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Jehova — „der Gott, der Frieden gibt“Der Wachtturm 2011 | 15. August
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Jehova — „der Gott, der Frieden gibt“
„Möge der Gott, der Frieden gibt, mit euch allen sein“ (RÖM. 15:33)
1, 2. Welche angespannte Situation beschreibt die Bibel in 1. Mose, Kapitel 32 und 33, und wie ging die Sache aus?
MIT einem Gefolge von 400 Männern marschiert Esau seinem heimkehrenden Zwillingsbruder Jakob entgegen. 20 Jahre sind vergangen, seit Esau ihm sein Erstgeburtsrecht verkauft hat, doch Jakob hat große Angst, sein Bruder könne ihn nach wie vor hassen und umbringen wollen. In der Gegend von Penuel, unweit vom Wildbachtal Jabbok östlich des Jordan, werden die beiden in Kürze aufeinandertreffen. Jakob rechnet mit dem Schlimmsten und sendet Esau eine Herde nach der anderen entgegen — insgesamt über 550 Tiere! Jedes Mal erklären seine Diener, dass es sich um ein Geschenk von seinem Bruder handelt.
2 Schließlich ist es so weit. Jakob geht mutig auf Esau zu und beugt sich vor ihm nieder — und das nicht nur einmal, sondern siebenmal. Den wichtigsten Schritt aber, um seinen Bruder milde zu stimmen, hat Jakob schon vorher unternommen: Er hat Jehova im Gebet angefleht, ihn aus der Hand seines Bruders zu befreien. Wird Jehova dieses Gebet erhören? Allerdings! Die Bibel berichtet: „Esau lief ihm entgegen, und er begann ihn zu umarmen und ihm um den Hals zu fallen und ihn zu küssen“ (1. Mo. 32:11-20; 33:1-4).
3. Welche Lehre enthält der Bericht über Jakob und Esau für uns?
3 Welche Lehre enthält dieser Bericht für uns? Wenn Probleme entstehen, die den Frieden in der Christenversammlung gefährden, ist es wichtig, dass wir nichts unversucht lassen, die Sache aus der Welt zu schaffen. Jakob bemühte sich um Frieden mit Esau, obwohl er gar nichts falsch gemacht und ihm nichts angetan hatte, wofür er sich hätte entschuldigen müssen. Im Gegenteil: Esau hatte sein Erstgeburtsrecht verachtet und es Jakob für eine Schüssel Eintopf verkauft (1. Mo. 25:31-34; Heb. 12:16). An Jakobs Beispiel wird deutlich, wie groß unsere Bereitschaft sein sollte, es uns etwas kosten zu lassen, damit zwischen uns und unseren Brüdern Frieden herrscht. Es zeigt auch, dass uns der wahre Gott seinen Segen schenkt, wenn wir um eine Lösung beten und uns für Frieden einsetzen. In der Bibel finden wir noch viele weitere Beispiele, aus denen wir lernen können, wie man wirklich Frieden stiftet.
Ein überragendes Vorbild, an dem wir uns orientieren möchten
4. Was hat Jehova unternommen, um die Menschen von Sünde und Tod zu befreien?
4 Der großartigste Friedensstifter überhaupt ist natürlich Jehova — „der Gott, der Frieden gibt“ (Röm. 15:33). Denken wir nur daran, was er es sich hat kosten lassen, damit wir in Frieden mit ihm leben können. Schließlich haben wir von Adam und Eva die Sünde geerbt, und „der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod“ (Röm. 6:23). Doch weil uns Jehova so sehr liebt, lag es ihm am Herzen, uns zu retten. Dafür hat er seinen geliebten Sohn als vollkommenen Menschen auf die Erde geschickt. Und der Sohn war gern bereit, sich für uns zu opfern — ja er ließ sich von Gottes Feinden ums Leben bringen (Joh. 10:17, 18). Jehova aber weckte ihn von den Toten auf, und Jesus erschien mit dem Wert seines vergossenen Blutes vor seinem Vater im Himmel. Dank dieses Lösegelds können alle, die ihre Sünden bereuen, vor dem ewigen Tod gerettet werden. (Lies Hebräer 9:14, 24.)
5, 6. Wie wirkt sich das Loskaufsopfer Jesu auf den Bruch zwischen Gott und der sündigen Menschheit aus?
