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Sind die Kinder online?Erwachet! 2008 | Oktober
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Sind die Kinder online?
IN DIESEM Moment sind Millionen junge Leute online. Sei es zu Hause, in der Schule, bei Freunden, ja praktisch überall, sofern sie ein mobiles Gerät beziehungsweise ein Handy mit Internetzugang haben. Eltern stehen vor einer frustrierenden Realität: Ihre Kinder finden sich in dieser neuen virtuellen Welt sehr wahrscheinlich besser zurecht als sie und wissen vielleicht sogar, wie man seine Internetaktivitäten verheimlichen kann.
Ist das ein Grund zur Sorge? Absolut! Ist die Situation hoffnungslos? Keineswegs. In Sachen Internet sieht es zwar so aus, als sei das Kind der Einheimische und die Eltern nur Touristen. Aber Eltern können durchaus lernen, sich zurechtzufinden. Und sie brauchen keine Elektronikspezialisten zu werden, um ihr Kind zu schützen.
Diese Artikelserie gibt Eltern wertvolles Wissen an die Hand. Zunächst einmal geht es um Gefahren, die im Internet auf Kinder lauern.
[Herausgestellter Text auf Seite 3]
In Kanada können fast die Hälfte aller jungen Leute mit ihrem Handy ins Internet gehen
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Kinder online: Was Eltern wissen solltenErwachet! 2008 | Oktober
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Kinder online: Was Eltern wissen sollten
EINE Zeit lang meinte man, es hinge vor allem vom Standort des Computers ab, wie sicher die Internetnutzung sei. In einem für alle zugänglichen Bereich würde ein Kind wohl kaum mit der dunklen Seite des Cyberspace in Berührung kommen. Diese Ansicht ist zwar immer noch gültig, denn schon der gesunde Menschenverstand verbietet es, Kinder in der Privatsphäre ihres Zimmers ins Internet gehen zu lassen. Der Schutz der Kinder ist aber auch dann nicht völlig gewährleistet. Heute können junge Leute durch drahtlose Verbindungen praktisch überall online gehen. Außerdem gibt es Internetcafés, Internetkioske und Bibliotheken mit Internetzugang — und zur Not ist da noch der Computer eines Freundes. Bei diesen vielen Möglichkeiten kann Eltern offensichtlich leicht die Kontrolle über die Online-Eskapaden ihrer Sprösslinge entgleiten.
Betrachten wir einige beliebte Onlineaktivitäten von Jugendlichen und die Gefahren dabei.
E-MAILS
Definition: Schriftliche Mitteilungen, die elektronisch verschickt werden.
Warum so beliebt? E-Mails sind eine schnelle, kostengünstige Möglichkeit, mit Freunden oder Verwandten zu korrespondieren.
Was man wissen sollte: Unerwünscht zugesandte E-Mails, meist als Spam bezeichnet, sind eine Plage, manchmal aber sogar noch mehr. Nicht selten haben sie schmutzige oder sogar eindeutig pornografische Inhalte. In Spams enthaltene Links können den Internetnutzer — auch ein argloses Kind — veranlassen, bereitwillig Informationen über sich preiszugeben, die einem Identitätsdiebstahl Tür und Tor öffnen. Wer auf solche E-Mails antwortet, selbst wenn er nachdrücklich verlangt, ihre Zusendung einzustellen, bestätigt lediglich, dass er eine aktive E-Mail-Adresse hat, und das kann weitere unerwünschte E-Mails nach sich ziehen.
WEBSITES
Definition: Zusammenstellungen von Webseiten, die von Organisationen, Bildungseinrichtungen, Firmen oder Einzelpersonen gestaltet und betrieben werden.
Warum so beliebt? Es gibt Millionen von Websites, die jungen Leuten endlose Möglichkeiten bieten, einzukaufen, sich zu informieren, Freunde zu kontaktieren sowie Musik und Spiele herunterzuladen oder zu spielen.
Was man wissen sollte: Das Internet wird von allen möglichen skrupellosen Personen missbraucht. Viele Websites haben pornografische Inhalte und jeder Unvorsichtige kann unvermittelt darauf geraten. Bei einer Umfrage unter amerikanischen Jugendlichen zwischen 8 und 16 Jahren gaben 90 Prozent an, bereits unabsichtlich auf Pornografie-Sites gestoßen zu sein — meistens bei den Hausaufgaben!
