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Familienplanung gewinnt weltweit an AktualitätErwachet! 1993 | 22. Februar
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Familienplanung gewinnt weltweit an Aktualität
„Die Familienplanung könnte mehr Menschen für weniger Geld mehr nützen als irgendeine andere Technik, die den Menschen heute zur Verfügung steht. ... Das wäre selbst dann der Fall, wenn es das Problem der Überbevölkerung nicht geben würde“ (The State of the World’s Children 1992).
FRÜHER wurde es als wünschenswert angesehen, viele Kinder zu haben. Als Rebekka vor fast viertausend Jahren Mesopotamien verließ, um Isaak zu heiraten, wurde sie von ihrer Mutter und ihrem Bruder mit folgenden Worten gesegnet: „O du, unsere Schwester, mögest du zu Tausenden mal zehntausend werden“ (1. Mose 24:60). Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute wünschen sich immer mehr Frauen weniger Kinder.
„Ich war von sieben Kindern das dritte“, sagt Bu, eine 22jährige Indonesierin mit einer Tochter. „Mein Vater war Palmsaftverkäufer in Klaten (Zentral-Java), und meine Eltern mußten viele Härten ertragen, um ihre Schar Kinder groß zu bekommen. ... Es ist einfacher, wenn man nicht so viele Kinder aufzuziehen hat.“
Überall in der Welt gibt es Eltern, die der gleichen Meinung sind wie Bu. Immer mehr Ehepaare wollen planen, wann sie Kinder haben möchten, wie viele und in welchen Abständen. Das spiegeln Statistiken der Vereinten Nationen wider, die zeigen, daß der freiwillige Gebrauch von Verhütungsmitteln in Entwicklungsländern stark zugenommen hat; in den 60er Jahren machten 10 Prozent der Ehepaare davon Gebrauch, heute sind es bereits 51 Prozent.
Auch Regierungen sind sehr daran interessiert, die Familienplanung zu fördern. In über der Hälfte aller Entwicklungsländer werden Programme durchgeführt, die einen Rückgang des Bevölkerungswachstums zum Ziel haben. Der UN-Bevölkerungsfonds schätzt, daß momentan jährlich 4 500 000 000 Dollar für Bevölkerungskontrollprogramme ausgegeben werden. Um kommenden Bedürfnissen gerecht zu werden, hoffen die Regierungen, daß sich dieser Betrag bis zum Jahr 2000 verdoppeln wird.
Warum sind sowohl ganze Länder als auch Einzelpersonen so an der Geburtenregelung interessiert? Und was ist der christliche Standpunkt in dieser wichtigen Angelegenheit? Die folgenden Artikel beschäftigen sich mit diesen Fragen.
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Kinder — Ein wertvolles Gut oder eine Last?Erwachet! 1993 | 22. Februar
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Kinder — Ein wertvolles Gut oder eine Last?
DIE Familienplanung steht in engem Zusammenhang mit dem oft genannten Wort „Bevölkerungsexplosion“. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wuchs die Weltbevölkerung relativ langsam; die Todesfälle und die Geburten hielten sich in etwa die Waage. Um das Jahr 1830 gab es schließlich eine Milliarde Menschen.
Dann starben durch Fortschritte in der Medizin und in der Wissenschaft immer weniger Menschen aufgrund von Krankheiten, vor allem aufgrund von Kinderkrankheiten. Etwa um das Jahr 1930 lebten zwei Milliarden Menschen. 1960 kam eine weitere Milliarde hinzu, 1975 noch eine. 1987 gab es dann fünf Milliarden Menschen auf der Erde.
Anders ausgedrückt, die Bevölkerung der Erde wächst um 170 Menschen in der Minute. Das sind ungefähr 250 000 Menschen am Tag, genügend Potential für eine Großstadt. Das heißt aber auch, daß die Bevölkerung jährlich um 90 Millionen Menschen zunimmt; dies entspricht der Bevölkerung Mexikos oder der dreifachen Bevölkerungszahl Kanadas. Mehr als 90 Prozent dieses Zuwachses betreffen die Entwicklungsländer, in denen bereits 75 Prozent der Weltbevölkerung leben.