5 Wie wirkt sich nun das Loskaufsopfer auf den Bruch zwischen Gott und der sündigen Menschheit aus? In Jesaja 53:5 lesen wir: „Die Züchtigung, die zu unserem Frieden diente, lag auf ihm, und seiner Wunden wegen ist uns Heilung geworden.“ Menschen, die auf Jehova hören, dürfen deshalb in Frieden mit ihm leben, statt von ihm als Feinde betrachtet zu werden. Die Bibel sagt auch: „Durch ihn [Jesus] haben wir die Befreiung durch Lösegeld mittels des Blutes dieses einen, ja die Vergebung unserer Verfehlungen“ (Eph. 1:7).
6 Über Jesus Christus sagt die Bibel: „Gott hat es für gut befunden, in ihm die ganze Fülle wohnen zu lassen.“ Das bedeutet, dass Jesus die Schlüsselrolle bei dem spielt, worauf Jehova hinarbeitet. Und worum geht es ihm? Darum, „durch ihn alle anderen Dinge wieder mit sich zu versöhnen, indem Frieden gemacht wurde durch das Blut“ Jesu Christi. „Alle anderen Dinge“, mit denen Gott Frieden schließt, sind „die Dinge in den Himmeln“ und „die Dinge auf der Erde“. Was ist damit gemeint? (Lies Kolosser 1:19, 20.)
7. Was sind „die Dinge in den Himmeln“ und „die Dinge auf der Erde“, die wieder Frieden mit Gott genießen dürfen?
7 Dank Jesu Opfer sind gesalbte Christen als Söhne Gottes „gerechtgesprochen worden“ und dürfen sich deshalb „des Friedens mit Gott erfreuen“. (Lies Römer 5:1.) Sie werden als „die Dinge in den Himmeln“ bezeichnet, weil sie im Himmel leben werden, wo sie „als Könige über die Erde regieren“ und als Priester für Gott dienen sollen (Offb. 5:10). Mit den „Dingen auf der Erde“ sind die Menschen gemeint, die ihre Sünden bereuen und ewig hier im Paradies leben dürfen (Ps. 37:29).
8. Wie berührt es dich, wenn du dir bewusst machst, was Jehova alles auf sich genommen hat, damit wir Menschen wieder Frieden mit ihm haben können?
8 Der Apostel Paulus war Jehova zutiefst dankbar für das Lösegeld. Das wird an den Worten deutlich, die er an gesalbte Christen in Ephesus schrieb: „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat . . . uns, selbst als wir in Verfehlungen tot waren, zusammen mit dem Christus lebendig gemacht — durch unverdiente Güte seid ihr gerettet worden“ (Eph. 2:4, 5). Egal ob wir darauf hoffen dürfen, im Himmel oder auf der Erde zu leben: Sind wir Jehova nicht unendlich dankbar für seine Barmherzigkeit und seine unverdiente Güte? Berührt es uns nicht tief im Herzen, wenn wir uns bewusst machen, was er alles auf sich genommen hat, damit wir Menschen wieder Frieden mit ihm haben können? Wenn wir jetzt vor einer Situation stehen, in der der Friede und die Harmonie in der Versammlung bedroht ist, fühlen wir uns dann nicht aus Dankbarkeit gedrängt, uns an ihm ein Beispiel zu nehmen und selbst auch aktiv Frieden zu stiften?
Das vorbildliche Verhaltensmuster Abrahams und Isaaks
9, 10. Wie erwies sich Abraham gegenüber Lot als echter Friedensstifter?
9 Über Abraham heißt es in der Bibel: „ ‚Abraham setzte Glauben in Jehova, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet‘, und er wurde ‚Freund Jehovas‘ genannt“ (Jak. 2:23). Sein Glaube zeigte sich unter anderem an dem friedfertigen Verhaltensmuster, das ihn auszeichnete. Ein Beispiel: Weil sich Abrahams Viehherden stark vermehren, kommt es zu Spannungen zwischen seinen Hirten und denen seines Neffen Lot (1. Mo. 12:5; 13:7). Die nahe liegende Lösung? Abraham und Lot gehen getrennte Wege. Wie verhält sich Abraham in dieser heiklen Situation? Pocht er auf sein Alter und seine besondere Freundschaft mit Jehova und nimmt deshalb für sich in Anspruch, als Erster entscheiden zu dürfen? Nein. Er handelt wie ein echter Friedensstifter und sagt zu seinem Neffen:
10 „Lass bitte kein Gezänk mehr zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten sein, denn wir Männer sind Brüder.“ Er bietet ihm an: „Steht dir nicht das ganze Land zur Verfügung? Bitte trenn dich von mir. Wenn du zur Linken gehst, dann will ich zur Rechten gehen; wenn du aber zur Rechten gehst, dann will ich zur Linken gehen.“ Lot sucht sich das beste und fruchtbarste Land aus, aber Abraham ist ihm deswegen nicht böse (1. Mo. 13:8-11). Als Lot nämlich später verschleppt wird, macht sich Abraham, ohne irgendwie zu zögern, auf den Weg und befreit ihn (1. Mo. 14:14-16).
