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      22. Welche Schule wurde in China vorherrschend, und welche Fragen sollen jetzt geklärt werden?

      22 Nun haben wir die Spuren des Ursprungs, der Entwicklung und des Verfalls des Taoismus verfolgt. Vergessen wir jedoch nicht, daß dies nur eine der „Hundert Schulen“ war, die in der „Zeit der Streitenden Reiche“ in China florierten. Eine andere Schule, die schließlich in den Vordergrund trat, ja sogar vorherrschend wurde, war der Konfuzianismus. Doch wieso gelangte der Konfuzianismus zu solcher Bedeutung? Von allen chinesischen Weisen ist Konfuzius zweifellos der bekannteste außerhalb Chinas. Doch wer war Konfuzius, und was lehrte er?

      23. Welche Einzelheiten über Konfuzius erfahren wir aus dem Werk „Geschichtliche Aufzeichnungen“?

      23 Um Näheres über ihn zu erfahren, wenden wir uns wiederum dem Werk Shih-chi (Geschichtliche Aufzeichnungen) von Ssu-ma Ch’ien zu. Im Unterschied zu der kurzen Abhandlung über Laotse enthält es eine ausführliche Lebensbeschreibung des Konfuzius. Hier folgen einige Einzelheiten über seine Person, aus einer Übersetzung des chinesischen Gelehrten Lin Yutang zitiert:

      „Konfuzius wurde in Tschou, einer kleinen Provinzstadt der Grafschaft Ch’angping im Staat Lu, geboren. ... [Seine Mutter] betete auf dem Berg Ni Kiu und empfing daraufhin Konfuzius im zweiundzwanzigsten Jahr des Grafen Hsiang von Lu (551 v. Chr.). Bei seiner Geburt war auf seinem Kopf eine auffallende Erhebung, weshalb man ihn ‚Kiu‘ („Hügel“) nannte. Sein Beiname war Dschung-ni und sein Familienname K’ung.“b

      24. Was geschah früh im Leben des Konfuzius?

      24 Kurz nach seiner Geburt starb sein Vater, aber seine Mutter ließ ihm, obwohl sie arm war, eine gute Bildung zukommen. Der Junge entwickelte ein großes Interesse an Geschichte, Dichtung und Musik. Gemäß den Analekten, einem der konfuzianischen Vier Bücher, widmete er sich schon mit 15 Jahren wissenschaftlichen Studien. Als Siebzehnjähriger erhielt er eine bescheidene Verwalterstelle bei der Regierung seines Heimatstaates Lu.

      25. Wie berührte der Tod seiner Mutter Konfuzius? (Vergleiche Prediger 9:5, 6; Johannes 11:33, 35.)

      25 Seine finanzielle Lage verbesserte sich anscheinend so weit, daß er mit 19 Jahren heiraten konnte, und im darauffolgenden Jahr bekam er einen Sohn. Als er Mitte 20 war, starb jedoch seine Mutter. Das traf ihn offensichtlich sehr. Da er sich peinlich genau an die alten Traditionen hielt, zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück und trauerte 27 Monate um seine Mutter an ihrem Grab. Auf diese Weise gab er den Chinesen ein klassisches Beispiel der Sohnesliebe.

      Konfuzius, der Lehrer

      26. Welche Tätigkeit nahm Konfuzius nach dem Tod seiner Mutter auf?

      26 Danach verließ er seine Familie und begann sich als Wanderlehrer zu betätigen. Er lehrte unter anderem Musik, Poesie, Literatur, Staatsbürgerkunde und Ethik sowie Naturwissenschaft, das heißt das, was man damals darüber wußte. Er muß ziemlich gut bekannt geworden sein, denn die Zahl seiner Schüler wird einmal mit 3 000 angegeben.

      27. Was ist über Konfuzius, den Lehrer, bekannt? (Vergleiche Matthäus 6:26, 28; 9:16, 17; Lukas 12:54-57; Johannes 4:35-38.)

