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Zeiten und Zeitabschnitte in der Hand JehovasDer Wachtturm 1998 | 15. September
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Vorgänge — keine Zeitberechnung
18. Was war der überzeugendste Beweis für Jesu Messianität, auch wenn Daniels Prophezeiung den Juden half, die Zeit zu erkennen, wann der Messias zu erwarten wäre?
18 Obwohl Zeitangaben dem jüdischen Volk offenbar halfen, eine ungefähre Vorstellung zu haben, wann der Messias erscheinen sollte, zeigen die späteren Ereignisse, daß solche Angaben die meisten von ihnen nicht von Jesu Messianität überzeugen konnten. Weniger als ein Jahr vor seinem Tod fragte Jesus seine Jünger: „Was sagen die Volksmengen, wer ich sei?“ Sie antworteten: „Johannes der Täufer; andere aber: Elia, und wieder andere, daß einer von den ehemaligen Propheten auferstanden sei“ (Lukas 9:18, 19). Uns ist kein Bericht überliefert, gemäß dem Jesus jemals die Prophezeiung über die symbolischen Wochen zitiert hätte, um zu beweisen, daß er der Messias war. Bei einer Gelegenheit sagte er allerdings: „Ich ... habe das Zeugnis, das größer ist als das des Johannes, denn gerade die Werke, die mein Vater mir zu vollbringen aufgetragen hat, die Werke selbst, die ich tue, legen Zeugnis über mich ab, daß der Vater mich gesandt hat“ (Johannes 5:36). Nicht irgendwelche offenbarte Zeitangaben, sondern Jesu Predigttätigkeit, seine Wunder und die Geschehnisse in Verbindung mit seinem Tod (die übernatürliche Dunkelheit, das Zerreißen des Tempelvorhangs und das Erdbeben) bezeugten, daß er der von Gott gesandte Messias war (Matthäus 27:45, 51, 54; Johannes 7:31; Apostelgeschichte 2:22).
19. (a) Woran sollten die Christen erkennen, daß Jerusalems Zerstörung nahe war? (b) Warum benötigten die ersten Christen, die aus Jerusalem geflohen waren, weiterhin viel Glauben?
19 In ähnlicher Weise wurde den ersten Christen nach Jesu Tod keine Möglichkeit geboten, das bevorstehende Ende des jüdischen Systems der Dinge zu berechnen. Es stimmt zwar, daß in Daniels Prophezeiung über die symbolischen Wochen die Vernichtung des Systems erwähnt wird (Daniel 9:26b, 27b). Aber dies sollte erst nach dem Ende der „siebzig Wochen“ (455 v. u. Z. bis 36 u. Z.) erfolgen. Die Christen hatten also, nachdem 36 u. Z. die ersten Nichtjuden Nachfolger Jesu geworden waren, keine weiteren chronologischen Angaben, die über das hinausgegangen wären, was in Daniel, Kapitel 9 gesagt wurde. Vorgänge, nicht Zeitangaben, sollten ihnen anzeigen, daß das jüdische System binnen kurzem enden würde. Diese Vorgänge, die Jesus vorausgesagt hatte, gingen ab 66 u. Z. dem Höhepunkt entgegen, als römische Legionen Jerusalem angriffen, sich jedoch wieder zurückzogen. Treuen, aufmerksamen Christen in Jerusalem und Judäa bot sich dadurch die Gelegenheit, „in die Berge zu fliehen“ (Lukas 21:20-22). Da die ersten Christen keine chronologische Orientierung hatten, wußten sie nicht, wann die Zerstörung Jerusalems erfolgen würde. Welch einen Glauben es von ihnen erforderte, ihre Häuser, Höfe oder Werkstätten zurückzulassen und sich etwa vier Jahre von Jerusalem fernzuhalten, bis das römische Heer 70 u. Z. zurückkehrte und das jüdische System vernichtete! (Lukas 19:41-44).
20. (a) Wie können wir aus dem Beispiel, das Noah, Moses und die Christen des ersten Jahrhunderts in Judäa gaben, Nutzen ziehen? (b) Was werden wir im nächsten Artikel besprechen?
20 Wie Noah, Moses und die Christen des ersten Jahrhunderts in Judäa können wir heute vertrauensvoll die Zeiten und Zeitabschnitte Jehova überlassen. Unsere Überzeugung, daß wir in der Zeit des Endes leben und daß unsere Befreiung naht, beruht nicht lediglich auf chronologischen Berechnungen, sondern auf tatsächlichen Vorgängen, die anzeigen, daß sich biblische Prophezeiungen erfüllen. Außerdem leben wir zwar während Christi Gegenwart, aber das enthebt uns nicht der Notwendigkeit, Glauben auszuüben und beharrlich zu wachen. Wir müssen weiterhin in sehnsüchtiger Erwartung der begeisternden Vorgänge leben, die in der Bibel vorausgesagt wurden. Mit diesem Thema wird sich der folgende Artikel beschäftigen.