11. Was unternahm Abraham, um Frieden mit seinen Nachbarn, den Philistern, zu halten?
11 Oder schauen wir uns nur an, was Abraham in Kanaan alles unternahm, um Frieden mit den Philistern zu halten, deren Nachbar er war. Sie hatten ihm einen von seinen Dienern gegrabenen Brunnen bei Beerscheba „mit Gewalt weggenommen“. Wie würde ein Mann, der es geschafft hatte, vier Könige zu besiegen und seinen Neffen aus ihrer Hand zu befreien, in so einer Situation reagieren? Statt zum Gegenschlag auszuholen und den Brunnen wieder an sich zu reißen, entschied er sich dafür, die Sache erst einmal auf sich beruhen zu lassen. Später besuchte ihn dann der König der Philister und wollte einen Friedensvertrag mit ihm schließen, um sicherzugehen, dass Abraham seine Nachkommen gut behandeln würde. Abraham garantierte ihm das durch einen Schwur und brachte die Sache mit dem geraubten Brunnen erst danach zur Sprache. Der ahnungslose Philisterkönig war schockiert und gab ihm den Brunnen zurück. Zum Schluss heißt es in diesem Bibelbericht, dass Abraham ganz friedlich „noch viele Tage als Fremdling im Land der Philister“ lebte (1. Mo. 21:22-31, 34).
12, 13. (a) Welches Beispiel nahm sich Isaak an seinem Vater? (b) Wie wurde Isaak von Jehova gesegnet, weil er sich um Frieden bemühte?
12 Abrahams Sohn Isaak zeichnete sich durch dasselbe friedfertige Verhaltensmuster aus wie sein Vater. Das wird auch daran deutlich, wie er den Philistern begegnete. Eine Hungersnot zwingt ihn, mit seiner Hausgemeinschaft aus den Trockengebieten im Negeb bei Beer-Lahai-Roi wegzuziehen. Er lässt sich nördlich davon in der fruchtbareren Gegend von Gerar im Land der Philister nieder. Dort segnet ihn Jehova mit Rekordernten und vermehrt seinen Viehbestand enorm. Das lässt bei den Philistern Neid aufkommen. Sie wollen verhindern, dass Isaak so wohlhabend wird wie sein Vater, und verstopfen deshalb die Brunnen, die Abrahams Diener hier gegraben haben. Irgendwann sagt dann der Philisterkönig zu Isaak: „Zieh aus unserer Nachbarschaft weg.“ Um des Friedens willen fügt sich Isaak (1. Mo. 24:62; 26:1, 12-17).
13 Nachdem Isaak seinen Wohnsitz in einiger Entfernung aufgeschlagen hat, graben seine Hirten einen neuen Brunnen. Darauf behaupten die Hirten der Philister, das Wasser gehöre ihnen. Wie sein Vater Abraham bricht Isaak darüber keinen Streit vom Zaun. Er lässt seine Diener einfach einen anderen Brunnen graben. Als die Philister auch diesen für sich in Anspruch nehmen, bricht Isaak seine Zelte ab und wandert mit seinem großen Lager noch ein Stück weiter weg. Dort graben seine Diener einen weiteren Brunnen, dem Isaak den Namen Rehoboth gibt. Später zieht er in die fruchtbare Gegend um Beerscheba. Hier segnet ihn Jehova und sagt zu ihm: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir, und ich will dich segnen und deinen Samen wegen meines Knechtes Abraham mehren“ (1. Mo. 26:17-25).
14. Woran zeigte sich, dass Isaak ein echter Friedensstifter war, als der Philisterkönig ihn wegen eines Friedensvertrags aufsuchte?
14 Isaak hatte natürlich das Recht, alle Brunnen zu nutzen, die seine Diener gegraben hatten. Und er wäre durchaus fähig gewesen, um dieses Recht zu kämpfen. Nicht umsonst kam der Philisterkönig später mit zwei seiner Beamten zu Isaak nach Beerscheba und wollte unbedingt einen Friedensvertrag mit ihm schließen! Der Grund? „Wir haben unverkennbar gesehen, dass Jehova wirklich mit dir ist.“ Obwohl dem so war, hatte sich Isaak mehr als einmal bewusst entschieden, wegzuziehen, statt zu kämpfen. Und auch diesmal erwies sich Isaak als echter Friedensstifter. Der Bericht sagt: „Dann machte er ein Festmahl für sie, und sie aßen und tranken. Am nächsten Morgen standen sie früh auf, und sie leisteten einander Schwüre. Danach sandte Isaak sie weg, und sie gingen von ihm in Frieden“ (1. Mo. 26:26-31).
