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  • „Ihr sollt heilig sein ...“
    Der Wachtturm 1987 | 1. November
    • „Ihr sollt heilig sein ...“

      „In Übereinstimmung mit dem Heiligen, der euch berufen hat, werdet auch ihr selbst heilig in eurem ganzen Wandel, weil geschrieben steht: ‚Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin‘“ (1. PETRUS 1:15, 16).

      1, 2. (a) Welche mahnenden Worte standen am Turban des Hohenpriesters, und welchem Zweck dienten sie? (b) Warum ist eine Erinnerung an die Heiligkeit Jehovas heute angebracht? (c) Wozu mahnt Petrus in bezug auf Heiligkeit?

      „HEILIGKEIT gehört Jehova“. Diese mahnenden Worte waren für alle sichtbar auf dem aus purem Gold gefertigten Stirnblatt eingraviert, das am Turban des Hohenpriesters Israels angebracht war (2. Mose 28:36-38). Sie dienten als eine unübersehbare Mahnung und erinnerten die Israeliten daran, daß sie im Gegensatz zu den nichtisraelitischen Nationen, die unreine Gottheiten verehrten, einen reinen, heiligen Gott anbeteten.

      2 Bist du dir, falls du bereits ein Zeuge Jehovas bist, dessen voll bewußt, wie makellos, rein, heilig und gerecht der Gott ist, den du anbetest? Eine Erinnerung an eine derart grundlegende Wahrheit scheint vielleicht überflüssig zu sein. Schließlich ist uns ja als Jehovas Volk Einblick in die „tiefen Dinge Gottes“ gewährt worden — komplizierte biblische Prophezeiungen, die Anwendung biblischer Grundsätze und biblische Lehren (1. Korinther 2:10; vergleiche Daniel 12:4). Aber offensichtlich fehlt es einigen an der von Herzen kommenden Wertschätzung für die Heiligkeit Jehovas. Wieso kann man das sagen? Weil sich jedes Jahr Tausende auf irgendeine Form der Unsittlichkeit einlassen. Weitere Tausende beschwören Unheil herauf durch Handlungen, die fast einer Übertretung biblischer Gesetze gleichkommen. Zweifellos verstehen manche nicht, wie ernst die Worte aus 1. Petrus 1:15, 16 gemeint sind: „In Übereinstimmung mit dem Heiligen, der euch berufen hat, werdet auch ihr selbst heilig in eurem ganzen Wandel, weil geschrieben steht: ‚Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin.‘“

      Ein heiliger Gott — heilige Anbeter

      3. Was wird Jehova im Lied des Moses zugeschrieben?

      3 „Ein unvollkommener Mensch soll heilig sein? Unmöglich!“ sagt vielleicht jemand. Betrachten wir aber den Hintergrund der Ermahnung des Petrus. Der Apostel zitiert hier Worte, die zum erstenmal kurz nach dem Auszug aus Ägypten an die Israeliten gerichtet wurden. Durch diese wunderbare Befreiung hatte sich Jehova als ein Befreier, ein Erfüller von Verheißungen, ja als ein „Kriegsmann“ erwiesen (2. Mose 3:14-17; 15:3). In einem Lied zur Feier der Niederlage der Ägypter am Roten Meer hob dann Moses noch eine andere Facette der Persönlichkeit Jehovas hervor: „Wer ist dir gleich unter den Göttern, o Jehova? Wer ist dir gleich, der du dich mächtig erweist in Heiligkeit?“ (2. Mose 15:11). Dies ist der erste Bericht darüber, daß Jehova Heiligkeit zugeschrieben wurde.

      4. (a) In welcher Hinsicht ist Jehova ‘mächtig in Heiligkeit’? (b) Inwiefern unterschied sich Jehova diesbezüglich von den Göttern Kanaans?

      4 Die in der Bibel mit „heilig“ wiedergegebenen hebräischen und griechischen Wörter bedeuten buchstäblich „hell, neu, frisch, unbefleckt oder rein“. Somit stellte Moses Jehova als rein im höchsten Grad dar, frei von jeglicher Unreinheit und Verderbtheit sowie unnachgiebig und unduldsam gegenüber Unreinheit (Habakuk 1:13). Jehova stand in krassem Gegensatz zu den Göttern Kanaans, des Landes, das die Israeliten bald bewohnen würden. Dokumente, die in Ras Schamra, einer Stadt an der nordsyrischen Küste, freigelegt wurden, lassen einen zwar begrenzten, aber aufschlußreichen Einblick in den Pantheon der Kanaaniter zu. In diesen Dokumenten ist von Göttern die Rede, die, wie John Gray in seinem Buch The Canaanites (Die Kanaaniter) schreibt, „streitsüchtig, eifersüchtig, rachsüchtig und wollüstig“ waren.

      5, 6. (a) Wie wirkte sich die Verehrung zügelloser Götter auf die Kanaaniter aus? (b) Wie wirkte sich die Anbetung des heiligen Gottes auf die Israeliten aus?

      5 Wie nicht anders zu erwarten, war die Kultur Kanaans ein Spiegelbild der dort verehrten zügellosen Götter. In dem Werk Die Religion des Volkes Israel heißt es: „Das Tun der Gottheit nachzuahmen gilt als Gottesdienst. ... [Die Fruchtbarkeitsgöttin] Aschtart [hat] eine Schar von Dienerinnen und selbst Dienern um sich, die sich als Geweihte ... bezeichnen. Sie weihen sich in ihrem Dienste der Unzucht.“ Der Gelehrte William F. Albright schrieb diesbezüglich, daß „die Erotik ihres Kultes ... zu äußerst schmutzigen Tiefen sozialer Erniedrigung hinabgeführt haben muß“. Die Verehrung phallischer „heiliger Pfähle“, Kindesopfer, Magie, Bannsprüche, Inzest, Sodomie und Bestialität — all das gehörte in Kanaan zu der ‘Weise, wie das Land tat’ (2. Mose 34:13; 3. Mose 18:2-25; 5. Mose 18:9-12).

