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Karneval feiern — Richtig oder falsch?Erwachet! 1996 | 8. Juni
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„MAN kann einfach nicht widerstehen“, sagt Michael. „Die Musik reißt einen vom Stuhl, geht in die Beine, steigt in den Kopf — das Karnevalsfieber hat einen gepackt!“ Ja, das Karnevalsfieber reißt Millionen von Menschen in der ganzen Welt mit, aber nirgendwo ist es so heftig wie in dem Land, in dem Michael lebt — in Brasilien. In der Woche vor dem Aschermittwoch zieht Brasilien sein prächtigstes Kostüm an, wirft seine Uhren und Kalender weg und stürzt sich in ein Spektakel, das das Land von den Wäldern des Amazonas bis hin zu den Stränden von Rio de Janeiro erzittern läßt. Dann ist die Zeit, zu singen, Samba zu tanzen und alles andere zu vergessen.
„Das ist ein Grund, warum der Karneval so beliebt ist“, erklärt Michael, der selbst jahrelang begeistert Karneval gefeiert hat. „Der Karneval läßt die Leute ihr Elend vergessen.“ Und für Millionen von armen Menschen, die nicht genügend Wasser, keinen Strom, keine Arbeit und keine Perspektiven haben, gibt es jede Menge zu vergessen. Für sie ist Karneval wie Aspirin: Es löst vielleicht nicht die Probleme, betäubt aber zumindest den Schmerz. Interessant ist auch die Ansicht einiger katholischer Geistlicher zum Thema Karneval — ein Bischof sagte, Karneval sei „für das psychische Gleichgewicht der Menschen sehr nützlich“. Das erklärt, warum viele meinen, Karneval sei eine hilfreiche und legitime Ablenkung. Was sagt jedoch die Bibel über das Karnevalfeiern?
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Karneval feiern — Richtig oder falsch?Erwachet! 1996 | 8. Juni
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Sind derartige gelagefördernde Merkmale auch Bestandteil heutiger Karnevalsfeiern? Hierzu seien einige Zitate aus Presseberichten über Karnevalsfeiern erwähnt: „Äußerst ausgelassene Menschenmenge“. „Vier Tage lang Sauforgien abgehalten und die Nächte durchgefeiert“. „Faschingskater kann bei manchen Feiernden mehrere Tage anhalten.“ Der „ohrenbetäubende Lärm in nächster Nähe läßt selbst die Konzerte von Heavy-metal-Gruppen ... verblassen“. „Heutzutage ist jede Karnevalsfeier ohne Homosexuelle wie ein Pfeffersteak ohne Pfeffer.“ „Karneval ist ein Synonym für Nacktheit geworden.“ In Karnevalstänzen wurden „Masturbation ... und verschiedene Formen des Geschlechtsverkehrs“ dargestellt.
Ja, die Ähnlichkeiten zwischen den heutigen Karnevalsfeiern und jenen Festen in alter Zeit sind so verblüffend, daß sich ein Bacchant fast zu Hause fühlen würde, wenn er plötzlich inmitten einer Karnevalsparty aufwachte. Und das sollte uns nicht überraschen, meint der brasilianische Fernsehproduzent Cláudio Petraglia, denn die heutigen Karnevalsfeiern haben, wie er sagt, „ihren Ursprung in den Feiern des Dionysos und des Bacchus, und in Wirklichkeit ist der Karneval nichts anderes“. In der New Encyclopædia Britannica heißt es, der Karneval hänge möglicherweise mit dem alten römischen Fest der Saturnalien zusammen. Auch wenn der Karneval heute einer anderen Zeit angehört, verbindet ihn mit seinen Vorläufern eine Gemeinsamkeit. Welche? Schwelgereien oder Gelage.
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