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Wir sind und bleiben „zeitweilige Ansässige“Der Wachtturm 2012 | 15. Dezember
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„Ich ermahne euch als Fremdlinge und zeitweilig Ansässige, euch der fleischlichen Begierden zu enthalten“ (1. PET. 2:11)
1, 2. Wer sind die „Auserwählten“, von denen Petrus sprach, und warum bezeichnete er sie als „zeitweilig Ansässige“?
ETWA 30 Jahre, nachdem Jesus in den Himmel zurückgekehrt war, schrieb der Apostel Petrus einen Brief an „die zeitweilig Ansässigen, die zerstreut sind in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, an die Auserwählten“ (1. Pet. 1:1). Wie er selbst waren diese Christen „zu einer lebendigen Hoffnung“ wiedergeboren worden — mit heiligem Geist gesalbt und „auserwählt“, mit Christus im Himmel zu regieren. (Lies 1. Petrus 1:3, 4.) Warum aber bezeichnete Petrus sie auch als „Fremdlinge und zeitweilig Ansässige“? (1. Pet. 2:11). Und was hat das für uns heute zu bedeuten, wo sich doch von allen Zeugen Jehovas weltweit nur noch ein verschwindend geringer Teil zu diesen „Auserwählten“ zählt?
2 Die Bezeichnung „zeitweilig Ansässige“ ist für geistgesalbte Christen heute noch genauso passend wie im 1. Jahrhundert, denn ihr Aufenthalt auf der Erde ist sozusagen befristet. Der Apostel Paulus, der selbst zu der „kleinen Herde“ geistgesalbter Christen gehörte, erklärte: „Was uns betrifft, unser Bürgerrecht besteht in den Himmeln, von woher wir auch sehnlich einen Retter erwarten, den Herrn Jesus Christus“ (Luk. 12:32; Phil. 3:20). Das heißt: Wenn diese Gesalbten sterben, lassen sie die Erde für etwas „weit Besseres“ hinter sich: ihr „Bürgerrecht“ im Himmel, wo sie Unsterblichkeit erhalten. (Lies Philipper 1:21-23.) Auf der Erde, die in der Gewalt des Teufels ist, sind sie demnach wirklich nur zeitweilig ansässig.
3. Welche Frage stellt sich in Verbindung mit den „anderen Schafen“?
3 Und die „anderen Schafe“? (Joh. 10:16). Ihnen wird in der Bibel die feste Hoffnung vermittelt, dass sie für immer auf der Erde leben dürfen. Und doch sind auch sie in gewissem Sinn „zeitweilig Ansässige“. Warum kann man das sagen?
„DIE GESAMTE SCHÖPFUNG SEUFZT FORTGESETZT“
4. Woran können Menschen nichts ändern?
4 Solange Jehova das böse System noch bestehen lässt, haben alle — auch wir als Christen — unter den Folgen der Rebellion Satans zu leiden. Treffend heißt es in Römer 8:22, dass „die gesamte Schöpfung zusammen fortgesetzt seufzt und zusammen in Schmerzen liegt bis jetzt“. Daran können auch noch so aufrichtige Bemühungen von Staatsmännern, Wissenschaftlern oder Hilfsorganisationen nichts ändern.
5. Wofür haben sich seit 1914 Millionen Menschen entschieden, und warum?
5 Seit 1914 haben sich daher Millionen Menschen dafür entschieden, Untertanen des von Gott eingesetzten Königs Christus Jesus zu werden. Sie wollen nicht zu der vom Teufel beherrschten Welt gehören und weigern sich, sein System zu unterstützen. Ihre Unterstützung gilt dem Königreich Gottes, und deshalb stellen sie ihr Leben und alle ihre Mittel in den Dienst dieser Regierung (Röm. 14:7, 8).