      6 Jehova dagegen ist ‘mächtig in Heiligkeit’. Er konnte eine solche Entartung bei seinen Anbetern nicht dulden (Psalm 15). Im Gegensatz zu den entwürdigend wirkenden Göttern Kanaans hob er das Niveau seines Volkes. Wiederholt ermahnte er seine Anbeter mit den Worten, die Petrus später zitierte: „Ihr solltet euch als heilig erweisen, denn ich, Jehova, euer Gott, bin heilig“ (3. Mose 11:44; 19:2; 20:26).

      ‘Das Gesetz ist heilig, gerecht und gut’

      7, 8. (a) Wie konnten sich die Israeliten „als heilig erweisen“? (b) Vergleiche das Gesetz Jehovas mit dem Kodex Hammurabi.

      7 ‘Sich als heilig zu erweisen’ bedeutete weder Vollkommenheit noch Scheinheiligkeit; es bedeutete Gehorsam gegenüber einer umfangreichen Gesetzessammlung, die den Israeliten durch Moses gegeben worden war (2. Mose 19:5, 6). Im Unterschied zum Gesetz irgendeiner anderen Nation konnte das Gesetz Gottes als „heilig und gerecht und gut“ bezeichnet werden (Römer 7:12).

      8 Es stimmt zwar, daß der Kodex Hammurabi (eine babylonische Gesetzessammlung, die angeblich weiter zurückgeht als das mosaische Gesetz) ähnliche Themen behandelt. Einige seiner Gesetze — wie zum Beispiel das Gesetz, das „Auge um Auge“ fordert, das heißt das Vergeltungsprinzip — gleichen durchaus den Grundsätzen des mosaischen Gesetzes. Daher behaupten Kritiker, Moses habe lediglich vom Kodex Hammurabi abgeschrieben. Aber der Kodex diente im Grunde genommen nur der Verherrlichung Hammurabis und den politischen Interessen dieses Herrschers. Gottes Gesetz dagegen wurde den Israeliten gegeben, ‘ihnen allezeit zum Guten, damit sie am Leben bleiben könnten’ (5. Mose 6:24). Zudem gibt es kaum Beweise dafür, daß Hammurabis Gesetze in Babylon je rechtsverbindlich waren; wahrscheinlich dienten sie nur als „Rechtshilfe für Ratsuchende“ (The New Encyclopædia Britannica, Ausgabe 1985, Band 21, Seite 921). Das mosaische Gesetz war indes bindend, und wer es nicht befolgte, mußte mit einer gerechten Strafe rechnen. Der Kodex Hammurabi handelte letzten Endes hauptsächlich davon, wie mit Übertretern zu verfahren war; nur 5 seiner 280 Gesetze waren direkte Verbote. Gottes Gesetz legte hingegen Nachdruck auf das Verhüten von Übertretungen, nicht auf deren Bestrafung.

      9. Welchen Einfluß hatte das mosaische Gesetz auf das Leben der Juden?

      9 Da das mosaische Gesetz ‘heilig, gerecht und gut’ war, beeinflußte es das persönliche Leben der Juden auf nachhaltige Weise. Es regelte ihre Anbetung, ordnete Sabbate oder arbeitsfreie Tage an, bestimmte die Wirtschaftsstruktur der Nation, enthielt Kleidungsvorschriften und bot nützliche Anleitung in bezug auf Speisen, sexuelle Handlungen und Hygiene. Selbst normale Körperfunktionen unterlagen der Beurteilung durch das mosaische Gesetz.

      „Das Gebot Jehovas ist rein“

      10. (a) Warum befaßte sich das Gesetz mit so vielen Lebensbereichen? (b) Inwiefern trug das Gesetz zu physischer Reinheit und guter Gesundheit bei? (Berücksichtige auch die Fußnote.)

      10 Diese detaillierten, für das Alltagsleben geltenden Vorschriften dienten einem erhabenen Zweck: die Israeliten zu reinigen — physisch, geistig, im Denken und sittlich. Zum Beispiel dienten Gesetze, die verlangten, daß sie sich badeten, ihre Exkremente vergruben, Personen mit einer ansteckenden Krankheit unter Quarantäne stellten und sich bestimmter Speisen enthielten, alle der Gesundheit und der physischen Reinheita (2. Mose 30:18-20; 3. Mose, Kapitel 11; 13:4, 5, 21, 26; 15:16-18, 21-23; 5. Mose 23:12-14).

      11. Was bedeutete es, rituell unrein zu sein?

      11 Doch eine gute Gesundheit und die Hygiene waren gegenüber der geistigen Reinheit eigentlich zweitrangig. Deshalb wurde jemand, der eine verbotene Speise aß, Geschlechtsbeziehungen hatte oder eine Leiche berührte, auch für rituell unrein erklärt (3. Mose, Kapitel 11, 15; 4. Mose, Kapitel 19). Ein solcher Unreiner war somit von der Anbetung ausgeschlossen — in einigen Fällen sogar unter Androhung der Todesstrafe (3. Mose 15:31; 22:3-8). Aber was hatten derartige Verbote mit geistiger Reinheit zu tun?

