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Abwesende Väter — ein wachsendes ProblemErwachet! 2004 | 22. August
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Abwesende Väter — ein wachsendes Problem
IMMER mehr Väter lassen ihre Familie im Stich. Ende der 1990er Jahre berichtete die Zeitung USA Today, die Vereinigten Staaten seien „weltweit führend in der Rate der Familien ohne Vater“. Die Abwesenheit von Vätern ist allerdings nicht nur in Amerika, sondern weltweit ein Problem.
Eine Volkszählung in Brasilien im Jahr 2000 ergab zum Beispiel, dass in 11,2 Millionen von insgesamt 44,7 Millionen Familien die Mutter das Familienoberhaupt war. In Nicaragua leben 25 Prozent aller Kinder ohne Vater. In Costa Rica stieg die Zahl der Kinder, deren Vater die Vaterschaft nicht anerkannte, in den 1990er Jahren von 21,1 Prozent auf 30,4 Prozent.
Die Statistiken aus diesen drei Ländern sind beispielhaft für den weltweiten Trend zu immer mehr vaterlosen Familien. Wenden wir uns einem anderen Aspekt dieses Problems zu.
Anwesend, aber nicht verfügbar
Nao, die heute 23 Jahre alt ist, erzählt: „Bevor ich in die Schule kam, sah ich Vater nur selten. Eines Tages, als er sich wieder zur Arbeit aufmachte, bettelte ich: ‚Du kommst doch wieder, ja?‘ “ (Siehe den Kasten „Papa, wann kommst du wieder?“.)
Solche und ähnliche Familienverhältnisse veranlassten den polnischen Autor Piotr Szczukiewicz zu der Äußerung: „Der Vater scheint ein wichtiger Faktor zu sein, der in der Familie fehlt.“ Natürlich müssen viele Familien nicht auf den Vater verzichten und sie werden auch materiell von ihm versorgt. Allerdings „geben sich zu viele Väter damit zufrieden, nur Ernährer, aber kein Erzieher zu sein“, heißt es in der französischen Zeitschrift Capital.
Oft ist es so, dass der Vater zwar ein Teil der Familie ist, am Leben seiner Kinder aber keinen Anteil nimmt. Er konzentriert sich auf andere Dinge. „Wenn . . . [der Vater] auch körperlich anwesend ist, kann er doch in Gedanken abwesend sein“, bemerkt die französische Zeitschrift Famille chrétienne. Warum haben sich so viele Väter von heute gedanklich und emotional von ihrer Familie abgewendet?
Ein wichtiger Grund liegt gemäß der genannten Zeitschrift darin, dass der Mann „seine Rolle als Vater und Ehemann falsch versteht“. Nach Ansicht vieler Väter beschränkt sich die Rolle eines guten Vaters lediglich aufs Geldverdienen. Der polnische Autor Józef Augustyn schreibt: „Viele halten sich schon für gute Väter, wenn sie die Familie finanziell versorgen.“ Doch das ist nur ein Teil der väterlichen Verantwortung.
In Wirklichkeit bewerten Kinder ihren Vater nicht danach, wie viel er verdient oder wie teuer die Geschenke sind, die er ihnen macht. Was sie sich von ihm viel mehr wünschen als materielle Geschenke, sind Liebe, Zeit und Zuwendung. Nur das zählt für sie wirklich.
Den eigenen Lebensstil überdenken
Gemäß dem Bericht einer japanischen Erziehungsbehörde „sollten Väter ihren extrem arbeitsorientierten Lebensstil überdenken“. Die Frage ist jedoch: Sind Väter bereit, zum Nutzen ihrer Kinder Änderungen vorzunehmen? In der deutschen Tageszeitung Gießener Allgemeine wurde über eine Studie berichtet, nach der die meisten befragten Väter einen Karriereverzicht zugunsten ihrer Kinder ablehnten.