Besorgte Regierungen
Warum sind die Regierungen jedoch so eifrig bemüht, das Bevölkerungswachstum durch die Familienplanung zu begrenzen? Dr. Babs Sagoe, Leiter des nigerianischen Programms des UN-Bevölkerungsfonds, beantwortet diese Frage mit einem simplen Beispiel, das allerdings eine vielschichtige und umstrittene Sachlage sehr vereinfacht, wie er einräumt. Er erklärt:
„Angenommen, ein Bauer besitzt 10 Hektar Land. Wenn er zehn Kinder hat und das Land gerecht unter sie verteilt, erhält jedes Kind einen Hektar. Hat jedes der Kinder ebenfalls zehn Kinder und verteilt das Land ähnlich wie der Vater, bekommt jeder Enkel nur ein Zehntel Hektar Land. Es ist logisch, daß es den Enkeln nicht so gut gehen wird wie ihrem Großvater, der einmal zehn Hektar Land besaß.“
Dieses Beispiel zeigt deutlich die Verbindung zwischen der wachsenden Zahl von Menschen und der Erde mit ihren begrenzten Ressourcen. Während die Bevölkerung zunimmt, mühen sich viele Entwicklungsländer ab, für die gegenwärtige Bevölkerung zu sorgen. Betrachten wir einige der Probleme.
Ressourcen: Nimmt die Bevölkerung eines Landes zu, führt dies zu einem größeren Bedarf an Wäldern, Mutterboden, Ackerland und Trinkwasser. Das Ergebnis? Die Zeitschrift Populi klagt: „Entwicklungsländer ... sehen sich oft gezwungen, ihre nationalen Ressourcen, von denen ihre künftige Entwicklung abhängt, auszubeuten.“
Infrastruktur: Für Regierungen wird es zunehmend schwieriger, der wachsenden Bevölkerung angemessene Wohnungen, Schulen, sanitäre Einrichtungen, Straßen und Gesundheitsdienste zu bieten. Da die Entwicklungsländer zwei Lasten zu tragen haben — hohe Verschuldung und schwindende Ressourcen —, haben sie alle Mühe, für die Bedürfnisse der gegenwärtigen Bevölkerung zu sorgen, ganz zu schweigen von einer noch größeren Bevölkerung.
Arbeitsplätze: In der Veröffentlichung des UN-Bevölkerungsfonds, Population and the Environment: The Challenges Ahead, heißt es, daß in vielen Entwicklungsländern 40 Prozent der Arbeitskräfte ohne Beschäftigung sind. Insgesamt sind in den Entwicklungsländern über eine halbe Milliarde Menschen entweder arbeitslos oder unterbeschäftigt, was nahezu dem gesamten Arbeitskräftepotential der Industrieländer entspricht.
Damit diese Zahlen nicht noch steigen, müssen die Entwicklungsländer jedes Jahr über 30 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Die Menschen, die diese Arbeitsplätze brauchen, leben bereits — es sind die Kinder. Experten vermuten, daß Massenarbeitslosigkeit zu Unruhen, zu noch schlimmerer Armut und zu weiterer Zerstörung natürlicher Ressourcen führt.