      12. Inwiefern trugen die Gesetze bezüglich ritueller Reinheit zu geistiger Reinheit bei?

      12 Die von Nichtisraeliten praktizierte Anbetung stand im Zeichen der Prostitution, der Totenverehrung und lärmender Festlichkeiten. In dem Werk The International Standard Bible Encyclopedia ist zu lesen: „Ein Geschlechtsakt kam als eine Möglichkeit der Anbetung Jahwes nicht in Frage. Durch alle Handlungen dieser Art wurde man daher unrein. ... Die Toten wurden in Israel gebührend geehrt, aber es wurde ihnen keinesfalls ungebührliche Verehrung zuteil, noch waren sie ein Gegenstand der Anbetung ... Engere Gemeinschaft mit heidnischen Nachbarn auf deren Festen, bei denen Festmähler abgehalten wurden, war für einen Israeliten unmöglich, weil ihre Speisen unrein waren.“ Die Vorschriften des mosaischen Gesetzes bildeten somit eine „Zwischenwand“, die unreine religiöse Elemente fernhielt (Epheser 2:14).

      13. Inwiefern förderte das Gesetz die Reinheit im Denken?

      13 Das Gesetz förderte bei den Israeliten auch die Reinheit im Denken. Durch seine Bestimmungen hinsichtlich des ehelichen Intimverkehrs wurde zum Beispiel das Niveau des menschlichen Denkens gehoben (3. Mose 15:16-33). Die Israeliten lernten, im Geschlechtsleben Selbstbeherrschung zu üben und sich nicht wie die Kanaaniter zügelloser Leidenschaft hinzugeben. Das Gesetz lehrte seine Anhänger sogar, ihre Gefühle und Begierden zu beherrschen, und verurteilte begehrliche Gedanken (2. Mose 20:17).

      14. Inwiefern trug Gottes Gesetz auf einzigartige Weise zu sittlicher Reinheit bei?

      14 Am bemerkenswertesten war jedoch, daß das Gesetz Nachdruck auf sittliche Reinheit legte. Es stimmt zwar, daß auch in Hammurabis Gesetzen Vergehen wie Ehebruch verurteilt wurden. In einem Artikel der Zeitschrift The Biblical Archaeologist heißt es aber: „Im Unterschied zu den Babyloniern und den Assyrern, die Ehebruch lediglich als ein Verbrechen gegen die Besitzrechte des Ehemanns ansahen, gilt der Ehebruch in den Gesetzen des Alten Testaments auch als ein schwerer Verstoß gegen die Sittlichkeit.“

      15. (a) Veranschauliche, inwiefern es für einen Israeliten beträchtliche Anstrengungen erforderte, rein zu bleiben. (b) Welchen Nutzen zogen die Israeliten aus solchen Anstrengungen?

      15 Wie wahr sind doch die Worte des Psalmisten: „Das Gebot Jehovas ist rein, erleuchtet die Augen.“ (Psalm 19:8)! Zugegeben, rein zu bleiben erforderte mitunter beträchtliche Anstrengungen. Mütter mußten schon einige Wochen nach der Geburt ihres Kindes nach Jerusalem hinaufgehen, um sich einem Reinigungsverfahren zu unterziehen (3. Mose 12:1-8; Lukas 2:22-24). Männer und Frauen mußten sich sowohl nach dem ehelichen Geschlechtsverkehr als auch nach anderen, damit verwandten Situationen rituell reinigen (3. Mose 15:16, 18; 5. Mose 23:9-14; 2. Samuel 11:11-13). Wenn sie sich jedoch gewissenhaft an das Gesetz hielten und rein blieben, gereichte es ‘ihnen selbst zum Nutzen’ — physisch, im Denken, sittlich und geistig (Jesaja 48:17). Außerdem wurde ihnen unauslöschlich eingeprägt, von welch überragender Bedeutung es ist, rein zu bleiben. Schließlich trugen ihnen diese gewissenhaften Anstrengungen, die Heiligkeit zu bewahren, die Anerkennung Gottes ein, und das war die allerbeste Auswirkung.

      Rein in einer unreinen Welt

      16, 17. (a) Inwieweit wird von Christen heute verlangt, rein zu bleiben? (b) Warum ist es heute so schwer, rein zu bleiben? (c) Inwiefern haben Prominente als Vorbilder versagt?

      16 Nun können wir die an Christen gerichteten Worte des Petrus besser verstehen: „Formt euch als gehorsame Kinder nicht mehr nach den Begierden, die ihr früher in eurer Unwissenheit hattet, sondern in Übereinstimmung mit dem Heiligen, der euch berufen hat, werdet auch ihr selbst heilig in eurem ganzen Wandel, weil geschrieben steht: ‚Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin‘“ (1. Petrus 1:14-16).

      17 Das ist zugegebenermaßen nicht leicht. Überall, wohin wir sehen, finden wir Menschen, die betrügen, unehrlich sind und ein unsittliches Leben führen. In der New York Times war zu lesen: „Immer mehr Amerikaner entscheiden sich für ein voreheliches Zusammenleben.“ Selbst Prominente geben ein schlechtes Beispiel. Einige der bekanntesten Größen im Sport, in der Politik und in der Unterhaltungswelt pflegen heute ganz offen irgendeine Unreinheit. Ein Sportfan erklärte bedauernd: „Man ist fürchterlich enttäuscht, wenn sich jemand, den man sich zum Vorbild genommen hat, als ein mit Makeln Behafteter entpuppt.“ Worin bestand in diesem Fall das Problem? Mehrere populäre Athleten hatten eingestanden, Drogen zu nehmen. Führen nicht tatsächlich viele von denen, die zu Idolen erhoben werden, ein unreines, ja schmutziges Leben als Ehebrecher, Hurer, Homosexuelle, Lesbierinnen, Diebe, Erpresser oder Drogensüchtige? Physisch mögen sie zwar rein zu sein scheinen, doch bedienen sie sich der unflätigen Sprache der Gosse. Womöglich haben sie sogar Freude daran, ihre Mißachtung des öffentlichen Anstands dadurch zu zeigen, daß sie mit ihren Seitensprüngen prahlen.

