Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Eine Lektion in Demut beim letzten Passah
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus wäscht seinen Aposteln die Füße und gibt ihnen so ein Beispiel in Demut

      KAPITEL 116

      Eine Lektion in Demut beim letzten Passah

      MATTHÄUS 26:20 MARKUS 14:17 LUKAS 22:14-18 JOHANNES 13:1-17

      • JESU LETZTES PASSAH MIT SEINEN APOSTELN

      • ER WÄSCHT DEN APOSTELN DIE FÜSSE

      Petrus und Johannes sind bereits in Jerusalem und bereiten das Passah vor. Jesus und die übrigen zehn Apostel machen sich später ebenfalls auf den Weg. Als sie den Ölberg hinabsteigen, geht im Westen bereits die Sonne unter. Es ist das letzte Mal vor seiner Auferstehung, dass Jesus die Stadt von hier aus bei Tageslicht sieht.

      In der Stadt angekommen begeben sie sich zu dem Haus, wo sie das Passah feiern werden, und gehen hinauf ins Obergeschoss. In dem großen Raum ist schon alles vorbereitet und sie sind dort für sich. Jesus hat sich schon auf diesen Abend gefreut. Er erklärt: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, bevor ich leiden muss“ (Lukas 22:15).

      Es ist schon seit vielen Jahren Brauch, beim Passah mehrere Becher mit Wein herumzureichen. Jesus nimmt nun einen Becher entgegen, spricht ein Dankgebet und sagt: „Nehmt ihn und reicht ihn unter euch von einem zum anderen weiter. Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr vom Erzeugnis des Weinstocks trinken, bis Gottes Königreich kommt“ (Lukas 22:17, 18). So macht er deutlich, dass sein Tod kurz bevorsteht.

      Während des Essens geschieht etwas Ungewöhnliches. Jesus steht auf, legt seine Obergewänder ab, nimmt ein Handtuch und gießt Wasser in eine Schüssel. Dann wäscht er seinen Aposteln die Füße. Normalerweise sorgt der Gastgeber dafür, dass seinen Gästen die Füße gewaschen werden, zum Beispiel von einem Diener (Lukas 7:44). Doch da es keinen Gastgeber gibt, übernimmt nun Jesus die Aufgabe des Dieners. Die Apostel hätten ebenfalls die Gelegenheit dazu ergreifen können, aber keiner hat es getan. Herrscht zwischen ihnen vielleicht immer noch eine gewisse Rivalität? Jedenfalls ist es ihnen peinlich, dass ausgerechnet Jesus ihnen die Füße wäscht.

      Als Jesus bei Petrus ankommt, protestiert dieser: „Nie im Leben wirst du mir die Füße waschen!“ „Wenn ich dich nicht wasche, gehörst du nicht zu mir“, erwidert Jesus. Da bittet Petrus: „Herr, dann wasch mir nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und den Kopf.“ Doch Jesu Antwort muss ihn überraschen: „Wer gebadet ist, dem braucht man nur noch die Füße zu waschen — er ist ja schon völlig rein . . . Und ihr seid rein, allerdings nicht jeder von euch“ (Johannes 13:8-10).

      Jesus wäscht allen Zwölfen die Füße, auch die von Judas Iskariot. Anschließend zieht er seine Obergewänder wieder an und legt sich zu Tisch. Dann fragt er seine Apostel: „Versteht ihr, was ich da gemacht habe? Ihr nennt mich ‚Lehrer‘ und ‚Herr‘, und das ist auch richtig so, denn das bin ich. Wenn ich als Herr und Lehrer euch also die Füße gewaschen habe, dann solltet auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch nämlich ein Vorbild geliefert, damit ihr genau das tut, was ich für euch getan habe. Eins steht fest: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr und ein Bote nicht größer als sein Auftraggeber. Wisst ihr das, so seid ihr glücklich, wenn ihr danach handelt“ (Johannes 13:12-17).

      Was für eine schöne Lektion darin, anderen demütig zu dienen! Jesu Nachfolger sollten sich nicht für etwas Besseres halten und erwarten, dass man sie bedient. Stattdessen sollten sie dem Beispiel Jesu folgen — und zwar nicht, indem sie sich gegenseitig rituell die Füße waschen, sondern indem sie einander demütig und unvoreingenommen dienen.

  • Das Abendmahl des Herrn
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus führt im Beisein seiner elf treuen Apostel das Abendmahl ein

      KAPITEL 117

      Das Abendmahl des Herrn

      MATTHÄUS 26:21-29 MARKUS 14:18-25 LUKAS 22:19-23 JOHANNES 13:18-30

      • DER VERRÄTER JUDAS WIRD KENNTLICH GEMACHT

      • JESUS FÜHRT EINE GEDENKFEIER EIN

      Jetzt ist das Passahmahl offensichtlich vorbei. Früher am Abend hat Jesus seinen Aposteln gezeigt, wie wichtig Demut ist, indem er ihnen die Füße gewaschen hat. Nun nimmt er auf die prophetischen Worte Davids Bezug: „Der Mann, mit dem ich Frieden hatte, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat sich gegen mich gestellt.“ Dann erklärt er: „Einer von euch wird mich verraten“ (Psalm 41:9; Johannes 13:18, 21).

      Die Apostel sehen sich gegenseitig an und alle, auch Judas Iskariot, fragen: „Herr, ich bin es aber nicht, oder?“ Da sagt Petrus zu Johannes, der neben Jesus am Tisch liegt, er solle herausfinden, wen Jesus meint. Also lehnt sich Johannes zu ihm zurück und will wissen: „Herr, wer ist es?“ (Matthäus 26:22; Johannes 13:25).

      „Ich tauche ein Stück Brot ein, und der, dem ich es gebe, der ist es“, antwortet Jesus. Nachdem er das Brot eingetaucht hat, reicht er es Judas und sagt: „Der Menschensohn geht weg, so wie es in den Schriften über ihn steht, aber wehe dem, der den Menschensohn verrät! Für diesen Menschen wäre es besser, er wäre nie geboren worden“ (Johannes 13:26; Matthäus 26:24). Da fährt Satan in Judas. Dieser hat bereits ein schlechtes Herz entwickelt und überlässt sich nun völlig dem Willen des Teufels. So wird er zum „Sohn der Vernichtung“ (Johannes 6:64, 70; 12:4; 17:12).

      Jesus fordert Judas auf: „Beeil dich mit dem, was du tust.“ Die anderen Apostel denken, Judas solle „alles Nötige für das Fest“ kaufen oder „den Armen etwas geben“, weil er die Kasse verwaltet (Johannes 13:27-30). Doch Judas geht los, um Jesus zu verraten.

      Noch am selben Abend führt Jesus eine völlig neue Feier ein. Er nimmt ein Brot und nach einem Dankgebet bricht er es und gibt es den Aposteln mit den Worten: „Es steht für meinen Leib, der für euch gegeben wird. Tut dies immer wieder zur Erinnerung an mich“ (Lukas 22:19). Die Apostel reichen das Brot herum und essen davon.

      Dann nimmt Jesus einen Becher Wein, spricht ein Dankgebet und gibt auch diesen herum. Alle trinken daraus und Jesus erklärt: „Dieser Becher steht für den neuen Bund, der durch mein Blut in Kraft tritt, das für euch vergossen werden wird“ (Lukas 22:20).

      Auf diese Weise führt Jesus eine Gedenkfeier an seinen Tod ein, die seine Nachfolger jedes Jahr am 14. Nisan feiern sollen. Das Passah hat die Juden an die Befreiung aus Ägypten erinnert. Im Gegensatz dazu wird die neue Feier die Jünger an das erinnern, was Jesus und sein Vater getan haben, um treuen Menschen die wahre Befreiung zu ermöglichen — die Befreiung von Sünde und Tod!

      Jesus erklärt, dass sein Blut „für viele vergossen wird, um Sünden zu vergeben“. Zu diesen vielen gehören neben seinen treuen Aposteln noch viele weitere, die mit Jesus im Königreich seines Vaters sein werden (Matthäus 26:28, 29).

      • Auf welche Prophezeiung nimmt Jesus Bezug, und wie wendet er sie an?

      • Wozu fordert Jesus Judas auf, doch wie verstehen die anderen Apostel seine Aufforderung?

      • Welche Feier führt Jesus ein, und was ist ihr Zweck?

  • Eine hitzige Auseinandersetzung
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesu Apostel streiten sich darüber, wer von ihnen am größten ist

      KAPITEL 118

      Eine hitzige Auseinandersetzung

      MATTHÄUS 26:31-35 MARKUS 14:27-31 LUKAS 22:24-38 JOHANNES 13:31-38

      • JESUS GIBT RAT ZUM STELLUNGSDENKEN

      • ER SAGT VORAUS, DASS PETRUS IHN VERLEUGNEN WIRD

      • LIEBE IST DAS MERKMAL VON JESU NACHFOLGERN

      Am letzten Abend mit seinen Aposteln hat Jesus ihnen die Füße gewaschen und ihnen so anschaulich gezeigt, wie wichtig es ist, anderen demütig zu dienen. Hatte er einen speziellen Grund dafür? Die Apostel sind Gott zwar treu ergeben, aber sie haben noch immer mit einer Schwäche zu kämpfen: Es ist ihnen immer noch wichtig, wer von ihnen am größten ist (Markus 9:33, 34; 10:35-37). Auch an diesem Abend tritt diese Schwäche wieder zutage.

      Es kommt „zu einer hitzigen Auseinandersetzung darüber, wer von ihnen als der Größte“ gilt (Lukas 22:24). Jesus muss es sehr traurig machen, seine Apostel wieder streiten zu sehen.

      Doch statt ihnen Vorhaltungen zu machen, sagt er geduldig: „Die Könige der Völker spielen sich als Herren auf, und die, die Macht über das Volk haben, werden als Wohltäter bezeichnet. Ihr solltet aber nicht so sein . . . Wer ist denn größer: der zu Tisch Liegende oder der Bedienende?“ Dann erinnert er sie daran, was er ihnen die ganze Zeit vorgelebt hat: „Ich dagegen bin unter euch wie der Bedienende“ (Lukas 22:25-27).

      Die Apostel haben zwar so ihre Schwächen, aber trotzdem haben sie in vielen schwierigen Situationen zu Jesus gehalten. Deshalb sagt er: „Ich schließe mit euch einen Bund, so wie mein Vater mit mir einen Bund geschlossen hat, für ein Königreich“ (Lukas 22:29). Diese Männer folgen Jesus treu nach. Durch diesen Bund sichert er ihnen zu, dass sie mit ihm zusammen im Königreich regieren werden.

      Trotz dieser wunderbaren Zukunftsaussicht sind die Apostel immer noch unvollkommen und Jesus warnt sie: „Der Satan hat nach euch allen verlangt, um euch wie Weizen durchzusieben“ (Lukas 22:31). Er sagt auch voraus: „In dieser Nacht werdet ihr alle meinetwegen ins Stolpern kommen, denn in den Schriften steht: ‚Ich werde den Hirten angreifen und die Schafe der Herde werden auseinanderlaufen‘ “ (Matthäus 26:31; Sacharja 13:7).

      Petrus protestiert: „Wenn auch alle anderen deinetwegen ins Stolpern kommen — ich werde niemals ins Stolpern kommen!“ (Matthäus 26:33). Da erklärt Jesus ihm, dass er ihn noch in derselben Nacht, bevor ein Hahn zweimal kräht, verleugnen wird. Doch Jesus sagt ihm auch: „Ich habe für dich gefleht, dass dein Glaube nicht nachlässt. Und du, bist du wieder zurückgekehrt, dann stärke deine Brüder“ (Lukas 22:32). Dennoch behauptet Petrus: „Ich werde dich niemals verleugnen, selbst wenn ich mit dir sterben muss“ (Matthäus 26:35). Auch alle anderen Apostel behaupten dasselbe.

      Dann sagt Jesus zu ihnen: „Ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und ich sage euch nun dasselbe, was ich schon den Juden gesagt habe: ‚Wohin ich gehe, da könnt ihr nicht hinkommen.‘ “ Und er fügt hinzu: „Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:33-35).

      Als Petrus hört, dass Jesus nur noch kurze Zeit bei ihnen sein wird, fragt er: „Herr, wohin gehst du?“ „Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht folgen, aber später wirst du nachkommen“, antwortet Jesus. „Warum kann ich dir nicht schon jetzt folgen, Herr?“, wundert sich Petrus. „Ich würde mein Leben für dich geben“ (Johannes 13:36, 37).

      Im Anschluss erinnert Jesus die Apostel daran, wie er sie auf eine Predigtreise durch Galiläa ausgesandt hat. Damals sollten sie weder Geldbeutel noch Provianttasche mitnehmen (Matthäus 10:5, 9, 10). Er fragt sie: „Hat euch da irgendetwas gefehlt?“ „Nein!“, antworten sie. Nun sagt Jesus ihnen jedoch, was sie in Zukunft tun sollen: „Jetzt soll jeder, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso eine Provianttasche. Und wer kein Schwert hat, soll sein Obergewand verkaufen und sich eins kaufen. Denn ich sage euch, dass an mir wahr werden muss, was in den Schriften steht, nämlich: ‚Er wurde zu den Gesetzlosen gezählt.‘ Das erfüllt sich an mir“ (Lukas 22:35-37).