Wenn junge Menschen den Eindruck gewinnen, ihr Vater kümmere sich zu wenig um sie, kann das tiefe Wunden reißen. Lidia aus Polen ist jetzt 21 Jahre alt, aber sie erinnert sich noch ganz genau daran, wie sich ihr Vater verhielt, als sie noch ein junges Mädchen war. Sie erzählt: „Er redete nie mit uns. Wir lebten in verschiedenen Welten. Er wusste nicht, dass ich meine Freizeit in Discos verbrachte.“ Die 21-jährige Macarena aus Spanien berichtet Ähnliches aus ihrer Kindheit. Ihr Vater „zog an den Wochenenden los, um sich mit seinen Freunden zu amüsieren, und war nicht selten tagelang verschwunden“.
Die richtigen Prioritäten setzen
Die meisten Väter sind sich wahrscheinlich dessen bewusst, dass sie ihren Kindern zu wenig Zeit und Zuwendung schenken. Der Vater eines Teenagers in Japan sagte: „Ich hoffe immer, mein Sohn versteht meine Lage irgendwann. Ich denke ständig an ihn, auch wenn ich viel zu tun habe.“ Ist das Problem jedoch schon damit gelöst, dass sich der Vater einfach wünscht, sein Kind werde eines Tages Verständnis für seine Abwesenheit haben?
Es ist klar, dass man auf die Bedürfnisse eines Kindes nur dann richtig eingehen kann, wenn man sich wirklich anstrengt, ja Opfer bringt. Es ist eindeutig nicht einfach, Kindern das zu geben, was sie am meisten brauchen, nämlich Liebe, Zeit und Zuwendung. Jesus Christus sagte: „Nicht von Brot [also von buchstäblicher Nahrung] allein soll der Mensch leben“ (Matthäus 4:4). Klar ist auch, dass rein materielle Dinge Kinder nicht zu ausgeglichenen Erwachsenen machen. Deshalb sollten sich Väter fragen: Bin ich bereit, bei meiner Freizeit, meinem beruflichen Fortkommen oder anderen für mich sehr wertvollen Dingen Abstriche zu machen, um für meine Kinder da zu sein?
Die Zeitung Mainichi Daily News vom 10. Februar 1986 berichtete von einem Vater, der erkannte, wie wichtig seine Kinder wirklich sind. Es hieß dort: „Ein Vorstandsmitglied der staatlichen japanischen Eisenbahnen (JNR) trat lieber zurück, als von seiner Familie getrennt zu sein.“ Der Mann wurde wie folgt zitiert: „Den Posten eines Generaldirektors kann irgendjemand übernehmen. Aber Vater meiner Kinder bin nur ich.“
Um Kindern ein guter Vater zu sein, muss man zuerst wissen, was für eine Art Vater sie überhaupt brauchen. Das möchten wir nun untersuchen.
[Kasten auf Seite 3]
„Papa, wann kommst du wieder?“
Das fragte die fünfjährige Nao aus Japan ihren Vater, als er sich eines Tages zur Arbeit aufmachte. Der Vater der Kleinen wohnte zwar zu Hause, aber sie sah ihn nur selten. Normalerweise kam er erst von der Arbeit zurück, wenn Nao schon im Bett war, und morgens machte er sich auf den Weg zur Arbeit, bevor sie aufwachte.
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Was für einen Vater Kinder brauchenErwachet! 2004 | 22. August
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Was für einen Vater Kinder brauchen
KINDER brauchen einen Vater, der sie liebt, der für sie da ist und ihnen nach besten Kräften hilft, zu verantwortungsbewussten, vertrauenswürdigen Menschen heranzuwachsen. Diese Bedürfnisse sind bisher nicht gebührend beachtet worden.
Es stimmt natürlich, dass die Mutter das Kind zur Welt bringt, und man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig eine gute Mutter ist. Wie die Zeitschrift The Wilson Quarterly ausführt, kommt jedoch dem Vater eine genauso wichtige Rolle zu. Es heißt dort: „Dass die Vaterpflichten immer stärker vernachlässigt werden, ist einer der wichtigsten Gründe für viele der beunruhigendsten Probleme, von denen die amerikanische Gesellschaft heimgesucht wird“ — genau genommen müsste man sagen, die ganze Gesellschaft überall auf der Welt.
