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Ein Feld ‘weiß zur Ernte’Der Wachtturm 2007 | 15. April
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Neil, ein Wayuu-Indianer aus Manaure, litt seit seiner Geburt an einer Behinderung. Er gab Gott die Schuld dafür und war so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen wollte. Ein Zeuge Jehovas, der in Verbindung mit seiner beruflichen Tätigkeit einige Orte besuchte, nahm die Gelegenheit wahr und predigte dort von Haus zu Haus. Dabei sprach er auch mit Neil über Jehovas Königreich. Neil war erst 14 Jahre alt. Als der Zeuge Neils Interesse bemerkte, fing er ein Bibelstudium mit ihm an. Neil war überglücklich, Jehovas liebevolle Persönlichkeit kennenzulernen. Dadurch erkannte er, dass Gott sein Leiden nicht verursacht hatte. Als er dann las, dass Gott ein irdisches Paradies schaffen wird, in dem es keine Krankheiten mehr gibt, berührte ihn das tief (Jesaja 33:24; Matthäus 6:9, 10).
Damals wurde Neils Familie in einen Streit mit einer anderen Familie verwickelt. Um ihre Sicherheit besorgt, vollzogen Neils Angehörige bestimmte Stammesriten. Neil berichtet: „Zuerst hatte ich Angst, meinen Eltern von meinem neuen Glauben zu erzählen; besonders fürchtete ich die Familienoberhäupter, die hoch geachtet werden.“ Neils Eltern waren wütend, als sie erfuhren, dass er keine unbiblischen Glaubensansichten mehr akzeptieren wollte und auch nicht mehr bereit war, sich an spiritistischen Bräuchen zu beteiligen. Neil zog dann nach Ríohacha und nahm Verbindung mit der dortigen Versammlung auf. Nach einiger Zeit ließ er sich taufen und 1993 wurde er zum Dienstamtgehilfen ernannt. Drei Jahre später schloss sich Neil den allgemeinen Pionieren an. 1997 wurde er Versammlungsältester und im Jahr 2000 dehnte er seinen Dienst weiter aus und wurde als Sonderpionier eingesetzt.
Wenden wir uns nun Teresa zu. Sie fing an, mit Jehovas Zeugen die Bibel zu studieren. Daniel, ihr Lebensgefährte, machte sich über sie lustig und misshandelte sie und die drei gemeinsamen Kinder. Obwohl er später einem gemeinsamen Bibelstudium mit Teresa zustimmte, ging er des Öfteren mit Freunden auf Zechtour — manchmal vier oder fünf Tage lang. Seiner Familie ging es finanziell immer schlechter. Teresa studierte fleißig weiter und besuchte die Zusammenkünfte. Dadurch erkannte Daniel die Wichtigkeit des Bibelstudiums. Dann fiel tragischerweise eines ihrer Kinder in einen Bottich mit kochendem Wasser und starb an den schweren Verbrennungen. Zusätzlich zu dem großen Schmerz musste Teresa mit dem Druck von Freunden und Nachbarn fertig werden, weil sie unbiblische Begräbnisriten ablehnte.
In dieser schwierigen Situation wurden Daniel und Teresa von einigen Verkündigern aus den nahe gelegenen Versammlungen ermuntert und getröstet. Auch nach der Beerdigung machten Verkündiger aus der wayuusprachigen Versammlung ermunternde Besuche bei ihnen. Diese tätige Liebe motivierte Daniel, im Glauben Fortschritte zu machen. Er ließ das Trinken und schlug Teresa nicht mehr. Die beiden heirateten und seither bemüht sich Daniel, fleißig für den Unterhalt seiner Familie zu sorgen. Beide machten weiterhin gute Fortschritte und ließen sich im Jahr 2003 taufen. Sie leiten nun selbst mehrere Bibelstudien. Teresa hat ihren Verwandten ein so gutes Zeugnis gegeben, dass sie jetzt zuhören, wenn die Verkündiger bei ihnen vorsprechen. Ein Neffe Daniels ist ungetaufter Verkündiger und zwei Nichten studieren die Bibel und gehen in die Zusammenkünfte. Teresas Schwägerin, die ebenfalls einen Sohn durch einen Unfall verloren hat, und ihre Angehörigen sind auch an einer Bibelbetrachtung interessiert.
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Ein Feld ‘weiß zur Ernte’Der Wachtturm 2007 | 15. April
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Ein fruchtbares Feld
Die Stadt Uribia liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich von Ríohacha. Die dortige wayuusprachige Versammlung besteht aus 16 Verkündigern, von denen etliche sich vermehrt anstrengen, um den Wayuu auf dem Land zu predigen. Ein Versammlungsältester beschrieb einen solchen Predigtausflug: „Wir besuchten eine Siedlung, die aus circa 12 niedrigen Hütten mit schmalen Fenstern bestand. Unter jedem Vordach aus yotojolo (das holzige Innere eines Kakteenstammes) sind Bewohner und Besucher vor der sengenden Sonne geschützt. Wir freuten uns über das lebhafte Interesse vieler Wayuu und verabredeten Rückbesuche, um Bibelstudien einzurichten. Bei unserer Rückkehr stellten wir jedoch fest, dass viele weder lesen noch schreiben konnten. Sie erzählten uns von einer Schule, die wegen fehlender Mittel geschlossen werden musste. Wir erhielten freundlicherweise die Erlaubnis, einen der Klassenräume für unseren Lese- und Schreibunterricht sowie für Bibelstudien zu nutzen. Sechs Wayuu haben inzwischen lesen und schreiben gelernt und machen gute Fortschritte bei ihrem Bibelstudium. Wir sind gerührt, wie viel Wertschätzung sie haben, und planen, in der Siedlung Zusammenkünfte abzuhalten.“
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