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IslandJahrbuch der Zeugen Jehovas 2005
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Predigen auf See
Kjell Geelnard lernte im Predigtdienst einen jungen Mann mit Namen Fridrik kennen. Er war der älteste Sohn der Familie, war ein gläubiger Mensch und unterhielt sich gern über die Bibel. An seinen vielen Fragen merkte man, dass er großes Interesse daran hatte, die Bibel besser kennen zu lernen. Allerdings war es nicht leicht, ihn wieder anzutreffen, denn er war Maschinist auf einem Trawler. Die meiste Zeit war er auf See, und zwischen den Fangfahrten verbrachte er nur wenige Tage zu Hause. Doch Kjell erkundigte sich immer nach den Aus- und Einlaufzeiten des Trawlers und fragte Fridriks Mutter, wann sie ihren Sohn zurückerwartete. Manchmal erwischte er Fridrik im Hafen und manchmal zu Hause. So konnte er ihm helfen, Fortschritte zu machen.
Ende 1982 war Fridrik zu einem Kongress in Reykjavík eingeladen. Inzwischen war sein Glaube an Jehova schon so weit gewachsen, dass er darum betete, Mittel und Wege zu finden, um dabei sein zu können. Ein Mann aus seiner Mannschaft, der Urlaub beantragt hatte, überlegte es sich plötzlich anders. An seiner Stelle konnte sich Fridrik freinehmen und den Kongress besuchen. Das Programm hinterließ einen tiefen Eindruck bei ihm und er war sich jetzt sicher, dass er Jehova dienen wollte.
Zu Hause angekommen, erzählte Fridrik seiner Verlobten, wie er sich entschieden hatte und wie sich das auf sein Leben auswirken würde. Er wolle sie sehr gern zur Frau nehmen, aber wenn sie sich nicht vorstellen könne, mit einem Zeugen Jehovas verheiratet zu sein, solle sie die Verlobung besser lösen. Am nächsten Morgen klopfte jemand an die Tür des Missionarheims. Draußen standen Fridrik und seine Verlobte. „Helga will die Bibel studieren!“, sagte Fridrik kurz und knapp. Die Missionare kümmerten sich darum. Noch am selben Tag bat ein jüngerer Bruder von Fridrik um ein Bibelstudium. Und in derselben Woche brachte Fridrik seine jüngste Schwester mit zur Zusammenkunft und meinte: „Unnur will die Bibel studieren!“
Fridrik hatte nun den Wunsch, sich zum Zeichen seiner Hingabe an Jehova taufen zu lassen. Zuerst musste er allerdings seine Erkenntnis vertiefen und dann die Tauffragen beantworten. Das Problem war nur, dass er die meiste Zeit auf See zubrachte. Wenn Kjell ihn nicht zu Hause besuchen konnte, dann vielleicht an seinem Arbeitsplatz. Wie könnte man das bewerkstelligen? Fridrik heuerte Kjell als Helfer im Maschinenraum des Trawlers an. So ging Kjell Anfang 1983, mit Bibel und Studienmaterial im Gepäck, an Bord der Svalbakur.
„Das Arbeiten und Predigen an Bord der Svalbakur war ein unvergessliches Erlebnis“, berichtet Kjell. „Der Arbeitstag dauerte von halb sieben morgens bis halb sieben abends. Um 12 Uhr gab es Mittagessen und sowohl vormittags als auch nachmittags hatten wir eine Kaffeepause. Wir nutzten jede freie Minute zum Studieren, und es boten sich viele Gelegenheiten, der Schiffsbesatzung Zeugnis zu geben. An den Abenden studierten wir die Bibel und besprachen biblische Themen. Manchmal gingen wir erst nach Mitternacht zu Bett. Mittags versuchten wir, uns nicht lange in der Messe aufzuhalten, damit wir in Fridriks Kajüte den Tagestext besprechen konnten.“
Bei den Männern an Bord erregte es natürlich Aufsehen, dass jetzt ein Missionar zur Mannschaft gehörte. In den ersten Tagen waren sie argwöhnisch, weil sie nicht wussten, was sie erwartete. Doch dann hörten ihm einige gespannt zu. Einer zeigte ziemlich großes Interesse. Er wollte gerne bei den Tagestextbesprechungen in der Mittagszeit dabei sein. Als sich die Männer eines Mittags etwas ausgedehnter in der Messe unterhielten, wurde er ganz ungeduldig und sagte vor allen anderen zu Kjell und Fridrik: „Können wir jetzt nicht endlich nach oben gehen und den Tagestext lesen?“
Eines Abends luden Kjell und Fridrik die Mannschaft in Fridriks Kajüte ein, um gemeinsam das Erwachet! über Alkoholismus zu besprechen. Sieben Männer folgten der Einladung. Dieses denkwürdige Treffen sprach sich sogar auf anderen Trawlern herum.
„Nach fast zwei Wochen Predigen und Arbeiten an Bord der Svalbakur liefen wir im Hafen ein“, erzählt Kjell. „In dieser Zeit hatte ich mit Fridrik die Tauffragen durchgenommen, wir waren vielen biblischen Themen auf den Grund gegangen und hatten der Mannschaft Zeugnis gegeben und Schriften verbreitet.“ Im Frühjahr 1983 ließ Fridrik sich taufen. Fridriks Mutter, seine Schwester und Helga entschieden sich ebenfalls für die Wahrheit.
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IslandJahrbuch der Zeugen Jehovas 2005
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[Bild auf Seite 238]
Rechts: Der Trawler „Svalbakur“
[Bild auf Seite 238]
Unten: Fridrik und Kjell
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