      27 Im Orient wird Konfuzius hauptsächlich als Meisterlehrer verehrt. In einer Inschrift auf der Gedenktafel seines Grabes in Küfu (Provinz Schantung) wird er schlicht und einfach „alter, allerheiligster Lehrer“ genannt. Ein westlicher Schriftsteller beschreibt Konfuzius’ Lehrmethode folgendermaßen: „Er wanderte von ‚Ort zu Ort, begleitet von denen, die sich seine Lebensanschauungen zu eigen gemacht hatten‘. Unternahmen sie eine größere Reise, so fuhr er mit einem Ochsenkarren. Der langsame Schritt des Tieres ermöglichte es seinen Schülern, zu Fuß zu folgen, und offensichtlich gaben die Ereignisse, die sich unterwegs abspielten, häufig Anlaß zu den Themen seiner Vorträge.“ Interessanterweise benutzte Jesus später — unabhängig davon — eine ähnliche Methode.

      28. Was machte Konfuzius gemäß dem chinesischen Schriftsteller Lin Yutang zu einem besonders geehrten Lehrer?

      28 Was Konfuzius zu einem besonders geehrten Lehrer unter den Orientalen machte, war sein Eifer, mit dem er sich selbst dem Studium widmete, besonders dem Studium der Geschichte und der Ethik. „Die Menschen waren nicht deswegen so sehr von Konfuzius eingenommen, weil er der weiseste Gelehrte war, sondern weil er damals der einzige war, der sie über die Bücher und die Gelehrsamkeit der Alten belehren konnte“, schrieb Lin Yutang. Er wies darauf hin, daß diese Liebe zur Gelehrsamkeit vielleicht der Hauptgrund war, weshalb der Konfuzianismus erfolgreicher war als andere Geistesrichtungen, und faßte die Sache wie folgt zusammen: „Die konfuzianischen Lehrer hatten etwas Bestimmtes, was sie lehren konnten, und die konfuzianischen Schüler hatten etwas Bestimmtes, was sie lernen konnten: historisches Wissen; wogegen die anderen Schulen nichts anderes zu bieten hatten als ihre eigenen Meinungen.“

      „Wer mich kennt, das ist Gott“

      29. (a) Welches Ziel strebte Konfuzius in Wirklichkeit an? (b) Wie versuchte er, sein Ziel zu erreichen, und was war das Ergebnis?

      29 Trotz seines Erfolges als Lehrer betrachtete Konfuzius die Lehrtätigkeit nicht als seine Lebensaufgabe. Er glaubte, seine ethischen und moralischen Vorstellungen könnten die damalige unruhige Welt nur dann retten, wenn die Regierenden sie in die Tat umsetzten, indem sie ihn oder seine Schüler in ihrer Regierung beschäftigten. Deshalb verließ er mit einer kleinen Schar seiner engsten Jünger seinen Heimatstaat Lu und zog von Staat zu Staat in dem Bemühen, den weisen Herrscher zu finden, der seine Ideen von Regierung und Gesellschaftsordnung annehmen würde. Was war das Ergebnis? Shih-chi erklärt: „Schließlich verließ er Lu, wurde in Ch’i im Stich gelassen, aus Sung und Wei wurde er vertrieben, und unterwegs von Tschen nach Tsai war er Entbehrungen ausgesetzt.“ Nach 14jähriger Wanderschaft kehrte er enttäuscht, aber nicht gebrochen nach Lu zurück.

      30. Welche literarischen Werke bilden die Grundlage des Konfuzianismus?

      30 Während der restlichen Tage seines Lebens widmete er sich literarischen Arbeiten und dem Lehren. (Siehe Kasten, Seite 177.) Obwohl er bestimmt bedauerte, daß er nicht mehr beachtet wurde, sagte er: „Ich murre nicht wider Gott und grolle nicht den Menschen. Ich forsche hier unten, aber ich erschaue, was droben ist. Wer mich kennt, das ist Gott.“ Im Jahre 479 v. u. Z. starb er schließlich im Alter von 73 Jahren.

