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  • Kolumbien
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
    • Von 1983 bis 1987 beherbergte ein Missionarheim in dem Erholungsgebiet Boca Grande Missionare aus Mexiko, Dänemark, Finnland, Kanada und den Vereinigten Staaten. Sie überbrachten vielen die Königreichsbotschaft, einschließlich Geschäftsleuten. „Im Geschäftsviertel von Cartagena zu arbeiten ist eine Freude“, erklärte einer der Missionare. „Viele Geschäftsleute nehmen sich Zeit, zuzuhören und sich mit uns zu unterhalten. Einige sind in die Wahrheit gekommen.“

  • Kolumbien
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
    • Religiöse Hauptstadt

      Am Mittwoch, den 1. Oktober 1958 trafen die ersten Gileadabsolventen in Medellín ein, um im Evangelisierungswerk dort die Führung zu übernehmen. Obwohl die Diktatur zu Ende war und Jehovas Zeugen bereits in anderen Städten des Landes Fuß gefaßt hatten, war die Situation in Medellín anders. Medellín stand damals in dem Ruf, die religiöse Hauptstadt Kolumbiens zu sein. Trotzdem freuten sich die Missionarehepaare nach einem Jahr im heißen, tropischen Barranquilla über ihre neue Zuteilung in Medellín, das ein mildes, frühlingshaftes Klima hatte und eine saubere Stadt mit zahlreichen bunten Blumen war, darunter viele Orchideen.

      Richard und Virginia Brown war eines dieser Missionarehepaare. Richard, der heute als Koordinator des kolumbianischen Zweigkomitees dient, beschreibt, wie die Missionare empfanden: „Man hatte uns erzählt, die Bewohner der Stadt seien ausgesprochen religiös, was sich durchaus bestätigte. Überall sah man schwarzgekleidete Priester und Nonnen — an den Straßen, in den Geschäften, in den Bussen. In der Stadt sah man überall Kirchen, Kapellen und Konfessionsschulen. Trotz unserer begrenzten Spanischkenntnisse versuchten wir, informell Zeugnis zu geben, wurden aber mit mißbilligenden Blicken abgewiesen.

      Wir waren zwar nur vier Missionare in der Stadt, aber dennoch erschienen Äußerungen über unsere Tätigkeit in den Zeitungen: ‚Warnung an alle Katholiken: Jehovas Zeugen haben einen großen Feldzug gestartet ... Lehnen Sie jegliche Literatur ab, oder vernichten Sie sie, falls sie Ihnen in die Hände fällt.‘ Trotzdem wurde Interesse vorgefunden, und im Juni 1959 wurde mit 23 Verkündigern die erste Versammlung in Medellín gegründet. 5 von ihnen waren gekommen, um dort zu dienen, wo Hilfe not tut.“

      „Bewerft die Zeugen mit Steinen“

      Im März 1960 traf ein neuer Missionar in Medellín ein — George Koivisto aus Kanada. Er war finnischer Herkunft, blond und ledig. Nach einem Monat intensiven Spanischunterrichts im Missionarheim ging er zum erstenmal in den Predigtdienst. George wird nie seinen ersten Morgen im Zeitschriftendienst vergessen.

      „Ich arbeitete gerade mit einer kleinen Gruppe von Pionieren und einheimischen Verkündigern zusammen“, erzählt George, „und ich konnte nur sehr wenig Spanisch sprechen und verstehen. Der Verkündiger, den ich begleitete, verstand kein Englisch. Am späten Vormittag kam eine schreiende Rotte von Schulkindern auf uns zu und bewarf uns mit Steinen und Lehmklumpen.

      Die Wohnungsinhaberin nahm uns schnell in ihr Haus und knallte gerade noch rechtzeitig die hölzernen Fensterläden zu. Größere und kleinere Steine hagelten gegen die Vorderseite des Hauses, auf das Lehmziegeldach und in den Innenhof.