Das Beispiel des Sohnes, den Jakob am meisten liebte
15. Warum konnten Josephs Brüder nicht einmal mehr friedlich mit ihm reden?
15 Isaaks Sohn Jakob wuchs zu einem „Mann ohne Tadel“ heran (1. Mo. 25:27). Wie er sich um Frieden mit seinem Bruder Esau bemühte, haben wir ja schon besprochen. Offensichtlich hatte er sich auf diesem Gebiet viel von seinem Vater Isaak abgeschaut. Lernten nun seine eigenen Söhne etwas von seinem Beispiel? Joseph war von allen 12 Söhnen Jakobs derjenige, den er am meisten liebte. Er hörte auf seinen Vater, respektierte ihn und ihm lag alles, was seinem Vater wichtig war, sehr am Herzen (1. Mo. 37:2, 14). Seine älteren Brüder allerdings wurden so eifersüchtig auf ihn, dass sie nicht einmal mehr friedlich mit ihm reden konnten. Gnadenlos verkauften sie ihn als Sklaven und machten dann ihren Vater glauben, Joseph wäre von einem wilden Tier gefressen worden (1. Mo. 37:4, 28, 31-33).
16, 17. Wie zeigte sich an Josephs Verhalten gegenüber seinen Geschwistern, dass ihm sehr viel an Frieden lag?
16 Jehova aber segnete Joseph. Irgendwann wurde er von Pharao zum ersten Minister von Ägypten ernannt — zum zweiten Mann im Staat. Als seine Brüder wegen einer schweren Hungersnot nach Ägypten kamen, erkannten sie ihn zuerst gar nicht, schon allein wegen seines Erscheinungsbilds als ägyptischer Amtsträger (1. Mo. 42:5-7). Wie leicht hätte Joseph ihnen nun ihr herzloses Verhalten ihm und seinem Vater gegenüber heimzahlen können! Doch statt sich zu rächen, setzte Joseph alles daran, Frieden mit ihnen zu schließen. Als feststand, dass es ihnen von Herzen leidtat, gab er sich zu erkennen und sagte: „ ‚Jetzt aber grämt euch nicht, und seid nicht zornig auf euch, weil ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Lebenserhaltung hat Gott mich vor euch hergesandt.‘ Und er ging daran, alle seine Brüder zu küssen und über ihnen zu weinen“ (1. Mo. 45:1, 5, 15).
17 Nach Jakobs Tod hatten Josephs Brüder Angst, er werde jetzt womöglich mit ihnen abrechnen wollen. Als sie ihm ihre Befürchtungen eingestanden, brach Joseph „in Tränen aus“ und erwiderte: „Fürchtet euch nicht . . . Ich selbst werde euch und eure Kleinkinder fortwährend mit Nahrung versorgen.“ Da ihm so viel an Frieden lag, „tröstete er sie und redete ihnen beruhigend zu“ (1. Mo. 50:15-21).
„Zu unserer Unterweisung geschrieben“
18, 19. (a) Wie haben dich die Beispiele von Friedensstiftern in diesem Artikel berührt? (b) Wovon handelt der nächste Artikel?
18 Der Apostel Paulus erklärte: „Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Röm. 15:4). Wie hat es dich berührt, die Bibelberichte über Abraham, Isaak, Jakob und Joseph Revue passieren zu lassen und vor allem das großartigste Vorbild überhaupt zu studieren, unseren Gott Jehova?
19 Wird nicht auch dir ganz warm ums Herz, wenn du dir bewusst machst, was Jehova alles auf sich genommen hat, um den Bruch zwischen sich und der sündigen Menschheit zu heilen? Motiviert dich das nicht dazu, selbst ebenfalls nichts unversucht zu lassen, mit anderen Frieden zu halten? Am Beispiel von Abraham, Isaak, Jakob und Joseph wird zudem deutlich, wie viel Eltern durch ein gutes Vorbild bei ihren Kindern bewirken können. Und diese Berichte zeigen, dass Jehova unsere Bemühungen um Frieden segnet. Bestimmt verstehen wir jetzt noch besser, warum Paulus Jehova als den „Gott, der Frieden gibt“, bezeichnet. (Lies Römer 15:33; 16:20.) Weshalb Paulus mit so viel Nachdruck dazu ermahnt, sich für Frieden einzusetzen, und wie wir echte Friedensstifter sein können, davon handelt der nächste Artikel.
