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Seite 2Erwachet! 1988 | 8. Juli
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Der Tod ist ein Feind, da er uns liebe Angehörige wegnimmt. Über das Thema Tod zu sprechen ist nicht erfreulich. Doch unsere Ansicht über den Tod beeinflußt stark unsere Lebensweise. Zu erfahren, was nach dem Tod geschieht, wäre uns eine Hilfe, den Sinn des Lebens besser zu verstehen. Unser Korrespondent in Großbritannien untersucht in den folgenden Artikeln die Frage: Was geschieht nach dem Tod?
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Das große GeheimnisErwachet! 1988 | 8. Juli
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Das große Geheimnis
„WENN Sie Gott persönlich eine Frage stellen könnten, was würden Sie ihn dann fragen?“ Eine Umfrage, die kürzlich in England durchgeführt wurde, ergab, daß 31 Prozent der Interviewten gern eine Antwort auf die Frage hätten: „Was geschieht nach dem Tod?“
Würdest du, wenn du die Gelegenheit hättest, auch diese Frage stellen?
Der Tod „ist das eine, das uns gewiß ist, und diese Gewißheit teilen wir mit jedem Lebenden“, schreibt der Forscher Mog Ball in seinem Buch Death (Tod). Paradoxerweise ist der Tod aber, wie er weiter ausführt, „unter Durchschnittsmenschen kein Gesprächsthema. Der Tod ist kein Thema, über das man mit Menschen spricht, die man nicht gut kennt.“
Tatsächlich möchten viele nicht einmal über den Tod nachdenken. In der World Book Encyclopedia heißt es: „Die meisten haben Angst vor dem Tod und verdrängen den Gedanken daran.“ Diese Angst ist in Wirklichkeit eine Angst vor dem Unbekannten, da der Tod für die meisten ein Geheimnis ist. Wenn daher jemand gestorben ist, gebraucht man oft verhüllende Ausdrücke, indem man sagt, er sei „verschieden“, „entschlafen“, habe „die Augen geschlossen“ oder ähnliches. Aber ist es, da wir uns alle mit dem Tod auseinandersetzen müssen, nicht möglich, genauer zu beschreiben, was nach dem Tod mit uns geschieht?
Skeptiker werden einwenden, dies sei eine hypothetische Frage, es handle sich um eine reine Glaubenssache. Die Encyclopædia Britannica schreibt: „Tod ist nicht Leben. Was er ist, kann man jedoch nur vermuten.“ In dem Werk wird außerdem erklärt: „Der Glaube, daß menschliche Wesen nach dem Tod in eine andere Existenzform übergehen, hat die Gedanken, Gefühle und Taten der Menschen tiefgreifend beeinflußt. Dieser Glaube begegnet uns in allen Religionen — vergangenen und gegenwärtigen.“
Wie sehen diese Glaubensansichten aus? Werfen sie Licht auf das, was nach dem Tod geschieht? Oder bleibt der Tod ein Geheimnis?
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Das Geheimnis wird rätselhafterErwachet! 1988 | 8. Juli
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Das Geheimnis wird rätselhafter
WENN sich Menschen um ein Sterbebett versammelt haben, wird ihnen die Realität vor Augen geführt. Doch mit anzusehen, wie jemand stirbt, wird immer ein erschreckendes, ja sogar furchtbares Erlebnis sein. Kein Wunder, daß Todesfälle stets von Geheimnis und Mutmaßungen umwoben sind. Das Leben ist kurz. Shakespeare sagte: „Tod will seinen Tag.“
Was ist der physische Tod? Das ist die erste Frage, die geklärt werden muß.
Eine unannehmbare Tatsache
Im Deutschen Universalwörterbuch (Duden) wird Tod einfach als „Aufhören, Ende des Lebens“ definiert. Der Mensch nimmt es zwar als etwas Natürliches hin, daß die Tiere sterben, doch seine Intelligenz sagt ihm, daß der Tod des Menschen ein Feind ist, was auch die Bibel bestätigt.a
Von allen Geschöpfen auf der Erde ist nur der Mensch imstande, über seinen eigenen Tod nachzudenken. Und nur er begräbt seine Toten. Das feierliche Bestatten Verstorbener rührt, wie die Encyclopædia Britannica erklärt, „von der instinktiven Unfähigkeit oder Weigerung des Menschen her, den Tod als das endgültige Ende des menschlichen Lebens zu akzeptieren. Trotz der entsetzlichen sichtbaren Beweise für den körperlichen Zerfall, der beim Tod einsetzt, hat sich der Glaube gehalten, daß ein Teil des Menschen die Todeserfahrung überlebt.“
Daher beruht das Brauchtum in Verbindung mit dem Tod häufig auf uralten Traditionen und geheimnisvollen abergläubischen Vorstellungen.