      Jesus weist so darauf hin, dass man ihn neben Verbrechern an einen Stamm nageln wird. Danach werden seine Nachfolger heftig verfolgt werden. Die Apostel denken aber, sie seien bereit, und sagen: „Herr, sieh mal! Hier sind zwei Schwerter!“, worauf er meint: „Das reicht“ (Lukas 22:38). Die Schwerter werden Jesus bald Gelegenheit geben, seinen Jüngern noch etwas Wichtiges mit auf den Weg zu geben.

      • Worüber streiten sich die Apostel? Und was tut Jesus daraufhin?

      • Was ist der Zweck des Bundes, den Jesus mit seinen treuen Jüngern schließt?

      • Wie reagiert Jesus auf die selbstsichere Äußerung von Petrus?

  • Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus mit seinen 11 treuen Aposteln nach dem Passah

      KAPITEL 119

      Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben

      JOHANNES 14:1-31

      • JESUS GEHT WEG, UM EINEN PLATZ FÜR SEINE JÜNGER VORZUBEREITEN

      • ER VERSPRICHT SEINEN NACHFOLGERN EINEN HELFER

      • DER VATER IST GRÖSSER ALS JESUS

      Jesus und die Apostel sind noch in dem Raum, wo sie das Abendmahl gefeiert haben. Nun macht er ihnen Mut: „Lasst euer Herz nicht beunruhigt werden. Glaubt an Gott, glaubt auch an mich“ (Johannes 13:36; 14:1).

      Er sagt seinen treuen Aposteln aber auch, warum sie sich wegen seines Weggangs keine Sorgen machen sollten: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. . . . wenn ich mich auf den Weg mache und einen Platz für euch vorbereite, dann komme ich auch wieder und hole euch zu mir nach Hause, damit ihr dort seid, wo auch ich bin.“ Sie verstehen jedoch nicht, dass er vom Himmel spricht, und Thomas sagt: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir da den Weg kennen?“ (Johannes 14:2-5).

      „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“, erklärt Jesus. Nur wer ihn und seine Lehren annimmt und ihn sich zum Vorbild nimmt, kann in das Haus seines Vaters im Himmel kommen. Jesus sagt: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Johannes 14:6).

      Da bittet Philippus: „Herr, zeige uns den Vater, mehr brauchen wir nicht.“ Offensichtlich wünscht er sich, dass sich Gott ihnen wie schon Moses, Elia und Jesaja in irgendeiner Form offenbart. Doch wie Jesus zeigt, dürfen die Apostel etwas viel Besseres erleben: „Jetzt bin ich schon so lange bei euch und du kennst mich immer noch nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen.“ Jesus spiegelt die Persönlichkeit seines Vaters perfekt wider. Die Apostel konnten ihn Tag für Tag beobachten. Daher ist es so, als hätten sie den Vater gesehen. Doch natürlich steht der Vater über dem Sohn. Jesus betont: „Was ich euch sage, kommt nicht von mir“ (Johannes 14:8-10). Die Apostel können wirklich bestätigen, dass Jesus alle Ehre seinem Vater gibt.

      Die Apostel haben erlebt, wie Jesus großartige Machttaten vollbracht und die gute Botschaft vom Königreich bekannt gemacht hat. Nun sagt er: „Wer an mich glaubt, wird dieselben Taten vollbringen wie ich, und er wird noch größere Taten vollbringen, denn ich gehe zum Vater“ (Johannes 14:12). Das heißt nicht, sie würden einmal größere Wunder wirken als Jesus. Es bedeutet vielmehr, sie würden ihren Dienst viel länger und in viel größerem Umfang durchführen als er und weit mehr Menschen mit der Botschaft erreichen.

      Wenn Jesus geht, bleiben seine Jünger aber nicht sich selbst überlassen. Er verspricht ihnen: „Worum auch immer ihr in meinem Namen bittet, das werde ich tun.“ Und er fügt hinzu: „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein soll: den Geist der Wahrheit“ (Johannes 14:14, 16, 17). Dieser Helfer, den er ihnen zusichert, ist der heilige Geist, den sie an Pfingsten erhalten.

      „In Kurzem wird die Welt mich nicht mehr sehen“, sagt Jesus. „Ihr aber werdet mich sehen, weil ich lebe und ihr leben werdet“ (Johannes 14:19). Sie werden ihn nicht nur nach seiner Auferstehung in Gestalt eines Menschen sehen. Auch später, im Himmel, werden sie ihn sehen, wenn er sie zu Geistwesen auferweckt.

      Dann lehrt Jesus eine einfache Wahrheit: „Wer meine Gebote annimmt und sie hält, der liebt mich. Und wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt, und ich werde ihn lieben und mich ihm deutlich zeigen.“ Darauf fragt Judas, der auch Thaddäus genannt wird: „Herr, was ist passiert, dass du dich uns und nicht der Welt deutlich zeigen willst?“ „Wer mich liebt, wird sich an meine Worte halten, und mein Vater wird ihn lieben“, antwortet Jesus. „Wer mich nicht liebt, der hält sich auch nicht an meine Worte“ (Johannes 14:21-24). Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern erkennt die Welt Jesus nicht als den Weg, die Wahrheit und das Leben an.

      Aber wie werden sich seine Jünger an all das erinnern, was er sie gelehrt hat, wenn er nicht mehr da ist? Jesus erklärt ihnen: „Der Helfer, der heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Das muss sie sehr trösten, denn sie haben selbst erlebt, wie mächtig der heilige Geist ist. Jesus fährt fort: „Ich lasse euch Frieden zurück, meinen Frieden gebe ich euch. . . . Lasst euer Herz nicht beunruhigt oder vor Angst mutlos werden“ (Johannes 14:26, 27). Die Apostel haben wirklich keinen Grund, beunruhigt zu sein, da Jesu Vater sie anleiten und beschützen wird.

      Und bald werden sie auch einen Beweis für Gottes Schutz sehen. Jesus sagt: „Der Herrscher der Welt kommt, aber er kann mir nichts anhaben“ (Johannes 14:30). Der Teufel konnte in Judas fahren und ihn beeinflussen. Jesus hat aber keine sündige Neigung, die der Teufel ausnutzen könnte, um ihn von Gott wegzubringen. Und es wird ihm auch nicht gelingen, Jesus für immer im Grab festzuhalten. Warum nicht? Jesus hat alle Anweisungen seines Vaters genau befolgt und deshalb ist er sich sicher: Sein Vater wird ihn auferwecken (Johannes 14:31).

      • Wohin geht Jesus? Und was sagt er zu Thomas über den Weg dorthin?

      • Worum bittet Philippus Jesus offenbar?

      • In welcher Hinsicht werden Jesu Nachfolger größere Taten als er selbst vollbringen?

      • Wovon ist Jesus überzeugt, da sein Vater größer ist als er?

  • Was es heißt, Frucht zu tragen und Jesu Freund zu sein
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus im Gespräch mit seinen Aposteln

      KAPITEL 120

      Was es heißt, Frucht zu tragen und Jesu Freund zu sein

      JOHANNES 15:1-27

      • DER WAHRE WEINSTOCK UND DIE ZWEIGE

      • WIE MAN IN JESU LIEBE BLEIBT

      Jesus hat seinen treuen Aposteln in einem vertrauten, offenen Gespräch Mut gemacht. Inzwischen ist es spät, vielleicht sogar nach Mitternacht, und Jesus erzählt ihnen eine motivierende Veranschaulichung.

      Er beginnt: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weinbauer“ (Johannes 15:1). Viele Jahrhunderte zuvor wurde das Volk Israel als der Weinstock Jehovas bezeichnet (Jeremia 2:21; Hosea 10:1, 2). Allerdings verstößt Jehova dieses Volk jetzt und etwas Neues beginnt: Nun ist Jesus der Weinstock (Matthäus 23:37, 38). Sein Vater „kultiviert“ diesen Weinstock seit dem Jahr 29, als er Jesus mit heiligem Geist salbte. Jesus zeigt jedoch, dass der Weinstock nicht nur für ihn selbst steht, denn er fügt hinzu:

      „Jeden Zweig an mir, der keine Frucht bringt, entfernt . . . [mein Vater], und jeden, der Frucht bringt, reinigt er, damit er noch mehr Frucht bringt. . . . So, wie der Zweig nicht unabhängig Frucht bringen kann, sondern nur, wenn er am Weinstock bleibt, könnt auch ihr das nur, wenn ihr mit mir verbunden bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Zweige“ (Johannes 15:2-5).

      Jesus hat seinen treuen Jüngern versprochen, ihnen nach seinem Weggang einen Helfer zu senden: den heiligen Geist. Als die Apostel 51 Tage später tatsächlich diesen Geist bekommen, werden sie zu Zweigen an dem Weinstock. Und für all diese Zweige ist es wichtig, mit Jesus verbunden zu bleiben. Was wird dadurch bewirkt?

      Jesus erklärt: „Wer mit mir verbunden bleibt und mit wem ich verbunden bleibe, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr gar nichts tun.“ Jesu treue Nachfolger tragen Frucht, wenn sie sich an seinen Eigenschaften ein Beispiel nehmen, mit anderen über Gottes Königreich sprechen und noch mehr Menschen zu seinen Jüngern machen. Aber was, wenn jemand nicht mit Jesus verbunden bleibt und keine Frucht trägt? „Wer nicht mit mir verbunden bleibt, wird . . . weggeworfen“, sagt Jesus. Er erklärt aber auch: „Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr euch wünscht, und es wird für euch wahr werden“ (Johannes 15:5-7).

      Dann kommt Jesus auf etwas zu sprechen, was er an diesem Abend bereits zweimal erwähnt hat — dass seine Jünger seine Gebote befolgen sollten (Johannes 14:15, 21). Er sagt: „Wenn ihr meine Gebote befolgt, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote des Vaters befolgt habe und in seiner Liebe bleibe.“ Dann erklärt er, wodurch seine Jünger insbesondere zeigen können, dass sie seine Gebote halten: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde gibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch sage“ (Johannes 15:10-14).

      Nur noch ein paar Stunden, dann wird Jesus seine Liebe beweisen und sein Leben für alle geben, die an ihn glauben. Sein Beispiel sollte seine Nachfolger dazu bewegen, einander ähnlich aufopferungsvoll zu lieben. Wie Jesus schon vorher sagte, würde diese Liebe ihr Erkennungsmerkmal sein: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt“ (Johannes 13:35).

      Die Apostel haben bestimmt aufgehorcht, als Jesus sie als seine Freunde bezeichnet hat, und nun erklärt er ihnen auch, warum er sie so nennt: „Ich habe euch Freunde genannt, weil ich euch alles mitgeteilt habe, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Was für ein kostbares Vorrecht, enge Freunde von Jesus zu sein und von ihm zu erfahren, was der Vater ihm gesagt hat! Diese Freundschaft ist allerdings nur dann möglich, wenn die Jünger weiterhin Frucht bringen. Dann wird ihnen der Vater geben, worum auch immer sie in Jesu Namen bitten (Johannes 15:15, 16).

      Die Liebe zueinander wird den Jüngern helfen, alles durchzustehen, was noch auf sie zukommt. Jesus sagt ihnen offen, dass die Welt sie hassen wird, beruhigt sie aber zugleich: „Wenn die Welt euch hasst, dann denkt daran, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wärt ihr ein Teil der Welt, dann würde die Welt lieben, was ihr gehört. Weil ihr aber kein Teil der Welt seid, . . . deswegen hasst euch die Welt“ (Johannes 15:18, 19).

      Jesus führt noch einen zweiten Grund an, warum die Welt sie hassen wird: „All das werden sie euch jedoch wegen meines Namens antun, weil sie den, der mich gesandt hat, nicht kennen.“ Doch wie Jesus zeigt, werden seine Gegner durch seine Wunder verurteilt: „Hätte ich unter ihnen nicht Taten vollbracht, die niemand sonst getan hat, dann wären sie ohne Sünde, aber jetzt haben sie mich sowohl gesehen als auch gehasst und ebenso meinen Vater.“ Tatsächlich ist es sogar so, dass sich durch ihren Hass Prophezeiungen erfüllen (Johannes 15:21, 24, 25; Psalm 35:19; 69:4).

      Anschließend wiederholt Jesus sein Versprechen, ihnen den heiligen Geist als Helfer zu senden. Diese machtvolle Kraft steht allen seinen Nachfolgern zur Verfügung und sie wird ihnen helfen, Frucht zu tragen und Zeugen für Jesus zu sein (Johannes 15:27).

      • Für wen stehen in Jesu Veranschaulichung der Weinbauer, der Weinstock und die Zweige?