6. Warum sind Jehovas Zeugen in der heutigen Welt Fremde?
6 Jehovas Zeugen leben in weit über 200 Ländern und Territorien. Überall sind sie gesetzestreue Staatsbürger — und sind doch gewissermaßen Fremde. Sie halten sich strikt aus allen politischen und gesellschaftlichen Streitfragen heraus. Schon jetzt sehen sie sich als Bürger einer neuen Welt, die Gott versprochen hat. Und sie sind froh, dass ihr befristeter Aufenthalt in dem unvollkommenen Weltsystem von heute mit Riesenschritten dem Ende entgegengeht.
Wir wollen nicht die Welt Satans retten, sondern machen uns für Gottes neue Welt stark
7. Wo werden Gottes Diener für immer leben dürfen, und wie wird das möglich?
7 Bald wird Christus von seiner Autorität Gebrauch machen und das böse System des Teufels vernichten. Alle sichtbaren und unsichtbaren Spuren der Rebellion Satans gegen die rechtmäßige Souveränität Jehovas wird er beseitigen. Sünde und Leid wird es unter seiner Herrschaft nicht mehr geben. Alle, die Gott treu sind, werden für immer im Paradies auf der Erde leben dürfen. (Lies Offenbarung 21:1-5.) Dann wird die Schöpfung im wahrsten Sinn des Wortes „von der Sklaverei des Verderbens frei gemacht“ worden sein „zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Röm. 8:21).
WAS WIRD VON ECHTEN CHRISTEN ERWARTET?
8, 9. Was meinte Petrus damit, sich „der fleischlichen Begierden zu enthalten“?
8 Was von Christen erwartet wird, erklärte Petrus weiter mit den Worten: „Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge und zeitweilig Ansässige, euch der fleischlichen Begierden zu enthalten, die ja mit der Seele im Streit liegen“ (1. Pet. 2:11). Das war zwar ursprünglich an geistgesalbte Christen gerichtet, gilt aber genauso für Jesu „andere Schafe“.
9 Nicht alle Wünsche oder Bedürfnisse sind grundsätzlich verkehrt. Werden sie in dem Rahmen befriedigt, den unser Schöpfer festgelegt hat, tragen sie dazu bei, dass wir das Leben genießen können. Es ist zum Beispiel völlig normal, gern gut zu essen und zu trinken. Es macht Freude, sich zu entspannen und mit guten Freunden zusammen zu sein. Und es ist auch nur natürlich und normal, in der Ehe Lust am Sex zu haben (1. Kor. 7:3-5). Doch Petrus sprach ja von „fleischlichen Begierden“, die „mit der Seele im Streit liegen“ — das heißt von verkehrten, sündigen Neigungen und Wünschen. Jehova hat uns deutlich wissen lassen, wie wir leben sollen. Jeder Wunsch, der im Widerspruch dazu steht, könnte unser gutes Verhältnis zu ihm gefährden. Deshalb müssen wir genau darauf achten, welche Wünsche wir zulassen. Würden wir verkehrten Wünschen Raum geben, stünde unsere „Seele“, also unser Leben auf dem Spiel.
10. Mit was für Methoden versucht der Teufel, Christen zu einem Teil seiner Welt zu machen?
10 Satan hat das Ziel, echte Christen davon abzubringen, sich als „zeitweilig Ansässige“ im heutigen System zu sehen. Er will, dass wir Geld und Besitz zu wichtig nehmen, uns von Unmoral angezogen fühlen, nach Ruhm und Ansehen streben, immer zuerst an uns selbst denken und stolz auf unsere Nation sind. Uns muss klar sein, dass all das Fallen des Teufels sind und dass er dabei auf die starke Anziehungskraft und den verführerischen Reiz solcher Wünsche setzt. Wenn wir diese „fleischlichen Begierden“ entschlossen bekämpfen, machen wir deutlich, dass wir nicht zur bösen Welt Satans gehören wollen — dass wir darin nur „zeitweilig Ansässige“ sind. Unser großes Ziel ist, für immer in der gerechten neuen Welt Gottes zu leben. Und dafür strengen wir uns hart an.
VORBILDLICHES VERHALTEN
11, 12. Wie denkt man oft über Ausländer? Wie denken manche über Jehovas Zeugen?