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In ‘sehnsüchtiger Erwartung’ bleibenDer Wachtturm 1998 | 15. September
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In ‘sehnsüchtiger Erwartung’ bleiben
„Die sehnsüchtige Erwartung der Schöpfung harrt auf die Offenbarung der Söhne Gottes“ (RÖMER 8:19).
1. Welche Ähnlichkeit besteht zwischen der Situation der heutigen Christen und der der Christen des ersten Jahrhunderts?
WAHRE Christen befinden sich heute in einer ähnlichen Situation wie die Christen des ersten Jahrhunderts. Eine Prophezeiung half Jehovas Dienern der damaligen Zeit zu erkennen, wann der Messias erscheinen sollte (Daniel 9:24-26). Dieselbe Prophezeiung sagte die Zerstörung Jerusalems voraus, enthielt aber keinen Anhaltspunkt, aus dem die Christen im voraus hätten schließen können, wann die Stadt zerstört werden sollte (Daniel 9:26b, 27). Eine Prophezeiung veranlaßte durch göttliche Vorsehung auch im 19. Jahrhundert aufrichtige Erforscher der Bibel, in Erwartung zu sein. Sie stellten eine Verbindung her zwischen den „sieben Zeiten“ aus Daniel 4:25 und den „Zeiten der Heiden“, und sie erwarteten, daß Christus im Jahr 1914 Königreichsmacht empfangen werde (Lukas 21:24, Lutherbibel; Hesekiel 21:25-27). Das Buch Daniel enthält zwar viele Prophezeiungen, aber keine einzige befähigt heutige Erforscher der Bibel, genau zu berechnen, wann Satans gesamtes System der Dinge vernichtet wird (Daniel 2:31-44; 8:23-25; 11:36, 44, 45). Dies wird allerdings bald geschehen, denn wir leben in der „Zeit des Endes“ (Daniel 12:4).a
Wachsamkeit während Christi Gegenwart
2, 3. (a) Was ist der hauptsächliche Beweis dafür, daß wir während Christi Gegenwart in königlicher Macht leben? (b) Was zeigt, daß Christen während der Gegenwart Jesu Christi beständig wachen müssen?
2 Es stimmt zwar, daß Christen durch eine Prophezeiung in eine Erwartungshaltung versetzt wurden, bevor Christus im Jahr 1914 Königreichsmacht erhielt. Aber das „Zeichen“, das Christus in bezug auf seine Gegenwart und den Abschluß des Systems der Dinge nannte, stellte Vorgänge heraus. Und die meisten davon sollten zu sehen sein, nachdem seine Gegenwart begonnen hatte. Solche Vorgänge — Kriege, Nahrungsmittelknappheit, Erdbeben, Seuchen, zunehmende Gesetzlosigkeit, Verfolgung von Christen und das weltweite Predigen der guten Botschaft vom Königreich — dienen als hauptsächlicher Beweis dafür, daß wir jetzt während Christi Gegenwart in königlicher Macht leben (Matthäus 24:3-14; Lukas 21:10, 11).
3 Doch der gesamte Tenor der mahnenden Abschiedsworte Jesu an seine Jünger war: „Haltet ständig Ausschau, bleibt wach ... Wacht beständig“ (Markus 13:33, 37; Lukas 21:36). Liest man diese Ermahnungen zur Wachsamkeit aufmerksam im Zusammenhang, so zeigt sich, daß Christus nicht in erster Linie davon sprach, auf das Zeichen für den Beginn seiner Gegenwart zu achten. Statt dessen forderte er seine wahren Nachfolger auf, während seiner Gegenwart wachsam zu sein. Aus welchem Grund sollten wahre Christen wachsam bleiben?
4. Welchem Zweck sollte das Zeichen dienen, das Jesus nannte?
4 Jesus äußerte seine große Prophezeiung als Antwort auf die Frage: „Wann werden diese Dinge [Vorgänge, die zur Vernichtung des jüdischen Systems der Dinge führen würden] geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ (Matthäus 24:3). Das vorausgesagte Zeichen sollte nicht nur dazu dienen, Christi Gegenwart zu erkennen, sondern auch Vorgänge, die das Ende des gegenwärtigen bösen Systems der Dinge einleiten würden.
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