-
KolumbienJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
-
-
AN WAS denkst du, wenn du von dem südamerikanischen Land Kolumbien hörst? Viele denken dabei an den aromatischen kolumbianischen Kaffee, an erlesene Smaragde, an wunderschöne Chrysanthemen und an prächtige Orchideen — um nur einige Besonderheiten des Landes zu nennen. Bei anderen ruft nur der Hinweis auf Kolumbien Schreckensbilder in den Sinn: Bilder vom Kokainschmuggel und den erbitterten Rauschgiftkriegen. Das ist ein schlimmer Zustand. Rauschgift und Mord aber sind keinesfalls typisch für das eigentliche Kolumbien und auch nicht für die Mehrheit seiner Bürger.
-
-
KolumbienJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
-
-
Spanische Krone — katholisches Kreuz
Ein Blick auf die Landkarte wird deine geographischen Kenntnisse über jenen Teil der Erde wieder auffrischen. Wie du siehst, reicht der Isthmus von Panama an der Nordwestspitze Südamerikas nach Kolumbien hinein. Dadurch hat Kolumbien, das nach dem europäischen Entdecker der Neuen Welt benannt ist, den Vorteil, sowohl am Pazifik als auch am Atlantik eine Küste zu haben.
Den denkwürdigen Reisen des Christoph Kolumbus folgte sehr schnell die Erforschung und Eroberung der gesamten Karibik. Spanien konzentrierte seine ganze Kraft auf ein Ziel: die Herrschaft über die ungeheuren Reichtümer der Neuen Welt, über sein Gold und Silber zu erlangen. Bald darauf griff Spanien nach der Weltherrschaft. Kaum jemand wird bestreiten, daß das 16. Jahrhundert von Spanien beeinflußt wurde.
Aber das 16. Jahrhundert war auch das Jahrhundert der Reformation, bei der die Völker Mittel- und Nordeuropas die Fesseln der katholischen Kirche und des Heiligen Römischen Reiches abwarfen. Nicht lange danach wurde die Bibel übersetzt und verbreitet, und die Heilige Schrift fehlte in fast keinem Haushalt. Ganz anders war die Situation in den spanischen Kolonien. Als hier die spanischen Konquistadoren im Namen der Krone an Land gingen, pflanzten sie auch das Kreuz des Katholizismus auf. Dort stand es 400 Jahre lang als Symbol eines religiösen Monopols.
Um Kolumbien und die dort lebenden Menschen zu verstehen, muß man etwas von seiner Geschichte kennen. Und um Jehovas Zeugen in Kolumbien zu verstehen, muß man die historische Vergangenheit kennen und auch wissen, wie diese mit ihrer theokratischen Vergangenheit verflochten ist.
Die interessantesten Punkte
Der größte Teil der Bevölkerung Kolumbiens lebt im westlichen Drittel des Landes, in den ertragreichen Flußtälern und an den fruchtbaren Hängen der drei Andenketten, die sich von der ecuadorianischen Grenze aus in Richtung Norden wie Finger auseinanderspreizen. Unser Interesse gilt vor allem sechs Städten des Landes: der Hauptstadt Bogotá, die in einem Hochbecken der Ostkordillere liegt, den drei tropischen Häfen an der Karibikküste — Barranquilla, Santa Marta und Cartagena — sowie dem weltberühmten Medellín im Westen mit seinem ewigen Frühling und dem subtropischen Cali im Südwesten, gegen Ecuador hin, wo das ganze Jahr die Sonne scheint.
Vor dem Aufkommen des Flugreiseverkehrs in den 20er Jahren war der Río Magdalena die wichtigste Verkehrsader ins Landesinnere. Etwa auf halber Strecke flußaufwärts liegt westlich der schneebedeckte Vulkan Nevado del Ruiz — der an klaren Tagen aus der Luft zu sehen ist. Unten im Tal befand sich einst die blühende ländliche Stadt Armero, bis zu jener schicksalhaften Nacht im November 1985, als eine mörderische Lawine aus Schlamm, Eis und Lava die 28 000 Einwohner zählende Stadt von der Landkarte verschwinden ließ. Auch etwa 40 Zeugen Jehovas und interessierte Personen kamen bei dieser Katastrophe ums Leben.a
Auf nach Bogotá
Ankommende Flugzeuge lassen das breite Tal des Río Magdalena hinter sich und gleiten über die saftgrüne Savanne hoch oben in den Bergen, wo Bogotá, die 450 Jahre alte Hauptstadt und größte Stadt Kolumbiens, liegt. Aufmerksame Fluggäste, die rechts aus dem Flugzeug schauen, können kurz die rotbraunen Dächer der Gebäude auf dem neuen Baugelände des Zweigbüros der Watch Tower Society etwas westlich der Hauptstadt erblicken. Einige der Mitarbeiter mögen ihrerseits hinaufschauen und sich fragen, ob mit dem Flugzeug weitere Mitarbeiter ankommen, die im Rahmen des internationalen Bauprogramms anreisen, um die Arbeit zu beschleunigen. Während der große Jet seinen langen Landeanflug Richtung Bogotás internationalem Flughafen El Dorado fortsetzt, sieht man am weit entfernten Ende der Hochebene die Wolkenkratzer von Bogotá, die sich der Sonne entgegenrecken und von der steil abfallenden Ostkordillere umrahmt werden.
Wenn die Passagiere den Flughafen verlassen, staunen sie oft über die frische, kühle Luft. In 2 600 Meter Höhe ist man froh über einen Mantel oder einen dicken Pullover.
Kolumbien erfreut sich ungehinderter Religionsausübung
Oben auf der Bergkette steht eine Kultstätte, die die Hauptstadt überragt — ein stummer Zeuge davon, daß Kolumbien ein katholisches Land ist. Es ist „Dem Heiligen Herzen Jesu“ geweiht und hat mit dem Heiligen Stuhl ein Konkordat abgeschlossen, das seit 1887 in Kraft ist. Darin stand ursprünglich, der Katholizismus sei Staatsreligion, wodurch die Meinung des spanischen Königs Philipp II. bestätigt wurde, politische Einheit könne nicht ohne Einheit im Glauben bestehen.
Erfreulicherweise gibt es seit 1958 in Kolumbien Religionsfreiheit.
-
-
KolumbienJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
-
-
[Kasten]
Hauptstadt: Bogotá
Amtssprache: Spanisch
Hauptreligion: römisch-katholisch
Bevölkerung: 31 677 000
Zweigbüro: Bogotá
-