11 Was darüber hinaus von Christen als „zeitweilig Ansässigen“ erwartet wird, erklärte Petrus gemäß Vers 12 wie folgt: „Führt euren Wandel vortrefflich unter den Nationen, damit sie in dem, worin sie gegen euch als von Übeltätern reden, zufolge eurer vortrefflichen Werke, von denen sie Augenzeugen sind, Gott verherrlichen mögen am Tag seiner Besichtigung.“ Wer sich vorübergehend in einem Land aufhält, das nicht sein Heimatland ist, wird manchmal misstrauisch beäugt oder sogar für einen „Übeltäter“ gehalten, nur weil er anders ist als die Einheimischen: anders redet, anders auftritt, sich anders kleidet oder einfach nur anders aussieht. Durch „vortreffliche Werke“, also ein gutes Verhalten, lassen sich solche Vorurteile aber meist entkräften.
12 So ähnlich geht es auch echten Christen. Sie sind in mancher Hinsicht anders als viele ihrer Mitmenschen, zum Beispiel was ihre Sprache oder die Freizeitgestaltung angeht. Oft unterscheiden sie sich auch in der Kleidung und dem ganzen Erscheinungsbild von ihrem Umfeld. Ihr Anderssein hat ihnen manchmal den Vorwurf eingebracht, „Übeltäter“ zu sein. Doch besser informierte Personen äußern sich nicht selten lobend über ihr Verhalten.
13, 14. Was ist damit gemeint, dass sich die „Weisheit durch ihre Werke als gerecht“ erweist? An welchen Beispielen zeigt sich das?
13 Durch ein vorbildliches Benehmen lässt sich ungerechtfertigte Kritik oft widerlegen. Denken wir daran, dass nicht einmal Jesus — der einzige Mensch, der Jehova jemals vollkommen gehorsam war — von Falschanklagen verschont blieb! Manche behaupteten über ihn, er sei „ein Fresser . . . und dem Weintrinken ergeben, ein Freund von Steuereinnehmern und Sündern“. Doch alle Anschuldigungen, er sei ein „Übeltäter“, waren völlig aus der Luft gegriffen — wie er durch sein vorbildliches Verhalten bewies. Zu Recht konnte er sagen: „Dennoch erweist sich die Weisheit durch ihre Werke als gerecht“ (Mat. 11:19). Das ist heute nicht anders. Zum Beispiel wird den Brüdern und Schwestern, die im deutschen Bethel in Selters tätig sind, von manchen in der Umgebung ein gewisses Misstrauen entgegengebracht. Der ehemalige Bürgermeister dieser Gemeinde aber stellte sich vor sie und sagte: „Die Zeugen Jehovas führen dort ein Eigenleben — aber eins, das die Restbevölkerung in keiner Weise stört.“
Eine russische Familie, vereint durch die Wahrheit der Bibel
14 Zu einem ähnlichen Schluss kam vor Kurzem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem Fall, der Jehovas Zeugen in Moskau betraf. Ihnen war fälschlich vorgeworfen worden, sie würden zum Beispiel Familien zerrütten, zum Selbstmord anstiften und ärztliche Hilfe ablehnen. Im Juni 2010 entschied dann dieses Gericht in Straßburg, die Moskauer Behörden hätten zu Unrecht die Religionsfreiheit und das Versammlungsrecht der Zeugen beschnitten. Keines der russischen Gerichte habe nachweisen können, dass sich die Zeugen irgendwie strafbar gemacht hätten. Daher seien die verhängten Einschränkungen „übertrieben streng“ und „völlig unverhältnismäßig“ gewesen.
„EHRT DEN KÖNIG“
15. An welchen biblischen Grundsatz halten sich Jehovas Zeugen in aller Welt?
15 Jehovas Zeugen — nicht nur in Moskau, sondern in aller Welt — halten sich noch an ein weiteres Erfordernis für echte Christen. Petrus schrieb: „Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Schöpfung: es sei einem König als einem Höherstehenden, es sei Statthaltern“ (1. Pet. 2:13, 14). Wir sind zwar kein Teil der Welt. Trotzdem unterstellen wir uns bereitwillig den Regierungsbehörden „in ihren relativen Stellungen“, wozu Paulus Christen ja aufforderte. (Lies Römer 13:1, 5-7.)