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Bemühe dich mit aller Kraft um FriedenDer Wachtturm 2011 | 15. August
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Bemühe dich mit aller Kraft um Frieden
Lasst uns den Dingen nachjagen, die dem Frieden dienen (RÖM. 14:19)
1, 2. Warum herrscht unter Jehovas Zeugen Frieden?
ECHTER Frieden ist in der heutigen Welt die große Ausnahme. Religiöse, politische und gesellschaftliche Faktoren trennen häufig sogar Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und zur gleichen Nation gehören. Was für ein Gegensatz ist da die Einheit unter Jehovas Dienern — und das, obwohl sie „aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen“ kommen! (Offb. 7:9).
2 Unser Frieden kommt natürlich nicht von allein zustande. Zurückzuführen ist er vor allem darauf, dass wir uns „des Friedens mit Gott erfreuen“ — dank unseres Glaubens an seinen Sohn, der mit seinem Blut für unsere Sünden bezahlt hat (Röm. 5:1; Eph. 1:7). Außerdem schenkt Jehova denen, die ihm treu dienen, seinen heiligen Geist, und Frieden gehört zu der Frucht, die der Geist in uns wachsen lässt (Gal. 5:22). Dass wir „kein Teil der Welt“ sind, sorgt ebenfalls für Frieden und Einheit in unseren Reihen (Joh. 15:19). Aus politischen Streitigkeiten halten wir uns völlig heraus. Genauso wenig beteiligen wir uns an Bürgerkriegen oder internationalen Konflikten, denn wir haben unsere „Schwerter zu Pflugscharen“ geschmiedet (Jes. 2:4).
3. (a) Was wird durch den Frieden möglich, den wir genießen? (b) Worum geht es in diesem Artikel?
3 Unser Frieden beschränkt sich auch nicht einfach darauf, dass wir unseren Brüdern keinen Schaden zufügen. Nein, wir lieben einander, ganz gleich wie viele verschiedene Volksgruppen oder Kulturen in der Versammlung vertreten sind, zu der wir gehören (Joh. 15:17). Dank dieses Friedens können wir „gegenüber allen das Gute wirken, besonders aber gegenüber denen, die uns im Glauben verwandt sind“ (Gal. 6:10). Dieser paradiesische Frieden mit Jehova und mit unseren Brüdern und Schwestern ist überaus kostbar und verdient es, dass wir ihn sorgsam bewahren. Überlegen wir deshalb gemeinsam, wie wir aktiv auf Frieden hinarbeiten können, wenn es in der Versammlung zu Differenzen kommt.
Wenn wir „straucheln“
4. Wie können wir auf Frieden hinarbeiten, wenn wir jemand wehgetan haben?
4 Der Jünger Jakobus schrieb: „Wir alle straucheln oft. Wer nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann“ (Jak. 3:2). Es kommt also zwangsläufig vor, dass zwischen Glaubensbrüdern Differenzen und Missverständnisse auftauchen (Phil. 4:2, 3). Aber solche Probleme zwischen Einzelnen lassen sich lösen, ohne dass der Frieden der ganzen Versammlung darunter leidet. Schauen wir uns zum Beispiel an, welchen Rat Jesu wir befolgen sollten, wenn uns bewusst wird, dass wir jemand wehgetan haben. (Lies Matthäus 5:23, 24.)
5. Wie können wir auf Frieden hinarbeiten, wenn jemand uns Unrecht getan hat?
5 Was, wenn wir derjenige sind, der nicht ganz richtig behandelt wurde? Sollten wir dann davon ausgehen, der andere müsse auf uns zukommen und sich ausdrücklich entschuldigen? Über die Liebe heißt es in 1. Korinther 13:5: „Sie rechnet das Böse nicht an.“ In so einer Situation können wir auf Frieden hinarbeiten, indem wir vergeben und vergessen, das „Böse“ also „nicht anrechnen“. (Lies Kolosser 3:13.) Das ist die beste Methode, mit kleineren Differenzen im Alltag umzugehen, denn es dient dem Frieden mit unseren Glaubensbrüdern und verschafft uns inneren Frieden. Wie ein weiser Bibelspruch sagt, ist es „etwas Schönes, Übertretung zu übergehen“ (Spr. 19:11).