      • Welche Frucht wünscht sich Gott von den Zweigen?

      • Wie können Jesu Jünger seine Freunde sein? Was wird ihnen helfen, mit dem Hass der Welt zurechtzukommen?

  • „Fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Die Apostel sind wegen Jesu Warnung bestürzt

      KAPITEL 121

      „Fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“

      JOHANNES 16:1-33

      • BALD WERDEN DIE APOSTEL JESUS NICHT MEHR SEHEN

      • DIE TRAUER DER APOSTEL WIRD SICH IN FREUDE VERWANDELN

      Jesus und die Apostel machen sich zum Aufbruch bereit. Er hat ihnen viel mit auf den Weg gegeben und sagt nun: „Ich habe euch das gesagt, damit ihr nicht ins Stolpern kommt.“ Warum könnten sie denn ins Stolpern geraten? „Man wird euch aus der Synagoge ausschließen“, erklärt er. „Ja die Zeit kommt, wo jeder, der euch tötet, denken wird, er hätte einen heiligen Dienst für Gott getan“ (Johannes 16:1, 2).

      Darüber sind die Apostel sicherlich bestürzt. Jesus hat ihnen zwar gesagt, dass die Welt sie hassen würde, aber von Töten hat er bisher nichts erwähnt. Warum nicht? Er erklärt: „Anfangs habe ich noch nicht mit euch darüber geredet, weil ich ja bei euch war“ (Johannes 16:4). Bald ist er aber nicht mehr da. Darum bereitet er sie darauf vor, in der schwierigen Zeit, die vor ihnen liegt, nicht zu Fall zu kommen.

      Dann sagt Jesus: „Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und dennoch fragt mich keiner von euch: ‚Wohin gehst du?‘ “ Die Apostel haben früher am Abend zwar gefragt, wohin er denn gehen würde (Johannes 13:36; 14:5; 16:5). Aber was er ihnen über die bevorstehende Verfolgung angekündigt hat, hat sie so erschüttert, dass ihr „Herz voller Kummer“ ist. Und Jesus ist sich dessen bewusst (Johannes 16:6). Sie sind außerstande, sich nach der Herrlichkeit zu erkundigen, die Jesus erwartet, und was diese für alle wahren Anbeter bedeuten wird.

      Als Nächstes erklärt Jesus: „Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Helfer nicht zu euch kommen. Wenn ich jedoch gehe, sende ich ihn euch“ (Johannes 16:7). Seine Jünger können den heiligen Geist nur bekommen, wenn Jesus stirbt und in den Himmel zurückkehrt. Erst dann kann er seinen Nachfolgern den Helfer schicken, ganz gleich, wo sie sich auf der Erde befinden.

      Der heilige Geist wird „der Welt überzeugende Beweise zum Thema Sünde, Gerechtigkeit und Rechtsprechung liefern“ (Johannes 16:8). Durch den heiligen Geist wird also aufgedeckt, dass die Welt nicht an Gottes Sohn glaubt. Und durch Jesu Rückkehr in den Himmel wird bewiesen, dass er gerecht ist. Außerdem wird dadurch gezeigt, dass „der Herrscher dieser Welt“ — der Teufel — die Verurteilung völlig verdient (Johannes 16:11).

      Jesus fährt fort: „Ich hätte euch noch eine Menge zu sagen, aber es wäre jetzt zu viel für euch.“ Wenn er jedoch den heiligen Geist über sie ausgießt, wird dieser ihnen helfen, „die ganze Wahrheit“ zu verstehen und entsprechend zu leben (Johannes 16:12, 13).

      Dann sagt Jesus: „Nur noch kurze Zeit und ihr werdet mich nicht mehr sehen, und wieder nach einer kurzen Zeit werdet ihr mich sehen.“ Verwirrt fragen die Apostel einander, was er meint. Noch bevor sie ihn fragen können, erklärt er ihnen: „Eins steht fest: Ihr werdet weinen und klagen, doch die Welt wird sich freuen. Ihr werdet Kummer haben, aber euer Kummer wird in Freude verwandelt werden“ (Johannes 16:16, 20). Wenn Jesus am folgenden Nachmittag stirbt, werden sich die religiösen Führer freuen, aber die Jünger werden trauern. Doch wenn er wieder lebt, wird sich ihre Trauer in Freude verwandeln! Und wenn er dann den heiligen Geist auf sie ausgießt, wird das für sie ein weiterer Grund zur Freude sein.

      Jesus vergleicht die Situation der Apostel mit der einer Frau, die in den Wehen liegt: „Eine Hochschwangere hat Kummer, wenn die Zeit der Geburt gekommen ist, aber sobald das Kind da ist, denkt sie nicht mehr an diese schwere Zeit, vor lauter Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.“ Dann macht er ihnen mit den Worten Mut: „So auch bei euch: Jetzt habt ihr Kummer, aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen und niemand wird euch eure Freude wegnehmen“ (Johannes 16:21, 22).

      Als Nächstes kündigt Jesus den Aposteln eine Veränderung an. Anders als bisher werden sie ihre Bitten bald im Namen Jesu an den Vater richten. Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass der Vater ihre Gebete ungern erhören würde, denn Jesus sagt: „Der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich lieb gehabt . . . habt . . . als Repräsentant Gottes“ (Johannes 16:26, 27).

      Jesu ermunternde Worte mögen der Grund sein, weshalb die Apostel nun voller Zuversicht verkünden: „[Wir] glauben . . ., dass du von Gott gekommen bist.“ Doch ihre Überzeugung wird schon bald auf die Probe gestellt werden, denn Jesus kündigt an: „Die Zeit kommt — ja sie ist schon da —, wo ihr alle auseinanderlaufen werdet, jeder zu sich nach Hause, und ihr werdet mich im Stich lassen.“ Gleichzeitig macht er ihnen aber Mut: „Ich habe euch das alles gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt. In der Welt werdet ihr schwere Zeiten durchmachen, aber fasst Mut! Ich habe die Welt besiegt“ (Johannes 16:30-33). Jesus wird sie nicht im Stich lassen. Und er ist sich sicher: Auch wenn der Teufel und seine Welt versuchen werden, ihre Treue zu Gott zu brechen — wenn sie nicht aufgeben, Gottes Willen zu tun, können auch sie die Welt besiegen!

      • Welche Ankündigung Jesu bestürzt die Apostel?

      • Warum stellen die Apostel Jesus keine weiteren Fragen?

      • Wie veranschaulicht Jesus, dass sich die Trauer der Apostel in Freude verwandeln wird?

  • Jesu abschließendes Gebet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus blickt im Beisein seiner Apostel zum Himmel und betet

      KAPITEL 122

      Jesu abschließendes Gebet

      JOHANNES 17:1-26

      • WAS ES BRINGT, GOTT UND SEINEN SOHN KENNENZULERNEN

      • DIE EINHEIT ZWISCHEN JEHOVA, JESUS UND DEN JÜNGERN

      Jesus liebt seine Apostel sehr. Deshalb hat er sie darauf vorbereitet, dass er sie sehr bald verlassen wird. Nun blickt er zum Himmel und bittet seinen Vater: „Verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrlicht. Du hast ihm ja Macht über alle Menschen gegeben, sodass er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben geben kann“ (Johannes 17:1, 2).

      Jesus erkennt an, dass nichts wichtiger ist als die Verherrlichung Gottes. Er erwähnt aber noch einen anderen, sehr schönen Gedanken: die Aussicht auf ewiges Leben! Da er die „Macht über alle Menschen“ erhalten hat, kann er die Segnungen, die durch sein Opfer möglich werden, auch allen anbieten. Er wird sie jedoch nur denen zukommen lassen, die Folgendes beherzigen: „Das bedeutet ewiges Leben: dich, den allein wahren Gott, kennenzulernen und auch den, den du gesandt hast, Jesus Christus“ (Johannes 17:3).

      Es ist also wichtig, sowohl den Vater als auch den Sohn gut kennenzulernen und eine enge Bindung zu ihnen aufzubauen. Man muss außerdem lernen, so zu denken wie sie, und sich bemühen, im Umgang mit anderen ihr unvergleichliches Beispiel nachzuahmen. Und man muss verstehen, dass das ewige Leben im Vergleich zur Verherrlichung Gottes zweitrangig ist. Letzteres greift Jesus noch einmal auf, als er betet:

      „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und den Auftrag, den du mir gegeben hast, erfüllt. Deshalb, Vater, verherrliche mich an deiner Seite mit der Herrlichkeit, die ich neben dir hatte, bevor es die Welt gab“ (Johannes 17:4, 5). Jesus bittet seinen Vater also, ihm durch die Auferstehung die Herrlichkeit wiederzugeben, die er im Himmel hatte.

      Er denkt jedoch auch daran, was er durch seinen Dienst auf der Erde erreicht hat, und betet weiter: „Ich habe den Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast, deinen Namen offenbart. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben sich an dein Wort gehalten“ (Johannes 17:6). Jesus hat während seines Dienstes Gottes Namen, Jehova, nicht nur bekannt gemacht. Er hat seinen Aposteln auch gezeigt, wofür der Name steht — für Gottes Eigenschaften sowie dafür, wie er mit den Menschen umgeht.

      Durch Jesus haben die Apostel Jehova sowie die Rolle seines Sohnes kennengelernt und außerdem viele wichtige Lehren. Doch demütig sagt Jesus zu seinem Vater: „Ich [habe] das an sie weitergegeben . . ., was du mir gesagt hast. Sie haben deine Worte angenommen und wissen jetzt sicher, dass ich als dein Repräsentant gekommen bin, und sie sind zu der Überzeugung gelangt, dass du mich gesandt hast“ (Johannes 17:8).

      Dann spricht Jesus den Unterschied zwischen seinen Nachfolgern und der Menschenwelt im Allgemeinen an: „Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, weil sie dir gehören. . . . Heiliger Vater, wache über sie wegen deines eigenen Namens, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind, so wie wir eins sind. . . . Ich habe sie beschützt und kein Einziger von ihnen ist verloren gegangen außer dem Sohn der Vernichtung.“ Damit meint Jesus Judas Iskariot, der dabei ist, ihn zu verraten (Johannes 17:9-12).

      „Die Welt hat sie gehasst“, betet Jesus weiter. „Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt herauszunehmen, sondern wegen des Teufels über sie zu wachen. Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Johannes 17:14-16). Die Apostel und die anderen Jünger leben zwar in der Welt (die menschliche Gesellschaft, die vom Teufel beherrscht wird), doch sie müssen sich von ihr und ihrer Schlechtigkeit getrennt halten. Nur wie?

      Jesus bittet seinen Vater: „Heilige sie durch die Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit“ (Johannes 17:17). Sie müssen also heilig bleiben, abgesondert, um Gott zu dienen. Das gelingt ihnen, wenn sie nach den Wahrheiten in den Hebräischen Schriften leben sowie nach den Wahrheiten, die sie von Jesus gelernt haben. Mit der Zeit werden einige der Apostel ebenfalls inspirierte Bücher schreiben. Auch diese gehören dann zu der Wahrheit, die Menschen hilft, heilig zu sein.

      Im Laufe der Zeit werden auch andere diese Wahrheit annehmen. Jesus betet daher nicht nur für seine 11 Apostel, „sondern auch für alle, die durch ihre Worte“ an ihn glauben. Er bittet seinen Vater, dass sie „alle eins sind“, und sagt: „So wie du, Vater, mit mir verbunden bist und ich mit dir, so sollen auch sie mit uns verbunden sein“ (Johannes 17:20, 21). Jesus und sein Vater sind in dem Sinne eins, dass sie sich in allem einig sind. Und Jesus bittet darum, dass auch unter seinen Nachfolgern dieselbe Einheit herrscht.

      Kurz zuvor hat Jesus Petrus und den anderen erklärt, dass er sie verlässt, um einen Platz für sie vorzubereiten, und meinte damit einen Platz im Himmel (Johannes 14:2, 3). Nun greift er den Gedanken wieder auf: „Vater, ich möchte, dass die, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon vor der Grundlegung der Welt geliebt hast“ (Johannes 17:24). Ja, schon lange bevor Adam und Eva Kinder bekamen, hat Gott seinen einziggezeugten Sohn geliebt — ihn, der später Jesus Christus werden sollte.

      Am Ende des Gebets betont Jesus erneut, wie wichtig der Name seines Vaters ist und wie sehr der Vater die Apostel liebt und alle, die die Wahrheit noch annehmen werden. Er sagt: „Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit sie die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in sich haben und ich mit ihnen verbunden bin“ (Johannes 17:26).

      • Was bedeutet es, Gott und seinen Sohn kennenzulernen?

      • Wie hat Jesus Gottes Namen offenbart?

      • In welcher Hinsicht sind Gott, sein Sohn und alle wahren Anbeter eins?

