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Warum wird immer mehr gestohlen?Der Wachtturm 1993 | 15. Oktober
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Warum wird immer mehr gestohlen?
RIO DE JANEIRO — Sonntag, 18. Oktober 1992. An den berühmten Stränden Copacabana und Ipanema wimmelt es von Menschen. Plötzlich überfallen Jugendbanden die Strände und nehmen, während sie sich gegenseitig bekämpfen, den Strandbesuchern alles Wertvolle weg. Die Polizei, die in der Minderheit ist, sieht hilflos zu. Für die Cariocas (die Einheimischen) und die Touristen ist es ein Alptraum am hellichten Tag.
Eigentumsdelikte sind heute an der Tagesordnung. In Großstädten weiß man von Dieben, die Jugendliche überfallen — und sie manchmal sogar töten —, um ihnen die Turnschuhe zu stehlen. Diebe brechen ein, ob die Bewohner zu Hause sind oder nicht. Unehrliche Hausangestellte stehlen, sobald sie sich in einer Wohnung auskennen, Schmuck und Geld und verschwinden dann auf Nimmerwiedersehen. Menschenmengen plündern Geschäfte. Gut organisierte Banden begehen sogar Menschenraub, wie an den steigenden Zahlen von Entführungen in Brasilien zu erkennen ist.
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Eine Welt ohne DiebeDer Wachtturm 1993 | 15. Oktober
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Eine Welt ohne Diebe
ES GING alles sehr schnell. Ein gutgekleideter Mann hielt Antônioa vor seinem Haus in São Paulo (Brasilien) eine Schußwaffe an die Schläfe, verlangte seine Autoschlüssel und die Fahrzeugpapiere und raste davon.
In Rio de Janeiro überwältigten vier schwerbewaffnete Männer Paulo vor den Augen seiner zehnjährigen Tochter. Dann fuhren sie zu seinem Haus, drangen ein, stahlen alles, was sie wollten, und luden mit dem Diebesgut die beiden Wagen Paulos voll. Unter Morddrohungen nahmen sie Paulos Frau und eine Angestellte als Geiseln mit in die Innenstadt zum Juweliergeschäft Paulos und rissen alles Wertvolle an sich. Ganz unerwartet riefen die Diebe allerdings später an und sagten Bescheid, wo sie die Autos stehengelassen hatten.
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Eine Welt ohne DiebeDer Wachtturm 1993 | 15. Oktober
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Als ein Junge einer Brasilianerin die Uhr wegschnappte, zog die aufgebrachte Frau eine Waffe aus der Tasche und erschoß den Dieb. Wie ging die Sache aus? O Estado de S. Paulo berichtete: „Leute, die die Szene beobachtet hatten, äußerten sich anerkennend über das Verhalten der Unbekannten, und keiner wollte der Polizei helfen, sie zu identifizieren.“
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Eine Welt ohne DiebeDer Wachtturm 1993 | 15. Oktober
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Heloísa, eine Christin, war mit dem Bus zu einem Bibelstudium unterwegs. Auf einmal fingen zwei Männer an, die Insassen auszurauben. An der Haltestelle angekommen, wo Heloísa aussteigen mußte, sagte sie ihnen, sie sei eine Zeugin Jehovas und habe vor, ein Bibelstudium zu leiten. Sie zeigte ihnen ihre Bibel und das Studienhilfsmittel. Die Diebe erlaubten ihr zu gehen, ohne sie zu bestehlen. Ein anderer Fahrgast durfte dagegen nicht aussteigen. Der Busfahrer sagte später, so etwas habe er noch nie erlebt.
Auch Regina blieb ruhig, als sie von zwei bewaffneten Männern aufgefordert wurde, in ihr Auto zu steigen. Sie zeigte ihnen ihr eigenes Exemplar der Zeitschrift Erwachet! und gab ihnen Zeugnis. Die Verbrecher waren nervös, und so bat sie sie, das Handschuhfach zu öffnen, wo sie ein paar Süßigkeiten aufbewahrte. Als die Männer jedoch die Kassetten mit Königreichsmelodien sahen, wollten sie sich diese Musik anhören. Da die Atmosphäre nun entspannter war, beschlossen sie, Regina unversehrt am Straßenrand zurückzulassen, und sie versicherten ihr, daß sie bestimmt einen netten Menschen finden würde, der ihr helfen würde. Nachdem sie zehn Minuten gelaufen war, erreichte sie ein Haus, aber der Eigentümer konnte ihrer Erzählung nicht glauben und sagte: „Sie sehen nicht so aus, als wären Sie überfallen worden; Sie sind so ruhig.“
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