      18. Inwiefern kann gesagt werden, daß viele, die ein unreines Leben führen, ‘ernten, was sie gesät haben’?

      18 Aber folgende Worte der Bibel kann man nicht leichthin abtun: „Gott läßt sich nicht verspotten [„Man kann Gott keine lange Nase machen“, Byington]. Denn was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten; denn wer im Hinblick auf sein Fleisch sät, wird von seinem Fleisch Verderben ernten“ (Galater 6:7, 8). Die Folgen eines obszönen Verhaltens sind häufig Krankheiten oder sogar ein früher Tod aufgrund einer Krankheit wie Syphilis, Tripper und Aids, um nur einige der häufigsten zu nennen. Mitunter gehören auch geistige und emotionale Labilität, Depressionen und sogar Selbstmord zum Resultat eines promiskuitiven Lebensstils. Wer unsittlich handelt, verlacht vielleicht andere, die sich rein zu erhalten suchen, doch das Lachen vergeht dem Spötter spätestens dann, wenn er ‘erntet, was er gesät hat’. (Vergleiche Römer 1:24-27.)

      19, 20. Inwiefern hat sich die Geistlichkeit der Christenheit in religiöser und sittlicher Hinsicht als verunreinigt erwiesen?

      19 Wir leben in einer Welt, die auch in religiöser Hinsicht verderbt ist. Geistliche mögen schöne, saubere Gewänder tragen, doch sie vertreten unreine, babylonische Lehren und Bräuche wie die Bilderverehrung, die Dreieinigkeit, die Feuerhölle, die Unsterblichkeit der Menschenseele und das Fegefeuer. Sie sind wie die religiösen Führer, von denen Jesus sagte: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr getünchten Gräbern gleicht, die zwar von außen schön scheinen, innen aber voll von Totengebeinen und jeder Art Unreinheit sind. So erscheint auch ihr von außen zwar vor Menschen gerecht, im Innern aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit“ (Matthäus 23:27, 28).

      20 Die Geistlichkeit duldet sogar Unreinheit in ihrer Herde. Sie läßt zu, daß Personen, die als unsittlich und unrein bekannt sind — Hurer, Ehebrecher und Homosexuelle —, weiterhin Ansehen genießen. In der Zeitschrift Newsweek wurde darüber folgendes berichtet: „Richard Sipe, ein Psychologe und früherer Priester aus Maryland, folgert, daß etwa 20 Prozent der 57 000 katholischen Priester in den USA homosexuell sind ... Andere Therapeuten nehmen an, die wirkliche Zahl könne eher bei 40 Prozent liegen.“ Der katholische Theologe John J. McNeill (der zugibt, homosexuell zu sein) rechtfertigt die Homosexualität unverhohlen mit den Worten: „Die Liebe zweier lesbischer Frauen oder zweier homosexueller Männer ist — vorausgesetzt, es handelt sich um konstruktive menschliche Liebe — weder sündhaft, noch entfremdet sie die Liebenden dem Plan Gottes, sondern kann heilige Liebe sein“ (The Christian Century).

      21. Wieso ist die Mahnung „Heiligkeit gehört Jehova“ für uns heute angebracht?

      21 Die Mahnung, die am Turban des Hohenpriesters zu sehen war, ist somit aktueller denn je: „Heiligkeit gehört Jehova“ (2. Mose 28:36). Jehova verlangt, ja gebietet, daß wir in jeder Hinsicht rein bleiben. Aber wie ist uns das möglich? Welche Gebiete mögen besonderer Aufmerksamkeit bedürfen? Im folgenden Artikel werden diese Fragen erörtert.

      [Fußnote]

      a Hammurabis Gesetze enthielten keine derartigen Vorkehrungen. Auch ist kein vergleichbarer Hygienekodex der alten Ägypter entdeckt worden, obwohl sie eine verhältnismäßig fortgeschrittene Form der Medizin praktizierten. In dem Buch Ancient Egypt (Das alte Ägypten) heißt es: „Vernünftige Rezepte sind [in ägyptischen medizinischen Texten] reichlich mit magischen Bannsprüchen und Formeln durchsetzt.“ Gottes Gesetz dagegen hatte keinen dämonischen Beigeschmack, sondern war, wissenschaftlich betrachtet, stichhaltig. Erst in neuerer Zeit haben die Ärzte die Notwendigkeit erkannt, sich nach dem Berühren einer Leiche die Hände zu waschen — eine Forderung, die das mosaische Gesetz schon vor Tausenden von Jahren erhob (4. Mose, Kapitel 19).

  • Bleibst du in jeder Hinsicht rein?
    Der Wachtturm 1987 | 1. November
    • Bleibst du in jeder Hinsicht rein?

      „Weichet, weichet, zieht von dort aus, rührt nichts Unreines an; geht aus ihrer Mitte hinaus, haltet euch rein, die ihr die Geräte Jehovas tragt“ (JESAJA 52:11).

