-
KolumbienJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
-
-
Später erhielt die ganze Familie Carvajalino und der Neffe Tomás Dangond als Sonderpioniergruppe das Erdölraffineriezentrum Barrancabermeja, etwas weiter oben am Río Magdalena gelegen, als Zuteilung. Diese Gegend gehörte zum katholischen Missionsgebiet, und somit war dort gemäß dem Erlaß des Generals und Diktators Gustavo Rojas Pinilla jegliche nichtkatholische Missionstätigkeit verboten. Die evangelischen Bürger der Stadt versammelten sich hinter verschlossenen Türen in ihrem eigenen Kirchengebäude. Sobald sie erfuhren, daß Jehovas Zeugen in der Stadt predigten, liefen sie sogleich zum katholischen Bischof mit den Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! in der Hand, um ihm zu berichten, daß die Zeugen diejenigen seien, die diese Zeitschriften verteilten, und nicht die evangelische Kirche.
Der Polizei wurde befohlen, die Zeugen festzunehmen. Zunächst verhaftete man die vier Schwestern. Dann gingen Detektive zur Unterkunft der Pioniere und nahmen die beiden Brüder fest, wobei sie deren Aktentaschen und Literaturvorrat von 20 Kartons beschlagnahmten. Der Polizeirichter befahl den Pionieren, eine Geldstrafe zu zahlen und eine Erklärung zu unterschreiben, daß sie nicht mehr in der Stadt predigen würden. Alle weigerten sich, weshalb man alle sechs zu je 90 Tagen Gefängnis verurteilte.
Am nächsten Tag erklärten die beiden Brüder dem Bürgermeister, seine Beamten hätten eine schreckliche Schandtat begangen, als sie vier christliche Frauen unter solch erbärmlichen Verhältnissen wie Kriminelle einsperrten. Sie baten darum, die für die Schwestern bestimmte Strafe ihrer eigenen hinzuzufügen und die vier Frauen freizulassen. Der Bürgermeister war einverstanden, und Antonio und sein Neffe Tomás wurden zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt.
Der Zweigaufseher, James Webster, flog nach Barrancabermeja und suchte einen Rechtsanwalt, der die Zeugen verteidigen würde. Aber keiner hatte den Mut. Dann flog Bruder Webster nach Bogotá, um den Fall persönlich dem Sekretär des Präsidenten vorzutragen. Nachdem der Sekretär ihn angehört hatte, rief er den Bürgermeister von Barrancabermeja an und wies ihn an, die Brüder auf freien Fuß zu setzen und ihnen ihre Literatur zurückzugeben unter der Bedingung, daß die Gruppe innerhalb von 48 Stunden die Stadt verlasse.
-
-
KolumbienJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
-
-
Auch andere Sonderpioniere wurden in jenen Jahren eingesperrt. In der Hafenstadt Magangué am Río Magdalena verbrachten 1956 Miguel Manga und seine Frau Leonor auf Anstiften des Ortsgeistlichen 11 Tage im Gefängnis. In der damals fanatischen Stadt Sahagún (Córdoba) verhaftete ein irregeleiteter Bürgermeister den Sonderpionier Carlos Alvarino und verurteilte ihn zu zwei Wochen Zwangsarbeit.
-