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Kongo (Brazzaville)Jahrbuch der Zeugen Jehovas 2004
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Im Februar 1963 kamen Fred Lukuc und Max Danyleyko aus Haiti in den Kongo. Fred heiratete und reiste danach als Kreisaufseher. Anfangs hatte er in den Versammlungen Mühe, auseinander zu halten, wer zu welcher Familie gehörte. Er erzählt: „Ich hatte keine Ahnung, welche Frau zu welchem Ältesten gehörte, und ich wurde nicht schlau daraus, wer ihre Kinder waren. Die Brüder hielten sich an die zentralafrikanische Tradition, nach der die Frauen nach der Heirat ihren Namen behielten und die Kinder nach einem Verwandten oder Freund der Familie benannt wurden.
An unserem ersten Abend im Königreichssaal waren die Brüder ziemlich ruhig und sehr schüchtern. Als die Zusammenkunft anfing, beobachteten wir etwas Eigenartiges. Die Brüder und deren ältere Söhne saßen auf der einen Seite des Saals, die kleineren Kinder und die Schwestern auf der anderen Seite. Die Seite der Brüder war zu Beginn der Zusammenkunft ziemlich voll, aber auf der Seite der Schwestern saß nur eine Hand voll. Doch im Lauf der Zusammenkunft kamen immer mehr Schwestern mit ihren Kleinen im Schlepptau herein. Ihre Bibeln und Bücher balancierten sie elegant auf dem Kopf.
Ich ging auf die Bühne, begrüßte die Versammlung und stellte meine Frau und mich vor. Nach einer herzlichen Willkommensrede hielt ich inne, schaute eine Weile auf die Männerseite im Saal und sagte dann: ‚Liebe Brüder, wir machen zehn Minuten Pause. Würdet ihr euch bitte zu eurer Frau und zu euren Kindern setzen? Setzt euch doch bitte von jetzt an als Familie zusammen, so wie Jehovas Volk das auf der ganzen Erde tut.‘ Sie kamen meiner Bitte gern nach.“
Das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln hatte auch so seine Tücken. Leah, die Frau von Bruder Lukuc, erinnert sich: „Wir hatten immer Feldbetten dabei, ein Moskitonetz, einen Wassereimer, einen Wasserfilter, Kleidung, Bücher, Zeitschriften und biblische Filme. Um die Filme zeigen zu können, mussten wir Kabel, Glühbirnen, Filmspulen, Manuskripte, einen kleinen Generator und einen Kanister Benzin mitnehmen. Das alles befand sich also in unserem Gepäck, wenn wir mit einem der Lastwagen mitfuhren. Wollten wir allerdings vorn beim Fahrer einen Platz bekommen, mussten wir schon um zwei Uhr morgens parat stehen. Ansonsten mussten wir mit den Tieren, dem Gepäck und vielen anderen Mitfahrern hinten in der prallen Sonne sitzen.
Einmal kamen wir nach einem stundenlangen Fußmarsch in der brütenden Hitze nach Hause und stellten fest, dass die kleine Lehmhütte, in der wir wohnten, von Wanderameisen heimgesucht worden war. Sie waren einen Wassereimer hinaufgekrabbelt und hatten dann mit ihren Leibern eine Brücke zu einer kleinen Dose Margarine geschlagen, die sie völlig leer putzten. An jenem Abend gab es für jeden von uns nur trockenes Toastbrot und eine halbe Büchse Sardinen zu essen. Wir waren müde und taten uns wohl auch ein wenig selbst Leid. Wir gingen schlafen. Draußen am Feuer sangen unsere Brüder leise Königreichslieder. Was für eine wunderschöne und sanfte Art, in den Schlaf zu sinken!“
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Kongo (Brazzaville)Jahrbuch der Zeugen Jehovas 2004
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[Bild auf Seite 147]
Fred und Leah Lukuc (Mitte) mit der Versammlung, die in dem Haus von Augustin Bayonne zusammenkam
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