  • Ein Gebet unter enormer Belastung
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus betet im Garten Gethsemane, während Petrus, Jakobus und Johannes schlafen

      KAPITEL 123

      Ein Gebet unter enormer Belastung

      MATTHÄUS 26:30, 36-46 MARKUS 14:26, 32-42 LUKAS 22:39-46 JOHANNES 18:1

      • JESUS IM GARTEN GETHSEMANE

      • SEIN SCHWEISS IST WIE BLUTSTROPFEN

      Nachdem Jesus mit seinen treuen Aposteln gebetet hat, singen sie Psalmen und gehen „hinaus zum Ölberg“ (Markus 14:26). Dort befindet sich ein Garten namens Gethsemane, in dem Jesus schon oft gewesen ist.

      Es ist ein idyllischer Ort mit vielen Olivenbäumen. Dort angekommen sagt er zu acht seiner Apostel: „Setzt euch hier hin. Ich gehe ein Stück weiter und bete.“ Er lässt sie wahrscheinlich am Eingang zurück und geht nur mit Petrus, Jakobus und Johannes weiter in den Garten hinein. Auf einmal überfällt ihn eine starke Unruhe und er sagt zu den dreien: „Ich bin zu Tode betrübt. Wartet hier und wacht mit mir“ (Matthäus 26:36-38).

      In einiger Entfernung wirft er sich auf den Boden und beginnt zu beten. Auf ihm lastet ein enormer Druck und er fleht: „Vater, für dich ist nichts unmöglich. Nimm diesen Becher von mir weg. Doch nicht, was ich will, sondern was du willst“ (Markus 14:35, 36). Schreckt er vor seiner Aufgabe als Erlöser zurück? Auf keinen Fall!

      Allerdings konnte er vom Himmel aus beobachten, welche entsetzlichen Qualen diejenigen erleiden mussten, die von den Römern hingerichtet wurden. Jetzt auf der Erde hat er die Gefühle und das Schmerzempfinden eines Menschen, und er weiß genau, was ihn erwartet. Doch noch mehr quält ihn der Gedanke, dass durch seine Hinrichtung als verachteter Verbrecher Schande auf den Namen seines Vaters kommen könnte. Es sind nur noch ein paar Stunden, dann wird er als Gotteslästerer an einen Pfahl genagelt.

      Nachdem Jesus lange gebetet hat, kehrt er zu den Aposteln zurück. Sie sind eingeschlafen. Da sagt er zu Petrus: „Konntet ihr nicht wenigstens eine Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wachsam und hört nicht auf zu beten, damit ihr nicht in Versuchung geratet.“ Ihm ist aber auch bewusst, dass die Apostel unter großem Druck stehen und sehr müde sind, und er fügt deshalb hinzu: „Der Geist ist zwar voller Eifer, aber das Fleisch ist schwach“ (Matthäus 26:40, 41).

      Dann geht er zum zweiten Mal weg, um zu beten, und bittet Gott, „diesen Becher“ von ihm wegzunehmen. Als er zurückkehrt, schlafen die drei wieder. Dabei hätten sie doch beten sollen, damit sie nicht in Versuchung geraten. Als Jesus ihnen das sagt, wissen sie nicht, was sie ihm antworten sollen (Markus 14:40). Dann geht er ein drittes Mal weg, kniet sich hin und betet.

      Jesus macht sich große Sorgen, weil sein Tod als Verbrecher große Schande auf den Namen seines Vaters bringen wird. Jehova erhört die Gebete seines Sohnes und schickt ihm einen Engel, um ihn zu stärken. Doch Jesus betet daraufhin noch flehentlicher zu seinem Vater. Es steht so viel auf dem Spiel: sein eigenes ewiges Leben sowie das aller gläubiger Menschen! Der emotionale Druck, der auf ihm lastet, ist so enorm, dass sein Schweiß „wie Blutstropfen“ wird, „die zur Erde fallen“ (Lukas 22:44).

      Als Jesus zum dritten Mal zu seinen Aposteln zurückkommt, sind sie wieder eingeschlafen. Er sagt zu ihnen: „Wie könnt ihr nur zu so einer Zeit schlafen und euch ausruhen! Seht! Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn Sündern ausgeliefert wird. Steht auf, lasst uns gehen! Seht! Mein Verräter ist schon ganz nah“ (Matthäus 26:45, 46).

      SCHWEISS WIE BLUTSTROPFEN

      Der Arzt Lukas erklärt nicht, warum Jesu Schweiß „wie Blutstropfen“ war (Lukas 22:44). Möglicherweise verwendet er lediglich einen Vergleich, um zu zeigen, dass der Schweiß wie Blut aussah, das aus einer Wunde tropft. Eine andere Erklärung liefert Dr. William D. Edwards in der Zeitschrift The Journal of the American Medical Association (JAMA). Wie er schreibt, kann es unter extremem emotionalen Stress in sehr seltenen Fällen passieren, dass Blut in die Schweißdrüsen gelangt, sodass blutiger Schweiß entsteht (Hämathidrose).

      • Wohin geht Jesus mit seinen Aposteln?

      • Was machen Petrus, Jakobus und Johannes, während Jesus betet?

      • Was verrät es über Jesu Gefühle, dass sein Schweiß wie Blutstropfen wird?

  • Verrat und Festnahme
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus weist Petrus zurecht, weil er Malchus’ Ohr abgeschlagen hat; die Soldaten sind im Begriff, Jesus festzunehmen

      KAPITEL 124

      Verrat und Festnahme

      MATTHÄUS 26:47-56 MARKUS 14:43-52 LUKAS 22:47-53 JOHANNES 18:2-12

      • JUDAS VERRÄT JESUS IM GARTEN GETHSEMANE

      • PETRUS SCHLÄGT EINEM MANN DAS OHR AB

      • JESUS WIRD FESTGENOMMEN

      Mitternacht ist schon lange vorbei. Judas führt eine große Gruppe Oberpriester und Pharisäer an. Ein römischer Offizier begleitet sie mit einem Trupp Soldaten. Sie sind auf der Suche nach Jesus. Die Priester waren einverstanden, Judas für den Verrat 30 Silberstücke zu geben.

      Offensichtlich ist Judas, sofort nachdem er von Jesus weggeschickt worden war, zu den Oberpriestern gegangen (Johannes 13:27). Diese haben ihre eigenen Beamten sowie einen Trupp Soldaten zusammengerufen. Dann hat Judas die Gruppe wohl zuerst zu dem Raum geführt, wo Jesus und seine Apostel das Passah gefeiert haben. Nun durchquert er mit ihnen das Kidrontal und nähert sich dem Garten Gethsemane. Außer Waffen haben sie noch Lampen und Fackeln dabei. Sie sind fest entschlossen, Jesus zu finden.

      Judas führt die Gruppe den Ölberg hinauf. Er ist sich sicher, wo Jesus zu finden ist. Während Jesus und die Apostel die letzten Tage zwischen Bethanien und Jerusalem hin- und hergependelt sind, haben sie immer wieder im Garten Gethsemane Halt gemacht. Aber wie sollen die Soldaten Jesus erkennen? Es ist dunkel und im Schatten der Olivenbäume dürfte Jesus schwer auszumachen sein. Außerdem haben einige ihn womöglich noch nie gesehen. Darum hat Judas mit ihnen ein Zeichen vereinbart: „Es ist der, den ich küsse. Den nehmt fest und führt ihn unter Bewachung ab“ (Markus 14:44).

      Judas führt die Gruppe in den Garten hinein. Als er Jesus und die Apostel entdeckt, geht er direkt auf Jesus zu. „Ich grüße dich, Rabbi!“, sagt er und küsst ihn sanft. Jesus erwidert: „Was machst du hier, Freund?“, beantwortet die Frage aber gleich selbst: „Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss?“ (Matthäus 26:49, 50; Lukas 22:48). Doch damit genug von diesem Verräter!

      Jesus tritt ins Licht der Lampen und Fackeln und fragt: „Wen sucht ihr?“ „Jesus, den Nazarener“, antworten die Leute. „Ich bin es“, sagt Jesus unerschrocken (Johannes 18:4, 5). Verunsichert, womit sie zu rechnen haben, fallen die Männer zu Boden.

      Doch statt die Gelegenheit zu ergreifen und in der Dunkelheit zu entkommen, fragt Jesus noch einmal, wen sie denn suchen. „Jesus, den Nazarener“, antworten sie erneut. „Ich habe euch doch gesagt, dass ich es bin“, erwidert Jesus ruhig. „Wenn ihr also mich sucht, dann lasst die anderen hier gehen.“ Selbst in diesem kritischen Moment denkt Jesus an seine Aussage, er würde keinen Einzigen von seinen treuen Aposteln verlieren. Bis jetzt hat er sie alle beschützt. Außer Judas, „dem Sohn der Vernichtung“, ist keiner von ihnen verlorengegangen (Johannes 6:39; 17:12; 18:7-9). Daher bittet Jesus nun darum, seine treuen Nachfolger gehen zu lassen.

      Als die Soldaten sich auf Jesus zubewegen, wird den Aposteln klar, was vor sich geht. Da sie zwei Schwerter dabeihaben, fragen sie: „Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?“ (Lukas 22:49). Doch noch bevor Jesus etwas sagen kann, geht Petrus auf Malchus, den Sklaven des Hohen Priesters, los und schlägt ihm das rechte Ohr ab.

      Jesus berührt das Ohr von Malchus und heilt die Wunde. Dann lehrt er eine wichtige Lektion, indem er Petrus befiehlt: „Steck dein Schwert wieder weg, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ Jesus ist bereit, sich festnehmen zu lassen, damit sich „die Aussagen der Schriften erfüllen, nach denen es so kommen muss“ (Matthäus 26:52, 54). Er fügt hinzu: „Soll ich nicht den Becher trinken, den der Vater mir gegeben hat?“ (Johannes 18:11). Jesus ist mit dem Willen Gottes völlig einverstanden — selbst wenn es seinen Tod bedeutet.

      Nun fragt er die Menge: „Bin ich ein Verbrecher, dass ihr mit Schwertern und Knüppeln kommt, um mich festzunehmen? Ich habe jeden Tag im Tempel gesessen und gelehrt, doch da habt ihr mich nicht verhaftet. Aber das ist alles so gekommen, damit sich erfüllt, was in den Schriften der Propheten steht“ (Matthäus 26:55, 56).

      Dann wird er von den Soldaten, dem Offizier und den Beamten der Juden festgenommen und gefesselt. Als die Apostel das sehen, rennen sie davon. Nur „ein junger Mann“, vielleicht der Jünger Markus, bleibt und folgt Jesus, als dieser abgeführt wird (Markus 14:51). Er wird allerdings erkannt. Als man ihn packen will, lässt er sein leinenes Gewand zurück und kann entkommen.

      • Warum sucht Judas im Garten Gethsemane nach Jesus?

      • Was macht Petrus, um Jesus zu verteidigen? Doch wie reagiert Jesus darauf?

      • Wie zeigt Jesus, dass er mit Gottes Willen einverstanden ist?

      • Wer bleibt zurück, als die Apostel fliehen, und was geschieht mit ihm?

  • Erst zu Annas, dann zu Kaiphas
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Kaiphas zerreißt seine Obergewänder; andere verspotten Jesus und schlagen ihn

      KAPITEL 125

      Erst zu Annas, dann zu Kaiphas

      MATTHÄUS 26:57-68 MARKUS 14:53-65 LUKAS 22:54, 63-65 JOHANNES 18:13, 14, 19-24

      • JESUS WIRD ZU DEM EHEMALIGEN HOHEN PRIESTER ANNAS GEBRACHT

      • DER ILLEGALE PROZESS VOR DEM SANHEDRIN

      Nachdem Jesus wie ein Verbrecher gefesselt worden ist, wird er zu Annas gebracht. Annas war Hoher Priester, als der 12-jährige Jesus die Lehrer im Tempel zum Staunen brachte (Lukas 2:42, 47). Später dienten einige von Annas’ Söhnen als Hohe Priester. Doch derzeit hat sein Schwiegersohn Kaiphas dieses Amt inne.

      Während Jesus von Annas verhört wird, hat Kaiphas Zeit, den Sanhedrin zusammenzurufen. Dieser Rat hat 71 Mitglieder. Zu ihnen gehört der amtierende Hohe Priester sowie andere, die dieses Amt einmal innehatten.

      Annas befragt Jesus „über seine Jünger und über seine Lehre“. Doch Jesus erwidert nur: „Ich habe öffentlich zur Welt geredet. Ich habe immer in einer Synagoge und im Tempel gelehrt, wo sich alle Juden versammeln, und nie habe ich etwas im Geheimen gesagt. Warum fragst du mich? Frag die, die mir zugehört haben“ (Johannes 18:19-21).

      Da schlägt ihn ein Beamter ins Gesicht und fährt ihn an: „Antwortet man so dem Oberpriester?“ Wohl wissend, dass er nichts falsch gemacht hat, antwortet Jesus: „Wenn ich etwas Falsches gesagt habe, dann bezeuge das Unrecht, doch wenn ich recht habe, warum schlägst du mich dann?“ (Johannes 18:22, 23). Anschließend lässt Annas Jesus zu seinem Schwiegersohn Kaiphas bringen.

