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  • Singvögel — unglaubliche Gesangskünstler
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Erwachet! 1991
g91 22. 5. S. 15-19

Singvögel — unglaubliche Gesangskünstler

„IN DEN frühen Morgenstunden wurde ich durch Laute geweckt, die für meine an Stadtlärm gewöhnten Ohren fremd waren. Fremd, aber wunderschön. Sie stammten von einer Schar singender Vögel; einige waren in der Nähe, andere weiter weg, und alle sangen. Als ich so im Bett lag und zuhörte, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich stand auf und ging zum Fenster, öffnete es, kniete mich und stützte die Ellbogen auf die Fensterbank auf. Jetzt konnte ich die Klänge viel besser hören; sie wurden immer lauter, als ob die ganze Luft mit Musik erfüllt sei. Jeder Vogel sang sein eigenes Lied, zusammen hörte es sich jedoch wie ein großer Chor an. Ich merkte überhaupt nicht, wie kalt es war, so gefesselt war ich.“

Das erlebte ein New Yorker, der Freunde in North Yorkshire (England) besuchte. Ihr Haus stand inmitten von Feldern und Wäldern — mit zahlreichen Vögeln. Als er an jenem Morgen seine Gastgeber begrüßte, erzählte er ihnen zuallererst begeistert von seinem Erlebnis. Sie erklärten ihm, er sei lediglich Zeuge des „Morgenchors“ gewesen, der vom Frühling bis in den Hochsommer zu hören sei. Es gebe auch einen „Abendchor“, der leiser, aber immer noch eindrucksvoll sei. In vielen Teilen der Erde werden solche Konzerte immer seltener; in manchen Gebieten gibt es sie schon gar nicht mehr.

Es sind ungefähr 9 000 Vogelarten bekannt, circa 5 000 davon werden den Singvögeln, d. h. der Unterordnung Oscines, zugeordnet. Einige Weibchen singen zwar, doch die phantastischen Morgen- und Abendkonzerte werden von den Männchen vorgetragen. Man sagt, der Gesang diene zur Verteidigung ihres Reviers und zur Werbung der Partner, allerdings ist es ebenso möglich, daß das Singen ihnen einfach Freude bereitet. Wenn der Morgenchor auf seinem Höhepunkt angelangt ist und 30 Minuten lang unvermindert anhält, scheinen die Sänger tatsächlich in froher Stimmung zu sein.

Abwechslungsreiche Gesänge

Es gibt einfache, komplexe und sogar künstlerische Gesänge. Der Dachsammerfink scheint sich mit einem einfachen, sich endlos wiederholenden Lied zufriedenzugeben. Die Singammer hat ein größeres Repertoire, Zaunkönige können Hunderte von Liedern singen, und Spottdrosseln können stundenlang ihren Melodienreigen vortragen. Von der Rotrücken-Spottdrossel wird sogar gesagt, sie kenne über 2 000 Gesänge. Nachtigallen, Drosseln, Sichelspötter, Finken, Wanderdrosseln, Lerchenstärlinge, Hordenvögel, Waldsänger, Rote Kardinäle, Prachtleierschwänze, Kap-Röteln, Feldlerchen und viele andere Vögel aus aller Welt können den Ruhm von Virtuosen für sich beanspruchen.

Außer dem eigentlichen, arttypischen Gesang bei den Morgen- und Abendchören gibt es noch andere Gesänge. Besonders interessant ist der „Subsong“, der nur wenige Meter weit zu hören ist; es handelt sich dabei um leiser vorgetragene Abschnitte des eigentlichen Gesangs mit Varianten und Zusätzen. Dieser leise Gesang der Männchen oder Weibchen, den sie oft beim Ausbrüten der Eier oder in der Abgeschiedenheit dichten Gestrüpps hören lassen, scheint eine stille Zufriedenheit widerzuspiegeln.

Bei vielen Vogelarten singen die Pärchen im Duett. Entweder singen sie das gleiche Lied gemeinsam oder verschiedene Lieder oder verschiedene Strophen desselben Liedes abwechselnd. Ihre Einsätze erfolgen so exakt, daß man meint, es singe nur ein Vogel. Der kurze Abstand zwischen dem Aufhören des einen und dem Einsetzen des anderen Vogels wird in Tausendstelsekunden gemessen. Um festzustellen, ob zwei Vögel singen oder nur einer, müßte man zwischen ihnen stehen. Meister im Duettsingen sind die Rotkehl-Zaunkönige aus Südamerika, von denen viele sagen, sie sängen die schönsten Lieder, die man in den dortigen Wäldern hören könne.

