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Wie gut ist unsere Kommunikation?Der Wachtturm 2006 | 15. April
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Wie gut ist unsere Kommunikation?
„LIEBESBRIEF mit 60“. Unter diesem Motto startete eine Bank in Japan vor ein paar Jahren einen Wettbewerb, bei dem 50- bis 70-jährige Japaner „echte Gefühle“ für ihren Ehepartner zu Papier bringen sollten. Ein Teilnehmer schrieb an seine Frau: „Vielleicht lachst du jetzt, aber ich muss dir einfach mal von Herzen sagen: Danke, dass du mich geheiratet hast!“
In manchen Kulturen — beispielsweise im Osten — behält man Gefühle im Allgemeinen für sich. Dennoch beteiligten sich an diesem Liebesbrief-Wettbewerb mehr als 15 000 Personen. Er fand so großen Anklang, dass noch ein zweiter folgte. Gestützt auf die eingegangenen Briefe wurden sogar Bücher veröffentlicht. Das deutet darauf hin, dass sich tief im Innern viele gedrängt fühlen, ihrem geliebten Ehepartner zu sagen, was sie für ihn empfinden. Andere wiederum möchten das nicht. Warum nicht? Wahrscheinlich, weil es nicht ganz einfach ist und gewisses Geschick erfordert, anderen, zum Beispiel dem Ehepartner, Gefühle verständlich zu machen.
Hitoshi Kato, Autor eines Buches über das Thema Ruhestand, erklärt, bei älteren Paaren in Japan werde die Scheidung oft von Ehefrauen eingereicht, weil sich bei ihnen über Jahre hinweg tiefe Unzufriedenheit angestaut hat. Als weiteren Grund führt er an, dass „Ehepartner bei Krisen nicht offen miteinander reden“.
Ein frisch pensionierter Ehemann ist wahrscheinlich überrascht, wenn sich seine Frau plötzlich von ihm scheiden lassen will. Die beiden haben womöglich seit Jahren nicht darüber gesprochen, was sie füreinander empfinden. Und wenn sie es versucht haben, ist es ihnen vielleicht nicht gelungen, positiv zu bleiben. Statt ihr Verhältnis zu vertiefen, gab es immer wieder Streit.
Wie schafft man es als Ehepaar, Meinungsverschiedenheiten friedlich beizulegen und Gefühle nett zum Ausdruck zu bringen? Die nützlichsten Vorschläge dazu findet man interessanterweise nicht in modernen Eheratgebern, sondern in einem Buch, das schon seit Jahrhunderten hohe Achtung genießt — in der Bibel.
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Schlüssel für die Kommunikation in der EheDer Wachtturm 2006 | 15. April
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Schlüssel für die Kommunikation in der Ehe
„DAS hätte ich jetzt besser nicht gesagt.“ „Ich hab mich einfach nicht klar ausgedrückt.“ Sind uns solche Gedanken auch schon gekommen, nachdem wir versucht haben, mit unserem Ehepartner zu reden? Ja, das Kommunizieren ist eine Fähigkeit, die gelernt sein will. Und wie das bei Fähigkeiten nun mal so ist, scheinen sich die einen damit eher leicht zu tun, die anderen schwer. Aber auch wer zu den Letzteren gehört, kann es durchaus lernen, sich auf nette, wirkungsvolle Art mitzuteilen.
Die Umgangsformen in der Ehe sind zum Teil starken kulturellen Zwängen unterworfen. Männern wird oft beigebracht: „Ein Mann sollte nicht zu viel reden.“ Gesprächige Männer werden mitunter als unseriös abqualifiziert. Es stimmt zwar, dass die Bibel sagt: „Jeder Mensch soll schnell sein zum Hören, langsam zum Reden“ (Jakobus 1:19). Aber dieser Rat gilt für Männer und Frauen gleicherweise und macht deutlich, dass zur Kommunikation mehr gehört als nur zu reden. Was wäre zum Beispiel, wenn sich zwei Menschen ausgiebig miteinander unterhalten, aber keiner hört dem anderen zu? Es kommt wahrscheinlich kaum echte Kommunikation zustande. Wie der obige Bibeltext zeigt, spielt bei wirkungsvoller Kommunikation die Kunst des Zuhörens eine große Rolle.