Das Internet bietet auch leichten Zugang zu Sites mit Glücksspielen für Minderjährige. Bei einer Umfrage unter kanadischen Schülern der 10. und 11. Klasse gab jeder vierte Junge zu, solche Sites besucht zu haben. Fachleute sind verständlicherweise besorgt wegen der höchst suchterzeugenden Natur des Online-Glücksspiels. Außerdem gibt es sogenannte Pro-Ana-Websites, die das „anorektische Leben“ propagieren.a Man findet auch Websites, auf denen gegen religiöse und ethnische Minderheiten gehetzt wird. Auf einigen Sites kann man sogar lernen, wie man Bomben bastelt, Gifte zusammenbraut oder terroristische Operationen durchführt. In Onlinespielen werden oft extreme Gewalt und wahre Blutorgien dargestellt.
CHATROOMS
Definition: Ein virtueller Ort für schriftliche Live-Konversation, oft über ein spezielles Thema oder Interessengebiet.
Warum so beliebt? Das Kind kann mit verschiedenen Personen kommunizieren, die es nicht unbedingt persönlich kennt, mit denen es aber ein gemeinsames Interesse verbindet.
Was man wissen sollte: Chatrooms werden häufig von Pädophilen aufgesucht, die Kinder online oder vielleicht sogar bei einem persönlichen Treffen zu sexuellen Handlungen verführen wollen. Beachtenswert ist, was die Mitverfasserin eines Buches über Internetsicherheit erlebte. Für ihre Nachforschungen gab sie sich online als 12-Jährige aus. „Es dauerte nicht lange und sie wurde in einen privaten Chatroom eingeladen. Sie behauptete, nicht zu wissen, wie man dort hinkomme, und ihr hilfsbereiter neuer Freund zeigte ihr gern, was sie tun musste. Dann fragte er, ob sie [Online-]Sex haben wolle“, heißt es in dem Buch.
INSTANT MESSAGING
Definition: Schriftliche Live-Konversation zwischen zwei oder mehr Personen.
Warum so beliebt? Beim Instant Messaging kann der Nutzer eine Kontaktliste seiner Freunde erstellen und jeweils entscheiden, mit wem er kommunizieren will. Tatsächlich sollen gemäß einer Studie 84 Prozent der 16- und 17-jährigen Kanadier mindestens eine Stunde pro Tag mit ihren Freunden per Instant Messaging kommunizieren.
Was man wissen sollte: Ein Kind, das gerade lernen oder etwas anderes tun sollte, was Konzentration erfordert, kann durch Instant Messaging ständig abgelenkt werden. Außerdem bleibt die Frage, mit wem der Sohn oder die Tochter kommuniziert, denn schließlich kann man nicht mithören.
BLOGS
Definition: Internet-Tagebücher
Warum so beliebt? Bloggen ermöglicht es jungen Leuten, über ihre Gedanken, Interessen und Aktivitäten zu schreiben. In den meisten Blogs können die Leser Kommentare anfügen, und viele Kinder finden es einfach toll, wenn jemand auf ihre Einträge reagiert.
Was man wissen sollte: Blogs sind für jeden zugänglich. Manche junge Leute geben unbedarft Informationen preis, durch die sich ihr Familienname, ihre Schule oder ihre Adresse herausfinden lässt. Außerdem wird in Blogs manches geschrieben, was eigentlich rufschädigend ist, teilweise auch für einen selbst. Manche Arbeitgeber wollen sich nämlich das Blog eines Bewerbers ansehen, wenn sie überlegen, ob sie den Betreffenden einstellen sollen.
ONLINE-KONTAKTNETZWERKE
Definition: Sites, auf denen junge Leute eine eigene Webseite gestalten und mit Bildern, Videos und Blogs ausstatten können.
Warum so beliebt? Junge Leute können sich auf ihrer eigenen Webseite selbst darstellen. Online-Kontaktnetzwerke ermöglichen es ihnen, viele neue „Freunde“ kennenzulernen.
Was man wissen sollte: „Ein Kontaktnetzwerk ist wie eine Onlineparty“, meinte ein Mädchen namens Joanna. „Da tauchen manchmal ziemlich seltsame Typen auf.“ Persönliche Informationen in den Kontaktnetzwerken können von skrupellosen Jugendlichen und Erwachsenen missbraucht werden. Parry Aftab, die sich für ein kindersicheres Internet engagiert, bezeichnet solche Sites als „Supermarkt für Pädophile“.
