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Geht es wirklich aufwärts?Der Wachtturm 1991 | 1. September
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Göttliche Unterstützung?
Die jahrzehntelange Unterdrückung der Religion in Osteuropa veranlaßte einige religiöse Gruppen — unter Mißachtung des Grundsatzes der christlichen Neutralität —, politisch aktiv zu werden. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es dazu: „Die Mitwirkung der Christen an der Umgestaltung im Osten ist unbestritten. Ihr Anteil ist sicherlich nicht gering zu schätzen ... In Polen zum Beispiel, wo sich die Religion mit der Nation verbunden hatte und die Kirche zum hartnäckigen Gegenspieler der herrschenden Partei geworden war; in der DDR, wo die Kirche Andersdenkenden Freiraum verschaffte und ihnen ihre Häuser zu Selbstorganisation zur Verfügung stellte; in der Tschechoslowakei, wo sich Christen und Demokraten in den Gefängnissen trafen und schätzen lernten und sich schließlich verbündeten.“ Und in Rumänien, wo sich die Kirchen „als treue Vasallen des Ceausescu-Regimes“ erwiesen hatten, war die drohende Verhaftung des Geistlichen Laszlo Tökes sogar der Auslöser der Revolution.
Auch der Vatikan war beteiligt. Die Zeitschrift Time schrieb im Dezember 1989: „Gorbatschows Nichteinmischungspolitik setzte zwar die Kettenreaktion der Befreiung in Gang, die in den letzten Monaten über Osteuropa hinweggefegt ist, aber längerfristig gesehen, gebührt Johannes Paul ein Großteil des Verdienstes. ... In den 80er Jahren propagierte er in seinen Reden immer wieder das Konzept eines vom Atlantik bis zum Ural vereinten und vom christlichen Glauben durchdrungenen Europa.“ So brachte der Papst beispielsweise im April 1990 bei einem Aufenthalt in der Tschechoslowakei die Hoffnung zum Ausdruck, daß sein Besuch neue Türen zwischen Ost und West öffnen möge. Er gab bekannt, daß eine Synode der europäischen Bischöfe geplant sei, die eine Strategie ausarbeiten solle, wie seine Vision von „einem auf der Grundlage der christlichen Wurzeln vereinten Europa“ verwirklicht werden könne.
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Geht es wirklich aufwärts?Der Wachtturm 1991 | 1. September
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Die evangelische Nikolaikirche in Leipzig — ein Symbol der politischen Veränderungen in Deutschland
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