      Der Kern der konfuzianischen Ideen

      31. Was war nach der Lehre des Konfuzius die einzige Möglichkeit, die soziale Ordnung wiederherzustellen?

      31 Konfuzius war zwar ein hervorragender Gelehrter und Lehrer, doch sein Einfluß beschränkte sich keineswegs auf die Gelehrtenkreise. Er war nicht nur darauf bedacht, Verhaltens- oder Sittenregeln zu lehren, sondern er wollte auch den Frieden und die Ordnung der damals durch die ständigen Kriege der Feudalherren völlig zerrissenen Gesellschaft wiederherstellen. Um dieses Ziel zu erreichen, lehrte Konfuzius, daß jedermann, vom Kaiser bis zum Mann auf der Straße, lernen müsse, die ihm zugedachte Rolle in der Gesellschaft zu spielen und entsprechend zu leben.

      32, 33. (a) Was ist unter dem konfuzianischen Begriff li zu verstehen? (b) Was würde gemäß Konfuzius erreicht, wenn li ausgeübt würde?

      32 Im Konfuzianismus ist dieser Begriff als li bekannt, und man versteht darunter Anstand, Höflichkeit, Ordnung und im erweiterten Sinn Riten und Zeremonien sowie Ehrerbietung. Als Antwort auf die Frage: „Was ist dieses große li?“, gab Konfuzius folgende Erklärung:

      „Von allem, wonach die Menschen leben, ist li das größte. Ohne li wissen wir nicht, wie wir die Geister des Universums gebührend verehren, Könige und Minister, Regierende und Regierte sowie Alte und Junge richtig einstufen sollen oder wie wir die moralischen Beziehungen zwischen den Geschlechtern, zwischen Eltern und Kindern sowie zwischen Brüdern festlegen oder die verschiedenen Verwandtschaftsgrade unterscheiden sollen. Aus diesem Grund hält ein Edler li so hoch in Ehren.“

      33 li ist daher das rechte Verhalten, das ein Edler (chün-tse, manchmal mit „vornehmer Mensch“ übersetzt) in all seinen gesellschaftlichen Beziehungen bekundet. Wenn sich jeder bemüht, das zu tun, „kommt alles in Ordnung, und zwar in der Familie, im Staat und in der Welt“, sagte Konfuzius, und das ist der Fall, wenn nach dem Tao (dem Weg des Himmels) gehandelt wird. Doch wie äußert sich li? Das bringt uns zu einem anderen Zentralbegriff des Konfuzianismus — jen: Menschlichkeit oder Menschengüte.

      34. Was ist unter dem konfuzianischen Begriff jen zu verstehen, und inwiefern könnten dadurch soziale Mißstände beseitigt werden?

      34 li betont Enthaltsamkeit mit Hilfe äußerer Regeln, wogegen jen mit der menschlichen Natur oder der inneren Person zu tun hat. Nach der konfuzianischen Vorstellung — wie sie besonders von Meng Tzu (Mencius), dem bedeutendsten Schüler des Konfuzius, vertreten wurde — ist die menschliche Natur grundlegend gut. Folglich könnten alle sozialen Mißstände durch Selbsterziehung beseitigt werden, und damit beginnt man durch Bildung und Wissen. Im Hauptkapitel des Ta-hsüeh — Große Lehre heißt es:

      „Wenn wir der Erkenntniss höchsten Grad erreicht haben, dann sind unsere Intentionen (innersten Gedanken) wahr und lauter. ... Wenn das Herz bieder und rechtschaffen ist, dann wird man sich selbst, sein ganzes Ich vervollkommnen und veredeln. Wer sich selbst vervollkommnet und veredelt hat, der wird dann auch seiner Familie vollendete Harmonie zu geben wissen. Wer seiner Familie vollkommene Harmonie zu geben versteht, der wird dann auch (event.) eine weise Regierung in seinem Lande führen. Wenn eine weise Regierung im Lande geführt wird, so wird dann auch im Weltenreiche der ewige Frieden (Tugend und Glückseligkeit) herrschen. ... Vom Kaiser bis hinab zum geringsten Unterthan ist aber das Vervollkommnen seines Selbst das für alle gemeinsame und darum das die wesentliche Grundlage bildende Erforderniss“ (Ta-Hio — Die erhabene Wissenschaft [aus dem Chinesischen von Reinhold von Plaenckner, 1875]).