Unverschämter Diebstahl

Das Spotten ist eine beliebte Gewohnheit mehrerer Vogelarten. Ornithologen bezeichnen es als rätselhaftes Phänomen, bei dem sie keinen bestimmten Zweck erkennen; ein Forscher deutete allerdings an, es sei für die Vögel ein Spiel. Die in Nordamerika lebende Spottdrossel ist darin unübertrefflich. Ihr wissenschaftlicher Name, Mimus polyglottos, bedeutet „vielzüngiger Schauspieler“. Eine soll in nur einer Stunde 55 Vogelarten imitiert haben.

Die Spottdrossel ist jedoch keineswegs der einzige Vogel, der das Nachahmen beherrscht. Der Gesang des australischen Prachtleierschwanzes zum Beispiel ist „einer der kraftvollsten und melodischsten Gesänge aller Vögel überhaupt“, noch dazu kann er „die Lieder beinahe aller Vögel, die in seiner Umgebung leben, nachahmen“. In seinem Buch Das Leben der Vögel (Seite 129) berichtet Robert Burton über das Spotten von Laubenvögeln, Sumpfrohrsängern und Kanarienvögeln. Von australischen Laubenvögeln heißt es, daß sie „neben vielen Vogelarten Katzen, Hunde, Autohupen, eine Axt beim Holzspalten und das Schwirren von Zaundrähten nachahmten“. Ein Laubenvogel soll einen Adler so täuschend echt imitiert haben, daß eine Henne mit ihren Küken schnell in Deckung gegangen sei. Gewiß haben die Laubenvögel nicht gesungen, um Äxte als Partner anzulocken oder um schwirrende Zaundrähte von ihrem Revier zu verjagen. Vielleicht hatten sie einfach nur Spaß daran, so wie die Leute, die ihnen zuhörten.

Das ganze Ausmaß der Nachahmung des europäischen Sumpfrohrsängers wurde „durch eine Untersuchung in Belgien deutlich: In den Sonagrammen wurden nicht nur die Lieder von fast hundert europäischen Arten wiedererkannt, sondern auch die von über hundert afrikanischen Arten, die der Sumpfrohrsänger im Winterquartier hört.“ Ferner war daraus zu ersehen, daß wahrscheinlich sein gesamtes Repertoire aus Nachahmungen bestand.

Kanarienvögel „ahmen alles nach; das macht sie ja auch als Käfigvögel so beliebt“. Hier ein bekanntes Beispiel vom Anfang des 20. Jahrhunderts: Einem eurasischen Dompfaff hatte man eine bekannte englische Melodie beigebracht. Ein Kanarienvogel im Nachbarzimmer lernte sie im Verlauf eines Jahres ebenfalls, und immer wenn der Dompfaff am Ende der dritten Zeile zu lange zögerte, fiel der Kanarienvogel ein und sang das Lied zu Ende.

Jede Vogelart hat ihren bevorzugten Platz, wo sie ihre Lieder vorträgt. Einige singen vom Boden oder von Strauchspitzen aus, andere von einer Baumspitze aus. Spottdrosseln zum Beispiel suchen sich erhöhte Singwarten aus, steigen ab und zu im Singflug bis zu 6 Meter steil auf und lassen sich dann wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückfallen. Vögel, die auf freiem Feld nisten, segeln oft singend über ihrem Revier. Dieses Verhalten ist typisch für die Feldlerche, wie es der englische Poet Shelley in seinem wunderschönen Gedicht „An eine Lerche“ andeutet, in dem er von dem unbeschwerten „Geist der Höhe“ spricht, der, hoch segelnd, „in Gesang ausbricht, verschwenderisch in ein unvorbedacht Gedicht“.