16, 17. (a) Was zeigt, dass Jehovas Zeugen nicht regierungsfeindlich eingestellt sind? (b) Was haben manche Regierungsvertreter anerkannt?
16 Dass sich Jehovas Zeugen wie „zeitweilig Ansässige“ im heutigen System verhalten, hat nichts mit zivilem Ungehorsam oder passivem Widerstand zu tun. Auch versuchen sie nie, andere in politischen oder gesellschaftlichen Fragen von etwas abzuhalten oder ihnen in ihre Entscheidungen hineinzureden. Ganz im Gegensatz zu manch anderen religiösen Gruppierungen halten sie sich völlig aus der Politik heraus und würden den Behörden nie ihre Vorstellungen aufzwingen wollen. Der Vorwurf, sie würden die öffentliche Ordnung stören oder die staatliche Autorität untergraben, ist völlig haltlos!
17 Echte Christen befolgen die Anweisung: „Ehrt den König.“ Deshalb gehorchen sie den Vertretern der Staatsgewalt und erweisen ihnen die Achtung, die ihr Amt verdient (1. Pet. 2:17). Manchmal erkennen Regierungsvertreter öffentlich an, dass es keinen Grund gibt, Jehovas Zeugen irgendwie für gefährlich zu halten. Steffen Reiche zum Beispiel, ehemaliger Landesminister von Brandenburg und Mitglied des deutschen Bundestags, sagte: „Das Verhalten der Zeugen Jehovas in den Lagern und Gefängnissen [während der Hitlerzeit] verkörpert Tugenden, die heute wie in der Vergangenheit unerlässlich für den Bestand eines demokratischen Rechtsstaates sind: nämlich ihre Standhaftigkeit gegenüber der SS und ihre Mitmenschlichkeit gegenüber ihren Mitgefangenen. Angesichts der zunehmenden Brutalität gegenüber Ausländern sowie gegenüber politisch oder weltanschaulich Andersdenkenden sind diese Tugenden ein Gebot für jeden Bürger unseres Landes.“
EINANDER LIEBEN
18. (a) Warum ist es für Jehovas Zeugen völlig natürlich, ihre Brüder und Schwestern zu lieben? (b) Wie hat das auf einige Nichtzeugen gewirkt?
18 Der Apostel Petrus schrieb: „Habt Liebe zur ganzen Bruderschaft, habt Gottesfurcht“ (1. Pet. 2:17). Jehovas Zeugen haben Ehrfurcht vor Jehova und wollen ihm auf keinen Fall irgendwie wehtun. Das ist eine zusätzliche Motivation für sie, so zu handeln, wie er es sich wünscht. Außerdem sie sind glücklich, zu einer weltweiten Bruderschaft zu gehören, in der alle genauso empfinden. Daher ist es nur natürlich, dass sie „Liebe zur ganzen Bruderschaft“ haben. Gerade weil diese Bruderliebe in der egoistischen Gesellschaft von heute so selten ist, sind Außenstehende davon manchmal sehr überrascht. Eine Frau beispielsweise, die für eine amerikanische Reiseagentur tätig ist und 2009 ausländische Delegierte bei einem internationalen Kongress in Deutschland begleitete, äußerte sich sehr erstaunt darüber, wie herzlich die Zeugen ihre Glaubensbrüder willkommen hießen und wie liebevoll sie sich um sie kümmerten. So etwas habe sie in all den Jahren ihrer Tätigkeit noch nie gesehen. Später erzählte ein Bruder: „In allem, was sie über uns sagte, schwang immer ein Ton der Bewunderung und Begeisterung mit.“ Hast du bei einem Kongress auch schon einmal solche Reaktionen von Beobachtern erlebt?
19. Was möchten wir unbedingt bleiben, und warum?
19 Wie wir gesehen haben, beweisen Jehovas Zeugen auf vielerlei Weise: Sie sind und bleiben tatsächlich nur „zeitweilig Ansässige“ in der Welt Satans. Darüber sind sie glücklich, denn sie haben die feste Hoffnung, schon bald in der gerechten neuen Welt Gottes leben zu dürfen — und zwar für immer! Freust du dich auch schon darauf?