      35. (a) Wie können die Grundsätze li und jen zusammengefaßt werden? (b) Wie spiegelt sich das alles in der chinesischen Lebensanschauung wider?

      35 Wir sehen also, daß nach Konfuzius das Beachten des li die Menschen befähigt, sich in jeder Situation richtig zu verhalten, und die Pflege des jen wird bewirken, daß sie zu allen anderen gut sind. Das Ergebnis ist dann theoretisch Frieden und Harmonie in der Gesellschaft. Das konfuzianische Ideal, das auf den Grundsätzen li und jen beruht, kann folgendermaßen zusammengefaßt werden:

      „Daß der Vater mild ist und der Sohn ehrfürchtig, der ältere Bruder freundlich und der jüngere fügsam, der Gatte gerecht und die Gattin gehorsam, das Alter gütig und die Jugend folgsam, der Herrscher liebevoll und der Diener gewissenhaft.“

      All das erklärt zum Teil, warum die meisten Chinesen und auch andere Orientalen so großen Nachdruck auf die Familienbande legen sowie auf Fleiß, Bildung und darauf, daß jeder einzelne seinen Platz kennt und entsprechend handelt. „Komme, was kommen mag“ — diese konfuzianische Auffassung ist dem chinesischen Bewußtsein im Laufe der Jahrhunderte tief eingeprägt worden.

      Der Konfuzianismus wird Staatskult

      36. Wie wurde der Konfuzianismus zum Staatskult?

      36 Mit dem Aufkommen des Konfuzianismus endete die Periode der „Hundert Schulen“. Die Kaiser der Handynastie fanden in der konfuzianischen Lehre von der Loyalität gegenüber dem Herrscher genau die Formel, die sie benötigten, um die Macht ihres Thrones zu festigen. Unter Kaiser Wu Ti, den wir bereits in Verbindung mit dem Taoismus erwähnt haben, wurde der Konfuzianismus zum Staatskult erhoben. Nur wer in den konfuzianischen Klassikern bewandert war, wurde als Regierungsbeamter ausgewählt, und wer sich eine Einstellung in den Staatsdienst erhoffte, mußte im ganzen Land Prüfungen bestehen, denen die konfuzianischen Klassiker zugrunde lagen. Konfuzianische Bräuche und Rituale wurden zur Religion des Herrscherhauses.

      37. (a) Wie wurde der Konfuzianismus eine Religion? (b) Warum ist der Konfuzianismus in Wirklichkeit mehr als nur eine Philosophie?

      37 Dieser Wechsel trug viel dazu bei, daß Konfuzius in der chinesischen Gesellschaft zu einer höheren Stellung aufrückte. Die Kaiser der Handynastie begannen mit der Tradition, am Grab des Konfuzius Opfer darzubringen. Man verlieh ihm Ehrentitel. Im Jahre 630 u. Z. ordnete dann T’ai Tsung, der Kaiser der T’angdynastie, an, daß in ganz China, in jeder Provinz und jedem Fürstentum, ein Staatstempel zu Ehren des Konfuzius errichtet werden sollte und ihm regelmäßig Opfer dargebracht werden müßten. Für jeden nützlichen Zweck wurde Konfuzius in den Rang eines Gottes erhoben, und der Konfuzianismus wurde eine Religion, die vom Taoismus und vom Buddhismus kaum noch zu unterscheiden war. (Siehe Kasten, Seite 175.)

      Das Vermächtnis der Weisheit des Ostens

      38. (a) Was ist mit dem Taoismus und dem Konfuzianismus seit 1911 geschehen? (b) Doch was trifft auf die grundlegenden Vorstellungen dieser Religionen immer noch zu?