6. Was tun, wenn wir nicht so leicht über etwas hinwegsehen können?
6 Aber wenn wir uns so sehr gekränkt fühlen, dass wir nicht einfach darüber hinwegsehen können? Unserem Herzen bei jedem, der es hören will, Luft zu machen, wäre nicht gerade weise. Durch Geschwätz wird ja nur der Frieden in der Versammlung gestört. Was ist dann nötig, um die Sache friedlich aus der Welt zu schaffen? In Matthäus 18:15 heißt es: „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so gehe hin, lege seinen Fehler zwischen dir und ihm allein offen dar. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Zwar geht es bei der Anweisung aus Matthäus 18:15-17 um schwerwiegendere Sünden. Aber welcher Grundsatz lässt sich denn aus der Aussage in Vers 15 ableiten? Dass man den Betreffenden am besten unter vier Augen freundlich anspricht mit dem festen Ziel, Frieden zu schließen.a
7. Warum ist es so wichtig, Konflikte schnellstmöglich beizulegen?
7 Der Apostel Paulus schrieb: „Seid erzürnt, und doch sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurer gereizten Stimmung untergehen, auch gebt dem Teufel nicht Raum“ (Eph. 4:26, 27). Und Jesus sagte: „Sei bereit, dich mit dem, der dich beim Gericht verklagt, eilends zu verständigen“ (Mat. 5:25). Sich mit aller Kraft um Frieden zu bemühen erfordert demnach, dass man Konflikte möglichst schnell beilegt. Warum? Nur so kann man verhindern, dass sie sozusagen wie eine unbehandelte, entzündete Wunde anfangen zu eitern. Wären wir allerdings stolz oder neidisch oder würden wir Geld und Besitz zu wichtig nehmen, könnte uns das leicht daran hindern, Differenzen schnell beizulegen. Lassen wir das bitte nie zu! (Jak. 4:1-6).
Wenn mehrere an einem Konflikt beteiligt sind
8, 9. (a) Welche unterschiedlichen Ansichten herrschten in der Versammlung Rom im ersten Jahrhundert? (b) Welchen Rat gab Paulus den Christen dort?
8 Nicht immer bleiben Differenzen in einer Versammlung auf zwei Einzelpersonen beschränkt. So ging es beispielsweise den Christen in Rom, an die Paulus einen inspirierten Brief schrieb. Einige waren jüdischer, andere nichtjüdischer Herkunft. Zwischen ihnen kam es zu Meinungsverschiedenheiten, weil manche offenbar verächtlich auf die herabschauten, deren Gewissen schwach oder zu sensibel war. Damit maßten sie sich in rein privaten Angelegenheiten ein Urteil über ihre Brüder an, und das war verkehrt. Welchen Rat gab Paulus der Versammlung? (Röm. 14:1-6).
9 Paulus hatte beiden Gruppen etwas zu sagen. Denen, die verstanden hatten, dass sie nicht mehr an das Gesetz Mose gebunden waren, sagte er, sie sollten nicht auf ihre Brüder herabblicken (Röm. 14:2, 10). Sie riskierten sonst, diejenigen aus dem Tritt zu bringen, die sich vor manchen im Gesetz verbotenen Speisen immer noch ekelten. „Hört auf, das Werk Gottes bloß der Speise wegen niederzureißen“, ermahnte Paulus sie. „Es ist gut, nicht Fleisch zu essen noch Wein zu trinken, noch sonst etwas zu tun, woran dein Bruder Anstoß nimmt“ (Röm. 14:14, 15, 20, 21). Im Gegenzug riet Paulus Christen mit empfindlicherem Gewissen, Brüder mit einer aufgeschlosseneren Ansicht nicht als untreu zu verurteilen (Röm. 14:13). Für alle dort galt der Leitsatz, „nicht höher von sich zu denken, als zu denken nötig ist“ (Röm. 12:3). Nachdem er beiden Seiten in dem Konflikt Rat gegeben hatte, schrieb er: „So lasst uns denn den Dingen nachjagen, die dem Frieden dienen, und den Dingen, die zur gegenseitigen Erbauung gereichen“ (Röm. 14:19).
10. Was ist heute genauso wie damals in Rom nötig, um Differenzen beizulegen?
10 Wir können davon ausgehen, dass die Christen in Rom den Rat des Paulus annahmen und sich änderten. Wenn es heute unter Glaubensbrüdern zu Differenzen kommt, ist es dann nicht am besten, auf eine versöhnliche Lösung hinzuarbeiten, indem wir demütig biblischen Rat suchen und anwenden? Wie damals in Rom kann es sein, dass sich beide Seiten in einem Konflikt bewegen müssen, damit es gelingt, „Frieden untereinander“ zu halten (Mar. 9:50).
