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Ich lernte die wahre Weisheit schätzenErwachet! 1988 | 22. November
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ALS ich ein kleiner Junge war, erregte ich die Aufmerksamkeit eines buddhistischen Mönchs, und er empfahl, mich Panya zu nennen, was auf Thai „Verstand“ oder „Weisheit“ bedeutet. Da meine Eltern fromme Buddhisten waren, änderten sie natürlich gern meinen Namen um.
In Thailand, wo ich vor 60 Jahren zur Welt kam, bekennen sich über 90 Prozent der Bevölkerung zum Buddhismus. Der Buddhismus kam vor etwa 2 500 Jahren in Indien auf, und dann breitete er sich über viele Teile Asiens aus. Er stellt etwas Besseres in Aussicht — die Befreiung von Leiden —, etwas, was angeblich durch persönliche Bemühungen erreicht wird.
Gemäß der buddhistischen Lehre bestimmen die Taten (Karma) eines Menschen im gegenwärtigen Leben und in vergangenen Leben jemandes jetzige Existenzform. Das Begehren wird als die Ursache allen Leidens betrachtet; das Ziel ist also, alles Begehren zu überwinden. Um das zu erreichen, sind mehrere Existenzen oder Reinkarnationen erforderlich, bis der Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburten vollzogen und ein Zustand erreicht ist, der als Nirwana bezeichnet wird; Nirwana bedeutet für viele das Nichtsein.
Gautama Buddha behauptete, er habe dadurch, daß er „erleuchtet“ worden sei, die Wahrheit gefunden, und Buddhisten glauben, daß es der Weg der Weisheit sei, wenn man seiner Lehre folge.
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Ich lernte die wahre Weisheit schätzenErwachet! 1988 | 22. November
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Früher religiöser Einfluß
Zu Beginn eines jeden Schultages wurde die Fahne gehißt und die Nationalhymne gesungen. Danach sprach die Klasse ein Gebet in Pali, der religiösen Sprache des Buddhismus. Der Lehrplan sah auch Unterricht in buddhistischen Prinzipien der Ethik und der Moral vor; ansonsten erhielten wir nicht viel religiöse Unterweisung.
In den meisten buddhistischen Wohnungen befindet sich ein kleiner Altar mit einem Bildnis von Buddha, der dem täglichen Gebet und der Meditation dient. Hier werden Kerzen angezündet, und es wird Weihrauch verbrannt. Familien chinesischer Herkunft haben gewöhnlich noch weitere Altäre, die in Verbindung mit der Ahnenverehrung und der Beschwichtigung verschiedener Geister und Gottheiten verwendet werden.
Da die Buddhisten glauben, in allen Religionen finde man etwas Gutes, nehmen sie leicht Vorstellungen und Bräuche an, von denen sie meinen, daß sie gut und ihnen in irgendeiner Weise von Nutzen seien. So kommt es, daß in Thailand viele Leute nicht nur in einem buddhistischen Tempel Anbetung darbringen, sondern auch in einem oder in mehreren chinesischen oder brahmanischen Heiligtümern.
Meine Angehörigen waren zwar nicht sonderlich religiös, aber der Einfluß der Religion machte sich in unserem Leben ständig bemerkbar. Zum Beispiel besuchten uns täglich kurz nach Tagesanbruch kahlgeschorene Mönche in safrangelben Kutten und baten um Almosen. Sie gingen barfuß die Straße entlang oder fuhren mit einem Boot auf dem klong und hielten an den Häusern an, wo ihre Almosenschüsseln mit Reis oder anderen Speisen gefüllt wurden.
Schon in sehr jungen Jahren wurde ich gelehrt, den buddhistischen Mönchen Respekt zu zollen, weil sie nach Ansicht der Allgemeinheit das Leben Buddhas nachahmen. Man schreibt ihnen große Weisheit zu, und es wurde erwartet, daß wir ihre Meinung und ihren Rat hoch einschätzten.
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[Bild auf Seite 25]
Buddhisten glauben, daß man sich durch die Unterstützung der Mönche Verdienste erwirbt
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