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Der Buddhismus — Die Suche nach Erleuchtung ohne GottDie Suche der Menschheit nach Gott
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Die Erleuchtung — Wodurch kam sie?
14. Wodurch trat in Gautamas Leben eine Wende ein?
14 Was war der zuvor erwähnte „Wendepunkt in seiner Laufbahn“? Die Wende trat ein, als Siddhārtha zum ersten Mal in seinem Leben einen Kranken, einen Greis und einen Toten sah. Diese Erfahrung ließ in ihm eine quälende Frage über den Sinn des Lebens aufsteigen: Wird der Mensch nur geboren, um zu leiden, alt zu werden und zu sterben? Dann soll Siddhārtha einem heiligen Mann begegnet sein, der auf der Suche nach Wahrheit den Freuden der Welt entsagt hatte. Das gab ihm den Anstoß, seine Familie, seinen Besitz und seinen königlichen Namen aufzugeben. Die folgenden sechs Jahre brachte er bei Lehrern des Hinduismus und bei Gurus zu, von denen er sich eine Antwort erhoffte, jedoch ohne Erfolg. In den Erzählungen heißt es, daß er sich der Meditation hingab, fastete, Joga betrieb und sich in strengster Askese übte. Trotzdem fand er keinen inneren Frieden und erlangte keine Erleuchtung.
15. Wie gelangte Gautama schließlich zu der angeblichen Erleuchtung?
15 Schließlich kam er zu der Erkenntnis, daß strenge Askese ebenso nutzlos war wie das von ihm zuvor geführte Leben in Überfluß. Jetzt verfolgte er den „mittleren Weg“, wie er ihn nannte, und mied sowohl die eine als auch die andere extreme Lebensweise. Er war überzeugt, daß es eine Antwort auf seine Frage gab, daß er sie aber nur durch Meditation finden konnte. Deshalb ließ er sich unter einem Pipalbaum, einem indischen Feigenbaum, nieder und gab sich der Meditation hin. Er widerstand allen Angriffen und Versuchungen des Teufels Mara und setzte seine Meditation vier Wochen (einige sagen sieben Wochen) beharrlich fort, bis er angeblich alle Erkenntnis und alles Verständnis überschritten hatte. Dann gelangte er zur Erleuchtung.
16. (a) Was wurde Gautama? (b) Welche unterschiedlichen Ansichten werden über Buddha vertreten?
16 Auf diese Weise wurde Gautama gemäß buddhistischer Terminologie zum Buddha — zum Erwachten oder Erleuchteten. Er hatte das endgültige Ziel, das Nirwana, erreicht, einen Zustand vollkommenen Friedens und der Erleuchtung, frei von Begierde und Leiden. Er wurde auch als der Sākyamuni (der Weise der Sākya [des Schakja-Stammes]) bekannt, und oft redete er von sich als dem Tathagata (der so [zum Lehren] Gegangene). Die verschiedenen buddhistischen Sekten sind darüber jedoch unterschiedlicher Ansicht. Einige sehen in ihm nur einen Menschen, der für sich selbst den Weg zur Erleuchtung fand und ihn dann seine Nachfolger lehrte. Andere betrachten ihn als den letzten einer Reihe von Buddhas, die in die Welt gekommen seien, um dharma (Pali: dhamma), die Lehre oder den Weg Buddhas, zu verkünden oder wiederzubeleben. Wieder andere sehen ihn als einen Bodhisattwa an, einen, der Erleuchtung erlangt hatte, aber das Eingehen ins Nirwana hinausschob, um anderen bei ihrer Suche nach Erleuchtung zu helfen. Wie dem auch sei, dieses Ereignis, die Erleuchtung, nimmt in allen buddhistischen Schulen einen äußerst wichtigen Platz ein.
Die Erleuchtung — Was ist damit gemeint?
17. (a) Wo und vor wem hielt Buddha seine erste Predigt? (b) Umreiße kurz die „vier edlen Wahrheiten“.
17 Nach seiner Erleuchtung begann Buddha nach anfänglichem Zögern, andere seine neugefundene Wahrheit, dharma, zu lehren. In einem Hirschpark bei Benares hielt er vor fünf Bhikkhus — Jüngern oder Mönchen — seine erste und wahrscheinlich auch seine bedeutendste Predigt. Darin lehrte er, daß man, um Erlösung zu finden, den Weg des sinnlichen Vergnügens sowie den Weg der Askese meiden und den „mittleren Weg“ gehen müsse. Außerdem müsse man die „vier edlen Wahrheiten“ verstehen und beachten (siehe den Kasten auf der gegenüberliegenden Seite), die auf folgende Weise kurz zusammengefaßt werden können:
1. Alle Existenz ist von Leiden gekennzeichnet.
2. Leiden entstehen aus einem Verlangen oder einer Gier.
3. Die Aufhebung der Gier hebt das Leiden auf.
4. Der Weg zur Aufhebung des Leidens ist der „achtfache Pfad“, durch den das Verhalten, das Denken und das Glauben geregelt wird.
18. Was sagte Buddha über die Quelle seiner Erleuchtung? (Vergleiche Hiob 28:20, 21, 28; Psalm 111:10.)
18 Diese Predigt über den „mittleren Weg“ und über die „vier edlen Wahrheiten“ stellt das Wesentliche der Erleuchtung Buddhas dar und bildet den Inhalt der gesamten Lehren Buddhas. (Im Gegensatz dazu vergleiche Matthäus 6:25-34; 1. Timotheus 6:17-19; Jakobus 4:1-3; 1. Johannes 2:15-17.) Gautama behauptete nicht, daß er für seine Predigt von Gott inspiriert worden sei, aber mit den Worten „hat der Tathāgata die Kenntnis ... gewonnen“ gibt er sich selbst die Ehre. Es heißt, daß Buddha auf seinem Sterbebett zu seinen Jüngern sagte, sie sollten „zur Wahrheit stehen ... als zu ... [ihrer] Richtschnur ... und zu niemandem Zuflucht suchen ... außer zu sich selbst“. Nach den Worten Buddhas kommt also die Erleuchtung nicht von Gott, sondern dadurch, daß man sich persönlich bemüht, richtiges Denken zu entwickeln und gute Taten zu vollbringen.
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[Kasten auf Seite 139]
Die „vier edlen Wahrheiten“ Buddhas
Buddha erläuterte seine grundlegende Lehre durch die sogenannten „vier edlen Wahrheiten“. Es folgt ein Zitat aus dem dhamma-cakka-ppavattna-sutta (G. J. Bellinger, Der große Religionsführer, München 1986, S. 68):
▪ „Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden; mit Unlieben vereint sein ist Leiden. Von Lieben getrennt sein ist Leiden. Nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden. ...
▪ Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Entstehung des Leidens: es ist der die Wiedergeburt erzeugende Durst, begleitet von Wohlgefallen und Begier, der hier und dort seine Freude findet: nämlich der Durst nach Lust, der Durst nach Werden und Dasein ...
▪ Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Die Aufhebung dieses Durstes durch restlose Vernichtung des Begehrens, ihn fahren lassen, sich seiner entäußern, sich von ihm lösen, ihm keine Stätte gewähren.
▪ Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von dem Weg, der hinführt zur Aufhebung des Leidens: Es ist dies der edle ,achtfache Pfad‘, der da heißt: rechtes Glauben, rechtes Denken, rechtes Sprechen, rechtes Tun, rechtes Leben, rechtes Streben, rechte Konzentration, rechtes Sichversenken.“
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