Die Morgen- und Abendchöre sind im Frühling und im Frühsommer zu hören. Sogar die Bibel spricht davon, daß diese Jahreszeiten typisch für den Vogelgesang sind. Das Hohelied beschreibt die Zeit, wenn der Winter vergangen ist, die Blumen erscheinen, sich am Feigenbaum die Früchte färben, die Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sind und ‘die Zeit des Gesangs gekommen ist und die Stimme der Turteltaube über dem Land gurrt’ (2:11, 12, Zink). Viele Vögel singen jedoch auch über den Frühling und Sommer hinaus, wenn die Paarbildung, das Brüten und das Großziehen der Jungvögel beendet sind.

Ein Autor sagte über den Vogelgesang, „daß vieles daran immer noch rätselhaft [ist]. Das größte Geheimnis ist, weshalb diese komplizierten Lautäußerungen überhaupt entstanden sind.“ Sie sind zu „verschwenderisch kompliziert für irgendeine in Frage kommende Funktion“. Er sollte vielleicht in Betracht ziehen, daß diese „komplizierten Lautäußerungen“ nicht einfach so entstanden sind, sondern daß Jehova Gott, der sich für Sperlinge und brütende Vogelmütter interessiert, den Vögeln bei ihrer Erschaffung das musikalische Talent schenkte (5. Mose 22:6, 7; Matthäus 10:29). Möglicherweise ist eine „Funktion“ des Singens, daß es den Vögeln Freude bereitet. Spottdrosseln und einige andere Vogelarten lassen ihren Gesang häufig bis in die späte Nacht hinein erklingen. Wer kann behaupten, daß sie nicht zu ihrem eigenen Vergnügen singen — und zu unserem?

Das ungelöste Geheimnis der Tonerzeugung

Das „größte Geheimnis“ liegt womöglich nicht darin, warum Vögel so meisterhaft singen, sondern wie sie den Gesang zustande bringen. Bisher gab es dafür verschiedene Theorien, aber noch jetzt, nach intensiver wissenschaftlicher Forschung, kommt man zu keinem völlig übereinstimmenden Ergebnis. Das Stimmbildungsorgan des Vogels wird Syrinx genannt — ein knöcherner Resonanzkörper mit elastischen Membranen, der durch spezielle Muskeln gesteuert wird. Die Syrinx ist je nach Vogelart unterschiedlich gebildet; die komplizierteste Bauweise findet man bei den Singvögeln. Sie liegt am unteren Ende der Trachea oder Luftröhre und hat zwei Klangquellen. Man sagt von Singvögeln, sie hätten „zwei Stimmen“, weil jede Klangquelle ihre eigenen Nerven, Muskeln und Membranen hat. Durch wechselseitigen Muskeldruck auf die Membranen und die Veränderung des Luftdrucks kann die Klangfülle und die Tonhöhe variiert werden. Vögel mit der ausgeprägtesten Syrinxmuskulatur können am besten verschiedene komplizierte Lieder oder Rufe erzeugen. Die begabtesten unserer gefiederten Sänger haben sieben bis neun solche Muskelpaare.

In seinem Buch Das Leben der Vögel zeigt Robert Burton, warum die Gesangskunst der Vögel über unser Begriffsvermögen hinausgeht: „Ihren Höhepunkt erreicht die Klangbildung z. B. beim Teichrohrsänger oder der Rotrücken-Spottdrossel, die zwei Lieder gleichzeitig singen, wobei die beiden Syrinxhälften zur selben Zeit verschiedene Töne hervorbringen. An einer Stelle ihres Gesangvortrages erzeugt die Rotrücken-Spottdrossel sogar vier Töne auf einmal — es ist jedoch nicht bekannt, wie sie diese Leistung vollbringt.“

In den letzten 20 Jahren nahm man im allgemeinen an, der Gesang der Vögel werde allein durch die Syrinx erzeugt. Ausschließlich die „zwei Stimmen“, mit denen der Vogel gleichzeitig zwei verschiedene, voneinander unabhängige Töne artikulieren kann, waren angeblich für die Qualität und die Varianten des Gesangs verantwortlich. Nachdem die zwei Töne die Syrinx verlassen haben, müssen sie die Luftröhre hinaufwandern, bevor sie aus dem Schnabel kommen. Der Luftröhre und ihren Schwingungen wurde allerdings nicht die geringste Bedeutung beigemessen.

