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  • Erwachet! 1994
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Erwachet! 1994
g94 8. 4. S. 20-22

Kanadas grandiose „schwimmende Straße“

VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN KANADA

„Was ist das für ein Fluß?“ „Ein Fluß, der nie endet“, antwortete der einheimische Führer.

MAN schrieb das Jahr 1535. Der Entdeckungsreisende Jacques Cartier konnte damals nicht ahnen, daß die Wasserstraße, die er gerade kartographierte, einmal zu den wichtigsten Wasserstraßen Nordamerikas zählen würde. Dieser Fluß war damals die erste breite Wasserstraße für Pelzhändler und Kolonisten; heute fahren darauf riesige Ozeanfrachter. Der Fluß ist an der Mündung über 130 Kilometer breit und hat vom Atlantik bis zum Ontariosee im Landesinneren eine Länge von etwa 1 200 Kilometern.

Laut Geschichtsbüchern erhielt die majestätische Wasserstraße ihren Namen — Sankt Lorenz — von Cartier. Mit der Zeit wurden sowohl der Strom als auch der Golf an der Mündung so bezeichnet.

Entlang des Sankt-Lorenz-Stroms liegen einige der reizvollsten Landschaften Nordamerikas. Steil abfallende Felsklippen und zerklüftete Täler bilden einen der größten Fjorde der Welt, den fast 100 Kilometer langen Saguenay-Fjord. Vom Norden her vereinigt sich der mächtige Saguenay mit dem Sankt-Lorenz-Strom zu einer Trichtermündung, wo die Flußwasser der Gezeitenströmung des Atlantiks begegnen.

Meeresbiologen sagen, daß an dieser Stelle unter Wasser zwei Welten zusammentreffen. In einer Tiefe von 500 Metern strömt kaltes, salziges Meerwasser herein, steigt dann hoch und vermischt sich mit dem Süßwasser der Flüsse. In der Trichtermündung gedeihen Meeresflora und -fauna. Belugas (Weißwale), Zwergwale, Finnwale und riesige Blauwale leben hier ziemlich dicht beieinander. Sonst leben diese vier Walarten Hunderte von Kilometern voneinander entfernt. Kein Wunder, daß in einem der letzten Jahre 70 000 Touristen auf dem Sankt-Lorenz-Strom auf Walschau gegangen sind!

Ein solch ungewöhnliches Nebeneinander von Pflanzen, Vögeln und anderen Tieren wie in und an dem Fluß findet man sonst nur selten auf der Erde. Hier gibt es Hunderte von Fischarten, über 20 Amphibien- und Reptilienarten und 12 Arten von Meeressäugetieren. Rund 300 Vogelarten sollen die Flußufer und Sümpfe bevölkern. Zugvögel wie Schneegänse und Enten kommen zu Tausenden herbeigeflogen.

Etwas weiter stromaufwärts erheben sich hinter den Flußufern die bläulichen Silhouetten der stillen Berge. Dunkle Wälder säumen die Ufer. Majestätische Inseln halten auf dem breiten Kanal Wache. Farmen, Dörfer und Städte reihen sich an den Flußufern.

Von Montreal aus landeinwärts über eine Strecke von 160 Kilometern jagt eine Stromschnelle die andere. Danach verläuft die Fahrt wieder etwas gemächlicher durch ein 60 Kilometer langes Gewässer, das von den sogenannten Thousand Islands übersät ist (in Wirklichkeit sind es fast zweitausend).

Verkehr auf der Wasserstraße

Bereits 1680 sprachen europäische Siedler davon, die Wasserstraße hinter Montreal für die Schiffahrt auszubauen und Kanäle anzulegen, um die Stromschnellen umfahren zu können. Fast 300 Jahre später, im Jahr 1959, ging dieser Traum mit der Eröffnung des Sankt-Lorenz-Seeweges in Erfüllung. Er wird als eine der großen technischen Leistungen der Welt gerühmt.

Um die 293 Kilometer lange Wasserstraße fertigzustellen, wurden zwischen Montreal und dem Ontariosee sieben neue Schleusen gebaut. Dazu mußten mindestens 150 Millionen Kubikmeter Erd- und Felsmasse bewegt werden, die, würde man sie gleichmäßig auf ein kleineres Fußballfeld aufschichten, einen rund 35 Kilometer hohen Berg ergeben würden. Mit dem Beton, der für die Schleusen verwandt wurde, könnte man eine vierspurige Straße von London nach Rom bauen.

Jacques LesStrang zitierte in seinem Buch Seaway—The Untold Story of North America’s Fourth Seacoast einen Kapitän mit den Worten: „In der ganzen Welt gibt es keine vergleichbare Wasserstraße. Sie ist nicht leicht zu befahren, aber die Erhabenheit des Flusses, das Donnern der Niagarafälle und die endlose Kette von Seen und Inseln macht sie überaus reizvoll.“

Schiffe, die die ausgebaute Wasserstraße nach Duluth/Superior auf der amerikanischen Seite des Oberen Sees hinauffahren, werden — wie in einem Aufzug — auf eine Höhe von 180 Metern über dem Meeresspiegel gehoben, was der Höhe eines 60 Stockwerke hohen Wolkenkratzers entspricht. Die gesamte Fahrstrecke vom Atlantik bis ins Landesinnere ist 3 700 Kilometer lang.