      38 Seit dem Ende der dynastischen Herrschaft in China im Jahre 1911 sind der Konfuzianismus und der Taoismus schon heftiger Kritik, ja sogar Verfolgungen ausgesetzt gewesen. Der Taoismus ist wegen seines magischen und abergläubischen Brauchtums in Mißkredit geraten, dem Konfuzianismus sind feudalistische Tendenzen vorgeworfen worden und die Förderung einer sklavischen Gesinnung, die die Menschen, vor allem die Frauen, unterwürfig hält. Doch trotz dieser offiziellen Kritik sind die grundlegenden Vorstellungen dieser Religionen im Geist der Chinesen so tief verankert, daß immer noch viele davon beherrscht werden.

      39. Was berichtete eine Zeitung über abergläubische religiöse Bräuche in China?

      39 Die kanadische Zeitung Globe and Mail berichtete zum Beispiel im Jahre 1987 unter der Überschrift „Chinesische Riten in Beijing selten; in Küstengebieten aber noch florierend“, daß nach fast 40jähriger atheistischer Herrschaft in China Begräbnisfeierlichkeiten, Tempeldienste und viele abergläubische Bräuche in Landgebieten immer noch gang und gäbe sind. „In den meisten Dörfern gibt es einen feng-schui — gewöhnlich ein älterer Einwohner —, der die Kräfte des Windes (feng) und des Wassers (schui) zu deuten weiß, um die günstigsten örtlichen Bedingungen für irgend etwas — vom Ahnengrab bis zu einem neuen Haus oder einer Wohnzimmereinrichtung — zu erkunden“, hieß es in dem Bericht.

      40. Welche religiösen Bräuche sind auf Taiwan zu finden?

      40 Wo immer die traditionelle chinesische Kultur erhalten geblieben ist, sind der Taoismus und der Konfuzianismus zu finden. Auf Taiwan amtiert ein Mann, der ein Nachkomme Chang Tao-lings zu sein behauptet, als „Himmelsmeister“, der ermächtigt ist, taoistische Priester (tao shi) zu ordinieren. Die als „Heilige Himmelsmutter“ bekannte Göttin Matsu wird als Schutzherrin der Insel sowie der Seeleute und Fischer verehrt. Das einfache Volk ist vorwiegend damit beschäftigt, den Geistern der Flüsse, Berge und Sterne, den Schutzgöttern aller Berufsgruppen sowie den Göttern der Gesundheit, des Glücks und des Reichtums Opfer darzubringen.c

      41. Wie wird der Konfuzianismus als Religion heute noch praktiziert?

      41 Und wie verhält es sich mit dem Konfuzianismus? Als Religion spielt er höchstens noch die Rolle eines Nationaldenkmals. In China unterhält der Staat in Küfu, dem Geburtsort des Konfuzius, den Konfuziustempel und den Grundbesitz seiner Familie als Touristenattraktion. Dort werden laut der Zeitschrift China Reconstructs „Neuinszenierungen eines Ritus zur Verehrung des Konfuzius“ vorgeführt, und in Singapur, Taiwan, Hongkong und an anderen Orten in Ostasien feiert man immer noch den Geburtstag des Konfuzius.

      42. Wieso sind der Taoismus und der Konfuzianismus keine Hilfe auf der Suche nach dem wahren Gott?

      42 Der Konfuzianismus und der Taoismus sind Beispiele, die zeigen, daß ein auf menschlicher Weisheit und menschlichen Überlegungen beruhendes System — ganz gleich, wie vernünftig und wie gut gemeint es ist — letztendlich keine Hilfe ist auf der Suche nach dem wahren Gott. Warum nicht? Weil ein wichtiges Element außer acht gelassen wird: der Wille und die Anforderungen eines persönlichen Gottes. Der Konfuzianismus wendet sich an die menschliche Natur als motivierende Kraft, Gutes zu tun, und der Taoismus wendet sich an die Natur selbst. Doch das ist ein unangebrachtes Vertrauen, weil es lediglich zur Verehrung erschaffener Dinge führt, nicht aber zur Anbetung des Schöpfers (Psalm 62:9; 146:3, 4; Jeremia 17:5).

