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Warum muß ich ständig an mein Gewicht denken?Erwachet! 1999 | 22. April
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Anorexia ist allerdings nicht die einzige Eßstörung und auch nicht die häufigste. An Bulimia nervosa oder Eß-Brech-Sucht leiden annähernd dreimal so viele Mädchen wie an Anorexia. Dann gibt es noch die Fettsucht, die eng mit der Bulimie verwandt ist. Sehen wir uns diese drei Krankheiten einmal näher an.
Das heimliche Leiden
„Eine Freundin hat mir letztens anvertraut, daß sie sich Essen zusammensucht und dann heimlich futtert. Anschließend zwingt sie sich zum Erbrechen. Sie behauptet, sie tut das seit zwei Jahren.“ So beschrieb eine Jugendliche in einem Brief an die Ratgeberseite einer Zeitschrift die typischen Symptome einer Eßstörung mit Namen Bulimie.
Bulimiker stopfen in kurzer Zeit Unmengen von Essen in sich hinein. Dann versuchen sie, die Nahrung wieder loszuwerden — oft durch selbst herbeigeführtes Erbrechen.c Sicher ein abstoßender Gedanke, den Magen auf diese Art und Weise zu leeren. Doch die Sozialarbeiterin Nancy J. Kolodny schreibt: „Je häufiger die Freß- und Abführzyklen sind, desto einfacher wird es. Der anfängliche Ekel oder sogar die anfängliche Angst davor weicht schnell einem zwanghaften Drang, dieses bulimische Verhaltensmuster zu wiederholen.“
Jemand hat Anorexia und Bulimie als „die beiden Gesichter ein und derselben Störung“ bezeichnet. Obwohl die Symptome voneinander abweichen, ist bei beiden Störungen das zwanghafte Beschäftigtsein mit Nahrung die Triebkraft.d Im Unterschied zur Anorexia ist die Bulimie jedoch viel leichter zu verbergen. Schließlich verhindern die Eßattacken ja eine Gewichtsabnahme und das Abführen eine Zunahme. Deshalb sind Bulimiker in der Regel weder dick noch dünn, und anderen erscheinen ihre Eßgewohnheiten recht normal. Eine Frau mit Namen Lindsey sagt: „Neun Jahre lang habe ich vier- bis fünfmal am Tag gefressen und gebrochen. ... Keiner wußte von meiner Bulimie, denn dadurch, daß ich ein Durchschnittsgewicht hatte und mich nach außen hin kompetent und glücklich gab, hielt ich sie sorgsam verborgen.“
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Warum muß ich ständig an mein Gewicht denken?Erwachet! 1999 | 22. April
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Gesundheitliche Gefahren
Von allen drei Eßstörungen geht eine ernsthafte Gefährdung der Gesundheit aus. Anorexia kann schwere Unterernährung nach sich ziehen und endet in vielen Fällen tödlich — laut Schätzungen bei bis zu 15 Prozent. Eßanfälle mit oder ohne Abführen schaden der Gesundheit. Fettsucht kann über kurz oder lang zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und sogar einigen Arten von Krebs führen. Bei gewolltem Erbrechen besteht die Gefahr eines Risses der Speiseröhre, und der Mißbrauch von abführenden und harntreibenden Mitteln kann in Extremfällen Herzstillstand verursachen.
Doch es ist noch ein anderer Aspekt von Eßstörungen zu beachten. Magersüchtige, Bulimiker und Fettsüchtige sind meistens unglücklich. Oft haben sie ein geringes Selbstwertgefühl und leiden unter Ängsten und Depressionen. Sie brauchen eindeutig Hilfe. Aber wie können Eßgestörte davon loskommen, ständig an ihr Gewicht zu denken? Mit dieser Frage wird sich demnächst ein Artikel der vorliegenden Serie befassen.
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