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Trinkgeld — Ja oder nein?Erwachet! 1986 | 22. Juni
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Eine Reisende, die früher eine Zeitlang in Brasilien gelebt hatte, fuhr nach vielen Jahren wieder einmal dorthin. Sie war sich der geringen Kaufkraft der dortigen Währung nicht bewußt. Die Inflationsrate hatte während ihrer Abwesenheit jährlich rund 200 Prozent betragen. Ohne nachzudenken, gab sie einem Mann als Trinkgeld einen 500-Cruzeiro-Schein, was ein reichliches Trinkgeld war, als sie von Brasilien wegzog. Der Mann runzelte die Stirn. Da sie nicht kleinlich sein wollte, gab sie ihm einen 1 000-Cruzeiro-Schein. Darauf erwiderte der Mann traurig: „Ach, lassen Sie es gut sein!“ Man kann sich vorstellen, wie peinlich es ihr war, als sie später erfuhr, daß ihr Trinkgeld umgerechnet nicht einmal 50 Pfennig wert war.
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Worauf beim Trinkgeld zu achten istErwachet! 1986 | 22. Juni
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BRASILIEN: Die Einstellung zum Trinkgeld ist in Brasilien von Ort zu Ort verschieden. In größeren Städten erwartet man es, während in kleineren Städten nicht soviel Wert darauf gelegt wird. „In den meisten Restaurants ist ein Bedienungsaufschlag von 10 Prozent im Preis inbegriffen“, sagt ein Oberkellner, der in einem Restaurant in der Stadt Curitiba arbeitet. „Aber im allgemeinen wird zusätzlich ein Trinkgeld gegeben.“ Das trifft auch für Friseure und Zimmermädchen zu. Ein Grund dafür ist in der Wirtschaftslage zu suchen: Das Einkommen ist gering und kann nicht mit der galoppierenden Inflationsrate von 230 Prozent Schritt halten.
Taxifahrer erhalten gewöhnlich den auf dem Taxameter angegebenen Preis, bekommen aber manchmal ein Trinkgeld, zum Beispiel, wenn sie durch eine gefährliche Gegend oder spätabends gefahren sind. Im allgemeinen ist es üblich, als Ausdruck der Dankbarkeit für gute Dienste und freundliches Verhalten ein Trinkgeld zu geben.
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