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„Zeitweilig Ansässige“, die Jehova vereint anbetenDer Wachtturm 2012 | 15. Dezember
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„Zeitweilig Ansässige“, die Jehova vereint anbeten
„Ausländer werden eure Landwirte und eure Winzer sein. Und was euch betrifft, die Priester Jehovas werdet ihr genannt werden“ (JES. 61:5, 6)
1. Wie denken manche über Ausländer, aber warum ist das verkehrt?
„AUSLÄNDER“ — für manchen schwingt allein in dem Wort schon Geringschätzung oder gar Verachtung mit. Wer Menschen von einer anderen Nation für minderwertig hält, verrät jedoch nicht nur einen eklatanten Mangel an Respekt, sondern ignoriert auch die Fakten. Eine Anthropologin schrieb einmal: „Die Menschen aller Rassen sind, wie die Bibel es sagt — Brüder.“ So verschieden Brüder oft sein können: Sie sind und bleiben Brüder.
2, 3. Wie denkt Jehova über Ausländer?
2 Wo auch immer wir leben, Ausländer gibt es überall. Das war schon im alten Israel so. Jehova Gott war ja mit dieser Nation durch den Gesetzesbund eine besondere Verbindung eingegangen. Somit galten für Ausländer, die in Israel lebten, zwar manche Beschränkungen, aber Jehova verlangte von den Israeliten, sie fair und respektvoll zu behandeln. Ein sehr gutes Beispiel für uns! Unter echten Christen haben Vorurteile oder Parteilichkeit nichts zu suchen. Warum nicht? Der Apostel Petrus erklärte: „Bestimmt merke ich, dass Gott nicht parteiisch ist, sondern dass für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Apg. 10:34, 35).
3 Ausländer in Israel kamen durch den engen Kontakt mit den Einheimischen in den Genuss vieler Vorteile. Daran wurde deutlich, wie Jehova über Ausländer denkt. Paulus brachte das einmal mit der Aussage auf den Punkt: „Ist er nur der Gott der Juden? Nicht auch der Menschen der Nationen? Doch, auch der Menschen der Nationen“ (Röm. 3:29; Joel 2:32).
4. Warum kann man sagen, dass es im „Israel Gottes“ keine Ausländer gibt?
4 Später löste Jehova seine besondere Verbindung mit der Nation Israel auf und schloss stattdessen einen neuen Bund mit der Versammlung der gesalbten Christen, „Israel Gottes“ genannt (Gal. 6:16). Und Paulus erklärte, dass es darin „weder Grieche noch Jude . . . , weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, Ausländer, Skythe, Sklave, Freier“ gibt, sondern dass „Christus alles und in allen ist“ (Kol. 3:11). So betrachtet sollte es in der Christenversammlung keine Ausländer geben.
5, 6. (a) Welche Frage könnte durch Jesaja 61:5, 6 entstehen? (b) Wer sind die dort erwähnten „Priester Jehovas“, und wer sind die „Ausländer“? (c) Was verbindet die beiden Gruppen?
5 Was hat es denn dann mit der Beschreibung in Jesaja, Kapitel 61 auf sich, einer Prophezeiung, die sich in der Christenversammlung erfüllt? Dort ist im Vers 6 von denen die Rede, die als „Priester Jehovas“ dienen werden. Doch in Vers 5 werden „Ausländer“ erwähnt, die mit diesen „Priestern“ zusammenarbeiten und sie unterstützen würden. Wie ist das zu verstehen?