Als Ergebnis intensiver wissenschaftlicher Forschung ist in den letzten Jahren eine neue Theorie zutage getreten. Man spricht von einer „Zusammenarbeit der beiden Syrinxquellen“ und der Mitwirkung der Luftröhre als Resonanzraum und damit als Teil des Stimmapparats. Demnach sieht man „einen engen Zusammenhang zwischen den sich in der Syrinx abspielenden Vorgängen und dem Aufbau des übrigen Stimmapparats. Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine ständige Resonanzanpassung, die aber oft sehr schnell und genau erfolgen muß, um sich den wechselnden Mustern der die Syrinx verlassenden Laute anzupassen.“ Würde man sich jede der „Stimmen“ einzeln anhören, würde man manche Töne des fertigen Liedes nicht entdecken.

Wie der Vogel seinen Stimmfilter verändern kann, wird von Stephen Nowicki in einem Artikel der Zeitschrift Nature beschrieben: „Ein Vogel kann seinen Stimmfilter auf verschiedene Art und Weise regulieren: zum Beispiel durch das Verändern der Länge der Luftröhre, durch Zusammenziehen des Kehlkopfs oder durch Weiten des Halses und des Schnabels. Diese Veränderungen können durchaus die Kopfbewegungen erklären, die normalerweise bei Singvögeln zu beobachten sind.“ Nowicki sagt abschließend: „Im Gegensatz zu früheren Theorien muß man den Vogelgesang als koordinierte Leistung mehrerer zusammenwirkender motorischer Systeme betrachten.“

Forscher unterscheiden zwischen den Rufen von Vögeln und den klaren Pfeiftönen der Singvögel. N. H. Fletcher schreibt im Journal of Theoretical Biology, daß die reinen Pfeiftöne des Vogelgesangs wahrscheinlich nicht durch schwingende Membranen in der Syrinx entstehen, sondern durch einen völlig anderen Mechanismus; möglicherweise „durch rein aerodynamische Mittel, also ohne Hilfe von mechanisch bewegten Flächen“. Der wunderschöne Gesang einiger der Gesangskünstler wird nach wie vor nicht völlig verstanden.

Jeffrey Cynx vom Rockefeller University Field Center sagt: „Die Leser werden begeistert oder beschämt sein zu erfahren, daß manche Singvögel das absolute Gehör besitzen ... Wir haben eine Anzahl Singvogelarten auf absolutes Hören hin getestet und festgestellt, daß diese Fähigkeit häufig anzutreffen ist.“

Für sie und für uns schön

Stephen Nowicki und Peter Marler schrieben in Music Perception: „Für uns als Wissenschaftler, die wir das Tierverhalten untersuchen, steht die praktische und evolutionäre Bedeutung des Vogelgesangs als Kommunikationsmittel so sehr im Vordergrund, daß wir die ästhetischen Empfindungen, die uns diese Art natürlicher Musik vermittelt, außer acht lassen.“ Sie erinnerten daran, daß in den 20er Jahren und danach einige Wissenschaftler „die Ansicht äußerten, der Vogelgesang sollte als natürliche Kunst betrachtet werden, die sowohl der Vogel wie auch wir als schön empfinden“.

Der Subsong von brütenden Weibchen, das Duettsingen der Rotkehl-Zaunkönige in den tiefen Wäldern, die Feldlerche, die „in Gesang ausbricht, verschwenderisch in ein unvorbedacht Gedicht“, der Laubenvogel, der so täuschend echt einen Adler imitiert, daß eine Henne mit ihren Küken schnell in Deckung geht, der Melodienreigen der Spottdrossel in den frühen Morgenstunden und das überaus eindrucksvolle Morgenkonzert, das die ganze Luft mit Musik erfüllt — das ist gewiß weit mehr, als Statistiken und Sonagramme aufzeigen können. Wir verstehen sicher nicht ganz genau, wie der Vogelgesang zustande kommt, aber dieses Geheimnis sollte unsere von Herzen kommende Wertschätzung für die gefiederten Gesangskünstler und für den Gott, der sie erschaffen hat, vertiefen!

[Bilder auf Seite 16, 17]

Im Uhrzeigersinn von oben rechts: Dornastrild, Seidenlaubenvogel, Singammer, Vielfarben-Staffelschwanz, Lerchenstärling

[Bildnachweis]

Philip Green

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Philip Green

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J. P. Myers/VIREO/H. Armstrong Roberts

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T. Ulrich/H. Armstrong Roberts

[Bildnachweis auf Seite 15]

Paul A. Berquist

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