrahmen aus Metall geschlossen

      2. Mit starkem Druck wurde ein Abdruck des Schriftbildes der Zeilen in eine Mater geprägt, die als Gußform diente

      3. Die Mater (oder Gußform) wurde mit flüssigem Blei ausgegossen, um eine gerundete Druckplatte zu erhalten

      4. Hochstehendes Metall, das nicht drucken sollte, wurde von der Oberfläche der Platte weggefräst

      5. Die Platten wurden vernickelt, um sie haltbarer zu machen

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