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PhilippinenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2003
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Sogar die Gehörlosen „hören“
Mit der Zeit schien es ganz offensichtlich Jehovas Wille zu sein, dass man sich einer weiteren Sprachgruppe annahm — den Gehörlosen. Noch Anfang der 1990er Jahre tat sich auf den Philippinen praktisch nichts, um Gehörlosen zu helfen, Jehova kennen zu lernen. Bis dahin hatten sich nur sehr wenige Gehörlose den Versammlungen angeschlossen. Einige von ihnen lernten die Wahrheit allerdings auf außergewöhnliche Weise kennen. Manuel Runio beispielsweise, dessen Mutter eine Zeugin war, wurde mit der biblischen Wahrheit durch eine Schwester vertraut, die das ganze Studium mit ihm Wort für Wort schriftlich durchführte. Er ließ sich 1976 taufen. Auf der Insel Cebu lernten die gehörlosen Zwillinge Lorna und Luz die biblische Botschaft durch ihren blinden Onkel kennen. Wie konnte ein blinder Pionier Gehörlose lehren? Er verwendete die Abbildungen, wobei ihm seine Cousine zur Hand ging. Sie dolmetschte außerdem alles, was er sagte, in eine Zeichensprache, die die Zwillinge verstehen konnten, denn sie hatten nie die offizielle Gebärdensprache gelernt. Beide ließen sich 1985 taufen. Doch solche Bemühungen waren die Ausnahme.
Mehrere Faktoren führten dann dazu, dass dieses Gebiet schließlich betreut wurde. Als sich die Missionare Dean und Karen Jacek Mitte 1993 eine Zeit lang zu einer Schulung im Brooklyner Bethel aufhielten, wurden sie von Brüdern der Abteilung Übersetzungshilfe gefragt, was denn auf den Philippinen für die Gehörlosen getan werde. Eine junge Schwester auf den Philippinen hatte sich bereits für einen Gebärdensprachkurs angemeldet, weil sie sich gern mit einer gehörlosen Freundin, deren Familienangehörige Zeugen waren, unterhalten wollte. Des Weiteren hatten Liza Presnillo und ihre Pionierpartnerinnen in Navotas (Metro-Manila) in ihrem Gebiet Gehörlose gefunden, aber sie konnten sich mit ihnen nicht verständigen, und auch sie hatten sich deshalb schon vorgenommen, die Gebärdensprache zu erlernen, um diesen Menschen die Königreichsbotschaft vermitteln zu können.
Das Zweigbüro erfuhr, dass Ana Liza Acebedo, eine allgemeine Pionierin in Manila, an einer Gehörlosenschule arbeitete und als eine der wenigen Zeugen auf den Philippinen die Gebärdensprache beherrschte. Sie wurde gefragt, ob sie bereit sei, einigen Bethelmitarbeitern Unterricht in der Gebärdensprache zu geben.
Das wollte sie gern! Sie hatte sich schon oft gefragt, wie man all den Gehörlosen auf den Philippinen nur Zeugnis geben könnte. Der Kurs wurde von Bethelmitarbeitern und allgemeinen Pionieren aus dem Umkreis besucht. Die Schwestern in Navotas, die sich bereits für einen Gebärdensprachkurs angemeldet hatten, machten diesen Kurs auch weiter.
Dann ging alles recht schnell. Innerhalb von sechs Monaten wurde in drei Versammlungen in Metro-Manila in die Gebärdensprache gedolmetscht. 1994 wurde zum ersten Mal auch auf Kreis- und Bezirkskongressen gedolmetscht. Das Ziel war, vor allem gehörlosen Kindern von Zeugen Jehovas zu helfen. Etliche von ihnen gehörten zu den Ersten, die sich taufen ließen. Manuel Runio, der jahrelang treu die Zusammenkünfte besucht hatte, ohne dass dort in die Gebärdensprache gedolmetscht worden war, war über diese Neuerungen sehr glücklich.
Bald wurde auch aus anderen Teilen des Landes der Ruf nach Hilfe hörbar. Also wurden Liza Presnillo und ihre Partnerin als Sonderpioniere auf Zeit nach Olongapo geschickt, um dort im Gehörlosengebiet zu arbeiten. Sie konnten vielen Gehörlosen helfen. Bis Mitte 2002 wurden in 20 Orten außerhalb Manilas Gruppen in der Gebärdensprache gegründet. Ein Meilenstein war die Gründung der ersten Versammlung in der Gebärdensprache auf den Philippinen, und zwar in Metro-Manila im April 1999. Joel Acebes, einer der Bethelmitarbeiter, die den ersten Gebärdensprachkurs besuchten, ist heute Ältester in dieser Versammlung. Er sagt: „Wir freuen uns sehr, dass Jehova uns für dieses so wichtige Werk gebraucht.“ Ja, sogar Gehörlose „hören“ die Königreichsbotschaft. Zu sehen, wie es in diesem zuvor brachliegenden Gebiet jetzt vorangeht, ist wirklich ein Grund zur Freude.
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PhilippinenJahrbuch der Zeugen Jehovas 2003
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[Bild auf Seite 246]
Eifrige Pioniere haben die Gebärdensprache gelernt, damit Gehörlose vom biblischen Ernährungsprogramm profitieren können
[Bild auf Seite 246]
Die Schüler und Unterweiser der ersten Klasse der Pionierdienstschule in Gebärdensprache auf den Philippinen (Anfang 2002)
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