Die brasilianische Zeitung Jornal da Tarde berichtet über eine Studie, der zufolge Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen — zum Beispiel Aggressivität, Widerspenstigkeit, schlechte Schulleistungen und Apathie — oft „auf die Abwesenheit des Vaters zurückzuführen“ sind. Wie Marcello Bernardi in seinem Buch Gli imperfetti genitori (Die unvollkommenen Eltern) betont, entwickeln sich Kinder am besten, wenn sie mit beiden Eltern aufwachsen.
Das Familienleben kann verbessert werden
Falls der Vater durch irgendwelche Versäumnisse zu Problemen in der Familie beigetragen hat oder ihr Hauptverursacher war, bedeutet das keineswegs, dass Fehler nicht korrigierbar sind und das Familienleben nicht verbessert werden kann. Aber wie ist das zu schaffen? Und was müsste der Vater tun?
Kinder brauchen ohne Zweifel eine klare Familienstruktur: Sie müssen spüren, dass jemand die Verantwortung hat, dem ihr Wohl am Herzen liegt. Ist das nicht der Fall — wie es heute oft vorkommt —, so sind die Kinder im Nachteil. Dennoch ist die Lage niemals hoffnungslos, ob nun ein Vater vorhanden ist oder nicht. In der Bibel heißt es in Psalm 68:5: „Ein Vater von vaterlosen Knaben . . . ist Gott in seiner heiligen Wohnung.“a
Wo man Hilfe erhält
Lidia und ihre Familie, die im vorigen Artikel erwähnt wurden, sind ein Beispiel dafür, dass Gottes Hilfe für ein glückliches Familienleben von entscheidender Bedeutung ist und dass man diese Hilfe auch erhält. Wie sah das Leben bei ihnen zu Hause aus, und wie hat Gott ihnen geholfen?
Lidias Vater, Franciszek, bestätigt den Bericht seiner Tochter, dass er früher seine Frau und die Kinder vernachlässigte. Er sagt: „Es war mir egal, was die Kinder machten. Ich zeigte ihnen keine Liebe und wir fühlten uns nicht im Geringsten verbunden.“ Deshalb merkte Franciszek auch nicht, dass Lidia schon im Alter von 14 Jahren zusammen mit ihrem jüngeren Bruder und ihrer jüngeren Schwester wilde Partys feierte, rauchte, trank und in Schlägereien verwickelt war.
Irgendwann erkannte Franciszek, in welche Schwierigkeiten seine Kinder hineingerieten. Er war schockiert und beschloss, etwas zu tun. „Ich betete zu Gott um Hilfe“, sagt er. Interessanterweise standen bald darauf Zeugen Jehovas vor seiner Tür. Franciszek und seine Frau willigten in ein Bibelstudium ein und setzten die Lehren der Bibel in die Tat um. Wie wirkte sich das auf die Kinder aus?
Franciszek erklärt: „Ihnen fiel auf, dass ich nicht mehr trank und langsam ein besserer Vater wurde. Sie wollten mehr über Jehovas Zeugen erfahren. Also begannen auch sie die Bibel zu studieren und hatten keinen schlechten Umgang mehr.“ Franciszeks Sohn Rafał sagt über seinen Vater: „Er ist für mich jetzt wie ein lieber Freund.“ Weiter berichtet er: „Die Straßenbande war auf einmal unwichtig. Wir beschäftigten uns viel mit geistigen Dingen.“
Franciszek ist heute Ältester in einer Versammlung der Zeugen Jehovas und bemüht sich immer noch sehr um seine Familie und das geistige Wachstum jedes Einzelnen. Seine Frau und Lidia sind Pionierinnen (Vollzeitverkündigerinnen). Rafał und Sylwia, die Jüngste der drei Geschwister, beteiligen sich von Herzen am Studium der Bibel sowie am Kommentargeben in den Zusammenkünften und sie sprechen gern mit anderen über ihren Glauben.