Bräuche und Glaubensansichten
Viele antike Gräber weisen zum Beispiel nicht nur Totengebeine auf, sondern auch deutliche Spuren von Nahrungsmitteln und Getränken, die in dem Glauben mitgegeben wurden, der Verstorbene brauche sie über den Tod hinaus. Auf ägyptische Holzsärge wurden Landkarten und Augen gemalt, um die Verstorbenen zu leiten. Auch Werkzeuge und persönliche Wertgegenstände wie zum Beispiel Schmuck wurden in der Annahme mitgegeben, die Toten würden sich in einem künftigen Leben darüber freuen.
Man hat Skelette in gekrümmter Haltung gefunden, ähnlich der fetalen Lage eines Kindes im Mutterleib, was von Experten als Hinweis auf den Glauben an eine Wiedergeburt gedeutet wird. Die Griechen und die Römer glaubten, die Toten müßten über den Styx, den Hauptfluß der Unterwelt, gefahren werden. Dieser Dienst wurde von Charon, einem dämonischen Fährmann, ausgeführt. Man bezahlte ihn dafür mit einer Münze, die in den Mund des Verstorbenen gelegt wurde — ein Brauch, der in vielen Teilen der Erde bis heute fortlebt.
„Es ist offenkundig, daß jede große Religion ihre Glaubensansichten über den Vorgang des Sterbens, den Tod selbst und das Leben nach dem Tode hat“, heißt es in dem Werk A Dictionary of Religious Education. Das stimmt, aber warum ist das so? Weil das Ende des Bewußtseins so schwer hinzunehmen ist. Im Grunde glaube niemand an seinen eigenen Tod, behauptete der Psychiater Sigmund Freud. Im Unbewußten sei jeder von uns von seiner Unsterblichkeit überzeugt.
Diese Denkweise hat natürlich zur Entstehung vieler weitverbreiteter Ansichten geführt. Betrachten wir einige der hauptsächlichen Vorstellungen.
Fegefeuer und Hölle
Wenn die Toten am Leben sind, müssen sie irgendwo sein — aber wo? Hier ergibt sich eine Schwierigkeit, da die Verstorbenen weder ganz und gar schlecht noch ganz und gar gut waren. Zufolge eines grundlegenden Gerechtigkeitsempfindens ist es üblich, die Verstorbenen zu unterteilen — in Gute und Schlechte.
Die rabbinische Ansicht wird in der Jewish Encyclopedia wie folgt dargelegt: „Am Jüngsten Tag wird es drei Arten von Seelen geben: Die Gerechten werden sogleich für das ewige Leben eingeschrieben, die Bösen für die Gehenna, doch diejenigen, bei denen sich Tugenden und Sünden die Waage gehalten haben, werden in die Gehenna hinabgehen und auf und ab treiben, bis sie geläutert emporsteigen.“ Viele werden in der letzten Aussage eine Beschreibung des Fegefeuers wiedererkennen.
Interessanterweise erklärt die New Catholic Encyclopedia in einer offiziellen Beurteilung der Lehre vom Fegefeuer einfach: „Die katholische Lehre vom Fegefeuer beruht auf Tradition und nicht auf der Heiligen Schrift.“ Das überrascht nicht, da das Wort in der Bibel nicht vorkommt und eine solche Vorstellung nicht von der Bibel vermittelt wird. Aber wie steht es mit der Gehenna, die gemäß der Jewish Encyclopedia der Bestimmungsort für die Bösen ist?
Gehenna ist die griechische Form des hebräischen Begriffs gē hinnóm, mit dem das Tal Hinnom bezeichnet wird, das südwestlich von Jerusalem gelegen ist. Es war ein Ort, wo in vergangenen Zeiten Kinder dem Gott Molech geopfert wurden. Die Jewish Encyclopedia schreibt darüber: „Aus diesem Grund hielt man das Tal für verflucht, und ‚Gehenna‘ wurde bald eine sinnbildliche Entsprechung der ‚Hölle‘.“
„Viele Religionen lehren“, so die World Book Encyclopedia, „die Hölle sei ein Ort oder Reich, das von Dämonen bevölkert sei und wo böse Menschen nach dem Tod bestraft würden.“ Das ist eine Lehre, die von einigen Kirchen der Christenheit und von anderen Religionen immer noch eifrig gepredigt wird. Aufgrund dessen sind viele mit einer echten Angst davor aufgewachsen, in die Hölle zu kommen.
