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KolumbienJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
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„Lösen Sie den Kongreß auf!“
Im Dezember 1952 fand in Kolumbien der erste Bezirkskongreß im Zweigbüro in Barranquilla statt, das gleichzeitig als Missionarheim diente. Brüder kamen aus sechs Departements oder Provinzen; manche fuhren vier Tage mit dem Schiff den Río Magdalena hinunter, um anwesend zu sein. Die Besucherhöchstzahl betrug 452, und 58 ließen sich taufen. Der Schlußvortrag war gerade zu Ende, als man schon über den nächsten Kongreß zu sprechen begann.
Für den Landeskongreß „Triumphierendes Königreich“ 1955 mieteten die Brüder einen Tanzsaal, der auch für andere Anlässe benutzt wurde. Aber der Bürgermeister und der Gouverneur schritten ein und lösten den Vertrag — auf Anordnung des katholischen Bischofs. Nur ein Tag verblieb den Zeugen, um ihre Pläne zu ändern, und wieder mußten sie einen Kongreß im Zweigbüro abhalten.
Der erste Teil des Abendprogramms, bei dem 600 Personen anwesend waren, fing gerade an, als bewaffnete Beamte erschienen. Der Hauptmann stürmte herein und befahl: „Lösen Sie den Kongreß auf!“ Am nächsten Morgen wandten sich die Brüder an den Bürgermeister, der ihnen das Recht zusicherte, in ihren eigenen Räumlichkeiten religiöse Zusammenkünfte abzuhalten. Der Sekretär des Bürgermeisters entschuldigte sich für die unbefugte Unterbrechung des Kongresses. Am zweiten Abend stieg die Anwesendenzahl auf 700, und nahezu 1 000 Menschen drängten sich am vierten und letzten Tag auf dem Grundstück des Zweigbüros zusammen.
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KolumbienJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
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„Schwierigkeiten mit dem Bischof“
Nahezu zehn Jahre Kriegsrecht und Diktatur, in denen man der katholischen Kirche besondere Rechte eingeräumt hatte, waren zwar zu Ende, aber die Kirche war entschlossener denn je, weiterhin Gewalt über das kolumbianische Volk auszuüben. Dies trat beim Bezirkskongreß „Wachsame Diener Gottes“ 1959 ganz deutlich zutage.
Das klimatisierte Teatro Metro mit 2 000 Sitzplätzen war zu jener Zeit eine der besten Zusammenkunftsstätten in Barranquilla. Die Brüder entschlossen sich, das Theater während des geplanten viertägigen Kongresses für die letzten drei Tage zu mieten. Alles ging gut, oder zumindest schien es so. Die Zeugen hatten einen unterschriebenen und notariell beglaubigten Vertrag, einen Einzahlungsbeleg und eine schriftliche Erklärung des Bürgermeisters in Händen, die bestätigte, daß die Zeugen ihren Kongreß abhalten konnten, „wo immer sie wünschten“.
Am Montagmorgen, nur drei Tage vor Kongreßbeginn, rief der Theaterverwalter im Zweigbüro an und sagte aufgeregt, der katholische Bischof bedränge ihn, den Vertrag rückgängig zu machen. Was konnte getan werden? Delegierte aus verschiedenen Landesteilen reisten bereits an. Die Brüder eilten zum Bürgermeister, der ebenfalls in Aufregung war. Er wollte auf keinen Fall „Schwierigkeiten mit dem Bischof“ und bat die Brüder, den Kongreß abzusagen.
Am Dienstagmorgen gingen die Zeugen wieder zum Bürgermeister und machten darauf aufmerksam, daß die kolumbianische Verfassung im Artikel 53 deutlich erklärt: „Freiheit ist garantiert für alle Religionen, die nicht der christlichen Moral und dem Gesetz widersprechen.“ Ohne Erfolg. Der Bürgermeister gab nicht nach.
Als nächstes wandten sich die Brüder an das Regierungsministerium in Bogotá. Die Regierungsbeamten waren entgegenkommend. „Es liegt auf der Hand, daß Sie im Recht sind“, versicherten sie den Brüdern. Doch die Beamten waren nicht gewillt, das schriftlich zu bestätigen, weil sie befürchteten, es „würde Probleme mit der Kirche verursachen“. Man unterrichtete den Gouverneur des Departements Atlántico von ihrer Entscheidung. Er sprach daraufhin mit dem Bürgermeister.
Am Donnerstagmorgen begann der Kongreß planmäßig auf dem Gelände des Zweigbüros. Am Ende des Tages kamen die Brüder schließlich triumphierend aus dem Büro des Bürgermeisters — mit einer schriftlichen Genehmigung in der Hand. Jehova hatte ihnen den Sieg geschenkt! Die Zeugen freuten sich, die letzten drei Tage des Kongresses im klimatisierten und bequemen Teatro Metro abhalten zu können. Die Besucherhöchstzahl am letzten Tag betrug 2 200.
Nach dem Kongreß war der Theaterverwalter ganz verändert. Der reibungslose Ablauf, das anständige Benehmen der Zeugen, der ruhige Programmverlauf — all dies hatte ihn sichtlich beeindruckt. Er sagte, er würde den Zeugen gern die Räumlichkeiten auch für den nächsten Kongreß vermieten, was er auch tat.
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