      1. (a) Wie kam es, daß die Geräte Jehovas aufgrund eines königlichen Erlasses nach Jerusalem zurückgebracht werden durften? (b) Wie waren einige jener Gefäße entweiht worden?

      PLÖTZLICH waren sie frei — nach 70 Jahren der Gefangenschaft! Ein königlicher Erlaß, der um das Jahr 538 v. u. Z. herausgegeben wurde, gestattete dem jüdischen Volk, zurückzukehren und „das Haus Jehovas, des Gottes Israels“, wieder aufzubauen (Esra 1:2, 3). Darauf folgte noch etwas Aufsehenerregendes: „König Cyrus [von Persien] selbst [brachte] die Geräte des Hauses Jehovas heraus, die Nebukadnezar aus Jerusalem gebracht [hatte]“ (Esra 1:7, 8). Darunter befanden sich die heiligen Gefäße, die Belsazar und seine Großen in der Nacht, in der Babylon gefallen war, entweiht und in schamloser Weise dazu benutzt hatten, falsche Götter zu preisen (Daniel 5:3, 4). Nun konnten die ehemaligen Exilanten diese Geräte nach Jerusalem zurückbringen und sie zum Lobpreis Jehovas benutzen.

      2. (a) An welche Prophezeiung Jesajas erinnerten sich die Heimkehrer? Auf wen bezog sie sich? (b) Warum wurden sie ermahnt, nichts Unreines anzurühren?

      2 Während sich die zur Rückkehr entschlossenen Juden aufgeregt auf ihre Abreise vorbereiteten, erinnerten sie sich zweifellos an die Worte des Propheten Jesaja: „Weichet, weichet, zieht von dort aus, rührt nichts Unreines an; geht aus ihrer Mitte hinaus, haltet euch rein, die ihr die Geräte Jehovas tragt“ (Jesaja 52:11). Natürlich übernahmen die Leviten den eigentlichen Transport der Geräte (4. Mose 1:50, 51; 4:15). Doch Jesaja hatte vorausgesagt, daß alle Heimkehrer ehrbare Gefäßträger wären. Somit waren alle verpflichtet, rein zu sein. Im Gegensatz zu den Israeliten, die aus Ägypten ausgezogen waren, sollten sie den Babyloniern keine Wertgegenstände wegnehmen. (Vergleiche 2. Mose 12:34-38.) Ihre Rückkehr durfte nicht aus einem materialistischen oder eigennützigen Beweggrund erfolgen. Was Babylons „mistige Götzen“a betraf, so würde sich jemand schon durch eine Berührung derselben beflecken (Jeremia 50:1, 2). Nur wenn die Juden in jeder Hinsicht rein waren, konnten sie auf dem „Weg der Heiligkeit“ nach Jerusalem zurückkehren (Jesaja 35:8, 9).

      3. Wer trägt heute die „Geräte“ Jehovas? Warum ist es für sie eine große Herausforderung, rein zu bleiben?

      3 Jehovas heutige Zeugen müssen als Träger der „Geräte“ Jehovas ebenfalls rein sein. Der Apostel Paulus zitierte Jesajas Worte und wandte sie auf Christen seiner Tage an, indem er sagte: „Laßt uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und Geistes, indem wir die Heiligkeit in der Furcht Gottes vervollkommnen“ (2. Korinther 6:17 bis 7:1). Wir leben nicht nur in einer unreinen Welt, sondern haben auch noch gegen die ererbten Neigungen des gefallenen Fleisches zu kämpfen (1. Mose 8:21). Außerdem werden wir in Jeremia 17:9 gewarnt: „Das Herz ist verräterischer als sonst irgend etwas und ist heillos. Wer kann es kennen?“ Einige machen sich selbst etwas vor und täuschen auch andere, indem sie den Eindruck erwecken, einen reinen und Gott wohlgefälligen Lebenswandel zu führen, obwohl dem in Wirklichkeit nicht so ist. Sie praktizieren eine Art Heuchelei. Jeder einzelne von uns muß sich daher fragen: „Unternehme ich jede mir mögliche Anstrengung, um vor Jehova in jeder Hinsicht rein dazustehen?“ Die nachfolgende Betrachtung von vier Aspekten der Reinheit sollte uns dabei eine Hilfe sein.

      Physische Reinheit hat Priorität

      4. (a) Warum kommt der physischen Reinheit unter dem Volk Jehovas Priorität zu? (b) Warum kann es mitunter schwerfallen, ein hohes Niveau der Reinheit zu bewahren?

      4 Heute wie in alter Zeit kommt der physischen Reinheit unter Jehovas Volk Priorität zu (2. Mose 30:17-21; 40:30-32). Würden wir die „Geräte Jehovas“ mit Respekt behandeln, wenn unsere Haare, unsere Hände, unser Gesicht, unsere Zähne oder unsere Fingernägel schmutzig wären oder unser Körper einen unangenehmen Geruch verbreiten würde? Es ist leicht möglich, daß wir uns von dem niedrigen Niveau der Welt beeinflussen lassen (Römer 12:2).

      5. (a) Warum ist es so wichtig, daß wir ein hohes Niveau der Reinheit bewahren? Nenne irgendwelche örtlichen Beispiele für die Anwendung dieses Rats. (b) Welche Hilfe können die Ältesten leisten?