      Mittlerweile hat sich der ganze Sanhedrin im Haus von Kaiphas versammelt: der amtierende Hohe Priester, die Ältesten des Volkes und die Schriftgelehrten. Nachts einen Prozess abzuhalten, noch dazu in der Passahnacht, ist jedoch nicht legal. Aber das kann sie von ihrem niederträchtigen Vorhaben nicht abbringen.

      Obendrein ist diese Gruppe alles andere als unvoreingenommen. Schon als Jesus Lazarus auferweckte, beschloss der Sanhedrin, dass er sterben muss (Johannes 11:47-53). Und erst vor wenigen Tagen haben sich die religiösen Führer verschworen, Jesus zu töten (Matthäus 26:3, 4). Ja, schon bevor der Prozess überhaupt beginnt, ist Jesus so gut wie zum Tode verurteilt!

      Hinzu kommt, dass die Oberpriester und anderen Mitglieder des Sanhedrins nach Zeugen suchen, die Falschanklagen gegen Jesus vorbringen. Sie können zwar viele ausfindig machen, allerdings widersprechen sich ihre Aussagen. Schließlich finden sich zwei, die beide behaupten: „Wir haben gehört, wie er sagte: ‚Ich werde diesen mit Händen erbauten Tempel abreißen und in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht mit Händen gemacht ist‘ “ (Markus 14:58). Doch auch ihre Aussagen stimmen nicht völlig überein.

      Kaiphas fragt: „Hast du keine Antwort vorzubringen? Was sagen diese Männer da gegen dich aus?“ (Markus 14:60). Doch Jesus schweigt. Da sie mit den Falschanklagen nicht weiterkommen, versucht es Kaiphas mit einer anderen Taktik.

      Wie er weiß, reagieren die Juden ziemlich empfindlich, wenn jemand behauptet, Gottes Sohn zu sein. Als Jesus Gott zum Beispiel einmal als seinen Vater bezeichnete, beschuldigten ihn die Juden, sich Gott gleichzustellen, und wollten ihn umbringen (Johannes 5:17, 18; 10:31-39). Deshalb fordert Kaiphas Jesus nun hinterlistig auf: „Ich nehme dich bei dem lebendigen Gott unter Eid! Sag uns: Bist du der Christus, der Sohn Gottes?“ (Matthäus 26:63). Jesus hat sich bereits als Gottes Sohn bezeichnet (Johannes 3:18; 5:25; 11:4). Wenn er jetzt also nichts sagt, könnte es so aussehen, als würde er leugnen, Gottes Sohn beziehungsweise der Christus zu sein. Daher antwortet er: „Das bin ich. Und ihr werdet den Menschensohn auf der rechten Seite der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Markus 14:62).

      Da zerreißt Kaiphas theatralisch seine Obergewänder und ruft: „Gotteslästerung! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung doch selbst gehört! Was sagt ihr dazu?“ Daraufhin fällt der Sanhedrin das Urteil: „Er hat den Tod verdient“ (Matthäus 26:65, 66).

      Dann schlagen sie Jesus mit den Fäusten und verspotten ihn. Andere ohrfeigen ihn und spucken ihm ins Gesicht. Sie verhüllen sein Gesicht und höhnen: „Prophezeie! Wer hat dich wohl geschlagen?“ (Lukas 22:64). Stellen wir uns das vor: Dem Sohn Gottes wird nicht nur illegal der Prozess gemacht, sondern er wird auch noch misshandelt!

      • Wohin wird Jesus als Erstes gebracht, und was erlebt er dort?

      • Wohin bringt man Jesus anschließend? Wie bringt Kaiphas den Sanhedrin dazu, Jesus zum Tod zu verurteilen?

      • Wie wird Jesus beim Prozess behandelt?

  • Im Haus von Kaiphas verleugnet
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Vom Balkon aus sieht Jesus Petrus an, der ihn gerade verleugnet hat. Im Hintergrund ist ein Hahn zu sehen

      KAPITEL 126

      Im Haus von Kaiphas verleugnet

      MATTHÄUS 26:69-75 MARKUS 14:66-72 LUKAS 22:54-62 JOHANNES 18:15-18, 25-27

      • PETRUS VERLEUGNET JESUS

      Als Jesus im Garten Gethsemane festgenommen wurde, haben es seine Apostel mit der Angst zu tun bekommen und sind geflohen. Zwei sind ihm dann aber doch gefolgt: Petrus „und noch ein anderer Jünger“, offensichtlich der Apostel Johannes (Johannes 18:15; 19:35; 21:24). Auf dem Weg zu Annas holen sie ihn womöglich ein, und sie folgen ihm in sicherem Abstand, als er zum Hohen Priester Kaiphas gebracht wird. Bestimmt haben sie große Angst, aber die Sorge um ihren Herrn lässt sie weiterlaufen.

      Als sie das Haus von Kaiphas erreichen, darf Johannes, der dem Hohen Priester bekannt ist, hineingehen. Petrus wartet solange draußen, bis Johannes wieder zurückkommt und mit der Türwächterin spricht. Dann darf er ebenfalls hinein.

      Es ist kalt und im Innenhof brennt ein Kohlenfeuer. Petrus setzt sich zu den Leuten, die sich am Feuer wärmen, und wartet ab, wie Jesu Prozess ausgeht (Matthäus 26:58). Im Feuerschein kann die Türwächterin Petrus besser sehen und fragt ihn: „Bist du nicht auch ein Jünger dieses Mannes?“ (Johannes 18:17). Andere erkennen Petrus ebenfalls und verdächtigen ihn, ein Jünger Jesu zu sein (Matthäus 26:69, 71-73; Markus 14:70).

      Da bekommt er es mit der Angst zu tun und erwidert: „Ich kenne ihn nicht und weiß auch nicht, wovon du redest“ (Markus 14:67, 68). Um möglichst wenig aufzufallen, zieht er sich an den Eingang zurück. Als er dann wieder angesprochen wird, schwört Petrus sogar, „diesen Mann“ nicht zu kennen — ja ein Fluch solle ihn treffen, wenn er nicht die Wahrheit sagt (Matthäus 26:74).

      In der Zwischenzeit ist Jesu Prozess voll im Gange, vermutlich in einem Teil des Hauses, der zum Hof hin liegt. Petrus und die anderen können von unten bestimmt sehen, wie ein Zeuge nach dem anderen hinein- und wieder hinausgeführt wird.

      Die Leute hören am Dialekt von Petrus, dass er wie Jesus aus Galiläa kommt, und argwöhnen deshalb, dass er nicht die Wahrheit gesagt hat. Unter ihnen ist ein Verwandter von Malchus, dessen Ohr Petrus abgehauen hat. Der Mann hakt jetzt ebenfalls nach: „Hab ich dich nicht dort im Garten bei ihm gesehen?“ Petrus leugnet nun zum dritten Mal, Jesus zu kennen, und im selben Moment kräht ein Hahn, so wie Jesus es angekündigt hat (Johannes 13:38; 18:26, 27).

      Da dreht sich Jesus oben auf dem Balkon um und sieht Petrus direkt an. Sein Blick geht Petrus durch und durch. Er erinnert sich, was Jesus erst vor ein paar Stunden zu ihm gesagt hat, und ihm wird klar, was er soeben getan hat. Petrus ist am Boden zerstört! Er läuft hinaus und weint bitterlich (Lukas 22:61, 62).

      Wie konnte es nur so weit kommen? Petrus, der sich seiner Standhaftigkeit und Loyalität so sicher war, hat seinen Herrn verleugnet! Doch die Ereignisse haben ihn förmlich überrollt. Die Wahrheit ist verdreht worden und Jesus wird wie ein Verbrecher behandelt. Petrus hätte die Gelegenheit gehabt, sich für diesen unschuldigen Menschen einzusetzen. Doch stattdessen hat er den im Stich gelassen, der „Worte des ewigen Lebens“ hat (Johannes 6:68).

      Diese tragische Erfahrung zeigt eines: Auch wenn man einen starken Glauben hat und Gott treu ergeben ist — ist man nicht gut vorbereitet, können einen plötzliche Prüfungen und Versuchungen völlig aus der Bahn werfen. Was Petrus durchgemacht hat, ist eine Warnung für alle Diener Gottes!

      • Wie schaffen es Petrus und Johannes, in den Innenhof von Kaiphas’ Haus zu kommen?

      • Was spielt sich im Haus ab, während Petrus und Johannes im Hof warten?

      • Was tut Petrus gemäß Matthäus 26:74?

      • Was lernen wir aus der Erfahrung von Petrus?

  • Vom Sanhedrin verurteilt, dann zu Pilatus
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus steht vor Pontius Pilatus

      KAPITEL 127

      Vom Sanhedrin verurteilt, dann zu Pilatus

      MATTHÄUS 27:1-11 MARKUS 15:1 LUKAS 22:66 BIS 23:3 JOHANNES 18:28-35

      • MORGENDLICHE GERICHTSVERHANDLUNG VOR DEM SANHEDRIN

      • JUDAS ISKARIOT VERSUCHT, SICH ZU ERHÄNGEN

      • JESUS WIRD ZU PILATUS GEBRACHT, DAMIT DIESER IHN VERURTEILT

      Die Nacht ist fast vorüber, als Petrus seinen Herrn zum dritten Mal verleugnet. Der Scheinprozess vor dem Sanhedrin ist beendet und die Mitglieder trennen sich. Bei Tagesanbruch kommen sie wieder zusammen, um ihr Urteil zu bestätigen und von dem illegalen nächtlichen Prozess abzulenken. Wieder muss Jesus vor ihnen erscheinen.

      Der Rat fordert ihn auf: „Wenn du der Christus bist, dann sag es uns.“ Darauf entgegnet er: „Selbst wenn ich es euch sagen würde, ihr würdet es auf keinen Fall glauben. Und würde ich euch etwas fragen, würdet ihr nicht antworten.“ Dann ergänzt er: „Der Menschensohn wird ab jetzt an der mächtigen rechten Seite Gottes Platz nehmen“ (Lukas 22:67-69; Matthäus 26:63). So erklärt er mutig, dass er derjenige ist, der in Daniel 7:13 vorausgesagt wurde.

      Die Ratsmitglieder lassen nicht locker und fragen Jesus: „Bist du also der Sohn Gottes?“ „Ihr selbst sagt, dass ich es bin.“ Das reicht ihnen als Grund, um Jesus wegen Gotteslästerung hinrichten zu lassen. „Wozu brauchen wir weitere Zeugenaussagen?“, fragen sie (Lukas 22:70, 71; Markus 14:64). Sie fesseln ihn und bringen ihn zu dem römischen Statthalter Pontius Pilatus.

      Womöglich beobachtet Judas Iskariot, wie Jesus abgeführt wird. Als ihm bewusst wird, dass Jesus verurteilt worden ist, packt ihn das schlechte Gewissen. Doch statt aufrichtig zu bereuen und sich an Gott zu wenden, geht er in seiner Verzweiflung zu den Oberpriestern, um die 30 Silberstücke zurückzugeben. Er gesteht: „Ich habe gesündigt, als ich einen Unschuldigen verriet.“ Doch er bekommt nur die kaltherzige Antwort: „Was geht uns das an? Das ist dein Problem!“ (Matthäus 27:4).

      Da wirft Judas die Silberstücke in den Tempel. Dann versucht er, sich zu erhängen. Doch der Ast, an dem er das Seil befestigt hat, bricht offensichtlich ab und er stürzt auf die darunterliegenden Felsen, wo sein Körper aufplatzt (Apostelgeschichte 1:17, 18). Durch seinen Selbstmord lädt er nur noch mehr Schuld auf sich.

      Es ist noch früh am Morgen, als die Juden mit Jesus bei der Residenz von Pontius Pilatus ankommen. Sie wollen allerdings nicht hineingehen, da sie befürchten, durch den Kontakt mit Nichtjuden unrein zu werden. Am Abend beginnt nämlich der 15. Nisan, der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote, das als Teil der Passahzeit gilt. Wären sie dann unrein, könnten sie nicht an dem besonderen Essen teilnehmen.

      Darum kommt Pilatus zu ihnen heraus und fragt: „Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Mann?“ Sie erwidern: „Wenn er kein Verbrecher wäre, hätten wir ihn dir nicht übergeben.“ Pilatus fühlt sich wohl von ihnen unter Druck gesetzt und sagt daher: „Dann nehmt ihn und verurteilt ihn doch selbst nach eurem Gesetz.“ Da antworten die Juden: „Wir dürfen niemanden hinrichten“, und lassen so ihre mörderischen Absichten durchblicken (Johannes 18:29-31).

      Sie befürchten, dass es unter dem Volk zu Unruhen kommt, wenn sie Jesus beim Passah töten. Aber wenn sie die Römer dazu bringen könnten, ihn aus einem politischen Grund hinzurichten — wozu diese ja berechtigt sind —, könnte das Volk sie für seinen Tod nicht verantwortlich machen.