Daher wundert es nicht, daß immer mehr Entwicklungsländer die Familienplanung fördern wollen. Ein Leitartikel des britischen Medizinjournals Lancet enthielt folgenden Kommentar hinsichtlich der Zukunft: „Der Druck, den eine wachsende Bevölkerung hauptsächlich in den Entwicklungsländern mit sich bringt, erschwert die Aufgabe wesentlich, deren sich diese Länder gegenübersehen. ... Millionen Menschen werden ihr Leben lang ungebildet und arbeitslos sein, in miserablen Wohnverhältnissen leben und nicht einmal die grundlegende medizinische, soziale und sanitäre Versorgung in Anspruch nehmen können; vor allem das unkontrollierte Bevölkerungswachstum ist dafür verantwortlich.“
Besorgte Familien
Ziele zu setzen und landesweite Programme zur Familienplanung aufzustellen ist eine Sache; die Öffentlichkeit zu überzeugen eine andere. In vielen Kulturkreisen, in denen immer noch traditionelle Anschauungen vorherrschen, werden große Familien befürwortet. Als eine Nigerianerin durch Regierungsmaßnahmen dazu ermutigt werden sollte, sich nicht so viele Kinder anzuschaffen, sagte sie: „Ich bin das letzte der 26 Kinder meines Vaters. Alle meine älteren Brüder und Schwestern haben zwischen 8 und 12 Kinder. Soll ausgerechnet ich nur ein paar Kinder haben?“
Ein solcher Standpunkt wird heute jedoch längst nicht mehr so stark vertreten wie früher, selbst nicht in Nigeria, wo die Durchschnittsfrau sechs Kinder zur Welt bringt. Angesichts steigender Preise müssen Millionen Menschen darum kämpfen, ihre Familie zu ernähren und zu kleiden. Viele haben durch Erfahrung gelernt, daß an dem Sprichwort der Yoruba etwas Wahres ist: „Ọmọ bẹẹrẹ, òṣì bẹẹrẹ“ (Viele Kinder, viel Armut).
Zahllose Ehepaare kennen zwar den Nutzen der Familienplanung, machen jedoch keinen Gebrauch davon. Mit welchem Ergebnis? In The State of the World’s Children 1992, einer Veröffentlichung des Weltkinderhilfswerks der Vereinten Nationen, ist zu lesen, daß annähernd jede dritte Schwangerschaft, zu der es in den Entwicklungsländern im Laufe eines Jahres kommt, nicht nur ungeplant, sondern auch ungewollt ist.
Familienplanung rettet Leben
Nicht nur wirtschaftliche Probleme sollten jemanden veranlassen, sich mit der Familienplanung zu beschäftigen, sondern auch ein anderer wichtiger Grund: die Gesundheit von Mutter und Kind. Ein westafrikanisches Sprichwort lautet: „Schwangerschaft ist ein Glücksspiel und Geburt ein Kampf auf Leben und Tod.“ Jährlich sterben in den Entwicklungsländern eine halbe Million Frauen während der Schwangerschaft oder der Geburt, fünf bis sieben Millionen Frauen sind danach aufgrund von Gesundheitsschäden arbeitsunfähig oder behindert, und eine Million Kinder bleiben mutterlos zurück.
Nicht alle Frauen in den Entwicklungsländern sind gleichermaßen gefährdet. Wie aus dem Kasten zu ersehen ist, sind jene Frauen am meisten gefährdet, die zu viele Kinder entweder zu früh, zu schnell nacheinander oder zu spät bekommen. Die UN schätzt, daß sich durch Familienplanung ein Viertel bis ein Drittel der Todesfälle während der Schwangerschaft oder der Geburt verhindern ließe sowie Millionen Frauen vor Behinderungen bewahrt werden könnten.
Würde die Rettung von Millionen Leben jedoch nicht noch zum Bevölkerungswachstum beitragen? Überraschenderweise antworten viele Experten darauf mit Nein. „Man könnte denken, das Überleben von mehr Kindern würde das Bevölkerungsproblem verschlimmern. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Gebärfreudigkeit geht normalerweise zurück, wenn Eltern zuversichtlicher sein können, daß ihre Kinder am Leben bleiben“, heißt es in dem Human Development Report für 1991.
Trotzdem bekommen Millionen Frauen, vor allem in armen Kulturkreisen, viele Kinder. Warum? Weil ihr soziales Umfeld es von ihnen erwartet, weil die Wahrscheinlichkeit größer ist, daß von vielen Kindern wenigstens einige am Leben bleiben, und weil die Frauen die Familienplanung vielleicht nicht kennen oder keine Möglichkeit haben, sich darüber zu informieren.
Zahlreiche Frauen jedoch, die viele Kinder haben, möchten es gar nicht anders. Sie betrachten jedes Kind als einen Segen Gottes.