„Als ich ein Junge war“, schrieb der englische Schriftsteller Jerome K. Jerome im Jahre 1926, „nahmen die meisten frommen Leute noch eine buchstäbliche Hölle als Tatsache hin. Die Ängste, die dadurch bei einem phantasiereichen Kind hervorgerufen wurden, können kaum übertrieben werden. Ich wurde dadurch veranlaßt, Gott zu hassen und später, als ich aufgrund meiner wachsenden Intelligenz diese Vorstellung als absurd verwarf, die Religion zu verachten, die sie gelehrt hatte.“
Wie du auch immer über die Hölle denkst (siehe den Beitrag „Hölle und Gehenna — der Unterschied“), viele halten den Himmel oder das Nirwana für den besseren Bestimmungsort.
Himmel und Nirwana
„Der Himmel ist der Ort und der gesegnete Zustand unendlicher Seligkeit in der Gegenwart Gottes, seiner heiligen Engel und der Heiligen“, heißt es in dem Buch The Catholic Religion—A Manual of Instruction for Members of the Anglican Church. „Im Himmel zu sein bedeutet außerdem eine ewige Vereinigung mit allen, die wir unten geliebt haben und die in Gnade gestorben sind, sowie für immer vollkommen gut und heilig zu sein.“
Das Nirwana hingegen spiegelt den buddhistischen Glauben wider, daß ein Zustand „vollkommenen Friedens und Glücks“ nur dann erlangt werden kann, wenn der „schmerzliche, ständige Kreislauf von Tod und Wiedergeburt“ schließlich endet. Ob Himmel oder Nirwana, die Religion bietet uns die Aussicht auf das Ende der Leiden des derzeitigen Lebens, worauf ein Leben in einer idyllischen Welt folgen soll.
Helfen uns diese widersprüchlichen Lehren, die Frage zu beantworten, was nach dem Tod geschieht? Oder wird das Geheimnis noch rätselhafter? Wie können wir sicher sein, daß unsere Ansicht die richtige ist? Lehrt uns die Religion Tatsachen oder etwas Erdachtes?
Was nach dem Tod mit uns geschieht, wird in ein Geheimnis gehüllt bleiben, es sei denn, wir können die fundamentale Frage beantworten, die der Schlüssel zum Verständnis ist: Was ist die Seele? Damit wollen wir uns als nächstes befassen.
[Fußnote]
[Kasten auf Seite 6]
Kryonik und Unsterblichkeit?
Kryonik ist ein Verfahren, bei dem Verstorbene bei sehr tiefer Temperatur eingefroren werden. Der Körper wird in einen Behälter gelegt, der mit flüssigem Stickstoff gefüllt ist, und auf −232 °C abgekühlt. Es besteht auch die Möglichkeit, „Neuropatient“ zu werden, d. h., nur der Kopf wird aufbewahrt. „Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod in religiösem Sinne“, sagt der Direktor einer britischen Firma, die dieses Verfahren durchführt, „aber ich liebe das Leben und halte das Aufhören des Bewußtseins für nachteilig.“ Diesem Geschäft liegt der Gedanke zugrunde, die Wissenschaft werde eines Tages imstande sein, die Körper wiederzubeleben und sogar neue Körper für die abgetrennten Köpfe zu klonen. Dies ist ein Versuch, so die Londoner „Sunday Times“, „Unsterblichkeit zu erlangen“.
[Kasten auf Seite 7]
Hölle und Gehenna — der Unterschied
Der Begriff „Höllenfeuer“ ist eine entstellende Wiedergabe des Wortes „Gehenna“, mit dem der frühere Müllabladeplatz außerhalb der Stadt Jerusalem bezeichnet wurde. Diesen Begriff gebrauchte Jesus als Symbol für ewige Vernichtung (Matthäus 10:28). Wie steht es mit der Hölle selbst (eine Wiedergabe des hebräischen Wortes „scheʼṓl“ und des griechischen Wortes „háidēs“)? Würde irgend jemand dorthin gehen wollen, wenn es ein Ort der Qual wäre? Wohl kaum, und doch bat der Patriarch Hiob, daß Gott ihn dort verbergen möge (Hiob 14:13). Jona war gewissermaßen in der biblischen Hölle, als er sich im Bauch des großen Fisches befand, und von dort betete er zu Gott um Befreiung (Jona 2:1, 2). Die biblische Hölle ist das allgemeine Grab der Menschheit, wo die Verstorbenen, die sich in Gottes Gedächtnis befinden, ruhen und von wo sie auferweckt werden können (Johannes 5:28, 29).