      5 Wie könnten wir uns aber von der Welt unterscheiden, wenn wir uns auf ihr niedriges Niveau herabließen? Wäre eine schmutzige Wohnung oder eine unordentliche Anbetungsstätte nicht ein Grund, ‘vom Wort Gottes lästerlich zu reden’? (Titus 2:5). Achten wir dagegen auf eine gute Körperhygiene, heben wir an einer Kongreßstätte herumliegenden Unrat auf, helfen wir bei der Instandhaltung des Königreichssaals mit und halten wir unsere Wohnung — selbst die bescheidenste — sauber und in Ordnung, so bereiten wir Gott Ehre. (Vergleiche 1. Petrus 2:12.) Ihr Ältesten, gebt persönlich ein gutes Beispiel, was die Sauberkeit anbelangt! ‘Haltet euch nicht davon zurück’, nötigenfalls passenden Rat zu erteilen (Apostelgeschichte 20:20).

      6. Was sollte unser Maßstab für die Kleidung sein, die wir in den Zusammenkünften und im Predigtdienst tragen?

      6 Wie steht es mit der Kleidung, die wir bei der Anbetung in den Zusammenkünften und im Predigtdienst tragen? Sollte sie nicht ‘bescheiden und wohlgeordnet’ sein? (1. Timotheus 2:9; Hebräer 10:23-25). Denke nicht, wir sollten uns nur dann ordentlich kleiden, wenn wir an einem Programmpunkt beteiligt sind. Allzu saloppe Kleidung ist unschicklich und für die Anbetung ungeeignet. Auch eine schäbige Büchertasche oder eine Bibel, die abgegriffen ist oder Eselsohren hat, kann von der Königreichsbotschaft ablenken.

      Eine Verunreinigung des Denkens vermeiden

      7. Was ist gemäß Philipper 4:8 der Schlüssel für Reinheit im Denken?

      7 Gemäß Philipper 4:8 gab Paulus den Rat: „Schließlich, Brüder, alles, was wahr, alles, was von ernsthaftem Interesse ist, alles, was gerecht, alles, was keusch, alles, was liebenswert ist, alles, worüber gut gesprochen wird, wenn es irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes gibt, diese Dinge erwägt weiterhin.“ Doch von überall her treten Versuchungen an uns heran, die „tiefen Dinge des Satans“ zu beäugen (Offenbarung 2:24).

      8. Wie lassen sich die Gefahren verdeutlichen, die bei verschiedenen Formen der Unterhaltung auftreten? Nenne örtliche Beispiele.

      8 Einigen Besitzern von Videorecordern ist es zum Beispiel zum Verhängnis geworden, daß Pornofilme und außergewöhnlich gewalttätige Streifen leicht erhältlich sind. In Europa sah sich ein verheirateter Bruder, wenn seine Frau bereits schlief, Videos an, in denen unreine Handlungen dargestellt wurden. Der Same der Sünde drang bei ihm so tief ein, daß er nicht vor dem Ehebruch zurückschreckte. (Vergleiche Jakobus 1:14, 15.) In einem afrikanischen Land lieh sich eine Gruppe Jugendlicher von Schulfreunden Videofilme unreinen Inhalts aus und sah sich diese Aufzeichnungen an, wenn ihre Eltern, die Zeugen sind, nicht zu Hause waren. Wie jedoch ein Ältester aus Nigeria erklärte, „geht häufig größere Gefahr von den regulären Fernsehprogrammen aus, in denen ebenfalls Gewalttätigkeit, Verbrechen, Kriege und Liebesszenen gezeigt werden und die eheliche Treue verächtlich gemacht wird“. Auch billige Sensationsblätter, pornographische Zeitschriften, erotisierende Romane und Filme sowie entwürdigende Musik zählen zu den weitverbreiteten Gefahren.

      9. (a) Warum müssen wir in bezug auf das, was wir anhören, ansehen und lesen, eine Auswahl treffen? (b) Wie sollten wir reagieren, wenn wir mit etwas Anrüchigem konfrontiert werden?

      9 Wir können es uns nicht leisten, etwas in unseren Sinn aufzunehmen, was „schändlich [ist] auch nur zu sagen“, und so unseren Sinn zu beschmutzen (Epheser 5:12). Triff also eine Auswahl in bezug auf das, was du anhörst, ansiehst und liest. Sei auf der Hut, und handle schnell, wenn es darum geht, etwas Anrüchiges zurückzuweisen (Psalm 119:37). Das erfordert, daß du wirklich Selbstbeherrschung übst und, sinnbildlich gesprochen, vielleicht sogar ‘deinen Leib zerschlägst und ihn zum Sklaven machst’ (1. Korinther 9:27). Vergiß nie: Der „Unsichtbare“ sieht, was wir uns im geheimen anschauen (Hebräer 11:27). Meide also Fragwürdiges. ‘Vergewissere dich fortwährend dessen, was für den Herrn annehmbar ist’ (Epheser 5:10).

      Ständig „auf der Hut“ sein, um sittlich rein zu bleiben

      10. (a) Was ist einer der Gründe, weshalb jedes Jahr so viele zurechtgewiesen oder ausgeschlossen werden? (b) Von welchem biblischen Grundsatz sollten wir uns im Urlaub und auf der Arbeitsstelle leiten lassen?

