-
Wie die Christenheit ein Teil der Welt wurdeDer Wachtturm 1993 | 1. Juli
-
-
Und genau das geschah. Anfang des vierten Jahrhunderts versuchte Kaiser Konstantin, die „christliche“ Religion seiner Tage dazu zu benutzen, sein zerbröckelndes Imperium zu festigen. Zu diesem Zweck gewährte er den Namenchristen Religionsfreiheit und übertrug gewisse Privilegien der heidnischen Priesterschaft auf die Geistlichenklasse. In der New Encyclopædia Britannica heißt es: „Konstantin machte der Zurückgezogenheit der Kirche aus der Welt ein Ende, damit sie soziale Verantwortung übernahm, und trug dazu bei, die heidnische Gesellschaft für die Kirche zu gewinnen.“
-
-
Wie die Christenheit ein Teil der Welt wurdeDer Wachtturm 1993 | 1. Juli
-
-
Der Wendepunkt kam Anfang des vierten Jahrhunderts mit der angeblichen Bekehrung Kaiser Konstantins I. zum Christentum. Über diese „Bekehrung“ heißt es in dem französischen Werk Théo — Nouvelle encyclopédie catholique (Théo — Neue katholische Enzyklopädie): „Konstantin behauptete, ein christlicher Kaiser zu sein. In Wirklichkeit wurde er erst auf dem Totenbett getauft.“ Ungeachtet dessen gaben Konstantin und Licinius, sein Mitkaiser, 313 u. Z. einen Erlaß heraus, in dem Christen und Heiden gleicherweise Religionsfreiheit gewährt wurde. In der New Catholic Encyclopedia wird dazu gesagt: „Daß Konstantin die Religionsfreiheit auf die Christen ausdehnte, was bedeutete, daß das Christentum neben dem Heidentum offiziell als religio licita [erlaubte Religion] anerkannt wurde, war ein revolutionärer Akt.“
Die New Encyclopædia Britannica erklärt allerdings: „Er [Konstantin] machte das Christentum nicht zur Religion des Reiches.“ Der französische Historiker Jean-Rémy Palanque, Mitglied des Institut de France, schreibt: „Der römische Staat ... blieb jedoch offiziell heidnisch. Und als Konstantin ein Anhänger des christlichen Glaubens wurde, beendete er diesen Zustand keineswegs.“ Professor Ernest Barker erklärt in seinem Werk The Legacy of Rome: „[Konstantins Sieg] führte nicht zur sofortigen Einsetzung des Christentums als Staatsreligion. Konstantin gab sich damit zufrieden, das Christentum als eine der Religionen des Reiches anzuerkennen, die öffentlich ausgeübt werden durften. Während der nächsten siebzig Jahre wurden in Rom weiterhin die alten heidnischen Riten offiziell vollzogen.“
Das „Christentum“ war zu diesem Zeitpunkt also eine gesetzlich anerkannte Religion im Römischen Reich.
-