[Bild auf Seite 5]
Auf einen alten ägyptischen Sarg wurden Augen gemalt in dem Glauben, die Seele des Verstorbenen könne so hinausschauen
[Bildnachweis]
Mit freundlicher Genehmigung des Britischen Museums (London)
[Bild auf Seite 7]
Das heutige Tal Hinnom (südwestlich von Jerusalem)
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Das Geheimnis gelüftet!Erwachet! 1988 | 8. Juli
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Das Geheimnis gelüftet!
DIE meisten Leute nehmen an, der Tod sei nicht das Ende des menschlichen Lebens, sondern nach dem physischen Tod lebe etwas weiter. Dieses Etwas wird meist als Seele bezeichnet.
Als Antwort auf die Frage: „Woher wissen wir, daß Ruh [die Seele] den Körper verläßt, wenn er im Grab liegt?“ heißt es in der Zeitschrift The Straight Path: „Der Tod ist nichts anderes als das Entschwinden der Seele. Wenn die Seele den Körper verlassen hat, geht sie in Barsakh (Zeit nach dem Tod) über. ... Das Grab ist nur eine Aufbewahrungsstätte für den Körper, nicht für die Seele.“ Dies sind muslimische Ansichten, doch sie unterscheiden sich kaum von den Lehren der Christenheit.
Nehmen wir zum Beispiel zwei Fragen aus dem Catechism of Christian Doctrine, einem britischen Katechismus der katholischen Kirche, der in Schulen verwandt wird:
Frage: „Wieso ist deine Seele Gott ähnlich?“
Antwort: „Meine Seele ist Gott ähnlich, weil sie ein Geist und unsterblich ist.“
Frage: „Was ist damit gemeint, daß die Seele unsterblich ist?“
Antwort: „Damit ist gemeint, daß die Seele nie sterben kann.“
Kinder werden zwar gelehrt, dies zu glauben, aber das Buch bemüht sich nicht, die aufgestellten Behauptungen zu begründen.
Es gibt jedoch eine aufschlußreiche Quelle, die uns genau sagt, was die Seele ist. Diese Quelle ist die Bibel, das älteste dem Menschen bekannte Buch. Es mag dich überraschen, was sie darüber sagt.
Seele — die Definition der Bibel
Das erste Buch Mose, das erste Buch der Bibel, beschreibt die Erschaffung des Menschen und der anderen Geschöpfe, die auf dem Planeten Erde leben. Es wurde in Hebräisch geschrieben, und in den ersten beiden Kapiteln kommt viermal das Wort „Seele“, eine Übersetzung von néphesch, vor, doch nur einmal bezieht es sich auf den Menschen.a Worauf beziehen sich die anderen Stellen? Wir wollen sehen.
„Und Gott ging daran, die großen Seeungetüme zu erschaffen und jede lebende Seele [néphesch], die sich regt, die die Wasser hervorwimmelten, nach ihren Arten und jedes geflügelte fliegende Geschöpf nach seiner Art“ (1. Mose 1:21).
„Und jedem wildlebenden Tier der Erde und jedem fliegenden Geschöpf der Himmel und allem, was sich auf der Erde regt, in welchem Leben als eine Seele [néphesch] ist, habe ich alle grünen Pflanzen zur Speise gegeben“ (1. Mose 1:30).
„Und Jehova Gott bildete aus dem Erdboden jedes wildlebende Tier des Feldes und jedes fliegende Geschöpf der Himmel, und er begann sie zu dem Menschen zu bringen, um zu sehen, wie er jedes nennen würde; und wie immer der Mensch sie, nämlich jede lebende Seele [néphesch], nennen würde, das sei ihr Name“ (1. Mose 2:19).
Ein Vergleich dieser drei Verse zeigt, daß néphesch zur Beschreibung aller Arten tierischen Lebens gebraucht wird.
Wir möchten dies nun mit dem Bericht über die Erschaffung Adams, des ersten Menschen, vergleichen:
„Und Jehova Gott ging daran, den Menschen aus Staub vom Erdboden zu bilden und in seine Nase den Odem des Lebens zu blasen, und der Mensch wurde eine lebende Seele [néphesch]“ (1. Mose 2:7).
Damit in Verbindung erklärt die Jewish Publication Society of America in einer Übersetzung der Thora, der ersten fünf Bücher der Hebräischen Schriften: „Die Bibel sagt nicht, wir hätten eine Seele. ‚Nefesch‘ [néphesch] ist die Person selbst, ihr Nahrungsbedürfnis, das Blut in ihren Adern, ihr Wesen“ (Kursivschrift von uns). Logischerweise trifft dies auch auf alle anderen Lebewesen zu, die als „Seelen“ bezeichnet werden. Sie haben keine Seele. Sie sind Seelen.