Wenn Älteste um Hilfe gebeten werden
11. Worauf sollte ein Ältester achten, wenn sich jemand an ihn wendet, weil er ein Problem mit einem Glaubensbruder hat?
11 Wie würde ein Ältester am besten vorgehen, wenn sich ein Christ an ihn wendet, weil er ein Problem mit einem Angehörigen oder einem Glaubensbruder hat? In Sprüche 21:13 wird gesagt: „Wer sein Ohr verstopft vor dem Klageschrei des Geringen, wird selbst auch rufen und keine Antwort erhalten.“ Bestimmt würde kein Ältester „sein Ohr verstopfen“. In einem anderen Bibelspruch heißt es allerdings warnend: „Wer als Erster vor Gericht aussagt, scheint Recht zu haben; dann aber kommt sein Gegner und zeigt die andere Seite auf“ (Spr. 18:17, Hoffnung für alle). Ein Ältester sollte freundlich zuhören, muss aber dabei aufpassen, sich nicht gleich auf die Seite dessen zu schlagen, der sich verletzt fühlt und ihm von der Sache erzählt. Nachdem er ihn hat ausreden lassen, würde der Älteste ihn sicher fragen, ob er denn schon mit dem Betreffenden selbst darüber gesprochen hat. Und er würde ihn daran erinnern, zu welchen Schritten die Bibel rät, um auf Frieden hinzuarbeiten.
12. An welchen Beispielen wird deutlich, wie gefährlich es ist, auf eine Beschwerde hin vorschnell aktiv zu werden?
12 Wie gefährlich es ist, vorschnell aktiv zu werden, wenn man nur die eine Seite in einem Konflikt kennt, wird an drei biblischen Beispielen deutlich. Potiphar nahm die Behauptung seiner Frau, Joseph hätte versucht, sie zu vergewaltigen, für bare Münze. Völlig zu Unrecht wurde er zornig auf Joseph und ließ ihn ins Gefängnis werfen (1. Mo. 39:19, 20). König David ließ sich von Ziba weismachen, dessen Herr Mephiboscheth sei zu Davids Feinden übergelaufen. „Siehe! Dein ist alles, was Mephiboscheth gehört“ war Davids übereilte Reaktion (2. Sam. 16:4; 19:25-27). König Artaxerxes wurde berichtet, die Juden würden die Mauern Jerusalems wieder aufbauen und wollten sich gegen das Perserreich auflehnen. Der König glaubte der Lüge und befahl, alle Wiederaufbauarbeiten in Jerusalem einzustellen. Daraufhin hörten die Juden auf, am Tempel weiterzubauen (Esra 4:11-13, 23, 24). Es ist nur weise, dass Älteste die Anweisung beherzigen, die Paulus Timotheus gab, sich kein vorschnelles Urteil zu bilden. (Lies 1. Timotheus 5:21.)
13, 14. (a) Welche Grenzen müssen wir uns bewusst machen, wenn wir zu einem Konflikt Stellung nehmen sollen? (b) Auf welche Hilfe können Älteste zurückgreifen, um solche Angelegenheiten richtig zu beurteilen?
13 Selbst wenn man den Eindruck hat, sich ein Bild über beide Seiten eines Konflikts verschafft zu haben, ist es wichtig, sich bewusst zu machen: „Wenn jemand denkt, er habe Erkenntnis über etwas erworben, so erkennt er es noch nicht so, wie er es erkennen sollte“ (1. Kor. 8:2). Fragen wir uns bitte: Kenne ich wirklich alle Einzelheiten darüber, wie der Konflikt entstanden ist? Kann ich den persönlichen Hintergrund und Werdegang aller Beteiligten völlig nachvollziehen? Es kann nicht genug betont werden, wie sorgfältig Älteste darauf achten müssen, sich nicht durch irreführende Behauptungen, geschicktes Taktieren oder bloße Gerüchte aufs Glatteis führen zu lassen! Jesus Christus, der Richter, den Jehova eingesetzt hat, richtet gerecht: „Er wird nicht nach dem bloßen Augenschein richten noch einfach gemäß dem zurechtweisen, was seine Ohren hören“ (Jes. 11:3, 4). Jesus lässt sich vielmehr immer von Gottes Geist leiten. Auf den gleichen heiligen Geist können Älteste zurückgreifen.
14 Wenn sie also etwas zu beurteilen haben, bei dem es um ihre Glaubensbrüder geht, müssen sie um die Hilfe des Geistes Jehovas beten und sich auf seine Anleitung stützen. Wie tun sie das? Indem sie in Gottes Wort und in den Veröffentlichungen des „treuen und verständigen Sklaven“ nach Rat suchen (Mat. 24:45).
Frieden um jeden Preis?