      10 Paulus äußerte gemäß Epheser 5:5 die warnenden Worte: „Das wißt ihr, indem ihr es selbst erkennt, daß kein Hurer oder Unreiner oder Habgieriger — das heißt ein Götzendiener — irgendein Erbe im Königreich des Christus und Gottes hat.“ Dennoch werden jedes Jahr Tausende wegen geschlechtlicher Unsittlichkeit — ‘einer Sünde gegen den eigenen Leib’ — zurechtgewiesen oder ausgeschlossen (1. Korinther 6:18). In vielen Fällen ist dies lediglich dem Umstand zuzuschreiben, daß der Betreffende nicht „auf der Hut bleibt gemäß ... [Gottes] Wort“ (Psalm 119:9). Manche Brüder lassen zum Beispiel im Urlaub in ihrer Wachsamkeit in sittlicher Hinsicht nach. Während sie den theokratischen Umgang vernachlässigen, machen sie die Bekanntschaft weltlicher Urlauber. Einige sind der Auffassung gewesen, es handle sich um „wirklich nette Leute“, und haben sich mit diesen Personen an fragwürdigen Aktivitäten beteiligt. Andere wiederum haben sich Arbeitskollegen gegenüber allzu freundschaftlich verhalten. Ein christlicher Ältester ließ sich mit einer Angestellten so weit ein, daß er seine Familie verließ und mit dieser Frau zusammenlebte. Ihm wurde daraufhin die Gemeinschaft entzogen. Wie wahr doch das Bibelwort ist: „Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten.“ (1. Korinther 15:33)!

      11. Warum sollte ein geselliges Beisammensein von Christen richtig beaufsichtigt werden?

      11 Aus Südafrika wird folgendes berichtet: „Eine weitere Gefahr für die sittliche Rechtschaffenheit geht von großen Partys aus ... Einige fanden nach dem Nachmittagsprogramm des Bezirkskongresses statt.“ Wenn Christen allerdings in kleinerem Rahmen gesellig beisammen sind, werden solche Anlässe bei einer guten Aufsicht kaum zu „Schwelgereien“ ausarten (Galater 5:21). Die Ausgabe alkoholischer Getränke sollte beaufsichtigt werden und maßvoll erfolgen. „Der Wein ist ein Spötter“, und unter seinem Einfluß hat manch ein Bruder in seiner Wachsamkeit in sittlicher Hinsicht nachgelassen oder schlummernde Schwächen geweckt (Sprüche 20:1). Zwei junge Diener Gottes haben sich beispielsweise nach übermäßigem Alkoholgenuß auf homosexuelle Handlungen eingelassen.

      12, 13. (a) Wie suchen einige ein unsittliches Verhalten zu rechtfertigen? Wieso sind solche Überlegungen irreführend? (b) Wie können wir uns vor allem, was ein gutes sittliches Verhalten gefährdet, hüten?

      12 Was zählt, ist unser Herz, ungeachtet dessen, wie rein wir äußerlich erscheinen mögen. Daran sollten wir denken, wenn wir versucht sind zu sündigen (Sprüche 21:2). Einige meinen offensichtlich, Gott werde ihre wiederholten Abstecher in die Unsittlichkeit vergeben, weil sie schwach seien. Heißt das aber nicht, „die unverdiente Güte unseres Gottes zu einer Entschuldigung für Zügellosigkeit [zu] verkehren“? (Judas 4). Andere bilden sich sogar ein, Jehova sehe sie nicht (Hesekiel 8:12). Behalten wir aber im Sinn: „Es gibt keine Schöpfung, die vor seinen Augen nicht offenbar ist, sondern alle Dinge sind nackt und bloßgelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben“ (Hebräer 4:13).

      13 Sei daher auf der Hut, und bewahre dich vor allem, was ein gutes sittliches Verhalten gefährden könnte. „Hurerei und jede Art Unreinheit oder Habgier sollen unter euch nicht einmal erwähnt werden, so wie es sich für Heilige geziemt, auch kein schändliches Benehmen noch törichtes Reden, noch unzüchtige Späße, Dinge, die sich nicht schicken“ (Epheser 5:3, 4). ‘Verabscheue das Böse’, auch wenn es dem Fleisch noch soviel Vergnügen bereiten würde (Römer 12:9).

      Geistig rein bleiben

      14, 15. (a) Wie haben sich einige der Gefahr einer geistigen Verunreinigung ausgesetzt? (b) Inwiefern haben Abtrünnige ‘durch ihren Mund Mitmenschen ins Verderben gebracht’? (c) In welcher Hinsicht sind Abtrünnige tatsächlich unrein, und was haben sie vergessen?

      14 Manche haben sich der Gefahr einer möglichen geistigen Verunreinigung durch religiöse Radio- und Fernsehsendungen ausgesetzt. In einem afrikanischen Land zum Beispiel haben sich einige Brüder bestimmte Fernsehfilme angesehen, in denen die abergläubischen Ansichten traditioneller animistischer Religionen in günstigem Licht dargestellt wurden. Der Apostel Paulus warnte aber vor einer noch größeren tödlichen Gefahr, nämlich vor Abtrünnigen, die ‘den Glauben einiger untergraben’ (2. Timotheus 2:16-18). Solche Personen gibt es immer noch (2. Petrus 2:1-3). Und dann und wann ist es ihnen gelungen, den Sinn anderer zu beschmutzen. In Sprüche 11:9 heißt es: „Durch seinen Mund bringt der Abtrünnige seinen Mitmenschen ins Verderben.“