      Kurze Zeit später fuhr ein Streifenwagen vor. Die Polizei wollte wissen, wer den Aufruhr angezettelt habe. Einige erklärten lautstark, der Lehrer sei es gewesen. Lange vor der Mittagspause hatte er ungefähr 300 Kindern freigegeben. Ein anderer rief: ‚Nein! Es war der Pfarrer! Er hat über Lautsprecher gesagt, die Schüler sollten hinausgelassen werden, um „die Protestantes mit Steinen zu bewerfen“.‘ “

      Nach dem Vorfall änderten die Leute in dem ganzen Gebiet ihre Einstellung, und bald stießen die Zeugen auf Interesse und richteten Bibelstudien ein.

      Im Jahre 1961 heiratete George eine einheimische Pionierin, und bald darauf wurden ihnen zwei Söhne geboren. Die Koivistos blieben weitere 18 Jahre in Kolumbien. 1980 zog George mit seiner Familie zurück nach Kanada. Die Koivistos — George, Leonilde und ihre beiden Söhne — dienen seit 1983 im kanadischen Bethel.

      Schuljungen verblüfft

      Bei einer anderen Gelegenheit war eine Missionarin in Medellín gerade allein im Predigtdienst, als eine Gruppe Jugendlicher der Wohnungsinhaberin zurief, sie solle der Missionarin nicht zuhören. Die Frau bekam es mit der Angst zu tun. Also beendete die Missionarin ihr Gespräch und wollte ruhig das Gebiet verlassen, aber die Jungen umringten sie und ließen sie keinen Schritt weitergehen.

      Sie fragten, ob sie protestantische Literatur in ihrer Tasche habe. Die Schwester erwiderte, sie habe die Bibel dabei, und fragte die Jungen, ob die Bibel ein protestantisches Buch sei. Sie wußten nicht, was sie antworten sollten, weshalb sie behaupteten, die Zeugen würden nicht an die Jungfrau glauben. Die Missionarin nahm gelassen ihre Bibel heraus und bat die Jugendlichen, ihr zu zeigen, wo die Jungfrau in der Bibel erwähnt werde. Aber keiner war dazu imstande.

      Hierauf sagte die Schwester: „Ich weiß wo. Möchtet ihr, daß ich es euch zeige?“ Dann schlug sie Lukas 1:26-38 auf und ließ sie den Bericht über den Besuch des Engels Gabriel bei der Jungfrau Maria vorlesen. Daraufhin versicherte sie ihnen, daß Jehovas Zeugen glauben, was in der Bibel steht. Die Jungen entgegneten, man habe ihnen erklärt, Jehovas Zeugen würden nicht an die Jungfrau glauben. Nun waren sie verblüfft und wußten wieder nicht, was sie sagen sollten. Die Schwester steckte ihre Bibel in ihre Literaturtasche und ging ruhig fort, während die Schuljungen ganz verdutzt und nachdenklich dastanden.

  • Kolumbien
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
    • Später, im Frühjahr 1949, schrieb der Zweigaufseher Robert Tracy nach einem kurzen Besuch an die Zentrale der Gesellschaft in Brooklyn: „Cali ist eine der fortschrittlichsten Städte Kolumbiens.“

      Bruder Tracy hatte sich in seine Predigtdiensttasche 15 Bücher gesteckt und außerdem die Namen mehrerer interessierter Personen aufgeschrieben. Die Menschen, die er antraf, waren freundlich und zugänglich, und innerhalb von nur zwei Stunden ging ihm die Literatur aus. „So bald wie möglich sollten Missionare hierhergesandt werden“, schrieb er am Schluß seines Berichts.

      Während des Zweiten Weltkriegs fing die Industrialisierung in Cali an, und bald entstanden in dem ganzen Gebiet Fabriken und Geschäfte, die im Besitz von Ausländern, multinationalen Konzernen oder Einheimischen waren. Heute gibt es in dieser Stadt von rund zwei Millionen Einwohnern 3 657 Zeugen in 39 Versammlungen.