Er lebte nach dem, was er lehrte
Verfolgen wir nun, wie es mit Macarenas Vater Luis weiterging — wir erinnern uns, Macarena ist die 21-jährige Spanierin, von der im einleitenden Artikel die Rede war. Luis’ Leben lief nach dem gleichen Schema ab wie das seines alkoholsüchtigen Vaters. Wie Macarena schon erwähnte, war er oft mehrere Tage hintereinander mit seinen Freunden auf Achse. Außerdem behandelte er seine Frau wie ein Dienstmädchen, statt sie als Partnerin zu schätzen. Die Ehe der beiden drohte in die Brüche zu gehen; das war eine traumatische Zeit für Macarena und ihre jüngeren Geschwister.
Schließlich willigte auch Luis in ein Bibelstudium mit Zeugen Jehovas ein. Er erzählt: „Von da an nahm ich mir Zeit für meine Frau und meine Kinder. Wir unterhielten uns, aßen gemeinsam und studierten zusammen die Bibel. Wir erledigten Hausarbeiten miteinander und waren auch in der Freizeit beisammen.“ Macarena sagt: „Auf einmal spürte ich, dass ein fürsorglicher Vater da war, dem wirklich etwas an seiner Familie lag.“
Interessanterweise spornte Luis nicht nur seine Familie an, Gott zu dienen, sondern er lebte auch selbst nach dem, was er lehrte. Wie Macarena erzählt, gab er ein „gut gehendes Unternehmen“ auf, „weil es ihn zu viel Zeit kostete, er aber mehr Zeit für seine Familie haben wollte“. Das Resultat war erstaunlich. „Er lebte mir vor, was es bedeutet, ein lauteres Auge zu haben und geistige Dinge an die erste Stelle zu setzen“, sagt Macarena. Sie ist heute Pionier, ihre Mutter und ihre jüngeren Geschwister sind aktive Glieder der Christenversammlung.
Der Entschluss des Generaldirektors
Kinder brauchen ohne Frage einen Vater, der bei seinen Entscheidungen ihr Wohl im Sinn hat. Der Sohn des japanischen Generaldirektors Takeshi Tamura, von dem im vorigen Artikel die Rede war, hatte sich als Jugendlicher mit zwielichtigen Freunden eingelassen und Schwierigkeiten schienen vorprogrammiert. Das war 1986, in dem Jahr, als Takeshi beschloss, seine verantwortliche Stellung bei der staatlichen Eisenbahn in Japan aufzugeben. Wie sieht Takeshi diesen Entschluss heute, nach über 18 Jahren?
„Das ist wahrscheinlich die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe“, sagte er kürzlich. „Ich hatte mehr Zeit für meinen Sohn und wir taten vieles gemeinsam, unter anderem studierten wir die Bibel: Das hat viel bewirkt. Wir wurden Freunde, er hatte keinen schlechten Umgang mehr und benahm sich anständig.“
Einige Jahre zuvor war Takeshis Frau eine Zeugin Jehovas geworden. Ihr vorbildliches Verhalten hatte ihn angeregt, sich mit der Bibel zu befassen und sich mehr um seine Familie zu bemühen. Schließlich wurden auch er, sein Sohn und seine Tochter Zeugen Jehovas. Takeshi und sein Sohn sind heute Älteste in ihrer jeweiligen Versammlung, seine Frau und seine Tochter stehen im Pionierdienst.
Väter brauchen Hilfe
Vielen Vätern ist zwar bewusst, dass sie sich zu wenig um ihre Kinder kümmern, aber sie wissen sich in ihrer Lage nicht so recht zu helfen. In einem Titel der Zeitung La Vanguardia hieß es über die Situation in Spanien: „42 Prozent der Eltern von Teenagern gestehen Unwissenheit in Erziehungsfragen ein“. Dasselbe trifft auf Väter zu, deren Kinder noch jünger sind. Viele glauben, diese Kleinen hätten die Anwesenheit und die Zuwendung eines hingebungsvollen Vaters nicht nötig, doch das ist ein Irrtum.