      43. Inwiefern sind die religiösen Traditionen der Chinesen für sie als Gesamtheit ein Hindernis auf der Suche nach dem wahren Gott?

      43 Andererseits sind die Traditionen des Ahnenkults und der Götterverehrung, die Ehrfurcht vor einem kosmischen Himmel und die Verehrung von Naturgeistern sowie die damit verbundenen Bräuche und Rituale in der Denkweise der Chinesen so tief eingewurzelt, daß sie als die unausgesprochene Wahrheit anerkannt werden. Oft ist es sehr schwierig, mit einem Chinesen über einen persönlichen Gott oder Schöpfer zu sprechen, weil ihm der Begriff völlig fremd ist (Römer 1:20-25).

  • Taoismus und Konfuzianismus — Die Suche nach dem Weg des Himmels
    Die Suche der Menschheit nach Gott
    • [Kasten auf Seite 175]

      Konfuzianismus — Philosophie oder Religion?

      Da Konfuzius Gott nicht oft erwähnte, betrachten viele den Konfuzianismus lediglich als eine Philosophie, nicht als eine Religion. Doch das, was Konfuzius sagte und tat, ließ erkennen, daß er religiös war. Das zeigte sich in zweifacher Hinsicht: Erstens hatte er eine ehrfurchtsvolle Scheu vor einer höchsten, kosmischen geistigen Kraft — von den Chinesen T’ien oder Himmel genannt —, die er für die Quelle aller Tugend und moralischen Güte hielt und deren Wille nach seiner Auffassung alles lenkt. Zweitens legte er großen Wert auf die peinlich genaue Einhaltung der Riten und Zeremonien in Verbindung mit der Verehrung des Himmels und der verstorbenen Ahnen.

      Konfuzius hat diese Auffassungen zwar nie als eine Art Religion vertreten, doch sind sie für unzählige Chinesen zu einer Religion geworden.

      [Kasten/Bilder auf Seite 177]

      Konfuzianismus — seine Vier Bücher und Fünf Klassiker

      Die Vier Bücher

      1. Große Lehre (Ta-hsüeh), die Grundlage für die Erziehung eines Edlen, das erste von den Schülern im alten China benutzte Lehrbuch

      2. Rechte Mitte (Chung-yung), eine Abhandlung über die Bildung des menschlichen Charakters durch Maßhalten

      3. Analekten (Lun-yü), eine Sammlung von Aussprüchen des Konfuzius, die Hauptquelle konfuzianischen Gedankenguts

      4. Mencius (Meng Tzu), Schriften und Aussprüche Meng Tzus (Mencius), des bedeutendsten Schülers des Konfuzius

      Die Fünf Klassiker

      1. Buch der Lieder (Shi-ching), 305 Gedichte, die ein Bild des täglichen Lebens zu Beginn der Choudynastie vermitteln (1000—600 v. u. Z.)

      2. Buch der Geschichten (Shu-ching), behandelt 17 Jahrhunderte chinesische Geschichte, beginnend mit der Shangdynastie (1766—1122 v. u. Z.)

      3. Buch der Wandlungen (I-ching), ein Wahrsagebuch, das auf Interpretationen der 64 möglichen Kombinationen von sechs vollständigen oder unvollständigen Zeilen zurückgeht

      4. Buch der Sitte (Li-chi), eine Sammlung von Regeln der Zeremonien und Riten

      5. Frühlings- und Herbst-Annalen (Ch’un-ch’iu), eine Chronik des Staates Lu, der Heimat des Konfuzius, die die Zeit von 721—478 v. u. Z. umfaßt

      [Bilder]

      Oben: Die Fünf Klassiker Links: Ausschnitt aus der Großen Lehre, einem der Vier Bücher, das auf Seite 180, 181 angeführt wird

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