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Bangkok — Wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffenErwachet! 1988 | 8. Januar
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Die vermischten Glaubensansichten und religiösen Vorstellungen haben die Einstellung und das Denken der Thai in vielerlei Hinsicht geformt. Obwohl in den Augen der Buddhisten das Leben hauptsächlich aus Leid besteht, halten die Thai viel von sanuk (Vergnügen oder Spaß). Dies führt bei ihnen zu einer sorglosen und gelassenen Lebensauffassung. Wenn das auch mitunter hilfreich ist, so trägt es allerdings nicht zu einem reibungslosen Verkehr und zur Beachtung notwendiger Gesetze bei. Die Einstellung mai pen rai („Das macht nichts“) oder tam sabai („Immer mit der Ruhe“) hilft weder Probleme wie die Unordnung zu lösen, noch ermutigt sie zu weitsichtiger Planung.
Andererseits erklärt sich das geduldige Ertragen unerfreulicher Verhältnisse daraus, daß die Thai der Ansicht sind, vergangene Karma (Taten) seien für Unglück verantwortlich. Nicht nur scheint der Bauer mit seinem schweren Los im Leben zufrieden zu sein, sondern auch der durchschnittliche Autofahrer in der Stadt ärgert sich kaum darüber, wenn sich jemand mit seinem Auto direkt vor ihn setzt. Die Insassen eines überfüllten Busses lassen sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, wenn das Fahrzeug während der stickigen Nachmittagshitze in einem der vielen Staus steckenbleibt. Diese Einstellung wird passenderweise als jai yen (kühler Kopf) bezeichnet.
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Bangkok — Wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffenErwachet! 1988 | 8. Januar
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Das religiöse Leben
Etwa 95 Prozent der Thai sind Buddhisten. Das erste, was einem Besucher daher auffallen wird, ist die große Zahl glitzernder Tempel oder Wats mit den übereinander gelegten, spitz zulaufenden Stapeldächern und den reichverzierten Giebeln. Etwa 400 der 30 000 buddhistischen Klöster des Landes befinden sich in Bangkok. Am berühmtesten ist der Tempel des Smaragd-Buddha. Es handelt sich um die königliche Kapelle, die Thailands meistverehrten Gegenstand birgt, eine 61 Zentimeter hohe Buddhastatue aus grünem Kristall. Sie wird als so heilig betrachtet, daß der König persönlich ihre drei verschiedenen Gewänder wechselt — jeweils zu Beginn der regnerischen, der kalten und der heißen Jahreszeit.
An einer der belebtesten Kreuzungen der Stadt steht Bangkoks bekanntestes Heiligtum mit einer vergoldeten Statue der vierköpfigen Hindu-Gottheit Brahma. Buddhismus und Hinduismus sind hierzulande von Anfang an verschmolzen gewesen.
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Bangkok — Wo Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffenErwachet! 1988 | 8. Januar
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Safrangelb gekleidete Mönche, die ihre allmorgendlichen Almosengänge machen, gehören in Bangkok zum Straßenbild. Viele junge Männer ehren nach wie vor die Tradition und leben für kurze Zeit als Mönche. Dies tun sie während ihres Urlaubs bei voller Bezahlung durch den Arbeitgeber.
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