6 Bei den „Priestern Jehovas“ handelt es sich um geistgesalbte Christen, die die „erste Auferstehung“ erleben. Sie werden „Priester Gottes und des Christus sein und werden als Könige die tausend Jahre mit ihm regieren“ (Offb. 20:6). Darüber hinaus haben viele treue Christen die Hoffnung, ewig auf der Erde zu leben. Sie halten sich zwar eng an die gesalbten Christen, die in den Himmel kommen, gehören selbst aber nicht zum „Israel Gottes“ und sind deshalb in gewissem Sinn „Ausländer“. Es macht ihnen jedoch viel Freude, die „Priester Jehovas“ zu unterstützen — ihnen zur Verherrlichung Jehovas sozusagen als Landwirte und Winzer bei der Ernte zur Hand zu gehen. Diese „anderen Schafe“ Jesu helfen den Gesalbten, die Wahrheit zu verkündigen, Menschen einzusammeln, die Jehova für immer dienen möchten, und sich liebevoll um sie zu kümmern (Joh. 10:16).
„ZEITWEILIG ANSÄSSIGE“ WIE ABRAHAM
7. Worin gleichen Christen heute Abraham und anderen treuen Glaubensmenschen aus alter Zeit?
7 Wie im vorigen Artikel beschrieben, sind echte Christen im bösen System des Teufels „Ausländer“ oder „zeitweilig Ansässige“. Darin gleichen sie Abraham und anderen treuen Glaubensmenschen aus alter Zeit, die öffentlich erklärten, „dass sie Fremde und zeitweilig Ansässige im Land seien“ (Heb. 11:13). Abraham hatte ein ganz besonderes Verhältnis zu Jehova, und das dürfen auch wir haben, ganz gleich ob wir im Himmel oder auf der Erde ewig leben werden. Jakobus wies darauf mit den Worten hin: „Das Schriftwort wurde erfüllt, welches sagt: ‚Abraham setzte Glauben in Jehova, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet‘, und er wurde ‚Freund Jehovas‘ genannt“ (Jak. 2:23).
8. Welches Versprechen erhielt Abraham von Jehova, und wie dachte er darüber?
8 Jehova versprach, durch Abraham und seine Nachkommen würden alle Nationen der Erde gesegnet werden — nicht nur eine Nation. (Lies 1. Mose 22:15-18.) Obwohl sich das erst in der fernen Zukunft erfüllen sollte, ließ Abraham in seinem Vertrauen darauf nie nach. Über hundert Jahre lang zog er mit seiner Familie von einem Ort zum anderen. Seine Freundschaft zu Jehova blieb die ganze Zeit über sehr eng.
9, 10. (a) Worin können wir uns an Abraham ein Beispiel nehmen? (b) Welche Einladung Jehovas dürfen wir weitergeben?
9 Abraham wusste nicht, wie lange es dauern sollte, bis Jehova sein Versprechen erfüllen würde. Das änderte aber nichts daran, dass er seinen Gott sehr liebte und ihm völlig ergeben war. Er wollte gar nicht in irgendeiner Nation sesshaft werden, denn er bewahrte sich einen klaren Blick für das, was wirklich zählte (Heb. 11:14, 15). Ist das nicht ein gutes Beispiel für uns, ebenfalls ein einfaches Leben zu führen, statt uns übermäßig Sorgen zu machen um Geld und Besitz, Rang und Ansehen oder Karriereziele? Was für einen Sinn hätte es, in einem zum Untergang verurteilten System ein „normales“ Leben führen zu wollen? Sein Herz an etwas zu hängen, was nicht von Dauer ist? Wie Abraham erwarten wir etwas viel, viel Besseres! Und wir sind bereit, geduldig zu warten, bis Jehova seine Versprechen wahr macht. (Lies Römer 8:25.)
Hältst du dir wie Abraham immer die Erfüllung dessen vor Augen, was Jehova versprochen hat?
10 Jehovas Einladung, durch Abrahams Samen gesegnet zu werden, ergeht nach wie vor an Menschen aus allen Nationen. Die geistgesalbten „Priester Jehovas“ und die „Ausländer“, die „anderen Schafe“, geben diese Einladung rund um die Erde in über 600 Sprachen weiter.