Kommunikation ohne Worte
Mancherorts wird von Frauen erwartet, dass sie ihre Meinung für sich behalten. Der Mann hat in der Familie stets erhaben und distanziert zu sein. Ehepartner können da nur raten, was der andere in irgendeiner Situation wünscht. Manche Frauen entwickeln ziemliches Geschick darin, die Bedürfnisse ihres Mannes zu erkennen und schnell darauf einzugehen. In solchen Fällen findet Kommunikation ohne Worte statt. Diese Art Kommunikation ist jedoch üblicherweise einseitig. Während die Frau die Gedanken und Gefühle ihres Mannes vielleicht erkennen lernt, erwartet man vom Mann nur selten, dass auch er diese Fähigkeit entwickelt.
Es stimmt zwar, dass in manchen Kulturen auch Männer die emotionellen Bedürfnisse ihrer Frau beachten und darauf einzugehen versuchen. Aber auch dort würde eine bessere Kommunikation vielen Ehen gut tun.
Kommunikation ist sehr wichtig
Offene Kommunikation kann Missverständnisse und Fehldeutungen verhindern. Das zeigt ein Beispiel aus der Geschichte des Volkes Israel. Die Stämme Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse, die östlich des Jordan wohnten, bauten einmal am Jordan „einen auffallend großen Altar“. Die Stämme im Westen deuteten das völlig falsch. In der Meinung, ihre Brüder jenseits des Flusses seien Gott untreu geworden, rüsteten sie sich zum Krieg gegen die vermeintlichen Rebellen. Vorher sandten sie jedoch eine Abordnung aus, die mit den Stämmen im Osten reden sollte. Wie klug das doch war! Sie erfuhren, dass der Altar nicht für unerlaubte Brandopfer oder andere Opfer vorgesehen war. Die Stämme im Osten hatten nur befürchtet, die anderen könnten irgendwann sagen: „Ihr habt keinen Teil an Jehova.“ Dann würde der Altar Zeuge dafür sein, dass auch sie Jehova anbeteten (Josua 22:10-29). Sie nannten den Altar wahrscheinlich „Zeuge“, weil er als Zeuge dafür diente, dass für sie Jehova der wahre Gott war (Josua 22:34, Fußnote).
Diese Erklärung war überzeugend, und so gaben die Stämme im Westen ihre Kriegsabsichten auf. Offene und ehrliche Kommunikation konnte einen bewaffneten Konflikt verhindern. Als sich die Israeliten später gegen ihren sinnbildlichen Ehemann, Jehova Gott, auflehnten, sagte Jehova zu ihnen, er wolle ihnen barmherzig „zu Herzen reden“ (Hosea 2:14). Was für ein schönes Vorbild für Ehepaare! Ja, Verheiratete sollten sich wirklich bemühen, das Herz ihres Ehepartners anzusprechen, damit er ihre Gefühle versteht. Das ist besonders wichtig, wenn heftige Gefühlsregungen im Spiel sind. Pattie Mihalik, eine Journalistin in den Vereinigten Staaten, schreibt: „Manche sagen: ‚Worte kosten nicht viel‘, aber Worte können unbezahlbar sein. Wenn sich Gefühle auch manchmal schwer in Worte fassen lassen, können sie letztlich viel mehr bringen als Geld auf der Bank.“
Besser kommunizieren lernen
„Unsere Ehe war von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, sagen manche. Andere finden: „An unserer Ehe ist nichts mehr zu retten.“ Diese Paare haben geheiratet und sind jetzt der Meinung, dass die Kommunikation bei ihnen hoffnungslos verfahren ist. Aber denken wir nur einmal an Ehepaare, die in Kulturkreisen leben, wo Ehen von Angehörigen arrangiert werden. Viele von ihnen schaffen es, auch nach der Hochzeit eine gute Kommunikation aufzubauen.
