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  • Die „Ehe nach dem Gewohnheitsrecht“ in Ghana
    Erwachet! 1996 | 8. Dezember
    • In Ghana ist die üblichste Form der Ehe die „Ehe nach dem Gewohnheitsrecht“. Sie schließt ein, daß die Eltern des Bräutigams an die Brauteltern einen Brautpreis zahlen. Die Ehe nach dem Gewohnheitsrecht ist in großen Teilen Afrikas üblich, aber auch unter anderem in Hongkong, Papua-Neuguinea, auf den Salomonen und bei den Goajiroindianern im Nordosten von Kolumbien und im Nordwesten von Venezuela.

      Das Zahlen eines Brautpreises war schon in biblischer Zeit ein Brauch (1. Mose 34:11, 12; 1. Samuel 18:25). So wie damals wird der Brautpreis heute als ein Ersatz dafür angesehen, daß die Braut ihren Eltern nun keine Dienste mehr leisten kann, und er ist zugleich ein Ausgleich für die Kraft, Zeit und Mittel, die die Eltern für die Erziehung und den Unterhalt ihrer Tochter aufgewandt haben.

  • Die „Ehe nach dem Gewohnheitsrecht“ in Ghana
    Erwachet! 1996 | 8. Dezember
    • Wenn der Brautpreis gezahlt und damit die Ehe geschlossen wird, sind im Haus der Braut oder im Haus eines ausgewählten Vertreters in der Regel mehr Personen anwesend als bei der Anklopfzeremonie. Das kommt daher, weil nun viele Freunde anwesend sind.

      Es herrscht eine fröhliche Stimmung. Die jungen ledigen Männer und Frauen sind gespannt, was für die Braut gebracht wurde. Als sich die Familie der Braut beschwert, der Brautpreis sei nicht vollständig, weicht die Heiterkeit jedoch einer spannungsgeladenen Atmosphäre. Einige der Anwesenden halten den Atmen an, weil die Familie der Braut unnachgiebig zu sein scheint. Auf geschickte Weise überzeugt der Sprecher des Bräutigams sie aber davon, doch Verständnis zu zeigen. Die Familie der Braut lenkt ein, und die Atmosphäre entspannt sich wieder. Jetzt herrscht eine feierliche Stimmung, und man reicht Erfrischungen.

      Zum Auftakt der Hochzeitszeremonie bittet der Sprecher der Braut um Ruhe und heißt die Anwesenden willkommen. Er fragt die Vertreter des Bräutigams nach dem Grund ihres Kommens. Der Sprecher des Bräutigams erklärt den Grund und erinnert die Anwesenden daran, daß bereits „an der Tür angeklopft“ und die Erlaubnis erteilt wurde einzutreten.

      Beide Sprecher stellen den Anwesenden nun nahe Verwandte vor sowie die Person, die die Braut dem Bräutigam zuführt, und denjenigen, der dem Bräutigam zur Seite steht. Dann fährt man mit der Zeremonie fort.

      Vertreter der Braut (spricht zu den Vertretern des Bräutigams): „Bitte zeigt die Hochzeitsgaben, um die wir baten.“

      Der Vertreter der Braut zählt auf, woraus sich der Brautpreis zusammensetzt, damit sich jeder davon überzeugen kann, daß alles gebracht wurde. Sind die Vertreter des Bräutigams der Meinung, die Familie der Braut hätte zu hohe Forderungen gestellt, wird dies bereits vor dem Hochzeitstag privat geregelt. Die Familie des Bräutigams ist jedenfalls darauf eingestellt, irgendwelche geforderten Extragaben herunterzuhandeln, falls jemand von der Familie der Braut Schwierigkeiten machen sollte. Ganz gleich, wo Braut und Bräutigam leben, der Brautpreis — ob niedrig oder hoch — ist in voller Höhe zu bezahlen.

      Manche Familien verlangen Getränke, Kleidungsstücke, Halsketten, Ohrringe und anderen Frauenschmuck. Im Norden Ghanas kann der Brautpreis Salz, Kolanüsse, Perlhühner, Schafe oder sogar Rinder beinhalten. Zum Brautpreis gehört auch ein feststehender Bargeldbetrag.

      Die Braut ist zwar nicht direkt dabei, wenn bei der Hochzeitszeremonie verhandelt wird, aber sie hält sich in der Nähe auf und sieht zu. Der Bräutigam muß nicht unbedingt zugegen sein. Demnach könnte ein Mann, der weit weg lebt, seine Eltern autorisieren, einen Ehevertrag in seinem Namen abzuschließen. Bei der hier geschilderten Zeremonie ist der Bräutigam jedoch zugegen. Nun ist es seine Familie, die etwas fordert.

      Vertreter des Bräutigams: „Wir haben alle Forderungen erfüllt, aber wir haben unsere Schwiegertochter bisher nicht gesehen.“

      Die Hochzeitszeremonie ist nicht nur ein ernster Anlaß; sie bietet auch Gelegenheit, etwas Spaß zu haben. Die Familie der Braut antwortet jetzt auf die Forderung der Familie des Bräutigams, die Braut zu sehen.

      Vertreter der Braut: „Wir wünschten, die Braut wäre hier. Leider ist sie ins Ausland gereist, und wir haben nicht die nötigen Papiere, um sie die Rückreise antreten zu lassen.“

      Jeder weiß, was das bedeutet. Sofort bietet die Familie des Bräutigams einen Geldbetrag an — irgendeinen Betrag, den der Bräutigam aufbringen kann —, und, Simsalabim, die imaginären Papiere sind da. Zurück ist die Braut von ihrer „Reise“!

      Bei verschiedenen Stämmen geben sich einige Freundinnen der Braut für diese aus, um den Spaß noch zu vergrößern. Jede unechte Braut wird von den Eingeladenen gehörig ausgebuht, bis sich die echte Braut zeigt, die brausenden Beifall erntet. Ihr Sprecher lädt die Braut ein, sich die verschiedenen Gaben, aus denen der Brautpreis besteht, anzusehen. Sie wird gefragt, ob die Gaben des Bräutigams angenommen werden sollen. Es wird mucksmäuschenstill, denn jeder wartet gespannt auf ihre Antwort. Einige junge Frauen sind schüchtern, andere treten selbstbewußt auf, doch die Antwort lautet immer: „Ja“, gefolgt von stürmischem Applaus.

      Wohnt der Bräutigam der Zeremonie bei, wird die Familie der Braut verlangen, ihn zu sehen. Der Spaß geht weiter, wenn geplant wurde, daß sich ein Freund des Bräutigams für diesen ausgibt. Mit wichtiger Miene richtet sich der Freund auf, wird aber auch sofort ausgebuht.

      Die Eltern der Braut verlangen, ihren Schwiegersohn zu sehen. Daraufhin steht der richtige Bräutigam auf und blickt strahlend in die Menge. Die Familie der Braut erlaubt ihr, zum Bräutigam zu gehen, der ihr einen Ring an den Ringfinger steckt, falls dieser ein Teil des verlangten Brautpreises ist. Das Anstecken eines Ringes wurde von der westlichen Welt übernommen. Die Braut steckt ihrerseits dem Bräutigam einen Ring an. Alle freuen sich, und Glückwünsche werden übermittelt. Aus praktischen und wirtschaftlichen Erwägungen legen heute manche die Anklopf- und die Hochzeitszeremonie auf den gleichen Tag.

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