      Die religiösen Führer verheimlichen Pilatus, dass sie Jesus aufgrund von Gotteslästerung verurteilt haben. Stattdessen bringen sie drei erfundene Anklagen vor: „Wie wir herausgefunden haben, hetzt dieser Mann unser Volk auf, verbietet, Cäsar Steuern zu zahlen, und behauptet, er selbst sei Christus, ein König“ (Lukas 23:2).

      Als Vertreter Roms hat Pilatus allen Grund, bei dem dritten Anklagepunkt hellhörig zu werden. Deshalb geht er wieder hinein, lässt Jesus rufen und fragt: „Bist du der König der Juden?“ Damit sagt er gewissermaßen: „Stellst du dich gegen Cäsar, indem du dich als König bezeichnest, und übertrittst so das Gesetz des Römischen Reichs?“ Möglicherweise um herauszufinden, wie viel Pilatus bereits über ihn weiß, antwortet Jesus: „Fragst du das von dir aus oder haben dir andere von mir erzählt?“ (Johannes 18:33, 34).

      Pilatus gibt zu verstehen, dass er so gut wie nichts über Jesus weiß, aber gern mehr erfahren würde: „Bin ich etwa ein Jude? Dein eigenes Volk und die Oberpriester haben dich mir ausgeliefert. Was hast du getan?“ (Johannes 18:35).

      Jesus versucht nicht, der zentralen Frage auszuweichen, bei der es um sein Königtum geht. Doch seine Antwort dürfte den Statthalter Pilatus ziemlich überraschen.

      DAS BLUTFELD

      Judas wirft die 30 Silberstücke in den Tempel

      Die Oberpriester wissen nicht, was sie mit den Silberstücken anfangen sollen, die Judas in den Tempel geworfen hat. „Es ist nicht erlaubt, das in den Tempelschatz zu tun, weil Blut daran klebt“, argumentieren sie. Deswegen kaufen sie mit dem Geld das Töpferfeld, um es als Grabstätte für Fremde zu verwenden. Daher wird dieses Feld „Blutfeld“ genannt (Matthäus 27:6-8).

      • Warum kommt der Sanhedrin am Morgen noch einmal zusammen?

      • Wie stirbt Judas, und was geschieht mit den 30 Silberstücken?

      • Welche Anklagepunkte bringen die Juden gegen Jesus vor, damit Pilatus ihn hinrichtet?

  • Von Pilatus und Herodes für unschuldig befunden
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Herodes und seine Soldaten verspotten Jesus

      KAPITEL 128

      Von Pilatus und Herodes für unschuldig befunden

      MATTHÄUS 27:12-14, 18, 19 MARKUS 15:2-5 LUKAS 23:4-16 JOHANNES 18:36-38

      • JESUS WIRD VON PILATUS, DANN VON HERODES VERHÖRT

      Jesus versucht nicht, vor Pilatus zu verbergen, dass er wirklich ein König ist, sondern erklärt: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, dann hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert werde. Nun aber ist mein Königreich nicht von hier“ (Johannes 18:36). Jesu Königreich stellt somit keine Gefahr für Rom dar, da es sich nicht hier auf der Erde befindet.

      Doch mit dieser Erklärung gibt sich Pilatus nicht zufrieden und hakt noch einmal nach: „Bist du nun also ein König?“ Jesus bestätigt: „Du sagst selbst, dass ich ein König bin. Dazu wurde ich geboren und dazu kam ich in die Welt: um die Wahrheit zu bezeugen. Jeder, der auf der Seite der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Johannes 18:37).

      Vorher hat Jesus zu Thomas gesagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Und nun erfährt sogar Pilatus, warum Jesus zur Erde gesandt wurde: um die Wahrheit zu bezeugen, vor allem die Wahrheit über sein Königreich. Jesus ist fest entschlossen, immer zu dieser Wahrheit zu stehen, selbst wenn es für ihn den Tod bedeutet. Pilatus fragt: „Was ist Wahrheit?“, wartet die Antwort aber nicht ab. Er hat genug gehört, um sich ein Urteil über diesen Mann zu bilden (Johannes 14:6; 18:38).

      Pilatus geht wieder nach draußen zu der Menge, die vor der Residenz wartet. Jesus steht offensichtlich neben ihm, als er verkündet: „Ich sehe keinen Grund, diesen Mann zu verurteilen.“ Die Oberpriester und die anderen ärgern sich über diese Entscheidung. Sie lassen nicht locker und erklären: „Mit seinen Lehren hetzt er in ganz Judäa das Volk auf, angefangen von Galiläa bis hierher!“ (Lukas 23:4, 5).

      Die Oberpriester und älteren Männer hören nicht auf, gegen Jesus zu hetzen. Ihr blinder Fanatismus muss Pilatus ziemlich erstaunen. Er fragt Jesus: „Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen?“ (Matthäus 27:13). Doch Jesus schweigt. Trotz der heftigen Anklagen bleibt er völlig ruhig, was Pilatus sehr verwundert.

      Pilatus ist die Bemerkung der Juden aufgefallen, Jesus habe zuerst die Leute in Galiläa aufgehetzt. Darin sieht er eine Chance, sich der Verantwortung zu entziehen, ein Urteil über Jesus fällen zu müssen. Als er nachfragt und erfährt, dass Jesus tatsächlich aus Galiläa kommt, schickt er ihn zu Herodes Antipas (dem Sohn von Herodes dem Großen), dem Herrscher von Galiläa. Herodes hält sich gerade wegen des Passahs in Jerusalem auf. Er ist derjenige, der Johannes den Täufer enthaupten ließ. Später hörte er von Jesu Wundern und dachte, er sei der auferstandene Johannes (Lukas 9:7-9).

      Herodes freut sich über die Gelegenheit, Jesus persönlich zu treffen — aber nicht etwa, um ihm zu helfen oder um herauszufinden, ob die Anklagen gegen ihn tatsächlich wahr sind. Er ist einfach nur neugierig und hofft, „irgendein Zeichen“ von Jesus zu sehen (Lukas 23:8). Jesus tut jedoch nichts, was Herodes’ Neugier stillen würde. Als dieser ihn befragt, sagt er kein einziges Wort. Enttäuscht lassen Herodes und seine Soldaten ihn ihre Verachtung spüren (Lukas 23:11). Sie ziehen ihm ein prächtiges Gewand an und machen sich über ihn lustig. Dann schickt Herodes ihn zu Pilatus zurück. An diesem Tag werden aus den beiden Feinden gute Freunde.

      Als Jesus wieder bei Pilatus ist, ruft dieser die Oberpriester, die jüdischen Vorsteher und das Volk zusammen und erklärt: „Wie ihr seht, habe ich ihn vor euch verhört, finde aber keine Bestätigung für eure Anschuldigungen. Auch Herodes konnte nichts feststellen, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Und seht, er hat nichts getan, wofür er den Tod verdient. Ich werde ihn also bestrafen und dann freilassen“ (Lukas 23:14-16).

      Pilatus hat durchschaut, dass die Oberpriester Jesus aus Neid ausgeliefert haben. Deshalb will er ihn unbedingt freilassen. Und dann geschieht etwas, das ihn darin noch bestärkt. Während er auf dem Richterstuhl sitzt, wird ihm von seiner Frau die Nachricht übermittelt: „Tu diesem Gerechten nichts, denn seinetwegen hatte ich heute einen schrecklichen Traum“ (der offensichtlich von Gott kam) (Matthäus 27:19).

      Aber was kann Pilatus tun, um diesen unschuldigen Mann freizulassen?

      • Wie bezeugt Jesus, dass er ein König ist?

      • Welches Urteil bildet sich Pilatus über Jesus? Wie reagieren die Juden darauf? Was tut Pilatus daraufhin?

      • Warum freut sich Herodes Antipas darüber, Jesus zu treffen? Und was tut er mit ihm?

      • Weshalb möchte Pilatus Jesus freilassen?

  • „Seht! Der Mensch!“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus trägt eine Dornenkrone und ein purpurrotes Gewand; Pilatus präsentiert ihn der Menge

      KAPITEL 129

      „Seht! Der Mensch!“

      MATTHÄUS 27:15-17, 20-30 MARKUS 15:6-19 LUKAS 23:18-25 JOHANNES 18:39 BIS 19:5

      • PILATUS VERSUCHT, JESUS FREIZUBEKOMMEN

      • DIE JUDEN WOLLEN, DASS BARABBAS FREIGELASSEN WIRD

      • JESUS WIRD VERSPOTTET UND MISSHANDELT

      Pilatus hat zu der Menge, die Jesu Tod fordert, gesagt: „[Ich] finde . . . keine Bestätigung für eure Anschuldigungen. Auch Herodes konnte nichts feststellen“ (Lukas 23:14, 15). Nun versucht er etwas anderes, um Jesus freizubekommen, und fragt: „[Ihr] habt . . . doch den Brauch, dass ich am Passah jemanden freilasse. Wollt ihr also, dass ich den König der Juden freilasse?“ (Johannes 18:39).

      Gerade befindet sich Barabbas, ein berüchtigter Räuber, Rebell und Mörder, in Haft. Pilatus stellt die Juden vor die Wahl: „Wen soll ich freilassen: Barabbas oder Jesus, den sogenannten Christus?“ Von den Oberpriestern aufgestachelt verlangt die Menge die Freilassung von Barabbas. Doch Pilatus fragt noch einmal: „Wen von den beiden soll ich freilassen?“ Und wieder rufen sie: „Barabbas!“ (Matthäus 27:17, 21).

      Bestürzt antwortet Pilatus: „Und was soll ich mit Jesus, dem sogenannten Christus, machen?“ „An den Pfahl mit ihm!“, brüllen die Juden (Matthäus 27:22). Damit fordern sie die Hinrichtung eines Unschuldigen! Pilatus beschwört sie: „Warum? Was für ein Verbrechen hat dieser Mann denn begangen? Ich konnte nichts feststellen, wofür er den Tod verdient. Ich werde ihn also bestrafen und freilassen“ (Lukas 23:22).

      Aber es ist zwecklos. Die hysterische Menge schreit nur noch lauter: „An den Pfahl mit ihm!“ (Matthäus 27:23). Die religiösen Führer haben die Leute so aufgehetzt, dass sie Blut sehen wollen. Und sie fordern nicht das Blut irgendeines Verbrechers oder Mörders, sondern das eines Unschuldigen, der erst fünf Tage zuvor in Jerusalem als König willkommen geheißen wurde. Falls auch Jünger Jesu in der Menge sind, verhalten sie sich lieber still und unauffällig.

      Pilatus muss einsehen, dass all seine Bemühungen zu nichts führen. Ein Tumult bahnt sich an, und um ihn abzuwenden, nimmt Pilatus etwas Wasser, wäscht sich vor allen die Hände und erklärt: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Mannes. Das müsst ihr verantworten.“ Doch auch diese Geste bringt die Leute nicht zur Besinnung. Stattdessen rufen sie: „Sein Blut soll über uns und unsere Kinder kommen!“ (Matthäus 27:24, 25).

      Pilatus ist es wichtiger, die Juden zufriedenzustellen, als das zu tun, wovon er weiß, dass es richtig wäre. Darum gibt er nach und lässt Barabbas frei. Dann gibt er den Befehl, Jesus zu entkleiden und auszupeitschen.

      Nach dieser qualvollen Tortur bringen die Soldaten Jesus in die Residenz von Pilatus, wo sich die gesamte Truppeneinheit um ihn versammelt und ihn weiter misshandelt. Die Soldaten flechten eine Dornenkrone und drücken sie auf seinen Kopf. Dann geben sie ihm ein Schilfrohr in die rechte Hand und werfen ihm ein purpurrotes Gewand über, wie es nur hochrangige Persönlichkeiten tragen. Voller Verachtung spotten sie: „Sei gegrüßt, du König der Juden!“ (Matthäus 27:28, 29). Sie spucken ihn an und schlagen ihm ins Gesicht. Außerdem schlagen sie ihm mit dem stabilen Schilfrohr auf den Kopf und die spitzen Dornen der erniedrigenden „Krone“ bohren sich noch tiefer in seine Kopfhaut.

      Bei alldem zeigt Jesus eine außergewöhnliche Würde und Stärke. Das beeindruckt Pilatus so sehr, dass er einen weiteren Versuch unternimmt, Jesus nicht hinrichten zu müssen. Er sagt zu den Juden: „Seht! Ich bringe ihn zu euch hinaus, damit ihr wisst, dass ich keine Schuld an ihm finde.“ Denkt er, sie bekommen vielleicht doch noch Mitleid, wenn sie den blutenden und misshandelten Jesus sehen? Als Jesus vor der kaltherzigen Menge steht, ruft Pilatus aus: „Seht! Der Mensch!“ (Johannes 19:4, 5).

      Aus Pilatus’ Worten sprechen Mitleid und Respekt für diesen Mann, der trotz der Schmerzen und Wunden eine unglaubliche Würde und Ruhe ausstrahlt.