[Kasten auf Seite 6]
Risikoreiche Schwangerschaften in den Entwicklungsländern
Zu früh: Das Risiko, während der Schwangerschaft oder der Geburt zu sterben, ist bei 15- bis 19jährigen Frauen dreimal so hoch wie bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren. Bei Säuglingen, deren Mütter noch Teenager sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer, daß sie sterben, zu früh geboren werden oder untergewichtig sind.
Zu schnell nacheinander: Die Länge der Pause zwischen zwei Geburten wirkt sich beträchtlich auf das Überleben eines Kindes aus. Wird ein Kind innerhalb von zwei Jahren nach der Geburt des letzten Kindes geboren, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß es noch als Säugling sterben wird, um 66 Prozent. Sollte es jedoch überleben, ist es womöglich in seinem Wachstum behindert oder in seiner geistigen Entwicklung gestört. Etwa jeder fünfte Säuglingstod könnte verhindert werden, wenn zwischen zwei Geburten genügend Zeit verstreichen würde. Das Risiko ist am geringsten, wenn eine Frau die Kinder in Abständen von drei oder mehr Jahren bekommt.
Zu viele: Mehr als vier Kinder zur Welt zu bringen vergrößert die Risiken während der Schwangerschaft und der Geburt, vor allem wenn zwischen den Geburten nicht mehr als zwei Jahre liegen. Nach vier Schwangerschaften neigen Mütter schneller zu Blutungen und sind mehr gefährdet, an Blutarmut zu leiden; und ihre Kinder laufen eher Gefahr, krank zur Welt zu kommen.
Zu spät: Die Wahrscheinlichkeit, daß Frauen über 35 Jahre während der Schwangerschaft oder der Geburt sterben, liegt fünfmal höher als bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren. Auch die Kinder von älteren Frauen sterben eher als andere.
Quellen: Weltgesundheitsorganisation, UN-Kinderfonds und UN-Bevölkerungsfonds.
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Familienplanung — Der christliche StandpunktErwachet! 1993 | 22. Februar
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Familienplanung — Der christliche Standpunkt
AUF der ersten Weltbevölkerungskonferenz im Jahre 1974 erklärten die 140 Teilnehmerstaaten, daß alle Ehepaare „das Grundrecht haben, frei und verantwortungsbewußt entscheiden zu können, wie viele Kinder sie in welchen Abständen haben möchten, und die dazu nötigen Informationen, Anleitungen und Mittel zu erhalten“.
Viele befürworten diese Erklärung. Gott gab Adam und Eva und später der Familie Noahs zwar den Auftrag, ‘fruchtbar zu sein, viele zu werden und die Erde zu füllen’, doch Christen haben kein derartiges Gebot erhalten (1. Mose 1:28; 9:1). Die Bibel ermutigt christliche Ehepaare weder, Kinder zu haben, noch, auf Kinder zu verzichten. Es ist die persönliche Entscheidung eines Ehepaares, ob es Kinder haben möchte oder nicht, und wenn es sich für Kinder entscheidet, für wie viele und zu welchem Zeitpunkt.
Eine von Gott auferlegte Verantwortung
Ist uns aufgefallen, daß es in der Erklärung der Weltbevölkerungskonferenz hieß, Ehepaare sollten verantwortungsbewußt entscheiden, wie viele Kinder sie in welchen Abständen haben möchten? Dieses Prinzip der Verantwortung ist in Einklang mit der Bibel. Christliche Eltern wissen, daß Kinder zwar ein kostbares Geschenk Gottes sind, daß mit diesem Geschenk jedoch auch große Verantwortung verbunden ist.
Eltern sind dafür verantwortlich, in materieller Hinsicht für ihre Kinder zu sorgen. Die Bibel sagt: „Bestimmt hat jemand, der für die Seinigen und besonders für seine Hausgenossen nicht sorgt, den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger“ (1. Timotheus 5:8).