Was gibt es noch über die Rolle eines guten Vaters zu sagen? Wer sind die besten Vorbilder, und was kann man von ihnen lernen? Diese Fragen werden im abschließenden Artikel behandelt.
[Fußnote]
a Siehe das Kapitel „Einelternfamilien können Gelingen haben“ in dem Buch Das Geheimnis des Familienglücks, herausgegeben von Jehovas Zeugen.
[Bilder auf Seite 7]
Väter, die auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingegangen sind
Franciszek und seine Familie
Luis und seine Familie
Takeshi und seine Familie
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Ein guter Vater sein — Wie?Erwachet! 2004 | 22. August
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Ein guter Vater sein — Wie?
EIN Artikel über den Zerfall des Familienlebens, der in der Zeitschrift The Economist erschien, begann mit der treffenden Feststellung: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“
Vieles im Leben ist nicht einfach, aber eine der schwierigsten und gleichzeitig eine der wichtigsten Aufgaben ist die, ein guter Vater zu sein. Dennoch sollte jeder Vater dieses Ziel anstreben, denn schließlich stehen das Wohl und das Glück seiner Familie auf dem Spiel.
Warum es nicht leicht ist
Ein guter Vater zu sein ist vor allem deshalb nicht leicht, weil sowohl Eltern als auch Kinder von Natur aus unvollkommen sind. In der Bibel heißt es, dass „die Neigung des Menschenherzens böse ist von seiner Jugend an“ (1. Mose 8:21). Ein Bibelschreiber bestätigte dies mit den Worten: „In Sünde empfing mich meine Mutter“ (Psalm 51:5; Römer 5:12). Die Neigung, unrecht zu handeln, weil wir die Sünde geerbt haben, ist jedoch nicht das einzige Hindernis, das sich Vätern in den Weg stellt.
Ein weiteres gewaltiges Hindernis ist die Welt, in der wir leben, das gegenwärtige System der Dinge. Wieso kann man das sagen? Die Bibel zeigt uns den Grund dafür: „Die ganze Welt liegt in der Macht dessen, der böse ist“, in der Macht dessen, der in der Bibel „Teufel und Satan“ oder auch „Gott dieses Systems der Dinge“ genannt wird. Jesus gebot daher seinen Nachfolgern aus gutem Grund, sie sollten wie er „kein Teil der Welt“ sein (1. Johannes 5:19; Offenbarung 12:9; 2. Korinther 4:4; Johannes 17:16).
Wer ein guter Vater sein möchte, darf also nicht vergessen, dass der Mensch in Sünde geboren ist, dass Satan der Teufel existiert und dass er die Welt in seiner Gewalt hat. Das sind keine aus der Luft gegriffenen Behauptungen. Das sind Tatsachen! Doch wie kann man nun lernen, diese Hindernisse zu bewältigen und ein guter Vater zu werden?
Gott und Jesus als Vorbilder
Um mit den erwähnten Hindernissen fertig zu werden, bietet sich die Bibel als Hilfe an. Sie liefert hervorragende Vorbilder. Das beste Vorbild nannte Jesus selbst, als er seine Nachfolger beten lehrte: „Unser Vater in den Himmeln . . .“ Dieser himmlische Vater wird in der Bibel mit einfachen Worten beschrieben, wenn es dort heißt, dass „Gott Liebe ist“. Wie sollte ein menschlicher Vater auf dieses Vorbild der Liebe reagieren? „Werdet Nachahmer Gottes“, lautet der eindringliche Rat des Apostels Paulus, „und wandelt weiterhin in der Liebe“ (Matthäus 6:9, 10; 1. Johannes 4:8; Epheser 5:1, 2).