      AUSPEITSCHUNG

      Eine römische Peitsche

      Dr. William D. Edwards beschreibt im Journal of the American Medical Association, wie die Römer Menschen üblicherweise auspeitschten:

      „Das übliche Instrument war eine kurze Peitsche (flagrum oder flagellum) mit mehreren einzelnen oder geflochtenen Lederriemen unterschiedlicher Länge, an denen in bestimmten Abständen kleine Eisenkugeln oder scharfkantige Schafsknochenstücke befestigt waren. . . . Wenn die römischen Soldaten wiederholt mit voller Kraft auf den Rücken des Opfers schlugen, verursachten die Eisenkugeln tiefe Quetschungen, und die Lederriemen mit den Schafsknochen schnitten in die Haut und das unter der Haut liegende Gewebe ein. Im weiteren Verlauf der Auspeitschung klafften die Wunden bis in die tiefer liegenden Skelettmuskeln, und es wurden zuckende Fetzen blutenden Fleisches herausgerissen.“

      • Was versucht Pilatus alles, um Jesus freizubekommen und nicht für seinen Tod verantwortlich zu sein?

      • Was geschieht beim Auspeitschen?

      • Wie wird Jesus nach dem Auspeitschen noch weiter misshandelt?

  • Zur Hinrichtung ausgeliefert und abgeführt
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus bricht unter der Last des Marterpfahls fast zusammen und ein Soldat befiehlt Simon von Kyrene, ihn für Jesus zu tragen

      KAPITEL 130

      Zur Hinrichtung ausgeliefert und abgeführt

      MATTHÄUS 27:31, 32 MARKUS 15:20, 21 LUKAS 23:24-31 JOHANNES 19:6-17

      • PILATUS BEMÜHT SICH ERNEUT, JESUS FREIZUBEKOMMEN

      • JESUS WIRD VERURTEILT UND ZUR HINRICHTUNG ABGEFÜHRT

      Obwohl die Römer Jesus aufs Übelste misshandelt und lächerlich gemacht haben, sind die Oberpriester und ihre Komplizen immer noch nicht bereit einzulenken. Sie wollen Jesus um jeden Preis tot sehen und hören nicht auf, zu schreien: „An den Pfahl mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“ Da sagt Pilatus: „Nehmt ihn und richtet ihn selbst hin. Ich finde keine Schuld an ihm“ (Johannes 19:6).

      Die Juden konnten Pilatus nicht davon überzeugen, dass Jesus aufgrund einer politischen Anklage den Tod verdient. Aber wie steht es mit einem religiösen Vergehen? Sie kommen auf die Anklage zurück, um die es im Prozess vor dem Sanhedrin ging: Gotteslästerung. „Wir haben ein Gesetz“, sagen sie zu Pilatus, „und nach diesem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zum Sohn Gottes gemacht“ (Johannes 19:7). Dieser Vorwurf ist für Pilatus neu.

      Er zieht sich wieder zurück. Was kann er nur tun, um diesen Mann freizubekommen, der unter der schlimmsten Behandlung nicht eingeknickt ist? Seinetwegen hatte Pilatus’ Frau sogar einen Traum! (Matthäus 27:19). Und was hat es mit dieser neuen Anklage auf sich — dass der Gefangene sich zum „Sohn Gottes“ gemacht hat? Pilatus weiß zwar, dass Jesus aus Galiläa kommt (Lukas 23:5-7). Aber was, wenn Jesus wirklich schon einmal gelebt hat und vielleicht sogar göttlicher Herkunft ist? Pilatus fragt ihn deshalb: „Woher kommst du?“ (Johannes 19:9).

      Doch Jesus schweigt. Er hat Pilatus bereits gesagt, dass er ein König ist und sein Königreich kein Teil dieser Welt. Da gibt es nichts hinzuzufügen. Pilatus fühlt sich durch Jesu Schweigen aber in seinem Stolz verletzt und sagt verärgert: „Weigerst du dich etwa, mit mir zu reden? Weißt du nicht, dass ich die Macht dazu habe, dich freizulassen oder dich hinzurichten?“ (Johannes 19:10).

      „Du hättest gar keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gewährt worden wäre“, erwidert Jesus ruhig. „Deshalb hat der, der mich dir ausgeliefert hat, größere Schuld“ (Johannes 19:11). Dabei denkt er wahrscheinlich an niemand Bestimmtes. Er meint einfach nur, dass Kaiphas und seine Komplizen sowie Judas Iskariot eine viel größere Schuld trifft als Pilatus.

      Pilatus ist von Jesus tief beeindruckt und gleichzeitig wächst seine Befürchtung, er könnte wirklich göttlichen Ursprungs sein. Darum wagt er einen weiteren Anlauf, ihn freizulassen. Doch die Juden kontern mit einem neuen Argument, das Pilatus einschüchtert. Sie drohen: „Wenn du diesen Mann freilässt, bist du kein Freund Cäsars. Jeder, der sich selbst zum König macht, stellt sich gegen Cäsar“ (Johannes 19:12).

      Der Statthalter bringt Jesus noch einmal nach draußen vor die Menge, setzt sich auf seinen Richterstuhl und sagt: „Seht! Euer König!“ Doch die Juden bleiben hart. „Weg mit ihm! Weg mit ihm! An den Pfahl mit ihm!“, schreien sie. Pilatus fragt: „Euren König soll ich hinrichten?“ „Wir haben keinen König außer Cäsar“, behaupten die Oberpriester — und das, wo die Juden sich seit Langem über die Herrschaft der Römer ärgern! (Johannes 19:14, 15).

      Da gibt Pilatus feige den unerbittlichen Forderungen der Juden nach und liefert Jesus zur Hinrichtung aus. Die Soldaten ziehen ihm den purpurfarbenen Mantel aus und seine Obergewänder wieder an. Dann wird er abgeführt. Dabei muss er seinen Marterpfahl selbst tragen.

      An diesem Freitag, den 14. Nisan geht es mittlerweile auf Mittag zu. Jesus ist seit Donnerstagmorgen wach und hat seitdem eine Tortur nach der anderen erlebt. Der Pfahl ist einfach zu schwer für ihn und schließlich verlassen ihn seine Kräfte. Darauf zwingen die Soldaten einen Passanten — Simon aus Kyrene in Afrika — den Pfahl für ihn zum Hinrichtungsort zu tragen. Unzählige Menschen folgen ihnen. Sie klagen und schlagen sich vor Trauer an die Brust.

      Jesus sagt zu den trauernden Frauen: „Töchter Jerusalems, hört auf, über mich zu weinen. Weint stattdessen über euch und über eure Kinder, denn seht, es kommen Tage, da wird man sagen: ‚Glücklich sind die unfruchtbaren Frauen, die Mutterleiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gestillt haben!‘ Man wird dann zu den Bergen sagen: ‚Fallt auf uns!‘, und zu den Hügeln: ‚Bedeckt uns!‘ Wenn man das alles tut, solange der Baum saftig ist, was erst, wenn er vertrocknet ist?“ (Lukas 23:28-31).

      Jesus spricht von der jüdischen Nation. Sie ist wie ein sterbender Baum, in dem noch etwas Leben ist, denn Jesus ist noch auf der Erde und eine Reihe Juden glauben an ihn. Doch wenn Jesus stirbt und seine Jünger sich vom Judentum abwenden, wird die Nation geistig so vertrocknet sein wie ein toter Baum. Wenn dann die Römer als Gottes Urteilsvollstrecker kommen, wird die Trauer groß sein!

      • Welche Anklage erheben die religiösen Führer gegen Jesus?

      • Welche Befürchtung wächst in Pilatus?

      • Wie bringen die Oberpriester Pilatus schließlich dazu, Jesus hinrichten zu lassen?

      • Was meint Jesus mit dem Baum, der noch saftig ist und dann vertrocknet?

  • Der König leidet am Pfahl
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus verspricht dem Verbrecher, der neben ihm hängt: „Du wirst mit mir im Paradies sein“

      KAPITEL 131

      Der König leidet am Pfahl

      MATTHÄUS 27:33-44 MARKUS 15:22-32 LUKAS 23:32-43 JOHANNES 19:17-24

      • JESUS WIRD AN EINEN MARTERPFAHL GENAGELT

      • DIE INSCHRIFT, DIE ÜBER JESUS ANGEBRACHT WIRD, LÖST SPOTT AUS

      • JESUS STELLT EIN LEBEN IM PARADIES AUF DER ERDE IN AUSSICHT

      Jesus wird aus Jerusalem hinausgeführt. In der Nähe der Stadt befindet sich Golgotha, die Schädelstätte, die man „von Weitem“ sehen kann (Markus 15:40). Dort soll Jesus zusammen mit zwei Räubern hingerichtet werden.

      Die drei Verurteilten werden entkleidet und bekommen Wein angeboten, der mit Myrrhe und bitterer Galle vermischt ist. Offensichtlich haben Frauen aus Jerusalem dieses betäubende Mittel zubereitet und die Römer verwehren es den Todgeweihten nicht. Doch als Jesus den Wein probiert, lehnt er ihn ab. Bei seiner größten Prüfung will er im Vollbesitz seiner Sinne bis zum Schluss treu sein.

      Jesus wird auf den Pfahl gelegt (Markus 15:25). Dann schlagen die Soldaten Nägel durch seine Hände und Füße. Schrecklich sind die Schmerzen, als die Nägel durch Fleisch und Sehnen dringen. Unerträglich die Qualen, als der Pfahl aufgerichtet wird und das Gewicht des Körpers an den Nagelwunden zerrt. Doch statt die Soldaten zu beschimpfen, betet Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23:34).

      In der Regel bringen die Römer über dem Verurteilten ein Schild an, das über sein Verbrechen informiert. Auf dem Schild, das Pilatus an Jesu Pfahl anbringen lässt, steht: „Jesus, der Nazarener, der König der Juden“, und zwar auf Hebräisch, Lateinisch und Griechisch, damit möglichst viele es lesen können. Diese Inschrift spiegelt Pilatus’ Verachtung für die Juden wider, die auf Jesu Hinrichtung bestanden haben. Aber die Oberpriester protestieren: „Schreib nicht: ‚Der König der Juden‘, sondern dass er behauptet hat: ‚Ich bin König der Juden.‘ “ Pilatus will sich jedoch nicht mehr von ihnen ausnutzen lassen und erwidert: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Johannes 19:19-22).

      Passanten hören, wie die aufgebrachten Priester die falschen Zeugenaussagen wiederholen, die im Sanhedrin gegen Jesus vorgebracht wurden. Da schütteln sie abfällig den Kopf und spotten: „Ha! Du wolltest doch den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Dann rette dich selbst und komm vom Marterpfahl herunter!“ Auch die Oberpriester und Schriftgelehrten spotten untereinander: „Andere hat er gerettet, aber sich selbst kann er nicht retten! Der Christus, der König von Israel, soll jetzt vom Marterpfahl herunterkommen, damit wir es sehen und glauben können!“ (Markus 15:29-32). Sogar die Räuber rechts und links von Jesus beleidigen ihn, obwohl er als Einziger völlig unschuldig ist.

      Und auch die vier römischen Soldaten verspotten Jesus. Sie halten ihm ihren sauren Wein hin und machen sich wohl darüber lustig, dass er ihn nicht erreichen kann. Dann höhnen sie: „Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst“, und nehmen dabei auf die Inschrift Bezug (Lukas 23:36, 37). Das muss man sich einmal vorstellen! Ausgerechnet der Mann, der bewiesen hat, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, wird beleidigt und verspottet. Doch er lässt das alles über sich ergehen, ohne jemandem Vorwürfe zu machen — weder den Juden, die zusehen, noch den römischen Soldaten, die ihn verspotten, noch den beiden Verbrechern neben ihm.

      Soldaten werfen über Jesu Untergewand Lose

      Die vier Soldaten nehmen Jesu Obergewänder, zerteilen sie in vier Stücke und werfen Lose, wer welches bekommt. Bei seinem Untergewand beschließen sie allerdings, es nicht zu zerreißen, da es eine sehr gute Qualität hat. Es hat „keine Naht“, sondern ist „von oben bis unten durchgewebt“. Daher sagen sie: „Wir wollen . . . durch das Los entscheiden, wer es bekommt.“ Dadurch erfüllt sich die Schriftstelle: „Sie verteilten meine Gewänder unter sich und verlosten meine Kleidung“ (Johannes 19:23, 24; Psalm 22:18).

      Einem der Verbrecher ist mittlerweile klar geworden, dass Jesus wirklich ein König sein muss. Er weist den anderen deshalb zurecht: „Hast du denn gar keine Gottesfurcht, wo dich doch das gleiche Urteil getroffen hat? Uns geschieht es ja recht. Wir bekommen für unsere Taten das, was wir verdienen. Aber dieser Mann hat nichts Schlechtes getan.“ Dann bittet er Jesus inständig: „Denk an mich, wenn du in dein Königreich kommst“ (Lukas 23:40-42).