Vor fast 4 000 Jahren lebten im Orient ein Mann und eine Frau, deren Ehe ebenfalls arrangiert wurde. Dazu wurde ein Vermittler auf eine lange Reise geschickt, um für den Mann eine Braut zu suchen. Obwohl die Ehe vermittelt wurde, bewies das Paar erstaunliches Geschick in der Kunst der Kommunikation. Der Mann — Isaak — traf den Vermittler und seine zukünftige Ehefrau auf dem Feld. Der Vermittler „ging daran, Isaak alle Dinge zu erzählen, die er getan hatte“. „Danach“, so berichtet die Bibel weiter, „brachte Isaak sie [Rebekka] in das Zelt Saras, seiner Mutter [was als offizielle Eheschließung galt]. Auf diese Weise nahm er Rebekka, und sie wurde seine Frau; und er gewann sie lieb“ (1. Mose 24:62-67).
Hier fällt auf, dass sich Isaak zuerst den Bericht anhörte und „danach“ Rebekka zur Frau nahm. Der Vermittler war ein vertrauenswürdiger Diener und wie Isaak ein Anbeter Jehovas. Isaak hatte gute Gründe, diesem Mann zu vertrauen. Er heiratete Rebekka und „gewann sie lieb“.
Entwickelten Isaak und Rebekka gute Kommunikationsfähigkeiten? Als ihr Sohn Esau zwei Töchter von Heth heiratete, gab es in der Familie ein echtes Problem. Rebekka ‘sagte wiederholt’ zu Isaak: „Ich bin so weit, dass mich mein Leben wegen der Töchter Heths anwidert. Wenn sich Jakob [ihr jüngerer Sohn] je eine Frau von den Töchtern Heths nimmt . . ., was habe ich da noch vom Leben?“ (1. Mose 26:34; 27:46). Rebekka brachte ihre Sorgen offenbar unmissverständlich zum Ausdruck.
Isaak gebot Esaus Zwillingsbruder Jakob, sich keine Frau von den Töchtern Kanaans zu nehmen (1. Mose 28:1, 2). Rebekkas Worte hatten also Wirkung. Sie und ihr Mann konnten sich über ein ziemlich heikles familiäres Thema gut verständigen und sind damit für uns heute ein Beispiel. Aber was ist, wenn sich ein Ehepaar nicht einigen kann? Was kann man dann tun?
Wenn eine Meinungsverschiedenheit auftritt
Wenn in der Ehe eine ernste Meinungsverschiedenheit aufkommt, sollte man sich nicht gegenseitig anschweigen. Dadurch würde man die deutliche Botschaft vermitteln: „Ich bin nicht glücklich und du sollst es auch nicht sein.“ Vielleicht weiß ja der andere gar nicht genau, was man überhaupt denkt oder wünscht.
Es wäre besser, über die Angelegenheit zu reden. Bei sensiblen Themen ist es oft nicht ganz leicht, die Ruhe zu bewahren. Isaaks Eltern, Abraham und Sara, kamen einmal in eine schwierige Lage. Da Sara unfruchtbar war, folgte sie einem damaligen Brauch und gab Abraham ihre Magd Hagar zur Nebenfrau, um so einen Nachkommen zu erhalten. Hagar gebar Abraham einen Sohn — Ismael. Später wurde auch Sara schwanger und gebar dem Abraham ebenfalls einen Sohn — Isaak. Als Isaak entwöhnt werden sollte, bemerkte Sara, wie Ismael über ihn „spottlachte“. Da sie ihren Sohn in Gefahr sah, drängte sie Abraham, die Sklavin und Ismael fortzuschicken. Ja, Sara brachte ihre Empfindungen ganz direkt zum Ausdruck. Doch Abraham gefiel ihre Bitte überhaupt nicht.
Wie wurde die Meinungsverschiedenheit beigelegt? Die Bibel berichtet: „Dann sprach Gott zu Abraham: ‚Möge dir nicht etwas, was Sara dir fortgesetzt über den Knaben und über deine Sklavin sagt, missfallen. Höre auf ihre Stimme, denn durch Isaak wird sein, was dein Same genannt werden wird.‘ “ Abraham hörte auf Gott und handelte entsprechend (1. Mose 16:1-4; 21:1-14).
Nun könnte jemand einwenden: „Na ja, wenn Gott vom Himmel zu uns sprechen würde, dann würden wir uns ja leicht einig!“ Das bringt uns zu einem weiteren Schlüssel, wie man Ehestreitigkeiten beilegt. Auch heute können Ehepaare Gott zuhören. Wie? Dadurch, dass sie gemeinsam Gottes Wort lesen und das Gelesene als Gottes Anleitung betrachten (1. Thessalonicher 2:13).
Eine erfahrene christliche Ehefrau sagte: „Wenn eine junge Frau mit Eheproblemen zu mir kommt, frage ich oft, ob sie und ihr Mann zusammen die Bibel lesen. Die meisten Paare, die in Schwierigkeiten sind, haben sich das nicht zur Gewohnheit gemacht“ (Titus 2:3-5). Aus dieser Beobachtung können wir alle etwas lernen. Verheiratete sollten regelmäßig gemeinsam die Bibel lesen. So können sie Gottes Wort „hören“ und bekommen Ratschläge für ihr tägliches Verhalten (Jesaja 30:21). Aber Vorsicht! Man darf die Bibel nicht als Prügel gebrauchen, indem man dem Ehepartner ständig Bibeltexte vorhält, die er angeblich nicht befolgt. Besser, man überlegt, wie man das Gelesene gemeinsam in die Tat umsetzen kann.
Falls ein schwieriges Problem ansteht, könnte man den Index der Wachtturm-Publikationena heranziehen. Vielleicht stellt zum Beispiel die Pflege betagter Eltern die Ehe auf eine Belastungsprobe. Statt darüber zu streiten, was der andere tun oder nicht tun sollte, wäre es besser, gemeinsam im Index nachzuschlagen. Man sucht zuerst das Hauptstichwort „Eltern“ und geht dann die Quellenangaben unter dem Unterstichwort „Betreuung betagter Eltern“ durch. Nun kann man gemeinsam die entsprechenden Artikel in den Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas durchlesen. Es ist erstaunlich, wie sehr man als Ehepaar von diesen auf die Bibel gestützten Informationen profitieren kann; sie haben sich schon bei vielen aufrichtigen Christen bewährt.
Wenn man die Quellenangaben durchgeht und die entsprechenden Artikel gemeinsam liest, sieht man das betreffende Problem objektiver. Man findet Bibelzitate oder Bibelstellenangaben, die deutlich machen, wie Gott darüber denkt. Wenn man diese Texte gemeinsam in der Bibel aufschlägt und liest, kann man „hören“, was Gott über das betreffende Problem sagt.
Die Kommunikation nicht abreißen lassen
Was passiert, wenn man eine Tür aufmachen will, die schon länger nicht benutzt worden ist? Sie quietscht und bewegt sich nur schwer in den verrosteten Scharnieren. Was aber, wenn die Tür ständig benutzt worden ist und die Scharniere immer gut geölt worden sind? Dann geht sie ganz leicht auf. Ähnlich ist es mit der Kommunikation, der „Tür“ zum Mitmenschen. Wenn man diese Tür oft benutzt und ihre Scharniere sozusagen mit christlicher Liebe ölt, findet man auch bei ernsten Meinungsverschiedenheiten leichter Zugang zum anderen.
Man muss irgendwo anfangen. Auch wenn die Kommunikation zu Beginn viel Mühe verlangt: Arbeiten wir daran! Der Lohn ist ein harmonischeres Verhältnis zum Ehepartner und dauerhaftes gegenseitiges Verständnis.
[Fußnote]
a Herausgegeben von Jehovas Zeugen.
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