ÜBER NATIONALE GRENZEN HINAUSSCHAUEN
11. Was verrät Salomos Einweihungsgebet darüber, wie Jehova Ausländer sieht?
11 Eine Einladung, die mit Jehovas Versprechen an Abraham im Einklang stand, finden wir in einem Gebet Salomos. Bei der Einweihung des Tempels im Jahr 1026 v. u. Z. erklärte er, Menschen aus allen Nationen würden Jehova mit seinem Volk preisen, als er von Herzen betete: „Auch auf den Ausländer, der nicht zu deinem Volk Israel gehört und der wegen deines Namens tatsächlich aus einem fernen Land kommt (denn sie werden von deinem großen Namen und deiner starken Hand und deinem ausgestreckten Arm hören), und er kommt in der Tat und betet zu diesem Haus hin, mögest du deinerseits von den Himmeln, deiner festen Wohnstätte, her hören, und du wollest gemäß allem tun, worum der Ausländer zu dir ruft, auf dass alle Völker der Erde deinen Namen kennenlernen, damit sie dich ebenso fürchten, wie es dein Volk Israel tut“ (1. Kö. 8:41-43).
12. Warum sehen manche Jehovas Zeugen als „weltfremd“ an?
12 Als Ausländer gilt ja jemand, der nicht die Staatsangehörigkeit des Landes besitzt, in dem er sich aufhält, und der in einer Gruppe oder Gemeinschaft als Fremder wahrgenommen wird. Das beschreibt sehr gut unsere Situation als Zeugen Jehovas. Unsere Loyalität gilt einer himmlischen Regierung: Gottes Königreich mit Christus als Herrscher. Aus der Politik unserer „Aufenthaltsländer“ halten wir uns deshalb strikt heraus — auch wenn manche uns deswegen als „weltfremd“ abstempeln.
Niemand von ihnen ist in Jehovas Augen ein Ausländer
13. (a) Warum ist das Konzept „Ausländer“ oft nur eine Frage der Wahrnehmung? (b) Hatte Jehova dieses Konzept jemals im Sinn?
13 Ausländer oder Fremde fallen zumeist auf, weil sie anders sind: Sie sehen anders aus, sprechen eine andere Sprache, kleiden sich anders, haben andere Bräuche. Doch was sie mit jedem anderen Menschen, egal welcher Herkunft, gemeinsam haben, überwiegt all solche Unterschiede bei Weitem. Genau genommen existiert das Konzept „Ausländer“ demnach nur in den Köpfen derer, die sich auf jemandes Andersartigkeit konzentrieren. Lernt man hingegen, tatsächliche (oder vermeintliche) Unterschiede zu überbrücken, verliert dieser Begriff weitgehend seine Bedeutung. Würden alle Menschen auf der Erde unter nur einer einzigen Regierung leben, dann gäbe es logischerweise überhaupt keine Ausländer. Genau das hatte Jehova ursprünglich mit den Menschen vor: Alle sollten eine Familie bilden unter einer Regierung, seiner Herrschaft. Ist so etwas heute auch nur ansatzweise denkbar?
14, 15. Was haben Jehovas Zeugen als Gruppe schätzen gelernt?
14 Einen erfrischenden Kontrast zur egoistischen und nationalistischen Gesinnung von heute bildet die Denkweise von Personen, die über nationale Grenzen hinausschauen können und es auch wollen. Vorurteile zu überwinden ist natürlich nicht immer so einfach. Ted Turner, Gründer des Nachrichtensenders CNN, schrieb über seine Zusammenarbeit mit hoch qualifizierten Persönlichkeiten aus aller Herren Länder: „Es war eine unglaubliche Erfahrung, diesen Personen zu begegnen. So nahm ich Menschen aus anderen Ländern immer weniger als ‚Ausländer‘ wahr und immer mehr als Mitbürger des gleichen Planeten. Allein der Begriff ‚ausländisch‘ bekam für mich einen abwertenden Beigeschmack, und so stellte ich die Regel auf, dass er in CNN weder auf Sendung noch in Gesprächen im Büro verwendet werden dürfe. ‚Ausländisch‘ solle durch ‚international‘ ersetzt werden.“
15 Rund um die Erde sind Jehovas Zeugen die Einzigen, die sich als Gruppe die Sichtweise Jehovas zu eigen gemacht haben. Dadurch haben sie es geschafft, nationale Schranken niederzureißen — und zwar nicht nur in den Köpfen, sondern auch im Herzen. Sie begegnen Menschen anderer Nationen und Volksgruppen nicht mit Misstrauen, Argwohn, geschweige denn mit offenem Hass. Vielmehr haben sie die Vielfalt an Eigenschaften und Talenten unter all diesen Gruppen als schöne Bereicherung schätzen gelernt. Hast du dir schon einmal bewusst gemacht, wie außergewöhnlich das ist und wie sehr das auch dein Leben bereichert?