15. Unter welchen Voraussetzungen sollten wir die Ältesten über die schwere Sünde eines Glaubensbruders informieren?
15 Christen wird ans Herz gelegt, sich mit aller Kraft um Frieden zu bemühen. Allerdings sagt die Bibel auch: „Die Weisheit von oben aber ist vor allem keusch, dann friedsam“ (Jak. 3:17). Sittlich rein zu bleiben — sich also von Jehova sagen zu lassen, was richtig und falsch ist, und entsprechend zu leben — ist demnach noch wichtiger, als friedsam zu sein. Bekommt ein Christ mit, dass ein Glaubensbruder eine schwere Sünde begangen hat, wird er ihm deshalb nahelegen, sich den Ältesten anzuvertrauen (1. Kor. 6:9, 10; Jak. 5:14-16). Tut der Betreffende das nicht, sollte man selbst die Ältesten informieren. Aus falsch verstandener Friedensliebe sein Wissen für sich zu behalten würde darauf hinauslaufen, dass man sich mitschuldig macht (3. Mo. 5:1; lies Sprüche 29:24).
16. Welche Lektion steckt in Jehus Vorgehen gegenüber König Joram?
16 Dass die gerechten Grundsätze Gottes einen noch höheren Stellenwert haben als die Friedensliebe, wird an einem Bericht über Jehu deutlich. Gott hatte ihn beauftragt, sein Urteil am Haus König Ahabs zu vollstrecken. Der böse König Joram, ein Sohn Ahabs und Isebels, fuhr Jehu in seinem Wagen entgegen und fragte: „Ist es Frieden, Jehu?“ Was erwiderte Jehu ihm? Er sagte: „Was für ein Frieden könnte es sein, solange es die Hurereien Isebels, deiner Mutter, und ihre vielen Zaubereien gibt?“ (2. Kö. 9:22). Darauf spannte Jehu seinen Bogen und schoss Joram einen Pfeil durchs Herz. Wie können sich Älteste an Jehus Entschlossenheit ein Beispiel nehmen? Haben sie es mit jemand zu tun, der ohne eine Spur von Reue mutwillig Sünde treibt, wäre es grundverkehrt, wenn sie um des lieben Friedens willen Zugeständnisse machen. In so einem Fall sind sie gefordert, den reuelosen Sünder auszuschließen, damit der Frieden der Versammlung mit Jehova nicht beeinträchtigt wird (1. Kor. 5:1, 2, 11-13).
17. Welchen Anteil am Frieden in der Versammlung hat jeder einzelne Christ?
17 Um schwere Sünden, mit denen sich ein Rechtskomitee befassen müsste, geht es bei Konflikten zwischen Brüdern natürlich eher selten. In den meisten Fällen ist es deshalb am allerbesten, die Fehler anderer mit Liebe zuzudecken. Gottes Wort sagt: „Wer Übertretung zudeckt, sucht Liebe, und wer ständig über eine Sache spricht, trennt die miteinander Vertrauten“ (Spr. 17:9). Beherzigen wir diesen Rat, tragen wir alle zum Frieden in der Versammlung bei und dürfen Freunde Jehovas bleiben (Mat. 6:14, 15).
Wer auf Frieden hinarbeitet, wird gesegnet
18, 19. Wie werden wir von Jehova gesegnet, weil wir auf Frieden hinarbeiten?
18 Dafür, dass wir uns mit aller Kraft um Frieden bemühen, werden wir sehr gesegnet. Weil wir uns an Jehova ein Beispiel nehmen, wird unsere Bindung zu ihm immer enger. Wir genießen die friedliche, harmonische Atmosphäre in der Bruderschaft. Und unser Bemühen um Frieden in der Versammlung hilft uns, auch denen friedfertig zu begegnen, die wir mit der „guten Botschaft des Friedens“ aufsuchen (Eph. 6:15). Es macht es uns leichter, „gegen alle sanft“ zu sein und uns sogar „unter üblen Umständen“ zu beherrschen (2. Tim. 2:24).
19 Vergessen wir auch nicht, dass es „eine Auferstehung sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten geben wird“ (Apg. 24:15). Dann werden Millionen Menschen mit unterschiedlichster Herkunft, Mentalität und Persönlichkeit wieder zum Leben kommen, und das aus allen Epochen bis zurück zur „Grundlegung der Welt“ (Luk. 11:50, 51). Was für eine wunderbare Aufgabe wird es sein, sie alle zu lehren, den Frieden zu lieben — und wie sehr wird uns dann die Schulung zugutekommen, die wir heute erhalten: die Ausbildung zum Friedensstifter!
[Fußnote]
a Biblische Anleitung, wie man bei so schweren Sünden wie Verleumdung oder Betrug vorgeht, sind im Wachtturm vom 15. Oktober 1999, Seite 17—22 zu finden.
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