      Ein Arbeitsvertrag in nur einem halben Tag

      Im Jahre 1954 verließen die Tracys und die Fountains Bogotá, um ein Missionarheim in Cali einzurichten. Ein paar Monate später, im Dezember, trafen zwei neue Missionare, Jesse und Lynn Cantwell, ein. Jesse, der Jüngste in einer Familie von acht Pionieren in den Vereinigten Staaten, hatte seine Laufbahn im Predigtwerk als 12jähriger Schuljunge begonnen, und zwar 1934 während der Weltwirtschaftskrise.

      Die Cantwells reisten in Kolumbien als Touristen ein, da 1954 immer noch diktatorische Erlasse in Kraft waren. Obwohl Jesse nicht sehr viel Schulbildung besaß und lediglich über Grundkenntnisse der spanischen Sprache verfügte, suchte er eine Arbeit, die es ihm und seiner Frau ermöglichen würde, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. In nur einem halben Tag hatte er einen Vertrag mit der dortigen Universität (Universidad del Valle). Er war als Englischlehrer an der medizinischen Fakultät angestellt worden. „Das war nur mit Jehovas Hilfe möglich“, erklärte Jesse. Die sechs Missionare in der Stadt sorgten dafür, daß das Königreichswerk in Cali Wurzeln faßte und zu wachsen begann.

      Als sich die politische Situation änderte und religiöse Einschränkungen aufgehoben wurden, kündigte Bruder Cantwell seine Arbeit an der Universität, um den Dienst als reisender Aufseher in einem der beiden Kreise aufnehmen zu können, die es damals in Kolumbien gab. Danach war er Bezirksaufseher und diente schließlich im Zweigbüro in Barranquilla. 1970 wurden die Cantwells der Dominikanischen Republik zugeteilt, wo Bruder Cantwell die Arbeit als Zweigaufseher versah. Gegenwärtig stehen Jesse und Lynn Cantwell in den Vereinigten Staaten im Kreisdienst.

      Arroganter Priester — sympathische Polizei

      In einem Stadtteil von Cali, wo hauptsächlich Bürger des Mittelstandes wohnen, führte ein Priester namens Arango einen unerbittlichen Kampf gegen Jehovas Zeugen. Eines Tages machten Schwester Fountain und eine neue Verkündigerin, Ana Valencia, gerade einen Rückbesuch, als Priester Arango in das Haus stürmte und die Wohnungsinhaberin mit den Worten anfuhr: „Sorgen Sie dafür, daß diese Indianer von hier verschwinden!“ Wütend rief er selbst die Polizei an. Inzwischen baten die Schwestern die Frau, ein Taxi zu rufen. Der Streifenwagen und das Taxi trafen zur gleichen Zeit ein. Schnell ging Schwester Valencia zum Polizeiauto hinüber und sagte in überzeugender Weise zu dem Fahrer: „Sehen Sie, der Priester hat die grüne Minna für sich bestellt. Wir haben das Taxi gerufen und fahren deshalb mit dem Taxi.“ Der Beamte war einverstanden, und die Schwestern stiegen in das Taxi ein, das sie zur Polizeiwache brachte. So kam es, daß der Priester in der „grünen Minna“ mitfahren mußte.

      Auf der Polizeiwache brachte der zornige Priester die Beschuldigung vor: „Diese Frauen gehen in meiner Gemeinde umher und stiften Unfrieden, indem sie die Leute aufwiegeln und andere Bräuche lehren.“

      „Da Sie den Priester beleidigt haben“, sagte der Richter zu den Schwestern, „muß ich Sie in Untersuchungshaft nehmen.“ Die Schwestern wurden sechs Stunden lang in Einzelhaft festgehalten, bis Bruder Fountain und Bruder Cantwell sie schließlich fanden und ihre Freilassung erwirkten. Der Richter entschuldigte sich bei den Schwestern: „Ich weiß, daß Ihre Religion gut ist, aber hätte ich Sie nicht festgehalten, würde ich morgen meine Arbeit verlieren.“

  • Kolumbien
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
    • [Bild auf Seite 105]

      Richard und Virginia Brown richteten 1958 das erste Missionarheim in Medellín ein. Richard ist der Koordinator des Zweigkomitees.

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