Für eine Familie zu sorgen schließt mehr ein, als etwas zu essen auf den Tisch zu stellen und die Rechnungen zu bezahlen, obwohl allein das schon häufig genug Probleme bereitet. Wenn verantwortungsbewußte christliche Ehepaare überlegen, wie groß ihre Familie werden soll, berücksichtigen sie die körperliche Verfassung der Frau sowie ihr emotionelles, seelisches und geistiges Wohl. Sich um ein Kind zu kümmern nimmt viel Zeit in Anspruch, und wenn eine Frau ein Kind nach dem anderen bekommt, geht das oft nicht nur auf Kosten ihrer Ruhe, Entspannung, persönlichen Entwicklung und der Teilnahme an christlichen Aktivitäten, sondern auch auf Kosten ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit.
Verantwortungsbewußte christliche Eltern denken ebenfalls an die Bedürfnisse der Kinder. In dem Bericht The State of the World’s Population 1991 ist zu lesen: „Ein Kind, das in eine große Familie hineingeboren wird, in der die Kinder rasch aufeinander folgen, muß mit seinen Geschwistern um Nahrung, Kleidung und elterliche Zuneigung konkurrieren. Außerdem ist es anfälliger für Infektionen. Übersteht solch ein Kind seine risikoreiche Kindheit, ist es in seinem Fall wahrscheinlicher, daß das Wachstum behindert oder die geistige Entwicklung beeinträchtigt ist. Die Aussichten, die dieses Kind als Erwachsener hat, sind größtenteils begrenzt.“ Das trifft natürlich nicht auf alle großen Familien zu, doch christliche Ehepaare sollten es im Sinn behalten, wenn sie planen, wie viele Kinder sie möchten.
Christliche Eltern sind außerdem verpflichtet, für die geistigen Bedürfnisse ihrer Kinder zu sorgen. Die Bibel gebietet: „Und ihr, Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie weiterhin auf in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ (Epheser 6:4).
Emeka, ein Christ, der in Nigeria Rechtswissenschaft lehrt, ist seit einem Jahr verheiratet, hat es aber nicht eilig, Vater einer großen Familie zu werden. „Meine Frau und ich haben besprochen, wie viele Kinder wir möchten. Zuerst entschieden wir uns für fünf, doch dann haben wir uns auf drei geeinigt. Später sind wir zu dem Schluß gekommen, daß es besser wäre, nur zwei Kinder zu haben. Es ist schwierig, Kinder nach biblischen Grundsätzen zu erziehen. Damit ist eine große Verantwortung verbunden.“
Einige christliche Ehepaare haben sich entschlossen, kinderlos zu bleiben, um ihre ganze Zeit im Dienst für Gott einsetzen zu können. Eine Missionarin in Afrika, die sich zusammen mit ihrem Mann für die Kinderlosigkeit entschieden hat, berichtet: „Ich habe nicht das Gefühl, daß mir etwas entgeht. Wir haben zwar nicht die Freuden der Elternschaft kennengelernt, aber dafür bereichern viele andere Freuden unser Leben. Dadurch, daß wir Personen mit der biblischen Wahrheit vertraut machen, sind Menschen in vielen Teilen der Welt unsere geistigen Kinder geworden. Wir lieben sie, und sie lieben uns. Uns verbindet ein besonderes Band. Aus gutem Grund verglich sich Paulus mit einer nährenden Mutter, weil er zu denen, denen er auf geistigem Gebiet half, eine innige Zuneigung verspürte“ (1. Thessalonicher 2:7, 8).
Geburtenregelung
Wird die Geburtenregelung in der Bibel verurteilt? Nein. Die Entscheidung wird jedem Ehepaar selbst überlassen. Wenn es sich für die Geburtenregelung entscheidet, ist die Wahl der empfängnisverhütenden Methode eine ganz persönliche Angelegenheit. Jedoch sollte sich ein christliches Ehepaar bei seiner Wahl von dem Respekt vor der Heiligkeit des Lebens leiten lassen. Da die Bibel darauf hinweist, daß das Leben mit der Empfängnis beginnt, würden Christen Verhütungsmittel vermeiden, die zu einer Abtreibung oder zum Tod des sich entwickelnden Kindes führen (Psalm 139:16; vergleiche 2. Mose 21:22, 23; Jeremia 1:5).
Daher mögen Ehepaare richtigerweise zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen, wenn es um Familienplanung geht. Manche möchten die Zahl der Kinder vielleicht begrenzen. Andere, die Verhütungsmittel verwenden, wollen kinderlos bleiben. Es gibt viele Methoden der Geburtenregelung, und jede hat ihre Vor- und Nachteile. Bei der Wahl der für sie optimalen Methode sollten Ehepaare berücksichtigen, daß einige Methoden weit wirksamer sind als andere. Sie sollten sich auch über mögliche Nebenwirkungen informieren. Ärzte und Beratungsstellen für Familienplanung können über Methoden zur Geburtenregelung Auskunft geben und Ehepaaren helfen, die Methode zu wählen, die ihren Bedürfnissen am ehesten entspricht.
Ob ein Ehepaar viele, wenig oder gar keine Kinder haben möchte, ist eine persönliche Entscheidung, eine wichtige Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Ehepaare tun gut daran, diese Angelegenheit sorgfältig und gebetsvoll zu betrachten.
[Kasten auf Seite 8, 9]
Bekannte Methoden der Geburtenregelung
Sterilisation
Bei Männern: Ein kleiner operativer Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt werden.
Bei Frauen: Ein operativer Eingriff, bei dem die Eileiter unterbunden oder durchtrennt werden, um zu verhindern, daß ein Ei in die Gebärmutter gelangt.
Vorteile: Von allen Methoden der Geburtenregelung ist die Sterilisation die wirksamste.
Nachteile: Kann bleibend sein. Sowohl beim Mann als auch bei der Frau kann die Fruchtbarkeit durch eine Operation wiederhergestellt werden, doch dafür gibt es keine Garantie.a
Antibabypillen
Dazu gehört auch die Minipille, die ausschließlich das Hormon Progesteron enthält. Antibabypillen beeinträchtigen den normalen Hormonhaushalt, so daß kein Ei heranreifen und der Eisprung nicht erfolgen kann.b
Vorteile: Hohe Wirksamkeit in der Verhütung einer Schwangerschaft.
Nachteile: Es treten einige physische Nebenwirkungen auf, die sich aber bei Nichtraucherinnen unter 40, die bei guter Gesundheit sind, in Grenzen halten.
Diaphragma und Spermizide
Das Diaphragma ist eine Kunststoffkappe mit federndem Außenring. Es wird mit einem samenabtötenden Gel oder einer entsprechenden Salbe (Spermizide) bestrichen und dann so in die Scheide eingeführt, daß es den Gebärmutterhals überdeckt.
Vorteile: Bei richtiger Anwendung ist es ein sicheres, ganz zuverlässiges Verhütungsmittel.
Nachteile: Diese Methode muß bei jedem Geschlechtsverkehr angewandt werden. Es bedarf einiger Fingerfertigkeit, das Diaphragma richtig zu plazieren, und es sollte vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt und nicht eher als sechs bis acht Stunden danach entfernt werden.
Okklusivpessar (Portiokappe)
Eine Kunststoff- oder Gummikappe, die kleiner ist als das Diaphragma. Wie dieses überdeckt es den Gebärmutterhals, doch es liegt dichter an, und man braucht weniger spermizide Salben oder Gele zu verwenden.
Vorteile: In seiner Wirksamkeit ist es mit dem Diaphragma vergleichbar, doch kann es 48 Stunden in der Scheide bleiben. Bei wiederholtem Geschlechtsverkehr sind keine weiteren Spermizide nötig.
Nachteile: Das Pessar ist schwieriger einzuführen als das Diaphragma, und vor und nach jedem Geschlechtsverkehr ist zu überprüfen, ob es richtig sitzt. Es kann zu Entzündungen der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses kommen. Das Pessar sollte nur von Frauen benutzt werden, bei denen Voruntersuchungen nichts Negatives ergeben haben.
Schwamm
Ein spermizidhaltiger Schwamm aus Polyurethan, der so in die Scheide eingeführt wird, daß er den Gebärmutterhals verdeckt. Der Schwamm schafft durch seine Größe und seine Spermizidhaltigkeit eine Barriere, so daß die Spermien nicht in die Gebärmutter gelangen. Nach dem Geschlechtsverkehr muß er entfernt werden.
Vorteile: Er kann 24 Stunden in der Scheide gelassen werden und schützt innerhalb dieser Zeit auch bei wiederholtem Geschlechtsverkehr.
Nachteile: Es wurde von allergischen Reaktionen berichtet, und einige wenige litten unter dem toxischen Schocksyndrom.
Intrauterinpessar
Dieser Kunststoff- oder Metalleinsatz, auch als Spirale bezeichnet, wird in die Gebärmutter eingelegt. Die genaue Wirkungsweise dieses Pessars ist den Ärzten unbekannt, aber sie nehmen an, daß es auf verschiedene Weise die Fruchtbarkeit verhindert. Eine davon ist wahrscheinlich, daß es das befruchtete Ei davon abhält, sich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten.
Vorteile: Ein zuverlässiges Verhütungsmittel.
Nachteile: Manchmal führt es zu Blutungen und Schmerzen, außerdem kann seine Wirkungsweise zum Abort führen.c
Kondom
Ein Hülle aus Gummi, die über das männliche Glied gestreift wird und dadurch verhindert, daß Samen in die Scheide gelangt.
Vorteile: Ein sicheres Verhütungsmittel. Es reduziert die Ansteckungsgefahr bei sexuell übertragbaren Krankheiten wie Aids.
Nachteile: Einige lehnen es ab, weil der Gebrauch eine Unterbrechung des Geschlechtsaktes erfordert.
Coitus interruptus
Das männliche Glied wird kurz vor der Ejakulation aus der Scheide gezogen.
Vorteile: Mit dieser Methode sind weder Kosten noch Vorbereitung, noch äußerlich anzuwendende Hilfsmittel verbunden.
Nachteile: Diese Methode ist sexuell unbefriedigend, verlangt große Selbstbeherrschung und ist äußerst unzuverlässig.
Methode der Zeitwahl
Während des fruchtbaren Zeitraums des Menstruationszyklus wird auf Geschlechtsverkehr verzichtet.
Vorteile: Diese Methode ist ohne schädliche Nebenwirkungen und stört nicht den Geschlechtsverkehr.
Nachteile: Nur sicher, wenn ein Ehepaar fest entschlossen ist, keine Kinder zu bekommen und sich strikt an die Anwendungsweise hält.
Hormonimplantat
Hierbei handelt es sich um das neuste Verhütungsmittel auf dem Gebiet der Geburtenregelung. Winzige Silikonkapseln werden unter die Haut des Armes einer Frau eingepflanzt. Bis zu fünf Jahren geben die Kapseln ständig sehr geringe Hormonmengen in den Blutkreislauf ab. In dieser Zeit ist die Frau vor einer Schwangerschaft geschützt.
Vorteile: Äußerst wirksam; durch Entfernung des Implantats ist die Fruchtbarkeit wieder gewährleistet.
Nachteile: Nur minimal; sie ähneln den Nachteilen der Minipille, die nur Progesteron enthält. Wenn Präparate benutzt werden, die ausschließlich Progesteron enthalten, wird eine Schwangerschaft möglicherweise durch eine abortive Wirkungsweise verhütet.d
[Fußnoten]
a Eine Abhandlung darüber, ob die Sterilisation mit christlichen Grundsätzen zu vereinbaren ist, ist im Wachtturm vom 1. Mai 1985, Seite 31 zu finden.
b Eine Abhandlung darüber, wie Antibabypillen schützen, ist im Wachtturm vom 15. Juni 1989, Seite 29 zu finden.
c Eine Abhandlung darüber, ob das Intrauterinpessar mit christlichen Grundsätzen zu vereinbaren ist, findet man im Wachtturm vom 1. September 1979, Seite 31, 32.
d Eine Abhandlung darüber, wie Antibabypillen schützen, ist im Wachtturm vom 15. Juni 1989, Seite 29 zu finden.
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