Internetfreundschaften sind meistens ziemlich oberflächlich. Manche junge Leute geben auf ihren Webseiten viele Onlinekontakte an, die sie aber nie persönlich kennengelernt haben, um bei Besuchern ihrer Seite den Eindruck zu erwecken, beliebt zu sein. Candice Kelsey schreibt in ihrem Buch Generation MySpace, dass das Ganze darauf hinausläuft, „den gesellschaftlichen Marktwert einer Person lediglich danach zu beurteilen, ob viele andere sie sympathisch finden“. Weiter sagt sie: „Eine solche an eine Warenbörse erinnernde Einschätzung reduziert unsere Kinder auf reine Objekte und setzt sie unter enormen Druck, sich um jeden Preis so darzustellen, dass man mehr Freunde gewinnt.“ Deshalb wird in einem Buch die berechtigte Frage gestellt: „Wie soll man den Leuten klarmachen, dass ihre Kinder Einfühlungsvermögen und Mitgefühl entwickeln müssen, wenn es in der Onlinewelt möglich ist, heute jemand kennenzulernen und ihn gleich morgen wieder fallen zu lassen?“ (What in the World Are Your Kids Doing Online?)
Das sind nur sechs der Internetaktivitäten, die bei jungen Leuten heute beliebt sind. Wie können Eltern ihr Kind vor den Gefahren im Internet schützen?
[Fußnote]
a Viele Pro-Ana-Websites und -Organisationen behaupten, Anorexie (Magersucht) nicht zu propagieren. Manche stellen Magersucht weniger als eine Krankheit dar, sondern eher als bewusst gewählten „Lifestyle“. In den Foren auf solchen Sites werden Tipps gegeben, wie man sein tatsächliches Körpergewicht verbergen und seine abnormen Essgewohnheiten vor den Eltern geheim halten kann.
[Herausgestellter Text auf Seite 4]
Der rapide Anstieg der Internetnutzer in Indien — um etwa 54 Prozent in nur einem Jahr — ist weitgehend Jugendlichen zuzuschreiben
[Herausgestellter Text auf Seite 7]
„Eltern betrachten eine Webcam vielleicht als einfache, preiswerte Möglichkeit für ihr Kind, um mit Freunden oder Verwandten zu kommunizieren; für einen Pädophilen ist sie jedoch ein offenes Fenster ins Kinderzimmer“ (Robert S. Mueller, Direktor des FBI)
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Kinder online: Was Eltern tun könnenErwachet! 2008 | Oktober
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Kinder online: Was Eltern tun können
WAS macht Eltern wohl nervöser: wenn der Sohn beziehungsweise die Tochter ihren Autoschlüssel hat oder wenn sie wissen, dass er oder sie unbeschränkt im Internet surfen kann? Beides birgt eine gewisse Gefahr und beides erfordert einiges an Verantwortung. Wenn der Sohn oder die Tochter von den Eltern das Auto haben möchte, rücken diese den Schlüssel bestimmt eher heraus, wenn sie wissen, dass ihr Kind gelernt hat, sicher zu fahren. Geht es um die Nutzung des Internets, halten es viele Eltern ähnlich. Die nachfolgenden biblischen Ratschläge sind eine Hilfe dabei.
„Jeder Kluge wird mit Kenntnis handeln“ (Sprüche 13:16). Haben Kinder Internetzugang, sollten ihre Eltern grundlegend verstehen, wie das Internet funktioniert und was ihre Kinder tun, wenn sie per Instant Messaging kommunizieren, im Internet surfen oder anderweitig online sind. „Reden wir uns bloß nicht ein, wir seien schon zu alt oder könnten das nicht mehr begreifen“, sagt Marshay, Mutter von zwei Kindern. „Bleiben wir up to date!“
„Wenn ihr ein neues Haus baut, dann sichert das Flachdach mit einem Geländer! Sonst seid ihr schuld, wenn jemand abstürzt“ (5. Mose 22:8, Hoffnung für alle). Internet- und Softwareanbieter stellen Kindersicherungsprogramme zur Verfügung, die als „Geländer“ dienen, um unpassende Pop-ups und den Zugang zu gefährlichen Sites zu blockieren. Manche Programme können sogar verhindern, dass Kinder persönliche Informationen wie ihren Namen oder ihre Adresse preisgeben. Doch auch solche Programme können keine absolute Sicherheit bieten. Außerdem haben viele ältere Kinder mit Computerkenntnissen bald heraus, wie man sie abschaltet.
„Wer sich absondert, wird nach seinem eigenen selbstsüchtigen Verlangen trachten; gegen alle praktische Weisheit wird er losbrechen“ (Sprüche 18:1). Eine Studie in Großbritannien ergab, dass beinah jeder fünfte junge Mensch zwischen 9 und 19 Jahren in seinem Zimmer Internetzugang hat. Steht der Computer dort, wo sich die Familie aufhält, bekommen Eltern besser mit, was ihre Kinder online so alles treiben, und können sie bei Bedarf erinnern, unerwünschte Websites zu meiden.