Betrachten wir nur eine Begebenheit aus dem Leben Jesu, um zu sehen, was Väter aus Gottes Vorbild im Umgang mit seinem Sohn lernen können. Aus Matthäus 3:17 erfahren wir, dass bei Jesu Taufe im Wasser Gottes Stimme vom Himmel zu hören war, die sagte: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Was kann man aus diesen Worten lernen?
Stellen wir uns als Erstes vor, was in einem Kind vorgeht, wenn sein Vater stolz zu jemandem sagt: „Das ist mein Sohn“, oder: „Das ist meine Tochter.“ Kinder blühen auf, wenn sie von ihren Eltern beachtet werden, vor allem wenn sie Lob und Anerkennung finden. Sie werden sich dann wahrscheinlich besonders anstrengen, um zu zeigen, dass sie dies auch verdienen.
Ein zweiter Punkt: Gott brachte durch die Worte „der geliebte“ seine Gefühle gegenüber Jesus zum Ausdruck. Bei dieser liebevollen Äußerung aus dem Mund seines Vaters muss Jesus warm ums Herz geworden sein. Wer Kinder hat, kann sie ebenso ermuntern, indem er ihnen durch Worte zeigt, wie lieb er sie hat — aber nicht nur durch Worte, sondern auch dadurch, dass er für sie sorgt und sich bewusst Zeit für sie nimmt.
Gott sprach zu seinem Sohn: „An dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Markus 1:11). Hierin liegt ein dritter wichtiger Gedanke. Ein Vater sollte seinen Kindern sagen, dass er sich über sie freut. Natürlich machen Kinder oft etwas verkehrt. Aber das geht uns doch allen so. Väter könnten darüber nachdenken, ob sie stets nach Gelegenheiten suchen, ihre Kinder zu loben, wenn sie etwas Gutes gesagt oder getan haben.
Jesus lernte viel von seinem himmlischen Vater. Als er auf der Erde lebte, kamen in seinen Worten und Taten die Gefühle zum Ausdruck, die Gott für seine Kinder auf der Erde hegt (Johannes 14:9). Auch wenn Jesus wenig Zeit hatte oder unter Druck stand, setzte er sich hin und unterhielt sich mit Kindern. „Lasst die kleinen Kinder zu mir kommen“, sagte er zu seinen Jüngern, „versucht nicht, sie daran zu hindern“ (Markus 10:14). Als Vater könnte man sich fragen: Kann ich das Vorbild Jehovas und seines Sohnes noch besser nachahmen?
Gutes Vorbild wichtig
Man kann gar nicht genug unterstreichen, wie wichtig ein gutes Vorbild für Kinder ist. Wenn sich Eltern nicht selbst von Gott in Zucht nehmen lassen und entsprechend leben, werden ihre Bemühungen, ihre Kinder „weiterhin . . . in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas“ aufzuziehen, wahrscheinlich kaum erfolgreich sein (Epheser 6:4). Doch mit Gottes Hilfe können sie jedes Hindernis überwinden, das sie davon abhält, Gottes Gebot zu befolgen und für ihre Kinder zu sorgen.
Ein Beispiel dafür ist Viktor Gutschmidt, ein Zeuge Jehovas in der ehemaligen Sowjetunion. Er wurde im Oktober 1957 zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er über seinen Glauben gesprochen hatte. Zurück blieben seine Frau, Polina, und seine beiden Töchterchen. Viktor durfte seiner Familie aus dem Gefängnis zwar schreiben, aber man erlaubte ihm nicht, Gott oder irgendein religiöses Thema zu erwähnen. Trotz dieser Einschränkungen war Viktor fest entschlossen, seinen Töchtern ein guter Vater zu sein, und er wusste auch, dass er sie auf jeden Fall über Gott belehren musste. Was tat er?