Die Städte, an denen die Wasserstraße vorbeiführt, haben von dem Schiffsverkehr finanziell profitiert. In dem Buch The Great Lakes/St. Lawrence System heißt es: „Innerhalb der binationalen Grenzen liegt das industrielle Herzstück Kanadas und der Vereinigten Staaten, in dem über 100 Millionen Menschen leben und das die größte Goldgrube der westlichen Welt ist.“

Zu den über 150 Häfen entlang der Wasserstraße vom Atlantik bis zum Oberen See gehören Quebec, Montreal, Toronto, Hamilton, Sault Sainte Marie und Thunder Bay (in Kanada) sowie Buffalo, Erie, Cleveland, Detroit, Chicago und Duluth/Superior (in den Vereinigten Staaten). Schiffe von Casablanca, Le Havre, Rotterdam und anderen Orten befördern jährlich Millionen von Tonnen Kargo auf dem Sankt-Lorenz-Strom. Die Wasserstraße schafft Zehntausende von Arbeitsplätzen und bringt jährlich Einnahmen in Milliardenhöhe.

Warnrufe

Nach über 30 Jahren Schiffahrt auf der Wasserstraße sind nun allerdings Warnrufe laut geworden. Über Jahrhunderte hinweg ist der Sankt-Lorenz-Strom samt seinem Wasserreservoir, den Großen Seen, „als Abwasserkanal und Müllkippe verwendet“ worden, behauptet die Organisation Environment Canada. Bis vor kurzem konnte der „große Fluß“ das noch verkraften.

Große Frachter haben ihren Ballast in die Süßwasserseen und in den Strom entleert. Industriebetriebe und Städte entlang des Seeweges haben giftige Chemikalien in den Fluß geleitet. Landwirtschaftliche Betriebe haben ihre Abwässer hineingekippt. All das zusammen hat den Strom in Gefahr gebracht.

In dem Maße, wie Schadstoffe in den Fluß geleitet wurden, dezimierten sich auch die Fischbestände. Mit der Zeit wurde das Schwimmen im Fluß verboten. Dann durfte man bestimmte Fische und Schalentiere nicht mehr essen. Schließlich entstanden Bedenken wegen des Trinkwassers aus dem Strom. Bestimmte Tier- und Pflanzenarten waren nun offiziell gefährdet. Aufgrund der Schadstoffe im Wasser erkrankten einige Belugas und wurden tot an Land gespült.

Säuberung der Wasserstraße

Die Botschaft des Flusses war eindeutig. Für die grandiose „schwimmende Straße“ mußte etwas getan werden. Die kanadische Regierung reagierte daher 1988 mit einem Sankt-Lorenz-Aktionsplan, der die Säuberung des Stroms durch ein Erhaltungs-, Schutz- und Sanierungsprogramm vorsah, vor allem zwischen Montreal und dem Atlantik.

Inzwischen werden ständig neue Pläne für das Überleben gefährdeter Arten erstellt. Landschaftsschutzgebiete sollen das erhalten, was noch übriggeblieben ist. Dort, wo der Saguenay auf den Sankt-Lorenz-Strom trifft, wurde zur Erhaltung des Lebensraumes der außergewöhnlichen Pflanzen- und Tierwelt im Meer der innovative Saguenay-Meerespark gegründet.

Neue Vorschriften wurden erlassen. Die Industrie mußte innerhalb einer bestimmten Frist dafür sorgen, daß sie 90 Prozent weniger Schadstoffe in den Fluß leitete. Gegenwärtig werden neue Technologien entwickelt, um die Verschmutzung einzudämmen. Der durch Schadstoffe im Flußsediment oder durch ausgebaggertes Erdreich verseuchte Boden wird gesäubert. In einigen Gebieten sollen an den Ufern unter Verwendung von gereinigtem Sediment neue Lebensräume für die Pflanzen- und Tierwelt geschaffen werden. Außerdem unternimmt man etwas, um die Zahl und die Bewegungen der Tausende von Touristen zu steuern, die Jahr für Jahr den Fluß besichtigen.

Der Schaden kann wiedergutgemacht werden. Vor allem deshalb, weil sich der Fluß im Gegensatz zu den von Menschen gebauten Straßen selbst reinigt, sofern er nicht weiter verschmutzt wird. In erster Linie muß sich die Einstellung der Industriellen und der gewöhnlichen Verbraucher ändern, die von dem Handelsverkehr auf dem Strom und auf den Großen Seen profitieren.

Eine Erfolgsmeldung gibt es bereits. Die Belugas sind zwar nach wie vor gefährdet, aber nachdem die Zahl von 5 000 auf ganze 500 abgesackt war, steigt sie nun wieder an.

Das Bewußtsein der Öffentlichkeit für die ehemalige Schönheit des Stroms und den Schaden, der seinen natürlichen Reichtümern zugefügt wurde, ist geweckt worden. Wird dieses Bewußtsein ausreichen, um die Sanierungsarbeiten auch in Zukunft durchzuziehen? Das wird geschehen, wenn der Mensch die Schöpfungswerke Gottes achtet und schätzt.

[Bildnachweis auf Seite 20]

Mit frdl. Gen. der St. Lawrence Seaway Authority

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