Plato und die Seele
Woher stammt dann die Vorstellung, beim Tod verlasse eine Seele den Körper? In der bereits erwähnten Jewish Encyclopedia heißt es: „Nur durch die Verbindung der Juden zu persischem und griechischem Gedankengut faßte die Vorstellung einer von der körperlichen Hülle befreiten Seele, die eine individuelle Existenz hat, im Judaismus Fuß.“
Noch früher in der Menschheitsgeschichte glaubten die Ägypter, die menschliche Seele sei unsterblich und könne den toten Körper wieder aufsuchen. Aus diesem Grund gaben sich die Ägypter große Mühe, die Leichname zu erhalten, indem sie sie einbalsamierten oder mumifizierten.
Interessanterweise wird im Evangelischen Erwachsenenkatechismus offen zugegeben, daß die Lehre von der Unsterblichkeit der Menschenseele nicht aus der Bibel stammt, sondern daß der „griechische Philosoph Plato (427—347 v. Chr.) ... die Unterscheidung von Leib und Seele besonders nachdrücklich verfochten“ hat. Weiter heißt es: „Evangelische Theologen in neuerer Zeit bestreiten diese Kombination griechischer und biblischer Auffassungen. ... Sie lehnen die Aufspaltung des Menschen in Leib und Seele ab.“
Was geschieht also mit der Seele des Menschen beim Tod? In dieser Angelegenheit ist unsere höchste Autorität die Bibel, Gottes inspiriertes Wort. Sie erklärt deutlich: „Die Lebenden sind sich bewußt, daß sie sterben werden; was aber die Toten betrifft, sie sind sich nicht des geringsten bewußt“ (Prediger 9:5). Jesus sprach von „einer Auferstehung“ und sagte: „Alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, [werden] seine Stimme hören und herauskommen“ (Johannes 5:28, 29).
Wo sind somit die Toten? Im Grab, „in den Gedächtnisgrüften“, das heißt, sie sind im Gedächtnis Gottes, bis sie auferstehen werden.b Auferstehung? Was bedeutet das? Wie realistisch ist diese Hoffnung? Der abschließende Artikel gibt eine Antwort auf diese Fragen, gestützt auf ein tragisches Geschehen, das sich unlängst in England zutrug.
[Fußnoten]
a „Seelen“ (Mehrzahl) kommt außerdem in 1. Mose, Kapitel 1, Vers 20 und 24 vor.
b Der evangelische Katechismus stimmt mit der Bibel überein, wenn es darin heißt: „Weil der Mensch als ganzer ein Sünder sei, darum sterbe er im Tode ganz und gar mit Leib und Seele (Ganztod). ... Zwischen Tod und Auferstehung klafft ein Riß, der einzelne existiert höchstens im Gedächtnis Gottes weiter.“
[Kasten auf Seite 8]
Hast du das gewußt?
Nirgendwo in der Bibel lesen wir von einer „unsterblichen Seele“. Die beiden Wörter werden nie miteinander verknüpft. Die Wörter „unsterblich“ und „Unsterblichkeit“ kommen nur sechsmal darin vor, und zwar in den Schriften des Apostels Paulus. Wenn sich die Unsterblichkeit auf Menschen bezieht, wird sie als Preis beschrieben, den nur die 144 000 erhalten, die von der Erde erlöst werden, um mit Christus Jesus im Himmel zu regieren (1. Korinther 15:50-54; Offenbarung 5:9, 10; 14:1-4; 20:6).
[Kasten auf Seite 9]
Welche Autorität?
Das „Deutsche Universalwörterbuch“ (Duden) definiert „Seele“ wie folgt: „substanz-, körperloser Teil des Menschen, der nach religiösem Glauben unsterblich ist, nach dem Tode weiterlebt“. Diese Definition zeigt, daß die Auffassung, eine „Seele“ würde nach dem Tod weiterleben, Gegenstand religiöser Behauptungen bleibt. Keine Autorität kann diese Auffassung beweisen. Im Gegenteil, die höchste Autorität, die Bibel, sagt: „Die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben“ (Hesekiel 18:4).
[Bild auf Seite 9]
Die „Seele“ eines ägyptischen Schreibers, dargestellt als Falke mit Menschenkopf, wie sie „den Leib im Grab wieder aufsucht“
[Bildnachweis]
Mit freundlicher Genehmigung des Britischen Museums (London)
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