Viktor berichtet, er habe in zwei sowjetischen Magazinen passenden Stoff gefunden, und sagt: „Ich zeichnete auf Postkarten Bilder von Tieren und Menschen und schrieb eine Geschichte oder ein Erlebnis aus der Natur dazu.“
Polina erinnert sich: „Sobald wir die Postkarten erhielten und darauf die Schönheit der Natur wie Wälder oder Flüsse sahen, dachten wir an bestimmte Stellen in der Bibel. Ich las dann sofort Jesaja, Kapitel 65.“ Dort geht es um Gottes Verheißungen, die Erde zu einem Paradies zu machen.
Viktors Tochter Julia berichtet: „Dann betete Mutter immer mit uns, und wir weinten. Natürlich spielten diese Karten bei unserer Erziehung eine große Rolle.“ Polina schildert das Ergebnis: „Die Kinder liebten Gott schon, als sie noch ganz klein waren.“ Was ist aus dieser Familie geworden?
Viktor erzählt: „Meine Töchter sind beide mit christlichen Ältesten verheiratet, ihre Familien sind geistig stark und auch ihre Kinder sind treue Diener Jehovas.“
Um ein gutes Beispiel zu geben, ist oft nicht nur Einfallsreichtum nötig, sondern auch ernsthaftes Bemühen. Wenn Kinder sehen, dass sich ihr Vater wirklich anstrengt, wird ihnen das wahrscheinlich zu Herzen gehen. Ein langjähriger Vollzeitdiener sagte anerkennend über seinen Vater: „Papa war von der Arbeit manchmal so müde, dass er die Augen kaum offen halten konnte, aber unser Bibelstudium fand trotzdem statt; das zeigte uns, wie ernst es ihm damit war.“
Um Kindern ein guter Vater zu sein, ist es ohne Zweifel sehr wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen, und zwar in Wort und Tat. Nur dann kann man erleben, wie wahr der Bibelspruch ist: „Erzieh einen Knaben gemäß dem Weg für ihn; auch wenn er alt wird, wird er nicht davon abweichen“ (Sprüche 22:6).
Behalten wir also im Sinn: Nicht nur unsere Worte zählen, sondern vor allem unsere Taten — das Beispiel, das wir geben. Ein kanadischer Experte für Pädagogik der frühen Kindheit schrieb: „Die beste Methode, um zu erreichen, dass sich unsere Kinder benehmen, besteht darin, das erwünschte Verhalten selbst zu zeigen.“ Sollen unsere Kinder also geistige Dinge schätzen, ist es wichtig, dass auch wir sie schätzen.
Sich Zeit nehmen
Kinder müssen das gute Vorbild ihrer Eltern beobachten können. Dazu müssen Eltern und Kinder zusammen sein — und zwar ausgiebig, nicht nur ab und zu ein bisschen. Eltern sollten also klugerweise den biblischen Rat befolgen, ‘Zeit auszukaufen’, das heißt, weniger Wichtiges zurückzustellen, um sich mit ihren Kindern zu beschäftigen (Epheser 5:15, 16). Hand aufs Herz: Ist ein teures Fernsehgerät, eine professionelle Sportausrüstung, ein schönes Haus oder der Beruf wichtiger als die eigenen Kinder?
Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Vorbeugen ist besser als heilen.“ Väter bedauern es oft sehr, wenn ihre Kinder in Unmoral abgeglitten sind oder Gott in ihrem Leben keine Rolle mehr spielt. Sie bereuen es, sich nicht öfter mit ihren Kindern beschäftigt zu haben, als diese noch klein waren und ihren Vater dringend brauchten.
Väter sollten also an die Folgen ihrer Entscheidungen denken, wenn die Kinder noch klein sind. Die Bibel nennt Kinder „ein Erbe von Jehova“: Gott selbst hat sie uns anvertraut (Psalm 127:3). Vergessen wir also nie, dass wir ihm Rechenschaft schuldig sind!
Hilfe steht zur Verfügung
Ein guter Vater sollte darauf bedacht sein, sich bei der Erziehung seiner Kinder helfen zu lassen. Manoach, dessen Frau durch einen Engel erfahren hatte, dass sie ein Kind bekommen würde, betete zu Gott: „Lass doch den Mann des wahren Gottes . . . bitte wieder zu uns kommen und uns unterweisen über das, was wir mit dem Kind tun sollen, das geboren werden wird“ (Richter 13:8, 9). Manoach brauchte Hilfe, genauso wie Eltern heute. Wir wollen sehen, welche Art Hilfe sie brauchen.