„Wacht denn streng darüber, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, indem ihr die gelegene Zeit für euch auskauft, weil die Tage böse sind“ (Epheser 5:15, 16). Man sollte Regeln festlegen, wann und wie lange die Kinder das Internet benutzen dürfen, welche Art von Sites sie besuchen dürfen und welche nicht. Die Regeln sollten mit den Kindern durchgesprochen werden, auch um sich zu vergewissern, dass sie diese verstanden haben.
Sind die Kinder unterwegs, bekommt man natürlich kaum mit, was sie tun. Daher ist es umso wichtiger, ihnen die richtigen Werte zu vermitteln, damit sie sich auch dann korrekt verhalten, wenn ihre Eltern nicht dabei sind (Philipper 2:12).a Die Kinder müssen wissen, welche Folgen ein Verstoß gegen die festgelegten Internetregeln hat, Regeln, die auch konsequent durchgesetzt werden sollten.
„[Eine gute Mutter] überwacht die Vorgänge ihres Haushalts“ (Sprüche 31:27). Es ist einfach ein Muss, die Internetnutzung seiner Kinder zu kontrollieren, und sie sollten auch wissen, dass dies geschieht. Das ist keine Verletzung ihrer Privatsphäre. Schließlich ist das Internet ein öffentliches Forum. Das FBI rät Eltern sicherzustellen, dass sie jederzeit Zugang zu den Verbindungsdaten ihrer Kinder haben, und sich stichprobenartig anzusehen, was für E-Mails sie bekommen und welche Websites sie besuchen.
„Es [ist] Denkvermögen, das stets über dich wachen wird, ja Unterscheidungsvermögen wird dich behüten, um dich von dem schlechten Weg zu befreien, von dem Mann, der verkehrte Dinge redet“ (Sprüche 2:11, 12). Beobachtung und Kontrolle ist nur bis zu einem bestimmten Grad möglich. Die Werte, die man vermittelt — und vor allem das eigene Beispiel —, können Kinder viel wirksamer schützen. Man muss sich daher die Zeit nehmen, um mit seinen Kindern zu besprechen, was einem im Internet alles passieren kann. Der offene Gedankenaustausch mit den Kindern ist der beste Schutz gegen Onlinegefahren. Tom, ein christlicher Vater, berichtet: „Wir machten unseren beiden Jungs klar, dass es im Internet auch ‚böse Menschen‘ gibt. Wir erklärten ihnen, was Pornografie ist, warum man sich davor hüten muss und weshalb sie niemals mit Fremden kommunizieren dürfen.“
Man kann seine Kinder schützen
Es kostet Mühe, seine Kinder vor den Onlinegefahren zu schützen; zudem gibt es ständig weitere Zugangsmöglichkeiten zu den elektronischen Medien. Neue Technologien können große Vorteile, aber auch unvorhersehbare Gefahren für Kinder mit sich bringen. Wie können Eltern ihre Kinder auf die möglichen Gefahren vorbereiten? Die Bibel sagt: „Weisheit dient zum Schutz, ebenso wie Geld zum Schutz dient“ (Prediger 7:12).
Es liegt bei den Eltern, ihre Kinder zu verantwortlichem Handeln zu erziehen. Dazu gehört, ihnen zu zeigen, wie sie Onlinegefahren aus dem Weg gehen und das Internet richtig nutzen können. Das hilft den Kindern, relativ gefahrlos vom Internet zu profitieren.
[Fußnote]
a Eltern sollten daran denken, dass man auch mit dem Handy oder anderen mobilen Geräten und sogar mit manchen Video-Spielkonsolen ins Internet gelangen kann.
[Herausgestellter Text auf Seite 8]
In Großbritannien sind 57 Prozent der jungen Leute zwischen 9 und 19 Jahren, die jede Woche das Internet nutzen, bereits mit Pornografie in Berührung gekommen; allerdings meinen nur 16 Prozent der Eltern, dass dies schon der Fall war
[Herausgestellter Text auf Seite 9]
Nach Expertenmeinung durchstöbern täglich bis zu 750 000 Personen mit kriminellen Absichten Chatrooms und Kontaktbörsen
[Herausgestellter Text auf Seite 9]
In den Vereinigten Staaten nutzen 93 Prozent der jungen Leute zwischen 12 und 17 Jahren das Internet
[Bild auf Seite 8, 9]
Kann ich meinem Kind zeigen, wie man das Internet verantwortungsbewusst nutzt?
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