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Die Christen und die Gesellschaft heuteDer Wachtturm 1993 | 1. Juli
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Von der herrschenden Klasse nicht verstanden
9. Worin unterschieden sich die ersten Christen wesentlich von den heutigen Katholiken, was das Getrenntsein von der Welt betrifft?
9 Die meisten römischen Kaiser verstanden die ersten Christen nicht und verfolgten sie. In dem von einigen in das 2. Jahrhundert u. Z. datierten Diognetbrief wird der Grund genannt: „Die Christen wohnen in der Welt, aber sie stammen nicht aus der Welt.“ Dagegen forderte das Zweite Vatikanische Konzil in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche die Katholiken auf, in der „Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen“ und „zur Heiligung der Welt ... von innen her beizutragen“.
10. (a) Wie betrachtete die herrschende Klasse die ersten Christen? (b) Wie werden Jehovas Zeugen oft betrachtet, und wie reagieren sie darauf?
10 Wie der Historiker E. G. Hardy erklärt, hielten die römischen Kaiser die ersten Christen für „reichlich verachtenswerte Enthusiasten“. Der französische Historiker Étienne Trocmé spricht von „der Geringschätzung, mit der gebildete griechische und römische Beamte diese in ihren Augen äußerst seltsame orientalische Sekte [die Christen] betrachteten“. Der Briefwechsel zwischen Plinius dem Jüngeren, dem römischen Statthalter von Bithynien, und Kaiser Trajan zeigt, daß die herrschende Klasse im allgemeinen nichts über das wahre Wesen des Christentums wußte. Ebenso werden Jehovas Zeugen heute von den Regierenden der Welt oft nicht verstanden und sogar verachtet. Das ist für die Zeugen weder überraschend, noch sind sie darüber bestürzt (Apostelgeschichte 4:13; 1. Petrus 4:12, 13).
„Überall widersprochen“
11. (a) Was wurde über die ersten Christen gesagt, und was wird über Jehovas Zeugen gesagt? (b) Warum halten sich Jehovas Zeugen aus der Politik heraus?
11 Über die ersten Christen wurde gesagt: „Was diese Sekte betrifft, ist uns bekannt, daß ihr überall widersprochen wird“ (Apostelgeschichte 28:22). Im 2. Jahrhundert u. Z. behauptete der Heide Celsus, das Christentum würde nur den Abschaum der Menschheit ansprechen. In ähnlicher Weise ist über Jehovas Zeugen gesagt worden, daß „sie zum größten Teil den Unterprivilegierten unserer Gesellschaft entstammen“. Wie der Kirchenhistoriker August Neander berichtet, „bezeichnete man die Christen als der Welt abgestorbene, für das Leben unbrauchbare Menschen“, und man fragte sich: „Was sollte aus dem Verkehr des Lebens werden, wenn es Alle so machten?“ Weil sich Jehovas Zeugen aus der Politik heraushalten, werden auch sie oft beschuldigt, nutzlose Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu sein. Doch wie könnten sie politische Aktivisten sein und gleichzeitig Gottes Königreich als einzige Hoffnung für die Menschheit vertreten? Jehovas Zeugen beherzigen folgende Worte des Apostels Paulus: „Leide mit mir als guter Soldat Christi Jesu. Keiner, der in den Krieg zieht, läßt sich in Alltagsgeschäfte verwickeln, denn er will, daß sein Heerführer mit ihm zufrieden ist“ (2. Timotheus 2:3, 4, Einheitsübersetzung, ökumenischer Text).
12. In welchem wichtigen Bereich halten sich Jehovas Zeugen genau wie die ersten Christen von der Welt getrennt?
12 Professor K. S. Latourette schreibt in seinem Buch: „Zu den Streitpunkten, bei denen sich die ersten Christen gegen die griechisch-römische Welt stellten, gehörte die Beteiligung am Krieg. In den ersten drei Jahrhunderten verzeiht keine christliche Schrift, die bis in unsere Zeit überdauert hat, die Beteiligung von Christen am Krieg“ (A History of Christianity). In Edward Gibbons Werk Geschichte des Verfalles und Unterganges des römischen Weltreiches wird gesagt: „Es war unmöglich, daß Christen, ohne eine heiligere Pflicht zu verläugnen, den Charakter von Kriegern, obrigkeitlichen Personen oder Fürsten annehmen konnten.“
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Die Christen und die Gesellschaft heuteDer Wachtturm 1993 | 1. Juli
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Christen, keine Trinitarier
14. Welche Anschuldigung wurde gegen die ersten Christen vorgebracht, aber inwiefern war das paradox?
14 Paradoxerweise wurden die ersten Christen im Römischen Reich unter anderem beschuldigt, Atheisten zu sein. Dr. August Neander schrieb: „Götterläugner oder Gottesläugner ... [war] der gewöhnliche Name der Christen im Munde des Volkes.“ Wie seltsam, daß Christen, die statt einer Vielzahl von Göttern den lebendigen Schöpfer anbeteten, von Heiden, die „keine Götter, sondern das Werk von Menschenhänden, Holz und Stein“, anbeteten, als Gottesleugner tituliert wurden (Jesaja 37:19).
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