Brent Burgoyne, Dozent an der Universität in Kapstadt (Südafrika), bemerkte: „Man kann einem Kind fast kein größeres Geschenk machen, als ihm ein Wertesystem zu vermitteln.“ In der japanischen Zeitung The Daily Yomiuri war zu lesen, wie notwendig dies ist. Dort wurde von einer Studie berichtet, nach der „71 Prozent der Kinder in Japan von ihrem Vater nie gesagt bekamen, dass sie nicht lügen dürfen“. Ist das nicht eine traurige Bilanz?
Aber wer kann uns ein zuverlässiges Wertesystem bieten? Derselbe, der auch Manoach Anleitung gab — nämlich Gott! Gott sandte Jesus, seinen geliebten Sohn, der im Allgemeinen „Lehrer“ genannt wurde. Das Buch Lerne von dem großen Lehrer, das bereits in vielen Sprachen vorliegt, ist ein Hilfsmittel für all diejenigen, die ihre Kinder auf der Grundlage der Lehren Jesu unterweisen möchten.
In diesem Buch werden Werte, die sich auf die Bibel gründen, nicht nur in Worten erklärt, sondern zusätzlich mit über 160 Bildern und dazu passenden gezielten Fragen veranschaulicht. In Kapitel 22 zum Beispiel ist unter dem Thema „Warum wir nicht lügen dürfen“ das Bild auf Seite 32 in dieser Zeitschrift zu sehen. Im Text heißt es dazu: „Ein Junge sagt zu seinem Vater: ‚Nein, ich hab nicht im Zimmer Ball gespielt.‘ In Wirklichkeit hat er es aber doch getan. Wäre es dann nicht verkehrt, so etwas zu behaupten?“
Weitere eindringliche Lehren findet man unter den Titeln „Gehorsam ist ein Schutz“, „Lass dich nicht zu etwas Schlechtem verleiten“, „Jesus lehrt uns, zu anderen gut zu sein“, „Werde nie zum Dieb!“, „Findet Gott alle Feiern gut?“, „Wie wir Gott Freude machen können“ und „Warum Arbeit so wichtig ist“, um nur einige der insgesamt 48 Kapitelüberschriften zu nennen.
Am Schluss des Vorworts zu diesem Buch heißt es: „Besonders wichtig ist, dass Kinder an die Quelle aller Weisheit herangeführt werden, unseren himmlischen Vater Jehova. Darauf hat Jesus, der große Lehrer, immer Wert gelegt. Es liegt uns sehr am Herzen, dass euch dieses Buch hilft, als Familie so zu leben, dass es Jehova gefällt und er euch in alle Ewigkeit segnen kann.“a
Ein guter Vater zu sein schließt also ein, Kindern ein gutes Beispiel zu geben, sich sehr viel Zeit für sie zu nehmen und ihnen zu helfen, nach den Maßstäben Gottes zu leben, die er uns durch die Bibel gezeigt hat.
[Fußnote]
a Mein Buch mit biblischen Geschichten, Fragen junger Leute — Praktische Antworten und Das Geheimnis des Familienglücks sind weitere Bücher, die Jehovas Zeugen als Hilfe für Familien zur Verfügung stellen.
[Bild auf Seite 8]
Viktor Gutschmidt gelang es trotz seiner Inhaftierung, ein guter Vater zu sein
[Bilder auf Seite 8, 9]
Als Viktor wegen seines Glaubens im Gefängnis war, zeichnete er diese lehrreichen Bilder für seine Kinder
[Bild auf Seite 9]
Viktors Töchter im Jahr 1965
[Bild auf Seite 10]
Väter sollten an der Belehrung ihrer Kinder mitwirken
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