      15 Viele Abtrünnige appellieren an das Ego und behaupten, man habe uns unserer Freiheiten beraubt, auch der Freiheit, die Bibel selbst auszulegen. (Vergleiche 1. Mose 3:1-5.) Aber in Wirklichkeit zielen sie darauf ab, andere zu beschmutzen, und sie haben nichts anderes zu bieten als die Rückkehr zu den widerlichen Lehren Groß-Babylons (Offenbarung 17:5; 2. Petrus 2:19-22). Andere appellieren an das Fleisch, indem sie frühere Mitverbundene auffordern, „sich nicht so sehr anzustrengen“, und indem sie die in ihren Augen niedrige Tätigkeit des Zeugnisgebens von Haus zu Haus als „unnötig“ oder „unbiblisch“ hinstellen. (Vergleiche Matthäus 16:22, 23.) Diese glattzüngigen Schwätzer haben vielleicht äußerlich, das heißt in physischer und moralischer Hinsicht, ein reines Aussehen. Aber in geistiger Hinsicht sind sie unrein, weil sie einer stolzen, unabhängigen Denkweise verfallen sind. Sie haben vergessen, was sie über Jehova, seinen heiligen Namen und seine Eigenschaften gelernt haben. Sie erkennen nicht mehr an, daß sie alles, was ihnen hinsichtlich der biblischen Wahrheit vermittelt wurde, dem „treuen und verständigen Sklaven“ zu verdanken haben — die herrliche Hoffnung auf das Königreich und die paradiesische Erde genauso wie die Widerlegung von Irrlehren wie der Lehre von der Dreieinigkeit, von der Unsterblichkeit der Menschenseele, von der ewigen Qual und vom Fegefeuer (Matthäus 24:45-47).

      16. Inwiefern werden die Gerechten „durch Erkenntnis“ befreit?

      16 Ein Kreisaufseher aus Frankreich bemerkte interessanterweise: „Einige Brüder werden irregeführt, weil sie keine genaue Erkenntnis haben.“ Deshalb wird in Sprüche 11:9 gesagt: „Durch Erkenntnis werden die Gerechten befreit.“ Das bedeutet nicht, den Abtrünnigen Gehör zu schenken oder sich in ihre Schriften zu vertiefen, sondern durch ein fleißiges persönliches Studium der Bibel und der biblischen Veröffentlichungen der Gesellschaft eine „genaue Erkenntnis des heiligen Geheimnisses Gottes“ zu erwerben. Wer würde denn, nachdem er diese Erkenntnis erlangt hat, so neugierig sein, daß er den Äußerungen Abtrünniger irgendwelche Aufmerksamkeit schenkte? Laß dich von niemandem ‘durch überredende Argumente betören’ (Kolosser 2:2-4). Irreführende religiöse Propaganda — ganz gleich, woher sie stammt — sollte man meiden wie Gift. Warum sollten wir uns denn woandershin wenden, wenn unser Herr den „treuen und verständigen Sklaven“ dazu gebraucht hat, uns „Worte ewigen Lebens“ zu übermitteln? (Johannes 6:68).

      Wirst du rein bleiben?

      17, 18. Warum ist es wichtig, auf (a) physische Reinheit, (b) Reinheit im Denken, (c) sittliche Reinheit und (d) geistige Reinheit zu achten?

      17 Vor Jehova Gott rein zu bleiben schließt somit vieles ein. Wenn wir unseren Körper, unsere Wohnung, unsere Kleidung und unseren Königreichssaal rein und sauber erhalten, schmücken wir die Königreichsbotschaft, die wir verkündigen. Uns im Denken rein zu erhalten, hilft uns, in sittlicher und geistiger Hinsicht rein zu bleiben. Das erfordert, daß wir die Ermahnung des Paulus aus Philipper 4:8 befolgen, unseren Sinn auf Dinge zu richten, die wahr, keusch und lobenswert sind.

      18 Wir verstehen auch besser denn je, daß wir sowohl in unseren Worten als auch in unseren Handlungen sittlich rein bleiben müssen. Jehova warnt uns, indem er ausdrücklich darauf hinweist, daß diejenigen, die sich auf irgendeine Form von Unsittlichkeit einlassen, sein Königreich nicht ererben werden (1. Korinther 6:9-11). Wenn wir im Hinblick auf das Fleisch säen, werden wir vom Fleisch Verderben ernten, ganz gleich, wie angenehm uns solch unreine Dinge erscheinen mögen (Galater 6:8). Und letzten Endes geht es auch darum, geistig rein zu bleiben, das heißt in bezug auf die Lehre. Diese Reinheit hilft uns, unser Herz und unseren Sinn rein zu erhalten. So werden wir stets veranlaßt, Gottes Gedanken über eine bestimmte Angelegenheit zu ergründen, statt unsere eigenen in den Vordergrund zu rücken.

      19. Was kann sowohl den Gesalbten als auch der „großen Volksmenge“ eine Hilfe sein, in jeder Hinsicht rein zu bleiben?

      19 Bald wird Satan, der Teufel, der eigentliche Urheber der Unreinheit, zusammen mit seinen Dämonen in den tiefen Abgrund geworfen. Mögen alle Diener Jehovas — die Gesalbten und die „große Volksmenge“ — als Träger der Gefäße Jehovas bis dahin rein bleiben (Offenbarung 7:9, 13-15; 19:7, 8; 20:1-3). Das bedeutet, einen unerbittlichen, harten Kampf zu führen. Behalten wir jedoch im Sinn, daß Jehova reichlich von seinem „Geist der Heiligkeit“ gibt (Römer 1:4). Außerdem steht seine reine Organisation mit ihren Ältesten bereit, uns durch vernünftigen, biblischen Rat zu helfen. Mit dieser Unterstützung und wenn wir selbst fest entschlossen sind, können wir in jeder Hinsicht rein bleiben.

      [Fußnote]

      a Das hebräische Wort für „mistige Götzen“, gillulím, war ein verächtlicher Ausdruck, der ursprünglich „Mistkügelchen“ bedeutete — für die Juden etwas Verabscheuungswürdiges (5. Mose 23:12-14; 1. Könige 14:10; Hesekiel 4:12-17).

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