EINE WELT OHNE AUSLÄNDER
16, 17. Wie wird es sich auf dich persönlich auswirken, wenn sich Offenbarung 16:16 und Daniel 2:44 erfüllt?
16 Bald werden alle heutigen Nationen ein letztes Mal gegen Gottes Herrschaft kämpfen: im Krieg von Harmagedon, wo sie es mit Jesus Christus und seinen himmlischen Heeren zu tun bekommen (Offb. 16:14, 16; 19:11-16). Wie diese Schlacht für alle menschlichen Regierungen, die sich dem Willen Gottes widersetzen, ausgehen wird, beschrieb der Prophet Daniel vor über 2 500 Jahren mit den Worten: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. Und das Königreich selbst wird an kein anderes Volk übergehen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und selbst wird es für unabsehbare Zeiten bestehen“ (Dan. 2:44).
17 Hast du dir schon einmal ausgemalt, was das für dich persönlich bedeuten wird? Von Menschen geschaffene nationale Grenzen, die heute jeden fast überall zum Ausländer machen, gibt es dann nicht mehr. Alles, was uns dann noch äußerlich voneinander unterscheidet, wird einfach nur unterstreichen, wie wunderbar vielfältig Jehovas Schöpfung ist. Spornt diese begeisternde Aussicht nicht jeden von uns an, unseren Schöpfer, Jehova Gott, von ganzem Herzen weiter zu ehren und zu preisen?
Freust du dich auf die Zeit, wenn es keine Grenzen mehr gibt und niemand mehr ein Ausländer ist?
18. Welche Entwicklungen in letzter Zeit beweisen, dass der Begriff „Ausländer“ für Jehovas Zeugen seine Bedeutung verloren hat?
18 Zu glauben, dass sich die Welt so verändert — ist das nicht völlig unrealistisch? Ganz im Gegenteil: Es ist absolut realistisch! Schon heute hat der Begriff „Ausländer“ unter Jehovas Zeugen weitgehend seine Bedeutung verloren. Welcher Nationalität jemand in ihren Reihen angehört, ist für sie Nebensache. In letzter Zeit wurden mehrere kleinere Zweigbüros zusammengelegt, damit das Predigtwerk noch einfacher koordiniert und wirkungsvoller durchgeführt werden kann (Mat. 24:14). Dabei wurden Landesgrenzen, soweit rechtlich möglich, außer Acht gelassen — ein weiterer sichtbarer Beweis dafür, dass der von Jehova eingesetzte, rechtmäßige Herrscher, Jesus Christus, dabei ist, alle von Menschen errichteten Schranken niederzureißen. Und bald wird er „seinen Sieg vollenden“ (Offb. 6:2).
19. Was ist dank der reinen Sprache möglich geworden?
19 Jehovas Zeugen kommen aus vielen Nationen und sprechen viele Sprachen. Was sie aber vereint, ist ihr Eintreten für die reine Sprache der Wahrheit, und dieses Band der Einheit ist unzerstörbar. (Lies Zephanja 3:9.) Als internationale Familie leben sie mitten im bösen System von heute, sind aber kein Teil davon. Ihre Einheit ist nur ein Vorgeschmack auf die künftige neue Welt — eine Welt, in der niemand mehr ein Ausländer ist! Dann wird wirklich jeder von Herzen dem Satz zustimmen: „Die Menschen aller Rassen sind, wie die Bibel es sagt — Brüder.“
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