      Jesus antwortet ihm: „Ich versichere dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23:43). Anders als seinen Aposteln verspricht er ihm nicht, dass er mit ihm im Königreich sein und auf einem Thron sitzen wird (Matthäus 19:28; Lukas 22:29, 30). Ursprünglich hatte Jehova für Adam, Eva und ihre Nachkommen ein Paradies auf der Erde gemacht. Als Jude ist das dem Verbrecher sicher bekannt. Mit der Hoffnung auf das Paradies vor Augen kann er nun sterben.

      • Warum will Jesus nichts von dem Wein trinken, der ihm angeboten wird?

      • Welche Inschrift wird an Jesu Pfahl angebracht, und wie reagieren die Juden darauf?

      • Welche Prophezeiung erfüllt sich in Verbindung mit Jesu Kleidung?

      • Welche Hoffnung schenkt Jesus einem der beiden Verbrecher?

  • „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesus hängt zwischen den beiden Verbrechern tot am Pfahl und ein römischer Offizier sagt: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“

      KAPITEL 132

      „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“

      MATTHÄUS 27:45-56 MARKUS 15:33-41 LUKAS 23:44-49 JOHANNES 19:25-30

      • JESUS STIRBT AM PFAHL

      • JESU TOD WIRD VON AUSSERGEWÖHNLICHEN EREIGNISSEN BEGLEITET

      Es ist mittlerweile Mittag, „die sechste Stunde“, als „über das ganze Land eine Finsternis“ hereinbricht, die „bis zur neunten Stunde“, also 15 Uhr, andauert (Markus 15:33). Diese unheimliche Dunkelheit entsteht nicht durch eine Sonnenfinsternis, die ja nur bei Neumond auftreten kann. Jetzt ist aber gerade Passah und damit die Zeit des Vollmonds. Außerdem dauert eine Sonnenfinsternis nur ein paar Minuten, diese Finsternis hingegen drei Stunden. Sie muss also von Gott kommen!

      Stellen wir uns vor, wie sich die Finsternis auf die auswirkt, die Jesus verspottet haben! Nun nähern sich vier Frauen dem Marterpfahl. Es ist Jesu Mutter zusammen mit Salome, Maria Magdalene und Maria, der Mutter des Apostels Jakobus des Kleineren.

      Der Apostel Johannes steht neben den trauernden Frauen „beim Marterpfahl“. Maria blickt auf den Sohn, den sie geboren und aufgezogen hat und der nun Todesqualen leidet. Es ist, als würde sie „ein langes Schwert durchbohren“ (Johannes 19:25; Lukas 2:35). Obwohl Jesus schreckliche Schmerzen hat, denkt er an das Wohl seiner Mutter. Er bringt alle seine Kräfte auf, deutet mit dem Kopf auf Johannes und sagt: „Frau, das ist jetzt dein Sohn!“ Dann deutet er mit dem Kopf auf Maria und sagt zu Johannes: „Das ist jetzt deine Mutter!“ (Johannes 19:26, 27).

      Offenbar ist Jesu Mutter mittlerweile verwitwet und seine Halbbrüder glauben noch nicht an ihn. Deshalb vertraut er sie dem Apostel an, den er besonders liebt. So stellt er sicher, dass nicht nur für ihre physischen Bedürfnisse gesorgt ist, sondern auch für ihre geistigen. Was für ein großartiges Beispiel!

      Um die Zeit, als die Finsternis endet, sagt Jesus: „Ich habe Durst.“ Dadurch erfüllt sich, was in den Schriften prophezeit wurde (Johannes 19:28; Psalm 22:15). Jesus spürt, dass sein Vater ihm den Schutz entzogen hat, damit seine Integrität bis aufs Äußerste geprüft werden kann. Da ruft er: „Eli, Eli, lama sabachthani?“ Das ist wahrscheinlich ein galiläischer Dialekt des Aramäischen und bedeutet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Einige, die dabeistehen, verstehen nicht, was er meint, und sagen: „Seht mal! Er ruft Elia.“ Einer taucht schnell einen Schwamm in sauren Wein, steckt ihn an ein Schilfrohr und hält ihn Jesus zum Trinken hin. Aber andere sagen: „Wir wollen sehen, ob Elia kommt und ihn herunterholt“ (Markus 15:34-36).

      Dann ruft Jesus aus: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30). Ja, er hat alles erfüllt, wozu ihn sein Vater auf die Erde gesandt hat. Schließlich sagt er: „Vater, deinen Händen vertraue ich meinen Geist an“ (Lukas 23:46). Er vertraut Jehova seine Lebenskraft in der unerschütterlichen Zuversicht an, dass er ihn wieder auferwecken wird. Dann senkt er den Kopf und stirbt.

      Da beginnt die Erde heftig zu beben und Felsen spalten sich. Das Beben ist so stark, dass außerhalb von Jerusalem Gräber aufbrechen und Leichname freigelegt werden. Passanten, die die Toten daliegen sehen, gehen „in die heilige Stadt“ und berichten davon (Matthäus 27:51-53).

      Im Tempel wird in dem Moment, wo Jesus stirbt, der lange, schwere Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt, von oben bis unten entzweigerissen. Dieses Phänomen ist ein Ausdruck von Gottes Zorn auf die Mörder seines Sohnes. Außerdem zeigt es an, dass von nun an der Weg ins Allerheiligste, also in den Himmel, frei ist (Hebräer 9:2, 3; 10:19, 20).

      Verständlicherweise bekommen es die Menschen mit der Angst zu tun. Der für die Hinrichtung zuständige Offizier ruft aus: „Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn“ (Markus 15:39). Möglicherweise war er bei Jesu Verhör vor Pilatus dabei, als es darum ging, ob Jesus Gottes Sohn sei. Jetzt ist der Mann davon überzeugt, dass Jesus gerecht und wirklich Gottes Sohn ist.

      Andere laufen, von den Ereignissen völlig überwältigt, nach Hause und schlagen sich dabei vor Scham und Trauer „die ganze Zeit an die Brust“ (Lukas 23:48). Unter denen, die alles von Weitem beobachten, sind auch viele Frauen, die Jesus hin und wieder auf seinen Reisen begleitet haben. Auch sie sind von den Ereignissen tief erschüttert.

      „AN DEN PFAHL“

      Jesu Feinde schrien: „An den Pfahl mit ihm!“ (Johannes 19:15). Das griechische Wort, das in den Evangelien mit „Pfahl“ wiedergegeben wird, ist staurós. In dem Buch History of the Cross heißt es darüber: „stauros bedeutet ‚aufrechter Pfahl‘ — ein stabiler Pfosten, wie ihn Bauern in den Boden rammen, wenn sie Zäune oder Palisaden errichten — nicht mehr und nicht weniger.“

      • Weshalb kann die Ursache für die dreistündige Finsternis keine Sonnenfinsternis sein?

      • Welches Beispiel gibt Jesus, wenn es darum geht, für betagte Eltern zu sorgen?

      • Was geschieht durch das Erdbeben? Was bedeutet es, dass der Vorhang im Tempel entzweigerissen wird?

      • Wie wirken sich Jesu Tod und die damit einhergehenden Ereignisse auf die Augenzeugen aus?

  • Jesu Begräbnis
    Jesus — der Weg, die Wahrheit, das Leben
    • Jesu Leichnam wird für das Begräbnis vorbereitet

      KAPITEL 133

      Jesu Begräbnis

      MATTHÄUS 27:57 BIS 28:2 MARKUS 15:42 BIS 16:4 LUKAS 23:50 BIS 24:3 JOHANNES 19:31 BIS 20:1

      • JESUS WIRD VOM PFAHL GENOMMEN

      • JESU LEICHNAM WIRD FÜR DAS BEGRÄBNIS VORBEREITET

      • FRAUEN FINDEN EIN LEERES GRAB VOR

      An diesem 14. Nisan ist es mittlerweile später Nachmittag. Nicht mehr lange, dann geht die Sonne unter und der Sabbat beginnt. Jesus ist bereits tot, doch die beiden Räuber neben ihm leben noch. Gemäß dem Gesetz darf ein Leichnam „nicht über Nacht am Stamm bleiben“, sondern muss noch „am selben Tag“ beerdigt werden (5. Mose 21:22, 23).

      Dazu kommt, dass Freitag auch Vorbereitungstag ist. Die Leute bereiten die Mahlzeiten für den nächsten Tag vor und erledigen alles, was nicht bis nach dem Sabbat warten kann. Diesmal beginnt bei Sonnenuntergang sogar ein „großer“ Sabbat (Johannes 19:31). Der 15. Nisan ist nämlich der erste Tag des siebentägigen Festes der ungesäuerten Brote und damit immer ein Sabbat, unabhängig davon, welcher Wochentag gerade ist (3. Mose 23:5-7). Und da diesmal der 15. Nisan auf den regulären Sabbat fällt, ist er ein „großer“ Sabbat.

      Daher bitten die Juden Pilatus, den Verurteilten die Beine brechen zu lassen. So wird ihr Tod beschleunigt, weil sie sich nicht mehr abstützen können, um zu atmen. Zuerst brechen die Soldaten den beiden Räubern die Beine. Doch da Jesus anscheinend schon tot ist, brechen sie ihm die Beine nicht. So erfüllt sich Psalm 34:20: „Er behütet alle seine Gebeine. Kein Knochen ist ihm gebrochen worden.“

      Um sicherzugehen, dass Jesus wirklich tot ist, stößt ihm ein Soldat einen Speer in die Seite. Der Speer dringt bis in die Herzgegend ein und sofort fließen „Blut und Wasser“ heraus (Johannes 19:34). So erfüllt sich die Schriftstelle: „Sie werden den anschauen, den sie durchstochen haben“ (Sacharja 12:10).

      Bei der Hinrichtung ist auch ein gewisser Joseph dabei, „ein reicher Mann“ aus der Stadt Arimathia und geachtetes Mitglied des Sanhedrins (Matthäus 27:57). Er ist ein „guter und gerechter Mann“, der „auf Gottes Königreich wartet“. Joseph hat das Todesurteil des Hohen Rats nicht unterstützt, da er „ein Jünger Jesu“ ist — „aus Angst vor den Juden aber nur ein heimlicher“ (Lukas 23:50; Markus 15:43; Johannes 19:38). Nun bringt Joseph den Mut auf, Pilatus um Jesu Leichnam zu bitten. Sobald Pilatus von dem zuständigen Offizier die Bestätigung bekommt, dass Jesus wirklich tot ist, gewährt er ihm die Bitte.

      Joseph holt den Leichnam vom Pfahl herunter und wickelt ihn in sauberes, feines Leinen, das er dafür gekauft hat. Nikodemus, „der Mann, der Jesus am Anfang einmal bei Nacht aufgesucht hatte“, hilft ihm bei den Vorbereitungen für das Begräbnis (Johannes 19:39). Nikodemus hat auch rund 30 Kilogramm einer kostbaren Mischung aus Myrrhe und Aloe mitgebracht. Dem jüdischen Brauch entsprechend wickeln sie den Leichnam mit den aromatischen Substanzen in Leinenbinden ein.

      Dann legen sie ihn in der Nähe in ein unbenutztes, in den Fels gehauenes Grab, das Joseph gehört. Zuletzt wird ein großer Stein davorgewälzt. Bei alldem müssen sie sich sehr beeilen, um vor dem Sabbat fertig zu werden. Maria Magdalene und Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleineren, helfen ihnen wahrscheinlich bei den Vorbereitungen. Dann eilen die Frauen nach Hause, „um aromatische Substanzen und duftende Öle zu bereiten“ und den Leichnam nach dem Sabbat weiterzubehandeln (Lukas 23:56).

      Am nächsten Tag, dem Sabbat, gehen die Oberpriester und Pharisäer zu Pilatus und sagen: „Wir erinnern uns, dass dieser Betrüger, als er noch lebte, gesagt hat: ‚Nach drei Tagen werde ich auferweckt.‘ Ordne deshalb an, das Grab bis zum dritten Tag zu sichern, damit seine Jünger nicht kommen und ihn stehlen und dann zu den Leuten sagen: ‚Er ist von den Toten auferweckt worden!‘ Dieser letzte Betrug wäre noch schlimmer als der vorherige.“ Pilatus antwortet: „Ich stelle euch Wachsoldaten zur Verfügung. Geht und sichert das Grab, so gut ihr könnt“ (Matthäus 27:63-65).

      Am Sonntagmorgen gehen Maria Magdalene, Maria, die Mutter von Jakobus, und ein paar andere Frauen in aller Frühe zum Grab. Sie wollen Jesu Leichnam weiter mit den aromatischen Substanzen behandeln und überlegen: „Wer wird uns wohl den Stein vom Grabeingang wegwälzen?“ (Markus 16:3). Doch es hat ein Erdbeben gegeben und ein Engel Gottes hat den Stein weggerollt. Die Wachen sind weg und das Grab ist leer!

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen