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RumänienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2006
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Dazu ergab sich eine Gelegenheit, als Teodor mit noch etwa 50 rumänischen Zeugen auf einem Umweg zu dem nationalsozialistischen Gefangenenlager in Bor (Serbien) gebracht wurde. Der Trupp machte in Jászberény (Ungarn) Halt, wo über hundert ungarischsprachige Brüder dazustießen. Die Wachen schickten ein paar Brüder zum Fluss, um ein Fass mit Wasser zu füllen. Da sie den Zeugen vertrauten, durften diese ohne Bewachung losmarschieren. Teodor ging mit und wurde im Fluss getauft. Von Jászberény ging es dann mit dem Zug und mit Flussschiffen weiter nach Bor.
Im Lager Bor waren damals 6 000 Juden, 14 Adventisten und 152 Zeugen Jehovas interniert. „Es herrschten fürchterliche Zustände“, erinnert sich Bruder Miron, „doch Jehova hat für uns gesorgt. Ein wohlwollender Wachposten, der oft nach Ungarn geschickt wurde, schleuste Schriften ins Lager. Einige Zeugen, die er kannte und denen er vertraute, kümmerten sich während seiner Abwesenheit um seine Familie, sodass er ihnen wie ein Bruder wurde. Dieser Mann, ein Leutnant, warnte uns immer, wenn irgendetwas geplant war. Im Lager gab es 15 Älteste, wie sie heute genannt werden; sie organisierten jede Woche drei Zusammenkünfte. Es kamen im Durchschnitt etwa 80 Personen, je nachdem, wie es ihre Schichten zuließen. Wir feierten auch das Gedächtnismahl.“
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RumänienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2006
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Als die deutschen Truppen am 1. September 1944 den Rückzug antraten, sollten 152 Brüder, darunter auch ich, mit anderen Häftlingen vom Konzentrationslager Bor (Serbien) nach Deutschland gebracht werden. Es gab Tage, da bekamen wir überhaupt nichts zu essen. Wenn wir unterwegs etwas fanden — zum Beispiel Rüben an den Feldern neben der Straße —, dann wurde brüderlich geteilt. War einer zu schwach zum Weitergehen, wurde er von den Stärkeren auf einer Schubkarre gefahren.
Nach einiger Zeit gelangten wir zu einem Bahnhof, wo wir uns ungefähr vier Stunden ausruhen durften; anschließend mussten wir zwei offene Güterwagen entladen, in denen wir dann transportiert wurden. In den Waggons war nur Platz zum Stehen und wir hatten nichts Warmes anzuziehen — jeder hatte nur eine Decke, die er sich bei Regen über den Kopf hielt. Unter diesen Bedingungen fuhren wir die ganze Nacht hindurch. Am nächsten Morgen um 10 Uhr musste der Zug bei einem Dorf Halt machen, weil die Lok von zwei Flugzeugen bombardiert wurde. Obwohl unsere Waggons ganz vorn waren, kam keiner von uns ums Leben. Die Lok wurde ausgewechselt und es ging weiter.
Nach 100 Kilometern hatten wir an einem anderen Bahnhof zwei Stunden Aufenthalt. Dort sahen wir Männer und Frauen mit Kartoffelkörben. „Die verkaufen Kartoffeln“, dachten wir. Irrtum! Es waren unsere Glaubensbrüder und -schwestern, die von dem Transport gehört hatten und davon ausgingen, dass wir Hunger haben würden. Jeder von uns bekam drei große Pellkartoffeln, ein Stück Brot und ein bisschen Salz. Dieses „Manna vom Himmel“ gab uns für die nächsten 48 Stunden Kraft, die wir noch bis Szombathely (Ungarn) brauchten. Als wir dort ankamen, war es Anfang Dezember.
Den Winter über blieben wir in Szombathely, wo wir uns hauptsächlich von Mais ernährten, den wir unter dem Schnee fanden. Im März und April 1945 wurde diese schöne Stadt bombardiert. Auf den Straßen lagen überall verstümmelte Leichen. Viele Menschen waren unter Trümmern eingeschlossen und wir konnten manchmal ihre Hilferufe hören. Mit Spaten und anderen Werkzeugen gelang es uns, einige zu befreien.
Einmal schlugen Bomben in einem Gebäude in der Nähe unserer Unterkunft ein. Wenn Fliegeralarm war, suchte alles panikartig Schutz. Zuerst rannten auch wir los, aber nachdem wir recht bald gemerkt hatten, dass wir nirgendwo wirklich geschützt waren, blieben wir einfach, wo wir waren, und versuchten Ruhe zu bewahren. Das taten schließlich auch unsere Wachen. Sie sagten, unser Gott würde vielleicht auch sie beschützen. Am 1. April — unserer letzten Nacht in Szombathely — war der Bombenhagel so stark wie nie zuvor. Dennoch blieben wir in unserer Unterkunft, sangen Jehova Loblieder und dankten ihm für den Frieden in unserem Herzen (Phil. 4:6, 7).
Am Tag darauf sollte es in Richtung Deutschland weitergehen. Wir hatten zwei Pferdewagen und so konnten wir zu Pferd und zu Fuß etwa 100 Kilometer zurücklegen, bis wir 13 Kilometer vor der russischen Front zu einem Wald kamen. Wir übernachteten auf dem Grundstück eines reichen Grundbesitzers und am nächsten Tag ließen die Wachen uns frei. Wir waren Jehova dankbar, dass er uns sowohl geistig als auch materiell versorgt hatte. Mit Tränen in den Augen verabschiedeten wir uns und machten uns zu Fuß oder mit dem Zug auf den Weg nach Hause.
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